Samstag 4. Januar 1908 Erstes Blatt 158. Jahrgang Nr. 3 Der Gießener Anzeiger Ä Ä Bezugspreis: erscheint täglich, ander C3 >> %/ monatlid)75^L,DierteL- WÄÄHKL^S2z ■Vlt'V#' vvI> 1V> V& vG" SS Ferufprech - 2lnschllisse: i.y E Verantwortlich fu» bie Redaktion 113, __. xUF * ^ür den volmichen Teil: SS? EöMrÄ-ÄRRREk für (hbcrbcfjcn s?® Annahme von Anzeigen V ’ 6 M u. Land" und.Gerichts- ™ X*^"iö'u£ Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Lteindruckerei. B. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei- Lchuistraße 1. L°z-ia«n.eü7 H. B-L Kie Heutige Dummer umfaßt 12 Seiten. Deutsches Reich. Berlin, 3. Jan. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Oberlandesgerichtspräsidenten Gryczewski-Posen zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz. — Wie die „Dtsch. Tagesztg." erfährt, hat das Reichsschahamt nicht nur Erwägungen über die Einführung eines 25- Pfennig stückes angestellt, sondern es liegen bereits Probeprägungen verschiedener Art an zuständiger Stelle vor. Leipzig, 3. Jan. Eine stark besuchte Versammlung der Großdestillateure Sachsens protestierte energisch gegen die Einführung des Branntweinmonopols, das eine schwere Schädigung aller an der Herstellung und den Vertrieb von Spirituosen beteiligten Betriebe zur Folge haben würde. S t u t t g a.r t, 3. Jan. Das endgültige Ergebnis der Gemeinderatsergänzungswahlen hat ergeben, daß nicht ein Zentrumsmann, sondern noch ein weiterer Sozialdemokrat, somit insgesamt 4 Sozialdemokraten, 3 Mitglieder der Deutschen Partei, 1 Konservativer und ein Mitglied der Volkspartei gewählt worden sind- Der „Berl. Lokalanz." meldet aus Hamburg: In Hamburg wurde laut Verfügung der Behörde die Aufstellung von sämtlichen Spielautomaten verboten, weil die Wirte nicht befugt seien, neben dem Schankbetriebe auch noch ein anderes Gewerbe zu betreiben. München, 4. Jan. Der M a g i st r a t hat beschlossen, im Einvernehmen mit der Handels- und Gewerbetammer von Oberbayern und dem Münchener Handelsverein ab 1. Oktober 1908 in München eine Handelsfach sch ule zu errichten und hierzu für 1908 einen Zuschuß von 10 000 Mark, für die kommenden Jahre einen solchen von 20 000 Mark zu leisten. Schwant Orrentrrise sind ui Herren Schlegel, von t__ T: '**' Arrs Stadt und Land. Giegen, 4. Jan. 1908. ** Die Kälte hat heute in den Morgen»runden ihren bisherigen Höhepunkt erreicht, um V28 Uhr verzeichnete die amniche Werterbeobachtungsstelle —17.6 Grad Eelsius, während gestern die niedrigste Temperatur 16 Grad betrug. Die L^seck ist schon, einige Tage zugesroren und auch die Lahn zeigt sa-on seit 2 Tagen eine Eisdecke, die nunmehr fast einen Fuß Dicke erreicht hat. Bei dieser Kälte und bei den viei.aa) vorkommenden Schneeverwehungen ist es zu verwundern, daß der Bahnverkehr sich im allgemeinen recht puntuich ab spielt. Auch die Bieveriaibahn, die am NeujaiMtage bei dem Einschnitt bei Gleiberg infolge des dorr zusammengewehten Schnees stecken 6aeb, hat gestern bereits ihren Betrieb wieder ausgenommen, nachdem die Maid)ine, die längere Zett im Freien stehen muß.e, wieder ausgecaut war. Die Beieitigung des hohen Schnees kostete der Bahnoerwaltung etwa 800 Mk. **LiejüngstenAuswanderernachDeutsch- Südwe st a s r i t a werden, wenn dem Leser diese Zeilen zu Glicht kommen, schon auf hoher See schwimmen. Es sind zum Teil sozusagen hessische Landestinder, die bestimmt sind, Kultur in das noch unausgeschlossene wilde Land zu tragen. — Das Reichskolonialamt in Berlin hat nämlich meist aus Bestellung von Farmern hin sorgfältig ausgewählte VogelsbergerRinderaus dem hessischen Hinierland und im Großherzogtum Hessen gezüchtete S a a- ner Ziegen vom Ziegenzuchtverein Heppenheim an der Bergstraße bereit stellen lassen. Die Tiere mußten am 31. Dezember an den betreffenden Stationen verladen, um am 2. Januar in Hamburg einzutreffen und am 3. Jan. auf dem Dampfer verstaut zu werden. Am 4. Januar ging der Dampser in See. — Die endgültige Preisfestsetzung für die Tiere und die Abnahme derselben war vom Reichs-Äolonialamt dem Oetonomierat Sch lenke übertragen. — Das Wetter war dem Landtransport höchst un- gün'stig. Die in meist zu warmen Ställen stehenden Rinder mußten am 31. Dezember durch tiefen Schnee einen Fußmarsch von 1—3 Stunden machen, kamen dann in die gut vorgerichteten Eisenbahnwagen. Aber das Aus- und Einladen in Hamburg bei der Kälte! Wer ist nicht durch die so plötzlich eintretende Kälte überrascht? Gewiß auch die Wettertundigen! Wie oft hört man die Regens- art- „es gibt keine Winter, keine Schlittenfahrten mehr wie in früheren Zeiten." Wir leben zu rasch, wir vergessen die schneereichen kalten Winter zu rasch und manches andere. , , £(rn r. ** Nationalliberale Versarnmlung. Auf Wunsch des nahonallibcialcn Vereins zu Gießen spricht Reichs- uno Landtagsabgeordnctec Dr. Osann Sonntag, den b. Januar nachmittags 3*/, Uhr m Steins Garten über: Tie Politil im Reiche und in Hessen. Ta die Versammlung öffeu - lich ist, hat jedermann freien Zutritt; insbesondere sind alle Freunde des Liberalismus und der Blockpolitik m etnbtmiö Land zum Besuche der Versauiiulung emgeladen. (Liehe ' ** Aus dem Bureau des Stadttheaters. In dem morgen abeno zur Aufführung geiangenoen lustig n - • - p ■ ; {f e sino ui Haupirollen beschäftigt Die der Becke, Goll, Roden, sowie die Damen Cardung, Bons, Acorett und Maijarth. — Dienstag findet die Premiere von Sudermanns „Rose n" statt. ** Das gegenwärtige Kolosseumsprogramm ist wiederum recht reichhaltig und verdient vollauf einen Besuch. Wir kommen nou) eingehenoer darauf zurück. ** A l i c e - V U) u ie. an। u<.cL|ciuien Wuujih soll wieder ein H a n d e l s t u r s u s .rrichcet weroen. Die Lumen, die sich daran beteiligen wollen, werden gebeten, sich rusch zu entschließen, da der Kursus nur stattsiuden kann, tvenii eine genügenoe Schülerinnenzahl sich mettet. J.n Bügeln sowie Kochen beginnt ein neuer Kursus, in den anderen Klassen weroen neue Schülerinnen ai;u) angenommen. (Im übrigen verweisen wir auf die Annoncen im Anzeiger.) * Der Evang. Arbeiterverein ocranualtet am Zonntag abend im oberen Saale der Herberge einen Vor- iragsabend, ja dem Pfarrer Schwabe hier über das heilige Land sprechen wird. Die Ausführungen des Referenten werden dnich Vorführung von Lichtbildern besonderes Interesse Hervorrufen. ** In die ArmeliDeputation wurde nicht, wie verseheuirrch mitgeleilt wuroe, Pro.estor D. Stamm, son- oern Kau,mann Dtathan Slainm gewählt. •* Keine Rt»litärfa hr ka 1 ten. Eine neue 93er- ordnung bellimmt, daß den AllckilärkapeUcn vom 1. Januar ab bei Reisen zu Erwerbszivecken leine Ntilllärsahrkacten rnchr vewnligt werden. Damit erleiden sie ui ihren Einnahmequellen bedeutende Aussälle. Schon m den achtziger Jahren oesland erne ähnliche Besilmmung; sie wurde aus Beirelben des GastivlrtverbandcS wieder ausgehobcn. ach Afrika. Als Mitglied der NeichSkonnnission zum Studium der wasstrivirischastlichen Berhällnisje wird sich am 20. Januar Oberbaurat Schm ick vom hessischen Finanz, mimjleuum nach Südwest- und Onafrila begeben und voraussichtlich erst un Rial von dort zurücklehren. ** Pfarrer Korell in Friedberg. Pfarrer Korell, der bekannte Führer der freisinnigen Parlei, spricht morgen zonntag nachnwiwg V20 Uhr in Friedberg über „Die Ausgabe des Liberalismus". Auch von hier ivird, wie uns aus srei- Iinnigen Krehen mitgeteilt wird, eine Anzahl Mitglieder den Vortrag be,ua,cn. = Heuchelheim, 3. Jan. Für Heuchelheim steht im Laufe des nächsten Sommcis ivleder ein größeres Sänger- l e|t in Aussicht. Der Gesangverein „(Ser man 1a4 blickt ans ein Zbjal r ges Bestehe..- zürüsk «au sott gleichzeitig die Weihe einer neuen Fahne damit verbunden iverden. Als ältester Gesangverein im hiesigen Orte gilt der Verem „Teu> Ionia'1, welcher im Rtonat Juli 1905 unter überaus großer Beteiligung sein VOjahriges Stiftung-fest feiern konnte. xStausenoerg,3. Jan. In Dem zuletzt verflossenen Jahre wurden in Die hie,ige Psennigsparkasje von einer größeren Anza.,l Schiiittiweru uttu emigen erwachsa- nen jungen Leuten uie Summe v 0 n 2üoo 'ml l euigcieyt. 15-5 i|i p.es em sicherer Beweis, wie em Derartiges JnstiiUi uen ^Lpar,imi Der JugeuD weckt uno demnach oon hohem, segenbringenoem Em.laß ,ür Die tommeiwe Geueralwu ip. Lie Spareinlagen merueu wöchentlich von Lehrer Schlapp erhoben uno ui Der Sparkasse Gießen zinstragend augelegi. -st Oppenrod, 3. Jan. Am Silvesterabend wurdi hier, wie alljährlich, das neue Fahr angeschosjen. Tas Schiegen besorgte aber immer die Fugend, trogdem es polizeilich ver- boten ist. Diejesiual kam es aber anders. Em Arbeiter namens Lchucharb, der in der Wlrljchast von I Döring logiert, lud in der Wirtschaft eine Pistole mit nahezu einem viertel Pfund Pulver und wollte damit aus dem Fenster schießen. Der Schuß ging aber nicht los und Schuchard zog die Pistole zurück, um ein anderes Zündhütchen aufzufrtzen. Fn diesem Augenblick entlud sich Die Waffe und Der Schuß zertrümmerte den einen Fensterflügel. Es war em Glück, dag 1 ein Mensch an dem Fenster sag, sonst hätte das grögte Unglück geschehen können. >m. Friedberg, 3. Jan. Eine neue Millionen- Erbschaft macht viel von sich reoen. Jedoch ist die Erbschaft diesmal in Wirklichkeit vorhanden. Es liegen ihr svlgende attenmäßige Tatsachen zu GrunDe, die das Landgericht Limburg im Original besitzt, während sämtliche ttrbbeteiiigte Abschriften Davon erhielten. — Im Anfang des Jahres 1810 wanderte ein junger Mensch Namens Muth aus Dürenberg in Nassau, Landgerichtsbezirk Limburg nach Holland, wo er sich nach Indien bei der holländischen Armee nach Atschin aiiwerben ließ, und es da bis zum Osfizier brachte. Nach längerer Zeit ließ er auch seinen Bruoer nach dort kommen, der es bald durch Intelligenz zu etwas brachte. Als der Aeltere der beiden Brüder einmal eine Europareise unternahm, lernte er eine holländische adlige Dame tennen, die er später heiratete. Diese Dame besag zur damaligen Zeit schon unermeßliche Reichtümer. Die Ehe bestand nur sieben Jahre und als der Mann starb, verheiratete sich die Witwe ein Jahr später mit dem jüngeren Bruder des Verstorbenen. Die zweite Ehe dauerte nur vier Jahre, indem die Dame starb, wobei sich herausstellte, daß sie ihr aus 2V2 Millionen Gulden bestehendes ^Vermögen ihrem zweiten Mann als llniversalerbe vermacht hatte. Als der Universalerbe I. K. Muth im Jahre 1835 verstarb, hat er sein gesamtes Vermögen an seine Verwandten nach Dürenberg in Nassau vermacht, jedoch ohne Namensnennung, wodurch ungeheure Schwierigkeiten entstanden. Sämtliche Erbberechtigte haben sich unter Beihilfe Der Kirchenbücher Stammbäume machen lassen. Sck)on Ende der fünfziger Jahre war eine I Deputation von Erbbeteiligten in Holland, jedoch ohne Erfolg, Da sie sich nicht genügend legitimieren konnten. Infolge des Mißerfolges dieser Leute, und der hierdurch entstandenen großen Kosten wurden keine weitere Schritte getan. Erst im Jahre 1896 wurde von einigen Erbbetei-, ligLen die Sache wieder betrieben, und jetzt ist sie so weit geoiehen, daß auf Veranlassung des Auswärtigen Amtes oas deutsche Konsulat in Holland sich die Akten verschaffte und sämtliche Angaben bezüglich der Erbschaft bestätigt fand. Die Zinsen der Erbschaft, die alljährlich zu Armenzwecken an holländische Arme verteilt werden, betrugen im vergangenen Jahre 840 000 Gulden. Von Erbbeteiligten kommen fünf Stämme in Betracht und zwar wohnen sie in Dürenberg und (Samberg in Nassau, sowie inFried - berg und Bad-Nauheim. Sämtliche Erben sind geringe arme Leute. △ Ra 1 nr 0 d (bei Schotten), 3. Jan. Tie Firma I. N'ckel-Gießen hat hier einen größeren Bcrgkoniplex an- gekauft, um un Frühjahre ein Basaltwerk daselbst zu errichten, Damit ivird unserem Torfe, dem bisher griverbkiche Betriebe fehlten, ein bedeutendes industrielles Unternehmen zuteil, das für Die Einwohner Aussicht auf ständigen Verdienst bietet. g. Crainfeld, 3. Jan. Erne feierliche Ueberraschung bereitete uns in Der Neirjahcsnacht der hiesige Musikverein dadurch, daß er nach Dein üblichen Neuiahrseinläuten nach Dem Gwckenschlag 12 Den schönen Choral „Wachet auf, ruft uns Die Stimme" in dein Hof seines Direkwrs Hch. Schmalbach VL erschallen ließ. Frankfurt a. M., 3. Jan. Tie Kälte, die in der Nacht 20 Grad unter Null betrug, hat drei Menschenleben zum Opfer gefordert. O ii r ü f o o r f, 3. Jan. Tie Krankenkasse des Bezttks Sitoibori hält nächsten Sonntag 5. ds., nachmittags 3 Uh-r, im Saale d^s Gastm^rres Moos ihre General Versammlung ab. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Die Aufnahme Der land- unD serstwirtschairl<.chen Aroeirer und die Wahl eines Vertrauens- manncs iür Kinzenbach. — D.e Gerichtstage werden hier abgehalten «am- 6. Januar, 3. Februar, 2. Marz, 6. Aprll, 4. Mai, 1. Juni, 6. Juli, 21. Septemoer, 12. Oktober, 2. November und 7. Dezember. (- Marburg, 3. Jan. lieber 30 Lehrer aus der hiesigen Gegend faßten gestern in einer hier aoge.-altenen Zusammen- tiuiit den Beschluß, Die in nächster Woche in Kassel zusammen- irctcnDe Gesain.chnode der evang. irdjaigemein)Raiten $u bitten, dahin zu nurttn. daß die r!2prer. die Kirch ; D ; e n ft • v,r> Cij.it müßen, u-jur Line besondere Vergütung erhalten. — Nächsten Diontag treten hier Die Gestrstchin oct Intimivdrn Diözese Marourg zusammen, um die Tagesordnung der Synode zu bcrat.'n. K.oj.tz joaro.n. Berlin, den 3. Januar. Dir Vcrhairdlung wurde heute vormittag um 11 tlljr fange* setzt. Der Ltugettagte Harden i ft e r ) a) tenen. Zunächst 0 .uet ^oerstacuämuoutt Dr. Isenbiel, ar-sorüctrich zu Protokoll zu nehmen, daß gestern keine Vauptverhanolung ftaiigeiunDcn haoe uiu) daß aus feinen gestrigen Ausführungen, in Denen er vom Vor.itzendm muervrochen wurde, Leute Rech^iolü^uug gegen Den ueuunD d^s llnecks aus Der Strusprozeßownuiig hergneiiet werden konnte. Justizrat Bernstem haoe geifern erklärt, er habe oaSselve Recht, an oer Aussage oes Futsten Eulenburg zu streueut, wie D.r CbcrftaaiSaiuyali an dem Zeugnis Der Frau von Heyden. Taber sei jeooch ein kleiner lltrterschred. Er. Der Obersumcs-- aiuualt habe iramttch gute Grunde, an Der Zengenauswgc der Frau von Heydrn ZivLiiet zu Haven, wahrend Jicjtizrat, Bern>teur nicht Den geringsten Grund haue, an dem wied-rrhott beschrroreuen Zeugnis dcs vollkommen eauvanosfreien Fürsten Euicnvurg zu zweifeln. Bei öruu von Heyden spruchen Atuttergefuhle mit, uxiijrenD Fürst Eulenburg sogar besa/woren haoe, daß er Einerlei schmutzenden begangen habe. Daraus wiederholt der Ovcr- staals^nwalt seine geftrigen Aus,ührungen betr. Den Fürsten Eulenburg. Justizrat Bernstein erklärt, er sei Eulenburg nicht Feind, er habe Liegen ihn nicht die geringste Aninwsitat. Eulenburg ici ab.r ein,ach Zeuge. Gerichtshof, iVtnatsanwalt mrd Bcrtechiger leien volltommen irei in ihrer Beweis.oürdigung. Sie hauen das Recht, aua) Dem beschworenen Zeugnis den Glauben zu ver- sageii. Auch Fürst Eulenourg muß )\ci) a.s Zeuge gefallen lan’cn, oaß seine Auslage bezweiseit iviruc. Bernstein erLurtc, wenn er .ich überzeugt haoe, oaß er sich in der Beurteilung einer Zeugenaussage geirrt l)aoe, dann werde er das offen ausfpreä^n, niemals aber Abockte leisten, weck er damit Der gesetzttch ge.oayrleiste.eni Prärogative und der Verteidigung etwas tergeuen und,ich gegen oie Arnvaltsp,licht und Smuoeschurde vergehen wurde. Es sei erwiesen, daß Bismarck uno Eulenourg in sexueller Beziehung so dachten, wie as die 2Str.eu)igunj behanpiele. Der grögte Teil o.r Verhandlung habe nicht zur Belastung oes Angekwgren geb.cnt, Wildern vielmehr zur Entlastung des iredenllagörs. Die,e Entlastung zu verhindern, l,xioe die Verteidigung gar kein Interesse. Bernstein piaoiorte schl.eß.ich dafür, dag dem Angeklagten der Schutz des 8 193 zuzubick.gen sei. Har 0 en führt zulmch,! aus, daß nach Dem Appell des Ober- staa.s^iuoalls von ihm aus alles gefchohen werde, was zur vollen uuu'turung der Wahrheit dienen lann uno daß er im voi.en Bcr- irauen daoei Die \)il|C der Anilageoehörde in '.'üifprua) nehme. — Harden entschuldigt dann sein ge,rr.grs Ausbleioen und fuhrt fort, er habe im Hause B.smaras Enldrüae empfangen uver den eutenburgischen Kre.s, die auf äußerst sachliäfen uno ijuufig wieder- Ijoltcn Aeuß-.ri.idgen beruhen. Bismarck hatte eine ungniistige wieinung üb.r Eulenburg, er hielt ihn an einer Stern für gefährlich und »vies darauf hin, daß em Teil dieser Gesahrckchkeit auf sexual-phshä-ologifa-en Moirnnlen beruhe. Ein Mann wie Bismarck hat doch, ehe er ein so hartes Urteil füllte, geprüft, was uornegt. Einige Jahre fpaier nahm Bismarcks Arzt und defsen Gatrin mein Jnterefse jur die da- malige Gattin des Nebenklägers in Anspruch. Ter Eindruck, Den diese Dame machte, war absolut zuoertnifig, wenn sie auch manches sagte, was mich in einzelnen Punrten mißtrauisch machte. Ich prüfte dann eingehend die Ehefa-eronngsatien und bildete mir mein Urteil. Redner geht darin auf die einzelnen. Artikel der „Zukunsr" ein, um zu zeigen, daß Dte in denselben gesuchten Belcroigungen nicht ausgefprochen feien, und wendet fich u. a. dagegen, daß nur er es gewesen sei, der von einer „itainarilla" gesprochen habe. Er habe un Gegenteil nie etwas von einer z,Kamarilla" in die Welt gebracht. Dutzende von Zeitungen hatten lange Zeit vorher schon etwas von der „Euleu- Ikurg-Amnärllla" veröffentlicht. Der von ihm in dem bekannten >,NÄtgefpräck^ gebrauchte Ausdruck „der Süße" könne zwar für den so Genannten ein gewisses unangenehmes Gefühl verursachen, niemals aber beleidigen. Ter Angeklagte wendet sich ferner dagegen, daß von Eulenburg und Moltke behauptet worden sei, es hatte bei den vielfachen Unterredungen Eulenburgs Mit Lecomte das Gespräch sich niemals um politische Dinge gedreht. Ädiglich in diesem Zusammentreffen zwischen Eulenburg und Lecomte habe er eine Gefahr gesehen. Das hätten ihm lMM andere Leute gesagt, die heute noch an verantwortungsvoller Stelle stehen. Nach Besprechung der einzelnen Artikel bemerkt Harden, die Möglichkeit, irgend etwas in den Artikeln zu finden, sei ganz ausgeschlossen gewesen. Es ist für mich gar keine Frage, daß ich keine Absicht einer Beleidigung, nicht einmal ixiy Bewußtsein einer Beleidigung halle. Frhr. v. Berger har eidlich ausgesagt, daß ich nur eine gewisse Normwidrigkeit des Empfindens meinte. Ich habe nur den Standpunkt eingenommen, daß mir die Herren aus psychologischen und politischen Gründen in ihrer Stellung nicht vertrauenerweckend wären. Ich habe niemals ein Wort gesagt, das die Ehre des Grafen Moltke afsizieren könnte. Ich glaube nicht, daß das, was Klosterprobst Otto von Moltke zu Protokoll nimmt, irgend eine Grundlage für diese Verhandlung bieten kann; dies Protokoll ist doch zu einseitig, um gegen mich verwendet werden zu tonnen. In meinen Artikeln wird eine'Silhouette Moltkes entworfen, die nicht zu gefallen brauchte, die nicht Hochachtung ausorücken sollte, aber auch nicht Mißachtung ausdrücken konnte. Er habe eine Silhouette Moltkes gezeichnet, die er nicht für beleidigend gehalten habe. Tas Dominante darin sei Moltkes Hingebung an Eulenburg gewesen. Weitergehendes habe nicht darin gestanden. Er weist Moltkes Vorwurf zurück, er habe das Eingreifen des Kaisers verschuldet. Der Kaiser hat damals langwierige Vorträge gehört und dann entschieden. Jetzt heißt cs, die Herren seien gar nicht in Ungnade gefallen, sie -hätten nur Gelegenheit zu ihrer Reinigung erhalten und würden zu- cückkehren in höherem Glanze. Ich würde mich für Moltke freuen, doch ist es unwahrsck)einlich, daß Hochangestellte Persönlichkeiten ihre Stellung verlieren, weil etwas über sie geschrieben wurde, was man für unwahr hält. Schädlicher als der Herausgeber der „Zukunft" hat anderer Leute unfreundliche Gesinnung gewirkt. Ich bitte, mich nicht mit Dingen zu belasten, für die ich unverantwortlich bin. Nach dem Eingreifen des Kaiser^ wurde Ntoltke eine Reinigungsaktion zugemutett Das damalige Ehrenwort Dtoltkes berührte gar nicht meine Behauptungen.' Ich bedauere, daß mir nickst von! Freunden gesagt worden ist: Moltke und Eulenburg hängen gar nicht so eng zusammen, sonst wäre jetzt vieles anders. Infolge der Haltung der Tagespresse schrieb ich bann, ich hätte ihm gar nicht strafbare Handlungen vorgeworfen. Nun hieß es „Harden hteift". Haben die Angegriffenen wirklich den Befehl erhalten: „Reinigt euch !", so ist bisher nur einer dem Befehle gefolgt; ein Graf ging ins Ausland und Lecomte wurde abgerufen. Eulenburg machte den mißglückten Versuch, mich, ben wegen Beleidigung Angeklagten, als Zeugen zu vernehmen lassen. Tas Ergebnis des vorigen Prozesses erfreute mich nicht. Ich wußte, die Sache würde noch strchterliche Folgen haben und Moltke war meiner Anjicht nach zu viel geschehen. Im ganzen Verfahren bewies ich stets die größte Resignation, ich handelte in jedem Stadium nur nach politischen Motiven. Ich bin fortdauernd beispiellosen Presse- Qngriffen ausgesetzt. Ich bin überzeugt, die Richter werden sich von Suggestion durch die Presse freihalten. Die Aussage des Polizeikommissars, über Vertteter einer fremden Großmacht dürfe er nichts aussagen, gegen Moltke liege nichts vor, bei Eulenburg könne er nur positive Tatsachen des § 175 ableugnen, ist immerhin bedenklich. Immerhin kann doch nicht Erfindung und Leichtfertigkeit vorliegen. Im Auslände hat man nur die Meinung, Deutschland hat famose Kerle! Wie das alles angefaßt wird und gleich funktioniert. Mächtige Männer guten Namens haben meine Sache mutig und anflxmbig genannt Die Leiden des Klägers sind nicht meine Schuld. Menschenwerk ist immer Stückwerk. Ich habe nur dem Lande dienen wollen.^ Ich soll dafür ^gesperrt werden und eine ungeheuere Geldstrafe, nämlich die Kosten, des ersten Prozesses^ zahlen. Ich muß sagen: Nicht verdient. Ich appelliere aber nicht an die Milde. Wenn Sie glauben, es sei ^notwendig und nütze dem Laiche — dem Grasen Moltke wird sticht nützen — so verurteilen Sie mich. Ich bitte Ihren Spruch. Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. Der Vorsitzende verkündet eine Pause bis 5 Uhr. DaS Urteil lautet auf vier Monate Gefängnis. Alle Exemplare der „Zukunft" mit den iukriminierteu Artikeln werden eingezogeu. Die Platten und Formen sind zu vernichte«. Die Kosten des Verfahrens mit Einschluß der dem Nebenkläger erwachsenen notwendigen Auslage« werden dem Angeklagten auferlegt. Graf Moltke wird ferner die Befugnis zugesprochen, die Urteilsformel binnen sechs Wochen dnrch einmalige Einrückung in der „Zutunft", der „Vossischcn Zeitung", dem „Berliner Tageblatt", der „Kreuzzeitung", dem „Hannoverschen Courier" und der „Kölnische« Zeitung" auf Koste« des Angeklagte« bekannt zu mache«. In der Urteilsbegründung heißt es: Der Einwand des Angeklagten auf Unzulässigkeit des gegenwärtigen Verfahrens ist Anfällig. Das Verfahren beruht, wenn auch durch die Intervention der Staatsanwaltschaft und Einstellung des Privcttkiagc- verfahrens veranlaßt, auf dem selbständigen Eröffnnngsbcschluß und ist durch keine andere Prozeßvvrausfetzung als diejenige des Strafantrages bedingt Selbst wenn der Einstellungsbeschluß des Privatklageverfahrens zu Unrecht erfolgt, so liegt für das jetzige Gericht kein Grund vor, auf dos Privatklageverfahren zurückzu- greifem Deshalb hatte auch das Gericht den jetzigen Eröffnungsbeschluß ohne Rücksicht auf die Vorgänge im Privatklageverfahren zu erledigen. Nachdem das Privatklageverfahren durch den Ein- stellungsbeschluß^ aufgehoben und Beschwerde hiergegen nicht erhoben worden ist, liegt keine rechtskräftige Entscheidung über den Gegenstand der Klage vor, sodaß der vom Angellaaten herbei- gezoaene Grundsatz ne bis in idem nicht anwendbar ist. In materieller Beziehung hat die mündliche Verhandlung ergeben, daß der An- gellagte, worauf es allein anfomint, ben Grafen Moltke als homo sexuell hingeste.lt hat. Durch bie Gegenüberstellung des Prinzen Joachim Albrecht und des Grasen Violtke hat der Angeklagte augenscheinlich sagen wollen, während der Prinz das Schöne und Genußreiche bei dem weiblichen Geschlechte suche und finde, tue der Graf 'Moltke dies bei dem männlichen Geschlechte. Bei dem Altersunterschied der beiden Männer von etwa dreißig Jahren würde die Hervorhebung einer selbstverständlichen Verschiedenbeit, wie sie Harden seinen Worten beilegt, für einen so geistvollen Schriftsteller mehr als witzlos und banal sein. Ferner deutete bet Angeklagte an, daß zwischen Eulenburg und Moltke Beziehungen bestehen, deren Aufdeckung sie zu fürchten hätten, indem er in verächtlicher Weise auf das Freundschaftsverhältnis Eulenburgs unb seiner Freunde hinwies, bas auf Gefühlsüber-- schwänglichkeit beruhe. Daß diese Münnersreundschaft nicht nur ibeeler sondern homosexueller Natur sein soll, folgt daraus, daß .Harden in nicht mißzuverstehender Weise sagt, er würde sick)s dreimal überlegen, einem Manne nachzusagen, daß er seit langem in engen Beziehungen zu Eulenburg stehe. Trotzdem behauptet er dies aber vom Nebenkläger. Berücksichtigt man scharf die poüi- ticrtc Fassung lind den Umstand, daß nicht von ben engen Beziehungen eines Politikers, jüiibern eines Mannes zu Eulenburg die stiebe ist, dessen vita sexualis spater in der „Zukunft" AarCT,üi$ krankhaft bezeichnet wird. So ist unzweifelhaft, daß die W:-rte so gewählt sind, um auch ben Gedanken zum Ausdruck zu bringen, daß diese Beziehungen auch vom geschlechtlichen Standpunkt schimpflich sind. Ter Ausdruck, die Mitglieder der Tafelrunde hatten es schon warm genug, ist offenbar in Anlehnung an den landläufigen Ausdruck „warme Brüder" go braucht, um auf die perverse Geschlechtlichkeit der Mitglieder der Tafelrunde hrnzuwelfen. Hiernach kann nicht zweifelhaft sein, daß der Angeklagte den Grasen Moltke in den infrinru nierten Artikeln als einen an der Perversion des Geschlechtstriebes nach der männlichen Seite hin Leidenden und diesen ^rieb Betätigenden hinstellen wollte. Und nickst anders such bie Storte in der CefWWeit aufgefaßt worden, vielfach sogar dahin, baß man ben Mitgliedern der Tafelrunde strafbare Setatigung homosexueller Empfindungen hat nachsagen wollen., Harden selbst wenbet sich in späteren Artikeln gegen die, die ihn m solcher Weise mißverstanden hätten. Er hatte a'.'ch dem Freiherrn von Berger und dem Grasen Otto Moltke gegenüber zugegeben, batz er ben Nebenkläger für homosexuell halte. Er mußte sich lagen, baß in |der Oeffentlichkeit seine Bezichtigung mit bem Bommrf aktiver Homosexualität ibentisch sei, und ist dafür strafrechtlich verantwortlich zu machen. Der Makel ist umso größer, als er auf einen Mann geworfen wird, der vermöge seiner gc|cll|chaft- tt.chcn und dienstlichen Stellung berufen ist, vorbildlich zu wirken, strafbar ist der Angeklagte nach § 186, aber nur, wenn verbreitete Tatsachen nicht ettveislich wahr sind. Die mündliche Verhandlung hat ergeben, daß sie sogar unwahr sind. Tie Beweisaufnahme hat nicht den geringsten Anhalt ergeben, daß an der Nichtigkeit der eidlichem Erklärungen Atoltkes und Eulenburgs zu zweifeln fei. Zwischen beiden bestand lediglich ein rein ideelles Freundschaftsverhältnis von Jugend her, das im Laufe der Jahre infolge vieler gemeinsamer künstterischer Jn- teressen sich immer inniger gestaltet hat. Auch Frau von Elbe hat bekundet, daß sie ihren früheren Gatten nicht für homosexuell halte. Ebensowenig kann aus dem Eheleben des Grafen ein fDtomcnt entnommen werden, das auf homosexuelle Veranlagung deutete. Zwischen den beiden Gatten bestand eine so große Verschiedenheit der Neigungen und Anschauungen, daß eine Entfremdung eintreten mußte, die umso größer wurde, als die Gräfin in hysterischem Zustande die heftigsten Szenen produzierte. Tie Ausdrücke des Grafen Moltke im engsten Familienkreise waren die Ausdrücke schlechter Stimmung und Gereiztheit, und auch nur auf diese unglückliche Ehe bezogen. Durch die Taschentuchszene hat der Graf nur die unbegründete Eifersucht der Gattin persiflieren wollen. Tas Auslegen von 9tot geschah zu einem Kostümfest unb erklärt sich baher als harmlos. Sittenrein ist Graf Moltke aus biesem Prozeß hervorgegangen. Kein Makel haftet an ihm und blank unb fleckenlos strahlt sein Ehrenschild. Da ber Angeklagte aber diese Ehre durch üble Nachrede verunglimpft hat, ist er zur Rechenschaft zu ziehen, auch nach ß 185, da er den Nebenkläger als „Süßen" bezeichnete, ein Mttglied der Tafelrunde, und sagte, sie habe es warm genug. Tie Beleidigungen sind noch nccht verjährt, da es sich um ein einheitliches, fortgesetztes Delikt handelt. Tie beleidigenden Aeußerungen beruhen auf einem einheitlichen Vorsatz und sind als eine Tat anzusehen, die erst mit ben letzterschienenen Angrifssartikeln ihren Abschluß gesunden hat. Ter Angeklagte hat auch nicht den Schutz des Paragraphen 103 zu beansprucl)en, denn ein allgemeines, für jedermann vorhandenes politisches Interesse verleiht nicht das Recht, eine Angelegenheit unter Verletzung der Ehre in ber Oeffentlichkeit zur Erörterung zu bringen. Der Presse ist keine Ausnahmestellung gewährt. Bei ber außerorbentlich schweren Beleidigung konnte von einer Geldstrafe nicht die Rebe sein. Als politischer Schriftsteller politische Männer möglichst scharf zu bekämpfen, sei gutes Recht bes Angeklagten, aber er hätte sich überlegen sollen, die vita sexualis bestimmter Personen in bie Oeffentlichkeit zu zerren. Auch kann ber Verbucht nicht zurückgewiesen werden, baß zumal bei ber bekannten Sensationslüsternheit ber Leser bie stimulierenbe Form ber Verdächtigung als Sensationslust mit im Spiele war. Die schärfste Rüge aber berbient die Leichtfertigkeit, mit der der Angeklagte vorgegangen ist. So kann kein ernster, gewissenhafter Schriftsteller handeln. Er muß sich bewußt sein, baß er bamit für seine Mitmenschen ein Unheil anstiftet, bas ganz nicht wieder gut zu machen ist. Die Grundlage ber eminent schweren Beschulbigungen wären einige Aeußerungen bes Fürsten Bismarck, bie er Erbitterung über Personen machte, die nach seiner Meinung seinen Sttcrz und bie Ent- frembung des Kaisers herbeigeführt hatten, und ohne weitere tatsächliche Mitteilungen nach ber geschlechtlichen Seite fyin, ferner Gerüchte, bie wahrscheinlich auf biese Aeußerungen zurückzu- sühren sind und auf die Mitteilungen ber Frau von Elbe, bie einen erbitterten Ehefcheidungskampf geführt hat und bie Tinge subjektiv zu fcmgunften ihres früheren Gatten färbte. Bei ber Beurteilung ber Glaubwürbigkeit bicier Frau hätte er vorsichtiger sein unb das Material., vor seiner Publikation.Prof. Eulenburg unb Dr. Moll, bie betbe Mitarbeiter ber „Zukunft" finb, unterbreiten müssen. Seine eigene Diagnose war trotz seines reichen Wissens boch nur bie eines Laien. Wenn ber Gerichtshof ttotz ber erschwerenben Momente lebiglich bem so maßvollen Anträge des Staatsanwalts beigetreten ist, so ist es nur dem zuzuschreiben baß bie Gefängnisstrafe ben Angeklagten wegen seines schlechten Gesunbheitszustaubes härter trifft als einen gesunden Menschen. Danach rechtfertigt sich die Entscheidung des Gerichts. ♦ Dem „Berl. Tagebl."zufolge werden die Verteidiger Hardens Juftizräte Bernstein und Kleinholz gegen das Verfahren vor der Strafkammer Revision bei dem Reichsgericht einlegen. Die Revision soll mit der Unzulässigkeit des gesamten Verfahrens begründet werden. Die Kosten des Verfahrens, zu deren Tragung Harden verurteilt worden ist, werden in unterrichteten Kreisen auf 4—5000 Mk. geschätzt. Tie Abfassung des Urteils liegt in den Händen des Referenten Landgerichtsrates Simouse.n, dem zu diesem Zwecke ein besonderer Urlaub bis zum nächsten Tonnerstag bewilligt worden ist. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 3. Jan, Ein Ladendiebstahl. Im letzten Herbst kam der Bahnarbeiter W. H. von G r o ß en - Lind en. mtt zwei Bekannten in eine Wirtschaft zu Klein- ■ k c , irt ber gleichzeitig eine Spezereihandlung betrieben nnrb. Nach kurzem Verweilen in ber Wirtschaft verließ er btcie unter bem Vorwande, ein Bebürfnis zu beliebigen. Tie S'ir^Lr,au-. Hatte bie Labentür unb bie Kasse verschlossen, aber bie Schluisel stecken lassen. Als sie sich wieder in ben Laden be- geben wollte verließ H. gerabe diesen. Nichts Gutes ahnend, tellte fte ihn zur Rebe unb sah gleich nach ihrer Kasse. Ihr Verbacht bestätigte sich alsbald, denn bie Kasse war bis auf einige Kupfermünzen geleert. H. bestritt an ber Kasse gewesen • 'ein Sie finden 20 Kaffee - Handels-Aktiengesellschaft, Bremen. Verkaufsstellen in Giessen Bahnhofstrasse 27 87 Bandagen [ss15/< Geroel. 100 ’J A. 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Insbesondere danken wir den (Lvangelischen Schwestern für ihre liebevolle und treue Pflege. Auskunft erthellen i S*i$b Star Linie in Antwerpen, | W. Zullmann in .Gieren, > r>4/, Bahuhoislrafle 59. Klippslein in Langsdorf. Dieses kalte Schneetvettcr sollte Sie veranlassen, Kohlen zu sparen, durch Anschaffung oder iLuuausch guter, billiger und sparsamer Gelen vom (129 2P-zialgcschttst Wi.iie^na I>ürbeck ====== gegcuiibcr der Edclwcin-LÄäscherci. —- -- Hausbesttzeru Rabatt Tapeten ll Rolle o. 10 Pf. an. (Steg. Goldtavete von 22 Psg. an. Echte Lincrusta 53 cm breit, ä Ultetcr - 48, 60 und 70 Pf. Lincruita-Grsatr, fertig lädiert, ä Meter 25 Pf. - ?Jluiter überallhin frfo. Ringlrele ^peien-ünlnsirie C. Kupsch, v ' Frankfurt a. Al., Seltersweg 30. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, am 2. Januar d J nach langem, schweren, mit Geduld ertragenem Leiden meinen guten, braven Sohn, unseren lieben Bruder, Schwager und Onkel Christian Herbert im 36. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abzurufen. Um stille Teilnahme bitten Dis trauernden Hinterbliebenen. Giessen, Gustavsburg, den 4. Januar 1908. Katharinengasse 10. * p,?,1® Beerdigung findet statt am Sonntag, dem 5. Januar, nachmittags 2 Uhr vom Portale des neuen Friedhofs aas. Browuingpistolen Cal. 7.65 u.Cal. b.35, Garteugclvehre, Revolver, Pistolen, Patronen und Stockdegen in großer Auswahl bet Aid. Heinig Waffenhandlung, 99 30 Selters weg 30. Schwcnktesscl „ 30-40-00 Teigschüssel „ 15-30-50 Wanertops „ 20-40 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Baters, Schwiegervaters und Großvaters sagen wir allen unseren innigsten Darrt. Die trauernden Hinterbliebenen: Karl Itolh II. nebst Familie. Giehen (Neustadt 61), den 3. Januar 1908. 170 MH. Q Im Ohampconieren (Damen-Kopfwaschen mit Trockenapparat) enipstehlt sich Hermann Flank Ww. Svez.-Damen-Frisier - Geschäft Uavlausgafsc 2. Nsur nvty 4 Tage. 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