Bezugspreis: monatlich 75 UV, viert el« jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 M.; durch die Post All. 2.— viertel« jährl. ausjchl. Beslellg. ZeilenpreiS: lokal lbPj^ auswärts 20 Mennig, Verantwortlich für den polmldien teil, für .Feuilleton* und .Bernnjchtese: Ernst Anderton, für »Stadt u. VanD- und.Gerichts« Nr. 2V8 Erstes Blatt 158. Jahrgang Freitag 13. November 1VV8 Der »teßentt Snzetger __ erschein, täglich, außer /T^.^ar ’WI'T* * ß EonmagS. - Beilagen: WI V sBietzemr Anzeiger ML General-Anzeiger für Gberheffen b!- oommaflrro'ut)" klotatlonrdruck und Verlag 6er vrilhllchen Univ.-Vuch- und Steinöruderei R. Cange. Redaktion, Expedition und Driidercf: Stzulftrahe r. Die heutige Nummer umfabt 12 Seiten. Nach der Debatte. Immer unabweislicher drängt sich einem die Frage auf, krie denn der Kaiser selbst zu den jüngsten Vorkommnissen steht. Im Reichstage ist daraus hingewiesen worden, daß es doch wohl besser gewesen wäre, wenn der Kaiser in so ernsten Tagen in Berlin geweilt hätte, anstatt in Oesterreich und Donaueschingen seinem Vergnügen nachzugehcn. Man gewinnt unwillkürlich den Eindruck, als wenn der Kaiser selbst den Erklärunaen Bülows gänzlich fern stände, und so könnte man sich dann allein das Schweigen deS Reichskanzlers auf viele Fragen der Abgeordneten erklären. Zu einer Meldung der „F. Z." über eine beabsichtigte Begegnung des Kaisers mit dem Fürsten Bülow bemerkt denn auch die „Tägl. Rdsch.": „Diese Nachrichten decken sich mit uns gemachten Mitteilungen, wonach der Kanzler gestern eine erneute telegraphische Anfrage nach Donaueschingen richtete, aber leincausreichendeAnt' wort zu erhalten vermochte. Fürst Bülow hat nunmehr das dringende Verlangen, möglichst bald mit dem Kaiser zu sprechen und ihm über das Ergebnis der Reichs- tagsverhanalungen persönlich Bericht zu erstatten. Es scheint fast, als ob die Kanzlerkrisis abermals akut zu werden droht." In politischen Kreisen Berlins herrscht daher die Auffassung vor, daß Fürst Bülow tatsächlich noch vor Ablauf des Jahres aus seinem Amte scheiden wird. Als Nachfolger werden verschiedene Persönlichkeiten genannt, darunter auch die Herren v. Bethmann-Hollweg und d. Rheinbaben. Man spricht auch von einer Teilung des Reichskanzleramtes und von einer Auflösung der bisherigen Personalunion für innere und auswärtige Politik. Die „Deutsche Tagesztg." sieht in c.nein Artikel „Kaiser und Reichstag" den Schwerpunkt der Lage darin, ob es dem Reichskanzler gelingt, den Kaiser von der B-rüüsicbti- gung der Reichstagswünsche zu überzeugen. Tas Blatt mag die Besorgnis nicht teilen, daß die Umgebung des Monarchen verhindern könnte, daß er die ganze Wahrheit erfährt. Da nun nach dem allen der Reichskanzler offenbar keinen Einfluß auf den Monarchen mehr hat, kann man nur noch hoffen, daß der Bundesrat geeignete Schritte beim Kaiser unternehmen wird. Wie das „Berl. Tgbl." aus Hamburg meldet, ist bei dem Präsidenten der Bürgerschaft auch schon ein Antrag eingegangen, der Senat möge im Bundesrat geeignete Schrilir tun, um dem Kaiser klarzulegen, daß man auch in Hamburg das persönliche Ein- areifen in die amtliche Politik bedaure und sichere Bürgschaften gegen eine Wiederholung derartiger Vorgänge erwarte. Im Auslande beurteilt man die augenblickliche Lage im Deutschen Reiche und die Stimmung der Bevölkerung nicht immer ganz richtig. Die russische Presse verfolgt die Verhandlungen des Reichstags mit lebhaftem Interesse. Die „Börsenzeitung" weist auf ein angebliches Wied.r rwa.i en i_e.> jüdd.u.s.hen Partikular.smus hin und hebt dessen Gefährlichkeit für die Einheit des Reiches hervor. Der „Rjetsch" findet die Rede des Fürsten Bülow ausgezeichnet durch ihre Würde und schreibt: Tie Zuschauer auf den Tribünen des Reichstags, die etwa einer Verwirrung des Fürsten Bülow zusehen wollten, müssen anerkennen, bay er so gut wie möglich aus einer sehr schwierigen Lage hervorging. Der „Rußj" sieht eine Revision der Reichsverfassung Gedenksefte! Wir leben in Zeiten niU|ituLju)er Gedenkfeiern! Rüstet sich doch der akademische Verein, in wenigen Monaten sein 90. Geburtsfest würdig zu begehen! Während man aber in unserem Gießen auf ein lokales Musikfest hinarbeitet, bereitet sich die internationale Musii'welt zu den Zentenarfeiern der Meister Haydn und Mendelssohn vor. Zum Gedächtnis von Haydns Tod plant man in Wien ein mehrtägiges Musikfest, verbunden mit einem internationalen Kongreß; — in Berlin und Leipzig dagegen gedenkt man zur lOOsten Wiederkehr von Mendelssohns Geburtstage größere Aufführungen zu veranstalten. Auch der Gießener Konzertverein, der im letzten Zahrzehnt kaum ein orchestrales Werk des letztgenannten Meisters zu Gehör brachte, hat zur Erinnerung an den großen Tonsetzer und zur Vorfeier eines seiner besten und genialsten Werke für Orchester: die ewig jugendfrische .,S o m m e r n a ch t s t r a u m - T u v e r t ü r e" in das Programm ausgenommen. Als ein auf das Shakespearesche Elfenmärchen vorbereitendes Sonderstück gedacht, gehört die graziöse, seinzifelierte Tondichtung zum Besten, was wir in Tonmalerei besitzen. Mit sicherer Hand hatte sie der geniale Jüngling im Jahre 1826 in kürzester Zeit entworfen und vollendet, während er sich erst 17 Jahre später dazu verstand, die uns bekannten übrigen Stücke zu dem Märchen zu schreiben. Wenn wir diese leichtflüssige, zierliche Ouvertüre mit der im gleichen Programm gebotenen, 40 Jahre früher verfaßten Ddur-Symphonie von Mozart vergleichen, sehen wir, in wie entlegene Bahnen die Musik in dieser verhältnismäßig kurzen Spanne Zeit geeilt war! — Bereits in dem breitausladenden Einleitungs-Lldagio der Symphonie ^eigt sich oer gereiste Meister der klassischen Periode; 2>er sich anschließende Allegrosatz erscheint motivisch direkt Die eine Vorstudie zur Zauberslöten-Ouvertüre. Aon wunderbarem Wohllaut ist das durchsichtig klare Andante, dem sogleich als „Finale" ein außeroroentlich lebhafter, in seiner übermütigen Laune an Haydn erinnernder Satz folgt. So, wie diese dreisätzige Symphonie (zugleich die viertletzte des Meisters) die Nähe des gewal- iigen LrahmskonzerteS nicht zu scheuen braucht, so werden mr aus die Klänge dieses modernen Tonwerkes würdig Lurch Beethovens Fidelio-Ouvertüre vorbereitet. Mit ihren uns wohlvertrauten Melodien bleibt dieses Stück in konstitutionellem Sinne voraus und glaubt, das Prinzip! der Ministerverantwortlichkeit werde die Dynastie der Hohen-! zollern stärken. Der „Slowo" vergleicht die Zustände der deutschen Verfassung mit denen der russischen, erinnert an die Unterdrückung Der öffentlichen Meinung in Rußland und vergleicht damit den vollen Akkord, in den die Stimme des deutschen Volkes selbst bei einem so heiklen Thema aus klang. In Paris tritt der Eindruck klar hervor, daß sich in der Volksstimmung Deutschlands allmählich ein ft ar ter Wechsel vollzogen habe, der auch für die Zutunst Bedeutung erhalte. Ter Kanzler hat eine befere Preße als der Kaiser. Die „Westminster Gazette" bezeichnet die Reichstags- debatte vom 10. November als einen Markstein in Deutschlands politischer Geschichte. Ebenso wie in England die freundliche Absicht in den kaiserlichen Aeußerungen anerkannt werde, so werde auch einstimmig das Jnabrede- stellen der deutschen Feindseligkeit gegen England durch den Reichskanzler und den Reichstag bewillkommnet. Es sei ernsllick) zu hoffen, daß gutgesinnte Leute beider Länder sich durch Die jüngsten Ereigni.se im Widerstand gegen das Anwachsen des verhängnisvollen Mißtrauens zusammen finden würden. Nach Den „Times" ist die unumwundene Strenge der allgemeinen Verurteilung Der kaiserlichen Handlungsweise außerordentlich bedeutsam. Tie Forderung einer wirtlichen ministeriellen Verantwortlichkeit und einer wirksamen Beteiligung der Volksveriretung an der Leitung der auswärtigen Politik werde schwerlich sofort zugesianden werden, doch sei schließlich eine Unterwerfung unvermeidlich. „Daily Nervs" sieht eine Kluft zwischen Dem deutschen Volt und feinem Kaiser gähnen. Tes Kaisers Wille sei nicht mehr ausschlaggebend. Das Volt scheine p.ötziich den Zauber oes Monarchen abzuschütteln. Der kaiserliche Einfluß bleibe jedoch so lange, als Der Kanzler vom Kaiser statt von Der Mehrheit Der Voltsvertretung ernannt werde. Bis dahin habe oas Volk keine Bürgschaft gegen die Einmischung des Herrschers in Staatsangelegenheiten. Neben mancher rilligen Beovachtung mischt sich, wie man sieht, in diese Preß stimmen des Auslandes auch viel Schiefes oder gar Falsches ein. Zu hoffen und zu wünschen wäre es, daß Der Kaiser aus Der inländischen Presst ein unverfälschtes Bild von Der augenblicklichen Lage erhalt. Diese Lage erscheint so trostlos, unD Die Gefahren, Die sie birgt, sind so furchtbar. Daß es geradezu ein Verbrechen wäre, am Kaiser und am deutschen Vvlke, wenn man noch versuchen wollte, zu beschönigen, zu verwischen und zu vertuschen, wo Doch nur die nackte Wahrheit allein heiham ist. Aus Stabt und Land. (Siegen, 13. November 1908. Aus der Sitzung der Stadtverordneten. Die gestrige Sitzung unserer Stadtväter wies hin- sichtlick) des Besuches manche Lucken auf, was wohl Darin seinen Grund hatte, daß eigentlich wichtige Fragen, namentlich solche, die zu wesentlichen Meinungsverschiedenheiten führen konnten, überhaupt nicht auf der Tagesordnung standen. Friedlich, wie die Sitzung mit der Auslosung von Schuldverschreibungen anfing, ging sie auch zu Ende und als ein Ausfluß dieser friedlichen, teilweise recht gemütlichen und heiteren Stimmung ist es wohl anzusehen, daß der Redestrom in breiter Behaglichkeit dahmfloß und alle möglichen Gegenstände mit in den Kreis der Beratungen in Edur, — die erst im Jahre 1814 komponierte vierte der Leonoren-Ouvertüren, — für uns eine unversiegbare Quelle reinen Genusses, zugleich aber ein ehrfurchtgebietendes Beispiel eisernen Fleißes und nie erlahmender Arbeitskraft des genialen Tonsetzers Beethoven! • — Jo Hannes Trojan schreibt dem Berl. Tagbl. in Ieiner humoristischen Art folgende Berichtigung, die den greifen Poeten wieder einmal so recht kennzeichnet: „In der vorigen Woche wurde im „B. T." über mein Ergehen berichtet uno dabei gesägt, mir wären zwei Zehen amputiert worden. Dem ist nicht >o. Don Amputation zweier Zehen konnte gar nicht die Rede sein, weil die sämtlichen Zehen des Fußes auf dem Bahnhof von Storkow liegen blieben. Tie Hälfte des Fußes uno etwas Darüber noch war aogeauetscht. Als ich auf dem Bahnsteig liegend, mir den Stumpf mit dem Auge des ehemaligen Mediziners ansah, sagte ich mir, daß es eine sehr schwere Verletzung sei. Die nicht leicht zu heilen sein werde. So war es denn auch. Ich liege hier feit Dem 6. August, und Die Heilung ist noch nicht vollendet. Ist alles geheilr, Dann muß ich, um auf die Beine zu kommen, mit dem verkürzten Fuß gehen lernen, wozu ein eigenes, dazu eingerichtetes Schuhwerk gehört." — Tie Operation Des Verbrechens. Aus New- Aork wird berichtet: Tem Dekan des Hahnemann Medical College in Philadelphia, Dr. Northrop, ist es gelungen, durch eine Gehirnoperation einen Gewohnheitsverbrecher zu heilen. Es handelt sich um einen einst angesehenen Bürger, der im Jabre 1891 durch einen herah sollenden Balken am Kopfe verletzt wurde und von diesem Tage an die typischen Degenerationsmerkmale des Verbrechers zeigt. Er begann zu trinken, er stahl und wurde schließlich wegen eines Diebstahls von 16 000 Mark entlassen. Im Januar 1907 nahm Dr. Northrups mit ihm seine Gchirnoperation vor. Er sand, daß Die harte Hirnhaut mit der Schädeldecke verwachsen war; die Membrane waren zu einer festen Masse zusammengeschmolzen. Nach der Gene,ung waren Die verbrecherischen Neigungen des Operierten verschwunden. Er ist heute Abstinenzler, hat seine alte Stellung wieder angetreten und durch rüchtige Leistungen auf Dem Gebiete der Industrie sogar öffentliche Auszeichnungen erworben. — Kleine Chronik aus Kunn und Wissenschaft. 255 000 Mark i ü r Rassaels ,M adonna mit Dem Kind e", das aus der berühmten Galerie des Kardinals Fesch, des Oheims Napoleons L stammt, wurden bei einer Auktion m Berlin erzielt. — Tas Befinden des Dichters F r L d e r i c M i st r a hat sich erheblich gebessert. — Sven Hedin ist iu Tokiol angekommen. gezogen wurden. Und da die Arbeit munter sortfließk, .wenn gute Reden sie begleiten — Stadtväter halten stets gute Reden — so war Die Sitzung trotz aller Gesprächigkeit früh zu Ende und alle Gegenstände der nicht allzu kleinen Tagesordnung konnten erledigt lüerDcn. Der wichtigste Beschluß, der gefaßt wurde, betraf die Waldschule. Da die hierfür in Aussicht genommenen Schulbaracken zu Ostern für neue Volksschulklassen Verwendung finden sollen, wurde die Angelegenheit einstweilen zurückgestellt; man will aber der Sache wieder näher treten, wenn das vierte Volksschulhaus, dessen Bauprogramm zurzeit ausgearbeitet wird, fertiggestellt ist. Bei der Gelegenheit wurde aus Stadt- verordnetenkreisen gerügt, daß in Der Volksschule an Der West-Anlage manche notwenDige Lehrmittel nicht vorhanDen sind, dagegen andere, sehr leicht entbehrliche oder gar unnötige, wie z. B. eine Karte über die Stellung der Deutschen und Franzosen am 2. Sept. 1870 und eine Karte der Völkerwanderung, in letzter Zeit beschafft wurden. Ein sozusagen stehender Beratungsgegenstand, nämlich die .Verbreiterung der vorderen Tammstraße, wurde wiederum eingehend besprochen, da die recht hohen Forderungen der in Frage kommenden Hausbesitzer nunmehr Vorlagen. Danach würde Die Verbreiterung Der Straße allein für Grunderwerb 132 000 Mk. kosten. Hoffentlich gelingt eS Der Baudeputation, an die die Sache verwiesen wurde, günstigere Kaufangebote zu erzielen, darpit die an sich gewiß wünschenswerte Verbreiterung ausgeführt werden kann. Auch ein anderes Schmerzenskind, die Nord-Anlage, beschäftigte zuguterletzt die Versammlung, und es ist nur zu wünschen, daß infolge der Debatte hierüber die Beseitigung des jetzigen unwürdigen Zustandes endlich erreicht wird. • ** Der Verkaufstag Der Großherzogin. Auf dem am morgigen Samstag um 3 Uhr nachmittags beginnenden Vertaufstage I. K. H. Der Großherzogin zum Bestenarmerlungenkrankerundtuberkulöser Personen (Eintritt 1 Mark) werden an 10 Verkaufsständen unter anderem zum Verkauf geboten: Eine reiche Auswahl von Ansichtspostkarten (zum Teil mit bisher unveröffentlichten Ausnahmen des Großberzogs, der Großherzogin, des Srbgroßherzogs, sowie oer Schwestern des Großyerzogs mit ihren Familien), ferner Gebrauchs- und Toilettengegenstände aller Art, Puppen, Kinderpielzeug, Erzeugnisse Der russischen kunstgewerblichen Industrie (Geschenke I. M. der Kaiserin von Rußland) und die verschiedensten sonstigen Gegenstände, die zu % von den Inhaberinnen der Siände selbst angefertigt, gearbeitet oder ausge- üattet find. Die Preise gehen von 20 Ag. auswärts. Außer- oem werden Lebens- und Genußmittet in hübscher Verpackung zum Mitnehmen feilgeboten. Einer der größeren Räume ist als Er.riichungsraiim ausgestattet, wo Tee, Gebäck, Kuchen, Butterbrote und Champagner zu haben find. Hier kann mau sich auch an kleinen Tischen niederlassen, während von Der Galerie ein Streichquartett dazu au,spielt. Tes weiteren ist eine Vietliebchenbude vorhanden. Hier gewinnt jeder glückliche Käufer einer Doppetmandel einen geschmackvollen Preis. Tie Inhaberinnen der Verkaufs- ,lande find, wie bekannt, I. K. H. die Großberzogin und die Gemahlinnen der Hofchargen, welche in inrer Ausgabe von einer größeren Zahl junger Damen und Herren unterstützt werden. Am Stand Der Groß Herzog in werden unter anderen zur Seite der Großh. Herrschaften verkaufen: Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen, Prinzessin Ludwig von Battenberg mit ihrer Tochter, der Prinzessin Luise, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Prinz und Prinzessin Franz Josef von Battenberg, Fürst und Fürstin Lich, rZürst und Fürstin Jsenburg-Birstein, Prinz und Prinzessin Leopold von Jsenburg-Birstein und die beiden Prinzessinnen zu Solms-Braunsels. Tie Stände sind nach Farben verteilt (blau, gelb, rot, grün); einige Räume sind diesen Farben entsprechend, andere mit Teppichen und Wandgobelins durch hie.ige erste Firmen dekoriert. Grüne Girlanden, Strauchgewächse und Epheu-Ranken schmücken die Galerien und Fensternischen. Im Eingangszimmer, in dem Garderobe abgegeben werden lann, beendet sich ein Packstand, an welchem |iüi die Besucher ihre Einkäufe verpacken und adressieren lassen können; auf Wunsch werden Die eingekauften Gegen- ftänDe im Schloß aufbewahrt und können am nächsten Morgen abgeholt werden. Die Einrichtung Der elektrischen Beleuchtung für sämtliche Räume ist durch das städtische Elektrizitätswerk erfolgt; in danlenswerter Weise hat hierzu Die StaDt Dann stabt den größeren Teil der stojten übernommen. Der Zugang zu den Räumen des Verraufstages befindet sich neben der Schloßwache und geht über Die Treppe zur Hofbibliothek. Weitgehende Vorsorge gegen Feuersgesahr ^Notausgänge ufw.) ist getroffen. Der Ver- raufstag soll pünktlich um 9 Uhr abends schließen. ** Staatliche Medizinalkasse. Durch Entschließung des Ministeriums des Innern wurde der ständige Hilfsarbeiter in diesem Atimsterium, NegierungSrat Graes, zum Voc- sitzenden des VerwallungsratS der Fürforgekasse für Beamte und Bedienstete der Landgemeinden und Kommunaloerbande, durch Entschließung des RtimsteriumS der Finanzen wurde der Sekretär der Landeskommisston für Steuersachen, Fmanz- amlmann Kuhn, zum weiteren Mitglied und stellvertretenden Vorsitzenden des VerioallungSrates nebenamtlich ernannt. *• Lehrerperfonallen. Uebertragcn wurde dem Lehrer Gg. Wagner zu Wahlen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Roßdorf. " Das Eh rcnzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung Sr. Kgl. Hoh. des Groß Herzogs dem Wllh^ Hars und Abraham Münz, beide in Büdingen. ** KrcislchrerbibIio'thck. Tie weitere Ausgestaltung der Kreislehrerbibliothek wurde auf der letzten Lehrerkonferenz eingehend besprochen und bestimmt, daß von jetzt ab die Bücher ut einzelnen Orten zirkulieren und unter den Lehrern wechseln sollen. Wertvolle und lesenswerte Werke auf dem Büchermarkt sollen auf diese Weise jedem Lehrer zugängig gemacht werden. Zwecks einheitlichen Ausbaues der Bücherei soll ein Katalog hergestellt werden. Die Versammlung beauftragt den Vorsitzenden, Schulrat Kleinschmidt, die Sache mit der Kreisschul- kommission zu regeln. Geheimerat Dr. Breidert machte auf das neue Werk von Sohnrey: ..Wegweiser für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpsleae" aufmerksam. Eine gemeinsame Beschaffung für die Volksbibliotheken der Orte des Kreises wurden angeregt. Der Vorsitzende des Lehrervereins Gießen-Land, Weil-Wieseck, teilt mit, daß der Verein seit einigen Tagen dem Verein sür Verbreitung von Volksbildung beigetreten ist und Dort dem Verein eine Wanderbibliothek beziehen will. "Konzertverein. Die Besucher des Konzertvereins wachen wir darauf aufmerksam, daß das Konzert am Sonntag, 15. November, nicht, wie sonst üblich, 51/« Uhr, sondern pünktlich 5 Uhr beginnt, mit Rücksicht auf die Abend- Vorstellung des Theaters. Ein rechtzeitiges Erscheinen ist daher dringend erwünscht! Die öffentliche Haupt- probe (Preis 1,50 Mk., für Mitglieder 1 Mk., für Schüler 0,50 Mk.) findet 11 Uhr vormittags im Stadttheater statt. Kleine Partiturausgaben und Musikführer zur Symphonie, zu dec Ouvertüre und dem Brahms'schen Violinkonzert sind in der Musikalienhandlung Ernst Challier zu haben. " Stadttheater. Die französische Gesellschaft des Mr. A. Roubeaud, die am nächsten Montag, den 16. November, hier mit Moliöres „malad© imaginaire“ gastieren wird, erzielte überall auf ihrer Gastspielreise außerordentlichen Erfolg. Dies wird uns auch aus Bonn gemeldet, wo die Schwester des Kaisers, die Prinzessin Schanm- burg-Lippe mit Gefolge der Vorstellung beiwohnte. — Für die Vorstellung des Ensembles, die am 24 November in Dresden stattfindet, ist der Besuch dcS Königs von Sachs^i angesagt. " Der Turnverein veranstaltet morgen SamS- kag sein herkömmliches Winterfest, für das ein recht reichhaltiges Programm ausgestellt ist. Reben turnerischen Darbietungen, bei denen auch die Damen- und die Männer- Abteilung beteiligt sind und für die tetlweise neue interessante Hebungen vorgesehen sind, giebt es Theater, Liedervorlrägc deS Sängerchors und Konzert. Den Schloß bildet der übliche Turnerball, so daß Jung und Alt bei diesem beliebten Hauptfest des Turnvereins auf ihre Rechnung kommen werben. * Eine Ente. Durch die Presse geht seit einigen Tagen unter der Spitzmarte „Eine deutsche Prinzessin in Amerika" ein Artikel, wonach die Tochter des Fürsten zu Asenburg und Büdingen, die Prinzessin Maria zu Pfeuburg und Büdingen in Wächtersbach sich mit Herrn Admor Robinson verlobt haben soll. Wie der „Darmst. Ztg." mitgeteilt w-ird, ist an diesem Artikel kein wahres Wort. -r. Leihgestern, 11. Nov. Die Leitung des Wetterau- Lahngau - Sängerbundes hielt dieser Tage int Gasthaus zur Krone eine Sitzung ab. Der Vorsitzende Lehrer Buß (Leih- gestern) stellte die befriedigende Tatsache fest, daß alle Bundesvereine vertreten waren. Die „Eintracht Leihgestern stimmte hierauf das Mozartsche Bundeslied an und verschönte die Zusammenkunft auch weiter mit vorzüglichen Gesangsvorträgen. Da sich kein Verein zur Uebernahme des Bundes-Wettstreits gemeldet hatte, wurde beschlossen, den Meldetermin bis Weihnachten zu verschieben und gleichzeitig den Vereinen die Meldung zur Uebernahme eines Bundes^Waldfestes anheimzustelleit. Falls kein Verein den Wettstreit übernehmen will, soll das Bundesfest in Form eines Konzertes mit geselligem Zusammensein int Freien gefeiert werden. Allgemein herrschte mehr Stimmung sür Abhaltung des Festes in der zuletzt genannten Art, wie sür Veranstaltung eines Konkurrenzsingens. Bemerkenswert ist hierbei, daß auch die verschiedenen Bundesvereine, die in der letzten Zeit mehrfach preisgekrönt wurden, die allgemeine Wettstteitsmüdigkeit teilten, obgleich es sich hier ja um ein Wettsingen innerhalb des Bundes handelt. Man darf hieraus schließen, daß das Wettstreitwesen als solches in unserer Gegend seine Mission erfüllt hat und nun für die Vereine eine Zeit ruhiger Arbeit beginnt, gegenüber dem entarteten Gesangs-„S p o r t" der letzten Jahre. Sache der Sängerbünde muß es sein, den Vereinen Ansporn und wirklich erstrebenswerte Ziele zu geben. Da aber ein Preis im bisherigen Sinne, und sei es auch der schönste „Humpen", kein erstrebenswertes Objekt für die Bemühungen langer Wochen, Monate, ja Jahre bildet (wo der Zufall ost oder sogar meist maßgebender Faktor ist, scheidet der Begriff „Ehre" von selbst aus- darüber sind sich die Sänger anscheinend nunmehr klar geworden. Bei her Wahl der Massenchöre für kommendes Jahr schlug der Bundesdirigent Musiklehrer Gernhardt (Gießen) vor, zunächst nochmals „Bundeslied von Mozart" und „Jäger Abschied" aus dem letzten Programme zu übernehmen und hierzu zwei neue hinzuzuwählen. Als geeignet hierfür erklärte er einen im Manuskript vorliegenden Chor „Daheim" von Leopold Geller (Gießen'», sowie „Krieger-Abschied" von Glück. Der Bundesvorsitzende schlägt vor, diesem Antrag im wesentlichen zuzustimmen, da aber der letztgenannte Chor bereits durch Bundesmittel für die Vereine an- geschafst werden soll, um ihn denselben zur Einstudierung zu empfehlen (der Chor ist dem Bunde gewidmet), so wäre er von den zwei neuanzuschaffenden auszuschalten, wodurch sich eine willkommene Gelegenheit finde, einen Chor des Bundesdirigenten zur Ausführung zu bringen. Nach einer weiteren Beratung, die sich auf das Bundesorgan, sowie auf die offizielle Mitteilung des Beitritts zum „Mitteldeutschen Sängerbund^ und dergleichen mehr bezog, schloß der Vorsitzende die Tagung mit einem Hoch auf den deutschen Männergesang und das deutsche Lied. Der Rest des Nachmittags wurde dann der Geselligkeit gewidmet. k. G r o ß e n - L i n d e n , 10. Nov. Ein seltener Genuß wurde itnS am letzten Sonntag durch die Abhaltung eines Kirchenkonzerts bereitet. Das Konzert war veranstaltet von dem Organisten P. von der Au zu Gustavsburg unter Mitwirkung der Herren Otto Weinmann aus Mainz (Violine) und Ernst, Becker zu Darmstadt (Cello). Die Darbietungen bewegten sich im Rahmen unserer Klassiker und enthielt das Programm außer Bach, Händel, Beethoven, Mozart, Mendelsohn auch die weniger oft gehörten aber entschieden sehr hörenswerten Tonsetzer Dancla (mit seinem ausgezeichneten Trio für Orgel, Violine und Cellos Elgard, Bar narb, Callaerts (Orgel-Toecata) u. a. m., die den oben angedeuteten. Rahmen in vorzüglichster Weise inne- halten, welch letzterer Umstand eingedenk der Tatsache, daß auch die Kirchenmusik bisweilen (man begegnet sogar der Meinung „sehr ost") Werke geringeren künstlerychen Wertes bringt, besondere Erwähnung.verdient. Tie trefflichen Darbietungen hatten einen noch weit besseren Besuch verdient. Nachmittags fand das gleiche Konzert in der Kirche zu Leihgestern statt, das einen ebenso fdjönen Verlauf nahm. -m. Ober-Wöll st adt, 12. Nov. Hier wurden in der vergangenen Nacht in 3 Hofreiten 2 0 g e ni ä st e t e Gänse vermittels Einbruchs gestohlen. Ter oder die Diebe müssen lotälkundig und gleichzeitig Spezialisten in ihrem Fach gewesen sein. Die letztere Annahme geht daraus hervor, daß die Tat so leise ausgeführt wurde, daß niemand etwas merkte, selbst ein Hofhund meldete nichts. Von den Tätern fehlt jede Spur. — In Ockstadt wurden dem Landwirt Jean Gröninger in derselben Nacht seine sämtlichen Kühe gemolken, nachdein vorher der Hofhund vergiftet rourbe. Man bringt beide Diebstähle in Verbindiing. R. B. Darmstadt, 12. Nov. Verhaftet wurde in Neiv-Pork der frühere Bierbraiiereibefitzer Jean Gehrig aus Bensheim, der nach Unterschlagungen in Höhe von 10 000 Mark flüchtig ging. X. Offenbach a. M., 12. Nov. Ein Schmerzenskind für die hiesigen Verkehrsverhältnisse ist die Lage des Ha up t b a h n h o f s. In einer vor etwa 6 Monaten abgehaltenen Sitzung der Handelskammer Osfenbach wurde bereits eine Eingabe an die Eisenbahnverwaltung be- schlosjen, die eine Verlegung des Hauptbahnhvfs ettva 1000 Meter nach Süden zu befürwortete und dabei gleichzeitig die Beseitigung aller Mvcauübergänge forderte. Heute lag nun der StÄrtverordnetenversammlung ein Antrag des Dauausschusses vor, der dahin ging, die Eisenbahnverwaltung um Mitteilung zu ersuchen, was sie zur Beseitigung der unhaltbaren Zu'tände bezüglich des Hauptbahnhofs zu tun gedenke. Dieser Antrag wurde abaelehnt und dafür ein Antrag angenommen, der die Eisenbahnverwaltung dringend ersucht, eine Verlegung des Hauptbahnhofs etwa 1000 Meter weiter nach^Süden in die Wege zu leiten. Die Debatte war lebhaft und eingehend, da auch Meinungen geltend gemacht wurden sür ein Verbleiben des Bahnhofs an der jetzigen Stelle mit Höherlegung des Bahndammes. 8 Marburg, 12. Nov. Es ist bestimmt Hoffnung vorhanden, daß die Frage des Weiterbeslehens des hiesigen zahnärztlichen Universitäts-Instituts in einer für die Stadt und Universität wünschens werten Weise geregelt wird. — Die gesamte Marburger Studentenschaft bringt heute Abend dem vorjährigen Rektor der Universität, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Tuczek einen Fackelzug. In ihm wirken 8 Musikkorps mit. w. Schlüchtern, 12. Nov. Nach vorausgegangenem Wirtshausstreit tuurbe der Schiffsschaukelbesitzerssohn Jak. Käst en st ein von bem Arbeiter Weinert auf offener Straße erstochen. Der Täter würbe verhaftet. W Frankfurt a. 9)1, 15. Nov. Bei den gestrigen Stab tvero rbnetenwa hlen siegten in zwei Bezirken die Kanbidaten der vereinigten Demokraten unb Liberalen, in zwei Bezirken (Bockenheim und 9heberrob) die Kandidaten der Sozialdemokraten. In fünf Bezirken ist Stichwahl erforderlich und zwar in einem Bezirke zwischen Liberalen und Mittelstänblern, in den übrigen zwischen den Liberalen unb den Sozialdemokraten. ___________________________________ Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, 12. November. Anwesend: Oberbürgermeister Mecum: die Beigeordneten Keller, Georgi, Heyligenstaedt; die Stadtverordneten Brück, Dr. Ebel, Eichenauer, Emmelius, Faber, Habenicht, Heichelheim, Helm, Huhn, Jann, Jughardt, Krumm, Leib, Löber, Loos, Petri, Plank, Schafsstaedt, Dr. Wimmenaner, Winn. Mitteilungen. Ter Verkehrsverein hat seinen Tank für die lieber- lassnng des Platzes am Bahnhof, auf dem der Orientierungsplan von Gießen aufgestellt wurde, ausgesprochen. Der Vorsitzende gibt seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Plan in so schöner unb Übersielstiger Weise ausgeführt wurde, so daß er feinem' Zweck vollauf entspreche. Die Waldschule und andere Schulfragen. Der Vorsitzende führt ans, er habe seit Jahren daran gedacht, eine Einrichtung zu treffen, daß kränkliche Schulkinder in den Sommermonaten entweder den ganzen Tag oder aber mindestens an den Nachmittagen int Freien sich aufhalten könnten, um dort unterrichtet zu werden ober wenigstens ihre Aufgaben zu machen usw. Im Frühjahr bestand bie Hoffnung, daß die drei vorhandenen Schulbaracken für diesen Zweck verwendet und im Stadtwald nächst der Licher Straße aufgestellt werden könnten. Tie Versammlung war damit einverstanden unb bewilligte die Mittel, daß der für die Leitung in Aussicht genommene Lehrer ähnliche Anstalten besichtigen konnte. Der betr. Lehrer hat einen ausführlichen Bericht erstattet, der z. Zt. dem Schularzt vorliegt. Es hat sich nunmehr herausgestellt, daß zu^Ostern die Schulbaracken gebraucht werden, um die vermehrte Schülerzahl unterbringen zu können. Sie sollen ev. auf dem Schulgrundstück an der Schillersttaße Aufstellung finden. Für das in den nächsten Jahren nötig werdende 4. Volksschulhaus, das in der Gegend der Frankfurter Straße oder der Crednerstraße gebaut werden soll, wird z. Zt. ein umfassendes Bauprogramm aufgestellt. Die Frage der Waldschule soll vorläufig in der Schwee bleiben. Stadw. Jann bedauert, daß die Verhältnisse gegenlvärtig nicht gestatten, daß das Projett der Waldschule zur Ausführung gelangt. Es sei eine wichtige soziale Aufgabe, kränk- liche Kinder gesundheitlich und geistig so zu kräfttgen, daß sie später selbst ihren Unterhalt verdienen können und nicht der Allgemeinheit zur Last fallen. Er freue sich deshalb, daß das Projekt nicht entgiltig gefallen sein sollte. Stadtv. Eichenauer führt aus, die Lehrer der Bezirksschule an der West-Anlage führten darüber Klage, daß es an notwendigen Anschauungsmitteln fehle. Sie müßten von den anderen Schulen geholt werden, was zu Mißlichkeiten führen kann, namentlich wenn der Schuldiener dienstlich verhindert ist. Dagegen wurde in der letzten Zeit eine Landkarte für 29 Mk. ange- schast, in der die Stellung der deutschen und französischen Truppen am 2. September 1870 angegeben war, ebenso eine Karte der Völkerwanderung. Bei den Lehrern wurde über diese Anschaffungen lebhaft mit dem Kopf geschüttelt, denn solche Karten gehörten in eine Kriegs-, aber nicht in eine Volksschule. Man solle für die Volksschule einen Betrag bewilligen, damit die notwendigsten Lehrmittel angeschasft werden könnten. Der Vorsitzende teilt mit, daß sich die Lehrer zuirächst an die Hauptlehrer gewendet und beide Hauptlehrer erklärt hätten, daß ein Mangel an Lehrmitteln nicht vorhanden sei. Was etwa noch fehle, könne aus den lausenden Mitteln ergänzt werden. Die größeren Anschauungsmittel, die nicht ständig gebrauch werden, brauchten übrigens nicht in jedem Schulhaus vorhanden zu sein, man müsse für sie eine Zentralstelle schassen, von der sie entnommen werden könnten. Die beiden von Stadw. Eichenauer erwähnten Karten halte er auch für überflüssig, schon weil sic über das Verständnis der Kinder hinausgingen. Stadtv. Dr. Ebel bemcrlt, daß er die Sache bereits im Schulvorstand zur Sprache gebrackü habe. Abhilfe könne zum Teil durch Begründung eines Schulmuseums erfolgen, aber es eigne sich nicht für alle Sachen. Stadtv. Jann meint, es sei bei den Anschaffungen planlos vorgegangen worden. Er hätte gewünscht, daß man darüber in einer stonferenj beraten hätte. Auch ans anderen Gebieten sei ähnliches vorgekommen, so sei z. B. in der Turnhalle ein eisernes Reck, mit dem man nichts ansangen könne. Beig. Georgi hat ans dem hier Gehörten den Eindruck ge- ivomten, daß etwas nicht in Ordnung ist. Was an Lehrmitteln fehle, müsse angeschafft werden. Er hätte gewünscht, daß sich die Lehrer an den Schulvorstand gewendet hätten, aber er könne cd verstehen, daß sie sich an einzelne Stadtverordnete gewandt hätten, nachdem sie zunächst bei den Haupllehrern vorstellig geworden seien, aber nichts erreicht hätten. Stadw. K r u ni m meint, man solle im nächsten Etat Wittel für einen besonderen Hauptlehrer für die Schule an der West- Anlage einstellen. Der Vorsitzende meint, damit werde btc erst vor kurzem entschiedene Frage wieder ausgerollt, ob man das Rektor- oder das Hauvtlehrerchstem haben wolle. Mit der besprochenen Angelegenheit werde sich jetzt zunächst der Schulvorstand besassen. (Wie uns auf unsere Anfrage bei der Bürgermeisterei mir geteilt wurde, sind bei der Einrichtung der Bezirksschule für die Beschaffung von Lehrmitteln 1750 Mark einmalig bewilligt worden. Außerdem standen für Anschaffung von Lehrmitteln 2400 Mk. zur Verfügung, im ganzen sonach 4150 Mk. für das Jahr 1907/08. Tatsächlich verausgabt wurden über 4300 Mk. Im Voranschlag für 1908/09 sind für Beschaffung von Lehrmitteln 2950 Mk. und für die Fortbildungsschule weitere 150 Mk. vorgesehen. Red.» Aus eine Anfrage des Stadtv. Habenicht erllärt der Vor-, s i fee n b c noch, baß die Pläne für eine Zentralheizungsanlage im Schulhaus an der West-Anlage z. Zt. ausgearbeitet würden. Heber dem Kesselraum an der höheren Mädchenschule befindet sich der Physiksaal, der dadurch zu warm ist. „ Es soll eine Zwischendecke hergestellt werden, die dafür nötigen 650 Mk. können bem noch verfügbaren Baukredit entnommen werden. Die Versammlung ist damit einverstanden. Städtische Atbetten und Lieferungeu. * Im Hause Sonnenstraße 2 (ehemals Fcidelsch'es Haus) soll int Kellergeschoß eine Waschküche eingerichtet werden. Die dafür erforderlichen 130 Mk. werden bewilligt. Tas Haus Dammstraße 26, in bem sich eine Schuldienerwohnung befindet, erhält mit einem Kostenaufwand von 120 Mk. Gasleitung für Kvchzwecke, was bewilligt wird. Anlage-Fragen. Das durch das Zuschutten des Schoorgrabens an der Cfb» Anlage gewonnene Gelände soll nach einem früheren Beschluß an das Garnisonlazaret abgetreten werden. Es soll 15 Mk. für den Quadratmeter kosten und die Lazarettverwaltung will es mit Buschwerk bepflanzen. Stadtv. Krumm bittet, das Kaufgesuch abzulehnen. Man solle grilubsätzlich nichts von dem Gelände der Anlagen verkaufen. Die Militärverwaltung habe übrigens genug Platz für die Anlage eines Vorgartens unb wenn man ihr bas fragliche Gelände einräume, verleide man leicht den Spaziergängern ihre Erholung durch ben Anblick von Kranken. Der Vorsitzende meint, bie Abtretung solle hauptsächlich nur deshalb erfolgen, weil den Kranken sonst von der Anlage aus Schnaps usw. zugesteckt werben könne. Beig. Georgi betont, daß in der Bürgerschaft viele Stimmen gegen den Verlaus sich ausgesprochen hätten. Der Vorsitzende vemertt, durch ben Verkauf werde die Anlage nickst verkleinert. Im übrigen ist er auch dagegen, irgend etwas von der Anlage zu verkleinern. Nach weiterer Debatte, an der sich die Stadtvv. Winn, Schafsstaedt, Plank, Emmelius unb Dr. Ebel beteiligen, wird eine Loialbesichtigung beschlossen unb die eigentliche Beschlußfassung ausgesetzt. Stadtv. Löber bringt das schlechte Aussehen der Nord- Anlage zur Sprache. Tas Geld für ihre Instandsetzung sei bewilligt, aber es geschehe nichts. Ter Vorsitzende teilt hierzu mit, der Stadtgärtner wolle die Sache in Ordnung zu bringen, sowie die Jahreszeit dafür günstig sei. Jedenfalls werde die Arbeit bis nächsten Mai fertig sein. Beig. Georgi hat als Anwohner der Nord-Anlage es bisher vermieden, über die Sachte zu sprechen. Nachdem dies aber von anderer Seite geschehen sei, tönne er nur sagen, daß bis jetzt die Nord-Anlage stiefmütterlich behandelt worden sei. Jedenfalls solle der Oberbürgermeister einmal ein ernstliches Wort mit dem Stadtgärlner reden. Nachdem iwch Stadtv. Plank gerade bie jetzige Jahreszeit als günstig für Anpflanzungen bezeichnet hat, sagt ber Vorsitz e n b e energische Betreibung der Angelegenheit zu. Stadtv. EmmelinS ersucht um baldige Ausführung der vorgesehenen Bepflanzung der Wieseckböschung. Auch dies sagt ccr Vorsitzende zu. Es sei außerdem die Ersetzung ber jetzt die Mieseck aoschließenden Hecke durch eine andere Einfriedigung vorgesehen, worüber die Baudeputation z. Z. berate. ... Stadtv. Winn regt an, die ganze Anlage in ähnlicher Weise, wie dies beim Stadttheater geschelxn sei, mit englischem Pflaster zu versehen. > Der Vorsitzende bemerkt, e5 werde dies nach uni> nach geschehen, wenn der Etat Mittel für solche Sachen übrig lasse, llebrigens glaube er nicht, daß der nächste Etat günstig abschließen werde. Auch Beig. Georgi mahnt zu langsamem Vorgehen und bittet mit Ruaficist auf nie Finanzen um Zurullhaltung in Wünschen unb Anregungen. Die Dammstraße. Bezüglich der recht wünschenswerten Verbreiterung der vorderen Dammstraße war früher beschlossen worden, von den Besitzern der hierzu notwendigen Hosrciren Verkaufsangebote anzu- fordern. Ties ist geschehen und das Ergebnis liegt jetzt vor. Danach wird für die 6 .Hosreiten ein Gesamtbetrag von 132 000 Mk. verlangt. Es handelt sich im ganzen um 745 Quadratmeter, so daß der Quadratmeter durchschnittlich auf 177,18 Mk. käme. Tie einzelnen Forderungen schwanken zwischen 112 und 456 Mk. für den Quadratmeter. Unter diesen Umständen wirb von dec Batcheputarion beantragt, die Sache beruhen zu lassen. Es entspinnt sich darüber eine lebhafte Tebatte, in der die Stadtvv. Löber, Jughardt, Krumm, Huhn, Plank, Winn, Beig. Georgi, Stadtvv. Habenicht unb Schaffst a e d t sprechen. Es fommr dabei allseitig zum Ausdruck, daß bei der Höhe dieser Summe die Verbreiterung nicht möglich ist und bie Besitzer ihre Forderungen bedeutend ermäßigen müssen, wenit der Sache ernstlich nähergetreten werden soll. Schließlich wird die Angelegenheit an die Baudeputation zurück- I verwiesen. Für die von der Versammlung angeregte Polizeiverorbnung wegen des Fährverkehrs in der D amm str aße hat das Kreisamt einen, anderen Wortlaut als ursprünglich beschlossen war, gewünscht. Die Versammlung hat dagegen nichts einzu« wenden. Verschiedenes. Die St e nogr aphe ng ese 11schaft Gabelsberaet hat im vorigen Jahre einen Schulsaal für Unterrichtszwecke benutzt, wofür für den Abend 1.50 Mk. Miete zu entridjten waren (1 Mk. Miete einschl. Heizung und Beleuchtung, 50 Pfg. Vergütung an den Sckmldiener für die Reinigung). Die Gesell- jd>aft ersucht nun mit Rücksicht auf das entstandene Defiztt bet dem Kurs um Erlaß ober wenigstens Ermäßigung des 42 Mk. hohen Mietvertrags. Die Versammlung lehnt ans prinzipiellen Gründen das Gesuch ab. Dem Gabelsberger Stenographenverein wird ein Unterrichtsraum in bem Schulhaus an der Schillerstraße gegen eine Vergütung von 1.50 Mk. für den Abend überlassen. Dem Kron bauer scheu Quartettverein wird die Turnhalle der höheren Mädchenschule für etwa 6 Abende ein» geräumt, mit Rücksicht auf die gemeinnützigen Bestrebungen des Vereins unentgeltlich. Die ftühcre Pumpstation ber Bahn an der Lahn wurde zu einer Beamtenwohnung eingeridstet, deren Inhaber gezwungen ist, beim Wasserholen ein städtisches Grundstück zu betreten. Ties wird gegen Zahlung von jährlich einer Mark Anerkennungsgebühr gestattet. Am Riegelpsad find 5 Laternen neu aufgestellt worden, dch auf dem Gelände der Bahnverwaltung stehen. Hierüber wurde em Vertrag abgeschlossen, der eine Anerkennungsgebühr von 1 Mk. jährlich Vorsicht. Tie Bersammlunq ist damit einverstanden. Für das K i e f e r n n u tz h o l z hat sür 1908/09 das Gießener Braunsteinbergwert das Höchstgebot mit 13.50 Mk. für den 3e|t> meter cingereicht, womit die Versammlung ihr Einverständmq erklärt. ... _ Tie Verlagsbuchhandlung Roth hat die zum UniversitätsfesL erschienenen Wegweiser dnrck) Gießen der Htadt zum Kauf am fretotert und zwar 100 Sfiick zu 60 MI., während bet Ueberstayme x . <_ _ Af.. rt « 1 AA 4-t» J T-x A Ql) W Ja ortf Tage ist, Sinh daß die vorgeschriebene Wasser-Rieselung stets mangelhaft fei, weshalb durch den trockenen Kohlenstaub leicht Dormittags um M Uhr: Heil. Messe »sit Predigt.^ Nachmittags um <7 trin-: Christenlehre; darauf Sakra,nentalische Giessen, Ludwigstrasse 41, den 12. November 1908. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 15. November 1908, vorm. 12 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt., Kondolenzbesuche dankend verbeten. D °n >. >. WWW ■ X. 51) Psg., an Sonn- und ,yeie,tagcn 20 Pfg. B“/, Die Kameraden, welche sich an dem am Samstag, den 66U3 Das Kommando ' * k- S.1. KGlijöh}-,. o... Gottesdienst. Burkhardsfelden, am 12 November 1908. Grossh. Bürgermeisterei Burkhardsfelden Hoffmann. GLehen, den 10. November 1908. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießest. M ec u m. OriginaL-Draytmeldunsen. Düsseldorf, 13. Nov. Die liberale Vereinigung hat für die auf der Zeche „Radbod" Verunglückten 2000 Mark gezeichnet. Wien, 13. Nov. Zm Stande der Kabinettsbildung ist noch keine Besserung zu verzeichnen. Freih. v. Bie- nerth wird heute einen letzten Versuch unternehmen, um eine Annäherung der uerfchiedencn weitauseinandergehenden Forderungen herbeizuiühren. Gelingt dies nicht, dann wird ein Ba- amtcnministerium ernannt und mit § 14 regiert werden. Rom, 13. Nov. Der König von Griechenland trifft am 23. d. Mts. hier ein, um dem König Viktor Emairuel einen Besuch abzustatten und ihm für seine Untersürtzung in der Kreta* rage zu danken. Paris, 13. Nov. Hier trägt man sich mit dem Gedanken einer 5Millionen-Lotterie um einen Fonds für eine nationale Luftschifferflotte zu legen. Paris, 13. Nov. „Petit Parisien" veröffentlicht einen Beileid sartikelfürdiewe st fälischcnGruben-Arbeiter, die von einer neuen Katastrophe heimgesucht worden sind. Das Blatt erinnert an die Mitwirkung westfälischer Grubenarbeiter bei der Katastrophe von Courrieres und erklärt, Frankreich werde dies nie vergessen. London, 13. Nov. „Daily News" berichtet, daß ein bewaffneter Aufruhr in Epirus organisiert worden war. Der griechische Konsul in Janina hätte diese Aktion zugunsten des Anschlusses an Griechenland eingeleitet. Jungtürken entdeckten das Komplott und beschlagnahmten zahlreiche kompromittierende Dokumente. Die Hauptbeteckigten wurden verhaftet. _________________ 14. Nov. staitfindenden 30 jährigen Stiftungsfest der Fre,w. Feuerwehr Heuchelheim beteiligen, werden hierdurch benachrichtigt, dab die Abfahrt um 7‘/2 Uhr mit der Bieberthal, bahn stattfindet. V* das neue / f auf elektrischem Wege hergestellte Eisenpräparat,ein von ärztlichen Autoritäten glänzend begutachtetes sollen. Die Fmanzdeputatton beantragte die 210nähme von luu Stück, um sie bei Kongressen usw. den Teilnehmern zu geben. Stadtv. Helm teilt mit, dass der Verkehrsverein seinerzeit 200 Stück übernommen habe, von denen jetzt 50 Stück an wegen ev. Zuzugs Anfragenden abgegeben hat. Auf Vorschlag des Beig. Georgi wird des'halb von einem Ankauf abgesehen, da ev. vom Verkehrsverein Exemplare übernommen werden sollen. Dem Frickhofsauffeher Sier wird wie dem anderen Friedhofsaufseher an jedem dritten Sonntag ein dienstfreier Nachmittag eingeräumt. Zu der vom Staate gegründeten Medizinalkasse für staatliche und kommunale Beamte haben sich 38 städtische Beamte gemeldet, wofür ev. ein Zuschuß aus der Stadtkasse zu leisten ist, der sich für jedes Mttglied auf höchstens 3—4 Mk. jährlich stellt. Die Versammlung ist damit einverstanden. ’ Stadtv. Winn rügt, daß in der Adoltlestraße das Pflaster an der Brücke kurz nach der Herstellung wieder aufgerissen wurde. 2er Vorsitzende teilt mit, daß das Tiefbauamt geglaubt habe, die alte Asphaltierung zunächst durch Ausbesserung noch erholten zu Eonnen. Es sei nur für einen Anschluss ein Ausbruch erfolgt, der 10 Mk. gekostet Hal e. Es werde dafür Sorge getragen, dass solche Dingo nicht borLimen. Bei Bleichsucht Blutarmut Appetitlosigkeit Nervosität gebrauche man der a Kren Beschiß ® 'oll 15 Haltung ivA y Ulehnen. Mm nlagen verlausen. für die An. irogliche Gelände :tn lhre Erholunz I solle haMäch. anst ton der S5n> »ft viele Stimmen KiKuf toetbe dir H dagegen, irgend Stadtvv. Sinn d Dr. Ebel bc> 1 und die eigent» ssehen der Dtafr landsetzung sei bc- Äadtgoctner wolle Jahre^eit dafür Men Mai ierli; ird-Anlage es biL Nachdem dies 0K1 sagen, daß bis jesi en sei. Zedenfa!!; hes Won mit der - jetzige Jahreszeit r, sagt der Avr- Seit »u. SussührW btt £5 jriaprta m Mk darin eine : SautWton > in ähMr Wi glischem Bob S >ics nach und mch fachen übrig W ; günstig abschliM iem Vorgehen und allhaltung m 8«» BckannLMachung. Der Bebauungsplan für die Erschliessung des Hamm ist sestgestelll und kann von Jedermann ans unserem ^.iefbauamte ein- Qcfcuci^ujexben^ Bebauungsplan ist folgende Ortsbausatzung erlassen worden. (Sieben, den 10. November 1908. . Grossherzogliche Bürgermeisterei Giessen. Mecum. Bekauntmachttttg. Der Voranschlag der Gemeinde Burkhardsfelden für 1909 liegt vom 14. November 1908 ab acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf hiesiger Bürgermeisterei offen. Statt besonderer Anzeige. Es hat Gott gefallen, meine innigstgeliebte Frau, unsere treue, unvergessliche Mutter Betntttttttmchrmg. Die Lieferung der an den hiesigen Volksschulen bei Verabreichung des warmen Frühstücks und in den Horten benötigten Tcigicher sost vom 1. Dezember 1908 ab neu vergeben werden. Angcbotssormulare und Lieferungsbedingungen sind aut unserem Sekreiarial — Zimmer 15 — erhältlich. Tie Angebote sind mit der Ausschrist „Angebote auf Vrödchen- liefcrung" zu versehen und btö Mittwoch den 18. dS. Mts., nachmittags 4 Ubr bei uns cinzurcichcn. Giessen, den 11. "November 1908. (Bu/n Grossherzogliche Bürgermeisterei Giessen. 9)2 e c u m. Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, dab unser liebes Töchterchen und Enkelchen Louise Scheibe im Alter von 3V, Jahren saust entschlafen ist. (09444 Familie Scheibe Familie Heck. Giessen (Asterweg 46), den 12. Nov. 1908. in ihrem 64. Lebensjahre heute nachmittag 41/., Uhr durch einen sanften Tod zu sich abzurufen. Friedrich Emil Bernhard, Rechnungsrat Laura Bernhard Robert Bernhard. Samstag den 14. November: Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 15. Nov., 27. Sonntag nach Pfingsten: Vormittags von 6‘/„ Uhr an: Gelegenheit zur Ijeil. Beicht. „ um 7 Uhr: Tie erste heil. Messe. v um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Weiterung der w? irben, von den »- kauisangebote »nis liegt betragen » 745 £uabrannac 177,18« 1112 und 4o6 nben wird ton» ;u lassen. „. Mt mW.; ’ ermäWn * [e PMidero^ V2,tyLU|lUUCll KLIUiyCH LViuit.li. XVULIVI-Iyunu. x/viLiiiuiiv iuvlu mitgeteilt, daß von 380 Eingefahrenen bisher 36 Leichen und 35 SÄververlctzte zu Tage gefördert worden sind. Die Aus- ickst aus Rettung einer nennenslverten Zahl ist ausgeschloffen. Der Kaiser richtete an den Bürgermeister Krämer ein Telegramm, in dem er seine Teilnahme an dem schweren Unglück ausspricht. Die Zentrumsfraktion des Reichstags bat folgende Interpellation eingebrackst: Ist der Reichskanzler in der Lage und bereit, über die Ursachen des Grubenunglücks auf der Zeche Radbod in Westfalen in der Nacht vom 11. zum 12. November 1908 Auskunft zu geben ? Süid insbesondere auf Grund der Erfahrungen bei den Grubenunglücksfällen in den letzten Jahren genügenbe Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung von Schlagwettern und Kohlenstauberplosionen in Bergwerken getroffen? Welche Maßnahmen sind beabsichtigt, um in Zukunft solche Katastrophen zu verhüten? Ortsbausatzung. Aus Grund der Artikel 2 und 20 des Gesetzes vom 30. Avril 1881, die allgemeine Bauordnung betreffend und der 5—7, 8 u. 9 üer Verordnung vom 1. Februar 1882, die Ausführung der allgemeinen Bauordnung betrefsend, wird auf Beschluss der Stadiver- ordneten-Versamiiilüng unter Zustimmung des-streisausschusseS und mit Genehmigung Grossherzoglichen Min.sieriums des Innern vom 4. September 1908 zu Nr. M. d. F. 14925 zu Cent Bebauungsplan für die Erschliessung des Haumt folgende Ortsbausatzung crlaiien. § 1. Abweichend von den Vorfchristen in den §§ 7 u. 8 des Ortsbaustatuts wird bestimmt, bay an öcu bei B und C in südwestlicher Rwnung abzweigenden Strassen nur die Eckgrundstücke bebaut weroeil dunen. — Art. 20 A. B. O. — § 2. Die Bebauung dieser Eckgrundstücke ist nur auf eine Tiefe von 20 von der Slrassenstuchtttnie der Strasse A—C aus gerechnet, gestattet. 8 o. Auf diesen Eckgrundstücken dürfen Gebäude, die ihren Ausgang nach den bet B und C abzweigenden ^Strassen haben, nicht eher errichtet werden, als bis biete für den öffentlichen Verkehr und den Anbau fertig hergeitellt und eröffnet sind. >«! Di- *; ßÄ •tDe fiW'S btt MB Lin furchtbares Grubenunglück. Wie bereits telegraphisch gemeldet, hat sich gestern Nacht auf der Zeche Radbod, eine Stunde von Hamm in Westfalen entfernt, eine furchtbare Explosion ereignet, und zwar auf der dritten Sohle des Schachtes. Von den 355 Mann, die zurzeit des Unglückes in der Grube waren, haben sich nur wenige retten können. Nach den neuesten Mitteilungen sind 40 Tote und 35 schwer Verletzte geborgen worden. Von den letzteren sind drei gestorben. Die Leichen sind alle schwarz und gräßlich verbrannt. Aus allen Gegenden des Industriegebietes treffen Nettungsmannsckfaften ein, stehen aber untätig am Schachteingang, da sie wegen des Feuers nickst einfahren können. Die Spitzen der Behörden sowie die Tirek- toren der benachbarten Sckfäckste sind am Orte der Katastrophe versammelt, die von Tausenden von Menschen umlagert wird. Aus Dortmund traf Berghauptmann von Liebrecht sowie der Re- vier-Bergbeamte Krämer ein. Die Katastrophe ist die schwerste, die jemals das Industriegebiet heim- gesucht hat. Während das letzte Unglück hundert Mensckstn forderte, ist diesmal die Anzahl der Opfer sicher auf mindestens 20 0 anzunehmen. Nach Ansicht der Berg- Verwaltung wird Niemand mehr lebend geborgen werden können. Man ist zurzeit eifrig bemüht, die Brände zu lösckien. Auf die Belvohner bat das Unglück einen niederschmetternden Eindrua gemacht. Fast jedes Haus der gesamten Gebäude der Zeche bat einen ober mehrere Tote zu beklagen. Zn den einzelnen Gemeinden wurde das Unglück erst um die Mittagftnnde bekannt, als die Leute nickst von der Zeche heimkehrten. Tausende von Aienschen, huirderte von Fuhrwerken, Automobilen und Radfahrern befinden sich auf dem Wege von und zur Zeche. Bor dem Zechentor und dem Zechenplatz drängt sich die Menschenmenge und verlangt Auskunft über das Schicksal der Anverwandten. Es ist unmöglich, weiter in die Grube zu gelangen, bevor das Feuer gelöscht ift Der ganze Süden steht in Flammen. Es sind viele Brandherde vorhanden. Man versucht nun, von Norden in die Grube einzudringen, um das Feuer durch Abmauern zu ersticken. Die Rettungsarbeiten wären anfangs wahrscheinlich erfolgreicher gewesen, wenn nicht durch die Katasttophc eine Beschädigung der Wasserleitung eingetreten wäre. Zu der Katastrophe auf der Grube Radbod wird^uns noch von anderer Seite gemeldet: In der zweiten Sohle des Schachtes 1, wo die Schlagwetter-Explosion erfolgte, befindet sich ein ^ynamtt- (agcr, und man befürchtet, daß dieses im Laufe der Nacht explodierte. 3m Krankenhause sind im Lause des gestrigen Wends drei weitere Schwerverletzte gestorben. Bon Bergleuten wird erzähl!, daß in der Nachtschicht die Konttolle nickst so groß nne doii “ w’S Sri der ocn- Tie Ker, tu. • L Die dafür er, 5 Schöner, mb don 120 Mk NUi'st-B rci». Tic' Gcmälde-Ausstcllnnq im Turmhaus am Brand ist täglich, mit Ausnahme Samstag, von 11 dis 1 Uhr, Mittwochs auch nachmittags von 3 bis 5 Uhr geöffnet. An Sonntagen ununterbrochen von 11 bis 3 Uhr nachmittags. Eintritt für 'N.chtmiiglieder des Kunstvereins an Werktagen Vermischtes. ♦ Ter Militär ball an ift gegen 1 Uhr nachts beiW 0 llin über dem Soaff erschienen und auf dem Wasser nieder- gegangen, wo er etwa 2 Stunden trieb. Nach 3 Uhr erreichte er das Ufer und nmrbe sogleich entleert Er liegt letzt auf dem Roof — das sind sumpfige Wasser —, wenige Minuten von Wollin entfernt. Die dritte Kompagnie des Luftschiffer- ataillonbs ift zur Hilfeleistung abgegangen. * Das Grab Andrees. Zu der gestrigen Nachricht von dem Funde eines Grabes, das die Leiche des kühnen Forschers Andree enthalten soll, wird uns aus Kopenhagen gemelkt, dass Kitzaus Bureau von dem Kapitän Storn des Sckwoners „Inga", gegenwärtig in Valencia, ein Telegramm erhalten habe, daß die Meldung im wesentlichen bestätigt. Storn teilt mit, daß Kapitän Chalker den Fmnd ttordwestttch von Kap Mugfvrd auf Labrador gemacht habe. — Wie die Wormser Zeitung erfährt, lebte die Leiche Andrees noch, beim das Blatt verbreitet die Meldung von bem Funde unter der verheißungsvollen und höchst erfreulichen Ueberschrift: „Ein Lebenszeichen von Andree?"!! Lebende Leichen sind jedenfalls eine ganz neue Erfindung der Wormser Zeitung, die sie schleunigst zum Patent anmelden sollte. Kleine Tageschrontk. Der Werkzeugmacher Kart Bill in Frankfurt wurde unter dein Verdachte, in Kaiserslautern 22 000 Mark aus dem Geldschranl der Güterabfertigung gestohlen zu Haven, gestern verhaftet. Seiir Schwager wurde ebenfalls in U n t e r f u d) u n g 5 (j a f t genommen. Seit Mittwoch find im Vogt lande wieder neue Erdbeben verspürt worden. Geftam brach zu Neppe lw an,l an der bayerisch-österreichischen Grenze ein bedeutender Waldbrand aus. 1000 Tagwerk sttt-en in Flammen. Tie über den Ausbruch einer E p i d e m 1 c des gelben Fiebers auf Martinique in Paris umlaufenden Gerüchte werden dementiert. Bialtermeldungen nu§ Detroit (Vereinigte Staaten) ztifolge gründete O r v i 1 l e Wright eine Gesellschaft zum Bat, von Aeroplalieu. Airchliche Nachrichten. Kräftigungsmittel Orlglnalflaschen: Mk. 1,75 u Mk. 3,— in den Apotheken erhältlich. General-Depot für Deutschland: Dr. Wasserzug, Frankfurt a.'M., Thcaterplatz I. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 13. Nov. Heu- und Strohmarkt. Angefahreii waren 14 Wagen Heu und 3 Wagen Kornlangstroh. Bezahlt wurde für Heu Mk. 3.30—3.60, für Stroh Mk. 2.50 - 2.60, Maschinensiroh 2 Mk. Tendenz fest. ivoransfichtliche Witterung für Hessen am SamSlag den 14. November: Temperatur wieder sinkend. Trüb und nebelig. Keine erheblichen Winde. Nördliche Winde. Buttenvertatts. Die Gemeinde Grossen-Lmden hat einen Vogelsberger und einen Simmentaler Bullen, je 3 Jahre alt, zum Schlachten zu verkaufen. L . Getrennte Angebote pro Zentner Lebendgewicht werden bis zum 16. ds. Ntts., nachmittags 4 Uhr, hier entgegen* genommen. Grosscn-Linden, am 10. Noveurber 1908. Grouh. Bürgermeisterei Grossen-Lmden. Leun. [6580 7 »?^/Ruhmliehst bekanntejl Gegen Bar. as10/. Brrlangen Sic Gratiszusendung von IdBK L P^B87'8 reirfi^Hitinrn Kochrezevten Riffer RS Auf Credlt Betten, Polsterwaren, gegen Bar auf Credit A. 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