Nr. 269 Viertes Blatt 158. Jkhrgang Samstag, 14 November 1908 Erscheint tnti HutnaBim Sermfegl Dt» .Gietzener Jamlltenblötler4’ werden dem »Anzeiger* otermai betgelcgt baC „KrfUblah für Öen Kret« Lietzen" zweimal wöchenUuch Der ..t)> 'ische Eisenbahnverwaltung steigert ihre Bautätigkeit in hohem Umfange weiter. Die Betriebsverwaltungen der Einzelstaaten spielen ja eine bedeutende Rolle auf dem Arbeitsmarkt, und eS ist deshalb gewiß erfreulich, daß sich in Preußen die Mittel, die für Bauten zur Verfügung stehen, vom Jahre 1908 bis 1908 von 176,8 auf 833 Millionen gesteigert haben. sHört, hört!) Die vreußische Bmiverwaltung bat für 1908 54 Millionen zur Verfügung, 16 Millionen mehr als im Vorjahre. Auch dieser Betrag wird nutzbar gemacht zur Beschäftigung von Arbeitslosen. Alle diese Anordnungen in der Reichs- und preußischen Verwaltung sind getroffen worden, bevor diese Interpellationen gestellt waren. Es ist nicht richtig, daß die staatlichen Verwaltungen erst auf die Arbeitslosigkeit aufmerksam gemacht werden mußten. Die Frage der Richtbeschästigung misländischer Arbeiter ist wiederholt Gegenstand der Erörterung gewesen. Sie werden sich entsinnen, daß vor einigen Jahren, als der Teltower Kanal gebaut wurde, die Bau- Verwaltung daraus hinwies, datz vor allem inländische Arbeitslose herangezogen werden sollten. Aber ich muß feststellen, datz bei »liefen zum Teil recht unangenehmen Arbeiten die inländischen Arbeitslosen nicht aushielten. Sie waren Wohl nicht m ber Lage, die Strapazen zu ertragen, unb verließen die Arbeit schon nach ganz kurzer Zeit. (Hört, hört!) Die Bauverwaltung war genötigt, ausländische Arbeiter mit heranzuziehen, wenn die Arbeit nicht tnS Stocken geraten sollte. Gleichwohl ist von der preuhischen Bauverwaltung die Anordnung getroffen worden, daß auch sonst Kolonnen inländischer Arbeiter geschaffen werden, um in Zeiten der Arbeitslosigkeit für sie zu sorgen. Es gibt leider lein Spezial- mittel, um gewerbliche Stockungen und die mit ihnen in ber Folge verbundene Arbeitslosigkeit zu beseitigen unb ihre schlimmen Wirkungen ganz zu heilen. Eö gehört zu einer richtigen Politik, daß wir in erster Linie bie Inbustrie unb bamit auch bie Arbeiterschaft leistungsfähig erhalten. Unsere Wirtschaftspolitik ist bei der Bchanblung des Außenmarktes durch den Abschluß von Handelsverträgen darauf gerichtet, und unsere JnlandSpolitik hat mit Erfolg daran gearbeitet, den inneren Markt zu heben. Wenn wir an diesen Grundlagen unseres Wirtschaftslebens festhalten, dann wird eS uns hoffentlich gelingen, die Wirkungen solcher Krisen abzuschwächen. (Beifall.) Auf Antrag Singer (Soz.) wird die Besprechung der Interpellationen beschlossen Dbg. Dr. Strefemann (Natl): Eine eigentliche allgemeine WirlschastSkrisiS besteht nicht. B'i der Snnbroirtfd-.aft kann z. B. von einem Ucbcrangebot von Arbeitskräften überhaupt nicht gesprochen werden. Jm Gewerbe- bctr-'- ist eS allcrd ngs anders, besonders in der Textilindustrie. In der Lausitz wird nur noch an vier Tagen in der Woche gearbeitet. Eß ist ganz unrichtig, wenn behauptet wird daß unsere Wirtschaftspolitik an der jetzigen Konjunktur schuld ist Die erste Ursache kam vielmehr von Amerika. Und gegenwärt-g drückt auf unsere Textilindustrie das Ucbcrangebot von Entstand, daß seine Spindeln um viele Millionen vermehrt hat. Man darf auch nicht vergessen, wie viel neue Gebiete im Auskande mit uns in Wettbewerb getreten sind, ich erinnere nur an Japan, das uns den amerikanischen Markt streitig macht. Trotzdem ist bei uns die Arbeitslosigkeit geringer als in anderen Ländern, weil unsere Arbeitgeber die Kala, mität dadurch mildern, daß sie möglichst wenig zu Entlassungen schreiten, sondern sich vielmehr durch Verkürzung der Arbeitszeit zu helfen suchen. Nun wird von sozialdemokratischer Seite immer gc'ont wir müßten in erster Linie unsere Arbeiter fonfumfähiger ma.ben. Dabe- vergißt man aber, daß unsere Landwirtschaft nickt b!aß produziert sondern auch Güter verbraucht. Unser Inlandsmarkt ist der Anker, der uns vor den Stürmen deS Weltmarkts bewahrt. Herr Molkenbuhr hat auch von >cn Kasten unserer starken Rüstung gesprochen. Er übersieht dabei., daß dicke starke Rüstuna unS den Frieden gesichert hat. und daß sie dadurch mittelbar uns auch Scbutz gegen die Arbe'tslosig- fef bringt. ISehr riebt;g! bei den Nat! und rechts. Lachen bei den Soz.) Unser figerr und unsere Flotte haben uns Jahrzehnte friedlicher volkswirtschaftlicher Entwicklung verschafft und stellen I.'nrweif'-chaft eine indirekte Arbeitslosenversicherung dar. (Lachen bei den Soz.) Sonst hätten wir ga^z andere Krisen gehabt. (Sehr wahr! bei den Nat! unfr r -ckstSst Der Svatt und Hohn über unsere 'oziake Für'orgc ist nicht berechtigt. Wir haben große gründ- legende Gesetze geschaffen, die andere Nat-onen heute noch nicht 'n Angriff genommen haben und wünschen alle, das Gebäude durch die PensianSv'rsicherung der Privatbeamten, die Witwen, unb Waisenversichcimg und die Vereinheitlichung der Arbcster- verficheruna zu frönen. Die Löfung dieser Fragen wird unsere ganze Kraft und d'e finanzielle Kraft des Reiches lange Zeit in Anspruch nehmen. Für die Arbeitslosenversicherung aber haben mir noch keine Grundlage. Der v rstarbene Liebknecht hat sie 1892 ein Traumland genannt unb die Sozialdemokrat e gewarnt, solchen Utopien nachzujagen. lHört! Hört!) Wir können daher jetzt nur den Bundesstaaten unb Gemeinden raten bem Varb'kbe foiiofcr Fürwrae zu folgen, dos bas Reich gegeben bat. bann werben bie Verhältnisse ihre Korrektur in sich selbst tragen unb wir halb wieder zu normalen Zu ständen gelangen. (Lebhafter Beifall bei den Natl.) Dbg. Earstens iFr Vp): Eine Garantie für absolute Stetigkeit der Arbeitsgelegenheiten werben wir nie haben Daß wir gegenwärtig in einem Stabium umfangr-icberer Arbeitslosigkeit sinb, ist ja fr-ilich richtig. Und da war ich etwas überrascht von b>m Staatssekretär zu hären, daß in der Forstverwaltung noch Arbeiter fehlen. Es fragt sich nur, welche Löhne d'ese Verwaltung zahlt. (Rufe links: Sehr richtig!) Daß eine Arbeitslofen-Stat'stik schwierig ist, gebe ich dem Staats, sekretär zu, aber diese Statistik sollte sich doch etwas schneller be- werfstelligcn lassen Qhne sie können wir jedenfalls nicht an eine Arbeitsso'env'-rsickerung berantreten. Herr Molkenbuhr hat den Unternehmern vorgewarfen, trotz der Kr-se die Löhne ßu erniedri- gen. Nun, ich bin selbst Unternehmer und habe noch nie die Löhne ermäßigt. Und ich behaupte, daß seit zehn Jahren die Unternehmer noch viel sozialer geworden sind als früher, aber wenn bei b»r Krise der Unternehmer selber niedri. gere Preise erhält, er sehr wohl dazu kommen kann, auch die Lohne herabzusk-tzen. Das steht für m'ch jedpnialls fest, daß unsere Wirtschaftspolitik, wenn sie auch die Krise nicht allein verschuldet, sie doch jedenfalls erheblich verschärft hat. Abg. Henning (Kons.): Auch wir sprechen den Verunglückten auf der Zeche Radbod unser tiefstes Mitgefühl aus. Es ist beklagenswert, daß solche Unfälle immer noch nicht völlig verhindert werden können. Von sozialdemokratischer Seite ist eine Arbeitslosen-Statistik verlangt worden. Wir dürfen dabei aber nicht vergess m, daß sich unter den Arbeitslosen zahlreiche Arbeitsscheue befinden. (Sehr richtig! rechts.) Wir stimmen dem Staatssekretär durchaus zu, daß für die Einführung einer Arbeitslosenversicherung noch jede Grundlage fehlt. Von der Reichsvcrwaltung ist alles geschehen, waS geschehen konnte. Die Ausführungen des Staatssekretärs haben uns durchaus befriedigt. Für Notstandsarbeiten ist in jeder Hinsicht gesorgt worden. Die Arbeitslasenfrage ist überhaupt gar nicht richtig zu lösen, tzeU niemals sicher festgestellt werden kann, ob die Arbeirslosigkeit verschuldet ist oder nicht. Die Arbeitslosigkeit besteht ja auch nicht im ganzen Reiche. Aus dem Lande fehlt es sogar noch an Arbeite, kräften, so daß ausländische Arbeiter herangezogen werden müssen. Abg. Gothein (Fr. 93g.): Es ist zweifellos, daß wir es hier mit einer internationalen Krisis zu tun haben. Aber wenn ber Staatssekretär meint, die Krisis fei bei un9 nicht so stark wie in anderen Ländern aufgetreten, so har er ein Moment, das besonders wichtig ist, übersehen. In seinen Aiissuhrzissern für das laufende Jahr hat der Staats, sekretär noch die Wertdurchschnitte vom Vorjahre eingestellt. Nun sind aber die Preise seit dem Vorjahre für unsere Aussuhrobjekte zurückgegangen, die diesjährige Wirtschaftsstatistik wird also schließlich viel niedriger ausfallen, als der Staatssekretär jetzt noch an. nimmt Und damit fallen 1'cir.c ganzen Schlußfolgerungen. Ferner aber: der bedeutendste Faktor für unseren inneren Markt ist nicht die Landwirtschaft, sondern sind die anderen Erwerbszweige. Und diese leiben außerordentlich unter der Teuerung der Nahrungsmittel. Da? Haus vertagt sich. Sonnabend 11 Uhr: Fortsetzung und Petitionen. Schluß gegen 6 Uhr. 1 Tischflasche nur 20 Pfg. ohne Fleisch gute Suppen ZU kochen, Um Saucen jeder Art zu strecken, Um den Speisen den letzten Schliff zu geBett Antwerpen Auskunft ertheilsn ojhlampfer ' :n Ned Star Linie in Antwerpen, W. Jnllmanu in Giehen, Dc/C Bahnhofstraße 59. H. Klippstein in Langsdorf. ’S «2 x v ai D Ö 3 3 \ ft <<---- x? n Z W Weltbekannt Christbäum= Engeigeläute Nr.l fast nlle ähnlichen Geläute, wgsAusführung anbclangt, übertrifft. Selbiges ist aus feinem Nickclmelall hereestellt (also ein wirk ich feiner Schmuck für jed. Christbai ml. Sobald die Kerzen angezündet s nd, ertönt ein feierlich. Weihnachtsgcläulc. Garant, funktionierend, p. 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