Nr. 88 Zweites Blatt Montag L 3. April 1908 Gießener Anzeiger Erscheint tS-Nch mit Ausnahme des Sonntag». General-Anzeiger für Gberhesfen Die „Sletzener LamlNendlStter- werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Mrelsbkrti für den Kiels Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. 158. Jahrgang RotattonSdnrck und Verlag der Vrühl'schen Unlversitärs - Buch» und Steindruckerei. R. Lange, Dreßen. Redaktion, Exvcdition und Dnickerel: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: e^s)öL Redaktionre-^ 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. a. L c. Köhler. den des die des Weiterentwicklung der ländlichen Fortbildungsschulen Kreises sei es zu verdanken, das; in dem Kreise Gießen das Unternehmen der Kurse habe durchführen lassen. sich , . ..... Es handelt sich bei den Kursen nicht nur um die Uebermitte« Reform der Landgemeindeordnung. <■ Jteh und Gen. haben angesftlftS der Tatsache, daß Zweiten Kammer zurzeit vorliegende Regierungsvorlage 2*5 Reform der Lüindgeineindeordnung auf diesem Landtag Licht mehr verabschiedet tvird, einen Jniliativ-Anttag ein- *'■ die Bestimmungen für besoldete Bür- e i st er iciwtularifch zusagenden Geschälte zu gemeinsamen Sitz- 41 bereinigen, ut'ie hierfür notwendigen Aussührungs-An- Zu § 6 des Reichsveretnsgesetzes: a. Einer Anzeige ist es gleich zu achten, wenn der Leiter einer politischen Versammlung oder sein nach § 10 des Reichsvereinsgesetzes berechtigter Vertreter, mindestens eine Stunde vor Eröffnung der Versammlung, Ortund Zeit derselben an einem zu diesen Zwecken seitens der Bürgermeisterei vorher und allgemein bestimmten Orte anschlägt und hiervon der Polizeibehörde unverzügliche Meldung erstattet; b. dem gleich zu achten ist, wenn Ort und Zeit der Versammlung, vor der Eröffnung derselben, auf ortsübliche Weise (durch die Ortsschelle oder ein den amtlichen Bekanntmachungen der Bürgermeisterei dienendes Zeitungsblatt) öffentlich bekannt gemacht worden sind. Zu § 9 des Reichsvereinsgesetzes: Die Genehmigung zu einer Versammlung unter freiem Himmel und zu Aufzügen auf öffentlichen Straßen oder Plätzen kann ersetzt werden durch Anzeige oder öffentliche Bekanntmachung im Sinne der Landeszentralbehördlichen Bestimmungen zu § 6 des Reichs- vereinsgesetzes; Fastnachtsaufzüge zur Karnevalszeit bis einschließlich des Aschermittwochs, Kirineß- (Kirb-, Kirchweih-) Auszüge, Auszüge anläßlich von Ausstellungen, Jahrmärkten, öffentlichen Festlichkeiten u. dgl. m. bedürfen der Anzeige und der Genehmigung nicht; Auszüge, die durch mehrere Ortschaften führen, bedürfen der Anzeige und der Genehmigung nur in einer der von dem Auszuge zu berührenden Ortschaften. In welcher der von dem Aufzug zu berührenden Ortschaften die Rachsuchung zur Genehmigung und die vorherige Anzeige zu erfolgen hat, bleibt der freien Wahl des Leiters des Aufzugs oder seinem gesetzlichen Vertreter überlassen. II. Großherzogliche Regierung zu ersuchen, die von der ^lndeszentralbehörde zu erlassenden Bestimmungen zum Kieichsvereinsgesetz vor ihrer amtlichen Bekanntmachung noch «m 33. Landtag zur Begutachtung und Aus- iorache vorzulegen. III. Diesen Antrag, da das Reichsvereinsgcsetz schon zum 15. Mai 1908 in Wirksamkeit zu treten hat, als ^inen dringlichen zu behandeln. Langsdorf, den 12. April 1908. l""1 l111 1!"______ «' rwriiun-nii-wmii künde eröffnet. Ter Leiter des Kursus, Prof. Dr. G i s e v i u s, begrüßte zunächst Herrn Geheimerat Dr. Breidert und dankte ihm dafür, daß er mit sicherer und fester Hand in den Kursen ein Gebiet praktischer sozialer Arbeit und praktischer Wohlfahrtspflege in Behandlung genommen habe, indem er als oberste Instanz der Provinzial- und Kreisverwaltung zielbewußt die Kurze ins Leven rief, und indem er als Vorsitzender des Landw. Bezirksoereins Gießen durch diesen die Bereitstellung der erforderlichen Mittel erwirkte. Mit besonderem Danke müsse es begrüßt werden, daß Geheimerat Dr. Breidert nun auch persönlich zur Eröffnung des dritten Gießener Wanderkursus erschienen sei und damit von lung eines gewissen Stoffumfangcs aus dem Gebiete der landwirtschaftlichen Naturkunde, sondern auch um die Erfassung und Lösung pädagogischer und methodischer Aufgaben. Ohne ein Zusammenarbeiten der Kursuslcitung mit der Schulverwaltung hätte sich der jetzt schon hervortretende Erfolg der früheren Kurse keineswegs erzielen lassen. Schulrat Kleinschmidt gebührt nicht stur warmer Dank, sondern es soll auch die Bitte ausgesprochen werden, wie bisher so auch in Zukunft sein warmes Interesse der Reform der Fortbildungsschulen zuwendcn zu wollen. An dritter Stelle wendete sich Professor Gisevius den Herren zu, die als Teilnehmer des dritten Gießener WanderkursuS erschienen waren. Er wies darauf hin, daß die Veranstaltung des ersten Kursus im Jahre 1906 einen Versuch dazu bedeutet habe, für die Reform der ländl. Fortbildungsschulen einen Weg zu finden. Der zweite Gießener Kursus mußte 1907 als eine Wiederholung dieses Versuchs und als dessen Erweiterung angesehen werden.. Der heute eröffnete dritte Manderkursus aber stellt schon die Fortführung einer jetzt schon bewährten Einrichtung dar. Der Beweis dafür liegt einerseits darin, daß das Ministerium des Innern inzwischen im Oktober 1907 einen Oberkursus zur Ausbildung von Kursusleitcrn an dem Landwirtschaftlichen Institut der Landesuniversität veranstaltet habe. Im Kreise Worms werden bereits zwei Wandcrkurse nach Gießener Muster abgehalten. Andererseits liegt der Beweis für den bisherigen Erfolg der Gießener Kurse darin, daß heute in den Kursus nicht nur 11 Lehrer aus dem Kreise Gießen als Teilnehmer eintreten, sondern außerdem auch eine Zahl von außerhalb kommender Herren. Das Unterrichtsministerium in Wien bat fünf österreichische Oberlehrer für die ganze Dauer des Kursus bis Mitte August an das Landwirtschaftliche Institut der Landesuniversität entsendet, ein sechster hat sich für kurze Zeit dem Kursus angeschlossen. Außerdem nehmen an dem Kursus zwei weitere Herren teil, einer aus dem oberhessischen Nachbarkrcisc Lauterbach und einer aus dem preußischen Nachbarlande aus dem Kreise Wetzlar kommend. Damit ist schon ohne weiteres dargetan, daß wir jetzt aus dem Stadium des Versuchs heraus- und in das Stadium einer dauernden Einrichtung eingetreten sind, und daß mit anderen Worten die Reform der ländlichen Fortbildungsschule nach dem Gießener Muster sich bewährt hat. Wie das Ministerium des Innern in Darmstadt dje Vorbildung hessischer Fortbildungsfchullehrer später weiter ausgestalten wird, können wir ruhig abwarten; die Mander- kurse sollen nur den schon amtierenden Lehrern Gelegenheit geben, sich mit der neuen Lehrweise bekannt zu machen. Zu warnen ist nur davor, den Stoff, der im Gießener Kursus behandelt wird, ohne weiteres aus andere Gemeinden übertragen zu wollen. Jeder Fortbildungsschullehrer muß für die Verhältnisse seiner Gemeinde den Unterricht an seiner Fortbildungsschule besonders ausgestalten und sich danach den zu behandelnden Stoff lokal zusammenstelleu. Das ist schon aus dem Grunde nötig, weil der Unterricht streng auf Anschauung gegründet sein und auch an die Verhältnisse einer jeden Gemeinde angelehut sein müsse. Alle Kursus- • teilnehmer werden herzlich willkommen geheißen. Sboffent- lich werden alle nach dem Schlüsse des Kursus als treue Mitarbeiter an einer guten Sack)e, der zweckmäßigen Ausgestaltung der ländlichen Fortbildungsschule, jeder in seinem Wirkungskreise fortan tätig fein. Geheimerat Dr. Breidert begrüßte die erschienenen Teilnehmer des Kursus seinerseits freundlich und sprach seine Freude darüber aus, daß der Gießener Kursus jetzt tatsächlich nicht mehr einen Versuch bedeutet, sondern eine dauernde bewährte Einrichtung geworden ist. Er erhofft flir den Kreis Gießen davon eine dauernde Hebung und Förderung der ländlichen Einwohnerschaft und weist darauf hin, daß Dänemark durch die Hebung der Intelligenz der Landbevölkerung mit Hilfe einer gehobenen Volksbildung einen ganz ungeahnten Aufschwung genommen hat. Geheimerat Dr. Breidert dankt dem landw. Bezirksverein Gießen dafür, das; er aus seinem Vermögen die Mittel zur Veranstaltung des Kursus opferwillig vereitgestcllt hat; er spricht auch den Landgemeinden seinen Dank und seine Anerkennung aus, die ihren Lehrern die erforderlichen Mittel zum Besuche des Gießener Kursus bewilligt und damit den Wunsch zu erkennen gegeben haben, ihre Fortbildungsschulen neuzeitlich und fruchtdringend umgestaltet zu sehen. Er knüpft auch an den dritten Kursus in Landwirtschaftlicher Naturkunde die besten Hoffnungen an. Schulrat Kleinschmidt begrüßt die Eröffnung eines neuen Kursus mit besonderer Freude. Er hat die Neugestaltung der ihm warm am Herzen liegenden ländlichen Fortbildungsschulen mit dem lebhaftesten Interesse sich voii- zichen sehen und kann dem durchschlagenden Erjolae der neuen Lehrmethode nur die freudigste Anerkennung zollen Er begrüßt dann die auswärtigen Kursusteilnetzmer namens der Lehrerschaft des Kreises Gießen noch ganz besonders und wird gern bereit sein, ihnen außerhalb des Kursus auch die Einrichtungen des hessischen Schulwesens zugänglich zu machen Im übrigen wirkt die neue Lehrmethode nicht nur auf die Gestaltung der FortbtldungSschuU n günstig ein onoern es lagt sich schon jeyt erkennen, dag auch der natur- tundliche Unterricht in der Volksschule dadurch ganz wesentlich beeinflußt und fruchtbringender uric anregender ge- Das Reichzveremrgesetz im Grotzherzogtum Hessen. Der Abg. Köhler-Lanasdorf hat folgenden dringlichen Antrag bei der Zweiten Kammer der Stände eingebracht: Nachdem es nicht gelungen ist, gegenüber der Reichsgesetzgebung die freiheitlichen Bestimmungen des Hess. Ver- jammlungsrechtes aufrecht zu erhalten, erscheint es als seine Pflicht der Hess. Volksvertretung, von den alten hessischen Freiheiten soviel zu retten als möglich. Diese beschränkte Möglichkeit zur Rettung freiheitlicher Volksgüter aber liegt dort vor, wo die Reichsgesetzgebung es der Landes-Zentral- Vchörde überlassen hat, nähere Bestimmungen in Ausfüh- rung des Reichsgesetzes zn treffen. Dieses trifft insbe- sondere zu hinfichtlick) folgender Paragraphen des Reichsvereinsgesetzes, die den folgenden Wortlaut haben: „§ 6. Einer Anzeige bedarf es nicht für Versammlungen, die öffentlich bekannt gemacht worden sind; die Erfordernisse der Bekanntmachung bestimmt die Landes-Zen- tral-Behörde. § 9. Der Landes-Zentral-Behörde bleibt es überlassen, zu bestimmen, daß und unter welchen Voraussetzungen für Versammlungen unter freiem Himmel und 'Aufzuge die Genehmigung durch Anzeige oder öffentliche Bekanntmachung ersetzt wird.------. Der Landes-Zentral- Behörde bleibt es überlassen, zu bestimmen, daß auch onbete Aufzüge der Anzeige und Genehmigung nicht bedürfen, und daß Aufzüge, die durch mehrere Ortschaften führen, nur einer Polizeibehörde angezeigt und von ihr genehmigt zu werden brauchen." Indem ich die vorliegenden Bestimmungen der Paragraphen 6 und 9 des Reichsoereinsgesetzes, so wie dieses laut Drucksache Nr. 870 aus den Beschlüssen des Reichstags in dritter Beratung hervorgegangen ist, hier zu Grunde lege, beantrage ich: Die verehrliche Zweite Kammer wolle beschließen: L Großherzogliche Regierung zu ersuchen, den von dem Großh. Ministerium als der Landeszentralbchörde zu erlassenden Bestimmungen in Ausführung des Reichsvereinsgesetzes zu den §§ 6 und 9 folgenden Inhalt (nicht Wortlaut) zu geben: neuem sein persönliches Interesse an dem Fortschreiten eines guten Werkes bekunde. Ferner begrüßte Pros. Gisevius Herrn Schulrat Kleinschmidt als den Kreisschulinspektor Kreises Gießen. Der verständnisvollen Fürsorge für Ordnungen sind für daS vorbereitende Verfahren vom Krcisrate, im übrigen im Ortsstatut zu treffen. Auf die nach diesen Vor- sckwiften zu wählenden Bürgermeister finden die Bestimmungen der Art. 30, 33, Abs. 2, Satz 2, sowie der Art. 34 und 35 entsprechende Anwendung. Art. 3 5b. Der Bürgermeister kann nach Ablauf einer Wahlperiode wieder gewählt werden. Der zum Bürgermeister Gewählte ist zur Annahme einer auf ihn gefallenen Wahl oder Wiederwahl nicht verpflichtet. Art. 3 5c. Der Bürgermeister hat für Anftsgeschftfte außerhalb derjenigen Gemarkung, in der er seinen Sitz hat, Anspruch auf Tagegelder und Reisegelder in der vorschriftsmäßigen Höhe. Für Erledigung bestimmter mit besonderem Zeit- oder Lwstenauswand verbundenen Amtsgeschäfte innerhalb der Gemarkung kann mit Genehmigung des Kreisrats eine Vergütung in Ansatz gebracht werden. Art. 3öd. Dem Bürgermeister sind zu Lasten der Gemeindekasse Bureaukosten zu bewilligen, deren Höhe der Gemciuderat im Einvernehmen mit dem Bürgermeister auf Vorschlag des Kreisrats unter Berücksichtigung des Umfangs der in der Gemeinde vvr- kommenden und dem Bürgermeister obliegenden Geschäfte fest- zusctzen hat. Bei Meinungsverschiedenheiten entscheidet ba3 Vcr- waltungsstreitverfahrens. Aus den bewilligten Vureaukosten hat der Bürgermeister alle Bureaubedürfnisse sowie die Vergütungen für das gesamte, von ihm anzunehmende Bureaupersonal au be- irreiten. Art. 3 5e. Ist der Bürgermeister: 1) durch Blindheit, Taubheit, ein sonstiges lörperliches Leiden oder wegen Sä>wää)e feiner fürperlidjen oder geistigen Kräfte zur Erfüllung seiner Amtspflichten unfähig, 2) aus lonftigen in seiner Perfon liegenden Ursachen nicht mehr in der Lage, seine Stelle so auszufüllen, wie es im Interesse einer geordneten Vertretung und Verwaltung der Gemeindeangelcgenheiten verlangt werden muß, so kann er int Wege des Verrvaltungsstreitoersahrens auch ohne sein Nachsuchen und gegen seinen Willen, sowie ohne Rücksicht auf einen gegenteiligen Beschluß der Gemeiiwcucctretung seines Amtes enthoben tuirben. Art. 35 f. Der Bürgermeister ist jederzeit zur Niedcrlegung seines Amtes berechtigt. Ec ist jedoch alsdann aus Verlangen der Aufsichtsbehörde zur Wetterführung des Llmts auf die Dauer von drei Monaten von der Anzeige der AnilsniÄ>er- (egung an gerechnet, verpflichtet. Liegt der Fall völliger Verhinderung vor, so findet die Vorschrift des Abs. 1, Satz 2 keine Anwendung. vorstandrsitzung der Deutschen §!ottenvereins. Im Hotel de Rome zu Berlin fand gestern vormittag die mit lebhafter Spannung erwartete Borftandssitzung des Deutschen Flottenvereins statt, die sich mit der Vorbereitung der im Juni d. I. in Danzig stattfindendcn Hauptversammlung des Deutschen Flottenverrins befassen sollte und für die in Anbetracht der gegenwärtigen Krise im Deutschen Flottenvevein heftige Auseinandevfetz'.ingen über die künftige Gestaltung der Flottenvereinspolitik, sowie die künftige Zusammensetzung des Präsidiums dieser großen nationalen Körperschaft ev- wattet wurden. Die Verhandlungen, die streng vertraulich unter Ausschluß der Oefsentlichkeit geführt wurden, währten bis »um späten Abend und nahmen einen zumteil erregten Verlaus. Wie verlautet, dürste es bei der Hauptversammlung, die am 14. Juni d. I. in Danzig ftnttfinbet, gleichfalls zu erregten Auseinandersetzungen und möglickxrweise zu einer Spaltung des Vereins kommen. — Die Krisis im deutschen Flottenvevein begann bekanntlich im Herbst v. I. mit der Wahl des Generalmajors Keim zum geschäftsführenden Vorsitzenden. Der bayerische Landesverband beanstandete die Wahl des Generalmajors Ktzim, weil dieser bei den Reichstagswahlen int Januar 1907 eine lebhafte Agitation für die Bülowsche Wahlparole gegen Zentrum und Sozialdemokratie entfaltet hatte. Der bai)erische Landesverband, der auf seine katholischen Mitglieder Rücksicht zu nehmen sich verpflichtet hielt, stellte die Behauptung auf, daß der Flottenoerein sich lediglich auf die Erschließung deS Verständnisses für die deutsche Flotte zu beschränken habe und sich nicht an politischen Streitfragen beteiligen dürfe. Da der bai)mfd)ie Landesverband nun in General $eün den Träger jenes Prinzips erblickt, das vom Flottenverein fordert, daß er sich an dem politischen Kämps in nationalem Sinne zu beteiligen habe, so erhob der bayerische Landesverband gegen die Wahl Keims Einspruch. Das Berliner Präsidium sowohl, wie auch die meisten Landes- und Pvoviiiziakvevbände standen jedoch auf der Seite des Generals Keim. EL kam zu heftigen Pvrßfehden, sodaß der Präsident des Deutsck-ien Flottenvereins, Fürst zu Salm Horstmar, sich veranlaßt sah, -eine außerordentliche Generalversammlung nach Kassel einzuberufen, um dieser die Entscheidung über den Streit zu überlassen. Diese Versammlung hat aber die Krisis nur noch verschärft, weil sich inzwischen die Protektoren, zunächst Prinz Ruppvecht von Bayern, sodaiin der jetzige Regent von Braunschioetg, ferner der Grvßherzog von Oldenburg und schließlich auch der Kaiser selbst auf die Seite der Bayern gestellt hatten, und weil endlich der Kaiser den Prinzen Heinrich veranlaßte, mit der Nicderlegung des Protektorats zu drohen, falls General fltim an der Spitze bliebe. Dieses Eingreifen des Kaisers veranlaßte das Präsidium, vvr Beginn der Kasseler Tagung die Erklärung absugeben, daß cs unwiderruflich seine Aemter niederlege. Die Käsftler Versammlung nahm dann einen Verlauf, der in unzweideutigster Weise sich gegen den bayerischen Laiidesverband und diejenigen richtete, die sich auf seine Seite stellten. Mit großer Mehrheft stellte man sich damals auf den Standpunkt, daß das Präsidium in jeder Weise korrekt gehandelt habe und cs wurde demzufolge auch ein Vertrauensvotum ausgesprochen. Die Bayern, die durch den Mund dcs Staatsanwalts Troeltsch vorher hatten erklären lassen, daß sie bei Erteilung eines solchen Vcrttauens- Votums aus dem deutschen Flottenverein anSscheiden müßten, und die in dem Augenblick, als aas Vertraueilsvotum siel, den Saal verließen, haben nackftväglich ihre Austrfttserklärnna wieder zurück- geuommeu. Die Frage, ob sie auSgcschicden sind oder dem Verein noch angeboren, führte deshalb in dec heutigen Vorstandssitzung an erster Stelle zu scl>r lebhaften Auseinandersetzungen. — Dann stritt inan sich darüber, weshalb die Vorstaudöfitzuiig überhaupt einberufen worden war, da sie mit dem Sinn und Wortlaut des Statuts nicht in Einklang zu bringen fei. Denn nachdem in Kassel die große Mehrheit sieh für das alte Präsidium entschieden hatte, wäre, so wurde von Vertretern der Majorität ausgesührt, der einfachste Weg zur Beseftigung dec Krisis doch der geivcsen, das alte Präsidium wiedcrzuwählen. Hierzu sei aber ousscl>ließ- lich die Danziger Hauptversammlung befugt und nicht die Vvr- standssitzung. -- ES würbe bann nachstehende Reso lution wider,pruchsloS angenommen: Gemäß 8 2 seiner Satzungen ist der Deutsche Flottenverein ein Verein, der zwecks Scyassting einer starken Flotte vaterländische Aufgaben zu verfolgen hat und über den Parteien und Konsesswnen sicht. 'Jiadjbem die drei anwesenden Mitglieder des al Um Präsidiums die Erklärung abgegeben hoben, daß sie unter den jetzigen Verhältnissen eine Wiederwahl nicht annehmen tonnten, wurde ein Antrag der tl/i- ringiidjen Landesverbände auf Wiederwahl des alten Präsidiums abgelehnt und eine jlünuniifion zur Vorbereitung der Wahl eines neuen Präsidiums gewählt. Der dritte Siebener Hurfus in landwirtschaftlicher Hoturtunde für ländliche Sortbiidungsictfulen. Am 8. April wurde in üem HaiioiuiUiujaittidjeii Institut der Laudesuniversität der d r i t t e W a n d o r t u r s u s zur Ausbildung von Fortbildungsschulleh- rern des Kreijeä Gießen in landwirtjchaftl. Natur- Kranken Sinnt.: Tie nt Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie Diel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach (Ließen gebrachte Kranke kommen. Kops. Nachdem er bereits verblutet roar, trug ich die Leiche in das' Zimmer und setzte sich aus den Lehnstuhl. Dann entfernte ich mich. Ich hatte bereits den Mord vergessen, doch später erinnerte ich mich an meine Tat und kehrte nach Hause zurück." Die Frau wurde verhaftet. Möchentl. Uebersicht VerCodesMe i. ».Statt Sieben. 14. Woche. Vom 29. März bis 4. April 1908. Einwohnerzahl: angenommen zu 30 400 (inkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 23,94%, nach Abzug von 7 Ortsfremden: 11,97 °/oo. Linder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. P ebensjahr: 2.-15. Jahr Tuberkulose 4(1) 3(1) — 1 Lähmung KD Kl) — — Gallenstein 2(2) 2(2) —— — Leberjchwellung 1 1 — — Krebs 1(D 1(D — — Altttelohr- Entzündung 1 M— — 1 Blinddarmentzündung 1 (1) — — 1(1) Wnndgeschwüren 1 — 1 LebenSschiväche 2(1) — 2(1) — Summa: 14 (7) 8(5) 3(1) 3(1) Wetter ff» April 1908 Meteorologische Beobachtungen der Station Gieße». IS. 2« 744,8 10,5 5,7 61 ENE 4 Bew. Himmel 12. 91( 746,6 4,1 5.6 92 NNE 6 Regeir 13. 74b,8 3,0 4,9 87 NNE 2 Beiv. Himmel I Höchste -tempei atur a n 12. bis 13. Am il 4-10,6 ' C. des I" Niedrigste , 12. , 13. „ — + 3,2 v C. Vater Börsen-Wochenbericht. — Frankfurt a. M., 10. April. Die Börsenges ehüovel 1 e ist vom Reichstag nun angenommen worden. Ist sic aus der Kommission auch in veränderter Erstatt hcrvorgegangeu, so sind die Vorteile, die sie wenigstens der Efsettenbörfe bringt, doch nicht zu unterschätzen. Sie hebt das Borieuregistcr und das Verbot des Termmhandels in Bergwerks- und Industriepapieren auf und gibt dem Ge|ä-äst dadurch, daß die geleisteten Sicherheiten bei Beobachtung der sonstigen Vorschriften des Gesetzes nicht z-urückgesordcrt werden können, luicber eine sicher: (Grundlage. Mit der Zeit dickfle dies wohl zu einer ^Erstarkung der deutichen Markte füljren, allerdings er)t dann, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse geklarter sind und das Vertrauen zu einer gesunden Weilerentwictclung derselben wieder mehr in die tzalme schießt. Dazu ist aber auch eine Besserung der Verhältnisse am deutschen Geld marlt erforderlich, die mög- licherweisc noch längere Zeit auf sich warten laßt. Wir sehen, toic der Zinsfuß trotz der Bemül-ungeu der haute banque im Interesse der jetzt tm Gang befindlichen Suvseription auf die 4o/oige Reictssarckeihe und Preußischen Konsols ben Geldmarkt in einem möglichst günstigen Lichte ericheiueu zu lassen, nur unwesentlich herabgedrüclt werden kann und welche vorsichtige Disioiltopotitik die Reichsbank üben muß: sie befindet sich noch heute beträchtlich in der Notensteuer und tonnte ihre Rate auch diese Woche noch <ßerid?tsiaaL — Prozeß Hirsche!. Herr Oekonomierat Schiente schreibt uns: In Sir. 81 unter LEI Ihres Berichtes über den Prozeß des Landtagsabgeordnelen Hirsche! jagen Sie: Die Direktoren waren verpflichtet, alle Eingänge an die landrv. Genossenjchails- bank in Darmstadt abzuführen. „In einzelnen Fällen wurde leider auch von ihm (dem Zeugen Schienke) dagegen verstoßen". Ihr Bericht vergißt hinzuzmügen, daß dies im Einverständnis mit der Genossenschaftsbank geschah, die nur in der sich daraus entwickelnden Korrespondenz zugab, daß dies in einzelnen Füllen »licht anoers geht, und mich anwles, der Genossenjchaslsbank in Tarnisladt solche uei- einnaymten Gelder durch die Tresdener Lank m Franliurt a. Ai. zu überinachen. — Ter Unterschied in der Vereinnahmung der Geldbeträge zwischen Hirschel und mir bestand darin, dag ich solche Beträge soiort buchte und in die Kasse der Hauptgenosjenschafl legte. Waren solche Beträge der Genossenschaftsbank in Darmstadt bereus überwiesen, so wurde diese sofort von dem Eingang der Gelder benachrichtigt und gebeten, uns mit dem Betrage wieder zil belasten. Hirschel vereinnahmte häuftg solche Gelder von unseren Schuldnern und durch die Post, behielt sie häufig Monate oder länger als ein Jahr für sich, ohne em Wort davon zu sägen, und leugnete sogar in einer Reihe von Fällen, das Geld vereiiinahml zu haben. Vermischtes. * Der Kronpriitz an uet Drechslerbank. Als der Kronprinz am Dienstag eines leichten Unwohlseins lvegen oas Zimmer hütete, beschloß er, wieoer einmal zum Zettverrreck) an der Dreybanr zu arbeiten, da er ja vor zehn Jayren bei einem Potsdamer Meister die Drechslerei praktisch erlernt hat. Er ließ sich von dem Hosujcyler 'prächret eine Drehbank in das Palais bringen und machte sich daran, Stuhlbeute zu drehen. Da sich der gewünschte eleitrtsche Anschluß der tleinen Maschine ans technischen Gründen nicht bewerkstelligen ließ, trat der Kronprinz selbst das Pedal, um die Bank in Schwung zu erhalten. Von der ungewohnten Tätigkeit erhitzt, zog er Rock und Weste aus und arbeitete wie ein richtiger Drechsler in Hemdarmeln und im Schweiße seines Angesichts. Auch der diensttuende Adjutant wurde zu der anregenden Tätigtet! herangerusen und mußte der Aufforderung des Kronprinzen, „sich es gleichfalls recht bequem zu machen", Folge leisten. Der Geselle, der die Drehbant überbracht hatte und hilfreiche Hand leistete, war von der Beutseligkeit des Kronprinzen hocherfreut und verließ reichbeschentt das Palais. * Ein Hnsarenofsizier von einer Frau ermordet. Zn Großwaroein in Ungarn ist der ehemalige Husarenleutnant Edmund Foltodh von seiner Wirtin aus bestialische Weise ermordet worden. Als einer der Sohne der Witwe SzilLghi, bei der der pensionierte Offizier lebte, die Tür zum Zimmer Foltodys öffnete, bot sich ihm ein furchtbarer Anvtick; in einem Lehnstuhl saß er mit zerschmettertem Schädel und blutüberströmtem Gesicht. Der Polizeiarzt konstatierte, daß der Mord schon vor mehreren Stunden nicht in dem Zimmer, sondern in der Küche verübt worden sein mußte. Als man die Küche genauer durchsuchte, sand man in einer Ecke, in Fetzen gehüllt, ein scharfes Beil. Es war die Mordwaffe. Der Verdacht lenkte sich in erster Reihe aus die Witwe Szilägyi. Diese erschien abends unerwartet in der Wohnung. Die Kommission befand sich noch aus dem Schauplatze des Mordes. Die Witwe ging aus die Leiche zu und rief, mit dem Finger auf den Toten zeigend, wie verwundert aus: „Schau, schau! Diesen Mann hab' ich ja ermordet!" Die Anwesenden starrten die Frau an, die jedoch ruhig die Details ihrer entsetzlichen Tat erzählte. „Morgens — sagte die Frau — als ich die Wohnung auf räumte, las er in der Küche die Zeitung. Wir pflegten sonst häufig zu streiten, heute aber waren mir friedlich beisammen. Plötzlich fiel mein Blick auf das blanke Beil in einer Ecke der Küche. Ich hob es - instinktiv auf und versetzte dem Manne von hinten drei Hiebe auf den Paltet werde. Dem dritten Gießener Kursus ist ein fröhlicher und guter Verlauf von Herzen zu wünschen. Der Kursusleiter, Professor Gisevius, begrüßte am Schluß noch den inzwischen erschienenen Herrn Oekonomie- rat Weitzel, der als Vorsteher der landw. Winterschule Lich durch sein Erscheinen seiner Teilnahme an dem Unternehmen Ausdruck verliehen hatte. Nach kurzer Pause begannen dann die Vorträge, welche an dreißig Nachmittagen im Sommer 1908 fortgesetzt werden sollen. Für die aus Oesterreich erschienenen Teilnehmer werden in dem Landwirtschaftlichen Institut noch besondere Hebungen eingerichtet, um sie möglichst umfangreich mit der Landwirtschaftlichen Naturkunde oeriraut zu machen. nicht ermäßigen. Unter diesen Umständen dürste e5 auch längere Zeit dauern, bis'die neuen Anleihen definitiv untergebracht sind. Die Beteiligung des Auslandes dürfte infolge der abfälligen Kritik der ausländischen Presse nicht sehr bedeutend sein und in Deutschland ist das Anlagebedürfnis gegenwärtig nicht so groß, daß die neuen Anleihen alle sofort auigenommcn werden tonnen. So wenig sich gegen die Qualität der deutschen Staatsanleihen auch einwenden laßt, Tatsache bleibt doch, daß die Schuldenvermehrung zu rasch vor sich geht und der Kapitatbitdnng vorauseilt. Dadurch, sowie durch die allzugroßc Expansion unserer Industrie wird der Zinsfuß in Deutschland hochgehalten und daraus »viederum erklärt sich das niedrige Kursniveau der deutschen Staatsfonds trotz ihrer vorzüglichen Fundierung. Das Geschäft war in den ersten Tagen der Berichtsperiode recht still, erst als der Reichstag die Börsennovelle angenommen hatte, lebte es etwas auf. Die berufsmäßige Spekulation, die darauf rechnet, daß das Publikum nach und nach der Börse wieder mehr Angeführt werden kann, fdjritt zu Declungs- und Meinungskäufen und dadurch zogen die Kurse von Bank-, namentlich aber von Aiontan- und anderen Industriepapieren an; es fcheiut sogar, daß die Bewegung unter Berüafichtigung der wirtscyaiilichen Verhacknisse und der Lage des Geldmarktes etwas übereilt war, denn es folgte schnell wieder eine Abkühlung. Wahreitd hcimhche Bankaktien nur 1 bis 2 °/o anzogen, erzielten Montanpapiere fast durchweg Avancen von 4—5 °/o, andere Iedustriepapiere stiegen noch mehr, so Höchster Farbwerke 15 °/o, weil verlautete, der Concern der Gesellschaft beaosichtige die Aufnah .e einer weiteren Gesell- fcyast in feine Intcreisengemeinscoa,t, mit wohl auch eine Kapi- tmserhöhnng verbunden sein dürfte. .esheimer, Blei- und Sil- ber^utte Brambach, Kunitfeioe und K»iuverke Dvrnaß gewannen ca. 10 °,o, Lothringer und Karlstadter Zement je U %, Adterwerie 7°/o und Dur.opp i-jt-aromie 2üv/o. Lateren beiden Werken kam zu statren, daß die kose Vereinigung der Fahrradfabrikanten zu einem festen Syndikat uiiigeiuanoeit wurde. Schiffahrtsak - tien lagen infolge der unbefriedigenden Ertmrungen in der (GeneraLeer,antnmuig des ^co rode ul, Mn Lwhd sehr sapvach. Bahnen wenig verändert, Lomoarden aus den wenig befriedigenden Jahresabschluß flau, Westsizirianer 2 °/o bejec. Fonds im ganzen behauptet, Deutfa-e neigten mehr zur schwäche. Privat- d isumto 315/ie %. Airchc unö Schuie. — Zn dem jüngsten Schüler selb stm o rd in Berlin äußert sich der Direktor der dortigen ersten Realschule, Dr. Pohle, in dem soeben erschienenen 23. Jahresbericht wie folgt: „Infolge eines höchst traurigen Vorkommnisses in einer hiesigen Schule haben sich vielfach Beunruhigung und Besorgnis der Eltern bemächtigt. Umsomehr erwächst für alle Beteiligten die Pflicht, den Dingen ohne Nervosität mit ruhiger Besonnenheit ins Auge zu schauen. Da steht doch zunächst fest, daß es sich um ganz vereinzelte Mtßgriffe handelt, die keineswegs in den allgemeinen Verhältnissen der Schule begründet sind. Körperliche Strafen sind gewiß kein geeignetes Erziehungsmittel und müssen schon deshalb — vielleicht bis auf wenige Fälle, wo große Roheit ober grobe Widersetzlichkeit vorliegen — gau^ vermieden werben. Aber sie können doch auch ein gesund empfinbendes Kind, das etiva wegen Uebermuts einmal einen leichten Klaps erhält, nicht eigentlich aufbringen und beleidigen, am wenigsten aber solche Jungen, die es für ihr gutes Recht ansehen, ihren Lehrer geflissentlich zu reizen und zu hmtergehen. Hier müssen wir alle, Schule und Elternhaus, einsetzen, um unberechtigte Empfindlichkeit zu unterdrücken und echtes EhrgefühlundgegenseltigesVertrauenzuer- w e ck e u und zu fördern." Bad-Nauhcimer Brief. IV. Der heutige Brief kann wieder mehreres vom Bil- dungsveretn berichten. Bei der ersten der beiden Ver- anftaltungen, der Eichendorffgedenkseier, am 22. März, mehrten sich ungünstige Umstände. Lehrer Wehr- heim, der die Anordnung in die Hand genommen hatte, mußte einen bewundernswerten Eifer ausbieten, um trotz allem dem Abend die würdige Wirkung zu retten. Mehrere Trauerfälle machten eine Reihe von Gesangsdarbietungen unmöglich, und gerade für die Hauptsängerin, Frl. Deutsch i n g c r aus Frankfurt a. M., bereu Vater plötzlich starb, mußte noch am Vormittag ein Ersatz geschaffen werben. Er wurde in Frl. Mitau, ebenfalls aus Frankfurt a. M., gefunden, und sie entledigte sich ihrer so kurzerhand übernommenen Ausgabe in der vorzüglichsten Weise. Da den Anlaß der Gebenkfeier der halbhunoertjährige Todestag des Dichters bildete, der freilich eigentlich schon vor Weihnachten lag, so stand an der Spitze des Programms bas Andante funebre von Svendsen, ein mit künstlerischer Exaktheit von den Damen Frl. Wehrheim (Klavier), Frl. Hartmann (Violoneello) und Herrn Marguth (Violine) vorgetragenes Trio. Entsprechende Vortrage aus des Dichters Werken (Aus meines Kindes Tod u. a.) schlossen sich an. Fräulein Kredel und Dr. Stockhausen hatten diesen deklamatorischen Einschlag des Programms übernommen. In dem Bilde des Dichters, das ich selbst in kurzen Umrissen einfügte, kam es mir besonders auf feine sonnige Jugendzeit in Schlesien an, die ihm das feine ,reiche Naturgefühl mit ins Leven gab, dann auf die preußische Beamtenzeit, wo der Romantiker eine schöne Aufgabe in der Restaurierung der Marienburg fand, und endlich auf sein Leiden in ben Stürmen der Revolution. Bezeichnend ist ein Vergleich mit Goethe. Der läßt seinen Wilhelm Meister nach langen Lehr- und Wanderjahren bas Ziel seines Lebens in ernster politischer und sozialer Wirkjamkeit finden. In Eichendorffs Romanen gehen die besten Helden ins Kloster. Das Trio in D moll von Mendelssohn-Bartholdy boi beni Publikum eine Abwechslung im Rahmen des Ganzen Am 31. März gab noch einmal bas Wandertheater des Rhein-Ma iiii sch en Volksbildungs- verbau des eine Vorstellung, die bei der vorgerückten Jahreszeit unferin Verein leider ein beträchtliches Defizit brachte. Und doch war gerade diese Vorstellung, Grillparzers „Medea", vielleicht die bedeutendste und abgerundetste von allen, die wir hatten. Ader freilich, zu ihrem Verständnis gehört auch eine Vorbildung und ein ernsterer Sinn, und beides kann leider weder die gute Erklärung auf dem Programm, noch selbst eine höhere Schulbildung allen geben. Es gibt noch gar zu viele von denen, die nichts davoii wissen, daß Kunst und Theater zu höheren Zwecken da sind, als nur zu vorübergehender angenehmer Unterhaltung. Die Rolle der Medea fand in Fräulein Marner eine Trägerin, die ihr auch in ben gewaltigsten Momenten voll gewachsen war. In befriebigenber Weile gliederten sich die andern Personen an sie an. Die lebendigen Ideen der Dichtung haben an Wert und Wichtigkeit noch nichts eingebüßt. Und welche Vertiefung hat der Stoff unter der Hand des neueren Dichters erfahren, wenn wir an die Medea des Euripides zurückdenken! Es ist derselbe iahrtausendweite Schritt, wie von der Iphigenie des Euripides zu der Iphigenie Goethes. Vor Ostern haben wir nun auch die wöchentlichen literarischen Abende beschlossen. Aeußere Umstände haben sie des öfteren unterbrochen, und so konnten wir nur noch die Piceolominiin allen Einzelheiten genießen, während wir uns für die eigentliche Wallenstein-Tragödie mit einem allgemeinen Uederblick über Charaktere, Schicksale und Ideen begnügen mußten. Wieviel hätte gerade unsere Zeit von Schiller noch zu lernen! Von diesem kernigen, ethischen, aus härtester Lebenserfahrung und gründlichster Menschenkenntnis hervorgewachsenen Idealismus! Hat der Winter Raum zu geistiger Betätigung geboten, so locken die wärmeren Sonnenstrahlen des Frühlings nun um so stärker auch den Körper wieder zur genußreichen Bewegung tm Freien. So schon auch Rodeln und Schlittschuhlaufen waren, nun freut sich doch auch jedes wieder über die behaglichere Wärme und die ueuknospende Natur. Auch in der Schule war es den Kindern mehr und mehr anzumerten, und das außerordentlich lange Wintersemester [teilte ihre Geduld zuletzt auf eine harte Probe. Doppelt dankbar wurden die M o n a t s s p a z t e r g ä n g e als kleine Abschlagszahlung auf die heißersehnte Ferienfreihett aufge- uornmen. Dte oberen Klassen der höheren Bürgerschule ve- des 91.601 Elektnz. Lahmeyer 81,85 Gelsenkirchen Bergwerk . 193.00 82.93 V nnce-llemi-Eisen bahn . 120.00 150.25 . . 149.60 . 214.20 . 112,05 Elektnz. bchuckert . . Escbweiler Bergwerk . Ungar. Goldrente . Italien. Bente . . Portugiesen Serie I 4)-H 4% 3% 61.30 139.25 198.10 212.50 . 139.20 . 176.60 . 139 70 . 199.00 2375 145.40 120.50 . 107.20 . 209.00 91.50 82.u0 90 70 91.50 98 65 99.40 93.75 103 75 61.00 61.60 94.75 87.60 95.40 149.40 49.2o 85.75 66.40 95.25 hurpener Bergwerk Laurahütte . . Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . l'iirkenlose . . . Berliner rianaelsges. Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Deutsch-Asiat Bank Diskonto-Kommanuit. Dresdner Baak . . Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . . Gotthard bahn . . , Lo nwu.ru. Eisenbahn Uesterr. Staatsuunn . Harnuurg - Amenk. Paket! Barpener Bergwerk. Laurahütte...... ISordd. Lloyd . . . . U beischles. Eisen-Industrie sagen liebste Canada E. B. . . . . Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . . . Tendenz: schwach. Wk 6% Wk 3% Aktien: Bochum Guss .... Buderus KW. . . . lenden;: schwäeher. 111.60 198.10 212.90 97.6t 99.5C 163.00 126.4c 233.70 liörse, 13. April, 1.15 Uhr. Telefonische Kursiienc.itd Giessenei Anzeigers, mitgeteilt von der Bank lür Hande) und Industrie, Giessen. Berliner Börse, 13. April. Aufangskurse. Frankfurter Reichsanleihe . . do. . . Konsols .... do. .... Hessen..... 3>£o/o 0bemessen . . . 4>o Uesterr. Goldrente. 4‘/5zo Uesterr. süberrente 3% Portugiesen „ III 4^°/6 russ.Staatsanl. 190a 4>$% japau. Staatsanleihe 4% Uonv.Türken von 1W3 Türkenlose...... 1% Griech. Alonopol-Anl. . 4% äussere Argentinier . o°/0 Mexikaner, t . . . 4 >4u/o Chinesen . . . . K l e i n e K u nst ch r o n i k. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler zu Frankfurt a. M. veranstaltet int Kunst- gewerbe-Museum zu Düsseldorf eine Ausstellung von jüdischen Bauten und K u l t u s g e g e n st ä nd e n vom 3. Mai bis 15. Juni. — Wie aus Berlin heute gemeldet wird, Hal der Kaiser feme Genehmigung zur Auistellung des Äirchow^ Denkmals von Fritz Klinisch aus dem Karlsplatze in ÄerU" v e r w e i a e r t. — In S u r e s n e s (Frankreich- wurde am 12. o. M. eine Büste Zolas enthüllt. . . _ einer solchen Gelegenheit auch einmal die frühere, jetzt beiseite gedrängte Lebensquelle Nauheims, die Saline. Da sahen wir das Salz in allen Stadien seiner Zubereitung. In großen „Pfannen" kochte in den Siedc> Häusern das Wasser, um das wichtige Kristall auszuscheiden. Mit langen hölzernen Schaufeln und Rechen wurde zu großen Haufen am Rande derjenigen Pfanne, die sich im vorgeschrittensten Stadium befand, zusammengescharrt und in spitze, für das Ablaufen des Wassers eingerichtete Korbe verpackt. In Säcken zu je 100 Pfund stand es fertig zum Verkauf. 8 Mark etwa nimmt die Saline für jeden ein, muß aber 6 Mark an Steuern abgeben, und wenn man von den Übrigen 2 Mark die Betriebskosten abrechnet, so begreift man wohl, warum der Kurbetrieb für Nauheim jetzt doch eine sehr viel größere Rolle spielt, als die Salzgewtiumng. Von den Siedeyäusern ging es zu den Gradierwerken, den hohen, aus aufgeschichtetem Reisig gebildeten Wänden, auf die das Salzwaster in Mhren hmausgepumpt wird. Turch das Reisig hinuntersickernd, verdunsiet es und der Rest, der sich in den Bassins am Fuße sammelt, weist dann einen um so größeren Salzgehalt auf. Nur wenn dieser einen bestimmten Prozentsatz erreicht, verlohnt es sich der Mühe, das Wasser in die Siedehäuser zu leiten. Je nach dem Wetter wird es daher ein oder mehrere Male auf die Gradierwerke himrus- gepumpt. Hübsch ist der Blick von der Höhe der Gradierwerkc aus, die sich wie eine Scheidewand zwischen die freundlich- feindlichen Nachbarstädte Nauheim und Friedberg schieben. Einen ähnlichen interessanten Gang machten Klassen der Volksschule nach den Wäscherei- und Maschinenanlagen auf dem Goldstein. Schluß folgt Hervorragend bewährte Nahrung. Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei u. leiden nicht an Verdauungsstörung. ■Kinder- mehl kost. laniijli 1 »gen Bitt« 8iro, h - SHtgäi '■tieio. r-n UK cate auh iQr Outi 410,6'0. + M*H ,ür ,111 ,1M ,!x' e,t an, n>it;, härtst* 15 Uhr. -er . W :rt. . .W werk . ergweri. W k. PakeUlü erk. . ,1'«;! . . . .M .... M hludubii üi egei . .'&> lauk . indiL . «s •inbtt ,. 6om Ahl. 2? HÄ , . . .111 Ohio- bahn . . - M , , > l‘: senbahn .1^ igekooe. ferk. - ■■■" ß.’ • -; >nd bswärtt rung. er gedeih -lieh daW i nichtji jungsW lud) ö«r: C ^auheiPf;/: e in dr» " II auPI^ MckE himE ■i iiitb >» I”. -ML 9eb^ in ^5; so begfl . |j#*J icidii^’V rken,-V -D, )d,v: i M j* ««ji* geb. Demuth als Enkel Die trauernden Hinterbliebenen 2450 Konfitüren 2821 Fast alkoholfrei! Höchster Nährwert! Nudeln Fessbodtn-Ätirtrich-farttti Purkettwachs ®el- u. Wasserfarben ■ose ausgewogen und in Dosen Stahlspühne, Pinsel geladen. Der Borstand der freien Schreinervcrcini nug tötcbcti. 23 Empfehle mein reines, klares Matur-^is s lüm Jak. Hrlfnidtm. Kobel- und Ausstattungs-Geschäft Heimann Dominicas Giessen, Kaplanegasse 18 Hoil Telephon 283. Friedhofs aus statt. 2460 Bei mir gekaufte Gardinen werden durch meine Dekorateure gratis aufgemacht. a”/. Vitragen, Rouleaux, Kanten in grosser Auswahl zu ■ehr billigen Preise^ H. Haas III. 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Es werden alle Mitglieder des Süd-Wesi-VereinS, sowie alle Anlieger des Snd-West-Biertels, welche Interesse an der Beibehaltung der alten Verkehrslinie: Bahnhofstraße—Marktplatz haben, zu dieser Besprechung ein- gestern nachmittag 12^ Uhr im 84. Lebensjahre sanft verschieden ist. In tiefer Trauer: Louise Frech, Louis Frech. Carl Frech Gustel Frech Minni Frech Hanni Frech Die Beerdigung findet Dienstag, den 14. d Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle des alten Condolenzbesuche dankend verbeten. guntz^ NurOriginal-PacRung der Fe. A.ZÜNTZ sel.M/w®. Erstklassige, bestanerkannte Produkla^ .Feinsre„Mischungen. Empfehle Blankenhainer Malzkraftbier Gesetzlich geschützt, ärztlich empfohlen! 7 goldene Medaillen! Von Sr. Kaiser!. nnd Kgl. Hoheit dem deutschen Kronprinzen bezogen. Vorzügliches Hilfs- und Stärkungsmittel für Kranke und Reconvalescenten. 1720 Goiihiif Röhrle Bier-Grosshandlung — Giessen. Telephon 344. 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