Erstes Blatt Mittwoch 25. März 1908 btB vomürngf iTuf)“ RotaLionsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerel. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. 8n^enn?l^ h"Äck! Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. 158. Jahrgang für ge- der Sie Ar- ^en jes^”6« Nr. 72 Der Gtehener Anzeiger erlcheini täglid), außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich StehenerZamilienblällcr; zweimal roödientl.KtciS: blattfürdenUreisG'.ehen (Dienstag und Freitag); zweimal moiiatl. Land- wtrtschaftiicheoeUfragen Fernwrech-Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse Hir Depeschen: Anzeiger Gtctzea. Lnnahme von Anzeigen ttüit ofrioiii Abzugeben M , ± mit SiM \OU griff m * MtinaboitStauen- AnÄelohnu^ jieuenweflj^ eher . in«vere'H' WA ou 2)}ßt4 Sntei , , Ivilllounip gierung war riiernand. Eine Minderheit sprach sich die territoriale Abgrenzung der Kammerbezirke, also gen die vom BundeSrat vorgeschlagene Angliederung Arbeits kammern an, die Berufsgenossenschaften, aus. war aber grundsätzlich für Arbeits- und nicht für KS s-s tzdcaiev' Mehrheit Arbeiterkammern und ein besonderes Reichs-Arbeitsamt als Zentrale. Aehnlich war es in Württemberg. Dort ist man grundsätzlich für reine Arbeiterkammern, für Arbeits kammern nur in territorialer Abgrenzung und mit Fachabteilungen und Ausdehmmg ihrer Kompetenz sogar auf die Lcmdlvirtschaft. Bei uns in Hessen wurde der Gesetz- entlvurf vor der Ministerialabteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe erörtert. Diese Behörde, zu der in solchen Fällen Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zugezogen werden, ist eine Art von hessischem Volkswirt- schaflsrat und verspricht, wenn sie auch in der Vielseitigkeit ihrer Zusammensetzung unt den württembergischen und bayerischen Zentralstellen für Handel und Gewerbe nicht verglichen werden kann, eine sachgemäße Behandlung, in der verschiedene Richtungen uni) Interessen zu Worte koinmen können. Auch in Darmstadt gingen die Meinungen ziemlich weit auseinander, aber für den Entwurf der Reichsre- iw Ml! Jöne Seiten, rbindungen. ■ Immobilie sVattcnland^ le gelegen zu etr bei Coil, fHo.1' B® Serien 1 "°chntaligez Hrik iäer ^antiker. en "U haben. BH«* e 6(61 Vümo, tRn 0285 -Jl^Dpmann, Mr Schlüße nir 0. Alonsnleni^^ Jpncnoiienr.! 3-ltr. 23, IL Littjqajt tüchtigen Wirt-, Mler zu mieitr. ftl Angeb. unter e»~ Anz. erdeter. Ker zu pachte ^mgarien,Trieb, o.^djiftenbergev ..Angebote mm ■B. Anz. erbeten gestreikt und ausgesperrt werden. Im Jahre 1906 gab es im Deutschen Reiche 2500 Streiks und Aussperrungen mit 316 000 beteiligten Personen und 2i/3 Millionen verlorenen Arbeitstagen. Im Jähre 1905 waren es 500000 Beteiligte und 71/3 Millionen Arbeitstage. Die begutachtende Tätigkeit der Gewerbegerichte ist, wenn man von einigen besonders gut geleiteten Instituten einiger Großstädte absieht, gleich Null. Woher kommt das? Die Antwort auf diese Frage ist ungemein einfach. Soweit es sich um wirklich „gemeinsame" Angelegenheiten allgemein wirtschaftspolitischer und nicht sozialpolitischer Natur handelt, werden diese Interessen durch die Handelskammern und Handwerkskammern in ausgezeichneter Weise vertreten. Die meisten privat-wirtschaftlichen Angelegenheiten, namentlich die Fragen des Lohns, oer Arbeitszeit, überhaupt die Arbeitsbedingungen sind niemals gemeinsame der Unternehmer Und Arbeiter, sie sind gegensätzlrche, können also auch nicht gemeinsam vertreten werden. Es liegt also nicht an der fehlerhaften Organisation, wie man immer wieder behauptet, sondern an dem natürlichen Widerstreit der Meinungen. Welcher Sozialpolitiker wünschte nicht, daß solche Gegensätze ohne Kampf friedlich gelöst und aus der Welt geschafft werden könnten? Aber das ist, so wie die Verhältnisse nun einmal liegen, ein frommer Wunsch. Darüber darf man sich nicht täuschen. Unter den zunächst Interessierten gibt es nun in der Arbeitskammerfrage dreierlei Richtungen, die sich aber in den Einzelheiten weiterhin verzweigen. Die eine Richtung will reine Arbeiterkammern. Zu ihnen gehört fast die gesamte organisierte Arbeiterschaft; aber auch manche Na- tionalökonomen, wie Brentano, Herkner, Sombart u. a. unterstützen diese Forderung auf das Lebhafteste. Es sind das die sog. „liberalen Kathedersozia(isten" der britischen Schule. Ein Teil der deutschen Presse, die „Frankfurter Zeitung" an der Spitze, behauptet, die Sozialdemokratie sei ursprünglich für Arbeitskammern gewesen, sie sei aber unter dem Druck oer Gewerkschaften jetzt nur noch für Arbeiterkammern zu haben. Diese Darstellung ist irreführend. Früher hat die offizielle Sozialdemokratie zu dem ganzen Problem nur eine theoretische und flüchtig programmatische Stellung eingenommen. In dem Augenblick, wo aber die Frage aktuell wurde, erklärte sie sich für Arbeiter kämme rn. Das ist durchaus begreiflich. Eine ziveite Iiichtung fordert dagegen paritätische Arbeitskammern. Dafür ist in erster Linie, das Zentrum mit seinem sozialpolitischen Führer Professor Hitze an der Tete, neuerdings auch ein Teil der nationalliberalen Partei, unter ihr namentlich Freiherr v. Hehl, ferner die große Vtehr- heit der deutschen Nationalökonomen. Auch die Linksliberalen, unter denen es ja reine Manchesterleute kaum noch gibt, haben sich mit diesem Gedanken vertraut gemacht. Namentlich aber die verbündeten Regierungen haben diesen Vorschlag akzeptiert. Ein glühendes Interesse an der Lösung des Arbeitskammerproblems und eine entsprechende publizistische Tätigkeit hat der jetzt von Jena nach Tübingen berufene Professor Harms an den Tag gelegt. Er hat sogar die „Kölnische Zeitung" für sich gewonnen und erklärte kürzlich den jetzt veröffentlichten Reichsgesetzentwurf trotz mancherlei kritischer Einwendungen für „durchaus annehmbar". Die dritte und letzte Richtung will weder Arbeiter- kammerm noch Arbeitskammern. Arbeiterkammern stellten — so meint sie —, konsequent gedacht, unzweifelhaft die rationellste Lösung des Ausbaues unserer Wirtschaftkammerorganisation dar, die ja durchaus auf unparitätischer Grundlage beruht. Aber diese Interessenvertretung besteht ja bereits in den Gewerkschaften und Gewerkschastskartellen. Sie öffentlich-rechtlich zu organisieren, liegt auch nicht der geringste Grund vor. Unsere Arbeiterschaft ist politisch und beruflich so straff und einheitlich gerüstet, wie kaum eine andere Jnteressentengruppe. Ihre Vereine und Verbände dienen zwar nicht dem sozialen Frieden, sondern dem geraden Gegenteil, aber genau dasselbe werden auch die Arbeiterkammern tun. Diese dritte Richtung will auch nichts von Arbeitskammern wissen, weil dort ein befriedigendes Zusammenarbeiten von Unternehmern und Arbeitern, so wie die Gegensätze und Kämpfe nun einmal sind, niemals au erwarten ist. Der Mißerfolg der Gewerbegerichte auf Diesem Gebiete liegt doch klar genug zu Tage. Die amtliche Geschäftsstattstil int „Reichsarbeitsblatt" schweigt sehr bezeich- neitder Weise über die begutachtende und antragstellende Tättgkeit dieser Behörden ganz. Sie wird also nicht sehr weit her sein. — Meinen ablehnenden Standpunkt habe ich in einer Broschüre und mehreren gegen meinen Kollegen Harms gerichteten Artikeln vor drei Jahren vertreten. Ich bin dafür ziemlich vermöbelt worden und fand auch auf der Arbeitgeberseite nur eine lahme Unterstützung. Das hat sich jetzt, als der verhältnismäßig sehr vorsichtig gehaltene Gesetzentwurf des Ministers 0. Bethmann-Hollweg herauskam, mit einem Schlag geändert. Zuerst hat sich der „Verein deutscher Arbeitgeberverbände" gegen Arbeitskammern energisch und einmütig ausgesprochen. Vor wenigen Tagen hat dann der „Deutsche Handelstag", die Zentralstelle aller deutschen Handelskammern, also die offizielle Vertretung des gesamten Handels und der ganzen deutschen Industrie, mit 233 gegen 70 Stimmen eine Resolution angenommen, in der er- sich nicht nur gegen den vorliegenden Gesetzentwurf, sondern gegen Arbertskammern überhaupt, erklärt. In der kleinen Minorität befand sich unter anderen die größte hessische Handelskammer, diejenige von Mainz. Ihr Vertreter erklärte die Arbeitskammer als das kleinere Uebel mit der etwas eigentümlichen Begründung, sie müßte wohl nicht so schlecht sein, weil die Gewerkschaften gegen sie seien. Dem „Verein deutscher Arbeitgeberveroände" hat sich am 11. März der „Zentralverbano deutscher Industrieller" angeschlossen. Was die einzelnen Bundesstaaten anbetrifft, so haben deren Regierungen zum Teil Gutachten der Interessenten eingefordert. In Bayern verlangt die 'and jeÖJOqmM swea, besgieitija ibgcitemcrroeg zr !ab. bei SdjmiB; iloge 50. _ 1®B icrtn. Freundet r- eickgeu. Haram MM, ob. ahm . xjir 269., cm MMLerm..» tarnt. ___W. teil’. -W in, L Favre ek jdjätte rounichtG iiü gutem M eltch.oel.z.tvech. n wi-re errouni^ ragen unter A wer gx DezugSpreiö: reif . Ä monatlich75 viertel- Eichener Anzeigers General-Anzeiger für Ohecheffen MW ’ • • » u. Land" und „Gerichts- beiter lammern. Die Mehrheit befürwortete dagegen einen doppelten Ausbau der Organisation. An ihrer Spitze sollte eine Reichs^entrale als nicht paritättsche Reichsarbeiterkammer stehen. Unter dieser Reichszentrale sollten ebenfalls nicht-paritätische Landeszentralen arbeiten. Tie örtliche Gliederung hat man sich in doppelter Weise gedacht: sachlich in der Form von Arbeitskammern, territorial in Arbeiterkammern. Man war fernerhin der Ansicht, daß der Schwerpunkt der Tätigkeit der Kammern in der Vertretung der Arbeiterschaft liegen müsse, während die Funktionen als Einigungsamt erst in zweiter Linie in Betracht kämen. Auch befürwortete man die Einbeziehung der landwirtschaftlichen Arbeiter, der Handwerker, der Hausindustriellen und Heimarbeiter in die Gremien. Hessen ist von jeher groß in der Versuchsgesetzgebung gewesen. Das zeigt sich auch hier wiederum deutlich. Man will einen ganz komplizierten Apparat nach dem Muster der Landwirtschaftskammer schaffen, so daß man neben der Landwirtschaftskammer des Landes und dem hessischen Handelskammertage sine offizielle Arbeitervertretung auf doppelter Grundlage einführt. Selbstverständlich hat dieses Projekt im Bundesrate und im Reichstage nicht die geringste Aussicht, angenommen zu werden. Aber auch dann, wenn man es landesgesetzlich verwirklichen wollte, würde es höchst bedenklich sein. Seine Durchführung wurde auf eine zweite Nebenvegierung, ein Jnteressentenparlament, hinauskommen und wahrscheinlich ebenso kostspielig wie die Landwirtschaftskammer, die von ihrem Steuerumlage- recht einen recht weitgehenden Gebrauch macht, werden« Vom Königreich -sechsen, dem industriellsten Lande des Reichs, wo die sozialen Gegensätze besonders scharf sind, Wilsen wir noch nichts über seine Haltung dem Arbeitskammerproblem gegenüber. Dasselbe güt von den Kleinstaaten. Mir in Bremen scheint man die Arbeits- iammern akzeptieren zu wollen. Hamburg wird diesem Beispiele kaum folgen. Vielleicht übernimmt die Führung, wie in der Vereinsrechtsfrage, Coburg-Gotha mit seiner Viertel-Million Einwohner. Die Coburger, denen neuerdings die Tatsache, daß sie beinahe eimnal die deutsche Präsidialmacht geworden wären, in den Kops gestiegen zu sein scheint, machen sich in der letzten Zeit ausfal- leno mausig und machen mobil gegen die 38 Millionen Preußen. Difficile est satiram non scribere! — Die deutschen nationalökonomischen Fachzeitschriften, die nwnatlich oder vierteljährlich erscheinen, haben noch keine Gelegenheit gehabt, zu den Bethmann-Hollweg- schen Plänen Stellung zu nehmen. Wenn sie das nachholen, werden sie voraussichtlich vorwiegend die Frage, ob örtliche ober berufliche Gliederung, Angliederung an die bestehenden Gewerbegerichte, oder an die Berufsge- nossenschaften, untersuchen. Auch die führende Zeitschrift unserer Juristen, die „Deutsche Juristenzeitung", die alle 14 Tage erscheint, hat sich zur Arbeitskammerfrage bisher nur sehr kurz und skeptisch geäußert. Im Großen und Ganzen ist eigentlich außer dem Zentrum, einem nicht zu großen Teil der Liberalen, den christlichen Gewerkschaften, die aber unter sich auch nicht einig sind, und den Männern der „Sozialen Praxis" niemand mit den Vorschlägen der Reichsregierung grundsätzlich einverstanden. Aber auch die Anhäiiger billigen wichtige Einzelheiten des Entwurfs nicht. Während ich noch vor drei Jahren mit meinen Ansichten ganz isoliert dastand — eine Lage, in der ich mich öfters, aber trotzdem leidlich wohl, befinde —, stehen jetzt das ganze deutsche Unternehmertum, die offiziellen Vertretungen von Handel und Industrie und viele nüchtern denkende Volkswirte durchaus auf meiner Seite. Im deutschen Handelstage, dessen Stellung als sehr maßgeblich angesehen werden muß, haben die Wortführer, obgleich ich zu dieser illusteren Versammlung nicht die geringsten Beziehungen habe, meine Llusführungen sich ganz zu eigen gemacht. Also ein bescheidener Erfolg posc festnm. Die Aussichten für die Annahme des Gesetzes sind also zurzeit ganz minimale. Es dürfte auch ziemlich ausgeschlossen sein, daß aus den Kommissionsberacungen noch etwas Brouck-bares herauskommt. Die Arbeits- kammern sind berechnet für das friedliche Zusammenarbeiten der Unternehmer und der Lohnarbeiter. Beide großen Jnteressentengruppen versprechen sich aber von den Arbetts- tammern diesen Erfolg nicht. Aian kann ihnen eine solche Institution nicht oktroyieren, weil man sonst Gefahr laust, daß von ihr der gewünschte Gebrauch einfach nicht gemacht wird. Die ganze Idee ist in der Studierstube weltfremder Utopisten ausgeheckt worden. Man warte ab, bis sie in reiferer Form wiederkehrt! Mr leiden überhaupt unter einem Uebermaß sozialpolitischer Versuchs Urbeiisfammern. Bon Professor Dr. Biermer. Am 4. Februar d. Js., am Jahrestage der denkwürdigen Kaiserlichen Februar erlasse des aufgeregten Jahres 1890, wurde der lange Zeit mit Spannung erwartete Gesetzentwurf über die Arbeitskammern im Reichsanzeiger bekannt gegeben. Das Datum der Veröffentlichung ist kein zufälliges, denn die Reichsregierung wollte damit gleichsam symbolisch andeuten, daß in der Tat in den Februar erlassen die Errnchtung von Arbeitskammern feierlich verheißen worden sei. So steht es auch in der — übrigens sehr dürftigen — Begründung des Gesetzentwurfs. Vier Jahre vorher hatte der Staatssekretär Graf Posadowsky-Wehner im Reichstage die in Arbeit befindliche Vorlage mit dem gleichen Hinweis auf die Einlösungspslicht eines solennen Versprechens angekündigt. Wenn es sich also wirklich um eine Kaiserliche Zusage handelt, wie ganz allgemein behauptet und geglaubt wird, so kommt freilich die Erfüllung etwas spät, nämlich nach Verlauf von 18 Jahren. Sie ist Halbwegs verjährt. Drei Reichskanzler sind darüber hinweggegangen und verstorben, und der sozialpolitische Kurs hat in dieser ereignisvollen Zeit mancherlei Wandlungen und Kurven durchgemacht. Ich stehe in der nationalökononüschen und juristischen Welt, soviel ich sehen kann, ganz allein mit meiner Auffassung da, daß das Kaiserliche Versprechen vom 4. Febr. 1890 gar nicht mehr einzulösen ist, weil das im selben Jahre bereits geschehen ist. Der viel zitierte Passus jener Botschaft lautet: „Für die Pflege des Friedens zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sind gesetzliche Besttm- mungen über die Formen in Aussicht zu nehmen, in denen die Arbeiter durch Vertreter, welche ihr Vertrauen besitzen, an der Regelung gemeinsamer Angelegenheiten beteiligt und zur Wahrnehmung ibrer Interessen bei Verhandlungen mit den Arbeitgebern und mit den Organen Meiner Regierung befähigt werden. Durch eine solche Einrichtung ist den Arbeitern der freie und friedliche Ausdruck ihrer Wünsche und Beschwerden zu ermöglichen und den Staatsbehöroen Gelegenheit zu geben, sich über die Verhältnisse der Arbeiter fortlaufend zu 'unterrichten und mit den letzteren Fühlung zu behalten. . ." Am 29. Juli 1890 wurde das Gewerbegerichtsgesetz, das 1901 novelliert worden ist, verabschiedet und trat am 1. April 1891 in Kraft. Unsere Eewerbegerichte haben bekanntlich dreierlei Funktionen. Sie sind: 1. wirkliche Gerichte zur Entscheidung von Rechts- stteitigkeiten zwischen gewerblichen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und gewerblichen Arbeitern untereinander mit einer bestimmten sachlichen und örtlichen Zuständigkeit. Sie treten hier an die Stelle der Amtsgerichte. 2. Die Gewerbegerichte versehen in einer besonderen Zusammensetzung die öffentlich-rechtliche Tätigkeit von Einigungsund Schiedsämtern. 3. Die Gewerbegerichte sind, ebenfalls in paritätischer Zusammensetzung, berechtigt und verpflichtet, in gewerblichen Fragen Gutachten und Anträge an Staats- und Kommunalbehörden und die gesetzgebenden Körperschaften der Bundesstaaten und des Reiche abzugeben. Ganz analoge Bestimmungen enthält das Reichsgesetz betreffend die Kaufmannsgerichte vom 6. Juli 1904. In der Handwerkernovelle vom 26. Juli 1897 sind an den durch sie neu geschaffenen Handwerkskammern die Bildung von Gesellenausschüssen obligatorisch vorgeschrieben worden. Die Gesellen im Hand- toerk sind also die einzige Arbeitergruppe, die eine obligatorische Sondervertrelung auf reichsgesetzlicher Grundlage hat. Die Gesellenausschüsse sind also eine Art von Arbeiterkammern. Man unterscheidet neuerdings in Theorie und Praxis zwischen Arbeiterkammern und Arbeitskammern. Arbeiterkammern sind nicht paritätische Kollegien, gehören also zu den sogenannten „Wirtschaftstammern". Die Wirtschaftskammern der Unternehmer sind die Handelskammern, die Landwirtschaftskammern und die Handwerkskammern. Die Wirtschaftskammer der Arbeitnehmer im Handwerk ist der Gesellenausschuß. Arbeitskammern dagegen sind paritätisch aus Arbeitgebern und Tlrbeitnehmern zusammengesetzte Kollegien, denen die Interessenvertretung und das Emigungs- verfahren übertragen ist. Diese Arbeitskammern hat Kaiser Wilhelm II. in seinem Februarerlaß feierlich versprochen. Nirgends ist gesagt, ob sie territorial ober beruflich gegliedert werden sollen, und nirgends steht geschrieben, daß sie überall, gleichgültig, ob ein Bedürfnis für sie vorliegt ober nicht, eingerichtet werden sollen. Die Zusage war also vollkommen erfüllt, wenn die Arbeitskammern je nach Bedürfnis gesetzlich zugelassen waren. Tas ist aber im Gewerbegerichtsgesetz von 1890 gewährleistet, denn die Gewerbegerichte sind in ihrer dritten Funktion unzweifelhaft Arbeitskammern. In Gemeinden über 20 000 Einwohner sind sie obligatorisch, in kleineren Bezirken, eventl. auch für größere Ko mm un a l verbänd e, fakultativ zulässig. Wir Ijaben im Deutschen Reiche ettva 400 Gewerbegerichte, ebensoviel Jnnungsschiebsgerichte, 250 Kaufmannsgerichte und 71 Handwerks- und Gewerbeiämmem. Die gewerblichen Arbeiter, die Handwerksgesellen und neuerdings die Handlungsgehülfen und Hanblungslehrlinge sind also in Arbeitskammern bereits eingegliedert. Diese Kategorien von Personen wählen, wie es im Kaiserlichen Erlaß heißt, Vertreter, welche ihr Vertrauen besitzen. Ihre Delegierten sind an der Regelung gemeinsamer Angelegenheiten beteiligt und zur Wahrnehmung ihrer Interessen, sowohl den Arbeitgebern wie den Behörden gegenüber, berufen. Wir haben also eigentlich alles, was der Februarerlaß in Aussicht gestellt hat. Wir besitzen längst paritätische Arbeitskammern un wirklichen Sinne des Worts. Freilich funktioniert der ganze sinnreiche Llpparat, soweit die wirtschaftskammerähnuche Tätigkeit in Frage kommt, ab- solut nicht. Auch das Einigungsverfahren läßt viel zu wünschen übrig, sonst würde nicht so viel mid so hartnäckig Der Ausbau unserer Arbeiterschutzgesetzgebüng ist dringlicher als die Arbeitskammerfrage. Zuerst stelle man die Tarifgemeinschaften, denen die Zukunft gehört, rechtlich sicherer, als es bisher der Fall ist, dann ordne man endlich die Rechtsverhältnisse der Berufsvereine, was ja schon in Mrgriff genommen war. Weiterhin ändere man den § 75 oes Gewerbegerichtsgesetzes, indem man besondere Ausschüsse der Unternehmer und der Arbeiter, die getrennt verhandeln und beschließen, zuläßt. Es ist zweifelhaft, ob das auf statutarischem Wege bereits jetzt möglich ist. Die Arbeitskammcrvorlage rann man für eine spätere Zeit zurückstellen. Der neue Reichstag mit seiner Blockmehrheit, der jetzt unter Ausschluß der Oefsentlich- keit tagte, was für den vielgeplagten Zeitunosleser eine wahre Erholung war, hat viel dringlichere Aufgaben zu lösen, als die' leidige Arbeitskammersache. Auch wenn die Regierungsvorlage vorläufig ehrenvoll begraben werden sollte, ist ja der „Einlösung des Kaiserlichen Worts" — hne das verbrauchte und anfechtbare Schlagwort heißt —- endlich Genüge getan. „Quieta non movere!", würde Bismarck sagen. Das ist unter Umständen immer noch eine der probatesten staatsmännischen Sentenzen. Der Zournalistenstreik ist beendet. Gestern, zu später Abendstunde, ist den Journalisten bes Reichstages endlich die erwartete Genugtuung zuteil geworden. Abg. Gröber gab am Schluß der gestrigen Reichstagssitzung folgende Erklärung ab: In der Sitzung des Reichstages am 19. März sagte der Abgeordnete Erzberger in einer Rede über die Kow- nialpolttik, „der Eingeborene ist auch ein Mensch, aus- gestattet mit einer unsterblichen Seele und zu derjenigen ewigen Bestimmung berufen wie wir". Nach Anhörung dieser Worte, wie ich ausdrücklich hervorheben will, verzeichnet der unkorrigierte, amtliche stenographische Bericht Unruhe, Zwischenrufe von der Journalistentribüne, lebhafte Entrüstungsrufe aus der Mitte, Mocke des Präsidenten. An den lebhaften Entrüstungsrufen aus der Mitte war auch ich beteiligt. Das Gelächter von der Journalistentribüne war so auffallend, daß ich mit anderen Kollegen den Eindruck gewonnen habe, es handele sich um eine Verhöhnung des Inhaltes der Ausführungen des Redners. Ich möchte hinzusügen, daß ich wenige Tage vorher, nämlich in der Abendsitzung am 16. Mär^, durch einen Zuruf von der Journalistentribüne gestört worden bin, einen Zuruf, der dann vom Präsidenten gerügt wurde. Der stenographische Bericht über die Sitzung am 19. März bestätigt, daß solche Storungen von der Journalistentribüne auch sonst wiederholt erfolgt sind. (Sehr richtig im Zentrum/« Wenn ich in Erinnerung an die Vorgänge der letzten Zeit und angesichts des Ernstes der von dem Redner behandelten Frage meiner Entrüstung über das Gelächter einen unparlamentarischen Ausdruck gegeben habe, bitte ich um Entschuldigung. (Beifall.) Diese Erklärung des Wg. Gröber wurde den Journalisten amtlich mitgetcilt. Die Versammlung der Journalisten des Reichstages nahm hierauf folgende Schluß- resolution an: „Die Journalisten der Reichstagstribüne Nehmen Kenntnis von der unter dem Druck der Fraktionen des Reichstages abgegebenen Entschuldigung des Abg. Grüber. Sie erkennen damit an, daß sich das Haus bemüht hat, die Verfehlung eines Mitgliedes den Journalisten gegenüber iu sühnen, und nehmen mit Rücksicht aus die Interessen des Landes und des Parlaments vom Donnerstag an die Arbeit wieder auf." Die Resolution wurde mit 70 gegen 2 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen angenommen. Die Journalisten faßten ferner folgenden Beschluß: „Die Journalisten des Reichstages sprechen den Journalisten im In- und Auslande, die ihnen bisher in so brüderlicher Weise beistanden, herzlichen Tank aus und erwarten, daß ihre Unterstützung ihnen auch weiterhin nicht fehlen werde." Auch gestern noch waren den Journalisten des Reichstages zahlreiche Sympathiekundgebungen zugegangen; selbst em oberschlesisches Zentrumsblatt, die „Neustädter Ztg.", hatte sich dem JournalistenftrejL angeschlossen. Der Ehef- redakteur Hugo Bürkner, früher Redakteur der „Schlesisch. Vollsztg.", erklärt im Leitartikel, die Wahrung der Stan- desehre stehe chm höher als die Rücksichtnahme auf einen Abgeordneten, möge dieser auch der eigenen Partei an» gehören. Run ist der eigenartige Konflikt zwischen dem deutschen Reichstage und der Presse also endlich glücklich beigelegt, und man darf nun wohl hoffen und wünschen, daß die deutschen Journalisten nie wieder gezwungen sein werden, zu dem Kampfmittel des Streiks zu greifen. Es ist beschämend für den ganzen deutschen Parlamentarismus, wenn die im Reichsparlamente tätigen Journalisten schutzlos jeder Beschimpfung ausgesetzt sein sollen. Möge das deutsche Neichs- tagSpräsidium in dieser Beziehung etwas von den guten Sitten anderer Kulturvölker lernen und besser darauf achten, daß die unter gebildeten Menschen üblichen Umgangsformen nicht wieder in solcher Gröber - Weise außer Acht gelassen werden. Ueber die nächste Neichstagssitzung, die am Donnerstag stattsindet, werden wir unsere Leser wieder ausführlich, wie früher, berichten. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung stehen: Fortsetzung der Etatsberatung und Aersichcrilngs- vertrag. parlantetttarifdyes. Zm Preußischen Abgeordnelenliause stund gestern die erste Beratung der Setundärbahn- Vorlage auf der Tagesordnung. In der allgemeinen Be» sprechiing führte Mniister Breitcnbach u. a. aus, daß diese Vorlage die umjangreichste jei seit dem Bestehen der Slaalsdahnen. Sie fordere gegen 1607 200 Mill. Alk. mehr. Trotz der Hoden An» forbexungen, welche die bestehenden Bahnen an ben Fiskus stellen, werde für neue Bahnen der hohe Betrag von »37 127 000 Mk. gefordert. Ter Minister gab dann einen Rückblick auf die feil Begründung der Staatsbahnvcrivaltlmg für diese verausgabten anßer- ordenlllchen Mittel, die sich bis Ultimo 1907 auf 4'/^ Milliarde belau'en. Bei der allgemeinen Aussprache wurde eine'Reihe von Emzelwünschen vvrgeiragen. Morgen Hebanunengefetz, fleineie Vortagen und Fortsetzung der Setun'darbayn-Vortage. Berlin, 24. Marz. Die schon seit Wochen an ge» kündigte Novelle zum Münzgefetz ist nunmehr dem Reichstag vorgelegt morden. Sie verlangt die Z u st i m m u n g z ti r A u s p r a g u n g eines 2 5 P i g. - Stückes (oljne Angabe b er For m) u n d die Erhöhung der Silberguore von 15 auf 20 Alk. pro Kopf der Bevölkern ng. Die Akorgenblätter melden aus Lübeck: Die Bürgerschaft lehnte die von ben Sozialdemokraten beantragte Einführung deS allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechtes ab. Rrr-land. Das „Berk. Tgbk." meldet aus Petersburg: Aus Medweed im $oiü)ernerneut Nowgorod treffen fortgesetzt Meldungen über Zuchtlosigkeiten im dort st eh enden Bataillon ein, das auS disziplinierten Soldaten des Preobraschenskischen Regimentes gebildet ist. Desertionen sind an der Tagesordnung. Tie Verhaftungen von Terroristen, .die längs der finnländifchen Bahn Attentate vorbereiteten, dauern fort. In W i b o r g allein rtnrrben in der letzten Woche 21 Personen aus diesem Grunde festgenoinmen. Eine größere Anzahl weiterer Verhaftungen wurde aus der finnischen Grenzstation Beloostrow gemeldet. ■ Die Reichsduma beschäftigte sich gestern in längeren Debatten mit der zweiten Lesung der Gesetzesvorlage über die Erhebung der russischen Gesandtschaft in Tokio zur Botschaft. Die Voss. Ztg. meldet aus Belgrad: KronprinzGeor g richtete an seinen bisherigen Rechtsiehrer Professor Ku manu di, der kürzlich als geistiger Urheber des bekannten kronprinzlichen Schreibens in der Apanageangelegenheit seiner Stelle enthoben wurde, ein Schreiben, in welchem er über diese Enthebung sein Bedauern ausdrüüt und ihm für feine bisherige Tätigkeit dankt. Da die Maßregelung des Professors durch die Regierung im Einvernehmen mit dem Könige erfolgte, so trägt der Brief des Kronprinzen den Charakter deroffenen Auflehnung gegen Regierung und König. Peking, 24. März. Die blutigen Unruhen, die infolge der Freigabe des japanischen Dampsters Tat- f u Maru ausgebrochen sind, dauern fort Eine ungeheuere Menschenmenge verlangte die Abberufung des Generalgouverneurs von Cautvn. Die japanischen Kaufleute verlassen die L>tadt. Die Lage ist sehr ernst. Ans stadr und Land. G i e 0 e n, 2ö. März 1908. Meister- und Gesellenprüfungen. Di'' Erhebungen über die Durchführung des Hand- lverkergeseßes haben für die einzelnen Kammerbezirke interessante Ergebnisse aufzuweifen, insbesondere ist auf dem Gebiet des Gesellen- und Rietstcrprüfungswcsens in allen deutschen Kammern Hervorragendes geleistet worden. Die Aufsicht über diese Prüfungen führen bekanntlich die Handwerkskammern. Im Kammerbezirk Darmstadt sind feit Inkrafttreten des Handwerkergesetzes, insbesondere der Bestimmungen über das Prüfnngswesen nachstehende Wahlen von besonderem Interesse. Die Meisterprüfung haben im Bezirk der Kammer Darmstadt bis Schluß des Jahres 1907 bestanden: in der Provinz Starkenburg 250 Prüflinge; in der Provinz Rheinhessen 234 Prüflinge; in der Provinz Oberhessen 297 Prüflinge. Vor den Gesellenprüf ungS- A us sch ässen bestanden bis Schluß des Jahres 1907 insgesamt 10-014 Lehrlinge die Prüfung, davon entfallen auf die Provinz Starkenburg 4394 Prüflinge, auf die Provinz Rheinhessen 3168 Prüflinge und auf die Provinz Ober- h essen 2452 Prüflinge. Interessant ist auch der Nachweis, daß sich die Zahl der Prüflinge in jedem Jahr gegen das des Vorjahres erheblich erhöht hat. * * * Vom Großh. Hofe. Graf und Gräfln zu Dohna- Schlobitten sind am Dienstag morgen zu mehrtägigem Besuch im neuen Palais zu Darmstadt eingetroffen. Die Gräfln zu Dohna-Schlobitten ist eine Schwester der Großherzogin. • • Für bie Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag den 26. März, nachmittags 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung vorgesehen: 1. Schutzstreifen bei der Irrenanstalt. > 2. Unterhaltung der Anlagen vor dem Unioersitätsgebäude. 3. Jahresbericht der Omnibusgesellschast. 4. Verpachtung eines Grundstückes an den Ziegenzucht-Verein. 5. Vorläufige Kreditbewilligung für 1908. * * Fasch - Ausst eilung für das Gastwirte- Gewerbe und verwandte Berufszweige. Nicht geringes Interesse werden auf der Ausstellung die praktischen Vorführungen der Koch-Abteilung der Alice-Schnle zu Gießen, sowie der. Kreishaushaltungsschulen Gießen und Friedberg erregen. Es tvird Jedermann Gelegenheit geboten werden, das von den jungen, am Kochkurfus beteiligten Mädchen Hergeslellte, als da sind Suppen, Fleisch-und Eierspeisen, Kuchen, eingelegte Früchte und Gemüse, Nudeln 20. zu probieren und sich zti überzeugen, daß auch - mit wenigen Mitteln eine gute schmackhafte Kost hergestellt werden kann. Es ist ein rächt zu unterschätzender Vorteil, den diese jungen Kochjchülerinnen dadurch geniesen, daß ihnen Gelegenheit geboten wird, schon in der Jugend das zu lernen, was unseren modernen Hansfranen leider jo oft fehlt: 'Mit Wenigem hausztihalten, gut und doch billig zu wirtschaften. Daß diesen Kochschnlen Mich vom pädagogischen Standpunkte aus em großer Wett innewohnt, brauchen wir wohl nicht erst zu erwähnen. — Nachstehend geben wir die Namen der Herren, die auf der Ausstellung als Preisrichter fungieren werden. Rentner Karl Bnerose, Frankfurt a. M., Hofkücheitnteister Robert Edison, Darmstadt. Ingenieur Theodor Eigel, Gießen, Klatis Haust, Vorsitzender des Rhenr-Main-Gastwirte- Verbandes, Tarnistadt, Kommerzienrat Heyligenstaedt, Gießen, Hotelbesitzer Walther Hechler, Laubach, Reittner Jaques Henkel, AxanEfurt a. M., Fürstll Küchenmeister Hummel, Lich, Hotelbesitzer Theodor Jacobs, Erfurt, Adolf Jung, Obermeister der Fleischer- innung, Frankfurt a. M., Kgl. Hoskonditor Adolf Jung, Kassel, Kondiior Albert Junker, Frankfurt a. M., Hotelbesitzer Emil Klumpp, S-ranthirt a. 9)1., Hotelbesitzer Josef Kreß, Fulda, Hotelbesitzer Wtlh. Kröger, Vorsitzender des Mitteldeutschen Gastwirte-Berbandes, Kassel, Kan'mann Eduard Slrunun, Gießen, Rentner Kurt von Ait'mchow, Gießen, Hotelbesitzer Gustav Mund, Bingen, K. PH. -Müller, Stadtverordiieier, Darmstadt, Hottonditor 1.2. Ott, Darmstadt, Hoftraiteur Karl Poser, Greiz, Direktor Karl Rememer, Darmstadts Hotelbesitzer Adolf Reilter, Darmstadt, Küchenmeister Gebrüder Scharhag, Wiesbaden, Professor Dr. Soininer, Gießen, Oberstaatsanwalt Karl Theobald, Gteßeii, Hotelbesitzer Kurt Weißmüller, Mainz, Redakteur Paul Wittko, Gießen. Pferdcrnarkt. Der bevorstehende Fcähjahrsmarkt verspricht wieder sehr gut zu werden. Für die Prälniierung liegen zahlreiche Meldungen vor. Auch die Vorführung dou Pferden aus Privatbesitz scheint gute Beteiligung zu finden und recht interessant zu werden. Für die Pferde markt- Lotterie ist es diirch Vermehrung der Lose möglich geworden, vielfach geäußerten Wünschen zu em.prechen und für die einzelnen Geivmne erheblich höhere Summen arifzuwenden. Der erste Gewinn besteht aus einem eleganten Viktociawagen (von Friedrich Groß-Gießen) und Pferd mit silberplattierlem Geschirr (von Christian Spieß-Gießen). Der zweite Gewinn besteht ans einem eleganten Jagdwagen mit Pferd und vernickeltem Brustblatlgeschirr (von August Klidinger). Der dritte Gewinn besteht aus einem Lauterbacher Wagen (von Heinrich Mühlich) mit Pferd und komplettem Kummetgeschirr (von der Firma Müller & Diebel). Es folgen sodann 6 Pferde und 4 Fohlen. Pferde und Fohlen werden auf dem Markt gekauft. Mit dem Ankauf der nicht lebenden Gelvinne wird bei den hiesigen Geschäftsleuten in diesen Tagen begonnen. Sie werden gut tun, sich jetzt schon zu überlegen, was sie der 9lnkaufskonimission zum Verkauf Vorschlägen können. Die Arbeiten der Ankaufskommission werden hierdurch wesentlich gefördert. — Ein wichtiger Zeitpunkt ist für unsere Sechs* jährigen gekommen. Morgen und übermorgen" haben die Anmeldungen zur Volksschule zu erfolgen und zwar am Donnerstag für die Knaben und am Dienstag für die Mädchen. (S. amtl. Bekanntmachung.) • • Ans dem Bureau des Stadttheater§. Nochmals sei auf die heutige letzte Vorstellung von Ibsens „Wildente" zu kleinen Preisen hingewiesen und auf das am Freitag stattflndende Benefiz des Herrn Reimer- Schlegel, das die beliebte Posse „Flotte Weiber" von Treptow bringt. "Der Finanzausschuß der Ersten Kammer beschäftigte sich gestern vormittag mit der Beratung des Staatshaushaltsetats. Da sich Dissense mit den Beschlüssen der Zweiten Kammer nicht ergaben, so gelangten die einzelnen Etatspositionen glatt zur Annahme. Später de- schästigte sich der Finanzausschuß noch mit dem Gesetzentwurf, betr. die H in te rb l i eb enenf ürso rg e für die Beamten der Preußisch-Hessischen Elsenbahngemein- schaft. Der Ausschuß stimmte auch hier den Beschlüßen der Zweiten Kammer zu. — Die Erste Kammer wird anfangs nächster Woche zur Etatsberatung zusammentreten. △ Grünberg, 24. März. Nachdem schon seit Wochen über das Bahnprojekt Lich —Grünberg bezüglich feiner Einmündung in den Bahnhof zu Grünberg gestritten und Debattiert worden war, ist endlich heute die Entscheidung gefallen. Die Stadt erwarb heute von Bauunternehmer Hch. Schmidt II. und Kinder deren Anwesen an der Londorfer Straße für 25 800 Mk. Durch den Hof dieses Hauses soll die Bahn über die Londorfer Straße und von da über das Baugelände der Baurats DieffenbachS Erden auf das Bahnhofsgebäude der Oberhessischen Eisenbahn zugeführt werden. Zu diesem Zwecke erwarb heute die Stadt mich von DieffenbachS Erben ein Bauterrain für 1.80 Mk. das Nieter mit zusammen ca. 9000 Mk. Die projektierte Bahn wird jetzt neben dem Poftgebäude an der Bahnhofstraße nahe dem jetzigen Stationsgebäude enden. Heute flndet auch die landespolizeiliche Prüfung des Geländeerwerbs statt. O Oppenrod, 24. Niärz. In unserer Gemeinde plant man gegenwärtig die Errichtung einer Wasserleitung. Die Feldbereinigung ist schon längere Zeit in Ausführung begriffen und soll bis 1909 fertiggestellt sein. Die Erbauung einer neuen Lehrerwohnung steht für die nächsten Jahre bevor. □ Alsfeld, 24. März. Eine Abschiedsfeier findet nächsten Samstag zu Ehren des Oekonomierats Leit Higer statt, der am 1. April seine Tätigkeit als Sekretär der Land- ivirtschaftskanimer zu Darmstadt beginnt. — AuS der Schwalnr geländet ivurde die Leiche der Frau Bohner aus dem nahen Holzbnrg. Bei dem letzten Hochwasser war die alte Frau in die hochgehende Schwalm gestürzt. oz. Offenbach, 25. März. (Tel.) Bei den gestrigen Wahlen zur Offenbacher Stadtverordneten-Versammlung in Bürgel, das am 1. April eingemeindet wird, wurden 897 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf die bürgerliche Kandidatenliste 458 und auf die sozialdemokratische 310 ungestrichene Zettel. h. Frankfurt a. M., 24. März. Wie der Preß- Ausschuß für das 11. deutsche Turnfest mitteilt, hat der Kronprinz das Protektorat übernommen. GerichtssaaL. Köln, 24. März. Der frühere katholische Division S- Pfarrer Joseph Hildebrand und die frühere Rentnerin Garthoff wurden zu 2 Monaten dezw. 6 Wochen Gefängnis verurteilt, weit sie eine Anzahl kleinere Leute um größere Geldbeträge geprellt haben. Kleine Tageschronik. In Hannover erschoß der Rentier, simhere Hoffchneider- meister, Meyer seinen im Bett liegenden Sohn, einen Seminaristen und jagte sich dann.selost eine Kugel in den Kops- Meyer scheint die Tat in einem Anfall geistiger Umnachtung begangen zu haben, andere Beweggründe fehlen. Infolge eines Schwemm, auddunhbruches wurden int Schachte „Glückauf" der Norddeutsch:n Braunloblenwerke bei Voelpke (Prov. Sachsen) zwei Bctriebsauffehen, zwei Häuer, drei Förderleute und ein Praktikant verschüttet und sämtlich getötet. Tas Wasser in der Grube steigt. Die Leichen konnten noch nicht geborgen werden. In Duisburg wurde ein Holländer feftgenonunen, der in Haaren einen reichen Bauer er Word et hatte. Bei der Festnahme des Raubmörders entspann sich ein Kampf, wobei ein Schutzmann erhebliche Verletzungen davontrug. Der Melllacher Tunnel war dieser Tage wiederherge- ftellt worden, worauf eine Probefahrt ftattfonb. Unmittelbar nach der Durchfahrt trat infolge Gesteinsdruck neue Einsturzgefahr ein. Tie Eröffnung des Tunnels ist daher vom 1. 'Ilpril auf den 1. Mai vcrsckwben worden. Die Konsuln und Vertreter der fremden Alächte in B r ü s s e l folgten einer Einladung des Bürgermeisters zu einer Besprechung Über die im Jahre 1910 dort stattfindenden Weltausstellung. Ter Bürgermeister legte der Versammlung ein ausführliches Projekt vor. Ter Kvnchl^x, über den sich die Ausstellung erstrecken wird, beträgt 100 Hektar. Frankreich bat bereits feine Teilnahme angekündigt. Deutschland und Italien werden, wie erroartet wird, in den nächsten Tagen das gleiche tun. Gemäß einem Vergleich zahlen die Erben der in Genf verstorbenen Baronin Rothschild dem Kanton Genf 2 14 M i IL Francs Erbschaftssteuer. Märkte. Li m b urg a. d. La h ir, 24. März. Fruchtmarkt. Durch- schuittspreiä pro Acalter. Roter Weizen (nasfaulfcher) 17,50 Mk., weißer Weizen 00,00 Alk., Korn 14,40 Mk., Gerste 11,00 Alk., Hafer 8.00 Mk., Erbsen 0,00 Mk., Kartoffeln 6,00 i'lE. Gießener Wetterdienst. Boransfichtliche Witterung für Honen am Donnerstag den 26. Aiärz: Wechselnde Bewölkung. Trocken. Kühl. Stärkerer Nachtfrost. Oestttche Winde. Mrigittal-Drahtmel-unge». Tübingen, iso. iuturj. _vr UtUjuJLuenc Hü 1 ner vermachte der naturwiffenschastlickten Fakultät unterer Universität eine Stiftung von 50000 Mark. Tie 20 000 Mark werte Bibliothek und die Instrumente erhalt das physikalisch-chemische Institut. Rom, 25. März. Tie offiziöse Träbuna widmet dem Kaiser- besnch einen geradezu begeisterten Leitartikel, worin sie Deutschland und Kaiser Wilhelms beständige Freundschaft für Italien und bie segensreichen Folgen der Tripel-Allianz hervorhebt. Brüssel, 25. März. Der König, der von seiner jüngsten Krankheit bereits vollständig genesen war, hat sich eine neue Erkältung zugezogen und kann vor Ablauf von 14 Tagen das Zimmer nicht verlassen. Wa s h 1 ng 10 n, 25. Marz. Die Einladung der ame- r i E a n i f a; e n Flotte nach Ehrna ist angenommen worben. Gleichzeitig hat das Kabinet beschlossen, keine weitere Einladung anzunehmen. °°" sä «tt«tun9 ie5 e mit den 5?. 3 Sengten di, Spater fcc. ' kcni Gesetz, °J'9e für di; aJ n9emein. Beschlüssen bet "’irb anfanqg ««treten. I seit Wochen! bezüglich feinet gestritten und «tscheidung ge, temehmer .der Londorser ie§ Hauses soll « da über bas auf das Bahn. Zeführi werben, ch von Dieffen. Bieter mit zu. v«d jetzt neben )e dem jetzigen e landespolizei. lerer Gemeinde M'erleitung. Zeit in Aus. stellt sein. Die steht für die dsfeier finde! I als Leithiget I cetär der Land. I — AuS bet I Frau Bohner I Hochwasser wat I estürzt. i den gestrigen ^Versammlung t wird, wurden aus die bür- auf die sozial' lie her Preß, litteilt, hat der n. e Division^ cübere Renlnew iSesänqnis oet< ÖBercßelbbelrügi Here hofschmdeü in, einen venw den KuPs- $$5 aditung beganzo irdrn int bei Boelvle M t Mdecknteck ci. & Ä ch nD genorgu' * E n®bei 01 Tflac ivtedetbel^ Umtoli«*, .»< 6‘” * .aber vom 1- * ÄA» i win\ . % S» Turid' .. am/Zäck- , floht- Warenhaus A. Goldschmidt G8ESSEN Schulstrasse 6 Schulstrasse 6 Billige Gelegenheitspesten für den Umzug Rouleaux-Coeper crem und weiss, alle Breiten. 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März, vormittags von 10 bis 12 11 (n- 2. .'m der Sladlmädchenschnle Schillerstrasje Freitag d. 27.März, vormittags von 10 bis 12 ilhv. Auch können an obennenmmten Tagen, vormittags von 0 bis 10 Uhr auf Wunsch der (Litern oder deren Stellvertreter solclie geistig und leiblich nicht unreife Kinder in die Schule nufnenotumen werden, die bis zum 30. September b. Hö. das sechste Lebensjahr uollcnbcn. Bei ber Anmeldung ist der Impfschein vorzulegen und bei auswärts Geborenen Kindern auch der Geburtsschein mitzubringen. Die Eltern, die für ihre ausgenommenen Kinder von ber Gewährung freier Lernmittel Gebrauch machen wollen, haben unter Vorzeigung des biesjährigen Staaissteuerzettels bei ben betreffen den Hnuvtlehrertl Antrag zu stellen. (Wen, den 20. llllärz 1908. B“/8 Mir den Schulvorstand: Mecum Schaaf Knauff Oberbürgermeister.______________________Hauptlehrer.__________ Ärbeitövergebung. Die für die Erbauung der (ttcN>crbeschulc iu Vließe» udtigen Arbeiten und Lieferungen: a) Aeußcre Vcrpuharbeiten (Naturpuh) b) Tapezierarbeiten sollen getrennt auf bem Submissionswege vergeben werden. AngeboiSttnterlagen können im Aaubureau — alte Gewerbeschule Asterweg 25 — bezogen und daselbst Zeichnungen, besondere Bedingungen und allgemeine Vertragsbedingungen cingesehen werden. Die Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum (Lrössnungütermin, Samütag den 28. d. MtS., Dorrn. 11 Uhr, im genannten Vaubureau einznreichen. v'"/g Gießen, den 2 t. Älärz 1908. Tyür den Octsgewerbcvcrein Gießen. Die Bauleittmg: I. 9(. Garnon. Hosrelte Versteigerung. IM 9(uilrngc Gr. Amtsgerichts Butzbach sollen auf Eintrag ber Lotti» Wiestler Eheleute folgende Grundstücke: \ ü ch c l._______________________________________ Nutz- u. Brennholz-Äersteigerung Dienstag den 31. Mürz im Aörsterbeztrk Gedern, aus ben Distrikten AreiloO, Lclnuungstein, Obere 'Vvhnensirauch, Loosstrattch re. ?e. Stamme: Eichen unter Aiem Dchm. 10,70 Fm.; 25—39 cm Drlim. 25,58 'Ahl; 10—49 cm Dchm. — 4,BO Ain.; 50 cm und mehr ■ 1,58 Ain. Ahorn unter 25 cm Dchm. • 3,41) Am.; 25—39 cm Dchm. 1,38 Aul; 40 19 cm Dchm. - 0;9ß Am.; 50-59 cm Dchm. - l,57 Am.; 00 und mehr ■ 1,22 Am Erlen unter 25 cm Dchm. l(l,8tt Ain.; 25 •39 cm Dchm. - - 6,6/Am. "Birken bis 89 cm Dchm. • 3,78 Am. Eichen 0,69 Am. .Oirschbautn - 0,57 Am. Linde — 0,50 Am. Nutrfiiiippel: 2 rm Eschen (2 m lang). Aid)tciiftnnune: 12 12 cm Dchm. 1,82 Am.; 18 24 cm Dchm. - 3,00 Am. Stierer: 12-17 cm Tilim. 4,14 Ain. IMittelverg 3). Derbstangen: Atchte 4 Si. 0,48 Am. AeiSttangcn: Airttlc 1171 St. 13,17 Am. $Vlditcnuiilivei(cr: 42 rm tVohnenstangen). Scheit: Buchen 518 rm 1..SII., 2! iS rm 2. ML, I rm Erlenrniidfcheit. Mniiwel: Bilche 477 rm; Elchen 16 rm; o listiges Latibholz 0 rm. Nenorknüppel: 34 rm Laubhvlz. Astreifer: 802 rm Buchen. Aeruer und dem PnmlhicrS narteit: liimmc: I Eschen - 0,43 Am.; 2 Wetsitannen 3,90 Am.; 1 Lärche - o,2O Aut. DaS Brennholz kommt zuerst zmu Aufgebot. 'MfarnmentuNft 1 ,10 llbr vormittags im BergwirlSbauS tu Geoe r ii. Nähere Ausknnil erteilt Förster Aochem tu Gedern. Gedern, den 24. Marz Ilios. ß»/a t Aiirftlld) C fülberu fdic ffieuierucrmnltunn. FOÜNSANIINT Besondoro VorzOge: Erbaitllch h I'l von M Tabletten M 1 75 In Apotheken Ausführliche BrnscbArcn Rintl* u franko durch BAUER tbClc., BERLIN SW 48 Angenehmer Geschmack; loichlo An- wondbiukeit; starke baktorieutötondo Kiufl, daher VoiboiiRuug Regen Ansteckung und Uobcrtrapiing auf Dritte. bewährt sich vorzüglich u. wird ärztlich empfohlen :: als vortreffliches Vorbeugungsmittel gegen ErkAltungskatanhe (Heiserkeit, belegte Stimme otc.), gegen alle Hals- und Racbononlzilndungon, Mundel- schwollungon, sowie gegen Infoktions- Kionkhciten, i. B. 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