Mittwoch 14. Oktober 1908 Erstes Blatt 158. Jahrgang für „Feuilleton* und , Vermischtes * r Ernst Anderson; für „Stadt Nr. 242 Der «tetzener »«zeig« r ä Bezugspreis: erfchetni täglich, außer jßfäSMr ifflk fW V monatlich7bPf.,viertel- SonntagS. - Beilagen: Y A A A A W a a a ▲ A jährlich Mk. 2.20; durch viermal wöchentlich f Ak A A AA AA A A A AS Abhole- u. Zweigstellen ök6enerSamUienblätter; TIA MW MU fiWlä MM monatlich 65 Pf.; durch bs$s ml PHP HP r 71 ||*P In PI «•««■ zweimal monatl. Land, U H, W W W SL W W WfcZ @L Zeckenprets: lokal 15 Pf^ «trlfchastliche Seitfragen ''V ■ N M A XF W 'tr auäroärts 20 Pfennig. Fernfprech - Anfchlüffe: M ■ Av >Aöar Verantwortlich tut die Redaktion 112. f XJF für den politischen Teil, M» General-Anzeiger für Oherhe en für bie Tagesnummer Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Untv.-Vuch- und Zteindruckeret rr. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulflratze 7. Anzeigenteil: H. Beck, bis vormittags 10 Uhr. ' von dort geschrieben wird, bereitet nunmehr die Direktion der Großen Oper die Generalprobe zu Wagners „Götterdämmerung" für Freitag den 16. Oktober, vor. Diese Generalprobe aber sowohl, wiebie drei ersten Ausführungen wird sich Direktor Messager ohne jeden Strich leisten, während die späteren Aufführungen in „geeigneten Kürzungen" dem musikalischen Aufnahmevermögen der Pariser näher kominen werden. Diese ersten Aufführungen aber beginnen y\i einer, für die Pariser ganz unerhörten Zeit, um 6 Uhr abends und enden eilt um Mitternacht. Auf die Art würden natürlich bie Pariser, die uni 7 Uhr zu speisen pflegen, um ihr Diner, und somit wahrscheinlich gar/nicht ins Theat^ kominen. Um dem abMhelfen, sorgt die Direktion dafür, daß zwischen dem ersten und zweiten Akt der „Götterdämmerung' eine volle Stunde Pause gemacht wird, während der von denr Traiteur der Großen Oper den Besuchern ein vollständiges Tiner serviert wird. Daß das neue „Tiner ä la Crepuscule" schon heute sehr populär ist, zeigt oie Tatsache, dag bereits auch für dieses kein Plätzchen mehr zu l)aben ist. Auch ein Sieg Richard Wagners in Frankreich! — Die Bernstcinsammlung, der Universität Königsberg gelangte kiirzlich in den Besitz interessanter neuer Objekte. So übersandte das kaiserl. deutsche archäologi,.^ Institut in Athen eine Anzahl Bernstein perlendie aus einem mykcnqciMi Kuppel- grabe einer vorgriechischen ^iedelung (vor der Dorischen Wan- derung etwa 1100 v. Chv.- bei .Kukowatos im westlichen Peloponnes stammen. Durch Analyse konnte nachgewiesen werden, daß sie au5 baltischem Bernstein (Succiuit) bestehen. — Römerfunde. Beim Wiederaufbau der im Svmmeri niedergebrannten Ortschaft Zirl bei Innsbruck stießen Arbeiter auf verschiedene Funde aus der Römerzeit, die die Vermutung! nahe legen, daß an dieser Stelle einst ein römischer Urnenfriedhof bestand. Die Funde, vie, wie der Vossisären Zeitung gemeldet wird, zum Teil vorzüglich erhalten sind, bestehen aus einer kunft- voll gearbeiteten Haarnadel, zwei Fibeln, einem prächtigen Arm-- reif, mehreren Oanzenspitzen und einer großen und reich ziselierten Gürtelschließe. Auch verschiedene Beigefäße zu Urnen und zahlreiche Urnenstücke, die wie die meisten Fundstücke in Bronze gearbeitet sind, wurden gefunden. Diese Gegenstände werben dem Innsbrucker Museum Jrrdinandeum übergeben werden. — Sv en Hedi ns Abschied von Sim la. In Simla hat sich am 1. Oktober Sven Heoin von den sechs getreuen LadakiS vecabschiedet, die die ganze Reise durch Tibet mit ihm gemacht haben. Die Abschiedsszene war außerordentlich rührend. Dis Diener weinten bitterlich. Sven Hedin gab ihnen als Abschiedsgeschenk die Zelte, die Lasttiere, die Waffen und alles, was ex sonst von der Ausrüstung seiner Exposition zurückgebracht hatte. Gr ist am 7. Oktober nach Bombay gereift von wo ec über Japan uiti) Sibirien nach Guropa geht. Seinen ersten Vortrag hält Sven Hedin in Stockholm. Gr geht dann nach London, um in der Königlüchm Geographischen Gesellschaft zu sprechen. Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten. nicht ganz auf der ursprünglichen Höhe ihrer Darstellung blieb. Sehr ansprechend war Hermann Bakof, der auch eine gute Regie führte, als ihr gehorsamer Gatte. Er brachte eine ausgezeichnete feinkomische Gestalt in Erscheinung und vertiefte die Schönheit der künstlerischen Darstellung durch psychologische Wahrheit. Sein Marquis war sehr nett. Als rührselige Verräterin Graee machte Claire Albrecht ein vorzügliches Bild, doch betonte sie das Schauspielerische in der schönen Sünderin als Dame von Welt etwas gar stark, so daß der Uebergang zu der liebevollen, rachsüchtigen Frau nicht abftimmungsfähig genug blieb. Zweifellos geschah es mit bewußter Neberlegung, aber ein wenig Zurückhaltung scheint mir doch rötlich zu sein. Recht nett, wenn auch etwas zu wenig gewandt, war Paul Kohlmann als ungeratener, lebenslustiger Sohn. Das Zusammenspiel ließ nichts zu wünschen übrig. Karl Neurath. Im übrigen wahrten die Liberalen und die ^ozialbemokratest ihren Besitzstand. Unter den Gewährten befinden sich auch der ehemalige Reici)stagsabgeorbnete Julius Müller (Nutzborn- und der Gutsbesitzer v. Levetzow-Siellwck. , Bei den Wahlen zum anhaltischen Landtage wurden gelPähtt: 11 Nationalliberale, 6 Freisinnige und 1 Sozialdemokrat, sowie 6 Abgeordnete von unbestimmter Parteistellung. Todesfall. Der regierende Bürgermeister von Lübeck Dr. Schoen ist gestern nachmittag im Alter von 66 Zähren gestorben. Göetzener StadtLheater. Simson. Komödie von Henry Bernstein. Der gestrige Abend brachte die erste Aufführung von ftrnry Bernsteins vieraktiger Komödie „Simson*. Sie leitet ihren hübschen, aber ziemlich weit hergeholten Titel von der Lügende des biblischen Simson ab, der die Säulen der Halle zerbricht, um seine Feinde zu vernichten, wobei er naturgemäß und bekanntlich ebenfalls unter den Trümmern begraben iteirb. Ein reicher Börsenmann, der die Tochter eines verarmten Marquis geheiratet hat, rächt sich an dem Verführer inner ihm abholden Gemahlin, indem er ihn durch ein tolles 'Larsenstückchen an den Bettelstab bringt, zugleich aber auch ij-ch selbst ruiniert. Dem Verarmten steht nun seine Frau, tacfenb von Edelmut und Güte, treu zur Seite. Dentfehes Heid?» Der Kaiser hat gestern zur.i erstenmal an der Parforcejagd in Döberitz teilgenommen. Der Kaiser war begleitet von den Ausland. Die parlamentarische Session in Paris ist gestern eröffnet worden. Die Regierung hat in der Kammer eine Vorlage eingebracht, die für die militärischen Operationen in Marokko während des laufenden Trimesters insgesamt 19 700 000 ^D^e r
inzunehmen, Italien und Deutschland würden sich den Gesichtspunkten Englands, Rußlands und Frankreichs bezüglich der Not- »enbigteit einer 5Lonferenz anschließen. Greys Anschauungen über ötn Umfang der Konferenz hätten sich allmählich geändert. Zuer,i gebe er gewünscht, ihn auf die Bosnien und Bulgarien angehenden fragen zu befchränken. Seit sich jedoch die Lage durch die Er- Larung Kretas und die Situation in Serbien geändert hätte, le bebe man Grund zu der Annahme, daß Grey anerkenne, die Mßigung Griechenlands und die Klugheit der serbischen Regie- tmg gäben ihnen ein Reckst darauf, daß man ihre Ansprüche in ■ nüägiutg ziehe. Infolgedessen bestehe er nicht länger auf den 'tiÜ)eten Beschränkungen bezüglich der Unterhandlungen auf der 1 Konferenz, obgleich er an dem Grundsätze festhalte, daß die Kon- iZ ietenz den gesetzlichen und bindenden Charakter internationaler Verträge nachdrücklich betonen solle.
In Paris meint man, daß
die Oeffuung der Dardanellen
's Dom Kongreßprogramm ausgeschlossen werden soll. England wird ich begnügen, Rußland zu erklären, daß es feinen Widerspruch chebt und es Rußland überlasse, den Punkt unmittelbar mit Der Türkei als der allein beteiligten Macht zu regeln. Als Kon- * qrefcort wird jetzt besttmmt Konstantinopel bezeichnet. Die türk.
blätter heben mit großer Befriedigung die türkenfreund- Wlrche Haltung aller Mächte hervor. „Jeni Gazetta'
t»eist besonders auf die Haltung Deutschlands hin. Das Organ des jungtürkischen Komitees „Schur Aummet" sagt, die Türkei könne die Oeffnung der Meerengen niemals II i < ft a 11 e n, weil dann die russische Flotte eine beständige Ge- arhr für das Ottomanentum bilden würde.
Ter Boykott der österreichischen Waren
in der Türkei nimmt immer bedenklichere Formen an. Der öster- ichchische Minister des Aeußeren, Baron Äehrenthal, hat jetzt Den Botschafter in Konstantinopel telegraphisch angewiesen, die lärkifche Regierung aufzufordern, sofort energische Abwehr- :ma ^regeln gegen die Boykottierung österre ich - r n g a r i s ch e r Schiffe in den türkischen Häfen zu ergreifen.
Der türkische Großwezier demisfioniert.
Kiämil Pascha, der für den Krieg war, sieht jetzt, da eine srckedliche Regelung der Orientfrage immer wahrscheinlicher wird, leine Stellung erschüttert. Wie von autoritativer Sette versichert Wahlrecyts. wstd, habe der Großwesir Kiamil Pascha dem Sultan Jahre 1205. f - - - . - .....
gegenüber den Wunsch geäußert, sein Amt n i e d er zu l e g c n;' unb Bürgermeister Koch (Delmenhorst) wurden roiebergeroablt
Prinzen August Wilhelm und Oskar.
BesuchdeseiiglischenKönigs'paaresinBerliii. In London wird bekannt gegeben, daß Wnig Eduard und Königin Alexandra ihren bereits angefünbigten Besuch in Berlin am 22. Februar 1909 abstallen werden. Es fällt einigermaßen aus, daß die Ankündigung dieses freundschaftlichen Besuches gerade während der jetzigen Krise erfolgt, und es wird daraus gefolgert, daß in den maßgebenden englischi.ii Kreisen feine Verstimmung gegen Deutschland gehegt wird. Die Verstimmung richtet sich ausschließlich gegen Oesterreich. Man ist jetzt vollständig davon überzeugt, daß Deutschland keineswegs der Ansttfter der letzten Ereigniffe im Orient gewesen ist.
Der Kronprinz und die Kronprinzessin kehrten gestern nachmittag vom Dambachhaus nach Potsdam zurück.
Gegen den Spiritusring. Eine Versammlung, der nahezu sämtliche Spiritusfabrikanten und Spiritusgroßhändler von Nürnberg und Fürth, sowie Vertreter der Handelskammern und der Detaillisten-Vereinigungen in Nürnberg beiwohnten, beschloß einstimmig, eine Eingabe an bie bayerische Regierung zu richten, bei der Reichsregierung für beschleunigten Erlaß eines Notgesetzes zur Besettigung der vom Spiritusring durch seine neuen Verträge dem gesamten Handel aufgelegten Fesseln wirken zu wollen.
In Oldenburg fanden die Wahlen zum Landtage statt, und zwar das letzte Aial vor der Einführung des allgemeinen Wahlrechts. Es wurden 44 Abgeordnete gewählt gegen 40 im Jahre 1905. Die Führer der Liberalen, Reichstagsabg. Ahlhorn I unb Bürgermeister Koch (Delmenhorst) wurden wiedergewählt.
er habe als Nachfolger auf Ismael Kemal Bey hmgewiesen. Der Sultan habe, wie es heißt, diesem Vorschläge zugestimmt und Kemal, der in Skutari togHt, fei telegraphisch nach Konstantinopel gerufen worden.
Bulgarien
dementiert von neuem die Meldungen, daß es zum Stiege rüste. Ein offiziöses bulgarisches Kommunique bezeichnet die Meldung mlswärtigsr Blätter, Bulgarien bereite ein Ultimatum an die türkische Regierung vor, worin für den H-all, daß binnen drei Tagen die Anevkennung Bulgariens nicht anerkannt wird, die Ktiegserklärung erfolgen werde, als völlig unbegründet. Die Einberufung der drei Reierveklassen erfolgt lediglich zu der Alljährlich üblichen Waffenübung-, an die Grenze seien bisher keine Soldaten gesandt worden.
Ju Serbien unb Montenegro
ist die Stimmung noch immer kriegerisch, und es scheint, daß diese Sttmmung von einer ganz bestimmten Seite her künstlich ergänzt wird. Es treffen viele Telegramme in der Skupschtina ein, die Krieg gegen Oesterreich fordern. Die Belgrader Zeitung meldet aus Cettinje, wo vorgestern die Skupsckstina zusammengetreten ist, daß die BegrüßungsdepeM des ferbifd^n Parlaments große Begeisterung erweckt. Alle biedner waren für ein Bündnis Montenegro mit dem Brudervolk von Serbien gegen den gemeinsamen Feind Oesterreich-Ungaru. Prinz Peter, der jüngste Sohu des Fürsten Nikolaus von Aiontenegrv, sandte eine sehr friegcriidye Depesche an den Kronprinzen von Serbien, die dieser mit ebenso kriegeriscl-en Worten erlöibcrte. — Ja, er tat noch mehr, indem er ohne Wissen seines Vaters und der 'jiegierung bie Depesche PeterL und seine Antwort zwei oppositionellen Zeitungen überwies. Die „Südslavisck-e Correspondenzi meldet aus Belgrad, daß die jüngsten Vorgänge zu einer ernsten
Cntfrembung zwischen Ltöuig Peter und dem Kronpringen Georg geführt haben. Der König soll durch oie Ereignisse der letzten Tage Ivie gebrochen sein; es sei aber unzutreffend, daß er freiwillig auf die Krone verzichten wolle. Es spielt sich im Lbonak ein stummes Drama ab, der Kampf zwischen Vater und Sohn um die Kr o ne.
Gespielt wurde durchweg sehr gut, doch wäre vielleicht tun wenig flotteres Tempo wünschenswert gewesen. Die Hauptrolle, den Börsenkrösus, gab Erich Wein gärtner mit g iter Empfindung und einer unverkennbaren Reife, die von n^iser Mäßigung getragen war. In dem dritten Auszug, der [b ie größte Anforderungen an den Schauspieler stellt, spielte tn mit hinreißendem Feuer und sicherer Geste, so daß man über der Darstellung leicht den Gang der Handlung vergessen (ennte und wirklichen Anteil nahm. Sein guter Gegenspieler luar Rudolf Goll als Jerome, der den schmarotzenden Freund u nb Lebemann mit der ihm eigenen vornehmen Würbe zur bisten Geltung brachte. Auch ihm stellte das Stück in dem g roßen Auftritt des dritten Aufzuges die schwerste Aufgabe, und er führte sie mit vornehmer Zurückhaltung und mit Ge- ' schmack zum Ziele. Als Gattin des Börsenkönigs hielt sich : iklnni Rö b e r glücklicherweise von falscher Sentimentalität frei j| ob bestrebte sich nicht fruchtlos, aus dem kalten und doch ^. si nnlichen Weibchen eine Charakterrolle zu schaffen. Geht die Atolle an sich auch kaum unter die Oberfläche, sprüht sie ! üzentlich nur so oben her, so verstand es Anni Röber trotzdem, etwas herauszuholen, und wenn man auch in einigen • leinigfeiten anderer Auffassung sein kann, so muß es doch .iimmwunben anerkannt werden, daß sie eine reizvolle, fesselnde J. Erstattung zuwege brachte, die psychologisch ergründet war.
•Hat einer kleinen Einschränkung kann man von Grete Hö cker als Marquise dasselbe sagen, wenn sie auch in letzten Aufzuge
— Biürnson militans. Aus Chcistiania schreibt man uns: Der gveise Björnson ist unermüdlich in seinem Kamps in der norwegischen Sprachenfrage, obgleich sein Befinden recht sehr zu wünschen übrig läßt. Während man bisher sein Leiden für Gicht hielt, ist jetzt ältlich festgeitellt worden, daß es sich vielmel)r um eine Venenentzündung, also um eine Krankheit handelt, die für einen so betagten Mann keineswegs unbedenklich ist. Ter Avzt hat Björnson 14 Tage Bettruhe befohlen; wer sich aber um diese Vorschrift nicht kümmert, das ist der Alte. Vielmehr unternahm er die immerhin nicht unbeschwerlick-e Reise nach Christiania, um hier am Samstag abend in der Studentcn- gesellsck'aft eine Rede über die Sprachenfrage zu halten. Und er sprach so kraftvoll unb geistreich, daß der dichtgedrängte Saal jeden Aug.mblick von bransenben Beifallsstürmen widerhallte. Zur (Siche selbst, den bekannten Versuck-en, bie dänisck)-norwegische „Reichssvrache' durch eine eigene norwegische Natiomilsprache zu ersetzen, 'wies Björnson vor allen Dingen darauf hin, daß die dänisch-norwegische Sprachunion keineswegs für Norwegen etwas Demütigendes habe, wie es seinerzeit die politische Union zwischen Schweden und Norwegen gehabt habe. Der Dichter zeigte, wie die dänische Sprack)e im Lause der Zeiten auch bas norwegische Geistesleben bereichert und wie umgekehrt der iwrwegiscbe Einflutz besonders in neuerer Zeit auch seinerseits auf bie dänyche Spraa>e belebend gewirkt habe. So Haden beide Länder von dieser Vereinigung Vorteil. „Aber die Sprack-sanatiker (maaimaenb) wollen unsere Sprache zu einem vierfüßigen Tiere, einem gräßlichen Dialekte machen, dem ich Gott sei Dank durch meinen Tod entgehe" — so sagte der Dichter.
— „Eiin Götterdämmerungs-Diner" — baä ist mit das neueste, was bie diesjährige Theatersaison bringen wird. Es kommt aus Paris! Wie bem Berl. Bors.-Cour, nämlich
Kranken
Fleischpreise in Gießen
Brolpreise tn Gießen
h&eiHbrot 2 Mg. 62 Ptg.
sSchivarzbrol 2 Kg. 58 Pig.
Handel
92.101 Elektriz. Lahmeyer
111
98.70
22.50
mußte Freispruch erfolgen.
Börse, 14. Oktober. Aufangskurae.
145.75
kost.
Ochsen
Kälber Schweine
Elektriz. Schuckert . Eschweiler Bergwerk
147.20
124.00
Lombard. Eisenbahn . . üesterr. Slaatsbahu . . . Pruice-Heuri-Eisenbahu .
Harpener Bergwerk Laurahütte . .
Lombarden E. B.
N'ordd. Lloyd . . l’ürkenlose . . .
-Kinder mehl
Berliner Handelsgea. Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Deutsch-Asiat Bank Diskouto-Kommandit Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio-
Eisenlahu . . . Gottbardbahn . . .
. 166.8t
. 126.85
. 237.60 . 138.00 . 176.90 . 146.00 . 198.70
Wlo 3% 3)ü°/6
WU 3^°/0
Bochum Guss . . .
Buderus E. W. . .
Tendenz: fester.
Berliner
Canada E. B. . . .
Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . . .
Tendenz: schwach.
119.80
123.0=)
196.00
Hervorragend bewährte
Nahrung.
Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei u. leiden nicht an
Verdauungsstörung.
. 174 40
. 126.7U
. 237.20
Türkeulose 4% Griech. 3Ionopol-Anl 4% äussere Argentinier 3% Mexikaner . . 4xaX Chinesen . . .
Aktien;
Höchste Schiachtviehpreise tn Frank iurr a. 3)i.
50 Kg. Schlachtgewicht 80—82 Ulk.
V, ttg.Schlachtgew. 92—95 P'.
xi<> - ■ 73—74 „
4 % Conv. Türken von 1903
^"^Darauf wurde nach den üblichen Schluß- und Dankesreden die Tagung geschlossen. -
Ein netter Buchhalter.
Dem Kaufmann M Th. aus .Magdeburg, der in einer hiesigen BuckZhandlung als erster Buchhalter tätig war, ist die Unterschlagung von etwa 500 Mark und zwei UrkunOenfaischungen zur Tast gelegt. Die unterschlagene klimme setzt sich aus dem Berkaus von Büchern zusammen und die Uriunde nfälsannigen Iiflt er in der Weise verübt, daß er im Knssaouch Posten strich, als handle es sich um irrige Einträge, uno dann die summierte Zahl entsprechen!) änderte. In der Verhandlung erklärte sein Ehes, es haben sich seit Anklageerhebung noch mehr Untersckstag- uitgen heransg. stellt, and) {deinen z-wei weitere Urkundenfälschungen vorzuliegen. Wahrscheinlich mürben sich noch weitere Straftaten Herausstellen, da fortwährend Reklamationen einliefen. ES Itclilc sich auch heraus, daß er bei seinem Engagements umvahre Angaben über seine FamilienverhäUnisse gemacht l>at. Das unter- schlagene Geld imll er einer franfen Schwester zugewendet haben; hiergegen spricht aber der Umshgstch daß er pixl Aetd an das
Gießener Strafkammer.
st Gießest/ 13. Okt.
Reichsanleihe do.
Konsols . . do.
Hessen . .
Oberhesseu
. 139.60
. 49.20
. 86.00
. 63.80
. 97.80
Orrginal-DrahtineLSunsen.
(Nach Schluß der Redaktion eingetroffen.)
Königshütte (Schlesien), 14. Okt. Aus dem Mal. Gruben-Schachte ereignete sich eine Explosion schlagender Wetter. 300 Bergleuten wurde der Weg zur Rettung abgeschnitten. Bisher wurden 70 Leichen geborgen.
. 219.25
. 111.80
Auch eine StreiLsotge.
Eilt hiesiger Aiövettaoritant eeyieic einen Strafbefehl über 5 Mark, unter der Anschuldigung, M geweigert zu haben, die hiuftchtlcch des Tapeziererstreiks borge, cheieoenen Mitteilungen zum Zwecke statistischer Verwertung zu machen. Tas Schöffengericht verwarf seinen Einspruch mit der Motivierung: nach § 139 b Absatz 5 der Gewerbeordnung sind die Arbeitgeber verpflichtet, den von der Landesregierung bestellten Behörden die nötigen Mil- ceiluugeu zu mad}eii; auch sind die stattlttschen Erhebungen durch BuubeSratsbeschmß angeordnet worden, was aus dem Wortlaut der genannten Paragraphen deutlich hervorgehe. Der Angeklagte, der die Gültigkeit des Bundesratsöeschlusses bestritt, fodjt das Urteil an und behauptet, aus! OJlangei an Zeit der polizeilichen Aufforderung nicht nachgekommen zu sein. In der Bemfungs- verhaudlung konnte weder festgestellt werden, daß der Bunbesrats- bcfdjluB, der übrigens kein Datum trägt, noch die Beschlüsse der Zentralbehörden publiziert worden sind, somit das Publikum über ihren Inhalt im Unklaren ist; weiter sind in vorliegendem Fall die Fornten und Fristen nicht gewahrt unb es fehlt auch an der Strafandrohung. Da unter diesen Umstünden das Gesetz keine Handhabung zur Bestrafung bietet, mußte Freispruch erfolgen.
*1 eßetoitische Umrsüerisünte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, Giessen.
Frankfurter Börse, 14. Oktober, 1.15 Uhr.
Meteorologische Beovuchtnugen
der Station Gieße».
3-6 Portugiesen
4>i0/« russ.Staatsanl. 1905
4>6'7o Japan. Staatsanleihe
Arbeitsprogramm verlangt. , 1
In der zweiten öffentlichen Beriammlung am Lonntag sprach Dr. Witte (Frankfurt a. d. Ober- zur Agrarfrage.
Ter Redner nahm Bezug auf den gewaltigen Bevölkerungszuwachs in den letzten Jahrzehnten und führte aus: Schon heute । können wir beit Konsum weder an Getreide iwch an Fleuch durch , die Jnlandsprodultion decken. Wenn die Produktion in ^Zu tun ft Nicht erheblich gesteigert wird, müssen mir ganz gewaltige Summen an das Ausland zahlen. Dazu ist erforderlich erstens: Verwandlung von Oedland in Kulturland, zweitens: Bekämpfung per Elementar schöben und der Viehseuchen, drittens: Steigerung der Intensität der Betriebe, viertens: Förderung des landwirt|chast- lichen Unterrichtswesens. Soll über die Landwirtschaft den ge- steigerten Anforderungen entsprechen können, muß man ihr die hindernden Steine aus dem Wege räumen. Ein solcher Stein ist die unwirtschaftliche Verschuldung. Das Privatkapital ist nickst geneigt, sich dem landwirtschaftlichen Kredit zuzuwenden. Dte Landwirte können die Hypotheken erst im Laufe einer Reche von Jahren tilgen. Unkündbarkeit liegt daher in ihrem Interesse. Der private Geldausleiher wird aber nach kurzfristigen Verträgen streben. Andererseits erfolgt die Abtragung einer Hypothek nur durch allmähliche Amortisation. Auf solche Ratenabzahlungen einzugehen, wird der private Kapitalist nicht geneigt jein. Es empfiehlt sich daher, die Entschuldungsatt ion auf genossenschaftlicher Basis einzuleiten, durch den Zusammenschluß zu Zwangskorporationen und dadurch, baß die Konvertierungspflicht für alle landwirtschaftlichen Hypotheken ausgesprochen wird. Jede Verschulduitgsgrenze ist ein untaugliches Mittel, das die Rentabilität eines Gutes verringert, da bann die notwendigen Meliorationen unterbleiben. Eine nicht geringere Sorge als die Verschuldung ist für den Landwirt der Mangel an Arbeitspersonal. Die Heranziehung ausländischer Arbeitskräfte ist aber national bedenklich. Am bedenklichsten freilich sind jene Z-orderungen, die für eine Einschränkung der Freizügigkeit der Landarbeiter eintreten, unb auch der indirekte Versuch, die Freizügigkeit der Landarbeiter dadurch einzuengen, daß man vorschreibt, alle Arbeiter unter 20 Jahren sollten eine Kaution von 80—100 Mk. stellen, ehe sie in die Stadt ziehen dürfen, ist energisch zu bekämpfen. Wenn den Landarbeitern das Koalitionsrecht nicht gewährt wirb, so besteht die Gefahr, daß Agitatoren dadurch die Landarbeiter aufhetzen und zur Abwanderung veranlassen, daß sie auf die in dieser Hinsicht günstigere (Situation jo er Fabrikarbeiter Hinweisen. Andererseits sind die Gefahren, die über unsere Volkswirtschaft durch einen Streik der Landarbeiter zur Zeit der Ernte kommen würden, so erheblich, daß eine weitere «Ausdehnung des Kvalitionsrechts auf die Lui darb eiter sich Ijeute nicht empfiehlt. In erster Linie muß die Arbeiternot anft dem Lande dadurch bekämpft werden, bay man für das materielle und ideelle Wohl der Arbeiter Sorge trägt, jenes z. B. durch Ansiedlung und Verbesserung der Wohnungs- verhälmisse (ländliche lWöhnungsiuspektionj, dieses z. B. durch Gritndung von zwectentsprechenden Vereinen. Der Referent bespricht dann die Maßregeln, die geeignet sind, zu verhindern, daß die Erfüllung der Wehrpflicht die Landflucht steigert. Er führt dabei auf: landwirtschaftlichen Unterricht beim Militär, Verlegung des Militärs in ländliche Garnisonen, soweit es möglich ist, Darbietung geeigneten Lesestoffes. Was die Verteilung der drei Besitz- klassen, Groß-, Mittel- und KU-.ngrnndbesitz anlangt, so weist der Referent auf das ungesunde tleberwiegen des Großgrundbesitzes hin. Das Land brauche unbedingt mehr Menschen. Seit 1816 ist die Zahl der in der Landwirtschaft beschäftigten Personen im wesentlichen konstant geblieben. Die in der Landwirtschaft tätige Bevölkerung ist aber der Jungbrunnen der 'Ration. Und das Wohl des Vaterlandes erfordert cs, Dafür zu sorgen, baß dieser Jungbrunnen nicht von Jahr zu Jahr spärlicher fließt. Es müsse eine Verteilung der Großbetriebe in Mittel- und Kleinbetriebe statt- finden. An eine Aufteilung des gesamten Großgrundbesitzes ist natürlich nicht zu denken. Eine Verminderltng des ftdeikornmissari- schen gebundenen Bodens ist anzustreben. Die Fideikommisse sind zu Neunzehnteln Großgüter über 1000 Hektar und haben noch die Tendenz, sich auszudehneu. Erforderlich ist die Auflösung aller Fideikommisse bezw. Die Abstoßung einzelner Teile zu erleichtern, die Neubildung aber zu erschweren.
Die Freiheiten, die der Anfang des vorigen Jahrhunderts dem Bauer gebracht hat, entsprangen dem Geiste des Liberalisnius. Tragen wir Sorge, daß die liberale Weltausfassung mehr als bisher auf dem platten Lande, besonders im Listen, Geltung erlangt. Wenn das gelingt, dann wird sich Herausstellen, daß auch für den Bauern Die liberale Politik gilt, Deren vornehmster Grundsatz der Ausgleich aller berechtigter Interessen ist. (Leoh. anhaltender Bei,all.) — In der Diskussion weist Generalsekretär Köhler den Vvrwurs zurück, daß die Jungliberalen kein Verständ- nis für die Agrarfrage hätten. Wir müssen Front machen nicht nur gegen Ultramon t a ui sm u s uno Sl^ialdrmokratie sondern auch gegen den Konservatismus, besonders wie er sich int Bunde der Landwirte verkörpert. Daß die Bauern heute noch vielfach kon-
Untcr Ausschluß der ,
heirateten Kaufmann W. K. von Ober-Eschbach wegen Sittlichkeitsverbrechens nach § 176,3 unb 174 verhandelt. 'Jiadj dem Urteil wurden drei Verbrechen als erwiesen angenommen und zwar hat er in einem Falle ein 9 jähriges und in den zwei anderen Fällen je em 3 jähriges Mädchen in seinem Laden mißbraucht. Ter erste Fall wurde mit 1 Jahr Gefängnis geahndet, während für dte anderen zwei je 6 Monate in Ansatz gebracht, aber nur mit je 3 Monaten ausgerechnet wurden, was eine Gesamtstrafe von r. Jahren ergab. Das Geständnis berücksichtigend, erfolgte die Anrechnung eines Monats Untersuckmngshaft.
4% Oesterr Goldrente.
4*/6% Gesten. Silberrente 4% Ungar Goldrente . . 4% Italien. Rente . . .
3-o Portugiesen Serie I
Ein Wüstling.
?_ci,^1111(1)1611 wurde gegen den ver-
Man lese die Urteile der Professoren und Aeizte
über den
handet.
Zum R e i ch s b a n k g e, e tz. <>m Frühjahr b. I. tat bekanntlich ber Banienquete juiammcn uno sie erledigte bis zum vorläufigen Abschluß ihrer Verhandlungen die Vernehmung ber zahlreich geladenen Sachverständigen, pttmmehr hat die aus 2a Mitgliedern Instehende Enquetekommission unter dem Vorsitz des ReichsbankpräslO-enten Havenstein die Verhandlungen wieder ausgenommen, um unter Benutzung des durch die Gutachten der Sachverständigen gebotenen, im Reichsamt des Innern znsammen- gcftellten Aürterials die Frage zu beraten, deren Erledigung vor der Einbringung ber Novelle zum Reicljsbankgesetz erforderlich ist Eine solche Novelle muß noch in biesem Winter dem Reichstag vorgelegt werden, weil bis zum Dezember 1909 gesetzliche Entschließung über die Verlängerung des Bankprivilegs zu treffen ist Unmittelbar nach dem Abschluß der Beratungen soll, wie ber „Kölnischen Ztg." mitgeteilt wird, der so weit tunlich borberejtctc Reichsbankgesetzentwurf vom Reichsamt des Innern fertiggestellt werden, um ihn alsbald dem Preußischen Staatsminister iuin sowie demnächst oem Bundesrat vorzulegen. Dementsprechend dürfte die Einbringung der Novelle beim Reichstag noch vor 2B€ib» nachten zu erwarten sein.
Getreibepreise in Mannhei m
Weizen 100 Kg. 22.00-00.00 Alk.
Roggen 100 Kg. 18.00-00.00 Alk.
Bügel oder Rolle?
Die Vergebung der Arbeiten für unsere elektrischen Straßenbahnen steht vor ber Tür, unb da dürfte es unsere Leser mter» elfteren, von einem Fachmann einige Aufklärungen über die verriebenen Möglichkeiten, bie beschlossen werden konnten, zu er- l)aUC!ffienn man zunächst betrachtet, wodurch sich die vorhandenen Straßenbahnen in unseren großen Stählen hauptiachlich unterscheiden, so wird man finden, Laß wesentliche Unter,chiede im allgemeinen nicht bestehen. Ter Strom wird den Wagen durch einen Kupferdraht zugeführt, ber über der Gleismilte ausgejpannt ist, und kehrt durch bie Schienen zum Kraftwerk zuruck, nachdem ihm in ben Motoren der verschiedenen Wagen das Arbeitsvermögen entzogen worden ist. Diese Motoren sitzen unter dem Wagenboden und klammern sich mit Tazenlagern an die Achsen des Wagens nu Sie Übertragen ihre Kraft auf diese Achten durch Zahnräder. Ihre Geschwindigkeit wird reguliert, indem man den zuge'uhrlen elektrischen Strom durch Vorjchaften von Widerstanden schwächt. Diese Widerslände sitzen gleichfalls unter dem Wagenkasten. Um an Strom zu sparen, richtet man es außerdem beim Anfahren so em daß ber Strom erst burch den einen Motor unb dann durch ben anderen fließt, auf diese Weise jeden Motor gewissermaßen als Widerstand für den anderen benutzend, und erst wenn die halbe Geschwindigkeit des Wagens erreicht ist unb überschritten werden ioU, legt man jeden Motor für sich mit der Zuleitung an den Fahrdraht und mit der Rückleitung an die Schienen. Dieses Um= icbalten und das Vorschalten der Widerstände m ihren verschiedenen Abstufungen geschieht durch den Fahrer, ber aut der vorderen Plattform 0e6 Wagens steht, und erfolgt durch das Drehen einer Kurbel, zu bereu Welle die verschiedenen Strom zu unb Ab- fülirungslcitungen geführt werden.
Insoweit sind alle Wagen der verschiedensten Slratzenbahnen völlig gleich unb unterscheiden sich nur durch bie verschiedene Stärke ber Motoren unb durch mehr oder minder unwesentliche Abweichungen in den Aussührungsarien der verschiedenen Firmen. Einen größeren Unterschied weisen bie Vorrichtungen auf, bie ben Strom von bem zuführenden Kupferdraht, ber burd) bie Straßen gespannt ist, abnehmen. In Frankfurt a. Ai., in Köln und in Kassel erfolgt Pieje Stromabnahme z. B. durch ben sogenannten Bügel, m Berlin, 'Hamburg, Leipzig, München durch eine Nolle. Beim Bügelsystem gleitet ein guer zum Fahrdraht gestelltes Alumunum- slück unter diesem entlang, und der Draht selbst wird in schwachem Zickzack gespannt, damit sich keine Rillen m dieses Schleisstück ein- arbeiten'unö es zu schnell gebrauchsunfähig machen. Das Schleisstück wird durch 2 Stangen getragen, bie es an den Enden ie|t= halten und untereinander auf verschiedene Weise verfielst sind. Tas sieht ziniächft vielleicht etwas schwer'ällig aus, man hat sich aber überall bald an ben Anblick gewöhnt. Ein leichteres Aussehen gewährt die andere Art der Stromabnahme. Die Rolle, die ziemlich klein ist, fitzt auf einer langen Stange, die mit Federn von unten gegen ben Fahrdraht gedrückt wird, was übrigens auch bei dem Bügel notwendig ist. .
Ter Vorteil des Bügels ist der, daß ber Fahrbraht in ben Krümmungen des Gleises weniger genau verlegt zu werden braucht als bei ber Rolle, und daß aus diesem Grunde bie Fahrleitung sich l)ter etwas einfacher gestaltet. Im übrigen bestehen nemienswene Unterschiede zwischen beiden Systemen nicht, wenn auch zeitweilig über bie größere oder geringere Abnutzung des Fahrdrahtes bei beiden Systemen gestritten wird. Tie Rolle ist aus Amerika übernommen luoröen unb besitzt wohl die größte Verbreitung; der Bügel wurde in Deutschland von Siemens u. Halske ausgebildet uiit> dürfte nach einer überschläglichen Schätzung vielleicht bei bem zehnten Teil aller Straßenbahnwagen in Benutzung sem. Beim Beginn der Entioickelung der elektrischen Straßenbahnen hatten sich natürlich die verschiedenen Elektrizitätssirmen ihre besonberen Konstruktionen durch Patente schützen lassen. Diese sind aber mittler- weile abgelaufen, so daß je nach dem Wunsche ber Abnehmer alle Firmen heute entweder Bügel- ober Rollensyltem verweiiden.
Gelsenkirchen Bergwerk . 186.30
Hamburg-Amerik. PaketL 106.90
Harpener Bergwerk. . . 200.50
Laurahütte 200.25 biordd. Lloyd 85.3t Obeischles. Eisen-Industrie 98.75
Verbesserung der ländlichen Wohnungsverhältnisfe sei einer der wichtigsten Programmpunkte. Der Westen habe übrigens keine Veranlassung, überhebend nach dem Lsten zu seljen. Auch im Westen herrschten traurige Wohnungsverhaltniift. jutx Redner schließt mit dem Zitat: Gib dem Menichen das Reckst auf einen Felsen, so wird er ihn in eine Weide verwandeln. Lienhardt (Düsseldorf) tritt für die Gründung von Tauernvereinen ein. Der Bund der Landwirte sei zu bekämpfen, wenn er nicht ein rein wirtschaftlicher Verein werde und von der Politik ablasse. Die Forderung des Verbotes der Kinderarbeit ,ei für ben flcincn Bauern nicht durchführbar. — Thorbecke (Hmdelberg) betont bae Notwendigkeit, auf dem Lande belehrende Vortage zu halten. Er beantragt den Vortrag des Referenten als Bro,chure zu drucken. — Der Antrag wird angenommen. — Htlbeck (SlberTelb) tritt der Anschauung entgegen, als ob die Jungliberalen Gegner des Kvalitionsrecksts der ländlichen Arbeiter men. iSaQmaxvn (Hildesheim- bezeichnet die Verleihung des Koalitionsrechts an die ländlichen Arbeiter als unmoralisch und schMich für. das Volks-
83.10
92.20
83.10
90.90
90.10
97.95
99.00
93.40
103.80
59 50
61.25
96.00
90.40
90.20
didaturen selbst in die Hand nehmen müsse. - Der zweite ryrank- furter Antrag wird zugnnften der vom Verbandsvorsitzenden eiw- gebrachten Resolution zurückgezogen. — Ter dritte Antrag Frauk- •urt wird in folgender Fassung angenommen: „Der junghberale Vertretertag ersucht die Fraktton der natioiialliberalen Partei, ihr bestes zu tun, um die Besoldungsvorlage für die Staatsbeamten im Reich und in Preußen, sowie in den Buiidesstaaten, in denen dies .noch nicht der Fall ist, unabhängig von der Reichsfinanzreform mit größter Beschleuiiigung zu verabschieden." Ter hierzu ern- gebradjtc Zusatzantrag Hannover wird angenommen. Ter An- nag Stuttgart, der sich mit der auswärtigen Politik besaßt, wird zurückgezogen mit Rücksicht auf die Vorgänge seit der Formulierung des Antrages und weil die Vorwürse gegen die Leitung der au&= märtigen Politik gegenwärtig teilweise nicht mehr berechtigt und teilweise nicht mehr zeiigemäß seien. Ein Vertreter ^uftekdorss Stimmt den Antrag wieder aus, in namentlicher Abstimmung wird aber beschlossen, den Antrag von der Tagesordnung abzusetzen. Der Antrag Stuttgart bezüglich der Organisation der Ärbetttiehmer wird mit geringfügigen Aenderungcn angenommen. Sine längere Debatte entspann sich über den Antag Jena, der ein jungliberales
199.75
198.70
22.50 85.20
138.20
servattv Denken, liege daran, daß der Liberalismus versäumt habe, Aufklärung ans das platte Land zu tragen. Der Konservatismus sei der systematischen Beroumniung ber Bevölkerung nicht abhold. Gegen die Ausdehnung der Koalitionsfreiheit für ländliche Arbeiter äußert Redner Bedenken. Notwendig sei eine Regelung der Arbeitszeit, wie sie bereits in der Industrie herrsche. Der Verallgemeinerung in besag auf die Aufteilung des Großbetriebes glaubt Redner entgegentreten zu müssen. Der Großbetrieb habe mancherlei Vorzüge. In Teutichlaud gebe es noch große Flächen, die unbenutzt baliegen und die der landwirtsckiaftlichen Arbeit erschlossen werLen müssen. — Rechtsanwalt Dr. Marwitz (Berlin): Die Konservativen wollen die Leutenot mit Mitteln bekämpfen, die für uns unannehmbar sind. Tie Leutenot kann nur bekämpft werden, wenn mehr für die ländliche Arbeiterfürsorge getan wird. — Dr. Jacobi (Solingen) weist auf die Erfolge der National- liberalen tn Süd-Bayern hin unb erklärt: wir haben in Süd- bayern den Ultamoutanismus einige Kuckuckseier in» Nest gelegt, an denen er noch heute zu lauen hat. protze Heiterkeit.- Sehr wertvoll fei die Mitarbeit der Geistlichen aut dem Lande, z. B. bei ber Gründung der Darlehnskaifen. Die Propaganda auf dein Lande dürfen nur Leute betreiben, die im Stande sind, mit den Bauern zu fühlen uno mit den Geistlick-en Beziehungen unterhalten. (Widerspruch. - Hcimann-Kröser lÄöin) fordert, daß der weiteren Bildung von Fideiwmrnissen entgegengetreten werde. So lange in der Landwirtschaft nicht auskömmliche Löhne gezahlt werden, werde es mit der Landflucht nicht besser werden. "Notwendig sei eine Seßhafimachung der ländlichen Arbeiter. — Holfd (Hannover): Ein höherer Schutzzoll ist für die Landwirtschaft entbehrlich. Ter liberale Gedanke in Der nalionalliberalcn Partei müsse schärfer betont werden. Die Grenze zwischen National- liberalen uno Konservativen sei scharf zu kennzeichnen. Es seien liberale Bauernvereine zu gründen unb das ländliche Z-vrtbildungs- schulwesen zu unterstützen. Nickst mir dem Bunde der Laiwwirte, sondern gegen den Bund der Landwirte, aber für die Landwirtschaft solle mau eintreten. - - Redakteur x\ung (Köln) polemisiert gegen die Ausführungen des Landrats v. Eifenhardt-rlrothe auf dem Verbandstage der landwirtt'chafftiä>en Genossenschaften in Dlainz, daß die länd.ichen Arbeiter nicht ange,iechlt werden bür- 4enz um nabt Brutstätten der Sozialdemokratie zu schaffen. Die
WertäBioson
und überzeuge sich, daß es kein anderes Mittel gibt, das für 3Mark das Vi Kilo die gleichen Mengen bluibildende, tiästigende und belebende Rahrstoffe liefert, gut schmeckt und selbst in großen Cuan- tttäten gut bekommt. buh»
*/, Kg. 78-86 Psg.
lL . 70—80 r
lL . 68 -84 ,
Spielen gehängt hat unb, trotzdem er verheiratet ist, anderweitig, Verhältnis unterhalten hat. Das Gericht Petzte die Verhandlung auf unbestimmte Zeit aus uno gab der Staatsanwaltichaft anheim, sich in der Angelegenheit weiter zu mpnmcren.
Erfolglose Berufung.
Der Bäckermeister G. T. von Friedberg hatte mit dem Schmied W. £. und dem Landwirt Gg. L. K. von Ober- Rosbach einen Prozeß wegen Lieferung von Backwaren, der zu feinen Ungnnsten auSging. Als bei einer Unterhaltung ui einer Wirtschaft ein Gast vie Bemerkung mackste: er ve,chwore, daß seine Angaben wahr seien, bemerkte T., „dann fchwörst du so falsch wie O. unb K. auch". Die Folge war eine Beleidigungsklage gegen T., die am Schöffengericht mit 60 Mk. Geldstrase gesühnt wurde. Ta T. erfahren hatte, daß ihn O. ein Spitzbube genannt hatte, erhob er Widerklage, was D. 30 Mk. Geldstrafe eintrug. Dieser focht das Urteil an mit ber Begründung, er habe mit seiner Aeußerung ben T. nicht gemeint. Es sprachen aber alle Umstände für seine Schuld, so daß das Gericht zur Be|tätrgung des Urteils gelangte.
Tie Marktpreise für Äieh und Frucht uud die Gießener Fleisch- und Brotpreise
am 12. Oktober 1908. *-
Oktober
1908
Barometer aui 0° reduziert
Temperatur der Luft
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
«
’S 'w jO ß
•a
i
Wetter
13. 2’6
751,5
13,3
9,9
88
s
2
Bed. Himmel
13. 916
751,8
10,9
'9,3
97
s
2
Bed. Himmel
14. Tb
751,9
10,6
9,3
98
still
still
Bed. Himmel
Höchste
Temp
iratur
ini li
-13.
Oktobe
r —
13,8 0 C.
Niedrigste
, 12
.—13.
ft
5,4 C.
Verlobte!
Mk. 6.50
von
an
o
21.50
an
77
77
12.50
an
77
77
c5
16.50