9te.71 Erstes Blatt 1S8. Jahrgang Dieastag ST.März 1S08 ^5®ÄXa6*A**A** AU M W W < WWW M die Post Mk. 2.-viertel- EpiWivnviivi uinviuvi für die Redaktion !!•>, ”VsF Verantwortlich ess? General-Anzeiger für Oberhefsen WW »nuayme von Anzeigen V * d V » rn. Land" und.Gerlchts- Ei n^SÄTinfr Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckeret. R. Lange. Redaktion, Ervedttion und Druckerei: Schnlstrasze 7. 6- Heb; für den pouiiHiug» iv ugc. , 1 * u Anzeigenteili H. Beck, 4politi$d>6 TagssßchcnL. Der Boykott des Deutschen Reichstags durch die Journalisten der Reichstagstribune erregt noch immer gewaltiges Aufsehen, und die Affäre wird mit großem Interesse verfolgt. In hiesigen politischen Kreisen weist man darauf hin, daß schon der manierlose Ausruf des Abg.Gröber im englischenParlament vollständig unmöglich wäre. Wenn sich aber ein englischer Parlamentarier so weit vergeßen hätte, so würde der Sprecher (Präsident) des Unterhauses den Abgeordneten scharf gerügt haben, auch wenn es eine sogenannte Privatäußerung gewesen wäre, denn solche lauten „Privatäußerungen0 werden im englischen Parlament nicht geduldet. Mit dem Abg. Gröber gehen die englischen Blätter scharf ins Gericht. Auch der Präsident des Reichstags, Graf Stolberg, wird in der englischen Presse scharf kritisiert. — In Sachen des Journalistenstreiks im Reichstage druckt die „Germania" die von dem Abgeordneten Müller-Meiningen an die Presse geschickte Erklärung ab und beinerkt dazu: wir lassen uns auf eine Erwiderung nicht ein, sondern werden gegen Herrn Müller-Meiningen und die „Vossische Zeitung", in der wir die Zuschrift abgedruckt finden, Beleidigungsklage erheben. Da wird sich Gelegenheit finden,^ den Tatbestand gerichtlich feststellen zu lassen. • Von der Expedition gegen Simon Copper wird auS Deutsch-Südwestafrika weiter amtlich gemeldet: Die Werst Simon Coppers wurde dadurch aufgefunden, daß man der Spur einer Bande folgte, die am 8. März eine deutsche Patrouille am Auob überfallen hatte. In dem Gesecht am 16. März stand der ganze Orlog Simon Coppers unb Lamberts mit über 200 Mann und mehr als 100 Gewehren unserem KameelreiterkorpS gegenüber. Der Gegner verlor zwei Großleute, darunter einen Bruder Simon Coppers. Der infolge der großen Anstrengungen und Entbehrungen sehr geschwächte Zustand der Kameele, sowie Mangel an Wasser verboten eine weitergehende Verfolgung; auch machte sich die Nähe der englischen Grenze hindernd geltend.________________ Deutsches Reich. Berlin, 24. März. Das Kaiserpaar reist heute mit dem Prinzen August Wilhelm und der Prinzessin Viktoria Luise über München, Bozen und Verona nach Venedig ab, wo die Ankunft am 25. März, vormittags 11 Uhr 35 Mm. erfolgen soll. — Der „Reichsanzeiger* veröffentlicht da§ Gesetz, betreffend die Abänderung des Gesetzes über das Telegraphen wes en des Deutschen Reiches, vom 7. März 1908; ferner eine Bekanntmachung, betreffend die Vorlcg- ungsfristen für Auslandschecks, vom 19. März 1908, und eine Bekanntmachung, betreffend die Abrechnungsstellen im Scheckverkehr, vom 19. März 1908. AusLaud. Petersburg, 23. März. Die Kommandanten der Militärdistrikte vereinigen sich im Laufe der Woche, um mit der Kommission für nationale Beleidigung zu be- Bad-Narrheinrer Briefe. III. Der Schluß meines letzten Brieses führte in den Trubel des Karnevals hinein. Jetzt stehen wir mitten in der ernsteren. Vorbercitungszeit für das Osterfest, für die Bad-Nauheimer Einwohnerschaft noch in besonderem Sinne Vorbereitungszeit. Gilt es doch überall jetzt schon wieder zu rüsten für den Empfang der Sommergäste, denn es ist keine Kleinigkeit, 30 000 Fremde so unterzubringen und zu versorgen, daß allen Ansprüchen, auch den vornehmsten und großartigsten, genügt werden kann. Einen ernsteren Charakter trugen auch die Veranstaltungen der letzten Zeit. Am 6. März sprach hier Fräulein von Wels- zeck, nachdem sie am Abend vorh.r in Gießen gesprochen hatte über die Ziele der modernen Frauenbewegung. Groß genug war die Zahl derer, die aus den Anregungen des Abends die praktischen Konsequenzen zogen, so daß die Begründungeiner Ortsgruppe des hessischen Frauenstimmrechts- verbandes möglich wurde Einem guten Zweck diente auch die Veranstaltung, die am Nachmittag des 8. März (Sonntag) im Sprudelhotel zur Aus- whrung kam. Die Anregung dazu ging von Geh. Medizinalrat Dr. Ab6e aus, und es handelte sich um die Unterstützung der neu zu erbauenden K i n d e r h e i l a n st a l t. Ein Damcnchor trug erne Reihe von Volksliedern sehr hübsch vor, die durch lebende Bilder in künstlerisch geschmackvoller Weise gleichzeitig dem Auge veranschaulicht wurden. In der gleichen Weise stellte ein Zyklus von Bildern die Geschichte von Schneewittchen dar, wozu Fräulein Abee den poetischen Text eindrucksvoll deklamierte. Es war die Reineckesche Bearbeitung des Märchens, bie, auch dem Damenchor an einigen Stellen wieder Gelegenheit zu stimmungsvollen^ Darbietungen gab. Die Solopartien hatten die beiden Schwestern Fräulein Winkler aus Friedberg übernommen. Der Chor bestand aus den Schülerinnen von Frl. Ochsenius aus ans Marburg, die auch selbst mehrere Lieder vortrefflich zu Gehör brachte. Die Ouvertüre zur Zauberflötc wurde von Frau Rechtsanwalt Scriba und Frl. Lorenz vorgetragen, von letzterer allein der „Hochzeitstag auf Troldhaugen" von Grieg. v'ür den Kuustverständigeu war dieses eigenartige Werk des nor- oychen Komponisten mit seinen recht ans der Tiefe des Gemüts quellenden Tönen vielleicht die wertvollste Darbietung des Abends. Äls gute Geister, unsichtbar hinter den Kulissen, war noch eine Anzahl von Damen beschäftigt, um die kleineren und größeren Darsteller der lebenden Bilder zu dirigieren. Es mag vor allem Mvere Arbeit gewesen sein, die sieben Zwerge in die richtigen Stellungen und in die nötige Ruhe zu bringen. Sie erwarben aber dasür auch den ganz besonderen Beifall des Publikums. Der lur die Kinderheilanstalt gewonnene Ertrag beläuft sich auf etwa raten. Der Zweck dieser Versammlung wird die Einleitung einer sofortigen Untersuchung über die Kriegsbereitschaft der Armee und über die Durchführung der notwendigen Reformen in allen Garnisonen sein. Lissabon, 23. März. Die Meldung eines Madrider Blattes, daß sich die Arniwunbe des Königs von Portugal verschlimmert habe und die Aerzte von Amputation sprechen, entbehrt jeder Begründung. Johannesburg, 23. März. Es heißt hier, daß die Regierung nicht mehr die Verwendung von Eingeborenen Englisch-Mittelasrikas in den Minen der Rands gestatten werde. Breslau, 23. März. Ter Abgeordnete Korfanty dementiert die Nachricht, daß die Polen ein Wahlkartell mit dem Zentrum abgeschlossen hatten. Tas Zentrum hat bisher keine Annäherung an das polnische Wahlkomite gemacht. Emden, 23. März. Ber der am 19. März im ersten Hannoverschen Wahlkreise veranstalteten Neichstagsersatzmahl würden, wie jetzt amtlich richtig gestellt wird, 22269 Stimmen abgegeben. Es erhielten Domänenpächter F e g t e r (Freisinnige Vereinigung) 8422 Stimmen, Rechtsanwalt Groeneveld ^Deutsch- sozial) 6346 Stimmen, Oberbürgermeister F ü r b r i n g e r ^National- liberal) 4581 Stimmen und Buchdruckereibesitzer Hug (Sozialdemokrat) 2916 Stimmen. Zersplittert sind 4 Stimmen. Nürnberg, 23. März. Der Ausschuß des demokratischen Vereins Nürnberg saßt- einstimmig folgende Resolution: Der Ausschuß nimmt mit Entrüstung Kenntnis von der Haltmrg der demokratischen Rerchstagsiraktion in der Sprachenfrage des Vereinsgesetzes. Ter Ausschuß beantragt 1) bei dem Parteivorstand in Karlsruhe die sofortige Einberufung eines außerordentlichen Parteitages der deutschen Volkspartei behnss Stellungnahme zur Erhaltung der Fraktion; 2) beim Münchener Ausschuß der deutschen Volkspartei in Bayern die Einberufung einer außerordentlichen Lmrdesversammlung, um Über den Austritt o e r bayrischen Organisation aus der G e s a m in t p a r t e i zu beschließen, falls die Reichstags- sraktion ihre Haltung zum Sprachenparagraphen nicht ändert. hessische LaniswirtfchüfrÄammrr. D a r m st a d t, 23. März. Die Landwirtschaftskammer begann heute vormittag 10 Uhr im Sitzungssaal der Zweiten Kammer ihre 4. Hauptversammlung, der Ministerialrat Dr. U s i n g e r und mehrere andere Regierungsvertreter beiwohnten. Der Vorsitzende, Geh Rat Haas hieß die fast vollzählig erschienenen Mitglieder willkommen und gab dann einen Ueverblick über die bisherige Tätigkeit der Kammer. Der Kammerausschuß habe eme große Tätigkeit enthaltet und 24 sehr lange Sitzungen abgehalten und er hoffe, daß die Arbeit der hessischen Landwirtschaft zum ee$en gereichen werde. (Beifall). Sch ri ck-Schwabenheim führt Beschwerde über die Nicht- berücksichligung mehrerer von ihm gestellteil Anträge, wahrend Dr. D e h l i n g e r-> Weilerhof der Regierung seinen Dank dafür ausspricht, daß sie der Kammer emen Betrag von 36 000Mk. zur Einrichtung der Kammer überlassen Hal. liebel- Punkt 2 der Tagesordnung: Beratung des SatzungS- ent wurfs für Bezirksve reine, referierte Oekonomierat W a l t e r-Leng'etd, der namens des Ausschiisses den Antrag stellte, un Anschluß an die Bezirksausschüsse in allen Bezirken Bezirks- vereine zu begründen. Die Sparkassen stellten alljährlich 17—18 Tausend Mark dafür zur Verfügung und dieses Geld würde bei Nichterrichtung der Vereine verloren sein. Landtagsabgeordneter Breidenbach wünscht, die neu zu begründenden Bezirksvereine nicht nach den landwirtschaftlichen Wahlbezirken, sondern nach den politischen Bezirken einzurichten. Weil-Langgöns schließt sich dieser Meinung an. 400 Mk. Eine Wiederholung im Sommer int Kurhaus würde gewiß auch ein günstiges Ergebnis haben. Einen Wunsch freilich kann ich bei keiner Wohltätig- keitsvcranstaltung unterdrücken: Möchten die Veranstalter, Förderer und Besucher, denen es gewiß nicht an Herz jür ihre Mitmenschen fehlt, es auch nicht an der E i n s i ch t fehlen lassen, daß wir mit dieser Privatmildtätigkeit nur die Symptome der sozialen Schäden und Krankheiten lindern, daß es aber, um das liebel bei der Wurzel zu fassen, unsere dringende Pflicht ist, in zielbewußter Arbeit auf eine immer vernünftigere und gerechtere Einrichtung unserer menschlick)en Gesellschaft hin- zuarbciten. Das ist das große ethische Interesse, das Männer wie Frauen an den ernsten politischen Kämpfen unserer Zeit nehmen sollten. In diesem Sinne darf man wohl sagen, daß ein nicht minder edler Zweck die stattliche Versammlung vereinigte, die acht Tage später, Sonntag, 15. März, in der Turnhalle den Ausführungen des Stadtv. Minder über unsere Kommunalpolitik mit gespannter Aufmerksamkeit folgte. Es war das erste Mal, daß wir in unserer Stadt einen solchen Rechenschaftsbericht erlebten, und es wird wohl jeder Verständige diese Neuerung mit Freude begrüßen. Denn, wenn cs die Ausgabe jedes Menschen ist, zum Gedeihen der Gesamtheit, deren Glied er ist, fein Teil beizutragen, dann ist das Gebiet der kommunalen Politik bei seinem geringeren Umfange, bei seiner größeren, Uebersichtlichkeit, bei den direkteren Beziehungen zwischen dem Ganzen und dem Einzelnen gewiß die nächste und beste Gelegenheit, den Menschen diese Pflicht erkennen zu lassen und üben zu lehren. Am darauffolgenden Tage bot uns der Vortragsverein ein herrliches Konzert. Besonders die Trios, die von Professor Trautmann aus Gießen (Klavier), Heg ar (Violoncell) und Redner aus Frankfurt (Violine) vorgetragen wurden, waren ein musikalischer Genuß von seltener Reinheit. Das erste war von Brahms, Op. 101 in C-moll, in dem des Meisters zurückhaltender Gefühlsreichtum gerade weaen dieser Zurückhaltung so eigen anspricht, das zweite waren Variationen über das Lied „Ich bin der Schneider Kackadu" von Beethoven. Ein seltsamer Kontrast zwischen diesem nichtssagenden Titel und dem musikal. Gehalt des Trios. Als letztes folgte das Trio Op. 99 in B-dur von Schubert. Wie in den erstgenannten Trios, so ganz besonders in diesem letzten war die Wiedergabe der einzelnen Stimmungen, des Andante, des Scherzo, des Rondo usw., eine so fein charakteristische, daß man das Gefühl hatte, hier die innersten Absichten des Komponisten ausgedrückt zu bekommen. Dem Programm wohl angepaßt waren auch die eingeflochtenen Lieder, die Frau Anna Kämpfert aus Frankfurt vortrug. Am besten gelangen ihr die helleren und munteren Partien, während sie die ernsteren Gemütsbewungen nicht ebenso wahr wiederzugebeu Ministerialrat Dr. Uiinger betont, die Regierung habe sich mit der Frage eingehend beschäftigt. Der Art. 6 der Bestimmungen handle nur von einem frei willigen Zusammenschluß der Landwirte, auf den die Kammer hinwirken solle, während der jetzt vorgelegte Satzungsentwurf Zmangsorganisariou wolle. Schon auf Grund der Bestimmungen des Bürgerl. Gesetzbuchs sei die Bildung solcher Zwangsvereinigungen nicht möglich. Äbg. o. Brentano bemerkt, es müffe sich jeder Freund der Landwirtschaft freuen, wenn das landwirtschaftliche Leben kräftig auwlüht. Für die zwangsweise Btldmig von landwirtschaftlichen Bezirksvereinen fehle aber jede gesetzliche Grundlage. Sie wurden auch gar nicht im Stande sein, Beiträge einzuziehen. Wenn das geschehen sollte, fo mußte im Landwirtschaftskammergesetz eine neue diesbezügliche Bestimmung ausgenommen werden. Jetzt sei die Bildung von Bezirksvereinen nur in der Form von freiwilligen, wirtschaftlichen Vereinen möglich. Landlagsabg. K o r e l l meint, man sollte möglichst die Gelegenheit benutzen, die alten Bezllksvereine in die neuen aufgehen zu lassen. Völlig neue Organisationen würden nur die Grundlage zu neuen Reibungsflächen abgeben. Oekonomierat Dr. M ü i I e r tritt eifrig für die Bezirksvereine in der Landwirtschaftskammer ein, sie seien notwendig, um eine möglichst gute Verbindung zwischen Landwirten unb Kammer herzustellen. Es werde damit aus eine bessere Orientierung unter den Landwirten erreicht. Man höre jetzt mitunter fragen, wofür denn eigentlich die Beiträge zur LaudwirischaiiSkammer bezahlt würden. Faste man die Landwirte nicht in der vorgejchlagenen Weise zu Bezirksvereinen zusammen, so würde die Folge fein, daß sich die Landwirte wieder mehr den alten Organisationen zukehrleu und und auch dorthin Beiträge entrichteten. Zn dem jetzigen Satzungsentwurf sei ja garnichts davon enthalten, daß beabsichtigt werde, für diese Bezirksvei eilte Beiträge zu erbeben; er jei der Meinung, daß die Landivirtschaftskammer die Verwaltimgskosten aufbringen werde. Oekonomierat Walte r-Lengkeld ist auch der SDleinung, daß man von einer Zwangsvereinsbildung Abstand nehmen müsse. Mit der vorgeschlagenen Einteilung nach politischen Kreisen fönne er sich nicht beireunden; man müsse doch die Hauptrüchtcht aus die Wahrung der speziellen Interessen der emzelnen Kreise der Landwirtschaft richten. Vorsitzender Geh. Rat Haas legt in längeren Ausführungen dar, das Hauptmoment müsse sein, daß die steuerzahleiiden Landwirte auch mit zu beraten haben und daß auch der kleinste Landwirt daran Anteil nehme, lieber die Form unb die Einrichtung der Bezirksvereine lasse sich streiten, die Hauptsache, sei, daß der Grundgedanke der Bezirksvereine ziir Durchführung gelange. Abg. Köhler bemerk!, er sei von Anfang an kein großer Freund dieser Entrichtung gewesen, und er halte es für das Beste, wenn die Angelegenheit zur nochmaligen Prüfung an den Vorstand zurückverwiesen werde. Abg. v. Brentano erklärt, die Versammlung könne doch heute hier keine Bezirksvereine gründen, sondern höchstens ein Normalstatut dasür ausstellen und es den einzelnen Vereinen zur Annahme empfehlen. Redner schlägt vor, die Sache einer noch- maligeit Prüfung zu unterziehen. Vorsitzender Geh. Rat Haas konstatiert, daß ein erheblicher Widerspruch gegen die zu begründenden Bezirksvereine nicht vorhanden fei. Es handle sich nur darum, ob die Form dafür eine freiwillige ober zwangsweise fein soll. Nach einer längeren Panse wird die Sitzung um l1/, Uhr fortgesetzt. Abg. Breidenbach bringt einen Antrag ein, wonach die Kammer auf die Bildung freiwilliger Bezirksausschüste hin- wirken solle. Die Organisation solle Landwirte und landwirtsch. Zntereijenten umfassen und die Bezirksverbände sollen Versammlungen einberufen, um solche Vereine zu begründen. Das Resultat soll dann der Kammer imtgcteilt werden. Dieser Antrag wird angenonumen. Es folgt nuniuehr die Beratung des Hauptvoran- s ch 1 a g s der Landivirtschaftskammer für 1908. Ohne T-ebatte werden beroUligi: 1. F-ür wissenschaftliche Lehrzwecke und sonstige allgemeine Zwecke. Bortragstürse für praktische Landwirte 2000 M., Landwirtschaftliche Studienreisen 1000 M. Für vermochte. Wenn die Sängerin mit ihrem Lächeln etwas sparsamer wäre, würde das für die Wirkung kein Schaden sein. Die Klavierbegleitung, durch welche Professor Trautmann den Liedern den rechten Hintergrund gab, war ein Genuß für sich. Nirgends ein zu starkes Hervvrtreten, und doch überall ein deutliches Herausarbeiten derjenigen Züge, die zum Verständnis des Liedes nötig waren. Gerade das, auf den Beifall des Publikums hin von der Sängerin zugegebene Lied „Die Post" von Schuberts zeigte das in schönster Weise, und ebenso „Die Forelle" von demselben Komponisten, wo aus der schwierigen Begleitung das eine Mal das Posthorn, das andere Mal die unruhige Bewegung der Fische wie scheinbar unabhängig von der Melodie herausklingt. Als das schöne Uhlandsche Frühlingslied durch den Saal schmetterte, von dem Blühen, das nicht enden will, da kam wohl manchem der Wunsch in den Sinn, daß nun auch draußen die s)latur endlich einmal etwas Ernst zeigen möchte, solche schönen Bilder auch für dies Jahr wieder hrroorzubringen. Dr. Strecker. — Der Deutsche Schiller bund zur Gründung und Erhaltung jährlicher Natioiialiestsoiele für die deutsche Jugend am Weimarischen Hoftheater, der seit vorigem Herbst unter dem Protektorat des Grobherzogs von Saclsten steht, hat ein Werbeheft her- ausgegeben, das den Aufruf des Bundes an daS deutsche Volk, die Satzungen, einen orientierenden Aufsatz und allerlei Zustimmungen enthält. Gleichzeitig ist auch die erste Mitgliederliste des Schiller- buudes erschienen, aus der wir ersehen, daß der Bund an 239 Orten 1863 Mitglieder hat, in Gießen deren 15. — Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Baurat Professor G u t e r m u t h aus Darmstadt stellte an einer von R. Wolf-Magdeburg nciierbauten 100 pferdigeu Patent- Heißdanips-Lokomobile mit Rolleuschieber-Steuerimg einen Darnpf- verbrauch von 3,93 Kilogramm unb einen Kohlenverbrauch von 0,473 Kilogramm für die effektive Pferdestärke und Stunde fest. Diese Berbrallchszahlen stellen emen neuen Weltrekord dar. — Im neuen Operettentheater in Berti n erwies sich die neue Schöpfung Lshars .Der M a n n mit den drei Frauen* als weniger durchschlagend als die .Lustige Witwe", amüsierte aber immerhin durch eine Fülle welcher und schön schaiikelnder Nlelodien. Ter Beiiall war entsprechend: weder matt, noch auch zu übermenschlichen Tlmeiisionen ansteigend. — In Wiesbaden ist der frühere Theaterdirektor Franz Deuts ching er im Alter von 74 Jahren infolge eines Herzschlages gestorben. Deutfchinger, ein geborener 'Wiener, war als erster Eharalterspieler in Danzig, Riga, Rostock, Alainz, Augsburg, Wien und Budapest tätig. Zuletzt war er Rezensent des Rhein. Couriers. lWyaMng von Wandervö'rträgeii usw. 4000 M., Förderung ber Lmdwirchchaftlichen Btichführung 5000 M., Hcushaltungsschulen 6000 M., für Beratnng kleinbäuerlicher Wirtschaften 3000 M., Zuschußbedars der landwirtschaftlichen Zeitschrift und der landwirtschaftlichen Korrespondenz 10000 M. An diese Position knüpft Mim-Rat Usingen die Bittre, im nächsten Etat die Einnahmen und Ausgaben der Korrespondenz getrennt aufzuführen. Geh. Rat Haas bemerkt dazu, daß oies geschehen werde, gibt auch die einzelnen Posten naher an. Weiter werden bewilligt: Für Preis- nvtierungsftelle 700 M., Masch in^nprüftlng 1500 M., Förderung des landwirtschaftlichen Bauwesens 4000 M_, Rechtsauskunfts- dienst 3000 ÄL, Ärbeiternach-weisdienst 3000 M. Zur Ford erung der Tierzucht werden bewilligt: Für .zentrale Veranstaltungen 4000 M.. zur Förderung der Pferdezucht 28 000 M. Diese Summe ist bestimmt für Körung, Schauen und Prämiierungen, Fohleneinfuhr, Pscrdemärlle, Fohlenweiden und Tummelplätze. Zu der Position bittet Oberlandesstallmeister von Millich, die Pferdezucht im nächsten Etat weniger stiefmütterlich zu behandeln. Die Pferdezucht sei. äußerst wichtig für die ganze Landwirtschaft und Hessen konkurriere stark mit den Nachbarländern, z. B. mit der Rheinprovinz; dort wurden aber im letzten Jahr für Pferdezucht 70 000 M. und in der Provinz Westfalen 84 000 M. ausgegeben. Er bitte, auch die hehifche Pferdezucht in Zukunft kräftiger zu unterstützen. Vorsitzender Geh. Rat Haas hebt hervor, daß der Staatszuschuß in Preußen überhaupt viel höher sei, als bei uns. Der gute Wille sei ja auch bei uns vorhanden, denn ber bisherige Zuschuß von 17 800 M. sei ja auf 28 000 M. erhöht worden. Bürgermeister H a h n - Heßloch wünscht, daß die bei dem Posten Haushaltungsschulen für die Schule in Alzey gestrichenen 3000 M. zum Besten des rheinhessischen Weinbaues verwendet werden. Was tun die Land- wirtfajaststammern für den Weinbau überhaupt? Landwirt Schuck - Schwabenheim schließt sich den Ausführungen des Vorredners an. Auch Bürgermeister Keller-Spießheim verlangt, daß die 3000 M. ausschließlich für die Provinz Rheinhessen reserviert bleiben; während ein Antrag Fritsch- T-llshofen die 3000 M. bent Staatszuschuß für Pferdezucht hin- zugefügt wissen wlll. Dieser Antrag wird jedoch von der Ver- samnllung abgelehm und der Betrag von 28000 M. sür Pferdezucht genehmigt. Zur Förderung der Rindviehzucht werden 90000 M. verlangt; wovon auf Starkenburg 28 800 M., auf Oberhessen 38 700 M., auf Rheinhessen 22 500 M. entfallen sollen. Zur Förderung der Schweinezucht werden 14 000 M. verlangt; wovon auf Starkenburg 4480 M., auf Oberhessen 6020 iden Jean Kirch, dem der Bericht einen herzlichen Nachruf widmet. Tie aktiven Ruderer beteiligten sich an 4 Regatten und es gelang der akademischen Mannschaft, drei Preise zu erringen. Die Gesellschaft Halle am Anfang des Jahres 225 und am Schluß 216 Mitglieder, davon waren 70 ausübende und 173 unterstützende Mitglieder. Bis zum Schluß der Regattasaison war die sportliche Tätigkeit sehr rege. Nach dem Fahrtenbuch waren von 35 darin eingetragenen Ruderern die Herren H. Noll mit 149 Fahrten und 884 km zurückgelegte Strecke und H. Kühn mit 137 Fahrten und 807 km die Er- rmger der Kilonieterpreise. Bei den besuchten Regatten wurden ein Ächter- und 8 Vierer-Rennen gemeldet; bet 7 Rennen startete die Mannschaft, davon dreimal siegreich. Die Zahl der gewonnenen Preise stieg auf 69. Tas Remiboolsmalerial bestaiid ans einem Achter, 3 Vierern und 1 Skiff, außerdem waren an Schulboolen 1 Gigoierer, 1 Schuloierer, 1 Dollerwierer, 1 Schulzweier und 1 Tollenzwcier vorhanden. Dazu tarnen im Laufe des Jahres em weiterer Schulvierer und ein von Herrn H. Klingspor gestiftetes Vergnügungsboot. Die finanzielle Lage der Gesellschaft ist gut, die durchgeführte Erhöhung der Beitrage der unterstützenden Mitglieder brachte erfreulicherweise die besürchteten Auslrilte nicht in dem erwarteten Umtang, so daß die Gesellschaft jetzt besser als seither ihre sporilichen Aufgaben erfüllen kann. * * I li der G a st w l r t e - A il s st e l l u n g wird bereits mit dem Aufbail der Ausstellungsobjekte begonnen. Das Bureaii der Ausstellung, das 'sich bisher im Hotel Einhorn befand, ist in das Ausstellungslokal (Turnhalle 1. Etage) verlegt worden. Wir werden von der Ausstellungsleitnng gebeten, besonders darauf aufmerksam zu machen, daß der Zutritt zu den Ausstellungsräumen Unbefugten streng untersagt ist, daniit die Aussteller nicht gehindert werden und um etwaigen Unglücksfällen vorzubeugen, die sich bei dem großen Trubel, den vielen Kisten und Kasten leicht ereignen können. — Die gestifteten Ehrenpreise, soweit sie bereits eingetroffcn, find in dem Schaufenster der Kürschnerei und Rauchwarenhandlung A. Kretzschmar, Marktplatz, ausgestellt. * * Zum Bericht über das Konzert des Sangcr- kranzes. Infolge eines Versehens ist aus unterem gestrigen Bericht über das letzte Konzert des Sängertranzes leider der Hinweis auf das außerordentlich schone Violinsolo des Herrn Schatt- ter fortgeblieben. Herr Schöttler spielte Spohrs Violinkonzert Nr. 8 technisch meisterhaft und tiefem Empsüiden und Ausoruck. Herr Schättler hat sich durch sein vortreffliches Spiel im Musikleben unserer Stadt schon längst eine hervorragende Stellung erworben. * * Ermittelt. Tie Diebe, die in der Nacht vom 20. auf 21. l. Mts. das Wasscrhäuschen erbrachen intb ausraubten, sind ermittelt worden. Es sind 4 Burschen im Atter von 13 bis 16 Jahren. Sie hatten sich in einem1 alten leeren ftäbt Anwesen bei ber Margarethen Hütte häuslich eingerichtet, und den Raub dorthin gebracht. Alle vier sind bereits vorbestraft, gegen den ättesten davon, der auch 5er Anführer war, schwebt noch ein Verfahren wegen einer Anzahl schwerer Diebstähle. Daß die Burschen auch am Tage sich die Zett zu vertreiben verstanden, geht daraus hervor, daß sie an einem ftäbt Gebäude die Dachziegeln teils mit Steinen entzwei warfen, tetts herunter warfen und demolierten. Nachts schliefen sie in Eisenbahnwc.gen. * * Neuer Truppenübungsplatz? Von verschiedenen Setten sind, wie die „Köln. Ztg." hört, Bewegungen und Vorarbeiten imi Gange, um den Kriegsminister dafür zu gewinnen, baß im Kreise B leben ko ps (Hinterlandkreis) ein Truppen- üvungspla tz angelegt wird. (£§ käme dafür besonders die Umgegend des Dorjes Bott en Horn in Betracht. Der Vorstand des nationalliberalen Wahlkreisvereins in Siegen — ber Kreis Biedenkopf bildet mit Siegen einen ReichStagswahlbezirk — hat die Sache in die Hand genommen und wird dem Kriegsminister bemitädift eilten Plan unterbreiten. Von ber Verwirklichung verspricht inan sich für die zum Tett recht armen One tm Hinterland mancherlei finanzielle Vorteile. ** Das Feld berg-Turnfest findet am 1 4. Juni statt. Wettübungen sind Freihoch, Weilhoch, Kugelstoßen (zehn Kilogramm) und Wettlaufen (100 Meter). x Große n-Buseck, 22. März. Am Samstag fand im Saale des Gastwirts Siegfried eine gut besuchte am «.semitische Veriauvmlung statt. Oberlehrer Dr. Werner referierte über die politische Lage und das Programm ber deutschsozialen Partei tn V/a ftiinbigcr Rebe, oftmals von Beifall unterbrochen. Der Vorsitzende, Landwirt Karl Dörr, stattete dem Redner Dank ab. Ta sich kein Diskussionsredner meldete, sprachen noch die Herren Thomas Reuther und Lehrer Kling aus Gießen. + Ettingshausen, 23. März. Mir dem B a h n b a u Grünberg — Lich ist jetzt auch in ber 9cähe unseres Torfes bei bet Kvüwnmühle und Sommersmühle begonnen worden. In ben nächsten Tapen sollen ca. 50 italienische ©rbaxbetter an kommen. Die Hosrette, bte bie Gemeinde zwecks Anlage der Bahnhofstraße angetauit hat, roiro gegenwärtig abgebrochen. — Hohe Holzpreise wurden bei den Holzver st eigerungen erzielt. Ter Meter Bnchenscheitho^ ästete 9—10 M., Buchenpvügel 7—8 M., Kiefern- unb Tannenholz 3,50—4,50 M. sb. Rüsselsheim, 23. März. Ein Raubansall würbe am vergangenen Samstag auf ber Landstraße zwischen Rüsselsheim und Wallbors begangen. Als ber Arbeiter Cesonnc Nachmittags zwischen 1 und 2 Uhr mit einem Geldbetrag von ca. 200 M-, die er in Rüsselsheim gehott hatte, den Wald vor Walldorf passierte, wurde er von einem ans dem Dickicht Eommenben Unbctannten in Arbeiterkleidcrn angehalten und ihm das Geld abgesordert. Er setzte sich zur Wehr, bis ein des Wegs kommender Radfahrer ben Räuber verjagte. In ber vorhergehenden Nacht touiDe" in Walldorf durch einen bisher nicht festgestellten Einbrecher -eine ganze Anzahl Einbrüche in Wirtschaften und Spezerei- laden verübt Er erbeutete aber nur einzelne Pfennige. Hian hat noch keine Spur von rhur. — Ntain z, 23. März. Die Angelegenheit der Gehaltsregulierung unserer städtischen Beamten ist jetzt so weit gediehen, daß die Stadtverordneten in den nächsten Tagen darüber beschließen werden. Die an der Gehaltserhöhung beteiligten Kreise sind besonders darüber erfreut, daß die Aufbesferung mit Rückwirkung bis zum 1. April 1907 erfolgen soll. Hanau, 23. März. Die Meldung einiger Blätter von einem Besuch des Königs von England am landgräflich-hessischen Hofe in Philippsruh trifft nicht zu. Wie das Hofmarschallamt Philippsruh mitteilt, ist dort von einem solchen Besuch nichts bekannt. (Frf. Ztg.) [| Marburg, 23. März. Das Schwurgericht beschäftigt sich heute zle zunächst mit einer Anklage wegen Straßenraubs gegen die Arbeiter Georg K a l e s ch aus Langenstein im Kreise Kirchhain, zuletzt wohnhaft in Gießen und Niederwöllstadt, uiib Johannes B o r n aus Kappel im Kreise Marburg. Am Abend des 31. August vor. I. hallen die beiden sich hier umherireibenden Burschen ausgekund- schaitet, daß der Taglöhner Joh. Beilborn aus Unterrosphe mit seinem Arbeitslohn in Höhe von 30 'Mk. spat abends nach Hause fuhr. Sie reisten dann mit und fliegen auch in Sarnau aus. In unmittelbarer v.ähe von menschlichen Wohnungen im Torfe Göttingen warf Kalesch den Beilborn zu Boden und nahm ihm das Geld ab. Tein Born gab er später 5 Mk. davon. Jir der heutigen Verhandlung war Born geständig, Kalesch jedoch leugnet ganz entschieden. Bemerkt sei, daß der letztere außer anderen Vorstrafen zuletzt in Gießen zu 4 Monaten Gefängnis verurieilt worden war, weil er einem Arbeiter in Wißmar bas Portemonnaie gestohlen hatte. Kalesch würbe schließlich wegen Raubs zu fünf Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust, sowie Stellung unier Polizeiaufsicht unb Born wegen Hehlerei zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. 'Tas Duell als Schauspiel. Von bem bereits gemeldeten Duell zwischen den russifchen Generälen Fock und Smirnoff, das am letzten Mittwoch in Petersburg ausgefochten wurde, werden noch einige Einzelheiten bekannt, die em seltsames Licht werfen aus die Art und Weise, in der die russische Gesellschaft den Zweikampf beurteilt. Ter Oberst des Leibgarderegiments stellte die Reitschule zur Verfügung. Der Gegner und bie Stabsärzte bes Regiments würben angewiesen, zu bent bevorstehenben Zweikampf bie nötigen Vorbereitungen zu treffen. Eine Anzahl Herren vom Oifizierkorps und vor allem eine Anzahl Damen der Gesellschaft wollten um feinen Preis bas Schauspiel versäumen, unb kurz vor zehn Uhr erschienen sie in ber Reitschule unb nahmen bie Plätze em, bie ihnen einen guten lleberblicf über bie Ereignisse verhießen. Um zehn Uhr erschienen bann bie beiden Duellanten unb ohne sich zu grüßen nahmen sie, bleich und den Ausdruck grimmiger Entschlossenheit in den Gesichtern, jeder seinen Revolver in ber Hand einander gegenüber Ausstellung. Auf das gegebene Zeichen Jeuerte Fock, unmittelbar darauf Smirnoff und der Widerhall beider Schüsse mischte sich in der Halle. Aber nun entspann sich ein regelrechtes F e u e r g e f e ch t, die Gegner schossen mit wachsender Schnelligkeit einer nach dem andern, und erst als nach dem siebenten Schüsse General Smirnoff stöhnend zur Erde sank, ertönte das Halt der Sekimdanten. Nach dem Zweikampf verließ das Publikum im lebhaften Gc'präch die Halle und die Erregung steigerte sich, als man hörte, daß infolge dieses Ausganges der General Garbotoffsky nun auch seinerseits ben General Fock gesorbert habe. — Der ruf). Kriegsminister hat aber bas Duell zwischen ben Generälen Fock unb Garbotoffsky verboten nut ber Begründung, daß Fock während der Belagerung von Port Arthur Gorbotofsskys Vorgesetzter war. * Die Verhaftung eines Pariser Großfpeku- lanten. In Paris ist am 23. März ber 32 jährige Spekulant Rochette verhaftet worben, ber im Laufe weniger Jahre über ein Tutzenb inbuftrieHer uiib finanzieller Unternehmungen ge-> grünbet hat. Larunter eine Banque Franco-Espagnole und eine Marokkanische Fischeveigesellfchaft, für welch letztere er auch einige politische Persönlichkeiten zu gewinnen wußte. Rochette soll für mehr als 80 Millionen Frcs. Aktien audgegeben haben, bereit Kurse er Lurch Vsröffentlichung gefälschter Ausweise und Reklamen außerordentlich in bie Höhe zu treiben verstand ui» von denen mehrere, heute eine fast bollftänbige Entwertung erfahren haben. Unter ben Geschäbigten befinden sich Tausende von kleinen Sparern, welche Rochette durch eigens von ihm ausgo- gebene Finanzbllttter anzulocken wußte. Rochettd war in seiner Jugend Kellner in einem Lahnhossrcstauraur gewesen. Seine Verhaftung erfolgte unter ber Beschuldigung des Vertrauensbruches, bei: Veruntreuung nnb des Betruges. Ter „Matin" gibt 150 Millionen Fres. als bic Ziffer bes Nominalwertes der Papiere des verhafteten Finanziers N. an. 9ioch-ettc bezahlte glänzende Divibenpen. sodaß bie Zierden ber Pariser Börse ihr eigenes Geld bei seinen Unternehmungen plazierten unb ihre Klienten zur Teilnahme animierten. Kleine Tageschronik. Der Bürgermeister Schott von Hermannspiegel ist im Hochwasser nmgekommen. Er war in Geschälten in sieglos gewesen nnb trat in ber Dunkelheit ben Heimweg an. Dabei ist er vom Wege abgekommen, in bie Haun geraten unb im Hochwasser ertrunken. Die Reiche lunrbe an ber Emmünbung der Eitra in die Haun aufgciimbcii. Infolge Ueberlasiung ging ein auf dem Ratzeburger See verkehrendes Fahrboot mit 14 Insassen 100 Meier von der Landungsstelle entfernt, unter. Von der Besatzung erreichten nur 5 Mann schwimmend das liier. Die übrigen 9 Personen sind ertrunken. Dem Truck ber öffentlichen Meinung nachgebend, hat die Behörde fetzt den Oberlehrer Fan bei vom Sophien-Real- gymnasium zu Berlin, dem ein Verschulden an dein Selbstmord des Schülers Dt a t t h e u s zum Vorwurf gemacht wird, vom Dienste suspendiert. — Auf den prüft Arzt Dr. Markuse in Berlin versuchte in dessen Ordmationsstunde em anscheinend wahnsinniger junger Dtanii m obrere R e - voloerschüsse abzugeben, von denen einer dem Arzte eine leichte Streifverletzung beibrachte. Des jugendlichen Attentäters Frau ist tm Wahnsinn gestorben. In Neapel erregt tue Verhaft u n g des PatersVale- riano Aussehen. Er ivar der Beichtvater des verstorbenen Herzogs von Aionsorte und stahl nach dessen Tode Familien-I u w eien und fremde Titres im Betrage von 300 000 Fres. Nachrichten. 3n der Ltadtkirche. Mittwoch den 25. März, abends 6 Uhr: 4. Pajsions-Andacht. Pfarrer Schwabe. Voraussichtliche Wittcrilug für Hesse» am Mittwoch den 25. März 1908: Fortdauer der heiteren und trockenen Witterung, Am Tage warm, nachts kalt. Oestlliche Winde. GrigLttaL-Dr-ahtinetdungen. Detmold, 24. März. Die Regierung des Fürstentums Lippe-Detmold hat dem Landtage gestern ein neue8 Bolksschulgesetz vorgelegt. Bedeutsam an dem Entwurf ist die Beseitigung der geistlichen Schulaufsicht die Schaffung einer Ober-Schulbehörde anstelle des Konsistoriums, die Anstellung von zwei praktisch und theoretisch oorgebildeten Schulmännern als Schulinspektoren anstelle der Geistlichkeit. Em Gesetz, das den Zwang zur Uebernahme kirchlicher Dienstleistungen ansschließen wird, soll dem Landtag' demnächst zugehen. Lüttich, 24. März. In der Elektrizitäts-Zentrale explodierte ein Dampfrohr, wodurch sämtliche Dynamos unter Wasser gesetzt und außer Betrieb gesetzt wurden. Während 5 Stunden waren bie Theater, Casös, Restaurants sow» die Straßen ohne Licht. dem bereits ge. xi und enümoji, utbe.roerbennoi i1 werten au! bi; 1 Zweikampj bt. e bie Reittchuli - des Regiment- ampt bie notig« ’om^ifijierfo^ etelltchail wollt« 3 kurz vor zu, n bie Plätze en, gniife verhießen, len und ohne st? grimmiger &u. vcr in der Han) te Zeichen feuert! ml! beider LcUe i) ein regelrechte; über Schnelligleit siebenten Cchch ile bas Halt bt: lifumim lebhafte« h, als man hörte, otosisly nun all- usi. Kriegsmacht« und tzarbolosisk, > bei Lelagemtg N 1907 :t l«nb< * rinn» : Gloßspekti'I iährige Spefutai ■ tiger Zahre übet R enrehmMgen M ■ Agnole und cM ■ n$ er auch einigt B Rochelle soll■ en haben, derer ■ : Ausweise urtlj en verstand ul II &itiotttung» L tdi Tausende w n von ihm E je war in ftis |J ,t gewesen. ■ zmrauensbrutz j Malin" gibt » ■ ertes der Pakts 0 bezahlte (DM ■ e ihr eigene» M ■ Klienten i» & ■ u'231 März, te* ft °>ch»2 »w'mJ jjSES * "°ch 6lui; ^nau aus \ £ im, Ne T 1,Qom ihm 3nber leagii« I« anderen $OI. enir|eilt roorb« ortemonnaie qe. ^"ubs Ju fünf !°wie ctellun» iu sechs ;ebend,hasd-^ km eop^g 1Ulben an '“um Lonvuo - t- * nd , Ordmalw"-!^ mehreres 'sPater^' No« mü^’3 i a>" trockenen^ M LS ""J ............................ Kreuzslefn 'Mk i I? tz 8 Leihgestern, den 24. März 1908. [02300 Statt besonderer Anzeige Helene Rauch, geb. Biedermann. Os*. Christian Rauch 1934 1 Liste. Her-mnnn Will bet der Bruhl'schen Druckerei, 216r. Hofmann bei Bankier Grünewald, im Hause B«/3 hvWs B»/3 in in Am 19. März entschlief in Gotha sanft nach kurzer Krankheit unser geliebter Vater Otto Dithm ar Karl Hosch 2. Liste. Karl Weidig HetNrich Wahl Peter Reichert Emil A 6 e r t 3. Liste. Friedel & ASvrion, Hermann Mettenheimer, Gießen, den 21. Mär-; 1908. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. zu Eickelsdors. Eichelsdori, den 22. März 1908. . Grotzherzogltche Obermriteret Etchelsdorf. M a n il_____________ Gtetzcn, 23. März 1908. Städtisches Hochbauamt. Gerbet. Wilhelm Biedermann. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns so schwer betroffenen Verluste meines geliebten Mannes, unseres guten VaterS, besonders für die zahlreichen Blumenspenden sagen wir Allen unfern innigsten Dank. Fran Elisabeth Wehrum n. Kinder. W. & G. Schuchardt, W. & G- Schuchardt, Wilhelm Wallenfels Sohn, Friedrich Heimer & Co. Bekanntmachung. Für die am 3. April 1908 stattsindende Wahl der Beisitzer für das Kaufmannsgericht Gießen sind nachstehende 4 Vorschlagslisten rechtzeitig eingegangen und nicht zu beanstanden: a- Vorschlagsliste für Beisitzer aus den selbständigen Kaufleuten: 1. Franz Hollerhoff, Inhaber der Firma 2L Holterhoff, Sohne, . ~ 2. Adolf Noll in Firma I. B- 2ioll, 3. August Null, Bahnhosirratze 51, 4. Moritz Strauß, Teilhaber der Firma Goldenberg und Marcus. b. Vorschlagslisten für Beisitzer aus den Handlungsgehilfen . Darmstädter Pädagogium Hochstr. 58. 1. Anfnahme schulpflichtiger Schüler, vom 9. Jahre ab. 2. Vorbereitung für alle Klassen höherer Lehranstalten. 3. Vorbereitung zum Einjährigen-, Primaner-, Fähnrichs-, Seekadetten und Abiturienten-Examen. Kleine Klassen, individuelle Behandlung, vorzüql. Erfolge Arbeitsvergebrrrrg. Die zur Umänderung von Türen im Gebäude deS Realgymna^ sinms erforderlichen Schreiner-, Schlosser- und Weißbinder- arbeiten sollen Mittwoch, den 1. April d. F., vormittags 10 Ubr, ogentlich vergeben werden. , . ... Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Eui- sicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältltch, sind bis zum genannten Termin bei uns einzureichen. Buschlagsfrist 14 Tage. BerdinguNg. Die Gemeinde Garbenheim hat einen neuen 330 m langen Weg zur Haltestelle zu bauen. Kostenanschlag liegt auf meinem Bureau offen. Gest. Offerten nehme ich bis zum 28. März d. Fs., vormittags 10 Uhr, auf meinem Bureau entgegen. Zu dem genannten Zeitpunkt erfolgt die Eröffnung der Offerten. Krofdorf, 17. März 1908. 1862 Der Bürgermeister von Atzbach und Launsbach. Brau n. Letzte Holzverstergerung. Dienstag den »I. März l. Fs. werden aus den Distrikten Langebaume, Rochebcrg, Luchwald und Frrhausköpfe versteigert: Stämme: 14 Eichen 4. und a. Kl. — 5,62 Z, Eönj.*Freiw. zu Leipzig fia. Speise- und Salat- Kartoffeln itt den verschiedensten Sorten empstchlt zu den billigsten Tagespreisen [1244 H. Trechsler Telefon 581. 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