Nr. 259 Zweites Blatt Dienstag 3. November 1908 Erscheint tLgNch mti VuSnahme M Sonntag». IS 158. Jahrgang und wis,en auch, daß den seltenen Zuhörern solch seltener Menschen ihr Eingehen auf das Seltene belohnt wird. Etwas Eigenes hat ja säst ein jeder, und gerade dieses Eigene spricht sich, wie W. Sch m id t-Hamburg in dem Novemberheft des Kunstwort schreibt, nicht gewandt, nicht „fluffig" aus. Deshalb werden dem klugen und geduldigen Zuhörer sehr ost die „Stockenden" unter den Rednern zum mindesten im Zwiegespräch mehr als die „Fließenden" bieten. {RotattonSbrud and Verlag ber CrflbHdjai UnwersuälS - Buch- und Sremdruckeret. DL Longe, Gießen. ^potttijche Lagesschau. Neue Schwierigkeiten in der Orientfrage. Eine recht ernste Wendung lann die Orierlttrisis dadurch nehmen, daß Rußland sich jetzt, wie es scheint, aus die Seite Serbiens stellt. Der serbi,c^ Kronprinz tonnte während seines Aufenthaltes in der russischen Residenz die Aussicht erhalten, daß die russischen Regierungskreise Serbien mit voller Sympathie gegenüber stehen und bereit sind, Serbien eine moralische Unterstützung zu geben, daß diese aber direkt von der Handlungsweise der Seroen und davon abhängt, oä sie jeden unvorsichtigen und unüberlegten Schritt unterlassen, der im gewissen Grade den Charakter einer Provokation tragen könnte. Das wurde hier dem Kronprinzen und Paschitsch und durch den ritssischen Vertreter in Belgrad klar zum Ausdruck gebracht. Volle Sympathie fanden die Serben auch in den Kreisen der Gesellschaft, die ebenfalls zur Besonnenheit mahnen und sie von der Notwendigkeit der Wahrung der Ruhe zu überzeugen bestrebt sind. Zu Iswolskys Erklärung, daß Rußland nicht gesonnen sei, die Annexion Bosniens anzuerkennen, schreibt die „Diene Freie Presse": Freiherv von Aehrenchal hat sich stets dagegen verwahrt, daß die Redaktion, Expedition und Druckerei: Scbuk- straße ?. Expedition und Verlag: e^5L Redaktton:S^112. Tel.-AdruAnzeigerGleben. Die „Gießener KamtNendlStter- werden dem „Anzeiger" viermal wöchenllich beigelegl, daS „Krdsblati für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. D,e „Landwirtschaftlichen SeU» Iragcn" «scheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen erstenmal die Verfassung und zugleich die Hofkceise vor totaler Verwirrung gerettet. Tas alles beweist nichts weiter, als daß der Deutsch Kaiser in der auswärtigen Politik das Prinzip des Absolutismus beibchält, und daß der Reichskanzler unter ihm Nicht die Rolle spielt, weläze ihm von der Konstitution vorgo- schrieben ist. Wenn dem Reichsianzter augenblicltich die schwere Aufgabe des Prügelknaben für fremde Fehler zusällt, so ist dadurch der Konst.turion fein ganz ehrenvoller Platz eingeräumt. Bismarck, der es verstanden hat, Teutschsland auf die Stufe einer Weltmacht eaftlc -Ordnung zu erheben, sah streng darauf, daß and) in der auswärtigen Politik die Prinzipien der Konstitution streng duvchgeführt wurden. Dementsprechend durfte kein politischer Akt ohne Wissen des Kanzlers durch-gefühct werden. Der settsthetr- lichen Natur Kaiser Wilhelms mar dieser Zustand zuwider, unb Bismarck mußte feinen Ao schied nehmen. Von jenem Augenblick an beginnt die sichtbare Aonahme der Ztolle Deutschlands in der Wellpolitik. Tas „persönliche Regime" Kaiser Wilhelms erschüttert nicht nur die deutschen Berfa ssungszu stände, sondern auch das internationale Prestige Deutschlands." Die Londoner Blätter versichern, daß sie volles Vertrauen zu den Worten des Kaisers und seinen aufrichtigen Freundsckjaslö- gefühlcn gegen England hegten, doch die Tatsack,c, daß der Herrscher selber die Unfreundlichkeit weiter Kreise des deutsck?en Volkes gegen England zugeoe, vereckstige sie, bei ihrem Mißtrauen gegen oas Wiwachsen der deutschen Flotte zu beharren und mit erhöhter Flottenrüstung darauf zu antworten. — Der Mvrning Post wird aus Johannesburg telegraphiert: Einem hervorragenden Transvaaler zufolge, der unter Präsident Krüger ein verantwortliches Amt bekwidete, habe einige Zeit vor dem Burenkriege -wischen Rußland, Deulfchland und Frankreich eine definitive Verständigung bestauben, die Unabhängigkeit der 'beiden Republiken gegen britische Intervention -u garantieren. Kurze Zeit vor dem Kriege haue sich jedoch Frankreich von dem Ueber- ecnlommen zurückgezogen, und Staats) ekrctäi Leyds haoe Krüger energisch geivamt, da); er sich nicht auf euwpäische Jntcrveniwn verlassen k-une. Trotzdem habe Krüger scm Ultimatum abge- füstckt, in der Erwartung, daß eine Reihe' von Burenerfolgenl m Dtatal ihm eine europäische Intervention sichern würde. In der bayerischen Presse fordert man die Einberufung des auswärtigen Ausschuists, in dem Bayern den Vorsitz führt, um zu Dec Kanzier-Krijis mu) deren Ursache Stellung zu nehmen. Es wird in der bal)erischen Presse über den peinlichen Zwischenfall eine ungewöhnlich fa.-arse Sprache geführt. Die Aufklärung^ Huben in Bayern absolut nicht befriedigt. Das deulfche Volk ici mündig und verlange Klarheit und Garantien für die Zukunft. Nach einer offiziellen Meldung der Kölnischen Zeitung wird nun auf Wunsch ves Reichskanzlers der Bundesrats-Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten zusammentreteir, da Fürst Bülow ihm über die schfveoenoen Fragen der auswärtigen Politik und besonoers über die Orientfrage streng vertraulich Mitteilung machen wolle. Im Reichstage werde Fürst Bülow einftiveilen zur Orientfrage nickst das Wort nehmen. und hatte unendlichen Zdcenrciastuin. War weil er ihm immer neu zustcömte, weil ihm das Reichste noch immer nicht reich genug fchien, und dann auch weil ihn sein Gegenstand so lebhaft oeschäftigte, daß er ihn in die höchste Anstrengung versetzte, schien er vielleicht mit Schwierigkeit zu arbeiten. Seine Widersacher haben immer den Vorwurf gegen ihn im Munde, daß er mühsam dichtete, daß er nicht von 'Natur dazu bestimmt war, daß er mit der Sprache und den Gedanken rang u. s. f., und die,e Stell« wird jetzt von ihnen gegen ihn selost auf das unbarmherzigste gebraucht werden." Auch gegen eine Stelle, die aus einem Briefe Schillers über sein Bedürfnis, „sich zu verheiraten", abgedruckt ift, wendet sich Humboldt, obwohl seine .Mißbilligung vielleicht nur aus ganz individuellen Gefühlen beruht". „Das unbestimmte Bedürfnis danach hat, meinest Empfindung nach, immer enoas Widriges, wenigstens Triviales. Auch ist cs in dem Briefe sehr egoistisch ausgedruckt, und könnte, weil es die einzige Stelle ift, in welcher vom Verhältnis -u Frauen die Rede ist, einen: schiefen Begriff von Schillers Empstndungsart darüber geben. Dagegen ist die zweite Stelle nach der Verheiratung äußerst passend, und berührt die Sach: gerade so leise, als sein eheliches Verhältis berührt werden mußte. In der Art Frauen und das Verhältnis zu ihnen anzusehen, zeiamete Schiller sich sonst, wie auch Sie gewiß Sich erinnern, sehr aus. Es war eine seiner schönsten Seiten, und mit Allem in ihm aufs innigste verwebt." Endlich spricht Hunrboldt noch eine Bitte aus, die seine eigene Bescheidenl^it im schönsten Lichte zeigt: „Es ist mir überaus lieb gewesen, daß Sic meiner erwähnt haoen. Ich danke Ihnen recht eigentlich dafür, cs hat mir große F-reude gentadji, mit Ihnen und Goethe, als Schillers vertrauteste Freunde genannt zu werden. 5 Allein ich wünschte bestimmt Eine Aenderung darin, und wenn es anginge, auch eine -weite. Erstlich schenken Sie mir den Staats Minister; nennen Sie mich oloß ai» den älteren oder mit meinem Vornamen, und setzen Sie hinzu: Bruder des br- Cattnrcn Reisenden. So werde icp gewöhmicy in Schriften zitiert, und cs ist mir die liebste Art. Auch war in gewisser Rücksicht die Zeit, wo ich mit Schiller lebte, und die unmittelbar vorher- gehmde, mir die liebste Periode meines Lebens, die, in der ich nnä) selbst am liebsten wicdersinde, und wenn man meiner in il;r erwähnt, habe ich es gern, auch den äußeren Beringungen, nach, so frei zu er [deinen, als ich damals noch war." Körner hat sich nach diesem Wunsche Humooldts gerichtet, wie er überhaupt auf Grund dieses Briefes einige Streichungen in seinem Aussatz vornahm, und ihn folgendermatzen in den Freundeskreis Schülers eingeführt. „Jena erhielt damals für Schillern einen neuem Reiz, da Wilhllm 'von vumboldt, der ältere Bruder des berühmten Reisenden, sich dahinbegeben hatte und mit Schillern dort in bar, genauesten Veroinoung lebte." ~' > — Ein neuer Dries Humboldts über Schiller. Wohl die großartigste Darstellung, die Schillers Wesen und Charakter je gesunden hat, ist die Vorerinnerung „lieber Schiller und den Gang seiner Gcistesentwickelung", dura- die Wtthelm von Humboldt die Veröfftni.ickiung seines Briefwechsels mit dem verewigten Freunde im Jahre 1630 eröffnete. Erst so spät entschloß sich dieser größte Gcistcssreund unserer Klasiiter, die wehmütige Erinnerung an den großen Toten in einem abgeschlossenen und ausgeführten Bilde h^raufzubejchwören, denn ihm schien wie den anderen am engsten mit Schüler Verbundenen nach seinem so schmerzlich frühen Tode eine heilige Scheu zunächst Schweigen zu gebieten, wie wenn durch ailzulautcs Reden und Preisen das Andenken dieses Einzigen enttveiht werde. Goethe hat als erster in seinem „Epilog zu Schülers Glocke" dem Freunde ein mwer- g-bngliches Monument errichtet; Christian Gottfried Körner, durch so lange Jahre Schillers treuester Helfer und Ratgeber, widmete sich mit selbstloser Hingabe der Aufgabe, fein Gesamtwerk in würdiger Form der Oefsentlichkeit vorzulcgen. Körner suchte Goethe und bann Wilhelm von Humooldt zu bewegen, zu dieser Ausgaoc der sämtlichen Schriften eine wütoige Einleitung beizusteuern; als aber beide aölehnten, hat er selbst in seiner einfach schlichten Weise das Leben des Dichters unter reicher Benutzung von Brief- steilen in der Einleitung geschildert. Das Manustcipt dieser ersten v^chüler-Biogwphie, in der er sich selbst bescheiden kaum ernnihnte, laitöte er zur Begutachtung an Schülers Gattin und dann an Goethe, der ihm in einem auss^hrlia-en Briese dasür danke. Auch Wilhelm von Humooldt hatte Körner den Aufsatz nach Wien g esost ul, und der preußisck>e G.sanoce anavorto.e in einem oishet unoekannttn Briefe, der nun unter den handschriftlichen Sck>itzen der Puoiic Liorary os the City of Boston aufgesunden worden ist und den Aioert Leitz.nann im neuesten Hefte der Teut- sck/en Nund.chau veröfscuüicht. Mit dem höchsten Lobe der ganz in ihrem gregen Gegenstand ausgehenorn Arveit verbindet Humooldt Eimreuoungen gegen einige Stellen. „Am meisten gegen die, wo Schiller lüer tttangel an Leichbigleü im Arbeiten klagt. Diese Klage tann wir stich nur auf gleiche Weise, als die meisten Sel.stg.st.ndnrsse, genommen werden, die immer in Billigung und Mißoilligung zu weit ge^en. Schiller arbeitete eigentlich leicht. Dom Reden und Zuhören. Dttmch einer kommt mit der Sprache nicht recht zu Gange, und manch einem reißt die Geduld beim Zuhören. Bei dem einen ist das nicht immer ein Zeichen von Gedankenstille und bei dem anderen handelt es sich nicht immer um die Unfähigkeit, sich mit dem Verarbeiten des Gehörten zu beschäftigen. Es trifft sich eben nicht allemal, daß der Erzähler und der einzelne Zuhörer von passender Art sind, und es kommt ja auch das Interessengebiet in Frage. Aber in tote vielen Fällen kann man bei Zuhörern die ganz gescheite Menschen sind, Ungeduld mahrnehmen, wenn der Erzähler seinen Stoss nickt gar schlank verarbeitet. Sie lassen sich von dem stockigen Wortlaut reizeu, Helsen nach, oder satten mit unpassenden Fragen ein, wäh- rend der Erzähler den Fortlauf der Gedanken und Worte für sich abwägt. Wo beide einen Genuß haben könnten, erweckt so der ungeduldige Zuhörer Aergernis und gerade das, dem er ab helfen will: wirkliche Stockung. Es ist merkwürdig, wieviel Gewicht die meisten auf den „Fluß" einer Rede legen. Wenn die Redner fließend sprechen, so beweist das nur eins von zweien: entweder, daß sie ihre Sache auswendig gelernt haben, ober aber, daß sie mit Gedanken hantieren, die an der Oberfläche bereit liegen, die nicht erst aus den Tiefen heraufdrängen und gesichtet und verarbeitet sein wollen. Denkende Menschen mässen doch erst eines zum anderen holen, prüfen, wieder ausscheiden, und während sie dieses aussprechen, schon jenes andere, das da vorausgaloppiert, einzuholen suchen, mit anderm verbinden, und wieder prüfen, in Form kleiden und dabei das schon Gesagte im Kopse behalten. Vergleiche man mit diesem Vorgang eine Rede, die das Fertige nur herunterrappelt, oder eine andere, die alles durcheinanderhaspelt, was da herangeslogen kommt. Ich meine, bann müßte man erkennen, baß es bie Vernunft verlangt, eine bedacht vorgebrachte Rebe, bie Hand unb Fuß hat, nicht burch Ungebuld zu stören. Wer Zuhörer: ist, Hal sich dadurch bem Sprechenben willig zu zeigen, baß er über bas Gehörte nachbenkt, besonbers bort, wo ber einzelne zum einzelnen spricht. Phcuttajiestarke Menschen mit sonberartigen Gebanlengängen sinbcn ja selten Zuhörer, die sich so sympathisch zeigen, baß sie zu Vertrauten werden, ts braucht, um diesen meist wortkargen Besonderen zu folgen, viel Feinfühligkeit.. .Ader bas. wir bergig Die jüngste Kanjkrtrifis. Die amtliche Erklärung der „Nordd. Allg Ztg.* über die 93er- -ffentlichung der Aeußeiungen des Kaisers und die Kanzlerkrisis habe keine Beunruhigung der öffentlichen Meinung hcrbeigeiührt Viele Blätter wissen mit der amtlichen Erklärung mchts anzusangen, weit sic in ihr eine Mystifikation vermuten, roeil ihnen der Zusammenhang des Vorgebrachien zu unglaubliafüg scheint. Tas „Berliner Tageblatt" glaubt den Hergang authentisch berichten zu können und wartet mit Namen und Taten aus. Es erzählt: AIS Fürst Bülow sich noch in Norderney beland — in der letzten Zeit seines 9korderneyer AusenthalkS — überbrachte ihm ocr Kurier, welcher während der Reiseperioden den Verkehr zwischeii dem Kaiser uiid dem Reichskanzler zu verniineln pflegt, das Nlanuskript der „Kaiser-Jntervielvs", das von einem Schreiben be5 Gesandten Freiherrn von Jciiisch begleitet war. Freiherr von Jenisch, der bekanntlich den Kaiser aus seinen Reisen begleitet, ersuchte im kaiserlichen Am trage den Reichskanzler, das Älatiuskiipt daraufhin z»i prüfen, ob feiner Veröffentlichung in einem englischen Blatte Bedenken mtgegtnfiäiiben. Aus dem Wortlaut des LegleitschreibenS ging nicht hervor, daß eS sich um em Interview Handelte — es war dort vielmehr von einem „Artikel" die Rede, iind Fürst Bülow glaubte, sehr bebauethcherroeife, bem Manuskript eine aUzn große Bebeutuny nicht beimefjen zu brauchen. DaS SDlamiitript war sehr umfangreich, e5 war in englischer Sprache abgesaßt, beflaub aus einem Paket kleiner Blätter beS bünncn Durchschlagpapiers, bie mit einer schwer leserlichen Schritt beberft waren, unb Fürst Bülow übergab eS — leiber ohne es gelesen zu haben — bem beuljchen Gesanbten im Haag, Herrn v. NiüUer, ber um jene Zeit vcrtietnngs- weise ben Dienst bei ihm versah. Herr v. Ptüller janbte bann — loieberum ohne vorherige Prüfung — bas Aianriskript nach Berlin an baS AnSivärlrge Amt unb ersuchte im Au'lrage bes Reichskanzlers um eine eingehenbe Prüfung bes Artikels unb um eine Berichtersiattuirg über biese Angelegenheit. Im Auswärtigen Amt war ber Staatssekretär Herr o. Schoen gleichtall« nicht auivesenb — er betäub sich aus Urlaub in Berchtesgaden, unb bas Ptanuskript geriet an einen Beamten, ber sich ber Wichtigkeit bieser Senbung ersichtlich nicht beivußt war. Dieser Herr las zwar bas Piaiiuskriot (so erklärt er tvenigstens), sand aber seinen Inhalt durcl;- ruS nicht welterlchüiiernd. Er berichtete in diesem Sinne nach Norderney, schrieb, daß seiner Ansicht nach eine Veröfsenilichimg iinbedenklich sem würde, und das tblanuskript wanderte, mit einem enisprechenden Begleitschreiben deL Reichskanzlers, zu Herrn v. Jenisch zurück. Als Fürst Bülow dann die geradezu beispiellose Erregimg sah, mit welcher das un „Daily Telegraph" veröffentlichte In- tervieiv im Auslände und mehr noch m Teuischland ausgenommeii wiiide, erkannte er die Größe des begangenen Fehlers. Vorgesiern abend sandte er dem vo>i Wernigerode znrückgekelirteii Kaiser einen Bries, in dem er den schlechten Embmck schilderte, den bas Fn- teruieiö tu ber beutjchee Presse gemacht habe, unb in bem er ben Hergang ber Angelegenheit burstellte. Er erklärte m bem Schreiben, daß er sein Ressort bede unb bie Verantwortitng aui sich nehme, unb ersuchte ben Kaiser um seine Entlassnng. Gestern früh erhielt der Reichskanzler dairn ein Annvortjchreiben des Kaisers, ivorm inigelähr gejagt ivar, von einer Entlasinng könne gar feine Rede sein, und um 6 Uhr abends sprach der Karjer beim Fürsten Bülow vor und hatte mit ihm eine zweistündige Unterredung. Nach bieser Daistülung, für deren dkichligkeit das Berl. Tegebl. die Bürgschaft übernimmt, ist das Vertrauen des Kaisers zum Kanzler trotz bet Bor Kimmnisse ungeschmälert. Wenn man demgegenüber die Meinung ber OenenllickLeit, bie Stimmen der Presse hört, so ist festzustellen, daß Blätter von rechts unb links nur einen Ausweg aus ben jetzigen Schwierigkeiten sehen: eine Aenbcrung des Systems, eine Bürgsck-aft gegen ähnliche Dor- ko mmnisfe in ber Zukunft. Die lomeroative Kreuzzeitung fdtreibt in einem längeren Artikel zur Kairzler-Krise: Die Mitteilung ber RorpbeuIschen Allgemeinen Zeitung läßt nicht genau ersehen, ob bas Versagen des Dienstes auf einen Fehler in bei Ocaanisation oder auf eine Schall) ber beteiligten Personen unb welcher von ihnen >)urückzustihren ist Es ist für die Oeffenp- lidjteit auch durchaus gleichgültig, ob ber Reichskanzler selbst das auf bünnem liebersec-Papier schlecht geschriebene Manuskript hätte durckckcscn sollen, ob ber Geheime Legationsrat L oder Lcgattons- rat P ben Fehler begangen bat, müeressiert nicht im Mindesten. Verlangt muß werden, daß oer Dienst bei den obersten Reichs- behörben uni) namentlich bei bem wichtigen Auswarligen Antt tabcllos funktioniert. Tas ist Sache pes Reichskanzlers. Die Tägliche Rundschau meint, baß eine Anzahl Anzeichen bafür vorläoen, daß die Krisis noch nickt beendet ist. Insbesondere fällt es auf, daß ber Reichskanzler sich in feinen Empfängen Beschränkungen auf erlegt Viel besprochen wirb ber Besuch, ben bei Kiwnprinz bem Reichskanzler abgcstattet hat. ES wirb behauptet, daß dieser Besuch mit ber schwebenden Krisis, deren Schwere nirgends geleugnet wird, in Zusammenhang gestanden habe. Ter Kandidat des Karsets für die Nachfolge des Fürsten Bülow soll gegebenen Falles in erster Linie der General von Mackensen sein. Außerdem weiden Freiherr von Marschall, Fürst Hatzfcld-Trachenberg unb Statthalter Graf Wedel genannt. Das Ausscheiden des Staatssekretärs von Schön gilt als sicher. Außerdem bezeichnet man bie Stellung des Unterstaatssckretärs im Auswäitigen Amt, Stemiich, als erschüttert. Die Frankfurter Zeitung ist ber Ansicht, daß bie alle Welt bewegende Angclegenhell morgen iin Reichstage zur Sprache kommen werde. Der Reichskanzler wird sich zu verteidigen und zu wehten, vielleicht auch zu entschuldigen haben uno bei vielgewanbtc Meist-r in ber Behanblung von Parteien unb Menschen täuscht sich Wohl nickst barüber, daß er vor ber schwersten Aufgabe seiner ganzen Kanzlersck)aft stcht. Wir möchten annchmcn, daß von bei Art, wie ei vor bem Reick-stase aosck,kreiset, fein Verbleiben ober sein Rücktritt abhängen wirb. Parteien, bie ihm unbedingte Gefolgschaft leisten, hat er nicht. Per,örtliche Fteunbe, ganz abgesehen davon, baß solche Frcunbscltaft in ber Politik keine Rolle spielt, hat er nur wenige. Alles, was er sich im Laufe Der Jahre an Gegnerschaft erworben hat, kann nunmehr mit mehr Aussickst auf Ersolg als je zuvor sich gegen ihn geltend machen. Das wirb auch nicht au§('leiben. Die Sozialdemolrwtcn, beiten seine Person ziemlich gleichgültig ist, können burd) ihre Angriffe das garrzc Syshmr treffen. Für bas Zentrum ist ber Tag ber Revanche für oen 13. Dezemoer 1906 gek'mmen. Ob Die Rechte in ihm noch im Sinne der Agrarier ben besten aller ReiclMrnzler erblickt unb biese Ueberzeugung betätigt, ist min- bcft.7nS ungewiß; bie ^Rachlatzsteuei hat ihm bort Sympathien gcuiubt und noch mehr bie bescheidcuen, rveuig vcrvindlick-cn Versprechungen ber preußischen Thronrede für eine Reform des Wahlrech-ts. Unter den Nativnallioeralen und manchen Leinercn Gruppen kocht der alldeutsche Zorn über das, was ber Artikel bes „Daily Telegraph ' aus ber Zeit bes Burenkrieges unb über unsere allgemeine Haltung England gegenüber in Erinnerung gebracht hat. Die Freisinnigen haben roenig Lust, wegen ber ichwächlicben Aussichten ber Blockpolitik bem Vater verfetten bei einet Gelegenheit zu Hilfe zu kommen, in ber es sich um lange und oft beklagte, den bescheidensten konstiluttonetten Ansprüchen Widerspveckstnbe Zustände handelt. Wie wirb sich unter solchen Umstünden Bülow mit dem Reichstag auseinanbersetzen? Tas ist bie nächste, für die iueitere Entwicklung höchst wahrscheinlich entscheidenbe Frage. Daß Bülow ihr ausweichen werbe, wie mandje vermuten, glauben wir nicht. Ec wirb reden unb sich Dcrtcibigtn, unb ber Reichstag geht wahrscheinlich einet ber ve- beutenuften Sitzungen entgegen. Schlimme, seht schlimme Besprechungen bringen bie ausländischen Zeitungen über die Angelegenheit. Der Tcmps zieht aus ber Erklärung der Norbb. Allg. Ztg. eine allgemeine Schlußfolgerung, inbem er schreibt: „Solche Dinge kommen also in bem gootünelften, emsihaftesten unb gewifsenhaitej'ten Staate Europas vor — bie Deutschs.n etii'enuen sich mit Vorliebe selost bieje Lobeserhebungen zu. Es kommt uns in Erinnerung, baß wir oftmals im Laufe unserer Auseinandersetzungen mit Teuischland bie Zeichen ber Anarchie angeoeutet Ijauen, Die uns hinter ber mächtigen Votbevseite der kaiserlichen Politik erschienen. Welchen bessern Beweis konnte man hierfür liefern, als bie Eingeständnisse des amtlichen Blattes. In seiner Art hat der bekannte Haupt- mann von Köpenick nichts Größeres geieistet. Ist der Schauptatz dieser Voröommnisse das Deutsche Reich ooer bas Großherzig tum Gcvoistein?" Im übrigen meint ber Tcmps, daß bie Erklärung der 9a>rbb. Allg. Ztg. jetzt selost bic an ber Veröffentlichung im Dmly Telegraph geübte Kritik rechtfertige. Die russisckj« Zeitung „Slowo" schreibt: „Die Mitteilung ber „Nvrdb. Allg. Ztg." konnte hier nur ein lustiaes Lächeln übet baS spaßige Enoe eines unglücklichen Schrittes Hervorrufen, wenn ber ganze Hergang nicht zu benken gäbe. Der Zwischenfall beleuchtet in seinem ganzen Verlauf scharf ben bcujdjen Schein- iönstitutionalismus. Es ist ja kein Geheimnis, baß bas „sic volo sic jubco" ober „Supoema lex tegis votuntaS" in Deutschland herrschen. Fürst Bütow hatte nicht zum ersten Male Fehler Kaiser Wilhelms in der äußeren Politik zu bcd'en unb nicht zum vollzogene Tatsache der Annexion noch der Anerkennung einer Konferenz unterbreitet werden mußte. Die Frage ist nur zwischen Oesterreich-Ungarn und der Türkei zu ordnen. Das Vorgehen des russischen Kabinetts kann nur die guten Beziehungen zu Oesterreich-Ungarn stören und wird als eine Unfreundlichkeit empfunden. Der „Seccoü)" veröffentlichte eine Unterredung mit dem zurzeit in Patlanza weilenden französischen Ministerpräsidenten Clö- m e n c e a u, der die Abhaltung einer K o n f e r e n z zur Lösung des Annexionsprogramms für durchaus nötig erklärt. Clemenceau fügt hinzu: Niemals waren Frankreich, England und Rußland in dem Wunsche nach Erhaltung des europäischen Friedens so einmütig, wie deute. Frankreich und England sind über alle der Konferenz vorzulegenden Punkte völlig einig, und die öffentliche Meinung Europas ist für sie. Das sieht ja beinahe aus, als wenn man es auf eine Demütigung Oesterreichs und Deutschlands abgesehen hätte. Präsidentenwahlen in Amerika. Am heutigen Dienstage wird es sich entscheiden, wer der Nachfolger Roosevelts werden wird. Eigentlich finden ja heute nur die Wahlmännerwahlen statt, deren Zahl 483 beträgt und die daun den neuen Präsidenten zu wählen haben werden. Ernstlich in Betracht kommen nur zwei Kandidaten, Taft (Republikaner) uns Bryan (Demokrat), .der schon zweimal durchgesalten ist und wahrscheinlich aucy dieses Mal wieder durchsallen wird. Von Taft heißt es, daß er ganz in die Fußstapsen Roosevelts treten werde, und daß daher die Politik, soweit die Beziehungen zum Deutschen Reiche in Betracht kommen, keine Aenderung er- loideu werden. Deutsches Reich. Prinz und Prinzessin August Wilhelm von Pre ilßen sind gestern abend von Venedig nach Florenz abgereist, von wo sie sich nach Nom begeben werden. Zur Erkrankung deS Staatssekretärs des Auswärtigen. Die »Nordd. Allg. Ztg." meldet: Staatssekretär von Schoen ist am Samstag während einer Vereinigung der Internationalen Konferenz über das Urheber- recht von einem Unwohlsein befallen worden, das ihn einige Wochen den Amtsgcschäften fcrnhalten wird. BiS zu seiner Genesung ist der Kaiser!. Gesandte in Bukarest Wirkt. Geh. Rat von Kiderlen-Waechter mit der Leitung des Auswärtigen Amtes betraut worden. Der Achtuhr-Ladenschluß in Berlin. Infolge des Achtuhr-LadenschlusseS machten sich in den Geschäften gestern abend bedeutende Verschiebungen des Verkehrs geltend. Dem plötzlichen Andrange von Fahrgästen nach 8 Uhr abends werden die Bahnen Rechnung tragen müssen. Ausland. Kaiser Wilhelm trifft, wie jetzt feftsteht, zu seinem Jagd- aujenthalt in Eckardsau nächsten Samstag 6 Uhr abends in Schönbrunn ein, wo er in den Frcmdcn-Appartements absteigcn wird. Um 7 Uhr abends findet bei Kaiser Franz Josef eine Tafel zu Ehreir Kaiser Wilhelms statt, an der der Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, der deutsche Botschafter v. Tschirschch- Bögendorsf und der Attachec der deutschen Botschaft Graf Rogeneck teil nehmen werden. Nach der Tafel werden die beiden Kaiser miteinander in den Appartements des Kaisers Franz Josef bis ?sur Abreise Kaiser Wilhelms nach Donaueschingen verweilen, die um 10 Uhr abends erfolgt. Der Feldzugsplau des deutschen Kaisers. Am Montag nachmittag wandte sich int Unterhause William Redmond von der irischen Nationalpartci mit der Anfrage an den Kriegs- minister Haldanc, ob tatsächlich ein Feldzugsplan des deutschen Kaisers zur Beendigung des Burcnkricgs in England cingegangen sei und ob der Minister, wenn es so ist, das Dokument zu veröffentlichen gebcnfc. HalDane erwiderte darauf, im Archiv des KriegsminiUeriums sei kein derartiger vom deutscl^en Kaiser stammender Feldzugsplau vorhaltdeu. Er könne daher, sagte der Ministet- unter der Heiterkeit des Hauses, dem Wunsche Reo- monds, das Schrijtstüct verösfcutlicht zu sehen, and) nicht Nachkommen. Aus Stadt und Land. Gießen, 3. 'Jlovember 1908. ** Vom Gro ß h. Hofe. Prinz e s.s i n Heinrich Von Preußen traf gestern nachmittag mit dem Prinzen Sigismund und der .Hofdame Fräulein von Oertzen aus Schloß Heiligenberg zu längerem Aufenthalt im Neuen Palais ein. Prinz Heinrich kam am Abend mit dem Adjutanten Kapitän leulnant von Knesebeck, int Auto von Innsbruck kommend, ebenfalls int Neuen Palais Wohnung nehmend. ** Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog haben dem Oberleutnant Matick im Telegraphen-Bataillon Nr. 1, seither im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm <2. Großh. Hess.) Nr. 116, das Ritterkreuz 2. Klasse deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Professoren. S. M. H. der Großherzog haben den Oberlehrern Franz Bock an der Vikloriaschule uub dem Lehren nsttznseminar zu Darmstadt, Ferd. Bodenstein am Gymnasium zu Bensheim, Karl Größer am Herbstgymnastum zu Mainz, Adolf Kemmer am Ludwig Georgsgymnasium zu Darmstadt und Gust. Lauteschläger an demselben Gymnasium den Charakter als Professor erteilt. • * In Audienz empfangen rottrbe von Sr. Kgl. Hoh. dem Grobherzog am Samstag u. a. Oberlehrer Dr. Gundel von Gießen. • • Forstpersonalten. S. K. H. der Grobherzog haben den Vortragenden Rat bet dem Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- und Kameralverwaltung, Geh. Oberforstrat Wilhelm Scyd auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen, treu und ersprießlich geleisteten Dienste unb unter Verleihung deS KomturkreuzeS 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Grobmütigen in den Ruhestand versetzt und den Forstmeister Julins Hein zu Viernheim unter Verleihung des AmtötitelS Oberforstrat zum vor- trageitden Rat tn der Abteilung für Forst- und Kameral- Verwaltung deS Miitisteriums der Finanzen ernannt. — Erledigt ist die Stelle des Obersvrsters der Oberförsterei Biernheim und die Stelle des ForslwartS derForstwartci L e h n h c i m. • • Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Emst Fuhry ans Hochheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Klem-Auhenn. — Entlassen wurde der Lehrer an der Gemcindeschule zu Climbach Heine. Rüder auf fein Nachsuchen. * * Steuerpersonalicn Der Großb Steuer- äufseher Au.g. Gravelius in Gießen imiröe ui den Ausseherbezirk Ober-Jngesheim versetzt. Erledigt ist die stelle des Hauptsteueramtsrendanten bei dem Hauptsteueramt Worms und die Stelle eines Steueraufsehers bet dem Hauptsteueramt Gießen. • • Bergwerkswesen. Sc. Kgl. Hoh. der Groß- herzog haben dem Obersteiger Emil Keller zu Wölfersheim aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zum Stlbernen Kreuz dc§ Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Der Schichtmeister auf dem Braunkohlenbergwerk LudwigShoffnung Friedr. Karl Rothe zu Wölfersheim wurde zum Obersteiger auf dem Braunkohlenbergwerk LudwigShoffntmg ernannt. ♦* Nachträgliches zur Landtagswaht. Wie verlautet, soll die Oppenheimer Wahlmännertuahl beanstandet worden sein und eine nochmalige Wahl stattfinden. Die beanstandete Wahl endete mit dem Siege der freisinnigen Liste (Kandidatur Korell), für den 451 Stimmen abgegeben wurden, während sich auf die Kandidatur des Nationalliberalen, Dr. Winkler, 243 Stimmen vereinigten. (Die Sache klingt nicht recht glaubhaft, da die Prüfung der Waylen Sache der Stammet: ist. Red.) — Justizrat Dr. Schmitt hat in einem Schreiben an das Staatsministerium sein Mandat als Abgeordneter für den Wahlkreis Mainz-Land niedergelegt und ist somit in der Lage, das Mandat für Mainz-Stadt annehmen zu können. Im Wahlkreis Mainz-Land werden die Wahlmänner wahrscheinlich den Altvürgermeister Löffel Holz (Kastel) nehmen. — Der R u d e r v e r e i n „Undine" in O f f e n - bad) hat sich nach der Landtagswahl bemüßigt gesehen, in einem Zirkular bekanntzumachen, daß er „aus nationalem Boden" stehe. Der Bors iß ende der „Undine", der linksliberale Fabrirant Ludwig Kapp us, der wegen seines Eintretens für Ulrich in allen nationalen Wäß.eroersamm- lungen angegriffen worden ist, hat den Vorsitz niedergelegt, weil die Vereins Kundgebung offensichtlich den Zweck hatte, ihn wegen seiner politischen Stellungnahme herabzusetzen. • * Dte Landtag-(Abgeordneten-)Wahl für die Stadt Gießen findet ain Samstag, 7. Novbr., vormittags 10 Uhr statt. * * Der Gießener Eisveretn hält am Mittwoch seine orbentticl ? M i k g l i e o e r v c r s a m m l u n g ab. Es wird dabei die Erhöhung der Beiträge, eine Folge der allgemeinen Mchr- ausgaben, beantragt werden. "Frauenturnen. Am Sonntag, 8. Nov, vorm. 9 Uhr, findet eine Turnstunde für Leiter von Francn- abtcilungcn in der Ttirnhalle in Butzbach statt. Ter Uebungsplan lautet: 1. Stehen, Drehungen, Echrittartcn. 2. Freiübungen, in Verbindung mit Schrittarten. Leiter: Gaiiturnwart Will. 3. Eine Frauenturnstunbe im Tnrnverein Butzbach; Zeitdauer ®/4 Stb. Leiter: Fisch-Butzbach. 4. Stütz- unb Gaugarten aus ber Schwebekante. Leiter: Günther-Marburg. 5. Schaukelringe. Leiter: Schüler-Wetzlar. 6. Kenlen- schwtngen in Verbindung mit Wiegeschritten unb Schrittwirbel. Leiter: Will. 7. Spiele. Berichterstatter Prof. Wamser- Butzbach. • * Fa hrrabmÜrder. Vor ber Hauptpost würbe gestern nachmittag von einem Unbekannten ein Fahrrab Bi arte Wartbnrgia 9lr. 70045 gestohlen. Der Eigentümer hatte bas Rab auf ber Straße stehen lassen, währenb er auf ber Post etwas besorgte unb bicsen Moment hatte ein (Sanner zur Ausführung bcs Diebstahls wahrgellommen. " K ö r p c r v e r l e tz tl u g. Gestern abenb 11 Uhr meldete sich auf ber Polizei ein junger Manu mit blutenbem Kopfe unb gab an, in ber WaUtorslraße von Unbekannten geschlagen worben zu fein. Hoffentlich gelingt es, bie Täter festzustcllen. * * Zur Notiz über ben Selbstmord aus Wieseck (Gieß. Anz. vom 2. Nov.) bittet uns ein Angehöriger, mitzuteilen, daß der Landwirt Th. Sch. nicht dem Trünke ergeben gewesen sei, sondern die Tat lediglich lucgeit Familieuverhält- nissen begangen hat. = Lollar, 2. 9Zod. Tie Frau des Barbiers H. P. schreibt uns: „In Nr. 258 des „Gieß. Anz." befindet sich, eine 9üNiz aus Lollar, betreffend Den Barbier H. P., iuelche der Wahrheit nicht entspricht. DÄsclbe war nicht derartig betrunken, daß er andere Gaste in feier Wirtsä-afr belästialc, und ban öenselben nach Haus gebrockt wurde, sondern er ilt ganz allein nach Hause. Auch machte er keinen „Blauen", sondern er hatte den ganzen Morgen gearbeitet. Ebensowenig i)t er gleich zu Bett georadyt worden. Bon großem Durst war bei ilM nichts zu bemerken. Wie sich die Sache mit der Flasche zügel rag en hat, kann niemand sagen, am allerwenigsten der Arlikelschrciber. Sb die Flasche vom Tych gefallen ist, ober ob cd dieselbe zerschlagen hat, ist von niemand gesehen worden. Als die Verletzung bemerkt wurde, saß er vor dem Tisch auf dem Sofa." — Wetterfeld, 2. Reod. Heute früh, am 2. SUrchweih- taffe, wurde der SOiaurcr Karl Biehl ans Lauter auf dem Wege von ber Müller)chen Wirtfdtask nach Haufe von 2 jungen Burschen überiallen, in den Groben gestoßen uitb mit einem Messer mehrfach ins Gesicht gestochen. Auch erhielt er in Den Arnt eine 5 Zcittimclcr tiefe Stidpvunhe. Die Ur sackte, ber Tat sowie die Täter jinD unbekannt. Der schwer Verletzte begab sich sofort mit dem 5 Uhr.zug in bie Klinik nach Gießen. Twtz der eifrigen Nachiorschunt^u ber Gendormeric tonnten bis jetzt die Täter nickst entdeckt werden. b. Nieder-Bessingen, 1. Nov. Heute starb der älteste Einwohner unserer Gemeinde, der Landwirt Friedrich Horst im nahezu vollendeten 88. Lebensjahre. Seine Gattin ging ihm vor 3 Jahren im Tode voraus 1899 konnten bie Friebrich Horst Eheleute in voller Rüstigkeit bn§ Fest ber golbenen Hochzeit feiern. ? TraiS-Horloff, 2. Nov. Am Samstag mittag würbe ber verheiratete, schon bejahrte Bergmann Eber von Utphe von anbeten Arbeitern auf einem Felbwege von hier nach Uiphe tot auf gef an ben. Da Eber schon morgens den Heimweg angetreten hatte, ist er mehrere Stunden gelegen, bis er gefunden wurde. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. H Butzbad), 1. Nov. In der hiesigen Volksschule wurde mit Beginn des Schuljahres in der Oberklasse als neuer Unterriu)tdgegeii|tano für Mädchen der Haushal- tungsunterricht eingeführt. Gestern wurde nun dieser Haushaltungskursus mit einer Prüfung durd) den Schul- vorstand geschlossen. Die Neueinrichtung hat fid) gut bewährt und aufs beite eingeführt, so daß sie eine dauernde Bereicherung des Lehrplans bleiben soll. fe. Friedberg, 2 Nov. Gestern tagte hier eine Mctzgcr- i ersammlung, die die Gvü n b u n g e i n e r M e tzg e r I n n u u g für F-ricdbcrg unb Umgegend beschloß. — Der Süd west, b e u 11 d) e Arbeitgeberverband hielt hier gestern eine gut besuchte Bersamminng ab. Mitglieder des Verbandes aus oessen, Baden, Württe mberg, Hess -n-Nchfau und dem Elsaß luaren cr|ü;ienen. einem Referat über die Bedeutung des Vcr- uaito oas Geiicralsetrettir Wolfs» Heidelverg erstattete, wurden Ortsgruppen in utiebberg und Sämhetm gegründet. R. Bobenyausen b. Mücke, 1. Nov. Gegenwärtig herrschen in unserem Orte heftige Klagen über die Wasserleitung, die bis jetzt tadellos funktioniert hat. Der untere Teil des Dorfes erl>ält Wasser genug, während der obere Teil weniger, mitunter gar feind erhält. Worauf dies zurückzusühren ist, konnte bis jetzt nod) nicht fest- gestellt werden: entweder ist die trockene Witterung schuld oder der untere Teil hat zu viel Bedarf an Wasser. Hoffentlich wird es bald gelingen, den Uebelstand zu beseitigen. □ Vorn Vogelsberg, 2. Nov. Die Wasser- leitungsbauten breiten sich im Vogelsberg fortgesetzt aus. Man kann schon jetzt sagen, daß niinbestens die Hälfte der Orte mit Wasserleitungen versehen sind. Fortgesetzt sind Leitungen im Bau unb Pläne in Vorbereitung. Vollenbet würben jetzt wieber Leitungen zu Altenbiirg, Lltzenhain, Schwarz, Rainrob unb Ober-Breibenbach im Kreise Alsfeld, Kaulstoß, Helpershain unb Babenhausen im Kreise Schotten. Tazu kommt noch ba§ neu eröffnete Gruppemvasserwerk bei Slongcnrob. X Bad-Salzhausen, 2. Nov. Heber die nun schon seit Jahresfrist veranstaltete Bohrung nach einer Quelle wird (mit Recht) größtes Stillschweigen beobackstet, und Unbcjughm i|t Der Zutritt zum Bohrhans nicht gestattet. Jedod) ist soviel in die Oessentlichleit gedrungen, daß das Bohrloch schon über 600 ?Jccter tief ist unb bereits Soole angetrofsen worden ist. Die Bohrungen werden Tag und 3iacht unausgesetzt fortgesetzt. X N i d d a , 2. Nov. Gestern abeiti» veranltaltete der Turnverein Nidda eine sehr gelungene Abendunterhaltung. Frl. Detrez und Frl. Atüller, erstere Gelang (Sopran), letztere Klavier, sowie Herr Sdrgler (Tenor) unb Herr Jockel (Della- mation), alle aus Darmstadt, hatten ihre Mittvirlung zugesagt, ebenso Herr Menzel unb Frl. Uhl von Nidda (Klavier). Es war eine an schönen Darbietungen reiche Abenduitterhattung,jinb wurde allen Dickwirkenden von dem den großen Saal von Kraft bis auf den letzten Platz füllenden Publllum reicher Beifall gezollt. Ein T7)eakerstück „Der falidst Anton" beschloß bie Darbietungen. Ter Ertrag der Abendunterhaltung kommt der Kasse des Turnvereins zugute, der im nächsten Jayre sein 5 0jähr. Jubiläum zu feiern gedenkt. Q Laubach, 2. Nov. Das Rhein-Mainsche VerbandStheater, das gegenwärtig auf einer Gastsvicl« reise in Obcrycssen sich befindet, brachte am gestrigen Abcn- im Solrnser Hof das Alolieresche Lustspiel »Der Geizige^ zur Älufführung. Die Darstellung war in allen Teilen vorzüglich, baß eS schwer fällt, Einzelne heroorzuheben, man müßte benn ben Darsteller bcs Jakob, Koch unb Kutscher HarpagouS, erwähnen. Der Besuck) war vorzüglich. — Das Haus ber verstorbenen Mattern Wiv, Bahnhofstraße, ging zum Preise von 2500 Mk. an Kausmaun Justus über. () Marburg, 2. Nov. In dem nahen Dorfe Elnhausen brannte heute das Wohnhaus nebst Scheuer des Landwirts Arnold nieder. — In Frankenberg wurde vergangene Nacht ein E i n b r u ch s d i e b st a h l verübt. Ten Dieben fielen Slleidungsstücke und Geld in bie Hände. Mit dem Frühzuge sollen vier verdächtige Männer in der Richtung nach ^Marburg gefahren sein. Man glaubt, daß die Täter mit den aus Wehlheiden entsprungenen vier Verbrechern identisch lind. — In Laasphe wurde ein Mann von einem wildgewordenenBullen verletzt. -s- Hass en Hausen, 2. Nov. Der 70 Jahre alte Zimmergeselle Heinrich Meiner auS Winnen, ber 26 Jahre bei bem hiesigen Zimmecmeistcr Benber gearbeitet hat, hat am 31. Oktober sein Hanbiverk niebergelcgt. 9(m 4. Oktober vorigen Jahres feierte er sein 25jährigeS Jilbiläum. Möge bem Veteranen ber Arbeit ein heiterer LebenbSabenb be» schieben sein. ** Kleine 9Ji i 11 c i t v n irankl)eit verpflegt werden mußte, wurde kurz darauf in Steinperf wieder hilfsbedürftig und blieb es bis zu seinent Tode. Durd) seine Verpflegung und Beerdigung sind 92 Mk. Kosten entstanden, bereit Ersatz Steinperf zunächst von dein Landarmenverband Staffel verlangte. Da dieser die Erstattung ablehnte, wandte sid) der Ortsarmenverband Stein- phSS Ä'HitU H £Mk«. llnüQficriöett bei feg * leül ;^,Uil[e loirb (mJ fugten ift’g W loßiel in bi» 1 Än 600 Kl» Dre Bohrung ^ederTurn. Waltuna Sopran), letzlm “ 3mM S ®nJ*®G .zugcjügj, ia. (Slaoiet). X Unterhaltung 1 «aal üon SiQp n, .mcher Lnjrll “IWB die 2a, EM dn W ee jcui 50jähi. ein-Mainscht f einer Gasljviel. gestrigen Slbcnl >Der Geizige' allen Teilen vor« -'vorzuheben, man ach und Kutscher rzüglich. - Das hnhosslrage. ging iii[lu§ über. )en Doch Ein« J> nebst Scheuer Frankenberg diebstahl bei» imb Geld in die Mächtige Männer in. Man glaubt, entsvrunge. In Laasphe )enenBulle° 70 Jahre alte 'n, ber 26 Jahn rbeitet t)at, tut Am 4. £fc nbtVäuiiL He ebenbSflbtä beeisen und der rbe BürgemeA )er Posthilsstelle ß 1 stall mit össenn He eingerichtet W ib BüdiugeN'MA' gingen, Miller tborn aus W; tzanau erschd - der 8. Ämpagmc c Tat ist unbckiM. gestern abend da irjahren und iVva , Lberhesten. ,n 3L Oktober- Unterhaltung euBÜ*” Ä 0 Ülati BW 4333 ’M Mark wurde da w unter»»»* Mete, uw» SFient Änstim« KschMgzu-' Grund de- "^ÄuGuß^ ^MAgenscheu '»SS ?S*5 ■j ifeit'S reu 9 igelt- j#t inE^sen irbig^Xot1 A rr die? Warnung ^rar Täuschung (09207 Gießen. den 3. November 15)08. 09206 Klein-Linden, 3. 91ovember 1908. Bekanntmachung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Alutter, Schwestern Schwägerin Frau L^itwe Lichi sagen wir allen unseren innigsten Dank. Familie Nicolai. Tautsagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Ableben unserer lieben Entschlafenen <$hfe Lchwarz gcv. Rnpprrt sagen wir unseren verbindlichsten Dank. Insbesondere danken wir für die vielen Kranz» und Blnmensvenden, sowie die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Zemmer» mann und die starke Beteiligung bei dem Leichenbcgängms. Die trauernden Hinterbliebenen: I. d. N.: Heiur. Schwarz u. ttinder. durch die „Billigkeit“ von Nachahmungen, die mit hochtönenden Worten angepriesen werden, aber bei weitem nicht an das Original-MAGGI heranreichen. Man verlange deshalb stets das allein echte MAGGI ± AH W Ufr: W Z W ■ & M T r!..... . ■ ■LfBuHülBj f ^«WWWWMMWWWW GW IM WK^MI^^^WWWWWUW im 6436 Schwalb. einzig dastehende Rekordleistung hat Bryan, der amerikan. Präsidentschaftskandidat, wie im Standard zu lesen ist, am 26. v. M. erzielt. Er legte sich um 12 Uhr nachts schlafen, stand um 5i/3 Uhr morgens auf, erledigte den Einlauf an n..:.:__cüeriph fsith iinh fnnT pinioc Sekunden Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Mittwoch den 3. November: Liel-ach trüb. Trocken. Temperatur wie heule. Schwache östliche Winde. de«. Geschäftsführer ist ter bisherige Direktor des Sregerlanterk Roheisenshndikates, Richard Eckert. Ms Gesellschafter find ter- getreten: die Wittener Eisengießerei, die Aktiengeselftmaft bru> irichshüttc .Herdorf, die Niedcrscheldcner Hütte, die Johannes- Hütte, die Eiscrfelderhütte. die Gewerkschaften Llpfelbaumer Zug, Storch und Schöneberg, sowie die Germaniahütte. Gebrauchtes, gut erhaltenes 51 0 n t 0 r - P u l t wegen Matz' mangels billigst zu verlaufen. 09153] Aliccstraße 13, L Föwptelle liir luupMa (Medizinische Klinik, Klinilstratze) Kakaos, Schokoladen, etc. ab X. Oktober er. zu ermäßigten Fabrikpreisen empfiehlt Frau Emma SeSSheäm Bismarrkstrane 38 gegenüber der neuen Bibliothek. Z0* Jede Lieferung frei Haus Gießen. "Dkk 5843 Gut gefahrene Kuh, trächtig, steht zu verkaufen bei 16426 Heinrich Schmidt Hl., Rodöeim bei Gießen. Der Voranschlag der Gemeinde Großen-Buieck für 1909 Rj. liegt vom 5. l. Mts. an acht Tage auf der unter» zeichneten Bürgermeisterei zur Einsicht offen. 6136 Großen-Buscck, den 2. November 1908 Grasch. Bürgermeisterei Großen-Buseck. säckel zu schädigen. * Vo r der Rekruten-Vereidigung. Hauptmann: ,Leute müht Ihr schwören! Ich mache Euch noch darauf aufmerksam, hier im Dienst ist die ewige Treue anders aufzusagen, als bei den Mädels.! Verstanden?" — Re kru ten (ein|timmigj: „Zu Befehl, Herr Haupttnann!" «leine Tageschronik. In Dre 8 den - Briesnitz ist die große Dachziegelsabrik von Max Nötzold abgebrannt. Es liegt B ra n d sl 1 s t u n g vor. Ter Schaben beträgt über eine h a l b e Ri i l l i 0 n Pi a r k. 170 Arbeiter sind brotlos. . In Leipzig tumbe das Ehepaar Friedrich er- mordet anfgestmden. Offenbar liegt Raubmord vor. In der Slomgl. Gewehr'abrik in Erfurt sind umfangreiche Diebstähle an'gedeckt ivorden. Lis jetzt sind ztvei Feldwebel, cm Arbeiter und ein ausivärtiger Agent verhaftet ivorden. Gegen 150 Zöglinge des Mililärwaisenhauses und der Unter- ofsizicrschule in A n n a b e r g sind an Diphtherie und Aiandelentznndung erkrankt. Tie 39jährige Gattin des Frauenarztes Dr. Schultz m L i e g n i tz begoß sich mit Petroleum und zündele cs an. Sie starb nach gualvollen Leiden. Der Aiaj 0 r im Generalslabskorps Viktor Z a cz e k in Hs t e 11 hat sich aus unbekannten Gründen erschossen. In Trebnitz in Böhmen wurde das auf dem Friedhof bcsiudlichc Gr a bd enkm a l für die im Jahre lt>66 dort verstorbenen preu° mschen Soldaten von Tschechen zum zweiten Male zerftort. Ter auch im Auslande bekannte russische Genei al Ilowaiski) ist wahrend einer Abendgesellschaft unter der Beschuldigung wiederholter Betrügereien in Petersburg verhaftet und ins Gefängnis abgeführt wordcu. GrigiircU-SrahtineLounsen. Falkenberg, 3. Nob. In Annaburg sind gegen 15 0 Zöglinge des Militär-Knaben-Jnstituts und der Offtzrerschule an Dhphteritis und Mandelentzündung ertrankt. Der bisherige Verlauf der Epidemie ist günstig. Wien, 3. Nov. Wie die „Zeit" meldet, ist der russische K 0 n s e r e n z v 0 r s ch l a g gestern nachmittag im hiesigen Ministerium des Aeußcrn eingclangt. Rom, 3. sJiou. Ende November erscheint eine Papst-' l i ch e Enzyklika an die Katholiken der gesamten Welt. Paris, 3. Nov. Der „Matin" erklärt, daß die Zweifel der deutschen Presse hinsichtlich der von dem Botschaster Radolin bei Delcasss wegen einer Annäherung Deutschlands an Frankreich unlernommenenen Schritto gegenstandslos seien, da die betreffenden Dokumente in den Archiven des Auswärtigen Amtes aufbcwahrt würden. London, 3. Nov. 60 Mitglieder des Unterhauses' beschlossen die Gründung eines Komitees zum Studium der F-rage der Vergrößerung der Krregsslotte. Dieses Kontitee ist bereits gestern zusammengetreten und wählte den Abgeordneten Long zum Vorsitzenden. Petersburg, 3. Nov. Die „Nowoje Wremia" schreibt bei Bespreämng der Vorgänge in Persien: Falls die persische Regierung nicht imstande sei, der Anarchie ein Ende zu machen, so würden Rußland und die Nachbarmächte sich gezwungen sehen, einzuschreiten. Dann aber seien die Taae Persiens gezählt. Konstantinopel, 3. Nov. Wie die Blätter melden/ haben in Serres Reservisten gemeutert. Belgrad, 3. Nov. Blättermeldungen zufolge wird bic. Skuptschina sich hmte mit der in Aussicht genommenen Verlegung der Residenz von Belgrad nach dem Innern des Landes befassen. Saloniki, 3. Nov. Der französische Dampfer „Memphis" ist mit für Serbien bestimmtem Kriegsmaterial! hier eingetroffen. Wallende Nevcl btdccken das Feld und die schlimmste Zeit des Jahres, der November, ist gc- /Kar kommen. Da sind die Menschen mehr krank als gesund und immer isl'S dasselbe: Katarrhe, Husten, rauher Hals, Schling- zrg beschwerten, Atemnot ec. Aber getrost: Fays ächte Sodener Atineral-Pastillen lassen alle diese Beschwerden nicht hoch- tiSr kommen und sie sind dabei so bequem und angenehm zu ge- brauchen, daß man seine Erkältung los wird, ohne recht zu ygfep wissen, wie. Wer's noch nicht probiert hat, mache einen Versuch. Die Schachtel für 85 Pfennig ist in sämtlichen gF Apotheken, Drogerien und Mineralwasferhandl. erhältUch OeneraB - ’Jepsammkmg Mittwoch, den 4. November, abends 8l 2 * */2 Uhr ' Gewerbehaus. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht. 2. Nechnnngsablage. 3. Vorslandswahl. 4. Wahl der Mitglieder zum Bezirks-AuSschnsie. 5. Verschiedenes. Zu zahlreicher Beteiligitng ladet ein v2, Der Vorstand. Märkte. । ‘£)rtenbcrg, 2. Nov. Vom besten Wetter begünftigtr fand heute ter Pferde markt statt. Zirka 100 Stück Fohlen and Pferte waren zum Verlauf aufgetrieben. Tie altbewährten. Händler aus Nidda, Kirchlein, Friedberg, Nieterweisel, Gießen, Obermockstadt, Hmrgen, Himbach, Frankfurt a. M. usw. hatten red)t schöne Tiere gebracht. Außerdem waren viele.Bauern mit 1—2 Stück Fohlen zum Markt gezogen. Der Handel ging flott. Für Saugfohlen ivurdcn 200—100 Mark erzielt, für l1- Jahr alte sck-öne Tiere 400—800 Marl. Belgier, .Hollänter und Land- rasse (Hcssengänlc) traten in schönen Eremplaren vertreten: mcit sieht, die Pferdezucht ist int besten Ausblüten begriffen. Bet dem schönen Wetter war die bäuerliche Bevölkerung, die die Feldarbeiten vollständig bewältigt, in guter Stimmung reichlich vertreten. Der morgen stattfindente ‘Oiindvich- und Schweine- markt wird dem houtigen Tag voraussichtlich nicht an ftotteni Betrieb nachstthen. . tc. Frank,urt a. M., 3. Nov. Den- und Etrohmarkt. Angefahren waren 12 Wagen Heu und 4 Wagen Stroh. Bezahlt ivurde für Heu Mk. 3.20—3.60, für Stroh Mk. 2.50 - 2.70. Die Zufuhr war ans den Kreisen Friedberg und T-eburg. TaS Geschäft wickelte sich bei lebhafter Nachfrage rasch ab. Tendenz: beststmt. u r t a. M., 3. Nov. Am heutigen Kartoffel- markt wurde für 200 Pfund 1. Qualität Kartoffeln 5,30—5,80 Mk: gezahlt. vermischtes. * Frauen st urrne auf das englisch ^Parlament. Die temperamentvollen Sturmangriffe, die die englischen Suffragettes jetzt immer von neuem wieder gegen das Parlament unternehmen, erinnern ein englisches Blatt an die nicht minder gewaltsam geführten Kampfe, durch die sich die englischen Frauen den freien Zutritt zu den Ber-- Handlungen der regierenden Körperschaften erzwingen wollten. Die Damen dürfen bekanntlich lvährend der Parlamentssitzungen nur in jenem käsigartig^n, durch ein Gitter verschlossenen Raum erscheinen, der ihnen direkt über dem Stuhl des Sprechers reserviert ist. Bis 5um Jahre 1778 erifticrte diese die weibliche Würde so verletzende Beschränkung nicht. Aber am 2. Februar dieses Jahres waren die Frauen so zahlreich auf den Tribünen erschienen, daß sie auch noch Sitze der Mitglieder mit Beschlag belegten, und da stellte ein ungalanter ^eebär, dessen Namen Johnstone dadurch eine zweiselhaste Berühmtheit erlangt hat, den Antrag, alle Frauen aus dem 5)ause zu entfernen. Die Damen wehrten daß es erst nach mehreren Stunden gelang, die letzten aus dem Saale zu entfernen. Nun durften die Damen ein halbes Jahrhundert lang überhaupt nicht ins Parlament herein, und als sie dann wieder die Erlaubnis erlangten, wurde ihnen jene berüchtigte „Hundehütte" zugewiesen, die die Herzen aller Frauenrechtlerinnen tyeute noch mit so wilder Entrüstung erfüllt. So hatte das schönere Geschlecht im Unterhaus wenigstens einen Sitz erlangt, von dem es die Füße des Sprechers und etwas von den Köpfen auf der ersten Bank sehen konnte, doch das Oberhaus war den Frauen verschlossen. Da machte gerade vor siebzig Jahren eine kühne Schar von Frauen unter der Führung der Herzogin von Queensberry einen Angriff gegen die verbotenen Pforten des Oberhauses. Morgens um 9 Uhr war die „Belagerungs-Armee" unter aroßem Lärm zur Stelle und verlangte ungeduldig den Einlaß, der aber streng verwehrt wurde. Neun Stunden donnerten und polterten nun die Amazonen mit Händen und Füßen an die Türen; aber die Herren blieben fest. Doch, die Herzogin hatte geschworen, hineinzukommen, und nun änderten die Frauen ihre Taktik. Eine halbe Stunde verhielten sie sich mucks- mäuschenstill, bis die Lords, da sie annahmen, daß sie fort waren, die Tür zu öffnen befahlen. Im Augenblick strömten die Damen herein, setzten sich auf den Galerien und im ganzen »ante fest und störten die Mitglieder des Oberhauses beständig, bicßutc Miene zum bösen Spiel machten und ihre Beratungenfortsetzten. ... * Wie man in Amerika Wahlen macht. Eine L-attSel unö Verkehr, volkswirt-cha-t. Siegen, 2 Nov. Heute ist die Gründung des neuen Rwh- eisenverkam'svereins unter ter Firma Vereinigte Sieger- Innher .Hüttenwerke G. m. b. H. notariell vollzogen wor- 1 perf an den Landarmen Verb and Gießen, und als auch dieser die Zahlung verweigerte, erhob er Klage beim Provinzial-Ausschuß. Dieselbe wurde in der heutigen Sitzung zurückgewiesen, da die zweijährige Verjährungsfrist gemäß § 30 a des Unterstützungswohnsitzgesetzes bei Erhebung der Klage abgelaufen war. (ficridytsiaal. München, 2. Nov. Vor dem K r i e g s g e r i ch t der 1. Division stand heute Oberleutnant Max v. Bomhard 00m 2. bayr. Ulanenregiment unter der Anklage des Be trug es und ter Urkundenfälschung. Bomhard, ter auch als Herrenreiter bekannt ist, und dessen Namen in zahlreichen Wucherprozessen der letzten Jalste genannt wurde, war beschuldigt, Blankoakzepte, die ihm Kameraden unterschrieben hatten, aus höhere Beträge als vereinbart war, ausgestellt zu haben. Jnnerlwlb dreier Monate kontrahierte Bomhard allein rund 100 000 Mk. Wechselschulden, welche die Bürgen, ebenfalls baperische Statiallcrio üffijierc, bezahlen mußten. Der Erlös ter Wechsel blieb zum größten Teil in der Spielbank von Monte Carlos. Der Vertreter ter Anklage beantragte, Bomhard zu einem Jahr und einem Monat Gefängnis, 3300 Mk. Geldstrafe und Entfernung aus dem Heere zu verurteilen. Tas Gericht erkannte jedoch auf Freisprechung, da es sich von der Absicht eines Bettuges nicht genügend überzeugen konnte. Trier, 3. f)Loo. Im Saarbrückener Bestechungs- Prozeß legten die verurteilten Steiger Berufung gegen das Urteil ein. zu spat zum 7 Uhr-Zuge nach Paterson. Er mietete darum ein Auto und war unx 9 Uhr in Paterson. Dort redete er bei strömendem Regen unter freiem Himmel zu einer Volksmenge von 20 000 Personen, kehrte nach Newyork City zurück, wo er um 111/2 Uhr im Waldorf Astoria vor einem Verein demokratischer Frauen sprach. Zwei begeisterte Damen umarmten unb küßten Bryan, der dabei errötete und zum erstenmale im Wahlkampf seine gewohnte Sicherheit verlor. Eine dritte Dame ging mit der gleichen Absicht auf ihn los, und noch mehrere andere Damen traten hervor, aber Bryan beugte weiteren Küssen dadurch vor, daß er sich hinter seine Frau zurückzog, deren vorher unbemerkte Anwesenheit die Damen von weitem Taten abhielt. Tann machte Bryan eine Rundfahrt durch die Vorstädte. Er war um 12i/2 Uhr in Jonkers, um IVa in White Plains, um 2i/a in Port Chester, um 31/3 in New Rochelle, um 41/2 in Mount Vernon. Um 6 Uljr war er in Newyork City 'zurück, zu einem Empfang im National Demo- cratic Club; dann folgte ein feierlicher Zug nach Hamilton Fish Park, wo er um 7i/2 Uhr anlangte. Um 8 Uhr war er bei der Cooper Union, um 8V2 im Palmengarten in der dritten Avenue, um 9 Uhr im Maddison Square, um Mitternacht bei einer Versammlung in der fünften Straße und zum Schluß um 3 Uhr morgens bei einer Versammlung m dem City Hall Park. Um 4 Uhr morgens schließlich konnte er sich "glücklich schlafen legen nach einem Tagewerk von 221z Stunden. So sprett sich der Tag eines amerikanischen Wahl Kandidaten ab. Wir Europäer sind in dieser Beziehung doch giück.ichere Men|ck)en. * Die Bierflaschen sollen kleiner werden, ö lesen wir in der Finanzwochenschrist Plutus. In Zukunft oll es nämlich gestattet sein, in Abstufungen von einem halben zehntel Liier zu eichen, während bisyer nur in Ab- ständen von einem zehntel Liter geeicht werden durste. Die Folge davon wäre, so führt der Piutus aus, daß statt der bisherigen viei^ehntel Literflaschen dre'einhalb.>ehntel Liter- laschen in den Verkehr gebracht werden. Tee Bevölkerung wird bann also für ein geringeres Quantum den bisherigen Preis zahlen. Tas ist ja ein sehr schlau ausgedachtes, aber doch nicht unbedenkliches Aushilfmittel. Denn ttotz des Verkaufes derselben Anzahl Flaschen Bieres wird auf biejem Wege quasi automatic der tatsächliche Absatz und damit die Einnahme der Brauerei geringer. Gleichzeitig aber wird damit auch das Steuererlrägnis zurückgeyen. Man muß sich wirtlich wundern, auf was für knifftiche Auswege ein pfiffiger Schatzsekretär kommen kann, um — den Reichs- Sprechstunde: Jeden Mittwoch abend 6—7 Uhr. Unentgeltliche Untersuchung von Lungenkranken unb Angehörigen von Lungcnkrnnlen. (D-73. Ausgabe von Attesten für Ausnahme in Heilstätten. Zlatschläge für Llranke und ihre Angehörlgen zur Bermeioung on Ansteckung. Voit. > 'i?!,al«nnh e mit Wagen, komvl., i. jiugyiinoc -u verkaufen. (09201 Näheres Frankfurt. Srr. 62 vt. erÄcpM^ltito äU[C«199 I Zu erfr. in der Erp- ds. Blattes. 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