Rr. 243 Donnerstag 15. Oktober 1908 Zweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Zur Reichsfinanzreform. 1)03 bei der Neubearbeitung des hessischen Le ichillen daraui keine Rücksicht genommen wurde, unsere höheren Schulen enthalten eine ganze A Lichte, oljue die Klassiker zu kurz kommen zri las 158. Jahrgang Die „Siebener Zamiltenblätter- werden dem »Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, daS „Kretsblatl für den Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. Die „randwirtschaftlichen Zetttragen" erscheinen monatlich zweimal. Rotationsdruck und Verlag der vrühpsch« Universttäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: e^zA bl. RedaktioniS^ 112. Tel.-Adru AnzeigerGießen. HUT illllches Wei Die Reform der Arbeiterverficherung. Bei den Verhandlungen der Enquetekommission, die, wie wir t gestern kurz mitteilten, Eirde dieses Dionats im Reichsamt des Innern zusammeutreten wird, soll es sich nicht ollem um die Frage ter Krankenversicherung handeln, sondern auch die übrigen Zweige ter Arbelterversicherung sollen der Erörtenmg unterzogen ivetben. tiinen Anhalt für das Beratungsprogramm, das der Kommission vorgelegt werben soll, bietet eine offiziöse Mitteilung über die '.:iinfte, die auf den einzelnen Fragebogen verzeichnet sind. Taraus io ird ersichtlich, daß bei den Krankenkassen möglichste Beschränkung mjj die Ortskrankenkasse als Bersicheruiigsträger vorgesehen ist und tflB man vor allen Dingen eine Ze>ilralisation Herdeiführen will. 2 abei soll auch eine Neuregelung der Rechte und Pflichten bei sgbfcr Kassenverwaltung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern Irr folgen, wohl im Hinblick aus die Verhältnisse, die sich speziell 7 iic größeren Städten herausgebildet haben. Empfohlen wird auch, toit schon vor einiger Zeit in einem Fachblatt des Baugewerbes mitgeteilt, die Einsetzung eines unparteiischen Vorsitzenden, eines |o<. Versicherungsamlmannes, der zur Schasfiing eines Ausgleichs zwischen den widerstreitenden Interessen der Arbeitgeber und Ar- v de-itnchmer eingesetzt werden soll. Neben einer Regelung der Lrcrhältnisse der Kassenbeamten soll noch in eine Erörterung bmrüber eingetreten werden, ob sich die Einführung der Verhältnis- loialjl bei den ^Krankenkassen empfiehlt, um auch den Minderheit^ gauppen eine entsprechende Vertretung zu sichern, ein Standpunkt, beit man nur billigen kann. Was die übrigen Versicherungs- uieigc anlangt, so scheint man einen gemeinsamen lokalen Unter* bcnii, das sog. „Versul)erungsamt" zu planen, über denr ein „Ober- i'e:csicherungsamt" als Mittelinstanz steht, während der letztere .'tar5 dem Reichsversicherungsamt zufallen würde. Auch sollen Deutsches Resch. Der Kronprinz ivird deninächst in die Geschäfte des Finanzministeriums eingeführt iverdeu. Aus Posen: Tie Sozialdemokraten haben beschlossen, sich in diesen: Jahre mit Unterstützung der Polen an den Kommunalwahlen zu beteiligen. Sei der Reichstags-Ersatzwahl Prenzlau- Angerm ünde erhielt Oberpräsident v o n Winterfeld- Potsdam (Kons.) 10 892, Pastor Schmidt-Massow (Lid.) 2694 und Parteisekretär Otto Wels-Berlin (Soz.) 2892 Stimmen. Die Ergebnisse von einigen kleineren Orten flehen noch aus. la‘ rktober^°»l rstellUlle ten n n * gDnacht werden, die Gedichte seien zu schwer für unsere Bolks- 'tciiler. Versuche werden lehren, daß dies durchaus nicht der Fall ist. Natürlich ist nicht alles geeignet. Aiiffassungskrast und Alter Iber Schüler müssen berücksichtigt werden. Ich behaiidte schon seit ei ngen Jahren solche Gedichte an einer einklassigen Schule mit qulem Ersolge. Es muß dem Lehrer Vergnügen bereiten, neuen 5 loff hier zu finden, anstatt immer ui»d immer wieder zu be- imbeht: Tie alte Waschfrau, Der Sänger, Ter Alpenjäger u. s. w. l!erbiiig§ ist es für ben Lehrer viel schivieriger, solche Gedichte ui behandeln, weil sie nicht im Lesebuche stehen. Zu bedauern ist, >03 bei der Neubearbeitung des hessischen Lesebuches für Volks- ' Die Lesebücher für oy/jsr.gwt 0.0- 15 W In mgzurordcutl.Gcun- nmlung am Freitag, bi ktobcr, abends 9 Ur des Hotel Eiuborn. Tagesordnung: uiitcll. der Wablmäuv fiiil ■! ifiegiilE atarrhe (Heiserkeit, •)• gegen alle Hals- ndungen, Mandel- 16 gegen Infektions- • üifluema, Keuch- Scharlach u. a. lunack; leichte An- le bakterientötende leugung gegen An- auf Dritte. löfheken. Acsf&hrllcha bOe., BERLIN SW. 48. AleLnes FerrSUeton. — Moderne Poesie in der Volksschule. Unter bl.sein Titel veröffentlicht W. Lehr, Rebgeshain, im „Schulboten '.it Hessen" einen kleinen Aufsatz, dem mir folgende bemerkens- u-aten Stellen entnehmen: „In vielen Unterrichtsfächern begegnen ihr in den letzten Jahren oft recht durchgreistudeu Reformen. Ich u innere hier besonders an das Zeichnen. Im Religionsunterricht iHtben sie hoffentlich bald folgen. — Sollten wir nicht endlich ein- ii-nt auch den Stoff für unsere Gedichte einer Neugestaltiiiig nnter- Irichen ? Ich ivill gewiß nicht unsere Dichterheroen Goethe, Schiller it. s. iv, aus der Schule verdrängt wissen, aber unter unseren in.obernen Dichtern finden wir so manchen, dessen ^Gedichte auch in bec Volksschule behandelt werden können. Es mag der Einwand ganze Anzahl derartiger Ge° ... „ ...........Iaffen9 Ein besonderes Büchlein zu beschaffen, ist aus verschiedenen Gründen nicht angängig. J5ir müssen also vorläufig mit der Tatsache rechnen, daß der Schüler fein Buch besitzt, um solche Gedichte zu lesen, sie gedruckt '; ju. sehen und endlich auch zu können. Dadurch entsteht dem Lehrer vi <1 mehr Arbeit, besonders bei großer Schülerzahl oder gar au :itier einklassigen Schule. Aber seien wir nicht so ängstlich und la fien wir die Schüler im Jahre ein oder zwei Gedichte weniger lernen. Sie müssen immer noch genug auswendig lernen. Ta es läiig ist, das Gesicht geschrieben zu sehen, so laße es der Lehrer von der Wandtafel abschrelben. Ich lasse diese Gedichte in der öchule gemeinsam unter meiner Mithilfe memorieren, bevor sie ^geschrieben werden. Dabei kommt in erster Linie die Betonung gut weg." Es wäre wünschenswert, wenn diese gesunden An- Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Dderhrfie» regungen auf fruchtbaren Boden fielen, beim gerade die Volks- schullehrer sind berufen und geeignet, die Ideen unserer Zeit ins wirkliche Volk zu tragen, und es ist auch ihre Pflicht, an seiner künstlerischen Erziehung nach Krästeii mitzuwirken. — Napoleon III. auf Wilhelmshöhe. Aus dem Nachlaß dies Generals der Infanterie Grafen Monts, der als Gouverneur von Kassel ine Aufgabe hatte, den gefangenen Kaiser Napoleon III. auf Schloß Wilhckmshöhe in seine Obhut zu nehmen, werben demnächst togebudjartige Aufzeichnungen in dem Buche „Napoleon III. auf Wilhelmshöhe 1870/71" der Öffentlichkeit übergeben. Das Werk, bas die Großnichte des Generals Tony v. Held herausgibt, crschieint .im Verlage von E. S. Mittler u. Sohn in Berlin, der es uns in freundlicher Weise ermöglicht, heute schon einiges aus dem Inhalt nttt-uteilen. Aufgabe des Grafen Monts war es, einerseits die Bewachung Napoleons wirk- fam zu gestalten, andererseits dem Befehle des Königs Wilhelm nachzutommen, der dahin lautete, dem Kaiser und seinem Gefolge die möglichste Bewegungsfreiheit zu lassen. Auf s2Cnorbnung des Grafen Bismarck wurde im Schloß Wilhelmshöhe selbst eine Posd- und Telegraphenstation errichtet, die den Gefangenen auch für chiffrierte Telegramme jur Verfügung gestellt blieb. Die Herren waren selber höchst erstaunt über das in sie gesetzte Vertrauen betreffs ihrer Korrespondenz, hegten aber Argwohn gegen die hochheAige, von Bismarck getroffene und vom König sanktionierte Maßnahme. Um fcstzustellen, ob ihre Mutmaßungen berechtigt waren, ließen sie sich mehrfach Briefe, die sie zur Beförderung abgeliefert hatten, kurz vor Abgang des Zuges zurückgeben. Sie schützten bann vor, baß an der Mrresse etwas zu ändern oder dem Inhalte etwas beizufügen sei. Jedesmal händigte der Postbeamte das Gewünschte unbeschädigt aus. Die Herren konnten sich auf fciiefe Weise überzeugen, baß ihre Briefe nicht geöffnet und gelesen wurden, wie sie oermutet hatten. Napoleons Auftreten in der Gefangenschaft bezeichnet Graf Monts als ein von Anfang an ruhiges, gemessenes und würdiges. Keine Ausbrüche von Aerger, Allagen ober Verzweiflung über bas, was über ihn gekommen, macksten sich bemerkbar. Stark hervortretenbe Charakterzüge des Kaisers waren seine wahre Herzensgüte, seine allgemeine Menschenliebe und Gutmütigkeit. Er war ununterbrochen tätig und kannte im Gegensatz zu seiner Umgebung auf Wilhelmshöhe keinen Müßiggang. Vornehmlich beschäftigte er sich mit Ister-arischxn Arbeiten. Der Ka s wohnte auf WilhelM- bie Kornpetenzgrenzen der einzelnen Instanzen derart festgelegt werden, daß ein Teil von Arbeiten, die jetzt bas Reichsversicherungsamt zu erledigen hat, an bie mittlere Instanz, das „Oberversicherungsamt" abgegeben werben, woburch zweifellos eine Beschleunigung der Arbeiten eintreten würde: aber auch die Rechte der untersten Instanz sollen — ersichtlich aus dem gleichen Grunde — ausgedehnt werden, eine Maßnahme, die ebenfalls sehr zu begrüßen wäre, da über die Langsamkeit in der Regelung von Rentenansprüchen in den Kreisen der Versichertest ungemein geklagt wirb. Die Konferenz soll sich jeboch nicht mit ben hier festgelegten Punkten begnügen, in bet offiziösen Auslassung wird ausdrücklich hervorgehoben, baß die in dem Fragebogen angegebenen Punkte lediglich eine vorläufige Skizze für ben Beratungsumfang bilben sollen, und daß bie Erörterung weiterer, bie Reform bet Arbeiterversicherung betreffender prinzipieller Fragen keineswegs abg cf dritten sein soll. Es wäre zu wünsckien, daß die Teilnehmer der Enquete gerade von dieser Erlaubnis möglichst ioeitgebenben Gebrauch machen, um ihren Wünschen in vollem Umfange Ausbruck zu geben, ba dies nur im Interesse einer dringend zu wünschenden und ausreichenden Reform liegen kann. ^politische Tagesschau. Tie Revision de8 Verner Urheberrechts. Die zweite internationale Konferenz zur Revision der Berner Urheberrechts-Uebercinkunft in Berlin wurde gestern mit einer Ansprache des Staatssekretärs v. Schön eröffnet, worin es u. a. hieß: Der Boden sei niemals besser wie gerade jetzt für eine internationale Verständigung über das Urheberrecht vorbereitet gerne]en. Den Beweis hierfür liefern schon einerseits die von gewissen Ländern '^ngunften ausländischer Autoren ergriffenen zahlreick>en gesetzgeberischen Maßnahmen, andererseits die Konventionen, die zwischen verschiedenen Staaten über das Urheberrecht abgeschlossen worden seien. Der Staatssekretär zählte solche Maßnahmen und Konventionen auf und hob mit besonderer Genugtuung den Bestritt Japans, Dänemarks und Schtvedens hervor. Er wandte sich dann der Erläuterung der von der deutschen Regierung unter Mitwirkung des internationalen Bureaus in Bern aufgestellten Vorschläge für diese Konferenz zu, bei welcher er dem Berner Bureau für den Eifer und bie unermüdliche Tätigkeit im Dienste der Union seinen wärmsten Dank aussprach und zur Kenntnis brachte, daß, um der Dankbarkeit eine etwas konkretere. Form zu geben, Deutschland einen Antrag auf Gründung einer Pensionskasse für bie hochverdienten Mitglieder des Bureaus unterbereitet habe. Schließlich drückte der Staatsfekretär die Hoffnung aus, baß die dÜchtverbandsstaaten durch den Bericht ihrer Vertreter zum Anschluß bewogen werden. Es sei wünschenswert, daß alle Länder bänglich des Schutzes der Werke der Lsteratur und Kunst eine aus einheitlicher Grundlage beruhende Gesetzt gebung einführen. Auf den Vorschlag des spanischen Botschafters Bernabß, der als Doyen der Stonferens auf die Rede des Staatssekretärs erwiderte und für bie Gastfreunbschaft dankte, wurde Staatsminister v. Studt als Präsident der Konferenz gewählt. Auf v. Studts Vorschlag wurde als Vizepräsident der französ. Botschafter Cambon gewählt. Hierauf erklärte der Präsident die Arbeiten der Konferenz für eröffnet und verlas ein Begrüßungsschreiben des Reichskanzlers. Der französische- Botschafter dankte als Vizepräsident namens der Konserenz dem Reichskanzler für die begrüßenden Worte und beantragte, dem Kaiser eine Huldigung der Konferenz »um Ausdruck zu bringen. Alsdann wurde der Entwurf der Geschäftsordnung genehmigt, bie sich eng an diejenige der Pariser Konferenz von 1906 an- schließt. * Neue drakonische Verfügung gegen die Juden tu Petersburg. Der kürzlich ergangenen ministeriellen Verfügung, laut der zahlreichen Petersburger Juden lurzerhand das Wohnrecht entzogen nnirbe, ist jetzt eine weitere drakonische Ausnahmebestimmung des Petersburger Stadthauptmanns gefolgt. Diese Verordnung belegt alle diejenigen Juden mit einer Geldstrafe von, 500 Rubeln loder mit drei Monaten Gefängnis, die nach Petersburg kommen, ohne daselbst daS Wohnrecht erworben zu haben. Zimmervermieter und Hoteliers, die solche Juden bei sich auf- nehmen, haben dieselbe Strafe zu gewärtigen. wo Hochrufe lauf ben König ausgebracht würben. Unter den Rufen: „Nieder mit Oesterreich, Krieg gegen Oesterreich!" gingen die Demonstranten auseinanoer, nachdem man noch einen, deutschen Korresponoenten windelweich geschlagen hatte. Zum ersten Male nahmen diesesmal an der Demonstration Offiziere in Uniform. teil. Die Regierung läßt die Demonstrationen zu, da sie das einzige Mittel sind, um einen Bürgerkrieg zu verhindern. Die König Peter feindlick-o Stimmung ist neuerlich sehr gewachsen. Das Blatt Za Oiacoinu fordert unverhohlen den König auf, zu Gunsten des Thronfolgers abzudanken. Prinz Georg sei durch die blutige Juni-Nacht das Jahres 1902 nicht kompromittiert. Ihm wäre es möglich, die Vcrichwörer von damals aus allen Staatsämtern zu entfernen und er tönnte sehr wohl Beziehungen zu den europäischen Höfen anknüpfcn. Sechs englische Kreuzer sind an der Küste Anatoliens gegenüber ter Insel Rhodus ein-, getroffen. Wie aus Jerusalem berichtet wird, fanden dort anti- österreichische Kundgebungen statt. Die österreichische Post wurde geplündert unb zahlreick>e Briefe find vernichtet worden. hohe in der ersten Etage, anfangs auf der Südseite. Später de-' zog er ben nördlichen Flügel, tu dieser mit Heizvorrichtungest versehen und ^Napoleon ungemein empfindlich gegen Kälte war. Von zwei großen sck-önen Zimmern, die man von dem Treppenhause aus nacheinander betrat, war das erste ein Bersammlungs-^ saal der Generale, das zweite ein Empfangszimmer des Kaisers und seiner Umgebung. Dann folgte ein einfenstriges kleines Zimmer des Kaisers, das ihm als beständiger Aufenthaltsort und Arbeitskabinett diente. In dein Sl'abinett des Kaisers herrschte in der Regel eine entsetzliche Hitze, die jeder mit Ausnahme Napoleons als sehr unangenehm zu empfinden schien. Hinter dem Arbeitskabinett maren sein geräumiges Schlafzimmer und ein Ankleidezimmer gelegen. Tie Verpflegung des Kaisers und seines Gefolges war ausgezeichnet, das Menu reichhaltig. Das Gabelfrühstück bestand aus zwei bis drei, bas Diner aus vier bis fünf Gängen. Sekt hatte ber Kaiser sich von Anfang an derbeten. Man trank Sherry, roten und weißen Wein. Napoleon selbst war außerordentlich mäßig in feinen Ansprüchen und gar nicht verwöhnt. Er verglich mehrfach die Tafel seines königlichen Gastgebers in Wilhelmshöhe mit der feinen in Paris und Compiögne, und sagte dem Gouverneicr oft, man habe bei ihm nur an Festen so Hut gespeist wie in Wilhelmshöl-e täglich. Nach der Aushebung der Tafel ging man in die beiden Zimmer vor Mipv- leons Arbeitskabinett, wo ter Kaffee und Zigarren gereicht wurden. Der Kaiser unterhielt sich hier mit diesem und jenem, während die Herren Zeitungen zur Hand nahmen oder sich plaudernd in Gruppen verteilten. Der Kaiser verstand es meisterhaft, durch die ihm natürlrche Liebenswürdigkeit dem Beisammensein einen besonderem Reiz zu verleihen. Er rauchte dabei eine Zigarette nach ber anderen und wußte mit kühnem Schwung und seltener Grazie die letzten Enden in den Kamin zu werfen. Oft nahur er auch Karten zur Hand, unb. ohne sich im mindesten in der angefangenen Konversation stören zu lassen, legte er eine Patience Nack- zehn Uhr — cs wurde oft and) halb elf — verließ er bie Gesellschaft unb begab sich zur Ruhe. Die Kosten der Hof- haltting waren selbftv-crilünblich sehr groß. Ter Mtinig wünschte feinen Gefangenen als Gast behanoelt zu wissen, unb da dieser Wt ein Fürst war, mußte füglich fürstlich für ihn gesorgt werden Einen an)elmlichen ^ctl des Aufwandes hat übrigens König Wilhelm aus Privatmitteln bestritten. J iester-Ä ÄpS jfelonioP «JjL rstadttä ° Giessen. tun: #g, "bzlnMgSUH r Compagno ■ ,. i giften 803 M8U6 17 Oktober< ätad, ben ghr. S°st2 sang ‘11 Dir lirifir im Grient. Die Verhandlungen zwischen Iswolsky unb Grey und London scheinen zur gewünschten Verständigung nicht geführt zu haben. Rußland ist in London bezüglich ter Dardanellen auf Unterhandlungen mit der Türkei verwiesen worden. Das ist aber ziemlich hoffnungslos, da die Pforte nicht nachgeben kann. Der Sultan würde dadurch Thron und Leben aufs Spiel setzen. Iswolsky verläßt London, wie es heißt, tief verstimmt, wenn er auch im eigenen Interesse feinen Mißerfolg zu verbergen sucht. Man erwies ifym in London nahezu königliche Ehren, um ihm ein leichtes „Nein" sagen zu fönnen. Unter diesen Umständen hat nun auch der Konferenzgedanke wieder an Boden verloren. In Konstantinopel meint man, daß bie Orieiitfrage im Wege des diplomatischn Schriftwechsels gelöst roerben solle unb in St. Petersburg spricht man von der Möglichkeit eines Offensiv Vertrages zwischen ber Türkei und Rußland. Wie in St. Petersburg von anderer Seite verlautet, ließen sich die Hauptpunkte des jetzt in London erzielten _ Einvernehmens in folgendem zusammenfassen: die westeuropäischen Mächte mit Rußland, Frankreich unb Englarrd und aller wahrscheinlick)- feit nach auch mit Deutschland .an der Spitze, werden der Türkei Vorschlägen, bie Unabhängigkeits-Erklärung Bulgariens als vollzogene Tatsache anzuerkennen, ebenso bie Annexion Bosniens und der Herzegowina. Die übrigen Fragen, die sodann die Konferenz beschäftigen roerben, betreffen die kleinen Balkanstaaten, ihre Kompensationen und schließlich auch bie Dardanellenfrage. Rußland wird keine Kvmipensatton fordern. Dieses Programm! werde mit sehr wenigen Aenderungen verwirklicht werden. Ob diese St. Petersburger Mutmaßungen richtig sind, erscheint sehr fraglich, Wenn, der deutsche Gesandte hat, wie die „Kölnisck)e Zeitung" aus Sofia melbet, ber bulgarischen Regierung mitgeteilt, baß, solange Bulgarien sich nicht bereit erklärt, seiner, Verpflichtung gegen die Türkei nachzukommen unb die Orienibahn wegen ungesetzlicher Beschlagnahuie zurückzugeben, über eine Tages- entschadigung von 13 000 Franks an die Betriebsgesellschaft zu bezal)len, die Frage der Anerkennung ter Unabhängigkeit Bulgariens nicht erörtert roerben könne. Die bulgarische Regierung Ijat auf diese Vorstellungen Deutschlands hin, nun auch schon ihre Bereitwilligkeit erklärt, alle dokumentarisch festzustellenden Reichsansprüche zu befriebigen. Wie in bulgarischen Regieruugs- kreisen versickert wirb, ist bie Regierung geneigt, die materiellen Forderungen der Bahngesellschaft vollkommen zu befriedigen. Die baldige Lösung ber Frage Dürfte jedoch Daran scheitern, daß zu ihrer Regelung die Zustimmung ber Pforte erforderlich ist, die aber gegenwärtig schwer erreichbar sei. Im Gegensatz zu diesen friedlicheren Meldungen über die Sage, wird aus Saloniki berichtet, baß der Krieg unvermeidlich fei. In Saloniki ist man allgemein überzeugt, baß Bulgarien mit der Absicht -u mgche, auch Mazedonien zu annektieren. Im Vertrauen auf seine eigene augenblickliche Stärke unb auf bie Schwäche &e£ Türkei wird Bulgarien, so glaubt man, sich bemühen, die Türkei zum Kriege zu zwingen. Die mazedonischen Bulgaren greifen wieder zu ben Waffen und üben täglich, feit der Proklamierung der türkischen Verfassung. Das jungtürkische Komitee gewinnt immer mehr die Ueberzeugung, daß ein Krieg mit Bulgarien unvermeidlich sein wird. In Belgrad fand gesttrn die angefünbigte neue Demonstration statt. Gegen 6000 Menschen versammelteii sich vor dem Michaelis-Denkmal. Der Geschichts-Professor Stanojewitsch hielt eine Rede, in der er (bas serbische Volk aufforderte, sich nicht unterdrücken zu lassen. Hieraus zogen die Manifestanten mit vielen Fahnen vor ine englische Gesandtsckiaft und von da zum Konak, üLeichswegen außer Frage zu bleiben hat. So spitzen sich die Erörterungen über die Beteiligung des Besitzes neuerdings dahin zu, ob eine allgemeine Nachlaßsteuer ober eine all- ichrlich zu enttichtende Dcrmögensftcuer der gangbarere Weg fein wirb. Dabei haben sich auch Zeituntzcn der mittleren und der rechten Parteien zu gunsten ber Nerchsverinögenssteuer ausgesprochen, wobei sie dahingestellt fein lassen, ob das Reich die Steuer selbst erheben, ober nur gewisse 9tormen für die Er- il;cbung durch die Birndesstaaten festsetzen, ober etwa die Er- I.Äung von Zuschlägen zur Landesverinögenssterler für Reichs- Zwecke vorschveiben solle. Die verbündeten Regierungen haben D'ieberholt hesttmmt darauf hingewiesen, daß die Vermögenssteuer r.nb deren pluäbau für die Bedürfnisse der einzelnen Bundesstaaten unentbehrlich sei, und daß Eingriffe in die Art ihrer S.’ranlagung oder Erhebung von Seitcir des Reiches mit der ckiianziellen Selbständigkeit ter Bundesstaaten unvereinbar wären. ES liegt nicht der mindeste Gpund zu ter Annahme vor, daß irgend nxlcbe Veränderung dieses Standpunktes bei ben Buiitesregie- rungat eingctreten ober zu erwarten ist. Einigen ber neuerlich beigebrachten Vorschläge scheint ber Gedanke zu Grunde zu liegen, I baß bie als Ersatz für die allgemeine Nachlaßsteuer gedachte Neichs- ic.rmögenssteuer unter Umständen von den Bundesstaaten nach । i jenem. Ermessen aufzubringen fei. Dies würbe also auf eine UErhöhung bet Matrikularbeiträge hinauskommen. ■‘tun ist zuzugeben, baß eine Erhöhung bev Niatrikularbeirräge lorsäckstich wie eine Belastung bes Besitzes wirkt, unb in mäßigen :enzen mag eine solche Erhöhung noch möglich sein. Daß aber Sun so erheblicher Betrag, wie er zum Ersatz für bie allgemeine ~ ' "achlaßsteuer, in ihrem ganzen Betrage oder auch nur zum wesent- 'itijen Teile, er forterlich wäre, in ber Form ber Matrikularbei- | träge auf die Schultern der Bundesstaaten gelegt werten fonnte, -tjue deren Leistungsfähigkeit zu überlassen, ist völlig ausge- tblossen. Somit steht für bie HcLanziehung des Besitzes neben uer vielleicht iwch möglichen müßigen Erhöhung der Äiatri- riitarbeitDäge bei der Neuregelung ter Reichsfinanzreform eine iititere Form als bie allgemeine Nachlaßfteuer nicht zur Verfügung. Der Gedanke, sie ganz ober teilweise durch eine s| 'lymnögcnvfteuer zu ersetzen, hat keine Aussicht auf Er- vlg." — Man sieht, Herr Sybow setzt seine bisherige Taktik ort unb enthüllt das Geheimnis seiner Reichsfinanzreform imm.er titic stückweise. ber Wichtigkeit der Ty :g wird drtngcod um t , pünlti. Erscheiveucritii Der Vorafand O.iOe.A- den 18. Citi verweunar-Rolrhme fibera-Moosetche-^ l-Marburg- »W- :t 816 Uhr uonnitt ne Marburg- 2 Neuett>ings I)at man in der Presse recht eingehend die Aussichten einer allgemeinen Nadjta{jftcuer erörtert. Auch bie offiziöse Nordd. Allg. Ztg. tut es jetzt, aUevdings mit einer 1 cwuiideruswerten Vorsicht. Da heißt es: „Die Erörterungen, welche bie Probleme der Reichssinanzresorm während ber letzten Wochen in der Oeffentlichkeit gefunden babeu, lassen in erfreulicher Weise erkennen, daß sich die Ueberzeugung immer mehr ‘3abn bricht, bie Deckung des vorliegenden Bedarfs könne weder ausschließlich durch eine Besteuerung des Konsums, noch allein iirm eine Besteuerung des Besitzes erfolgen, jonbem sei nur bsirrf) Heranziehung beiter Gruppen von Steuerquellen möglich. '.Luch über die Form ter Heranziehung des Besitzes scheint, wenn r.tan von der äußersten Link-eii abfieht, eine Klärung in der Richtung sich tzu vollziehen, daß die Ei n k o m menst euer von Frankfurter Börse. 15. Oktober, 1.15 Uhr. Prince-Henri-Eisenbabu . 124.00 Berliner Börse, 15. Oktober. Anfangskurse. 174.50 . 220.25 . 111.50 22.60 147 30 . 238.50 . 58.50 . 146.50 Harpener Bergwerk Laurahütte . . Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose . . . Berliner Handelsges. Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Deutsch-Asiat Bank Diskonto-Kommandit Dresdner Bank . . Kreditaktieu . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . . Gotthardbahn . . . Lombard. Eisenbahn Oesterr. Staatsbahn . Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . Tendenz: träge. 59 60 61.10 96 50 90.60 90.20 140.00 49.20 85.20 63.90 97.00 . 126.40 . 238.30 . 137.60 . 177.10 . 146.50 . 198.90 . 99.20 . . 200.25 . . 22.50 . . 85.60 . . 140.50 Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Schuckert . . . Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paket! Harpener Bergwerk. . . Laurahütte Sordd. Lloyd . . . . Obeischles. Eisen-Industrie Märkte. § Grünberg, 14. Oft. So wunderschönes „Galluswetter" wie beute hat unseren (Sallusmarkt seit einem Menschenalter nicht begleitet. Die Schar der Marktgäste mar denn auch ungemein groü. Tie Etsenbahnznge waren vollgepsropst und brachten stets neue Ströme von 'Marktbesuchern. Das war ein .(Sallmarkt", wie (l)ii Glaubrecht in seinem „Kalendermann vom Deitsberg" so wundervoll geschildert hat. Der Diehmarkt hatte eine riesige Ausdehnung , die Auffahrt an Schweinen war außerordentlich stark. Trotz dem großen Angebot ging der Handel flott bet nicht hohen Preisen. Bezahlt wurde für das Paar Ferkel geringster Güte 3% 3^°/( *6% 3%°A UiriverjrLats-Nachrrchterr. 2larb u r g. Ernannt wurde der Privatdozent an der Berliner Universität und erste Assistent bei Geh. Rat Engler am botanischen Dluseum, Proiesjor Dr. Diels zum außerordentlichen Professor der Botanik an der hiesigen Universität als Nachfolger von Pros. G. Koh l. Pros. Diels war bereits seit 1906 mit der Vertretung des Pro,. Kohl betraut. . hc. Marburg, 14. Okt. Der bisherige Prwatdvzent Prof. Dr Phil- Herm. Schwarz zu üallc a. S. wurde zum außer- ^ordentlichen Professor der Philosophie au der hiesigen Unwersttat ernannt. Er tritt dort an Stelle von Prof. Paul Menzer. 2Iusftinftsämter für dos vottrhttdungswesen^ Tie nordanicrikanische Regierung besitzt schon seit dem Jahre 1867 ein Bildungsamt, das als eine besondere Abteilung dem Reichsamt des Innern in Washington zu gehört. Wer rn Nordamerika eine Au sinnst über irgend eine Frage des Budungs- wesens braucht, gleichgültig, ob sie sunt Bereiche des Bolksschul- wesens oder des Mittelschul- oder des Bildungsweseus stir Erwachsene gehört, erhält von dem Bureau of Edueation die liebenswürdigste und beste Auskunft. Tas Llmt wird von den Amerikanern gern mit einem banktechnischen Ausdruck als „Clearing House" für das Bildunoswesen bezeichnet und l)at int Laufe der Jahrzehnte eine Fülle weitschichtigen, aber übersichtlich geord- geteu Materials gesammelt. Jahr für Jahr gibt es Berösfntt- lichungen über einzelne Fragen heraus, die am Schlune des Jahres zu Jahresberichten zusammeugesteltt werden. , Das nordamerikanische Bildungswesen gehört versa„ungs- mäßig, ganz wie in Deutschland, nicht zu der Machtvollkommenheit des Bundes, sondern zu der der Einzelstaaten, und diese wachen eifersüchtig über ihre Rechte. Aber durch die Tatsache, daß das Bildung Samt auch statistische Erhebungen etwa über Schulpflicht in den einzelnen Staaten der Union veröffentlicht, ist doch ein großer Einfluß gegeben. Denn es kann den Bewohnern eines Staates nicht gleichgültig sein, wenn in einer amtlichen Veröffentlichung der Bundesregierung festgesteslt wird, daß dieser Staat auf einem so wichtigen Gebiete des öffentlichen Lebens hinter den anderen Staaten der Union allzuweit zurücksteht, lieber die Nützlichkeit des Bureau of Edueation ist daher in den Bereinigten Staaten nur eine Stimme. . Zu Bristol in England ist eine ähnliche Einrichtung int Anschluß au Vie dort entstehende Boll-Universität geplant. Sie wird u. a. ihr Augeimrerk aus Förderungen des Bildungswesens durch den persönlichen Austausch von Meimnigeii und Erfahrungen richten. Schon haben einige Schulen in England begonnen, sich mit Schulen in den englischen Kolonien in Verbindung zu setzen, um einen regelrechten Austausch von Schülerbriefen ins Werk zu setzen. Die League of the Empire, die von politischer Bedeutung ist, ist in gleicher Richtung tätig gewesen. Englische Schuljungen schreiben an ihre australischen Kollegen und tauschen ihre Gedanken, ihre Erlebnisse, wohl auch ihre Photographien aus. Das Edueatio- nal Bureau in Bristol wird die Anregung ähnlicher Verbindungen und wohl auch den Austausch von Professoren imb Studenten -zwischen England und den Kvlonicu aus sein Programm setzen. Die Ideen von Cecil Rhooes werden dadurch zu neuem Leben erweckt werden, und das Bildungsamt wird nicht nur dem Volks- bildungSwesen selbst, sondern auch dem politischen Leben Eng- Reichsanleihe do. Konsols . . do. Hessen . . Oberhessen 92.12 83.05 92.10 83.00 91.00 90.10 97 85 98.95 92.40 120.50 122.5 195.50 188.30 106.50 200.40 200.00 86.00 98.00 167.70 Ausland. Wien und der Quirin al. Der vor bald 30 Jahren erfolgte Besuch des Großvaters des jetzigen Wnigs von Italien in Wien, der aus Rücksicht auf den Papst bisher unerwidert blieb, wird jetzt durch deu Thronfolger Franz Ferdinand erwidert werden. Die Zustimmung des Papstes ist bereits erfolgt. Die freundliche Haltung Italiens in der bosnischen Mnektionsfrage bot die Ver- atrlassung zu diesem Besuch. , . Gegen das Spielunwe, cn m aa hat die beig. Regierung wieder einmal Schritte unternommen. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte im bortigen Kasino die Spieltische, zog die Einsätze ein und verbot die Wiedereröffnung des Sviel- salons. ~ Der Kriegszustand ist in den Gouvernements ^ru- walki, Lomscha, Plock, Siedlee, Ljublin und Kalisch mit Ausnahme des Bezirks Olkurg durch den verstärkten schütz und in den Gouvernements Radom und Warschau durch den außerordentlichen Schutz ersetzt worden. , _ <. Die Anertennung Bi u l c Y ö a 11 d s. Wie die „Agence Havas" offiziös mitteilt, wird die französisck>-spanische Rote betr. die Garantien, von denen die Anerkeniiung ?Ruley Hafids abhängen soll, am 19. Oktober durch die Vertreter Frankreichs und Spaniens den Signatarmächten der Algeeirasakte überreicht werden. . , . Die japanischen Besatz ungstruppen m China werden um drei Fünftel ihrer bisherigen Stärke vermindert werden. _____ 4°z Oesterr Goldrente. . 4*/6 % Oesterr. Silberreute 4 Jo Ungar Goldrente . . 4% Italien. Rente . . . 3% Portugiesen Serie I . 3% Portugiesen „ III 4>4o(6 russ.Staatsanl. 1905 4>^°/o japan. Staatsanleihe 4% Conv. Türken von 1903 Türkenlose ..... 4% Griech. Monopol-Anl.. 4% äussere Argentinier . 3°/0 Mexikaner . . . 4>5°/o Chinesen . . . . Aktien: Bochum Guss Buderus E. W Tendenz: fest. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Nur echt mit dies« Marke—dem Fischer — dem Garantie* zeichen des Scott» lchea Verfahrens! Telefonische Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen. in Sprendlingen gesagt wär, da er, ,,der bc—rühmte Steuer doktor aus Sprendlingen", hier im bürgerlichen Wahlbureau tätig sei, könne man sich auf die brutalste Kanipfesweise gefaßt wachen. Dr. Becker strengte daher eine Beleidigungsklage gegen den vcr- anttvortlichen Redakteur des „Abendblattes',J0( • X Ö 1* Hb' Die Angelegenheit wurde heute vor dem Schönengericht verhandelt. Das Urteil lautete auf 100 Mark Geldstrafe und Prägung der Kosten. Außerdem steht dem .Kläger, das Recht zu, das Urteil einmal innerhalb acht Tagen iw „Ostenbacher Abendblatt und in der „Offenbacher Zeitung" zu verösfentlichen. Lingesan-s. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Beranttvortung.) Lehrerheim Vogelsberg. Man schreibt uns: In Nr. 237 Ihres „Gießener Anzeiger" vom 8. Oktober bringen Sie unter dem Zeichen „3 Schotten, 7. Okt." eine Mitteilung, wonach das Lehrerheim als eine Unternehmung des Hessischen Landeslehrervereins betrachtet und also auch von letzterem unterstützt werden muß. Dem ist aber nicht so! Ich bin zur Zeit mit Ab- iassung einer Abhandlung beschäftigt: „Wie entstand das Lehrer- heim?", worin ich auf Grund urkundlicher Forschung dre völlige Unabhängigkeit beider Vereine (nämlich des Vereins „Lehrerheun' imd des „Landeslchrcrvereins") von einander Nachweisen werde. Bis zur Vollendung der Abhandlung bitte ich um einige Geduld und zeichne hochachtend ~ e , Büttelborn I. F e i ck, Lehrer. Airchttche Nachrichte«. Israelitische Religionsgememde. Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstaq den 17. und Sonntag deu 18. Oktober 1908: Laubhüttenfest-Eudc. 8. Tag: Vorabend 5.15. Morgens 8.30. Predigt. Nachmittags 4.00. 9. Tag: Vorabend 6.15. Jrrgcudgottcsdienst. Morgen? 8.30. Nachmittags 4.00. Festesausgang 6.15 Uhr. NB. Während der Wintermonate beginnt der Mo rg c n g o t t e s d i e n st am S a b b a t h um 9 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. Freitag morgen 6.00. Samstag den 17. und Sonntag den 18. Oktober 1908: Schlußfest und Gcsetzesfrcnde. 1. Tag: Vorabend 5.00. Morgens 8.00, nachmittags 4.00. 2. Tag: Vorabend 6.15. Jugendfeier!! Morgens 8.00, nachmittags 4.00. Festesausgang 6.15. Wochengottesdienst: Morgens 6.30 Uhr, abends 7.00 Uhr. weine freundin beneidet mied um meine Lackschuhe und merkt dabei gar nicht, dass es gar keine Lackschuhe sind; ich trage dieselben Schuhe wie sie, nur dass ich die meinigen mit Erdal behandle — das ist das ganze Geheimnis! - Erdal überall erhält* lieh - ab - 4 ■ :’:-h Erdal verlangen! General-Vertreter: Fritz Jullmann, Bahnhofstraße 52. Gerichtsdaal. Darmstadt, 14. Okt. Tie Strafkammer verhandelte 'heute gegen den Postassistenten Hans Deppe wegen Verletzung des DepeschengeheimnisseS. Er hat int August eine telephonische ,91nd)rid)t, die ein Frankfurter Depeschenbureau nach Worms gab, ltn Groß-Gerau abgehört und an eine dortige Zeitung weiter - kjeqcbcn Der Staatsanwalt beantragte drei Monate Gefängnis, während der Gerichtshof ihn frcisprach, weil gegen,das W e 11 ergeben von T e l e p h o n n a ch r i ch t e n S t r a 1 b e st i m m u n. sgen bisher nicht bestehen. T Offenbach, 14. Ott. Im „Onenbachcr Abendblatt war fcnt September ein Artikel erschienen, in dem von Dr. Becker Scftanbtcilc: Feinster Medizinal» Sebcitran 150,0, prima Glyzerin 50.0, untcrpbospboriglaurer Kalt 4,3, unter» pdacPlnRi^sanrco Natron 2,o, pulv. Lraaant 3,o, seinster arab. Gummi pulv. 3,0, beftit/. Wasser 129,0. Alkohol 11,0. Hierzu aromatische Emulsion mit Aimt-, Dlandcl» und Gaultheriaöl je 2 Tropfe». lamds Dienste leisten. „ . Dr. Ernst Schultze (.vamburg-Großborstel > beklagt in dar „Soz. Praxis", daß wir in Deutschland kein Bildungsamt, das mit diesen Einrichtungen verglichen werden konnte, besitzen. Unser deutsches Volksbibliothelswesen entbehrt einer Auskunftsstelle, in der fick die bcftcljenbeit oder neu zu gründenden Volksbüchereien Rat holen könnten. In zahlreichen anderen Fällen der Volksbildung zerbricht man sich verschiedene Köpfe, ohne doch auf die richtige Lösung zu kommen, die anderswo schon längst gefunden ist: und erst wenn man 5 «bei* 10 Jahre lang sich mit der unpraktischen Lösung beholfen hat, wird die praktischere zufällig bekannt. Dr. Schultze meint daher, mau werde es den Fachmännern des Volksbildungswesens nachfühlen können, wenn sie den dringenden Wunsch haben, daß auch bei uns ein allgemeines Ausrunfts- amt stir das BildungSwesen geschaffen werde, Itrie cs die Bereinigten Staaten schon seit langem besitzen. Man, werde eines sclwnen Tages den Plan ausführen müssen, den besonders Professor Ziehen im Auftrage der Eomenius-Gesellschaft angeregt und empfohlen habe: den Plan nämlich, ein Reichsbildimgsamt Ku schaffen. der Ballon geborgen. * „I m Orient kommt alles immer anders!" schreibt Paul Ginisty in der „Etoile belge". „Wer kann wissen, ob „König" Ferdinand, dem heute ganz Bulgarien zujubelt, nicht morgen schon bei seinem Volke in Ungnade gefallen ist? Man hört in diesen Tagen jo viel von den kommenden Ereignissen auf dem Balkan erzählen, und dabei vermöchte auch nicht einer zu sagen, was für Ereignisse eigentlich kommen werden. Die Zukunft, die ja überall mnkcl ist, ist in orientalischen Landen immer noch um einige Nuancen dunkler, aber klar und hell liegt die Vergangenheit da, und darum laßt uns von der Vergangenheit reden, zumal da man daraus auch ein wenig auf die Zukunft schließen kann. Ein Ingenieur, den ich zu meinen Freunden zähle, erzählte mir gestern: „An einem Augustabend des Jahres 1886 befand ich mich in Wnatza in Bulgarien. Plötzlich war es mir, als ob ich auf der holperigen, bergigen Landstraße eine Reihe von Mietskutschen — ich zählte neun — sähe. Städtische Droschken mitten im Gebirge — so was sieht' man nicht alle Tage! Ich holte mein Fernglas, sah mir die Gruppe an und bemerkte, daß einem der Wagen ein stattlicher Herr entstieg, der, von mehreren Soldaten begleitet, zu Fuß weiterging, offenbar weil der Abhang des Berges etwas steil war und das Fahren unter solchen Umständen leinen Spaß machte. Die Männer näherten sich der Stadt, und ich wußte bald, daß der stattliche .Herr der Ex-Fürst Alexander war, dem eine unerwartete — wenigstens von ihm selbst nicht erwartete — von „etlichen Offizieren und fast noch knabenhaften Zöglingen der Kriegsschule „arrangierte" Revolution die Krone vem Haupte gerissen hatte. Der Fürst schien sehr müde und abgespannt zu fein: hatte er doch in den zwei Tagen, die seit seiner gewaltsamen Entfernung aus Sofia vergangen waren, auch nicht einen Augenblick ausruhen dürfen. Man wollte möglichst rasch die Donau erreichen, um den entthronten Herrscher auf einen Dampfer zu setzen und ihn an das russische Ufer zu bringen. An der Straße lag ein Gasthaus, und der Fürst fragte seine Begleiter, ob er nicht hier wenigstens ein paar Stunden sich erholen dürfe. Man hielt Rat und gab ihm gnädigst die erbetene Erlaubnis zum Ausruhen. Alexander ging ins Haus, trat aber schon einen Augenblick später wieder ins Freie; er, der bis dahin stolz und würdevoll seine Fassung bewahrt hatte, hatte jetzt Tränen in den Augen. Der Wirt hatte sich geweigert, ihm ein Nachtquartier zu gewähren. „Es könnte mir Unglück bringen," sagte er, „wenn mau erführe, daß er unter meinem Dache geschlafen hat." Auf der Straße hatte sich inzwischen eine Menschenmenge angesammelt, die den Fürsten von gestern mit feindlichen Blicken maß; es fand sich auch nicht einer, der den Verfemten lstitte aufnehmen wollen. Aus der Stadt waren Beamte und Gendarmen gekommen, Landwirtsebaft. — D i c neue K a r t o f f e l k r a n k h e i t. Man schreibt uns: In Nr. 239 Ihres geschätzten Blattes berichteten Sie über eine neue Kartoffelkrankheil, welche lt. „Köln. Ztg." durch die Vermittlung des WinterfchuldircklorS Jösttng in Kronenberg festgestellt morden sei. Dieselben Kranlheitserscheinungen — ob es sich hierbei um eine absolut neue, bisher nur in Ungarn und England beobachtete, aber noch nicht untersuchte Krankheit handelt, mag dahingestellt sei — wurden m diesem Herbste and) bei uns wahr- genommen. Schreiber dieses erntete in seinem Garten 9)1 a g n u m b o n u m , die durch beulenartige Neubildungen diö zur Unkenntlichkeit verstümmelt waren. Zahlreiche Würmer, denen der nasse jSommer besonders günstige Lebcnsbedingimgen bot, bevölkerten die Oberfläche der angei'milteu Knollen. Sollte ihr Zerstörungswerk .in den Geweben nicht den Boden für die Kraickhett ebnen ? Im 'übrigen stimmen die hier gemachten Erfahrungen mit denen Jostings überein. Die Güte der Saatkartoffel schützt vor An- iftcdung nicht. Dieselbe erfolgt, wie richtig beobachtet worden ist, vorn Boden ans, besonders wenn Steinkohlenasche zur Verwendung kam. Doch leiden nicht alle Sorten. Rotschalige (Weltwunder, Prof. Wolthmaim), welche unter denselben Bedingungen mi gleichen Boden gepflanzt luurbcn, blieben im angeführten Falle fast völlig gesund. und diesen gelang es endlich, dem Fürsten in einer Mühle ein Zimmer zu verschaffen. Vor den F-enstern dieses Zimmers sah man die ganze Nacht Gaffer und Schreier, die sich in Verwünschungen gegen den Fürsten ergingen und sogar sein Leben bedrohten. Und ein Jahr vorher war derselbe Alexander, als er aus dem siegreichen Feldzuge gegen die Serben heimkehrte, von seinem Volk wie ein Jool umjubclt worden; man hatie ihm Triumphpforten errichtet und ihm Blumen gestreut, als er in Sofia einzog. Vor der Kathedrale aber stand der Metropolit und hielt eine feierliche Ansprache, in der er ihn den Retter des Vaterlandes nannte. Und diesen Retter des Vaterlandes wollte jetzt nicht einmal ein einfacher Bauer in sein Haus nehmen! Wie gesagt: im Orient kommr alles immer anders!" DcrmiW«. ' Ein schweres Grubenunglück. Wie wir in einem Teile unserer gestrigen Auflage schon mitteilten und durch Anschlag verkündeten, ereignete sich gestern vormittag in der fiskalischen Königs grübe bei Königs Hütte infolge einer Entzündung von Grubengasen eine heftige Explosion. — Heute stellt es sich nun heraus, daß man in der ersten Llufregung das Unheil bedeutend überschätzt hatte. Eine große Anzahl von Bergleuten hatte man für tot gehalten, während sie nur schwer betäubt waren. Die ganze 100 Mann starke Belegschaft befindet sich in Sicherheit, da sie sich noch rechtzeitig durch Nebenschächte retten konnte. Die Aufregung war naturgemäß ungeheuer. Tot find nach einer Mitteilung der Königl. Bergwerksdircktion der Steiger Nother und zwei Häuer, betäubt sind etwa 20 Mann. Die Entstehung des Feuers ist noch nicht aufgeklärt. Aus noch nicht festgeslellter Ursache sind die Wetter von dem gewöhnlichen Wege abgewichen. Der Brand ist tm wesentlichen abgcdämmt. * Ballonunfälle. Tie Mehrzahl der an dem Berliner Gordon-Bennett-Fliegen und an der Fernfahrt^ beteiligten Ballone find infolge der ungünstigen Winde der Nordsee ^igetrieben, und schwebten in großer Gefahr. Mehrere Ballone sind untergegangen. Zum Absuchen der Nordsee sind weitere 14 große ^or- pedoboote in See gegangen. Der spanische Ballon „Eaftilla ist sechs Meilen nördlich von 5)elgoland untergegangen. Die Insassen wurden von einem Fischerboot gerettet, nachdem sie feit gestern morgen auf dem Meere umhergeirrt waren.— Bei Ershvlmeiiik, in der Nähe von Bud. Fislerleie (Norwegen» hat ein Fischer einen deutschen Luftballon a u s g e- fischt. Die beiden Luftschisfer konnten im letzten Augenblick gerettet werden. Der Ballon wurde gelandet.. —• Aer vermißte Schweizer Ballon „Helvetia" ist bei Borgiet Bud, Norwegen, nach zweistündiger Schleppfahrt glüMch gelandet. Edinburg, 15. Oki. Der Ballon Busley erlangte Dienstag früh 5 Uhr nordwestlich von Helgoland Verständigung mit einem nach Edinburg gehenden Koh len dampf er. Ter durch ziehendes Ventil aufs Wasser gebrachte Ballon wurde durch den starken Wind von dem Schiff weggetrieben, so daß der Reißbahnzug nötig war zu dem gefahrvollen Rettungswerk. Die Insassen des Balkons Niemeyer u. Hiedemann wurden von dem Kapitän des Dampfers fast entkleidet aufgefischt und 30—40 Mk., mittlerer 40—50 Mk. und bester 50—6y Mr. Läufer aalten das Paar 70-80 Mk. Der Rindoiehmarkt zeigte schwache Auffahrt Die Preise bewegten sich auf der seitherigen Stuie bei etwa?» mehr Anzug. Ter heutige erste Marktag war ein Gallinarkt nach dem Herzen unserer Geschästsleute. Auch für den morgigen zweiten Markttag stud die 2liisstchten die günstigsten. MUnzend bewahrt unv erprobt hat sich Scotts Gmulfion. nun fefoon feit über 30 Jahren und Werd nod) immer von den Ärzten alö die bestgeeianele a°rm ongefeben, in der man Lebertran unter Voller ztudnuflung seiner Eigenschalien verabreichen kann. $COtt$ Emulsion Ist völlig frei von den bekannten unonae» nehmen Nachwirkungen gewdmiUchen TranS, die dessen Eiuuehmen Jur bte weiften Menschen unmöglich machen, und Wirkt autzerdem anerkanntermatzen rascher und sicherer ale dieser. 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