Mittwoch 2 t. Oktober 1908 Nr. 248 Zweites Blatt Erschein! tLgllch mit Ausnahme veS Sonntags. wand werden, die Wahlreformfrage versanden und ver-I war. Dagegen war man sich,'Vie schon angedeutet, darüber z । । u । i 'Rai« i'iiH/iciAittnpnprintfl hipfp nrfmtn* einig, daß in der Art der Besold ungsaufbesserung viele gesunde Gedanken stecken. ~ I -Wäsche Ausfübrung' 158. Jahrgang RataktonSdruck and Verlag der Br üblichen UnwersnälS • Buch- und Siemdruckeret. R. Lang«, Gießen. <äl‘e Mk. 110 esatzM.3.50 ler Mk 3.75 Redaktion, Exvedilron und Dnickeret: Schul- straße 7. Exveduwn und Verlag. e=SS 5L Redaktion: LrOl 12. Tel.-AdrvAnzeigerGießen. Aieines Feuilleton. — Prof. Forel und die sächsische Polizei. Wie wir gestern bereits meldeten, wurde in Leipzig, der Hauptstadt des deutschen Buchhaiidels, wo man eigentlich eine besonders intelligente Bevölkerung vermuten sollte, ein Vortrag des berühmten schweizerischen Gelehrten Forel über Nassencnlartiing und Rassenhebung von der Kreishauptmannscha't verboten. Tic Gründe für diese-? sonderbare Verbot, das auf die Freiheit der sächsischen Wissenschaft ein besonderes Licht wirft und jedem nur einigermaßen einsichtigen Menschen befremdlich ist, hat die Königlich sächsische Sxieie- hauptmamischaft naturgemäß nicht angegeben. Heule lommi nun die selisame Nachricht, daß die Königlich sächsische Kreis- hanptmannjchait Professor Forel e r l a u b t habe, a n st c l l e des verbotenen Vortrages über Rasscuenicniungen und Raffeu- hebnng einen über Gehirn und Seele zu hallen. Cb die königl. sächsische Kreishallptmaimschast diesen Vortrag, besonders in seinem ersten Teile, für die Bevölkerung nützlicher erachtet, als den über Entartung, ist nicht bekannt geworden. -h — Alis Dresden wird unS geschrieben: Tie ^Vereinigung sur ideale Kultur", die Veranstalterin der in letzter Zeit vielgc- namiteit Schönheit-Abende, hat bekanntlich geplant, mre nuf der Frankfurter Konferenz der dcillscheii Sittlichkettsvereine heftig aiigegr'ssenen und vom preiißlschen Älinister des Innern auf Grund eines abfälligen Gutachteiis der Akademie der Künste der Konzessionwrungspsllcht untcrivorienen Vorführungen in fall allen größeren eiabien des Reiches abzuhalteu. Nachdem kürzlich in Leipzig em .Schönheil-Abend" stattgesundcu halte, sollte nun auch am vergangenen Samstag im Konzertsaal des hiesigen städtischen Ausstelluligspalastes em solcher Abend mit den betannten Naäl- darltellungkn veranstaltet iverben. Ta die hiesige Polizei ober die Ceffenllichkeit der Vorführungen aus formellen Gründen nicht zugelassen Halle, >var sie nur für Alitglieder der „Vereinigung nir ideale Kuliur und geladene Gäste zugänglich. Tie Polizei imlnn jedoch an, daß die Vedingungen einer ge»chlossenen Gesellschaft Nicht erfüllt seien und forOcrie kurz vor Beginn die Räumung des voll besetzten Hauses. Dabei kam es zu ninuiltuariici)en Szenen. Das den besten Gesellschaftskreisen angehörende Publikum pro- testierte gegen das Vorgehen der Polizei mit ironhchcn Hochru'en auf diese, wöbet einige Personen polizeilich iestgeitellt ivuröcn Darauf fand die Vorstellung vor der Tresdener Künsilcischaii, Vertreicrii der Presse und der Behörden statt. Wie aus Sirenen der /Vereinigung für ideale Kultur" verlautet, loll m nächster Zeit ein öffentlicher Schonheit-Abend im hiesigen Zentraltheater slalt- fiudeu, da angeblich die Tresdeiicr Polizei prmziplcUe Uni- wendungen nicht mehr erhebt. — Wag n e rs ött erbämmer ung* und d i e Pariser - Köche. Wie wir bereits berichtet haben, gelangte bb gQ, rs*e« Die ..Siebener ZamtliendlStter" werden dem ^Anzeiger' otermal wöchentlich beigelegt, daS „Kreisblati für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen 3eit» fragen" erscheinen monatlich zweimal. am Tienstag Richard Wagners „Götterdämmerung" in der Pariser^ Großen Cper zur ersten Aufführung. Bekaniltlich nimmt dieser Teil des „Ringes" besonders lange Zeil in Anspruch, so daß der Anfang schon für 6 Uhr festgesetzt wurde. Tiejer frühe Beginn hat die Pariser Küchenchefs gewaltig in Harnisch versetzt iind m einem von ihnen in der heutigen 9iacl)t abgehaltenen Meeting zu einer Empörung gegen den — Wagneriamsmus veranlaßt. In den vornehmen Haushaltungen sei, wie in der Versammlung mitgetetlt ivmbc, eine wahre Revolution ausgcbrochen. Tie Herrschaften können um diese frühe stunde einerieits nicht zu Hause dimeren, andererseits hätten sie kein rechtes Vertrauen zu dem angekündigten Zwischenaktdiuer im Foyer der Oper. Die Cperndireklion ivird wahrscheinlich der tnachtigen Köchckoleric zuliebe das Werk zu- fammenstreichen muffen, damit die Vorstellungen der „Götter- däninieruiig" künftig um 7'/, Uhr beginnen können. — E i n Vorstoß z u m Nordpo l. Wte uns New-Pork be- ' ichlet wird, beschäftigt man sich dort lebhaft mit dem kühnen Wagnis des Forschungsreijeliden Tr. Frederick E. Look, von dem amerikanische Forscher aimehmen, daß er seinem Ziel, dem Nordpol, sehr nahe lommcn iverde. Tie Absicht, diesen Vorstoß zu machen, tündigte er in einem soeben emgelrosfencu Brief an, der vom 17. Äiärz aus dein Eismeer, nördlich von Kap Hobbard, datiert ist. Tr. Cook war vor einem Fahr zu einer Fagdexpedi- tion in einem kleinen Fischschoner aufgebrochem Als die Zell zur fliückkehr herankaiii, erklärte er plötzlich seinen Freunden, daß er allein zuruckblciben und nach dem Nordpol aufbrechen ivolle. Von seinen Begieuern blieb 9lndolf Franke bei ihm, um die reichlichen Nahrungsvorräle, die die Jagd ihnen gebracht hatte, zu betvachen. 'Dht Hilfe von Eskimos wurde em Blockhaus in Auuortok, -v eng- Igche Aleilcn nördlich von Eiah, gebaut. Im Winter herrschte eine urditbare Kälte. Eines Tages ivurbe Tr. Eook beinntie von Eisbären gelötet, da das Schmieröl an feinem Gewehr sich jo verhärtet hatte, daß er öie Waffe nicht gebrauchen konnte. Schließlich gelang es, die Tiere mit Messern, die an lange Stangen gebunden waren, zrt verjagen. Am 26. Februar brach Tr. Eook nut einer kleinen Schar Eskimos nach dem Norden auf. Mehrere Tage brachte er auf einem schwimmenden Eisfelde zu; am 3. März erreichte er Flaglerday, von wo aus Franke den Ruckweg an trat. Im Peary-Kltib iverden jetzt 'Maßregeln getroffen, dem ver- ivegenen ooricher Htlic zrt billigen, aber vor dem nächsten Frühling wird leine Uiiiernel)inung möglich jein. — Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. An der Ausstellung für Handwerk, Gewerbe, Kunst und Gartenbau, die im nächsten Jahre in Wiesbaden staAsiudet, beteiligt >ich auch die Kurverwaltung in Bad-Nau heim in umfangreicher Weise. ieater-n.Ball- Tücher Echarpes ndschuh Pompadoon td Fächer Keilet oschen Haarschmud in reicher Auswahl Salomon & Cie. y ^lefon 602 b« -Schön-n Aussig I —---^L-Boriiou^ -hsstervereii te '^Uwoch abend, '/M. 'esamt-Probe -^Lorstand: DiM : 'eiBlHaiidinngs umis von I85j ianimänn. Verein) Bezirk Giesset en Doimerstag, um 9 U ereiiis-Kömd im Hotel Schütz, ahlreiche Beteil,»una binv Ter f^orftonti. EieUickl Anzeiger General-Anzeiger für GbrrheM tnde°‘ 4iiOi *•** : < ösei-e- 50 äl. StadtMfe/ Giessen. in'. Hermann StelojCcW och, den 21. Oktober Öi Anfang 7 Uhi. iocMbom-W taMta e romaniische Tragödie in en und einem Bot viel m Friedrich Schiller 1fl 7 Uhr. Ende gcg. 10 U/. ij der Milttvoch-B-rfk^ ein Cmmbus in her tu SeriPäteitenäum’/ilÖW' der Bahn fahrt. I„, bmactiota® 0 Anjang 8 Uhr- SWS? >50«" bTin4 8U|enDOn Lern'"-'n- ng8W-Endeges.» hott 2h Oktober scP Abonnement' InmaUges «jjf ^cibe^gl ((&) ©ntentia ümpfen zu lassen. Im übrigen läßt sich auf die neue Thronrede die oft gebrauchte Floskel anw^nden: sie bringt keine lieber» raschungen, beinahe noch weniger Ueberraschungcn als irgend eine ihrer Vorgängerinnen. Neue Vorlagen werden nicht angekündigt. Was die Thronrede aber von der Besserung der Beamtengehälter erzählt und der Notwen- digkeit, weitere Mittel flüssig zu machen, war trotz deS ängstlich gewahrten Silentiulns rein Geheimnis mehr. Gern vernimmt man die eindringliche Mahnung zur Sparsamkeit und wünscht, daß den Worten auch Taten folgen mögen; daß die guten Vorsätze zum Beispiel nicht dazu benutzt werden, den Weg zu prunkvollen Gesandtschastshotels zu pflastern. lieber die angekündigleu Steuererhöhungen läßt sich im Moment zudem kaum viel sagen. Am letzten Ende wird eben alles von der Gestaltung des Etats abhängen. Tas Extra- ordinarium der Eisenbahnen wird nicht mehr wie bisher dazu gebraucht iverden können, Ueberschüsse zu verpuffen. Anders, ganz anders als bislang wird künftighin der Etat ausz-u- jtellen sein. Sollte sich dann ergeben, daß neue Auflagen unvermeidbar sino, so wird man sich dem selbstverständlich nicht entziehen können. Immer aber wird darauf zu halten sein, daß es sich nur um Bewilligungen auf Zeit handeln kann; um vorläufige und vorübergehende Erhöhungen der Steuern, die man wieder ermäßigt, sobald der Bedarf geringer geworden ist. Neu und eigenartig an dieser Thronrede ist einzig ihr Schluß: der Hinweis ans die Händel im nahen Orient. Sonst war es nicht Sitte, die preußischen Herren mit diesen Dingen zu behelligen. Daß jetzt von der durch Jahre und Jahrzehnte bewahrten G-Pftogenheit abgcgangen wird, scheint doch darzutun, daß unsere auswärtige Situation und die Lage auf dem Weltthealer ernster geworden ist, als man gemeinhin zuzugestehen geneigt schien. Tie erste Sitzung dcS Abgeordnetenhauses. Da die Neuwahl des Prchioiums aus den näa-sten Montag verschoben wurde, konnte das HauS gestern gleich in die ernste Arbeit für des Landes Wohl hineinstcigcn. In guter „Form" — um einen Spvrtsausdruck zu gebrauchen — begann das Parlament sein Pensum: die Plätze der Abgeordneten waren voll besetzt und die Aufmerksamkeit nicht gering. FinanMinister Frhr. v. Rheinbaben war der Beherrscher der Stunde. Er brachte die Befoldungsvorlagen ein, die eigentlich schon in der vorigen Tagung Hütten kommen sollen, aber zurückgestellt wurden, um ein gleichmäßiges Vorgehen mit dem Reiche zu ermöglichen. Auch einiges, wozu er nicht ebenso lebhaft gedrängt worden war, brachte er mit ein: die DcckungSvorlagen. Sv kam er auf eine Sieben- zahl von Gesetzentwürfen. Das wichtigste, was er gab, waren die Ziffern: Ziffern über die Aufbesserung der Beamten von den zunächst (genannten Gendarmen, Schutzleuten und Förstern bis zu den Oberpräfidialräten, Zisfern für die Neugestaltung der Be- zoldung der Lehrer, Lehrerinnen und Geistlichen der beioen großen christlichen Bekenntnisse, Ziffern zur Kennzeichnung der Finanzlage, besonders der Mindereinnahmen aus den Eisenbahnen, und des Bedarfs pm neu zu erschließenden Einnahmen, Ziffern für die vorgeschlagene Erhöhung der Einkommensteuer und der Vermögenssteuern, endlich Ziffern für die Einführung einer Steuer von den Gewinnen der Erwerbsgesellschaften. Die erstgenannten Ziffern werden den Dienstag oder Mittwoch für manchen braven Beamten und seine Familie zum Freudentag machen. Das HauS quittierte mit lautem Bravo die Erwähnung der den Gendarmen, Schutzleuten und Förstpvn zugedachten Gehaltssummett, die beabsichtigte Gleichstülung (im Höchstgehalt) der Gerichtsschreiber mit den Negierungssekretären, der Oberlehrer mit den Richtern und RegierungSvüten, und die allgemeine Gleichstellung aller höheren Lokalbeamten mit voller akademischer Bildung und der gleichen Vorbereitungszeit, also der Kreisfck-ulinspektoren, Bau- inspeltoren, Gewerbernsp^ktoren, der vollbesoldeten KretSärzte, Obersörster utw anderer, enolich die Gleichstellung der Lokal-Verwaltungsbeamten mit den Provinzialoeamten. Weniger bemerkbar war der Beifall bei Erwähnung der geplanten Sätze der Gesell- schastssteuer, was wohl nicht nur auf die Ermüdung der Abgeordneten durch den etwa V/2 stündigen Vortrag zucückzufuhren Eanbtngsanfang in Preußen. Die Eröffnung im Weißen Saale. Zum ersten Mate nach den ^Neuwahlen >var der Landlaa um die Person des Monarchen geschärt. Der im Schmucke seines Hellen Marmors schimmcrnoe Weiße Saal des königlichen Schlosses in Berlin war wie gewöhnlich der Schauplatz des staatsrechtlichen Vorgangs. Viermal nach dem Brauche erfolgte der feierliche Zug des Kaisers und der Prinzen durch den Saal: erst wurde der Weg zur Kapelle zurückgelegt, dann, nach dem Gottesdienste, ging der Rückmarsch" durch den gleichen Raum, der sich nun schon mit solchen Mitgliedern des Landtags stark gefüllt hatte, die an dem Gottesdienste nicht teilnahmen. Dann, fuiebcrum nach einer Pause, der neue Einzug zur Verlesung der Thronrede, endlich der feierliche Abschied. Die Landtagsmitalieder waren recht zahlreich erschienen. Die Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses und des Herrenhauses zeigten sich in militärischer Umsorm, der eine als Dragoner, der andere als Husar. Ein großer Teil von Mitgliederri beider Häuser hatte es ihnen nachgetan. Neben den glänzenden Uniformen behauptete aber doch der schlichte Frack des bürgerlickzen Volksvertreters den Hauptraum. Nur die Polen und Sozialdemokraten bemerkten wir nicht. Wie üblich wurden militärische Ehrcncrwcisungen durch die Schloßwache erwiesen, die hinter den Abgeordneten und Herren in langer Reihe ausgestellt war. Die einzigen lauten Worte, die man hörte, waren die Kvmmandorufe. Einen eigentlich parlamentarischen Pomp wie in England gibt es ja bei uns nicht. Zum dritten Male wird präserttiert und wieder betritt der fürstliche Zug den Saal. Herr von Manteuffel bringt ein dreimaliges Hoch aus. Langsam nähert sich der Kaiser 'dem Thron, langsam steigt er die Stufen hinauf. Rechts vorn von ihm nimmt der Kronprinz Aufstellung, links vorn der Reichskanzler in 5^usarenunisorm, hinter ihm die Minister. Der Kaiser bedeckt sein Haupt mit dem Helm, Fürst Bülow nähert sich dem Thron, verbeugt sich tief und überreicht die Thronrede, verneigt sich wieder und nimmt feinen alten Platz ein. Der Kaiser liest die Rede vor, nicht sehr laut, aber artikuliert und verständlich. Schweigend, aber aufmerksam hören die Landtatzsmitglieder zu. Bei Erwähnung der Wahlresorm rührt stch niemand. Nur einmal erschallt lautes Bravo: als gegen Ende der Rede ausge- S'prochen wird, daß Deulschlanv in treuer Gemeinschaft mit einen Verbündeten für eine friedliche und gerechte Lösung >er Schwierigkeiten im nahen Orient eintrcten werde. Dann noch ivenige freundliche Schlußworte und Fürst Bülow nimmt in gleicher Weise die Thronrede wieder in Empfang, um seinerseits im Namen des Kaisers den Landtag für eröffnet zu erklären. Ter Kaiser jetzt den Helm wieder ab, verbeugt sich gegen die Landlatzsmitgliedcr und verläßt mit den Prinzen den Saal. Jetzt i|t es Herrn von Kcöchers Aufgabe, das Hoch auszubriugeu. Langjam verstreuen sich dann die Landtags- und Regierungsmitglieder. Die preußische Thronrede. Von der Thronreoe, mit der der Kaiser am Dienstag die neue Legislaturperiode des preußischen Landtages eröffnete, ist in den letzten Tagen versichert worden: sie würde sich durch feierlichen Schwung auszeichnen. Das wird man zum mindesten von dem Passus nicht behaupten dürfen, der von der preußischen Wahlresorm handelt. Der Abschnitt klingt- über atles Erwarten matt und wir möchten kaum annehlnen, daß diese müden, wie zur Erfüllung einer nun nicht einmal zu umgehenden Anstandsp,licht hingeworfenen Sätze die Beunruhigung verscheuchen-werden, die in der Beziehung in linkslibcralen Kreisen zu herrschen scheint. Es wird Sache der ganzen Linien des preußischen Abgeordnetenhauses sein, dafür zu sorgen, daß auch dem dilatorischen Versprechen der Thronrede Erfüllung werde; daß die „umfafsenden Vorarbeiten" (wie oft hat man uns schon mit ihnen unterhalten!) nicht zum bequemen Vor- Aus 5taOt und Land. Gießen, 21. Oktober 1908. LU. Die für das Rektorat der Landcs-Uni- versität bestimmten Postsendungen werden teils mit namentlicher Bezeichnung des Rektors ausgegeben, teils ohne solche. Das hat die Folge, daß die Sendungen teils in der Wohnung des Rektors, teils in der Kanzlei abgellcfert werden. Es ist dringend wünschenswert, daß alle derartigen Sendungen adressiert werden: 91 n die Landes-Universität oder 9ln vas Rektorat der Universität oder An den Rektor der Universität, ohne Äiamensangabc. Rur so kann auch für den Fall, daß der Rektor verhindert ist, daS 9lmt zu führen und durch den Prorektor vertreten wird, eine pünktliche Erledigung der Geschäfte — Eingaben u. s. w. — gewährleistet werden. " Land,vlrtschaftskaminer. In der 31. Vorstandssitzung wurde unter anderem über die Umlagen entschieden, sowie die Satzung und Hausordnung der Hans- haltunqsjchulen Langen und Lindheiin angenommen. Die Abhaltung emeß im nächsten Jahre in Gießen statifindenden Vortragskurses wurde bejchtossen, die definitive Festsetzung der Voriräge soll nach Acußerung de8 AusjchufieS für Ober- Hessen erfolgen. Em Mitglied der Kommission für Festsetzung der Entschädigung für an Milzbrand, Rauschbrand und Schweinerotlauf gefallenen Tiere wurde von der Landwirt- schastskammer gewählt. Eine Revision der Gebührensätze deS Aibeltsnachweises wurde in Aussicht genommen. Ter Entwurf dec Voischnsten für den Pflanzenschutzdienst wurde unter kleinen Abänderungen angenommen. Die nächstjährige Wanderausstellung der Deutschen Landwirljchaftsgesellschoft in Leipzig soll nur mit Ziegen beschickt werden. Tie übrigen Gegenstände wurden auf die deninächst staltfindende Bor- standssitziing vertagt. ** Eine Sitzung deS Provinzial-AuSschnsscs findet am 24. Oktober dS. Js., vorm. 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Reklamation gegen die Bürgermeisterwahl zu Saasen. 2. Enteignung von Gelände zur Erweiterung des Bahnhofs Vilbel; hier Urteilsoerkündigung. 3. Gesuch der Firma „Gießener Brauhaus" zu Gießen um Erlaubnis zur Aufstellung eines Dampfkessels; hier Urteilsverkündigung. 4. Rekurs der Heinrich HaaS III. Eheleute zu Bruchenbrücken gegen einen Polizcibefehl Großh. Kreisamts Friedberg wegen Schließung ihres Brunnens. 5. Gesuch des Karl Hebbel II. zu Ortcnberg nm Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft. •• Stadttheater. Für das am SamStag, 24. Okt. stattfindcnde Gastspiel des Jbscn-TheaterS der Frau Maria Rehoff ist „Baumeister Solneß" in Aussicht genonnnen. Dieses Weck des nordischen Meisters ist bisher nur an sehr ivenigen Bühnen zur Aufführung gelangt, da für die Darstellung der Titclpartie und der Hilde Wangel besondere Individualitäten verlangt werden. Nach vorliegenden Bo- sprechungen bringt das Rehoffsche Ibsen-Ensemble das Werk ui forinvollendetcr Weise zur Darstellung und das Gastspiel dürfte sicher das lcbhaste Interesse der hiesigen literarischen Kreise erwecken. Erwähnt sei noch, daß die Vorstellung bei gewöhnlichen Preisen statlfindet. "Tie verschwundene Ziege. 9luS einem Gehöfte tun Leihgestcrncr Weg ist heute morgen zwischen 6 und 7 Uhr eine weiße Ziege ohne Hörner spurlos verschwiinden. Da cm verdächtiger Unbekannter in der kritischen Zeit in der 9iähe gesehen wurde, wird angenommen, die Zieg^: ist gestohlen und wird hiermit vor Ankauf gewarnt. ’• Eine verwickelte Hasengeschichte. Der Arbeiter S. aus einem Nachbarorte verloste dieser Tage einen Hasen und verfertigte 30 Lose zum Preise von Je 20 Psg., also zusammen Mk. 6.—. Ein jeder seiner Nsttarbeiter kaufte ihm denn auch ein Los ab. Nach beendeter Verlosung fiel öer Hase an den Arbeiter O. Dieser erklärte, er wolle den Hosen nicht haben und verkaiifte ihn an seinen Dsttarbeitcr G. zum Preise von Mk. 1 30. Als G. später an seine 9lrbcitS- iicUe kommt und will den Hasen niitnehinen, hat der O. ihn ivieder an S. zuin Preise von Wik. 1.50 verkauft. S. hat also einen Verdienst von Vik. 4.50 und den Hasen wieder. = Heuchelheim, 20. Okt. Am Sonntag, 18. d. M. tagte hier die Herb st Vertreterversammlung dcS Bezirks Gießen im vcstisch-Raüaustche.i (Main-Rhringau-) Verbände Gabelsbcrgerjcher Stenographen unter außeroräenUich starker Beteiligung. sämtlicher 13 BezirlSvereincn. Ein Wettschrciben in Wlciluugen. von CO—240 Silben ging voraus, an dem, e.nschließlich einer Reihe von Schälern der drei höheren Lchcanstalteii bubens, 106 Tomen und Zerren teilnahmen, eine Beteiligung, wie sie bisher die Veranstaltungen des Bezirks, einer oerhülinismäßig sehr kleinen Crganifaiion innerhalb des großen Teulschcii Sieiwgraphenbundes Gabelsberger, noch nie gesehen hatte. Nach dem Wettschrcibew fano im Gasthaus „Zum! Treppchen" cm gemeinsames Mittagsmahl statt. Tie Venretervcrsammlnng bcßann unter dem Vorstpe des Pros. Kr a m e r-Friedberg um 2 Uhr und schwß mit einem Vortrage des Vor sitzens en der Ver- ciniguug Gabelsoergericher Stenographen an der Liidovieicnta, stud. phtl. cl. Ernst Maye r über „Das Verhältnis der Schüler- oereilte zu den Hauptvereinen", der von den 9lnwesenden mit großem Beifall ausgenommen wurde. Am Nachmittag folgten die anwesenden Vertreter und die Augel-örigen des Gießener und des Heua-clHeimer Vereins einer Einladung des letzteren zu einem gemutliuxii Zusammensein ans dem Windhof, der die Gäste kaum alle zu fafjen imstande war. Hier waroe auch das Ergeonis des Wettfckweibens bekannt gegeben. Es konnten von den 106 Teilnehmern Lö mit Preisen vedacht weroen und zwar erhielten in öer Avleitung von 24t) Silben: 1. unö Ehrenpreis: Rommeis- oiantfurt a. M. außer Konkurrenz. 2 20 Silben: 1. und Ehrenpreis: Döpscr-eoießeii, Verein 61. 160 Silocn: 1. und I Ehrenpreis: Noloss-Gießen, Real-Gynin., 1. Preste: Meyer- Eüeßen, Ak.-Veretn, Sa-uiibt-Wetzlar, Lenz-Gießen, Seeti.-Gejell- idxnt. 3. Preis: Woi,s-Güßen, Slen.-Gesellschast. 14 0 Sil- Den: 1. und Ehrenpreis: Berger-Gielen, Gymnasium. 1. Preis: Narnbach-Gießm, Vei^in, Wenzel amb Weller, Gießen, Real- ahmnasium. 2. Preis: Gilbert-Metzen, Verein, Weirich-Gießcn Verein. 3. Preis: Barsch-Heuchelheim, Oehler-Gießen, Verein. I 2 0 S i l b c n: 1. unb Ehrenpreis: Klotz-Gießen, Sten.-Gesellsch. 1. Preis: Huth-Friedberg, Schülerverein, Rühl-Gießen, Sten.- Gesellsch., Nather-Gießen, Verein, Schneibmüller-Gießrn, Sten.- Gesellsch., Rinn-.Heuchelheim, Rademaler-Gießen, Sten.-Gesellsch. Preis: Äreiling-Heuchelheim. 100 Silben: 1. und Ehren- preis: Töll-Gießen, Verein. 1. Preis: Leicht, Otzr, ,Vizefeld- webel Oechler, Petry, Fischer, Vizeseldwebel Straub-Gießen, Verein 61, Gilbert, Stein-Heuchelheim, Schmidt, Scheuermann, Ge- sellsch. Friedberg, Schindler, Klipstein, Bausch, Junker, Reuß, .Realgymnasium Gießen, Frl. Schindler, Frl. Dörr- Tamenverein Gießen, Strüger, Engel, Gymnasium Gießen, Walther, Sand, Scholl, Gesellsch. Gießen, Münch-Wetzlar. _ 2. Preis: Schneider, Gymnasium Gießen, Frl. Qucdnau, Gesellsch. Gießen. 8 0 Silben: 1. und Ehrenpreis: Walther, Gesellsch. Gießen. 1. Preis: Settegast, Kyritz, Becker, Gravelius, Schncioer, Gesellsch Gießen, Mehrung, Abend, Gesellsch Friedberg, Werner, Weißbach, Grob- Verem Gießen. 2. Preis: Koob, Gesellsch. Friedberg. 60 Silben: 1. und Ehrenpreis: Schleenbecker, Verein Heuchelheim. 1. Preis: Sack, Verein Heuchelheim, Volker, Verein Friedberg, Peppler, Adam, Mulch, Scmmler, Gesellsch. Gießen, Vogel, Rockel, Andreas, Neumann, Vi.vefelbwebel Weiß, Deck-ert, Verein Gießen, Kaul, Verein Bad-Nauheim, Hofmann, Gymnasium Gießen, Dahmer, Heyer, Eise, Verein Schotten, Cost, Kleberger, Schüler-Verein Fritdberg. 2. Preis: Tebus, Deibel, Müller, Verein Gießen, Lellnhcher, Gesellsch. Gießen, Lenz, Verein Heu- chelheim. 3. Preis: Jung, Verein Heuchelheim, Eckel, Verein (Motten, Philippi, Gesellsch Friedberg. -r ©taufenberg, 20. Cft. Dieser Sage wurde hier ein eigenartiger Fund gemacht. Es wurde in einem Weiher ein schwerer Sack Nohtadak zur Zigarrensabrikation entdeckt. Auf welche Weise der Sack dahingekommen ist, weiß man nicht. —r. Grünberg, 19. Okt. Ten Bemühungen des Vorstandes des Gewerbe-Vereins ist es gelungen, den in Aussicht genommenen Buchführungs-Kursus zu Stande zu bringen. Es haben sich 11 Teilnehmer gemeldet, doch hofft man auf noch größere Beteiligung, umsomehr, als es im Interesse der Mitglieder liegt, sich eine geordnete einfache Buchführung anzueignen. Ter Unterricht beginnt voraussichtlich am nächsten Sonntag. Als Unterrichtslokal ist ein Raum der Sonntags - Zcichenschule in Aussicht genommen. O Laubach, 20. Okt. Auf den Einspruch, den der Handelskammeroertreter wegen Ausfalles der Züge 106 1 und 1064 erhoben hat, ist von der Elsenbahndirektion die Antwort erteilt worden, daß die Beibehaltung während des Wintersemesters wegen der schwachen Besetzung vom wirtschaftlichen Standpunkte sich nicht rechtfertigen ließe. Die Wiedereinführung für den Sommer 1909 würde nachgeprüft werden. Im übrigen sei die Eins üh run g von Motorwagen bereits in Erwägung gezogen. Wann und aus welchen Strecken der Obcrhessischen Bahnen dies geschehe, könne noch nicht bestimmt werden, da das von der Errichtung einer zweckmäßig gelegenen elektrischen Zentrale abhängig sei. Also Hechts abivarten und hoffen l § Vom oberen Vogelsberg, 20. Okt. Das gute Oktoberwetter hat die Herb st arbeiten sehr beschleunigt. Vor allein sind die Kartoffeln gut eingebracht worden. Tie Knollen sind nur wenig angefault und der Landwirt kann mit dieser Ernte vollauf zufrieden sein. — In diesem Jahre werden die Schlehen wieder gesammelt und von Händlern mit 3 Pfg. das Pfund bezahlt. — Seit heute nacht haben wir Frost — 2° K. L. Hof Altenberg, 20. Okt. Die Kreis-Jung- v ich weide auf Hof Altenberg wurde am Samstag geschlossen. Volle 22 Wochen, nämlich vom 18. Mai bis zum 17. Oktober, konnte sie demnach von den Tieren ausgenutzt werden. Die Zahl der Rinder ist diesmal auf 40 gestiegen, und hatten selbst entferntere Gemeinden, wie Hochelheim, Dorlar, Kinzenbach u. s. f., Tiere aufgetrieben. Diese stete Zunahme innerhalb vier Jahre ist der beste Beweis, daß das Unternehmen bei unseren Kreisbewohnern immer mehr Anklang findet. Trotz des überaus ungünstigen Sommers ist den Tieren der Aufenthalt im Freien ganz vorzüglich bekommen; auch diesmal blieben sie von Kraukheits- und Unglücksfällen gänzlich verschont. Wie durch die Wage fest- gestellt wurde, ist durchschnittlich eine Gewichtszunahme von 70—90 Kg. zu verzeichnen. Das Weidegeld beträgt für das Tier 25 Pfg. für den Tag, der Rest wird im gleichen Betrag vom Kreise übernommen. s Marburg, 20. Okt. Die landwirtschaftliche Wintcrschiile begann heute ihr diesmaliges Semester mit nur 30 Schülern. — Am 26. Oktober beginnt in der alade rn i s ch e n Turnhalle hier ein Ausbildungskursus für Turnlehrer. w Frankfurt a. 9)1., 20. Okt. Die Stadtver- ordnete »-Versammlung lehnte in ihrer heutigen Sitzung die Berücksichtigung einer Eingabe des Aerzteverbandes, der auch in der Armenpflege die Einführung der freien Aerztewahl wünscht, wie sie von der Ortskrankenkasse bereits eingeführt ist, ab. Ü Frankfurt a. 9)1., 20. Okt. Wie nunmehr feststeht, findet der Kaisergesang.Wettstreit deutscher Männergesangvereine in Frankfurt a. 9)1. in den Tagen vom 1. bis 4. Juni 1909 statt. Der Kaiser wird in der Zeit vom 31. Mai bis 5. Juni im Wiesbadener Schloß Wohnung nehmen und von dort aus den Gesang-Wettstreit besuchen. FC. Frankfurt a. 9)1., 20. Ölt. Eine Großviehhandlung hat sich infolge der hohen Preise, die zur Zeit für lebendes Vieh gezahlt werden, entschlossen, geschlachtetes Vieh aus dem Aiislande am hiesigen Markt zürn Verlaus zu stellen. Heute traf eine Probesendung — em Waggon geschlachtetes Rindvieh aus Holland — hier ein. 5ur waldschulftage. Was sagt der „Gegner"? Mehr als die Sbälftc seiner Entgegnung widmet der Waldschulinteressent dem meinen Aus,uhrungen bCigefügLn Urteil eines Stadtverordneten über den Wert der Sa) ul» baraden und zieht ans diesem Urteil an den Haaren ven Schluß herbei, daß wir beide -- mein „Gewährsmann" und gch — von den Verhältnissen der höheren Schulen wohl |feinc Ahnung haben. Er schießt dabei weit am Ziel vor- ibei, wenigstens was mich betrifft imeinen „Gewährsmann" lernte ich leider nicht, iveiß al|ü and: nicht, uy,t er zu ocr Frage steht; die betreffende Aeußerung i- - • einer di verordnetenvcrsammlniig, aus beim '.wrici), P!.: im Erinnerung ivar . Ich personlicl hat., auiu nicht die jSput einer Ansicht, der .Stgbtverjvgltuns mu o nqV4. zu nahe zu treten: „Siehst du, für die höheren Schulen sorgst du, für die Volksschule aber nicht." Die eingeklammerte Aeußerung hatte nur den Zweck darauf hinzuwcifcn, daß man auch tn einzelnen „Laienkreisen" Von der Güte der Baracken nicht so ganz überzeugt ist, und es lag mir vollständig fern, diese Ansicht des Stadtverordneten zu meiner eignen zu machen. Wer wie ich erfahren hat, welche Nachteile es in gesundheitlicher Beziehung für ein Kind hat, wenn es nur ein Jahr lang seine Unterrichtszeit in einem der vom Einsender erwähnten „Schulsäle" für höhere Schulen verbringen muß, der wird sich wohl hüten, die dortigen Verhältnisse als rosige zu schildern. , Im übrigen kommt mir der „Gegner" in diesem-teile seiner Ausführungen auf halbem Wege entgegen. Er tut dasselbe, was ich tat. Er macht die Stadtverwaltung ebenso dringend wie ich darauf aufmerksam, daß für viele unserer städtischen Schulkinder („höhere" und „niedere"), gesundheitlich einwandfreie Räume beschafft werden müssen. Hier muß ich darum dem Einsender danken, daß er meine Ausführungen noch ergänzt hat. Gehen wir weiter ober vielmehr zurück, denn ich habe nun einmal angefangen, die Entgegnung vom 17. ds. von rückwärts auszutrempeln. Dort wird die Einrichtung einer Waldschule als ein Versuch bezeichnet, der — meines Wissens — recht kostspielig werden dürfte. Doch ist ein Versuch dieser Art kein Versuch — nach meiner Aufsassung, sondern der erste Schritt zu einer ständigen Einrichtung, und ehe man einen solchen Schritt tut, muß man sich wohl fragen: Ist diese Einrichtung dringender wie andere? Wer ohne Voreingenommenheit an diese Frage herantritt, muß sie mit einem glatten „Nein!" beantworten. Vergleichen wir einmal die Einrichtung einer Waldschule mit anderen Fürsorgeeinrichtungen der Stadt. 2er Stotterkursus nimmt alle an Sprachgebrechen leidenden Kinder auf, der Hort alle Kinder, bei denen wirklich ein Bedürfnis zur Ueber- lvachung oorlieat, Schularzt und Schulzahnarzt sind für alle Volksschulkinder da und zwar vom ersten bis zum letzten Tage ihrer achtjährigen Schulzeit — die Waldschule aber nimmt nur einen geringen Prozentsatz der Kinder auf, die eine Erholungsstätte nötig haben. Hängt der Einsender v. 17. ds. eine 0 an die Zahl 40 (soviel Kinder würden etwa versuchsweise für die Waldschule in Frage kommen, so wird er ungefähr die Summe der Volksschultinder haben, die an Blutarmut, Drü Anschwellungen, Wirbelsäulenverkrümmungen usw. leiden. Da nun die Stadt als Zwangs- gemeinschast Aller all ihren Bewohnern gleiche Pflichten — nach Können und Vermögen — auferlegt, so haben alle Bewohner auch gleiche Rechte an die Fürsorgeeinrichtungen der Stadt (Stiftungen für bestimmte Zwecke sind selbstverständlich hier ausgenommen). Dieses: „Gleiche Rechte für A l l e" fordert darum auch für Spezialschulen, die von dem Gelbe der Stadt bezahlt werden, gleiche Berücksichtigung aller Bedürftigen (Stotterkursus, Horte usw.). Und nun zur letzten bezw. ersten Behauptung des Art. vom 17. Okt., zu den „Schmerzen lokaler Art, die mit der prinzipiellen Erörterung der Waldschulsrage nichts zu schaffen haben." Sck)merzcn lokaler Art in einem Organismus rühren oft, sehr oft von einem Allgemeinleiden her, und die Stadt wäre ein schlechter Arzt, wenn sie eine der wunden Stellen mit einem hübschen Pflästerchen zuklebte, statt durch geeignete Vorkehrungen das Allgemeinbefinden zu heben. Ein'vorsichtiger Arzt wird Schmerzen lokaler Art auf ihre Ursachen hin prüfen, damit er den richtigen Weg zur Heilung findet. Dabei wird er vielleicht auch einen schaden Schnitt, und wenn er dem Organismus auch wehe tut, nicht fdjcucn. Seine Tätigkeit wird bann wohl auch von Erfolg begleitet sein. Sollte aber als letzter Rest der nahezu Überstanbenen Krankheit, bie bis bah in wohl viel Geduld und viel Geld verschlungen hat, eine schwärende Stelle übrig bleiben, so lege er das schon vorhin erwähnte Pflästerchen auf die wunde Stelle, damit hier die letzten Krankheitsstoffe nadj und nach herausgezogcn werden, und bann ist bem Gesamt- organiSmus und all seinen Glieder.l gedient. Zum zweitenmal habe ich mir meine Ansichten zur Frage der Gründung einer Waldschule vom H rzcn herunter* geschrieben, weil ick) glaubte, unfern Volks,u)ulkindern dies schuldig zu fein. Mögen meine Ausführungen gute Folgen für die Gesundung des Gießener Schullebens haben, dann bin ich reid) belohnt für meine Mühe. Damit aber: Schluß für mich! GerichtsdaaL. Hagen i. Wests., 20. Olt. Im Prozeß gegen den Landarbeiter Franz Hesse wurde heute nachmittag das Urteil gefällt. Hesse war beschuldigt, im November 1907 die 15 jährige Tochter der Witwe Hartmann aus Hagen ermordet zu haben. Er hatte das Mädchen unter dem Vorwande, ihm eine Stelle besorgen zu wollen, von der Mutter fortgelockt, vergewaltigt und ermordet. Die Angelegenheit war schon einmal vor dem hiesigen Schwurgericht verhandelt worben; Hesse hatte aber die Wiederaufnahme des Verfahrens durchgesetzt, indem er behauptete, daß ihm die Beweisführung abgcschnitten tooroen fei. Tas Urteil lautete wiederum auf Todesstrafe und dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. M a n n h e i m, 20. Olt. Hier ist heute eine Schwurgerichrs- periode erossnet worden, lieber die Eröffnung der Tagung wird der „Franks. Ztg." gemeldet: In einer einleitenden Ansprache bemerke der Vorsitzenoe Landgerichtsdirektor. Dr. Hummel u. a., daß unter den ausgelosten Geschworenen fick) auch ein Arbeiter befand. Dieser haoe aoer von seinem Amte entbunden werden müssen, da die Firma, bei der er beschäftigt ist, ihm erklärte, daß er sofort entlassen werde, wenn er dieses Amt aus- übenjvolle. Der Vorsitzende nannte die Firma nicht. Saarbrücken, 20. Okt. In Sadjen der auf den fiskalischen Gruden Göttelborn und Reden seit einer Reihe von Jahren vorgetommenen Bestechungen von Steigern und Obersteigern, die Ende vorigen Jahres zur Kennttiis der Berg- nerlsoireltion gekommen sind, begann heute vor der Strafkammer die Verhanolung über die Vorkommnisse auf der Grube Rede n. Zur Verhandlung über die *Durchstecl)ereien auf Grube Göttelborn dürste es erst int Januar des nächsten Jahres kommen wegen Meineids bezw. Verleitung zum Meineid. Bisher sind im Laufe des Jahres bereits sieben Bergleute und ein Obersteiger verurteilt worden. Es sind 52 Angeklagte vorgeladen, die von neun Rechtsanwälten verteidigt weroen. Für die Verhandlung sind vorläufig fünf Tage vorgesehen. Bis jetzt sind vier Fahrsteiger und vier Steiger vernommen worden. Die Vernommenen bestreiten alle, Bestechungsgelder angenommen zu haben. Allenst-ern, 20. Ott. Der 15 jährige Besitzerssohn Bruno Zacheys aus »ombien wurde von der Strafkammer wegen Brudermordes^ zu sechs Atonalen Gefängnis verurteilt. Gelegentlich eines Schulfestes hatte er seinem zwei Jahre älteren Bruder nach einem Streit mit einem eisernen Trahtstoa einen so heiligen etid; gegen die Stirn versetzi, i?aß der Tod sofort emtrat. Dermitotes. * G i n e igen a r 11 g cc ll n i a11 ereignete sich kürzlich in einer 'Diotoi- und Kühlanlage :n Dresden. Durch einen Bruch am Kondensator eines .Kohlensäure - Behälters erfolgte eine Explo- q0?' der Maschinist betäubt wurde und cifi mit Hil>e des I Konigichcn piauch'chui^ -'lpparaie-:- gerettet ivciÖen konnte. Die I ""U'WeUten Wieder belebungsverhuche hatten einen ♦ Eine amerikanische Ehrung Zeppelins. Auf Veranlassung des Ingenieurs Dr. Robert Grimshaw- Tresden unb ohne Wissen des Grafen Zeppelin wurde die Erfindung des lenkbaren Ballons dem „Comittee on Science and the Arts" des Franklin-Instituts Philadelphia vorgelegt mit der Absicht, bie Verbienste der deutschen Erfindung mit der Elli ot C r e s s o n g o l d e n en 9J1 e b a 111 c ( der höchsten Auszeichnung des Instituts, zu belohnen, «tiefe wird selten verliehen. Unter denjenigen, die sie erhalten haben, befindet sich Westinghouse, der Erfinder der selbst- tätigen Luftbremse für Eisenbahnen. Die genannte Körperschaft, 1824 zur Förderung des Jngenieurwcsens gegründet, ist das leitende Institut Amerikas m Bezug au, industrielle und technische Angelegenheiten. Es wurde em Unterausschuß ernannt, der bie Ersinbung zu prüfen unb baruber Bericht zu erstatten hat. — Meine Tageschronik. Die Witlwe des Geh. Kommerzienrates Böninger in Duisburg saftete 50000 Mark für verschämte Anne und 20 00u Alark für das Hamelfche Krankenhaus in Ruhro r t. Für das gleiche Krankenhaus flifieie Kommerzienrat Franz Haniel lo 000 Mark. Der Redakteur der „Berliner Morgenpost", Kvn- rad 9Jlarlin Schmidt war wegen Beleidigung des Frän- lein Olga Molitor zu neun Monaten Gefängnis verurteilt morden. Diese Strafe ist jetzt vom Kaiser im Gnadenwege iv eine Geldstrafe umgewandelt worden. Der Münchener A kade m i e p r o se s so r Büttner-Pfänner zu Tal wurde unter dem Verdacht der Verleitung zum Meineide in Koburg verhaftet und nack) München übergeführt. Auf den südlichen Bergen des Karwendeltalcs zwischen Schamitz und Larschetal verwüstete ein großer Waldbrand ausgedehnte Gebiete. Der Schaden ist sehr bedeutend. In Leuifcha u (Ungarn) wütet seit gestern eine furchtbare F e u e r S v r u n st. Alehrere Kirchen unb öffentliche Gebäude sowie zahlreiche Privalhätiser sind ent Raub der Flammen ge,vorden. Nach den letzten 9Jielumigen über den am 17. Oktober in Tschang-Tschou Kwang-Tung aufgetretenen Taifun lind 2700 Menschen ums Leben gekommen; 3600 Häuser sind zerstört worden. handei. — Aus der Warenhausbranche. Unter dem Eindruck des unaufhörlichen Kursrüdganges der Aknen der Compagnie Internationale des Grand Basais (Frankfurter und Nürn- oerger Basar) Brüsicl, die Aktien notieren an der Brüsseler Börse 41 Frks., läßt sich die Verwaltung endlich herbei, einige Angaben über den Geschäftsgang zu madjen. Wie die „Cöte Libcre" meldet, hat die anfangs des lause:ioen Geschäftsjahres ausge. brochene finanzielle und industrielle Krisis, die sich in Deutschland sehr stark fühlbar machte, auf den Umsatz eine Rückwirkung ausgeubt, deren Folgen jedoch nicht übertrieben werden dürfen. In Nürnberg haoen sich die Umsätze nack) einem Nachlassen in den ersten 6 'Monaten wieder gehoben und hielten sich Ende Septemoer bis auf einige Hundert Mark aus der Höhe der vor- jährigen. Der F-rankfurter Basar hatte stärker zu leiden, haupt- lächlich unter Der Konkurrenz mehrerer neuer, gleichartiger Unternehmungen, die im Laufe des Jahres errichtet wurden. Es wurden wahrend der ersten Monaten ungefähr 180 000 Mark weniger umgesetzt (bei einem Jahresumsatz von 6 9)1 UI. Mark) und gewisse unverkauft gebliebene Saisonwaren haben die Lagcr- oorräte vergrößert. Es lverden daher entweder auf dieselben beträchtliche AuschrrSungen vorzunebmen sein, oder die Waren sind mit Rabatt abzustotzen. Die MitteUung hält diese Verhältnisse für vor.'beigehend und außergewöhnlich, da die allgemeine Lage gesund sei. — Die Zigarettensteuer i::i deutschen Zollgebiete brachte im zweiten Viertel des laufenden Rechnuiigsjahrcs 4 389 034 Mark ein. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 21. Ott. Schweinemarkt. (Org.- Tel. des Gieß. Anz.) Zum VerkaiN'e standen 1394 Schweine. Bezahlt wurden: für Schweine 1. Qual. 71—73 Pfg., Lebendgewicht öß,5 bis 57 Pfg.; 2. Qualität 70—00 Pfg., Lebendgewicht 56,0—00 P'g., 3. Qual. 06—63 Pfg. Geschäft gilt, lieberstand nnbebenienb. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung Mir yenen am Donnerstag den 22. Oktober: Trübung und Erwarmung, spater auch 9tledersck)läge. Veränderltd)e Wiitde. GreginaL-Drahtttieldungen. M. Bad-Nauheim, 21. Okt. In einem hiesigen Hotel wurde kürzlich einer Russin ein Pelz im Werte von 800 Alark gestohlen. Tie Diebin, ein Vlädchen namens Elise Peuffer wurde heute in F-rankfurt verhaftet. — Frankfurt a. M., 21. Okt. Dem Reichstagsabgevrd- treten Grafen Oriola wurden am 6. Oktober in V e n e d i g Schmuck- fadjen und 1500 Mark in bar gestohlen. Ter Dieb, ein gewisser Erich Schmidt, der durch bie Karte einer Frankfurter Bardame ermittelt wurde, ist nunmehr in Genf verhaftet worden. Ten Schmiick hatte er für 500 Mark in München versetzt. Wien, 20. Okt. Der Boykott von feiten der Türken gegen die ö st e r r e i ch i s ch e n Waren kann, wie die „Neue Freie Presse" meldet, als beendet betrachtet werden. Das Aufhören der Boykottbewegung hängt mit der Besserung der politischen Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn unb der Türkei zusammen. Rom, 21. Okt. Tie meisten Blätter melden aus Konstantinopel, die Pforte fei auf Betreiben der Jungtürken bereit, sich mit Oesterreich-Ungarn und Bulgarien auszugleichen, um einen desto größeren Druck auf Serbien und Montenegro ausüben zu können. Paris, 21. Okt. Als^Nachfolger des Marineininisters Thomion hat Elernenceau beit Seklionspräsibenten des Staatsrats Picauart ausersehen, seinerzeit Kommissar der Weltausstellung von 1900.^ Picquark hat sich seine Entscheidung noch Vorbehalten, wird aber im Laufe des heutigen Tages geben. Sofia, 20. Okt. Wie verlautet, ist in dem Standpunkte der bulganichcn Regierung, betr. bie O r i e n t b a h n s r a g e. insofern eine wesentliche Aenbcrung eingetreten, als bie Regierung, bie noch vor kurzem bas Eigentumsrecht ber Türkei auf bie oftrumelischen Bahnstrecken überhaupt nicht anerkennen wollte, heute bereit ist, über bie Exploitation, bie Ablösung und den Abkaus des Eigentumsrechtes gleichzeitig zu verhandeln, und zwar entweder mit ber Bahngesellschast ober mit Konstantinopel. Die Zuitimmung ber Pforte wirb nachgesucht. Man hofft, diese dem- nachft zu erI)alten. • 8-cav 21. Ockt- Der montenegrinische Spe-' zial-Gef a n_b t e Wulotitsch wurde abends vom König in emflunbigcT befonberer Audienz empfangen. Während Wukotitsch im Palais mente, brachte eine große Volksmenge ihm stürmische Ovationen dar. Der Kronprinz erklärte in einer Ansprache aü das Osfiziertorps, falls.Milowanowitscy ochie icdes Resultat nack) Hause komme, sei der Krieg mit Oesterreich unvermeidlich. Avenos besetzten Demonstranten die Ein gange von loldjen Gefchaften, deren Besitzer bsterreichisck>-ungarische Unter* tauen sind uno verhinderten den Eintritt von Kunden. •Kindermehl B esf bewährte gesunde und mager. ■ darmkranke Nahrung fUr: sowie schwächliche, in der Entwicklung zurückgebliebene Kinder. nes y 6218 WMF, garantieren für Echtheit der Waren. veranschlagt 1908. Bekanntmachung L. Althoff, Nachlabverwalter. 6213 Bahnhofstr. 77 (Hotel Viktoria) München verjc^ Karl in XfiA Uß^ Schütz- Darmstädter tfllttCH Zu beziehen durch alle einschlägigen Gefchäfte. Professor Dr. Johannes Biermann und Frau Emma geb. Dernburg. Hotel 6217 zur Einsicht offen liegen. Erdacberten . .... Piaurerarbeiten..... 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