Nr. 74) Erstes Blatt 138. Jahrgang Morttag ZA. März 1908 Der Siebener Anzeiger erschein! täglich, außer SonnlagS. - Beilagen: viermal wöchentlich etcbcnerSamilicnblättcr; Kx-tntal wöchentl.Areis- att slir den Ureis Gietzen tDienstag und Freitag); groeunal monatl. Landwirtschaftliche Aertsragen Ferniprech - Anschlüsse: für dir Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Tldreße *ür Depeschen: Anzeiger Gießeu. Knnn^me von Anzeigen für dre TageLiruminer biS vormittags 10 Uhr. General-Anzeiger für Gberheffen Botafionsbruti und Verlag der Vrützl'schen Univ.-vuch- und ZLeindruckerei. B. Lange. BedaMon, Lxpediüon und DruSerel: Zchulstraßs 7. BezugSprslS: monatlich 75 Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Bost Mk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bcftellg. Zeilenpreis: lokck.!5Pf^ auswärts 20 Pfennig. Berantwortlich für den oolitischen Teil: E. Anderson; s. Feuilleton und „Vermischtes" P. Wittko; für .Stadt u. Land" und „Genchls- saal": E. Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten. Asletstzche Der Tod des Hauptmanns Clauning. Neber die Expedition nach Kamerun, bei der Hauptmann Glauning getötet wurde, wird nunmehr amtlich gemeldet: Nm die bevorstehenden Arbeiten der Grcnz- kommission an der deutsch-englischen Westgrenze von Kamerun zu ermöglichen, mußten die dort wohnenden kriegerischen Stämme zu der Anerkennung der Oberhoheit des Deutschen Reiches gebracht werden. Infolgedessen war Major Puder, Konunandenr der Schutztruppe für Kamerun, auf Befehl des Gouverneurs am 28. Okt. 1907 mit der sechsten Kompagnie von der Küste aufgebrochen, um im Verein mit der zweiten und der vierten Kompagnie (Bameitdo und Banjo) die Gebiete längs der deutsch- englischen Grenze zu durchqueren und zu befrieden. Das Hauptlingsdorf von Alkasim wurde am 19. Dezember kampflos besetzt. Dann erhielt die vierte Kompagnie, die aus dem Verband der Expedition ausschied, den Auftrag, das Alkasimgebiet und das nördlich und nordwestlich davon im Banjobezirt' liegende Gebiet unter Verwaltung zu nehmen. Tie sechste und die zweite Kompagnie setzten die Expedition in dem westlichen Gebiet am Katsena fort. Hierbei ist am 5. März nach einem siegreichen Gefecht gegen die Munschis Hauptmann Glauning, der Führer der zweiten Kompagnie und Chef des Bezirks Bamcnda gefallen. Internationaler Verband der Handlungsreisenden. Der englische Handelsminister Lloyd-George führte den Vorsitz in einer Versammlung in London, die behufs Gründung eines internationalen Verbandes der Vereine von Handl ungsreisenden cinbcrufcn war. Zweck der Gründung ist die Unterstützung der Vertreter des britischen Handels, die das Ausland, und ausländischer Handelsvertreter, welche England besuchen. Delegierte aus Deutschland, Frankreich und anderen Ländern sind zugegen. Lloyd-George betonte die Wichtigkeit des Planes vom Standpunkte sowohl des Handels und der internationalen Interessen, als auch der Förderung des Friedens unter den Nationen. Eine Neso- sution zu Gunsten der Gründung eines Verbandes fand einstimmig Annahme. * Eine japanfeindliche Kundgebung. Eine von über 50 000 Personen besuchte Protest- versaminlung wurde aus Anlaß des Tatsu-Maru- Zwischenfalles in Canton abgehalten. Es wurden aufreizende Reden gehalten und die Sente entledigten sich der aus Japan stammenden Kleidungsstücke, Mützen und Taschentücher, warfen sie auf einen Haufen und verbrannten sie. Die Versammlung beschloß, dem Staatsrat Puanschikai ihbe Mißbilligung auszusprechen für seine Nachgiebigkeit gegenüber den japanischen Forderungen. Deret-clies Aeictz. Der „Bert. Lok.-Anz." meldet aus Osnabrück: Stactts- minifter v. P o d b i e l s l i hat die ihm vom Bunde der Land- ioirte angebolene Kandidatur im Wahlkreise Meele-Diepholz gegen die Nationalliberalen angenommen. München, 21. März. Die dem Professor Schnitzer gestellte Frist auf Widerruf seiner Lehre ist abgelaufen. Schnitzer 301 erklärte, ohne seinem Gewissen Zwang anzutun, nicht widerrufen. zu können. Er glaube, das reine Wort gelehrt imb geschrieben zu haben. Zweifellos wird über Schnitzer der große Kirchenbann verhängt werden. Wien, 22. März. Das Befinden des Kaisers Franz Josef ist andauernd zufriedenstellend. Die des NachtZ aufgetretene leichte Temperatur-Erhöhung ist bereits wieder geschwunden. Heute früh, fühlte sich der Kaiser sehr munter und verzehrte das Frühstück mit bestem Appetit. Es ist alle Aussicht vorhanden, daß die Krankheit in den nächsten Tagen gänzlich gleschwunden sein wird. Athen, 22. März. Nach einer amtlichen Mitteilung trifft Kaiser Wilhelm nunmehr definitiv a m 6. A p r i l a u f Ko r f u ein. Petersburg, 21. Mürz. In der Wohnung des Generals Stössel erschien heute morgen plötzlich der Platzadjutant und forderte ihn auf, ihn nach der Peter-Paulsfeste zu begleiten, um dort die über ihn verhängte,Strafe anzutreten. General Stössel leistete der Aufforderung sofort Folge. Paris, 22. März. Nach einer Petersburger Meldung des „Malin" hat die plötzliche Inhaftierung des Generals Stössel einen peinlichen Eindruck gemacht, weil man noch immer auf seine Begnadigung hoffte. Stössel hat seine Zelle neben derjenigen Nebogatows erhalten, auch steht ein kleiner Garten dem General zur Verfügung. Frau Stössel war es 'gestattet worden, die Zelle für ihren Gatten zu möblieren. Paris, 21. März. Auf Veranlassung des Unterstaats- sekretürs der Schönen Künste, Dujardiil-Bcaumetz, ordnete die Polizeipräfektnr an, daß mehrere, von einem polnischen Malerin dem gestern eröffneten Salon der Unabhängigen ausgestellten abgeschmackten Zerrbilder des Kaisers Wilhelm und des Zaren Nikolaus entfernt werden. Dieser Anordnung wurde gestern abend noch Folge geleistet. London, 22. März. Wie der „Observer" meldet, leidet Premierminister CampbellBannerman außer an der Herzkrankheit auch an schwerer Wassersucht, ohne daß eine Besserung jestzustellen ist. Tie weit vorgeschrittene Krankheit gestattete keinem der Minister, Bannerman seit Beginn seines Leidens zu sehen. Lissabon, 22. März. Wie die Blätter berichten, ist der frühere Ministerpräsident Franeo nach Portugal zurückgekehrt. Die Regierung hat die erforderlichen Maßnahmen zu seinem Schutze getroffen. Tanger, 22. Mürz. Der Gesandte Regnaultist die Treppe des Hotels de France in Casablanca h i n a b g e st ü r z t. Er soll eine leichte Gehirnerschütterung erlitten haben. Zum mindesten befürchtet man, daß er einige Tage arbeitsunfähig sein wird. Sein Aufenthalt in Casablanca wird sich jedenfalls verlängern. Dcrii-cher handristag. (Unber. Nachdr. verb.) S. u. H. Berlin, 21. März. Auch zu der heutigen zweiten und letzten Plenarversammlung des deutschen Handelstages ioaren wieder zahlreiche Regierungs- Vertreter erschienen. Nach einigen geschasttichen Mitteilungen trat man in eine Besprechung des Gesetzentwurfs über die A r b e i t s - kammern em. Hierzu lag folgende Resolution vor: „Der Deutsche Handelstag hat nichts dagegen einzuwenden, daß den Arbeiterin eine Interessenvertretung ans gesetzlicher Grundlage gegeben wird, für deren Form aus dem Kaiserlichen Erlaß vom 4. Februar 1890 fein Anhalt j-a nehmen ist. Er lehnt aber den Grundgedanken des im Deutschen Reichsanzeiger vom 4. Februar 1908 veröffentlichten Entwurss eines Gesetzes über Arbeitskammern mit Entschiedenheit ab, weil die Errichtung von Körperschaften mit gemeinsamer Lertretung der Unternehmer und Arbeiter die erstrebte Förderung des Friedens zwischen beiden Teilen nicht bewirken und die bestehenden vanoelskammeru, die zurzeit dieselben Aufgaben haben, empfindlich beeinträchtigen würde. Die Interessenvertretung der Arbeiter soll daher die Lbrbeiterkaimner sein, die nur aus Arbeitern zusammengesetzt ist. Betriebsbeamte, Werkmeister und Techniker find nicht in die allgemeinen Arberterver- tretinigcn einzubeziehen. Zwar lassen sich sowohl für fachlich wie für örtlich gegliederte Körperschaften Gründe geltend machen; es empfiehlt sich aber bod)z die Aroeitervertretungcn, ebenso wie die Handelskammern und vandwerkslämmern, nach örtlichen Bezirken zu errichten. Tie örtlichen Körperschaften Haven vor den fachlichen u. a. den Vorzug kleiner Anzahl, geringerer zßosten, größerer Arbeitsfähigkeit, besserer. Berücksichtigung örtlicher Verhältnisse. Tie Aufgaben der Arbeitervertretungen sind aus Fragen zu beschränken, die das Ärbeitsverhaltnis und die Ausbildung der Arbeiter betreffen. Sv weit die Arbeitervertretungen von den Behörden mit Erhebungen und der Erstattung von Gutachten betraut werden, sind auch die Handelskammern dafür in Awspruch zu nehmen. Desgleichen sind die Handelskammern zu hören, bevor die Behörden Anträgen von ^lrbeitervertretungen entsprechen. Ten Geioerbegerichten und Kaufmannsgerichten ist die Verpflichtung zu Gutachten und die Berechtigung zu Anträgen äu nehmen. Tie Gestaltung des Wahlrechts sollte auch den Min- derheiten eine Vertretung gewährleisten. Tic Bestreitung der Kosten der Arbeitervertretuugen durch die Unternehmer ist als ungerecht abzulehncn." Geheimrat v. Mendelssohn-Berlin empfiehlt die Annahme folgender Resolution: „D.w Deutsche Handelötag ist der Ansicht, daß rein Bedürfnis für die Schaffung gesetzlicher Ar- beitrrvcrlretungen naü-gcwiesen ist und der im Deutschen Reichs- anzciger vom 4. Februar 1908 veröffentlichte Entwurf eines Gesetzes über Arüeitskammern keine geeignete Grundlage zur Erreichung der von ihm vorgesehenen Ziele bildet. Sollten dennoch Ärbeitervereretungcn errichtet werden, so müßten sie dem Ge- setzerttwurf entsprechend aus Arbeitskammern aus Unternehmern nrtd Arbeitern zusammengesetzt sei, da nur bei solcher Zusammensetzung sich erhebliche Gefahren für den sozialen Frieden vermeiden laßen." (Beifall, lebhafter Wioerfpruch.- Inzwischen war eine weitere R esolutiou Stumps-Osnabrück, eingelaufen, und zwar mit folgendem Wortlaut: „Der deutsche HcmdclStag teilt nicht die Hoffnung, daß der im Teutfchen Reichsanzeiger vom 4. Februar 1908 vwistientlichte Entwurf eines Gesctz.s über Arbciterkammern den sozialen Frieden fördern ober volkswirtschaftlichen Nutzen stiften würbe, und muß sich daher mit Entschiedenheit gegen die Einführung von Arüeitskammern aussprechen." (Gwßer Beifall.) Nach einem kurzen Schlußwort wurde die Abstimmung über den Ausschnßantrag vorgenvmmcu, die auf Antrag namentlich >oar. Sie ergab mit 232 gegen 70 Stimmen die Ablehnung des A u s s ch u ß a n t r a g e s , sowie der v. Meudelsohn'schen Resolution und die Annahme des Stump s 'scheu Bo rs chla- g e s. (Stürmischer Beifall.) Hieraus sprach zum letzten Punkt der Tagesordnung: Festlegung des Osterfestes Wilhelm-München unter Bezugnahme auf folgenden Antrag: „Die großen zeitlichen Schwankungen des Osterfestes haben für weite Kreise, insbesondere für viele Zweige ber Industrie, Gewerbe und Handel große Mißstände zi'.r Folge. Im Hinblick darauf, daß nach rirchlichem Brauch der erste Osterfeiertag stets auf einen Sonntag fallen muß, erscheint die Festlegung dcs Osterfestes auf einen bestimmten Kalend v- lag aus^eschlossen.. Hingegen dürften auf kirchlicher Seite zurzeir teilte Bedenken mehr gegen die Festlegung des Ostersonntags nach einem bestimmten Kalendertag bestehen. Zur Beseitigung der beklagten Schwankungen erscheint es danach angczeigt, und durchführbar, das Osterfest auf den ersten Sonntag nach dem 4. April festzulegen. Ter deutsche Handelstag tritt für eine dahingehende internationale Vereinbarung ein, die selbst für den Fall zutreffend wäre, daß Rußland sich nicht entschlösse, den gregorianischen Kalender anzunehmen." Zn der Debatte nahmt Geheimrat Förster von der Berlin e r S t e r n w a r t e das W o r t zu interessanten Ausführungen über den Standpunkt, den die Wissenschaft in dieser Fratze einnimmt und der sich mit der in der Resolution enthaltenen Forderung deckt. Diese wurde dann angenommen. Dann schloß der Vorsitzende Vizeprüfident Kaempf die Tagung. !>,WWW >W' Q’«' *•' — K*rtmrrr UMTwr-yw.-ate/nn i wi »jut— Aus Stcrds reud Csud. Gieren, _3. März 1908. Lalrdtvü.'Lschafrlichep LoLaLrrei'erir Gisste«. In der Sitzung am letzten Mittwoch wurde beschlossen, wegen der bestehenden Milch,vevkaufsordnung an das Gr. Kreisamt den Antrag zu richten, daß, wie in anderen Städten, die zmn V.wkauf gebrachte Vollmilch in ihrem Fettgehalt schwanken dürfe zwischen 2,8 und 3 Prozent Fett. Es ist dem Landwirt unmöglich, unter allen Umständen in seinem Milchviehstall eine Milch zu erzeugen, die in ihrem Fettgehalt nicht vorübergehend Gcrstlrchc Musikaufführurrg in bei* Stadtkirchc. Zur Passions-Aufführung des Evangelischen Kirchen- gesangoereinZ Gießen hatte sich am gestrigen Sonntage die Stadtkirche bis auf den letzten Platz mit einer andächtig lauschenden Aienge gefüllt. 2(n der Spitze des sehr viel versprechenden Programms stand eine Ehorallantate für Chor, Solovioline, Solobratsche und Orgel von Max Neger. Der Chor hält hier streng an dec alten Choralmelodie feft. Da§ Originelle besteht nun aber darin, daß dec Choral durch die Instrumente unterbrochen wird, daß diese dann wieder tzemissecmaßen in Parallele zu den einzelnen Choralversen treten und ihnen ' schließlich sogar entgegengestellt werden. Der Komponist erzeugt auf solche Weise eine an Schönheit und Abwechselung reiche und tiefe Wirkung. Die Aufführung dieser Kantate unter Leitung des Herrn Professors Traut- mann und unter dec voctceffllchen Mitwirkung des Herrn Schüttler und anderer nicht besonders genannter Herren war sehr schön. Etwas weniger befriedigte die allgemein bekannte Arie „Erbarme dich" aus der Bachschen Matthäuspassion. Das wundervolle Biolinsolo in dieser Älrie, das wohl zum Schönsten und Klangvollsten gehört, was Bach geschaffen hat, kam gut zur Geltung, nur der Gesang war leider ziemlich matt und wirkungslos. Die Solistin, Irl. Emmi) Neichard aus Frankfurt a. Ai., verfügt anscheinend über recht schöne Stimmmittel, aber sie ging nicht au5 sich heraus. Man hatte als Zuhörer das beängstigende Gefühl, als fürchte die Sängerin sich, die Fühlung mit dec Begleitung zu verlieren. Nun ist diese Arie ja von ganz immensen Schwierigkeiten, allein der Zuhörer darf es doch eigentlich nie merken, sonst fängt ec an zu reflektieren, unb um daS musikalische Genießen und um die Andacht des Hörers ist es geschehen. Weit besser gelangen der Sängerin das Ziezitativ „Ach Golgatha" und die darauf folgende Arie „Sehet, Jesus hat die Hand, uns zu fassen, auSgespannt". 9iuch die recht schwierige Koloratur in dec Arie wurde von Frl. Neichard korrekt unb hübsch roiebergegeben. Schabe, baß man bei bieser Arie bte wirkungsvollen unb belcbenbcn Zwischenrufe der Chöre fort- gelassen hatte. Franz Tumas „Fac me tecum pie fleve“ für gemischten Chor mit Ocgelbegleilimg wllcbe sehr hübsch wieber- gegeben. Den Schluß des Konzerts bilbete HaybnS Oratorium „Die sieben Worte beS Erlösers ant Kreuz". Dieses schöne Werk voll tiefer Innigkeit, Frömmigkeit unb musikalischer Zartheit ist in allem em echter Haydn, aber es stellt nicht geringe Anforberungen an ben Chor, unb es gehört eigentlich schon etwas ganz Außecorbentliches bazu, bteicS Oratorium vollendet wieder zu geben. Die gestrige Aufführung biescs Werkes hatte unzweifelhaft viele schönen Momente, aber es würbe nicht ber Wahrheit entsprechen, wenn man sagen wollte, bas; sie allen Anforbecungen gerecht geworben wäre. Es war noch viel zu viel Unausgeglichenes ba, ja selbst Unfertiges. Im allgemeinen befeiebigten mich hier bte Männerstimmen mehr als die Frauenstimmen. Von ganz übercaschenb schöner Wirkung war hingegen bas Zusammenspiel von Orgel unb Klavier. Man hat ja nicht sehr häufig Gelegenheit, ein solches Zusammenspiel zu hören, unb ba möchte es Manchem vielleicht a priori erscheinen, als wenn biefe beiben Instrumente eigentlich gar nicht zusammen gehörten. Sie paffen aber, wie man sieh gestern überzeugt haben wirb, sehr gut zusammen, unb cs ist eigentlich merkwürbig, baß unsere mobernen Komponisten biefe Tatsache so wenig beachten. Welche neuen Möglichkeiten bieten sich boch hier der raffinierten mobernen Komposittonstechmk. — Ein Bauer als Homer-Uebersetzer. Zu Ehren Homers werben im Frühjahre m Arles (Südsrcmkreich) Feste ftattfinben, bei benen Stellen aus der Odyssee in provenealischer Sprache vorgetragen werden sollen. Die Uederlrayuna in die wohlklingende Sprache der Proveliee hat ein einfacher Bauer, Charloun mit Namen verfaßt. Mehrere Jahre hat er dazu gebraucht ; bann legte er fein Manuskript bem großen Dichter ber Provence, Atistral, vor, und verbesserte aui dessen Rat noch einige Stellen. Alit seinem weißen Barl und seinem Wanderstock, von dein er sich nie trennt, erinnert Charloun last an die alten griechischen Helden. — Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. In Graz ist der Musikproiessor unb Komponist Anton Seybl un Alter von 58 Jahren gestorben. — In Berlin hielt ant 21. bs. Mis. Geheimrat Professor Robert Koch einen Vortrag über die ethnographischen und anthropologischen Beobachtungen, welche er während seines U/,jahttgen Anie>nhalles in Ostafrikci gemacht Halle. Seine Bcobachiniigetl erstreckten sich ooriuiegcnb auf die im Nordweslen des Bittoria - Nyanza - Seees liegenbeit ^esse-Jnselii, die von Bantnnegern bewohnt werden. — In ©tut 1- aart sand am 22. März bte Beerdigung des Geheimrates Prof. Dr. Eduard Zeller unter Teilnahme zahlreicher Gelehrter unb emes großen Trauergesolges statt. Als Vertreter bes Kaisers war der preuß. Gesandte v. Bclow-Rutzau erschienen. Es luurben von Vertretern mehrerer benlfcher Uiriversilälen und gelehrter Ge- seklschaiten Nachrufe gehalten. Ter Kaiser hat einen prächtigen Kranz mebcrlcgcn lasten. — In Hamburg ist die Errichtung eines Heine-Denkmals gesichert. Es sind die Sammlungen des Hamburger unb des Berliner Ausschusses zusanunengelegt worden. Jeder dieser Ausschüsse hat 21 000 ü-iL aufgebracht. 12 000 Mk. genügen zur Errichtung des Tenkmals. Es |ofl aber noch weiter- gesanunelt werden, um das Denkmal in einer möglichst künstlerischen Ausslatttma errichcen zu können» — Durch die Presse ging dieser Tage die Meldung, Josef Kainz trage sich mit der Absicht, aus dem Verbände des Wiener Burglheaiers auszuscheiden. Kainz teilt nun mit, daß er selber nichts davon ivisse, das; er ferner nicht 50 000, sondern 36 000 Kronen beziehe, so viel wie Sonnenthal. 9tnr wenn seine Spielahende dre garantierte Zahl überschreiten, komme noch etwas dazu. Er übe nie eine Preffion wegen der Gage aus und komme auch aus, ba er keine Kinber habe, sondern „nur eine netie Frau". Jetzt aber könne er noch nicht wissen, was er später denken werde. Er liebe Wien, aber auch Berlin. Am liebsten wäre er zu gleicher Zeit in beiden Städten. lotter 3 Prozent sinkt. ZahsieiHe Versuche in bett N.Lffefiallen mrferer landwirtschaftlichen .Hochschulen beweisen das und bestätigen die langjährigen Erfahrungen der Landwirte. Tiefe fordern selbst, daß Milchfälscher hart bestraft werden sollen, denn diese, die Fälscher, sind die schlimmsten Konkurrenten der ehrlichen Produzenten. Tie Verhandlungen über Kartofselsorten ergaben, daß die Sorte magnum bonum, wie schon immer, als gesuchte Speisekartoffel den Markt bei uns beherrscht. Ihre Erträge sind allerdings in den letzten Jahren sehr wechselnd gewesen und ihr allgemeiner Anbau hat aus diesem Grunde sehr nachgelassen. Es ist daher dem Landwirt anzuraten, neben der erwähnten Sorte noch andere Sorten anzubauen, damit sich die Steller im Herbst füllen und für die Schweinemast große Vorräte an Kartoffeln nicht fehlen. Es wurden besonders die neueren Sorten Cäeilie, Prof. Wohltmann, Prof. Thiel empfohlen. Aber die Kartoffel ist ein sehr launiges Gewächs. Auf dem einen Boden gedeiht diese Sorte, auf dem anderen mißrät sie, oder hält sich schlecht im Keller. Ta gel)t Probieren über Studieren. Also probiere jeder, und wähle die Sorte, welche sich für seine Bodeuverhältnisse eignet. — Woher die Redensart: Tie dümmsten Bauern ernten die dicksten ^Kartoffeln? Der intelligente fleißige Landwirt bereitet den Acker ausgezeichnet vor, er hat rechtzeitig gedüngt uitb dm Acker zur Pflanzung bereitet wie Gartenland. ©r erwartet eine große Ermte. Ter Nachbar, bekannt im ganzen Dorfe als nachlässig, träge, dumm, hat seinen Kartoffelacker im Herbst nicht einmal gestürzt. Im Winter hat er etwas Stalldünger ausgefahren, aber das Streuen, weils hinter dem warmen Ofen gemütlichier war äls draußen, vergessen. Tie lDünger- haufen find bis zum Frühjahr Strvhhaufen geworden. Die Winterstürme haben dem Düngerhaufen alles genommen, was den Acker hätte befruchten können. Unmittelbar vor dem Kartoffelpflanzen wird das bißchen Tünger gestreut, dor rohe Acker umgebrochen und die geschnittenen Kartoffeln in die Furchen gelegt. Ticke Schollen logen sich auf die Pflanz-Kartoffeln, wer über den Acker geht kann leicht ein Bein brechen. — Da tritt ein feuchter Borsommer ein. Die Schollen auf dem Kartoffelacker des Nachlässigen schmelzen allmählich unter den fortwährenden Regengüssen. Der feinkrümelig hergestellte Kartoffelacker des Fleißigen aber schlemmt zusammen, wird dicht, die Kartoffeln mißraten nahezu. Was diesem die Ernte verdarb, sichert dein Nachlässigen die Ernte. Für den scholligen Acker waren die vielen Niederschläge uotioendig — für den sorgfältig bestellten Acker waren sie verderblich Der Herbst kommt und mit ihm die Kartoffelernte. Auf dem Acker des Durchlässigen steht eine dichte Reihe von gefüllten Kartoffelfäcken, auf dem Acker des anderen zeigen sich erhebliche Lücken. Guckt einmal, was der Hannes für eine Ernte macht, allgemein fällt es auf, daß der Nachlässigste so viel Kartoffeln erntet. Das ganze Dorf spricht bis in den Winter hinein von dieser guten Kartoffelernte, man behalt das lange im Gedächtnis: Die dümmsten oder die nachllissigsten Bauern haben oft die dicksten Kartoffeln! — Von den vielen schlechten Ernten des Nachlässigen spricht man nicht, daran ist man gewöhnt. Von den vielen guten Ernten des Fleißigen spricht man aus demselben Grunde nicht. * — Au§ dem Militär-Wochenblatt. Meier, Oberlt. im Jnf.-Negt. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, unter Beförderung zum überzähl. Haixptln. in das 1. Oberrhein. Jnf.-Negt. Nr. 97 versetzt. — v. Iouanne, Oberlt. der Res. des Leibgarde-Jnf.-Regts. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, kommandiert zur Dienstleistung beim 2. Bad. Drag.-Regt. Nr. 21, als Oberlt. im letztgenannten Regiment angestellt. — Freise, Major und Abteil.-Kommandeur im 2. Großh. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 61, zum Oberstlt. befördert. — Lt. Donner im 2. Großh. Hess. Feldartillerre-Regt. Nr. 61 zum Oberlt. befördert. Lt. Bichmann im Jnf.-Leib-Regunent Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117 der Abschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt. — Oberstabsarzt Dr. Schneider beim Militär-Reitinstitut als Regimentsarzt zum Garde-Drag.-Rcgt. (1. Großh. Hess.) Nr. 23 versetzt. — Oberstabs- und Regimentsarzt Dr. Wilberg des Gardc- Drag.-Regts. (1. Großh. Hess.) Nr. 23, der Abschied mit der gesetzt. Pension und der Erlaubnis zum Tragen seiner bisherigen Uniform bewilligt. * * Ruhestandsversetzung. S. K. H. der G roß- herzog haben den Hofgartenaufseher Gg. Lott zu Friedberg aus sein Nachsuchen unter Bezeugung der Zufriedenheit für langjährige treue Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß die Silberne Medaille des Ludewigs-Ordens verliehen. * * Stiftung für den Gleibergverein. Ein unbekannter Wohltäter hat auch in diesem Jahre dem Gleibergverein, wie schon früher, eine Gabe von 300 M. gespendet und damit die Bestrebungen des Vereins wirksam gefördert. Da die Sicherung der Ruine alljährlich größere Aufwendungen erfordert, kommt eine solche außerordentliche Beihilfe dem Verein natürlicherweise außerordentlich zustatten. * * Sängerkranz Gießen. Eine Fülle auserlesenster musikalischer Genüsse hat der Gießener Sängerkranz seinen Zuhörern am gestrigen Sonntage im Steins Garten bereitet. Schon das.feinsinnig zusammengestellte Programm zeigte, wie ernst der Sängerkranz seine künstlerische Aufgabe auffaßt, und wie er in seinen Konzerten immer nur vom Schönen das Schönste und Wertvollste geben will. Diesem hohen, edlen Streben entsprach auch geftem wieder das Ausführen. Beethovens Trio in Es-dur wurde von den Herren Kasten (Klavier), Schüttler (Violine) und Herrmann (Cello) in glanzvoller Werfe wiedergegeben. Die Musie Beethovens in diesem Trio verrät schon mancherlei überraschende Neuerungen gegen über seinen berühmten Vorgängern und allein schon' als Dokument des Werdens dieses großen deutschen Meisters wird es uns stets wertvoll bleiben; aber dieses Trio enthält auch an sich schon so viel des Musikalisch-Schönen, daß man es irrt Konzertsaale immer gern hören wird, zumal, wenn es so brillant ausgeführt, wie es gestern der Fall war. Auch die zweite Nummer des Programms brachte eine Komposition von Beethoven, nämlich die „Hymne an die Nacht", die vom Männerchore unter Leitung des Herrn Albert K a st e n mit großer Exaktheit vorgetragen wurde. Vielen Beifall fanden auch die übrigen Lieder des Männerchors, darunter Hugo Jünasts „Tik e tik e tok-; und Zöllners „Wanderschaft." Von den dreistimmigen Frauenchören gefiel namentlich ein reizendes Lied von Max Mener-Olbersleben „Rose und Nachtigall", mit Klavierbegleitung und Violinsolo. Außerordentlich schön kam ferner eine Komposition für gemischten Ehor mit Klavierbegleitung von dem kürzlich' verstorbenen Pache ur Geltung; es war das Lied: „Horch, wie schön die Geigen klingeir." Unter den Solodarbietungen des Abends gefiel vor allem das „Kol Nidrei* für Cello von Max Bruch, das Herr Herrmann meisterhaft spielte. Herr Hahn bewährte sich in seinem Solospiel am Klavier wieder einmal als ausgezeichneter Interpret Chopins. ** „Okuli, da kommen siel" Bei herrlichem Wetter und 10 Grad Wärme hat der Frühling seinen Einzug gehalten. Nun werden auch die lieblichen Kinder Floras ihr buntes Kleid bald anprobieren und die lange entbehrten Zugvögel chre Rückreise antreten. Einzelne von ihnen werden schon seit acht Tagen in den Wäldern der Umgegend mit Sehnsucht erwartet. Es sind dies _ die Schnepfen. Sie haben den rauhen Winter in Afrika verbracht und eilen nun wieder zur nordischen Heimat. In der Abenddämmerung „streichen" sie über die noch kahlen Baumwipfel, um im jungen Laubholze „einzufallen" und mit ihrem langen Schnabel nach Würmern und anderen Weichtieren zu graben. Dort findet gar manche ihren Tod durch die Flinte des Jägers und wandert über die Zunge des Feinschmeckers. Bis jetzt waren die Resultate auf dem Anstande sehr gering; ganz selten fiel ein Schuß und die wackeren Jäger brachten bei der naßkalten Witterung meistens statt Schnepfen Schnupfen mit nach Hause. Wir wünschen ihnen deshalb „nach Okuli" eine desto reichere Jagdbeute. ” Aus dem Burea u des Stadttheaters. Es sei nochmals auf das am Freitag, 27. d. M., stattfindeiide Benefiz unseres allbeliebten Charakterkomikers und Regisseurs Herrn Bruno Reimer-Schlegel hingewiesen, der Treptow's Gesangsposse „Flotte Weiber" für seinen Ehrenabend gewählt hat. Der Benefizic.u, der nun im dritten Jahre unserer Bühne angehöit, hat sicher jedem Theaterbesucher schon angenehme und heitere Stunden bereitet, und so dürfte auch die Schaar derer, die ihm am nächsten Freitag ihren Dank abslatten wollen, sehr groß werden. — Zahlreiche Ansuchen liefen bei der Direktion um eine Wiederholung von Ibsens „Wildente" bei kleinen Preisen em. Diesen Wünschen zu entsprechen, ist das Werk für nächsten Mittwoch noch einmal angesetzt worden. Die Rolle der Hedwig wird von Frl. Maifarth gegeben werden. ** Fach-Ausstellung für das Gastwivte-Ge- werbe und verwandte Berufszweige. In den Ausstellungsräumen herrscht bereits ein emsiges Leben und Treiben. Die beiden Anbauten sind vollendet und zeigen, in Verbindung mit dem großen Saale der Turnhalle, daß der allgemeine Eindruck der Ausstellung imposant fein wird. Zahlreiche Frachtwagen rollen das Ausstellungsgut von der Bahn an und die Spediteure verteilen es aus die jedem Aussteller zugewicsenen Plätze. Tie Arbeitsleistung der Spediteure ist sehr groß, was daraus hervorgeht, daß z. B. die „Maggi-Gesellschaft" allein 2 Waggon Güter hierher gesandt hat, das gleiche kann von einer Musckinstrumenten-Fabrik gesagt werden, deren Ausstellungsobjekte einen Wert von 30000 Mk. repräsentieren. Das größte Interesse wird natürlich der vereinigten Gruppe „Kochkunst und Konditorei" zu Teil werden, deren Beschickung nicht nur für hiesige Verhältnisse überraschend reichhaltig genannt werden kann, beteiligen sich doch, bis auf wenige Ausnahmen, alle hiesigen und eine Anzahl auswärtiger großer Geschäfte an ihr. Hoffentlich hält das gute Wetter an, sodaß wir in der Ausstellungswoche „Gießen im Zeichen des Verkehrs" sehen können. ** EisenbahWahrt zum Deutschen Turnfest. Bei der großen Anzahl der zum Deutschen Turnfest nach Frankfurt reisenden Turner läßt sich eine geregelte Beförderung nur durch Einrichtung von Sonderzügen erreichen. Der Verkehrsausschuß des Turnfestes ist daher mit den Vertretern der Turnkreise in Unterhandlung getreten, uni die nötigen Unterlagen hierfür zu erhalten. Sobald das Material vollständig ist, wird sich der Verkehrsausschuß mit den verschiedenen Eisenbahnverwaltuugen in Verbindung setzen, und zwar zunächst mit der Eisenbahndirektion Frankfurt, da die Bildung der Sonderzugfahrpläne wegen der besonderen Bahnhofsverhältnisse in Frankfurt nach rückwärts, d. h. von der Ankunftstation aus vorgenommen werden muß. Die Sonderzüge werden zur Entlastung des Hauptbahnhofs zum Teil nach den Außenbahn Höfen (Ostbahnfof, Sachsenhausen, Bockenheim) geleitet, auf denen besondere Empfangsräume hergerichtet werden, in denen Festkarten, Abzeichen und dergleichen zu erhalten sind. Der Verkehrsausschuß wird jedoch zu erreichen suchen, daß der größere Teil der Turnerzüge im Hauptbahnhof einfahren wird. Bei der Verteilung der Züge auf die einzelnen Bahnhöfe wird auf die Lage der Quartiere Rücksicht genommen werden. Auf dem Festplatz wird eine Eisenbahn-Auskimftsstelle mit Fahrkartenausgabe und ein Post- und Telegraphenamt eingerichtet. * * Der land w. Verein für dieProvinzO b erliessen wird am Donnerstag, 2. April, nachmittags 3 Uhr, eine Aus s chußsitz ung im Hotel „Prinz Karl" in Gießen abhalten. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Vorlage der 3Rechnung 1. Teil für 1906,07. 2. Rückzahlung der Ueberschüsse von der landwirtschaftlichen Landes- und Jubiläumsausstellung zu Mainz 1906. 3. Rückerstattung der Kosten an den Oberhessischen Obstbauverein, die diesem durch die Mainzer Ausstellung erwachsen waren. 4. Die Neuorganisation des landwirtschaftlichen Provinzialvereins und der ihm angeschlossenen Bezirksvereine. 5. Geschäftliches. An die Ausschußsitzung soll sich im „Prinzen Karl" eine Abschiedsfeier anschlietzen für OekonomieratLeithiger, den bisherigen Sekretär des Provinzialausschusses. Bekanntlich übernimmt Oekonomierat Leithiger vom 1. April ab den Posten des Generalsekretärs an der Landwirtschaftskammer mit dem Wohnsitz in Darmstadt. Mitglieder des landwirtschaftlichen Provinzialvereins, welche dem Ausschuß nicht angehören, an der Abschiedsfeier aber teilnehmen wollen, werden gebeten, ihre Teilnahme dem Hotel Prinz Karl in Gießen bis zum 31. März spätestens bekannt zu geben. Das Essen findet gegen 5 Uhr am 2. April statt. * * Ter Tierschutzverein für das Großherzogtum Hessen hält seine Jahresversammlung am 8. April in Alzey ab. * * Unfall. Gestern abend lief einem die Kaiser-Allee berunte: ahremeu Motorfahrer em kleiner Hund in das Rad. Der Radfahrer stürzte und erlitt ziemlich erhebliche Verletzungen. Das Hündchen blieb seltsamerweise unversehrt. * * Hofrat Rothschild verhaftet! Aus Zürich, 23. März, empfingen wir folgende Tralsimeldnng: Ter von Gießen aus steckbrieflich verfolgte Vankerottenr Hofrat Ludwig Rothschild aus Büdingen wurde gestern hier verhaftet. Er hielt sich hier unter dem Namen eines Rechtsanwalts Kulenkamp ans Hamburg auf und logierte im Hotel National. Von ärztlicher Seite wurde sofort der Transport des hochgradig lungenkranken Mannes nach dem Kantons-Spital augeordnet. Die bei Rothschild vorgefundenen Geldmittel reichten gerade noch zur Begleichung der Hotelrechnung aus. (Auch bei der hiesigen Staatsanwaltschaft ging heute vormittag die Nachricht von der Verhaftung Rothschilds ein. Red.) An Rothschilds Verhaftung hat sich naistentlich der Bureauvorsteher der Rechtsanwälte Katz und Kaufmann, Herr Beck, verdient gemacht. Herr Beek hörte durch Zufall von einem Butzbacher Herrn, daß er R. in Zürich gesehen habe und erstattete sofort der hiesigen Staatsanwaltschaft Meldung, deren alsbald eingeleitete Recherchen denn auch zur Ermittelung und Verhaftung von N. führten. * * Besitzwechsel. Rentner Christian Kuhn kaufte das Anwesen doh Frau C. Caspar Ww., Kaiser-Allee 18, zum Preise von 20000 Mk. * * Von d e n I ü n g l i n g s o e r e i n e n i n H e s s e n. Der Verband der hessischen Jünglmgsvercine wurde neuerdings in einen „Hessischen I ü n g t i n g s b u n d" umgewandelt, d. h. er ist jetzt in den Nalionalbmid der deutschen Jünglingsvereine ausgenommen, der selbst wiederum ein Glied des über alle Erdteile sich erstreckenden Weltbundes ist. Es wird allerwarts jetzt anerkannt, daß die konfirmierte beranwachsende Jugend erzieherischer Einwirkung, verständiger Pflege ihrer Bedürimsse für Geist und Gemüt bedarf, und daß gerade auch m der Form der Jünglingsvereine der Weg zur Erfüllung jener Ausgabe gewiesen ist. Der Zusammenschluß der bestehenden Vereine soll zur Förderung dieser Arbeit dienen. Das erhosft der Hessische Jünglingsbund auch voii seinem I a h r e s s e st, das in N i c r st e i n am 17. Mai slatt» finden soll. Ter Festgotlesdienst wird um 10 Uhr beginnen; die Hauptversammlung findet nachmittags nach der Verlretersitznng statt. Tie dem Bund aiigeschlossenen Posaunenchöre werden Mitwirken. — Ter Ermunterung und Vertiefung in die Aufgaben der Vereinsarbeit sollte auch ein Instruktiv nsknrsus dienen, der am 25. Februar in Tarmsladt abgehalten wurde. Die Einleitung hatte Geheimerat I). Walz übernommen, der klar und eindringlich von den „Grenzlinien und Richtlinien" im Jünglings- verem sprach. Der Präses, Pfarrer Alliller-Offenbach, behaiidelte sodann die Frage, rote die Geselligkeit im Verein zu pflegen ist. An die interessanten Ausführungen schloß sich eine Auseinander-» setziing, der im wesentlichen zugestimmt wurde. Am Nachmittag referierte Bundessekretär Tornernann-Mamz über die Soldatenmission der Jünglingsvereine. Die Ausführungen des Referenten zeigteii, daß auch vom Hessischen Bunde tn dieser Sache Schritts getan werden müssen. X Großen-Linden, 22. März. Ein schwerer Unglücks fall trug sich im Walde beim Holzfällen zu. Der Maurer Robert Unger wurde von einem fallenden Baume getroffen. Er erlitt schwere Verletzungen am Kopfe und mehrere Arm- und Beinbrüche, so daß er bewußtlos liegen blieb. Er wurde sofort in die Gießener Klinik verbracht. Unger ist Vater votr 5 unversorgten Kindern. + Lich, 22. März. Für unsere landwirtschaftliche Winterschule war das abgelaufene Schuljahr von besonderer Bedeutung. Konnte sie doch am 6. November mit der Eröffnung des Wintersemesters ihr neues Heim beziehen, das ihr die Stadt Lich in opferwilliger Weise bereitet hat. 34 Schüler hatten sich eingefundcn, von denen 14 die obere und 20 die untere Klasse besuchen. Von den Schülern köttnen 6 täglich nach Hause gehen, 14 fahren täglich mit der Bahn, 2 find von Lich und 12 auswärtige wohnen in Lich. Aus dem Kreis Gießen sind 30, aus Schotten und Wetzlar je ein und aus Dieburg 2 Schüler. Im laufendeir Semester fanden bis jetzt 6 Exkursionen und ' Besichtigungen stakt. An der Anstalt unterrichten einschließlich ihres Vorstehers Oekonomierat Weitzel 10 Lehrkräfte. O Beuern, 22. März. Die vor acht Tagen vorgenommene Bürgermeisterwahl hatte zu keinem Ergebnis geführt, da 5 Kandidaten aufgestellt waren und keiner die Mehrheit erhielt. Gestern war Stichwahl zwischen Landwirt Walter und Arbeiter Ranft. Landwirt Walter wurde mit 146 Stimmen gewählt, während Ranft nur 61 Stimmen erhielt. — Plötzlich am Hirnschlag gestorben ist Der Kriegsteilnehmer Johannes Feußer; er hat die Feldzüge 1870/71 und 1866 mitgemacht. Zahlreiche Veteranen aus der Umgegend und der hiesige Kriegerverein gaben ihm das letzte Geleite. + Grünberg, 22. März. Die Pläne der Bahnstrecke Grünberg—Lich haben für die Teilstrecke Grünberg Queckborn eine Aenderung erfahren. Die Pläne liegen gegenwärtig hier zur Einsicht offen. Dienstag findet im Rathaus die landespolizeiliche Prüfung der Pläne durch Vertreter des Kreisamts Gießen statt. Die Arbeiten sollen dann alsbald in Angriff genommen werden. — Das Bezirks tri ege rfe st für den Hassiabezirk Grünberg findet am 5. und 6. Juli in Lehn heim statt; der dortige Verein feiert zugleich sein Fahnenweihfest. — In einem Steinbruch bei Odenhausen erlitt der Arbeiter Peter Müller aus Geilshausen dadurch schwere Verletzungen, baß sich große Erd- und Steinmaffen lösten und chn nahezu verschütteten. /X Bersrod, 23. März. In unserem Dorfe fand gestern eine Veranstaltung bei Gastwirt Becker statt, die un Sinne der Bestrebungen der Volksbildung gehalten war. Die Veranstaltung vereinigte einen großen Teil der Gemeinde, die Schulklasse, den Kriegerverein und den Gesangverein, so daß der Saal dicht gefüllt war. Durch den Männerchor: „Wo ein 2lltar steht" wurde die Feier eröffnet, worauf Lehrer Wolf eine Begrüßungsansprache hielt. Im 'Mittelpunkt der Feier stand ein Vortrag über „Unsere Kolonie Südwestafrika und die Kämpfe unserer wackeren Soldaten". Der Redner ging unter allgemeiner Spannung auf den Beginn und die Bedeutung der deutschen Kolonialpolitik ein, hob die Entwickelungsfähigkclt Südwestafrikas und dessen Bodenschätze hervor und widmete den tapferen Soldaten warme Worte der Anerkennung. Er ivies darauf hm, daß Deutschland die Pflicht habe, seine Kolonien zu schützen und zu verteidigen, wenn es seine Weltmachtslellung bewahren wolle. Sehr schön nahmen sich die hübjch vorgetragenen patriotischen Gedichte der Schulkinder aus, z. B. „Em Volk, ein Herz, ein Vaterland", „Die Trompete von Vionville", „Tie Rosse von Gravelotte", „Tie Hessen am Waldrand von la Eiisse", „Sedan" u. a. Lebhaften Beifall fanden die vorn Gesangverein vorgetragenen Chöre und Volkslieder 38t E'«ch let .Mnann, Bufaü S Mhen «“«WltfW ■J denn auch ?uhn kaufte Her-Allee 18, Weisen. Ter «euerdings jn ewcindeli, d. h. lu,!llill95üereine über alle 6rb- juetroans ie5t Nenb erziehe. ''»'Ile für ISeiii °rm der Jung. ° gewiesen ifi iuc Ärderung lungsbunb auch 11 Mai flau, beginnen; die Derirelersitznng re werden mit* e Auigaben der lrsus dienen, ude. Die Ein. ;r klar und ein. im Jünglings, ach, behandeln 'zu pflegen i|L e Auseinander» Ain Nachmittag die Soldaten. des Reiereinen ' Sache Schrill« in schwerer Holzfällen zu. ncm fallenden igen am Kopse er bewuW icr Klinik ver- n Kindcm. bwirtschafüiche )r von befon- Nooember mit ues Heim de- nlliger Weise efunden, von isfe besuchen Hause yhei; lou Lich uni Kreis Gicfii ein und eis ter sanden W latt. An du lchersOekM t Tagen öorgt* n Ergebnis gt* und keiner M ischen Landim ter ivurde i'3 r 61 6iin""!0 ist ver W ldzüge 1870' aus dec Uj i ihm das W t.n a!1, i«"’. » lt 8 ,it 5* ** *< N “goii* wcaULL u"5 llung gfnt3 *• VO» ane der W rede Grunds c Pläne W Jlrbeitcn I* ‘ Ä ih" * unb die GesangSvorträgc des Schülerchors, darunter das t schöne Lied „Auf, mein Deutschland, schirm dein Hau?." i Die ganze Feier nahm einen schönen Verlauf und wird den ! Bewohnern unseres Dorfes noch lange in Erinnerung bleiben. 1 x Friedberg, 22. März. Nächsten Mittwoch findet i am Predigerseminar die Entlassung der Pfarramtskandidaten statt. An der Realschule fand gestern die s Entlassung der Abiturienten statt, sämtliche 17 bestanden ; die Prüfung. Bezüglich der Gewerbe-Akademie t schwirren gegenwärtig wieder allerlei Gerüchte durch die l Stadt. Jn maßgebenden Kreisen wird betont, daß von । einem Eingehen der Anstalt keine Rede sein kann. Eine l definitive Entscheidung darüber, in welcher Form sie weiter < geführt werden soll, wird in aller Kürze erfolgen, ebenso ' die Entscheidung über einen Neubau. □ Bleichenbach, 22. März. Vor einer sehr zahl- : reichen Versammlung hielt heute Lehrer Stirik-Altenstadt im Kriegeroerein einen Vortrag über den böhmischen Feld zu g im Jahre 1866. Der geschätzte Redner verstand . es, den Feldzug in seinen Ursachen und Verlauf, unterstützt von Spezialkarten, recht anschaulich vorzuführcn. Die Vorträge erfreuen sich schon seit Jahren einer äußerst regen Teilnahme. — Im Juni findet in Ortenberg der Delegiertentag derKriegerkameradschaft -Hassia« statt, wozu eben die umfassendsten Vorkehrungen getroffen werden. Das Fest ist auf eine Dauer von 2 Tagen berechnet. — Aus dem Vogelsberg, 22. März. Daß auch die Orte des Vogelsbergs dem Fortschritt huldigen, sieht man wieder an dem Torfe Allmenrod. Es hat . vor einigen Jahren ein stattliches neues Schulhaus erbaut und ist zur Zeit mit der Herstellung der Feldbereinigung beschäftigt. Dieser Tage fand nun Gemeinde- ratssitzung statt, an der auch Kreisrat v. Bechthold-Lauter- bach und Kulturinspektor Kurz-Lauterbach teilnahmen. Auf der Tagesordnung stand die Erbauung einer Wasserleitung. Die Kulturinspektion wurde beauftragt, ein Projekt aufzustellen und Qucllschürfungen vorzunehmen. K.L. Darmstadt, 22. März. Das Dekorierungsfest des Odenwaldklubs vollzog sich gestern abend im Saalbau in althergebrachter Weise. Der große Saal war vollständig in prächtiges Tannengrün und Laubgewinde eingehüllt. Als Ehrengäste wohnten Minister Dr. Braun, Ministerialral Süffert, Geh. Kabinettsrat Röm Held, Bürgermeister Dr. Glässing, Kreisrat Hahn und mehrere Generäle, sowie zahlreiche Vertreter der befreundeten Sektionen bei. Nachdem der Vorsitzende, NechnungSral Daub, der Festversammlung ein Willkommen zugerufen und in längerer Rede auf die Wichtigkeit der Wanderungen durch den Odenwald hingewicsen, begann der Neigen der Unterhaltungen, darunter ein Verslusispiel von Köscr: „Ein Ständchen im Odenwald", das Herr Hofschauspieler Hacker vortrefflich einstudiert hatte. Später vollzog der Leiter des Festes, Professor Kissinger, den Akt der Dekorierung, bei dem 13 zum erstenmal, 9 zum zweitenmal, 3 zum drittenmal, 2 zum viertenmal, 3 zum fünftem und sechstenmal, 1 zum siebtenmal, 2 zum achtenmal und 1 zum elftenmal dekoriert wurden. Später begrüßte noch Dr. Glässing namens des Gesamtvereins die Klubsektionen, Kreisrat v. Hahn-Heppenheim lud zur Aufführung des Festspiels: „Das Müllerliesl von Michelstadt", das am 5. April in Bensheim erfolgt, ein und General v. Grolmaun trank als Rodensteiner auf die Zukunft des Odenwaldklubs und auf seinen früheren hochverdienten Leiter, Minister Braun, der dann in einer äußerst launigen und humorvollen Nede die innigen Beziehungen zwischen den Rodenstcinern und den Odenwäldern näher beleuchtete; er schloß mit einem kräftigen „Frisch auf!" auf den Odenwaldklub und die engere Heimat. R. B. Darmstadt, 22. März. Im städtischen Saal bau fand heute der Frühjahrsgautag des Gaues 9 D. R.-B. statt. Um 11 Uhr wurde die Delegiertenversammlung durch den 1. Gauvorsitzenden August Stifft- Frankfurt a. M. eröffnet. Anwesend sind 17 Gauvorstandsmitglieder und 55 Delegierte. Der aufgestellte Voranschlag für 1908 liegt im Druck vor und wird genehmigt. Danach zählt der Gau z. Zt. 56 Vereine mit 1330 Mitglieder und 820 Einzelfahrcr. Der Vertreter für Rechtsschutz im Gau, Dr. Haberling-Mainz, berichtet über interessante Fälle, besonders in der Unfall- und Haftpflichtversicherung. Bei dem Deutschen Turnfest in Frankfurt wird der Deutsche Radfahrerbund durch eine Feslwagengruppe vertreten sein, die dazu erforderlichen Mittel morden genehmigt. Die Wahl der Delegierten zum Bundestage in Bremen ergibt ass Delegierte: Stifft und Bosch e r - Frankfurt, Dr. Haberling-Mainz, Ullrich, Samcs und Schmitt-Darmstadt; als Ersatz: Braun-Lasphe, Hahn-Siegen, Biersack und Mauth ke-Frankfurt, T ätzn er-Offenbach, Bauste- Bornheim. sDer frühere langjährige 1. Gauvorsitzende Franz Jos. Schneider-Frankfurt wird zum Ehrenmitglied ernannt und ihm eine silberne Plakette überreicht. Als Ort für den Herbstgautag wird Frankfurt ernannt. Mit dreifachem All Heil wurde V/z Uhr der Gautag geschlossen. * Frankfurt a. M., 22. März. Das Kronprinzen- pcrar, das gestern vormittag hier eingetrosien war und im Frankfurter Hof Wohnung genommen hatte, besuchte heute vormittag das Weinbergsche Gestüt und wohnte gestern und heute dem Preis-Reiten und -Springen iin Hippodrom bei. Auch der Großherzog von Hessen und das Prinzenpaar Friedrich Karl von Hessen besuchten die inter- effante sportliche Veranstaltung. Die Rückreise des Kronprinzenpaares nach Berlin erfolgte am Abend um ll1/* Uhr. Frankfurt a. M., 22. März. Friedrich Karl Prinz von Hessen, Oberstleutnant im 1. Kurhessischen Infanterie-Regiment Nr. 81, ist zum Oberst und Kommandeur des Regiments ernannt worden. Dec seitherige Kommandeur, Oberst v. Wartenberg, ist mit der Führung der 33. Infanterie-Brigade in Altona beauftragt. Major v. Nauchhaupt, seither im Regiment Nr. 95, wurde zum Oberstleutnant im 81. Regiment ernannt. Oberleutnant (Sarraciola im 81. Regiment wurde unter Beförderung zum Hauptmann in den großen Generalstab versetzt. — Heute früh 11 Uhr übergab der älteste Stabsoffizier des Regiments 81, Major Seydel, baS Regiment, das zu diesem Behufe Paradeaufstellung auf dem Kasernenhofe der Infanterie-Kaserne genommen hatte, dem neuernannten Obersten. — Der Kgl. Musikdirektor, Kapellmeister Kalkbrenner, der seit 1884 die Regiments- Kapelle des 81. Infanterie-Regiments dirigiert, ist heute früh nach langer Krankheit gestorben. X Hanau, 22. März. Jn Mensengesäß ereignete sich ein tödlich verlaufener Unfall. Die Witwe Agathe tofmann begab sich in die Pfarrkirche und ließ ihre beiden inder im Älter von 4—6 Jahren allein zu Hause. Die beiden Kinder spielten und liefen in der Stube auf und ab, wobei das jüngste Kind mit dem Kopfe gegen die Ofentüre siel und sich derart schwer verletzte, daß der Tod alsbald eintrat. Die aus der Kirche zurückkehrende Mutter fand ihr Kind nur als Leiche vor. — Kinzenbach, 22. März. Der Kriegerverein Kinzenbach, gegründet am 100jährigen Geburtstage Kaiser Wilhelms I., 22. März 1897, war bis jetzt noch nicht im Besitze einer Fahne. Da ihm der General-Appell des Kreis- Kriegerverbandes nicht zuerkannt wurde, wird er sein Fahnenweihfest im engeren Kreise feiern. In der heutigen Generalversammlung wurden der zweite nnd dritte Pfingsttag als Festtage bestimmt. Trotz der vielen Festlichkeiten, welche für diesen Sommer in hiesiger Gegend angekündet sind, hofft der Verein auf eine zahlreiche Beteiligung. Die Fahne liefert die Fahnenfabrik zu Bonn. VerinitzÄMo« * Hochzeitsglocken am portugiesischen Königs- h o s. Obwohl das Trauergeläut um Dorn Carlos noch kaum verstummt, heischt doch das Interesse der Dynastie Braganza, das; König Manuel schon jetzt an Hochzeitsglocken denkt. Der Lissaboner Hof bemüht sich, eine Gattin für den jungen Souverän zu finden, und die Presse glaubt mit ihrem Rat nicht knausern zu dürfen. Eine französische Prinzessin, wie es Königin Amelie ist, soll die künftige erste Frau Portugals nicht wieder sein. Im Volk lebt eben noch die Erinnerung an Junot und die Franzosenzeit. Eine deutsche Fürstentochter würde gleichfalls von den Portugiesen nicht gerade mit Jubel begrüßt werden. An eine spanische ist nicht zu denken. Portugal würde dann in der Furcht leben, ein Vasallenstaat des Nachbarlandes zu werden. Bleibt nach Ansicht einer mit England in intimen Beziehungen lebenden Nation nur die Möglichkeit, unter britischen Prinzessinnen Umschau zu halten. Einige Blätter glauben sogar bereits versichern zu können, daß die Wahl auf Alexandra Duff, 17jährige Tochter des Herzogs von Fife aus bem niu)t souveränen Hause Duff und seiner Gemahlin Luise, die Tochter des Königs von England ist, gefallen sei. * K u n st s ch m n g g e l i m k ö n i g l i cy e n A u t o. Jn welcher Weise die Kunstbegeisterten den italienischen Behörden ein Schnippchen schlagen, die über die Ausführung des Verbotes zu wachen haben, auf Grund dessen alten Kunstwerke Italien nicht verlassen dürfen, davon weiß der Jiitrasigeant eine hübsche kleine Geschichte zu er- zähleii. Es handelt sich um drei kostbare Gemälde, einen Raffael, einen Tizian und einen Velasquez. Sie waren das Eigentum eines Herrn, der mit dem italienischen Königshause in nahen Beziehungen steht, der aber ans zwillgenden Gründen^ seine Bilder verkaufen wollte. Ein Pariser Kunsthändler interessierte sich für die Kunstwerke, lind nun war die Frage zu losen, wie man die Bilder aus Italien heransschniiiggeln fönne. Lange wußte der Besitzer keinen Ausweg; als er aber eines Tages erfuhr, daß die Königin Margherita eine Automoblllahrt nach Frankreich unternehmen würde, kam ihm die Erleuchtung. Die drei Bilder rourbert sorg- iam zusammengerollt und heimlich in dem Automobil der Königin verstaut, nachdem selbstverstäiidlich die Dienerschaft mit einigen qolbenen Argumenten von der Zweckmäßigkeit dieses Verfahrens überzeugt ivorden war. Als das königliche Automobil die Grenze passierte, verzichteten die Zollbeamten selbstverständlich daraus, das Gefährt der Königm-Wuwe zu revidieren, und, einmal in Frankreich, war es die einfachste Sache der Welt, die Rollen nach Paris zu desördern. Dort mären sie auch eine Zeitlang bei einem Kunsthändler ausgestellt und ivurden schließlich auch für 200 000 Mk. an einen französsischen Sammler verkauft. Die Königin hat natürlich keine Ahnung davon, daß sie zur unschuldig Mitschuldigen an diesem Schmuggel geworden ist. Kleine Tagcschronik. In B e r l i n wurden von der Kriminalpolizei die Juwelendiebe verhaftet, die am 31. Januar d. Js. in Schwäbisch Gmünd Schmuckjachen im Werte von 120 000 Mk. erbeuteten. Der geistige Urheber der Tat ist ein ehemaliger Angestellter des Beraubten, der extra nach Berlin fuhr, um zu der von ihm geplanten Tat einen Einbrecher zu suchen, den er bann auch ui ber Person eines gewissen August Langfelb ianb. Durch den Schankwirt Guje unb bessen Bruder wollte ber Anstifter, besten Name Richarb Kaus- mann ist, bie Schmuckjachen verkaufen, ivurde hierbei aber verhaftet' Prinz Joachim Albrecht von Preußen, der bekanntlich wegen meiner Liebesaffäre den Abschied aus bem Heere erhielt, steht in Umerl-andlung wegen Ankaufs einer großen Be- ffhuilg südlich des Alain, wo er dauernd zu leben gebenit. Ter Prinz beabsichtigt, den Namen eines Grafen von Kamenz anzunehmen. Der aus einer hochangesehenen Münchener Familie stammende P o r t r ä t m a l r Herma n n M a y r (Pseudonym Hermann Arnim, hat sich mit Cyaukali vergiftet. Er litt seit einiger Zeit an nervösen Depressionen. Von einem aus Station Friedrichs seld (Baden) aus- sahrenden Güterzuge riß sich der Schluß los. Als ber Zugführer den Zug darauf zum Stehen brachte, rannten die noch im ■ Rollen befindlichen abgerissenen Wagen von hinten auf und wurden teilweise zertrümmert. Ein Bremser wurde schwer ver lehr. In Breslau brach in dem Hause „zu den drei Mohren" ’ Feuer aus. In dem Hause befinden sich Wohnrrngs- und Gc- ichäftsräume, in denen sich zurzeit des Brandes ungefähr öO Per- - iouen befanden. Diesen Personen war, da die Treppe lichterloh : vrannte, der Ausweg aögejchnitten. Die Feuerwehr rettete diese - Personen mit allen verfügbaren. Leitern durch die Fenster. Der Hausmeister Döring, der seine alte Mutter und seine Frau selbst ' zu retten versuchre und auf den Dachrand kletterte, blieb bart • hängen und iuuroe erst durch die Feuerwehr, die die mechanische l Leiter anlegte, berrett. Auch die beiden Frauen, bie ohnmächtig geworden waren, und von Denen eine Brandwunden erlitten, wurden von ber Feuerwehr gerettet. Der Schaven ist groß. 1 In Bruckbergerau (Bayern) drang in die Behausung des i Gütlers Wimmer ein Unbekannter ein, er mordete dessen Frau > und IVe jähriges Töchterchen und erbrach sämtliche Kasten. In Dresden wurde in einem Hotel ein Ehepaar namens Lehmann aus Bischofswerda mit seinen Kindern ütt aufgefunben. : Sie hatten Gift genommen. Ter Ehemann, ein Staatsbeamter, ! litt an Schwermut. Die Umstände fprechen dafür, daß alle un > Einverständnis gehandelt haben. In Berlin würbe auf den Kaufmann Sigmunb Bernstein ein Raub mordvers ach verübt. Ter Täter hat dem ' in seiner Wohnung am Schreibtische sitzenden Bernstein drei Kops- [ Verletzungen peigevracht unb ist dann entfoinanen, ohne etwas zu . hinterlassen. Für bie Ermittelung des Täters hat das Polizeipräsidium eine Belohnung von 1000 Mk. ausgesetzt. - Am 22.März stürzte ein 19 jähriger j. Mann aus Reutlingen , der sich mit einem Freunde am O lg afelsen (Schwaben) im , Klettern übte, infolge Losgehens eines Steines in die Tiefe und blieb mit zerschmettertem odiäM liegen. ' Gerüchte melden die Verh a f t u n g des berüchtigten Staub 1 mord ers Sternickels, der seit langem in der Provinz . Sachsen unb in ber Altmark verfolgt wurde, in Glinde bei Barby. t In Tüllen im Rheinland mißhandelte ein 9jähriger ; Schulknabe ein 4jähriges Mädchen in bestialischer Weise und knüpfte sie dann an einem Baume auf. Das ' Verbrecheii wurde noch rechtzeitig entdeckt und das schwerverletzte f Kind m ärztliche Pflege gegeben. Ter Missetäter enttarn. In Altona wurde die S ch r i f t st e l l e r i n Kate Kampe' aus Berlin, die sich in selbstmörderischer Absicht schwer vergiftet hatte, aufgefunden. In Wien wusch sich eine. 19jährige Oberleutiiantsgattut ihre Haare mit Petrolenm und kam in bie ’Diäiye einer brennenden Kerze. Tie Haare fingen Feuer. Auf das Geschrei der Frau warf der herbeieilende Bursstfe eine Steppdecke über die Frau. Tiefe war aber schon so schwer verletzt, daß sie kauml mit dem Leben davonkommen dürste. In Rozsahhegy iUngarn) spielte sich im' Verlandlungs^ saale dcs Gerichtshoses eine peinliche Szene ab. Ter Gerichtshof hatte einen Prozeß des Bäckermeisters Brüll verhandelt. Als der Gerichtshof sich zur Urteilsfällung zurückzog, erhob sich Dr. Hiller, ber Advokat der Gegenpartei, von seinem Platze und versetzte dem Brüll zwei Ohrfeigen. Der Bäckermeister hat den Advokaten zum Zweikampf ford:rn lassen. Der Herzog der Abruzzen will jetzt wieder nach Italien zurückkehren. Er hat aber seiner ainerik. Brant verjprochen, iin Alai zurückznkehren. Tie Hochzeit soll im Herbst slattsinden. Die Be- hanplungen amerif. Blätter, daß der Herzog 10 Millionen Dollars gefordert habe, sind unwahr. Er verfügt übrigens über 300 000 Lire Revenun. «KerscL-ts-asL. x Hanau, 21. März. Vor dem Kriegsgericht der 21. Division hatte sich heule ber U n l e rz a h l m e i st e r Zörb vom 1. Bataillon bes Jnsanterie-Regnnenl 91 r. 166 wegen Unterschlag ung eines Betrages von 100 Mart zu veranuvorten. Das Urteil lautete auf 4 Ai 0 n a t e (Stang u i 5 , auperbem würbe auf Segrabation erkannt. Ter Verurteilte biente un 18. Jahre. Solingen, 22. Alärz. Tas Schöffengericht verhanbelte gestern gegen22 W a h l r e ch l s b e m 0 n st r a n t en vom 12.Januar. 19 Angeklagte erhielten 9—21 Mk. Gelbstrafe, einige Gefängnisstrafe von einer bis zwei Wochen, drei würben freige)prochen. Monastir, 21. März. Der bulgarische Banben- f ü f) ter Alhanassosf, ber wegen ber Zerstörung griechischer Dörfer in Anklagezuslanb verjetzt worben war, würbe 511m Tobe verurteilt. ArdeiSerbewegttng. A Marburg, 22. März. Zwischen ber Schneiberinnung unb beu Gehilfen würbe gestern vor bem Gewerbegericht als Einigungsamt ein auf 2 Jahre festgesetzter Tarifvertrag ab- ges chlossen. _____________________________________________________ Lings-ansr. Für Form und Inhalt aller uiucr dieser Rubrik stehenden Artikel dbetiur.-mi die Rebarticm bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung-) Prof. B i e r m e r unternimmt es, mir in seiner „Epistolae fonnatae" über bie Reform ber Arbeiteroersichermig Unsachlichkeit vorzuwersen, ba ich nur Jnteressenpolilik vorgelragen habe. Ich kann bie§ nicht unwibersprochen lassen, ba bie Sache sich boch wesentlich anbers verhielt. Der Vorstanb ber O. K. G. hatte bereits uuterm 28. 2. 08 beschlossen, eine öffentliche Verjammlung auf beu 22. 3. 08 einzuberufen, um Stellung zu nehmen über bie zu erroartenbe Reform bes Krankenversicherungsgesetzes. Ter Schriftführer bes Zweigvereins ber Gesellschaft für soziale Reform hatte hiervon Kenntnis erhalten unb ersnchte nun ben Vorstanb von biejer Versammlung abzujehen unb bie von ihnen arrangierte zu besuchen. Er erklärte hierbei, in biejer Versammlung könnten in ber Diskussion bie Forberungen bet Ortskrankenkasse zum Ausbrnck gebracht werben. Der Vorstanb ging hierauf ein unb ich würbe beauftragt,- bie Forberungen ber Ortskrankenkasse zu formulieren, bezw. zu erörtern. Ties habe ich getan unb überlasse nun jebem richtig Denkenben bas Urteil. Ich habe übrigens auch in ber Versammlung bies ausbrücklich erwähnt. Zu ben übrigen Ausführungen bes Prof. Biermer will ich mich nicht äußern, habe ich folche boch fchon vor längerer Zeit sinngemäß bei ben Arbeiten von Seltmann, Freunb, Majet, Kleeis u. a. ge- fimben. Seine anberen utifachlicheii Aussührungeii nehme ich ihm nicht übel, ba es nur ganz gleichgültig ist, wie em Professor hinter feinem grünen Tische über Ausführungen, bie nur aus ber Praxis herausgenommen sinb, benkt. H. Fourier. Spielpteit der vereinigten grantiurter Stadttheater. Opernhaus. Montag ben 23. März, nbcnbS 7 Uhr: Zum Besten ber Pensionsanstalt ber Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger: Z u m ersten 9)1 a l e : „D e r W a n b e r e r." (J1 Viandante.) Lyrisches Drama m 1 Aufzug von Enrico Bossi. Hierauf: Zum e r ft e n Male: „R übezah I." Phantastisch - pantomimisches Märchen-Ballett in 1 Auszug von Franz Köhler. Zum Schluß, neu emftubiert: „Fortunios Lieb." Dienstag ben 24. März, 7 Uhr: „Mabame Butterfly." Schauspielhaus. Dienstag den 24. März, abends 7 Uhr: „Erde." Bvsefkasten dev Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.» Herrn O. 9!., liier. Selbstverständlich sind mit ber Bemerkung „Verhalten bes Herrn R." in bem Bericht über bie Anne- röber Versammlung nicht Sie gemeint gewesen. Märkte. fc. Frankfurt a. 9)1., 23.März. (Telegr. Orig.-Bericht bes »Gieß Anz."). ülintl. Notierungen ber heutigen Viehmark tpreise. Zunr Verkäme stauben: 445 Ochsen, 82 aus Oesterreich, 47 Bullen, 5 nus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 838 Kühe, Fersen, Stiere imb Ninber, 0 aus Dänemark, 314 Kälber, 246 Schafe unb Hammel, 00 Schafe aus Cefierreidi, 00 Ziegen, 2244 Schweine. Bezahlt würbe für lOOPfunb Schlachtgewichi. Ochsen 1. Qualität 74—76 Mk., 2. Qual 70—72 Alk., 3. Qual. 60—64Mk.; Bullen l.Qual. 64 bis 66 Mk., 2. Qual. 58—60 Mk.; Kühe l.Qual. 68—70 Mk., 2.Quall 02—64 Alk., 3. Qual. 46- 48 Mk, 4. Qual. 00—00 9)IL, 5. Qual. 00—OOMk. Kälber: 1. Qual.92—94 Pfg., Lebenbgewichl54—56 Pf^ 2. Qual. 76—86 Pfg., Lebenbgewicht 45—50 Pfg., Schlachtgewicht 60—65 Pfg. Schafe: 1. Qual. 8st—82, 2. Qual. 72—74 Pfg^ 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 58—00 Pfg., Lebdaew. 00,0—00,0 Pfg., 2. Qu. 56-57,0 Pfg., Xiebeubgen). 45,5—00 Pfg., 3. Qual. 48—50 Pfg. Lebenbgew. 00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstanb erheblich; bei Kleinvieh: Schweine gebrückt, Ueberstanb bebeutenb; bei Kälber und Schafe gut, lieber- stand gering. Bei öfter. Ochjen Uebenwnz. Gießener Wetterdienst. Boranssichtlichc Witterung für Hcffeu am Dienstag den 24. März 1908: Heiler und trocken. 9lach1s kühl, am Tage warm. Schwache östlllche Winde. ßu b e cE, 23. Alärz. Auf dem Ratzeburger See ging eine Dampffähre unter. Von den 14 Passagieren wurden nur 4 gerettet Madrid, 23. Viärz. El Mundo erklärt, von mehreren Seiten aus Lissabon erfahren zu haben, daß die Armwunde, die König Manuel bei dem Attentat am 1. Februar erhalten hat, sich verschlimmere. Tic Aerzte hätten ihm sogar zu einer Amputalion geraten, wozu sich aber der König unb die König iw- Mutter nicht bewegen, ließen. Madrid, 23. März. Am "26. März beginnt in Barcelona der Pv ozeß gegen den Polizeispitzel Rull, dem man mit Spannung entgegen)iJ)t, da Rull für den Urheber zahlreicher Anschläge gehalten wird. In Barcelona wurde ein verdächtiger Chemiker verhaftet, der au5 Kuba stammen will und bei dem zur Anfertigung von Sprengkörpern' geeignete Substanzen gefunden wurden. Gründliche Fachausbildung f. Praktiker wie Sch'.osscr.Monieuro, Mechaniker u. a. m. in Vierteljahreskmsen. Beginn 1. Januar, 1. April usw. Eiektromonteur- schySe m KöBn Prlvatfachsch. u. staatl. Aufs. Progr. kosten!. Köln «. Rh., Lütticherstr. 8. t>s*% Marmeladen etc Pfd. 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