Samstag 24. Oktober 1908 Zweites Blatt Nr. 251 Urlchernt täglich mÜ Ausnahme 6e6 Sonntag-. ver- 158. Jahrgang Kapelle des Infanterieregiments gestellt. Der Steuermann Joh. Breiten» 3. Juli 1908 einen Menschen vom Frl. Lore Scholz haben Die Musik wird von der Kaiser Wilhelm Nr. 116 •• Lebensretter. NokattonSdruck und Verlag der vrüblych« UnwerluälS - Buch* und Stembrudetd« R. Lang«. Bietzen. Redaktion. Errcditton und Dnickeret: Ecbuk» ftraye 7. Exvedmon und Verlag; M* Redaktion: ^^118. Tel.-Adr.: AnzeigerGleßen, ♦* Stadttheater. Die morgige SonntagSnach- mittagSvorstellung, die erste in dieser Spielzeit, die zu Volkspreisen stattfindet, dürfte besonderes Interesse erregen, da LessingS Meisterwerk „N a t h a n d e r W e i s e" gegeben wird. Darstellung und Ausstattung verbürgen eine würdige Aufführung. Am Sonntag abend gelangt die erste Posse zur Aufführung, nämlich Ed. Jacobsons „Mann im Mond e". Die beliebte Posse ist in allen Hauptrollen Die .»Gtefienet Kamtltendlätter" werden dem ,9lnjetger* otertnol wöchentlich beigelegt, das „Kretsblatl für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. D,e ..LanvwtNschastlichen Zett- fragen“ erfchenien monatlich zweimal. mit ersten Kräften besetzt und besonders der neue Charakter - komiker Herr Max Kronert und die beliebte Soubrette Gelegenheit, sich auszuzeichnen. bach aus Mainz hat am Tode deZ Ertrinkens gerettet. Als Anerkennung hierfür ist ihm von S. K. H. bcm Großhcrzog eine Geldprämie türkische Antwort auf die österreichische Note bezüglich Bosnien u:u) Herzegowina angegangen. Auch in dieser Anttvvrllwte beharrt die Türkei darauf, bau bie AngelegenheU buvu) die Signatarmachlc des Berliner Betrages geregelt wird. Man befürchtet nunmehr neue Schwierigkeiten, da die Lage scheinbar verwickelter ist, als diese zuvor gewesen ist. Zusammenstöße an der Grenze. Aus Saloniki wird berichtet: Dreifach verstärkte bulgarische Grenzwackie habe in den letzten Tagen auf die türkische Grenzwache Salven abgefeuert und versucht, die Türken zu verdrängen. Die Türken erwiderten das Feuer, worauf die Vulgaren einen Grcnzkvnflikt pwDozierten. Die Bulgaren in Mazedonien beob* sickitigen, die Tandeukümpfc wieder aufzunehmcn. Die Eisenbahn wird militärisch bewacht. Eine englische Lüge. Der Berliner Korrc,p)noent veS „o^anharb" meldete seinem Blatte kürzlich, Erzherzog Franz Ferdinand habe sich in Privatgespvächen dahin geäußert, dost die Haltung Deut \ a>= lands gegenüber der Annexion Bosniens und der Herzegvlvina den richtigen Wert des Bündnisses zeigen würde und daß Oester- reich-Üngarii daraus ersehen könne, ob das Bündnis mit dem Deutschen Reiche seinen Interessen entspreche oder ob cs vorteilhafter sei, andcve Kombinationen eilizugehen, und daß er für eine Fortsetzung des Bündnisses fein werde, falls Ocsterrcicl-- Ungarn von Deutschland loyale UnkTitiifcung erh.lte. Das Wiener Korrefponden--Lureau ist von autoritativer Seite zu der Erklärung ermächtigt, daß bie Meldung von Anfang bis zu Ende erfunden ist. _____ England und Egypten. Der diplomatische Agent (£rgUiub£> Generalkonsul Gorst, stellte in einer Unterredung mit dem Vertreter der Zeitung „Mokattant" in Wrede, daß England in Kürze das Protektorat über Aegypten erklären werde oder zurzeit dir Frage der Annexion erwäge. Solange die britische / Okkupation dauere, erklärte Sir Eldon Gorst, habe die Entscheidung darüber, welclies Maß von Selbsrrcgierung zuzuerkennen sei, in den Händen der englischen Regierung gelegen. Er stehe aus dem Standpunkte, daß die Egypter durch die Verbesserung und Entwickelung der bestehenden Einrichtungen aradwei.'e zur Selbstregierung fortschreiten müssen. Die umpll.che Regierung habe bereits eine Maßnahme vorbereitet, durch die ihnen (den Aegyptern) bie Möglichkeit gegeben werde, an den inneren Angelegenheiten einen viel größeren Anteil zu nehmen. Wenn der Versuch von Erfolg begleitet sei, könne die Frage der Verbesserung der Organisation und die Erweiterung der Machtbefugnisse der bestehenden Wahlkörperschaften mit Nutzen in Erwägung gezogen werden.____________ Aus SLudt und L-rnd. Gießen, 24. Oktober 1908. ** Tageskalender. Stadttheater. Samstag, den 24. Okt., abends 8 Uhr: Einmaliges Gastspiel des Ibsen-Ensembles „Baumeister Sol netz". Sonntag, 2u. jiv-'ft., ntiujUiuiüuö 3Vr Uhr: „ilcathan der Weise"; abends Vn Uhr: „Den Mann im Monde . Kolosseum: Tüglick- Vorstellung. Samstag abend Gastspiel des Pcpi Weiß-Ensembles. K i n e m a t o g r a p y e n - h c a t e r. Pwgraminroechfel. Kaiser-Panorama. Programmwechsel: Das Erdbeben von San Francisko. , , Vortrags kurs des kaufm. und des L^rtsgewerbeverems: 1. Vortrag im kaufm. Vcrcinsl)aus, Smnstag abend 81/2 Uhr „Gut und Böse am häuslichen Herb und die Macht des Beispiels" von Frau Stein-Karlsruhe. Eichener Anzeiger Eeireral-Anzeiger fiir Gdechejjen mann im grünen Wald, vorbei an den Mähschäfchen auf der Weide, an den Wauwauhunden und den Muhkuhcn. Das i]t eine Luft, so dahin zu fliegen. Aber solch ein forscher Ritt macht müde. Eine Wagensahrt wäre zur Abwechslung auch nicht übel. Ein Wink mit dem Zauberstab, und die Verwandlung ist geschehen. Behaglich scknniegt sich Ottole in die Knscn der Equipage. Das ist der gleiche Stuhl, nur daß der Junge jetzt nicht mehr rittlings daraus sitzt und ben Riemen in anderer Weise um die Lehne geschlungen hat. Neulich hängt sich der Kleine den Riemen Über den Arm und marschiert erhobenen Hauptes mit gravitätischen Schritten durchs Zimmer. „Was schaffst denn jetzt, Ottole?" frag' ich begierig. geh' spaziere mit meiner Frau", sagt der Schlingel ernsthaft und schwenkt stolz um die Tischecke. — Vom Palaste Theodorichs in Ravenna. Beiden Ausgrabungen int Pal aste des Ostgotenkönigs Theodorich des Großen wurden prachtvolle, sehr gut erhaltene Mosaik-Fußbödeu bloßgelegt. Bis jetzt sind geräumige Fluren, große Zimmer und Säle und ein umfangreicher Durchgang mit sieben Ocfst nungen auf jeder Seite ausgegraben worden, ferner eine Ab stutz- anlage. Unter ihr entdeckte man einen anderen Mosaikboden, woraus man schließen kann, daß der Boden wahrscheinlich wegen einbringenben Wassers erhöht werden mußte. Auch um bie von Tiberius errichten: porta aurea werden Ausgrabungen vorgenom- men, die den Plan jenes Tores und andere wichtige Reste zutage gefördert haben. — Kleine Chronik auS Kunst und Wissenschaft. Der Kaiser hat aus Anlaß der in Berlin tagenden Internationalen Konferenz zur Reviiivn der Berner Uebereinkunst eine Erinnerungsmünze gestiftet. — Auf Grund erhobener Beschwerde hob das sächsische Ministerium des Jnnerni das Verbot des Vortrages, Den Professor Forel über Rasscnentartung und Rassenhebung halten wollte, auf. 2)^ Vortrag wird binnen kurzem stattfinden. bei Paris, wo sie als Gast weilt, mit der ständigen Wohnung in der hessischen Hauptstadt zu vertauschen. In Darmstadt will man den Hauptwert nicht auf die Ausbildung von Schülerinnen, sondern auf die .Heranbildung von Lehrerinnen legen, die imstande sind, die von der Duncan vertretenen Prinzipien über die rhythmische Körperkultur durch Unterricht weiter zu verbreiten. Ferner geht man mit dem Plane um, den Kreis der Schülerinnen zu erweitern. Fortan sollen fünfzig Sclmlerinnen ausgenommen werden Die kleinen Ädädchen müssen duvckMuS geiunb fein und das fünfte Lebensjahr überschritten haben. Zn Stuttgart, Mann- beim, Darmstccht und Frankfurt finden in der nächsten Zeit bereits — bie näheren Termine werden dura? Ausschreibung bekannt gegeben — Prüfungen statt, um festzustellen, ob bie Bewerberinnen auch allen Anforderungen, die die Schule später an si- stellt, genügen. Dagegen sollen in Darmstadt die öffentlichen Vorstellungen der Sck-ule eingeschränkt weroen. In Zukunft will Isadora Duncan nur in längeren Zwisa-.nräumen bie Munft ihrer löglingc einer größeren Oeffenllichkeit zugänglich^niachcu, um oas Publikum davon zu überzeugen, wie in ihrer Schule gelehrt wird. — Die Phantasie des Kindes. Zu diesem Thema erzählt in dem ersten Hest der nach zweijähriger Pause wieder crid)tcHcnen Monatsschrift „Kind und Künst" (Verlag A. Stenzel, Breslau» eine Mutter folgende Beobachtungen: „Schaukelpferd und Sportwagen, Elefant uni) auforehbare Eifenbahn, alles iU vorhanden, für alles hat die übertriebene Fürsorge von Groß- cltern und Paten, Tanten und Gönnerinnen gesorgt. Aber was bedeutet das gegen den alten Lederriemen, den unser Dreijähriger neulich auf dem Speicher fand, als er der Küchentrine beim Wäsck>cauil)ängcn half! Die Funktionen des Lederriemens )inb einfach unerfckwpflich. Kaum ist bad Frühstück vollendet, ,0 besteigt Ottole sein „Fimmeme" (Schimmle', mit anderen Worten einen Stuhl, auf den er sich rittlings setzt, den Sefcerricmeii um bie Lehne geschlungen. Und nun geht es fort, ükxr Stock und Stein, zur Großmama nach Stuttgart oder »um Onkel Lrorst- politische £cmcs$cbau« Zur Finauzresorm. Die der „L.-A." erfahrt, wird die euischeidende Sitzung des Bundesrats, in der über die gesamte ReichSsinanzrcform entschieden werden soll, erst am nächsten Dienstag ftatt* finden. Voraussichtlich wird daS Plenum im großen und ganzen die Vorlagen nach den forgfättigen Vorschlägen seiner Ausschüsse verabschieden. Der Mehrcrirag der Branntweinsteuer soll etwa hundert Millionen Mack betragen. In Sachen der Fahrkartensteuer werden int RetchSschatz- amt Berechnungen anaestelli, die von der Annahme auS- gel-en, daß diese vorjährige Steuer gänzlich abge- lchafft werden kann. Gin politisches Duell. Eine vom Pariser „Tcmps" gebrachte Nachricht, daß der österreicmsche Geschäftsträger in Petersburg Prinz Fürstenberg, den Staatssekretär im Auswärtigen Amte Herrn Tscharikow zum Duell gcford:rt habe, wird der Frankfurter Ztg. aus diplomatischen Kreisen befbätigt. Der Grunö des nun persönlich zugespitzten ZwiwTenfalleS ist' die Behauptung eines russischen Blattes, daß Fürstenbera die Umvahrhcit gesagt l)abe, als er erklärte, JswolStt habe die Absicht Oesterreich-Ungarns auf Bosnien und die Herzegowina gebilligt. Kleines jeuiUeton. — Isadora Duncan, bie bald nach ihren ersten Erfolgen in Berlin heimisch wurde und in der Kolonie Grünewald ihre Tanzschule Lcgränbeic, hat, wie das Bert. -i,aabl. emsagungs- voll meldet, vo etwa 14 Tagen sing- u. klanglos der NcichShauP.stadl den Rücken gekehrt. Die Künstlerin gedenkt, rote wir fchon mit- teUtcn, nach Darmstadt üvcmusieoeln und hier,die Tanzschule und ll'ie Ausbildung von ^Schülerinnen in gröberem Umfange zu betreiben. Warum Frau Duncan Berlin verlaßen hat, ist nicht einwandfrei festzustellcn. Jedenfalls aver hat jie fich durch polizeiliche Maßnahmen, bie sie zur Anmeldung der Aufführungen ihrer Tanzschule nötigten, und die auch eine Art von Kontrolle zur Folge hallen, in ihrer Bewegungsfreiheit beschrankt gesuhlt. Von der Trabener Straße IG in der Kolonie Grünewald, wo sich bie Duncan-Schule, „Verein zur Unteistutzung uni) Erhaltung ber Tanzschule von Isadora Duncan, e. V., Di rett 1011 Elisabeth Duncan", befand, ist oic Lehrerin mit einem -teile per Schülerinnen zunächst nach Paris übergesiedelt. In einem Sch.one in der Nähe der scanzösisckMi Hauptstadt hat sie auf (Sinlabung der Schloßherrin Wohnung genommen, um) hier können einige wenige Eingeweihte ihre und ihrer Zöglinge Kunst bewundern. Im Sommer hat sie Jules Huret in einem.Jnterviem, von dem auch wir Kenntnis nahmen, mitgeteilt, daß jte gedenke, char.s 5uni ständigen Wohnort zu wählen. Der Franzoie, oer ms größte Loo für die Duncan und ihre Bestrebungen taub, begrutzie diesen Entschluß mit Freuden. Indessen, dem Plane der lleoer- siedelung nach Paris stellten sich allerhand Schwierigkeiten m pen Weg, und so beschloß Frau Duncan, fortan in der ^BNltter- stabt Darmstadt zu domizilleren. Männer wie Geheimerat -t h o 0 c und Professor Thoma interessieren sich sehr für die neue Burgerin Darmstadts und wollen ihr behilflich sein, in ber neuen Heimat Die Wege &u ebnen. Ueoer alle oic Schule bctpeffenbcrt Fragen sowie üoer den Erroero eines Gruuostückes für Die ^a>ule schvebcn zur Zeit noch Verhandlungen. Isadora Duncan ge- pcnkl erst in der ersten Hälfte des nächsten Jahres den Aufenthalt Grosch in Offenbach a. M., dem Stabsarzt der Reserve, praktischen Arzt Dr. med. Karl Weyprecht in Alzey, dem Oberbürgermeister a. Herm. Schäfer in Darmstadt, dem Stenerboten Franz Seil in Mainz, dent Beamten der städtischen Straßenbahn Karl Wittig in Mainz. •• Lehrerpersonalien. Ucbcrtragcn wurde dem SchuIamtSaspiranlen ßubro. Gathmann aus Fintel (Preußen) eine Lehrerstelle an ber Gemeindeschule zu Gmsheim. ** D i e F 0 r t b i l d u n g s s ch u l e n der Landorte haben in dieser Woche wieder den' Unterricht ausgenommen. Die Reform des Fortbildungsschuluntcrrichtö ist jetzt in alten Schulen durchgeführl, und damit ist auch der Unterricht über Landwirt^ch-aslölehre, Boden-. P,lanzrni-- und -rierkunde zur Einführung gelangt. Tie diesbezüglichen Kurse am landwirtschaftlichen J.isritut dec Landesuniversitäc, in denen die Lehrer für die landw. Naturkunde vorbereitet wurden, l)aben sich sehr gut bewährt. Das Hauptvcrdicnst an der Reform gebahrt oem Landwirischaftöprose^sor Tr. Gisevius. ** Landtagswahl und Steuer. Ministerieller Verfügung zufolge bleibt das Kussclokal der Grv^h. BcztrkS- kasse 1 am 2 6. und 27. d. Mts. von 8 Uhr vvrm. bis 1 Uhr nachm. mit Mä,icht auf die am 28. Oktober stattsin- bende Wahl der Wahlmänner für die Landtagsabgeordne.en dem Publikum geöffnet. Die Zahltage am 2 9. und 3 0. d.' M tS. fallen dagegen im J.lleres,e der Erhaltung einer geregelten Äeschäsissuhrung aus. ** Ordensangelegenheiten. S. K. H. der Groß Herzog haben dem hessischen Gesandten a. D. Wirkt. Geheimerat Dr. v. N e i d h a r d t in Berlin die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom König von Preußen verliehenen Großkreuzes des Noten Adler-Ordens erteilt. Der König von Preußen hat auS Anlaß des Geburtstages der Kaiserin und Königin die Rote Kreuzmedaille dritter Klasse verliehen: der verwitweten Frau Generaldirektor AgneS Karoiine Lang, geb. Lippold, in Mainz, dem Gel>eimen Rat, bisherigen Provin- ziaidirektor Maximilian Freiherrn von Gagern in Mainz, dem Stabsarzt der Reserve, praktischen Arzt Dr. med. Karl Die Krisis im Grient. Tie Schritte, die von dem englischen Gesandten bei ber , Pforte unternommen worden sind, haben eine vollständige Aen- j berung der Lage Kerbeigeführt. Der englisck)e Gesandte hat die Pforte überzeugt, daß eine Konferenz unbedingt notwendig sei und daß ihre Beschlüsse nur maßgebend, für die Lösung ber Orientbahu'ragen sein könne. Auf Grund dieser Emmhnungen Hal bie Pforte das Programm der Konferenz aufgcstellt und dieses bereits nach Londan abgesandt. Ties beoeulct eine Verzichtleistung ber Türkei auf bas gegenseitige Uebereinkommm mit Bulgarien und Oesterreich-Ungarn. Der deutfckie Bot)d)ürfni8 nicht entsprickst. Nicht daoaus kommt es an, ob die Konferenz statt- finbet, ober ob zwischen ber Türkei und den anderen Staaten direlt verl-andelt wird, sondern darauf, daß mau aus den orieiv= tolischen Wirren halbwegs befriedigt herauskommt und den Ausbruch eines Brrrndes verhindert, ber nur zu leicht weitergreisen kann. Um bieseS Ziel zu crrcichrn, müßte jedes Mittel recht fein, und es liegt Grund xu der Annahme vor, baß bteje Auffassung auch von der deutschen Regierung geteilt wird, die keineswegs, wie mehrfach behauptet wird, kvnserenzfeindlich ist, vielmehr für jeden prakliscl/en Weg, der schnell und praktisch zum ,3.de sühn, zu Haven sein wird. Bei der Frage, ob Konserenz ober nicht, ßomntt aber die Türkei in erster Lime in Frage. Da diese nach der bulgarisck)en Unabhängigleitserllärung und nach dec Angliederung Bosniens und der Herzegowina zwar den Zu* fammentrüt einer JTonferenj beantragt hat, aber nacl-her in unmittelbare Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn unu Bulgarien eingetreten ist, gewinnt es den Anschein, als ob ihre erste Ansicht eine gewisse Aenderung erfahren habe, waS bet den schlechten Erfahrungen, die, bie Türkei bisher auf ben Konferenzen gemacht hat, nicht unverständlich sein dürfte. Ebenso wie sie bas Recht hatte, eine Konferenz zu beantragen, muß sie auch, wie man hier meint, bad Reckü hoben, bireEt zu verhandeln, wenn sie glaubt, auf diesem Wege besser zu fahren. Das Telegramm verivcist sodann auf die Erklärungen Sir Edward Greys im Unterbaute, denen zufolge die Regierung vertraut, dag der Türtei Entschädigungen zugesichert werden, uuo daß die Billigung ber Türkei bie notwendige Voraussetzung für bie Annahme eines jeben Konferenz-Programms sei, und bemerkt dazu: 9)lan kann mit diesen Ausführungen des englischen Ministers durchaus einverstanden sein. Es ist bann aber nur eine logische Schlußfolgerung, baß man bei solcher Ueberzeugung bie Türkei auch nicht in ihrer biplomalischen Bewegunzslleihei tbeschrünken sollte. Wie aus Konstantinopel berichtet wird, ist die liehen worden. r. Dau bringen, 24. Okt. Gestern gegen 10 Uhr ereignete sich hier ein schwerer Unglücks fall. Der Sohn des Hilfsweichenstellers Wilhelm Schaser, der Maurergeselle ist, stürzte ron einem Gerüst ungefähr 6 bis 8 Meter in die Tiefe und blieb mit zerbrochenem Arm und einer schweren Verletzung am Hinterlops liegen. Er wurde von seinen Mitarbeitern in die Wohnung seiner Eltern gebracht, in der er schwer krank barnieberiiegt. x Butzbach, 23. Okt. J.r dem hiesigen hastlokal ist am Anfang dieser Wocl)e ein Untersuchungsgesan- qener entsprungen, der bis jetzt noch nicht ivieder ergriffen wurde. Ec hatte sich ein Werkzeug zu verschaffen gewußt und damit die Tur erbrochen. w Bab* 91 au beim, 23. Okt. Heute abend 6 Uhr ist hier ber Ballon .Ziegler-, dec um 9 Uhr morgens in Göttingen aufgesliegen war, glücklich gelandet. = Alsfeld, 22. Okt. Tie 11. Jnstruktions- stunde des Verbandes ber Krankenkassen und ber Gemeinden als Träger ber Krankenversicherung int Grobherzogtum Hessen findet am Sonntag den 1. 92übember 1908, nachm. 2 Uhr, im Gasthofe „Zum deutschen 5-aus" hier statt. Es werden besprochen: 1. Welche Beitragsmarken müssen für die J.ivalibenverficherung bei den verschiedenen Kasieiiocganisatwnen für die einzelnen Versicherten zur Verwendung gelangen? 2. Die freiwillige Mitaliedschaft nach dem Krankenveriichcrungsgesetze. 3. Tie Meldepflicht der Arbeitgeber nach dem Krankenversicherungsgesetze und die sich infolge Versäumung der Meldeo-slichten ergebenden Strafen und etwaige Ersatzansprüche. 4. Ter Kreis der ver- ficherungspslichtigen Personen nach dem Krankenversiche- rungdgefetz. ? Schadenbach, 23. Cft. Obgleich unsere neucrbaute Kirche nächsten Sonntag emgeiveiht wird, sehlt ihr noch die Orgel, die nicht mehr ferttggcstellt werben fonnle. Die neue Orgel ist der rühmlich bekannten Orgelbansirina Berchard m Gcunbach übertragen worben. Sie erhält sechs klingende 9iegister und wird nach bcm bewährten Kegcllabensyslem erbaut. ß Mücke, 23. Okt. Heute nachiniitag überflog ein großer Luftballon die hiesige Gegenb. Ter Ballon, den man gegen 5 Uhr sichtigte, kam der Luftrichtung entsprechend von Nordoften und flog nach Westen. Beim Passieren über Mücke ging bet Ballon nicht hoch, so daß man drei Mann in der Gondel bemerken konnte. — Schotten, 24. Cft Morgen Sonntag begeht die Witwe Marie Katb. Leuning ihren 103. (Geburtstag. Sie ist für ihr Alter noch ziemlich rüstig, nur Gesicht und (?Zehör hat in letzter Zeit etwas angenommen. Sie besaß zwei Kinder und hat sechs Enkel und zehn Urenkel. fo. Mainz, 23. Eft. Gestern nachmittag bewegte sich ein militärischer Leichenzug über die Mainzer Straßenbrücke. Nur drei Zwilisten, der Vater und zwei Vettern des Verstorbenen, befanden sich unter den Leidtragenden. Tiefe drei wurden am Brückenkopf von dem diensthabenden Beamten hinter dem Leichenwagen herausgeholt, damit sic den Brückenzoll entrichten (Militärpersonen sind zollfrei). Durch das energische Eingreifen verschiedener Offiziere ließ der Brückenwärter die aus dem Trauerzug Hcrausgezerrten wieder los und der Zug konnte erst dann werter seinen Weg nehmen. Man war aufs höchste erregt über diesen Zwischenfall. s) Marburg, 23. Okt. Die wichtige Frage, ob der abgebrannte Westbau der Herrenmühle (städt. Elektrizitätswerk) gegenüber der Universität in seiner alten Form wieder aufgebaut oder ganz beseitigt wird, beschäftigte heute die Stadtverordneten. Es wurde zunächst von der Resolution der Bürgerversammlung und der Eingabe von 700 Einwohnern, welche die Freilegung wünschen, Kenntnis gegeben. Später teilte der Oberbürgermeister auf Ansuchen mit, daß der Konservator für Landesdenkiuäler in Preußen, Geh. Ober.-Reg.- Rat Lutsch aus Berlin, in dieser Woche gelegentlich der Besichtigung der Marburger Baudenkmäler bezüglich der Herrenmühle den Wunsch geäußert habe, den stehen gebliebenen Giebel zu erhalten und die Fassade wieder herzustcllen, gegen einen sogen. Laubengang sei er nicht. Die llniueijüät, mit der auch beraten worden sei, lege dagegen Gewicht darauf, daß an Stelle des alten ein würdiger Neubau trete. Die Angelegenheit dürfte noch sehr reiflich erwogen werden. tc. Frankfurt a. M., 23. Okt. In Kürze wird auf der Strecke Frankfurt-Bebra der Verkehr von Akkumulatortriebwagen eingerichtet werden. Der Betrieb dient zur Entlastung der Schnellzüge. Die Wagen fahren mit 90 Kilometer Geschwindigkeit vor den jeweiligen Schnellzügen und halten an allen Stationen, um dort die Passagiere aufzunehmen, welch letztere an den Hauptknotenpunkten in die Schnellzüge transferiert werden. so. Darmstadt, 24. Okt. Tie Erschwerungen bei der Aufnahme in die Technische Hochschule, insoes. die Forderung eines höheren Bildungsgrades, erschwerte Vlatzbclegung für Ausländer, hat den befürchteten Rückgang der Studierenden, der schon im testen Jahve sich in geringerem SJittgc geltend machte, bet Beginn des jetzigen Winter,emesters in verschärfter Weise zum Ausdruck gebracht. Wie man hort, soll die Zahl der jetzigen Anmeldungen, die im vorigen Winter noch über 1600 betrug, bis jetzt kaum 1000 übersteigen. Wenn auch noch Zahlreiche Anmeldungen zu erwarten sind, so wird doch die frühere Zahl nicht erreicht werden. Der Ausfall macht sich am meisten int Masujinen- bausach und bei den Ausländern geltend. Für die übrigen Studierenden länn dies nur von Vorteil sein; zahlreiche Familien, die sich mit dem Ziminervermieten ernährten, werden beträchtlrchc Ausfälle zu verzeichneir haben. — Abgelehnte Berufung. Professor Dr. med. F-ried- rich Moritz, Direktor der medizinischen Klinik an der Universität Straßburg, wird 8)ein Ruse nach Frankfurt a. 9)L keine Folge leisten; hier sollte er die Leitung der inneren Av- reilnng am städtischen Krantenhause als Nachfolger von Prof. H. Lüthje übernehmen. <ßerid?tsfaal. BBi Darmstadt, 23. Okt. Eine wichtige Entschei- chu n g traf heute die hiesige © t r aj f a m tn e r. Ein Metzger- meister aus Babenhausen war vom Schöffengericht Offenbach zu 20 Mark Geldstrafe »exurteilt worden, weil er sich dadurch gegen § 10 des Nahrungsnnttelgesetzes vergangen batte, indem er "bei Verarbeitung sehr wasserhaltigen Schweinefleisches zu Wurst einen geringen Zusatz von Stärkemehl gegeben hatte, ohne dies besonders cmzugeben. Der Mitangeklagte M e tz g e'r g e s e 11 e war dagegen üet- gesprochen worden. Gegen diese Freisprechung hatte der SiaatSanwatt Berufung eingelegt. Die Strafkammer entschied, daß die Freisprechung zu unrecht erfolgt fei, da nicht der vom Vorderrichter angezogene. Paragraph des hessischen Polizcistraf-Ge- setzbuches, sondern das Reichsgesetz zur Anwendung fonunen müsse. Darnach habe sich der Gefeite der Beihilfe schuldig gemacht und sei mit fünf Mark zu bestrafen. FC. Hanau, 23. Okt. In der Ktagefache des Fürstlich Psen- burgschen KammerratS, Direktor Dr. Ehrlich in S ch 11 e r v a ch , Direktors der borhgeii fürstlichen „Wächtersbacher Steinguttabxik" gegen den Fürsten Frie drich Wilhelm zu Ysenburg und Büdingen in Wächtersbach, wurde heute früh von der Ersten Zivilkammer des hiesigen Landgerichts das Urteil verkündet. Tie Klage Ehrlichs, der im Juni d. I. von dem Fürsten vornehmlich wegen seines Benehmens entlassen worden war und auf Rücknahme der Entlassung geklagt hatte, wurde a b g e w i e s e n. Ter Widerklage des Fürsten auf Räumung der Dienstwohnung durch Ehrlich wurde gegen eine Sicherheitsleistung von 300 Mark stattgegeben. Die Wohnung mutz am I. Tcz. d. geräumt fein. Tirektor Ehrlich wird gegen dies Urteil Berufung am Oberlandesgericht Staffel verfolgen und weiter eine Silage gegen den Fürsten als derzeitigen Inhaber des Yjenburg - Büdingen- Wachterbach'jchen Jideikominiffes utid Besitzers der Steingutfabrik auf Zahlung der ihm dekrekmapig znstehenden Pension und sonstiger SDicnftemolumeiitc emreichen. Ehrlich ist 19u2 in die Dienste des Fürsten eingetreten, das Dekret ihm. aber von 1882 vorpalenlicit ausgestellt worden. Berlin, 23. Okt. Redakteur Richard Beck e r° Schoneberg, der vom Schöffengericht Schöneberg ivcqeii tätlicher und wörtlicher B e 1 e i d i g u n g d e S L e ti t ii a n t s Otto von B i s m a r ek zn 6 Wochen Gefängnis oerurtmt roorcen war, wurde Iseiike von ber 2. etraffammer deS Landgerichts Berlin II unter Aufhebung des Urteils 1. Instanz zu l1/, Jahren Gefängnis verurteilt. Ter Staatsanwalt hatte 2 Jahre beantragt. In der Urteils- begründiing wirb hervorqehoben, daß der Beklagte, der ein nfa- deiiilfch gebildeter Timm fei, sich dem Offizier gegenüber nicht mir brutal benommen, sondern das ganze deutsche Oisizierkorvs beleidigt und veranlaßt habe, daß der Oifizlcr feinen Abschied nehmen mußte. Ein solches Vergehen müßte eine strenge Ahndung erfahren. , Magdeburg, 23. Okt. Ein Rekrut des 26. Jnsanterie- Regiments, der als Adventist vom siebenten Tag sich weigerte, an den Samstagen Dienst zn tun, winde vom Kriegsgericht der 7. Division unter Annahme mildernder Umstande zn 4 3 Tagen G e f ä ii g n i s verurteilt. Stuttgart, 23. Okt. Tie Strafkammer verurteilte den verantivortliehen Redakteur der Zeitschrift r'Dl ä r z", Hans Fischer, wegen Beleidigung des Amtsrichters Tr. Loessel-Hamburg zu 4 O 0 'Dl a r f Geldstrafe und Tragung der .Kosten. Tem Beleidigten wurde die Publikationsbefugnis zuge- iprochem Tie gegen Tr. Loeffel gerichteten Angriffe find in erneut Artikel vom 1. Mat 1907 enthalten, der tn ichar-en Worten das Urteil in dem Beleidtgungsprozeß Woermaun contra »Sunplt- zissimns" kritisierte. Ulm, 23. Okt. Das Kriegsgericht verurteilte den Feldwebel Schilling vom Infanterie-Regiment 127 wegen schwererSotdaten-Mißhandlung e n in 187 Fällen zu zwei Jahren Gefängnis und Degradation. Erster Ausstieg der Zeppelin L Unser Berich terstattn sendet uns ait5 Friedrichshafen folgenden telegraphischen Bericht über die erste Fahrt des neuen „Zeppelin": Zur großen Verwunderung aller ertönten plötzlich um 1 Uhr mehrere Signale in Friedrichshafen. Alles eilte nach Manzell. Ta sich der Wind inzwischen vollkommen gelegt hatte, war Aussicht für eine glückliche Auffahrt des „Zeppelin I." vorhanden. Um le2 Uhr fuhr die Königiit von Württemberg, die offenbar von der Ballonhalle aus benachrichtigt worden war, nach Manzell, voährend der König von Württemberg sich auf den Seealtan des Schlosses stellte. Um 1% Uhr erschien das Heck des Luftschiffes am Ausgang der Halle uito 15 Minuten nach 2 Uhr ging es majestätisch in die Höhe. Die Menschenmenge am Ufer und in den um die Ballonhülle hecumsahrenden Fahrzeugen brach in brausende Hochruse aus. In den Gondeln hatten Oberingenieur Dürr, Graf Zeppelin jun., Baron Basfus, Frhr. v. Gemmingen und Direktor Eolsnmnn Platz genommen. Das Luftschiff fuhr in wunderbar sicherem Fluge über den See nach dem Schlosse zu. Unter dem Publikum herrschte große Begeisterung. Um 2 Uhr 35 Minuten war das Luftschiff nach Manzell zurückgckehrt. Es wendete über der Ballonhalle und nahcn dann zum zweitenmal den Kurs auf das Schloß zu, cs flog also ebenso wie beim Beginn der Fahrt genau gegen ben Wind. Der Ballon umkreiste ün ganzen viermal den See, bann flog er über Land, immer am Ufer entlang. Zunächst wandte er sich nach Lindau. Die ganze Landbevölkerung ber Umgebung des SeeS war ,auf den Beinen, ebenso !die Einwohner; von Friedrichs- Ijafen auf württembergischern, die von Bregenz auf österreichischem, von Romanshorn auf schweizerischen und von Konstanz auf badischem Gebiete. Vielfach hatten die Häuser Flaggenschmuck angelegt, und zwar in den blauweißen Farben des Grafem Wo der Ballon sich zeigte, ertönten Hochrufe und Böllerschüsse. Wenn der Ballon ankam, entstaub ein Geräusch, als wenn der Wind durch die Telegraphcndrahtc weht. Allmählich steigerte sich das Geräusch bis zum tiefen Orgelton. Um fünf Uhr erscheint der Ballon roieber über Manzell. Jh.n folgte die Jacht des Königs von Württemberg, die alle Wendungen des Luftschiffes mitmacht, um allenfalls Hilfe leisten zu können. Um Uhr unternimmt der Dallon anscheinend den Versuch, in die schwimmende Reichsöallonhalle zu gelangen, steigt aber nochmals aus und läßt sich erst 5 Uhr 2 / Minuten, also nach 3Va stündiger Fahrt, langsam auf den Seespiegel herab, etwa 150 Meter von der schwimmenden Halle und ben Pontons entfernt. Sofort schießen Die Motorboote der Werksleitung aus ihn zu, er wirb ins Schlepptau genommen und mit großer Vorsicht in die Ballonhülle bugsiert. Unaufhörliche Hurrarufe erschallen über den im abendlichen Dunkel liegenden <5ee, als das schwierige Werk gelungen ist. Die könig- liche Jacht stoßt an die hintere Gorwel und die Königin von Wurttenrberg üverbringt die ersten Grüße für die gelungene Fahrt. Dann fahren die Insassen des Ballons zur fefkn Landhalle, wo Komtesse Hella und ihr Bräutigam die ersten sind, die Herrn v. Gemmingen, Baron Bassns und Die übrigen willkommen heißen unb sie mit Fragen über den Verlauf der Fahrt bestürmen. In wirbelnder Eile wird ein Telegrantm an den Grafen nach Berlin gesandt, der schon von Stunde zu Stunde telegraphisch über die Einzelheiten der Fahrt unterrichtet worden war. Eine königliche Equipage nimmt das Brautpaar vor der Halle auf unb unter Hurrarufen des Publikums geht es nach Friedrichshafen, wo vis in die späte Nacht das für die Stadt doppelt bedeutsame Ereignis gefeiert wirb. Erwähnenswert ist, daß in der vorderen Gondel auch die beiden bei Echterdingen verunglückten Monteure Platz genommen hatten. Der Zeitpunkt der großen Fahrt ist noch unbestimmt. 3ebenfalls roirb sie nicht ftattfinben, bevor der Graf zurück ist unb die mittlere Gondel in^das Luftschiff eiw- gebaut ist, in der die Vorräte für eine 24 Stunden-Fahrt mit» geführt werben muffen. Der Kaiser wurde sofort von der ge- tungenen Fahrt durch ein Telegramm des Königs von Württemberg benachrichtigt. — Ein großer Augenblick ist nun vorüber. Seit heute nachmittag hat Deutschland, hat die Nation ihren lenkbaren starren Ballon, ihren „Zeppeliu I." zur Freude eines ganzen Volkes wieder. * Wie wir aus durchaus zuverlässiger Quelle erfahren, Hal sich der vielbesprochene Konflikt zwischen Zeppelin unb dem Major Groß dadurch in nichts aufgelöst, daß die Veranlassung dazu, durch Vermittelung des Kaisers gegenstandslos wurde. Ter Parseval-Bcillon hat auf der Prüsungsfahrt eine Höhe von über 1500 Metern erreicht und ist nach mehrstündigem gutem Fluge gelanbct. Bei der Landung kam das Luftschiff infolge des Windstoßes einem Birkengehölze zu nahe, wodurch die Hülle einige unbedeutende Schrammen erlitt. Vor ber Abnahme burch bie Militärbehörde hat der Parseoal-Ballon als letzte Aufgabe noch eine Füllung im Freien mit nacfc folgendem kurzen Aufstieg zu bestehen. Deritttfcbfes. * Veruntreuungen sind wieder an b'er Tagesordnuüg. Em Angesteltter der Gesck-äftsstelle des konservativen Landesvereins in Dresden, Oberleutnant a. D. Riedel, hat etwa 5000 Mk. unterschlagen und wurde verhaftet. — Selbstmord beging in Berlin Gustav (Settel aus Stendal, der wegen Depotunterschlagung, betrügerischen Bankerotts und Urkundenfälschung verfolgt wurde. Die Höhe der Depot- Unterschlagungen beziffert sich auf über 300 000 Mk. — In Pforzheim wurde der 25 jährige Arbeiter Josef Sparr wegen zahlrcickier Diebstähle fest genommen. Sparr hat in den letzten 2\ ?. Jahren seine Firma, eine Schmucksachensabrik, fortgesetzt bestohlen. Mit ben gestohlenen Sachen, die etwa 14 000 Mark wert sind, wollte sich Sparr später ein eigenes Geschäft gründen. * Heiteres. Vor dem Brauhaus. „Wo ist denn das Radi-Weibel hin, das hier immer verkauft hat?" — „Die hat sich zur Ruhe gesetzt." — „Also nicht mehr radio-akttv?!" — Neue Äera. „Sagen Sie, Herr Rechnungsrat, haben Sie auf die Bemerkung des Kronprinzen hin Schritte zur Reduzierung des Aktenkrams getan?" — „SÄr wohl, Herr Geheimrat! Ich habe sofort die nötigen .Unterlagen für eventuelle Maßnahmen sammeln lassen und ste in einem neuen Aktenstück vereinigt." (Lustige Blätter.) Kleine TagesLronU. Durch vorzeitiges Losgehen eines S p r e n g.s ch u s s e s tnutben“ in dem Skeinbrncy von Langenohl (Westfalen) zwei Arbeiter getötet, drei schwer verletzt. Die Münchener Kriminalpolizei verhaftete den Inhaber eines chemischen Laboratoriums, einen gewissen Dr. Kvnr. H ch e i d i g , der ein „unfehlbar wirkendes, unbemerkbares Mtttel gegen Blutswckungen" angepriesen hatte. Die Haussuchung ergab, daß er einen schwunghaften Handel mit Abtreibungsmitteln betrieben hatte. In die Affäre sind eine große Anzahl von Damest der Gesellschaft verwickelt. Die französische Fischerfahrt nach Neufundland hat in diesem Jahre 2 5 0 Opfer, meist Männer aus St. Malo unb Umgebung gefordert. Diese Verlustliste ist die höchste, die jemals zu verzeichnen gewesen ist. Im Hafen von St. Malo kam es zwischen Hinterbliebenen und Heimkehrcnden zu einem heftigen Streit, in dessen Verlauf mehrere Personen verletzt wurden. In der chemischen Fabrik von Erezeg u. Oetger in Budapest explodierte ein Faß Terpentin. Das ganze Gebäude wurde in Flammen gesetzt. Bisher sind drei Tote und zahlreiche Verwundete geborgen worden. Englands erster weiblicher Bürgermeister ist in ber Stadt High Wyeombe in der Person der Oberlehrerin Miß Dove gewählt worben. Musik. — Eine neue Komposition vvn Hermann Metz ist soeben im Berlage vvn Ernst Eballier in Gießen erschienen. Sie betitelt sich „ftöfenec S. C. Marsch." Die Komvositioitz wirb morgen vormittag in dem Anlagen-Konzert von unserer Infanterie-Kapelle gqtrieft werden. Hsmdel ttird Verkehr, Volkrwirtßchaft. fc. Kassel, 23. Okt. Wie in Frankfurt a. M. soll auch hier eine Vieh marktsbank, bie den Zahlungsverkehr zwischen Hönblern unb Landwirten einerseits und Metzgern andererseits erleichtern soll, ins Leben treten. Der kurhessflche Viehhändlerverein roirb sich daran beteiligen. Märkte. Gießen, 24. Oktober. $iuiui>trid)f. Auf heutigem Wocben- nmilte fofieic- Butter pr. Pfd. 1.00—1.10 Mk., Hühnereier 1 St. 8- 9 Pfg., Siäfe pr. St. 6—8 Pf., Käfematte 2 St. 6—6 Pfa. Erbfeu p. Pfd. 18—24 Pfg., Linsen p. Pfd. 25—40 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,80-1,00 Alk., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Alk., Ganse vr. Pfd. 00—00, Einen pr. Stück 1,80 vis 2,20 All., Ochfenfleifch pr. Pfd. 78—86 Pfg., Knd- und Rindfleisch pr. Pfund 74—76 Pfg^ Schiveineflesich vr. Pfund 68—80 Pfg., Schuwinefleifch, gesalzen, pr. Pfd. 84 Psg., Sralbfleifd) pr. Pfd. 70—80 Pfg., Hannnelslesich pr. Pfv. 60—80 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 5.00—5.V0 Alk., Zwiebeln pr. Ztr. 5,00—6,00 Alk., Milch per Liter 20 Pfg., Weißkraut per -nick 10-15 Pfg.. per Zentner Mk. 2.50—3.00. — Aepfel per Ztr. 5—8 Alk., Birnen per Ztr. 5—10 Alk. iüüsse 100 Stück 40—00 iifg., per Ztr. 0—00 Alk. Zwetschen per Zentner 4,00—6,00 Alk. Marktzeit von 8—2 Uhr. Gießener MetLerdienst. VoranSfichtliche Witterung für Henen am Sonntag den 25. Oktober: Meist heiter, trocken, nachts Frost, am Tage üwas wärmer. Oestliche Winde. ©HginaGJ)rabtmclöutt(jcm Rom, 24. Okt. E r n st e Unruhen sind in Landriano aiisgebrochen. Alehrere Karablnieri waren in einer Wirtschaft emgebrungen, um Arbeiter zu verhaften, bie einen Aufruhr ange- Acttclt halten. Die Karabnneri mußten sich in ihre Kaserne flüchten, nachdem drei von ihnen uerwimbel worden waren. Die 'Dlenge umzüngelte bnranf die Stajerne und zertrümmerte die Feiisier. Taranf gaben die Karabnneri mehrere scharfe Cchüffe ab, durch welche eine Frau getöiet wurde. Eine Schwadron Kavallerie ist zur Anfrechlerhallung der Rllhe cingcfroffen. Paris, 24. Okt. Ans Nancy meldet der „Alattn", daß drei deutsche Offiziere bei Bitry, drei Kilometer von dem Orte entfernt, mit einem Ballon mebergegemgen feien. Tie Lffi- Aiere feien 2 Uhr nachts nach Frank'nrl a. Al. zurückgereist. Paris, 24. Ch. Nach einer Meldung ans Toulon hat die Regien.ngskonllnifsion in dem Verfahren gegen den Kapitän Aloure wegen des Unterganges des Transportschiffes -91 i v efl dahin enlichieden, daß die Schuld an dem Untergang des cochiffes lediglich der Nachläjfigkeit der beibe» diensttuenden Offiziere zuzufchreiben fct. ^)l a ö r i b , 24. Okt. Der Kriegsminister ist augenblicklich mit der Ausarbellung emes Gefetzentwnries befchaitigt, der die allgemeine W e h r p i 1 i ch i emiiihren wiU. Tas Gefetz wirb demnächst den Kortes unierbrenet werden. Unentgeltliche Arbeitsveimitlelung. Ltadtischer ArbeitsilachiveiS Gltjjeli. , Gartcuttraßc 2, Jimmer 2. Vs können eingestellt werden: a. bei diesigen Arbeitgebern: 1 Juhrknecht, 4 Dicnftmüdchcw 3 Lauffrauen, 1 Zeitungsträgerin,1 1 Wafchirau. _ Lehrlinge: 1 Schreiner, 1 Wagner gegen Vergütung. b. bei auswärtigen Arbeitgebern: 1 Schreiner, 1 Spengler, 1 Schmied, 1 Schweizerdegen, 5 Erd- arbeiten Lehrlinge: 1 Spengler, 1 Sattler. (Scf suchen Arbeit: 5 Bauschlosser. 1 Installateur, 1 Kleinbauer, 2 Schneider, Drei Wagner, 2 landw. Arbener, 1 Bäcker. 1 Mod), 2 Sattler nnb Tapezierer, 2 Polfterer und Tapezierer. 1 KdnibniQdicr, nie Schreiner. 2 Fuhrkneditc, 1 Setzer und Mafchiinü, 6 Han- - burschen, 1 Hausdiener. 16 Arbeiter, 1 Packer, 1 Lauffrauen 4Wa>ä,frauen, 1 Jlickfrau, 3 Vaufnmbdjcn. Lehrlinge: 1 Polsterer und Tetoraieur. _____________ Die 'Rechnung ber evangelischen Gesamtgemcinde (Sief;cn für 1907 liegt vom 26. Oktober bi-5 ginn 2. Noveiul:r z: JederluanuS Einsicht offen. Der evangelische Gefamttirchcnvorftand O. Schlosser. rZKZMWWL als wirksames Desinfizlensd, Mond»a. Rachen- bohle vorzüglich bewährt u. ärztlich empfohlen Formamint macht die Krankheitskeime unschädlich, deren Tummelplatz die Mund- und Rachenhöhle ist. Dazu gehören die Erreger verschiedener Hals- und Rachenentzündungen, der Mandelschwellungen, der Diphtherie und alle jene Keime, die von der Mundhöhle aus weiter in den Körper wandern (der Influenza, der Masern, des Scharlachs, Keuchhustens, Ziegenpeters usw.). Besondere ^rzüge: Angenehmer Geschmack, Leichte Anwendbarkeit, auch bei Kindern. ln c'' 'V’otiieken *n Originalfinscheu ä M. 1,75. Broschüre kostenfrei durch BAUER & Cien Berlin S.W, 48. städtischer Wohmnigsmichiveis (Sitytn. G.artcnstraßc 2, Zimmer 2. (Geichattsitunden von 8-1 und von 3—6 Uhr.) Es und zu vermieten: o ^v°ununfl Don 8_-3immern, 2 Wohnungen von 7 Zimmern, Ebnungen von 6 Zlimnern, 7 Wohiiungen von 5 Zimmern, jnunscn oon 4 Zimmern, 11 Wohnungen von 3 Ziuimern, 1 Wohnung von 3 Znnmern mit Laden. 3 Wohnungen von 2 Zimmern, lO mdbL Zimmer, 1 unmöbL Zimmer, 1 WerkstaU. 3m mieten geiucht: 20 Wohnungen von 2—7 Zimmern. IB*/» ^**^*^*****^*S^*±*±*f**±*t***^**** Tanz - Lehr - Institut W. Will. 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