Donnerstag Z5. Juni 1808 158. Jahrgang Erstes Blatt Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten. dem Wasser ist soeben im Bezugspreis: nwnatlich 75 Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch drePostMe.2.—oiertel- jährl. auSfchl. Besletlg. ZeiltnpreiI: lokck. lbPst auswärts 20 Pfennig. Verantwo rtltch für den oolitijchen Teil: (£. Anderson; f. Feuilleton und „Vermischtes* P. Wittko; für „Stadt u. Land" und „Gerichts- Das deutsche Sturmlied, von dem der Kaiser hier sprach, „Deutschland, Deutschland über alles", wurde bei dem Uhlenhorster Fest, ohne daß die Musik die Weise anstimmte, von den angesammelte.n Massen gesungen. politische Lcrgesschau. Cleveland f. Der frühere Präsiden, der Vereinigten Staaten, Grovei Cleveland, ist gestorben. Grover Cleveland wurde 1837 als Sohn eines presbitcrianischen Geistlichen gboren, war Lehrer an einem Blindeninstitut, wurde 1855 Schreiber bei einem Advokaten, benutzte die freien Stunden zum Studium der Rechte und ließ sich 1859 als Advokat nieder. 1870 wurde er Sheriff, 1881 wurde er Bürgermeister von Bufallo, 1882 Gouverneur des Staates Rewyork. Im Dezember 1883 wurde er als Kandidat der demokr. Partei zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt; bei der Präsidentenwahl im Jahre 1888 unterlag er dem republikanischen Kandidaten Harrison, errang aber bei dec nächsten Wahl 1892 einen Sieg über Harrison. Bei den Neuwahlen 1896 trat er nicht wieder als Kandidat auf und legte am 4. März 1897 sein Amt nieder. 1899 wurde er Professor der Staatswissen, schäften an der Universität Princetown in Neuejrsey. Eine Rede des ttmsers. Bei dem Diner, dasfam Dienstag abend nach der Preis- st»r bte Lagesnummer Rotafiottsi>ru6 und Verlag der SrühNchen llnio.-vuch- und Steindrucken«. H. Lange. SedaNlon, Expedition und Druckerei - Schuistratz« r. Ml vormittags 10 Uhr. ______ Deutsches ReLch. I,, der Affäre Eulenburg sind von der Anklage» behörde in den letzten Tagen eine Anzahl neuer Zeugen geladen. Neben verschiedenen Kriminalbeamten wird auch Kriminalkommissar v. Treskow Gelegenheit zur Aussage erhalten. Der Fürst wird täglich in einem Krankenwagen von der Charitö nach Moabit gebracht werden, so daß die Verhandlungen keinen Aufschub erleiden werden. Die Landtagswahl in Berlin-Moabit wird von den Freisinnigen angefochten werden. Die An» fechtung wird begründet damit, daß bet den Urwahlen erhebliche Unregelmäßigkeiten vorgekommcn sind, und daß eine ganze Reihe von Stich» und Ersatzwahlen gar nicht vorgenommen worden seien. Ein zweiter Grund zum Protest wird darin gefunden, daß bei der Stichwahl eine Anzahl bürgerlicher Wahlmänner gewaltsam verhindert worden seien, ihre Stimme abzugeben. Als dritter Grund wird geltend gemacht, daß eine Anzahl von bürgerlichen Wahlmünnern eingeschüchtert worden sei, zur Wahl zu gehen. Der bayr. Militär-Etat für die Zeit vom 1. April 11908 bis 1. März 1909 ist am 24. ds. der bayr. Kammer der Mcttrikularbeiträge, völlige finanzielle Selbständrg- machung des Reiches von den Einzelstaaten, was uns allein aus der Milliardenklemme herausbrächte, bekommen wir ganz gewiß nicht. Dagegen wäre die Opposition der niäch- tigen Ostelbier zu groß, schon weil damit die Abhängigkeit des Reiches vom konservativen Preußen ein Ende hätte. Was also bekommen wir? Der Reichssinanzminister S y d o w plant, wie man hört, mit der Zustimmung seiner einzelstaatlichen Kollegen einen Kamps wider das Licht: Gas und Elektrizität, nicht nur als Motorkrastspender, sondern auch als Lichtspender. Aber damit nicht genug: Auch der Presse gilt der Kamps der Minister. In dem Reichssteuerbudget des Herrn Sydow, des Vaters der letzten Verteuerung des Postzei- tungstariss, nimmt eine weitere Verteuerung des Zeitungsbezugs nicht den letzten Platz ein. Sie soll 40 Millionen, jene Summe, die die Poft heute angeblich bet der Beförderung der Zeitungen zusetzt, abwerfen. Die Lektüre der Zeituiigen, eines der Hauptmittel zur Erzeugung und Wacherhaltung des Interesses des Volkes an der Gestaltung seiner politischen und sozialen Geschicke, würde eingeschränkt werden. Und nun kommt Herr Sydow mit einem neuen Plan zur Bekämpfung der Presse. Der bayerische Finanzminister v. Pfaff hats, im Gegensatz zum oerschwiegeneren Kaiser, am Montag im Finanzausschuß der bayerischen Kammer ausgeplaudert, was die Pandorabüchse des Reichsschatzsekretärs an Steuern wider die Presse enthält: Herr Sydow will uns neben der Verteuerung des Zeitungsbezuges auch eine Verteuerung der Zeitungs-Anzeigen, eine I n s e r a t e n st e u e r bescheren! Es gibt nur zwei Wege, eine solche Steuer technisch durchzuführen. Der eine ist die Verstaatlichung des gesamten Anze igenw es ens. Er kann hier außer Betracht bleiben: Das deutsche Zeitungswesen ist heute schon zu sehr entwickelt, zu vielgestaltig, als daß das Anzergen- monopol des Staates noch praktisch durchführbar wäre. Das hat man offenbar auch in Regierungstreisen einsehen müssen, und so will man denn den zweiten Weg gehen, der schon dem seligen Miquel schnurstraks in ein Finanzparadiesgärtlein zu führen schien: Den Weg der Anzeigenumsatzsteuer. Und die Steuersätze werden nicht zu.knapp sein! Es sieht sich zuerst so an, als müßte diese Steuer allein die Zeitungsverleger treffen. Fehlgeschlagen. Der Leidtragende bleibt auch hier das p. 1. Publikum. Es ist klar, daß die meisten Zeitungsverleger, die neben ihren sonstigen Einkommen-, Gewerbe- usw. Steuern auch noch eine Steuer von der Roheinuahme, eine Inseraten- und Satzfteuer zahlen sollen, diese Steuer abwälzen^ würden. Nur einer aber kommt in Frage, dem sie ausgepackt werden könnte: Der als Inserent wie als Leser aus die Zeitung angewiesene Zeitgenosse. Denn eine wesentliche Erhöhung der Anzeigenpreise hätte die Folge, daß auch die vom Verleger zu entrichtende Jnseratfteuer sich erhöht. Und wenn sie, wie es wahrscheinlich ist, stasfelsörmig gedacht wird, so würde die Erhöhung der Anzeigengebühr für den Verleger ziemlich zwecklos sein. Er würde also den Einnahmeausfall, den er durch die Entrichtung der Jnseratfteuer erleidet, durch Erhöhung des Bezugspreises wettzumachen oder doch zu vermindern suchen. Und das würde Verein mit der geplanten Erhöhung des Postzeitungstariss manchem Minderbemittelten die Zeitungslektüre verleiden. Am letzten Ende läuft die Jnseratfteuer also auf eine Benachteiligung des Publikums hinaus. Es liegt auf der Hand, daß eine Anzeigensteuer auch eine s ch w e r e S ch ä d i g u n g d e s g e s ch ä f t l i ch e n V e r- kehrs bedeuten müßte. Erhöhen die Zeitungen den Anzeigenpreis, so wird die Zahl der Anzeigen sich zunächst verringern ; daß darunter der Absatz unserer Geschäftswelt litte, bedarf keines Beweises. Das würden die Geschäftsleute bald einsehen und sie würden wieder in früherem Umfang inserieren. Dann aber müßten sie ihren Anzeigenetat wesentlich erhöhen. Jede Erhöhung des Spesenkontos aber, die nicht entsprechend höheren Nutzen abwirft, schädigt nicht nur den Geschäftsinhaber, sondern auch den ganzen Geschäftsbetrieb. An anderen zur Entwickelung des Geschäfts rwt- wendigen Ausgaben müßte gespart werden. Nr. 147 Der «trtzener »nztiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich EtetzenerKamilienblÄter; zweimal wöchentl.UreiS' blattfürdenUretrGlehen (Dienstag und Freitag); zweimal monall. Land» wirtschaftlich« Seitfragea Fernsprech. Anschlüsse; sür di« Redaktion 112. Verlag u. Expedition 61 fiBcefie Mr Depeschen! Anzeiger Gießen. Diese neue Kaiserrede ist in mehrfacher Beziehung höchst bedeutungsvoll. Sie ist getragen von einem schönen, Nicht übermäßigen, sondern wohl temperierten Optimismus, einem Optimismus, dem ein leicht „Stürmisches" freilich nicht fehlt, der vielleicht, namentlich in Bezug auf die Hoffnungen, die der Kaiser für die neue Reichs- flinanzreform hegt, etwas Zu rosig ist. Handel und Verkehr aber werden den Morten des Kaisers, soweit sie sie im besonderen angehen, zustimmen. Und aus voller Kehle werden Heer und Marine seinen ihnen gewidmeten Morten stürmisch und freudig zujubeln.. Diese Worte bilden einen bemerkensloerten Kommentar zur soz. sTöb'eritzer Rede. Am meisten aber Freude empfinden wird der von seinem Kaiser so außerordentlich gepriesene Kanzler des Reiches. Diesem stürmischen Lobe wird das Volk doch nur i*44 nicht unbeträchtlicher Einschränkung zustimmen, das Volk, das lieber anstatt der guten Worte gute Taten sähe. Mas wird uns denn die neue Reichsfinanzre- form bringen? Eine Junggesellensteuer? Ein netter Scherz, aber doch nichts weiter. Warum denn sind die Regierungspläne immer noch Geheimnisse? Damit die vorherzusehende Opposition nicht gar zu früh, sagen wir: xechtzeitig einsetzt? Direkte Reichs-Steuern, Aufhebung bar, die Luft verpestet. , Nach Beendigung der Unruhen in Teheran Null der Schah an der Spitze der Truppen nach den Provinzstädten ziehen, um die Endschumen, ivelche dort Truppen sammeln, niederzuwerfen. Ein Bürgerkrieg steht bevor. Telegraphischen Meldungen von der rufsiickf-permchmGrenzt zufolge, fahren die Kurden, die türkische Untertanen sind, fort, die Dörfer an der Grenze niederzubrcnneli und die Einwohner auszuplündern und zu ermorden, y'rauen weÄen vergewaltigt. Tie. Mordbrenner zerstörten auch das Zarenbild der AisoAchen Kirche. Tie Stadt Djulsa ist von Fluüst- lingen überfüllt. Es herrscht Hungersnot. Das Reutersche Biireau meldet, daß England und Rußland nicht beabsichtigen, sich in die Angelegenheiten Persiens zu rnischcn, aber beide Regierungen hätten veranlaßt,, datz den Beteiligten bekanntgcgeben werde, sie dürsten nicht aus irgendwelche Unterstützung bei Versuchen rechnen, die gegenwärtige Dynastie Persiens zu stürzen oder auf die Volksvertretung in Teherm einzuwirken. — Die Kurdenübergrisse aber Huben dem W. T. B- zufolge den ruh". Geschäftsträger in Konstantinopel veranlaßt, an die Pforte eine Forderung zu stellen, die von den englischen Vertretern energisch unterstützt werden wird Der russisaie Geschäftsträger hat den Großvezier aus das Entschiedenste erklärt, Rußland könne nicht länger teilnahmloser Zuschauei: der sort- währenden Kurd-engrcucl und des Vordringens der tuNlsckM Drup- pen bleiben. Auf die Vorstellungen versprach der Grotzvezrec, unverzüglich vorzuschreiten, die türkischen Truppen aus dem Bereich der strittigen Zone abzuberufen und die KUrden zu zugelii. Der Großvezier hat jedoch die tleberschreitung des Bereich» der strittigen Zone in Avrede gestellt, mit Ausnahme einer kleinen Truppenabteilung und nur eiius Ortes. Desgleichen wurde kategorisch die Beteiligung türkischer KUrden an den Greueln verneint. ________ _______ Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen airordnete. Die Hinrichtung sand außerhalb der Stadt statt. Ter nndent der Times schätzt die Zahl der Verluste vor rlamentsgcbäude auf 70. Andere Schätzungen variieren zwischen 4OO und 80 0. Die meisten Personen sollen ui den Häusern getötet toorben sein und nicht bei den Straßenkämpsen. Uebereinstimmend wird darauf hingewiesen, daß der verfafsungS- feindliche tyrannische Schah vollständig Herr der Lage sei. Nach einer Trahtmeldung dauerten die heftigen» Kämpfe in Teheran bis zum Nachmittag. Das Parlament ist für den Konflikt verantwortlich, denn es stellte, wie die ruh'. Duma, übertriebene Forderungen. Die britischen und russischen Vertreter widerten den Schah auf, sofort die Ordnung wlederherzusticken, und teilten ihm mit, daß sie ihn für alle widrigen Vorkommnisse verantwortlich halten würden. Der Schah gab bercitwilligst umfassende Versicherungen, von denen man natürlich nichts zu halten hat. t Am Mittwoch ist das Haus Zahtrs ed Towlch, des Gouverneurs von Rescht, dessen Sohn verhaftet und dem >L-chah em- geliefert wurde, bombardiert worden. Jedes bombardierte Haus wird von der Volksmenge geplündert, so auch in diesem Falle, obgleich das Haus des Gouverneurs mitten im Europäerviertel steht. Die Kvsaken-Brigade feuerte auch auf einige Verwundete. Von den Versolgten wuvde nur geringer Widerstand geleistet. Das gestrige Bombardement dauerte anderthalb Stunden. Durch den Luftdruck, den die Salven verursachten, sprangen viele Fensterscheiben in den europäischen Geschäften. Der Pöbel macht sich gegenseitig die Beute streitig. Die Kosaken hatten harte Arbeit, die Plünderer aus den Straßen zu vertreiben. Erst zum Abend trat Ruhe ein. Die Gesandtschaften geben amtlich bekannt, das; der Belagerungszustand verhängt sei. Tie Lage ist ernst, obgleich das Volk die Euro päer noch respektiert. Man befurchtet, daß weitere Bombardements bevorstehen. Den Kosaken wird ae- stattet, die Geschütze mit dem Raube zu bepacken und diesen m die Zeltlager zu bringen. Auf Befehl des Sckiahs sollen die Bazare wieder geöffnet werden, widrigenfalls ein Bombardement auf sie vorgenommen werden wird. Die Pferde-Kadaver wurden tion dem Parlamentsplatz noch nicht entfernt. Die Hitze ist furcht- für den Aufschwung. Wir erleben das auch im Sportsleben. Bald drängen sich die Jachten in Menge zum Ziel, bald erscheinen sie weniger zahlreich. Neue Berechnungen, neue Vermessungen veranlassen zum Warten, und mit frischer Kraft nach dem Studium der Neuen Gesetze lverden dann die Jachten wieder zahlreich am Ziel erscheinen. Ich kann mir wohl denken, daß in der Mitte der Sportsleutc, die heute hier auf dem Wasser sich getummelt haben, so manches weise Haupt sitzt, dessen Denken und Arbeiten nicht nur für ihn, sein Haus und seine Reederei, sondern auch für das Deutsche Reich und das Deutsche Volk von Nutzen ist, und in dem Gedanken Raum sinden mögen über die Zukunft unseres Vaterlandes, soweit sie seine so wichtige finanzielle Ordnung betrifft. Nun, meine Herren, die Basis ist gelegt; die Pläne sind aufgestellt, und das hamburgische Blut, das in den Adern unseres ausgezeichneten und hochverehrten Kanzlers fließt, wird Ihnen garantieren, daß der Aufbau für die Neichsfinanzreform rationell, gesund und für das Reich zweckdienlich sein wird. Der Mann, der ihm zur Seite steht, verdient Ihr volles Vertrauen ünd, das des- Vaterlandes. Was geplant ist, muß noch Geheimnis bleiben und darf nicht gesagt werden. Vielleicht kann, wenn ich den Schleier etwas lüften soll, für diejenigen, die nicht verheiratet sind, eine Junggesellensteuer zum Vorschein kommen. Bestimmt ist es 'aber noch nicht. (Große Heiterkeit.) Nun, meine Herren, möchte ich den Dank auf dem Schiffe hier nicht beendigen, ohne noch einmal zurückzublicken auf die drei herrlichen Tage, die ich in der Stadt Hamburg habe verleben dürfen. I. M. die Kaiserin hat mich! noch besonders telegraphisch gebeten, ihren gerührten Dank für alle Liebe und Freundlichkeit der Hamburger auszusprechen, und ich möchte noch einmal hier, wo so viele Hamburger versammelt sind, auf einem Hamburger Schiffe, auch von meiner Seite aus versichern, wie tief ergriffen ich gewesen bin von der Haltung der Bevölkerung und von dem Abend auf der Alster. Als ich mich fragte, wo der Grund für diesen Ausbruch der Begeisterung liege, da erschallte spontan, erst allmählich, dann immer mächtiger anschwellend unser altes d e u t - sches Sturmlied. Nun wußte ich genug. Meine Herren, ich danke Ihnen dafür, ich habe Sie verstanden. Es war der Druck der Freundeshand, einem Manne, der entschlossen seinen Weg geht, und der weiß, daß er jemanden hinter sich hat, der ihn versteht, und der ihm helfen will. Die Hamburger und ich, wir verstehen uns, und so freue ich mich denn, auch am heutigen Tage wiederum das, Wohl des Norddeutschen Regattavereins, in dem so viele ausgezeichnete Hamburger vertreten sind, ausbringen zu dürfen. Möge der Sport blühen, möge sich der Norddeutsche Regattaverein weiterentwickeln und ebenso der Hamburger Handel unter deut Schutz eines' ehrenhaft bewahrten Friedens, den unser Heer und unsere Maring verbürgen werden! Hamburg soll leben, hurra, hurra, hurra! Verteilung an die siegreichen Jachten, an Bord der „Oceana", BrunsbüttelLoog, stattfand, hielt der Kaiser in Beantwortung eines ihm gewidmeten Trinkspruches des Hamburger Bürgermeisters Dr. Burchard folgende Rede: „Ich möchte ein Wort wehmütiger und dankbarer Erinnerung" dem Manne spenden, dem Sie soeben ein Denknial gesetzt haben. Ich meinerseits werde niemals die Freundlichkeit, die Frische und das Jugendliche in dem Charakter Dr. Möncke- bergs vergessen, der mich oft hier empfangen und begrüßt bat. Und ich glaube, in Ihrer aller Sinne zu sprechen, wenn ich versichere, daß wir ihn nie vergessen werden, den Förderer und begeisterten Freund des Sportes, und daß wir sein Andenken in Ehren hMem un!d so ost wir uns hier versammeln, im Stillen seiner gedenken werden. Die Geschichte Hamburgs auf . . von berufener Seite geschildert worden, und Wort und Bild hat sie im deutschen Volke bekannt gemacht. Ich glaube in dem Laufe der zwanzig Jahre meiner Regierung, während meiner vielfachen Besuche im Hamburger Hafen und auf der Elbe, beobachtet zu haben, daß die Kurve des Handels und Verkehrs wie überall in Deutschland, so vor allen Dingen in diesem Emporium stetig in die Höhe geht. Gewiß, meine Herren, wir alle, entweder als Seefahrer oder als Sportleute, kennen das Barometer. Es steigt, es finkt auch und verfolgt verschiedene Linien. Wenn aber die Spitzen, die es int Steigen und Fallen beschreibt, nur im allgemeinen eine auf st eigen de Kurve ergeben, bann schadet es nichts, toenn dazwischen auch mal tiefere Täler liegen. Sie sind, das unvermeidliche Korrelat Aber auch noch eine andere Gefahr droht von der Jn- seratsteuer: Die nämlich, daß sie nicht vereinzelt bleiben würde. Schon hat Graf Moy int bayerischen Finanzausschuß auf eine Reklame steuer hingewiesen. Wenn man sich vergegenwärtigt, tuelche Bedeutung die Reklame, trotz des unbelehrbaren Pros. Sombart, für unseren geschäftlichen Verkehr hat, wie sie eine Hauptquelle unseres gewerblichen Absatzes ist, so wird man die Bedeutung dieser Gefahr richtig einschätzen. Mir haben gesehen, wie vielfältige schädliche Wirkungen die Jnseratensteuer haben müßte. Im Interesse der Allgemeinheit also liegts, daß diese Steuer in den Tartarus geworfen werde. > «U5 Teheran erfährt man jetzt haarsträubende Einzelheiten über die Greuel taten, die am 23. von den Truppen des Sck;ahs an der Bevölkerung der persischen Hauptstadt verübt mürben. Nach einer Meldung der Times wurden das Parlamentsgebäude sowie die angrenzende Moschee vollständig vernichtet. Die Truppen hätten sich schändlich benommen, indem sie die friedliche Bevölkerung ausplünderten. Auch von anderen Seiten wird bestätigt, daß die Tüuppen unglaubliche GreueltÄen begangen haben. Nachdem der Widerstand der natronaltstischen Partei, deren Anhänger kurze Zeit aus deit Straßen kämpften, gebr*n war, drangen die Trtwpen iy die Läufer em, um dsrtn Mäniter, Fmuetl und Kinder ohne Unterschied deS Alters oder des Geschlechts niederzuschießen oder noch gmusomer zu töten. In einer anderen Meldung heißt es, daß 18 F ührer oder bekannte Mitglieder der Reforiyparlei, gelangen .und vor den Schah geschleppt wutden, der ihre sdfMige HtN.pnchrung zugegangen. Der Aufwand für die Armee beziffert sich auf 98 730 626 Mk. Die einmaligen Ausgaben betragen diesmal rund 15 Millionen, die meist für die Artillerie bestimmt sind. Die Zweite badische Kammer hat nach vier- monatlicher Kommissionsarbeit und dreitägiger Verhandlung im Plenum die Vorlagen, betreffend die Gehaltsordnung und Gehaltstarife, sowie die Abänderung des Beamtengesetzes von 1888, welche Kompromisse mit der Regierung darstellen, en bloc angenommen. Die Vorlagen bringen eine 18- bis 19prozentige Aufbesserung sämtlicher Beamten, sowie eine wesentliche Verbesserung des Beamtenrechtes. Ausland. DasfranzösischeKolonialminifterium veröffentlicht ein Telegramm, welches Einzelheiten über das am 14. Juni stattgehabtc Gefecht bei Elmoinan, 80 Kilometer von Tid- hikdja. enthält. Danach wurde Hauptmann Mauchin an der Spitze von 30 Kamelreitern von mit Repetiergewehren bewaffneten Arauren angegriffen. Der Hauptmann und ein Sergeant wurden getütet und auch sonst erlitt die Abteilung schwere Verluste. Rach Privatdepeschen aus Dakkhar soll die Kamclreiterab- teilung niedergemetzelt und deren Waffen, sowie ein Geschütz von den Mauren erbeutet worden sein. Die a u f st ä n - di sche Bewegung in Mauretanien hat so sehr um sich gegriffen, daß der Generalgouverneur von Französisch-jA.estaftika den Befehl erteilt hat, die Verproviantierung der Militärposten nur durch hinreichend starke Truppenabteilungen vornehmen zu lassen. Die italienische Finanzlage ist nach Aeußerungen des Schatzministers Carcaua in der Kammer sicher. Das rektifizierte Budget ergibt einen Mehrertrag von 51 Millionen Lire. Tie Regierung schlägt vor, 26 Millionen als autzer ordentliche Ausgaben für Armee und Marine zu verwenden; trotzdem verbleibt ein Mehrertrag zugunsten des Schatzes. Im österreichischen Abgeordnetenhause hat es schon wieder einmal Krach gegeben. Der Abg. Herold (deutsch- national) wandte sich gegen die Gültigkeit der Stremayerfchen Sprachenverordnung, die von tschechisch-böhmischenRich- tern anerkannt sei, die massenhaft in deutsche Sprachgebiete versetzt würden. Unter dem lebhaften, lärmenden Widerspruch der Tschechen erklärte der Redner, Bezirksrichter Fleyer habe nur das Richtige getan, als er in Eger die Klage mit der Begründung zurücdvies, daß in Egeü die tschechische Sprache nicht gerichtsüblich sei und die Deutschen würden ihn deshalb verteidigen. Dr. Myslivec rief: „Pour le Roi de prusse". Dr. Herold: „Schneeigen Sie mit dieser u n v e r s chäm t e n Verdächtigung, Sie Schuft!" (Anhaltender Lärm.) — Luksch sprach sich gegen den Bau des Donau-Oderkanals aus, welcher für Oesterreich direkt den Selb ft mord bedeuten wüpde. 25freiheitlicheStudenten in Innsbruck meldeten ihren A u s t r i t aus der katholischen Kirche an. In den Universitätsstädten Oesterreichs wurde ein Los-von-Rom- Kvmitee gebildet. Der Zar beabsichtigt nicht im Herbst dem König von England einen Besuch abzuftatten. Ueberbaupt sind in diesem Jahre keinerlei Auslandreisen des Zaren in Aussicht genommen. Der,russische Marine ft ab entschied sich zum Bau von Linienschiffen für den „Dreadnaught"-Typus. Die Schnelligkeit soll 21 Knoten in der Stunde betragen. Tic Regierung will im Herbst mit dem Bau dreier Panzerschiffe beginnen. Der Reichsrat hat sich für die Flottenvorlage erklärt. Aus Stadt und Land. Gießen, 25. Juni 1908. ” Or densverlei hung. S. K. H. der Groß- h erzog haben dem chirurgischen Leiter des Diakonissenhauses „Elisabethensüff, Sanitätsrat Dr. med. Karl Kolb zu Darmstadt die Krone zu dem Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. * * Erle d i gte L eh rerste llen: Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bernsfeld. Mit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden. — Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Helpershain. Mit der Stelle ist Organisten- und Vorlesedienst verbunden. Dem Inhaber kann eine Ortszulage bewilligt werden. — Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende dritte Lehrerstelle an der Gemeindeschnle zuGe d ern. DemFürsten zu Stolberg-Wernigerode-Gedern steht das Präsentationsrecht zu. * • Evangelische Pfarrkonferenz. Die gestern im alten großen Saale der Universität dahier abgehaltene 26. allgemeine Pfarrkonferenz der evang. Geistlichen der Provinz Oberhessen war von Geistlichen aus allen Teilen Oberhessens zahlreich besucht. Nachdem der Vorsitzende Superintendent D. Petersen die Anwesenden willkommen geheißen und der im letzten Jahre verstorbenen Pfarrveteranen Clotz-Queck und D. Stock-Gießen in dec üblichen Weise gedacht hatte, referierte Professor Walbe-Darmstadt in eingehender fesselnder Weise über das protestantische Gotteshaus des 17. und 18. Jahrhunderts und legte dabei den hohen Wert der kirchl. Denkmalpflege dar; der Vortrag wurde durch die Vorführung vieler Ansichten oberhessischer Dorfklrchen mittelst Lichtbilderapparat illustriert. In der sich anschließenden längeren Diskussion wurde allgemeine Uebereinstimmung mit dem Referat konstatiert und der Vortragende gebeten, seinen Vortrag im Druck erscheinen zu lassen, was dieser bereitwillig zusagte. • • Das Automobil erobert sich weitere Kreise. Das hessische Ministerium hat mit Rücksicht auf die vielen und häufig rasch notwendigen Geschäfts- und Besichtigungsreisen der Ministerialmitglieder die Vorteile des Automobils sich zu Mutze gemacht. Nach eingehenden Berechnungen ist man zu der Anschauung gekommen, daß diese Reisen rascher und meist mit nicht höheren Kosten ausgeführt, daß insbes. auch manche Uebernachtungen und Tagegelder gespart werden können, wenn ein Automobil benutzt wird. Als Resultat der Verhandlungen ergab sich der Abschluß eines Vertrages mit der Firma Haas & Bernhard, die einen Wagen gegen entsprechende Vergütung zur Verfügung des Ministeriums haben muß. Zu dem Zweck wurde von der Firma Opel m Rüsselsheim ein sechssitziges Landaulet-Auto angefertigt, ein Luxuswagen mit vier Zylinderstärke, der mit allen Neuerungen, eleftr. Licht, Sprachrohr rc., ausgestattet ist. Die erste Dienst- sahrt machten gestern der Finanzminister Gnauth, der Minister des Innern Braun und Ministerialrat Süffert. — Auch bei der Staatsanwaltschaft geht man mit dem Gedanken um, behufs rascherer Ermittelungen und Einnahme von Ortsbesichtigungen einen ähnlichen Vertrag abzuschließen. ♦* Schlägerei. Zwischen dem Tienstmann Karpf und dem Taglöhner Schneider kam es gestern abend zu einem Streck, wobei Karpf mit einem kürzen Prügel am Kopse nicht unerheblich verletzt, wurde, so daß er in die Klinik verbracht werden mußte. Schneider wurde verhaftet, aber heute früh wieder entlassen, da die Verletzungen des Karpf nicht lebensgefährlich sind. Karpf, ein dem Trünke ergebener Mensch, hat in letzter Zeit tagtäglich, wenn nicht seine Frau, dann die Hausbewohner in der gemeinsten Art beschimpft und belästigt, so daß die PolizÄ. häufig einschreiten mußte. Er hatte sich auch zwei Revolver angeschafft, wovon ihm erst einer von einem Hausbewohner abgenommen worden war. Als er geftern abend wieder den Schneider beschimpfte und bedrohte, begab sich dieser in den Hof, wo sich Karpf befand. Sofort hatten sich beide gepackt und Schneider bearbeitete ihn mit dem PÄael. * * Fahrrad dieb. Aus dem Hofe eines Hotels in der Bahnhofstraße wurde gestern mittaa ein „W artburg"- Fahrrad mit der Polizei-Nummer &. 2029 und der Fabrik- stummer 28 245 von unbekanntem Täter gestohlen. Der Eigentümer des Rades hatte es nur hingestellt, um im Hause etwas zu besorgen, und als er nach ganz kurzer Zeit heraus kam, war das Rad verschwunden. • • Ehrung. In Anerkennung seiner mehr als 25- jährigen Tätigkeit als Obmann deö Hessischen Landes-Lehrervereins, als Mitglied deS Gesamtvorstandes des Deutschen Lehrervereins, sowie des Engeren Ausschußes der Deutschen Lehreroersammlung wurde dem Ehrenvorsitzenden des Hessischen Landes - LehrerveceinS, Rektor Backes in Dortmund, als besondere Auszeichnung — wie der .Schulbote für Hessen" schreibt — eine künstlerisch ausgestattete Adresse überreicht. Sie erwähnt vor allem mit warmen Tankesworten die Verdienste des Ausgezeichneten, der 25 Jahre hindurch ohne Ermüden, mit Ausdauer und sicherem Blick für die Volksschule und die Lehrerschaft Hessens gearbeitet habe. Als Leiter des Landcs-LehrervereinS, als Begründer und Förderer von Wohltätigkeits - Anstalten und -Unternehmungen, in denen das Bestreben dec Lehrer, sich selbst zu helfen, zum Ausdruck kommt, als Abgeordneter der Zweiten Ständekammer, habe er der Schule und den Lehrern unschätzbare Dienste geleistet. Liber auch für das einmütige Zusammenwirken aller deutschen Volksschullehrer sei er eifrig eingetreten und stets sei es sein Streben gewesen, im Dienste des großen Ganzen tätig zu sein. Zum Schluffe gibt die Adresse der Hoffnung Ausdruck, daß auch fernerhin der bewährte Rat und die hilfsbereite Tat des Gefeierten für das Wohl der Volksschule und des Vaterlandes dem Verein treu zur Seite stehen werden. * * Kolosseum. Die Kämpfe der Internat, tarnen- Ringkampf-Konkurrenz endigten gestern mit folgendem Resuliate: Frl. Philip p i - Aachen siegte über Frl. Murausky- Ungarn in 18.35 Min. durch Armsallgriff. — Im Kampfe Frl. Richter-Schlesien contra Frl. Koslowsky - Ostpreußen siegte erstere in 19.30 Rim. durch Amreißer am Boden. — Durch Armdurchzug am Boden mit Halbnelson siegte Frl. H a n l o n - Elsaß über Frl. Schönburg-Wien in 14 26 Min. — Tie Kämpfe ernteten reichlichen Beifall; das Haus war gut besucht. Großalmerode i. Hess., 22. Juni. Die Schwarmgei sie r - B e w egu n g, die im vergangenen Jahre in unliebsamster Weise von sich reden machte, und die viel Streit iind Zwietracht in den hiesigen Familien verursachte, hat glücklichenveise einen kräftigen Schlag erhalten. Bei der gefltigcn Presbyteriumswahl, zu der nahezu 80 Prozent aller Wahlberechtigten erschienen waren, siegte erfreulicherweise die Liste des christlich-liberalen Vereins über die Liste der Orthodoxen mit 245 gegen 150 Stimmen. Die überwiegende Majorität unserer Bürgerschaft hat die unvernünftige Schwarmbewegung gründlich satt. — Crumbach, 24. Juni. Für das Kirchspiel Franken- bach-Crumbach ist für Sonntag den 5. Juli ein Missions - f e ft vorgesehen. Pfarrer Conradi-Hirschberg bei Diez predigt im Frühgottesdienst, 10 Uhr beginnend, in Crumbach und Missionar Sund ermann-Borneo nachmittags 2 Uhr in Frcmkenbach in der Nachversammlung. Frankfurt a. M., 24. Juni. Zum deutschen Turnfest iverden von Deuts ch- Südw estaf rik a 3 0 Turner eintreffen. Führer dieser Abordnung ist dec Vorsitzende des Turnvereins Windhuk, Gustav Thomas, früher in Frankfurt. Die Fahne des Swakopmundec Vereins wird nach der Eröffnungsfeier am 18. Juli vorn Vorsitzenden der deutschen Turnerschaft, Dr. Götz in der Fe st halle geweiht. Mit dem Lloyddampfer „Main" sind gestern in Baltimore ungefähr 400 Mitglieder des nordamerikanischen Turnerbundes zur Teilnahme am Turnfest abgereist. Zu Ehren der Turner und ihrer Angehörigen veranstaltete der Turnverein „Vorwärts" in Baltimore gestern einen großen Empfang. Mehrere kleine Gruppen von deutsch-amerikanischen Turnern reisen in den nächsten Tagen von Hoboken ab. — Ein Buchhalter eines Hotels am Hauptbahnhof war beim Abspringen von einem Motorwagen der Straßenbahn unter den Anhängewagen geraten. Er erlitt schwere Verletzungen, denen er gestern erlegen ist. c f. Kassel, 24. Juni. Die Kaiserin trifft mit der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen am 10. Juli auf Schloß Wilhelm Shöhe zum Sommeraufenthalte ein. Alle Vorbereitungen dazu sind auf Wilhelmshöhe und Schloß Wilhelmsthal getroffen. GerLchtssaal. Frankfurt, 24. Juni. Die 44jährige Ehefrau Marie Theresia des Kaufmanns Alfons Landauer, die am 29. Februar ihre n Ai an n e r s eh offen hatte, wurde uach elsflündiger Verhandlung von den Geschworenen für nicht schuldig befunden und von den Richtern f r e i g e s p r o ch e n. Berlin, 25.^Juui. Im Prozeß gegen den 21jährigen Försterssohn Schwarzenstein, der des Vatermordes angeklagt war, wurde gestern abend daS Urteil gefällt. Die Geschworenen verneinten die S ch u l d f r a g e des Vatermordes. Ter Gerichtshof erkannte demgemäß auf Freisprechung des Angeklagten. Die Kosten sind der Siaatskasse auierlegt worden. — Gegen das freisprechende Urteil ivird die Anklagebehörde das Rechtsmittel der Revision beim Reichsgericht in Anspruch nehmen. A l t o ii a, 24. Juni. Kommerzienrat Möller, ehemals Besitzer der Altonaer Wachsbleiche, wurde heule vom hiesigen Landgericht wegen Koukursvergeheutz und wiederholten Betruges zu fünf Jahren Gefängnis und dreijährigem Ehrverlust verurteilt. Der Staatsanwalt halte sechs Jahre Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust beantragt. Universitäts-Nachrichten. B e y l i n, 24. Juni. Zu Ehren des 7 0. G e b u r t s t a g e s Professor S ch m o l l er s fand im Landesausstellungspark ein Fest- esseil statt, woran etwa 200 hiesige und auswärtige UniversilätS- Professoren, Schüler und Freunde Schmollers teilnahmen. Professor Brentano, Geheimrat Koser foivie Professor Gering hielten Ansprachen, worauf Schmoller erwiderte. Professor von Soden brachte einen Trinkspruch auf die Gattin Schmollers aus Vermischtes. ' Attentat in einer Kirche. Als sich am Dom in Turin unter Teilnahme des Kardinals Richelmy und des ganzen DomkapitalS eine Prozession zum. Johannisfest ordnete, explodierte eine Petarde. Der starke Knall brachte unter den zahlreichen Teilnehmern eine furchtbare Auf. regung hervor. Viele Frauen fielen in Ohnmacht, andere wurden zur Erde geworfen. Man vermutet einen Racheakt gegen den Kardinal. * Ein furchtbaresSchiffsun glück. Am Nachmittag des 23. ds. Ms. ist i,n den spanischen Gewässern in einer Untiefe unweit Laeoruna der spanische Dampfer Larache der ttansatlantischen Gesellschaft von Barcelona infolge Nebels auf eine Klippe aufgerannt. Der Dampfer sank fast plötzlich. 144 Peysonen befanden sich an Bord. Ueber hundert sind ertrunken, darunter die Hälfte der Besatzung. Der Rest, unter ihnen der Kapitän und der Schiffsgeistliche, wurden durch Fischerboote gerettet. * Einen aufregenden Schluß hatte eine ©traf» kammersitzung des Landgerichts zu Insterburg in einer Strafsache gegen den Schuhmacher Georg Jurat. Nachdem die Strafkammer Jurat zu einem Jahr Gefängnis und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt hatte, zog dieser ein offenes Messer und machte Miene, den Staatsanwalt damit an^-ugreifen. Letzterer ging aber kaltblütig auf die Anklagebank zu und nahm dem Verurteilten das Messer ab, welcher dann abgeftihrt wurde. In der Nacht daraus hat Jurat seinem Leben im Landgerichte- gefängnis durch Erhängen ein Ende gemacht. Kleine Tageschronik. Ueber eine Steuerhinterziehung des kürzlich verstorbenen Kommerzienrats Rudolf Hegenscheid in Gle iwitz werden Gerüchte verbreitet. Es handelt sich uni ausländisches Einkommen Hegenscheids in Höhe von 400 000 Mk., deren Steuerpflichr die Erben bestreiten, weil cs bereits im Auslande versteuert ist. Die Steuerbehörde fordert 41/2 Millionen Straf nachzah- lung und hat einen Zivilprozeß gegen die Erben anhängig gemacht. In M e l s 0 e (Wests.) wurde mit Hilfe von Polizeihunden die Leiche der seit einigen Tagen vermißten achtjährigen Tochter des Arbeiters Bergmann aufgefunden. Es liegt Lustmord vor. Vom Täter fehlt jede Spur. An der Tete Noire der Walliser Alpen hat der 72 Jahre alte Sommerfrischler Victor Dupuis, ein Kaufmann aus Hartinach, durch A b st u r z seinen Tod gefunden. Im Gotthardgebiet wird seit Freitag der 22jährige Dr. M a r k s aus Ndünster (Westfalen) vermißt. Marks wollte von Göschenen zur Furka wandern, ist dort aber nicht eingettoffen. Man vermutet, er fei das Opfer, eines Unglücksfalls geworden. Nachforschungen werden durch rauhes und nebliges Wetter mit Schneefall erheblich erschwert. Schwere Gewitter mit Hagelschlag hoben in zahlreichen Bezirken Oftgaliziens enormen Schaden angerichtet. Mehrere Personen wurden vom Blitz getötet. In Borislaw wurde ein lstohöllchacht durch Blitzschlag in Brand gesetzt. In Bouzyna und Suchowola drang das Wasser mit großer Macht in das Schulgebäude, so daß die Schüler nur unter Lebensgefahr gerettet werden konnten. Aus der franz. Gemeinde Chateau Chion ist ein Notar mit Hinterlassung von 500000 Frank Schulden flüchtig ge< worden. Er war gleichzeitig Unterbürgermeister. Nach einer Meldung des „Memeler Dampfboot" wurden in Rnssis ch-K r 011 i 11 g e n, nahe der preußischen Grenze, durch ein Schadenfeuer über 80 Häuser, meist von geringerem Werte, eingeäschert; auch einige Menschenleben sollen dem schnellen Umsichgreifen des Brandes zum Op f e r gefallen sein. Stau vermutet Brandstiftung. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 25.Jum. tzTelegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Antti. Siotierimgeii der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 514 Ochsen, 4 aus Oesterreich, 47 Bullen, 0 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 1021 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 ans Dänemark, 355 Kälber, 290 Schafe und Hänuuel, 00 Schaie ans Oesterreich, 00 Ziegen, OG Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 76—71 Mk., 2. Qual 68—72 9)if., 3. Qual. 58-60Mk.; Bullen l.Qual. 68 bis 70 2)if., 2. Oncü. 60-63 Ml.; Kühe l.Qual. 73—75 Alk., 2. Qual. 63—65 Pik., 3. Qual. 46-48 Mk, 4. Qual. 00-00 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: 1. Qual.96—98 Pfg., Lebendgewicht66-58 Pf., 2. Qual. 86—95 Pfg., Lebendgewicht 51—56 Pfg., Schlacht- gewicht 72—75 Pfg. Schafe: 1. dual. 82—00, 2. Qual. 74—76 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 63—00 Pfg., Lebdgew. 49,5—00,0 Pfg., 2. Qu. 62-00,0 Pfg., Lebendgew. 49-09,0 Pfg., 3. Qual. 54—56 Pfg. Lebendgew. 00 Pfg, Geschäft bei Hornvieh gut, unbedeutend. Kleinvieh lebhaft, keinUeberstand. + Kirchhain, 24. Juni. Mit dem heul hier abgehaltenen Fohle nmarkt war auch zugleich eine Prämiierung verbunden. Für Saugwhlen erhielt den 1. Preis Joh. Wahl, Erbenhausen, für einjährige Fohlen Joh. Boßhainer, Kleinieelheim und für zweijährige Fohlen Anlon Römer, Kirchhain. Gießener Wetterdienst. . Voraussichtliche Witterung für Hessen am Freitag den 26. Juni: Fordaner der heiteren trockenen Witterung. Warm. Oesttiche Winde. MMer'sche Badeanstalt. W a s s e r iv ä r in e der Lahn 17 °R. GriginaL-VrahtineLdungen. Stuttgart, 25. Juni. Generaloberarzt v. Strauß, ein Sohn von David Friedrich Strauß, ist im Alter von 62 Jahren gestorben. Graz, 24. Juni. Heute nachmittag sammelten sich die d e u t s ch - n a t i 0 n a l e n S t u d e n t e n, verstärkt durch Handelsangestellte und Arbeiter, vor einem Hotel, von wo aus die katholischen Studenten mit einer Anzahl geladener Gäste einen Ausflug unternehmen wollten, und versuchten, in den Restaurationsgarten einzudringen. Die SJtenge wuchs am Abend immer mehr an und, da die 50 Mann starke Polizeitruppe angesichts der immer kritischer werdenden Lage sich als zu schwach erwies, wurde eine Kompagnie Infanterie requiriert, welche den Platz säuberte und die katholischen Studenten in ihre Wohnungen geleitete. Eine Abordnung der Demonsttanten beschwerte sich beim Bürgermeister und beim Statthalter über das Vorgehen der Sicherheitswache und die Heranziehung des Militärs. Zu einem ernsten Zwischenfall ist es nicht gekommen. Drei Verhaftungen wurden vorgenommen. London, 25. Juni. Der ehemalige französische Minister des Aeußern, D e l c a s s 6 , der sich augenblicklich hier aufhält, ist von König Eduard in Privataudienz empfangen worden. Die Unterredung soll einen freundschaftlichen (?) Charakter getragen haben und von längerer Dauer gewesen sein. Tie Wichtigkeit der Unterredung im jetzigen Augenblick wird Niemanden entgehen. London, 25. Juni. General French wird an den französischen Herbstmanövern teilnehinen. London, 25. Juni. Wie aus Teheran berichtet wird, wurde eine Bombe in das Lager des Schahs geworfen. Madrid, 25. Juni. Nach den neuesten Feststellunaen sind von dem auf eine Klippe aufgerannten Dampfer „Larache'' 81 Personen u in g c f 0 m m e n. Ter Dampfer war innerhalb 8 Minuten verschwunden. Unter den Umgefommeiicu befindet sich auch der Kapitän. Viele Dampfer eilten zu Hilfe. Diejenigen Dampfer, ivelche nicht an die Unjallstelle abgingen, iverden gerichtlich verfolgt. Die trauernden Hinterbliebenen Giessen, den 25. Juni 1908 3893 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme anlässlich des Hinscheidens unseres unvergesslichen Herrn Hirsch. Bär sagen wir unseren innigsten Dank. W 'W M W 1 K f ß Statt besonderer Anzeige. Heute nacht verschied in Wöllstein (Rheinhessen) nach kurzem, aber schwerem Krankenlager unsere innigstgeliebte Tochter, Schwester, Schwägerin, Nichte und Cousine Fräulein Anna Leib im Alter von 22 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Die trauerndem Hinterbliebenen. Wöllstein, Giessen, den 24. Juni 1908. Die Beerdigung findet zu Giessen am 26. Juni nachmittags 4 Uhr auf dem alten Friedhöfe statt. Ulk. 15000000 41/i °/0 zu 803°/o rückzahlbare Schuldverschreibungen der Elektrizstäts-AkL-Saes, vorn,. Schlickert & Co. Die Zeichnung findet am Dienstag den 30. Juni zum Preise von 9S.75°/o statt. Hk. 20000000 4°/0 Schuldverschreibungen der Friedr. Krupp Akt -Ces. Die Zeichnung findet am Dienstag den 30. Juni zum Preise von ©S.25% statt. Danksagung 3881 Frau Karl Plank Wwe. und Kinder. Für alle Beweise herzl. Teilnahme bei unserem schweren Verlust sagen innigsten Dank H. Haas Hl Kk Irsch en-V er steigern NH. Samstag, den 27. Juni, abends 6 Uhr, soll die Kirschenernte von den Bäumen auf dem Trieb tn verschiedenen Losen meistbietend versteigert werden. „ Zusammenkunft auf der Grunbergerstraße an der Wirtschaft „Zur Germania". Gießen, den 25. Juni 1908. B26/« Äroßherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum- Der Verkauf eines abgängigen Gemeindebullen soll im Wege des schriftlichen Angebots geschehen. Angebote pro Zentner Lebendgewicht sind verschlossen mit bezüglicher Aufschrift biS zum 5. Juli l. IS. bei der unterzeichneten Stelle einzureichen, woselbst die Bedingungen bekannt gegeben werden. Leihgestern, den 24. Juni 1908. 3886 Großherzogliche Bürgermeisterei. Heß. ________ Die Reparatur der Orgel in der Kirche zu Krofdorf soll vergeben werden. Kostenanschlag liegt auf meinem Bureau offen. Offerten erbitte ich bis 15. Juli er. Krofdorf (Kr. Wetzlar), den 24. Juni 1908. B“/. Der Bürgermeister. Braun. P erltä nfc- Anmeldungen hierauf nehme ich zu den Zeichnungsbedingungen von heute ab entgegen. a-ßeyaäeüü, Tbekeia und Giasschränke billig ab&uQe6en.[88S7J Marktplatz 7 Sehr gut erhaltener Eisichrank 86 cm hoch, zu verkaufen. L053U2 A. Noll, West-Anlage U. Telephon 209 Baruch Strauss«..,. Bankgeschäft. la ,./b] 2 ÄMauchte Miiüerdettstkllc zu verkaufen, t05300] Asterweg 41,1. ««^Deutscher Schäferhund ytüöe, tadelloses Exemplar,, zehn Monate alt, mit Stammbaum,Ber- baltnisse halber sehr preiswert zu verk. Heinrich Bocckcr, Wetzlar, 6891________Brüylsbach 13. 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