Rr.89 Erstes Blatt 158. Jahrgang Dienstag 14. April 1908 sSä PltPIIg Jf| AÄrLMLV es«5 General-Anzeiger für Oberhessen MM lanahmr von Anzetge« V Mr f 9 V " u. Land" und „Gerichts- Xxüt‘aa3,'io,än6" Hoeines Vvlksstammes, gegen den bei den letzten Wahlen schreiende Ungerechtigkeiten verübt worden seien, wofür er den Statthalter als Repräsentanten bicses Regttrungssystems zur Rschensaiajt gezogen habe. Bczeich- nend ist die Antwort, die der Mörder, der Student Siczynski, gab, als ihm ein Polizeikommissär im Verl>ör sagte, daß die Ermordung des Statthalters keine Aendernng des Systems bringen werde, bann werde sich ein zweiter Ruthene finden, der den nächsten Statthalter ebenfalls aus dem Wege räumen wird. Er habe den Statthalter nur ermordet, um andere zu warnen. Bezeichnend ist auch, was die Mutter des Viörders vor dem Polizcitornmiisar aussagte: „Ich will die Wa hrh ei t« sagen, ich war es, die meinem Sohn diesen Gedanken eingab und ihn dazu betvog, mit dein Hinweise, daß es nur diesen einen Ausweg gebe, der Unterdrückung des ruthenische Vo lkes ein Ende zu machen. Außw der Mnrter txc Attentäters Siezynski ।ind nunmehr auch seine b e i d e n S ch w e st e r n verhaftet worden. Außerdem hat dtt Polizei bei Personen, die mit dem Attentäter engeren Verkehr hatten, sowie bei zahlreichen ruthenischen Studenten Haussuchungen vorgenom.nen, bie aber resultatlos verlaufen sind. Der Dbman der Ru- thenen im Abgeoronelenhause, Riomanczuk, erklärte, er kenne Sic- zynski nicht, er l)abe aber dessen Vater gekannt, der ein sehr eifriger national-r.tthenisckfer Agitator war. Ec wisse, daß die ganze Familie sehr exaltiert sei. Wie von einer dem ermordeten Grafen Potocki nahestehenden Seite ocriidjcrt wird, hat der Graf in dec letzten Zeit wiederholt seinen Besorgnissen über ein UebergreHcit gefährlicher Bewegungen aus Rußland nach Galizien Ausdruck gegeben. Bis in die Nacht hinein waren gestern Tausende vor der Statt- haltcrei angesammelt. Alle Theater und Vergnügungswkale Lembergs waren geschlossen, in allen Kasinos herrschte eine unbeschreibliche Bestürzung. Es wurde die Meinung geäußert, man habe derartige Gewalttaten ruthenischer Fanatiker voraussehen müssen. — Die polnischen Studcnte n.haben in Lemberg Versammlungen abgchalten, in denen geradezu zu Gewalttatengegen Bad-Nauheimer Brief. IV. (Schluß.) Am 5. April wurde der Einzug des Frühlings auch schon Trompeiengeschmettcr begrüßt. Das Waldhaus unter alten/schönen Eichen hatte den Betrieb eröffnet. Da fairen denn die ersten Kaffeegäste unter den noch unbclaubten Junten und die Stadtmusikanten hatten leichtes Spiel, tät lenzesfrohen Gemüter zu befriedigen, auch wenn mau facht eben den strengsten künstlerischen Maßftab an ihre mfachen Melodien anlegen durfte. Unter den Veilchen, die der Frühling im Verborgenen fafgehen läßt, hat am 8. April sich nun auch dasjenige er- falonen, auf das der Verfasser eines eingeschobcnen Bad- ^tuheimer Briefes in diesem Blatte neulich aufmerksam wulste; ich denke an die Einweihung des christlichen „Eleo - v vrenh o sp ize s". In einer Ansprache führte Kirchen- fat D. Schlosser in entsprechend feierlicher Weise die- !-'ben Gedanken noch einmal aus, die der genannte Brief da- mls schon aussprach, nur daß er außerdem die Fürsorge !uc bas Wohl des bedienenden Personals noch besonders betonte. Der große, sreundlichc Bau ist mit allem ausgestattet, der moderne Kurgast an Bequemlichkeiten beanfpruchen «nn: elektrisches Licht, Zentralheizung, Lift, Badeeinrrch- tung usw. Wenn die Gunst des Schicksals so über ihm waltet ® e am Einweihungstage die des blauen Frühlingshimmels, bann sieht er einer erfreulichen Zukunft entgegen, denn durch ->e Fenster flutete goldener Sonnenschein und erhöhte den behaglichen, einladenden Eindruck der geschmackvoll ausge- Utteten Zimmer. Wenige Schritte vom 5zause liegt der W, und durch die kahlen Aesre der Bäume schimmerte der dickte Spiegel des großen Teiches herüber. Eine Bibel in le-bem Zimmer erinnert den Besucher an den besonderen Geist far Hauses. Von der Konkurrenz gegenüber den anderen ^tels und Pensionen wurde unter den Besichtigern auch dLS eine oder andere Wort laut. Man braucht aber da wohl nicht ängstlich zu sein. Ettoas anderes wie ein ^rfremdenbetrieb wäre doch auch so wie so nicht in das &bäube gekommen. Unb wenn die für unsere Verhältnisse M mäßigen Preise von 5 dis 8 Mark täglich bet voller j=m{ion auch viele anziehen, so wird doch auch andererseits besondere Charakter des Hauses den Kreis der Besucher wieder einschränken. Auf jeden Fall aber hat ein edler Gedanke wohl das Recht, sich auch Raum zu schaffen neben andern, und von manckiem Vorzüge des neuen Hauses möchte man wohl wünschen, oaß es vorbildlich wirkte auf andere. Ein Beispiel: Die Teilnehmer der Feier waren zu einem „Frühstück", das in Wirklichkeit freilich ein vollständiges Diner war, eing'eladen, und schon bei dieser einen Gelegenheit ließ sich verspüren, wie gut der Weg fall des Trinkgeldes auf das Verhältnis zwischen Gast unb Bedienung wirkt. Wie viel angenehmer wirkt jede Freundlichkeit, wenn man sicher sein darf, daß sie nicht bloßem Geschäftsinteresse ent- jpriligt. Und sicher wird der Gast auch den Kellnern unwillkürlich anders gegenüberstehen, wenn der nicht besonders von ihm ausgelohnt wird. Wie viele lucrben es ferner dankbar empfinden, daß hier ihr menschlicher Wert nicht nachderTrinkfestigkeitbeurteilt wird. Das war schon den an der Feier beteiligten Abstinenten ein erfreulicher Eindruck. Kirchenrat i). Schlosser gedachte während des Essens des Großherzoglichen Paares. Die Großherzogin hatte auch in einem Telegramm dem Hospiz, das ihren Namen trägt, ihre besten Wünsche gesandtt Die Verdienste, die Kirchenrat I). Schlosser um oa» Zustandekommen des Werkes hat, hob Konsistorlalrat Jäger aus Wiesbaden hervor. Wenn er in seiner Rede einfließen ließ, daß der christliche Charakter des Hauses vielleicht noch mehr als in den ungezwungenen Hausandachten zum Ausdrua kommen möchte, so ist demgegenüber aber doch auch die Gesayr nicht zu verkennen, daß ein zu starkes und zu häufig wiederholtes äußeres Betonen leicht die gegenteilige Wirkung hat als die gewünschte. Es ist boaj wohl da» Wichtige uno Entscheidende, nach welchen Grundsätzen und in welchem Geiste der Betrieb geleitet wird. Die Vorzüge, die der erholungsuchende Kranke in der ganzen Art, wie er behandelt wird, empsindet, die sind jedenfalls das beste Zeugnis für die Besonderheit des Hospizes im Vergleich zu auocren Hotelvetrieven. Mit einem warmbegründeten Hoch auf unser schönes Bad Nauheim schloß Oberstaatsanwalt Theobald die Reche der Redner. Sein Wunsch, daß hinter unserer gewaltig fortschreitenden materiellen Kultur die geistige und ethische nicht Zurückbleiben möge, sprach woyl den tieferen Sinn der tzospiz- gründung, ebenso aber auch die Gedanken jedes ernsten und teilnehmenden Menschen aus, der die Blüte unseres Bades mitanzuschauen die Freude hat. Dr. S t r e ck e r. die Ruthenen aufgeforbert wurde. Kein Ruthene bür le mehr bie Lemberger Universität betreten. Die Stubenten zogen bann vor das vutheniiche Bercinshaus und zertrümmerten bie Fenster. Ein solches Verleiten ber Polen ist nun allerbings wenig geeignet, bie Ruthenen zu beruhigen, unb man befürchtet daher, wohl nicht mit Unrecht, baß weitere Attentate folgen könnten. Das wäre allerbings aufs höchste zu bedauern, denn, wie man auch bie von ben herrschenden Polen gegenüber ben Ruthenen in Galizien beobachtete Haltung beurteilen mag, unter allen Um» ftänben wirb die Mordtat als verwerfliches Kampfmittel bezeichnet werben müssen. Der Mocb aus politischen Motiven ist genau so zu verdammen, wie jebe andere Mocbtat, unb irgend welches Mitleid für den Täter ist daher in feiner Weise am Pmtze. Lieber» dies pflegt durch derartige Greueltaten absolut nichts erreicht zu werben, höchstens nur bas Gegenteil von dem Gewollten. Immer. hin ist es nicht ohne Interesse, baß es gerabe die Polen sind, die derartig ihre Herrschaft anderen in ihrer Mitte wohnenden Bölker- ftämmen gegenüber mißbrauchen. Im Laufe der preußifchen Maßnahmen in den Ostmarlen tat man nirgends entrüsteter über die Vergewaltigung der polnischen Stammesbrüder als, in Galizien, und mit Recht wurde bei der Debatte itter die jüngste Ostmarkenvorlage im preuüiiajen Landtage aus bicje Verhältnisse hingewiesen. Tie Ruthenen sinb ein überaus genüg)amer und fleißiger Volksstamm, und cs ist fdjon oft angeregt worben, diese statt ber polnischen Saisonarbeit.r nacy Teut,^land heranzuziehen; bie Abneigung ber Polen gegen bie Ruthenen resultiert wohl auch aus bicsen Charakterunterschäeben. Die elektrische Ztravenllahn in Gietzen. / Von Professor Dr. M. B i e r m e r. Nachdem bie Stadt Gießen bas langersehnte Stabttheater bekommen bat, bas große Kanalisationswerk feiner Vollenbnng entgegensieht, ist bie dringlichste lommunalpolilische Aufgabe ber Bau einet elektrischen Straßenbahn. Unser Omniousverlehr ist gänzlich veraltet, unzurcichend unb arbeitet mit steigendem Defizit. An einen Ersatz dcs Omnibusverrehrs durch eine Pferdebahn ist nicht zu denken. Aufstrebende Städte, bie ihr Verkehrswesen verbessern wollen, benken yeutzutage nur noch an elektrische Bahnen, zumal, wenn sie, wie Gießen, bereits ein leistungsfähiges stäblisches ElektrszitätSwerk besitzen. Tec Zug der Zett geht ferner dahin, die Straßenbahnen in städtische Regie zu nehnten, bezw. bereits vorhandene Linien, die von Privatgesellsckraflen betrieben werden, zu tvmmunaliiicrm. Man begründet dieses Vorgehen damit, daß man sagt, die Kommune sei bcj'.c in der Lage, den Betrieb zum allgemeinen Vesten zu verwalten, die Tarife zweckmäßig zu gestalten und, was das Personal anbetrisst, für dieses sozialpolitische Fürsorge walten zu Imsen. Tie finan’jeUen Gesichtspunkte treten hier mehr in den Hintergrund, man ist schon zufrieden, iveurt die BettkWöülcc?chuji'c hinreichc'., um das Anlagekapital zu verzinsen, und rationell zu amoniiicren. Wuhrend man früher GaS- und Wasserwerke, Straßenbahnen und dergleichen im Hinblick auf die erheblichen Anlagetosten und das gwße Risiko dem Privatkapital übettaifen und damit vielfach lokale Rionopottsten mit weitgehenden Privilegien grvßgezogen hat, schattet man heute das private Unternehmertum aus diesen Gebieten ganz aus. G»s- nnb Wasser.vcrke fiito zudem, wie die Erfahrung lehrt, recht ein» rvagliche Finanzguellen ber Kommunen ooer iönnen es wenigstens sein. Fast Überall behanbelt man bie städtischen zentralen Lickst-^ Kraft- unb Wasserveriörgungsanftalten erwecbswirtschaitlich und erwart damit Steuern, zumal ja die indirekte Besteuerung in den deupchen Kommunen oetchsgesetzlich stark beengt ist. Die Gefahr, daß diese kommunalen Monopotbrtrieve gewerblicher Art schwankende Einnahmen, die der Stabilität des städtischen Haushalts iviocrsprechen, bringen, ist nicht groß. Mit zunehmender Be- völtirung unb Wvhlhabcnhett, größerem Komfort unb Modernisierung bes ganzen Leberts wachsen vielmehr bie Überschüsse ziemlich stetig, unb viel bemerkt ist bie Erscheinung, daß Elektrizitätswerke, als bie höhcve Form ber Lichtversorgungsanstalten, den äkttrcn GaSiocrken teinen Abbruch tun, weil in bie Reihe der Gasvervraucher von unten her neue Personengruppen einrücken Z. Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Im Schauspielhause gab es wieber einmal eine Uraufführung; aber biesmal war es kein i^rchwank, unb auch kein „hie- liger" war ber Verfasser, fonbern es war ein ernstes Drama, bas man vielleicht gar eine Tragödie hätte nennen können, und es war überhaupt kein Verfasser, sondern eine Verfasserin. Das Stück heißt „Die Meistert n", die Versgsserin ist Frau Johanna Wolff aus Hamburg. Die Gestaittn des Dramas find Siim größten Teil mit eignen Augen gesehen und mit dichterischem Können gezeichnet. Die oramatische Technik steht zwar noch nicht auf der Höhe, und namentlich die ersten beiden Akte sind arm an an dramatischen Komentaren und einigermaßen schleppend, aber die Kunst, sich möglichst knapp zu geben uno mit wenigen, aber ä-arakterFtifchen Strichen auszukommen, beherrscht die Verfasserin schon in crfurunlichem Maße. Die Charakteristik ist im Allgemeinen inöioWudl, aber l-isweilen greift die Verfasserin auch roohl zur Theaterjchablvne ober läßt uns bie Früchte ihrer Lektüre kosten. Jmmcrhm ist „Die Meij^erui" eine sehr respektable Talentprobe unb oer Beifall war sehr berechtigt, viel mehr als das stellenweise auftretenbe Zischen. Das Thema bes Stückes ist der Gegensatz zwischen ber „Meisterin", ber ehrenfesten, aus hartem Holze gestl-nitzten Wittoe eines Uhrmaä-ermeisters, und ihrer leichtlebigen Sc^viegertochler, bie Musiianoen- und Vagantenblut in ben Ädcm hat und sich, in ber Ehe mit dem braven Uhrmacher, wie verliebt er auch ui jtc ist, sehr wenig wohl fühlt. Ein Techrel- meostel mit dem flotten Gesellen ihres Viannes, einem tanz,rohen Wiener, bringt den Kvnslikt zum Ausoruch. Die Linien der Haupthandlung sind leider nicht energisch unb nichi klar genug gezogen, unb man sieht nur Epi,oben an einandevgereiht, statt einer einhettlich aufgebauieii, trastvoll gesteigerten Handlung. Ter entscheidende Zusammenprali der Heiden Frauen ist dagegen ebenso bühnenwirksam wie levens.oahr. DaS Stück endet ttagisch: infolge bir Aujregnng, bie |ic in dem Streit mit der Schwleger- niuiLr gehabt hat, ormgt bie junge Frau ihr Äinb zu früh zur Weit unb sttröt an ben Folgen. Heuer ihrer Leiche reicht die Mutter bem oohne bie Hand in ber späten Erkenntnis, baß ihrem Leben unb ihrer Wettan,chauung eines gefehlt hat: sie hat nie zu lachen Dirutuibeii, uno sie hat das Laa>en der anderen nicht versianben. Aber gerade dttses Meotiv ist leider md>i innerlich verarbeitet, sondern wirkt mehr äußerlich ais Etikette. — Ge- ipieU wurde unter Dr. Zames inegie redjt gut, namentlich von den Damen Klinkhammer und I r m a n und ben Harren Hellmar unb Lengbachi Die Versaiserin wurde oft gerufen. — Kleine Chronik aus Kunst unb Wissenschaft. Ein B i s m a r ck - D e n k >n a l von Pele. Behrens soll auf dein Bookholzberge bei Delmenhorst tu Oldenburg erstehen. geben Bungen ((. Nit Nt Nervöse od Meiden f/ Durt ' Jung* Rech Ul 1 , jjaiirf) & ;;i!t jialt 7^« f" Ktsichtl sind i;. ioi Von drei großen Feuersbrünsten ist heute zu melden: In Berlin geriet gestern (Montag) die alte Garnison- kirche in Flammen. Der Turm und daS Gewölbe bei Kirche sind eingestürzt, die benachbarten Häuser waren bedroht Man nimmt an, daß der Brand auf Kurzschluß zurückzuführen i|i Von den vielen im Hauptschiffe angebrachten Fahnen au? dem Feldzug 1870/71 wurde nur eine gerettet. Di. Kirche brannte völlig aus. Brandstiftung wird nicht vermute! da sämtliche Türen ordnungsmäßig geschloffen und die Fenstei unversehrt waren. Der eben auS Kiel zurückgekehrte Kronprinz verweilte bis nach Mitternacht an der Brandstätte uni besichtigte die Gruftgewölbe. Sofort nach Verlassen stürzt ein Teil der Gewölbe ein. Ein Feuerwehrmann verunglückte durch Absturz von einer Leiter. Diese Kirche, u der neuen Friedrichstraße, ist den Berlinern anS Herz gewachsen. Das Bedauern über ihren Verlust wird deshalb « den breitesten Schichten der Berliner Bevölkerung geteul Gegen 10 Uhr am Abend brach der Dachstuhl zusammen un. um Mitternacht bot die Kirche nur noch ein Bild der Verwüstung. Nur die Umfassungsmauern stehen noch. De. Einsturz des Glockenturmes war bereits kurz nach 9 Ufa erfolgt. Glücklicherweise gelang eS der Feuerwehr die benachbarten Gebäude zu retten. In Neustadt a. d. Haardt steht die Mosaikplattenfabrik Deidesheimer u. Co., Aktiengesellschaft in Flammen Sowohl die alten Gebäulichkeiten, wie auch der dreistöckig' große Neubau sind verloren. Das Feuer ist durch Euisturi eines Brennofens entstanden. ., Wie aus Boston (Massachusetts) gemeldet wM wurden in der Vorstadt Chelsea durch einen Bcan. 250 Häuser zerstört. Es wurden 5 Personen tötet, 400 erlitten zum Teil schwere Verletzungen. £Q' Feuer wütet noch fort. Die Trümmer werden jetzt vor 14 Miliz-Kompagnien bewacht, die bereits zwei Plünder ZIS"! leipoB öt teil Körner wHiget M iiier ’fc 12. i Ihijhtf üui den ö Men: ywunben. lO^/z Uhr eintrafen, um die Osterfeiertage auf Schloß Heiliqen- verg zu verleben. Der Erbgroßberzog wird dort die Rückkehr seiner hohen Eltern aus Rußland abwarten. "Zu dem gestrigen Artikel „Oberhessische Kultur werke* wird uns berichtigend mitgeteilt, daß eine Zusage über das Fallen der Wehre von Geheimerat Dr. Breidert nicht erteilt, sondern nur die Bereitwilligkeit erklärt wurde, hierüber mit den Beteiligten in Verhandlung zu treten. Graf von Oriola hat atisdrücklich erklärt, daß er kein Gegner des Projekts sei, und die von ihm beantragte Resolution wurde nicht einstimmig, sondern mit Stimmenmehrheit angenommen, nachdem sich Stadtverordneter Falck-Friebberg gegen bereit Annahme ausgesprochen und die Befürwortung des Projekts warm empfohlen hatte. " AuS dem Militär-Wochenblatt. Ernannt: v. Arndt, Hauptm. und Komp.-Chef im Rhem. Jäger- Bat. Nr. 8, unter Beförderung zum überzähl. Major, zum Adjutanten der Großh. Hess. (25.) Division. — Versetzt: als Bats.-Kommandeur: v. Amelunxen, Major und Adjutant der Großh. Heff. (25.) Division, in das 1. Bad. Leib-Gren.-Regt. Nr. 109. — v. Stangen, Hauptm. und Platzmajor in Darmstadt, mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt und zur Dienstleistung als Bezirksoffizler beim Landw.-Bezirk Gera kommandiert. — Frhr. Hiller 0. Gaertringen, Hauptm. beim Stabe des 1. Garde-Ngts. zu Fuß, zum Platzmajoc in Darmstadt ernannt. — Verletzt: Zeug-Oberleutnant Lange beim Art.-Depot in Darmstadt zum Art.-Depot in Neu-Breisach, Lt. Röbling bei der 3. Art.-Tepotdireklion zum Art.-Depot in Darmstadt, Feuerwerks-Lt. Ziembinski beim Art.-Depot in Mainz zum Art.-Depot in Koblenz. — Zu Feslungsbau-Hauptleuten ernannt: die FestungSoberbaiiwartc Preine, Haupt und der FeUungsbau-Oberlt. Bresse bei der Fortlsikation Mainz. — Ter Abschied mit Pension bewilligt: v. Branconi, Major z. D. und Bezirksofsizier beim Landwehr-Bezirk 1 Darmstadt, mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 5. Thür. Znf.-Regts. Mr. 94 (Großherzog von Sachsen). ** Landw irtschaftskammer. Am Dcontag fand die 2 5. Vorstandsfitzung nick einer Tagesordnung von 25 Punkten statt. U. a. 0t|d)4rtigte man sich mit der demnächstigen Revision des Reichsviehseuchengesetzes. Der Vorstand war sich oarüber einig, bau bte rigorose Bestimmung dieses Gesetzes über die Räude bei Su-afen mit einen Hauptgrund für den starten Rückgang der Schafzucht bildet, sowohl ein nennenswerter Vorteil bis ,etzt nicht erreicht ist, und auch die Krankheit nicht als Seuche im Sinne des Gesetzes angesehen werden kann. Der Vorstand beschloß, bei den maßgebenden Faktoren in einem ausführlichen Gutachten die Abänderung der in Betracht kommenden Bestimmung dieies Gesetzes emzuregen und die Behandlung dieser Krankheit in einem oesondcren Gesetz zu behandeln. Die Vornahme einer land.oirt- scha,tttll)en Studienreise nach der Nheinprovinz, Holland, Belgien oder Hannover und Dänemark ivurde in Betracht gesogen. Ein genauer Reiseplan soll noch ausgestellt werden. Bei der Regierung^ soll eine Beschleunigung des Feldbereinigungsverfahrens ocranlaßt werden, lieber Die kKiiuuib-uig der Mittel zur Förderung der Pferdezucht und ihre Ueberweisung an die Ausschüsse der Provinzen wurde Beschluß gefaßt und die Einkaufs- und Kör- kommission gewählt. ** Stadttheater. Von Oberbürgermeister Troje und dem Magistrat der Stadt Marburg wurde Direktor Hermann S t e i n g 0 e t t e r bei der letzten Vorstellung in Marourg am vergangenen Samstag ein p räch tiger Lvrbeerkranz überreicht in „Anerkennung der Leistungen der Direktion,und der Mitglieder des Städtebundtheaters". ■** Verlängerter Fernsprechdienft in Gießen. Das Telegraphenamt hier ersucht uns, folgendes mitzuteilen: Vom 15. April ab wird bei der Fernsprech- vermittelungsstelle in Gießen zunächst auf die Dauer eines Jahres beschränkter Fernsprechdienst bis Mitternacht eingeführt. Das Nähere ist in den sämtlichen Teilnehmern gelieferten „Bestimmungen über die Benutzung der Fernsprechanschlüsse" unter 18 — Verbindungen zur Nachtzeit — zu ersehen. Auf die Zulässigkeit von Abonnements aus Nachtgespräche int Fernverkehr wird besonders hingewiesen. Orte, mit denen nachts in Verbindung getreten werden kann, sind folgende: Berlin, Kassel, Coblenz, Köln, Darmstadt, Düsseldorf, Essen, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Leipzig, Ludwigshafen, Mainz, Mannheim, München, Offenbach, Stuttgart, Amsterdam, Basel, Brüssel und Zürich. ** Turnerisches. Am Sonntag, 12. d. Mts. fand in der Turnhalle des Turnvereins Gießen eine Vor- turnerstunde des Gaues Hessen statt, zu der 85 Turnwarte angetreten waren. Gauturnwart Will begrüßte die Turner und forderte zu einer recht zahlreichen Beteiligung seitens der Gauvereine am diesjährigen deutschen Turnfest in Frankfurt a. M. auf, damit sich der Gau Hessen mit seinen als Sonderübungen vorgeschriebenen Stabübungen, als tüchtiges Glied in der deutschen Turnerschaft zeige. Geturnt wurden dann die zum deutschen Turnfest vorgeschrie- beneu Keulen- und die vom Gau vorgeschriebenen Stabübungen. Hieraus wurden die Turner mit der in der deutschen Turnerschast neu eingeführten Hebungswertung vertraut gemacht. Außerdem wurden einige Spiele gezeigt, damit das Spiel immer mehr in den Turnvereinen ein» geführt werde. In der an das Turnen sich anschließenden Beratung des Turnausschusses wurden als volkstümliche Hebungen für das Gauturnfest in Lich Lausen 100 Meter, Stemmen und Weithoch bestimmt, welchen Hebungen noch Weitsprung zur Gauturnfahrt hinzutritt. Die Gauturnfahrt findet am 2 3. A u g u st statt. ** Männer-Turnverein. Die am Samstag abgehaltene Frühjahrs-Mitgliederversammlung crireute sich eines überaus zahlreichen Besuches. Nach Begrüßung erstattete der 1. Sprecher einen sehr eingehenden Jahresbericht, aus dem zu ersehen war, daß innerhalb des Vorstandes eine sehr große Arbeit zu erledigen war. Aus dem Bericht ging hervor, daß die Mitgliederzahl tirfi. Zöglinge ca. 400 beträgt Es würde zu weit führen, die Einzelheiten alle aufzuführen. Der 1. Sprecher schloß den Bericht und bat sämtliche Anwesenden, in der seitherigen Weise zum Wohle des Vereins zu arbeiten und brachte aus das Blühen, Wachsen und Gedeihen des Männerturnvereins ein dreifaches Gut Heil aus. Alsdann berichtete der T u r n - wart über den Hallenbesuch, sowie über die gesamte turnerische Arbeit des Vereins. Ans dem Bericht ist hervorzn- hebeu, daß sich der Verein an sämtlichen Veranstaltungen des Gaues beteiligte und daß die durchschnittliche Zahl der anwesenden Turner im Winterhalbjahr in den regelmäßigen Turnstunden 45 betrug. Zum Kassenbericht erhielt der Rechner da§ Wor^. Es bewegten sich die Einnahmen und Ausgaben auf 2554.82 Mk. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Unter Punkt 4 der Tagesoronung wurde ein Mitbegründer und auch seil dieser Zeit Vorstandsmitglied oes Vereins, Turner Peter Margolf, vom Vorstand der Versammlung als Ehreninitglied bärge,Qiagen und einstimmig als solches ernannt. Bemerkt sei noch, daß dies, die erste (in Üot 3'6rin ab lind ■ As der 31 £ Mbl, dl 'le die 2ch> der jung' >ni iiahei rjÖ, Ivlll |l ijrcr ihre"! Ach za verle vid verhMnismSßig viele Verlernen, was durchaus Eigenart btt beiden Beleuchtungsmethoden entspricht, Gas und Elektrizität Neben einander benutzen. Dazu kommt, daß Gas für Heizungsund Kvchzwecke immer mehr in Aufnahme kommt, zumal, wenn sich die Kvmmune entschließt, diesen Gebrauch durch Preisermäßigungen zu fördern. Ein gewisser kaufmännischer Gesichtspunkt, der an Stelle des starren Gebührenprinzips zu treten hat, ist hier nicht zu entbehren und hat sich durchaus beivährt. Etwas anders gestaltet sich die Frage des Straßenbahnbetriebs. Es ist nicht zufällig, daß die Zahl der Städte, die ihre Straßenbahnen kommunalisiert haben, bis vor kurzem noch, eine recht geringe war. Noch vor 10 Jahren gab cs in Deutschland nur 19 Städte mit eigenen Straßenbahnen. Die Hälfte dieser Gemeinden hatte aber den Betrieb an Privatunternehmer verpachtet. In neuerer Zeit hat aber die Kommunalisierung Fortschritte gewacht. Es hängt dies unzweifelhaft mit der Vereinfachung der Technik und dem Aufkommen der Elektrizität als Zugkraft zusammen. Der Pferdebetrieb bedang höhere Risiken. Die animalische Kraft ist teuer, ihre Erhaltung ist von schwankenden Marltoerhaltnissen (Einkaufspreisen und Futterkosten) abhängig und eine Pferdebahn verlangt ein größeres Wartepersonal. Auch ist sie Schneefällen, Terrainschwicrigleiten und bergt gegenüber in einer übleren Lage als die elektrische Bahn. Freilich bringt )er elektrische Betrieb, namentlich in engen Straßen, und bei größerer Schnelligkeit auch größere Haftpflichtgesahren mit sich and stellt erfahrungsgemäß an das Führerpersonal der Wagen rrhöhte Ansprüche an seine Zuverläfsigket. — Ter ältere Liberalismus war ein grundsätzlicher Gegner der gewerblichen Monopolbetriebe in Staat und Gemeinde. Er war, den öffentlichen Verbänden mangelnde technische und ökonomische Befähigung vor und meinte, sie arbeiteten viel zu teuer, plump, konservativ und bureaukratisch. Diese längst widerlegte Jdceu- bildung gehört heute der Geschichte an. Besonders der großartige deutsche Staatsbahnbetrieb hat bewiesen, daß der Staat sehr wohl nach kaufmännischen Grundsätzen zu arbeiten versteht und sich auch die Fortschritte der Technik ohne Säumigkeit zu eigen machen tarnt. Auch der Vorwurf der Bureaukratie ist übertrieben. Große Privatgesellschaften pflegen ebenfalls bureaukratisch zu sein, und das öffentliche Monopol ist immer noch um Vieles besser als das private. Was aber die soziale Fürsorge für die Angestellten anbetrifft, jo hat die Erfahrung gelehrt, daß sich kein Staat modernen Forderungen auf die Tauer ganz verschließen kann. Vor wenigen Wochen hat das hessische Finanzministerium, offenbar um den fortgesetzten, kurzsichtigen Angriffen auf die preußisch- hessische Eisenbahngemeinschaft entgegenzutveten, eine höchst üv tcreifante, leider ziemlich unbeachtet gevlieoene Tentschrift veröffentlicht. Die dort niedevgelegten Zahlen sprechen ganze Bände. Seil dem 1. April 1897, dem Tage des Jntrasttretens der Eisenbahnbetriebs- und Finanzgemeinschaft zwischen Preußen und Hessen, hat sich das hessische Eisenbahnnetz um 46 °/o vergrößert. Beinahe 10 % kommen auf die Hauptbahnen und 240 0/0 (!) auf die Nebenbahnen. Mit letzterer Zahl hat Hessen den Rekord in ganz Europa erreicht. Besonders interessant ist die Entwicklung der Lohnsätze. Der Turchschnittslohn der Hilfskräfte im mittleren Dienste ist von 1131 auf 1739, der der Hilfskräfte im unteren Dienste von 811 Mark auf 1012, der Bahnunterhaltungsarbeitei Don 662 auf 819, der Werkstättenarbeiter von 1020 auf 1211 Mk. gestiegen. Die Steigerungen bewegten sich also zwischen 20 und 40 °o. Von dem finanziellen Effekte der Eisenoahngemeinschafi .st ja oft genug gesprochen worden. Der Reinertrag, der der «lessischen Staatskasse verblieb, ist von 2 3/4 Millionen Mark auf 3,8 Millionen Mark gewachsen. Der Heberschuß wäre natürlich noch erheblich größer, wenn man in Hessen nicht so viel schleckst rentierende Nebenoahncn gebaut hätte, so daß die Kosten für die Zinsen und Tilgung der Eisenbahnschuld in zehn Jahren von 7 Millionen auf lO1/^ Millionen Mk. gestiegen sind. Nur durch bic Eisenbahnüberschüsse, die heute mehr als die ganze Vermögenssteuer ausmachen und 38 Qo der Einkommensteuer gleichkommen, läßt sich seit Jahren unser Budget überhaupt balanzieren. Welche Einnahmen hat denn der hessische Staat früher aus dem Eisenbahnbetriebe gehabt? Sie waren ganz minimale. Das geringere Maß von Selbständigkeit in der landesrechtlichen Eisenbahnhoheit, über das jetzt in her Zweiten Kammer so bewegliche Klage geführt wird, n>ar also wirklich kaum zu teuer erkauft. Die Eisenbahnverstaatlichung in Deutschland hat die Behauptung, die Zweckverbände des öffentlichen. Rechts feien ökonomisch und technisch den Aktiengesellschaften gegenüber rückständig, durchaus widerlegt. Aehnliche Erfahrungen wie in den Staatsbetrieben hat man auch in den Großstädten gemacht. Die Großstädte tun ftlfo recht daran, wenn sie die Straßenbahnlinien in eigene Regie nehmen. Daß hierbei ein besonders bewegliches Moment in die städtischen Finanzverwaltungen kommt, ist nicht zu bestreiten, fällt aber doch nicht allzu sehr ins Gewicht. Großstädte verfügen auch über die in der Technik vorgebildeten höheren Beamten, die zur Oberleitung so großer Unternehmungen befähigt find. Elek- irischc Bahnen machen die städtischen Kraftzentralen besonders nutzbringend, was bei reinem Lichtoetrieb nicht der Fall sein kann. Das wird jetzt allgemein anerkannt. Besonders empfiehlt sich die Kommunalisierung der Straßenbahnen aber bann, wenn es sich um die Ucbernahme bereits vorhandener, in ihren Kosten und ihren Gewinnen zu übersehenden,Hnternehmungen handelt. Bei Neubauten, Untergrundbahnen, Unterpstästerbahnen, Schwebebahnen verhält sich die Sache allerdings etwas anders. Hier kann man zweifelhaft sein, ob man nicht bei diesen neuartigen Unternehmungen lieber fürs Erste das Risiko auf konzessionierte Privatgesellschaften abwälzr, statt es selbst zu übernehmen. Für kleinere Städte, denen die Schulung in gewerblichen Großbetrieben fehlt, und für die eine Straßenbahn etwas ganz Neues und im Gfiekte Unsicheres und Problematisches ist, empfiehlt es sich nach meiner festen Ueberzeugung auch heute noch, das spelülative Privau- kapital, das an größeres Risiko Lewöhnt ist, als Pionier voraus- zuschicken. Es kommt alles auf das gewählte Konzessionssystom und auf den Jnhatt der Verträge an. Sie müssen eine gewisse Tarsthoheit der Kommune gewährleisten, die Fahrlzeiten seftlegen, Bestimmungen über die Straßenunterhaltungsloften treffen und sür alle aufttetenbcn Streitigkeiten, die ja nicht ousbleioen werden, rasch funktionierende Sck)iedsgerichte vorfeben. Besondere Schwierig ketten macht der weitere Ausbau der Verkehrslinien. In dieser Beziehung sind Ibie Erfahrungen der Städte München u. Frankfurt a. M. lechrreich. Deren Betrieb, der unsprünglich durch private Trambahngeiellschaiten belgischer Kapitatisten übernommen worden war, war im großen und gauz-en zwar ein sachgemäßer und berrtebigcnber, aber jede Erweiterung des Straßenvahnnetzes und jdie_ Tarifverbesserung mußten Me Gemeindebelwrdeii den Gesell- Xhaften im harten Kampfe abringen und oft durch Gegew» konzessionen erkaufen. In >I UeschAstiL. k zur lt-1 's OQtanj (fc ie Erde uni J st der Verhaftung d iiebt und sid ht slattaefV- - allen itüa J Hai reifes J ^undgebW Perionen a y - toßte&fd r» «ethuti Ansehen vch , Man iMt älierung Hut tf Lirichel hu d ii Rwism tat ;rige fiaufmernl eck aus W^! !, erhob : ach Haindutg h durch boSäs sich geniitn* Iiiwigslmmi:« Gre$$l$arbei natürl. Quellenfüllung, von natur Eisen frei. Versand nur in Glasflaschen. LndwIwchHiinnAbn trotz seines wesentlich biMgen -HUCl Preises anderer Quellen, rote Vnial. 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