Nr. 144 Zweites Blatt 158. Jahrgang Montag 22. Juni 1908 Erscheint tögfid) mit Ausnahme der Sonntags. Die „Gtetzener Kamtllenblätter- werden dem e21n»etger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kteisblotl für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit« tragen“ erscheinen monatlich zweimal. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesse» Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche« Universitäts - Brich- und Steindruckerei. St Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag.' 5L Redaktion Tat_.Adr»AnzeigerGießen. hrsjische Zweite Kammer. Darmstadt, 20. Juni. Am Ministertisch: Staatsminister Ewald, Geh. Staatsrat Krug v. Nidda, Ministerialrat Lor b acher. Eine Wahlrcchtsdebatte. Nachdem Präsident Haas die Sitzung um 91/« Uhr eröffnet, tritt das Haus sofort in die Besprechung des d r i n g - l ich en Antrags Dr. Gut fleisch, Ulrich u. Genossen ein. (In der gestrigen Sitzung war nicht, wie durch einen Hörfehler irrtümlich bemerkt worden war, der Antrag selber, sondern nur die Dringlichkeit desselben mit großer Mehrheit angenommen worden.) Ber Eröffnung der Beratung nimmt zuerst Staatsminister Ewald das Wort zu folgenden Ausführungen: Die Regierung hält es für notwendig, bevor das Haus über den Antrag Gutfleisch berät oder abstimmt, ihrerseits ihre grundlegende Stellungnahme zur Wahlrechtsvorlage darzulegen. Der Seniorenkonvent dieses Hauses hatte Ausgangs Januar die Anfrage au die Regierung gerichtet, ob die Regierung bereit oder gewillt sei, dem Hause eine neue Wablrechtsvorlage einzubringen. Die Regierung sagte die Wiedereiubringung einer Wahlrechtsvorlage unter zwei Voraussetzungen zu: 1. daß die schwebenden Verhandlungen der beiderseitigen Ausschüsse zu einer Verständigung über die Grundlagen führen würdet:, auf Grund deren sich eine Einigung erzielen lassen könne; 2. daß alsbald im nächsten Landtage das Haus mit 2/3 Mehrheit das Ersuchen an die Regierung richten werde, auf Grund dieser Verständigung die Wahlrechtsvorlage wieder einzubringcn. Der Antrag Gutfleisch sieht von dieser Voraussetzung ab. Daraus ersebe ich den Wunsch der Antragsteller, daß eine Wahlrechtsvorlage im nach st en Landtage nicht wieder eingebracht werden solle. (Lebhafter Beifall. Rufe sehr richtig rechts und im Zentrum. Protestrufe, stürmischer anhaltender Widerspruch. Pfuirufe links.) Man kann nicht etwas ernstlich wollen, von dem man im Voraus weiß, daß es unerfüllbar ist. (Wiederholte stürmische Unruhe, lebhafte Beifall- und Protestrufe.) Wir begrüßen es mit Dank, daß die Ausschüsse sich endlich nach heißem Bemühen zu einer Verständigung zusannuengefundcu haben und ich erlvarte, daß auch von Allerhöchster Stelle Ihnen dieser Dank und Anerkennung heute ausgesprochen werden wird. Ich betone ausdrilcklich. Sie mögen heute beschließen, was Sie wollen, die Regierung betrachtet das Ergebnis der Ausschußverhandlungen, die im Anträge Glässing wurzeln, als 'Grundlagen zur Verständigung und nur auf diesen Grundlagen wird eine neue Vorlage erfolgen. (Unruhe.) Es steht dem nichts im Wege, daß Sie heute dem Anträge Gutfleisch zustimmen, die Vorlage eines neuen Wahlgesetzes wird nur erfolgen, wenn der neue Landtag dies auf Grund der Einigungsgrundsätze beantragt. Betrachten Sie die Sache vom praktischen Standpunkt, so ergibt sich: Wenn die Sache so liegt, daß die Mitglieder der Majorität der Ausschüsse im neuen Landtage einen neuen Antrag «inbringen, so daß eine Vorlage dann erfolgt, halte ich es doch für unzweckmäßig, wenn Sie sich heute schon binden wollen, da Sie doch demnächst im nächsten Landtage in verantwortlicher Position darüber befinden sollen. D a s a l l _e i n sollte schon Grund sein, den Antrag Gutfleisch abzulehnen. Ich bitte um diese Ablehnung. (Beifall, Unruhe und Widerspruch.) Präsident Haas macht darauf aufmerksam, daß eine Abstimmung über den Antrag nach der Geschäftsordnung heute überhaupt ausgeschlossen ist, daß es sich also nur um seine Besprechung handeln rann. Abg. Dr. Glässing stellt den Antrag, den Antrag Gutfleisch abzulehnen, da es überhaupt nicht möglich ist, heule noch in eine sachliche Erörterung darüber einzutreten. (Beifall.) Abg. Dr. Gut fleisch sagt, das heutige kleine Scharmützel über die Wahlrechtsvorlage sei eigentlich recht zwecklos. Die heutigen Erklärungen gegen den eingebrachten dringenden Antrag werden an der Stellung dec Parteien nichts verändern. Man könne den Staatsminister nicht zwingen, ein Versprechen einzulösen, das einer seiner Vorgänger abgegeben habe, aber er sei der Meinung, daß der Minister ein solches Versprechen erfüllen sollte, denn es sei auch für den Nachfolger bindend. Die Abgeordneten müßten in der Hauptsache daran festhalten, daß dem Volke das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht gegeben werde, alles andere, was sonst in den Ausschüssen aus- gettügelt wurde, ob man au einer s/3 oder %' Mehrheit festhalten wolle, seien nur Kinkerlitzchen gegenüber dem großen Kampf um das direkte Wahlrecht. Das hessische Volk darf nicht glauben, daß das, was der Gesetzgebungsausschuß fetzt beschlossen hat, der Meinung des Hauses entspreche. Hätte der Ausschuß ganz geschwiegen, so hätte man auch heute gar nicht mehr zu debattieren brauchen. Jetzt müssen wir dem Volke klar machen, daß wir unsere Grundsätze festhalten, und daß wir an dem direkten Wahlrecht nicht rütteln wollen. Das Volk ist ungehalten über die Vorenthaltuug des direkten Wahlrechts. Es scheint, daß eine Anzahl Abgeordnete Angst vor dem Volke haben. Der Redner ersuch: schließlich unter lebhafter Zustimmung der Linken, dem Antrag Gutfleisch-Ulrich zuzustimmeu. Abg. Dr. Osann bedauert, daß Dr. Gutfleisch nachträglich seinen Namen an die Spitze des sozialdemokratischen Antrages gesetzt habe und mit den Sozialdeinokraien überhaupt in Verbindung getreten sei, die doch noch in den letzten Tagen in ihren Parteiblätteru, Vorwärts usw., die Freisinnigen in unglaublich gemeiner Weise beschimpften. (Große Unruhe. Ohorufe.) Redner verliest zum Beweise einige der gröbsten Beschimpfungen, wobei der Redner von den Abgg. Ulrich und Dr. Fnlda fortgesetzt durch laute Rufe unterbrochen wird, so daß der Präsident wiederholt dringend um Ruhe ersuchen und mit schärseren Maßregeln drohen muß. Dr. Osann geht dann näher auf den Antrag ein und konstatiert, daß et und seine Freunde niemals Zweifel darüber gelassen hätten, daß sie fest auf dem Boden des gleichen und direkten Wahlrechts ständen. Er selber sei für das direkte Wahlrecht eingetreten und habe dafür gekämpft, solange er in der Zweiten Karniner sitze. Nachdem nun endlich in langen, mühevollen Verhandlungen und nach mehrfachem Nachgeben der Ersten Kammer gegenüber den Wünschen der Zweiten Kammer eine Grundlage zur Verständigung geschaffen ist, kommt nun Abg. Dr. Gut fleisch und erklärt, daß das alles nur Kinkerlitzchen seien. (Große Unruhe. Hört, hört.) Und bann stellt derselbe Abgeordnete den Antrag, daß man all diese mühevolle Arbeit einfach über den Haufen werfen solle. (Abermalige Unruhe.) Der Herr Abgeordnete will' jede Verfassungsänderung versagt und die ganze Kammer darauf festgelegt wissen. Er weiß aber ganz genau, daß mit der Annahme seines Antrags alle Aussichten aus die Schaffung einer Grundlage i'djeitern müssen, und er kann daher mit seinem Antrag nur die Absicht verfolgen, dem hessischen Volk auch fernerhin das dirette Wahlrecht vor- zuentbalten. (Lebh. Beifall und stürmischer Widerspruch.) Präs. Haas erklärt, et werde jetzt unnachsichtlich jeden Abgeordneten zur Ordnung rufen, welcher den Redner unterbricht. Abg. Dr. Osann führt dann weiter au -: iiknn Dr. Gut fleisch gesagr habe, er »volle vor dein L.rns.' i.fticgc»:, daß seine Partei und die Sozialdemokraten den: Volk bas direkte Wahlrecht habe geben »vollen, oi.y aber jetzt wieder j. hindert werde, so und Amerika je einer. und neuere Philologie 178 (152). Nach Fakultäten geordnet studieren hier 80 (70) Theologen, 171 (169) Juristen, 325 (300) Mediziner und in der philosophischen Fakultät 637 (651). Bei den Theologen, bei: Juristen und der philosophischen Fakultät überwogen die Hessen, während bei den Medizinern die Landes- angehörigen in der Minderheit sind. Es hatten das Zcngnis für das Gymnasium 726 (690), das Realgymnasium 248 (224), die Ober - Realschule 123 (126), für düs Fach 76 (111) und sonstige Zeugnisse 37 (41). Es stammten aus Hessen 805 (768), aus anderen deutschen Staaten 340 (334), aus dem europäischen Ausland 62 (83) und aus andere»: Erdteilen 6 (7). Der Rückgang der Ausländer betrifft bis auf einen ausschließlich die Russen. Don den anderen deutsche»: Staate»: sind an: stärkste»: vertrete»: Preußen mit 246 und Bayer»: mit 33. Es folge»: Baden 16, Oldenburg 9, Elsaß-Lothcingen 8, Sachsen 7, Württemberg 6, Hamburg 4, Braunschweig, Anhalt, Schwarzburg - Sondershausen und Waldeck je 2, Sachsen-Weimar, Sachsen-Koburg-Gotha und Lippe-Detmold je einer. Von den Ausländern stammen 48 aus Rußland, 9 aus Oesterreich - Ungarn, 3 aus Japan, je 2 aus Großbritannien und Ostindien, aus Schweden, Serbien, der Schweiz " Vom Großherzogl. Hof. Prinz Heinrich vor: Preußen traf nach der „Darmst. Ztg." am Freitag mittag i/3l Uhr in: Automobil im Neue»: Palais ein, ver- brachte den Nachmittag bei den Großherzoglichen Herrschafter: und fuhr Samstag früh 5 Uhr wieder ab. Freitag nachmittag traf Prinz Alexander von Battenberg zum Besuch der Großherzoglichen Herrschaften im Neuen Palais ein. An: Abend speisten die Herrschaften mit ihren Gästen und Gefolge in dec Landesausstellung. I. K. H. die Groß Herzogin eurpsingen Donnerstag nachmittag im Weiten Palais 20 Damen von den Aliceschulen.ir: Darmstadt, Worms und Gießen und lud sie nachher zum Tee. ** Das Jahr esse st der Landes-Universität sindet am 1. Juli, vormittags ll1/* Uhr pünktlich, :»: der neuen Aula statt. Das Programm der Feier lautet: 1. Marcia trionfale von Kaminsky. 2. Du bist's, dem Ruhm und Ehre gebühret." Chor aus dem Gellert'sche»: Tankliede zu Gott von I- Haydn. 3. Festrede des Rektors. „Singt dem Herrn alle Stimmen!" Schlußchor aus der Schöpfung vo>: I. Haydn. 5. Der Mollwitzer vo»: Friedrich dem Großen. * • In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Groß Herzog am Freitag Forstmeister Diefenbach von Schotte»:. • • Die 26. a llgemeine Pfa rrkoufere nz der evangelische»: Geistlichen der Provinz Oberhesse»: findet an: nächsten Mittwoch bei: 24. Juni in der alte»: großen Aula der Universitt statät. Dei: Hauptgegenstand der Verhandlungen bildet diesmal das zeitgemäße Thema: „Kirchliche D e n k m a l p f l e g e", das von einem der hervorragendste»: Fachmännern auf diesem Gebiet, Professor Walbe aus Darmstadt behandelt wird. Mit dem Vortrag ist die Vorführung von Lichtbildern verbunden. = Lang-Göns, 19. Juni. Den: Mitglied der Frei- willigen Feuerwehr W. PH. Boller wurde von den^ Chor eine schöne Gedenktafel für seine treue 20jährige Dienst- leistung überreicht. — Der hiesige Z i e g e n z u ch t o e r e i n bezog uns dem Vogelsberg 40 Saaner-Ziegenlämmer im Alter von 3 Monaten. Der Preis ist 12 bis 26 Mk. § Ruppertenrod, 19. Juni. Eine frohe Ueber-' raschung wurde heute unseren Schülern durch Frau Kaufmann Marie Sehrt Witwe zuteil. A.tläßlich ihres Geburtstages, an dem |ie das 70. Lebensjahr vollendet, sowie in: dankbaren Gefühl für di: Wiederherstellung ihrer Gesundheit nach schwerer Krankheit hatte sie für sämtliche Schulkinder Bretzeln backen lassen. Auch für die Kleinen, die noch nicht schulpflichtig sind, fielen die begehrenswerten Bretzel»: ab. Am 24. Juni sind es 80 Jahre, sei: das jetzigc Sehrtsche, früher Merzsche ttvlonialwarengescbüft besteht. - r- Büdingen, 20. Juni. S. K. H. dec Großherzog trifft Montag Marge»: 101/3 in Ortenberg zum Besuch des Fürsten zu Stolberg-Roßla-Ortenberg ein. sprach.) Abg. v. Brentano fährt fort: Herr Ulrich, sie sind ja so übergescheibt, sie sprechen über Wahlrecht und über Hebammen und dann mit gleicl)cr Sachkenntnis wieder von Jesuiten u. s. f. Sie haben ja keinen blassen Dunst von ber Sack-e, sonst hätten sie eine solche Roheit hier nicht gesagt. (Der Prüsibcnt ruft den Redner zur Sache, woraus dieser bemerkt: Ich füge mich dem Rus des Präsidenten, aber ich bi»: froh darüber, daß ich meinem Herzen Luft gemacht habe, woraus Präs. Haas bemerkt: .Das sei eigentlich eine Wiederholung der Beleidigung in anderer Form und er rufe deshalb ber, Rebner zur Ordnung.) Abg. v. Brentano schließt daraus, der Antrag Glässing stelle endlich eine geeignete Grundlage zu einer Verständigung für die neue Wahlrechtsvorlage bar. Er wolle weiter nichts, als einen schon feit Jahren geübten Usus ber Ersten Kvmmer in gesetzliche Form bringen. Mit biefer Verständigung fei die Erste Kammer cin- Oerftanben und daraus könne also daS direkte Wahlrecht geschchasscn werden. Wen»: aber die Sozialdemokraten und Freisinnige:: gegen jede Verständigung seien, so wollten sie einsach das direkte Wahlrecht nicht. (Lebh. Beifall und Widerspruch.) Abg. Dr. D av id wendet sich in längeren Ausführungen gegen die beiden Vorredner und führt aus, sie batten sich schon früher darauf festgelegt, das direkte Wahlrecht ohne Verfassungsänderung zur Einführung zu bringen. Die Vorwurfe, daß dec neue Antrag das dirette Wahlrecht verhindern »volle, seien doch nberlsaupt nicht ernst z-n nehmen. Dagegen spreche auch die ganze Geschichte seiner Partei. Sie habe stets für das direkte Wahlrecht gekämpft und ber ganze Kampf darum sei eine lange Leidensgeschichte. Redner roenbet sich dann noch gegen den Staatsmiiuster und meint, die Regierung habe sich in der ganzen Sache nicht mit Ruhm bedeckt. In Württemberg und anderen Staate»: habe man die Frage besser zur .Durchführung gebracht. Staatsminister Ewald stellt entschieden in Abrede, daß er ein Verspreche:: seines Dorcediters im Amte nicht eingelöst habe; auch dieser habe für die Einführung des direkte»: Wahlrechts bestimmte Forderungen gestellt. I»»: übrigen erkläre er, daß er aussichtslose Vonagei: nicht mehr mache; erst müsse eine-Verständigung über die Grundlage in beiden Kammern gesichert fein. Abg. Korell erklärt in: Name»: feiner Freunde, daß sie das direkte Wahlrecht ebenso verlangte»: und auch dabei zu .Konzessionen bereit feien, wobei jedoch wichtige Volksrechte nicht auigegeben werde»', durften. Abg. Dr. S ch- m: 11 befürwortet ebenfalls bei: Antrag Dr. Glässing und betont, daß wohl alle Mitglieber ber Kammer für bas direkte Wahlrecht seien unb nur über bte Wege, bie zu demselben führten, Streitigkeiten beständen. Nach einem Schlußwort des Avg. Dr. Glässing muß die Debatte beendet werden, da schon um Vg 1 Uhr der Landtagsschluß erfolgen soll. Irgend eine Beschlußfassung ersolgt nicht. Präs. Haas gibt noch eine kurze Ueoersicht über die Geschäfte der letzten drei Jahre, aus der hervorgeht, daß im ganzen 119 Plenarsitzungei: und 235 Ausschußsitzungen stattgefunden haben; es wurden in den drei Jahre:: 80 Regierungsvorlage»: erledig». Nach der Versicherung des Präsidenten, daß er jederzeit bereit gewesen sei, die Geschäfte des Hanfes unparteiisch und gerecht zu führen, schließt er die letzte Sitzung mit einem dreimaligen Hoch auf unser I:coes, schönes deutsches Hessenland. müsse er den Abgeordnete»: darauf Hinweisen, daß dieser doch mit | klassische Philologie 68 (64) seinem jetzigen Anträge selber das Vollbringen dieses Volks-117« H52). Nack Fakultäten ae willens zur Unmöglichkeit mache. Er erkläre demgegenüber wiederholt unb halte daran fest, baß er und seine Frennbe unbedingte Anhänger des direkten Wahlrechts sind unb sie halten dieses Recht für so wichtig, daß sie auch zu einigen Kvnzessionen der Ersten Kammer gegenüber bereit sind, um das direkte Wahlrecht endlich zu erreichen. Aus dieser Tatsache werde das Land erkennen, daß er unb feine Freunde ehrliche, offene Politiker sind, die sich auch nicht auf unerreichbare Tinge festlegen lassen, um nur den Anschein zu erwecken, als wollten sie das direkte Wahlrecht. Seine Partei sei bereit, es auch unter kleinen Opfern zu ermög* möglichen. (Beifall unb Widerspruch.) Avg. v. Brentano wendet sich als Vorsitzetider des Gesetzgebungsausschusses in scharfer Weste gegen bie Antragsteller, wobei er im wesentlichen ben Ausführungen Dr. Osanns zusttmmt. Er bitte, bei: Antrag glatt abAulcßnen, dem: er sei weiter nichts als eine Wahlmache. Würbe der Antrag heute angenon:men unb bie Abgeordneten würben in ber von ben Antragstellern gewünschten Weise darauf festgelegt, so würbe das direkte Wahlrecht in absehbarer Zeit überhaupt zu Falle gebracht und die Sozialdemokraten würben ein großes Geschrei erhebe:: über bie Abgeordneten, bie sich nicht daraus festlegen lasse:: wollten. Man würde b.t wieder alle die schönen Schmeicheleien von Wortbruch usiv. zu hören bekommen. Es gebe in ber Stellung zur bireften Wahl drei Gruppen von Abgeordneten. Solche, die offene, ehrliche Freunde des direkten Wahlrechts seien, dam: solche, die sich als seine offene, ehrliche Freunde bekennen unb bann eine dritte Gruppe, nämlich bie, bie zwar bas birekte Wahlrecht in ihrem Programm haben, bie aber durch allerlei mögliche unb unmögliche Mittel seine Einführung verhinbern wollen. (Abg. Ulrich rüst: Das sinb jesuitische g-reuube und wieberholt auch biesen unb anbere Z-vischenrufe, woraus ber Präsident mit erhobener Stimme ruft: Tas ist ja kein parlamentarischer To>: mehr, sondern der Ton einer Volksversammlung schlimmster Art! Großer Lärm und Wider- DaS älteste Mitglied d.S Hauses, Abg. Hon:, spricht nomeus aller Kollegen ben: Präsidenten den Dank für die gute und unparteiische Leitung der Verhandlungen aus, mit ben: Wunsche, baß er noch recht lange auf biesem Platze erhalten bleiben möge, zum Wohle ber Volksvertcetüng: Abg. Dr. David schließt sich namens feiner Partei ausdrücklich diesem Wunsche an, worauf nach einigen herzlichen Dankeswortcn des Präsidenten bie Versammlung aus- einanbergeht. Arrs Stadt rrrrd Land. Gießen, 22. Juni 1908. Die Frequenz der Landes-lLniversttät. Trotzdem in: Sommersemester des vergangenen JahreS, in bas bekanntlich bie Dreihundertjcchrfeier fiel, ber Zuzug zu unserer Universität durch diesen Umstand naturgemäß besonders lebhaft war, ist nach dem nunmehr erschienenen Personalbestand für bas diesjährige Somnu-rseinesier aderinals eine Vermehrung ber Besucherzahl zu verzeichnen. Von den im Wintersemester 1907^-08 hier immatrikulierten 1150 (1103 in: W.-S. 1906—07) gingen 265 (S.-S. 07 241) ab, während 328 (330) zugingen. Somit belief sich die Gesamtzahl ber Stubiercnden auf 1213 (1192). Dazu kommen 17 (10) Hospitantinnen, 68 (41) Hörer unb 73 (23) Hörerinnen. Die Gesamtzahl der Hörer beträgt somit 1371 (1266). Von den 1213 Studierenden waren 875 (768) Hessen und 408 (424) Nichthessen. Es studierten Theologie 80 (S.-S. 07 70), Rechtswissenschaft 171 (169), Med:zin 197 (173), Tierheil, künde 116(113), Zcchnheilkunbe 12 (14), Philosophie 26 (30), Pädagogik 8 (6), Rtatheinatit 101 (115), Naturwissenschaften 84 (75), Themie 58 (74), Pharmazie 34 (34), Forstwissenschaft 16 (37), Landwirtschaft 50 (50), Geschichte 14 (14), TeSefoasisc^e des Giessener Anzeigers, mitge und ludustr Friinkhirter Jfiör« 8%0l9 Reichsanleihe . . 91.901 3-6 do. . . 82.65 3-6°/, Konsole .... 91.85 3-6 do. .... 82.70 8-6°/« Hessen 90.80 3-6°/, Oberhesseu . . . 90.00 4% Oesterr Goldrentc. . 99.00 4^5 % Oesterr. Silberrente 99.20 4-6 Ungar. Goldrente . . 93.30 4% Italien. Rente . . . —.— 3-6 Portugiesen Serie 1 62.80 3% Portugiesen „ III 63 95 4/i°f0 russ.StaatsanL 1905 95.30 4%u/0 japan. Staatsanleihe 89.20 4-z Uonv. Türken von 1903 96.50 Türkonlose 148 20 4-6 Griech. Monopol-Anl. . 51.30 4-6 äussere Argentinier . 87.00 3% Mexikaner . . . 66.70 4-1°/, Chinesen .... 96.70 Aktien: Bochum Guss 207.30 Buderus £. W 109.60 Tendenz; schwach. Berliner Börse, 2 Canada E. B. . . . . 155.60 Darmstädter Bank . . . — Deutsche Bank .... 229.00 Dortmunder-Union C. . . 55.20 Dresdner Bank .... 136.50 Tendenz: matt, Kursberichte teilt von der Bank für Handel ie, Giessen. >e, 20. Juni, 1.15 Uhr. 1 Elektriz. Lahmeyer . . . 116.50 Elektriz. Sohuckert . . . 106.50 Eschweiler Bergwerk . . 204.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 186.00 Hamburg-Amerik. PaketL 108.60 Harpener Bergwerk. . . 195.90 Laurali litte 201.50 Nordd. Lloyd .... 93.50 Obeisehlcs. Eisen-Industrie 97.50 Berliner llandelsges. . . 159.50 Darmstädter Bank . . . 123.50 Deutsche Bank . . . 229.70 Deutsch-Asiat. Bank . . 133.50 Diskonto-Kommandit. . . 171.75 Dresdner Bank .... 137.00 Kreditaktien 194 30 Baltimore- und Ohio- Eisentahn 84.90 Gotthard bahn — Lombard. Eisenbahn . . 25 30 Oesterr. Staatsbahn . . . 149.10 Pnuce-Henii-Eisenbahn . 118.00- 3. Juni. Aufaugskurse. Harpener Bergwerk. . . 195.60 Laurabütte 20120 Lombarden E. B. ... —.— Nordd. Lloyd 93.60 Türkenlose 147.70 \ V S i'k/.' । s As N aclB^hemalen Starkes Hemdentuch mit Feston Mk. 3.35 u. 3.50 do. m. Umlegekragen Mk. 3.75 do. m. Stickerei-Volant „ 4 25 Feiner Stoff mit roter Stickerei Mk. 4.25 u. 4.50 Feine Hemden mit viereckigem Ausschnitt, reich garniertMk. 4.85 u.5.75 ausserdem elegante Stücke weit unter Freie. Prima Pique Mk. 1.65 u. 1.95 gestreifter Satin mit Feston Mk. 2.— Cöper ungerauht mit Stickerei „ 2.50 feiner Benforce mit Stickerei „ 2.50 Flock-Piqu£ Mk. 2.40, 2.50 u. 2.75 do. reich garniert Mk. 2.90 ferner Bestbestände in feineren Jacken sehr billig. 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Priester Wilhelm Biebricher umd Fraas RÖHnssa Zieriein geb. Biebricher und Tochter Aupsi Biebricher und Frau. was wir Verwandten und Bekannten hiermit anzeigen. GttsLchaaf'sWünzentod wirkt sicher und schütze für die Zukunft. Flasche 50 Pfg. |383G Ädler Drogerie, Seltersweg 89. _________________Otto Schaaf. Lebensmittel-Gescbäft hier oder in der Nähe zu kaufen oder zu pachten gesucht. Off. m. Ang. des letzten Ums., sow. des Kauf- od. Pachrpreises mit. 05235 an die Exped. des Gies;. An». Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Dorothea Ptank, geb. Moos. Die trauernden Hinterbliebenen Seligmann Kann n. Familie, Euttershausen Bernhard Kann, Ruttershausen NIarcus Kann n. Familie, Giessen Tobias Kann, Cansas City M. 0. im 42. Lebensjahre, was wir Verwandten und Bekannten hierdurch mitteilen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. d. Mts., nachmittags 4 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. i e s s e n (Schiffenberger Weg), Wissen Gestern morgen entschlief sanft im 89. Lebensjahre unser guter, treuer Vater, Grossvater, Urgrossvater Gestern nachmittag s/46 Uhr entschlief sanft- nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel, Satat- Speise-Oel,-Essig bo£ denkbar Feinste. |383oJ Adler Drogerie, Ottto Schaaf Seltcrsweg 39. Uhr verschied sanft nach kurzem Kranksein unser lieber, treuer Gatte, Vater und Grossvater Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag 4 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. Bekanntmachung. In das Handelsregister, Alst. B wurde eingetragen, bezügl. der Firma: Gewerkschaft Selters-Hessen: An Stelle des ausgeschiedenen Vorstandsmitglieds Karl Frensdorf zu Gießen wurde der Prokurist Arthur Nay- kowsky zu Gießen in den Grubenvorstand gewählt. (Sieben, den 6. Juni 1908. bm/6 Großherzogtiches Amtsgericht. Builenvertanf. Am Donnerstag, den 25. Juni soll im Faselhofe zu Wieseck eiu, der Gemeinde Wieseck gehöriger fetter Bulle meistbietend versteigert werden. Zugleich beabsichtigt die Gemeinde, einen sprungfähigen Bullen, Simmenthaler Rasie, zu kaufen und können Offerten bis zum 30. d. MtS. bei der hiesigen Bürgermeisterei eingereicht werden. Wieseck, den 22. Juni 1908 b*?/6 Großherzogliche Bürgermeisterei Schomber. insbesondere Medizinische Weine, direkt bezogen von The Royal Bodega vorzügl. Qualität empfiehlt zu billigen Preisen hvti/6 -öug. Sogt, tzllllgell i. Hkff Äondirorei u. Gastwirtschaft. In unser Handelsregister Abt. A Nr. 30 wurde he bei der Firma Karl Heller, Sich, eingetragen, daß tu» Geschäft auf den Kaufmann Karl Heller III zu Lich übergegangen ist, welcher es unter der seitherigen Firma weiter betreibt. L ich, am 19. Juni 1908. Großherzogliches Amtsgericht. EvangeL Arbeiter-Verein. Heute starb unser langjähriges Mitglied Äißtaör Philipp Bisbricher. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung, welche stattfindet am Dienstag, den 23. Juni, nachmittags 4 Uhr. Giessen, den 22. Juni 1908. aM/, Der Vorstand. ;g, Crefeld. Die Beerdigung findet Dienstag den 23. ds. Mts., nachmittags 3 Uhr, in Ruttershausen statt. ' [05220 Staitt jeder besonderen AnLLSIe. Heute nacht 12 Uhr entschlief sanft, fast 70 Jahre alt, mein lieber Mann, unser guter Vater, Grossvater, Schwiegervater Schwager und Onkel Ferdinand Volp. Im Namen der Hinterbliebenen Marg. Volp geb. Sertb. Fr eiens een, 21. Juni 1908. Kartoffel» Feinste Malta-Kartoffeln per Pfund 12 Pfennig. Feinste neue gelbe itai. Kartoffeln per Pfund '12 Pfennig, per Steige—25 Pfd. 2.75Mk. in Körben ä 60 Pfund per Pfund 10 Pfennig. ff. neue ital. Kartoffeln 3 Pfund 25 Pfennig. Zwiebel» Feinste neue itai. Zwiebeln per Pfd. 12Pfg., 5Pfd.50Psq., 10 Pfd.90 Pfg., p. Sack 7,75 Mk. Sehr. Berfa Bahnhofftr. 27. (a”/6 Neue vom Janifang per Stück 10 Pfennig. Alte Voiihemge 10 Stück 40 Pfennig. । Bismarck-Heringe per Dose 2,00 Mark. Rollmöpse per Dose 2,00 Mark. Rollmöpse [a”/6 per Stück 6 Pfenuig. Sehr. Berta I Bahnhofstr. 27. RechtsschutzsteÜe erteilt unentgeltlich {D”/6 Rat und Auskunft an frcurii liiiä WScheo. Sprechstunden Mittwochs von 5—7 Uhr, yieuen Baue 25, III. Schriftliche Arbeite« je-.Art werd, sorgfältig u. bill. ausgeführt. Näheres rttoonstratze 24, part. _______________(04638)_______________ empfiehlt sich [M96 Saifer-Allee 7. Mehrere Zierstöcke zu verk. (04201) Nahrungsberg 9. vkbr. KreLk-Klilbvttbech preiswürdig abzugeben. [3820 Fr. Schwan jr., Wetzlar. verkaufe: rroctcncs Schreiner- Holz, Eichen, Buchen-, Birussn-, Zlirfch-, Nutz-, Pappel-Bohlen und 11 cbm Erleustämmc bis 45 cm Durchmesser. 374^ Carl Kaiser, Warburg $ 7—8 Zimmern oder villenartig gebautes Wohnhaus mit Garten zu kaufen. Ausführliche Angebote mit äußerster Preisnotierung unter 05108 an die Expedition dieses Blattes erbeten. Offerten durch Agenten nicht erwünscht._______________________ Erbraiichtr Ucndrltikppc zu kaufen gesucht. [3831 Rud. Rödlger, Walltorstr. 35. In dem Konkurse über das Vermögen des Kaufmanns Carl Brauttwarth zuALendorfa.Lda.solleine Abschlagsverteilung erfolgen. Dazu sind verfügbar: Mk. 25878.04, zu berücksichtigen sind Mk. 11529.69 bevorrechtigte und Mk. 80944.10 nicht bevorrechtigte Forderungen. Das Verzeichnis der zu berücksichtigenden Forderungen kann auf der Gerichtsschreiberei Großh. Amtsgerichts Gießen eingeschen werden. [3802 Gießen, 19. Juni 1908. L. Althoff Konkursverwalter. Versteigerung. Mittwoch den 24. d. Mts. um 3 Uhr versteigere ich eine größere Anzahl Wirtstischc und Stühle. Zusammenkunft d. Steigliebhaber an der Wirtschaft zur Germania dahier. Versteigerung bestimmt. Gießen, 22. Juni 1908 [3837 Seipel, Gerichtsvollzieher. In Butzbach ist ein gröberes Anwereu, 1057 qm haltend, an der Hauptstraße gelegen, in welch. Atanufakturwaren - Geschäft betrieben wird, preiswert zu verkaufen. 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