Nr. 27 Viertes Blatt. 158. Jahrgang Samstag. 1. Februar 1908 Erscheint ISgUch mit Ausnahme be» Sonntags. Die -Gtehener Samtlienblöttcr** werden dem r91n8etger* viermal wöchentlich deigelegt. das „Kreisblatt für den Kreis Eichen" zweimal wöchentlich. Der Mt?e|fild)t Landwirt" erjcheml monatlich einmal. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gbecheften Rotationsdruck and Verlag bet Br üblichen Unwerluäts • Buch, und Sr««ndructerei» fft ß o q g e. Dietzen. Redaktion. ErvedMon und Druckerei: Schul« stratze ?. Grpeöttion urrd Bertag e=s@ 6L $Rebaftton; 112. ieL*2Uu Anzeig er Drehen. Deutscher Reichstag. 91. Sitzung vom Freitag, den 31. Januar, 1 Uhr. Am Tische des Bundesrats: v. Tirpitz. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten. Der Marincetat. Die Beratung wird fortgesetzt beim Kapitel Garnisonver- waltung. Abg. Spethmann (frs. 93p.) trägt Wünsche der Beamten der Torpedowerkstatt in Friedricksort vor. Insbesondere befürwortet er eine Besserstellung der Mechaniker und Obermechaniker, damit diese nicht in Privatdicnste geben. Die älteren unter den gelernten Arbeitern sollte man zu Monteuren machen usw. Geheimer Admiralitätsrat Harms: Es schweben Erwägungen. Abg. Spetlimann (freis. 93p.): Das wird schon seit Jahren gesagt. Wir möchten aber endlich Taten sehen. Bei den einmaligen Ausgaben befürwortet Abg. Ahlhorn (freis. 93p.) größere Unterstützungen für die Wcrftgcmeindcn Heppens, Bant und Ellerbek. Staatssekretär von Tirvitz sagt ein Entgegenkommen für den nächsten Etat zu. Helgoland. Abg. Ahlhorn (freis. 93p.): lieber die Abbröckelungen der Insel Helgoland schwir' ren beunruhigende Gerüchte umher. Es wird behauptet, daß durch das Aüfeuern von Schüssen die Insel allmählich ruiniert werde. In der Kommission sind diese Befürchtungen bereits. zerstreut worden. Ich bitte aber doch den Staatssekretär, hier öffentlich zu erklären, daß an allen diesen Gerüchten nichts dran ist, und daß die Befürchtungen, die im Publikum bestehen, haltlos sind. Unser Helgoland ist teuer erkauft und dennoch erfreut sich das deutsche Volk des Besitzes dieser Insel. Es ist die Pflicht jedes Deutschen, diese Insel dem Vaterlande zu erhalten. Sie in die Luft zu sprengen, wäre der größte Fehler. Wenn auch ihr Kriegswert gering sein mag, so soll sie doch immer ein Wahrzeichen für die Schiffahrt sein mit ihrem unvergleichlichen, schönen, wirksamen Feuer, das schon manchen Schiffen in dunkler Nacht den Weg gewiesen hat. Die Insel kann uns noch unschätzbare und unbezahlbare Dienste leisten. Ich bitte den Staatssekretär, hier öffentlich die Bedenken im Publikum zu zerstreuen. (Beifall.) Staatssekretär v. Tirpitz: Nach den eingehenden Untersuchungen, die stattgefunden haben, glaube ich, daß derartige Befürchtungen, wie sie in der Presse wegen D e § Bestandes von Hel go - land zum Ausdruck gekommen sind, nicht exi- st i e r e n. Ich möchte da unter anderem auf die Broschüre des Dr. Platz in Eurhaven Hinweisen, der die Befestigungsanlage von Helgoland geleitet hat. Danach besteht der Hauptbestandteil der Insel aus einem festen Felsen, und cs ist in keiner Weise zu befürchten, daß in absehbarer Zeit schwere Verluste Vorkommen werden. Es sind feiner von der preußischen Negierung Untersuchungen mit Seismographen gemacht worden. Sie haben wohl auf Stürme und schwere Böen reagiert, aber nicht mehr auf das Abfcuern von Schüssen. Wir haben auch Gutachten eingeholt, und diese haben ergeben, daß auf 60 Meter Entfernung eine Stoßkraft von 5 Gramm auf das Kilogramm sich bemerkbar machte. Das ist bei dem Felsen von 4 Milliarden Kilogramm eine Kleinigkeit. Es kann also von einer Gefahr beim Schießen keine Rede sein. Die Marine- Verwaltung kann mit gutem Gewissen die Erklärung abgeben, daß der Bestand der Insel durch die beabsichtigte stärkere Befestigung in keiner Weise gefährdet ist, und daß wir noch lange die Insel in dem ungefähren Zustande erhalten werden, 'm dem sie sich jetzt befindet. Daß kleine Mbröckelungen Vorkommen, ist natürlich. Die Oberfläche besteht ans Humusboden, der allmählich abgenutzt wird, und eS bilden sich Spalten nfw. Diese Kleinigkeiten tun aber der Gesamtfestigkeit der Insel keinen Abbruch. (Beifall.) Zum Bari einer Trockendockanlage an der Unterelbe ist im Etat eine erste Rate von 14 Million Mark angefordert. Die Kommission hat statt dessen Tockanlage gesetzt. Abg. Dr. .Paasche (natl.) erläutert den Kommissionsbericht, indem er für die Anlage eines Schwimmdocks eintritt. Er hebt die Vorzüge hervor: be- ouemere Anlage, schnellere Errichtung, größere Billigkeit, bessere Unterkunftsräume für die Arbeiter usw. Staatssekretär b. Tirpitz sagt diesen Anregungen Beachtung zu bei den Erwägungen, die die Marineverwaltung noch anstellt, hält aber eine Reihe von Vorzügen der Trockendocks entgegen und legt bar, daß man sich bisher in der Hauvtsache für diese entschieden habe. Ten Titel zum Bau fiskalischer Mietwohnungen für Offiziere in Wilhelmshaven hat die Kommifsion um 200 000 Mk. gekürzt und beantragt, nur 100 000 Mk. für zwei Geschwaderchefs zu bewilligen. Abg. Dr. Semlcr (natl.) beantragt Bewilligung der Regierungsforderung. Die Kommission ist Von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Sie hatte angenommen, da in Wilhelmshaven eine große Anzahl von Wohnungen leer steht, daß auch für die Offiziere des Geschwaders damit genügend gesorgt sei. Inzwischen ist vom Bürgermeister und Stadtverordnetenkollegium und dem Hausbcsitzerverein mitgeteilt, daß das unzutreffend ist. Staatssekretär b. Tirpitz dankt dem Redner und bittet, seinem Antrag zuzustimmen. Abg. Erzberger (Zentr.) stimmt gleichfalls zu. Die Kommission hat sich geirrt. Erzberger nimmt seine Anregungen aus der Kommission auf, bic Betriebs- gemeinben, die einen Reichszuschuß nachsuchen, zunächst zur Einführung einer Wertzuwachssteuer zu veranlassen, da durch die Anlage von Reichs- und Staatsbetrieben der Grund und Boden ganz immens im Wert steigt. Nach kurzer tüutercr Aussprache wird der Kommi'sions- beschluß umgestoßen, und die Negierungsforderung gegen die Sozialdemokraten genehmigt. Die Budgetkommission beantragt eine Resolution, die den Reichskanzler ersucht, Arbeiten für die Marineverwalturg nur an solche Firmen zu vergeben, welche in Beziehung auf Ne Arbeitsbedingungen die gesetzlichen Vorschriften einhalten ur), falls Tarifverträge für die betreffende Art der Arbeit ar' Ort des Betriebs gelten, nicht hinter den Bestimmungen dieser Tarifverträge zurückbleiben, sowie die Marineverwall- i:g anzuweisen, die Festsetzung oder Neuordnung von Arbeit' dingungen in den Reichsmarinebetrieben unter Mitwirkung der libeiter« ausschüsse vorzunehmen. Die Sozialdemokraten beantragen die Zuzicl, mg der Ar- beiterorganifationen. 9(hg. Grncbcr (3fr.) macht längere Ausführungen über die Tarifverträge, auf deren Abschluß seine Partei grundsätzlich Gewicht lege. 9Bürttemb°rg ist bahnbrechend borgegangen, Bahcrn gefolgt, Hessen, ebenso eine Reihe von Stadtverwaltungen wie München, Fürth, Freiburg i. Breisgau, Straßburg usw. Freiherr v. Nichthofen (kons.) f Wir verkennen nicht, daß Tarifverträge eine Hauptfrage der Zukunft in bezug auf den Arbeitsvertrag sind. Die Voraus- fetzung sind starke Organisationen der Arbeitgeber und der Arbeiter. Aber es ist allein. Sache der Reichsverwaltung, zu erwägen, ob sie berufen ist, in dieser Hinsicht vorbildlich zu wirken. Die Reichsanstalten sollen ja vorbildlich sein, aber es ist dock fraglich, ob eS angebracht ist, daß die Reichsverwaltung in die freie Entwicklung eingreift. Derartige Resolutionen sind nicht angezeigt. Es handelt sich dabei doch um Fragen, die für die ganze Reichsverwaltung Bedeutung haben und nickst nur für die Marineverwaltung. (Zustimmung rechts.) Abg. Ledebour (Soz.) verlanat in langer Rede die Anerkennung der Arbeiterorganisationen. Abg. Dr. Semler (nL): Es sind nicht vrin-ivielle Bedenken, die einem Teil mefn-r Freunde die Zustimmung zur Resolution erschweren, ja unmog* lick machen, sondern in der Hauptsacke finanzielle Erwägungen Die finanziellen Konseguen^en sind nickt übersehbar. Die Wort- fassung schließt nickt eine Maiorisierung der Mehrheit durck die Minderheit an dem betreffenden Orte au5. Meine politischen Freunde behalten sich aber in anderem Zusammenhang die Zustimmung zu Beschlüssen vor, die die Tarifverträge fördern. Aba. Dr. Pachnicke (frf. Vgg): Wir wollen im Gegensatz zu Herrn v. Rickthofen — und ick spreche für die gesamte freisinnige Fraktionsgemeinschaft — gerade, daß die Reichsverwaltung die Führung nimmt. Die Resolution verlangt von der Marineverwaltung ja nur, daß sie das gleiche tut, was die Staatsverwaltungen im Süden bereits geleistet haben. Auch in Deutschland greift die Bewegung für Tarifgemeinschaften immer weiter um sich und dringt auch allmählich in die große Industrie ein. Selbst innerhalb deS Zentralverbandes der Industriellen beginnt sich ein Umschwung zu vollziehen. Die Tarif- gemeinschast ist der Arbeitsvertrag der Zukunft. Der Standpnnkt: mit Arbeitern verhandelt man nicht, ist endgültig überwunden. Leider identifizieren sich die Gewerkschaften mit der Partei (Lebhafter Beifall der Soz.), die ist das große Hindernis zum sozialen Frieden. Enaland ist es nicht so. Nationale Verbände werden aebört werden müssen, wenn es sich um Betriebe handelt, die durch das ganze Reick gehen, ßier aber sind eS einzelne Betriebe, örtliche, daher find die Arbeiteransschüsfe am Platze. Be- stimmenb ist weiter für uns die Erklärung der Marineverwaltung, daß sie mit der Resolution in dieser Fassung lehr wohl arbeiten kann. Abg. Behrens (wirtsck. Vgg.): Die Arbeiteransschüsse sind hier nicht die richtige Albeitervertretung, schon wegen des Wah modus bringen sie nicht die Ueber- zenaung der Arbeitervereine zum Ausdruck. Tarifverträge schießt man besser mit Arbeiterorganisationen ab, weil ihre Führer einen weiteren Blick haben als die Kollegen, die an der Arbeitsbank stehen. Der Arbeiter'ekretär muß der Verhandlung?- und vertragsfähige Vertreter der Arbeiter sein. Können wir uns in Deutschland zu dieser freimütigen Auffassung aufschwingen, dann sind wir dem sozialen Frieden erheblich näher gekommen als jetzt. Auch das Einigungsweien muß mehr ausgebaut werden. Wir werden für die Resolution stimmen und bosten, daß über kurz oder lang auch das Haus und die Marineverwaltung die Arbeiterorganisationen anerlennen wird. Aba. Dr. Pachnicke (frs. Vgg.) verweist noch einmal auf die Persona union zwischen den freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratie. Abg. Hnö (Soz.): Solange ich im Kewerlschaftsleden stehe, habe ich mir meine gewerkschaftliche Unabhängigkeit sehr wohl zu bewahren verstanden. Ich als Vertreter der neutralen Richtung habe auch ganz gut in der Sozialdemokratie aush"'1en können; womit nicht gesagt ist, daß es nicht auch in unserer Partei Leute gibt, die beides identifizieren wollen. Behrens hat sich durchaus richtig auf den Arbeiterstaudpnnkt gestellt. Die Arbeiterausl'chüsse venntzt man, um die Arbeiterorganisationen auszusckalten. Diese Erfahrung haben wir iit der Montanindustrie gemnrtit; die Lohnbewegung hat man dadurch zerrissen und der Erjolg war, die Bergleute haben nichts bekommen. Abg. Dr. Mugdan (frs. 93p.): Daß die Freisinnigen Freunde von Tarisverhandlungen sind, habe ich bei der großen Tarifdebatte im vorigen Jahre schon ausgeführt. Wie dürfen die Herren Sozialdemokraten nach ihrem Jenaer Parteitage und nach brm gemeinsamen Wahlan rnf von Parteileitung und Gewerkschaftslriinng hier noch austreten und bestreiten, daß Sozialdemokratie unö freie Gewerkschaft eins ist! (Lebhafter Beifall, Gelächter der Soz., Ledebvnr ruft dem Dr. Mugdan zu: Sie treten ja immer gegen die Arbeiter auf!) Nein, nicht gegen die Interessen der Arbeiter, sondern gegen die Sozia!- demokrane (Lebhafter Bestall, Lärm der Soz.), iveil ich sie finden größten Arbeiterfeind halte. (Lärm der Soz.) Nennen Sie mir irgend einen Punkt, in dem ich gegen die Interessen der Arbeiter ausgetreten wäre! Daß ich das nicht tue, das ist ja Ihr Aerger! Sie wissen ganz geiunt, daß ich nicht von reichen Leuten, ‘ sondern gerade von Arbeitern gewählt wurde, wo Sie glaubten, über mich zur Tagesordnung übergehen zu löuuen. (Larin der Soz.) Im Bergwerlsrevier ist es geg.nckt, die Arbeiter iintei einen Hut zu bringen. In Kiel würde es wahrscheinlich nickt glücken. Wir werden uns beim Etat des Reichsamts des Innern über diese Frage wahrscheinlich etwas länger unterhalten. (Beifall links und rechts. Gelächter der Soz.) Abg. Ledebour Ebristlich- sozialcn zu -ogeu werden. Wir sehen jetzt in der Holzindustrie (Abg. Hne i Und im Bangewerve!), wie die Führer der einzelnen Orgoniiu. gemeinsam mit den Arbeitgebern verbandeln und jede Richtung zu ihrem Rechte lonimen kann. Nock ein?: li" jen die Arbeiter-Organisationen anerkannt, dann ist da? ein f .reiz für die christlich und national gesinnten Arbeiter, mt cvßercn Umfang von ihrem Ko-ilitionsreckt Gevrouch zu machen, er Zeitpunkt ist endgültig tiorüber für die freien Gcwerkickaften, sie sich einbilden konnten, allein die Arbeiter zu vertreten. Die l ristlichsozialen sind so stark geworden, daß, wenn man c? ihnen ve. --gert, sie sich ihr Reit einfach erkämpfen. Und wenn wir im ui im Frieden leben, io hindert das nicht, daß wir von Zeit zu'Zeit auch recht kräftige Hühnchen zu pflücken Haven; aber wenn es sich um Arbeitcrinleressen handelt, jo müssen wir zusammenstehen. Abg. GicSbcrtS (Ztr.) verzichtet. Mg. Dr. Mugdan (frf. 93p.): Sparen Sie sich' die Druckkosten für, die Verteilung meiner Rede. Das Haven die Herren schon so oft getan, aber schlechte Erfahrung dabei gemacht. Widerspruch der Soz.) Vor ein paar Jahren stand hier Herr Fräßdorf und rief mir zu, wir brauchen mehr Platz, weg von hier I Und beute brauchen die Herren doch so iehr wenig Platz und Herrn Fräßdorf sehe ich überhaupt nicht mehr. (Lebh. Beifall, Lärm der Soz und Zurnfe: Abwarten die näckste Wahl l) Jawohl, abwarten I Meine Stellung zu den Krankenkassen hält mir Herr Ledebour vor — sehr unvorsichtig! (Lebh. Zustimmung.) Ihr Kolleg, Herr Ledebonr, sollten Sie lieber beit 'ozialdewokratücken Ortslranlenkasfenvorständen halten. Woher ist denn der ganze Kamp' mit den Aerzten gekommen? Einfach, weil Ihre Parteigenossen in den Vorständen es avlehiiten, mit der Aerzteorganisalion zu verhandeln. (Lärm der Soz. Avg.Hildenbrand ruft: Das ist nickt wahr! In Württemberg nicht, aber hier in Berlin. Die Tatsachen strafen Sie Lügen. Abg. Dr. Pachnicke (frs. Vgg.): Wir wünschen, daß verbandelt wird. Wir hätten diesen Wunsch soaar gegenüber dem sozialdemokratischen Zcntralverband deutscher Konsumvereine inbezng auf seine Lagerhalter. /Sehr gut!) Wir berücksichtigen die Organisationen da, wo sie die gegebenen Verbandluugstrnger sind: beim Abschluß der Tarifverträge ; und die Arbeiterausfcküfse da, wo diele in Betracht kommen, nämlich in den einzelnen Betrieben der Marineverwaltung. Darin ein Uebe'wollen gegen die Arbeiterbewegung erblicken zu wollen, dazu gehört eine Voreingenommenheit, die wir der Sozialdemokratie gern als ihr Reservatrecht überlassen. lBeitall.) Die Aussprache schließt. Das Zentrum beantragt namentliche Abstimmung über die Resolution der Kommission. Sie wird morgen zu Beginn der Sitzung stattfinden. Der Marineclat wird erledigt. Der Etat für das Neichseisenbahnamt. Am Tisch des Bundesrats: Dr. Schulz, Wackerzapp, Frhr. v. Stengel, Twelc. Abg. Stolle (Soz.) leitet wie jährlich die Verhandlung über diesen Etat ein mit einer langen Eisenbahn-Unfa llstatistik und die Ursachen, auf die er bie Unfälle zurück'ührl: mangelhafte Einrichtung der Bahnhafsanlagen, unzureichende Dienstvorschriften, eingleisige Strecken. Er bezieht sich auf die Statistik des Reichseisenbahn- amts. Dann geht er zu Arbeiterfragen über, erhebt Beschwerde über Vergehen gegen organisierie Arbeiter, verlangt Verkürzung bei Arbeitszeit im Jnieresse ber Betriebssicherheit unb bespricht den Wageumangel in Preußen, der die anderen Bundesstaaten nicht zu einer Betriebsmittelgemeinschaft verlocken könne. Präsident des RkichSeisenbahnamts Dr. Schulz: Vor zwei bis drei Jahren ist eine neue Betriebsordnung für bie deutschen Eisenbahnen int DundeSrat beschlossen worden, und ich darf Wohl sagen, daß diele Betriebsordnung als ein Muster angesehen werden kann. Von ausländischen Regierungen ist nur erst neulich wieder die Bitte ausgesprochen worden, sie ihnen mitzuteilen, weil sie anerkannt vortrefflich sei. Nack dieser Betriebsordnung Haven die am meisten beteiligten Bundesregierungen auch noch Ansführungsbestimmungen erlaffen, soaenaunte Fahrdiensl- vorsckriften, die auf Wunsch der Regierungen im Reichseiseubahnamt evemalls bearbeitet und unter Leitung beS Neichseiienvahnamtes beschlossen worden sind. Sie enthalten die eingehendsten Maßnahmen. Was geschehen konnte, um den Betrieb auf den deutschen Eisenbahnen sicher zu gestalten, ist geschehen. Nach den Ausführungen des Abg. Stolle könnte man annchmen, daß die Zahl der Unglücksfälle auf deutschen Eisenbahnen größer fei als auf den Bahnen im Auslande. Das ist keineswegs der Fall. Ich habe schon früher hier wiederholt auSgesührt, wie es gelungen ist, durch die größte Sorgfalt die Anzahl der Unglücks-« fälle auf den deutschen Eisenbahnen mehr und mehr zu vermindern. Sie ist auf 10 Millionen Zugkilometcr allmählich von 32 auf 21, auf 17, auf 13 gesunken. Abg. Ctorz (deutsche 23p.): Leiber ist die Tätigkeit des ReichseisenbahnamtZ sehr beschränkt. Herr Stolle täuscht sich, wenn er annimmt, daß den Süd. deutschen die Freude am Gedanken der Betriebsgemcinschaft infolge des preußischen Wagenmangels geschwunden fei. Leider ist sie ge. scheitert an dem Widerstand Preußens unb Bayerns, während doch Bayern ein ganz eminentes Interesse daran hätte. Der Redner erhebt die alte Klage über die Umleitungen um Württemberg herum. Wad) vielen Mühen ist es ber württembergischcn Eisen, bahnverwaltung jetzt gelungen, einen Nachtschnellzug von Berlin nach bcm Gotihard durch Württemberg zu bekommen. An Baden muß es aber dafür eine Abgabe zahlen unb auf der Rückfahrt wird der Zug von der bayerischen Verwaltung in Würzburg so lange uifgchaltcn, bis ber von Zürich-Lindau auf großen Umwegen durch Bayern geleitete Zug Würzburg erreicht hat. Tas Reichseisen- vahnamt muß dafür sorgen, baß das Prinzip der kürzesten Linie mehr als bisher verfolgt wird. Der Redner erörtert das Fiasko der Fahrkartenfteuer. Auch der neue Gcpäckkarif hat sich als ein Fehlschlag ersten Ranges erwiesen. Die Beförderung schwerer Gc. päckstücke auf kurzen (Entfernungen ist enorm verteuert. Tie Klagen in Handel unb Industrie werben nicht verschwinden, bis dieser unsinnige Gepäcktarif verschwunden ist. Das Haus vertagt sich. Sonnabend 11 Uhr: Namentliche Abstimmung über die Tarifvertragsresolution, Reichseiscnbahnamt, Petitionen. Schluß 6% Uhr. arnevai 1908 ö Die (Ernte :: Maskenbilder leihweise unentgeltlich Salomon L Cie 1 Ein Posten fertiger mit Hohlsaum, festoniert 8.75 3.— 4.50 75 Mk. &-os* Brautleute 35 Mk. 90 Rin. Kiefern- und Fichten-Rundschcit 55 ! Mk. Mk. 25 Mk. Für BraMtSeuie 712 •teile 701 am felarktplate c1/. 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