L58. Jahrgang Erstes Blatt Nr. 54 Mittwoch 4. März 15>O8 StehenerZamilienblatter; aroetmol roöcbentl.Kteis= Via« sürden «reis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- wtrtlchaflltcheSeitfragen Der Stetzener Anzeiger erscheint täglich, außer SonntagS. - Beilagen: viermal wöchentlich A Bezugspreis: Q XF monatlich 75Pf., viertel- 17| itlM A DW Fernfprech - Anschlüsse: jkV ÄW Verantwortlich für die Redaktion 112, ™ yf aa für den politischen Teil: MM General-AnMger für Oberhessen WM tüt dl" tagesnummet Rotafionsbrud und Verlag ber vrühl'schen Usiv.-Vuch- und SteindniSerel. R Lange. Rebaffion, Sxpebitian unb Druckerei: Schulstratze 7. bis vonmttags 10 Uhr. a H Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. quellen abhängig sei; ebenso gebiete Deutschland über einen überseeischen Handel, den' zu schützen es verpflichtet fei, weshalb England kein Recht habe, die deutschen Pläne mit Argwohn zu verfolgen, vielmehr handle es sich um vollkommen berechtigte' Grenzen für die Flottenvermchrung einer Nation. Das sind Worte, die man in Deutschland gern hören wird, da aus ihnen eine vollkommen objektive Beurteilung der deutschen Jntercffen herausblickt. An eurer solchen hat es eben in den letzten Jahren gefehlt und darin lag eines der Hauptmomente für bie Zuspitzung der beiderseitigen Beziehungen. Hoffentlich ist diese Ansicht bei unseren englischen Vettern von Dauer, wie man auch deutscherseits gern bereit ist, unter solchen Umständen England volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. (Eine deutschfreundliche Kundgebung. Im englischen Unter hause haben die Debatten über den Marineetat begonnen und es ist bezeichnend, daß man jenseits des Kanals überwiegend den dringenden Wunsch hegt, endlich einmal hinsichtlich der Flottenrüstung einen Stillstand herbeizuführen. Dieser Tendenz gibt bereits der diesmalige Etatsvorschlag Raum, in dem bekanntlich das Plus gegen den vorjährigen Etat bei einer Summe der Aufwendungen von zirka 640 Millionen nur 18 Mill. Mark ausmacht. Aber im englischen Parlament hegt man anscheinend in der Mehrheit den Wunsch, daß es nicht bei diesem einen Falle bleiben möge, sondern daß auch die kommenden Etats keine Erhöhungen, ja wenn möglich, geringere Ausgaben mit sich bringen möchten. Bisher stützten sich die Argumente für die Flottenvermchrung mehr oder- minder deutlich auf die angeblichen feindseligen Absichten Deutschlands, und da sich nunmehr das Blättleiu gewendet hat, kann es nur eine logische Konsequenz dieses Umschwunges sein, wenn in der englischen Bevölkerung der Gedanke die Oberhand gewinnt, unter diesen Umständen die Flotten ausgaben einzuschränken. Diesen Gedanken gab in der Montagssitzung des Unterhauses der radikale Führer Macdonaäd Ausdruck, indem er dabei gleichfalls auf die Besserung in den Beziehungen zwischen Deutschland und England hinwies. Die Art und Weise, wie dies geschah, ist bezeichnend für den Umschwung der Dinge, der inzwischen eingetrelen ist. In den letzten Jahren fehlte es niemals an irgendwelchen Verdächtigungen oder Spitzen gegen Deutschland, und diese Politik der Nadelstiche war wahrhaftig nicht geeignet, eine Besserung des Verhältnisses herbeizuführen. Jetzt aber schallen von jenseits des Kanals ganz andere Töne herüber, und ein anderer radikaler Abgeordneter, Brunner, erklärte sogar ausdrücklich, man müsse jeden Bluff meiden und jede Verhöhnung des deutschen Volkes unterlassen; England sei stark genug, um in der Verminderung der Rüstungen mit gutem Beispiel voranzugehen Sehr bemerteilswert war auch die Antwort vom Regierungstische. Schatzsekretär Asquith ging in seinen Bemerkungen auf Die Äußerungen Über Deutschland gleichfalls ein und erklärte, daß, wenn auch mit Deutschland kein ausdrücklicher Vertrag vorliege, doch England hoffen und vertrauen dürfe, daß die beiden Völker mit jedem Jahre einem vollständigen gegenseitigen Verständnis immer näher kommen werden. Ja, er desavouierte sogar die früheren Begründungen der englischetl Flottenvermehrungen, indem er ausführle, daß die deutsche Flottenvergrößeriing einfach den wirtschaftlichen und militärischen Bedürfnissen Deutschlands entspreche, das über eine schnellwachsende Bevölkerung verfüge und zu seiner Ernährung von Rohmaterialien aus Überseeischen Deutsches Reich. Berlin, 3. März. Für den frei geworbenen Posten eines preußischen Gesandten in Hamburg ist der bisherige Gouverneur von Deutsch-Osrafrrka, Graf von Götzen in Aussicht genommen- — Die Kaiserin-Witwe von Rrißlanb wurde heute auf der Durchreise durch Berlin von Kaiser Wilhelm begrüßt und im Zuge bis Lharlottenburg geleitet. — Die höhere Postlaufbahn wird voraussichtlich rum 1. April und zwar in beschränktem Maße wieder eröffnet werden-_________ Ausland. Die Morgenblätter nu'iücit aus Budweis: Gestern kamen wieder S t r a ß e n e x z e s s e vor- Deutsche wur- deti äuge fallen,, bedroht und beschimpft und konnten: — Kleine Kunst chronik. Hermann Z i l ch e r, der auch in Gießen vom teigen Wnllner-Abend her befanmc Frank'unei Pianist und Siompomlt, Mehrer am dortigen Tr. Hochstchcu Stom servatoruun, tritt nut dein nächsten Sludunjahr, einem Riue tfchs Mottls folgend, an die Akademie der -tonhinlt m M u nch e n über — En gen d ' A11) erk arbeitet an einer neuen Oper, z - e 'i l", deren Kompositionsstizze bereits iertig ift. Ten -loh bat Rudolf Lothar bearbeitet. Liese Oper wird in Indien ipielen. — Elektra", das neue, im Entsteben begriffene Musikdrama von' Richard Strauß, wird in einem Akt neun Szenen ver° einigen, die aus knappe Zeit von einem Intermezzo unterbrochen werden. Tie Hauptrolle der Elektra ist eine eopranpaitie. Orestes unb der König sind Tenorpartien. DaS Werk wird wenig über 1‘/ Stunden spielen. — Gemeiusam mit dem bekannten Violoncellisten W. Hugo BeÄer (Frankfurt) beabiichngt Henry M a r t e n u ein S t r e i ch -Q u art e t t ru begründen, das seinen Sitz in Berlin Haven unb den Namen Marteau-Becher-Quarteu führen wird. - Ein Heine-Denkmal der Rezitator Tanny Gürtler, cm geb. Tarmstadler, durch den B, dhauer Siiemlcn in Stuttgart an'ertigen lassen und der Stadt Köln an- aeboteii. Das Denkmal wird rund 20 000 Mark kosten und un Mai d. I. fertiggestellt sein- Die Kötner Stadtverwaltung wird sich jetzt darüber zu entscheiden haben, ob sie das Geschenk an- mmmt. — An der am 9. März in Land o n beginnenden t n t e r- nationalen Beratung über bie Maßnahmen zur B e - kämpiiing der Schtaikrankheit werden als deutsche Vertreter Robert Koch, ^egationsrat Dr. v. Jakobs und Oberstabsarzt Steudel teitnehmen. Die Hauptgege.istände der Bcr° Handlungen iverdcn die Einnchtung eines internationalen Nach- richtenbureaus über das Au'treten und die Vereinbarung gemeiu- schastlicher Alaßrcgeln zur Abwehr und Bekämpfung der Schlaf- krankheit in verseuchten Grenzaebieten sein. Mehr ursprüngliche komische Begabung hat G a r c i s, ihm fehlt aber bisweilen noch alle Bühnengewandtheit und schichliche Bewegung. So vortrefflich er in Dtalektrollen zu sein pflegt, so unbeholfen und zu llebertreibimgen geneigt in Rede und Geste ist er nn Salon. Gse11 sieht sich auch liichi selten seiner Individualität völlig fernliegenden Aufgaben gegenüber. Sein vortrefflicher Schäfer tNi„WtMermärchen" ist unvergeßlich, semen Marsland wollen wir dagegen um semelwillen m unser en Gedanken schnell begraben. Die Tarnen W i n d e r st ein unb 9)1 o r c 11 batten em paar munterer und niedliche Nichten darzustellen. Nun hat ja Rosa Winderstein im Gegensatz zu Paula Morett sowohl Humor wie Schelmerei, aber noch zu viel affektierte Gefallsucht; es fehlt ihr aber nicht an Agilität in Mimik und Spiel und bei einiger dem Publikum abgewandter Selbstzucht verspräche sie iimner Ersprießlicheres zu leisten. Tie Eva Webster aber will von der Darstellerin gehoben iverden, mrb das versteht Paula Morett vorerst noch gar nicht. Tie sidelen Neffen fanden in Goll und Roden desto angemessenere Vertreter. Das Stück hätte wesentlich flotter herunter gespielt werden sotten. Tie Hörer aber fühlten sich aus der Blaßen gut unterhalten und spendeten namentlich Reimer-Lchlegel und Luise Bons mehrfach aitf offener Szene lautesten Beifall. ?. W. Stlmmungsbito aus öem Reichstage. Berlin, 3. März. Tie Tage dcr Vielen Resolutionen mro ber langen Reden haben begonnen. Nicht lornigcr als ein Viertel Hundert Resolutionen lagen hum> Gehalt des Staatssekretärs d es Innern vor und würben in den vier Reden, die ixe heutige fünfstündige Sitzung brachte, zum größten Teil schon behandelt. Tas Zentrum ist den anderen Parteien wieder um mehrere Nasenlängen voraus; es glaubte, es diesmal nicht unter zehn Resolutionen tun zu können, während bie freisinnige Fraklions- gemeinschan nur mit einem Provinzialwunsch üoer die Kanal- Verbindung nach dem Nordvstseekanal in die Reihe der Bittsteller tritt, weil zufällig der Abgeordnete des Bezirkes der freisinnigen Bollspartei angehört. Tie ersten vtioen Dauerredner stellten das Zentrum und die Konscroatwen in den Abgeordneten Giesber ts unb Pauli- Potsbam. Hätten diese beiden Sozialpolitiler sich den Scherz gemacht oder aus Mangel einer Vorbereitung zu dem Verlegenl-eits- mittel gegriffen, ihre vorjährigen Reden von neuem zu halten, kein Mensch im ganzen Hause hätte es gemerkt, denn auch die von ihnen bef pro dienen Resolntivnen sind sämtlich ade Bekanntc dcs Reichstags. Eine neue Note brachte der 25ertretet ber Sozial- denwkratcn, ber Berliner Abgeordnete Schmidt, in die Ver- Ijm&iung. Man ist von diesem Zenlralatbeuersekretär der soziai- denwkmtifcheu Gewerkschaften, der in {einem Hauptberuf die Rechtsansprüche aus der Arbeiterversicherung vor dem Rcichs- vcriickterungsamt zu vertreten hak, eine ruhige Tonart, und, soweit cs sein sozialdemokvatise-er Standpunkt zulüßt, auch eine objeftioe Beurteilung der Verhältnisse schon von früt-er gewohnt; daß er aber nttd> den irngualifi-ieroaren '.-'.ngriwen, bereu "en. ^ec große Vorzug dieses leider bisweilen am falschen Platze stehenden trefflichen Darstellers in solchen gröberen unb feineren TummlmgsroUen (er sollte einmal Fuldas neuen .Dummkopf" bailleUen!) ift, dab er ber schüchternen Albernheit die Naivetat zu wahren, daß er nicht zu reflektieren scheint. Diese Objektivität m der Einfalt macht seine Wirkuiig aus unb verbürgt bie Glaubwürdigkeit seiner Rollen. Etwas von dieser D'ähchkeit liegt viet- leict)t auch in ber Individualität von Hans Lotz. Tiefer hatte gestern einen albernen Gecken nn Gewände deS englischen Land- rde.mai'.nes zn verkörpern und bas gelang ihm ganz gut. Er schien stch freilich noch selbst ein wenig zu ironisieren und nicht ganz so dumm zu sein, rote er auszusehen bie „Pflicht unb bas Vergnügen" tjattc^ Vielleicht wird aus ibm aber noch ein ganz guter Komiker. der Kvhleninterpellation scharfe K r i t i k a n b e r P r e i s p o l i t i k des Kvhlen-undEisenshndikats und erörterte bie Stell-- img seiner Freunde im Reick)stage zu den Trusts und Kartellen. Dies gab ihm die erwürrschte Gelegenheit, sich mit den Angnnen auseinanderzusetzen, die aus Anlaß seiner damaligen Rebe _2.r. Beumer neulich im preußischen Abgeordnctenhause und Herr Bück auf der letzten Generalversammlung des Zcmtralverbatides b-utschrr Industriellen gegen ihn und die nalional'tberalc Reichs- tagsiraktion gerichtet hatten. ^tlurmungsdüd aus" dem preAtz. AdseortzKetentzLUS. Berlin, 3. März. Kein großer Tag, aber doch immerhin ein nicht gewöhnlicher Tag! Der'Schlußakt der Haupt- und Staatsaktion, genannt die E »' t e i gn n n g s - V o r l a g e, sollte sich im preußischen Abgeordnetenhanse abspielen. Und nicht nur die Tribünen, auch ber Sitzungssaal wies eine recht starke Besetzung auf. Gleichmütig stellt Jordan Kröcher bie Enteignungsvorlage zur entscheidenden DiSkufsioii. Nicht gleichmütig ist Herr S t y ch e l, seines Zeichens Pole, der den Chorus der Redner eröffnet. In larmoyanten Sätzen klagt er über bie Bedrückung der Preußen polniicher Zunge durch das Regime Bülow; m pathetischen, allzu pathetischen Sätzen versichert er daS deutsche Volk der Loyalität der Polen. Ein paarmal strei't er bei seinen Angriffen ans die Regierung die Grenze des parlamentarisch Zulässigen. Herr v. Kröcher ift nachsichtig. Aber schließlich geht ihm der Spaß doch über die Hutschnur: als Herr Ltychel, fubn geworden bind) die Toleranz des Präsidenten, die Regierung bezichtet, im Kamp'e gegen den Polonisnius sich unwürdiger Mittel bedient zu haben, da reißt oud) Herrn v. Kröcher ber GcdnldSiaden und bas Damoklesschwert des Ordnungsrufes iouft auf das Haupt des stychelnden Polen herab. Herr Ltychel redet noch lange und er redet nach polnischer Art, maßlos über- treibend. Tas ist Wasser auf die Aiühle des Herrn o.J)i b e Inhabern Ter kann wieder einmal die schätzenswerten Leiten des preußischen IiinkerS herauskehren; scharf und sd)neioig führt er een polnischen Redner ab unb brausender Beifall nicht nur von den Bänken der Rechten dröhnt durchs HauS, als dieser sonst mit Recht nicht beliebte Minister den Polen gründlich jubedt. Ganz gewiß hätte die polnische Fraktion ihr mindestens subjektives Recht hefier wahren können, als es heute burd) Herrn Ltychel geschah. Es war ein Larbmal'ehler, anstelle des klugen und uthigen Aiannes, der bisher in dieser Kampagne bie weiß-rote Fahne trug, den Polterer Ltychel herauszustelle>l. Aber daS haben bie Polen mit sich selber abzunvachcm. Die Redner der übrigen Parteien bei- sleistigen sich, wenn man von dem Zentrumsmaun Porfch absicht, der Kurze, d« durch die Geroißhcrt der Annahme der Vortags gegeben war. In ökonomischer Beschränkung ticyen sie noch einmal die Gnünde aufmarschieren, die ihre Parteitm für oder wider re.-u ließen. Uuu uwchdettk noch Herr v. ar» mm, der Landmirtschastsministcr, ein paar Worte ivider den Gegner getagt, Worte, die niemand) verstand, ging es ^ur Absrim-- mtung, und es erhob sich für bie einzelnen Paragrapyen, unb es cti)ob sich für das gauje Gesetz die alte OstmurLenmech-heit: Kvn- scrvative, Freilonservatlve und Nationalliberale. Und ber Iji)to- rische Monv-nt begegnete feinem Zeichen des Beifalls, feinem Zeichen des Mißfalls in der preußischen VolKvertretung. Gleichmütig, als sei irgend eine Dutzendvovlage verabschiedet, wandte sich daS Haus dem Etat der Scehandlung zu. Er brachte keine wclterfchütternbe Debatte, und nur die Rede des Bollsparteilers Dr. Grüger, des Erben Eugen Richters, brachte cme großzügige unb sachverständige Kritik der Geschäfts-gebahrung des Instituts, das ans Friedrich den Großen seinen Ursprung zurückleitet. Ter nativnaitibcraic Dr. Friedberg ergänzte Grii- gers Ausführungen mit Glück und Geschick von dem Lrlandpunkt des nationalöLoiwmischen Theoretikers, dem die Praxis kein Buch rmt sieben Siegeln geblieben ist. Herr v. Rheinbaben ant- ivortcte luriz und wenig ersck>öpfenb. Er hat es auch nicht nötig, beim bas Haus war längst in ber Bewilliguugsadstimmung um) noch ehe d.e sechste Vorhand tungsstunde anbrach, war bie See Handlung der Regierung bewllligt. Am Mittwoch kommt, der weiffchichtigite Etdat aufs Tapet: Herr Breitenbach wirb ju!) mit ber Volksvertretung zu einigen haben. ________ payliwicKtarifctyo. Berlin, 3. März. Die Börs engesetzkorn - Mission des Reichstages nahm heute den § 53 in der Fassung der Regierungsvorlage an, die bestimmt, daß ein B ö r s e n t e r m i n a e s ch ä f L, das nicht gegen ein durch dieses Gesetz oder den Bundesrat erlassenes Verbot verstößt, nur nach Vtaßgabe der §§ 54—57 wirksam ist- — Nachdem der F-inauzminister die Erklärung abgegeben hat, daß die baldige Einbringung ber Besoldungsvorlagen im Abgeordnetenhause zweifelhaft ist, hat die Frei- lonservative Fraktion wegen unverzüglicher Einbringung der Vorlage betr- Besoldung der Beamten, Geistlichen und Lehrer interpelliert- Köln, 3- März. Die „Köln- ZLg." meldet aus Berlin: Die „Deutsche Mittelstandskorresponoenz" brachte vor einiger Zeit bie Mitteilung, daß der Plan einer Arbeitslosen- Versicherung in Negierungskreisen vollständig fallen gelassen sein durfte- Nach unseren Erkundigungen trifft diese Nachricht nicht zu- Wenn auch die Arbeilsloscnversiche- rung zurzeit nichi im Vordergründe der geplanten sozialpolitischen gesetzgeberischen Maßnahmen steht, so bildet sie doch im Rerchsrat des Innern weiter den Gegenstand von Erwägungen und vorbereitenden Erhebungen- Gotha, 3- März. Der gemeinsame Landtag beider 5)erzogtumer nahm einstimmig den An- tragdes K o b u r g c r Präsidenten Arnold gegen die Einschränkung der einzelftaatlichen Verein sgeseßedurcheinReichsgesetzan^^^^^E^^. Ans Bom Alle Jahve einmal die sonst vernünftigen werden allüberall in deutschen Landen auch Leute vorn Geist der Narrheit erfaßt und Statt ttttO Land. Gießen, 4. März 1908. Karneval i« Gießen. A ~ Tageskalender. Mittwoch, 4. Marz, abends 8 llhr, Stadttheater: Die Ehre. Donnerstag, 5. März, vormittags 8 Uhr, Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Aüendorf a d Lahn, Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Annerod, Bersrods Beuern, Burkhardsfelden, Daubrmgen und Ruttershausen in Gießen, Turnhalle des Turnvereins. auch unser gutes Gießen macht hierin keine Ausnahme. Zwar tzehen die Wogen der Ausgelassenheit und Lustigkeit nicht so hoch wie in den Städten am sonnigen Rhein, aber dennoch amüsiert sich All und Jung bei dem traditionellen Seltevswegrummel aufs Beste. Aktiv natürlich mir die Jugend beiderlei Geschlechts, wobei allerdings der Begriff „Jugend" nach oben etwas sehr weit ausgedehnt wird. Tie sittsamsten Mägdelein bewaffnen sich dann mit mächtigen Stonfettibüten und teilen daraus Freunden und Fremden beveitwilligst Beweise ihrer Gunst aus. Anders die Atännerwell. An Stelle des Hutes tritt die bunte Papiermütze und statt bet ehrbaren Bürgergewänder stecken sich viele in Klown- anzugen, tappen als (Stefanien ober gar als wackere Mitglieder der Gießener Schrnutztruppe einher oder in anderen möglichen und unmöglichen Verlleidungen. Zu letzteren gehören namentlich die nicht näher definierbaren Kostüme, denen statt des sie bestrahlenden, lachenden Märzsonnen- schems em tüchtiger Aprilregen aus Reinlichttitsgründen wohl zu wünschen gewesen wäre. Aber sei dem, wie es wolle, eigeiitlich anitöüige Kostüme traten kaum hervor, und nur eines mußte nxn Untere) je des Gesamtbildes bedauert werden: daß nämlich Fastnacht diesmal so unvernünftig spät fiel, und dadurch viele Angehörige unserer alma mater nicht da waren, die sich sonst am Tage der Narrheit mit mindestens demselben Biereifer dem Studium oes Straßenlebens widmen, wie an den übrigen Tagen chven wissenschaftlichen Arbeiten. Aber das tat der allgemeinen cmlufrfeU feinen Abbruch Es wurde gescherzt, gekost und ge- lacht, geluftichlangelt und Konfetti geworfen. Mit den zahlreichen sFQisoergasten in den Häusern wurde bald ein inniger Koner her- fleftem, em bunter Kvnfetttregen strömte von den Fenstern auf die wogende dNenichenmenge herab und diese bemühte sich eifrig, mit »ufe von Luftschlangen Marconis geniale Erfindung praktisch anzuwenden. Auf allerlei seltsamen Gefährten zogen Musikbanden umher und m die Klänge ihrer Instrumente mischte sich das Geräusch der Prttschenschläge und Knallerbsen. Edle Menschenfreunde hatten im oberen Stock vom „Lotzekaste" AufstellNng genommen und versahen von da aus die Straßenjugend mit Ateppeln und anderen Genügen, fo daß oft eine beängsttgende Stockung im Strafrenverkehr eintrat. Wenn aber die angestaute Menschenmenge Bar nicht mehr weiter lonnte, kam der Polizei, von der erfreu^ licherweise nicht viel zu sehen war, unsere Straßenbahn zu Hilfe und im, Ge,olge des dahrnratternden Omnibusgefährtes konnte o oev M^schenstrorn wieder Weller bewegen. Einige mutige X,eute hatten sich logar an die Inszenierung eines Kanievolzuqes herangewagt. Es blieb allerdings gewissermaßen beim Versuch, denndie paar mit Fahnenfttffen verzierten Wagen, die dem Trvnttnlei> und Musikkorps folgten, bildeten gewissermaßen nur ben Primitiven Anfang eines Zuges. Uebrigens wurden damit S££ fpb??c §U[ta?brC Äo- n?t fllustviert und glossiert. Am Abend fetzte sich das bunte Treiben in verschiedenen Lokalen fort, es fanden einige Maskenbälle unb humoristische Konzerte statt, so daß auch viele von denen auf ihre Rechnung kamen, die sich am Nachmlltag nicht dem Gießener Pflaster anzuverttauen wagten ? Hungen, 3. März. Ein interessantes und noch nie dagewesenes Schauspiel bot sich am heutigen Fastnachtstage dar. Schon vor längerer Zeit waren einem hiesigen älteren Einwohner von verschiedenen Seiten scherzweise eine größere Summe Geldes, 30 bis 40 Zentner Dickwurz und ein Wagen Spreu zuge- sprochen worden, wenn er auf seiner Kuh durch die Stadt reite. Auf die Bedenken seiner besseren Hälfte meinte er in anbetracht der zu erhaltenden Dickwurz: „Lisbeth, mer huu zu foirern (füttern)!" Seit einigen Tagen hatte er nun schon feine Kuh auf diese Tour vorbereitet und in seinem Hose Reitübungen Dorgenammen, die heute so weit gediehen waren, daß er hoch zu --; Kuh den imposanten Ritt ausführen konnte, zum größten Gaudium von jung und alt. Unter Begleitung der Jugend führte er seinen „mutigen" Ritt glücklich zu Ende und hat damit einen schönen Tagelohn gemacht. x L u m o a, 3. März. Auf Wunsch des hiesigen Krieger- vereins wird Lehrer Volk von Schadenbach Sonntag den 8. ds. Mts„ nachmittags 3 Uhr,^ einen Vortrag über Groß- herzog Ludwig IV. von Hessen und seine Division im Kriege 1870/71 halten, wozu auch Nichtmitglieder des Vereins freien Zutritt haben. Bei dieser Gelegenheit wird auch der hiesige Vertreter der Haftpflichtversicherung „Zürich", Herr Rau, über Haftpflicht Aufklärung geben. ** Treis a. d. Lumda, 2. März. Auf Einladung des Kriegervereins ,©ertnania* hielt Lehrer Flach- Großkarben gestern nachmittag im Saale von Bürgermeister Benner einen Vortrag über den russisch-japanischen Krieg. Der Redner gab in klarer und übersichtlicher Weise ein anschauliches Bild sowohl der Vorgeschichte wie des eigentlichen Verlaufes jenes Krieges, schilderte Land und Leute und ließ die Gefahren durchblicken, die eine Vorherrschaft der Japaner im Osten für die europäischen Mächte mit sich bringen wurde. Die zahlreichen Zuhörer lohnten den Redner zum Schlüsse mit lautem Beifall, der auch m einem auf ihn ausgebrachten Hoch seinen Ausdruck fand. Diese von der Kriegerkameradschaft Hassia veranstalteten Vorträge finden immer mehr Anklang bei unserer Landbevölkerung und tragen viel dazu bei, den Bildungsdrang des Volkes in edler Weise zu befriedigen, den geistigen Horizont der Leute auf dem Lande zu erweitern und ihr Interesse auch für ferner liegende Gegenden zu erwecken. 4- Bad-Nauheim!, 2. Marz. Die Stadtverordneten- Versammlung zu Friedberg hat beschlossen, Einspruch dagegen zu ergeben, daß die Stadt Bad-Nauheim ihre jetzige Kläranlage vergrößern und die Abwässer auch fernerhin in die schon verseuchte Ufa führen will, dagegen von dem staatlicher- vungen jWi, :n 9«lbe[i«f|tt «Matta * Gliche Bei- "2? Äini« ick gy te Umitänbe, i0 ®® Besuche & enlgegengeürch nm^btrki UW nur nifo ug verdient cji? ^E)auser elz stellen. Trine . Tie Titelrolle oeritändnis M Äanziska" fe PS" größeren Wint spielte ! übernnsücngi, >ud. führte seine deS $)enn und nicht zur- waren hervvr- - und noch nie ßnachlstage bi. :n alteren En- größere SllDlE! gen Spreu 511; urch die Stale :e meinte er: ih, mer hun •. nun schon \c to(e ReitübM^ daß er hoch p cte, zum größte ng der ZugÄ Ende und b-u 5tai>»®S iprud?,^., SEB? scuchung * -im,yb2?^ Id 9eltöjjjlMV Alle verM" 'a'fritt b«1 j Daß el." ’ 5 so,5* r LbkA t, öhett"L' , den •Ät j0e (1297 Pctcr Kronenoerg, Südanlage 7. 3 Zimmer liyiuj toojuite 3-Zimmerwvhnuitg au vermieten, ktrchenplatz 21. 1055) kleine 3-Zrmmerivvlinung (Äiansaroe) an ruhige Leute au vermieten. Gr. Steiiiweg 23, pt. j 2 Zimmera | Neubau «.vU^euitvane. Zwct2-ZtniUter-LLot)Nnrlaclt m. allem Zubehör an ruhige vcuie au vermleleii. [1433 diaheres Gr. Müblgasje 43, H. 1424) «=öimuter = ltbo«)nuufl an ruhige Leute au vermieten. _______Aarrburger Strage 10. Schöne ^-Ztmmcr-^vol-nuug oertetzuiigShalver bis 1. 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