Erstes Blatt Samstag 21. November 1908 biä »-mÄA'iouh" Rot«tions?rui und Verlag der vrühl'schen Aul».-Vuch- und Lteindruuerei R. Lange, vedattlon, Lkpedilian und vrnckerei: Schnlstratze 7. 158. Jahrgang vezagSvret J: monallich75V^ vierteljährlich Mt. 2.20; dlirch 3 Abhole- a. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; burd) die Post Mk. 2.—vlenel- jährt. ausjcht. Beilellg. Zeilenpreis: lokal 15'VU auswärts 20 Pieiung. Beran« wörtlich für den oolilischen Teil, für .Feinlleion^ unb -Peniiijchles': Ernst zlnbedon, tut «Stadt u. Vanb“ und.Gerichts- Gietzener Anzeige General-Anzeiger für Oberhessen Nr. 275 Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, ailszer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich OietzenerZamilienblälter; irotunnlivöAeutl.Kteisi latlsürdenArrirSieben (Dienstag undFreiiag); zweimal luoitntl. Landwirtschaftliche Leitsrage» Retmlprcd) - Anschlüsse: für die Redatiiou 112, Verlag u. Exvedrnon 61 Adi esse ftit Depeschen; Anzeiger Wiegen. Annahme von Anzeigen Die heutige Nummer umfaßt 18 Selten. politijdyc Lvocheuschau. Gießen, 21. November. Selbsttäuschung, wenn nicht noch lveit schlimmeres ist es, die dem deutschen Do'.ke jetzt einreden möchte, daß nach der Aussprache -Wischen dem Kaiser und denl Kanzler alles wieder in bester Ordnung sei. Eine etwas ruhigere Beurteilung, ja eine gewisse Klärung der Loge ist iehl allerdings wieder eingetreten, man weiß wenigstens, das; der Reichskanzler im Amte bleibt und daß im übrigen nicht viel mehr zu erwarten ist, als eben bloße Verspreche ungen. Das Verbleiben des Kanzlers im Amte gibt die Gc- wißhrit, daß unsere augenblickliche politische Stellung in der Welt nicht unnötigerweise noch weiter erschwert werden soll. Man dar) sich «sogar getrost der Hoffnung hingeben, daß die bitteren Erfahrungen der letzten Wochen nicht so bald vergessen sein werden und daß Fehler und Unachtsamkeiten, wie die vom Auswärtigen Amte verschuldeten nicht wieder Vorkommen. Ob wir über diese Errungenschaften hinaus noch ein besonderes Ministerverantwortlichkeitsgesetz oder sonstige feste Bürgschaften für die Stetigkeit der Reichspolitik unter Wahrung der verfassungsmäßigen Verantwortlichkeit erhalten werden, das wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen, wenn der Reichstag sich noch einmal mit diesen Fragen beschäftigt. Man wird vielleicht entgegnen: an einem Kaiserworte dürfe man nicht drehn noch deuteln. Gewiß nicht. An den besten und ehrlichsten Absichten des Kaisers zweifelt ja auch niemand, aber damit diese Absichten auch zu einer gedeihlichen Wirkung kommen, dazu bedarf es eines unerschütterlichen Vertrauensverhältnisses zwischen der Krone und dem Volke, wie wir es in den letzten Jahren leider nicht gehabt haben. Der aufrichtig monarchisch gesinnte und kaisertreue Staatsbürger muß es leider immer wieder von neuem erleben, wie weit der Kaiser und das deutsche Volk von einer innerlichen Verständigung entfernt sind und wie fremd sie sich ost gegenüberstehen. Auch in den jüngstverflossenen Tagen ist es manchem nicht leicht geworden, ein Gefühl tiefer Bitterkeit zu unterdrücken, als er hörte, daß der Kaiser sich sorglosen Bergnüguimen hinge- geben habe, während die ganze Nation, von Scham und Schmerz durchzittert, sehnsüaicig auf ein erlösendes Wort aus dem Munde des Kaisers wartete. Lange, bange Tage vergingen, und der Kaiser ließ den Kanzler ohne Antwort aus seine dringenden Meldungen über die Vorgänge im Reichstage und die Stimmung des deutschen Volkes. So etwas trägt nicht dazu bei, den Fürsten und das Volk einander näher zu bringen. Man liest es in diesen Tagen, daß man vom Kaiser doch keine demütigende Erklärung habe erwarten dürfen, das würde doch nut der Kaiserwürde und dem An sehen des deutschen Reiches schlecht überein stimmen. DaS ist vollkommen richtig, und an so etwas wie einen Kanossagang des deutschen Kaisers hat auch kein Mensch gedacht. Aber ein freundliches Wort in dieser ernsten Zeit, und alle Herzen wären dem Kaiser zugeflogen, Kaiser und Voll hätten sich eins gefühlt und alle Schwierigkeiten wären leicht beseitigt. Die Erinnerung an das Bild des Kaisers mit der Unterschrift: Nemo mc impune laeessit! erregt in solchen Stunden nicht gerade srobe Empfindungen, aber es ist doch nicht gut, das Gefühl des Gerränktseins gar zu tief Wurzel fassen zu lassen. Es gibt für den Augenblul wichtigere Aufgaben, Aufgaben, an die das ganze deutsche Volk einig herantreten muß, wenn die Lösung gelingen soll. Darum soll man sich auch nicht der Hoffnung verschliefen, daß die Zeit der Mißverftändnisse und der Verstimmunaen zwischen dem deutschen Volke und seinem Kaiser vorüber gehen möge. Wenn die zunächst durchlebten schweren Tage der ersehnten und erwünschten Verständigung die Wege geebnet haben sollten, dann wird man sick schließlich nur freuen dürfen, daß alles so gekommen ist. Ter Kaiser beklagt sich darüber, daß er vom deutschen Volke verkannt werde, die eigentliche Schuld liegt aber wohl daran, daß unverantwortliche Ratgeber fort und fort bemüht gewesen sind, künstliche Schranken aufzurichten, zwischen dem Kaiser und der Nation. Tie Lektüre der ausgeklebten Zeitungsausschnitte scheint nicht die richtige Methode gewesen zu fein, den Kaiser über die wahren Strömungen im Volke zu unterrichten. Vollste Offenheit hierüber und der gute Wille auf beiden Seiten, sich zu verstehen, wird das beste Mittel fein, alle zukünftigen Mißverständnisse im Keime zu ersticken und einen dauernden. Zu stand des gegenseitigen Vertrauens l)erbeizuführen. Ohne gegenseitiges Vertrauen und ohne guten Willen sind auch Ausgaben, wie die R e i ch s f i n a n z r e f o r m nid): zu lösen. J.n Reichstag hat jetzt die Beratung dieser schwie- rigen Frage begonnen, und wer hoffte und wünschte nicht, daß sie zu einem befriedigenden Abschluß kommen möchten. Unserem Hessenlande und feinem F ü r st e u h a u f e ist hohe Freude wiederfahren durch die Geburt des zweiten Prinzen. Mit unserem Großherzoge, dessen 40. Geburtstag wir dieser Tage feiern werden, freut fick) das ganze Land über dieses Ereignis, das mit dazu beiträgt, vergangene trübe Zeiten vergessen zu madjeit. Von den politischen Ereignissen des Auslandes verdient in erster Linie der Tod des Kaisers und der Kaiserin von China erwähnt zu werden. Man war anfänglich geneigt, diesen fast gleickizeitigen Tod des Schattentaifers und semer ener- gifchen Tante, der Kaiserin-Regentin, auf ein Verbrechen zurückzuführen. Das bewahrheitet sich aber nicht, es scheint tatsächlich ein eigenartiger Zufall gefügt zu haben, daß der Tod diese beiden fast gleichzeitig dahingerasst hat, die sich auf der Höhe des Thrones ihr Leben lang feindlich gegenüberstanden. Wie sich die Geschicke des Rie,enreicheS fortcut gestalten werden, an dessen Spitze ein zartes unmündiges Kind steht, wer mag das Voraussagen. Der neue Regent gilt inöejfen als eine sympathische und aufgeklärte Per,ön- nchkeit, die westlichen Reformen Eingang im Reiche verschaffen will. Die Ruhe im Lande ist bisher nid)t gestört worden, und man kann daher wohl annehmen, daß die Modernisierung Chinas auch fernerhin ungestört von statten gehen wird. Bei den gewaltigen Umwälzungen un.erer Toge auf geistigem, kulturellem und politischem Gebiete läßt sich eine fort» fchriltliche Entwickelung natürlich auch von China nicht dauernd sernhalten. Die Sorge unsrer Diplomaten und Staatsmänner muß es nur fein, darüber zu wachen, daß diese Entwickelung nicht Bahnen einschlägt, die eine Gefährdung der heutigen Kulturwelt bedeuten. Fast scheint es, als wenn die europäische Diplomatie im nahen Orient auf diesen wichtigen Punkt nicht genügend Wert gelegt hätte. Dian hat gar zu lange über den „kraulen Mann" am Bosporus gefp^ttett und es darüber verabsäumt, die Entwickelung der Dinge genau zu verfolgen. Nur so hat eS geschehen können, daß wir im nahen Orient urplötzlich Verwickelungen gegenüber stehen, deren Lösung von Tag zu Tage schwerer wird. Zur Zeit weiß offenbar lein Mensch io recht, was aus dem Balkan vorgeht. Verhandlungen ,ind anfzeknüpft worden, aber man hört von Rüstungen und Kriegsdrohungen, von eigenartigen Bündnissen und anderem mehr. Sieue Ueberraschungen auf dem Balkan find fast mehr als wahrscheinlich. E. A. Stimmungsbild aus dem preutz. Abgeordnetenhaus. Berlin, 20. Nov. Das Crnbevunglück auf der Zeche Radbod. Nur auf wenige Tage, und wahrscheinlich nickst über den Sonnabend hinaus, ist die zweite preußische Kammer wieder zusammengelrcten: Das furchtbare Grubenunglück aus Zeche Rad- vod hat den Präsidenten veranlaßt, früher, als mans ursprünglich für notwendig hielt, das Hohe Haus zusammen zu rufen, lind mag auch manchem Volksvertreter die Ladung zu dieser kurzen Tagung eine unwillkommene Unterbrechung des mühsamen Eindringens in die labyrinthischen Gänge des preußischen Bc- soldungsresormgesetzcs bedeutet haben, die breite Oesfcntlichkeit wird es Jordan v. Kröckcr Dank wissen, daß er für eine schleunige Erörterung der das ganze Volk beschäftigenden Frage nach den Ursachen der Hammer Katastrophe durch die preußische Volksvertretung sorgte. Und selbst wenn, wie kundige Thebaner raunen, nicht solvohl die Rücksicht auf die Beunruhigung der Oessentlichkeit als vielmehr die Rücksicht auf die angekünmgle Reichstagsdevatte über das gleiche Thema es war, was am letzten Ende den Präsidenten veranlaßte, den Vollsbotcn £;<£ Signal zum Sammeln $u geben, auch bann wird man es willkommen heißen- daß für Die dringend notwendige Erörterung vor dem Forum des Parlaments schleunigst Gelegenheit geboten wurde. Mit Befriedigung darf man seststellen, daß diefc Aussprache ihrem Zweck, Beruhigung zu schassen und die Aussicht auf vollkommenere Abwehrmaßregeln gegen sriche Katastrophen zu begründen, schon am ersten Tage gerecht geworden ist. Trotz der Versuche des sozialdemokratischen Redners, aus diesem, die ganze d.uiiche Wclt erschütternden Unglück parteipolitisches Kapital zu sckstagen, ist der Gesamteindruck der Erörterung der: In sachlicher Verhandlung werden Regierung und Volksvertretung Mittel unb Wege ausfindig machen, um unglückliche Zufälligkci.en aus dem Berg- werksoetriebe auszujchalten, soweit dies in Menschen Kräften steht. Dafür gibt die Art, wie der Handelsminister, und die Art, wie die Sprache der bürgerlichen Parteien die Frage behandelten, ausreichende Bürgschaft. Nickst daß Herr Delbrück auf die kurze, aber inhaltreiche Begründung der Zentrumsinterpellation durch den Frhrn. v. T w i d c l mit der rhetorischen Eleganz, und mit dem glänzenden Dispositionstalent geantwortet hätte, das man sonst an diesem Minister zu bewundern Gelegenheit hat. Aber man gewann die Ueberzeugung: Dieser Minister ist ehrlich bestrebt, die Mängel und Schäden, an denen der Bergwerksbetrieb krankt, gründlich zu heilen, und er wird dieses Bestreben zu verwirklichen wissen. DaZ Bekenntnis deS Ministers für die Notwendigkeit umfangreicher Resormmaßnahmen, seine Ankündigung einer dahinzielendcn Vorlage beeinflußten die Reden der Vertreter der bürgerlicken Parteien ganz unzweideutig: Die Ausführungen der Herren Krause-Waldenburg (Kons.), Eickhoff (srs. Vpt.), Schulze-Pelkum (frks.) und Dr. Friedas r g (ntl.) gipfelten samt und sonders in einem Vertrauensvotum für Herrn Delbrück. Keinem von Liebedienerei unb Schmeichlergesinnung erzeugten, sonbern einem voll verdienten. Und Herr Seiner!, der namens der Sozialdemokraten nicht nur die Regierung, sondern auch die Zechenverwaltung heftig angriff, fand für seine Darlegungen nirgends Gegenliebe als bei feinen Freunden und — Herrn Korsanty, bern Berg- werkssachverständigen der Polen, die offenbar auch dies namenlose Unglück für ihre Agitation unter den oberschlesischen Bergleuten auSzubcuten willens sind. — Morgen geht die Debalte weiter — u. a. steht auch Herr Korfanty auf der Rednerliste . . . Die Geburt des zweiten hcffenpiinzsn. Die gestern in den Mittagsstunden schnell im ganzen Land bekannt gewordene Nachricht von der glücklichen Geburt eines zweiten Sohnes unseres Großherzogspaars hat in ganz Hessen lebhaste Freude hervorgerusen, die sich vor allem in zahlreichen Glückwunschtelegrammen an die glücklichen Eltern äußerte. Hier in Gießen legten die öffentlichen Gebäude alsbald Flaggen schmuck an und in der Bürgerschaft wurde das freudige Ereignis alsbald eifrig erörtert. Don dem lebhaften Depeschemvechsel zwischen Gießen und Darmstadt fei folgendes mitgeteilt. Auf die vom Pro- vinzialauSfchuß und Provinzialtag überfandten Glückwünsche der Provinz Oberhessen erhielt Provinzialdircktor Geheime- vat Dr. Breidert gestern mittag folgendes Telegramm: „Ucbermitteln Sie bitte der Großherzogin und meinen herzlichsten Dank für die freundlichen Glückwünsche. Ernst Ludwig." Der Glückwunsch der Stadt Gießen hatte folgenden Wortlaut: An Ihre Königlichen Hoheiten den Großherzog und die Großherzogin, Darmstadt. Tie 9iad)rtd)t von uer glücklichen Geburt des ziveueu Prinzen har in der Burgerfcha'l Gießens die kenDigfie Au'nahme geuinden. Ew. Königlichen Hoheiten geflalte ich nur, namens der otaöi Gießen die bestell Glück- und Segeuswünjche ehrfurchtsvoll zu uuleibreuen. Meeum, Oberbürgermeister. Die alsbald angegangene Antwort lautet: Oberbürgermeister Mec»un, Gießen. Der Bürgerschaft Gießens dcrzlichen Tank auch von der Groß- herzogin. Ernst ü u b iu i g. Don Darmstadt wird uns noch geschrieben: Die glückliche Geburt des zweiten Prinzen in unserem Fürstenl)ause nnirbe in der Residenz mit all,eiliger Freude begrüßt. Man zählte mit Spannung die :oeithin hörbaren Salutschüsse, die von der 1. Batterie des 2ö. Artilleriekorps au, dem Exerzierplatz abgefeuert wurden und als nach den ersten 21 Schüssen nach kurzer Pause der 22. Schuß erdröhnte, stieg der Jabel, nxil nach altem Brauch die Geburt einer Prinze,,in mit 21, die eines Prinzen aber mit 101 Schüssen verbündet wird. Sofort wuroe jn allen Schulen der Stadt der Unterricht geschloffen und alle öffentlichen und zahlreiche Privatgebüude hißten die Fahnen. Bald darauf begann auch der Reigen der Gratulanten nach dem Refidenzschloß, wo der Graß Herzog die Glückwünsche Der Minister Dr. Ewald, Tr. Gnauth und Dr. Braun, des Bürgermeisters Dr. Glässing u. a. entgegennahm. Im neuen Palais wurden zahlreiche kostbare Biumenfpenden abgegeben und im Laufe des Tages trafen Glückwunschtelegramme vom Kaiser, dem Zaren paar, Prinz und Prinzessin Heinrich und den übrigen Verwandten, sowie zahlreichen anderen Fürstlichkeiten ein. Da das freudige CrcigniS erst in 4 Wochen erwartet wurde, war auch noch keine kirchliche Fürbitte erlassen worden. Dafür wurde heut sofort vam Großh. Oberkonfistorium für nächsten Sonntag in allen K.rchen des Landes ein öffentliches Dank- gebet angcordnct. Nach einem am Abend ausgegebenen Bulletin ist das Befinden der hohen Wöchnerin und des gefunden kräftigen Prinzen andauernd gut Aus Stadt und Land. Gleßcn, 21. November 1908. Totensonntag. Nur das Leben ist dem Menschen begreiflich — vor dem Tode steht er wie vor einem unergründlichen, bedeutsamen Rätsel, das er nicht tzu lösen, nicht zu fas,'en vermag. Aber das Leben ist ungestüm und weit und wild — es tollt und tobt dahin auf feinen Wegen und jagt über die Toten und über biu Gräber — ohne Aufenthalt, ohne Besinnen. Einmal nur im Jahre macht es halt vor dem Tode. Aus herbstlichen Wegen geht es gesenkten Hauptes nach den Orten, die uns heilig sind, die manches Menschen ganzes Glück umschließen. Blumen und Kränze häuft es auf die stillen Hügel, und der Wind fegt darüber hin und zerzaust die Schleifen und entblättert die Blumen — eine nach der anderen. Am Feste der Toten. Es ist einer der wenigen Ruhepunkte in unserem rastlos jagenden Leben, ein Tag stillen He denkens; herb und ernst wie nur wenig andere Tage im J.ihre. Wehmütig steigen die Bilder vergangener Tage herauf und irren mit weyen Schauern vorüber. Die Toten find bei uns zu Gaste geladen und all unser Fühlen und all unser Denken gehört ihnen an diesem Tage, der ein Tag des Friedens und der Buße ist. — Der Tag soll aber nicht nur den "Toten geweiht sein — erst recht den Lebenden, denn wie bald können sie Tote sein, und feine Reue unb feine Klage macht sie wieder lebendig. Das Fest der Toten soll uns daran erinnern, daß wir nicht nur Menschen >ind, sondern auch daran, daß wir nur Menseben sind mit Fehlern und Narben und Schäden, und daß jeder der Vergebung bedarf und der Verzeihung seiner Mitmenschen, diib wie sind wir voll Dün.el und voll Ueberhebung. Wie- vicle der armen verunglückten Bergarbeiter von Radbod haben vielleicht in Verstimmung und Groll ihr Heim verlassen, der Zukunft die Versöhnung überlassend. — Da kam der Tod. Grausig und erschütternd ist dieser Gedanke: ohne Hoffnung eingeschlossen in den brennenden Stollen, dem Too unentrinnbar gcgenübergestellt — und langsam, ganz langsam, Schritt um Schritt sterben in den Qualen der Verzweiflung. — Unb wer morgen an ben" Gräbern seiner Sieben steht, der möge auch des harten Geschickes der Bergleute von Radbod gedenken und des Elendes der armen Hinterbliebenen, die mitten aus der Freude des Sebens heraus in die fürchterliche Trauer des Todes versetzt worden. Denn der Tag der Toten ist auch ein Tag des Mitleides und des Erbarmens. —h. • ** Tageskalender. Stadttheater: Sonntag abend ?i/2 Uhr: Elga. Kolojseum: Täglich Vorstellung. Kinematograph: Programmwechsel. K a i s e r p a n o r a m a: Programmwechsel. (Reise zu den Indianern Südamerikas). Universitätsbibliothek: Ständige Ausstellung von Handschriften, alten Drucken usw. * Lü. Landesuniversität. Der ordentl. Profeffor deS Sanskrit und der vergleichenden indogermanischen Sprachwissenschaft Dr. Christian Bartholomae, derzeit Rikior der Landesunioersität, hat einen Ruf an bie Universität Straßburg erhalten. " LandwirtschastSkehrer. S. K. H. der Groß- herzog Haden Dr. Adolf Munzinger zum zweiten Land- wlrtfchaftslehrer an der landw. Winterschule zu WormS, den Tr. Vogeley zum zweiten Landwirifchaftslehrer an der landw. Wmterschule Alzey und Dr. H. 2)1 at) zum zweiten Landwirtschastslehrer an dec landw. Winterschule Michelslabt ernannt " Bahnpersonalien. S K. H. der Großherzog haben den Eifenbahnbauinspektoc und Vorstand einer iMaschineninsprition in der Hefsifch-Preußnchcn Eisenbahn- gememschafl, RegiecungZ. unb Baurat Henry Jordan zu Mainz auf fein Nachfuchen aus dem Staatsdienst entlassen. ” 21115 dem Militär-Wochenblatt. Versetzt: tk Ostrowski, Major und Adjutant der Feldzeugmeisterci, »ls Zlbteil.-Kommandeur in das Großh. Hess. Feld-Art.-Regt. 31 c. 25. — Ernannt: Frhr. v. Preus chen, Hauptm. u. Komp.-Chef im Leibgarbe-Jnf.-Regt. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, zum Adjutanten der 5. Div. — Ein Patent seines Dienstgrades verliehen: dem Hauptm. und Komp.- Chef Frhr. v. Hoiningen, gen. Huene, im Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168. — Zu Komp.--ChesS ernannt unter Beförderung zu Hauptleuten: die Oberlts. v. Schröter, Bauer v. Bauern im Leibgardc-Inf.-Regt. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, Stamm im Jnf.-Leibregt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117. — Zum überzähligen Hauptmann befördert: der Oberlt. Platz im 5. Bad. Jnf.-Regt Nr. 113, unter Versetzung in das Jnf.-Leibregt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) 9tr. 117. — Zum Oberlt. befördert: Lt. Wätjen im Leib.-Drag.-Regt. (2. Großh. Hess.) Nr. 24. — Vom Kommando als Jnsv.-Ofsizier enthoben: Anger. Oberlt. im Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) 91 r. 118, an der Kriegsschule in Danzig. — Stamm, Lt. und Erzieher am Kadettenhause in Oranienstcin, in das Jnf.-Leib- regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117 versetzt. *♦ Die bevorstehende Handelskammerwahl sin- det anscheinend in den beteiligten Kreisen nicht die Beachtung, die sie gerade diesmal verdient, da es sich um eine Neuwahl der ganzen Handelskammer handelt. Da iit es denn freudig zu begrüßen, daß im Inseratenteil der heutigen ??ummcr auf die schon am Dienstag statt findende Wahl hingewiesen und auf einen gewissen Mangel aufmerksam gemacht wird, der der seitherigen Zusammensetzung der .Handelskammer anlraftet. Wir meinen das Fehlen eines sachverständigen Mitgliedes aus der Eisen -und MetallfabrikationL-branchc. Dieser Industriezweig ist in unserem Handelskammerbezirk und speziell in der Stadt Gießen in ständiger Zunahme begriffen und sie wirb sich noch mehr ausdehnen, wenn erst einmal die Lahnkanalisation durchgeführt ist. Wir sind der Ansicht, daß man in der Zusammensetzung der Handelskammer hierauf Nüch'icht nehmen und einen Vertreter dieser Industriezweige in die Handelskammer wählen sollte. Ten in dem erwähnten Inserat gemachten Vorschlag halten wir für sehr beachtenswert, weshalb nachdrücklich darauf hingewiesen fei. * * Zur Handclskamm erwähl. Wir iveisen daraus hin, daß die Vertretung eines Wahlberechtigten bei der Wahl nur in dem Falle, daß kein Prokurist vorhanden ist, durch einen anderen volljährigen kaufmännischen oder technischen Beamten erfolgen kann. ** T> as Wohltätigkeitssest, das zum Besten der hiesigen Krankenschwestern heute abend im Hause des Gesellschaftsvereins stattsindet, verspricht einen sehr erfreulichen Verlauf zu nehmen. Voll Eifer wird an der eindrucksvollen Ausstattung der Säle gearbeitet, nm ein möglichst freudiges, farbenvolles Bild harmlosen Jahrmarkttreibens zu erreichen. Tannengrün und Tannendust erfüllen die Räume, zierliche Häuschen und hübsche Buden laden zu Kram und Kauf ein, alle die da kommen, um mitzufeiern und mitzuhelfen an dem Werke der Anerkennung unb der Dankbarkeit. Alles, ivas das Herz begehrt, ist hier in reichern Maße zu haben und als erfreuliche Zugabe erhalt jeder Käufer einen freundlichen Blick aus frohen Fraucnaugen. Jeder gebildete Ärtteleuropäer füllte herbeieilen, denn wer nur ein klein bißchen etwas auf sich hält, muß sich sagen, daß es eigentlich nicht ohne ihn geht, und daß das Fest so um eine seiner schönsten Anziehungskräfte betrogen wird. Also aus ihr Frauen und Männer, -Fräulein und Mäimlcin und wirket mit an dem wohltätigen Feste. • • Stadttheater. Es sei darauf hingewiesen, daß voraussichtlich keine Wiederholung von Gerhart Hauptmanns „Elga", die am Sonntag abend aufgesührt wird stattsinden kann. — Unter allen Umständen ausgeschlossen ist eine Wiederholung von „Donna Siana*, die am Mittwoch als Festvorstellung zu GroßherzogS Geburtstag gegeben wird, da mit dieser Aufführung ein Gastspiel verbunden ist. • • Kunstverei n. Ein großer Teil der erst seit Sonntag ausgestellten Gemälde verbleibt nur noch einige Tage in der Ausstellung. Die Kollektion Oskar und Elise Gras- München ist nur noch 14 Tage ausgestellt. Ein baldiger Besuch der gegenwärtigen Ausstellung sei daher empfohlen. "Ein hübsches Honorar. Per Humorist Otto Reutter hat für sein zweitägiges Gastspiel im Kolosseum die hübsche Summe von 1600 Mark erhalten. * * Ein Nachspiel zum Falle Rothschild. Am 18. Dezember d. I. kommt vor der Strafkammer die Straf, fache gegen die beiden Vorstandsmitglieder der Darlehnskasse zu Ober-Mockstadt, Bürgermeister a. D. Mickel und den früheren Rechner Harth, beide von Ober-Mockstadt, sowie gegen den früheren Rechtsanwalt Ktarenaar von hier wegen Untreue zur Verhandlung. In der Sache handelt eS sich nm folgendes: Kurz vor dem Zusammenbriich des Bankier Roth- schild-Büdingen kam er nut Klarenaar nach Ober-Mockstadt. Hierbei veranlaßte R. die beiden angektagteu Vorstandsmitglieder der Kasse ihm Papiere im Werte von 40 000 Mark auszuhändigen, obgleich R. nichts zu fordern hatte. Im Gegenteil war Rothschild der Kasse bedeutende Summen schuldig. — Am selben Tage steht eine weitere Sache gegen Rechtsanwalt Klarcnaar wegen Unterschlagung an. ** Der Verband der DetaillistenVcreine im Großherzogtum Hessen hielt am Freitag in Frankfurt am.Main eine Ausschußsitzung ab. An Stelle des seitherigen Vorsitzenden Schwab-Darmstadt, der wegen Wegzuges von da den Vorsitz nicdergelegt, erstattete der 2. Vorsitzende, L upv-Darmstadt, Bericht. Der Verband besteht etwa ein Jahr, zählt etwa tausend Mitglieder und hat vor allem feste Stützpunkte in den Städten Darmstadts Offenbach, Bensheim, Gießen, Friedberg und Worms. Hieraus trat man in die Tagesordnung ein. Bezüglich des neuen Wahlstatuts der Handelskammer Darmstadt, das das Klassenwahlshstem nach den drei Erwerbsgruppen Industrie, Groß- und Kleinhandel, vorführt, wurde bestimmt, daß der Verband es den einzelnen Vereinen üeeriäßt, für oder gegen diesen Wahlmodus sich auszusprechen. Wegen des Hausierhandels strebt der Verband an, daß die im Gesetz vorgesehene Steuer nach^den einzelnen Branchen voll bezahlt und die Festsetzung, des Satzes nicht den Stcuerbcamten willkürlich überlassen wird, somit die im Gesetz enthaltene Ausnahmebestimmung weg- sällt. Der Verband hoffte weiter, daß die Besteuerung der Filialen im 34. hessischen Landtag zum Gesetz erhoben, und eine solche für Waren h ä u s e r und Konsumvereine erfolgt. Das Verbot der Osfenhaltung der Schaufenster an Sonn- und Feiertagen wünscht er baldigst beseitigt. Der Festlegung des Osterfestes auf einen bestimmten Tag steht der Verband günnia gegenüber und hält den Sonntag vor dem 1. April für den geeignetsten. Eine Regelung des Submifsionswesens wünscht de. band bald in die Wege geleitet und begrüßte den Erlaß des Großh. Ministeriums Über Regelung der staatlichen Li.ferungen. Gegen eine Inseraten-, GaS - und elektrische Licht-Steuer sprach sich sodann der Verband aus, dagegen erachtet er die sogenannten Tuchversandliäuscr als eine beöeuienüc Schädigung Der lokalen ©eidjäite und fordert zur Bekämpfung derselben aus. Zum Schluß wurde bestimmt, daß bet Verbandstag un März 190J in Darmstadt abgehalten werden soll. (Wir find übrigens der Ansicht, daß der Verband, der auch die Förderung der wirtschaftlichen Verhältnisse hessischer Geschäftsleute erstrebt, seine Tagungen sämtlich in Hessen und nicht in Franksurt haben sollte, denn böse Beispiele verderben gute Sitten. Red.) • • Warn u n g. In letzter Zeit kamen wiederholt nachts Waschediebstähle in Hausgärten vor und zwar hat es den Anschein, als ob die gestohlenen Stücke zum Selbstgebrauch entwendet und so eine Ermittelung der Täter um so schwieriger ist. Wir können den Hausfrauen nur empfehlen, nachts keine Wäsche im Freien zu lassen. * * Einbrüche. In verflossener Nacht wurde an einem Hause in der Kirchstraße ein Einbruch versucht, der Täter wurde aber gestört und ergriff die Flucht. Ec hatte bereits eine Fensterscheibe ausgeschnitten, als er bemerkt wurde. Auch am Güterbahnhofe wurde ein Einbruch begangen. Der Dieb hatte eine Fensterscheibe eingedrückt und war in den Bureauraum eingestiegen. Hier erbrach er eine Schublade, fand aber Geld nicht vor und so ließ er von weiteren Versuchen ab. " Die Fleischbeschau im Großherzogtum Hessen. Im 3. Vierteljahr 1908 stellt sich die Zahl bei Schlachttiere, die im Großherzogtum Hessen der Fleischbeschau unterworfen wurden, wie folgt: 203 Pferde und andere Einhufer (gegen 225 im 2. Vierteljahr), Ochsen 4702 (4218) Bullen 842 (488), Kühe 8898 (8579), Jungrinder 11491 (9174), Kalber 21 174 (22 792), Schweine 91 651 (79 541), Schafe 2758 (1991), Z-egen 2175 (10969). * * Des Land mann es Arbeit. Freudig begrüßt bei Landmann die schon lange ersehnte feuchte Witterung. Die Aussaat der Winterfrucht machte bei der monatelang anhaltenden Trockenheit außerordentliche Schwierigkeiten. Der Boden war derart ausgetrocknet, daß die Zugtiere nur mit der allergrößten Anspannung ihrer Kräfte den Pflug durch die Schollen brachten. Nicht selten konnte man daher in Dietern Herbste mit einem Viergespann pflügen sehen. Das ausgesäete Korn steht allgemein sehr dünn. Ails ganz besonders trockenen Aeckern ist höchstens s/< dc§ Saatgutes aufgegangen, doch hofft man, daß die übrigen Körner unversehrt im Boden ruhen und durch die Feuchtigkeit jetzt noch zum Keimen kommen. Der Weizen, der zur Entwicklung reichliche Feuchtigkeit nötig hat, wird erst in diesen Tagen der Erbe aiwertraut. Viele Stoppel- und Kleeäckcc liegen noch unberührt da. Sie waren beim besten Willen nicht zu bearbeiten. Hoffentlich hält das milde Wetter noch einige Zeil an, damit diese Arbeiten noch vor Weihnachten zum Teil erledigt werden können und nicht alle bis zum Frühjahre liegen bleiben. - 1. Lollar, 20. 91 ov. Wie verlautet, soll die Anstellung eines Pfarrassislentcn für die hiesige Gemeinde, die zum Kirchspiel Kirchberg gehört, beabsichtigt sein. — Die hiesige Bürg erg esellschast hielt am Donnerstag, 19. bS. MtS., abends, im Vereinslokal „zur Germania* eine Versammlung ab, wobei u. a. der Beschluß gefaßt wurde, am 13. Februar n. I. ein Winterfest im größeren Stile abziihalten. Der Verein wird sich für die Folge auch mit Kommunal-Angelegenheiten befaffen. Leider war eine Besprechung darüber in der anberaumten Sitzung nicht mehr möglich, da wegen der Feie^abenbstunbe eine vollständige Erschöpfung der Tagesordniing nicht ftattfinben konnte. O Laubach, 20. Nov. Der im Sommer d. Js. gegründete-Verein für gesellige Unterhaltungen beginnt seine Tätigkeit am Sonntag, 29. b. MtS., durch ein Konzert. Welche lebhafte Anerkennung diese Bestrebungen gefunden haben, geht daraus hervor, daß für den Zweck bereits nahe 600 Mk. gezeichnet wurden. Das an der Spitze stehende Komitee gedenkt drei Konzerte von auswärtigen Kräften und drei Vorlesungen abhalten zu lassen. — Der 58 Jahre in Diensten stehende Schäfer Philipp Spuck, ber 22 Jahre in städtischen, die vorhergehenden 36 Jahre in Gräflichen Diensten znbrachte, hat, da sein Nachfolger unbrauchbar war, seinen Dienst wieder übernommen, den er trotz seiner 74 Jahre bis zum 1. April 1909 zu bekleiden gedenkt. n. Lorba ch, 20. Nov. Heute morgen ereignete sich auf dem hiesigen fürstlichen Gutshof ein recht bedauerlicher Vorfall, dem ein in den besten Jahren stehendes Alen schenk eben zum Opfer siel. In der Scheuer war Die Dreschmaschine in vollem Gang, mehrere junge Männer waren mit dem Wegschaffen des Strohe? und dem An- und Abhängen der Getreidejäcke beschäftigt. Auf bis jetzt unaufgeklärte Weise — wohl durch einen TranZmissionsriemen — wurde einem Arbeiter die zweizinkige Gabel den Händen entrissen, die beim Niederfallen den von hier gebürtigen Ver- waltcr W. Schäfer so unglücklich im Nacken traf, daß sie ihin da? Genick abstach. Der Tob trat auf der Stelle ein. Der so jäh aus dem Leben Geschiedene, seit etwa 11 Jahren in Diensten des Gutspächters Kling stehend, ist 33 Jahre alt und unverheiratet. Er war ein Mcnjch von seltener Treue, der bei seinem Herrn in jeder Hinsicht unbegrenztes Vertrauen genoß. Seme Eltern und Geschwister verlieren an ihm eine kraftvolle Stütze. h. Frankfurt a. M., 19. 91 ov. Hier wurde heute der Bahnarbeiter Heinrich E p p e l v e r h a s t e t, der im Jahre 1906 in Mannheim einen Einbruch in bas dortige Alt ertumS- museum verübte und alle Münzen im Werte von vielen taufenden 9)larE stahl. In seinem Besitz wurden noch 33 -Münzen vorgesunben, barunter eine im Werte von annähernd 1000 Mark. Den größten Teil der Münzen hat er in Frankfurt und Umgebung verkauft. — Im Hause Bergerstraße 284 wurde ein Mädchen ohne Arme und Beine geboren. Das Kmb ist vollkommen gesund und lebensfähig. Die Eltern leben in sehr dürftigen Verhältnissen. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Weickartshain bekleidet Att» bürgevmeifler Trueller feit 25 Jahren das Amt eines Orls- qerichtsvorslchers. — U e b e r s a h r e n und schwer verletzt wurde am Bahnhof Büches der Fuhrmann Kaufmann. Wiefecner Strafkammer. )( G i c. 20 Nov. Großhändler und Gewichtsrevifiou. Ein hiesiger jwiuiifant hatte sich gemtigert, die in seinem Betriebe benutzten Maße und Gewichte ber polizeilichen Prüfung zu unterwerfen, weshalb ihm ein auf 6 Mark Geldstrafe lautender Strafbefehl vom Amtsgericht zuging. Beim | Schöffengericht begründet er den von ihn erhobenen Einspruch damit, er »er Großhändler, habe keine Verkaufsstelle für den öffentlichen Verkehr und könne er deshalb nicht inrter das Gesetz fallen. Er berief sich auch aut einen Erlaß des preußischen Handelsministeriums, nach dem der Zwang polizeitechnischer Revisionen auf Großhändler nicht mehr angewendet werden soll. Das Schöffengericht wies den Einspruch mit der Begründung zurück, baß nach dem Strafgesetzbuch der strafbar sei, der sich sonst eine Verletzung der Vorschriften über Maße und GewickUe schuldig macht: auch verlangt die Gewichtsordnung für das Deutsche Reich, daß beim Wiegen im öffentlichen Verkehr nur nach Vorschrift des Gesetzes verfahren werden barf, wobei es dem Landesrecht überlassen ist, die Ausführungsvorschristen 3u regeln. Nach den hessischen Poli- zeivvrschriften hätte der Angeklagte die Revision dulden müssen, bn er im Kleinen an einen unbeschränkren Kundenkreis verkauft Ijat. Hierdurch ist ber Begriff der Oeffentlichkeit, wie auch ber des Kleinhandels gegeben. In her infolge seiner Berufung gepflogenen Strafkammerverhandiung liefe ber Angeklagte durch seinen Verteidiger geltend machen: von einem öffentlichen Verkauf könne nur dann die Rede fein, wenn ber Verkauf in einem offenen Laden ftattfinbet, ber Angeklagte habe aber keinen Laden, sondern nur einen Lagerraum, in dem der Versandt bewirkt wird. Wenn er auch kleinere Quantitäten an hiesige Handwerksmeister abgegeben hat, so könne von einem Kleinverkauf nicht geredet werden, ba in der Hauptsache nur Großbetrieb statt findet und er nicht an jeden beliebigen Waren aögibt. Der Vertreter ber Staatsanwaltschaft gab seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß das Gesetz zwischen Gro^- und Kleinhandel leinen Unterschied mache und ber Angeklagte trofebem strafvav wäre, wenn er auch keine kleinen Quantitäten abgegeben hätte. Die Strafkammer ging von <:cm Standpunkt aus, der Zweck des Gesetzes sei, die Käufer kleiner Quantitäten, die das Gewicht nicht kontrollieren, vor Schaden zu schützen. Sic war mit dem Schöffengericht einig, daß durch den ißerEauf kleinerer Quantitäten Maren an einen unbeschränkten Persvnenlreis, sowohl ber Begriff bcs Kleinhandels als auch ber bcs öffentlichen Verkehrs gegeben sei. Somit ist der Angeklagte verpflichtet, die Revision zu dulden und feine Berufung wurde z u r u cf g e io i e f e n.___________________________________________ Die Verlegung der Gesamt-Vahnhofr zu Friedberg. Schon feit Jahren zeigen sich Die Bahitt-v.s^erhältnisse zu Friedberg bei dem stets wachsenden Verkehr, den namentlich auch die beiden Welterauer Bahnen und die Homburger Babu brachten, als durchaus unzulänglich. Das abschüssige Bahnhofsgelände an der Ufa läßt eine lveitere Verbreiterung des Personen- und Güterbahnhofs nicht zu. So entstand vor etwa fünf Jahren der Plan, den Bahnhof weiter ,üdtvärts gegenüber der Zuckerfabrik zu legen, wo die Terrainverhältnisse einer Neuaulage durchaus günstig sind, zumal hier die Ausdehnung nicht durch die Stadt gehindert wird. Schon damals begann die Eisenbaynverwaltung mit dem Ankauf des Geländes, um der Geländespekulation vorzubeugen. Die PlänesürBahn Hofsverlegung sind fertiggestellt und haben im Rathaus zu Friedberg offen gelegen. Das großzügige Projekt hat fast allgemeinen Anklang ae- funden. Auch die Stadtvertretung hat ihre Freude darüber ausgesprochen und nur einige unbedeutende Wünsche an das Projekt geschlossen. Tas Gesamtgelände für den neuen Bahnhof umfaßt die Fläche ton 400 000 Quadratmeter; die größte Länge beträgt 1,<00 Meter, die größte Breite am Güterbahuhof 330, Meter, am Persvnenbahuhof 200 Meter. Die gesamte Anlage schließt sich westlich an Fauerbach an und erstreckt sich von der Brücke der Homburger Bahn über die Mainweserbahn bis zum jetzigen alten Bahnhofsgebäude. Der Güterbahuhof mit seinen Zufuhrstraften, Rampen-An- lagen und Schuppen stößt direkt an das Gräflich Solms- Rödelhcimsche Hofgut in Fauerbach, von dem er durch Straße, Tamm und Stützmauer getrennt ist. Mc 8 Gütergleise und 9 Rangiergleise erstrecken sich bis zpr Zuckerfabrik. In das Gelände fallen in Fauerbach eine Feld- Scheune und drei Wohnhäuser an der Klausenstraße, wovon eines noch int Dau begriffen ist. Im Güterbahnhof werden an Hochbauten errichtet: ein neuer Maschinenschuppen, ein Wasserturm, ein elektrisches Werk und ein Uebernach- tungsgeoäude für das Güterpersonal. Ter Personenbahnhof kommt auf Friedberger Seite gegenüber der Zuckerfabrik. Tie Verlängerung der Hanauerstrafee imd Bismarckstraße, von der eine neue Straße, Wilhelmstraße, direkt auf das Empfangsgebäude stößt, verbinden Stadt und Personenbahnhof. Tas Empfangsgebäude wird bedeutend größer als das jetzige, cs wird 50 Meter lang, 22 Meter breit, mit einem Vorbau von 22 Meter Länge und 6 Meter Breite. Daran schließen sich die Personcnunterführungen zu den fünf Bahnsteigen. Nördlich schliefet sich an das Einpfangsgedäude der Fürstenpavillon, Anlagen, Bahn- meifterbureau mit Wohnung und ein Uebernachtungs-Ge- bäude für das Personenzugspersonal, südlich wird der EU- güterschuppeu und das Postgcbäude errichtet. In das Gelände des Personenbahnhofs fallen die Gebäude der Gebrüder Ulrich, der Firma Mayer uno die alte Bahnmeisterei, welche entfernt werden müssen. Hier ist für später auch noch die Erbauung von 36 Wohnungen für Bahnbedienstete vorgesehen. Die bestehende Wegunterführung an der Zuckerfabrik wird abgebrochen und durch eine mächtige Straßenunterführung von 175 Meter Länge, 15 Meter Breite und 5 Meter lichter Höhe ersetzt, sämtliche Güter- und Personenzüge werden darüber führen. Verschiedene Lichtschächte und weiße Ziegelverblendung der Wände sollen für gute Belichtung sorgen. Von hier führt eine 18 Meter breite Straße zum Personenbahnhof und eine 15 Meter breite Straße entlang der Zuckerfabrik zur Straße Friedberg-Assenheim. Tas jetzige Straßenviadukt an der Fauerbacher Straße muß 7,5 Meter verlängert werden. Ter neu anzulegende Bahnhofsvorplatz foll von der bestehenden Bismarckstraße zugänglich gemacht werden. Tiefe Straße muß die Stadt Friedberg auf ihre Kosten Herstellen. Das Empfangsgebäude soll ein imposantes Gebäude werden. In den Plänen ist auch bereits für später die Verlegung derStrecke Homburg — Friedberg, sowie der zwei« aleisigc Ausbau vorgesehen. So haben die Pläne selbst für die Zukunft Vorsorge getroffen. Alles in allem genommen, kann man in Bezug auf das neue Bahnhofsprojekt sagen, daß es für Friedberg höchst günstige Verkehrsverhältnisse schaffen und der Stadt einen Bahnhof geben wird, wie ihn wohl kaum eine Stadt Deutschlands in ber Größe Friebbergs haben dürfte. Die Gesamtbaukosten des Bahnhofs belaufen sich auf 6,8 Millionen Mark. Spenden für Radbod. Tie vom Kronpiinzenpaar eingeletiete Sammlung hat bis heute 60OuO Mk. ergeben. — Ter Großherzog von Baden fpendele 1000 2)lt, die Stadt Karlsruhe ebenfalls 1000'Mk., 'M ii n ft e t 2000, Esfen 5000 All. — Der König vonIlalien hat für die verunglückten Italiener 10000 Lire überweisen lassen. Die Sammlung des Gießener Anzeigers: Bisher qmmerc: 1043.— Pik., W. Si. o.—, ijabrilanl Rinn, Heuchelheim, 50.—, Ungenannt 1.—, W. ti>. 10.—, P. Zimmer 2 —, K. W. 1.—, H. '21. I. 2.—, Piarrer Fischer, gesammelt m der Gemeinde Trohe, 11.55, Ungenannt 3.—, Krogmaim 10.—, H. 'M. 3.—, Ungenannt 10 —, Tr. M. 10.—, K. B. 1.—, Tr. Bernbeck 3.—, Wilh. Rudolvh 20.—, L. F. 1.—, Frau Th. H. 4.—, Lehrer Straub 3.—, Pro». Biichhold 5.—, C. (5. 3.—, Fritz A. 10.—, H. Z. 3.—, Pfarrer Kohler, 'Mufcheriheim, 3.—, gejainmelt vom Kinderlljch bet Dr. meb. Liebe'fchen Heilanstalt „Walbhoj'-Elgershaujen, Kreis Wetzlar, 5.—, ftram Bette 10 Mk., Verein Städtischer Beamten, Gienen, 50.-, Dr. St. 3.—, W. Bi. 3.-, L. 9JL 2.-, M. F. 5.-, A. K. 5.—, Klasse 5c der Städtischen Mädchenschule 8.10. Zu- sam>nen 1308.65 Mk. Dermi totes» • In der gestrigen Landiagssigung der 2. sächsischen Kammer erklärte der Präsident Dr. Mehnert die Bieldung, daß der am Dienstag verstorbene nationalliberale Reichs- tagSabgeordnete Oberstudienrat Professor Dr. Rühlmann Selbstmord verübt habe, als unwahr. Rühlmann sei einem Nierenleiden zum Opfer gefallen. * Zwei famose Zollstückchen hat nach der Allg. Fl- Ztg. ein französisches Genie erdacht und ausgeführt. Er gab in Calais zwei Kisten Sandschuhe auf, die eine nach London, die andere nach Edingburgh: natürlich unter Angabe fiktiver Adressaten. Tie Sendung traf in London ein, wurde natürlich nicht ausgelost, und als man die Kiste öffnete, sand man in derselben lauter — linke Landschuhe. Kurz darauf stellte ein unbekannter Liebhaber von linken Handsckstihen ein Kaufangebot und das Offert, welches allerdings nur die Fracht deckte, wurde mit Vergnügen akzeptiert. Dieselbe Kvmödie wiederholte sich in Edingburah, nur fanb man dort lauter — rechte Landschuhe in der unlxst-llbaren Zbiste. Das Ende des köstlichen Schmuggels war, wie in jeder Komödie, es „kriegten" sich auch hier die richtigen Paare. Der zweite Fall spielt in Stuhlweissenüurg. In der dortigen Bahnstation langte eine grosse Sendung französischen KDgiraks an, welche, da der Adressat nicht zu finden war, versteigert wurde. Da die Sendung die Marke der Firma Martell trug, brachte die Feilbietung einen sehr bedeutenden Erlös, welchen ein paar Tage später ein Unbekannter, der sich aber als Besitzer des Ausgabo-Rczepisses legitimierte, und die aufgelaufene Lager- miete bezahlte, richtig erhob. Die Käufer des „Martell-Kvgnals" fanden alsbald, dass sie auf schmähliche Weise betrogen seien, denn ihr Kognak war der gemeinste Fusel. * Auchein Grund. (Vor Gericht.) Richter (zum Gauner): „Warum arbeiten Sie nicht?!" — Gauner: „Ich war vor achtzehn Jahren bei einem Doktor, der hatte mir das Arbeiten untersagt!" — Richter: . Und da sollen Sie heute noch nicht arbeiten?" — Gauner: „Ja, seit damals bin ich nicht wieder bei dem Doktor gewesen!" Kleine Tageschronik. Nach verschiedenen ernsten italienischen Blättern, ist die Heirat beS Herzogs der Abruzzen mit M i ß Ellins sicherer denn je. Zuvor werde der Herzog jedoch eine neue Wissenschaft- lichc Forschungsreise unternehmen. Grai Rhena, der Sohn des verstorbenen Prinzen Karl von Baden, ist infolge eines UnglücksfolleS plötzlich in Bern geworben. In Neumarkt in Bayerir ist einer der l e h t e n Veteranen von 1849, der 86jährige Pfründner Rößler ge- st o r b e ii. Auf der Zeche Mörlenbach bei Metz wurden durch schlagende Wetter vier Mann verletzt, darunter einer t 3 t l i ch. In Varel (Oldenburg) herrscht große Wassernot. Ter Mangel ist auf das Fehlen einer Wasserleitung zurück- zulühren. (ßericbtsiaaL ss Marburg» 20. Nov. Tie Strafkammer vernrtellte heute einen Gerichtsdiener, der einen seiner Obhut anver- trauten Gelungenen hat entweichen lassen, zu 10 Alk. Geldstrafe. Spldplan Oes Neuen Siebener Liadttheaters. Sonntag den 22. Nov., abends 7% Uhr: ,Elga." Drama von Gerhart Hauptmann. Ende gegen 9 Uhr. Dienstag den 23 Nov., abends 8 Uhr: 7. Diensiag-Aboimement-Vorstellung: Tie berühmte Fran/ Ende 10l/4 Uhr. Mittwoch den 25. Novbr., abends 7 Uhr: Zn Großherzogs Geburtstag: Gastspiel von Herrn Löffler vom Kgl. Hostheater in Wiesbaden: „Donna Diana/ Lustspiel in 5 Akten von Morelo. Freitag den 27. Novbr., abends b Uhr: BolksvorsteUung: „Im weißen Rößl." Hierauf: „Als ich roieberfain." Ende.11 Uhr. Giessener Wetterdienst. voraussichtliche Witterung für Hcsieu am Sonntag den 52. November: Zunächst Abkühlung, Regen- und Schneeschauer, später wieder stärkere Trübung, Erwärmung und Regeniälle. Nördliche, später westliche Winde. Schneebericht des Skiklub Wandervogel vermittelt vom Landwirtscha'Uichen Wetterdienst in Gießen. Flachland und Mittelgebirge wieder febneeirei. Cingdanöt (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Tie Berechtigung der technische» Arbeitzweige zur Handels- kammerwahl. Man schreibt uns: Es ist idxm wiederholt an dieser Stelle über den Wert der technischen Arbeit im Wirtschaftsgebiete Giessens gesprochen worden. Tock immer wieder muß darauf hingewiesen werden, daß für die technischen Industrien Giessens eine genügende Vertretung in die Handelskammer vorhanden sein muss. Die in der Oesfentlichkeit Giessens nur bescheiden bekannte Größe der heimatlichen technischen Arbeitszweige hat in den letzten Jahren eine Umsatzzifser erlangt, die ielyr wohl eine verstärkte Vertretung in der Handelskammer wünschens.vert erscheinen lässt. Am besten reden in dieiem Punkte die Zifsernhöhen. Der, in Giessen, nicht uiuebcutenbe zbohlenhandel erlangte in letzten Jahren einen Umsatz von ungefähr 1 Million Mark, die Äftmkindustrie einen solu)nu von 5 Millionen Mark, dagegen die technisck>en Arbeitszweige einen Umsatz von über zwölf Millionen Mark Wenn man die Löhe dieser Werte ins Auge fasst, tritt recht deutlich das Recht, aber auch die Pflicht zur Sktätigung am öffentlichen Leben hervor. Die techngchen wr.,ei szweige haben in diesem Punkte eine Ersckjeinungspflicht, welche in der Gesundheit ihres Aroeitswertes cm Wesen der Volkswirtsch.-'t beruht. Sämtliche technische:: i.Jt.iCH , nd Werterzeugende Arbeitszweige -qnb liefern hierdurch die Existenzmittel für tausende von Familien im Stadt- und Landkreis Giessen. Sie schaffen in ihrer Eigenart für sichere, den Wirtschaftskrisen nid>t ausschlaggeoeud angehörenden Einnahmequellen, und bilden somit ein ungemein wichtiges Bindeglied zwischen den lanowirtschaftlichen Betrieben und denen des Handels. Turck) das weitere Aufblühen dieser Industrien wird die Zahl der Konsumenten erweitert und gibt dem Handel Gelegenheit zur Tätigkeit. Wie wahr diese Anssckft ist, zeigt sich in dem Ansturm der Geschäftsreisenden in dem hiesigen Bezirk. Firmen, die sonst nicht in - Oberyesseu ihren bep/nberen Absatzmarkt erblickten, legen beute einen großen Wert auf eine energ.schere Bearbeitung dieser Gegend. Tie Gleichrnüssigfoit in biejem Absatzgebiete wird von allen anerkannt und zugleich von allen die Wahrnehmung einer sich nicht übereilenden, aber gesund steigenden Verbrauchs-Ziffer. Will man diese Verbrauchswerte erhöhen, bann schaffe man der technischen Industrie Gelegenl-eit, iljre Interessen auf dem direktesten Wege wahr nehmen zu können, und das wäre eine zweckentsprechend und starke Vertretung in der Handelskammer. Die Interessen dieser Industrien sind sehr weitgehende und durch ihre Bestimmungswerte geeignet, auf lange Zeit, weit über Deutschlands Grenzen hinaus, Absatzgebiete zu behaupten und noch neue dazu zu erwerben. Der Grad der Sicherheft spielt hierbei im volkswirtschaftlichen Sinne eine nicht zu unterschätzende Rolle und sollte den Wahlberechtigten zur Handelskammer bei der Aufstellung der Kandidaten zum Fingerzeig dienen. Das Vordrängen der eigenen Person ist nicht Jedermanns Sache und viele der Besten haben sich erst selbst entdeckt, nachdem Andere sie gefunden und erkoren haben. „ Wenn nun die berufenen Vertreter eines grauen verles der technischen Industrie Gießens infolge ihrer persönlichen Bescheidenheit nicht zur öffentlichen Betätigung an die Handelskammerwahl berantreten, was hindert dem Allgemeininteresse, hier verbessernd einjugreifin. Es liegt eine absolute Notwendigkeit vor in dem Weitblicke für gedeihliche Entwickelung der Stadt Gießen und der Provinz Oberhessen, daß die technische Arbeit eine sacktgemäße Vertretung, Sitz und Stimme in der Handelskammer erhält, und werden zu diesem Zwecke außer dem Bcrgwerksdirektor Münker, Kommerzienrat L. Heyligenstaedt und Kommerzienrat H. Schassstaedt benamt. Es ist nicht genug, daß wir die Werte schassenden Arbeitsz-weige dieser Herren als Einnahmequellen besitzen, cs ist nocwenoil, diesen ein großes Feld ir ei er Betätigung zu schaffen, das geeignet erscheint, der Wohlfahrt unserer Gegend dauernden Segen zuzufühven. (Drighial*Dral?tinclOun$cn. Berlin, 21. Nov. (Privattel.). Zum Prozeß Ruhland B i e v m e r sei and dein Urteil weiter mitgeteiü, daß die Urteilsbegründung von absolut erbrachtem Wahrheitsbeweis spricht und annimmt, daß hinter Abg. Köhler -Langsdorf bei dem Antrag in der 2. Karniner Professor Rußland gestanden hat. Die Verteidiger Prof. RulstandS halten ein Jahr ® e f ä n g n i 5 und öie sofortige Verhaftung Prof. BiermerS d), sowie 600 Mk. Buße beantragt. Tas Urteil erklärte jedoch den Ange» klagten straffrei. Hamm, 21. Nov. Die Bergwerksgesellschaft Trier verössentlicht die Perluslliste mit 341 Namen. 260 davon sind Deutsche, 31 Ausländer. Bei der hiesigen Sammelstelle sind 100 000 Mk. cingegangcn. — Jin Krankenhaus ist ein Schwerverletzter gestorben. Damit erhöht sich die Zahl der ihren Verlegungen Erlegenen auf 5. R o m, 21. Nov. Dic letzten Raa, rich.cn aus Sizilien und Calabrien laufen überaus trostlos. Tie Eisenbahnlinie Reggio-Sanlanzaro ist an mehreren S.ellen durch Erdrutsch zerstört. Die Verbindung mit der gesamten Unt^u g arejJoj ist uiucrvro..,cn. I. Etzi.ro drang das klafter in den u^ra-oo, uno viere wurden sortge- schwemmt. J.t der Prorinz Ccftaiw lucrben uO Personen als vcrichivu.tden gemeldet. Paris, 21. November. Echo de Puris meldet aus Tanger: Die Ucbccreichung des s pa ntjcheu Ordcns Ponr le Msrite an Den General d'Amude hat Anlaß zu einer neuen iiunbgcbung Deutschlands gegeben. Der deutsche Konsul weigerte sich, der Feier bcizumvhnen, an der sich alle Mitglieder des Konsulat-Korps beicilißtcn. ToUIvn, 21. Ava. 2,ic Lage u e gebrandeten Kreuzers Eondv ist auDaucrno kritisch. Es heißt, die spitze des Feliens sei in das Innere des Schissxs etnge- Drunßcu. Tie Flöttmachungsaroe.ten werden durch hohen Seegang sehr erschwert. London, 21. Nov. „Daily Telegraph" meldet auS Konstantinopel, die serbische Mission habe keinerlei Abkommen nut der Türkei bezüglich einer Allianz getroffen. Die Mission sei vollständig gescheitert. D. St nm tnfa, JiMlicr n. Uiirmiiiiicr, Gicßeu, Marktplatz 11. Telefon 407. Rcichoaltigcö Lager in Juwelen, lUjien, (SoiD--, Silben- u. Arjenide-Waren. Letztere aus der Württemberger MetallwarensabriNn Geislingen. i67Bl Th. Brück Möbelfabrik, undkunst- y teet bl. 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Weg Goetbestraße................. Gutenbergstraße - Hessenstraße ........... JohanneSstrahe Kavlansgasse ............ .Katharinengaffe LieÄgftrave zwischen Ludwig- und Querstraße . . . .......... Lonystraße Ludwigstrage ........ 'Neuenweg Plockstraße . - - Riegelpsad (unterer) Schiffenberger Weg .................. Südanlage Zwischen Garten- und Bleichstraße. . . - Bekanntmachung. Wir haben aus Zweckmäßigkeitsgründen die Anordnung getroffen. das; vom 1. Dezember ds. Js. ab die Abfuhr des Hauö- kehrichtS in den nachfolgenden Straßen am Montag, Mittwoch und J-rcitag zu den beigesetzten Zelten erfolgt. LiksernU von MlziUterilllien. Im Jahre 1909 werden zum Walzen der Kreisstraßen des 51 reifes Gießen 7500 cbm Vasaltkleiufchlag und 2000 cbm Bindematerial erforderlich. Die Angebotsunterlagen liegen auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten (Landgraf Phftipp-Platz Zimmer Nr. 20) zur Ginsicht der Bewerber offen. Daselbst können Angebote bis zum 10. Dezember d. Js. abgegeben werden. Giessen, den 21. sJloDcinbcr 1908. Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen. J.V.: Kalbfleisch. B*/» Ersfttafsige, gut eingeführte Venicherungs^Gesellschaft l.Uniakl- Haftpsticht-, Elnbr.-Diebst.) sucht für Gießen und Umgegend rührigen Haupt-Bertreter, welcher in besseren Streife« gut eingesübrt ist. Offerten unter 09629 an den Gießener Anzeiger erbeten. . >x. iwfe Man kann es kaum glauben, daß eine so kräftige und wohlschmeckende Würze, wie „Knorr-Sos" nur aus Pflanzen gewonnen wirb. Und doch ist es so! Knorr-Sos würzt alle gesalzenen Speisen; dabet viel billiger als alles ähnliche. NeublUl der Zrren-AHalt bei Giessen. Auf Grund des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1893 werden die nachstehend angegebenen Glaserarbeiten in zwei Losen getrennt, zur Vergebung ausgeschrieben. Los I.: ca. 51 qm Elchenholzfenster mit Verglasung und Beschlag Los II. ca. 55 qm Eichenholzfenster mit Verglasung und Beschlag ES kann auf ein oder beide Lose zusammen angeboten werden. Zeichnungen und Verdingungsunterlagen können auf unserem Bauburean, Licherstraße, eingesehen werden, woselbst auch die Angebotsfornmlare, ohne Zeichnlmgen, so lange der Vorrat reicht, gegen Erstattung der Selbstkosten abgegeben werden. Die Angebote müssen nach Losen getrennt, in besonderen Umschlägen verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, porto- und bestellgeldfrei bis spätestens zum Eröffnungstermin am 21. Tezcmder 1908, vormittags 11 Uhr an uns gelangen. Zuschlagsfrist vier Wochen. Gießen, den 18. November 1908. Großh. Hochbcmamt Gießen Neubaublireau Irrenanstalt. J.V.: Schön. (B“/“ Zum baldigen Eintritt wird em verheirateter mittleren Alters für bauemb gesucht. Offerten mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften über bisherige Tätigkeit fmb unter 6690 an die Geschäftsstelle beS Gießener Anzeigers zu richtem ______ Nesiaurmtt zum Löowerr. (Reneuweg) Samstag, den 21. November Gastspiel der Oberbayrischen Elite-Konzert-Säuger, Jodler und Zfther°Birtuoseu Jsartaler. Zum Vortrag gelangen Original-Kompositionen von TLomaS Koicbat. Auftreten in 'JianonQltuftüniciL Anfang abends 7J/2 Uhr. Es labet ergebend ein F. Carle. 1 Tischflafche mir 20 Psg. . jagen Zwei Herrschastö Lmidauer,(davon einer wenig gebraucht). Ein leichtes, neues Halbverdeck mit ab- nehmbaremBock. Ein IcitOteSvalb- verdeck, (Hinlorb) wenig gebraucht. Zwei neue Break 4 ir 6)itzig. Ein ganz leichter SeldstkutschierWagen für 2 Personen. Zwei Iagdwagen ssUatur) 4 u. Ositzig. Ein Inniger Kutschier-Wagen. Ein wenig gebauchtes Doggart und ein Gigg. Empfiehlt ou äußerst bitt. Preisen yicäinfabrik ßom. StrpljflU nuJ Großen Bmeck bei Gießen. Gesucht iv.vo von einer Auizug-uöriit ein stadiknndiger Herr, welcher in der Baabranche Fühlung hat und in der Lage ist fortlaufend den Bedarf von Aufzügen in hiesiger Stadt bekannt zu geben. — Branchekenrrb niste nicht erforderlich. Angebote erbeten unter 6720 an die Geschäftsstelle des Giessener Anzeigers. \e, Wenn man sich die Z isammensctzung der hiesigen Handelskammer näher betrachtet, so hat man unbedingt daS Gefühl, daß einzelne der hier ansäjsigen geschäftlichen Unternehmungen unverhältnismäßig stark, andere dafür überhaupt nicht vertreten sind. Zu den letzteren gehört unsere aufblühende Eisen- und Kolosseum Giessen Walltorstr. 36—38 (frübct CafS Leib) Televbou 644 Heute Sonnabend, den 21. November 1908; Grosse Extra-Vorstellung Morgen Sonntag von nachmittags 4 Uhr ab stündlich Kmematoerapnische Vorführung n Eintritt 30 Pfg. Kinder und Militär die Hälfte Im Kolosseum Fiankfu; t am Main grosse Gala-VorsteHungen au dessen Besuch ergcbenst einladet Metall-Industrie, sowie die damit verwandten Gewerbszweige. Es mag uns des.regen gestattet sein, an Stelle des verstorbenen Handelskammer-Mitglüdes C W. Nowack vorzuschlagen. Es erübrigt sich bei der Popularität des genannten Herrn näheres über seine Eigenschaften, die ihn für ein derartiges Amt vollauf qualifizieren, zu sagen. Wir hoffen vielmehr, daß es nur diese, Anregung bedarf, um sämtliche zur Handelekammcrwahl berechtigte Geschäftsinhaber zu veranlassen Herrn Kommerzienrat H. Schaffstaedt ihre Stimme zu geben. 6748 Mehrere Interessenten. teMM: fasMei e Biiiiletoer. Der Schlußsatz der Bekanntmachung vom 19. November muß folgenden Wortlaut erhalten: | Regenschirme M,/u | a Gummischuhe e Solide Fabrikate. Billige Preise. K " Kaufhaus S. Elsoffer, ® S B Die Wahlberechtigten werden noch darauf aufmerksam gemacht, daß die Vertretung einer wahlberechtigten Person nur durch den im Handelsregister eingetragenen Prokuristen, oder wenn ein solcher nicht vorhanden ist, durch einen volljährigen kaufmännischen oder technischen Angestellten des Geschäfts stattfinden kann und daß der Prokurist einer Wahloollrnacht nicht bedarf. Gießen, den 21. November 1908. B“/u Tie Großh. Handelskammer. Cvang. Grmtinöesrauenvercin Mittwoch, den 25. November, abends 8 Uhr im Konsicmandensale der Iohanncskirche Vortrag von Pfarrer D. Schlosser über Armenpflege. 1. Teil: Die gesetzlichen Grundlagen. Auch Frauen, die nicht Mitglieder sind, sind dazu willkommen. Patent „Metamorph“ ist ein Tisch mit eingebauter Wäschemangel. Beim Gebrauch wird die Mangel durch einen einfachen Handgriff anfgeklappt, nach dem Gebrauch verschwindet sic völlig in dem Tisch, so dass der Tisch zu jedem beliebigen Zweck verwendet werden kann. Alleinige Anfertigung für den Kreis Giessen durch den Lizenzinhaber Joh. Lenz, Schreinermeister Fr&ukiurterstrasse 123. Telephon 733. Ausgestellt in den Schaufenstern der Firmen Brüder Schmidt, Seltersw.83 u. Friedr. Krogmann, Babnhfstr.30. Mannesmannlicht Gasersparnis. Lampen in allen Ausstatlnngen «owie entsprechendes ümarbeiten alter Lüster und Kronen, besorgen sofort und billigst Wigandt & Graefe Löberstrasse 5. ^7°-, 1*18! Melrmry titog! 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