Vorverfahren, mehr I gemeinen Freiübungen der Mittelrheincr mußten ebcnio wie die zu konstatieren sind. I ireiter vorgesehenen Neckspiele zu Gunst n der schien au-egallen. noch so lange zurück- Diese turnten mit rund 3000 Mami bis in d c Nacht hulem, em n glänzendes Zeugnis turnerischer Leistungsfähigkeit und Opfer- roerben könnten. 20 kg 1 kg 0' !kg 0| 20 kg 50 kg 200kg o; 2b 40 1hl y 40 1hl 0) 20 L'chr 40 Liier 14U tute 40 Liier itr: 3 Zminer des Festmahles. Festkonzert. iter« wie »ur be n. ter it ur- eh r> gl 'S les n, le-- rau» nein Iben wie Inge :an» ic in tei 29. Ab, bim iuch itm, für nu tu Tie Revolution in Persien. Rach sicheren Nachrichten haben in Täbris starke Kämpfe zwischen der Schahpartei und der Parlamentspartei stattgesunden. Rahinl Khan verließ mit den Truppen Täbris. Die Revolutionäre erstürmten die schwach besetzten Verschanzungen. Eine allgemeine Plünderung folgte. Die Lage ist für den Schah ungünstig. Die Lebensmittelzufuhr nach Täbris ist behindert. Itr Frankfurter DürM ... 1^1 Hinsichtlich ber neuen Strafprozeßordnung sind die Veröffent- ''ichungen ber „Köln. Ztg." wohl noch nicht vollständig. Aber -mmerhin mag anerkannt werden, daß auch hier durch Einschränkung der Untersuchungshaft, durch Beseitigung des Ieug- ^iszwanges der Presse, durch Beschränkung ber Zeugnispflicht . , . _ . . _ . •;nb der Vereidigung, durch- Ausdehnung des Strafbefehlsver- unter denen viel gutes zu sehen war. Auch der Gau Hessen ährens und des Ausschlusses der Oeffentlichkeit, sowie durch Er-1 stellte 16 Riegen, während es im ganzen 172 waren. ' Die all- Das zu Ehren der Turnerschast veranstaltete Festkonzert des Sängerbundes Frankfurt a. M. und der Frankfurter Sängervereinigung füllte heute abend die Festhalle. Ja die weite Halle war nicht groß genug, um alle Turner zu fassen, nicht einmal die fremden alle. Einen neuen glänzenden Schmuck hatte heute ber imposante Festraum angelegt: Sämtliche Turnerfahnen, die gestern im Festzuge defiliert waren, schmückten die Wände. In der Mitte gegenüber dem Podium das Bundesbanner mit dem neuen Silberkranz. Ziemlich ‘2000 Sänger und 120 Musiker unter Leitung von Professor Maximilian Fleisch füllten baä Podium. Als Solist wirkte der Baritonist Adolf M ü l l e r mit, der Orgel Part lag in den Händen von Fräulein Marianne Hartmann. Der „Festgruß" von Meyer-Olbersleben eröffnete das Programm. Es folgten die Volkslieder „Das stille Tal" und „Wohin mit der Freud", ä capella gesungen, dann der „Griegsche Chor" mit Baritonsolo „Landkennung" und hierauf „Die Loreley" und „Hans und Lies". Tas war der erste Teil. Begeisterter Beifall lohnte den Sängern, Dirigenten und Solisten. Ter Griegsche Chor mußte wiederholt werden. Zu lange schien die Pause von 20 Minuten. Die fünf niederländischen Volkslieder, wer hörte sie nicht immer wieder gern! Aber das Tankgebet von -elllüE - llN- Deutsches Reich. M i t der Vertretung des erkrankten Chefs des Zivilkabinetts v. Lueanus ist der Regierungspräsident U. Valentin-Frankfurt a. O. vom Kaiser beauftragt worden. Ter angebliche Rücktritt des Regentenvon Braunschweig. Wegen der durch die Tagespresse gehenden Notiz betreffend den angeblichen Rücktritt des Herzog-Regenten wandten sich die „Braunschweiger Neuesten Nachrichten" an das Hofmarschallamt in Wiligrad um authentische Auskunft zu erlangen. Das Braunschweiger Blatt erhielt folgende Antwort: „Wiligrad, den 20. Juli. Notiz ist sinnlose Erfindung, deren Abdruck zu jetziger Trauerzeit besser unterblieben wäre." Todesfall. Ter sozialdemokratische Reichs- und Land- tagsabgeordnete Franz Josef Ehrhardt in Ludwigshafen ist gestern nachmittag im Alter von 55 Jahren an Gehirnlähmung aestorben. Im Reichstage vertrat er seit 1898 den Wahlkreis Ludwigshafen-Speyer. Festesten für die Ehrengäste. Heute uachinitlag gab der Vorstand bet Deutschen Turnerschaft im kleinen Saale der Festhalle ein Festmahl für bie Ehrengäste. Etwa 120 Personen waren erschienen. Präsident Tr. Götz führte aus, die Deutsche Turnerschast stehe im Dienste einer großen und guten Sache nicht mit für das deutsche Vaterland, sondern für die ganze Menschheit. Kanzleirat Atzroth hob hervor, daß die Arbeit des Festausschusses nur durch Die Unterstützung und unter dem Schutze der staatlichen und städtischen Behörden erfolgreich sein konnte. Sein Gut Heil! galt den drei Ehrenvorsitzenden General v. Eichhorn, Lberpräsident Hengstenberg und Oberbürgermeister Dr. Adickes. Exz. v. Eichhorn erividerle und brachte ein Hoch auf Dr. Götz aus. Tr. Ra it h-Leipzig überbrachte Grüße vom Freih. v. Schenkendorff (Görlitz) und vom Zentralausschuß für Volks- und Jugendspiele. So viel auch bisher erreicht sei, jo bleibe beiden noch genügend zu tun: z. B. in der Heranziehung der schulentlassenen Jugend zur Pflege des Körpers. Seine Rede klang aus in em Gut Heil! auf das deutsche Vaterland. Geh. Rat Hinze ließ bie Vorturner, Turnwarte und die Turner hoch leben. Dann sprachen die Vertreter der auswärtigen Turnvereine: Euperus- A m st er b a m, Kaiferl. Rat Hagen- Salzburg, vanZuylen, der im Namen bes Niederländischen Turnerbund'es sprach, Brown- London, Widmer- Bern, Eberhard-Bo st o n, Thoinas- Windhuk und Thoniö-Tsingtau. Dr. Fried leb en toastete ans die Deutsche Turnerschaft, wobei er der Ver. dienste des Profeffors Bender um das Fest gedachte. Bei dem Hoch kam es dann zu Ovationen-für Professor Bender. Am Schlüsse gedachte Dr. Götz noch des Kaisers und des Kronprinzen, deren Fernbleiben voni Feste er bedauerte. Sein Hoch galt dem Deutschen Reich, dem Kaiser, dem Kronprinzen, Prinzen Oskar und dem ganzen Hohenzollernhause. Mil dem Vlbfingeu der Volkshymne und des Liedes „Deutschland über alles" schloß der offizielle Tei/ Weiterung ber Rechte ber Verteidigung im i oder minder große Fortschritte gegen früher zu . Dennoch wird man gut tun, mit feinem Urteil noch ,o lange zuruck- zuhalten, bis aus den ja in Kürze zu erwartenden amtlid>en. Veröffentlichungen ersichtlich wird, wie weit diese Reformen gehen sollen. Decken sie sich mit den Mitteilungen der „Köln. Ztg." aus dem Juli vorigen Jahres, so wird man ihnen im allgemeinen zustimmen können. 9hir die Neuordnung des Zeugniszwanges für die Presse halten wir für völlig unaenügenb. Sollen doch danach bie Redakteure nur bann von der Zeugnispflicht entbunden werden, wenn sie selbst auf Grund ihrer Zeugenaussagen bestraft 1 hl" - unter Ü#'r nonSiMl1 , U4y,r , Kl1/,«-: C-ilir 1L 1 hl! e 1 hl k Die 5trasprozetzreform. Hand in Hand mit den Bestrebungen, die auf eine Reform !>er Zivilprozeßordnung hinzielen, und denen das Reichsmsttzamt int Ottober vorigen Jahres durch einen Gesetzentwurf Rechnung rüg, olme daß es gelang, diese in ber abaelausenen Session des Reichstages zu verabschieben, gehen die Forderungen, die man ’ djon seit den achtziger Jahren an eine moderne Gestaltung des rutschen Strafrechts, der Strasprozeßordnung und des Gerichts- lerfassungsgesetzes erbebt. Nur schwer entschloß sich die Reichs- :egierimg, an eine Aendcrung dieser aus dem Jahre 1870 bezw. 1877 stammenden Gesetze heranzulreten. Nicht etwa, daß sie sie :ür durchaus gut und zweckdienlich hielt, aber es handelte sich Ker um ein ungemein weitsichtiges Gebiet, dessen Neuordnung aicht nur eine große Anzahl von Vorarbeitern nötig machte, son- )em auch mit erheblichen finanziellen Opfern verbunden mar. Dennoch berief das Reichsjnstizarnt im Jahre 1902 eine Fachkommission ein, welche die Aufgabe hatte, eine vergleichende Darstellung des gesamten deutschen Sttafrechtes mit dem ausländischen ;u verfassen, die die Grundlage abgeben sollte, für die Kodifikation eines deutschen Strafrechts. Ein Jahr darauf trat im lieichsjnstizamt eine zweite Fachkommission zusammen, die ihrer- eils mit der Reform der deutschen Strasprozeßordnung betraut ivurde. Die Strafrechtskommission hat vor kurzem ihre Aufgabe gelöst, doch ist die Vorlage eines neuen Strafgesetzbuches,^ mit deren Ausarbeitung sich jetzt vorerst das Reichsiustizamt beschäftigt, nach den Erklärungen des Staatsselretärs Tr. Wicbcrbing (23. November 1907) wohl kaum vor ber Wintersession 1909/10 zu erwarten. Dagegen wird die neue deutsche Strasprozeßordnung bereits in der kommenden Neichstagssession zur Beratung gelangen, ckuch dieses Work war schwierig genug. Ter Vorentwurf, den die Kommission im Jahre 1905 zustande gebracht hatte, entsprach den auf ihn gesetzten Erwartungen so wenig, daß die Notwendigleit seiner Umarbeitung allgemein anerkannt mürbe. Nachdem die Umarbeitung im Reichsjustizamt vorgenommen war, konnte Dr. Nieberding schon am 12. März 1907 dem Reichstage allgemeine Mitteilungen über bie Richtung des Entwurfes machen, wenn er sich auch dagegen verwahrte, die Einzelheiten des Entwurfes eher preiszugeben, als bis derselbe die Genehmigung der größeren Justizverwaltungen und des Bundesrats erhalten hätte. Trotzdem war die „Köln. Ztg." Anfang Juli vorigen Jahres in der Lage, diesen Entwurf in extenso mitzuteilen. Während "ich aber die juristische Fachliteratur eifrig mit ihm beschäftigte, at ihm die übrige Presse schon i>e3^a^b keine besondere. Beachtung , geschenkt, weil anzunehmen war, daß er noch größeren Veränderungen innerhalb ber bundesstaatlichen Justizverwaltungen unterliegen würde, bevor er in endgültiger Form dem Bundesrat zuging. Diese endgültige Form steht nun fest. Wird sie vom -Zundesrat gebilligt, so dürste die neue Strafprozeßordnuna und »ie umfangreiche dlovelle zum Gerichtsverfassungsgesetz dem Reichs- ig in derjenigen Gestalt zugehen, über die die „Köln. Ztg." Ichon jetzt allerlei Interessantes mitzuteilen weiß. Das Wichtigste an diesen Mitteilungen ist unstreitig ber Teil, 2er von ber Neuorganisation der Strafgerichte handelt. Hier ‘ jU in Zukunft der Amtsrichter als Einzelrichter, also ohne Stic bisherige Hinzuziehung von zwei Schöffen, über bie Vergehen urteilen, während die leichteren Straftaten dem Amtsgerichts als kollegialem Gerichtshof, und zwar in seiner bisherigen iusammensetzung von einem Richter und zwei Schöffen unterstellt werden. Für diejenigen schweren Straftaten, die nicht vor las Schwurgericht gelangen, sollen die Strafkammern der Landgerichte zuständig bleiben, aber mit dem Unterschiebe, daß sie •lieb nicht, wie bisher, aus 5 Richtern, sondern aus 2 Richtern -mb drei Schöffen zusammensetzen. Tie Schwurgerichte dagegen Gehalten im wesentlichen ihre bisherige Gestalt und Zuständigkeit, hinsichtlich ber Berufungsinstanzen bestimmt der Entwurf, daß ruber die Entscheidungen des amtsgerichtlichen Einzelrichters die Uandgerichtliche Strafkammer in der Besetzung von drei Richtern -urteilt, die ebenso über die Entscheidungen des kollegialen Amts- 'gerichts, wie bisher, zuständig bleibt. Gegen die Urteile der gemischten Strafkammer aber geht die Berufung an einen aus fünf ' Achtern gebildeten Sttafsenat, ber je nach den örtlichen Verhält- ■ nssen beim Landgericht, oder in Ausnahmefällen, beim Ober- .andesgericht gebildet, und mit dessen Leitung der Präsident des Landgerichts oder ein anderer höherer Richter des Landgerichts- «ober Oberlandesgerichtsbezirks betraut wird. Tie Revision gegen . alle BerufungSurteile geht nach wie vor an das Reichsgericht. Eine besondere Behandlung aber sollen jugendliche Personen 12—18 Jahr) erfahren, beten Straftaten sämtlich ber Aburteilung )urch bie Kollegiatsamtsgerichte unterliegen sollen. Und zwar ollen hier nicht nur eigene Jugendgerichtshöse burch Besetzung mit .'esonders bafür geeigneten Richtern und Schöffen gebildet werden, andern es soll sogar bas Gericht die Befugnis erhalten, von einer trafgerichtlichen Verfolgung in Einzelfällen überhaupt abzusehen und die Ahndung des Vergehens ober Verbrechens dem Vormund- Willigkeit. Der Festmontag. Am Morgen des fOIantag, der sich leider durch häufig niedergehende Regenschauer anszeichnete, begann schon um 6 Uhr das Einzelwetturnen der Streite Pommern, Norden, Hannover, West- alen, Rheinland, Schwaben, Bayern, Rheinland unb Xeut]d> Oesterreich, die zusammen etwa 800 Wetturner stellten. Wettkämpfe spielten sich am Neck, Barren und Pferd, einer rzwei- übung unb den volkstümlichen Hebungen Hochspringern Hmdernis- lausen über 100 Meter und Kugelstoßen, ab. Es wurden gute unb teilweise namentlich bei den Kürübungen vorzügliche Leistungen gezeigt, was darin seinen Grund hat, daß durch vorher in den Kreisen abgehaltene Prüfiingsturnen bie schlechteren Turner bereits ausgeschieden waren. Tas Turnen ging ohne Störungen durch bas Wetter vor sich, hatte man doch, um auf alle Fälle gerüstet zu sein, drei große Zelte für daS Einzettvettumen errichtet. Um 7 Uhr begannen die ersten Wettspiele. Gespielt: wurde von ben verschiedensten Vereinen Faustball, Schlagball, Barlauf, Tamburinball, Fußball, Schleuderball, Korbball und Kürnitt. ~ . Eine Stunde spater nahm bann das Turnen der Kreise einen Fortgang. Heute kamen an die Reihe, die Kreise I 4tt>rd- osten mit 171 Turnern, 2 Schlesien unb Südposen mit 38G Turnern, 3 a Pommern mit 100 Turnern, 3c Provinz Sachsen mit 272 Turnern, 5 Niederweser unb Ems mit 381 Turnern, 7 Ober- weser mit 215 Turnern und 10 Oberrhein mit 1293 Turnern. Alle Kreise führten gemeinsame Freiübungen ans, daneben selbst- gewählte Massenübungen und Gau- und Vereins-Musterriegen. Tie Vorführungen werden burch Kampfrichter beurteilt, doch gibt es keine Preise, sondern nur Beurteilungsurkunden. Und doch wird von allen mit Eifer unb Hingebung geturnt und gerade bei diesen Hebungen, die dem Einzelnen keinen anderen Lohn als das Bewußtsein treuer Hingabe bringen, zeigt sich der erzieherische Wert des Turnens. . . Ter Nachmittag brachte die Fortsetzung der Wettspiele, Sonder- vorsührungeu zahlreicher Turnvereine an einzelnen Geräten und das Turnen ber Ausländer. Ter deutsche Turnverein in Bukarest turnte am Barren, der nordameritänische Turnerbund mit 90 Mann Hantelübungen mir Musikbegleitung, sowie 2 Musterriegen am Barren und eine im Keulenschwingen. Die Züricher führten ein Sektionswetturnen von 48 Mann am Pferd vor. Der belgische Turuerbund zeigte Freiübungen und Kürübungen an Reck und Barren. Tas Turnen der Ausländer fand großes Interesse, es beruht durchweg auf deutscher Grundlage, wenn auch ab und zu fremdartige Gepflogenheiten nicht zu verkennen waren. Von den Sondervorführungeii gefiel namentlich die des Turn- klubs Hannover, eines von jeher durch seine Leistungsfähigkeit sich anszeichnenden Vereins, an den Schaukelringen. Auch in der Stadt ging es den ganzen Tag über und bis in die Nacht hinein lebhaft zu und namentlich die großartige Illumination verschiedener Geschäftshäuser fand viel Interesse. Zahlreiche Turner, die nicht durch turnerische Arbeit auf dem Festplatz festgehalten waren, besichtigten die Sehenswürdigkeiten Frankfurts, vielfach unter kundiger Führung und zu ermäßigten Eintrittspreisen. Auch die umliegenden Städte hatten zahlreichen Turnerbesuch, namentlich die Landesausstellung in Darmstadt. Der älteste in Frankfurt anwesende Turner, der — allerdings im Wagen — auch den Festzug von Anfang bis zu Ende mitmadjte, war der 92 jährige Betriebskontrolleur Valentin Appel von Darmstadt, ein Mitbegründer der dortigen Turii- gemeinde, der er nunmehr 62 Jahre an gehört. -chaftsgerichte zu überlassen. Schließlich wird in dem Entwur tten Schöffen unb Geschworenen dec schon so lange geforderte Anspruch auf Tagegelder und Erstattung der Reisekosten zugebilligt. Durch die Schaffung der einzelrichterlichen Instanz und durch "iic nur dadurch mögliche Kompetenzerweiterung der Schöffen- •geridjte unb Strafkammern findet also eine Verschiebung der ganzen Rechtspflege nach der Richtung der unteren und mitt» "Icren Instanzen statt, die zu einer Entlastung der Strafkammern ■mb Schwurgerichte und damit zu einer Beschleunigung des strafrechtlichen Verfahrens führen muß. Dann aber wird auch der Forderung nach einer größeren Berücksichtigung des Laienelements jturd) die neue Zusammensetzung der Strafkammern Rechnung getragen und dadurch das Volkstümliche unserer Rechtssprechung mftreitig erhöht. Zwar soll sich die Hinzuziehung des Laien- -ilements nicht auf die Berufungsinstanzen ansdehnen, wo der Richter nach wie vor ausschlaggebend bleibt, aber dieser Fehler wird reichlich dadurch ausgeglichen, daß nunmehr die Berufung ■gegen Strafkammerurteile eingeführt wird, die Schwurgerichte in •Oer bisherigen Form erhalten bleiben und durch Errichtung von Jugendgerichtshöfen, sowie Zubilligung der Tagegelder undReise- !osten an Geschworene und Schöffen, eine Anzahl von Forderungen erfüllt werden, von denen nufere gesamte Strafprozeß^- .--raris nur Vorteil haben kann. Möglich, daß der Reichstag ■iic Institution des Amtsrichters als Einzelrichter, weil sie gar i;u sehr an den alten Polizeirichter erinnert, mißbilligt und die Hinzuziehung des Laienelemenls auch für die Berufungsinstanzen ordert. Jedenfalls würde cs uns leid tun, wenn das Reformwerk, das tatsächlich, sonst einen wirklichen Fortschritt bedeutet, taran scheiterte. politische Lagesschau. Die Lage in der Türkei. Die Londoner Morgeublättcr bringen alarmierende Meldungen aus slonstantinovel über die Ausdehnung der militärischen Meutereien in der europäischen Türkei. Nach diesen Depeschen zu urteilen, befindet sich die Türkei in einer sehr ernsthaften Krise. In Monaslir allein meutern 7000 Soldaten, und dieses Beispiel wirkt ansteckend auf die Soldaten der übrigen Garnisonen. Die Meuterer erklären, sämtliche Generale der türkischen Armee, einen nach dem anderen, zu ermorden, für den Fall, daß 38 Offiziere, die zur jungtürkischen Partei gehören, und die gegenwärtig im Gefängnis in der Hauptstadt schmachten, nicht sofort befreit werden. Die gesamte Garnison von Takvesh im Vilajet Saloniki hat gemeutert, indem die Truppen ihre Bezahlung, die seit zwei Jahren rückständig ist, verlangen. Der Korrespondent der „Neuen Freien Presse" in Saloniki teilt fest, daß die jungtürkische Bewegung das ganze dritte Korpsbereich beherrscht und auch auf das zweite Korps- bcrcich übergegriffen hat. Die Behörden sind machtlos, weil das OffizierkorpS und die Truppen solidarisch auftreten. Eine Offiziersdeputation überreichte den Konsuln ein Memorandum, ihre gerechte Sache bei den Großmächten zu unterstützen. Die Landbevölkerung ijt durch die Emissäre ast ganz gewonnen, das Räuber- und Bandenunwesen ist ast gänzlich geschwunden, weil das jungtürkische Komitee Räubereien standrechtlich bestraft. Niazi Bey von Resna, gegenwärtig in Starowa, ersuchte drahtlich Halil Pascha um Vermittelung bei dem Sultan zwecks Erreichung einer Konstitution. Er teilt mit, daß er jetzt nach Epirus gehe, um hort die Bevölkerung für eine Revolution vorzubereitcn. Eine angeblich 300 Mann starke griechische Bande will die Dörfer Doljani und Kerolivado niederbrennen. Aus Marokko. Die aus Europa nach Tetuan zurückgekehrten hasidischen Delegierten wurden gestern dem Pascha vorgestellt. Sie sprachen in sehr schmeichelhafter Weise von dem Empfang, der ihnen in Deutschland und speziell in Berlin zuteil geworden ist. Aus Tetuan wird ferner berichtet: daß die Mahalla Muley Hasids, die nach Marakesch aufbrechen sollte, angeblich auf 200 Mann zusammengeschmolzen sei, so daß der Abmarsch überhaupt in Frage gestellt sei. Nach einem Telegramm aus Casablanca lagerte die Mahalla von Abdul Asis am 17. Juli bei Ainseuzer, 30 Kilometer von Rabat entfernt. Sie rückt gleichmäßig weiter vor, ohne durch das von den Franzosen besetzte Gebiet zu marschieren. } 1 kl =156 kg | OJ 1 hl =i 56 kg (r lhl=l78kg| 6 50 kg 100kg I o: 3h?. 169 Erstes Blatt 158. Jahrgang Dienstag Al. Juli 1908 Der Gtetzener Anzeiger _ l ,Ä öcjngöltet«: erscheint täglich, außer jRflEawgF monallich7bPs.,viert ei- Sonntags. - Beilagen: ▲ M. a a IW a al a A jährlich Mk. 2.20; durch ääk A#> A*# Ai* 11M4 Ai A ^niPKrlltl ZIIHIlIuIlI zweimal monalL Land- Em W I H ■b. Zeckenpreis: Io.'ck.1bPf, wirtschaftliche Lettfragen Ty W «3 'Qf H M Wr ■ auswärts 20 Pfennig, '.fernforech - Anschlüsse r U Aw Verantwortlich lüi bie Redaktion 112, e Ä •• ze*. < < ** für den politischen Teil: SS» General-Anzeiger für Oberhessen WZW Innabmc von Anzeigen _r*, c.,», gt ölt r°g°rnum Rotat|otts6rU(} unö „erlag Oer vrühl'schcn Univ.-Vuch- und Steinöruderet. B. Lange. Bedaktion. CrpeMtion und ©ruderet: Schulstraße ?. g,“ i8enit“ ’s». B-ck. Boi DOTTntltQgd IQ LlQCe ger ASndeeinz- irfermen- erfolgen- tzMS zahle"- lunaskest An/ * rrusland. Präsident Falliörcs ist programmäßig gestern nachmittag um 3 Uhr an Bord des Kreuzers Berits in Kopenhagen eingetroffen. Ter Empfang am Kai war äußerst herzlich, ebenso der seitens der Bevölkerung,, die massenhaft am Hasen erschienen war. .Gestern abend sand ein großes Galadiener im Schlosse statt. Die Erste niederländische Kammer nahm! den Gesetzentwurf an, der die Zeit von Amsterdam als gesetzliche Zeit festlegt. XL deutsches Turnfest. (Original-Bericht des (Siebener Anzeigers.) eh. Frankfurt a. M., 20. Juli. II. Nachträgliches vom Festfonntag. Tie turnerische Sonntagsarbeit dehnte sich bis 3A10 Uhr aus. Tie Mtttelrheiner, die mit ihren Kreisvorführungen zu Gunsten der Sachsen ganz zurückstehen wollten, turnten nach den vorzüglich gelungenen Massenkeulungen, die eine erfolgreiche Krönung mehrjähriger treuer Hebung war, noch ihre Musterriegen, 9lütfbergütu h* tiitet ... Sfr ’ut, -unbeh, , I einer solchen Schar und in einem solchen Raume, klang, als ob -das niederländische Volksheer unter freiem Himmel Gottes Hülfe gegen die spanischen Unterdrücker herabflehte. Hier wollte der Applaus nicht enden. Tann noch zwei Volkslieder „Mußt t denn zum Städtele naus" und „Mei Lua", und endlich der herrliche Chor „Friedrich Rotbart" von Pobbensky. Tamit war das Programm ;u Cnde. Ter Beifall ließ nicht nach, bis die Wiederholung des Chors ertrotzt war. Nach einem solchen Genuß hatten die folgenden Tuntoor» führungen auf dem Podium einen schweren Stand, allein sie fanden vor Turnern statt und so ward ihnen auch dankende Aufmerksamkeit und Beifall. In der 5kon;ertpause verlas der Präsident der Teutitpen ^Tumerschaft Tr. Götz folgendes Telegramm: „S. M. der Maiiet und Stönig haben Allerhöchn über den treuen Gruß der um deutschen Turnfest Dort versammelten Turner sich gefreut und lassen mit besten Wünschen »ür einen guten Verlauf des Festes herzlich danken. Auf Allerhöchsten Befehl .Wabmettdrat von Berg." Präsident Götz brachte im Anschluß an die Verlesung ein dreifaches Gut Heil auf Kaiser und Vaterland aus. Festkommers. Die Deutsch-Oesterreichiscken Turner veranstalteten heute abend im Saale des stau'ntännischen Vereins einen Fest- kornrners, zu Dem der Verein Austria-Frankfurt sehr zahlreich mit dem Vorstand, Prof. Hausmann und Kaiserl. Rat Lustig, erschienen war. Ten Ehrenvorsitz führte Prof. Gad-Prag. Ter Mommerdleiter, Tumroart Müller, übermittelte die Grüße der bl'tcrr. Turner aller Lander und Stabte Oesterreichs an bie Versammlung. Dann gedachte er des Deutschen Kaisers und brachte auf ibn ein dreifriches Gutheü aus, an das sich das Absingen der deutschen Volkshymne anschloß. Prof. Keller Frankfurt a. M.) gedachte in seiner Crwiderung der herzlichen Beziehungen Lefterreicks und Deutschlands und vor allem des Kaisers Fran; Iosef, au' den er toastete. In der eigenllichen Festrede schilderte Prof. Gad die letzten Tumkampfe in Oesterreich und schloß mit einem Danke an die Ausschüsse. Der österrei-chische Abg. Keller liest das deutsche Land und Volk leben. Kaisers. Rat Spitzer «Wien- sprach von dem herzlichen Empfang, der den Oesterreichern in Frankfurt geworden. Sein Hoch widmete er der Stadt Frankfurt und ihren Bewohnern. Kaiser!. Rat Lustig vom Verein Austria, der einst zur Unterstützung bedürftiger Oesterreicher in Frankfurt gegründet wurde, führte aus, daß man erst im Auslande lerne, sich seiner Nationalität bewußt zu werden, wenn schon Deutschland für die Oesterreickfer nicht als Ausland gelte und Frankfurt ihnen eine wahre zweite Heimat geworden .sei. Sein Gut Heil galt Oesterreich. Liedervorträge und Della- mationen wechselten mit dem Gesänge von Volks- und Turner» liebem ab. Eine gewiße Mißstimmung hat, so wird un8 von anderer Seite aus Frankfurt geschrieben, unter den Turnern das Fernbleiben des Protektors des Festes, des Kronprinzen, hervorgernfen. Ursprünglich war der Kaiser als Protektor ausersehen, allein schon die erste Fühlung- nahme ergab, daß keine Geneigtheit für ein kaiserliches Protektorat bestand. Der Festausschuß wandte sich dann an den Kronprinzen, der nach längeren Verhandlungen zusagte, jedoch dann plötzlich eine Reise nach seinen Vorarlberger Besitzungen an- kündigte und diese auch gerade in den Tagen durchsührte, in denen sich die deutsche Turnerschast zur Beschickung des Festes rüstete. Im letzten Moment mußte daher nach einem Stellvertreter gesucht werden und nachdem auch Prinz Eitel Friedrich abgesagt hatte, wurde dieser in der Person des Prinzen Oskar ge* .sunden, der seinen Studien in Bonn obliegt. Im Anschluß an eine Audienz bei dem Minister des Jiinerii und bem Kultusminister erwirkte der Festausschuß schließlich auch das persönliche Erscheinen Ides Prinzen Oskar. Doch konnte das erst in später Stunde erfolgte Eintreffen des Prinzen den Sturm ebensoivenig beschwichtigen wie seine vielfach gerühmte persönliche Liebenswürdigkeit. Wenn man bebenft, daß die Deutsche Turnerjchait nahezu eine Million wehr und waffenfähige Mitglieder zählt, die zum Teil gediente Soldaten sind, zum Teil demnächst unter die Fahne treten ,verden, und daß die Deutsche Turnerschast außerdem ihr Möglichstes getan hat, um das in früheren Fahren bestandene Mißtrauen hoher juud höchster Kreise gegen die Turnerei zu beseitigen, so kann inan die Erregung verstehen. Sie kam sowohl vor >vie nach dem sFestzuge zum Ausdruck nub bauert auch heute noch in unver- ininbectcc Stärke an. Es kommt hinzu, daß das Turnfest tatsächlich deutsch-national, daß bie Beteiligung allgemein war, unb bau ber Einbruch ben bie frischen und ihrer Kraft sich bewußten Turner machten, überall hervorragend günstig war. Dem Einwand, daß cs der Unabhängigkeit und der Freiheitlichkeit des Turnens nur nähen könne, wenn derartige Protektorate überhaupt nicht mehr in Frage kämen, ivird man mit Recht entgegenhallen, daß dadurch auch die Mitwirkung der militärischen unb Zivilbehörden bei solchen Festen in Frage gestellt wird, ohne bie es gar nicht möglich sei, die andrängenden ungeheuren Menschenmassen in guten und billigen Quartieren unierzubringen. ES wird and) darauf hingewiesen, daß beim Gejaiigsiveltstreit der Mäniiergesangoereine der Kaiser persönlich erschienen sei und daß er auch dem Gorbon- öcmictMHcimcii im Taunus beiwohnte, Sbivohl dort nationale Interessen infolge des Sieges der franz. Farben nicht in Frage tarnen. So schwungvoll und begeistert auch die Feier in der PaulSkirche verlausen ist, so allgemein ist es doch ausgefallen, daß die Schlußkundgebung sich iiicht an die Adresse des deutschen Kaisers, sondern an das deutsche Vaterland richtete und daß in der Mehrzahl der gehaltenen Reden bie herrjchenbe Verstimmung spontane Kimbgebiingen für den Kaiser nicht auffonunen liefe- — Zum ersten Male finb auf einem beutschen Turnfest bekanntlich auch deutsche Turner and Süd-West-Afrika vertreten gewesen, bie ihrer Enttäuschung über bad Fernbleiben beS Kaisers bezw. des Kronprinzen ebenfalls Ausdruck gaben. Sieger. Wie der „Gen.-Anz." meldet, siegten im Fünfkämpfe voraussichtlich : 1. Wagne r-Bern mit 106 Punkten, 2. Butter- Kamenz mit 103 Punkten, 3. Kaltenbach- München mit 102 Punkten, 4. Stapf- 'Minden mit 101'/, Punkten, 5. Wo 1 z» Berlin (Sieger ui Nürnberg) mit 99 Punkten. Heimfahrt der Turner. In den Massenguartieren haben sich bie Reihen schon beträchtlich gelichtet. Etwa 15 000 Turner dürften bereits wieder abgefahren fein. Bei der Huldigung am TonnerStag vor dem Nieder- ivalddenkmal dürften noch runb 20 000 Turner tcilneljmen unb von Freitag ab wird wieder Frankfurt den Frankfurtern gehören. Statistisches. Ter Turnsestzugssonntag war das größte Volksfest, das bis jetzt überhaupt in bcutjd)cn Landen gefeiert worden ist. Mehr als die packendsten Stimmungsbilder sagen können, künden uns die Zahlen. Zimäcbst wird mitgeteilt, daß an dem Sonntag im öauptbalmbofe 220 Züge abgetanen würben. Fahrkarten wurden im Haupt da Iw hei für 1-11000 Mk., im Ostbahn ho so für ca. 50 000 Mk. verkauft. Die Schalter 4. Klasse im Hauptbahnhofe haben iiber 73000 Karten verkauft, die anberen Schalter insgesamt 60000, so daß also von auswärts, den Ostbahnhof mtigeredmet, etwa 300 000 Fremde für den Feftzug nach Frankfurt gekommen waren. AuS Offenbach beförderten Lokalbahn unb Trambahn annähernd 20 000 Personen. Zu diesen Zahlen kommen nun 40000 Turner, kommen Neugierige auS Frankfurt selbst, die man gut auf 200000 abfrfw^en darf, denn waS am Sonntag nur Beine halle und humpeln konnte, war nach den Festzugsstraßen geeilt. Tie ältesten Mütterlein und Großväterchen,-die sonst leine Macht der Welt aus dem behaglichen Zimmer locken kann, waren mobil unb drückten sich mit schaulustiger Zagend im Gewirr. Tee Turneryig legte einen Weg zurück, der gut alles tn allem zehn Jtilometer lang war. Für das Durch'ckreiten die,es wurde die Zell von Mittag punkt 12 Uhr bis Nachmittags - .6 Uhr gebraucht, denn erst um diese Zeit kamen die Letzten des izest- zuges auf dem Festplatze an. , . Von dem Durste der Turner laßt sich nicht annähernd eine Statistik geben. Tatfadie ist, daß die Geduld der Turner, bis sie endlich zum Abmarsch kamen, auf die härteste Geduldsprobe gestellt wurde, unb daß Sachs en hausen buchstäblich leer getrunken wurde. Selbst große Wirtschaften, bu* mit einem Massenbetrieb gerechnet hatten, waren eine, zeulang ohne Btcr. Es ereignete sich die spassige Episode, daß verschiedene Wirte gezwungen waren, auf stundenlangen Umwegen das Bi.w mittels Droschken aus den Brauereien zu holen, da eine Fahrt durch die Stab: infolge der Festzugsabip.rrungen unmöglich nmr. Nimmt man das Allermintmalste an, daß nämlich von der halben Million Mensck-en, die am Sonntag in Frankfurt geweilt hat, von jebem nur cm halber Liter Bier getrunken worden ist, so würbeii insgesamt 2500 Hektoliter Bier an einem einzigen Tage verzapft. Nimmt man aber an, daß von der halben Million Menschen den ganzen Tag über das Minimum von 2 Litern Bier verkamunnert worden ist, so gibt das im ganzen 10000 Hektoliter, was für die Brauereien eine Bruttoeinnah ni von rund 190000 Mark bedeutet. Nun kommen "bie ungezählten Rippchen unb die Frankfurter Wünstchen, die sind zu aber, abertausenden den Weg alles Fleisches gegangen. Auf dem Festpla^ selcht betrug bie Kasseneinnahme am Sonntag, soweit Tageskarten in Frage kommen, annähernd ,0000 Mark. ' 9äxf) eine kleine Wahrscheinlichkeitsbereckmung. Wenn von der halben Million jede Person nur etne^Mark den Tag über ausgegeben hat, so fino an freiem Tage in Frankfurt eine Halde Mi 11ionMark für Speise unb T r a n t umgesetzt worden. Für Plätze, um den Festzug zu sehen, sind, da die Fensterplätze in der Hauptsache 20 Rfrirk pro Platz gekostet haben, n^ mald über 60 000 Mark vereinnahmt worden sind. Mit einem Worte: Würde man alle Zuschauer Schulter an Schulter stellen, so würde man auf die Strecke von Frankfurt nach Kassel schon fünfzehn Personen hintereinander stellen müssen, um sie alle unterzubringen. Dabei ist nur eine Turchschnins- fd)ulierbreite von sechzig Zentimeter ms Auge gefaßt. Würde man die Festzugsbesucher der Lange nach aneinander legen, so könnte man damit eine Strecke belegen, die zehnmal so lang ist, wie die Strecke von Frankfurt nach Berlin, unb, rechnet man jeden der halben Million nur 50 Kilo schwer, so ergäbe die Masse ein Gewicht von' 25 Millionen Kilogramm. Schließlich noch einige unangenehme statistische Zahlen. Unfälle tarnen 30, aber alle nur leichterer Natur vor, Taschendiebe wurden fiebert verhaftet, auf dem Festplatze leistete bie Rettungswache in 130 Fällen die erste Hilfe. Glücklick-crweise waren die Verletzungen nur leicht. Tic fliegenden Rettungswachen wurden etwa 100 Mal und die ständigen 30 Mal in Artspruch genommen. Vom Slraßcnschmuck. Vater JahnS Büste und das vierfache F der Turner dominieren überall; geschmückt mußte alles werben, von den Normal- Uhren und Automobildroschken bis zmn Fahrrad deS Schlächter- lungert. Bieten aber die großen Geschäftsstraßen mit ihrem imposanten und luxuriösen Schniuck ein Bild des Frankfurter Reichtums, so hat es einen ganz besonderen Reiz, die Altstadt mit ihren engen Gäßchen int Festschmnck zu sehen. Namentlich abends sind diese winkligen uollgcfraintcn Gassen mit der spärlichen, aber unendlich viel wirtsamercn Beleuchtung als die itivellleienden Bogenlampen, jetzt bezaubernder als je. Sie hängen treulich voll von bullten Fahnen, von Fenster zu Fenster spannen sich die Girlanden über die schmale Straße, jede Tür, jedes Fenster liebevoll bekränzt, als wenn ein besonders lieber Gast erwartet würbe. Tabei sind sie, trotz der rührend schlichten Tannenkränze und grasgrünen Papiergirlanden, wie von Urgroßmutters Geburtstagskuchen, mit seinem Stilgefühl der Architektur angepaßt. Ter Römerplatz, sieht aus wie ein Märchen deutscher Vergangenheit, und sieht man die qualmenden Pseischen und schwatzenden Nachbarn in den kleinen erleuchteten Fenstern der Gäßchen, wo kaum der Himmel hineinblicken kann, so ist man tvahrhaftig nicht mehr int 20. Jahrhundert. Auch die Frau Rat hatte im Hirschgraben unter jedes der Fensterlein ihres Hauses ein zierliches Kränzchen mit Altfranksurter Faibcn gehängt und saß gewiß ucvgnügt über das luftige Treiben hinter den blanken Scheiben. . . vr. L. K. Falsche Gerüchte. Wir nahmen gestern Notiz von einem unsinnigen Gerücht, dem ztisolge schweres Unheil vielen Turnern rviderfahren sei. Bald hieß es, es seien zivei Eisenbahnzügc, voll besetzt mit Turnern, zusammengestoßen; und zwar behaupteten diese, das Uitglück habe sich zwischen Wiesbaden i.r.ö Frankfurt, andere, es habe sich bei Neuwied, noch andere, es habe sich bei Hanau zugetragen. Bald ivurde kolportiert, der Zusammenstoß sei erfolgt zwischen zwei Turnerzügen in Frankfiirt selber, d. h. zwei Timwcreme seien mit einander ins Handgemenge geraten. Immer aber würbe behauptet, es habe mindestens 15 Tote und Verwundete gegeben. Wir stellen heute nochmals sest, daß an allen diesen G e- r ü ch t e n kein wahres W ort i st. Es hat sich nichts Derartiges ereignet. Tic Erfinder dieser falschen und die Menge aufregenden Gerüchte aber sollten verfolgt und in Strafe genommen werben, zumal sie die kalte Sommer-Ente iiicht mir hier, fonbern in ganz Hess en und Nassau zu verbreiten wußten und viele s21ip gehörige von Turnern in bange Sorge versetzt haben. Wahr ist nur, daß an der'Maschine eines Extrazuges itahe bei Wächtersbach bie Kurvenstange brach. Ter Zug mußte auf freier Strecke drei Stunden liegen, bis ihn eine Rcscxvclokomotive nach Frankfurt beförderte. Aus Statt und Land. Gießen, 21. Jult 1908. ” Habilitationen. Für das Fach der Physik an unserer Universität wirb sich Oberlehrer a. D. Professor Tr. Noack in der philosophischen Fakultät habilitieren und am Mittwoch nachmittag um 4 Uhr seine Probevorlesung .lieber die Vorbildung der Studierenden der Physik für das höhere Lehramt" halten. Im Einschluß hieran sei erwähnt, daß vom kommenden Semester ab ein besonderer Unterricht in physikalischer Hand- fertigfeit, wie er schon an anderen Universitäten besteht, auch an unserer Universität in Form eines Praktikums, zu besten Einrichtung die Großh. Regierung besondere Mittel bewilligt hat, abgehalten werden wird, und daß Herr Prof. Noack bie Leitung bieses Unterrichts übernehmen wirb. — LU. Am nächsten Mittwoch, den 22. Juli, nachm. 6 Uhr, hält in der kleinen Aula der Assistenzarzt an der Klinik für psychische unb nervöse Krankheiten Dr. med. Kurt Berliner, der sich für bas Fach ber Psychiatrie habilitieren will, eine Probevorlesung über bas Thema ,Tie apraktischen Störungen.* ** Iugenbfest. Nächsten Donnerstag nachm. 2 Uhr wirb sich ber Jugenbfestzug an der Bürgermeisterei zusammenziehen. Da ein Teil ber Kinder von ber Ost-Anlage, der andere von der Süb-Anlage herkommt, kann naturgemäß am Zusammenstoß beider Straßen leicht eine Stauung ein- treten. DaS verehrt. Publikum wirb barum höflichst ge. beten, sich zu dem genannten Zeitpunkte möglichst entfernt halten zu wollen von ben Kopfenden der angegebenen Straßen. Dagegen empfiehlt c3 sich für sehr ängstliche bl. fern der Kleinsten, ick ber Kaiser-Allee sich aufzustellen und von hier au5 neben bem Zuge herzugehen, bamit sie sich nötigenfalls ihrer Äinbcr un Walbe annehmen können. Größere Mädchen unb alle Knaben können an ihren Spielplätzen im Walbe ausgesucht werben. Kinderwagen werben natürlich nicht im Festzuge gebulbct. Kleine Mädchen (die zwei untersten Schuljahre), bie nicht spielen unb nach Empfang ihrer Brezeln usw. von Angehörigen noch nicht mitgenommen worben finb, sammeln sich in der Mitte beS FestplatzeS am Komiteezelt, wo sie unter Aufsicht einer Lehrerin stehen und jeberzeit abgeholt werden können. Hierher wolle man auch verirrte Kinder bringen unb verlorene coent. bort suchen. Damit bei einem Unfälle sofort Hilfe zur Stelle ist, besindet sich in einem Zimmer ber Leibschen Wirtschaft eine Sa nitätS wache; auch werben Sanitäte- Mannschaften den Zug begleiten. Sammelplatz für die am Zuge teilnehmenden Schülerinnen ber höheren und erweiterten Mäbchenschnle spätestens J/4 vor 2 Uhr nachm. im Hofe be| Bürgermeistereigebäubes. ** Tie Tegernfeer, deren Gastspiel im Kolosseum sich fortgesetzt eines sehr guten Zuspruches erfreut, werden, wie wir hören, leider nur noch drei Tage hier auftreten. ♦♦ Unehrliche Monat ssrau. Einer Tarne in bei Bleichstraße tarnen in letzter Zeit mehrfach Geldbeträge aus ihrer Kommode abhanden. Ta außer der Lauffrau niemand in der Wohnung verkehrte, diese aber für ehrlich gehalten wurde unb auch recht die Unschuldige zu spielen verstand^ war die Sache höchst rätselhaft. Nachdem der Tarne gestern wieder ein 20 Mark-Stück fehlte, erstattete sie 'Anzeige. Die Kriminalpolizei sah sich die Lauffrau etwas näher an und konstatierte, daß sie in letzter Zeit Anschaffunaen gemacht hatte, die sie von ihrem Verdienst nicht decken konnte. Sie gestand daraufhin auch ein, sich nach und nad> 90 Mark angeeignet zu haben. Bis auf 10 Mark hatte sie das Geld verausgabt. A Friedberg, 19. Juli. Gestern nacht gelang es der Polizei, einen der gefährlich st en Verbr echer Hessens hier Burg 25 in seiner Wohnung zu verhaften. Er heißt Stephan Will und ist geboren in Burkhards bei Schotten. Will ist zirka 40 Jahre alt unb seit seiner Kind- heit mit fast allen Delikten bc5 Strafgesetzbuchs in Berührung gekommen. Er ist vielfach mit Gefängnis, aber meistens mit Zuchthaus vorbestraft. Er würbe wegen eines Sittlichkeit«, verbrechens seit brei Monaten von ber Großh. Staatsanwaltschaft in Gießen steckbrieflich verfolgt. Gestern abtnb erhielt bie hiesige Polizei Kenntnis, baß sich ber Verbrecher in seiner Wohnung aufhalte. Sofort ließ Herr Polizeikommisiar Weis von fämtlichen ihm gcrabe zur Verfügung stehenben Schutzleuten baS HauS umstellen. Der Verbrecher ergab sich trog Fluchens unb Schimpfens ohne weiteren Wiberstaob in fein Schicksal unb liefe sich ruhig abführen. WormS a. Nh., ben 20. Juli. In ber Angelegen- he it beS Patronenbie bftahlS bebürfen bie aus da Pfalz stammenben Mitteilungen ber Berichtigung insofern, d hier von ber Verhaftung von angeblich 3 beteiligten Unteroffizieren nirgenbs etwas bekannt ist. Auch sinb keine Anhaltspunkte vorhanben, bie ben Diebstahl als LanbeSverrat qualifizieren. Vielmehr stellt sich bie Sache als gemeiner Diebstahl unb eriverbsmäßige Hehlerei bar. ? Vermischtes. — Flugtechnisches. Der Rtaior Paul Rönarb in Paris einer der ersten franz. Fachmänner für lenkbare Luflfchiffahrl, urteilt in einem langen Gutachten im „Figaro" über ZcppelinS u f t f ch i f f abfällig. Seine Starrheit hebe feine guten Eigen- fchaftcn nicht uodflätibig auf, hinberc aber ihre Wirkung unb fet ein Fehler. — H. OUibcn, ber Vorfitzenbe der anierckanifchen Lull- fchiffahrtgefeUfchast, erklärte, baß in ungefähr 18 Atonalen bie Geschäft einen regelmäßigen LuitfchisfSbetrieb für Paffagiere unb Fracht zwischen Neiv - Pork, B o i t o n, New- Haven änb Springfield emführen werde, ebenfo wahrscheiz»- lid) einen Aeroplanbienst im gleichen Umfange. Kleine Tagcochronik. In K ö l n würbe ber Dachdecker Stricker in der Wohnmig seiner Eltern e r st o ch e n. Ein Bruder Strickers wurde um« bem Verback)re der Täterschaft verhaftet. Tie ,Vojs. Ztg." melbet aus Innsbruck: Die Tauferer Talbahn mit clcftr. Betriebe wurde feierlich eröffnet. In B rüffel stürzte sich ein Handelsangestellter, ber nervenkrank war, aus dem Fenster feiner im 2. Stockwerk belegentn Wohnung auf die Straße unb fiel mit zerschmettertem Schäbel vor b»e Füße feiner Frau. Tie Frau brach ohnmächtig zufannnen unb die Aerzte befürchten, baß sie ihre« V e r st a n d verlieren wird. Der frühere Staatssekretär beS ungar. DerteibigungSministe- vium§, Baron Tejibcr Eromon, hat aus unbefflimlen Ursachen in Bubapest S e l b ft m o r b verübt. In Ananjewo, Kreis Lbeffa, winde bei der Revision der Stadtbank eine Unterschlagung von 1 40000 Rubel fefiflcfleüL Tic Direktion verweigerte der RevisionSbehörde den Zutritt, so daß Polizei einfchreiten mußte. OrigincHl-Drahtmeldungen. Berlin, 21. Juli. Fürst Eulenburg ui gestern abenb 7 Uhr aus dem Konferenzzimincr der Eharitec auf Anord* nung der ihn behandelnden Aerzte in fein altes Zimmer überführt worden. Trier, 21. Juli. Domkapitular Einich ist heute Nacht im Alter von 56 Zähren gestorben. Mailand, 21. ZuU. Wolkenchc haben in Piemont und der Lombardei großen Schaden angerichtet. Auch Menschen haben ihr Lebert cingebüßt. Schnee« fälle auf den Borbergen der Alpen zeichnen den Zuli ^beritaliens auS. Odde, 21. Juli. Ter Kaiser ist gestern abend u» 10.13 Uhr hier eingetroffen. Honkong, 2L Juli. Ueberschwcmmunaen haben die Ernte völlig vernichtet. Gegen 300 000 Menschen leiden Hungersnot. Auf Teilzahlung kauft man reell, gut und billig bei J. JTTMANN, Giessen, Plockstrasse 14-16.r Visitenkarten liefert rasch and billigst ßruhl’schc Uair^Dmckerct Kartofieln feinste Sveife- u. Sataikartoneln empüedtl zu den ditllgsteii Tagespreisen 1004 3. danket, Reuen Baue 7. Telephon 612. Kartoffeln per Gtr. 2.75 M. abzugebcn. 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Leri^//gung in\oVin, ich J beteiligen Unte/r^ tiich sind leine Anhalt! als Landesverrat quc! )c als gemeiner Dedsd je» «“JJ „ alc ee wf * ftt • •** * I !S. or Paul Renard in $- lenkbare Luslschijsahn,. lgaro" über Zeppeli: heil hebe seine guten W er ihre Wirkung und süc e der amerikanischen L qelähr 18 Monaten bie G: uttschillsbetrieb 6 Port, Boiton, 91» en werbe, ebenso wahW Umiange. tzrouik. m, c Stricker in der W er Strickers wurde ue nnSbrud: te e seierlich eröffnet, idelsangestellter, bet new im 2. Stockwerk belegt- 'it erschmetter- 1 L3au. Tie Frau b5 te besürchten, daß I>e *^9S* ZSE S?5rbeben3u^l»x Schneiderinnen! Schneider! i Giessener Ruder-Gesellschaft 1877 e. v. i 1 Sonntag, den 26. Juli 1908 XIV. Ruder-Regatta auf der Lahn II 14 Vereine fioÄbiFi^] Konsum verein Beginn der Vorrennen: rv! »s Fröhliche Fahrt Zuschneide Kasper. Neue ital a"7e Moth in Gießen Vertag von tzmil [a1’/; 30 (Nachdruck verboten.) Infolge der groben Wein- in Tel. 119. Tel. 119. a*7/, Schweinefleisch Psd. 42Pfg.B'V, BB 13 m 61 »3 Frühkartoffeln Perle, Kaiserkrone u. Früb- roseu versendet mit Sack pro Ztr. 4 — Mk. gegen Ikachnahme Konrad Hand Echzell i. d. Wetterau. t43“ Wiesbaden WOg Ausstellung für Handwerk u. Gewerbe, Kunst u. Gartenbau Schluss der Anmeldungen 1. August 1908. Näh. Ausk. durch d. Geschäftsstelle: Nicolasstr. _1 I. Jahrgang 1908/9 I. Teil (Taschenbuch) H. Teil (Jcchrbuch) Preis: Mark 2.50. Herausgegeben unter Mitarbeit des Herrn Kommerzienrat Hicklcr, ^.arimtadr Ehren ^Vorsitzender des „Hesnschcn Jagdklubs von Fritz Mathern, Frankfurt a. M. Giessen und Umgegend. Donnerstag trüb eintresfcnd: Wilh. Herbert Marktplatz 2 Inhaber: Carl Herbert einen Rabatt von 60°, der an der Kasse in Abzug gebracht wird. Nur 14 Tage I Zurückgesetzte und Einzelpaare zu und unter Einkaufspreis i Samstag, den 25. Juli, 7 Uhr abends | Sonntag, den 26. Juli, 8 Uhr vormittags Ps*©ssera znr Wein-u, Obstwein-Bereitung Mit Herkules-Druckwerk. 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Mittwoch abend 9 libr Zusammenkunft bei Kamerad Sauer. Instruktion»- erteihmg andieKame roden, t»«llve sich als OronungsmannschasteL beim Zugendfest beteiligen. Tas Kouimaud».