Samstag I L. April 1808 Nr. 87 Erstes Blatt 158. Jahrgang SÄ’® JEW® z> Cd Sonntags. - Beilagen: v W ▼ monatlich75Pf.,viertel« viermal wöchentlich Jk A ^dk ▲▲ ▲▲ A. A jährlich Ml. 2.20; durch StctzenerZamllitnblätter; M ’ ww Abhole- u. Zweigstellen ÄMfö 1 UMIpiI ||PT 11II7Pf fiprsä ssiWIvnvllvl 4llwWUs ;üi vir Redaktion 112, WfM Verantwortlich MM General-Anzeiger für Oberhessen DM 8 Bofafionsürtid und Verlag der vrvhl'schen Univ.-Vuch- und Stelndruckerei. R. lang«. Redafti»«, Expedition und vruckerei: Schuistratze 7. Die heutige Nummer umfatzt 16 Seiten. Ankunft der Naiserpaarer in Koifu. Am gestrigen Freitag, um 10 Uhr 45 Min. vormittags, verkündeten Salutschüsse von den Strandbatterien und den griechischen Kriegsschiffen in Korfu das Nahen der deutschen ttaiserjacht Hohenzollern. Auf der Fortezza Vechia stiegen die gelbe Kaiser-Standarte und die griechische Königs-Standarte in die Höhe. Nachdem die deutschen Schiffe den Salut erwidert, gingen sie 300 Meter vom Lande vor Anker. Graf Lulenburg, der deutsche Gesandte Graf Arco und der Generalkonsul Spengeln begaben sich in einer Schaluppe zur Hohenzollern. Nachdem es noch die ganze Nacht hindurch heftig zeregnet hatte, hatte sich das Wetter im Laufe des Mittags llwas gebessert, indessen wütete noch immer ein heftiger vchirokko. Es herrscht starker Wellengang. Die griechische Königsfamilie begab sich an Bord der Hohenzollern. Kaiser Wilhelm und König Georg begrüßten sich aufs herzlichste. Der König trug deutsche Admirals-Uniform, der Kronprinz Konstantin die eines preußischen Generals. Der Kaiser erwartete seine Gäste am Fallreep, während die Mannschaften aller Kriegsschiffe in Larade standen und die Kapelle der Hohenzollern die grie- ihische Hymne spielten. Ein Dejeuner auf dem Kaisersckiff vereinigte dann das deutsche Kaiserpaar und die Familie des Hellenen-Königs. Nachdem die Fürstlichkeiten um 2 Uhr mter Begrüßungskundgebungen an Land gestiegen waren, nahm der Kaiser die Willkommens-Ansprache des Bürgermeisters Kollas entgegen, der in griechischer Sprache eine Rede voll poetisch-festlich überschäumender Wendungen hielt. Er sagte, die Majestäten erhöhten durch ihren Ruhm, ihre Macht, ihre Tugenden und ihre Anmut den Glanz und iie Schönheit des Landes. Das VobL sei dankbar und glücklich über die Wahl, durch die der Kaiser, der Hüter Les Weltfriedens, das griechische Vaterland geehrt habe. Jetzt umwinde Seine Majestät seine olympische Stirn' mit dem Kranz der Silberblätter seiner Olivenhaine. Der Siebner erinnerte an den Eroberer Trojas, der hier Gast- sreundschast genossen. Die zukünftige Geschichte werde den 'tarnen Korfu mit jenem. des machtvollen Förderers des Fortschritts verbinden. Der Aufenthalt möge dem Kaiser Äuhe und Erholung bringen. Der Redner endete mit einem boch auf den Kaiser und die kaiserliche Familie. — Der Kaiser dankte in griechischer Sprache und mit herzlichen Worten. Darauf besichtigte er die Ehren-Kom- ♦agnie, die von Zöglingen der hiesigen Offiziers-Akademie stellt war. Darauf wurden die Automobile bestiegen und N nicht allzu rascher Fahrt ging es bergan zur Hauptstraße, ler „Spicmata"". Diese ist mit riesigen Palmen-Arrange- nents und Fahnenmasten geschmückt, von denen zahlreiche Ihmale Bänder in griechischen und deutschen Farben wehten. Mannschaften vom 10. Infanterie-Regiment bildeten Sparer, dahinter drängten sich dichte Volksmassen. Das Kaiser- «aar dankte für die Zurufe, wie auch für die freudige Begrüßung aus allen Fenstern der palastartigen Häuser. Im schnelleren Tempo ging es dann an der Bucht von Kalichio- pulo entlang nach Gasturi, wo die Frauen in prächtiger Landestracht ausgestellt waren und der Gemeindevorstaud ien Kaiser in kurzen Worten begrüßte. Wenige Minuten jpäter ging aus dem Achilleion, an dessen Tor ebenfalls Äilitär ausgestellt war, die Standarte in die Höhe. Die tlajeftäten machten nach ihrer Ankunft im Achilleion einen ^ang durch das Haus und äußerten sich sehr befriedigt über »ie Einrichtung. Auf dem Schloß wurde die Kaiserstandarte Mhißt. Nachmittags herrschte strömender Regen. Ober- Hofmarschall Graf Eulenburg hat den Dienst übet» lammen. Als Gäste des Kaisers sind hier mit eingetrosfen 7r Fürst zu Fürstenbera und Geheimer Legationsrat Re- tbwski. Die griechische Presse widmet dem deutschen Kaiserpaare iberaus freundliche Worte der Begrüßung. Ausland. Wien, 11. April. Naü>dem das Gastspiel destsche- ?Uchen National-Theaters in Wien vereitelt worden „und selbst Bürgermeister Lueger nichts dafür tun wollte, veröffentlichten gestern alle Prager tschechisck)en Blätter die Auf- frrbcrung an die Prager Tschechen, mit allen zweisprachigen Klrmentafeln zu brechen und gegen die geplanten Gast- Mle des Burgthcaters an der Wiener Hofoper bei den Prager Dutjchen Maisestfpielen zu agitieren. Gegen Schluß der gestrigen Atzung des Abgeoronetenhauses entstanden wieder mehrere hes- 2 ä r m f 5 c n e n zwischen Tschechen und Deutschen. Rom, 10. April. Der Minister des Auswärtigen, Tit- m>ni, erhielt von dem Konsul in Aden ein Telegramm, Lützes besagt, der Sohn des Sultans Zusuf Ali von Oüvia sei u>rt emgelroffcn und habe ihm mitgeteilt, er sei vor 18 Tagen *?lt. Leuten des Mu llch and.r.halb Wegstunden von Oboia Dtiernt zusammengestoßen. Die Derwische feien in das Sultanat eingedrungen und hätten 41 Männer, 88 exauen und 31 Kiirder gelötet und 350tt Stück Vieh geraubt. “J Derwische seien 1030 Mann stark und 500 von ihnen B- .Gewehren bewaffnet gewesen. Der Sultan Jusuf Ali von "bla habe ihnen 500 mit Geivel/ven ausgerüstete und 300 Lanzen bewaffnete Leute entgegcngesckstckt. Ber deni nampfc seien 12 Leute des Sultans getötet und verwundet worden. Von den Derwischen seien 90 getötet JO 40 Gewehre, beinahe sämtlich sranzö,ischen Fabrikats, erbtet worden. Auch Vieh habe man ihnen wieder avgeiwmmcu. 3ur Heimarbeit im Grohherzogtum Hessen. Seimarocitsausstelluug in Berlin 1906 wird nun eine Aue ui Frankfurt a. M. folgen. Und zwar wll die,e nicht nnwche Wiederholung der Berliner Ausstellung werden, Indern wesentlich andere Züge tragen. Tie . erste Ausstellung r- eme bieihe von Augenoiütsbilderu, wie |tc ber Zufall zu- Än9ctra9en hatte, grell genug, um die Auimcrftamkett der festen Kreise auf sick> zu ziehen, aber nicht eingehend genug, d« vielen Fragen, die durch sie aufgeworfen wurden, einigermaßen zu beantworten. Hier will die Frankfurter Ausstellung anknüpfen. Sie will versuchen, die einzelnen Gebiete systematisch zu erforschen, Licht und Schatten wahrheitsgetreu zu verteilen und auch Wege ausfindig zu machen, zur Äsung der hier vorhandenen schwierigen Probleme. Notwendig zur Erreichung dieses Zieles ist die freiwillige Beschränkung, und dadurch unterscheidet sie sich abermals von ihrer Vorgängerin. Die Ausstellung in. Frautfurt wird chr Untersuchungsfeld nicht auf ganz Deutschland ausdehnen, sondern vielmehr rein lokalen Charakter tragen, sie will nur die Arbeitsprodukte der weiteren Umgebung Frankfurts, soweit sie auf hausindustriellem Wege her^estellt werden, vor Augen führen. Das macht sie besonders auch für Hessen interessant. Aus dielem Anlaß wird in den Mitteilungen der Zenttal- stelle für die Landcsstatistik eine Uebersicht über die Heimarbeit in Hessen. veröffentlicht, der wir folgendes entnehmen: Eine statistische Darstellung leidet immer daran, daß sie nur das Typischste und Allgemeinste veranschaulichen kann. Bon allen Individuellen, von allen Besonderheiten muß sie abstrahieren: sie kennt nur Gruppen, nur Uebereinstimmung und „sieht auck> im Einzigen nur den Einser"". Sie kann also nur eine Voruntersuchung sein, eine Wünschelrute, die den unterirdischen Wasserläufen nachspürt, aber das Graben nach den Quellen nicht erspart. Das Wissenswerte an der Hausindustrie muß sie der ins Detail gehenden Enquete überlassen. Was die Berufs- und Betriebszählungen von 1882 und 1895 an Allgemeinstem über die Heimaroeit in Hessen zu Tage geiörbert haben, sei in folgender kleiner Uebersicht gegeoen. Die Zahlen beruhen auf den Angaben der selbständigen Hausindustriellen. Gemerbegruppe Zahl der Betriebe 1882 1895 Zahl der Personen 1882 1895 Kunst- u. Handelsgärtnerei 3 Industrie d. Steine u. Erden 9 Metallverarbeitung 27 Maschinen, Instrumente, Apparate 10 Chemische Industrie — Forslwirlsch. Nebenprodukte 1 Textilindustrie 603 Papierindustrie 5 Lederindustrie 182 Holz- und Schnitzstoffe 62 Nahrungs- u. Genutzmittel 32 Bekleidung und Reinigung 1077 Baugewerbe 4 Polygraphisches Gewerbe 1 Künstlerische Gewerbe 8 m. w. m. >v. 3 —— — — 9 32 1 46 3 36 61 — 68 2 9 13 — 21 — 1 —- —— 2 —- 1 —— —— — 445 294 297 286 211 35 6 30 94 42 351 318 54 763 97 208 86 19 422 35 13 59 59 43 134 1300 643 699 1597 788 6 13 — 12 — 3 1 — 2 5 19 12 1 44 — zusammen 2024 2435 «542 1160 3400 1317 In Nachfolgendem sind noch unter Zugrundelegung ber gleichen Angaben die Zahlen für die Gewerbearten gegeben, in denen hausindustrielle Betriebe häufiger vorkommen. Zahl der Gruppe Gewerbeart 1882 2. Steinhauer 1 2. Ziegelei, Tonröhren- iabrik 7 3. Klempner —- 3. Grob- Hus-) schmiede 3 3. Zeug-, Sensen- unb Alesjerschmiede 11 4. Stellmacher, Wagner 6 7. Lemenweberei 217 7. Strickerei, Wirkerei 65 7. Häkelei, Stickerei 218 7. Spiyenveriertlgung 3 7. Posamenteniabrckation 29 8. Buchbinderei ) . 8. Kartonnagesabrikation/ 9. Gerberei, Verfertig- ung von gefärbtem u. lackiertem Leder 3 9. Riemer u. Sattler 179 10. Verfertigung o. Holzdraht, Holzstnten, Zündholzrulen — 10. Tischleret u. Parkett- sabritation 22 10. Böttcher 3 10. Korbmacher u. Korbflechter 9 10. Sonst. Flechterei u. Weberet von Holz, Stroh, Bast, Binsen 3 10. Drechslerei 15 10. Kammacher, Bürstenmacher, Veriertigg. voit Ptnseln, Feder- posen 3 11. Tabakiabrikation 28 12. Otäherei 519 12. Schnetderei 266 12. Kleider- und Wäsche- koniektton 3 12. HulmacheretzVersertig- tntfl von Filzwaren 76 12. Schtthmacher 116 12. Wäschereten, Plät- tereien 78 15. Graveure, Stein- schnetder, Ziseleure, Modelleure — Betriebe Zahl der Personen 1895 1882 1895 m. w. m. w. 4 3 — 32 — 3 28 1 13 2 9 — — 23 2 10 6 —— 16 — 2 28 W__ 6 — 9 8 — 21 — 186 223 4 209 16 17 2 59 2 16 123 2 188 — 1x8 9 — 2 — 19 23 4 29 7 29 10 e 48 1 23 D 37 40 9 9 _ 15 11 335 315 54 734 86 2 — — 18 13 81 43 2 192 — 20 4 — 60 — 16 4 5 16 15 33 — 3 20 3 29 19 — 65 — 10 1 2 24 3 13 59 59 43 134 304 — .'27 — 377 678 418 38 1172 184 28 2 4 17 66 26 73 35 120 41 182 147 4 272 8 67 — 76 11 99 13 — — 38 _ Die Versetzung des Gberiehrer; Vr. Werner. Wie unfern Lesern bekannt ist, erhielt der Gießener Realgymnasial-Oberlehrer Dr. Werner vor kurzem ein Versetzungsdekret nach Worms. Wir haben von der Versetzung, die an sich nichts Auffälliges an sich hatte, in der üblichen Form unfern Lesern Kenntnis gegeben. Von der dieserhalb erfolgten Jnterpcllationsankündigung der deutsch- foztalen Landtagsabgcordneten etwas mitzuteilen lag um jo weniger ein Grund vor, als sie nicht ernst zu nehmen war. Ob die seit über acht Tagen angekündigte parlamentarische Aktton noch erfolgt, wissen wir nicht, jedenfalls will die bauernblindlerische Fraktion des Landtags als solche nichts mit der Sache zu tun haben, wie man aus dem Friedberger Bündlerblatt erfuhr. Das Blatt rückt überhaupt neuerdings von Dr. Werner und seiner politischen Richtung merklich ab. Man kann dies aus folgender Auslassung über die Jnterpellations- angelegenheit entnehmen: „Tie Fraktion als solche begnügt sich mit der Versicherung des Ministers, daß bei der Versetzung lediglich dienstliche Gründe in Frage gekommen seien. Diese Gründe sind für die Fraktion maßgebend und sie hat um so weniger Grund, sich in diese Sache zu mischen, als es sich um einen Mann handelt, der seit Jahr und Tag unermüdlich bestrebt ist, in die Bauernbewegung in Ober- Hessen an Stelle vernünftiger wirtschaftlicher Bestrebungen wieder reinen Rasseantisemitismus und einseitiges Partei- Interesse zu setzen."" Angesichts der Tatsache, daß Dr. Werner als tätigstes Mitglied der deutschsozialert Partei (die mit dem ehemaligen Bauernbund in unserem Wahlkreis sozusagen identisch ist), der hiesigen Parteileitung nahezu unentbehrlich ist, kann es füglich nicht Wunder nehmen, daß sie alles tut, um ihn an Gießen zu fesseln. Es ist ja auch verständlich, wenn sie aus berechtigtem Parteiegoismus sich seine Kraft im Hauptort des Wahlkreises zu erhalten sucht. Eine andere Frage ist es aber, ob die zur Erhaltung des Oberlehrers Dr. Werner in seinem hiesigen politischen Wirkungskreis unternommenen Schritte durchweg gebilligt werden können. Wohin soll es z. B. führen, wenn wegen einer aus dienstlichen Gründen erfolgten Verfetzung eines Oberlehrers eine parlamentarische Aktion angekundigt wird, deren Besprechung dem Land erhebliche finanzielle Opfer verursachen würde! Auch die Tatsache, daß der Führer der deutschsozialen Landtagsabgeordneten beim Minister vorstellig wird, läßt die parteipolitischen Beweggründe der versuchten Rückgängigmachung der Versetzung ohne weiteres erkennen. Daß Dr. Werner selbst beim Ministerium in Dartnstadt die Zurücknahme der Versetzung zu erreichen suchte, ist verständlich. Weniger verständlich ist es für den Uneingeweihten aber, daß die Regierung hierbei ein gewisses Entgegenkommen zeigte. Man erfuhr nämlich aus einem Artikel in der Franks. Ztg., daß Herr Dr. Werner die Zusage erhielt, die Sache werde im Ministerium noch einmal geprüft werden. Der offenbar von einem .Eingeweihten her- rührende Artikel in der Franks. Ztg., dessen Inhalt nach unseren Informationen in allem wesentlichen zutrifft, veranlaßte übrigens das amtliche Organ der Großh. Regierung, die Darmstädter Zeitung, zu einer Enviderung, die offenbar offiziösen Ursprunges ist. Wenn wir diese Mitteilung nach ihrem tatsächlichen Inhalt durchforschen, so ersehen wir, daß die Tätigkeit des Landtagsabg. Bähr in der Sache zugegeben wird. Neu und wohl überraschend für alle, die Oberlehrer Dr. Werner kennen, ist lediglich die Tatsache, daß er sein Gesuch um Zurücknahme feiner Versetzung mit feinem Gesundheitszustand begründet hat. Zeder Unbefangene ist wohl der Anficht, daß ein Mann, der neben der Ausübung seines Berufes eine so anstrengende politische Tätigkeit ent- falten kann wie Dr. Werner (er halt oft an zwei Tagen orci politische Versammlungen ab), sich einer guten Gesundheit erfreuen muß, und wenn diese vielleicht in dem anstrengenden und aufregenden letzten Reichstagswcchl- kampfe und seiner ferneren eifrigen politischen Agitations- tätigkeit Not gelitten hat, müßte er es doch geradezu als Wohltat empfinden, durch feine Versetzung nach Worms eine Art dauernder Erholungsschonzeit zu bekommen. A^nn er trotzdem fein Verbleiben in Gießen mit allen möglichen Mitteln durchzusetzen versucht, so beweist dies nach unserer Ansicht, daß die Hervorhebung seines ungünstigen Gesundheitszustandes lediglich ein Hilfsmittel ist, um feinen, allem Anschein nach, politischen Beweggründen entspringenden Müujchen mehr Nachdruck zu verleihen. Aus SiaOt uuö Land. Gießen, 11. April 1908. *• Tageskalender für Sonntag, 12.April. Stadt- tbeater: nachmittags 3x/9 Uhr .Zapfenstreich*, abends 7x/2 Uhr .Maria Stuart* (Gastspiel von Frl. Greta Höcker vom Stadttheater in Mainz.) Ende der Spielzeit 1907/08. Kolosseum: Vormittags 11 Uhr Frühschoppenkonzert, nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr Vorstellung. Kinemato^kaphen-Theater: Progcammwechsel. Ka tserpanoram a: Programmwechsel. ** Aus dem Bureau des Stadttheaters ES sei darauf hingewiesen, daß in der morgigen Nachmittagsvorstellung von .Zapfenstreich* Frl. Toni Syloa, die be- kanntltch ans Hoftheater in Koburg geht, sich verabschiedet. Die Herren, die erste Fächer spielen, bleiben unserer Bühne fast sämtlich nächstes Jahr erhalten, besonders gern wird dies unser Theaterpublikum auch von dem beliebten ersten jugendlichen Helden Herrn Clemens Roden vernehmen, der am morgigen Sonntag in zwei bedeutenden Ausgaben beschäftigt ist. K u n st v e r e l n. Die G e m ä l d e - A u s st e l l u n g am Brand ist von morgen, Sonntag, an wieder geöffnet, es hat ein vollständiger Wechsel der Gemälde stattgeslinden und die neue Ausstellung hat wieder viel des Schönen aufzmveisen. Außer einer Kollektion des Münchener Dialers August L ü decke ist die Ausstellung noch unter anderen beschickt von E. Morgenstern-Frankfurt, E. Dargen, L. Loß- Diünchen, M. Loose-Berlin, I. Paulin-Augsburg, R. Rothang-Wien. Auch E. Proch-WorpSweede, der in der vorigen Ausstellung eine Slnzahl Aquarelle ausstellte und hier alle verkaufte, hat die diesmalige Ausstellung wieder nut einigen schönen Aquarellen bedacht. Ferner sind zwei größere Figurenbilder von dem Historienmaler Emil Rumpf. Cronberg, die .Die Kaiserkcörmng des Kaisers Matthias zu Frankfurt a. Di. 1613* und .Die türkische Gesandtschaft an M ZI » Sl Äk sBÜill j. Sie s von versuchen über die Eignung von Rickelsiahk zu Nietverbindungen verlieben worden. Der vortr. Rat im preuß. Kultusministerium, Geb. Ober» reqiennißSrot Dr. E l st c r ist an Stelle des früheren Ministerialdirektors Wirkt. Geh. Rats Tr. Althoff zum Mitglied des RlirQe toriums der landwirtsch. Hochschule in Berlin ernannt worden ||le 'Nen 'M Lt Jfeet Ät Sttffi ib bi Mm nnflub ■TTiivegl Suiigenl Ge Ml u sitme, ttdeldanl iilmitei Kaiser Ferdinand in Frankfurt a. M. zur Krönung seines ^Sohnes Maximilian II. zum böhmischen König im Jahre 1662* darstellen. Die Ausstellung ist an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen und an Werktagen außer Samstag von 11 bis 1 Uhr geöffnet. ** Von den Wandernden. In der Herberge Zur Heimat übernachteten im März 1445 Personen, von diesen waren 766 Gäste, die gegen Arbeitsleistung die Herberge in Anspruch nahmen. 679 Personen waren Selbstzahler. Im L Quartal betrug die Frequenz der Herberge 4597 Gäste. "Für die Deutschen an derWolga gingen ferner bei mir ein: Th. 4, 91. 2, Fr. W. 3, N. H. 5, P. B. 5, Schm. 5, im ganzen 86 Mark, wofür ich im Nanien unserer Landsleute herzlich danke. Da ich das Geld nächsten Dienstag absenden will, so bitte ich, etwa noch zugedachte Gaben bis dahin an mich gelangen zu lasten. D. Schlosser. '+ Lollar, 1L April. Bet der heute in Staufenberg vorgenommenen Wahl eine Kreistagabgeordneten wurde Bürgermeister Benner von Treis a. Lda. gewählt. X Reiskirchen, 10. April. Am Mittwoch abend veranstaltete der Gesangverein Harmonie hier eine GeburtS- und Abschiedsfeier seines jetzt scheidenden Dirigenten Lehrer Bürstlein, die sehr stimmungsvoll verlief. Präsident Gräf brachte ihm die herzlichsten Wünsche zum Geburtstag und gab der Trauer Ausdruck, die die Herzen der Sänger beim Abschied ihres verdienstvollen Dirigenten bewegt. Hat doch, wie Pfarrer Gombel in seiner Abschiedsrede ausführte, der Scheidende geradezu eine Lebensaufgabe darin erblickt, den Gesangverein Harmonie zu einem lebenskräftigen Verein und zur festen Stütze der Bestrebungen zur Hebung des deutschen Volksliedes zu machen. Der Gesangverein ernannte ihn zu seinem Ehrenmitglied und beschenkte ihn mit einem sehr schönen Sestel. Zur Feier passende Chöre verschönten die wohl gelungene Veranstaltung und zeigten in ihrer Ausführung, daß das, was sein Dirigent ihm m lOjähriger Tätigkeit gegeben hat, nicht nutzlos an- gelegt ist. O Saasen, 9. April. Gestern erhängte sich die 46jährige Frau des hiesigen Landwirts M. Die Bedauernswerte war kränklich, was sie sich so zu Herzen nahm, daß sie ihrem Leben ein Ende machte. — Heute starb hier 9llt- bürgermeister Schmitt nach längerem Leiden. Ec hatte unsere Gemeinde 26 Jahre zum Segen verwaltet. Friedberg, 9. April. Heute fand die Schlußfeier der hiesigen Schiller schule statt. In dem großen Saale des Hotel Trapp waren so viele 9lngehörige von Schülern, sowie Freunde der Schule erschienen, daß der Saal sie kaum zu fassen vermochte. Als Einleitung sang ein Chor zwei Lieder. Nach verschiedenen Vorträgen und Deklamationen hielt Herr Rektor Balser eine Ansprache. — Der Zahntechniker Adam Winkler beging während der Abwesenheit seiner Familie Selbstmord durch Erhängen. Das Motiv ist in Krankheit zu suchen. Goddelau-Erfelden, 11. April. Hier entgleisten heute früh 4 llhr beim Rangieren vier Wagen eines Güterzuges, angeblich weil dem Zuge eine Maschine in die Flanke fuhr. Personen wurden nicht verletzt. Der Materialschaden ist unbedeutend. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Das ,6 p r e n D 1 i n g c r Tageblatt" brachte kürzlich folgende Mitteilung: „Israelitischer Gottesdienst. Freitag abends 51/, Uhr. Samstag morgens 9'/. Uhr: Neumondsweihe und Predigt. SonMag: „Die luftige Witwe". Montag: „Walzertraum". Dienstag: „Fledermaus". Mittwoch: „Glöckchen des Eremiten". Donnerstag: „Panne"'. Freitag: „Walküre". Samstag: „Faust". Das Programm, so meint der „Ulk", ist gut gewählt und berücksichtigt klug die weihevolle Stimmung am Freitagabend und Samstag durch Wagner und Goethe. krfte diiag d W Kinnnje !We, 1 ^nemrii iX 3 Mer, 1 ’-Mtötm nie Neu. .H. ! iait tarnet n^yie IS Vogelsberger Höhenklnb. Der Vorstand des Gesamivereins hat an die Zweigvereine ein Rundschreiben gesandt, das uns zu folgenden Mitteilungen Anlast giebt: Tex Ausbau des Klubhauses auf demHoherodskopij ist noch im Herbst vor. Js. sertiggestellt worden. Wie sehr die Vergrößerung des Klubhauses, in dem jetzt zeh:. Fremdenzimmer mit 20 guten Betten zur Verfügung stehen, einem i wirklichen Bedürfnis entsprach, geht schon daraus hervor, daß ouäi während des letzten Winters, der für die Ausübung des Schneeschuh-' laufs und des Wintersports überhaupt hier im Vogelsberg niet1 sonderlich günstig war, an vielen Samstagen und Sonntagen fa1 alle Zimmer besetzt waren. Tas Klubhaus ist bekanntlich auch mi Winter ständig geöffnet. Ter Zuspruch war namentlich von G i e ß e n überaus stark. Die Ausstattung der Uebernachtungsräüme ist solid und entspricht allen Anforderungen, die man bllligerweije an einen ©iri-■ jchaftsbetrieb auf solcher Hohe stellen kann. Es ivird nur zu o1:: vergessen, daß das HoherodSkopf-KlubhauL nur ein Bergwirtshau-: I ist, in erster Linie nur dem Lourillenvertehr dienen soll uni deshalb verwöhnten städtischen Ansprüchen nicht entfernt genügen kann, und daß es deshalb unvernünftig ist, etwa der; Maßstab eines Hotelbetriebs anzulegen. Man muß aber immc: mit den gegebenen Verhältnissen rechnen und soll sich mm: abhalten lasten, von der günstigen Gelegenheit, auf BergeslM: einen angenehmen Aufenthalt zu haben, recht häufig allleiv- Gebrauch zu machen. Ter Telep ho nans chluß des Klubhauses ist schon ■ Jahren dringend gewünscht worden. Im Laufe des Sommeri - wird cs zur Ausführung kommen. Auch der Bismarckturm auf dem Taufftein wird voraus • sichtlich in diesem Jahr fertiggestellt. Hm der Kalamität der Herbeifchaffung von Wasser aozo helfen, hat die Sektion Taufstein in Gießen schon ict': längerer Zeit den Bau e i n e r Q u e l l w a s s e r l e i t u n g ar- geregt und auch eine größere Summe bereits angefainmell Es ist zu wünschen und zu hoffen, daß auch die Wafferleüun;. möglichst noch im Sommer ausgeführt wird. ... Tie schon seit Jahren herausgegebenen Verzeichnilll von Sommerwohnungen erschienen in Neuaustage. & Interesse der Erschließung des Vogelsbergs als Sommerfnfchen 1 gebiet und unerschöpfliches Terrain für die Touristik ist o« möglichste Verbreitung dieses Schristchens allen Jnterepenter dringend ans Herz zu legen. _ ... Wie bei anderen Touristenvereinen will auch der Vogct-- berg er Höhen-Klub die Wanderlust der Jugend roeaex und fördern und Einrichtungen für gute und billige Unterrunr der jungen Wanderer schaffen. Mau denkt, Preisermaßigungei mit den Wirten vereinbaren zu können und will sich mit thnci ins Benehmen setzen. E-rfveulicheriveise ist überhaupt eine Zunahme des tounfti schon Wwtderns, eine größere Regsamkeit einzelner Zweig' vereine, die Pleublldung von Sektionen und das wachsende teresse der Städter für Naturgenuß zu beobachten, öo ha. sich in Büdingen ein neuer Zweigverein aufgetan, die new Sektion in F r a n k f u r t a. M. hat ui kurzer Zell an Mt- gliederzahl alle anderen überflügelt und zeigt einen frischer <ßcrid?t$iaal. ff Marburg, 9. April. Wegen Vergehens gegen das Heilmittel-Gesetz Hane sich heute ein Kau'mann aus einem Nachbarorte zu verantworten, weil er Ztnk- und Borsalbe verkauft hakte. Trotzdem ein Gutachten des Medizinalkolleginrns verlesen wurde, in dem beide Salben als Hetlmtktel betrachtet waren, erzielte der Mann Freisprechung, weil seine Schntz- behauplmig, er habe sie nur als kosmetische Mute! betrachtet, nicht wtderlegt werden fonnte. Frankfurt a. M., 9. April. Der Butter-Engros-Händler Max Bingenheim hier hak tm Jahre 1907 dte von thm in den Handel gebrachte Btitter in warmem Wasser gewaschen und gefnetet, so daß die Butter einen Wasserzusatz von 25 Proz. erhielt. Das Schöffengericht verurteilte ihn heute ivegen Nahrungs- Mittel-Ver'älschung zu 5 0 0 9)1 f. Geldstraf e. Gleichzeitig rouren zwei Spezereihändler, die mitangeklagt waren, weil sie die ge- ivässerle Butter verkauft hatten, zu 20 und 15 Mk. Geldstrafe oer- urteilt. fc. Frankfurt a. M., 9. April. Der Musketier Wilhelni Schul meier von der 11. Kompanie des 116. Infanterie- Regiments m Gieße >i, gebürtig aus Mörfelden, hat einmal als ITjätjriger Bursch cm Paar Strümpfe und ein Taschentuch gestohlen und dafür 10 Tage gebrummt. Kurz daraus kam er nut anderen Burschen in einen Schnapsladen, um noch einen hinter die Binde zii gießen, obwohl er schon „genug" hatte. Als der Budiker den Rücken lehrte, um den Schnaps zu holen, griff Schuld meier in die Ladenkasse. Zur Ausführung des Diebstahls kam es nicht, weil sich der Ladenmhaber umdrehte. Der Versuch trug dem Schulmeier 2 Wochen Gefängnis ein. Tann hielt er sich 4 Jahre lang straffrei und wurde em guter Soldat. Aber die Gelegenheit macht Tiebe, und Gelegenheit gibts in der Kaserne genug. Ernes schönen Tages juefte es ihn wieder in den Fingern, unb sie wurden wieder länger, als die Polizei erlaubt. In kurzen Zwischenräumen beging Schulmeier 5 Ttebstähle: er stahl zweimal je ein Diensthemd, dann eine Bürste, ein Paar Fausthandschuhe und ein Paar Tienstschuhe, also lauter Gebrauchsgegenstände. Trotzdem traf ihn eine harte Strafe, denn jetzt äußerten die kleinen Vorstrafen ihre Rückwirkung und m dem einen Falle hatte er mit einem falschen Schlüssel operiert. Es lag also hier schwerer Diebstahl in wiederholtem Rückfall vor, für den die Mindeststrafe ein Jahr Gefängnis beträgt. Das Kriegsgericht der 25. Division erkannte auf eine Gesamtstrafe von 1 Jahr 6 9)1 o n a t e n Gefängnis, Versetzung m die 2. Klasse und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren. Auf die Berufung des Angeklagten, die sich gegen die Höhe der Gesamtstrafe und den Verlust der Ehrenrechte, der die Versetzung in die Arbeiterabteilung zur Folge gehabt haben würde, richtete, setzte das Oberkriegsgericht die Strafe auf 1 Jahr 3 9)1 o n a t e Gefängnis herab, rechnete 2 Monate Untersuchungshaft an und strich den Ehrverlust. Fr a nksurt a. M., 10. yipril. Das Schöffengericht verurteilte den Dlilchhändler Friedrich Walter zu Rende ivegen N a h r u n g s m i 11 e 1 f ä 1 s ch u n g und Uebertretung der Milch- verkehrs-Ordnung zu 105 und die Tochter zu 30 Mk. Geldstrafe. Nürnberg, 9. April. Tas hiesige Schwurgericht verurteilte heule den 28jährigen, verheirateten Stationsgehilfen E ichne r von hier wegen Mordversuchs an seiner Frau zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Eichner hatte während eines Wortwechsels seine Frau in die Pegnitz gestoßen, sie konnte sich aber retten. Stendal, 9. April. Ueber einen Raub Mordversuch, der sich m der Rabe der Försterei Kenzendorff bet Gardelegen abgespielt hat, wurde vor dem Schwurgericht m Stendal verhandelt. Angeklagt war der 25 Jahre alte Gast- und Landwirt August G a d a u aus Potzene, der mit dem Gerbereibesitzer Schultz ans Helmstädt tretiz und quer durch den Wald fuhr und dann plötzlich mehrere Schüsse auf ihn abfeuerte in der Absicht, ihn zu berauben. Gadau wurde wegen Raubmordversuches zu 12 Iah reu Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Oppeln, 10. April. Das Schwurgericht verurteilte heute den 19jährigen Arbeiter Johann Z y g a ans Tarawa, der am 6. Februar in Tarawa die Hegemeiitersfrau Hinke ermordet unb betäubt hatte, zum Tode. Görlitz, 9. April. Wegen schwerer Gefährdung zweier E t s e n b a h n z ü g e zwischen Weißwasser und Schleife durch Legung großer Steine auf die Schienen wurde der Grubenarbeiter Struck vom Schwurgericht zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Struck hatte Rache an einem Schranken- Wärter nehmen wollen. Posen, 10. April. Das Kriegsgericht in B i r n b a u in verurteilte den Reserveleutnant Amtsrichter Herrn enö in Birnbaum wegen Duells zu 3 Monaten Festung und den Reserveoberleiitnant Obersteuerkontrolleur Jahn in Birnbaum wegen Kartelltragcns zu 1 Tage Festung. Aachen, 9. April. Wegeir Kurpfuschereien verurteilte die Strafkammer den S t a 11 m e i st e r H o w e l ( aus Berlin, der hier als Professor and Doktor auftrai, zu fünfzehn Monaten Zucht h a u § und fünfjährigem Ehrverlust. Trier, 10. April. Pfarrer M a n s u y in ArS wurde nach achtstündiger Verhandllmg von der Metzer Strafkammer wegen seiner bekannten KaisersgeburtstagSrede zu 2 Wochen F e st u n g und 40 Mk. (9elb|trafe verurteilt. Paris, 9. April. In St. Di6 wurde ein Metzger, der überführt worden war, int Januar verdorbenes Fletsch an Truppen geliefert zu haben, zii drei Monaten (Se- fangnis und 3000 Franks Geldbuße verurteilt. Tie gleiche Strafe traf den Viehhändler, der das Fleifch dem Metzger geliefert hakte. Ebenso wurde der Eigentümer des geschlachteten Tieres zu zwei 9)1 o n a t e n Gefängnis unb 1000 Frks. Geldbuße verurteilt. Der L lehlreiber, der das Tier zum Schlachthause gebracht hatte, erhielt einen Monat Gefängnis und 500 Franks Geldstrafe. Univcriität$41acbri^tcn. hc. Von dem Iron and Steel Institute of England ist dem Diplomingenieur Ernst Preuß, Vertreter des Vorstandes Der 9)laterialprüfinig3anftalt der Technischen Hochschule zu Dar m st a dt «ne Carnegie-Prämie int Betrage von 2000 Mk. zur Ausführung Vermischtes. * Fürst Eulenburg gegen Iustizrat Bernstein Gegen den Verteidiger Hardens, Justizrat Max Bernstein in München, ist Berliner Blättern zufolge öffentliche Anklage wegen Beleidigung des Fürsten Eulenburg erhoben worden. Fürst Eulenburg hatte bekanntlich gegen Harden und Bernsteil wegen angeblicher beleidigenden Aenß-erungen während des ersten Prozesses Mvltke—Harden bei der Staatsanwaltschaft die Erhebung der öffentlichen Anklage beantragt. Oberstaatsanwalt Jsenbiel erbat hierauf von Maximilian Harden den von beamteten Stenographen hergestellten Prozeßbericht, den ihm Harden auch zur Verfügung stellte. Tie Turchficht des Stenogramms ergab, daß Hamen beleidigende Aeußerungen gegen den Fürsten Eulenburg nicht getan habe. Tie Staatsanwaltschaft hat cs daher abgelehnt, dem Antrag des Fürsten Eulenburg inbezu, auf Harden Folge zu geben. Dagegen ergab der fteno graphisch? Vertust, daß der Verteidiger Hardens den Fittstim Eulenburz mehrfach als homosexuell bezeichnet bat Ta diese Aeußerungc-i in Berlin getan wurden, dürste der Prozeß in Berlin zur Verhandlung gelangen. Bernstein hat, wie man weiß, die An- regungen, dte bezeichnete Aeußerung über den Fürsten zurückzunehmen oder einzuschränken, abgelehnt. Die Ueberlassunq des stenographischen Berichtes an die Staatsanwaltschaft ist mii ausdrücklicijcr Einwilligung des Juslizrats Bernstein geschehen. * G r u b e n n n fä lle. In der vorvergangenen 9lacbe ereignete sich in der Monton-Hill-Grube zu 9)hbfomer Norton v- Somersetihire (Engl.) eine heftige Explo s io n, durch bis 12 Arbeiter von der Nachtschicht getötet wurden. Die (h- plvsion war so heftig, daß die Stadt wie von einem Erdbebei i erschüttert wurde und Die elektr. Beleuchtung versagte. Zur Zeu des Unglücks waren 30 Mann in Der Grube. Tie Mehrzahl ivittbi durch Das kühne Vordringen Der Net.ungmannschasten an Dte Oberfläche gebracht, Doch büßte ein Netter sein Leben ein. — Auf bei Grube Sainte-Henriette in Flcnu (Belgien) wurden durch eine Schlagwetterexplosion 4 Arbeiter getötet. * Selbstmörder. In Bern bürg haben sich ein neunzehnjähriger Oberprimaner und ein zweiter Gymnasiast nach Aufteilung Der Zensuren erschossen. — In 9)llinchen hat sich bex 32 Jahre alte Freiherr Günter von Feury erschossen. — In Posen erschoß sich Der 19>ährige Leutnant Wulfs Des Feldarnllerie- Regiments aus unbekannter Ursache. '-Eine tapfere Frau. In Teheran, Der perf. Haupt, stadt, wurde auf Frau Paula von No st Horn, die Gallim des öllcrr. Gesandten, als sie mit der Gemahlin des ruf). Gesandten von einem Diner zu Wagen zuvückiehrte, von einem Soldaten ein Schuß abgegeben. Die Kugel sauste haarfchar, an den beiden Damen voroei. Frau von Rosthorn flieg sofort aus, ging auf den Soldaten zu und entriß! hmdasGewehr. das sie mit sich nahm. Als der Soldat feiner Waffe uacheillc. wurde er in der Nähe der rufsifchen Gesandtschaft von Gesandt schaitsdienern seftgenommen. Kleine Tageschronik. In Dortmund übersithr die Straßenbahn einen Knaben so unglücklich, daß er in zwei Telle zerschnitten wurde. In I m m e n st a d t (Bayern) erschoß ein 12jähriqer geiftei- schivacher Bauernjunge ein achtmonatiges Kind, das er bewachen sollte, mit einem im Zimmer hängenden Jagdgewehre. In 9)1 o n 11 g n i) bei Metz erschlug ein Soldat eine« Rekruten des Feldartillerieregiments 33 mit einem Eßnapie. In Halle wutDe auf einen Geldbriefträger, der 4000 9J1L bei sich führte, von mehreren jungen Burschen em räuberischer. Lieberf all verübt. Dem Beamten, der einen Schlag über Dem Köpf erhielt, gelang es jedoch, sich der Angreifer zu erivehren, bis mit Hilfe herbeieilender Personen feftgenommen wurden. Die Verletzungen des Beamten sind unbedeutend. Im städtischen Försterhaufe von Stendal wollte ein 9Ran; in Forstuniform eine Revision vornehmen. Da er sich aber nicht als Oberförster ausweisen konnte, holte der Förster Die Polizei. Diese stellte fest, Daß der angebliche Obers ost er ein Hand' 1 uu g s g e t) i l f c war; er wurDe in Haft genommen. Vor Dem Gerichtshöfe in Genua spielte sich eine aufregend, Szene ab. 911s Das Urteil gegen Den 20jährigen Angeklagten, einein Betrüger, verlesen war, entriß der Teliquent einem neben ihm: stehenden Karabiniert Die Flinte, legte auf Den G e richtS" präfiDcntcn an und wollte geraDe abbrücfen,als Die Gendarm»! sich auf Den RasenDen stürzten unD ihn mit großer 9)ll'ihe em- - waffneten. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 10. April. Der erschwindelte Rock. Der Korbmacher P. W. von W e h r h e i m traf den Kleidev- fhändler G. von Kohden in einer Wirtschaft zu Bingenheim. Im Laufe des Gesprächs stellte er sich, als wolle er eine Flasche Wein bezahlen. Ter Händler gab ihm den Rat, feinen Kindern Brot zu kaufen, da diese doch darben müßten. W. entfernte sich mid ging nach KoUwn in die Wohnung des Händlers, wo er eine Frauensperson antraf, Der er vorschwiudelte, er habe G. geliehen und sei beauftragt, einen Rock zu holen. Seinen Angaben wurde geglaubt und ihm ein Rock verabfolgt mit dem «r verschwand. Es ist ein wiederholt vorbestrafter Betrüger, Der Lick mit sinnloser Trunkenheit herauszuhelfen sucht. Es bestand aber kein Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit. Die Tat erschien mit der Minimatstrafe von 3 Monaten Gefängnis als veMgend gesühnt und es sollen ihm 6 Wochen Untersuchungshaft ungerechnet werden. Teurer Wein. Tas 'Schöffengericht Bad--Nauheim hatte den Diener I. H. aus Berlin wegen Betrugs zu 40 Mark Geldstrafe verurteilt. Er war in einem Sanatorium besMftigt und hatte mehrfach für eine Patientin Wein zu holen, für den er hier pro Flasche 4 Mk. zu zahlen hatte. Er ließ sich>aber jedesmal 5,50 Mk. geben, unter dem Vorwande, der Wein werHe ihm nur zu diesem Preise verabfolgt. Der Angeklagte und die Staatsanwaltichaft fochten das Urteil an, aber die Berufung wurde im Laufe der Verhandlung, wieder zurückgezogen, so daß es bei dem Urteil sein Bürenden behielt. Freigesprochen. Gegen die Ehefrau des Wirts G. Sch. von Friedberg wurde wegen Versuchs des Vervreck^ens gegen das leimende Leben verhandell. Me unter Ausschluß der Oefsentlichkcit geführte Verhandlung endigte mit Freisprechung, da ihr eine strafbare Absicht nicht nachzuweisen war und der ihr von einem Kurpfuscher zugeschictte teuere Tee, den sie trank, auch nicht geeignet war, den gedachten Zweck zu erfüllen, zumal sie angab, es habe ihr nur um die Besserung ihres Befindens gegolten. Urkundenfälschung. Der Fuhrmann E. W. von Muschenheim, ivelcher bet einem Rcküller beschäftigt war, hatte Den Auftrag, Bestellungen auf Futterartikel entgegenzunehmen. Er gab seinem Dienscherrn unwahrewweise an, es hätten zwei Landwirte einige Säcke Futter-- mehl bestellt, die er ihnen hinoesorgen sollte. Als ihm das Mehl verabfolgt war, verwendete er es zu seinem Vorteil und fälschte zwei Empfangsbescheinigungen, die er seinem Heri'n vorlegtc. Er wurde wegen Urkundenfälschung in einheitlichem Zusammentreffen mit Betrug zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt, wooei seine seftherige Unbesch'oltenheit strafmildernd berücksicküigt wurde. Vorsicht beim Pflügen. Dem Land wirt E. S. von Grünberg ging ein Strafbefehl über 4 Mark und 1 Mark Schadenersatz zu, weil er mit seinem Gespann beim Pflügen mehr als nötig, das Grundstück seines Nachbars beschädigt und gleichzeitig einen Zaun beseitigt hat. Er erhob Widersprach und gab an, er habe sich zur Um- legung des Zaunes, der ihm bei Ausübung seines Eigentumsrechtes hinderlich war, berechtigt gehalten, da das beim Pflügen benutzte Vieh gefähroet worden wäre, es übrigens auch nicht üblich i’t, Zäune auf freiem Felde zu errichten, die zur größten Schädigung der Anlieger führen können. Das Feldgericht setzte die Strafe auf 2 Mk. fest, da zum mindesten feststeht, daß das Vieh mehr als unvermeidlich auf das Nachbargrundstück übergetreten ist, was eine Schädigung der Saat zur Folge hatte. Er focht das Urteil an und bot eine Reihe von Zeugen und mehrere Sachverständige auf, auf Grund deren Aussage er freige- sprochen wurde. Klatschgeschichten. Bei einem Gespräch über die vor einiger Zeit in Großen-- Buseck erfolgten Einbrüche im Pfarrhaus und bei einem Handelsmann, soll der Landlvirt H. G. geäußert haben, der Landwirt I. H. habe die Einbrüche in Gemeinschaft mit dem mit ihm befreundeten W. D. verübt. Die Folge war eine Privatklage gegen G., aber das Schöffengericht hiett nicht für erwiesen, daß die Aeußerung so gelautet hat, wie sie dem Angeklagten zur Last gelegt wird und auch nicht, daß sie inbezug auf die Kläger gefallen ist. Das Schöffengericht kam zum Freispruch, aber das Urteil wurde angefochten und durch Aufbietung einer großen Anzahl Zeugen nachtz-wveifen versucht, daß der Angeklagte die Aeußerung dvch^ getan hat. Die Aussagen waren aber nicht derart, daß das Gericht in der Lage gewesen wäre, darauf eine Verurteilung zu gründen, weshalb die Berufung verworfen wurde. — In der weiteren Sache war der Angeklagte Kläger und die Kläger Angeklagte. D. und H. hatten in einer Wirtschaft in Anwesenheit des G. Bemerkungen gemocht, als wenn er sich habe Unredlichkeiten zu schulden kommen lassen, wobei von Spitzbuben ge- iprodjien wurde. G., der dies aus sich bezog, erhob Klage und das Schöffengericht kam zur Verurteilung des D. zu einer Geldstrafe von 20 und des H. zu 15 Mark, unter Zuerkennung der Publi- katiousbefugnis für Den Kläger. Beide erhoben Berufung unter der Angabe, sie hätten den Kläger mit ihren Bemerkungen nickst gemeint. Es bestand jedoch in keiner Instanz ein Zweckel, daß der Kläger damit gekränkt werden sollte. Das Urteil fand somft seine Bestätigung. m den Zug, der hoffentlich auch über die Grunderjahre hinaus Stand falt Auch inGießen hat sich vor kurzem ein neucrZweis- herein des Vogelsberger Löhen-Klubs gebildet Er will am Sonntag seine Gründungstour nach dem Vogelsberg antreten. So ist mehrfach ein Aufblühen des Vogelsberger Höhen- Klubs zu konstatieren und es i)t zu hoffen, daß diese aufsteigende Bewegung anhält unb sich auf alle Zweigvereme erstreckt zum Vesten des Vogelsbergs, zum Nutzen und Fwmmen unserer engeren und weiteren Hermat. R. Literarisches. — Für den Weidmann von großem Interesse ist ein Hand- und Taschenbuch, das rechtzeitig zum Jagdausgang am 1 Mar im Verlag von Emil Roth in Gießen erscheinen wird. W ist bet zum erstenmal erscheinende Jägerkalender 1908/09 für Hessen und He,sen-9tassau, der unter Mitwirkung des Herrn Kommerzienrat Hickler in Darmstadt, Ehrenvorsitzenden des Hess. Zagdkluvs. von Redakteur Fritz Mathern in Frankfurt a. M. herausgegeben wirb. Ter Kalender, von dem uns bie ersten Aus- gngebogen vorliegen und der in hervorragend künstlerisch illu- ierter Ausführung erscheint, besteht aus zwei Teilen, einem handlichen, gebundenen Taschenbuch und einem tartonnierten tlnhang. Der erste Teil enthält ein Kalendarium, eine Fülle fabldjer alter und neuer Jagdlieder, Schußliste, Einladungssor- nulare, Tabellen und Statistiken aller erdenklichen Art, wie sie yrc prattisckM Jäger gern zur Hand hat. Der zweite Teil enthält ehr intcreiiame jagdpraktische, sagdtvissenschaftliche und unterhal- xnde Artikel; außerdem aber, uni> das ist das Neue und außer- crdcntlich Wertvolle: Er enthält ein Verzeichnis der hessischen mb hessen-nassauischen Gemeindejagdm mit Angabe über Preis, 'Roße, Pächter und nächsten Verpachtungstermin jeder einzelnen jagb. Die Vorausbestcllung zum Preise von 2,50 Mark ist bei der Lctlagssirma jetzt eröffnet worden und man wird wohl nicht chlgehen, wenn man dem Werk, das zum Organ des hessischen Zagbklubs gewählt worden ist, einen durchschlagenden Ersolg verspricht. Arbeiterbewegung. R. B. Darmstadt, 9. April. Ein neuer großer Lohnkampf stbht bevor. Die große Vereinigung der Arbeitgeber der Weißbinder, Maler, Lackierer und Vergolder für Westdeutschland hatte am vorigen Sonntag in Würzburg den Beschluß gefaßt, falls eine Verständigung mit den organisierten Gehilfen bieser Gewerbe nicht im Lause der Woche erzielt werde, in 32 deutschen Städten vom nächsten Samstag ab eine Aussperrung aller den freien Gewerkschaften äuge hörenden Gehilfen eintreten zu lassen. Die Ursache zu dieser Maßregel liegt darin, daß in einer in Mannheim abgehaltenen Versammlung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, in der eine Verständigung versucht werden sollte, die jrcien Gewerkschaftler es ablehnten, überhaupt in eine Verhandlung einzutreten, weil bie Arbeitgeber gleichzeitig auch mit den Angehörigen der christlichen und der Hirscki-Dunkerschen Gewerkschaften verhandeln wollten. Da bie Führer der freien Gewerkschaften aus ihrem ablehnenden Standpunkt bis jetzt beharren, wurde von ben Arbeitgebern die Aussperrung von Samstag ab beschlossen. Zu den davon betroffenen 32 Städten gehören il a. Frankfurt a. M., Darmstadt, Offenbach, Hanau, Heidelberg, Mannheün, Wiesbaden rc. Frankfurt a. M., 9. April. Heute tagte hier eine Versammlung des Mitteldeutschen Arbeitgeber-Verbandes für das P flastcrer-Gewerb e, die sich mit herüber eine hiesige Firma verhängte Sperre beschäftigte. Es wurde beschlossen, die gesamte Arbeiterschaft ün Pflasterergewerbe auszusperren, falls die Sperre über jene Firma nickst bis zum kommenden Freitag ausgehoben wirb.__________ Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Sonntag ben 12. April: Trübe unb regnerisch. Mäßig warm. Schwache westliche Winde. Orögrnal-Vrahtnreldungen. RB. Darmstadt, 11. April. Die Unterschlag- ungsafsäre in Offenbach zieht weitere Kreise. Gestern ist der dortige städtische Buchhalter Engelbert Dammel, ein 35 Jahre alter, unverheirateter Mann, wegen Unterschlagungen int Amte verhaftet worden. Dammel bestreitet jede Schuld. Gegen den zuerst verhafteten Müller ist jetzt Anklage erhoben worden. Die Verhandlung findet demnächst statt. Köln, 1L April. Wie die „Köln. Ztg." erfährt, hat die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika die Einladung der amerikan. Flotte zum Besuche Englands abgelehnt, da eine weitere Ausdehnung der Reise unmöglich sei. Landshut i. 23., 11. April. Der Raubmord, der am 22. März d. I. an der Frau des Landwirts Sirbl verübt wurde, welche am Fenster sitzend erschossen wurde, während ihrem Töchterchen der Hals durchgefchnitten war, scheint jetzt aufgeklärt zu werden. Der unmittelbare Nachbar, der Landwirt Riedl, ist soeben unter dem Verdachte der Täterschaft verhaftet worden. Graz, 11. April. Tie Ortschaft Lobmina steht unter Wasser. Ter hoch angeschwollene Lobming-Fluß hat zwei Kinder f o r t g e s ch w e m m t. — Aus ganz Oesterreich wird Hochwasser, Regen, Schnee und aus vielen Gegenden auch ein empfindlicher Frost gemeldet. Rom, 11. April. Es bestätigt sich, daß der deutsche Kaiser beim heft'gen Stuhl hat anfragen lasten, ob sein Besuch bei seiner Nückte h r aus Korfu im Vatikan angenehm sei. Der Kaiser würde in Neapel landen und von dort nach Rom reisen. Paris, 11. April. Im Ambigu-Theater kam es gestern während der Generalprobe eines Militärstückes, worin ein Sowat unschuldig hingerichtet wird, zu stürmischen antimilitaristischen Kundgebungen. Auf der Galerie kam es unter dem Publikum sogar zu einem Handgemenge. Wir bitten um gefällige Besichtigung unserer Schaufenster - Auslagen. Cu/< Frischer Ostender Hummer und Schwarzwald-Forellen Reine Weine. 2407 Telephon 25. Für die bevorstehenden Festtage empfehle meinen Sie finden «ÄS Nähmaschinen ■i i verkaufen. 12395 Pam« > Alle Arien 02792 Möbel uhu. 03001 Wut erhaltene Kinderbett,tolle und ^rtrolrumljcrb biütg abzu- I geben. Katser-Allee 28,1. [03018 iüü Bergstraße 9, 111. Tr. 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