BezngöyretS: monatl>ch75Pi., vierteljährlich 'J)?L 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- fährt, ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15'ßt, auswärts 20 Pfennig, Verantwort lief) für den politischen Teilt E. Ander!on; f. Feuilleton und ,!8ermi|d)fe5e P. Wiltko; für ^Stadt Nr. 21 Erstes Blatt 158. Jahrgang Samstag 25. Jmmar 1808 Dei Oteyener Anzeiger , , „ " ° v edebeuti täglich, außer "’jf?Sf" WGletzener Amel !s£S£ General-Anzeiger für Oberheffe 8mtäl}me oon Anzeigen v *r » 6 r I u. Land" und ^Gerichts- £ J£mumaTiTu£ Hotattonsöni» und Verlag dervrührschen Unis.-Vuch- und Steindruckerel. R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei - Schulstratz« 7. ^eigenied:8^»«” Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten. Die französische Kammer und die Maroikofrage. In der sranzösischerr Kammer standen gestern die Interpellationen über Marokko aus der Tagesordnung. Ms erster Redner ergriff Jaurös zur Begründung das Wort; er warnte die Regierung davor, sich ausschließlich für den ohnmächtigen Sultan Abdul Asis ins Zeug zu legen; denn die Unterstützung Abdul Asis zwinge Frankreich möglicherweise, eine Armee von 150 000 Mann nach Fez und Marrakesch zu senden. Weiter versichert Redner im Besitze von Briefen des Dr. Mauchamps zu sein, aus denen hervorgeht, daß dieser zwischen dem Auswärtigen Amt und Muley Ha- fid eine Vermittlerrolle gespielt habe. Minister des Aeußeren, Pichon, der den Redner unterbricht, erklärt diese Behauptung für falsch. Trotzdem erklärt Jaurös, seine Behauptung aufrecht zu erhalten. Er sei bereit, die betreffenden Schriftstücke vorzulegen. Aus der weiteren Debatte verdienen insbesondere die Ausführungen Delcasses wiedergcgeben zu werden. Der ehemalige Minister des Aeußern führte unter Bewegung des Hauses aus: Da Frankreich gegen seinen Willen zur Konferenz in Algeciras geführt worden sei, sei es eine Ehre für Frankreich, seine Politik gemäß der Algeciras- akte zu befolgen. Frankreich, als die Macht, deren Einfluß überwiegend ist, dürfte keiner anderen Macht erlauben, an seine Stelle zu treten. Frankreich müßte handeln, um Marokko aus der Anarchie zu reißen. Die Mittelmeermächte erkannten durch die geschlossenen Abkommen an, daß Frankreich dieses Recht zustehe. Auch der deutsche Reichskanzler hatte anerkannt, daß unsere Aktion allen zugute kommen mußte. Warum wurde die legitime Aktion, die wir begonnen hatten, nicht mit Beharrlichkeit weitergcführt? ES würde eine Uebertreibung sein, darin den Einfluß der Ereignisse in der Mandschurei zu suchen. Deutschland und Rußland hatten eine von uns begünstigte Behandlung erfahren. Deutschland hatte von dem französisch-englischen Vertrage drei Wochen vor seiner Unterzeichnung Kenntnis. Die Hegemonie Deutjchlands in Europa war bedroht. Alle Nationen, denen die Unabhängigkeit Europas am Herzen lag, waren um Frankreich gruppiert (Lebhafter Beifall links und im Zentrum). Die Konferenz von Algeciras, die dann zusammentrat, ließ die Möglichkeit eines Krieges voraussehen; der Krieg wurde Frankreich aber nicht erklärt. Wenn Frankreich sein Recht für sich hat, seine Mliance und seine mächtigen Freundschaften, kann es.Vertrauen zu sich selbst haben (Tosender Beifall links, im Zentrum und rechts). I a u r ö s rief hier, zu der Linken gewandt: Warum haben Sie ihn dann fallen lassen, wenn Sie ihm heute zujubeln? Zu Delcasss: Wollen Sie herausfordern? In der Gefahr waren Sie recht klein! (Beifall auf der äußersten Linken.) Delcassä erwiderte: Sie sind getäuscht worden. Beau, ein ehemaliges Mitglied des Kgbinctts Rouvier, ries darauf Delcasse zu: Er solle nicht mit Insinuationen Vorgehen; eS müsse gesprochen werden. (Anhaltende Bewegung.) Tie Konferenz von Algeciras hgt in Marokko der Einmischung die Türe geöffnet, die sie sorgfältig vermeiden wollte. Für Deutschland wäre es besser gewesen, die Konferenz von Algeciras hätte nicht stattgefunden. Ohne die Konferenz wäre die glückliche Aenderung der europäischen Lage nicht so klar in die Erscheinung getreten. Unsere Politik der Versöhnung ist also keine Politik der Abenteuer gewesen (Beifall links und im Zentrum.) Von Petersburg ist die erste Billigung der französisch-englischen Entente ausgegangen. Delcasss schloß: DaS friedliche Ziel der französischen Politik war überall anerkannt worden. Das Netz der Freundschaften Frankreichs und seiner Mlianz ist seiner Freiheit zu nützlich, als daß darauf zu verzichten wäre. (Langanhaltender Beifall.) Hierauf wurde die Weiterberatung auf Montag vertagt und die Sitzung geschlossen. Deutsches ReSch. Berlin, 24. Jan. Nach den bisherigen Ergebnissen der Versuchsprägungen mit neuen 2 5 P f g.- S t ü ck e n bei der zuständigen Behörde kann erwartet werden, daß die Größe des Durchmessers des neuen Geldstückes zwischen der des 10 Pfennig- und Markstückes festgesetzt werden wird. Die neue Nickelmünze soll, wenn es sich ermöglichen läßt, dünner als die Zehnpfennigstücke gehalten werden. Pleß, 24. Jan. Endgültiges Wahlresulat: Erbprinz Viktor von Ratibor (Npt.) erhielt 5225, Pfarrer Boidel (Ztr.) 3011, Pfarrer Wayda (Pole) 14 795 und Dah- nisch (Soz.) 321 Stimmen. Wayda ist somit gewählt. Bremen, 24. Jan. Boesmanns Telegraphisches Bureau meldet: Wie wir von authentischer Seite erfahren, sind die Verhandlungen zwischen dem Vizeadmiral v. Ahlefeld und dem Aufsichtsrat der Aktien- gesellschaft Weser heute nachmittag zum Abschluß gelangt. Nach denselben wird Vizeadmiral v. Ahlefeld in den Vorstand als Vorsitzender eintreten und damit die Oberleitung der Werft übernehmen. ' Ausland. London, 24. Jan. Wieder werden Marmrufe laut, daß die Sicherheit Englands durch die deutsche Flotte bedroht ist. Zwei große konservative Blätter, beide einflußreich, stimmen darin überein, daß die englische Flotte viel rascher ausgebaut werden müsse, um der Konkurrenz Deutschlands aus dem Meere gerecht zu werden. Die „Morning Post" führt in einein Leitartikel aus, daß die Tätigkeit der englischen Admiralität sehr tadelnswert sei. England schlafe ein, während Deutschland eine Flotte schafft, womit es die Welt werde herausfordcrn können. Im Falle eines großen Krieges mühte England nachgeben und unterliegen. — Auch in der „Times" erscheint heute ein Leitartikel, in dem die englische Regierung mit großem Nachdruck aufgefordert wird, mehr für die englische Flotte auszugeben, um zu verhüten, daß die Deutschen die Vorherrschaft auf dem Meer erlangen. Aus Chicago wird dem „Standard" gemeldet, daß ca. 20 000 Arbeitslose durch die Stadt marschierten. Die Polizei stellte sich der Volksmenge entgegen. Es kam zu heftigen Straßenkämpsen, und die Polizei ließ die Feuerwehr kommen, um die Arbeitslosen mit Hochdruckwasserstrahlen zu bearbeiten. Viele erlitten Verletzungen. Die Polizei verhaftete zahlreiche Personen. Stockholm, 24. Jan. Tie Negierung brachte heute im Reichstage einen Gesetzentwurf ein, betreffend die Aufnahme einer Anleihe von 5Millionen Kronen zwecks Erweiterung der Telephoneinrichtungen Schwedens. Madrid, 24. Jan. „Liberal" schreibt, es sei nunmehr außer allem Zweifel, daß P i ch o n e i n e n vollständigen Mißerfolg in Madrid erlitten habe. Man erwartet hier mit großer Spannung Interpellationen in den Cortes über Marokko. Petersburg, 24. Jan. In diplomatischen Kreisen wird jetzt hartnäckig von der Möglichkeit eines Bündnisses zwischen Rußland und Amerika gesprochen. Es wird behauptet, daß die Frage bereits über das Anfangssiadium hinauSgekommen und ziemlich weit gediehen sei. N e w y o r k, 24. Jan. Die kürzlich erfolgte Verhaftung des Revolutionärs Giordano führte zur Entdeckung einer Verschwörung, die bezweckte. Auf stände auf Haiti, San Domingo und Kuba ins Werk zu setzen. Die eingeleitete Untersuchung führte zur Abberufung bff Konsuls San Marco, wegen angeblicher Teilnahme an dem Komplott. Die amerikanische Sicherheitsbehörde beschlagnahmte 2000 Gewehre, 200 000 Patronen und 8000 Dollars falschen Haitischen Geldes. Der parlamentatijdfe Abend. R. B. D a r m st a d t, 24. Januar. Auf dem parlamentarischen Abend der zweiten Ständekantmer hat sich, wie schon kurz angedeutet, S. K. H. der Großherzog bis spät nach Mitternacht in liebenswürdigster Weise den Festteilnehmern gewidmet und mit Angehörigen aller Parteien lebhafte Gespräche geführt, sich namentlich auch über politische Tagessragen zu informieren bestrebt, und häufig bildete sich in einem der großen Ausschußzimmer eine Korona von Gästen, deren Mittelpunkt sehr bald der Großherzog wurde. So unterhielt sich der Landesherr auch eine Zeitlang eingehend mit dem Abg. Ulrich, dessen laute Art der Diskussion alsbald viele Zuhörer anlockte. Abg. Ulrich war erst kurz vorher aus Berlin zurückgekehrt und hatte dort auch die jüngsten Straßenkrawalle der Arbeitslosen miterlebt. Er konnte somit aus frischer Anschauung darüber berichten und er tat dies auch. Der Großherzog ließ aber die Schönmalerci des Offenbacher Volkstribunen durchaus nicht kritiklos an sich vorübergehen. — Amüsanter ist folgendes: Als der Großherzog auf seinem Rundgang den greisen Zentrumsabgeordneten und Vertreter für Seligenstadt, dem im 76. Lebensjahre stehenden Abg. Horn, mit einer Ansprache auszeichnete, wollte dieser in seiner Freude auch dem Großherzog etwas angenehmes sagen und bemerkte u. a.: „Herr Großherzog, wir haben uns alle sehr gefreut über den lleinen Thronfolger und wünschen, daß noch recht viele folgen mögen!" — Der Großherzog brach über diesen treu- seligenstädter Wunsch des alten Herrn in ein heiteres Gelächter aus. — Besondere Aufmerksamkeit widmete der hohe Herr auch den Vertretern der Presse, die er sich einzeln vorstellen ließ und in längere Gespräche zog. Als er mit den Herren über die Schwierigkeit bet der Abfassung der Kammerberichte sprach, die natürlich nicht nach jedermanns Wunsch ausfallen, und als Hauptübel auf die ungünstigen Journalistenplätze hingewiesen wurde, sagte der Großherzog: „So, da oben hört man schlecht! Nun, das ist vielleicht manchmal ganz gut, wenn Sie nicht alles hören!" — Die sonst in der zweiten hessischen Kammer nicht gerade mit Glacehandschuhen angefaßten Vertreter der Presse hatten sich an jenem Wend auch vom Knmmerpräsidium und den führenden Männern überhaupt einer freundlichen Aufmerksamkeit zu erfreuen, von der wir nur wünschen wollen, daß auch im profanen parlamentarischen Leben ihre Wirkung job^-b nicht erblassen möge! Aus StaSt und Land. Gießen, 25. Jan. 1908. ** Die Feier von Kaisers Geburtstag geht hier nm Montag in der seit Jahren hertömmlichen Weise vor sich. Die Garnison begeht den Geburtstag des obersten Kriegsherrn Durch Zapfenstreich, großes mltitärisches Wecken, FestgotteSdienst in der Stadtkirche (Feslprcdiger ist Pfarrer I). Schlosser) um 10 Uhr und daran anschließend Parade auf Oswalds Garten. Später findet Festessen im Offizierkasino statt und am ?lbenb werden die üblichen Mannschaftsfeiern abgehalten. Die Bütger- schaft und Beamten begehen den Tag durch das übliche Fest« essen, während am Abend un Stadtlheater FestvorsteUung itattfindet. — Die Schulen, in denen der Unterricht im übrigen ausfäUt, halten besondere Schulfeiern ab. Zahlreiche öffentliche Bureaus sind geschlossen und auch die Reichs bank schließt um 12 Uhr ihre Geschäftsräume. — Die Polt hat am Montag Sonnlagsdienst, es stndet deshalb nur ein Beslell- gang statt. — Ter morgen abend um halb 8 Uhr aus der neuen Kaserne abmarschierende Zapfenstreich nimmt folgenden Weg: Llcher Straße, Moltlkstraße, Senckenberg- ltraße, Am Brand, Sonnenuraße, SelterSroeg, Frankfurter Stiage bis zur Wohnung des Regiments-Kommandeurs, von da ab zurück Frankfurter Straße, Seltersweg, Süd-Anlage, Gartenstraße, Ludwigsplatz, Kaiser-Allee bis zur neuen Kaserne. — Bon hochgeschätzter Seite wird uns dazu geschrieben: Die Einwohnerschaft G.eßens ist wohl größtenteils noch im Besitze der Illuminations-Artikel von der Jubelfeier der Universität her. Ich glaube, es würbe nur einer Anregung in Ihrem geschätzten Blatte bedürfen, um die Einwohnerschast ber Straßen, burch welche ber Zapfenstreich geführt wirb, zu veranlassen, die H ä u s e r z u b e l e u ch t e n, zur Feier de/ Geburtsfestes Sr. Majestät bes Kaisers, der auch für dieses Jahr seinen Besuch in sichere Aussicht gei st e l l t hat. "* Das 80. Lebensjahr vollendet heute der au) seinem Gute Brotzen i. Westpr. lebende General dec Infanterie z. D. Friedrich v. Wlssmann. In Potsdam geboren, trat er 1848 in das 6.' Jägerbataillon, 1887 wurde ec zuin Kommaiu euc der 1. Garde-Jnfanterie-Brigade ernannt und mit Wahrnehmung der Geschäfte des Kommandanten von Potsdam beauftragt, worauf er unter Bcför- derting zum Generalleutnant zum Kommaneur der 2 5. (Großh. Hessischen) Division in Darmstadt.ernannt ivurde. 1890 ivurde er als General der Infanterie zur Disposition gestellt. •• Der Landesausschuß de 8 freisinnigen Landesvereins für das Großherzoglum Hessen hält morgen vormittag in Frankfurt a. M. eine Sitzung ab. Auf der Tagesordnung stehen u. a. die Blockpolitik und dir hessiche Wahlrechtsvorlage. ** Beethoven-Abend. Fräulein Minna Körner, die Lcitecin der „Schule für höheres Klaoierspiel", hat am Donnerstag einen ivohlgelungenen Beethoven-Abend abgehalten. Tas aus 15 Nummern, aus den verschiedensten Klassen der Instrumental-Literatur, bestehende Programm enthielt ausschließlich Kompositionen des Altmeisters. Die Ausführenden bestanden auS den vorgeschritteneren Schülern der Anstalt, die, wie immer, in bester Weise ihre teilweise recht schwierigen Aufgaben lösten. In anerkennendster Weise und mit schönstem Erfolge beteiligten sich die Herren Geheimrat Dr. Krüger, Violinist Schättler, stud. Josef Sauer und stud. Hugo Praetorius bei den Ensemble.Nummern des Programms, das in jeder Beziehung, der Bedeutung.der Veranstaltung entsprechend, würdig zur Ausführung kam. ** lieber das Leipziger Solo -Quartett f ü t Kirchenmusik, das am nächsten Mittwoch auch uns durch seine Darbietungen in der Stadtkirche erfreuen will, liegen uns eine Reihe von Urteilen aus den Hauptstädten und Muslkzentren der Welt vor, so aus Berlin, Dresden, München, Pans, Loudon, Brüssel, Wien, Rom, Stockholm, St. Petersburg, New-Bork, Alexandrien, Konstantinopel, Jerusalem. Sie alle bezeugen in einstimmiger Begeisterung den tiefen Eindruck, den der Gesang des Quarteils überall auf Herz und Gemüt der Hörer gemacht bat Aus Dresden heißt es: „Wunderbarste dynamische Abtönung, gesättigtste KraftmUe, Zurückfluten durch eine reiche Skala von Nuancen in ein duftiges Pianissimo.... Was aber den ausgezeichneten Leistungen ihre besondere Wethe gab, war tiefste, luanne, seelenvolle Empfindung, die aus den Klängen atmete, mit einem Worte — Liebe!" Aus Wien endlich roiib geschrieben : „Einen seltenen Kunstgenuß bereitete uns das Leipziger Bokal-Qitaiiett für Knchengesang. Eine so knie Nuancierung, ein so klares Heransarbeuen der musikalischen Themen haben »vir in '■kien noch selten gehört. Tie vier Kütistler verstehen es injo geschickter Weise einander zu sekundieren und die führende Stimme von einander zu 'übernehmen, daß sie bet ihrer wohlerwogenen Aiememteilung dem Zuhörer die Illusion eines gleichmäßig erklingenden Orgelalkordes verschossen. Tiesem Gesänge, der auf jeden äußerlichen Glanz und jede Effekthascherei verzichtete, merkte man es an, daß er auch innerlich von dem Prinzip getragen war, das an der Spitze des Programmes stand: Soli Deo Gloria. Tie Künstler boten eine Leistung, der mir in Wien nicht- AehnlicheS an die Seite stellen können." Unser Kirchengesangverein hat sich seit Jahren bemüht, diese Sänger zu einer Aufführung in Gießen zu gewmneli, und mir dürfen uns neuen, daß es ihm endlich gelungen ist. Da der Ertrag des Konzertes dem Allg. Verem für Armen- und Krankenpflege zu gute foinml, und den Mitgliedern des Kircheiigejangvereins der Besuch noch zu sehr ermäßigten Be- dmgungeii ermöglicht ist, so ist zu hoffen, daß troy der Fülle dessen, was hier fort und fort geboten wird, auch Gießen diese; ausgezeichneten Kiiiistler durch eine gefüllte Ktrche ehren wird. | *' Aus bem Bureau deS Stadlthealers wirt» uns geschrieben: Als Festvorstellung zu Kaisers Geburtstag ist Gutzkows »Zopf und Schwert^ gewählt worden. Wenn auch in erster Linie das Hohenzollernthema des Stückes für die Wahl maßgebend war. io wirkte noch tekt C h. F. zu Friedberg- gelsteSkrank erklärt worden. Heß. 572 Jagd-Verpachtung. Muuvoch, Den 5. Februar l. I., nachmittags 3 Uhr, wird im Rathause dahier, die der Gemeinde zustehende Wald- und Fetdjagd auf weitere 6 Jahre verpachtet. Leihgestern, am 24. Januar 1908. Großh. Bürgermeisterei: Die deutsche Geldverfaguug. Von diesem gerade jetzt so aktuellen Thema handelt da? Schlußheft des 1. Bandes der im Verlage von Emil Roth hier erscheinenden Sammlungnationalökonomischer Aufsätze undVorträgeoon dem Professor der National-, Ökonomie an unserer Landesuniversität Dr. Magnus B ie rm er das zu Anfang dieses Monats herausgegoben wurde. Es pricht für die Beachtung, die Prof. Bicrmers Ansichten über die wirtschaftspolitischen Fragen der Gegenwart in weiteren Kreisen des Publikums finden, daß das Heft innerhalb 14 Tagen vergriffen war, so daß schon jetzt eine weitere Auflage herausgegeben werden mußte. Dieser Umstand gab dem Ver- asser erwünschte Gelegenheit, zu den neueren wichtigen Vorgängen auf dem währungspolitischen Gebiet Stellung 31t nehmen, die sich durch eine Interpellation des bekannten konservativen Reichstagsabgeordneten Graf K a n i tz im Reichstag zutrugen. Er tut dies in der Forn, eines Nachtrags zu seinen früheren Ausführungen, die wir bereits früher würdigten und eingehender Beachlung empfahlen. Auch in diesem Nachtrag äußert sich Prof. Tr. Biermcr freimütig und selbständig zu dem bimctallistischen Vorstoß, den Graf Kanitz und seine Freunde in die unschuldvolle Form einer Interpellation über den Bankdiskont eingekleidet hatten. Als Fazit der Reichstagsverhandlungen, insbes. der Regierungsdar- lcgungen, kommt er zu dem Schluß, daß die Regierung mit dem Wechsel im Reichsbankpräsidium anscheinend bereit sei, den Gegnern unserer Münz- und Bankpolitik gewisse Abschlagszahlungen zu machen und damit einen Systemwechsel ein- zuleiten, der allerdings vorläufig noch ziemlich schwachmütig und zahm eingeleitet werde, aber dennoch die ernste Beachtung Aller verdiene, die an unserer jetzigen gesunden Währungspolitik festhalten wollen. Der Verfasser wendet sich dann »veiter in sehr energischer Form gegen die beabsichtigte Erhöhung der Silberquole ,die höchstens in ganz geringem Maß erfolgen dürfe, wenn unsere Währungsverhältniffe gesund bleiben sollen und empfiehlt zum Schluß dringend die endliche Vornahme der Reichssinanzreform, die auch den Stand unserer Reichsbank und den Geldmarkt günstig beeinflußen werde. Die Schrift bietet in ihrer knappen und anschaulichen Schilderung viel wertvolles und interessantes und wird zweifellos in den iiiteressierten Kreisen große Beachtung sinden. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 24. Jan. Ein Jugendlicher. Dem 17jährigen Landwirt G. F. von Leusel sind Sittlichkeitsverbrechen an drei verschiedenen Mädchen zur Last gelegt. Er war geständig, an einem noch jugendlichen Dienstmädchen gewaltsam unsittliche Handlungen auf dem Felde vvrgenommen zu haben. Ein noch schulpflichtiges Mädchen, dessen Alter er nicht gekannt haben will, belästigte er ebenfalls mit unsittlichen Angriffen und an einem weiteren jungen Mädchen nahm er Landlungen vor, die sich als tätliche Beleidigungen dar,teilen. Die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattgehabte Beweisauf- nahme führte zur Verurteilung des Angeklagten wegen des ersten und letzten. Falles und zwar wurde flir den schwersten Fall eine Gefängnisstrafe von 2 Aconaten und wegen der tätlichen Beleidigung eine solclie von 1 Woche angesetzt und diese Strafen auf eine Gesamtstrafe von 2 Monaten und 3 Tage zurückgcfnhrt, worauf 1 Monat Untersuchungshaft anzurechnen ist. Wegen des zweite,: Falles mußte Freisprechung erfolgen, da ihn: nicht nacl>- zuwei,en war, daß er das Alter des Mädchens gekannt Hatz Ter Haftbefehl wurde aufgehoben und der Angeklagte sreigelassen. Ein Preiskezcln. Der Gastwirt W. F. F. von A s s e n he i m hat in seinem Lokal ein Preiskegeln veranstaltet, zu dem er für Preise usw. 96 Mk. Auslagen hatte. Er fertigte 480 Lose, die er zu 20 Pfg. das Stück an die Teilnehmer absetzte. Er fühlte sich zur Einholung einer Erlaubnis hierzu nicht verpflichtet, da nach einem Minister alamlsblalt Preisiegeln, Scheibenschießen und sonstige Spiele, die nicht von einem Unternehmer zur "Erzielung eines Gewinns, sondern zur geselligen Unterha.tung veranstaltet werden, stempel- srei sind, was auch von dem dortigen Steueraussecher bestätigt wurde. Trotzdem erhob die Gendarmerie Anzeige und die Vermal tungsbehörde erließ einen Strafbescheid, gegen de:: er gerichtliche Entscheidung an trug. Tas Schöffengericht konnte die Ansicht der Steuerbehörde, die sich auf den § 23 b. der Gewerbeordnung stützte, nicht teilen, da genannter Paragraph von öffentlichen Belustigungen an öffentlichen Plätzen spricht, womit aber öffentliche Lokale wie Wirtschaften usw. nicht gemeint sind, son- oern Marktplätze u. dergl. Es erging deshalb Freispruch, und das Urteil wurde von der Staatsanwaltschaft angefochten. Diese war der Ansicht, der Angeklagte habe insofern durch die Veranstaltung einen Gewinn erzielt, als dadurch der Besuch seiner Wirtschaft • stärker gewesen sei, weshalb die Bestinrmuirg des Minister.alamtsblatts nicht zutresfc. Tie Strafkammer hielt eine Verurteilung des Angeklagten nicht für angezeigt, da er sich wiederholt erkundigte und die Auskunft erhalten hat, daß die Veranstaltung nicht stempelpflichtig fei. Tas Urteil mußte oeshalb bestätigt werden. Eine seltsame Beleidigungsgeschichte. Jagd-Verpachtung. Montag, den L. Februar 19W8, vorm. 11 Uhr, wird auf hiesiger Bürgermeisterei die der hiesigen Gemeinde zustehende Jagd, bestehend aus ca. 582 Hektar Wald und 834 Hektar Feld aus G Jahre verpachtet. Allendorf a. d. Lmnda am 24. Januar 1908. Grotzh. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lumda. , Rein. [568 B^ranntmamnn^ Montag, den 27. Januar bleibt aus Anlaß der Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers das Ortsgericht Gießen geschloffen. Gießen, den 25. Januar 1908. Großh. Ortsgericht Gießen . Gros. Tas Oberlandesgericht hat ein Strafiammerurtcil teilweise aufgehoben und zur nochmaligen Verhandlung an die Voriir- stanz zurückverwiefen. Nach diesem Urteil hatte der Archi- gegen den jetzt in Fortbach wohnenden Schweinchändler "Näartii: Klöß von Vilbel Klage auf Grubenholz. Somstag, den 1. Frbrnar 19^8, vorm. 11 Uhr, werden aus den Waldungen der Gemeinde Allendorf a. d. Lumda, Distr. Kaulsköppel und Lausköppel 215,03 Fm. kiefern Grubenholz im Submissionswege vergeben. Angebote sind bis zu genanntem Termin verschlossen mit Aufschrift versehen, au hiesige Bürgermeisterei, wo alsdann Oeffnung stattstndet, einzureichen. Angebote können aufs ganze Holz oder auch auf einzelne Districkte erfolgen. Jur Besichtigung des Holzes wolle man sich an Forstwart Franz dahier wenden. Allendorf a. d. Lumda am 24. Januar 1908. Großh. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lumda. Rein. [569 leidet an alkoholischer Geistesstörung. Da er gemeingefährlich ist w:rd er voraussichtlich dauernd in einer Irrenanstalt untergebracht werden. X Erbach i. O., 25. Sait1. (Tel.) Bei dem Bahnhof Zell ereignete sich heute nacht ein schwerer Unglücksfall. Ter um Mitternacht die Station passierende Zug überfuhr das gerade das Balmgleis kreuzende Bierfuhrwerk der Brauerei Wörner aus Eberbach. Ter Fuhr knecht wurde getötet und der Wagen zertrümmert. Ter Unfall wurde dadurch verfchuldet, daß die Schranke nicht geschlossen worden war. t X Wetter, 24. Jan. Am letzten Dienstag abend hat stch der Pfarrer Ernst Adolf Stroh von hier aus seiner Wohnung entfernt, und ist, wahrscheinlich in einem Zustande geistiger Umnachtung, Nach Marburg gefahren und bis jetzt iwch nicht zurückgekehrt. Ter Vermißte ist 44 Jahre alt, groß unb blond, und hat einen Vollbart. Er trug einen schwarzen weichen Filzhut mit gelbem Futter, schwarze fttaüatte, dunkle Weste, dunkler Gehrock, schwarze Trikothvse. sc. Frankfurt a. M., 24. Jan. .Heute fand un Gewerkschaftshause eine von ca. 2000 Personen besuchte Arbeitslos en Versammlung statt. Der Redner, Stadtverordneter Dittmann, schätzt die Zahl der Arbeitslosen in Frankfurt auf 4000 bis oOOO ohne die Bauhandwerker. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der Notstandsarbeiten, Aufhebung der Zölle auf Lebensmittel usw. gefordert werden. D:e Versammlung verlief ohne Zwischenfall. Sie wurde von einem Polizeikömmissar überwacht, im übrigen bekümmerte sich die Behörde nicht darum. Angeblich sollen einige „Geheime" in der Versammlung gewesen sein, die den Saal verließen, nachdem sie dazu aufgefordert waren. tzin anderer Umstand mitbestimmend. 1908 ist das letzte Jahr, I daß Karl Gutzkows Werke honorarpflichtig sind. Nach Be- 1 tanntgabc von GutzkowS Verleger würde eine größere Ein- 1 Via()mc aus den Honoraren der hochbetagten Witwe des Dichters sehr zustatten kommen. Durch die Vorstellung wird also auch ! dem Andenken eines Mannes Tribut gezollt, der sich un- j zweifelhafte Verdienste um die deutsche Bühne erworben hat. 1 **DieAnlagemusik findet morgen Sonntag 11.30 , ilfyc auf dem Eis statt: Spielplan: 1. Ouvertüre z. Op. 1 l,Der Geiger aus Tyrol" von Genee; 2. Barcarole Walzer von Fetras; 3. Musikalische Extrablätter. Potpourri von Thiele; 4. Friedericus Rex! Armeemarsch von Radecke. •• Eis Wettlaufen. Der Gießener Eisverein wird : Montag, 27. Januar, nachmittags an einem Wettbewerb im Schnell- und Kunstlaus für Kinder, be: genügender ■ Beteiligung auch einen Wettbewerb im Kunstlauf für Erwachsene veranstalten. Die besten Leistungen werden ! mit Preisen ausgezeichnet. — An: Vortag am Kaisers Ge- burtstag wird vor- und nachmittags Konzert auf der Eisbahn stattstnden. *♦ Der Evang. Arbeiterverein begeht anti Sonntag übend im oberen Saale bei Herberge die Feier des G e b u r t s - tag es des Kaisers. Außer dem gemischten Chor haben verschiedene Freunde des Vereins ihre Mitwirkung zugeiagt. Tas Programm enthält u. a. Gesangs-, Viot:n- unö Mandolin-Vov- träge ic., so daß ein genußreicher Abend bevor steht. - Fachkunst - Ausstellung. Am Donnerstag nachmittag tagten im Kaiserhof Besitzer und Küchenchefs von Hotels fund größeren Restaurationen von hier, Wetzlar, Lailbach und Butzbach, uni die Einzel-Bestimmungen der Abteilung ^Kochkunst der Gastwirte-, Fach- und Kochkunst-Ausstellung zu beraten. Gleichzeitig wurde das Abteilnngtzkomitee für die Kochkunst-Abteilung konstituiert. Es besteht aus den Hotelbesitzern Beuchert (Prinz Karl) und Wlssig (Großherzog von Hessen), Bahnhofsrestaurateur Niemann, den Küchenchefs Türmer (Kaiserhos), Bertels (Hotel Schütz) und Siwining [Hotel Kaffel, Wetzlar), sowie den Vorsitzenden des Gastwirte- Vereins und der Ausstellung Jaskowsky. "Kaiserpanorama. Man schreibt uns: Einen tzroßen Teil unserer Leser dürfte bereits das bekannte Kaistr- -Panorama in der Linden-Passage in Berlin bekannt fein, das Lurch seine unübertroffenen Stereoskop-Reistbilder fortivähreud Tausende und Abertausende anregt und aufs belehrendste und genußreichste unterhalt. Ein Ziveiggeschäft ^dieses Kaiser- Panoramas, deren eine ganze Anzahl in größeren Städten bestehen, wird, wie aus dein Inseratenteil ersichtlich ist, vom Sonntag, 26. Januar, ab seinen Aufenthalt am hiesigen Orte, Kirchenplatz 9, nehmen. 9U§ Eröffnungsserie gelangt das malerische Tirol, eine Reise durch das Unter- unb Ober-Fun- chal, Achenste-Fnnsbruck-Brenncr zur Vorführung. ** Unfug. Schon seit 14 Nächten h-eiben sich, wie man mitteilt, in der Löberstraße einige halbwüchsige Jungen Snit ungezogenem Johlen und Schreien herum. Vergangene Nacht lubren sie mit einen: vierräderigen Handwagen unter großem Spektakel in der Löberstraße spazieren. Hoffentlich genügen diese Zeilen, um den jungen Herren das Ungehörige ihrer nächtlichen Exkurfionen vor Augen zu führen. e Klein-Linden, 22. Jan. Einen günstigen Jahres- dbschliiß zeigt der Jahresbericht des Krieger Vereins, der !im abgelaufenen Jahre einen Ueberschiiß von nmb 170 Mk. ^erzielte. Die Mitgliederzahl ist jetzt auf 101 gestiegen. Jin Vereinsjahr 1907 wurden drei Vorträge gehalten, und zivar ' sprach über das Thema „Königin Luise" Lehrer Volk, „Süd- ^vestafrika unb bie Kämpfe unserer tapferen ©olbaten" Lehrer Keil, „bie Bestrebungen ber Kriegervereine, ber hessische Kamerab unb bie Sterbekasse" Hauptmann Walbecker. In diesem Jahre wirb ber Verein einen Schießplatz autogen. Samstag, 1. Februar, finbet bie Feier bes Geburtstags des Ka:sers statt. —ö— Lich, 24. Jan. Eine traurige dwchricht erhielt heute die Familie des seit 24 Jahren hier im Dienst stehenden Briefträgers Lebemann. Ihr seit drei Jahren in "Ginnheim bei Frankfurt a. M. verheirateter Sohn Karl stürzte in Frankfurt von einem Abbrnchsgebände so unglücklich, daß er sofort seinen Tod fand. Die allgemeine Teilnahme an dem so traurigen Todesfall ist um so mehr, vls ber Vater feit kurzer Zeit selber krank ist. —r. Aus der nördlichen Wettrau, 24. Jan. Wert Wochen sind die S ch w e i n e p r e i s e erheblich gesunken. Man bezahlt nur noch 44 Pfg. für das Pfund Lebendgewicht. Unsere Metzger wollen aber mit den Fleischpreisen diesen Preisrückgang nicht mitmachen, denn sie halten den Ladenpreis von 70 bis 80 Pfg. für das Pfund immer noch fest. Trotzdem schon manches Schweinchen wegen des niedrigen Preises für den eigenen Bedarf mehr geschlachtet wurde, ist immer noch großer Vorrat an fetten Schweinen vorhanden und deshalb ein Heraufgehen der Preise nicht zu erwarten. R. B. Darmstadt, 24. Jan. Der Musketier Karl El.felb aus Kreuznach von der 11. Komp, des Jnsanterie- Regt. 118 war im Jahre 1895, also von 13 Jahren von [einem Truppenteil desertiert, nach London gegangen und hatte sich schließlich von der Fremdenlegion anmerben lassen. Jetzt kürzlich erst hatte er sich dem deutschen Konsulat in Rabat gestellt und war erst auf dessen Veranlassung hierher befördert worben. Er würbe vom Kriegsgericht wegen Fahneflucht zu 9 Monaten Gefängnis unb Versetzung in bie zweite Klaffe bes Solbateustaubes verurteilt. R. B. Darinstabt, 25. Jan. (Tel.) Der Raub- mörber Martin, ber in bem Laubeshospital zu Hofheim tahluug von Honorar erhoben und aus diesem Anlaß einige eu'Ljerringen bezüglich der Finanzlage des K. gemacht, welche diesen zur Klage wegen Beleidigung veranlaßten. Das Schössen- ger.cht erklärte den Angeklagten für nicht schuldig und die Strafkammer hatte infolge Berufung des Klägers das Urteil bestätigt, nachdem sie festgestellt hatte, es habe ein Agent gehört, der Kläger sei konkurs. Um sich von ber Richtigkeit zu überzeugen, telefonierte er an den Angeklagten, ob dies auf Wahrheit beruhe. Dieser antwortete, er wisse cs schon lange und könne bestätigen, daß dies in Vilbel erzählt worden sei. Eine strafbare Handlung wurde hierin nicht erblickt, da ter Angeklagte nur das bestätigt hat, was ber Agent bereits wußte. Im Verlaufe des Prozesses beim Marburger Amtsgericht hatte ber Angeklagte den Stadtbaumeister i. P. Z. zu Friedberg gebeten, als Sachverständiger zu fungieren unb ihm vertraulich mitgeteilt, daß K. nicht zahlen könne, ba er bankerott sei. Z., der das Amt eines Sachverständigen nicht übernehmen tonnte, verwies den Angeklagten F. an bei: Architekten H„ bem er ebenfalls vertraulich mitteilte, daß K. koncurs sei. Diese Mitteilung will er nur gemacht haben, daß, falls K. nicht zahlen könne, der Architekt auf das Honorar verzichte. In diesem Fall wurden von ber Strafkammer Wahrnehmung berechtigter Interessen für vorliegend erachtet, weshalb sie trolj dos Vorliogens einer Beleidigung auf Grund des § 193 zum Freispruch gelangte. Das Revffionsgehcht hielt sber die Grenzen des § 193 für überschritten, cm der Angeklagte seine Interessen in anderer Form hätte wahren können. Tie Bemerkung, der Kläger scheine nicht m sehr günstiger Vermögenslage zu fein, hätte vollständig genügt, um seine Jnlerefseu zu wahren, er hätte die positive Behauptung, die tatfächliey unrichtig ist, nicht auf stellen dürfen. Ta das Oberlanb.sgericht anderer, rechtlicher Auffassung war, OrigLvsaL-Drahtmel-nttgeu« Rc i chcnb er g, 25. Jan. Wegen der t schechen- freundlichen Haltung des hiesigen Kornmaiüianten, General Dworfchak, fanden große SLraßendeinonstra- tionen statt. Line zahlreiche Volksmenge versammelte sich vor der Wohnung des Generals, stieß Schmährnfe auf ihn aus und sang „Dre Wacht am Rhein". Polizei mußte einschreiten und die Menge zerstreuen. Rotterdam, 25. Jan. Ter gerettete Fabrikbesitzer Salomons ki erzählte über den Zusammenstoß der „Amsterdam" mit bem „Axminster" folgendes': Gegen 2 Vs Uhr nachts fiel starrer Nebel. Dio 9Levelpfeife ertönte fo laut, daß ich auf- fianb unb au Teck blieb. Plötzlich Hörle ich lautes Schreien unb iah ein LM auf einem dicht neben uns haltenden Dampfer. Zugleich gab es einen schrecklichen Krach, der mir klar machte, daß w.r ht diesen Dumpfer hiueingeiahreu waren. Der Vorgang dauerte keine halse Minute. Fun, Rettungsboots wurden herun- :ergela,sen. Alics ging in voller Ruhe vor sich, ohne Swßen, Schreien und Drücken. Die Lee war ruhig. Nach zirka 1% Stunoeu sahen wir einen still liegenden Dampfer, bei: wir an- riefen, und man antwortete uns. In 20 Minuten waren alle 23 Menichen auf dem Boden des iwrweg. Dampfers Tonga. Paris, 25. Jan. Die gesamte Presse bezeichnet bie gestrige Kauunerrebe Delcassös als ba-5 wicht:gste Er^ eignls ber Ni a r 0 kk 0 p 0 kitik. Sie finbet in ben meisten Blättern 9luHang unb Ziistunninng, bei einer beträchtlichen Pcinberheit aber auch heftigen Label. Zustunnienb äußern sich u. a. „Echo be Paris", „Malm", „Rapell" unb ,Gil Blas", ablehuonb „9lctioufl unb „Figaro". 9iewy 0 1 k, 25. Jan. Hier wütete ein starker N 0 rb - io e st st u v in , der so große Schneeniasjen nm sich führte, daß m kinzer Zeil die Snciße mit y 3 0 I i 11 e i e in L ch n e e bedeckt war. TaS Elend der Aibcilslo,en ^ist vergrößert, ein Manu ist erfroren. Ter Verkehr am den Straßen ist fas: vottsläudig ins Stocken geraten. JnPoritand (Aiatiie) brach F euer aus, bas, durch den Sitliin angewcht, rasch um sich griff und m kurzer Zeit au» das Llabl- Und die ErafjchaflSgebäude überspraiig, die vollständig zerstört wurden. Ter schaden wird auf eine wiiUion ToUar ge- Ichätzl. Bei den twjcharbeueu wurden 5 Feuerwehrleute durch Sturm vom Dach des Haujes he rabgejchle udert auf die Straße, wo sie tot liegen blieben. Die Stelle eines Hilfs-Trichinenschauers ist zu besetzen. Nähere Auskunst über die Bedingungen erteilt die Schlacht- Hausverwaltung. Bewerber wollen ihre Meldungen bis zum 15. Februar d. Js. hierher einreichen. Gießen, den 24. Januar 1908. Großherzoglick)c Bürgermeiftcrei Gießen. I. V.: Keller., er: ra. s. xi . £v! . als die Straskammer, sie aber der Weisung des höheren Gerick)ts auf feineu Geisteszuftand hm untermcht wurde, ist jetzt fui ^0£gen erging, insoweit das Urteil nicijt rechtskräftig geisteskrank erklärt worden. Er ist Epilektiker unb war, Verurteilung zu einer Geldstrafe von fünf Mark. handel. ” Der Reichsbau koiskont ist heute um V2 Prozent herabgesetzt. Er beträgt nunmehr 6 Prozent und der Lombarpzinsfutz 7 Prozent. Märkte. Gießen, 25. Jan. Marktbericht. Aus heutigem Wocbeu- maxlte kostete: Vinter pr. Pfd. 0.90—1.00 Lik., Hichuereier 1 St. 9-10 Pfg., Käse pr. Lk. 6—8 Pf., Käfematle 2 St. 5—6 Pfg., Erbsen p. Pid. 18—24 Pfg., Linst,1 p. Pfd. 25-40 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,80-1,00 Mk., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Sluck 0,80—1,80 Mk., Ganse pr. Pfd. 60—70, Emen pr. Stück 1,80 bis 2,20 9)ik., Ochsen fleisch pr. Pfd. 82—88 Pfg., Kuh- und Rindfleifch pr. Pfund 80—82 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 70—84 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfd. 88 Pfg., Kalbfleijch pr. Pfd. 70—80 Pfg., Hammelfteifch pr. Pfd. 61—84 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 5.50—6.00 Mk., Zwiebeln pr. Zrr. 5,00—6,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Weißkraut per Stück 0-00 Pfg., per Zentner Alk. 0.00—0.00. — Aepstl per Ztr. 10—25 Mk., Birnen per Ztr. 10—25 Mk. Nüsse 100 Stück 40—00 Pfg., per Ztr. 0—00 Alk. Marktzeit von 8—2 Nhr. Gießener Wetterdienst. Boranssichtliche Witterung für Hesteu am Sonntag den 26. Januar 1908: Trüb. Niederichläge, teils Schnee, teils Regen. Milder. Tauivetter. Lebhafte iveslliche Wiiide. __________ Oberförster geziemend in Kenntnis zu setzen. Oer* D»/t A. Glock c K C-- 0. der Hassia. i T odes-Anzeige« Seinen lieben a. H. a. H. und auswärtigen i. a. C. B. i. a. C. B. erlaubt sich unterfertigter C C. von dem am 22. d. Mts. zu Ockstadt erfolgten Ableben seines lieben a. H. ^SeifenpulverJ SS11/, bei 574 Das Allerbeste ist > Ii^|||BT1 Tagesordnung: 1. Gehaltregulierung des Lagerhalters. 2. Wahl eines Stellvertreters des Direktors. 3. Verschiedenes. Für den Aufsichtsrat I. A.: Hausult. Mreppeln Berliner Pfannknchcn und Slnffcc per Tasse 10 Pfg., zu haben bei Wild. Zimmer, Bäckerinstr., 2O7j Löwengasse 27. Cegeil fülle Uze! Fntzschlüpfcr, € Kamelhaar gefüttert, für Damen und Herren, Paar 25 Pfennig. A, Salomon & Cie. Zucht«.Le,rehüy-;er beste Eicrlcger [b23/^ versendet gut u. billig M. Becker, Geflüaelh., Weidenau (Siegs 57. Preist, gratis u. franko. Generalversammlung des landwirtschaftlichen Konsumvereins E. G. m. u. H. zu Wies eck findet statt: Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser innigstgeliebtes Söhnchen und Brüderchen im Alter von 2 Jahren nach langem, schwerem, mit Geduld ertragenen Leiden Donnerstag abend 6 Uhr durch einen sanften Tod erlöst wurde. Georg Schäfer und Frau Johanna, c geb. Otter. Lolidors, den 23. Januar 1908. [575 Die Beerdigung findet Sonntag den 26. Januar, nachmittags 2 Uhr, in Londorf statt. Sonntag, -en 2. Februar 1908, nachmittags 3 Uhr- Wirt Daniel Erd. Restaurant G. Laflcliinger. Freunden und Bekannten, sowie meiner werten Nachbarschaft, nebst eineich geehrten Publikum von Giessen und Umgegend, die ergebene Mitteilung, das»1 ich in meinem Hause 0510 Wilhelmstrasse 40, Ecke Ebelstrassa Montag, den 27. d. Mts. eine Restauration eröffnen werde. Es wird mein eifrigstes Bestreben sein, die mich beehrenden Gäste durch) aufmerksame und prompte Bedienung zufrieden zu stellen. Giessen, den 25. Januar 1908. 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Der Eingang zum Saal in der „Neuen Aula“ ist nur Ludwigstrasse, zur Gallerie nur Goethestrasse. Evangelischer ürcbesgmagvereii Geistliche BSusikauiführung des Leipzig. Soloquartetts iiir irchen-Sknsik unter Mitwirkung des HerrnOrganistcn 0. Görlach zu Giessen, zum Besisn Bus ällgetteii Vereins Iiir Irra- uuB Uupilese, am 29. Januar 1908, abends 8 Unr, r-..-——- in der Stadtkirche zu Giessen : Programm: Meistersinger deutsch - evangelischer Kirchenmusik, vom 16. bis 19. Jahrb. (Luther, Eccard, AL Prätorius, Th. belle, Hehir. Schütz, Leo v. Haßler, JuL Urüger, J. 8. Bach, J. A. Holler, B. König, Mor. Hauptmann, Mergner, Schurig, A. Becker. Preise der Platze: I. am Altar, vorderes Schiff, vordere Empore ... 2 Mk. IL mittleres Schiff, zweite Empore........ 1 Mk. LH. hinteres Schiff und hintere Empore......50 L"üg. Die Mitglieder des Kirchengesangverelns, aktive und inaktive, können gegen Vorzeigung ihrer Mitglied - Karte 2 Karten der ersten Plätze zu je 1 Mark beziehen, so lange noch welche zur Verfügung stehen. Karten sind nur in der Musikalien- Handlung von E. Uhallier zu haben.[v16/i Nene Anla des Gymnasiums. Donnerstag, den 30. Fanuar, uachmitt. 5 Ubr u. abends 8Ubr: Gastspiel des Wissenschaitliclien Ttata „Urania"® Elektrische, naturwissenschafll.Vorfiihr. (in. Vortrug): Oii taerpata in den Mn lies MM Dargestellt in ca. 150 elektrischen, bühnengroßen Kolossal-Lichtbildern in natürlichen Farben. Eintrittskarten im Vorverkani': Ernst Ckallicr (9?ubolp5"ß 58U Nachf.), Liusikalien- und Jnsirumentenhandlung. I. Parkett nuni. Mk. 2W II. Parkett Pik. 1,50 III. Platz "Mk. 0,50 und an der Saalkasse eine Stunde vor Beginn der Vorführungen. @ (Siebener Eisverein, K. S. Sonntag, 26. Januar 1908, LWvJ nachmittags von 37* bis 57* Uhr: k-Ww Konzert Der Jnfanterrekapelle. Eintritt für Mitglieder 10 Psg., für Nichtmit- OOi 6^eder 40 Psg., Binder 20 Psg. A Bon l1/: Uhr bis 23/* Uhr bleibt die Eisbahn V geschlossen. vB/i Der Vorstand. Tanzschuhe Ein neuer Tanr-KuriuS beginnt Montag, den 10. Febrnar 1908. — Gefl. Amneldungen erbitte möglichst vorher in meiner Wohnung Souneuslrahe 5 zu machen. 0901 Unterricht für Einzelne zu jeder Lageöreit erteilt Hochachtungsvoll Joseph Mölll, i anzlelirer g- in Flaschen, Syphons und Gebinden empfiehlt EmiH SchmaSI 1586 Telephon 83 Hessischer Hof Biergrosshandlung. Versteigerung. Montag, den 27. ds. Mtk., nachnl. 2Vi Uhr, sollen dahier Walliorstr. 6 (Darmst. Haus): 1 Pferd, 3 Pferdegeschirre, 10 itoher, 1 Fahrrad, 1 Dezimal- wage, 1 ^ademheke, 2 Waren- r egale,! Part.Ellenwaren,Haus- u. Uücheugeräte all. Art u. o. Ä. zwangsweise geg. bar versteigert werden. (0499 (Sieben, den 25. Januar 1908. Seipel, Gerichtsvollzieher. Versteigerung. Dienstag, beu ~8. b. 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Die Zusammenkunft ist auf dem alten Steinbacher Weg an der 2. Schneise. Gießen, den 25. Januar 1908. Lroßhcrzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Keller. BekanZrtmachung. Die Deberollen-AuSzüge über die fürs II. Quartal 1907 aemaß § 27 des Bauunfallversicherungsgesehes berechneten an Die Hessen-Nassauische BaugewerkSberufs-Ge- nossenschaft zu entrichtenden Prämien liegen vom 25. d. Mts. an während zweier Wochen zur Einsicht der Beteiligten bei unS — Zimmer Nr. 2 — offen. Binnen einer weiteren Frist von zwei Wochen kann — unbeschadet der Verpflichtung zur vorläufigen Zahlung — Einspruch gegen die Priv- micnberechnung beim GenoffenschaltSvorstand erhoben werden. Gießen, den 22. Januar 1908. B”/» Gcoßherzogliche Bürgermeisterei Gießen. J.V.: Keller.___________________ Nutz- u. Brennholz-Bersteigerunss. 1. Donnerstag, den 30. d. Mts., nachmittags 17? Uf)r, kommen auf der Straße Steindach-Lich 30 Haufen Reiser, 2 Hausen Eschenstangeu und 2 Nüsterstämme zur Versteigerung. Zusammenkunft am Hos-Albach. 2. Desgleichen hieran anschließend, nachmittags 37, Uhr, aus der Straße Lich-Nd.-Bessingen 19 Rüster- und Ahornstämme sowie 25 Hausen Reiser und Knüppel. 3. Desgleichen Freitag, den 31. d. Mts., vormittags 9‘7 Uhr, aus der Straße Langsdors-^ich, 16 Kirschdaumstämme und 29 Haufen Reiser und Knüppel. Zusammenkunft an dem Ort Langsdorf. Gießen, am 25. Januar 1908. B’7i Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen: Dlehm. Kit einer Hand können Herren, Damen u. Kinder ihre Stiesel zuichnürcn und beseitigen, oync zu Inoden, wenn sie Dcth’* Patent-Verschluss an ihren Stieieln haben; derselbe wird jedermann voilsiündig pratiH beim Befohlen der Stiefel in der Schuhmacherei von M. ^rcfcocr, ^indenvlatz 7, angebracht.0409 5—6000 Mk. auf II. Hypothek per 1. April gesucht. Schrmliche Angebote unter 0473 au den Giegener Anzeiger erbet. 9()(| l«b gegen gute Sicherheit und hohe Zinfen sos. gesucht. Rückzahlung bald. Schriftliche Angebote unter0474 an den Gieß. 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