- ? 5*1 r X r- S ® V ic- *> ■• 2 - to_~y n O 2 . Ubrehe <üx Depeschen: P. Wiltko; für ^Stadt Nr. 6b -Der Htetzener Anzeiger irscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich tztrhenerZamilieiiblätler; iwermal roödientl.KreiSi tati färben Kreis ßiefjtn Dienstag und Freitag): iroetmal monotl. Lcnd- oirtschastlicheSeitsrogen ^enisprech-Anschlüsse: iur die Redaktion 113, Verlag u. Expedition 51 jßX. ««r ä Bezugspreis: monatlich 75Pi., viertel- t M* 7i ItlM ft AU ||g| iv nv i iv v I ijV iwv v sSs vkjtiF ®W Verantwortlich AW1 9 &99 zä*k < für den politischen Teil: s~ General-Anzeiger für Oberheffen WW »üt die Tagesnummer RotütlsnsdruS und Verlag der vruhl'fchen Univ.'Vuch- und Zteindru^erei. R. Lange. RedaMon, ExpEo« und Druckerei: Schulstrahe 7. Anreiaente?l^'L>"^BeL l>ts vormittags 10 Uhr. -i-' Die heutige Nummer umsatzt 16 Seiten m des er Im Reichstage und im preußischen Abgeordnetenhanse boten die Beratungen, abgesehen von der ersten grasten und sehr wirkungsvollen Rede des neuen Reicktslchatzselvetä-rs Sytwto, nicht viel bemerkenswertes. Nur die Tonncrstagssitzung des Reichstages, inib zwar die Abcndsitzn-Ng, zeichnete sich durch eine längere Debatte über die Fleischpvcise aus. Die Frage der Fleischpreise ist in der Tat geeignet, die Oefsentlichkeit wieder einmal in höherem Maste zu beschäftigen. Während die Viehpreise fortgesetzt herabgegangen sind, nmß leider konstatiert werden, daß die Metzger ihre Fleischpreise nach wie vor aus derselben Höhe zu erhalten bestrebr sind. Erst die letzten Tage haben endlich erfreulicherweise in zahlreichen Städten ein Herabgehen der Fleischpreise gebracht, In Frankreich wird die Stellung des Kabinetts Eiern e n e e a u von Tag z-u Tage fritifdjer und man rechnet damit, dnst es in nicht all zu langer Zeit wivd zurücktreten müssen. Man ist mit der Marokko Politik, die dem Volke große Opfer auferlegt, nicht recht einverstanden. Sind) sonst hat es fick) in letzter Zeit, und namentlich) in der letzten Kammersitzung deutlich gezeigt, daß Clemenceau nicht mehr über die alte Mehrheit verfügt- Eine Rede, die der frühere Ministerpräsident und jetzige aussid)tsreichste Kandidat für dcn Posten Cbmirnccaus, Comb's, bei einem Festmahle dieser Tage gehalten hat, gilt als eine ojicne Absage an die Politik des Kabinetts Clemenceau. Wenn sich nun die Meldung bewahrheiten sollte, dast Muleh Hasid bereits um Frieden gebeten hat und dast dämit der marokkanische Feldzug im Wesentlichen zu Ende gekommen ist, dann könnte Clemenceau sich allerdings wohl noch einige Zeit halten. Aber wie lange wohl noch? Aussprachen über die politische Weltlage haben in der verflossenen Woche in den Parlamenten Ztaliens und Rußlands stattgefunden, und die leitenden Staatsmänner beider Länder stellten die Lage im allgemeinen als friedlich dar, trotz der mancherlei Schwicrigkcllen auf dem Balkan, in Persien und Ostasien. Jedenfalls besteht in Europa wenigstens auf allen Seiten der Wunsch, den Frieden unter alle:: Umständen aufrecht zu erhalten. Nickst ganz dasselbe möchte man vom fernen Osten sagen. Tort scheint sich der Konflikt zwischen Japan und China weiter zuspitzeu zu wollen, obgleich China wegen der angeblich unrecht- müßigen Beschlagnahme eines japauisck)cn Dampfers dem Reiche dcs Mikado alle nur mögliche Entschädigung angeboren hat. Man ist wohl ziemlich allgemein der Ansicht, dast Japan mjeinen Ent- schädiguirgssorderungen an China zu weit gegangen i]t und hofft, dast die leitenden Staatsmänner Japans das inzwischen wohl schon selbst eingesehen haben iwcdjUn. LVochen?chari. Gießen, den 14. Martz. Ter Briefwechsel de sdeutschen Kaisers mit einem hhcn englischen Beamten, dem Ersten Lord der Admiralität, Ttoecd- Ivuth, ist durch eine unbegreifliche Indiskretion bekannt geworden imd hat in England eine ungeheure Sensation hervvrgerufen. Die cnglisd>en Deutschcnsresser hatten wieder einmal eine günstige (gelegenheil gesunden, Zwietracht zwisd)en. Deutschland und Eng- Imb zu säen. Ter gröfjtJ Teil des englischen Publikums hat sich nber erfreulicher Weise von diesen Letzaposteln in seinem ruhigen »md besonnenen Urteil über diese Briesangelegenheit nicht beirren lussm. Man kennt den Wortlaut des Briefes nicht, wird ihn uvhl auch nicht erfahren und zweifelt trotzdem keinen Augenblick cm dm besten Absichten des kaiserlichen Bricssckweibers. Tas ist verständig gedacht, wie selbst die Franzosen haben zugeben müssen. Ln England ist man nicht gewillt, aus diesem Briefwechsel des deutschen Kaisers mit dem Lord der Admiralität eine Haupt- und Staatsaktion zu mod/cn, denn man erinnert sich, dast auck) in fmheven Zeiten andere dRonarchen und selbst die Königin Viktoria gelegentlich mit Staatsmännern anderer Länder korrespondiert haben. Damit könnte diese Angelegenheit wobt als erledigt gelten, rui wird man im deutschen Volke jedenfalls ziemlid) allgemein dm Wunsch fühlen, dast ähnliche Vorfälle, die leicht zu Miß- ferständnissen Veranlassung geben können, nickst wieder Vorkommen »ödsten. Etwas mehr Zurückhaltung auf deutscher Seite könnte nichts schaden. Mit der Beamtenbesoldungsvorlage ist es dieses- «lal wieder nichts. Die Aussührungen, die der neue Reichsschatz- sikvetär Shdow im Neick-stage über diese Frage gemacht. hat, werden unsere Beamten redjt wenig ermutigt haben. _ Erst die Äeichsfinanzresorm, und dann erst die Besoldung: erst die Er- lebigung der Teckungssvage, dann die Erörterung über die neuen Millionenausgaben für die Beamten. Das Prinzip, feine neuen "Ausgaben zu machen, so lange man nickst weih, tvovvn sie be- slrnlen werden sollen, ist ganz richtig, und dagegen läßt sid) an itnb für sich nichts einwenden. Aber in Bearntenkreisen empfindet non es doch reckst schmerzlich, dast dieses Prinzip gerade bei dieser io dringend notwendigen Besolduiigssrage zum ersten Male an- -rwandt werdei: soll, während man sonst im Reiche bei dringenden aib unabweislichen Ausgaben weniger ängstlick) bei der Frage ha Lvstendeckung gewesen ist. Nun sind allerdings die Folgen einer solck-en Finanzpolitik nicht ausgeblieben und die Defizit- Hch'chast Hot einen intnter größeren Umfang angenommen Hoffen Dir jetzt wenigstens das Eine, dast man im Reiche in Zukunft hei allen anderen Ausgaben wenigstens ebenso vorsichtig zu Werke rcht, wie in diesem Falle, und sich immer vor Augen l)ält, dast Lüuiahmen und Ausgaben in einem gesunden Verhältnisse zu- tinenber bleiben müssen. Wie im Reiche, so soll auch in Preu he n dieBeamten- iesoldungsfrage bis zum Herbst zurückgestellt werden. Unsere l)essische Zweite Kammer hat die Generaldebatte ium Etat glücklich beendet unb ist in der verflossenen Woche iur Spczialberatung des Etats üvergegangen. den Rückgang der Kvhlenprodultion: die Kohlenpreise seien zurückgegangen infolge der Könkurrenz der englischen Kohle und des billiger gewordenen englischen Kvkses. Das zweite Bedenken bilde bte überaus vorsichtige Art, wie die ReichSbank den Zinsfuß herabsetzt. Wenn man auch heute noch nicht sagen könne, zu welchen Folgen bie_ gegenwärtige Krisis fuhren werde, die von Amerika aus auf uns lastet, so hoffe er doch dast der Minister mit seinen rosigeren Anschauungen recht behalten möge. Die Darlegungen dcs Ministers über die Landwirtschaft begrüste er mit Freuden; die Regierung solle nun aber auch der Industrie, dem Handel und Gewerbe ihre volle Aufmerksamkeit Stimmten. Beim Etat der Landwirtsdwsts'kammer trage der Staat ca. 30 Prozent der Gesamtausgaben, für die Kosten der Handelskammevn dagegen nur 20 Prozent. Redner bespricht dann eingehend die hessische Wohnungsfürsorge. Er könne von seinen iri'djecen Ausfüllungen über die Wohnungs- infpektion nichts zurücknehmen. Er l-alte dieselbe in der Tat nickst für eintvandssvei, denn er habe sich selber überzeugt, dast als inspiziert in den Listen verzeichnete Wohnungen in einem sehr mangelhaften Zustand fich befanden. Er wolle dem Minister empfehlen, einmal als Privatmann irgendwo in Stadt oder Land Wohnungsbcsichtigmrgen vorzunehmen; er werde sich dann der Wohnungsfürsorge gewiß noch wärmer an- uehmen, als seither. Bei den Juspektionsberichten vermisse er die Al^abe, welche Wohnungen denn als ungesunde bezeichnet würden und wodurch dieselben wieder gesund gemackst werden. Auch er sei für die Mitarbeit der Frauen an tsr Wohnungsinspektion. Bezüglich der Arbeitskanunern wünscht Redner die Schafsung einer Einrichtung, durch welche etwaige im ArbeitsverMtuis entstandene Tifserenzen besprock)en und bc- g lickten werden können. Das sei umso notwendig er, als sich auck) die Kampforganisationen immer mehr auSwachsen. Die Industriellen sollten sick) mehr gemeinsamen Beratungen über solche Fragen zusammcnfinden. Abg. Raab führt auS, die jetzt im Reichstag vorliegende Vorlage über die Arbeitskammern sei für die Arbeiter unannehmbar und es müsse nicht nur die ganze Art der Zusammen- setzu::g, foitbccn auch das dafür vorgeschlagene Wahlsystem ab- gelehnt werden. Gr habe bie Empfindung, als ob mit dem Entwurf die Arbeitgeber gegen die Arbeiter organisiert werden sollten. Zweifellos werde die Vorlage noch eine Versckjärfung der Gegensätze bringen. Es wäre doch nur eine Forderung unserer Zeit, dast den Arbeitern endlich eine Interessenvertretung auf Grund gleicher und direkter Wahlen gegeben würde, tote sie doch auch schon anderen Berufsständen gewährt worden sei. Weiter ersuck> Redner, dem hessischen Küappiuwftsstamt mehr Aufmerksamkeit zuMwenden und die veralteten Bestimumngen aus-zuscheiden. Im weiteren bringt der Redner rwch verschiedene Klagen vor über die ungleiche Art, wie in Hessen die Bürger behandelt würden. Seine Partei habe alle Veranlassung, mit dem Bcrl-alten der hessischen Regierung unzufrieden zu sein. (Heiterkeit.) Im liberalen Hessen seien gerade die llberalen PartLien diejenigen, tveidx die liberale Regierung daran hinderten, das Volk im liberalen Sinne zu regieren. (Allgemeine Heiterkeit.) Abg. Pennrich weist auf die vor sechs Jahren in Bingen stattgehabte Pulvcrexplosiou lstn und bringt in Anregung, bei beim Ministerium des ^nuern fortgesetzt. Abg. Reinhart bemerkt, die zurüustige Auffastung Ministers über die allgeuteine roirtiu)att[td)e Lage könne nicht teilen. Er habe dabei namentlich zwei Bedenket, zuerst StanDauleä spricht so nut Recht der Aienjchen hergebrachten Sitten den Ewigteitsivcrt ab. Doch er hat ivohl in sich den Drang des aufgeklärten Rleiijchen, ist selber aber v.el zu schwach zu refor- iiialorischer Tätigkeit. Trotzdem lockerte er den Grund, der chii und fein Volk trug. Darum lallt er als der verletzten Sitte Opier. Hebbels Kandaules ist, gleich feines Schülers Ibsen narrischen Aienschenbeqlückiiugsdilettanten, einer, der die llonoentton be eiligen will ohne dast er für das von ihm Beanilandete etivas Besseres nl3 Ersatz zu bieten vermag. Wie das Fluchgold deii Nibelungen verderblich wird, so bringt und Verderben ins lydische Königs- schlob der misichibar niachende Nubmrmg, den GygeS tn der thessalischen Totengruft fand und der ihn, wie Slegirieds Nobel- tappe zu Brunhildeu, in der Königin Rhodope Schlafzimmer fuhrt. Hebbel arbeitet hier mit seiner unsäglich feinen Goldwage des Gefühls • er meistert hier die Kmist, Menschen zu zeichnen, bic schon durch eine leise Schwankung ihres Gefühls rettungslos verloren werden Herbe Kritik übt Hebbel an übertriebenem Freundichasls. kult. Wurzel- unb grenzenlose FreundoSliebe fällt unter das Beil d°r Hüterin weltttcheii Taktes, der Frau. Ihre Enklcheldung ist beiden Aläimeril heilig, u r unterroerien sie sich iOlderslaiidLloS. Sie ist das völlig leiden ttsloso Sy.nbol der Feinfühligkeit. Ob in ihr aus den Gluten schönen Grieche,ijü>mlings leise eine Neigung zu ihm erwacht, cibt ungeivib. -ter Sichler lafjt da^> uns ahmen. In der Tat ,cigt sie kemcn Konsitki zwischen Liebe und Stolz. Sie bleibt marmovtaü, eine Hestta, eine Hüterin der häus- lichen Zucht. Hebbels Zauberdichtung springt, wie er selber sagt, mit der Welt um wie Kinder nut dem Lehm, aus dem sie allerlei teuren fneten Sein Respekt vor der rnenschlicheu ^-eele silhrt ihn zu niiliuttöser Behandlung des Bsychischen. Ueberspanmmg beS Logischen, Haarspalterei der sittlichen Forderungen ist nicht zu vsc- kelinen Doch mag auch niancheS Drama, ob es einen klassischen oder modernen Stoss behandelt, unserem Empfinden wesentlich näher kommen, es demgemätz stärker aufwuhlen — wcuige^chlagen klingend an ueicre Seiten unserer eeele. Wie m emer--.ragodie des Aischnlos hört man m ihr den ehernen Schritt des Schicksals, wie ein blanker dorischer Saulenbcm strebt ihre Handlung, frei von allem Kleinlichen, himmelan; des hellenischen Zeitalters rosen- umkränzte Sitt- und Sinnlichkeit, bas freie, aber pietätlose Em- pfindeii iortgeschrltteneu Barbarentums, und Hmbosiaus attehr- würbige Traditionen ieiern m ihr wu.iderbar poes.evol e Wiedererweckung zii einer Aienschheltsbetrachtuna von ewiger Geltung. Die Direktion deS Giepeiier Stabttheaters hat sich nut ber Aufführung dieser graudiojen D.chtimg ein bedeuteuber Verdienst erworben. Ter Schlaf der Wett hat lange genug gebauert; fie ist gewachsen und gestärkt, um den lange verkannten Dichter würdig zu enipiangeii. Oberrealsseur Bakof hatte da? Bsihnenbilb so gestaltet, baß es bem Zuschauer den märchenhaften Charakrer bet Dichtung offenbarte, sein Auge aber boch nicht allzu sehr abzog, sonbern mit dum beihalf, bie Aufmerksamkeit auf ben gedanklichen Inhalt ber Tragobie zu fonjentrieren. Dock) wat es ein rourbiger unb im ganzen zweckmätziget Nahmen, ber bargeboten würbe. Meist nur die noldürstigsien Reguisilen waren vorhanden, unb somit konnte fich das Jitteresse den haiibelndeii unb rebenben Personen zu- roenben. Lebhafter war nur das Bild nach ben StampHpielcn. ai& aesla'iet, mit einer Art Akropolis im Hmlergrunb. Doch schreib! Hebbel hier wörttich vor: /Allgemeine Bewegung unb Sonderung HeWW ZVeitr te». Darmstadt, 13. Mär^. Am Ministcrtifch: Minister des Innern Braun, Finanz- miniftrr Gnauth, die Ministerialräte D-r. Best, U.singet und Süssert. , In der um 9 i/a Uhr eröffneten Sitzung wird die Spezialberatung des Etats m Gruppen, Ringer, Faustkämpser, Wagenlenket u. s. w. werden nach und nach sichtbar. Alle mit Zweigen von der Silberpappel bekräiizl. Wem wird gereicht, Musik ertönt, das Fest beginnt/ Davon wat doch nur seht wenig wahtzunehmen. Die Stimmung der Todeshochzeit am schimmetnden Atlar in der letzten Szene wat aui besten getroffen. Hervotgehoben zu iverben verdienen auch bie prächtigen Kostüme. Giiuelnc Mängel m ber Regre waren nicht zu übetsehsn. Asim z. B. von Spiegeln bie Rede ist, so muhen solche zur Stelle fein. Unb wenn die Königin schalidert vor dem hellen Licht, ba§ aus bem Garten bringt, dann bars sie md)t aus ihm erscheinen; kommt sie boch, bet ganzen Situation gemäß, aus dem ScDlaigemad). Und wahrscheinlich bricht auch m Lydien nicht bie Nacht auf bas Kommanbowort eines Königs herein, ebenso wenig wie ber sie begleitenbe Alocbust mit den Augen zu juchen ist. Doch das siiid schließlich alles Kleinigkeiten. Die Kraft und ber Wohllaut ber Sprache, bie vorn Dichtet mit strenget Logtk dirrchgemhrlen Gljavaftere teilten sich von ber Bühne aus bem lauschenden Piiblikurn zur Andacht stimmend mit. Die Darstellung war allerdings noch nicht ganz fertig und aiiSgeglichen und nicyt auf der Höhe, die er|t durch Wiederholungen erreicht werben kann. Tie Dichtung bietet den Darstellern überaus schwierige Slu’gabm unb stellt bie allerhöchsten Forderungen. In Hebbels Riesengeiste ganz zu atmen, vermag nicht, wer vom hilfsbereiten Musd)elkaslengeiste abhängig ist. Tie tragende Rolle des Stückes ist die bcr Rhobope. Der Dichter zeigt uns eine orientalische Wunberblume von holbester Zartheit, eine Frau, bie nicht nur zu träumen liebt, sonbern bie selbst em Traum ist. Diese erste, größte Bedingung vermag Helene Ad)tetbetg nicht zu erfüllen. Dazu ist sie zu robust, zu handfest, zu sehr Ueberiueib, mehr Brundhild und Aiebea. Den mystischen Ziig zum Ausdruck zu bringen, ber bie mit Eisenkelten an ihrer Märchenhcimat Satzuugeii Gebunbene umwittert, ilt ihr also nicht gegeben. Von einer anderen, pattiarchattscheren Rasse als ber Lyder und der Grieche, muß fie zuscm auch anders er- scheineli, sie bars nicht rote unb weiße Wangen haben, sie muß gebräunt sein, Weib unb Königin von Sonnenaufgang, ein Kind des Landes der Lotosbttmien Hiib Aiimoseii, kein Europa nahes Jn- blvlbuum. Und dock) war ihre Rhobope in bet Hauptsache keineswegs unglaubhaft. Sie gibt fie kräftig und energisch. Rus uralter Kultur kommt weltenfern und ireubcidern ihr dusteres Wort. Sie ist die strenge Hüterin des durch Ahnenttabitton Sanfiioniertcn. So setzte sie den« mit sacksien, verjonuenen Tönen em. Tann, wie das Weib im innigsten Empfinden getroffen, wankt und zweifelt, verzweifelt, wie sie ihre aus ben Fugen gegangene Welt wieder ein- venteu will mit ber blutigsten Tat und Opferung, ba gab Fräulein Achterberg mit ihrer klugen Darstellung, bie Durchdachtes nach- zuschaffen weiß, unb schöner, maßvoller Leidenschaft eine machtvolle Leistung, im letzten Akt ein einbriickvottes Bild fchmerzlichet Hoheic. Den GygeS gab Roden kraftvoll und frisch, vielleicht nicht ganz mit der stolzen Sprödigkeit dieses edlen Griecheiijünglings. Er durchgluhre aber die Aufwallungen, war im Affett hinreißend. Lobernde Begeist<;rimg, innige Liebe, die Bekenntnisse treuer Freund- sck>aft unb dre lauten Selbslairklagen schienen aus Boden wahret Empftnbung hetauszuwachsen. Freilich roog ch bisweilen zu seht im rilang bet Verse. Hebbels epigramnuugche und Gieszetter St«^LLHecrter. Gytzes und fern Nirrg. Eine Tragödie in 5 Akten von Frdr. Hebbel. Ibsen, bet große Seelenzergliedeter, soll einst in ungläubig- irvhen Zweiseln gefragt haben, was beim bie Deutschen so an ihm länben; sie hätten doch Hebbel. Doch die Deutschen fangen erst seit licht viel länger als einem Jahrzehnt an, Hebbel zu besitzen. Ucbev dos geisteSscharfe Werk JbsenS ging erst für bie meisten der Dieg zu dem um lö Jahre älteren, nun schon seit 45 Jahren unter der Erbe ruhenden urgeiualtigcu Dithmarschen. Ibsen lehrte uns, das Symbolische hinter den äußeren Vorgängen leichter zu sehen und darin das Bleibendc. einer Dichtung zu fiitben. Herobot erzählt, ber Lybierkönig Kandaules habe im 7. Jahrhundert v. Ehr. seinem Günstlinge Gygcs seine Geniahlin in ihrer hüllenlosen Schönheit gezeigt. Tie ob dieser Ehrverletziing Erzürnte habe den eiiiziicktcn Beschauet vor die Wahl gestellt, ih.en Gemahl zu toten und an seine Stelle zu treten, ober felbst mit dem Tode zu büßen, worauf et bas erstere vorzog. So sei Gygcs auf ben mdischen Thron gelangt und Habe sich lange Zeit looljl darauf vesunden. Äus dielen Umrissen, dieser Aiiekdote, die schon auf Grund EMeS Plotoschen Märchens ben Bänkelsängern Griechenlands zu dreisten Couplets gewährte, schuf Hebbel eines seiner Allsten Werke voll tiefet Menschheitsperfpetlivcn. Et füllte seine -^icgtung mit seiner eigenen rauhen Keiischheit unb schenkte UNS oas hohe Lied von der Keiischheit der Fran, die Tragödie von der uverinäßigen Frauenscham, die Tragödie von der übermäßigen ^annerireunbschaft. Tas Tiefste und Traurigste über männliche vreundschasi findet man in dieser Dichtung — das Modernste ebeiiialls I Zerstört bock) ber Tlchter aufs grünblichste bie oder- •t* te "'Ebizuusche Deutung, nach der man in jedem sdiwärine- nschen Seeienbülidnrs ziveicr Fremide einen Tropfen verbotener ’troht wittern müsse. Hebbels Tragödie „DygeS imb sein Ring" spielt, um ein ^iaeterlw.cksches Wort zu gevrauchen, ganz in ber Lllmofphare der "le. eie hebt wie em orientalisches Blütchen an. . Kanbanies, bet lybische Scheiii-KrösuS, birgt den Schatz uber- lejevter eilte in ber schönsten unb keiischeslen Frau, auf bereu ""z vor den Singen des Gatten mir baS Balerange geruht Hal "Nb die keinem anderen Manne sich entschleiern will, 'huf biesen ift der König stolz, wenn er anch ben Sinn der übertriebenen eyu als veraltet' erkennt. Er iuill mit bcr Torheit brechen, die mcherliche Tradition in die dunkelste Ecke bcr Rüstkammer werfen. 7°$' Nicht ganz unähnlich Ibsens Gregers Werte, wenn 9n^it UOk Hn&Icicl) gigantischeren Timensionen, von ungleich groverer ^ettauffassung, als em Mann, der das herembrechende Vtcue merhin ahnend vorbereiteii taim, ist er znm Reformator nicht gebraucht'' tpäl fommt Einsicht, baß „bie Welt ihren Schlaf ... „Die müde Welt Ist über diesen (nichtgen) Tingeii eingesmlafen Und halt sie fest. Wer sie ihr nehmen will, Der weckt sie auf. Drum prüf' er sich vorher, er auch stark genug ist sie zu binden, Wenn sie, halb wachgerutlett, um sich schlagt, unö reich genug, ihr Höheres zu bieten, hsenn sie ben Taub unwillig fahren läßt.* <7 Cr a TZ. - -. a ® °«I c C f. » ' T er. - s Q cr s1?1 *0® ** Z . 2 w i ü n ? : P g J r, 5.^22 s p W , « r! rl zi °v r>L 3 2. '■ P 3 •S’ä - r, - f • r> P r C *^3 Ä&2 ■o p TlTxseÄ V.A Biographen Borchers, dahier. Sheschliehungen. llandt-'l des . . 91.901 Elektriz. Lahmeyer Elektriz. Schuckert 3% Portugiesen Serie I Portugiesen 3% III 137.60 Ungar. Goldrente Italien. Rente . . 198.00 . 111.20 26 IW 143Ä 118x0 4% Öesterr. Goldrente. 4l/6 % Oesterr. Silberrente 4% 4% 193.P0 26w 98E0 14931 4%°(0 rnss.Staatsanl. 1905 4%°l0 Japan. Staatsanleihe 4% Couv.Türken von 1903 3^’A 3% 60.70 61.50 94.-0 87.25 95.00 Harpener Bergwerk. . Lanrahütte . . . Lombarden E. B. ♦ • Nordd. Lloyd . . • • Tiirkenlose . 149.60 . 49.70 . 85.50 . 65.80 . 96.00 s^°A 3%°/< Reichsanleihe do. Konsols . . do. Hessen . . Oberhessen . U7.W . 103 W . 204.W 124"® 2381® 138-® 137.T) 202-2 Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . Tendenz - fest. . 145.90 . 124.00 . 238.00 Giessen, den 14. März 1908. Grossh. Polizeia-mt. Reinhart Türkenlose 4% tiriech. Monopol-Anl. 4% äussere Argentinier 3°/0 Mexikaner . . 4>i°/0 Chinesen . . . Aktien: Bochum Guss .... Buderus E. W. . . . Tendern: fest. Ein Antrag des Abgeordneten Tr. Glas sing, betr. Ergänzung und Abänderung des Enteignungsgesetzes- vom 26. Juli 188-1 und die Uui-legunq vo n Grund sttiefen in größeren Städten uitsercs Laubes. Er gebt dahin, die Groß!). Regierung zu ersuchen: o) baldigst den Ständen einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher unter Ergänzung des Artikels 15 des Enteignungsgesetzes vom 26. Juli 1884, sowie unter Abänderung des Artikels 69 dieses Gesetzes die Gemeinden ermächtigt, im Wege der Enteignung gegen volle Entschädigung solche Grund- kticke von geringerem Flächeninhalt definitiv zu erwerben, die an ich zwar zu dem Unternehmen nicht erforderlich sind, jedoch derart an der bauplanmäßig festgestellten Straße gelegen sind, daß sie nur durch Zusammenlegung mit anderen Grundstücken zu bebaunngssähigen Grundstücken gemacht werden können, b) dem von den Abgeordneten Müller und Tr. Buff am 12. Februar 1905 auf Umlegung von G r u n d st ü ck e n gestellten Anträge durch eine besondere Gesetzesvorlage näher zu treten. mit dem nötigen Taktgefühl geschehen. Abg. Tr. G lass in g wendet sich gegen den Abg. Adelung irttb bespricht Fürsorgegesetz, Kinderschutz, Bauordnung usw. Nächste Sitzung Dienstag 10 Uhr. * In der vorgestrigen Kammersitzung machte Abg. Tr. Fulda Ausführungen über die Gemeinde Rödgen im Kreise Friedberg, nicht Rödgen im Kreise Gießen, wie durch ein Versehen unseres Berichterstatters in unserem Kammerberichr zu lesen war. T'ementsprechend beziehen sich auch die übrigen Ausführungen des Redners aus den Kreis Friedberg. Es sei ausdrücklich festgestellt, daß von den Kommunalverwaltungen des Kreises Gießen überhaupt nicht gesprochen wurde. lichen Blätter von dem doch für irden Sozialpolitiker so wichtigen Jahresbericht der Gewerbeinspektion feine Kenntnis genommen haben, wahrend sich die sozialdemokratrschen Blätter so viel damit beschäftigten. Weiter beklagt Redner, daß soviel ausländische Arbeiter den deutschen Arbeitsmarkt überschwemmten und daß, namentlich in Offenbach, Hunderte von russischen Arbeitern die dortigen Arbeitsverhältnisse sehr verschlechterten. Er frage die Regierung, was sie in dieser Hinsicht zum Schutz der heimischen Arbeiter zu tun gedenke. Redner beklagt auch, daß die Zuschüsse deS Staates zu den Polizeikosten in den größeren Städten zu gering bemessen seien. So müsse Tarmftadt für seine Polizei nicht weniger als 300 000 Mk. aufbringen. Weiter führt Redner aus, die Straßen würden jetzt durch allerlei Plakate anstößigen oder täuschenden Inhalts verunziert, besonders durch Plakate, in denen zu Vorträgen über das Geschlechtsleben, Liebe und Ehe, Verhütung von Empfängnis usw. ein- oeladen wird. So war auch jüngst in Bensheim zu einem Vor- ttag über das Geschlechtsleben eingeladen worden, bei welchem die intimen Vorgänge noch durch riesige Bilder illustriert wurden. Tie Einladung zu diesem Vortrag war vom Gewerkschafts- kartcll ausgegangen. Solche Vorträge und solche Plakate bildeten eine Gefahr für die Jugend und die Eltern sollten ihre Kinder davor bewahren. Errufe nicht nach Polizei und Staatsanwalt, aber die Rufe nach Abstellung dieser, die öffentliche Moral gefährdenden Tinge seien allgemein. (Beifall.) Minister Braun entgegnet dem Vorredner, bez. der ausländischen Arbeiter, es sei für die Niederlassung der Russen in Offenbach, deren es z. Zt. 800 dort gäbe, eine besondere Erlaubnis nicht erforderlich gewesen. Tie Regierung sehe auch keinen Grund, den Leuten diesen Aufenthalt zu versagen, so lange sie feine Veranlassung zur Ausweisung gäben. Eine solche würde nur in der Gefahr liegen, daß die betr. Arbeiter der Armenpflege anheimfallen. Tic Regierung werde aber in jedem Falle nach den Gesetzen der Menschlichkeit verfahren. (Zustimmung.) Betreffs der vom Vorredner gerügten Plakate fehle es an den nötigen gesetzlichen Bestimmungen. Turch das Reichspressegesetz würden die Plakate nicht berührt. Es seien hierfür nur die Art. 43, 47 ff. des hessischen Gesetzes für Truckschriften zuständig, nach welchem das Anheften von Plakaten nur verboten werden könne, wenn sie die Einladung oder Ankündigung zu verbotenen Versammlungen erhielten. Ter Minister erklärt zum Schluß daß er in der Auffassung über die Beurteilung derartiger Vorträge ganz auf dem Standpunkt des Vorredners stehc. Die Art, wie zurzeit das Sexualleben von vielen Seiten behandelt werde, bedeute zweifellos eine schwere Gefährdung der öffentlichen Moral. (Leb. Zustimmung.» Wenn man auch das Bestreben nach uAf- klärung und Belehrung anerkennen müsse, so dürfe es doch nur Telefonische Kursberichte Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, Giessen. Frankfurter Etörse, 14. März, 1.15 Uhr. März 7. Gregorius Linde, Knecht, mit Margarete Waldschmidi, beide dahier. — Heinrich Stamm, Trogist in Frankfurt a. M., mit Helene Müller, dahier. — Johannes Schiermann, Postsekretär in Frankfurt a. M., mit Elisabeths Schmulbach, dahier. — Otto Degenhard, Kaufmann, mit Emilie Rusag, beide dahier. — 9. Kat Klein, Elektromonteur dahier, mit Georgine Krieger in Ginnheim Geborene. März 1. Dem Kellner Johann Markert eine Tochter, Helem Erna Antonie. — 5. Dem Eisenbahnschaffner Peter Kuhl eint Tochter, Wilhelmine Frieda. — Dem Friseur Karl Muhl einSohn. — 6. Dem Privatdozenten Dr. Jan Versluys eine Tochter Johanna Maria Ehristine Juliane. — Dem Buchdruckereibesitzei Max Albin Klein eine Tochter, Marie Margarete. — Dem Messer- chmied Romano Mase eine Tochter, Pia. — Dem Heizer Philips Rocker eine Tochter. — Dem Bauaufseher-Aspiranten Ludwig Weix ein Sohn, Walter Otto. — Dem Vizefeldwebel Wilhelm Jakcd- Post eure Tochter, Maria Josephine Irmgard. — Dem Eisenbahn- chaffner Peter Fackincr eine Tochter. — 7. Dem VizefeldwebrL Friedrich Kreyling eine Tochter, Elly Dirra Emma. — 8. Dem Schlosser Martin Fischer eine Tochter, Mathilde. — 11. Dem Glasermeister Ludwig Scherff eine Tochter. Gestorbene. März 6. Gustav Frank, Großh. Landgerichts-Kanzleiinspekü- i. P., 52 Jahre alt, Bleichstr. 15. — 10. Katharine Reuter, aet- Theis, 33 Jahre alt, Sonneirstr. 13. — 11. Ludwig Psaff, 4 Mit. alt, Große Mühlgasse 40. — Katharina Johanna Ruth, 5 Jahr- alt, Reustadt 19. — 12. Balthasar Pfeiffer, Geschirrhändle^ 58 Jahre all, Rerrenbälie 2. 82.40 91.90 82.30 91.50 92.00 99 00 99.60 94.05 ■berliner Börse, 14 MäJz. Anfangskurse. Eschweiler Bergwerk . - Gelsenkirchen Bergwerk . 188-w Hamburg-Amerik. Paket!. Hl'1" Harpener Bergwerk. . • 193-~ Laurahtitte 209N Nordd. Lloyd . - - Obeischles. Eisen-Industrie 9o.w Berliner Handelsges. . • lb*4® Darmstädter Bank . . • Deutsche Bank .... Deutsch-Asiat. Bank . . Diskonto-Kommaudit . . Dresdner Bank .... Kreditaktien Baltimore- und Ohio- Eisenlahn Gotthardbahn Lomoard. Eisenbahn . ■ (Jesterr. Staatsbahn . . • P n nce-Henri-Eisenbah n - ^nv.tT5 Uhr" naclun. JS£ Engelapotheke Die nach- A aps7a o sind Sonntag den 15. März dm stehenden ß. C 1 £i 1von 12 Uhr mittags bis 12 Uhr nachts für dringende Fälle sicher anzutreffen. \D7IS Dr. Ploch, Asterweg 9. — Dr. Schliephake, Goethestr. ti-. — F. Wagner. West-Anlage 49. Dre zweite Lesung des Quellenschutzgesetzes begann. Eintönig schlich die Debatte bei den etnzeliren Paragraphen dieses gewiß nicht unwichtigen, aber der Allgemeinheit doch nur beschränktes Interesse abnüngenden Gesetzes dahm; Vorlage, Kommissions- beschlrtß und Abänderungsanlräge gaben Stoff zu langen, aber nicht sonderlich packenden Reden. Und schließlich war das Ergebnis, daß das Gesetz so ungefähr in der Fassung der Vorlage, bereichert um die Kommissionsbeschlüffe, Annahme fand. vier Stundest halte — ein nachgerade ungewöhliches Ding — die Sitzung gedauert, als Herr v. Kröcher die Erledigung der Tages- ürbiiinig ankündigen konnte. Am Samstag wird das Haus die Vorlage wegen der H a s t p f l i ch t des Staates, her So turn un en n n d a n d e r e r V er b ä n d e j ü r M i ß gr i f s e der 12) c a in t e ti zu beraten haben; wenns die Götter jo wollen, soll Versicherungen der Brandversickerungskammer auch solche Plötz- ' liche Unglücksfälle mit mnznbeziehen. Ministcriatrat Dr. Best bemerkt dem Vorredner, tn der Brandversia^erung seien zurzeit auch die Explosionsschäden bei . «Dampfkessel-, Heiz- und Beleuchtungskörpern mit cmbezogen Es seien aber bereits Erwägungen darüber in die Wege geleitet morden, für alle Explosionsschäden in Zukunft die Versicherung Platz oreifen zu lassen. Tas dementsprechend eintretende Rnrko würde voraussichtlich nicht sehr groß werden und eine Erhöhung der Versicherungsprämie nicht bedingen. Für Fabriken, die mit der Herstellung von Ervlosionskörpern beschäftigt sind, könnte allerdingtz des hohen Risikos wegen eine Einbeziehung m die Versicherung nicht befürwortet werden. Ta übrigens in nächster Zeit eine Abänderung des Gesetzes infolge der im Reichstag zu erledigenden Vorlage über die VersicherungÄerträge notwendig werden dürfte, so könnte dann die gewünschte Bestimmung mit ausgenommen werden, Client, auch mit rückwirkender Kraft. Tie Angelegenheit sei jedoch im Schoß der Regierung noch nicht abgeschlossen. . , . Ministerialrat Usinger kommt auf die gestrigen Aus- Uhrungen des Abg. Wolf bezüglich der Sonntagsruhe m der Landwirtschaft zurück unb hält es als durchaus im^Jnterefse der Kirche liegend, wenn die Vorschriften über die Sonntagsruhe mir dem Lande mit möglichster Milde zur Anwendung, kommen. Abg. Finger wendet sich eingehend gegen die Ausführungen Ires Abg. £rb über das Kinderschutzgesetz, die Gewerbeinsvektwn, die Wohnungsfürsorge rc. Tie ArbeitskamMern müßten so, ein- gerichtet fein, wie es jetzt im Reichsentwurf der Fall sei und nicht, wie es die Abgg. Crb und Raab wünschten. Dbg. Adelung bespricht die Fürsorgegesetzgcbung und erinnert an einen früher von ihm! gestellten Antrag, in welchem er die Schaffung einer besonderen Behörde für diese wichtige Frage in Anregung gebrackst hat. Bezüglich der Vergebung von öffentlichen Arbeiten wünscht Redner, daß dabei das heimische Künstgewerbc eine größere Berücksichtigung finden möge; Redner sühpt verschiedene Beispiele an, in denen die hessische Arbeit nicht genügend berücksichtigt wurde. In Worms und Mainz seien im letzten Jahre auch ausfallend wenig Betriebe revidiert worden im Vergleich zu anderen Städten. Es frage sich, vb nicht doch der Mangel an Assistenten mit die Schuld daran trage. Minister Braun geht auf die Darlegungen des Vorredners näher ein. Unzutreffend fei, daß man über ein Kind, wenn eine strafbare Handlung begangen hat, einfach vom grünen Tisch aus die Zwangserziehung anordne. Das Vormundschaftsgericht stelle in solchem Falle vielmehr eine sehr eingehende Untersuchung an und treffe erst nach gründlichster Prüfung aller Verhältnisse seine Entscheidung. Gegen die Behauptung des Vorredners, die Erziehungsanstalten in Hessen seien die reinen Gefängnisse, müsse er aufs Entschiedenste protestieren. Er habe schon früher besonders den konfessionell geleiteten Erziehungsanstalten seine volle Anerkennung ausgedrückt für ihr segensreiches Wirken. In ihnen werde auch die Schabloni- sierung in der Behandlung und Erziehung möglichst vermieden. Tie Regierung bevorzuge übrigens auf Grund der guten Erfahrungen im Interesse der Kinder die Erziehung m den Familien; sie halle die Rücksichtnahme auf die psychologische Eigenart des Kindes als eine der wichtigsten Aufgaben. Betreffs der vom Abg. Adelung erwünscksten Errichtung doch bilderreiche Sprache verlangt klarste Gliederung. Die Geste auf beit griechischen Vasen ist im übrigen hier vorbildlich. Der junge halbbarbarische König Kandaules scheint mir ein Freund der goldenen Baechnsgaben, abentcuer(uftig, lebens- und schönheitsberauscht in wilden Machtrausch befangen, als Besitzer der höchsten Schönheit in einem bis zu deren Preisgabe gesteigerten Glückstaumel. Zudem von aufflammender Prahlerei, der von den Geistern der Rebe entflammt (der Becher darf nicht so schnell verschwinden !) den Freund zur Gattin lockt, von seinem jähen Temperament hastig ohne Uebedegung getrieben. Weingärtner erklärt ihn ganz anders. Er findet den Schlüssel zum Eharakter des Kandaules in dem Zuge, mit dem ihn seine Gattin einmal kennzeichnet : „er war zu gut". KandauleS ist ihm ein bereits im reifen Mannesalter stehender liberaler Philosoph, ein edeldenkender Fürst, der wehmütig dem untergehenden Heraklidenstamm nachsinnt, den plumpstarken Ahnherrn zwar verspottet, aber doch neidisch feiner Größe gedenkt. Aber auch diese Auffassung, die gaiij und gar nicht seine Freveltat erklärt, führte W. nicht fonfeguent durch. Die Worte: „Du willst, wies scheint, Den Enkel des Herakles einmal sehn. Nimm dich in acht, er schläft nicht allzu fest!", ttnrrf er z. B. ganz nichtachtend fort. Ten Höhepunkt feiner Darstellung erreicht er im Dialog mit Gyges, der dem Zweikampf vorausgeht. So gibt er alfo feine Spur von überschäumendem Geblüt, dafür aber um so eindringlicher die Erkenntnis seines Fehls und die todbereite Ergebung ui sein selbstverschuldetes Schicksal; so wuchs er aus Nüchternheit erst spät in ein tieferes geistiges Element hinein, aus dem der wundervolle Monolog über ben Schlaf der Welt zur nötigen Bedeutung kommen konnte. Hier ward die Dichtung zur Tragödie des aufgeklärten Königtumes. Fürsten, so deduziert Hebbel, sind die berufenen Hüter der lieber- lieferung, auch der Tradition, die ste nicht mehr achten können. Dora Ormont war eine lieblich-edle Lesbia, Gareis ein recht wackerer Thoas, klug und zurückhaltend, schlicht, bieder, kernig. Es ist charakteristisch, daß der Beifall anfangs mir schüchtern sich hören ließ und erst gegen den Schluß kraftvoller wurde. Die wichtigste unb wuchtigste Szene aber, die vorletzte, ging seltsamerweise beifallslos vorüber, trotz bester Darstellung. P. W. * — Der italienische Schriftsteller Edrnondo bc Amt eis ist am Mittwoch in Bordighera plötzlich gestorben. De Amicis war 1846 geboren, trat 1835 als Unterleutnant ins Heer, nahm an der Schlacht von Custo^za teil unb leitete von 1867 in Florenz die Zeitschrift „l'Jtalia M'litare". Seit 1871 widmete er sich ganz der Schriftstellerei, — Kleine K u n st chroni k. Professor Iwan Knor r wird im Herbst die Leitung des Hochscheu Konservatoriums zu Frank-- surt a. M. übernehmen an Stelle des ausscheibenden Professor Bernhard Scholz. — Geheimrat Bode, der Generaldirektor der preuß. Museen, erklärt, daß er mit der Angelegenheit Tschudi „ , . , . . in keinerlei Zusammenhang zu bringen sei, geschweige auch das Quellenschutzgesetz am Samstag in dritter Lesung erledigt Benn irgendwie an feinen Rücktritt denke. [ werden. einer besonderen Behörde für die Jugendfürsorge bemerkt der Minister, daß z. Zt. schon die Kreisschulbehörde verpflichtet sei, gemLinsam mit dem Kveisgesundheitsamt alljährlich eine Besichtigung vorzmrehmen. In jebeni Orte eine besondere Aus- sichtsbehörde einzurichten, werde aber kaum durchführbar sein. Jnbetreff der Airregung, bei Vergebung von Sichmissionsar- beiten die Bedingung aufzustellen, daß der betreffende Unternehmer tarifmäßige Löhne zu zahlen sich verpflichte, könne er nvitteilen, daß über diese Frage schon eingehend verhandelt wurde und auch zumeist darnach verfahren werde. Eine strenge Turchführung solcher Vorschriften sei indessen nicht so einfach. Geheimerat Freihr. v. Bi ege le ben beantwortet gleichfalls einige Anfragen auf sozialpolitischem Gebiete. Abg. Kor eil erörtert verschiedene landwirtschaftliche Fragen und wendet fick bann gegen den Abg. Orb und dessen Ausführungen über das Kinderschutzgesetz. Ter Regierung empfehle er ihr Wohlwollen für die Landwirtschaft mehr in Taten umzusetzen und besonders den Ackerbau kräftig zu fördern. Abg. Tr. Osann führt Klage darüber, daß die bürger- Börsen-Woche«berichr. — Frankfurt a. M., 13. März. Heber den Ozean kam diese Woche eine bessere Welle Die Knickerboker-Companv, deren Schließung f. Zt. so viel Staub aufgewirbelt hat, soll demnächst ihre Schalter wieder öffnen unb die Geschäfte von neuem aufnehmen: auch verlautet, das; die Bundes- reqierung unter gewissen Voraussetzungen in eine Erhöhung der Eisenbahutarise einroifltgen werde. Dies scheint die Eontremine in Wallstreet zu Deckungskäufen veranlaßt zu haben, unter deren Ein- Wirkung die Kurse an der Rew-Porker Börse etwas angezogen haben. Bei uns griff man diese Gelegenheit sofort auf, um auch hier einer besseren Strömung zum Durchbruch zu verhelfen; der Erfolg war aber nur ein ganz vorübergehender, denn nach ein bis zwei festen Börsen griff die alte Lethargie wieder Platz. Man hat eben noch kein festes Vertrauen zu einer nachhaltigen Besserung der New-Porker Börse und dem amerikanischen Wirtschaftsleben, wenn auch vereinzelt Symptome dafür in die Erscheinung treten, aber da der Zeitpunkt der Präsidentenwahl noch zu weit entfernt ist und vorher erfahrungsgemäß die Gemüter darüber nicht recht zur Ruhe kommen, so will man an einen neuen Aufschwung noch nicht recht glauben. Man ist hier umsoweniger zuversichtlich ge- timmt, als *bte Verhältnisse bei uns noch immer viel zu wünschen übrig lassen. In den maßgebenden Industriezweigen ift von einer Besserung noch nichts zu versvüren, im Gegenteil, die Kurve bewegt sich noch nach unten. In der Eisenindustrie muß man sich zu neuen Preisermäßigungen entschließen-, vom englischen Eisenmarkt werden ebenfalls Preisherabsetzungen und Betriebseinstellungen gemeldet, dazu kommt, daß bei uns auch der Geldmarkt noch immer eine vorsichtige Ueberwachuug erheischt. Der andauernde Bedarf der Bundesstaaten, des Reicks, der Städte und heimischen ^ndustriegesellschaften absorbiert alle Mittel, die dem Markte zufließen. Die Plazierung der neuen Werte stößt sogar teilweise schon auf Schwierigkeiten und unter diesen Umständen wird bei uns der Zinsfuß nur langsam zurück- gehen. Jetzt wirft der Quartalbedars seine Schatten schon wieder voraus. Unter diesen Umständen kann eine nachhaltig feste Tendenz nicht recht auskommen, umso weniger als auch politische Faktoren die Börse fortwährend noch beschäftigen; auch das Schicksal der Börsengesetznovelle wirkte ungünstig auf die Börse ein, ebenso die großen Verluste, die in Paris an Diamantwerten erlitten werden. Das Aursniveau hat sich gegen die Vorwoche kaum geändert, der mäßigen Aufwärtsbewegung folgte gleich wieder eine Abschwächung. 3 proz. und 3Vs Proz. deutsche Fonds tendierten infolge der erneuten Steigerung des Privatdiskontos etwas schwächer, 4 proz. blieben behauptet. Banken unverändert; von Transportwerten waren amerikanische Bahnen etwas fester, Schiffahrtsaktien schwacher, namentlich Lloyd auf eine neue Konkurrenzlinie und ungünstige Abschlußgerüchte. Montanpapiere behauptet; andere Jndustrieaktien zum Teil besser, namentlich einige chemische Werte und verschiedene Aktien der Maschinenindustrie. Privatdiskonto 4Vs Proz. Auszug a. ö. Standesamtsregrftern der Stadt Eieheii. Aufgebote. März 9. Martin Müller, Dachdecker, mit Wilhelmine Berg, geb. Balezuwait, beide dahier. — 10. Eugen Fuchs, Kaufmann, mü Marie Roll, beide dahier. — 11. Paul Giesel, Eisenbahn-Kanzlei- diätar in Mainz, mit Katharine Schneider dahier. — 12. August Bierwirth, Schutzmann in Bad-Rauheim, mit Minna Schneider, dahier. — Adolf Ide, Maurermeister in Osnabrück, mit Marie Stimmungsbild aus dem Reichstage. Berlin, 13. März. Der Bien' muß. Ter Riesenetat des Herrn v. Bethmann- votlwea ist m das Prokrustesbett der Konttngentierung gespannt. Mit Hilfe von Abendsitznngen wird die Verhandlnngsdauer des TageS auf das doppelte ausdedehrtt und die unerbittliche Schlußmaschine verkürzt, dazwischen die Rednerliste gar auf ein Drittel. Rur eine anderthalbslündige Erholung gönnt man sich, bis man am Abend wieder zusammenkommt, um bis zu mitternächtiger Stunde zu tagen: heute io wie gestern. Dabei hat man für so wichtige und umfassende Kapitel, wie das des Reichsgesundheits- amts, das sonst einen vollen Sitzungstag und mehr beansprucht hatte, nur gerade eine Stunde zur Verfügung. Kaum ließ man dem Staatssekretär die Zeit zu der Erklärung, daß das neue Wein- gesetz in wenigen Wochen wenigstens dem Bundesrar zugehen und der öffentlichen Kritik unterbreitet werden wird, da fimklionierte bereits die Schlnßmasckine und dreizehn Abgeordnete erstickten ihre Reden im stillen Herzen. Drei Redner ließ man zur Erörterung von Palenlsragen zu, wobei besonders auch das in den Kreisen der Industrie zurzeit gerade lebhaft erörterte Thema der Herabsetzung der P a t e n t g e b uh r e n erörtert wurde. Beim Reichsoersicherungsaint blieb die Verhandlung stecken und wird am Abend weitergeführt. Man erfuhr dabei von Herrn v. Beth- >nann°Hollweg, daß die große Reform der A r b e i t e r Versicherung als fertiger Entwurf im Reichsamte des Innern steckt, aber ehe man damit an die Oeffeutlichkeit tritt, noch einer gründlichen Nachprüfung bedarf. Schon vor zivei Jahren hatte Graf Posadowsky den Abschluß dieser Arbeit gemeldet; im vorigen Jahre hüllte er sich in Schweigen. In der gegenwärtigen Tagung sehnt sich jedenfalls niemand nach noch weiterer Arbeit. Stimmungsbild aus dem preutz. Abgeordnetenhaus. Berlin, 13. März. Die zweite Lesung des preußischen Etats ist beendet. sJlur wenige Minuten nahm am Freuag im Abgeordneten- Hause die Debatte über den Etat der allgemeinen Jmanzverwaltung und das Etalsgesetz in Anspruch; dann konnte Herr v. Rheinbaben feine sieben £ achen packen und Herrn Delbrück den Platz räumen: 'Goeih (Mvatrealschi l{wse berecht IlfePensioDsprei Pros’ NESTLE' K1NDERMEHJL altbewährt,stets zuverlässig- Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen Statt besonderer Anzeige efallen, unseren innigst Gott dem Allmächtigen hat sich abzurufen Stoffe für der 1705 finden Sie in hervorragend schön. Auswahl Greift Hande. Farben und Gewebe nicht an Giessen, den Keplerstr. 1 Nidda, den 13. März 1908 Gehr. Jmheuser, Marktplatz 9—10. Die Beerdigung findet statt Sonntag, den 15. d. Mts., nachmittags 4 Uhr. Die Beerdigung findet Montag, den 16. 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