Nr. 117 Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, au&et Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich DtehenerZamilienblätter; iroeünal wöckentl.ttreis- blatifiirvenNreisGiehen lDienStag und Freitag); »wermal monntl. Land- vtrtichaktltcheSettZragen Fernfprech-Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Übreffe tüt Tepeschenr Anzeiger Gießcu. Annahme von Anzeigen fit die Tagesnummer He vormittags 10 Uhr. Erstes Blatt 158. Jahrgang Dienstag 19. Mai 1908 Gietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen RolatlonsLruck und Verlag der BrW'schen Unlv.-Ruch- und SteindruSeret. H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Lchuistrahe 7. Bezugspreis: monatlich75Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Alk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeileupreis: lokcklöPf., anSivärt3 20 Pfennig. Berank wo rtlich für den poliltfchen Teil: E. Anderson; s. Feuilleton und „Vermischtes" P. Witiko; für „Stadt u. 2anb* und „(Serid)t5- saal": G. Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. Dar ltaiserpaar in Wiesbaden. DaS Kaiserpaar, der Reichskanzler und das Gefolge Mternahmen gestern nachmittag eine A.usfahrt in Automobilen liier Dotzheim und Frauenstein nach Georgcnborn und von a«rt aus einen Spaziergang nach dem Chaussechaus, von wo sie im Automobil nach Wiesbaden zurückkehrten. Zur Abend- tajel beim Kaiserpaar waren geladen der Landgraf von Hessen, Dgierungspräsident v. Meister mit Gemahlin, Intendant i). Mutzenbecher und Frau Gräfin v. Hülsen-Haeseler. Der fünfte Tag der Fe st vor stell ungen brachte Rossinis „Barbier von Sevilla* in der Wiesbadener Gin» üchtung unter musikalischer Leitung von Professor Schlar. Aon den Hochrufen des Publikums begleitet, erschienen der Ikoiser und die Kaiserin vom Intendanten v. Mutzenbecher geleitet in der großen Hofloge. Mit den Majestäten waren schienen der Landgraf von Hessen und dec Reichskanzler, ferner wohnten der Vorstellung in der linksseitigen Konigl. Lrchesterloge der König von Belgien bei. Die Pause erbrachten die anwesenden Fürstlichkeiten gemeinsam in den oberen Räumen des Foyers. Die heitere Oper wurde von ien tüchtigen Kräften mit Humor und bestem künstlerischem Gelingen gespielt. Sie bildeten einen würdigen Abschluß der sfestvorstellungen. Der Kaiser wollte gestern von Wiesbaden nach Frank- fart kommen, um auf Einladung des Vereins deutscher f biandesh erre n, die wie alljährlich dort im „Englischen pof' ihre Versammlung abhalten, dem Festessen beizuwohnen. SIDe Vorbereitungen waren getroffen. Auch der Reichskanzler gärst Bülow hatte sein Erscheinen zugcsagt. In letzter Minute hat der Kaiser abgesagt, ebenso Fürst Bülow. Gegen 1 Uhr traf General-Adjutant v. Scholl aus Wiesbaden im .Englischen Hof^ ein und meldete dem Präsidenten der S ktandesherren, Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, ich der Kaiser bedauere, der Einladung nicht folgen zu bnnen. Der Kaiser habe heute vormittag sehr viel gearbeitet ■:it> gegen Mittag habe sich der Reichskanzler mit dringenden Erträgen gemeldet. Zum Festmahl waren die Standes- i rren in Uniform erschienen. Im ganzen waren über hun- :.rt Herren und Damen versammelt. Auch eine Besichtigung i ks Bismarck-Denkmals war im Falle der Ankunft des Kaisers ' !.«dsichtigt. Ein preußischer Staatrkanzler. Augenblicklich, wo bereits trotz der preußischen Landtags- rahlen, bei denen eine wirkliche Wahlbefähigung unter den Lählermafsen noch immer nicht in die Erscheinung treten Din, die stille Zeit und mit ihr der Nachrichtenmangel für Presse zu kommen scheint, wird allenthalben der Vorschlag inti höheren preußischen Beamten, v. Zedlitz, lebhaft kom- "imtiert, der darauf hinausläuft, die Stellung deS preußischen Ü.lIisterpräsidenten durch Schaffung eines Staatskanzleramtes t ersetzen. Bekanntlich ist die Stellung des preußischen Ministerpräsidenten gegenüber seinen Kollegen wesentlich anders, <13 die des Reichskanzlers zu den Staatssekretären. Im Reiche 'i der Kanzler der Vorgesetzte der Staatssekretäre, er trägt de Berantwortung für die gesamte Politik aller Refforts, die imtssekrctäre sind lediglich seine Vertreter für die einzelnen ^rwaltungSzweige und man hat diese Institution bei Er- "lchiung des Reiches geschaffen, um eine einheitliche Politik j: «czielen uud der Person des Reichskanzlers als des höchsten Ämdenträgers die wünschenswerte Autorität auch äußerlich i‘ verleihen. Es ist nun ganz selbstverständlich, daß der bri hskanzler sich nicht um alle Einzelheiten und Kleinigkeiten h Ressorts kümmert und kümmern kann, sondern daß rrlnchr den Staatssekretären die notwendige BeweguugS- hi^eit gelassen werden muß, zumal sich anderenfalls bdrutungSvolle Persönlichkeiten für die Rcichsämtcr kaum hb«tn würden, da solche es von der Hand weisen tiöen, lediglich als Handlanger des Reichskanzlers ■ i1 tangieren. Gleichwohl hat aber von je die Uebcrordnung 1-3 Reichskanzlers über die Staatssekretäre den Vorteil ge- Ihbd, daß die Politik in allen ihren Zweigen sich ziemlich "ihmtlich gestaltete, während in Preußen im Schoße des '^'cksministeriums sogenannte „Unstimmigkeiten" keine 'Aümheit gewesen sind. Ueberdics kann es leicht zu Schies- Itien führen, wenn Staatssekretäre gleichzeitig auch, ioie cs I Mehrfach der Fall ist, Mitglieder des preußischen Staats- ■NiileriumS ohne Portefeuille sind; sie sind dann dein '-^skanzler in seiner Eigenschaft als preußischer Minister- • Itafibent völlig gleichgestellt, denn der Präsident des Staats- Müsteriums ist lediglich primus inter pares, während sie Reiche dem Kanzler nach wie vor untergeordnet sind. VXn hat cs doch auch schon mehrere Male selbst unter ‘■^niorcf wegen Differenzen zwischen dem Reichskanzler m llhiet Eigenschaft als Ministerpräsident mit seinen preußischen liegen versucht, das preußische Ministerprästduun von der cdes Reichskanzlers abzutrennen, aber niemals hat sich l^se Maßnahme bewährt, weil im Hinblick auf den innigen .^scinmenhang zwischen dem größten Bundesstaat Preußen ujub dem Reiche eine Vereinigung beider Aemter dringend ««vÄscht erschien. Uni nun der Person des preußffchen -^ili isterpräsidenten größeren Nachdruck zu verleihen, schlagt erwähnte Freiherr von Zedlitz vor, analog dem Posten de8 Reichskanzlers das Amt eines preußischen Staatskanzlers zu schaffen, selbstverständlich unter lieber» tcagung beider Stellen an ein und dieselbe Persönlichkeit. Diese Stnregung hat zweifellos manches für sich, denn man hat es in der preußischen Politik, namentlich auch im Saufe der letzten Jahre unter dem Fürsten Bülow sehr deutlich verspürt, daß es sehr nützlich gewesen wäre, wenn dem preußischen Ministerpräsidenten gegenüber einigen seiner Kollegen eine größere Machtfülle zur Verfügung stände. Run könnte man sagen, in solchen Fällen gäbe cs ja den Ausweg, daß dec Ministerpräsident die Kapinettssrage stellte, um seinen Antipoden zum Rücktritt zu zwingen, ober selber zu gehen. Nun gibt es aber Fragen, die doch nicht von so eminenter Bedeutung sind, daß man gleich zum Aeußersten schreitet, wo es sich aber doch um Dinge handelt, an deren Durchbringung dem Ministerpräsidenten aus irgend welchen Erwägungen heraus, gelegen sein muß. Es ist offenes Geheimnis, daß zwischen dem preußischen Finanzminister von Rheinbaben und dem Fürsten Bülow Differenzen nicht gefehlt haben, daß insbesondere der preußische Finauzminister zuweilen im Reichstage gegen Parteien der Blockmehrheit einen Ton angeschlagen hat, der darauf schließen lassen konnte, daß Herr von Rheinbaben die Politik des Fürsten Bülow nicht vollständig teile, und man weiß ja auch, daß Herr von Rheinbaben bet der Schaffung der Stelle eines Vizepräsidenten des preußischen Staatsministeriums übergangen worden ist, indem Herr von Beth- manu Hollweg diesen Posten erhielt und der Finanzminisler mit dem Schwarzen Adlerorden als Pflästerchen abgefunden wurde. Derartige und andere Vorgänge ließen die Schaffung der Stellung eines Staatskanzlers wohl angezeigt erscheinen, indem man zmveilen den Wunsch nicht verhehlen kann, daß der preußische Ministerpräsident in der Lage sein möchte, seinen Wünschen stärkeren Nachdruck zu verleihen; freilich darf man nicht vergessen, daß es mit dem Amte allein nicht getan ist, sondern daß dazu eben auch eine wirkliche Persönlichkeit gehört, die schon an und für sich einen dominierenden Einfluß auszuüben im Stande ist._____________________________ KoSititzche Ssgesscharr. Das NeichsvereinSgesetz in Bayern. In herrschen Abgeordnetenkammer gab eS gestern nachmittag ' ißerst lebhafte Debatte anläßlich der Beratung der , Vollzug riften für das Reichsvercinsgesetz unb der bajn vorliegende tage der Parteien, die auf landesgesetzlichen Schub gegen d> i :achenparagraphen abzielen. Vom Zentrum und der Soziald1 - tie wurde das neue Reichsvereinsgesetz als eine legislative -altigung einer Bevölkerungsmindcrheit auf das schärfste, der sonstigen Verbesserungen des bestehenden Zustandes . ilt. Tie Regierung erklärte, sie habe dem Gesetz,: zugestim die Vertretung int Bundesrate mit ihren Bedenken nicht duraigeorungen sei, und der Entwurf immer bin eine große Anzahl von Verbesseruitgen enthielt. Ter Vollzug des Gesetzes werbe in der liberalsten Weise erfolgen. * Der Verein der ausländischen Presse veranstaltete gestern nachmittag im Festsaale des Öotels„Kaiscr- 1)01" in Berlin einen Empfang, der sehr zahlreich besucht war. Vott höheren Beamten waren Geheimrat Dr. Scheeler, Unter- staatSsekretäv Stemrich, Unterslaatssekretär Dr. Wewern, Geheimrat Hammann, Ministerialdirektor Wehrmann in Vertretung des Ministers der öffentlichen Arbeiten, Geheimer Lberregiermtgsrat Lusensky in Vertretung» des Handel sm misterS, Geheimrat Dr. v. Zitter in Vertretung des Ministers des Innern u. a. aekommen. Fast vollzählig waren die Vertreter der fremden Mächte eo- schiencit, so der österreichisch-uitgarische Botschafter von Szoeczny- Marich, der eitgliiche Bootscl)after Sir Fr. Itaselles, der italienische Botschafter Pansa, der spanische Botschafter Polo de Bernabe, der schwedisclie Gesandte, der norwegische Gesandte, der chin:- sische Gesandte, Geschäftsiräger, Botschaftsräte und Militärattaches der verschiedenen Botschaften und Gesandrschaften; ferner sah man zahlreiche Konsuln, belanntc Parlamentarier, hervorragende Vertreter von Kunst und Wissenschaft, Literatur und Theater, bedeutende Industrielle, Bankiers und große Kaufleute. ♦ Finlaud und Rußland. Tie Tanna verhandelte gestern über die Interpellation, betreffend Finlanb. Ter Ministerpräsident wies in längerer Rede, die häufig von stürmischem Beifall des Zentrums und dec Rechten unterbrochen wurde, auf die komplizierte historische Entwickelung der finländischen Verfassung hin und erklärte, die Eomp- lifation liege darin, daß die Finlä,ider ihre vom Kaiser Alexander I. proklamierten Rechte als Rechte eines selbständigen Ctaat-es, nicht aber ausschließlich im Sinne einer inneren Autonomie, aus leg en. Tw Ausgabe und das Bestreben dep Ztcgierung lei, zusammen mit der Tuma Finland als von dem Russi,chen Reich unnennbare Provinz zu feftigen, gleichzeitig jedoch Füilands innere Gesetzgebung unantastbar aufrecht zu erhalten. In Rußland gehe Gewalt nicht für Recht. Rußland und Finland hätten aber eine einheitliche Regierung. * Zur Lage in Marokko. General d' Amade berichtet, daß er am 16. d. Mts. mit bret Brigaden die nicht unterworfenen Medrakas angegriffen und sie nach längerem hartnäckigem Kampfe vollständig zr-streut hat. Die Eingeborenen ließen ihre Ansiedelungen im Stich rnd flüchteten. Zahlreiches Vieh, sowie bedeutende Kriegsvorräte wie Pulver, Gewehre, Geschütze usw. sielen deir Fran-osen in die Hände. Während der Gefechte sind 3 Franzosen getötet und 23 verwimdet worden. Die Verluste der Marokkaner sind be- beutenh. General d'Amade berichtet ferner, daß er die Bestätigung der Unterwerfung von zahlreichen Medrakas erhalten hat. Tie Zahl der Unterworfenen bedeutet den sechsten Teil des gesamten Stammes der Medrakas. General d'Amade bereitet sich zu neuen kriegerischen Operationen vor. Eine Brutstätte der Revolution. Nach Meldungen aus Chicago ist die 2600 Mitglieder zahlende amerikanffch-österreichisch-ungarische Liga in eine Bewegung ein» getreten, die den Umsturz der m o n a r ch i s a) e n V e r s a s - sung in Oesterreich und ihre Ersetzung durch die soziale Republik zum Ziele hat. Tie Liga hat mit den amerikanischen Sozialisten Fühlung genommen, um den Führern der revolutionären Parcci in Oesterreich ihre moralische und finanzielle Unterstichnng zu gewähren. In der Kreisen der Liga ist man der Ansicht, daß die Zeit zur Entthronung der Dynastie bereits gekommen fei. Rian will sich aber mit der Durchführung der Umwälzung in Oesterreich noch bis zum Tode Kaiser Franz Josefs gedulden. Die in den Vereinigten Staaten bestehende lettische Gesellschaft, die slawonische Liga und die italienische Förderation mit insgesamt 16 000 Mitgliedern haben sich gleichzeitig zu einer revolutionären Liga zusammen geschlossen, die gemeinsam mit den Sozialisten revolutionäre Propaganda in den amerikanischen Universitäten betreiben sollen. Die Atters- und hinterbttebenen-Mrsorge für die hessischen Landgemeindedeamte». Als eins der ersreulichsten Ergebnisse der in wenig Wochen zu Ende gehenden und als sonst recht srnchtdürr beklagten 33. Landtagsperiode darf daZ denincichstige Znstandekonunen der wichtigen sozialpolitischen Vorlage über die Alters- und Hinterbliebenen- Fürsorge für die Köininnnalbeainten bezeichnet werden. Tein großen, durch die denkivürdige kaiserliche Botschaft vom 17. Vlo- uember 1881 in Anregung gebrachten Vorbild des Reiches aus dein Gebiete sozialer Fürsorge war and) Hessen längst mit der Errichtung einer Fürsorgekasse für die dienstunsähig gewordenen staatlichen Arbeiter gefolgt und hatte and) eine Ruhegehalts- mit Hinterbliebenen-Fürsorge für staatlich bestätigte Koininnnalforst- warte erichtet, während von den Städten den berechtigten Wünschen ihrer Beamten ans Ruhegehalt und deren Hinterbliebenen durch das Reckst aus Witwen- und Waisengeld Sorge getragen worden war. Nur für die Beamten in den Landgemeinden und die Angestellten in den weiteren Kommunalverbänden, den Kreisen und Provinzen, war bisher von Staats wegen nichts zur Sicherstellung ihrer Zukilnst geschehen. Es war daher von der staatlichen Gesetzgebung als eine Pflicht empfunden ivordeii, auch für diese Beamten ein Gesetz zu schaffen, rnie es ähnlich in Württemberg seit 1894 und in Baden seit 1896 besteht. Ter von der hessischen Regierung vorgelegte Gesetzentwurf geht nun aber weit über die beiden Gesetze in den anderen Bundesstaaten hinaus. Co schließt z. B. das württembergische Gesetz alle „niederen Bediensteten der Köeperschasten" von seinen Wohltaten aus und das badische Gesetz unterwirft dem Versicher- imgszivange nur die Ratsjchreiber, gestattet aber den übrigen Ge° membebeamten und Bediensteten die freiwillige Versicherung, während im hessischen Entivurf von vornherein alle Beamten und Bediensteten, die ihr Amt im Hauptberufe versehen, der Versicher- ungspflick)t unterworfen werden und nur den Bürgermeistern und einigen Rechnungsbeamten die Berechtigung zur freiwilligen Versicherung gestattet wirb. Als der erste Entwurf der Regierungsvorlage den interessierten Kreisen bekannt gegeben wurde, erhob sich cm starker, fast allgemeiner Widersprach dagegen. Besonders brachten die Bürgermeister, der LandeSrechnerverband, der Verband der Polizei- und Gemeindediener und der Jeldschützen der Provinz Rheinhessen eine Anzahl Wünsche und Beschwerden gegen die einzelnen Bestimmungen des Gesetzes und es muß als ein besonderes Verdienst des Finanzausschusses und seines Referenten, des Abg.Tr. Osann dankbar anerkannt iverdeii, daß es ihnen gelungen ist, in den ein- gehenden Verhandlungen einen gerechten Ausgleich zwischen den RegierutiEvorschlägen und den Wünschen der Interessenten zu erreichen. Ta der Gesetzentivurf in der jetzigen Fassung seine cnö- giltige Gestaltung erfahren haben dürste und eine Abänderung einzelner Bestimmungen bei der großen Schwierigkeit der ganzen Materien so gut wie ausgeschlossen erscheinen kann, wollen wir die hauptsächlichsten Punkte an der Hand des Ausschußberichts des Abg. Dr. Osann hier näher beleuchten. Ter Llnsschuß hat gleich im Art. 1 eine präzisere Bestimmung getroffen, indem er statt „Fürsorgeklasse für die Beamten derLand- gemcinben und weiteren Komnmnalverbände" die Kasse als „F ü r- orgekasse für Beamte u n d Bedienstete der Landgemeinden und Ko m mun a 1 v e r b ä n d e" bezeichnete, da gerade die Zahl der Bediensteten in den letzteren eine sehr große ist. Diese Beamten und Bediensteten sollen nack) Art. 2 nur dann der Versicherungspflicht unterliegen, wenn sie ihr Amt ober ihren Dienst im Hauptamt versehen. Gegen den im Ausschuß geäußerten Wunsch, auch den nicht berufsmäßigen Beamten und Bediensteten das Recht zur freiwilligen Versicherung bei der Kasse zu gewähren, verhielt sich die Regierung ablehnend, weil die Bedürfnisse der Sparkasse nicht allein ans Beiträgen der Versicherten, sondern zum großen Teil auch aus Beiträgen des Staates und der Gemeinden bestritten werden sollen. Ter Attsschitß erkannte denn auch an, daß. jo verlockend auch der Gedanke an sich sei, alle Gemeindebeamten ohne Unterschied nack).Hanpt° und Nebeiiamt in der Kasse zu vereinigen, der doch jetzt nicht durchführbar sei. Ter Ausschuß betonte aber auch entschieden die Meinmig, daß die Frage, ob ein Beamter im Hauptberufe tätig sei, möglichst weitherzig behandelt werben solle, damit die Vorteile des Gesetzes einem möglichst großen Kreise von Personen zu Teil würben. Eine der wichtigsten Bestimmungen d.'s Gesetzes ist im Arc. 3 enthalten, welcher die Berechtigung zur Versicherung den Bürgermeistern, den staatlichen Untererl-ebern, den Beamten und Bediensteten der öffentlichen Sparkassen, der Ortskranten- kassen, dec Religionsgemeinschasten und der staatlich anerkannten religiösen Verbände, sowie den unter Aufsicht stehenden Stiftungen verleiht. Zur freiwilligen Versicherung können auch weiter nort) die Beamten und Bediensteten der Handelskammern, der Handwerks- und der Landwirtschaftskammer, des Sparkassenver- baildes und der Innungen zugclajsen werden. Ter Negierungsentwurf wollte den Beitritt dec Bürgermeister zur Kasse von dec Zustimmung des Gemeinderats abhängig machen. Diese Bestimmung wurde jedoch vom Ausschuß nach den Wünschen der Bürgermeister gestrichen, da wohl eine Anzahl Gemeinderäle dem Bürgermeister die Genehmigung zur Selbstversicheriing wegen b;n entstehenden Kosten versagen würde. Auch die Bestimmung, daß nur Bürgermeister mit mindestens 1000 Mark Einkommen aufnahmeberechtigt sein sollten, änderte der Aussckprß auf 800 Mark ab, da bei mindestens 1000 Mark Einkommen von 900 Bürgermeistern in Hessen nur 143 der Wohltat des Gesetzes teilhasng werden könnten. In den folgenden Artikeln werben die Vorchristen über die R n h e g e h a l t s g e wä h r u n g festgesetzt. Sie kann nach einer Dienstzeit von mindestens-zehn Fahren infolge von Tienstuntangsichkeir cintveten, ober wenn sein .Ausscheidm -aus dem Dienste nickst durch eiaeneS Verschulden veraiilaßr ist. ^ic Höhe des Ruhegehaltes wird durch Art. 13 geregelt; sie beträgt bei 10 Trcnstjahren 40 Prozent und steigt für iedes weitere ^ahr vom 11—20 Fahr um Prozent, vom 21—40 Zapr um 1 Prozent, und als Höchstbetrag sind To Prozent des Dienst- ciukommcns vorgesehen. 2er zulässige Höchstbetrag des penssons- sähigeu Diensteinkommens wird auf 5000 Mark festgesetzt. Württemberg gewährt ebenfalls nach 10 Jahren 40 Prozent und letzt das Maximum auf 6000 Mark fest, Baden gewährt dagegen nur 30 Prozent und nach 42 Jahren den Höchstbcrrag von 70 Prozent. (Sine erhebliche Schlvierigkeit bot dem Ausschuß die in der Vorlage nicht angeregte Frage, wie sich die reichsversicher- u n g s p f l i ch t i g c n Beamten in Hessen zur Fürsorgevorlage zu stellen haben. (Ls handelt pch hier um eine größere Anzahl dekretmäßig angestcllter Beamten und Bediensteten, die bisher ca. 125 000 Mark Beiträge an die Reichsinvalidenanstalt gezahlt haben. Der Ausschuß hat deshalb in den Entwurf zu Art. 19 mehrere Zusahartikel abgefaßt, durch die erreicht wird, daß die von den Vcriichcrungsvslichtigen geleisteten Beiträge zur Reichsinvalidenversicherung nicht verloren gehen. Es wird eine Ausgleichung des Ruhegehaltes mit der Invaliden- und Altersrente in der Weise vorgesehen, daß solche Kasse:lmitg>ieder die Invaiidcn- und Altersrente nach den Bestimmungen des Jnvalrdenversrcher- ungsgcsetzes und weiter aus der Fürsorgekasse den Betrag des Unterschiedes zwischen der Invaliden und Altersrente und dem Ruhegchalte der Fürsorgekasse erhalten. Ans der anderen Seite sollen dafür die uivaiideilveriicherungsvflichtigen Mitglieder und tue Anstellungsgemcinden und Körper,chasten nicht neben den Beiträgen zur Fürsorgekasse noch besondere Beiträge zur Invalidenversicherung zu leisten haben. Im dritten Abschnitt des Gesetzes wird bezüglich der Hinter- bliebcnenversorgung festgesetzt, daß das Witwengeld 30 Prozent des Ruhegehaltes und das Waisengeld 15 1 3 des Witwengeldes betragen soll. Der Ausschuß hält diese ©äto für recht gering, da 5. B. die Witwe eines Beamten mit 10 jähriger Dienstzeit bei 800 Mark Gehalt desselben nur 96 Mark und die Witwe eines Beamten mit 40 jähriger Dienstzeit bei 1000 Mk. Gehalt jährlich 225 Mark erhält. Ter Ausschuß erwartet aber, daß bei einer günstigen Entwickelung der .M,,e gerade hier zu Gunsten der Witwen und Kinder höhere Leistungen vorgesehen werden. lieber die Aufbringung der Mittel wird im Art. 29 bestimmt, daß dieselben 1) durch Beiträge der Kassenmitglieder, 2) durch einen jährlichen Staatszuschuß bis 80 000 Mark, und 3) dem Zuschuß der Gemeinden bis zur Höhe des Fehlbetrags aufgebracht werden. Die Beiträge der Kassenmitglieder sollen in dem Eintrittsgeld von 10 Prozent der Iahresdienstbezüge und dem Jahresbeitrag von 3 Prozent der Dienstbezüge und des Ruhegehaltes bestehen. Auch hier hat der Ausschuß eine Reihe sehr wesentlicher Verbesserungen angebracht. So sollte namentlich nur ein jährlicher Staalszuschuß von 40 000 Mark festgesetzt werden, der durch die einem Teil der Polizeibeamten zufließenden Stras- anteile gewonnen weiten sollte und zwar gerade den am geringsten besoldeten Beamten. Auf Drängen des Ausschusses verstand. sich aber die Regierung zum Fallen lassen dieser Forderung. Es soll vielmehr m dem noch zu erledigenden Gesetz über die Aushebung der Strafanteile der kreis der entschädigungsberechtigten Personen noch erweitert werden: so soll auch solchen Gemeindebediensteten, die der Fürsorgekasse nicht beitreten können, die aber m den letzten 5 Jahren Belohnungen an Geldstrafanteilen erhielten, eine dem 0 jährigen Turchichnittsvetrag entsprechende Summe aus der staats tu jie gezahlt werden, auch wenn die Summe unter 30 Mark bleibt. Unter düsen Umständen wird sich der Staatszuschuß vis aus 80 000 Mark erhöhen. — Eine außerordentliche Vergünstigung wird noch im Art. 50 bestimmt, wonach solchen Kassenmitgltedern, für die vor dem Inkrafttreten des Gesetzes Jnvalidenversicherungsbeiträge geleistet wurden, die Beitrags- Hälfte auf das Eintrittsgeld mitgerechnet wird. Da, wie schon ermahnt, rund 125 000 Mark Versicherungsbeiträge für solche Personen geleistet wurden, werden sich die Eintrittsgelder der Beteiligten um diesen Betrag verringern, der 1800 Kassenmit- gliedern zu Gute kommt. Gerichtssaal. Karlsruhe,16. Mai. Die Kosten des Molitor-Herzog- ProzesfeS werben sich unter Voraussetzling einer 12tägigen Tatter des Prozesses nach einer vom „Volkssteund" wiebergegebcnen Berechnung auf etwa 3 4000 M k. belaufen. 9k en stad t in Westpr., 16. Mai. Der bei dem hiesigen Bezirks- Koinmanbo diensttuende Unteroffizier R ö t h e r vom Infanterie- Regiment 152 wurde vom Kriegsgericht der 36. Division wegen Unterschlagung von Mannfchaflsgeldern zu 2 Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt. Der milangeklagte Bezirks-Kommandeur, Oberstleumant Riefe und der Bsszirts-Adjnlanl Leutnant Neumann würben wegen Erstattung einer wissentlich falschen Dienst- melbung und Begünstigung der Unterschlagung des Unteroffiziers mit 3 beziv. 2 Tagen Slnben-Arrest beslrait. Sport. Bei bet am Sonntag veranstalteten 5 0 Kilometer- Preistour des Norbbezirks Gau IX bes Deutschen Rabfahrer- Bnnbes beteiligten sich auch einige Mitglieber beS Rabelnbs „Germania" Gießen. Tie festgesetzte Zeit betrug für Junioren Fahrer bis zu 35 Jahren 2 Sib., für Semoren - Fahrer über 35 Jahre 2 Stb. 20 Mm. Es errangen eine silberne Medaille E. Mtihl in 1.46, W. Dietrich m 1.52.", E. Lauer in 1.53.", W. Noll in 1.54. '", H. Kircher und R. Lohten in 1.54.". In Gruppe II (Senioren) E. Löwer in 2 St. 12 Mm. die goldene 9)lebaille. Trotz bes Gegemvuibes finb die gefahrenen Zeiten sehr gute zu nennen. x Fußball. Vergangenen Sonntag haue der Gießener Fußballklub von 1 9 00 bie erste Mannschaft bes Fußballklubs B 0 r u s s i a - F u l b a zu Gast. Gießeii hakle eine schwache Mannschaft ans Spielern der ersten, zweiten und batten Mannschaft zusammengestellt, trotzdem hielt diese 'Mannschaft dem Gegner gut Stand. Anfangs sah die Sache allerdings böse für bie heimische Mannschaft aus. Fulda war ständig im Angriff und konnte auch bis zur Pause *3 Tore erzielen, während (Ließen leer ausging. Nach der Pause spielte bie heimische Mannschaft überlegen unb konnte ebenfalls 3 Tore erreichen und jomit ansgleichen. Ein 11 Meter - Ball brachte fchließlich Fnlba den Sieg mit 4:3 Toren. Tas Spiel selbst trug einen angenehmen Charakter. Vermischtes. • Denkmal für Johann Sebastian Bach. Nach einem Festgottesdienst in der Thomaskirche in Leipzig, wo Superintendent Dr. Jnell - Hamm (Westfalen) die Festrede hielt, fand gestern in Anwesenheit des Fürsten Heinrich von Preußen, des Fürsten und der Fürstin Neuß - Köstritz, des Erbprinzen Neuß-Gera und der Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden die Einweihung desJohann Sebastian Bach-Denkmals aus der südlichen Seite des Thomaskirchhofes statt. Geheimrat Tr. Wach hielt die Festrede, worauf Oberbürgermeister Dr. Tröndlin das Denkmal für die Stadt übernahm. • Münchener Ausstellung. Aus Anlaß der feierlichen Eröffnung der mit einem Kostenaufwand von 14 Mill. Mark von der Stadtgemeinde München erbauten Ausstellung München 19 0 8 waren am Samstag sämtliche Schulen geschlossen. Die Eröffnung vollzog sich Santstag vorinittag 11 Uhr in Anwesenheit des Prmzregenten, sämtlicher Prinzen mit dem Hofdienst, aller Minister, Neichsräte, Abgeordneten, Staats- und slÜdlischen Beamten, sowie des diploinatischen Korps. Der Prinzregent lvurde am Eingänge der Ausstellung unter Geschützsalut und Glockengeläut von feierlichen Fanfarenklängen begrüßt, worauf Oberbürgermeister Dr. v. Borscht als erster Vorsitzender des Ausstellungs- direktoriums und Vertreter der Stadt München die Festrede hielt, die in der Bitte an den Prinzregenten ausklang, die Ausstellung für eröffnet zu erklären. Nach einem Huldigungs- gkt zu Ehren des bayrischen Herrscherhauses wurde durch den Weizen <+ 5) Weizen: Berlin Mai 2,40). Pans Mai letzten Markttage: Königsberg Danzig Stettin Posen Breslau Berlin Magdeburg Halte Leipzig Rostock Hamburg Hannover Braunschweig Düsseldorf Köttt 162 170 178 164 162 175 für inländisches Roggen Getreide am Hafer 158 (- ) 164 (- 3) 162 (- 1) 158 (- > Frankfurt a.M. 2i Mannheim 2! Straßburg Stuttgart München Weltmarktpreise: Budapest Okt. 171.00 (+ Derungen für russische Gerste begegneten nur mäßigem Fnttrciie Mais in greifbarer Ware liegt zurzeit nur von der Donau und von Rußland vor und wird gut bezahlt, da andere Provenicn-en gegenwärtig fehlen. Es stellten sich die Preise 180 177% 195 185 184 2-0.50 (— 1,00), 187.30 (- 2.80) Liverpool Juli 158,20 ( - 6.65). Chicago Mai 153.80 (— 8.20i Roggen: Berlin Mai 196.00 (— 2.50). Hafer: Berlin Mai 164.0-» (— 0.50) Mk. (-*- 3- (+ 3) (+ 4) (- 1) (- 1) - ) 158 (- 2. 178 (- 1) 165 (— i> 160 (- 2) 223 (+ 3) 189 (- 47=) 225 l- 2) 192 (- ) 217 (4- 1) 193 (- ) 221 (- ) 186 (- 2) 220 (— 1) 191 (- 6) 221 (4- 3) 196 (- 1) 214 (- 1) 195 (- 2)- 215 (- ) 195 (- 3) 215 (- 3) 199 (- 5) 220 (4- 4) 191 (4- 8) 211 (- 2) 192 (- 1) 216 (— 1) 2?0 (— ) 213 (4- O) 196 (-- 2) 222 (-b 2) 203 (- ) 218 (- 1) 200 (4- 1) >22*/ (- 5) 206 (- 17i) 277,' (-7 7») 204 (- 37-») 230 (+ 5) 2027, (+ 27 2) 235 (4- ä) — 234 (- ) 204 (- ) Regenten die Ausstellung für eröffnet erklärt. Eine große Anzahl von Auszeichnungen ist au§ diesem Anlaß an Künstler, Gelehrte, Beamte usw. verliehen worden. Reichsgerichtsbrief. (Nachdruck verboten.) .78. Leipzia, im Mai. W a n n hastet d e r G a st w i r t s ü r S a ch s ch a d e n feiner Gäste? Die Werbung von Fremden nimmt einen umfangreichen Teil im Gastwirtsgewerbe ein. Bei einer Haftung für Verlust oder Beschädigung von Sachen von den in Gasthäusern verkehrenden Fremden nach § 707 B.-G.-G. ist bie Frage von Bebeuttmg, wann bei einem bloßen Einstellen von Sachen ein Beherbergungsvertrag als abgeschlossen anzusehen Ist. Hierüber hat sich das Reichsgericht jüngst m einem Rechtsstreit der Mannheimer Versicherungs-Gesellschaft gegelt den Hotelbesitzer Hoffelder in Regensburg eingehend ausgesprochen. . In dem hier mitzuteilenden Fall war der m der Mannheimer Versicherungs-Gesellschast gegen solche Schäden versicherte Reisende Trescher bei seiner Geschäftsreise nach Regensburg bei dem beklagten Gastwirt abgestiegen, hatte seine Musterkoffer dort abgesetzt ohne bestimmt zu sagen, ob er in dem Hotel bleiben wolle. Kurz barauf ist bem Reisenden eine Handtasche im Werte von ca. 3000 Mark verloren gegangen, wofür jetzt bie Mannheimer Versicherungs- Gesellschaft den Hotelbesitzer in Anspruch zu nehmen suchte. Ihre Klage würbe jedoch vom Landgericht Regensburg sowie vom Oberlandesgericht Nürnberg abgewiesen. Im selben Sinne entschied auf die Revision der Klägerin der III. Zivilsenat des Reichsgerichts, iubem er unter Zurückweisung der Revision folgendes darlegt: „Der Berufungsrichter stellt in em- gehenber Würdigung ber erhobenen Umstänbe fest: Ter Reisenbe Drescher hatte bet seiner Geschäftsreise nach Regensburg int Febr. 1904 nicht von Anfang an die Absicht dort zu überitachten; er ließ seine brei Koffer in das Hotel des Beklagten schaffen, iveil er bet bem Besuche seiner Kunden seiner Warenmuster beburfte; unb zwar hatte er bei seiner Ankunft auf dem Bahnhöfe dem dort anwesenden Hoteldiener des Beklagten unter llebergabe seiner Handtasche und eines Gepäckscheins nur gesagt, dieser möge die auf den Gepäckschein zu erholenden bret Koffer unb die Handtasche mit tu das Hotel nehmen. Vor dem zwischen 37« unb 57, ausgeführten, um 57, Uhr ent- beckten Diebstahl ber Handtasche, nämlich eben um 37. Uhr fragte ber Oberkellner beit Drescher beim auch gerabe, ob er ein Zimmer nehme. Dieser aber antwortete: „Jebenfalls, ich sage es ihnen nachher noch bestimmt". Damit hat Drescher eine Erklärung darüber, ob er beherbergt seine wolle, auf später verschoben unb nur als wahrscheinlich bezeichnet, baß er Herberge verlangen werbe. Bis auf weiteres war also Beherbergung noch nicht geforbert unb noch nicht gewährt. Trescher war demnach zur Zeit bes Diebstahls fein zur Beherbergung aufgenonimencr Gast; seine Gepäckstücke waren zu dieser Zeit nicht zum Zwecke der Beherbergung emgebtacht. Mtt Recht hat also ber Bermtrngsrichter eine Haftung des Beklagten aus § 701 B.-G.-B. verneint. Bäder und Reisen. — Neue Bergbahnen im Berner Oberland. Die neueste Errungenschaft Interlakens ist eine Bergbahn, die unmittelbar aus dem Kurorte vom Aarauser hinweg am den Harder führt, jenen waldigen Voralpenzug, der sich nördlich vom Kurort dahinzieht. Am 14. Mai fand die Einweihung und am 15. die Eröffnung für das Publikum int allgemeinen statt. Urheber dieser neuen Drahtseilbahn ist Nationalrat Tr. F. Michel in Jnt.rlaken. Dieselbe führt steil in die alpinen Höhen (1325 Meter« hinan. Etwas abseits von der Bergstatton liegt ein der Landschaft angepaßtes, reizendes Restaurationsgebäude mit feinem Ausblick aus die Jungfrauketw, deren Borberge, auf die Jnterlatner Ebene (Rödeli- und feine Seen. Dieser 15. Mai ist ohnehin für das Oberland ein großer Eröffnungstag. Gleichzeitig Mit der Hardenbahn trat nämlich auch der Liebling der Touristen, die We n g e ra l p-B a h n wieder in Funktion. Ti oie auch allen übrigen oberländischen Transportunlernehmi hat das sommerlich heiße Wetter ber letzten Wochen den ,--st so kostspieligen Schiteebruch gratis besorgt. Die Männl tte ist so schneefrei wie sonst nur Mitte Juni.' Im Anschlu ■ genannte Bahn wird der Betrieb nach der beliebten ' .semporq, S ch h n i g e Platte, sowie der der Drahtfeilba^ u Lauter-' brunnen nach Grütscha lp unb dem berühm llpendorf Mürven am 16. Mai wieder ausgenommen. nposanten Königslogen des Oberlandes, die Gletscher und nstationen dir Jungsraubahn werden spätestens am 20. Mai r zugänglich. 51 ur,irren dann noch die Z'.ige nach ber auss chen Drei- länberwarte Brienzer Rothorn -- was ebensall nächst be- oorsteht — so ist das Berner Oberland wieder iw . rt Saisonbetriebe. Fahrplane, Führer usiv. dieser Unternehmungen durch das obrrläud.sche Verlehrsbureau in Interlaken kostenlos. — Zwei Mittelmeer-Fahrten, für welche die prächtigen Dampfer des Nord). Lloyb und des Oesterr. Llohd benutzt werden, veranftaltri wiederum tut kommenden Sommer das Komitee der „Studteitsahnen nach den klassischen Städten ber Kunst und Geschichte". Bei der ersten Fahrt - Beginn 8. Juli — in das westliche Mitlelmeer wirb Spanten und Marokko, bei ber zweiten — Beginn 8. August — in das östl. Mitlelmeer wirb Griechenland und Korfu unter bewährter Leitung besucht. Die Programme der je 21 Tage dauernden Fahrten sind auch diesmal außerordentlich reichhaltig. Da die Preise, welche sämtliche Ausgaben ein- schlietzen, wieötrum ohne Einschränkung des nötigen Eomforls außergewöhnlich niedrig gehalten sind, so wird gewiß mancher Reiselustige, für den Spanien, bezw. Griechenland das Ziel der Sehnsucht bilden, von dieser selten günstigen Reisegelegenheit Gebrauch machen wollen. Tie Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 16. Akai 1908. Höchste Schlachtviehpreise tu Frankl u r t a. SL Fleischpreise in Gießen Ochsen Kalber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 77—80 Alk. ,2 Kg.Schlachtgew. 98—100131. __> 63-00 „ 7, Kg. 76-84 Pfg. 7, , 70-80 , */, „ 60-76 „ Getrcidepreise in M a nnheim Brotpreise in Gießen Retzen 100 Kg. 23.25-00.00 'Mk. Roggen 100 Kg. 20.50-00.00 Alk. Weißbrot 2 Kg. 62 P,g. Schivarzbrot 2 Kg. 58 Pfg. Getreide-Wochenbericht der Preisberichtstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats vom 12. bis 18. Mai 1908. Den Preissteigerungen der letzten Wochen folgte diesmal ein mäßiger Rückschlag. Angesichts der fruchtbaren Witterung und günstigerer Saatenstandsberichte aus dem Auslande zeigten sich die Käufer zurückhaltend, unb man glaubt, baß die Warenbesitzer durch die Besserung der Ernteaussichten, vor allem aber durch das Aufgeld, gegenüber neuer Ernte zur schnelleren Entäußerung ihrer Restbestäilde veranlaßt werden dürften. Der Umstand, daß die Weizeriabladungeu von Nord- und Südamerika während der letzten Woche wieder eine kleine Zunahme erfahren haben, trug gleichfalls zur Verstimmung der Märkte bei, trotzdem die Gesamtleistungen wesentlich hinter dem geschätzten Zufuhrbedarf znrück- blieben. Im übrigen hat die allgemeine Gesclstiftslage seit der letzten Woche keine wesentliche Veränderung erfahren. Vom Jn- lande lag kein größeres Angebot vor, während die Anstellungen vom Ailslande fein sonderliches Entgegenkommen erkennen ließen, so daß von Umsätzen nur wenig verlautete. Auch int Hafergeschäft ist es wieder ruhiger geworden, seitdem die Nachfrage für Export zwecke .nachgelassen hat. Der Konsum stellt nach wie vor nur mäßige Ansprüche, wobei für einwandfreie Qualitäten immerhin die letzten Forderungen erzielt werden konnten. Ermäßigte For- Märkte. — Kartoffel rn arkl-Be richt vom 18. Mai 1908. Friedberg (Hessen): 9lote Sorte Mk. 2.10—2.30, Magium, bonum 2.60—2.70, weiße runde 2.10—2.30, Gelbfleifchige, weiße, 2.5 1 bis 2.80. Frank' nrt a. 9)1.: Role Sorte Mk. 2.00—0.0(1,, Magnuin bonum 2.60—0.00, weiße runde 2.10 bis 2.20, Gelbsleischigi,, rote, 2.50, weiße . .50. Wiesbaden: 9)lagnum bonum 2.75—O.üti,v weiße runde 2.60, Gelbfleifchige rote 0.00, weiße 3.00. j)l a n n ■ h eiin: Magnurn bonum Mk. 2.80—2.90, Gelbfleifchige, blaue 3.6 bis 3.75, iote 4.20—4.30. Köln: Rote Daber Aik. 0.00—0.00,, andere rote Sorten 2.30, Magnurn bonum 2.70 bis 2.90, weist, runde 2.30—0.00, Gelbfleifchige rote 2.50—2.60, weiße 2.90—0.11., Dortmund: Magnurn bonum Alk. 3.20—0.00, weiße runbe 2.70, Gelbfleifchige, blaue 0.00, rote 3.00, weiße 3.70. Münster: Magnmn bonum 2.60 — 2.75, Gelbfleifchige rote 2.90 bis 3.10,, weiße 3.65—4.00. Hagen: Magnurn bontini. 3.10—3.20, weiß-' riinde 2.80—0.00, Gelbfleifchige weige 3.70. Saarlouis: Molt Sorte 2.50, Magnurn bonum Alk. 0.00, weiße runde Alk. 2.50.. Frankenthal: Rote Sorten 2.30, Magnurn bonum 2.50, weiß - runde 2,40, Gelbfleifchige blaue 3.00, rote 3.00, weiße 3.25. 'S 1111 c । b. Krefeld: Rote Sorte 0.00, Magnurn bonum 2.80—3.00, (Seit- fleischige, rote 2.80 bis 3.00, weiße 2.70—2.90. Kempen ' Alagnum bonum 2.60-0.00, Gelbfleifchige rote 3.10. Saffig-- P l a i ö t: Rote Sorten 2.60, Magnurn bonum 2.80, weiße runOi ■ 0.00. München: Alagnum bonum 2.40, Gelbfleifchige weiß:: 2.00. (Alles per 50 Kilogr.). Lauvelien-Aachriehteu. Gestorben: Frau Marie Welker Ww., geb. Becker, in Sauter« bad). — Herr Alexander Neidhardt, Forstmeister 1. P., in Iuge>.- Henn a. d. B. — Frau Henriette Bellmger, geb. Schiinöt, lii Ortenberg. — Herr Gerichjsfekrelär a. D. Friedrich Wilhelnir Boecker in Wetzlar. wöchentl. Uebersicht derCodessäüc i. ö.Staöt Sietzm 19. ^oaje. Vom 3. bis 9. Mal 1908. Eimvohnerzahl: angenommen zu 30 400 (infl. 1600 Alaiui Militär.) Sterblichkeitsziffer: 14,lOo;0o, iiach Abzug von 3 Ortsfremden: 8,81 °/oo. Kinder Alini.: Tie ut Klammern gefetzten Ziffern geben an, wie »Ai der Todesfälle m der betreffendeil Krankheit auf von auswärts not? Gießen gebrachte Kranke kommen. ,, Es starben an: Zusammen: Erwachsene : int vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Unterleibsentzündung 1 — 1 — Emphysem 1 1 — — Lungeueiuzündung 1 — 1 — Anäiliie 1 (1) — — 1 (1) Gehirnerweichung 1 1 — — Krebs 1 (1) 1 (1) —— — Lebensschwäche 2(1) — 2 (1) Summe 8 (3) 3 (1 j 4(1) 1(1) (Anonyme Anfragen bleiben nnbernlksichttgt.) (Sin iMttel gegen Smchelbecrraupeu? Tas |tci)er|te tel ist, die Ratipen ablcjcn. Verantw. für Feuilleton u. Vermischtes: I. B.: E. An der so Teiefoiroiscäi© des Giessener Anzeigers, mitge und indusli l'ranktitrier £5<»r 3/2°/o Fieichsanleihe . . 91.70i 3% do. . . 82.65 3>3°/o Konsols . . . . 91.80 3-6 do. .... 82.65 3>66/o Hessen 90.75 3>6o/0 Oberhessen . . . 91.50 4^6 Uesterr. Goldreute. . 98 70 476 % Oesterr. Silberrente 99.10 4% Ungar. Goldrenta . . 93.65 4-6 Italien. Heute . . . —.— 3^6 Portugiesen Serie l 62.60 3% Portugiesen „ 111 63 50 4>6°/o russ. Staatsaul. 1905 95 25 4li ",0 japau. btaatsauleihe 89.20 1% Couv. Türken vou 19uo 96.05 Türkenlose 150.70 4% Griech. Monopol-Anl. . 50.60 4% äussere Argeutiuier . 86.35 3u/o Mexikauer . . . 66.50 4>a°/o Chinesen .... 96.40 Aktien: Bochum Guss 220.00 Buderus E. W 112.00 Tendern.: fest. Berliner Börse, ' Canada E. B. . , . . . 156.00 Darmstädter Bank . . . 124.30 Deutsche Bank ....—.— Dortmunder-Union C. . . 62.80 Dresdner Bank .... 139.75 Kursberichte teilt vou der Bank für HanM ie, Giessen. se, 19. Mai, 1.15 Uhr. I EJektnz. Lamneyer . . • Elektriz. 8chnckerc . . • 1^. Eschweiler Bergwerk . ■ Gelsenkirchen Bergwerk . l»^1 Hamburg-AmeriK. PakelL Ibst'^ Harpener Bergwerk. . • J»'- J Laurahütte iXordd. Lloyd . . . - . • Obeischles. Eisen-Iudustne 1U-.^ Berliner Handelsges. . • 1®- , Darmstädter Bank . . • ** y Deutsche Bauk . . .« • - ‘ „ Deutsch-Asiat Bank . . Diskonto-Kommaudit . • Dresdner Bauk . . . • .. Kreditaktieu . . . - • Baltimore- und Ohio- fl Eiseulahu..... Gotthard bahn D.w Lombard. Eiseubahu . . Oesterr. StaaUbahu . . • ** Pnuce-Heuri-Liseubahn • ). Mai. Ajifaugskurse. Harpener Bergwerk. . • Laurahütte . . • • • Lombarden E. B. . • • Nurdd. Lloyd l’ürkenlose Teudenz: ruhig. Sommerkur für el Völl Prospekte franko. Dr. M. Scbulze-Kahleyss. Nervenarzt. M BUH Sanatorium Hofheim im Taunus. Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, das; die Nriedböic vom 1«. Mar brs 15. August von morgens 6 bis abends 9 Ubr geöffnet und. Die Schließung des Friedhofes wird durch Läuten der Fried itiossglocke angezeigt. Bei Beginn des Läutens muß der Friedhof sofort verlassen werden. Eine Nicrtelstunde nach dem Läuten wer- iien die Frledhosslore geschlouen. Gießen, den 18. Mai 1908. 31s/ Großherzoglichc Bürgermeisterei Gießen. ____________Mecum._______ Bekanntmachung. Wir suchen für die Bedienung der Turbinen, Gas- u. Damps- ivaschincn einen tüchtigen Schlosser, welcher bereits in Maschinen- ücmcben tätig gewesen ist. Nur tüchtige Leute wollen sich unter Angabe der Lohnansprüche melden. _ ... . Städtisches Elektrizitätswerk Gießen _______________________St 0 lte.____________________________________ Bekanntmachung. Das Betreten der Hegen ^Schonungen) geschieht durch Spazier- athtncr, durch Beeren- und Blumensucher, Erwachsene und Kinder 1 ,, Bezirk der fürstlichen Oberförsterei so häusig und oft so rück- chtsloö, daß das Forstschutzpersonal mit einfachen Ermahnungen 1 iicht mehr au stammt, wenn es die Kulturen vor Beschädigungen Ivuvahrcn will. Wir geben deshalb hiermit bekannt, daß alle int ,;cge liegenden Abteilungen, deren Betreten verboten ist, an den Wegkreuzungen mit passenden Schildern bezeichnet find, und daß i.ts Personal angewiesen worden ist, in allen Fällen der Zuwlder- irmdlung gegen das Verbot des Betretens der Schonungen Anzeige j erheben. — Das versuchte Ausheben von Vogelnestern — es ist i»gar das Besteigen von Bäumen mit Steigeisen zu diesem Zwecke itjtflefommcn — veranlaßt uns zur Vermehrung des Auffichls- pztfonalS. Lich, 16. Mai 1908. B18/5 ________________Fürstlich Solmsische Obcrsörsterei.________________ Brb eitsv erg ebung. Die Spengler-, Dachdecker- und Wcinbinderarbeitcn zur Unterhaltung der alten Schulgebäude in der Neustadt Nr. 61 sollen Dienstag, den 26. Mai d. Fs., vormittags 10 Uhr, ö ßentlich vergeben werden. Arbeüsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, und bis zum genannten Termin an uns einzureichen. — Zuschlagsfrist 1-1 Tage. Gießen, den 16. Mai 1908. Bto/5 Städtisches Hochbauamt. Gerbet. Gräserei-Berpachtnng. Donnerstag, den 21. Mai l. Js., vormittags ioy2 Uhr soll die Grasnutzung an der Lahn in den Gemarkungen Gießen und Heuchelheim für das laufende Jahr an Ort und Stelle öffentlich versteigert werden. Dlti/S Zusammenkunft am rechten Lahnufer unterhalb der TLieseckmündung. Mainz, den 16. Mai 1908. Großh. Wasserbauamt Mainz. I. V.: Becker. Montag, den 25. Mai 1908, findet dahier Ziegenmarkt statt; 511111 Besuche desselben laden voir alle Ziegcnzüchtcr freundlichst ein. — Für die zum Markt zu bringenden Ziegen sind.Gesundheitsscheine nötig. Großherzogliche Bürgermeisterei Langsdorf. ________, Schiel.____________________3184 Die Gemeinde Steinbach beabsichtigt einen Hydranten- ttm-eii mit 159 Meter SchLauchfaffrmg und etwa 100 Meter neue Schläuche anzuschaffen. Liebhaber zu dieser L-iefecung können ihre Offerten bis längstens den 23. d. Mts b-rot< iten. als vorteilhaftesten Kaffeezusatz Kaiser-Otto Xlvge JHausfrauen lassen sich nicht täuschen, sondern handeln nach eigenem Ermessen und seiner Art schätzen gelernt haben. ss6/6 Fabrikant: J0I1. Gottl. Hauswaldt ■ fcptellfi & IqmÄs. (Medizinische Klinik, Klinikstraßc) Sprechstunde: Jede» Mittwoch abend 6—7 Uhr. Unentgeltliche Untersuchung von Lungenkranken und Angehörigen von Lungenkrankent (D“/3 Ausgabe von Attesten für Ausnahme in Heilstätten. Ratschläge für Kraute und ihre Angehörigen zur Vermeidung von Ansteckung. Voit. l TttalAitftttyraL Oefen and Herde für StOt miii 2miii ! - Kesselolen, Sasherde eie. 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Dasselbe ist von hervorragender Heilwirkung bei Harnsaurer Diathese,Gicht, Nieren-, Stein-, Gries- u.Blasenleiden, sowie all. übrigen Erkrankungen der Harnorgane. Nach neueren Erfahrungen ist es auch ausserordentlich wirksam zur Aufsaugung pleuri- tischer Exsudate. — Die Quelle ist seit Jahrhunderten medizinisch bekannt & <2 DüTHOMPSON'S (T)|iBfeaaM«atttaaaal| SEIFEINPULVER