Nr. 13 Erschein! tLgNch mit Ausnahme des Sonntags. ES Gegen eine Erhöhung der K o p f q u o Oieichsschatzamt grundsätzliche Bedenken nicht; maßgebend kann rtrag Die „Gießener ^amtliendlStter" werden dem ,An^e'ger" viermal wöchentlich beigelegt, das MMretibiatl für öen Krell Gießen ' zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Sei»- fragen“ erscheinen monatlich zweimal. l| Akp. 8, -bin» 9 Khi leoriie'6' Handelsverträge erschwert. Frankreich steigert verbessert seine Zahlungsbilanz, wir aber bFibcn zurück, was der Zuwachs unserer Bevölkerung seine Ausfuhr und damit hinter dem verlangt. Wir werden Rotationsdruck und Verlag der Br6 blichen Unwersuäts - Buch- und Sleindruckeret. R. Lange. Gießen. rrechterhaltung der ejfeftibe» Goldwährung im Reiche bleiben. Gegen eine Erhöhung der Kopfquote hat man im Redaktion, ^xoedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 5L Redaktion: 112. Tel.-Adru AnzeigerGießeru Heiße Schließung der Ostsee. Zu dem eisernen Schatz von Zeitungsenten, über dir ein Teil der englischen und französischen Presse verfugt, gehört auch die immer wieder austauchende Nachricht, daß Deutschland und neuerdings auch Rußland eine Schließung der Ostsee für fremde Kriegsfahrzeuge mit Ausnahme der an der Ostsee belegenen Staaten im Auge habe. Besonders in England wird man nicht müde, diese Mär von Zeit zu Zeit wieder aufflattern zu lassen, mit dem Zweck, die Absichten Deutschlands zu verdächtigen; so unbegründet diese Besorgnis ist, so ist sie erklärlich, toeit dadurch den Engländern ein für eventuelle kriegerische Operationen überaus wichtiges Gebiet genommen würde. Deutschland sehnt sich nun aber gar nicht nach einem derartigen Uebereinkommen und hat dazu auch kaum Veranlassung, beim wer weiß, ob ein Vertrag im Ernstfälle nicht doch gebrochen würde. Das meiste Interesse könnten höchstens die nordischen Staaten haben in der Hoffnung, daß dadurch vermieden würde, ihre Länder als Basis für einen Seekrieg zu benutzen. Nun heißt es mit einem Male in einem französischen Blatt, daß gelegentlich der Beisetzungsseierlichkeiten in Stockholm die Grundzüge dieses Projektes besprochen worden seien, das die Freiheit der Ostsee durch eine Vereinbarung zwischen Rußland, England und Frankreich sichern soll, wobei diese Vereinbarung eine Ergänzung der bisherigen englisch-russischen Abmachungen ir. Asien vorstellen soll. Die Nachricht klingt wenig wahrscheinlich, da ein derartiges Projekt offene Türen einrennen würde, weil die Absicht einer Schließung auf seilen Deutschlands abfolut nicht bestehl; auch wär« Deutscher Reichstag. r 80. Sitzung, Mittwoch, 16. Januar. , Am Tische des Bundesrats: b. Bethmann-Hollwcg, Habens stein, Twele, Wermuth, Dr. Nieberding. Präsident Gras Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten. hohen Diskont ein Unglück sieht. Ter Redner erörtert im Sinne der Ausführungen von Kaempf und Weber die Ursachen der Krise, die in- der Hauptsache eine Produktionskrise ist. Da gibt t» unter Umständen nichts Notwendigeres, als gegenüber der Uebersp-ku« lation die Diskontschraube anzuziehen. Wir sind nicht so reich wie Frankreich, das gegenüber Deutschland allein an Erziehung«, gelbem für den Nachwuchs 1700 Millionen und an Wohnungen weitere 800—1000 Mark erspart. Tie Landwirtschaft hat ihr Versprechen, die Produktion zu steigern, nicht voll erfüllt. (Wider, spruch rechts.) Wir muffen immer mehr Getreide und Futter, mittel einführen, und den Export, mit dem wir da§ bezahlen sollen, haben die fwinhi*IShrrtrnni» trfrhtrw-rf RvAnfr.tA ea- M -ch-iti-gS S/' Naab mehr Lirbt verbreiten (Heiterkeit), nur seinetwegen ist sie notwendig. Auch ich bin mit dem Unterstaats> eekretär der Ansicht, daß dabei nichts Neues herauskommen wirb. J^ bitte ausdrücklich, Herrn Naab als Sachverständigen zuzuziehen "(Heiterkeit.) Ich kann Herrn Raab versichern, baff auch die „Nankokratie" in dem uns wahrscheinlich nicht ablehnend verhalten gegen die Anerkennung der Banknoten als gesetzliches Zahlungsmittel, aber helfen wirb baS nid# viel. Einschreiten sollte ber Reichs- Der Bankdiskont. Die Besprechung der Interpellation des Grafen Kanitz über die Höhe des Bankdiskonts wird fort« gesetzt. bg. Dr. Mciher-Kaufbenren (Ztr.): Auch wir sind der Mei. itnng, daß die gegenwärtige abnorme Höhe deö Bankdiskonts mit i>cr Währungsfrage nichts zu tun hat. Schuld an der Steifheit .'c3 Geldmarktes ist die übergroße Inanspruchnahme des Kredits. Sie außerordentliche Unternehmungslust unserer Industrie gleicht einem Schnellzuge, der an einer Station vor« übersaust, und es versäumt, Waffer auszunehmen. DaS einzige und sicherste Mittel der Abhilfe ist industrielle Selbstbeschränkung Die Erweiterung der Zahlkraft des Silbers lehnen wir ab, einer Erhöhung der Kopfquote auf 20 Mark würben wir aber zu« Ijiiinrhen. Unterstaatssekretär Twele entschuldigt die Abwesenheit bei Fchatzselretärs mit unaufschiebbaren Geschäften, rechtfertigt gegenüber den Aeuherungen des Grafen Kcmitz und des Abg Gamp die Außerkurssetzung der Taler als not iucnbigc Vorbedingung für die vom Verkehr geforderte weitere uvpiögung von Silbermünzen, namentlich ö Mark-Stücken. Tie geringe Talermenge hätte die Krisis doch nicht im geringsten beeinflussen können. Der Unterstaatssekretär erklärt gegenüber (inem Zweifel des Abg. Kamps, der preußische Finanzminister tobe sich vor Begebung der neuen preußischen Anleihe mit dem Lchatzsekretäc in Verbindung gesetzt, und nennt dann vier Gründe rür den schlechten Kurs unserer Reichsanleihe: 1. duff dem Reich •eit einer Reihe von Jahren nicht genügend ordentliche Mittel jur Verfügung gestellt sind; 2. die zu häufige Inanspruchnahme ..5 MarUes, die Konkurrenz von Reich, Einzelstaaten, Slonv mimen — aber wer weiß ein Mittel dagegen? 8. der nicht ausreichende Aufnahmekreis; mit Neid blicke er auf den engen Kreis er münbcljidicrcn Papiere in England; und 4. in den ganzen ..Rechtsverhältnissen; während der preußische Finanzminister die .höhe der zu begebenden Anleihe zurzeit ihrer Begebung bestim- icn kann, weil ihm stets der Gesamtbedarf bewilligt wird, kann er Schatzsekretär die Gesamtforderung nicht auf einmal stellen, sondern darf nur die Jahresrate auf den Etat bringen. Aber rsleichwohl haben wir keinen Anlaß zum Kleinmut bezüglich un- i.’tcr Anleihen. Dem ungünstigen Urteil über den Schay- «nwcisungskredit hat der Schatzsekretär nicht den geringsten An- Laß, entgegenzutrelen. Gelingt es nicht, zu einer Verständigung über die Beseitigung der Finanzmisere zu kommen, dann wird fc:r Schatzanweisungskredit von 800 auf 450 und 500 Millionen erhöht werden müssen. Der Unterstaatssekretär äußert sich zu d?n in der Debatte gemachten Vorschlägen. In gewissen Gren- gen hat das Silber schon jetzt eine Kaufkraft und die Erhöhung 2 r Zahlkraft des Silbers könne daher nur eine Quantitäts- und riid)t eine Prinzipienfrage sein. Ausschlaggebend für die Lösung eserOuantitätsfrage müsse allerdings ausschließlich die volleAuf. l a. M. über gb.3«S* T Platz Äk. gj ZuLH-ndlns^eidt!. Poriiaod.—, ibtuii 8‘-'< Wend zsjll.M'E ,r#U Ein'r'ttfrj KM in b„ Ws. ben »7 h J“ Otb. 2o>nptnQtil »«IMW iuiociicij 'V£lui“isbe’ p'.1.11, viOnUQT 19Q0 im: Osten keinem Polen irgendwie nach. (Lärm bei den Polen unt den Soz.) Warten Sic doch ab! (zu den So;, gewandt): Mich bringen Sie nicht heraus. (Große Heiterkeit.) Wie läßt sich das Vorgehen der preußischen SQegierung erklären? In den letzten 25 Jahren sind bei den Polen Bestrebungen hervorgetreten, daß die Ideale, die wir ihnen keineswegs ou3 dem Herzen reißen wollen, (Gelächter bei den Polen und den Soz.) — na, warten Sie doch tibi (Stürmische Heiterkeit. Ter Redner kann den Satz nicht vollenden.) Tie Polen in Westpreußen und Posen streben mit allen Kräften darauf zu, mit den Polen der anderen Länder Fühlung zu nehmen und so eine kompakte Masse zu bilden. Tas muß unter allen Umständen, wenn Deutschland in kriegerische Verwicklungen kommt, zu einer nationalen Gefahr eminenten Ranges für das Deutsche Reich werden. (Gelächter im Zentrum, bei den Polen und Soz.) Ich erkenne ja an, daß die Polen in den Jahren 1364 bis 1870 ihre Schuldigkeit getan haben. (Stürmische Rufe: Na also!) Aber es gab eine Zeit (Huhul-Nufe im Zentrum und bei den Polen) — da sah efl anders auS, und heute würde e? sicher auch anders aussehen, als 1870 und 1866. (Stürmische Unterbrechungen im Zentrum und bei den Soz., Singer ruft: Folgen ber preußischen Polenpolitikl Der Präsident bittet wiederholt, den Redner nicht zu unterbrechen.) Tie preußische Negierung würde ihre Pflicht verletzen, wenn sie in dieser Hinsicht irgend etwas unterlaffen wollte. (Beifall rechts und bei den Natlib.) Viele Deutsche sind jetzt gegenüber den politischen LovalitätSänßerungen skeptisch geworden. Hat doch Herr von KoscielSki selbst in Lemberg einmal sein polnisches Herz entdeckt und von der Wiederaufrichtiing des polnischen Reiches pesprochen. (Zuruf: Das war in der Weinlaune 1) Jawohl, aber inzwischen hätte er doch wohl Zeit gehabt, nüchtern zu werden. (Schallende Heiterkeit.) Tie Handlungen sind anders gewesen. Vergessen Sie den Schulstreik? (Gelächter der Polen.) Wenn wir dort jetzt überall Festungen bauen, sie vergrößern, eine Brücke nach der anderen über die Weichsel schlagen, Eisenbahnen bauen im Jntereffe der Landesoerwaltung, dann wollen wir, daß in schweren Heiken, die kommen können, eine durchaus loyale Bevölkerung in der Grenzmark wohnt. Tas ist der Grund der Enteignungsvorlage. Ich macke gar kein Hehl aus meinem persönlichen Standpunkt, daß die Enteignung nicht bloß gegen die Polen zum Ausdruck kommen wird. (Brummen Singers.) Ach, Herr Singer, was verstehen Sie davon! (Heiterkeit.) Genen den Kommissionsbeschluß habe ich gestimmt, baS sage ich frank und frei. AVer weiter: Ich glaube, daß eine Enteignung im großen Umfange überhaupt nickt ftnttfinben wird. (Zustimmung). Ick bin der festen Ueberzeuguuq, daß ein großer Teil Ihrer Landsleute, bie beute unter Ihrem Joch seufzen (Gelächter der Polen. Sehr wahr!), sich gern der schweren Bürde eines landwirtschaftlichen Besitzes entäußern würden, zu guten Preüen. Kein Mensch hindert sie ja, sich anderswo anznlaufen, ick glaube ober nicht, daß auch nur ein einziger Großgrundbesitz'!: ans Polen sich wieder ankausen wird; er wird froh fein, daß er das Geld hat und zieht nach Friedenau bei Berlin. (Große Heiterkeit). Ist das ganze Ereignis überhaupt so westerschutternd? Ist c5 noch niemals vorgelomii en? Muß es jeder liberale Mann als einen Eingriff in seine persönlichen Rechte betrachten? Ich habe einen Kronzeugen in dem bekannten Freiburger Nationalökonomen Schulze-Gävernitz, der mit seinem ganzen Denken und Fühlen auf der linken Seile steht. Er ist der Ansicht, daß die Enteignung unter Umständen eine Staatsnotwendigkeit ist. Unsere ganze Kultur baut sich überhaupt auf der Enteignung eigentlich auf. (Großer Lärm und Gelächter.) Ich bitte, sich die „Hilfe* des Herrn Naumann darüber zu verschaffen (Abg. Gothein ruft: Aber auch die Naumannsche Erklärung dazu!) Ach, das werde ich nicht verschweigen, ich mache es nicht so wie andere Leute (Heiterkeit.! In der ganzen angelsächsischen Welt gilt die Enteignung zu Ansiedlungszwecken als eine ganz liberale Forderung und die Liberalen Englands sind auf ihre Erfolge in dieser Bezi hung stolz. Ich freue mich, daß auch auf der Linken Köpfe sind, die sich mit der Frage ernsthaft beschäftigen und der Regierung beisiimmen. lieber den Wert der AnstedelungSkommission wurde früher sehr heftig gestritten, jetzt wird auch von der Linken ihr segensreiches Wirken aneilnnnt. Ich verstehe nicht, daß die Polen immer von positiver Arbeit anf ihrer Scholle reden, die meisten ziehen doch nach Westfalen. (Lärmende Zurufe der Polen.) Wir sind der Meinung, daß die Vorlage sich sehr wohl mit dem Reichsgesetz in Einklang bringen läßt und daß wir es dem Abgeordnetenbause überlasten mühen, ob es die Vorlage annimmt oder nicht. Wir haben kein Reckt, in die preußische Gesetzgebung ein* augreifen und werden uns auch hüten. Wir hoffen, die Polen werden endlich zu der Eikeuntms kommen, daß sie am besten tun, Frieden zu nmchen, denn an ihnen liegt eS allein. Sie müsscn zu der Erkenntnis kommen, daß wir uns vertragen müssen; wir sind auf einander angelviesen und wollen endlich zu Frieden und Ruhe [onimcn. Auf Antrag der Freisinnigen wird die weitere Besprechung auf morgen vertagt. Dann Knapp ichaflsiu ter* p e ll a t i o n. Schluß 51 Uhr. ' ’ ' ' '1' '' ben 27 Z-W qm bstadzariti, neben ÄÄi ÄS nn-DEnchlöjjrM- ö oentcigcrt. 1K, L'eler haben sich ,ajlunfl.'iQbig[cubuJ a.10 luvet Heimat i&umiciien. öc.i 15. Januar 1908. Achen. tiroe. Zweites Blatt 1S8. Jahrgang Donnerstag LG. Januar 1908 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhchm Jen « „mblw11 j hierfür nur das nackgewiesene VerkehrSbcdürfnis fein. Ter Llntersiaatssefretär schließt mit den Worten: Tie JnterpellationS- r etge ist geklärt, das Uebel ist erkannt, die Notwendigkeit der Lbhilse anerkannt, die Abhilfe ist nur möglich durch ein ein* wütiges Zusammengehen ber' beiden gesetzgebenden Körperschaft itn. Hoffentlich gelingt e§, die richtigen Mittel und Wege zu Minden, bann wirb ber hohe Bankbiskont vielleicht noch zu einem Gegen. Abg. Dr. Südekum (Soz.): In diesem Plaidoyer für neut steuern habe ich ganz bie Mahnung vergessen: „Sparsamkeit". «Iuruf: Gestern!) Gestern, ja, aber eS sind nur schöne Worte. ber Bubgetkommission ist bie Bewilligungslust noch größer geworben, als früher; beim linken Flügel des Blocks ist sie geradezu gp einer Manie geworben. (Widerspruch der Freisinnigen.) — ^as läßt sich jederzeit beweisen. Alles ist darin einig, der gute cschaftsgang ist schuld an der Misere des Diskonts: weil es uns xüt geht, deshalb geh: es uns schlecht! (Heiterkeit.) Die Arbeiter siind die ersten und wehrlosesten Opfer der jlrisis. Sie ist für sie Existenzlosigkeit und Arbeitslosigkeit. Der preußische Finanz- minister hat kürzlich eine Kapuzinade gegen den gout de la aiepense, die Lust zur Verschwendung, gehalten. In geivissen höhe- sn Kreisen mag ein solcher Luxus herrschen. Ein französischer Sozialist sprach erst unlängst seine Verwunderung au5 über das L-chlemmerleben in den oberen Klaffen Berlins, er meinte, daß urirgenbä soviel Geld für Essen und Trinken auSgegeben werde, wie in Deutschland. Aber das macht bie Not nicht allein. Das gejunbe wirtschaftliche Leben DeutschlanbS mutz aufs ernsteste ge- sstyrdet werden, wenn es das erste Landheer der Welt besitzen will rnib eine starke Flotte, die aber jetzt schon ber französischen nahe flnimt, trotz General Keim. DaS ist ber Segen der uns aufge* gpungenen Handelspolitik, datz die minderbemittelten Kreise in un# r?ihärter Weise bedrückt werden. Tie Erhöhung der Zahlkraft deS Silbers auf 1000 Mark, ist ja an bet Schwelle abgewiesen worden, liegen eine mäßige Erhöhu.ig der Silber, und Sck)eidemilnzen läßt Ich nichts einivenDen. Prägt man aber mehr Silbcrmünzen al5 r-otwendig, so kehren sie nickt nur mit silberner, sondern mit eiserner Aoiiseguenz in die Kasse zurück. Wir werden keiner Reorganisation ü:r Rcichöbank zustimmen, wenn sie dadurch zu einer agrarischen ^iimbitaiion degradiert werben soll. Ter Rebner gedenkt mit An. -rfennung ber Tätigkeit des auS dem Amte geschiedenen Reichöbank. tirä|ibenten Koch. Ter gestrigen Rede des neuen Herrn Havenstein stimme er zu. Er hoffe, datz der neue Herr den verdächiigen Aspirationen ber Toppelwähtungsmänner keine Konzessionen machen rerbe, sonst werbe er die So^ialbemoktaiie sofort zur unerbittlichen Gegnerin haben. Er hoffe, datz der Reichsbankpräsident so wie er Entern angefangen habe, recht lange auf seinem Posten weiter Selben möge. (Beifall.) Abg. Raab (wirtsch. Vgg.) trägt in langer Rede vielfach vom Gelächter ber Linken unterbrochen, fernen bimetaNiststchen Stand, prjnft vor. Für wen fei denn die Goldwährung ein -schätz? Für ? Hochfinanz, bie Dankolratie. „WaS nullet mich ein schönes Räbchen, wenn andere mit spazieren gehen?" (Heiterkeit.) Abg. Gothein (frei). Bgg.) rechnet dem Grafen Kanitz einen1 Feinen Rechenfehler vor. Dieser hatte nach den Erträgen der^ Wechselstcmpelste^er den Wechselumlauf berechnet, aber dabe über» s-hen, datz ber Wechsel nur drei Monate lauft und in o' »edessen iD:n Umlauf viermal zu hoch herausgerechnet. Das muß or dem Äuslaude berichtigt werden. Es widerstrebt mir, dem neue.' Bank- Mäsidenten etwas Angenehmes zu sagen ; bekommt er b. n der Luken noch mehr davon zu hören, ich furchte, es konnte ihm ; Haden. (Heiterkeit.) Er hat von A bis 8 genau bai Gegenteil bin dem gesagt, was Herr Raab zu Horen Sewmischt hat und doch hck Herr Raab ihn gelobt, weil er trns BedursmS hat alles, waS an Bundesratstisch sitzt, zu loben. Wir haben cle Ursack)e, auch amen die Anträge des Grafen Kan,tz recht vor^ cktig zu e.n, denn W wird ausdrücklich die „vorläufige" Trhohnr j ber ^opfquote um Mrt gefordert .Lie LngmlL LD?d hoffe.i(MM^L bei HerrA bankpräsident gegen die Wechseljagd, die die Leiter unserer ReickS. banknebenstellen unter Ausnutzung ihrer gesellsckxisilichen Beziehungen treiben DaS Wcchselkreditgeschäft der ReichSbank wird viel zu sehr ausgedehnt auf Kosten der Sicherung der Währung. Klagen Sie jetzt über den Diskont, dann schlagen Sie auf der Rechten gefälligst zusammen mit Ihrem agrarischen Reichskanzler an Ihre Brust und rufen Sie: mea culpa, mea maxlma culpal Tie Diskussion wird geschloffen. Damit ist die Interpellation über den Bankdiskont erledigt. Tie Ostmarken-Jnterpellatlon. ' Auf der Tagesordnung steht dann die JnterpellaUon der pol- nischen Fraktion. Seyda und Genoffen: Wie will der Herr Reichs, kanzler den von der kgl. preutz>sck)en Regierung im dortigen Landtage eingebrachten Gesetzentwurf über Maßnahmen zur Siärkung des Deutschtums in den Provinzen Westpreußen und Posen in Einklang bringen mit dem Geisie der Neichsverfasjung und den Bestimmungen deS Bürgerlidxm Gesetzbuches? Welche Schritte gedenkt der Herr Reichskanzler zu hm, um die durch die vorgesehene Enteignung des Grundbesitzes von Reichs, angehörigen aus politischen Gründen bedrohten Grundvesten ber Rechts, und Aesellschaftsorbming zu sirhern? Auf bie Anfrage beS Präsibenten, ob und wann der Reichskanzler bereit fei, die Interpellation zu beantworten, verliest Staatssekretär Dr. Nieberding im Namen des ReickskanzlerS folgende Erklärung: Die Interpellation verlangt eine Erklärung des Reichskanzlers über das gesetzgeberische Vorgehen eines Bun- desstaates in bezug auf Enteignung von Grundstücken. Tie Neichsverfafflung enthält keine Bestimmung, welche einem solchen Vorgehen entgegenwäre. Auch das Bürgerliche Gesetzbuch enthält solche Bestimmungen nicht, der Artikel 109 des Eiusührungs- gesetzes zum B. G. B. bestimmt, datz die landesgesetzlichen Vorschriften über die im öffentlichen Jntereffe erfolgende Entziehung, Bestätigung oder Benutzung einer Sache, Beschränkung des Eigentums und Entziehung ober Beschränkung von Rechten, unberührt bleiben. Die Maßnahmen, auf welche bie Interpellation sich bezieht, gehören somit zur Zustänbigkeit ber Lanoesgesetzgebung, bie babei nach ben Vorschriften und nach dem Geiste der Reichsverfaffung einer Einwirkung der Organe deS Reiches nicht unterliegt Mit Rücksicht hieraus habe ich zu erklären, daß der Herr Reichskanzler die Beantwortung der Interpellation ablehnt (Beifall rechts und bei den Natlib.) Abg. Korfnuty (Pole) beantragt die Besprechung der Interpellation. Dafür erheben sich mit ben Polen bas Zentrum, bie Freisinnigen und Sie Sozialdemokraten. D i e Besprechung ist beschlossen. Abg. Seyda (Pole) begründet die Interpellation. In unserer Heimat )oll etwas Uninenschlisches geschehen. Hört u n u helft! die preußische Enteignungsvorlage hat eine traurige Berühmtheit in der ganzen Welt erlangt. Man hat unsere Grundbesitzer in Höhlen und Zigeunerwagen getrieben. Selbst die Konservativen, die berufensten Hüter des Privateigentums haben uns im Stich gelaßen. (Unruhe rechts.) Der Reichskanzler hat im Abgeordnetenhaufe erklärt, der beste Teil des deutschen Volkes stehe hinter dieser Politik. Und im Reichstage will er sie nickt vertreten. Tas ist eine Mißachtung des Reichstages. (Große Unruhe.) Tie preußische Vorlage ist ein Eingriff in die heiligsten Rechte ber polnischen Bevölkerung. Ter Grunbsatz ber Enteignung von Grunbeigentum aus politischen Grünben steht im Wiberspruch mit bem allgemeinen RechlSbewutztsein ber zivilisierten Welt. Tiese Vorlage ist ber schwerste Rechtsbruch, ben man sich benfen kann. Wir werden irre an Reckt und Gerechtigkeit Wir sind überzeugt, datz das HauS dem Reichskanzler sagen wird, daß er sich irrt, wenn er meint, daß die Mehrheit des deutschen Volkes hinter ihm steht. (Beifall im Zentrum, bei den Polen und Soz.) Abg Graf Hompesch (Zentr.) verliest: Meine politischen Freunde haben beschlossen, durch eine Erklärung die Stellung, die wir zu dem preußischen Gesetzentwurf einnehmen, in unzweideutiger Weise klarzulegen: Ter dem preußischen Landtage vorliegende Gesetzentwurf über Maßnahmen zur Stärkung deS Deutschtums in den Provinzen Westpreußen und Posen verstößt nach unserer Auffaffung gegen die bei allen Kulturvölkern an. erkannte Gleichbeit der Staatsbürger vor dem Gesetz, gegen die Verfassung und oas Bürgerliche Gesetzbuch. Es i st ein Schritt z u m Z u k u n f t sst a a t. (Gelächter rechts, lärmender Beifall bei Zentrum und Polen, vergnügte Zustimmung der Soz.) Wir müssen uns gegen diese Vorlage um jo mehr wenden, als sie nicht zur Versöhnung der Bewohner der betreffenden Landesteile, sondern zur Verschärfung der Gegensätze führen und die Inter- effen der deutschen Bevölkerung innerhalb und außerhalb dieser LandeStcile schädigen wird. (Beifall bei Zentrum und Polen.) Abg. v. GerSdorff: (kons.): Im Auftrage meiner politisck-cn Freunde habe ich die Erklärung abzugebcn, daß wir in Uebcrein. snmmung mit der Stellung der verbündeten Regierungen die Zu- ständigkeit deS Reichstages entschieden ablehnen. (Beifall und Gelächter), uub die Einmischung in innerpreußische Aiigelegenheuen zurückweisen (Gelächter Ser soz. und der Polen), sowohl nach der materiellen wie nach der verfassungsrechtlichen %eile hin. Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.): Wir schließen uns dieser Auf- faffnng vollkommen an. Wir werden uns an der Diskussion nicht beteiligen, da wir die Zuständigkeit des Reichstages nicht für be. gründet halten. Abg. Tieg (notl.): Meine politischen Freunde haben cS sich sehr wohl überlegt, ob eS zweckmäßig ist, auf bie Interpellation ein. zugehen ober nicht. ES wäre ja sehr leicht für uns und für mich bequemer, eine ähnliche Erklärung abzugeben wie die eben gehörte. Wir haben davon Abstand genommen. Wir wollen unsere Stellung zur Sache auch hier funbhm. Zunächst sind wir einstimmig der Ansicht, auch die namhaften Juristen in unserer Mitte, daß die Erklärung des Staatssekretärs Dr. Nieberding durchaus das ,Nichtige trifft. Ls.der^Liebe Lu^ZchollL^ftehen wir^>eutfchen e Ferro mancanüi, fccoUe EmuUlon, llaematogen, । ^ana logen sowie iUzinai-Le'oertran ■ewozen und in Probe- ron^Pfg.an, erhalten frisch aus der |1B( -hp M ä B. Frankl Str. W ad kebcad/rijche .eitoncn u- billigji bet ,t Walten,c!S, 15. lw; Zelcion S® eine solch Abmachung ohne die Hinzuziehung Deutschlands ein Affront für uns. Daß Verhandlungen nach irgend einer Richtung hin zwischen den nordischen Staaten und den Großmächten schweben, steht fest. Einzelheiten hierüber sind aber nicht genau bekannt, und so haben wohl englische und französische Blätter etwas läuten hören, aber nur nicht das rechte Glöcklcin. Denn jetzt kommt ein offiziöses Dementi, wonach die Verhandlungen zwischen den Mächten keineswegs darauf abzielten, den Grundsatz zu verletzen, daß die Ostsee ein offenes Meer fei; gleichzeitig wird aber — ob absichtlich oder unabsichtlich sei dahingestellt — zugegeben, daß die eingeleiteten Besprechungen eine Entente der beteiligten Mächte über die Erhaltung des Status quo an der Ostsee in die Wege leiten sollen. Dadurch gewinnt die ganze Angelegenheit ein völlig verändertes Gesicht, denn die Erhaltung des Status quo ist ein Ziel, dem alle Staaten ohne weiteres mit vollster Sympathie zustimmen können. Das erwähnte, aus Stockholm datierte Dementi findet zur selben Zeit noch eine wertvolle Ergänzung in einem Artikel der einflußreichen Kopenhagener Berlingski Tidende, worin betont wird, daß zu derartigen Besprechungen auch Dänemark wegen seiner großen Interessen am Eingänge der Ostsee binzugezogen werden müsse; des weiteren tvird sehr entschieden erklärt, daß Dänemark sich in dieser Sache nicht mit einzelnen Mächten in Uebereinkommen einlassen würde, sondern nur in ein solches willigen würde, das alle an der Ostseefrage interessierten Mächte billigten. Es scheint demnach bei den nordischen Staaten allenthalben der Wunsch rege zu sein, sich den augenblicklichen Besitzstand durch die Großmächte garantieren zu lassen, eventuell einen Neutralitätsvertrag abzuschließen, wie er bereits von Norwegen vor einigen Monaten angestrebt worden ist. Ein derartiges Abkommen würde nicht nur für die nordischen Staaten von weittragender Bedeutung sein, sondern für die Großmächte überhaupt, weil dadurch wiederum ein Herd für eventuelle internationale Verwicklungen beseitigt und damit ein weiteres wertvolles Unterpfand des Weltfriedens gewonnen ist. Die eingeleiteten Verhandlungen sind ein gutes Zeichen für den friedlichen Geist, der jetzt die gesamte Weltpolitik erfüllt, und es zeigt sich, daß die Friedensidee in vernünftigen Grenzen weiter Fortschritte macht, auch ohne Friedenskonferenzen, Abrüstungsvorschlägen und den Phantastereien der bekannten theoretischen Friedensapostel. parlamentarisch. — Die Wahl Prüfungskommission des Rcichs- tages beanstandete die Wahl des lothringischen Abg. Labroise (Saarburg-Salzburg), der mit nur 4 Stimmen Mehrheit gewählt wurde. Die Beweiserhebung wird vermutlich zur Ungültigkeit der Wahl führen. Tie Wahl des Abg. Pauli Ober-Barnim (Rp.) wurde einstimmig für gültig erklärt. Die Prüfung der Wahl des Arbeitersekretärs Becker-Arnsberg (Ztr.) wurde nicht zu Ende geführt. Der Protest behauptet bei seiner Wahl, die gegen den früheren Zen- trumsabg. Fusangel erfolgte, außerordentliche Beeinslusjun- gen der Geistlichkeit. So haben Pfarrer die Schulkinder während des Religionsunterrichts zum Zetlelaustragen für Becker kommandiert. — Die Kommission des Reichstages für die Sicherung der Bau so r der un gen beschloß unter lebhaftem Widerspruch der Regierung die Streichung des § 2, der den fiskalischen Verwaltungen und öffentlichen Körperschaften eine Ausnahmestellung gibt. Sie sollen auch in den Rahmen des Gesetzes mit embezogen werden. Die Erörterung über die sachliche Ausdehnung der jetzigen Bestimmungen wird an: Freitag fortgesetzt. Ans S«aot unc tano. Gießen, 16. Jan. 1908. Förderung der Volksbibliotheken. Ein Antrag der Abgeordneten Hauck und Hirschel, zum Hauptvoranschlag für 1908 erstrebt: Hinter Kap. 46 „Hofbibliothek" Kap. 46 a „Volksbibliothek" mit 5000 Mark in Ausgabe einzustellen, dem Fonds für „öffentliche und gemeinnützige Zwecke", Kap. 65 des .Hauptvoranschlags für 1908, 5000 Mk. zu entnehmen und anstatt 147 200 Mark 142 200 Mark in Ausgabe zu stellen und Volksbibliotheken, die in der Gründung begriffen sind und nach Vorlage ihres Bücherverzeichnisses keine politischen Schriften halten, eine einmalige entsprechende Unterstützung zu gewähren. In der Begründung des Antrags wird ausgeführt: Wir weisen in der Begründung darauf hin, daß Großher- zoglrche Regierung bei Beratung des Hauptvoranschlags 1903/04 auf dem 32. Landtage schon erklärt hat, daß sic in einer Anzahl von Fällen bereits Unterstützungen bei Gründungen von Volksbibliotheken gewährt habe und diese auch ferner betätigen wolle, ob aber die Einstellung einer gewissen Summe in dem demnächstigen Hauptvoranschlage zu diesem Zwecke erfolgen könne, sei Großherzogliche Regierung jetzt noch nicht in der Lage, darüber Auskunft geben können. Den Antragstellern pt bekannt, daß die hierzu flüssigen Mittel aus dein Fonds für öffentliche und gemeinnützige Zwecke entnommen werden. Dieser -öonte ift nun sehr stark belastet, daß vielleicht trotz des guten Willens der Regierung sehr wenig für diesen hochkulturellen Zweck der Volksbildung getan wird. Es wird durch den von uns gestellten Antrag der Zweck erstrebt, die Mittel zur Förderung dieses wichtigen Volksbildungsinstituts in greifbarer rz-orm feftzulegen, ohne eine finanzielle Belastung des «Ltaatsvoranschlags herbeizuführen. Man wird der Tendenz dieses Antrages, der eine wirksame staatliche Förderung des Volksbibliothekwesens erstrebt, allseitig durchaus zustimmen. Ob aber sein Zweck durchaus auf Kosten des Fonds für öffentliche und gemeinnützige Zwecke erreicht werden muß, erscheint uns sehr fraglich. Man könnte u. E. noch die 5000 Mark in den Staatshaushalt einstellen, ohne deshalb die an sich schon nicht übermäßig hohen Mittel für öffentliche und gemein» nützige Zwecke beschneiden zu müssen. * t ** Die Großherzoglichen Herrschaften begaben srch gestern abend nach Frankfurt a. M um einer Einladung des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen zum Ball im Frankfurter Hof Folge zu leisten. Die Rückkehr nach Darmstadt erfolgt heute vormittag. ** Unser Großherzog ist zum zweiten Male als Firmen-Jnhaber in das Darmstadter Firmenregister eingetragen worden. Die, neue Eintragung lautet: Großherzogliche Edelglas-Mauufaktur Darmstadt: Inhaber Ernst Ludwig, Großherzog, Sitz Darmstadt. Prokurist: Joseph Emil Schnecken dorff. ** Lehrer Personalien. Ernannt wurde der Schulamtsaspirant Rich. O ß w a l d aus Maibach zum Lehrer an der Präparandenanstalt zu Lich. — Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Friedr. Berg aus Worms eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Urberach. In den Ruhestand versetzt wurde der Oberlehrer an der Gemeindeschule zu König Johann Philipp Sch m u n ck auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste. ** Zweiter Hessischer Handwerkertag. Kommenden Montag, 20. d. M., findet, wie bereits mitgeteilt, der zweite Hessische Handwerkertag in Steins Garten statt. Die Teilnahme daran wird eine sehr rege werden, es haben sich bereits über 300 Teilnehmer gemeldet, außerdem dürfte noch eine größere Anzahl sonstiger Interessenten erscheinen. Die Verhandlungen werden punkt 11 Uhr ihren Anfang nehmen, sie versprechen sehr interessant zu werden, da außer den verschiedenen Referaten der Handwerkskammer noch eine Reihe von Anträgen aus gewerblichen Kreisen zur Diskussion kommt. Sie behandeln Gegenstände aus den verschiedensten Gebieten gewerb^ kicher und sonstiger Tagesfragen (u. a. auch das Sub- mifsionswesen) und sind deshalb allseitigen Jnteresfes sicher. Nach Beendigung der Verhandlungen findet ein gemeinsames Mittagsmahl statt; die gesamten Veranstaltungen werden so zeitig beendet sein, daß jeder Teilnehmer noch am gleichen Tage wieder in feine Heimat gelangen kann. ** I n der freien l a n d e s k i r ch l i ch e n Vereinigung sprach am Dienstag abend Pfarrer Lie. Fuchs aus Rüsselsheim vor sehr zahlreichen Zuhörern über das Thema „Brauchen wir eine Kirche?" Er kam in seinen Ausführungen zur Bejahung der Frage, trotzdem er die schweren Mängel der bestehenden Kirchen vollauf als solche kennzeichnete, insbes. ihr starres Festhalten an den alten überlieferten Formen, sowie die Tatsache, daß sie vielfach nicht durch Mahrheilsmut, sondern durch Klugheit geleitet werden. Dies tritt so recl)t in die Erscheinung, wenn wir die Kirche vergleichen mit den gewaltigen Menschen der Religion, z. B. Jesus und Luther, an denen man sieht, daß die Religion von den Einzelnen erlebt werden muß. Wir brauchen die Kirche, weil sie uns den Glauben dieser großen Männer des Glaubens vermittelt und damit wir das, was wir religiös erleben, mit anderen austauschen können. Die alten Formen werden immer wiederkehren, aber mit neuem Leben erfüllt werden müssen. Schön durch das Vorhandensein der kirchlichen Gemeinschaft werden die Menschen gezwungen, darüber nachzu- denken, daß es einen Gott gibt, der das Leben gestaltet. Alle Richtungen, Orthodoxe und Liberale, sollen in der Kirche mit gleichem Recht vertreten sein und im freien Kampf der Geister sich betätigen. Sodann schilderte der Redner die Bedeutung der evangelischen Kirche, die die Bibel in den Mittelpunkt des religiösen Lebens gestellt und dadurch dafür gesorgt hat, daß es nicht erstarrt. Nicht an Buchstaben und Bekenntnis solle man glauben, sondern an Gottes Wort und diesen Glauben solle die Kirche uns vermllteln. Mit einer Kennzeichnung der Ziele der freien landeskirchlichen Vereinigung schloß der Redner seine mit lebhaftem Beifall aufgeuommenen gedankenreichen Ausführungen, an die sich eine lebhafte Disrussion knüpfte. ** Oesfentliche Versammlung. Man schreibt uns von deutsch-sozialer Seite: Der aus den Reichstagsverhandlungen als gewandter Redner bekannt gewordene Abg. Amtsgerichtsrat Lattmann spricht nächsten Sonntag, 19. d. M., nachm. 31/2 Uhr, in Steins Garten dahier über das Thema: „Was wollen die Deutsch- Sozialen?" Auch Reichstagsabg. Köhler wird in dieser 23er|anrmüing anwesend sein. Es sei hiermit nochmals auf diese Versammlung hingewiesen. (S. a. Inserat.) ** Diebe. Zwei Handwerksburschen hatten gestern nachmittag bei. einem Althändler ein Paar neue Damen-Schnür stiefel unter der Angabe für 3 Mk. abgesetzt, sie hätten sie bereits vor drei Wochen gesunden und seitdem nachgetragen. Die Polizei sah sich die Burschen etwas näher an und stellte fest, daß die Stiefel kurz vorher aus einem Schuhwarenladen gestohlen worden waren. Der eine, ein wegen Diebstahls mehrfach bestrafter Mensch, hatte in dem Laden gebettelt und hierbei die Stiefel mitgehen heißen, während der Komplize auf der Straße „Schmiere" stand. Die Ladeninhaberin war nicht wenig überrascht, als ein Kriminalbeamter erschien, ihr die Stiefel übergab mit dem Bemerken, sie seien aus ihrem Laden gestohlen. Der Diebstahl war von ihr gar nicht bemerkt worden. ** Queckborn machte infolge dort herrschender Parteileidenschaften bei den Gemeindewahlen in letzter Zeit wiederholt von sich reden. Nicht immer konnte man an den dortigen Vorkommnissen achtlos vorübergehen und eine der letzten Mitteilungen hat uns eine Zuschrift eingetragen, die wir aus Gründen der Loyalität vollinhaltlich zum Abdruck bringen. Zu dem Bericht wegen „gemeiner Belästigung" eines Mädchens ist folgendes zu berichtigen: 1. Ter Fall erweist sich bei kritisch er Beleuchtung als ein harmloser Irrtum und gelangte nur durch Ortsparteifanatismus zu gegenwärtiger Blüte. 2. Herrschte am Abend des 7. Januar eine solche Dunkelheit, daß man kaum seine Hand vor den Augen sah. 3. Hielt der „Belästiger" die betr. junge Tarne für eine andere Persönlichkeit, welche er an* zusprechen beabsichtigte und sich infolge der Finsternis täuschte. 4. Weil der Vorfall aus offener verkehrsreicher Straße um 10 Uhr geschah, wo sämtliche Spinnslubenbesuchcr nach Hause gehen, entzieht sich ihm der ganze Nimbus, wie ihn „christliche Nächstenliebe" so gern deuten möchte. 5. Kann von „gemeiner Weise"- nur von denen geredet werden, welckie es sich nach ihrer Weise auslegen. 6. Wird der „betr. Sünder"" mit voller Seelenruhe alle Folgerungen aus diesem Fall zu tragen wissen. 7. Enthielt ein anonymes Schmähblatt aus gegnerischem Lager, welches gleichfalls zur Staatsanwaltschaft wanderte, nebenbei die Behauptung, wie solche in Punkt 3 ausgestellt ist. 8. Wünscht der der „gemeinen Belästigung"" Bezichtigte nichts sehnlicher, als Klärung des Falles an Gerichtsstätte im Hinblick seiner eigenen gefährdeten Ehre. 9. Werden die Verbreiter schriftlicher oder mündlicher unwahrer, wider besseres Wissen geschehener Behauptungen sich gegen die §§ 186 und 187 des Strafgesetzbuches zu entschuldigen haben. Damit schließen wir die Diskussion über die Queck- bomer Vorkommnisse und geben gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck, daß bald Ruhe und Frieden, in dem idyllischen Dörfchen wieder eintieten werden. x Niederbessingen, 14. Jan. Heute feierte! Landwirt Heinrich Haas mit seiner Ehefrau im Beisein seiner Kinder, Enkel und Urenkel das Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich noch der besten Gesunoheit und wir wünschen ihm, daß es auch die diamantene ebenso feiern möge. ch Griedel, 15. Jan. Wie gut sich die im Kreise Friedberg gegründete Wander-Haushaltungs» schule eingebürgert hat, sieht man daraus, daß sich hier zum 1. Kursus, der anfangs Dezember begann, so viel Frauen und Midchen meldeten, daß nur die Hälfte der An« gemeldeten zum 1. Kursus angenommen werden konnte, es mußte deshalb ein 2. Kursus angeschlossen werden. Dies ist ein Beweis dafür, welchen Anklang die Neu-» einrichtung bei der ländlichen Bevölkerung findet. ch Aus der Wetterau, 15. Jan. Die Wasserleitung für die Gemeinde Melbach, die an das staatliche Gruppenwasserwerk Lauter angeschlossen worden ist, ist jetzt mit einem Kostenaufwand von 28000 Mk. vollendet. Sie wurde von Kulturinspektor Heil abgenommen. — In Ilbenstadt stürzte der Maurer K. Haas bei Landwirt Kaiser vom Gerüst in die Tenne und blieb mit gebrochenem Genick liegen; er ist unverheiratet. XNidda, 15. Jan. Der am Sonntag auf der Nebenbahn Nidda—Schotten verunglückte Bahnarbeiter Berk ist feinen Verletzungen erlegen. Er hatte außer der Verletzung am Fuß noch innere Schädigung erfahren durch den Stoß der Maschine. Die Sache geschah folgendermaßen : In Kohden (Haltestelle) ist kein Warteraum; Reisende und der Bedienstete müssen den Zug auf offener Straße erwarten. Berk hatte den Dienst an der Halleftelle. Wegen der scharfen Kälte hatte er sich in dem in der Nähe stehenden Wirtshaus aufgehalten und wollte beim Herannahen des Zuges noch rasch das Geleise Überspringen, wobei er von der Maschine erfaßt und niedergeworfen wurde. Hoffentlich wird Kohden und Unter» Schmitten mit der Zeit einen Warteraum erhalten. § Aus dem Vogelsberg, 15. Jan. In diesem strengen Winter, in dem allmählich das Thermometer unter 10 Grad N. fällt, wird dem Wilde die N a h r u n g knapp. In dieser Not richtet das Wild öfters Schaden an. So wird Mel geklagt über Hasenfraß an jungen, ungeschützten Obstbäumchen. Nicht selten haben die Hasen an den Stämmchen die Rinde ringsum abgeschält. Solche Bäumchen sind rettungslos verloren. Ta der Schnee keinesfalls dick liegt, ja das Feld teilweise schneefrei ist, so nimmt der Hasen fraß au den Bäumen eigentlich Wunder. Jedenfalls treibt der strenge Frost die Ha,en zur Baumrinde. Ta die Kälte noch weiter anzuhalten scheint, ist ein Schutz der jungen Bäumchen vor Hasen fraß durchaus geboten. X Aus dem Kreis Lauterbach, 13. Jan. Die Viehzählung vom 2. Dez. v. I. hatte in den 67 Ge- metnben des Kreises Lauterbach folgendes Ergebnis: Pferde 1997 (am 1. Dez. 1901: 2029), Rindvieh 25169 (23 478), Schafe 6065 (4508), Schweine 17 821 (15 510), Ziegen 2841 (2757), Federvieh 47 298, Bienenstöcke 1585 Stück. Alle Tiergattungen waren in allen Orten vertreten, während Esel und Maulesel überall fehlten. Nur die Zahl der Pferde ist um ein geringes, zurückgegangen, während sonst überall Zunahmen zu verzeichnen sind. Der Mehrbestand ist besonders ausfallend bei den Schafen, denn während im allgemeinen die Schafzucht ständig zurückgeht, ist sie in unserem Kreise in den letzten drei Jahren um ein volles Drittel des Bestands von 1904 gestiegen. ** Darmstadt, 13. Jan. Zu der gestern hier ab» gehaltenen Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Mittelrhcin. Turnt re lses waren sämtliche Mitglieder desselben erschienen. Für das Jahr 1908 wird folgender Arbeitsplan festgestellt: 2. Febr.: Sitzung des TurnausschusseS in Mainz; 15. Mürz: Kreisoorturncrstunde in Aschaffenburg; 4. April: Sitzung des Kreisausschusses in Wiesbaden nachm. 2 Uhr; 5. April: Kreisturntag daselbst morgens 10 Uhr; 3. Mai: Kreisvorfechterschule m Frankfurt a. 2)1. in der Halle des Turn- und Fechtklub; 28. Juni: Probe- wetturnen für das Deutsche Turnfest; 30. Aug.: Zusammcn- kunst der Leiter und Leiterinnen von Frauenabtellungen in Groß-Gerau; 27. Sept.: Kreisvorturnerstunde in Homburg u. d. H. Zum 50jährigen Bestehen des Kreises am 27. März 1909 soll eme Denkschrift ausgcarbeitet werden, die Mittel dafür werden beim Kreisturntag beantragt. Der Feldberggau wird in den Kreis aufgenommen. Der Kreis zählt jetzt 25 Gaue. Für den 9. Kreis wird beim Deutschen Turnfest für Dienstag abend ein Festabend vorgesehen. Beim nächsten Kreisturntag wird beantragt, daß neu aufzunehmende Gaue in Zukunft mindestens 2000 steuerzahlende Mitglieder zählen müssen. (fe.) Mainz, 15. Jan. Die am 17. Dezember 1907 gewählte Bürgerkommission in Kastel überreichte dem Vorsitzenden des Kreisausschusses, Regierungsrat Dr. Krug von Nidda eine Eingabe gegen die Eingemeindung. Die Eingabe haben von 1242 Gemeinderatswählern 900 unterschrieben. ? R 0 dhei m a. d. Bieber, 14. Jan. Der hiesige Kriegerverein trifft eifrig Vorbereitungen für den diesjährigen Delegiertentag, der nächsten Monat hier tagen wird. Es werden etwa 100 Abgeordnete dazu erwartet. Unser Kriegerverein wird am Abend des Vei> bandstages sein Stiftungsfest begehen. r. Wißmar, 15. Jan. Am 13. d. M. fand hier die erste diesjährige Holzversteigerung statt und kam vorwiegend Buchen-Scheitholz von vorzüglicher Qualität zum Ausgebot; es wurden für den Meter 11 und 12 Mk. bezahlt. Reiser wurden mit I Mk. pro Meter im Durchschn. bewertet; eine große Nachfrage war nach den, nur in geringer Menge 5um Verkauf gestellten Fichten-Stangen, infolgedessen stellte sich der Preis auf 2 Mk. pro Stück erster und 1 Mk. 50 Pfg. pro Stück 510eiter Klasse; um die Nachfrage nach diesen Stangensorten zu befriedigen, wird beabsichtigt, noch mehr davon zu fällen und sie demnächst zur Versteigerung zu bringen. () Marburg, 15. Jan. Gestern abend wurde eilt Student beim Rodeln gegen einen Baurn geschleudert und brach ein Bein. Ein aiföerer Mann erlitt auf der Rodelbahn dadurch eine schwere Verletzung am Auge, daß cm über das Rodeln wütender Fuhrknecht mit der Peitsche auf ihn einschlug. () Biedenkopf, 14. Jan. Gestern nachmittag mürbe im nahen Laasphe die Trikotagen- und Moll- « 6» «■:S *««ft ui'.;**» rsL -«re* ^an9 die ?n9 findet. N Jle ®“iittleitu„. M "°°W »»rteti in 1 »« »olfabt ltn°ntmen. - Sonbiskt ■"“Aodjeneg, 19 °uf der Neben. te * der Ber. ^9 erjagen durch “CW folgendem 1 ^°"eraum: .oU9 auf offener nil an der halte- ct W in dem in alten und mollte das Geleise überlaßt und nieder- hden und Unter, ^erhalten. ,9Q1L 5« diesem - "w.ometer unter a^brung knapp. ^)adcn an. So [9en- ungeschützten ;n an Len Stämm- De Ä^umchen sind uesjatls dick liegt, nmt der hasenjraß Lcicsalls ircibt der 2a die Alle noch der jungen Bäum- m ch, 13. Zan. Tie ine in den 67 Ge. ’.i Ergebnis: Pferde ich 25169 (23478), 5 510), Ziegen 2841 1585 Ltück. M vertreten, während ?2ur die Zahl der gen, während sonst Ter Mehrbestand denn wägend im üägehi, ist sie in ren um ein volles !N. c gestern hier ab« den Ausschusses bei sämtliche Mitglieder Ü8 wird folgendrl des Tucnausichustes unde in Aschassen. usses in Wiesbaben i daselbst morgen? n Frankfurt 0. M, . 28. Ium: Probe« ). Äug.: Zuiam'nem rraucnabtellungen ir rilunde in Homburg Kre'seS nm 27. * mcrdcn, die Mittel 17. TeMber L s°» JJ ^bend ot; ■ gn fand $’eI J? b • rt und lam^ ng'-^ät z- 11 betvertel mrengr a in 3enhnl'eii stell" < ।toiie* . iW’f jujft. S 1 ... »in * »-«> j, •?,r «ms Kl' B miidltn i«* , Mgli-h!». S"“ 5 neu auijuntfjmenbe »varen-Fabrik von August Melsheimer durch einI Gr 0 ß feuer eingeäschert. -Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. — Durch den harten Winter tritt jetzt das Rotwild aus den Forsten. So zeigten sich in den letzten Tagen ganze Rudel Hirsche. Der Förster aus Breidenstein erlegte einen Sechsender und Frhr. v. Breidenstein eine Hirschkuh nebst Kalb. Prozeß Peters. Köln, 15. Januar. Tie Sitzung beginnt mit einem Bergteichsvorschlag fiet Verteidigung, der von Herrn von Bennigsen ab gelehnt wird. Es wird das Protokoll über die Vernehmung des früheren -Gouverneurs, Freiherrn v. Soden, die am Montag in dessen Wohnung in Stuttgart stattgefunden hat, verlesen. Freiherr von -Soden bekundet, er habe in Tange Dr. Peters für seine Expedition Vollmacht über die Strafrechtspflege der Eingeborenen gegeben. Erst durch das Schreiben des Bischofs Smiethies sei er von dessen Verl-alten unterrichtet worden. Ich schrieb an den Bischof, baß ’.d) den Dr. Peters erst hören wolle und fragte Tr. Peters brieflich, weshalb er mir nicht über die Angelegenheit berichtet habe. 'Tr. Peters habe geantlvvrtet, er habe mir nicht geschrieben, weil er mir damit keine Freude gemacht haben würde. Ich berichtete nach Berlin und forderte die Einleitung einer Untersuchung. Zu einer förmlich en. Untersuchung kam es nicht, weil die interessierten Lersonen später außer Landes waren. Für mich hatte es den Anschein nach Allem, was ich damals hörte, daß die Hinrichtungen ein Akt der Roheit gewesen seien. Er halte seine früheren Aussagen ui dieser Sache aufrecht, denen zufolge die Hinrichtungen vollständig unnötig waren. In einer zweiten Aussage erkennt von »Soden an, daß Dr. Peters infolge seines Auftrages mit den i 1 Eingeborenen in Konflikt kommen mußte. Er mußte mit Strenge r-orgehen, um seine Autorität zu wahren, durfte er niemals nmgerccht sein. Tr. Peters bemerkt hierzu, daß. seine Korn- U>etenzen nicht ganz klar lagen. Es werden nun Schriftstücke : rwn dem Kolonralamt verlesen, sowie Briefe Tr. Peters an Len Bischof Smiethis. Einen nochmaligen Vergleichsversuch des Äorsitzenoen lehnt v. Bennigsen ab. Darauf wird dem Justizrat I Dr. Sello das Wort zu seinem Plaidoyer erteilt. Er führt j «us: Tas Beleidigende in dem Artikel der „Kölnischen Zei- il Itung" sei darin gefunden worden, daß behauptet wurde, es | »existiere ein dem angeblichen Tuckerbrief ähnlicher Brief. Den § nötigen Teil des Artikels hätten er und Peters als eine berech- tigte, nicht strafbare Kritik aufgefaßt. Tr. Scito stellt, dann I feie Vorgänge und die Motive der Vorgänge am 5. Januar 1892 ■im Kilimandscharo zusammen und beurteilt den Rechlssall nach | feen tatsächlichen und rechtlichen Verhältnissen. Es sti ein we- ßcntliches Stück deutscher Kolonialgeschichte, das hier verhandel I mürbe. Sello verliest aisdann Teile aus dem angeblichen Tuaer- Lricf, den der Abgeordnete Bebel am 13. März 1856 im Reichs- Lage verlesen hat, und stellt fest, daß nach der Beweisaufnahme 4 weder Bischof Smithies Peters einen,Mörder genannt habe, noch Öen Hinrichtungen geschlechtliche Motive zugrunde ge.egen hätten. Der Tuckerbrief habe sich entpuppt als eine der uiederträch- - ffigsten Fälschungen der Weltgeschichte. Zu bedauern sei, daß En dem Bericht der „Köln. Ztg." nicht unumwunden die Fäl- ssHung des Tuckerbrieses anerkannt worden sei, sondern nur , tun der Anzweifelung des Briefes die Rede gewesen sei. Nach - hem Tuckerbrief sei dann der Woodwood- und nach diesem der Smithies-Bries ans Tageslicht gekommen. Peters habe schon darauf aufmerksam gemacht, daß von einer Aehnlichkeit d.s Lomithies-Vrieses mit dem angeblichen Tuckerbrief nicht die Rede - fcin tonne, beide vielmehr einen vollkommen entgegengesetzten Inhalt hätten. Van Ehebruch und geschlechtlichen Motiven Eflime keine Rede fein. Peters sei von der Tisziplinarkammer Don diesem Punkte freigesprochen worden und in dem zweiten : Urteil des Tisziplinarhofes sei er wegen dieses Falles nur vcr- rktteilt worden, weil die Gründe für die Verurteilung objektiv * dieses Urteil nicht rechtfertigten. Ferner verweist er auf aas Zeugnis des Herrn von Bech- tttaim. Tiefer einzige Zeuge der damaligen Vorgänge habe bc- I schworen, daß bei der Hinrichtung der Jagodja von sexuellen Moti- ‘ jcn nicht die Rede gewesen sei, daß vielmehr Herr Peters gegen die Hinrichtung gestimmt hätte. Dasselbe habe auch Jahnke be- kamdet. Sello geht bann noch auf die Bekundungen der Zeugen . ein. Daß Dr. Peters mit der Zeit eine gewisse zynische Art dis Empfindens bekommen habe, sei unter den obwaltenden Umstän- dm erklärlich. Ter Redner beantragt den Artikel von Bennigsen, i>tr sich als Verfasser des Artikels bezeichnet habe, gemäß £186 des Strafgesetzbuches zu bestrafen. Mildernd komme in Betracht, daß v. Bemiigien bei der Abfassung des Artikels fron dem Inhalt des Smithiesgchen Brieses keine Kenntnis gehabt habe. Auch der angetlagte Redakteur Brüggemann sei z r bestrafen, weil hier der § 21 des Preßgesetzes nicht anzu- llrenden sei. Ein abschließendes Urleil werde Dr. Peters von der Geschichte ' e.ilangen und vor diesem Urteil bange ihm nicht, aber auch nicht, fror dem Urleil, das man heute über ihn fällen werde und d°nn er wie sein Verteidiger mit vollem Vertrauen entgegensehe. Tie Nachmittagssitzung begann mit dem Plaidoyer des Rechtsanwalts Falk. Er ging von dem Urteil des Tisziplinarge- rachtshofes aus und betonte, daß er erst auf die Kritik, die in München an dem Urteil geübt wurde, fein Zeugenmaterial vor- N?führt habe. Man könne die Hinrichtungen des Mabruk und dorr Jagodja nicht voneinander trennen. Der Verteidiger sucht mrn darzutun, daß bei der Hinrichtung des Mabruk geschlecht- I iche Motive mitbestimmend gewesen feien. Der Verteidiger wür- boigt bann auch die Person des Zeugen Fr ei Herrn v. Pechmann, der j h seiner Anhänglichkeit für den ihn weit überragenden Dr. Peters Liles für recht hielt, was dieser tat. Es fei auch keine große Gefahr vorhanden gewesen, um die Hinrichtungen zu rechtfertigen. 2er Fall Peters müsse von der Bildfläche verschwinden und darum schrieb Bennigsen seinen Artikel. Nach weiteren Ausführungen plädierte der Verteidiger dafür, daß dem Beklagten der § 193 z.itzubilligen sei. Er beantrage Freisprechung für v. Bennigsen Md den angeklagten Redakteur Brüggemann. Justizrat Dr. Sello führte in feiner Entgegnung aus, was den Redakteur Brüggemann angehe, so könne er nur lvieder- hplen, daß auf ihn der § 20 des Preßgesetzes Anwendung haben müsse. Der § 193 sei auf Bennigsen nicht anwendbar. Bennigsen habe ja nicht die Wahrheit gesagt, die er gekannt habe, sondern die Unwahrheit, wenn auch unbewußt bezüglich des dem Tuckerbrief ähnlichen Briefes. Er sei der Ueberzeugung, daß Peters nicht den Vorwurf der Ruchlosigkeit verdiene, und er zweifle nicht daran, daß diese Ueberzeugung auch das Gericht j,a der {einigen machen werde. Rechtsanwalt Falk wendet sich gegen einige Ausführungen Cellos. In dem Urteil des Disziplinarsenates sei die Ansicht aus- Arfprochen, daß das Vergehen Mabruks nicht todeswürdig sein Gimte, auch nicht unter Androhung der Todesstrafe. Was d»n Fall Jagodja angehe, so hätten die Sachverständigen die , Frage verneint, ob eine Bestimmung existiere, wonach auf Stetten» flucht Todesstrafe stehe. Falk schließt: Die Petersaffäre ist tot und b».e Petersklique ist tot. Mögen die Toten die Toten begraben. Tr. Peters bemerkt: Als am Samstag der Briefwechsel mit Bischof Smithies verlesen wurde, sei bas ein großer Augenblick : m seinem Leben gewesen, ba diese Korrespondenz den Untergrund ^bildet habe für das Gebäude von Lüge und Verleumdung fl (gen ihn, das hier zusammengebrochen sei. Er sei überzeugt, Hß das Gericht ihm jetzt endlich ein für alle Mal das wieder- g den werde, um das er so lange gekämpft habe, nämlich seinen g ulen Ruf und seine Stellung vor der Welt. Redakteur Brüggemann gibt Aufklärungen über die Tätigkeit eines verantwortlichen Redakteurs an einem großen Blatte. Er habe bisher nicht gesprochen, weil mit dem Augenblick, wo v. Bennigsen sich als Verfasser genannt habe, er wieder der wiifache Journalist gewesen fei. Er wolle sich aber nicht hinter Nmnigsen verstecken. . Darauf wendet sich Gouverneur a. T. von Bennigsen zu- ncchst gegen Dr. Sello, der ihm mangelnde Noblesw vorge- roorfen habe. Er müsse Dr. Sello absprechen, bas 311 beurteilen. Wenn Ällo von seines, Bennigsens, Vaters Urteil über Peters im Jahre 1890 gesprochen habe, so erwidere er, er habe allerdings früher über Peters so geurteilt, sei aber später nicht mehr für Peters eingetreten. Bennigsen geht bann auf den Tucker- bezw. Smithies-Brief ein und erbietet sich, durch einen klassischen Zeugen den Beweis zu erbringen, daß niemals ein Beamter ober Offizier mit der Fälschung etwas zu tun hatte. Er halte die Disziplinar- urteile gegen Peters noch viel zu milde. Er sei überzeugt, daß owohl bei dem Mabruk- wie bei dem Jagodja-Falle nicht allein Scheinsitzungen ftattgefunben hätten, sondern auch die Gründe Scheingründe gewesen seien. Eine Konspiration der Jagodja habe nach den Zeugenaussagen nicht stattgefunden. Er nehme für sich den § 193 nicht in Anspruch. Er habe aber kennzeichnen wollen, weshalb er gegen die Kolonialverfehlungen aufgetreten sei. Er sei Kolonialpolitikcr mit Leib und Seele, aber er stehe trotzdem auf dem Standpunkte, wenn wir unsere Kolonien nicht ordentlich verwalten könnten, dann sollten wir sie lieber verschenken. Bennigsen schließt mit den Worten: Ich habe diesen Kampf gekämpft. Ich halte ihn für einen guten Kampf, und wenn Sie mich aus irgend einem Grunde verurteilen müssen, werde ich das Urteil über mich ergehen lassen, aber als, Jurist werde ich mich in diesem Falle zu trösten wissen mit dem Spruche: Summum jus summa injuria! Ta hiernach allseitig auf weitere Ausführungen verzichtet wird, wird die Verhandlung abgebrochen und die Urteilsverkün- bigung auf den 2 2. I anuar, 3^2 Uhr nachmittags, angesetzt. Martcau in Darmstadt. — Aus Darmstadt wnd uns vom 15. Jan. geschrieben: Als ein Ereignis besonderer Art darf der Henry Marteau- Abend bezeichnet -werben, den der rührige 9iichard Wagner- Vereni gestern hier veranfloliele. Ter zum Ätuchiolger Pro^. Joachims m Bertm ernannte französische Komponist ist ja auch in Gießen fein Fremdling. Inzwischen halte sich das Jnleresie für den Künstler nicht nur durch feine Beru'ung nach Berlin, sondern auch namentlich dadurch gesteigert, baß er persönlich die Redaktion des „Tarmfiädler Tagebialtes" aussuchte und das Telegramm des „Berliner Tageblattes", worin er als f r a n j ö f 1 \ cf) e r O be r= leutnant eme ziemlich chauvinistische Geslimuilg an den Tag gelegt haben sollte, als falsch und überhaupt nicht existierend erklärte. Zudem trat Henrv Aianeau geiieru zum ersten Aiale mit Unterstützung geschätzter auswärtiger Interpreten ausschließlich mit eigenen Kompositionen aui den Plan. Gleich das Quintett in H-moll (op. 13), das den Abend emleitete, erweckte trotz des strengen Kammerniusifcharalters starke Sympathien, wenngleich bei der park französisch und dabei filigranhatt temen Polyphome ein leichter ücbcrreij der Empfindung nicht zu verkennen ivar. Ein Streich- trio m D-mull, das hier seine Uraufführung erlebte, wirkte wenigstens in den beiden ersten Sätzen durch einen volleren Gedeckt, wobei sich die Au'merkiamkeck besonders aui das wundervolle Violmenipiel des Koinponisten richtete, der bann noch mit einer prächtigen Ehaeoune, in der er meislerhast die Bratsche iptelte, einen vollen Triumph erntete. Ernst E a h n b l e y - H t n k e n, der hier am Klavier begleitete, und die Herren Paul S t e y e r- Tortmiind, H. S ci) m i d t-Reinecke, Adoli P ö r s f e n und der Erstgenannte auch als Biolineellist unterstützten habet den Gegierten an]5 eifrigste. Beionbere Erwähnung verdient noch Frau E a h n bl e y - H i il k e n nir den Vortrag von sieben Viedern sttr Sopran, die mit inniger Hingabe an die Komposition und glockenrcu.er Stimme 511m Vortrag kamen. - Henry Marteau hat mit seinem diesmaligen Tebut hterselbst unzwelfelhait einen großen Eriolg erzielt, der auch buicl) lortgejetzten Applaiis und zahlreiche Kranzspenden äußerlich zuin Ausdruck taut, |o daß sich der Künstler noch zum Vonrag eines Präludiums von Bach und einer ^olojonate von Max Rüger ent- ,:()lieeit m.ijte. F. H. Saarbrücken, 14. Jan. Tie hiesige Strafkammer verurteilte heute den Bürgermeister Tr. e i f von St. Johann wegen Herausforderung zum Zweikampf, begangen gegen Tr. Tille, zu achr Tagen unb den Sannatsrat Tr. e|iö. Töirisch. Korreip.", in dem dem Burgerinei|ier Neff oorgeioorieu wurde, er habe sich als Vorsitzender der St. Johailner <^par- und Tarlehnskafie einer Bllanzoerichicierung schuldig gemachi. * Ä'leine Tageschrontk. Die Mau.1- uni) Klauenseuche greift in Bayern^ um sich. Zurzeit ,ind Oberbayern, vueoerbayern und Schwaden verseucht. — Der Sohn der Frau v. Erbe, Leutnant v. Kruse, dementiert die vom „B. T." verbreitere Meldung, daß er seinen Abschied geummnen habe, und ertläri, daß er in absehbarer Zeit sein Abschredsgefach nicht einzureichen gedenke. — Am 15. Januar entleibte s i ch iii diovigno ProsessorBurkhardt, der Leiter der d-orrigen Zoolog. Station des Berliner Aquariu.ns, in folge eines ueurastheni- schen Leidens durch erneu Schuß aus einer Browntng- piftole. — In Niederweiler in Lothringen tötete per neunjährige Sayn des Adjunkten Geos,roy spielend durch einen Schuß aus dem Gewehr seines Vaters, seine achtjährige Schwe,rer. Tie von einem Ausgang hetmlehrende Mutter sand ihr Kind mit zeri.rummerrer Schädetdeae im Zimmer liegend. — Aus Sokolow, einer Station der poln. Weichselbahn, wird gemeldet: Em P 0 st - O m n i b u s lvurde von mehreren bewa,,neten Leuten umzingelt, die eine Bombe unter den Wagen warfen und nach dem Postillon und der militärischen Bedeckung zu schießen begannen. Bei dem furchtbaren Kampf, der entbrannte, blieben 3 Personen tot und 10 schwer verwundet aus dem Platze. — Die Behörden von Boyertown teilen nunmehr "mit, daß sich die Zahl der Toten auf 2OU beläuft Die Untersuchung hat weiter ergeben, daß in den Gängen Feldstuhle neben vcn anderen Schon noch au,gestellt waren, wodurch die Ausgänge noch mehr versperrt wurden. Die Geretteten behaupten, daß falls ine Zuschauer sich ruhig veryalt-on hätten, die Zahl der Toten nicht der- art groch wäre. LrngeßanSr. Wenn ich nicht inc, m “i o^e,em Blatt vor nicht langn Zeit gelegemtich evÜffflib.___________________________________ kirchliche Nachrichten. JsrireUNsche ReilgtvttSgemczttoe. Hoitrsoiena in der Synagoge (Sudaulage). Samstag den 18. Januar 1908: Vorabend 4.45 Uhr. Ai 0 r g e n s 9.00 Uhr. Nachmittags 8.30 Uhr. Schristerklärung. Sabbat a u s g a n g 5.50 Uhr. Israelitische Religionsgesellschast. Gottesoieust. ©abbatfeier am 1 ö. Januar 1908: Freitag abenb 4.35 Uhr. iLaiusiag uovmiuag 8.30 Uhr. Nachmittags 3.30 Uhr. Sabdal-Älusgaug 5.50 Uhr. WocheiigoliesHienfi: iiiorgens 7.00 Uhr, abends 8.00 Uhr. ‘•tioianoii(0tü(i)c Wtucruug |itv yeneii am Freitag den 17. Januar 1908: Trüb uud nebelig. Zunächst trocken, später 'Riederlchläge. Alilb. Ta 1 iweiier. Aiisirischeiide iveslllche Winde. Griginal-DrahtinelSungen. Norden, 16. Jan. Der Präsident des preußischen 5^>errenhauses, Für ft zu In- und Knyp Hausen ist heute morgen 1/2? Uhr in Luetetsburg g e st 0 r b e n. Alünchen, 16. Jan. In einer Reihe von Ortschaften bei München wurde die versuchte BierpreiSer Höhung nut einem allgemeinen B1 erftreik beantwortet und abgeschlagen. Tie Versammlungen dazu sanden nicht im Wirtshaus, sondern unter freiem Himmel statt. München, 16. Jan. Die Mitglieder des ärztlichen Ehrengerichts im Falle Hutzler, Dr. Kastt und Dr. Jooß haben den Profe>sor Quid de neuerdings wegen Beleidigung verklagt, weil er beim Prozeß- abbruch des ersten Prozesses durch die Kläger das Wort Infamie in den Gerichtsfaal gerufen hatte. Der Sühnetermin ift durch Quidües Ausbleiben ergebnislos verlausen^. 0. Knpsch, rankfurt n. M Iltegasfe 27/2:». W M eötc oo cm Zu sich Heu! spielte i türe ui sinniger zum er zichtet, treten z einen n § c ct) d mus. r< Regien wünsche sassung auch ü scheu B polit dem Ä Muiste auf bet großen Da Mitglie! Potth hinzu; schlossen sogar a eignu tionsget damit m feinen werbe ii Der Äeic Sn träfet halten, b muä ihn Ach Erklärung sie im G gar im abgegeben zwischen temperan Böhme scheu Pol Radzi» Eozialdei trat dal mit eine ner beer Zns der Inte ivirtschaf gebiet u. Die Arb> Cuperkon später itadj 5ei man sch ... Das Malen j - Am pvl Ut war, ' '*räg lioiiö)afj L eener MzuJ ^4. ^spler be ^'w.stage L r-r g 9*4: fe«! d°z» «*« "> U cs i$ieii5tn( zweimal »uttchaN pr- «erlag u. Adresse 1 «a»etk -rr.l Oer SonnMi? viermal ew*lt» nveimal" Preisermässigung von 384 Gegr. 1899 Gegr. J899 Mehrere 886 6 Zimmer 1000 m iSuirlanden au Saaldekorationen bill. abzug. Carl Stückratp, Möbelfabrik. Verein BCanaria = für Giessen und ümgegend Vom 16. bis 20. Jannar 1908 Agrkt«rseft)ült°LAr,M Reingewinn von zirtn u Mllle unt. günst. Beding, zu verkaufen. Branchetenmmsse nicht erfordert. Nötiges Kapital 15 Mille Schriftliche Angebote unter 350 an den Gien. 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