Nr. 137 Die .,-iehener ZamUienblätler- werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Lett« fragen" erscheinen monatlich zweimal. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e=^ 6L Redaktion: Tel.-Adr.:AnzeigerGießen. Zweites Blatt 158. Jahrgang Samstag 13. Juni 1908 «ttäetal täglich mit Ausnahme des Sonntag«, ? A < Xk X Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schsn B ZMU ä/KlzO L Kg M/fh flyJr Universitäts-Buch, und Steindrnckerei. IDlvijvlivl 4lljvlyu General-Anzeiger für Gberheffen politische Lagesschan. Die Berufung des Professors Bernhard nach Berlin. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt gegenüber einer Mitteilung der „Münchener Neuesten Nachrichten" über die Berufung dcS Professors Bernhard-Kiel an die Berliner Universität: Es entspricht zunächst nicht den Tatsachen, daß an der Berliner Universität eine neue ordentliche Professur aus Mitteln des Dispositionsfonds begründet sei. Bernhard ist vielmehr unter Ernennung zum persönlichen Ordi- narills ein verfügbares etatsmäßiges Extraordinariat über- tragen worden. Nichtig ist, daß die philosophische Fakultät vorher nicht zur Sache gehört worden ist. Nach den be- stehenden BestimulMlgen war dies auch nicht erforderlich; dennoch würde der Kultusminister, der auf den fachkundigen Beirat der Fakultäten den größten Wert legt, sich auch im vorliegenden Falle mit ihnen ins Benehinen gesetzt haben. DieS sei aber in den» Zeitraum von 24 Stunden nicht möglich geivesen, worin die Entscheidung erfolgen nuifete. Falsch ist weiterhin die Behauptung, Bernhard habe das Ordinariat lediglich erhalten, um vornehmlich seinen Polenstudien obzuliegen. Der Genannte ist berufen worden, um das gesäurte Gebiet der Staatswissenschaften in Vorlesungen und seminaristischen Uebungen zu vertreten. Schließlich sei erwähnt, daß der Minister vor der amtlichen Mitteilung der Versetzung Bernhards den beteiligten Fachordinarien eingehend die Gründe zur Versetzung Bernhards ohne vorherige Anhörung der Fakultät darlegte. • Zur Lage in Persien. Tie seit einigen Tagen in der Moschee und in unmittelbarer Nähe des Parlamentsgebäudes versammelte bewaffnete Menge ist gestern auf über 10 000 Köpfe angewachsen, denn der entscheidende Schlag gegen den Schah sollte fallen. Tie Kosakenbrigade hielt die Arsenale und Zeughäuser besetzt, da deren Plünderung geplant war. Ter Schah sandte am Vormittag ein Schreiben an das Parlament und verlangte die Räumung binnen einiger Stunden, widrigenfalls er mit Gewalt Vorgehen würde. Gegen 3 Uhr räumte denn auch die Menge vor den anrückenden Kosaken den Platz. Der Schah verlangte ferner die Auslieferung von acht Hauptführern, unter denen sich mehrere Deputierte befanden. Da das Verlangen aber abschlägig beschieden wnrde, .kenn man nicht von einem Siege der Schah-Partei sprechen. Jedenfalls hat die Erbitterung im Volte nicht nachgelassen. Gegenwärtig sind alle Ratgeber um den Schah versammelt. Das persische Telegraphenamt verweigert die Annahme aller Telegramme nach Täbris. Augenblicklich herrscht vollkommene Ruhe, die jedoch, wie man glaubt, nur einige Tage anhalten wird. Der „Köln. Ztg." inirb aus Teheran^vom 12. Juni telegraphiert: Tie Provinzen wollen ben Schah absetzen, lieber 500 bewaffnete Mitglieber der geheimen Gesellschaft hielten die Gegend des Parlamentes zwei Tage besetzt. Der Schah ließ sie auffordern, wegzugehen und sandte Kosaken hin, worauf sie sich zurückzogen. Das Ansehen des Schahs wächst. Deutsches Reich. Der allgemeine Fürsorge-Erziehungstag findet vom 7.—10. Juli in Straßburg i. E. statt. Aeußcrst wichtige Themata, welche nicht blos die Behörden, die Anstalten und die Berufsarbeiter der Fürsorge-Erziehung, sondern die weitesten Volkskreise angehen, sollen dort verhandelt werden. Das Geschlecht derer v. Haustein. Nach dem „Neichsanzciger" verlieh der Kaiser dem Geschlechte derer von Han st ein anläßlich dcs 600jährigen Besitzstandes an der Burg Hanstein das Präsentationsrecht für das Herrenhaus. .......... Bad-Rauhciincr Brief. VII. Wenn ick die Fülle der Eindrücke, mit denen uns das immer sicher aufblühende Kurlebcn bestürmt, zu ordnen suche, so sind Wohl an erster Stelle die musikalischen zu erwähnen. Es ist merkwürdig, wie streng kritisch im allgemeinen unsere Zeit musikalischen Darbietungen gegenüber ist, wie viel an ernster und großer Kunst auf diesem Gebiete gewürdigt und gefordert wird. Tie übrigen Künste haben es heutzutage beim großen Publikum entschieden nicht so gut. So ist auch in unserem Badeort das, was an Musik geboten wird, allen andern Anregungen gegenüber vorherrschend. Ter Kammermusikabend vom 25. Mai brachte als Neuheit eine Serenade für elf Instrumente.von Bernhard Selles, Lehrer am Hochschen Konservatorium in Frankfurt a. M. Neben manche Schönheiten sucht sie stellenweise zu sehr das Originelle. Am letzten Sonntage des Mai fand ein Symphoniekonzert statt, bei welchem die f-moll Symphonie Nr. 4 von Tschaikowsky ganz besonders fleißig cinstudiert war. Fräulein Marie Ges el- schap (Berlin) zeigte sich technisch auch den größten Schwierigkeiten gewachsen, die Lißt dem Pianisten zumutet. Elitekonzerte und Solistenabcnde stachen aus der ReiA der üblichen Terrasfen- konzerte hervor. In einer Friedberger Zeitung wurde an unserer Kurkapelte kürzlich sehr herbe Kritik geübt, die aber sachlich wett übers Ziel hinausschoß. Terselbe Trompeter, der da wegen eines übergeschlagenen Tones für völlig unfähig hingestellt wurde, hielt in der Tschaikowsky-Symphouie die besonders hervorklingenden Partien seines Instrumentes ganz vortrefflich. Die Besetzung der Geigen ist gegen voriges Jahr, wo mehrere der Ktmstler un Laufe der Saison austraten, vollzähliger. Ein Künstler, totere» Kaufmann war, läßt sich freilich so leicht nicht erietzen. Latz aber Kaufmann nicht für alle Zeit mit der zweiten stelle des hiesigen Kurorchestcrs sich begnügen würde, war wohl voraus- zuseheu. Bon Winderste'n selbst roitb aber doch wohl niemand bestreiten, daß er seinen Posten tüchtig und mit Energie hier ausfüllt. Ohne das würde er «ich gewißmicht jahrelang in neben Den Gewandhauskonzerten gehalten haben, -tafe man deren Maßstab auf feine Kräfte natürlich nicht übertragen kann, bedarf aber wohl keiner Entschuldigung. Wir sollen auch nicht hoffen, daß die an und für sich schon unsichere Munke^xistenz dadurch noch unsicherer würde, daß sie jeder ungünstigen Kritik oder jeder einzelnen Entgleisung sofort geopfert werden müßte. Außer der Kurkapelle wirkte hier am 24. Mai noch der Friedberger Musikverein, der sich zumteil auch aus Nauheimer Mitglieder zusammensetzt. Er führte m der ^.ankes- kirchc, deren vorzügliche Akustik daber recht zur Gelwng kam, das Oratorium Paulus auf, das großartige Werk'des erst 2 tZayre alten Felix Mendelssohn. Hinter dem Tamenchor traten die Herrenstimmen etwas, zurück, Ms, Solisten roajß 2r w .st, Kjstnrps Deutsch-belgisches Literatura b ko mm en. Die Ratifikationsurkunden zu der am 16. Oktober 1907 in Brüssel unterzeichneten Uebereinkunft zwischen Deutschland und Belgien betreffend den Schutz an den Werken der Literatur und Kunst, sowie Photographien wurden in Brüssel ausgewechselt. Der neue amerikanische Botschafter in Berlin Dr. Hill ist in Berlin cingctroffcn. Der „Reichs anzeig er" veröffentlicht die neue M aß- und Gewichtsordnung vom 30. Mai 1908. Graf Hohenau. Eine Berliner Korrespondenz will von zuverlässiger Seite erfahren haben, daß der Kaiser den ihm vorgelegten Spruch des Ehrengerichts gegen den Grafen Wilhelm Hohenau bestätigt habe. Der Spruch bcS Sonder-Ehrengerichts, dessen Vorsitzender der General von Löwenfeld war, lautete, wie s. Zt. gemeldet, auf Entfernung aus dem Heere, die schärfste in Betracht tommende Strafe, die den Verlust von Titel und Uniform nach sich zieht. Die Beratungen der Konfereiiz wegen Reformen im Krankenkassenwesen sind gestern im Reichsamt des Innern zu Ende geführt worden. Von verschiedenen Seiten wurden formulierte Vorschläge für Einsetzung von Schiedsgerichten und Einigungskommissionen vorgelegt, die der Staatssekretär von Bethmann-Holwcg als schätzbares Material entgegennahm. Daraus wurde die Konferenz geschlossen. Zlsssland. D e u t s ch l a n d und China. „New-Pork-Harald" berichtet aus Shanghai, daß Deutschland seinen Einfluß in Peking geltend mache, um China gegen die französischen Forderungen aufzureizen. Die Forderungen Frankreichs werden als lächerlich übertrieben hoch für die verübten Untaten dargestellt. Annexion von Panama. In Neiv-Pork bricht sich die Ueberzeugmig Bahn, daß Präsidelit Roosevelt die bevorstehenden Wahlen i n P a n a m a dazii beiiutzen iverde, um die Republik zii annektieren. Tafts Brief an den Präsidenten von Panama, ivo- itacl) die Bundesregierung bei etwa vorkommendem Wahlbetruge einschreiten werde, ist mir dahin zu deuten, daß Roosevelt Vorwände für eine Intervention sucht. rroloniaLpost. liniere westafrikcmijche Kolonie Togo ist von neuem von der P e st heimgesucht worden. Bor vier Wochen erst glaubte man auf Griind amtlicher Ermittelungen der deutschen und fremden Behörden an der Goldküste annehmen zu dürfen, daß an dem ganzen Küstenstrich am Nordrande des Golfes von (binnen die Seuche erloschen sei. Diese Annahme hat sich als unrichtig eriuieicn und es ist daher vom Gouverneur Grasen Zech von Neuem die Quarantäne über die Häfen von Deutsch-Togo verhängt worden. Der Vanermvagen aus der Chaussee. Das „Berl. Tagebl." bringt in einer feiner letzten Nummern unter in Strich Schilderungen von einer Automobilfahrt Berlin—Wiesbaden aus der Feder von Edmund Edel. Man liest da: Ich schweige und schaue. Ich schaue auf die blaue Ferne oder auf den kleinen schwarzen Punkt da vorn auf dem Weg. Kaum daß ich mir über sein Wesensdaseitl eine Vorstellung gemacht, springt der Punkt, zu einem Bauern- wagen geworden, geängstigt an die Seite. Hüls — hüh! Der Chauffeur bremst ein wenig und pfeift beruhigend dem zitternden Gaul zu. Ich schweige, und mein Nachbar macht eine konvulsivische Bewegung. Er „stoppt". Aus dem Wagen rechts liegt er in\t stieren Augen und erhascht die Kilometersteine. Er sieht feine Landschaft, ihm ist der blaue Plaienmorgen, der Blütenschmuck, der zitternde, Hekuba und „Wurscht", ersucht mit Pein die weißen, kleinen Steine, die zwischen dem jungen Grün am Wege stehen: 31,5 — 31,6 — 31,7 .... Knips! 403/i Sekunden — 85 Kilometer Geschwindigkeit. Hallo, Chauffeur, das war eine gute Fahrt. Aber man I ■■HUB > Hf» IM' ar fett (Sopran», Herr Ko hma N u (Tenor), Herr M aller (Baß), Fran Prätor ins (Alt?. Die Kurkapclle begleitete mit verständnisvoller Zurückhaltung. Ter Dirigent, llsinger, verdient für seine Arbeit und für sein Können alles Lob. Die Kirche war trotz des teueren Preises bis auf wenige Plähe besetzt. Im Theater gelangten Lustspiele dcs üblichen Kalibers, Cyprienne, Panne und ähnliches zur Aufführung. Tas Spiel der Mitwirtenden findet stets dankbarste Anerkennung. Ein erfreulicher Gedanke ist es, daß neben dieser leichter Ware von Zeit zu Zeit auch an einem sogenannten literarischen Abend bedeutendere Stücke dargestellt werden sollen. Der gute Erfolg dcs Bernstein- schen Stückes „Ter Dieb" hatte dazu ermutigt. So folgte am 3. Juni „D e r Andere" von Lindau. Tie bildende Kunst hak an der Haird des hessischen Kunstvereins int Badehaus V eine Zuflucht gefunden, i Aquarelle, Zeichnungen und Plastik sind dort ausgestellt, über die ich gelegentlich Näheres zu erzählen mir Vorbehalte. Von sonstigen geistigen Anregungen ist der Vortrag dcs Weltreisenden v. Hesse Wartung über Marokko zu nennen. Er plaudert als angenehmer Unterhalter in vorwiegend humoristischem Ton. An geographisch-interessantem Material bot er wenig. Tie sarkastische Schilderung marokkanischer Hofpolüik und Jntriguenwirlschaft bildete den Hauptinhalt. Erst am Schlüsse tret die Bedeutung Marvkks als Einganstor der einzigen noch internationalen Saharastraße zum Tsadsee hervor. Tte leider nicht sehr deutlichen Lichtbilder zeigten auch mehr die Leute als das Land. Ter Bildungsverein besuchte, freilich wegen dcs schlechten Wetters unter sehr geringer Beteiligung die Frankfurter Heimarbeitausftellung. Es waren sozialpolitisch recht wertvolle Eindrücke, die wir von da heimbrachten: > Tie auffallende Ausdehnung der Heimarbeit in unserem kulturell hoch stellenden Wirtschaftsgebiet, die außerordentlich verschiedenen Arbeits- und Lohnverhältnisse, die Unterschiede zwischen Frauen- und Männer- arbeit, zwischen „gelernter u. ungelernter" Arbeit, zwischen organisierter und Nichtorganisierter Arbeiterschaft! Eine bedeutende geistige Arbeitsleistung, von der freilich die breite Oeffentlichkeit sehr wenig erfuhr, leisteten auch die 122 Vertreter der chemischen Wissenschaft, die an unserm gastfreundlichen Badeorte drei Tage lang über Nahrungsmittelchemie, über Milch und Honig und ähnliche Dinge konferierten. Erwähnen wir nun noch die Reunions und Lampionbeleuchtungen auf der Terrasse, so haben wir die Runde durch alles, was offiziell zur Unterhaltung der Kurgäste getan wird, vollendet. Aus dem Gewoge des Badelebens traten zwei Ereignisse besonders hervor: ein ersreuliches und ein trauriges. Das erstere war die Auszeichnung eines Badegastes, der die Wirkung unseres Kürortes so hoch schätzt, daß er chn nun schon setz 20 Jahren muß noch mehr herausholen. „Herausholen!" Aber das Bauerngesährt oder die geschlossene Eisenbahnschranke oder die Kuh, die immer noch feinen Kcmsalncxus zu dem stinkenden und zischenden Eisentier hat, stören den Manu mit der Stoppuhr, dessen Ehrgeiz darin besteht, durch Deutschlands gesegnete Fluren Rekord „gestoppt" zu babeui,..... Also so sieht die Welt aus vom Standpunkte eines „Rekordstoppers" und seines witzelnden Fahrgastes. Tas sind ja recht nette Bekenntnisse von Automobilistenseelen: ein Bauerngesährt wird auf der Chaussee sichtbar, der Führer reißt's auf die Seite, vielleicht drängt das Pferd auch von selbst weit fort von dem sausenden Automobil, der Chauffeur „bremst ein wenig" (welche Gnade!), der Gaul steht zitternd, weiter geht'S, nur weiter, mit 85 Kilometer Geschwindigkeit. Andere Leute — zufällig verteilen sie sich auf alle Parteien, von den Freisinnigen bis zil den Konservativen — bemühen sich, die Menschenrechte der Leute zu schützen, die die Chaussee noch zu etwas anderem als zum Automobilrenneit zu verwenden wissen; Herr Edel und das Feuilleton des „Bert. Tageblattes" weiß von dem allen nichts. Man schaut von dem Automobilsitz hochmütig auf das Pack der übrigen Menschen. Man ist ja Herrenmensch, Privilegierter, lieber dem Strich mag im selben Blatte gegen sporenklirrende Junker und privilegierte Stände gedonnert, die „Demokratie" mag in möglichst schreiender Weise gepredigt werden, unter dem Strich zeigt man, wie man als Herrenmensch „durch Deutschlands gesegnete Fluren" rast. Was da sonst vielleicht noch herumkriecht, kommt nicht in Betracht. Geht's gut, bann geht's eben gut, geht's schlecht, macht's auch nichts! Was will überhaupt der Bauer mit seinem Gefährt auf der Chaussee. Wahrscheinlich hat er Geschäfte gehabt. Ach was, die Chaussee gehört in erster Linie denen, die zum Vergnügen fahren. Und wenn der Bauer durchaus fahren will, kann er sich ja auch ein Automobil anschaffen. Das kostet bloß Geld, unb wer kein Geld hat, hat so wie so nicht mitzureden. Es wäre ja noch schöner, wenn man auch auf einen armen Bauer und sein zitterndes Pferd Rücksicht nehmen sollte! — Nun, wir wollen zur Entschuldigung des Verfassers anuehmeu, daß er aus dem Kilometerrausche, der ja auch Menschen, die sonst nicht bösartig sind, ergreifen mag, noch nicht wieder zur ^Nüchternheit errvacht war, als er seine Eindrücke niederschrieb. Für das Blatt, das sie aufnahm, wissen wir freilich keine Entschuldigung. Ans StaSt itnfc Land. Gießen, 13. Juni 1906. ** Landtags schluß. Tie Erste Kammer wird nunmehr, nachdem die verschiedenen Ausschüsse'den größten Teil der spruchreifen Gegenstände vorbereitet haben, kommenden Mittwoch, 17. Juni, vorm. 10 Uhr, zu einer mindestens zwei Tage dauernden Plenartagung zusammen- treten. Ta auch die Zweite Kammer von nächsten Dienstag ab die spruchreifen Gegenstände der Tagesordnung erledigen kann und am Freitag Gelegenheit hat, etwaige mit der Ersten Kammer entstehende Dissense zu beraten, ist es als wahrscheinlich zu betrachten, daß der La n d t ag s sch lu ß am nächsten Samstag durch den Großherzog stattfinden wird. ** Eine Sitzung des Provinzial-Ausschusses findet am Samstag, 20. ds. Mts., vormittags 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Reklamation gegen die Gemeinderatswahl zu Wölfersheim. 2. Der Zustand der Ortsstraße zu Unterfd)mitten. 3. Enteignung von Gelände zur Erweiterung des Bahnhofes H i r z e n h a i it. ** Hess. Landeslehrerverein. Die diesjährige ordentliche Vertreter-Versammlung des Hessischen Landes-Lehr cr Vereins und Hallptversammlung des Vereins prov. angestellter Lehrer zur gegenseitigen Unterstützung in Krankheitsfällen soll Dienstag, 25. Aug., morgens 10 Uhr, zu Darmstadt im Kaisersaal abgehalten werden. iiiJiiiinHEgJEnmMMMMBIWIII IIMIITliniM——BOBB— treulich aus sucht. Das gute Zeugnis, das für unsere Badeverwaltung darin liegt und umso schwerer wiegt, als der betreffende Herr ein „heller" Sachse ist, wurde durch Ueberreichung eines prächtigen Blumenarrangements quittiert. Das traurige Ereignis war der Tod des Höchstkommandierenden der dänischen Armee, Exzellenz Kähncl. Sinnig war die Ehrung, die der Kurdirektor Freiherr von Starck dem Toten zuteil werden ließ: die dänische Fahne, die aus Anlaß des Geburtstages des dänischen König» auf dem Kurhause wehte, wurde heruntergeholt und, in sie ein- gehüllt die Leiche nach der Leichenhalle übcrftihrt. Am 3. Juni wurde das prachtvolle Badehaus X in Gebrauch genommen. Ist damit dem Dienst der Leibespflege eine neue Stätte eröffnet, so wird nun auch für die Seelen unserer russisch- tatholifchen Gäste die Pflegestätte bald bereitet fein. Die Glocken ihrer Kirche sind aus Rußland eingetroffen. Viel von sich reden machte hier ein Vergleich u n i e r cd. Badelebens mit d e m Homburger, den Tr. Hugo Ganz in der Franks. Ztg. gezogen hatte: Nauheim verdanke fein, rascheres Einporblühen der slaalllchen Verwaltung und der größeren Zahl der bürgerlichen Besucher. Tie Nauheimer „Ackerbürger" müßten aber für die Ausgaben des Badeortes noch mehr Verständnis gewinnen. Tas klingt so,, als ob die alteingesessenen Nauheimer nicht berechnen könnten, ivas sie dem Badebelrieb verdanken und als ob sie cs an der nötigen Opferwilligkeit fehlen ließen. Ein Blick nui unseren Stenerzettel genügt, um das zu widerlegen. Auch sind die Sienzugezogencn durchaus nicht alle die Fortschrittlichen und Weitschauenden. Es ist gar mancher dabei, der seine Rul- turmaßstäbe nuS weltferner Heimat mitgebracht hat. Ter „Gartenstadtgedanke", den Tr. Ganz ausgreist, ist in letzter Zeit gerade aus der Bürgerschaft heraus verfochten rvorden. Nicht deren Schuld war es, daß er in praktischen Fälleil ohne Wirkung blieb. Und noch viel leichter ließe sich unser Sürgermnt zu freudiger Mitarbeit an den großen Ausgaben des Badeortes heran- ziehelr, wenn es nicht so stark feudale Kreise gäbe, die eine gegenseitige Fühlungnahme sehr erschweren. Als Vorsitzender des Bildungsvereins, als Kandidat der Freisinnigen, als Gegner unsrer exklusiven Orthodoxie ivüßle ich manch Liedlein davon zu fingen. Tas wäre eine eiltscheideilde Weitsichtigkeit, wenn man jeder tüchtigen Arbeitskraft verständitisvoll entgegenkäme, ohne vorher immer erst ängstlich nach dem poliltschen und religiösen Glaubensbekenntnis zu fragen! Tas ist der Plmkt, wo der Umschwung vom Heinen Landort zum modernen Wellbad vor allem vollzogen werden müßte! Jur Gange ist er zum Glück schon. Ein schöner Gedanke des Ganz'schen Artikels ist der, in unserem Park die hoheitsvolle Gestalt der K a i s e r i »l E l i s a b e t h v o n^ O e st e r r e i ch au verewigen. Bor dem grünen Hintergrund einer der herrlichen Baumgruppen die weiße Marmorfigur, das würde em liebliches Schmuckstück fein. Tas schlichte, schöne Denkmals Ue Tagesordnung lautet: Erstattung der Jahresberichte für Wahrnehmung gegeben hat, die auch nur den Verdacht zuließe, daß der Mann geistig nicht normal wäre. Dazu M I derb 8trei Es 1 1 Ess 2 3 li 2 Q 8u v in d IZtc 7 ui eru eine d?n LandeS-Lehrervcrein und den Verein Lehrer zur gegenseitigen Unterstützung in Rechnungsablage der beiden Vereine für Beratung und Festsetzung des Voranschlags Mtpng und Beschlußfassung über gestellte den Verhandlungen soll ein gemeinsames ?ü^r 16. | Mß( ötitb Olga SkS-'c IDtt! am £ breifi ballt e M die- an vor mitt' sch'vl Doti iührt inact Aekr in 11 a fllllj 11® jilil kommt noch, daß die zahlreichen Opfer, die Rothschild hinein- gelcgt hat, übereinstimmend erklären, daß cs nur die hervorragend geistige Intelligenz des Hofrats Rothschild zuwege gebracht habe, daß sie bei dem Zusammenbruch des Bankhauses M. Wertheimer u. Co. in.Büdingen als Leidtragende beteiligt seien. In der Sache selbst ist die ziemlich schwierige und umfangreichr Voruntersuchung noch nicht beendet, es hat damit auch noch nicht so große Eile, da die Anklage doch erst in der Oktober-Tagung des Schwurgerichts zur Verhandlung kommen wird. Dagegen soll inzwischen der Fall des ebenfalls in Haft befindlichen Rotschild'schen Prokuristen Acker von der Sache Rothschild getrennt verhandelt und, sobald die Anklage spruchreif ist, vor die Strafkammer zur Aburteilung verwiesen werden. Es handelt sich bei Acker, der 18 Jahre lang bei dem Büdinger Bankhausc tätig war, darunter 15 Jahre bei Hofrat Rothschild, nur um Betrug und Beihilfe zu dem Vergehen, aber um keine Fälschungen, wie sie sich sein ehemaliger Chef schuldig gemacht hat. ** Jubiläum eines Gießeners in A in c r i k a. Vor kurzem feierte das Brvotlyn Jndepetent Schützen- K'orps sein 50 jähriges Jubiläum. Mit dem Verein konnte noch einer der 14 seinerzeitigen Vereinsgründer sein goldenes Schützenjubiläum begehen, nämlich Herr Karl Löb er aus (Meßen (in der Weidengasse geboren^, der jetzt 76 Jahre alt ist und seit 49 Jahren Feldwebel des Schützenkorps ist. Herr Löber kam 1852 nach Amerika, er erfreut sich großer geistiger und körperlicher Frische, so daß er heute nvch prov. angestellter Krankheitsfällen, das Jahr 1907. für 1909. Be- Anträge. Nach Mittagessen und 1 1 3 1 x Es f 1 1 1 $ hatt stell W dem zessi Ms Ger, Nr. Schi von (tat! Kie Herz- alt g lich ' jiuöf die h zahlt War einet bieie daß einji Lor, versi einig einet au’ Sjul •* Ein Urteil über einen Gießener Künstler. Herr Ernst Krauße in Berlin, der Sohn unseres Reginients- Musikdirektors, wirkte kürzlich bei dem Festkonzert zur Einweihung der Kaiser Friedrich-Gedächtniskirche zu Liegnitz mit. Das „Liegn. Tagebl." schreibt über den Künstler: „Weiter lernten die Konzertbesucher einen jungen Künstler — Violoncellisten — Herrn Ernst Kranße ans Berlin kennen, der einen vollen, weichen und süßen Ton in der Cantilene, eine reine Intonation und eine elegante Bogenführung mit einem geschmack- und empfindungsvollen Vortrage verbindet. Er spielte zuerst ein „Largo" im antiken Styl von Hugo Becker, dann das „Abendlicd" von Schumann und eine „Romanze" wieder von Hugo Becker sehr tonschön und ausdrucksvoll. Technik konnte hierbei der Künstler nicht zeigen, doch zeichnete sich sein Triller durch runden Klang und gleichmäßigen Fluß aus; die Stimmung traf er in allen drei Nummern ganz vortrefflich." — Auch die übrigen Liegmtzer Blätter sprechen sich sehr lobend über Herrn Krautzes Spiel aus. ** V e r iü ö 1) ii t e Ha usburs chen. Die beiden Hausburschen eines hiesigen Restaurants wurden in den letzten drei Wochen häufig betrunken gefunden, sie kamen auch ihrer Arbeit nicht mehr pünktlich nach, obgleich sie von dem ihnen zur Verfügung stehenden Bier wenig Gebrauch machten. Wie es sich nun herausstellte, hatten sie eine bessere Quelle entdeckt. Sie hatten in dem ihnen zugänglichen Bierkeller in der Zwischenwand eine Oeffnung erspäht, durch die sie hindurch in den Weinkeller auf das Flaschengerüst reichen konnten. Diese Gelegenheit nahmen sie dann auch häufig wahr und taten sich an Wein und Kognak gütlich. Allerdings war nach Entdeckung für sie keine bleibende Stätte mehr, es wurde auch Strafantrag gestellt, dg Getränke im ungefähren Werte von 200 Mark in den Paar- Wochen von ihnen vertilgt worden sein sollen. ** Diebstahl. In der Nacht vom 11. auf 12. l. M. wurde eine Bauhütte an dem Bönningerschen Fabrik- Neubau erbrochen und daraus ein blauleinener Arbeitsanzug und ein paar Arbeitsschuhe gestohlen. ** Beschlagnahmt wurden gestern von der Kriminalpolizei eine größere Partie Zündhölzer in einem hiesigen Geschäft, die als phosphorhaltig befunden worden waren. ** Ein unwahres Gerücht. Wie uns die Brauerei Jhring in Lich mitteilt, ist das Gerücht, daß der Verkauf der Brauerei bevorstche, unrichtig. Herr Jhring denkt nicht daran, seine Brauerei zu verkaufen. ** 3 ii in Fall Rothschild teilt man uns mit, daß Rotschilds Verteidiger, Rechtsanwalt Raab, beantragt hat, seinen Klienten auf seinen Geisteszustand hin in einer Anstalt von einem Spezialisten untersuchen zu lassen, um fcstzustellen, ob Rothschild geistig normal ist. Dagegen steht fest, daß Rothschild, so lange er in Haft ist, keinen Anlaß zu einer seinem Geschäft — er ist Blechschmied — vorsteht. Bei. der Jubelfeier gedachte der Ehrenpräsident Dr. Schildge in einer Ansprache „des ewigen Feldwebels und einzigen lebenden Gründers der Schützen, dessen wahrhaft deutsche Gesinnung trotz seines langen Auenthaltes int Lande nicht verloren gehen konnte." In einem mit einer Widmung geschmückten Etui, in dem sich fünf neue Zehndollar-Goldstücke befanden, überreichte er ihm ein Andenken der Damen der Schützen. Im gleichen Augenblick ließ Dr. Schildge ein gut getroffenes lebensgroßes Bild Löbers herunter und es erhob sich ein Sturm von Begeisterung. 0 HeuchelHeim, 12. Juni. Während unser Kriegcr- verein sein Fahnenweihfest am Sonntag vor Pfingsten ganz im engsten Kreise feierte, gedenkt der Gesangverein „Germania" sein 35jähriges Bestehen am 21. und 22.Juni durch eine groß angelegte Jubelfeier festlich zu begehen. Da- bei gilt es auch, eine neue Fahne zu weihen, zumal die alte für solch starken Verein nicht mehr entsprechend ist. Nach der Zahl der angcmeldeten Vereine zu urteilen, verspricht das Fest großartig zu werden, zumal wir hier in Heuchelheim bei solchen Gelegenheiten auch auf einen starken Besuch aus der nahen Stadt zu rechnen haben. Der älteste hiesige Gesangverein ^Teutonia" feierte vor 3 Jahren unter großer Beteiligung sein 60jähriges Jubelfest. X Allen d o r f a. d. L n m d a. Das am 12. und 13. Juli dieses Jahres stattsindende 15jährige Jubiläum des hiesigen Krie g erv ereins, verbunden mit dein Bezirk s f e st e des Kriegervereinsbezirks Gießen, sowie der feierlichen Ueberreichung der dem Verein von 3: M. dem Kaiser gestifteten Fahnenschleife scheint recht bedeutend zu werden. Es haben bis jetzt bereits 30 auswärtige Vereine ihr Erscheinen zugesagt; weitere Anmeldungen stehen noch bevor. Tie Vorarbeiten sind in bestem Gange, auch hat der Verein zwecks Einschaltung von Extrazügen bet der Eisenbahndirertion Frankfurt a. M. die nötigen Schritte getan. Der Festplatz befindet sich etwa drei Minuten vom Bahnhof auf den idyllisch gelegenen sogen. Jhlwiesen. Tie Festmusik wird vom Kaiser Wilhelm-Regiment ausgeführt. — Der hiesige M än n er g e s a n g v e r ein, der unter der Leitung seines tüchtigen Dirigenten Lehrer Bandaß unter sehr scharfer Konkurrenz im vorigen Jahre zu Marburg einen Preis errang, beabsichtigt am 5. Juli d. I. an dem Gesangswettstreite zu Büdingen teilzunehmen. Villingen, 12. Juni. Gestern abend ereignete sich hier ein b e d a u e r l i ch e r U n g l ü ck s f a l l. Ein Schwager des vor einiger Zeit von einem Pferd geschlagenen und in der Gießener Klinik verstorbenen 27jähr. Fender war mit einem Pferd im Felde beschäftigt. Auf dem Heimwege scheute das Pferd dadurch, daß iym der Kastenwagen, vor den es gespannt war, auf die Hinterbeine auffuhr. Ter Lenker des Gefährts, der sich die Leine um die Hand gewickelt hatte, wurde herabgeschleudert und eine große Strecke geschlcist, wobei er schwere Verletzungen erlitt. [] Biedenkopf, 12. Juni. Der schon vielfach vorbestrafte Maurer Arechall ans Walzhausen, ein tut ganzen Hinterlande berüchtigter Einbrecher, befand sich jüngst wieder auf freiem Fuß. Nachdem mau ihn kürzlich in Marburg bei einem versuchten Einbruch festgenommen, aber wieder frcigelassen hatte, deuteten mehrere in letzter Zeit hier vorgekommene Diebstähle darauf hin, daß er in seiner Heimat sein altes Handwerk wieder aufnimmt. Gestern gelang es, den deshalb steckbrieflich verfolgten Brechall auf frischer Kaiser Wilhelms I. in Wiesbaden kam mir bei diesem Vorschlag in den Sinn. Es müßte ein Komitee gebildet werden, und dann würde ein herzlicher Aufruf an alle, die sür die hohe Dulderin Sympathie haben — es sind ihrer viel I — die Mittel wohl zn- sammenbringen. liebet- allein Erzählen von dem Leben und Treiben bei uns ist diesmal die Erinnerung an das Wichtigste, an unsere blühende, frühlingsduftige Natur, zu kurz gekommen. Sie so recht ausgiebig zu genießen, hinderte ja leider auch oft die Witterung. Stach der Zeit der furchtbaren Regengüsse kam die der nicht weniger unangenehmen schwülen Hitze, über die nur die Schuljugend eine ungemischte, reine Freude empfand. Gab es doch in der Woche vor den Pfingstferien tagtäglich hihsrei! Von den hohen Feiertagen, die m dieser Jahreszeit sonst ganz besonders die Menschheit zum Genuß der schönen Statur einladen, waren der Himmeljahrllag und der erste Pfingsttag noch zu zweifelhaft und kühl. Erst der Pfingst- Montag machte ein so vertrauenerweckendes Gesicht, daß sich die Frühlingslust auch bei den Menschen völlig entfaltete. Ta war denn in der Tat an unseren schönen Plätzen, aus der Terrasse, wo Militärkonzcrt war, am Teichhaus, am Waldhaus, auf dem Jobannisberg u. s. w. ein fröhliches Gewimmel, wie es bei solcher Gelegenheit zur rechten Stimmung gehört. Wer aber die Sülle vorzog, brauchte nur etwas weiter in die schattige Waldkühle ein> zudringen. Und von den höher gelegenen Punkten aus bot sich eine so klare, weite Aussicht wie selten. So weil und klar möchte man in Bad Nauheims Zukunft Vorausschauen! — Gießener Kun st verein. Die Gemälde-Ausstellung am Brand, welche wegen vollständigen Wechsels der Gemälde Vier- Tage geschlossen war, ist von morgen (Sonntag) an wieder geöffnet. Die reichhaltige und intereisante Ausstellung weist nahezu 100 Bilder auf und zwar Kollektionen von Salomon C o r r o d i- Rom und I. G. Mohr-Frankfurt. Beide Kollektionen haben in verschiedenen größeren Städten allgemeines Interesse hervorgerufen. Außerdem umfaßt die Ausstellung noch ein größeres Gemälde von dem bekannten Karlsruher Künstler Prof. Hans v. Volkmann. Auch Emil P r o ch - Worpswede, der im Gießener Künstverein in kurzer Zeit schon 10 Bilder verkaufte, hat die Ausstellung wieder mit zwei schönen Gemälden, Worpswcder Motiven, beschickt. Ferner sind noch 60 Originalzeichnungen von bekannten Künstlern und Mitarbeitern des Simplicissimus, Th. Th Hetne, Frhr. v. R e z n i c e k, A. Eng ström, R- Wille- München und E. Heilemann-Berlin ansgestelli, jo daß die Ausstellung auch manches humoristische Bildchen aufzuweisen hat. Tie Ausstellung ist Sonntags von 11 bis 3 Uhr un? an Wochentagen, mit Ausnahme Samstags, von 11 bis 1 Uhr geöffnet, Mittwocks auch noch von 3 bis 5 Uhr nachmittags. — Vom O b e r h e s s i s ch e n A u s st e 11 n n g s h a u s e i n Dar m st adt. Aus Oden Hans en wird uns initgeteilt, daß (waS die Ausstellungskataloge, unter Anführung anderer Basalt- anschließend ein gemeinsamer Besuch der Landes-Ausstellung für Freie und Angewandte Kunst stattfinden. ** Die Hess. Lehrerwitw^en und -Waisen. Man schreibt uns: Arn 2. b. M. beriet der Fiilanzausschuß der Hessischen Zweiten Kammer den Antrag Schmidt-von Brentano über die Witwen- und Waisenversorgung der Vvlksschullehrer. In Verbindung hiermit wurde auch Stellung genommen zu der Eingabe des Landes-Lehrervereins, in der um Annahme des Antrages Schmidt-von Brentano gebeten wird. Der Finanzausschnß ivar einstimmig der Ansicht, daß eine Regelung der Verhältnisse nicht zu umgehen sei, aber man war verschiedener Meinung darüber, wann diese Aenderung erfolgen solle. Die Minderheit wollte das Gesuch der Regierung zur Berücksichtigung überweisen, die Mehrheit hielt es für besser, den Antrag Schmidt-von Brentano vorläufig für erledigt zu erklären und die Hinterbliebenen der Lehrer später mit denjenigen der übrigen Staatsbeamten gleichzustellen. Sollte dieser Beschluß des Finanzausschusses auch in der Zweiten Kammer Zustimmung finden, so bedentete das Mr die hessischen Lehrer eine große Enttäuschung. Sie erwarten von der Zweiten Kammer, daß sie die Regierung ersucht, den in der Eingabe des Landes-Lehrervereins enthaltenen Wünschen bald zu entsprechen. Die Mehrausgabe für den Staat beträgt in den nächsten Jahren nur einige 1000 Mark. Die von anderer Seite angegebene Summe von 92000 Mark könnte höchstens nach einem vollen Menschenalter in Betracht kommen. Wer die Verhältnisse der Lehrerwitwen kennt — .in den größeren Orten reicht die ganze Pension etwa für die Wiohnung —, wer ferner weiß, wie ans diesem Gebiete Hessen hinter Bayern und anderen Staaten zurücksteht, kann nur dem Anträge der M i n d e r h e i t zustimmen. Tie Zuversicht der Voltsschullehrer hat sich schon öfters bewährt. Deshalb hofft der Lehrerstand einmütig, daß auch diesmal die gesetzgebenden Faktoren für die berechtigten Wünsche eintreten werden. •• Von den Weiden des Landivirtschafts- kammer-Ausschusses. Der Auftrieb auf die Weiden hat in diesen Tagen stattgefunden und gezeigt, daß die Wcide- einrichtungen als nützliche Institute seitens der Viehzüchter anerkannt sind. Die Zahl der auf den einzelnen Weiden aufgenommenen Fohlen und Rinder beträgt: für die Fohlenweide in Tiergarten 67 Fohlen, für die Rinderweide in Wernings 80 Rinder, für die Rinder- und Fohlenweide in Zell 51 Rinder und 25 Fohlen und für die Rinder- und Fohlenweide in Lauterbach 55 Rinder und 15 Fohlen. Es wird also im ganzen für 107 Fohlen und 186 Rinder Weidegelegenheit geboten. Anerkannt wurde allenthalben, daß die Qualität des Weideviehes gegen früher sich wesentlich verbessert hat und die oberhcssischen Zuchtbestrebungen in den Weiden sehr wichtige Förderungsmittel erhalten. ** Aus dem Bureau des StadttHeaters: Die „Lustige Witwe", die wir am kommenden Dienstag hier sehen werden, erzielte gestern Abend zur Eröffnung der Operettenspielzeit im Nauheimer Kurl he ater ein ausverkauftes Haus und einen durchschlagenden Erfolg. Die Solisten, namentlich Frl. Großkopf und Herr Kammersänger Hildebrandt, aber auch Frl. Klerwin und Herr Bauer wurden durch zahlreiche Hervorrufe ausgezeichnet. Auch die Ausstattung fand bewunderndes Lob. — Sehr zu wünschen ist, daß auch die besseren Plätze zur hiesigen Aufführung besetzt werden. Nur bei gutem Besuche ist eine Fortsetzung der Operettenaufführung zu ermöglichen, da die Kosten durch hohe ?Aufführungshonorarc„ Beförderung des Personals per Extra - 1 sug, Transport der Spezialdekorationen usw. sehr hoch sind. ** Die Anlagemusik fällt morgen Sonntag aus. ** Das Jugendfcst findet, wie auf verschiedene Anfragen mitgeteilt sei, am 23. Juli statt. nwvfc und Steinbrüche, merkwürdigerweise verschweigen), die meiste SteimNetzarbeik, vor allen Dingen für die ganze Ostseite, einen großen Teil der Südseile, sowie die große Westgaube und die der 4 großen Vorbaupfeiler aus dem Gemeindesleinbruch zu Oden- Haufen stammt und durch das Baugejchäit BirkenstockL S ch n e i d e r ausgeführt wurde, welches Pächter ist, unter Leitung ihres Parliers M ii H e r ans Allertshausen, sowie des Architekten Wetter ans Gießen. Tie Steine wurden mit Ausnahme von einem Wagen sämtlich auf Bahnhof Odenhaufen verladen. — Vom Coburger Hoftheater. Aus Coburg meldet man der „L. A.-Z.": Am hiesigen Hoftheater hat sich Seltsames ereignet. Der langjährige, jetzt beurlaubte Hoftheater-Jnlendant von Ebart kehrt, (.roie wir bereits meldeten, nicht wieder auf seinen Posten zurück, lieber die Nachfolgerschaft ist noch nichts bekannt. Ter Grund des Rücktritts des Intendanten sind Verstimmungen zioischen dem Herzog und Herrn von Ebarl. Ter Herzog hat in der jüngsten Zeit eine Reihe von seitens der Intendanz verfügten Verabschiedungen wieder- rückgängig g e m aaj t und teilweise auch eine E r Höhung der Gehälieyder Theatermitglieder eintreten lassen. Das worunter anderem der Fall mit dem Hofschauspieler Schäffer, den der Herzog unter Verleihung der Medaille für Kunst und Wissenschaft jüngst gegen den Willen der Intendanz «engagierte. Herr von Ebart ivar bei den Mitgliedern des Hostheaters überhaupt wenig beliebt. Mit dem Hofopernsänger Schützendorf von der Maar führte er sogar einen Prozeß, der schließlich dadurch beigelegt wurde, daß von Ebart eine Erklärung äbgab, in der zugegeben wurde, daß dem Länger mehrere Rollen z n 11 n r c d) i entzogen worden seien. Verschiedenilich wurde auch die Geschäftsführung von Ebarts in der Oefsentlichkeit getadelt. Tas Publikum ist mit dem Urlaub und dem nunmehrigen Micktritt des Intendanten sehr zufrieden, da inan in der Verabschiedung EvartS den Entschluß des Herzogs erblickt, die in letzter Zeit recht unerquicklich gewordenen Zustände am Hostheater gründlich zu reformieren. Kleine M n n ft cf) r o n i f. In Weimar scheint es wieder einmal zu kriseln. Wenn auch Prof. Ludwig v. Hofmann die Meldungen, daß er Weimars Kunstakademie verlassen werde, widerrufen und mitgeteilt hat, daß er nur feine dortige Lehrtätigkeit im wesentlichen aufgebe, so läßt die heutige Nachricht, daß Prof. Sascha Schneider aus der Weimarer Kunstschule austrete und fid) in 9iom niederzulasien gedenke, darauf schließen, daß dock) Umstände eingerieten sind, die den Künstlern die dortige Äirljamkeic verleiden. — Ter Intendant des König!. Hoftheaters zu Hannover, Kammerherr v. Lepel-Gnitz, ist, 64 Jahre alt, in Berlin gestorben. — Wie aus München berichtet wird, hac Franz von Schönthan sich anr Attersee einen neuen Sommeriitz gebaut, in dem er die letzte Hand an sein neues Lustspiel Georgina legen iüirb. Das Stück spielt zur Zeit Georgs III. in England und wird gleichzeitig am Kleinen Theater in Berlin und am Deutschen VollStheaker in Wien zur erstmaligen Auf- führung gelangen. [] Marburg, 12. Juni. Arn Dienstag scheuten hier am Rotenberg die Pferde eines Wagens aus Ockershausen. Der 29jährige Landwirt Konrad Blaufus stürzte dabei so unglücklich, daß er gestern abend gestorben ist. F.C. Frankfurt a. M-, 12. Juni. Den Teilnehmern des ersten Internationalen Kongresses für RettnngSwesen wurde heute nachmittag auf dem Griesheimer Feld-e bei Frankfurt eine Hebung Badisch er, Bayerischer, H essi s ch c r und P rcnßischcr fr c i iv i l l i g e r 2 ä n i t ä t s k o l o n n e n vom Roten Kreuz vorgeführt. Zahlreiche Mirglieder des Kongresses hatten sich ein- gefunden, foivic der Vorsitzende des Badischen Landesvereins vom Roten Kreuz, General-Major z. T. Limberger-Karlsrnhe, der Vorsitzende des Hessischen Landesverbandes, Exzellenz D. Puchner- Tarmstadt, LandgerichrSrat Wiener-Gießen, der stellveriretendeVor- sitzende des Zentralkomitees des Bayerischen LandeshilssvercinS General-Major z. T. Hoffinann-Milnchen und der steUverlretende Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Vereine vom Roten Kreuz, General der Infanterie! z. T. v. Viebahn-Meiniugen. Außerdem waren erschienen Prinz Friedrich Kari von Hessen und der kommandierende General des 18. Korps v. Eichhorn. Tie Kolonnen unter dem Kommando^ deS Major d. L. Schweickhardt-Franken- thal ioaren in zwei Tressen anfgestellr mit der RegimentSmusik der 81 er ans dem rechten Flügel. Im ersten Treffen standen die freiwilligen Sanitätskolonnen der Provinzen Hessen-Nassau, Hannover und Westfalen, die Kolonnen aus dem Großherzogtum Hessen (aus Mainz, Tarmstadt, Ofsenbachi und die Badischen Kolonnen (aus Karlsruhe, Pforzheim, int zweiten Treffen die Kolonnen ans dem Königreich Bayern »aus Unterfranken und der Pfalz >. Tahinier waren die Krankenivagcn bespannt mit Pferden des 63. Artillerie-Regiments postiert. Gegen 51;? Uhr nahm zunächst der Inspektor der Sanitäts-Kolonne vom Roten Kreuz, der General der Infanterie v. Perthes-Berlin, die Parade und den daran fid) schließenden Parademarsch ab, worauf fid) die Kolonnen auseinanderzogen, um ihre Tätigkeit praktisch vorzuführen. Am westlichen Teile des Griesheimer Exerzierplatzes war eine chemische Fabrik markiert, in der in dem Moment als die Kolonnen sich auseinanderzogen, eine Explosion erfolgte. Der Bezirksinspekteur der Freiwilligen Sanitätstolonnc Dr. Roth- Frankfurt a. M. erhielt den Auftrag, die 30—40 tödlich ober mehr oder minder schwer verletzren Arbeiter zu bergen und zwar auf dem schnellsten Wege, da eine weitere Explosion, namentlid) von Benzin- yorräten, zu befürchten ist. Die Kolonnen, besonders die Mannschaften deS ZweigvercinS Offenbach a. M. und der Sanitätskolonnen Griesheim, Höchst und Hochheim erhielten den Auftrag, die Verletzten aus den Trümmern der eingeftürzten Fabrik zu bergen. Mit der größten Schnelligkeit wurden die Tragbahren in Bereitschaft gesetzt, die Verletzten daraufgebettet und nach dem auf dem Exerzierplätze von den Badischen und Preußischen Kolonnen inzwischen hcrgerichteten Verbindeplatz, mir Zelten für Leicht- nnd Schwerverletzte getragen. Hier verband man die Verletzten, je nachdem am Kopf, Rumpf und den Gliedmaßen, erquickte sie und überführte sie sodann per Automobil ober per Wagen, teils nach den in der Rebstöckerstraße stehenden, für den Verwundeten- TranSport eingerichteten Trambahnwagen, teils in die an dem Eisenbahndamm der Taunusbahn bereitstehenden Eisenbahngüterwagen und Wagen vierter Klasse, die man ebenfalls für die Aufnahme der Verletzten nmgewandelt hatte, um von da, wie man annahm, in die verschiedenen Krankenhäuser Frankfurts über» führt zu werden. Das Abnehmen der Verletzten von den Wagen und das Niederlegen in die Tram- und Eisenbahnwagen, ma5 besondere Hebung und Sorgfalt erfordert, führten die Bayerischen Kolonnen vornehmlich ans. Gegen 6 >;2 Hhr war die interessante Hebung zu Ende.________________ ________ GeriehtssaaL. Berlin, 12. Juni. Vor dein Kriegsgericht der 1. Garde- divisiou wurde heule nachmittag das Urteil int Soldaten- mißhaud 1 ungsprozeß geiälll. Dasselbe lautet gegen ben Sergeanten B a l£ aus 1 Jahr, 3 Monate und einen Tag Gesänge Iris, sowie Degradation. Gegen den Vizefeldwebel Holzapfel aus 1 Jahr Gekängyis und Degradation; gegen Biermann aus 11 Monate und 8 Wochen Gefängnis imb gegen Walter aus 4 Wochen gelinden Arrest. Tie Angeklagten Feldwebel Buchho.p und Leutnant v. Bültzingslöwen wurden freigesprochen. Karlsruhe, 12. Juni. Eine neue Beleidrgungsklage von Olga Molitor wird vor dein hiesigen Schöffengericht nur 23. d. M. gegen den hiesigen Bohemien, Schriftsteller Waßmann, verhandelt. Toulon, 12. Juni. Eine dichte Menge drängt sich iir Erwartung der D e g r a d a t i o n des S ch i i s s s ä h n r i ch s U l l nr o aus dem Place St. Roch. Ter gewöhnliche Polizeidienst ist verdreifacht, um Zusammenstöße zu verhindern. Die Schaulustigen hallen Bäume, die Mauern des Ätarinegesängnisses und die Festungswälle besetzt. Als der Verurteilte erfchien, ertönten Pfiffe und Verwmischungen. Ohne zu zucken, hörte Ullmo die Verlesung des Urteils an, brach aber in einen Tränenstroin aus, als im gegebenen Augenblick sein Degen zerbrochen und ihnr vor die Füße geworfen wurde. Unmittelbar darauf wurde Ullmo unter feindlichen Kundgebungeii der Menge, die der Degradation schweigend beigewohnt hatte, ins Marinegesängnis ziirück und von dort nach Anlegung von Zivilkleidern in das Zivilgefängnis über-- führt. Zwischenfälle tarnen nicht vor. Der gesamte Vorgang machte groben Eindriick auf die zum Ordnungsdienst befohlenen Rekruten. Ullmo wird im nächsten Monat nach der Teusels- in s e l gebracht werden. Universitäts-Nachrrcyten. — Der Professor der Staatswissenschasteii mt der Universitär Rt eXr Dr. Georg Adler, ist in einem Hotel zri Berlin einem Herz- und Gehirnfchlag e rlegen. Professor Adler ist nur 45 Jahre alt geworden. — Noch eine Universität ohne Studentei,. Kürz- lich war hier die Rede von der Universität Warschau als einer studentenlosen Hochschule. Auch das Donaureich erfreut sich einer solcher Spezialität: Es ist die Franz Josefs-Universität in Agra m, die in dieseiu Somipersemester drei sage und schreibe: öui Hörer zählt. Und von dieser ivahrhast imponierenden Zahl hört — dies Wort seiner ureigensten Bedeutung nach genommen — wirklich nur einer. Wenigstens las man jüngst in kroatischen Blättern, daß vcm diesen drei inskribierten Hörern einer im Kolleg erschienen war und daß der Professor erklärte, er würde gegebenenfalls selbst vor diesem einzigen Hörer das ganze Sommersemester hindurch lesen. Tie Vorgeschichte dieses ftudentenlosen Zustandes der Agramer Uni- versität dürfte noch in Erinnerung sein; er ist aus die Maßregelung einiger Professoren durch den derzeitigen Banns Baron Rauch, einen klerikal angehauchten Herrn, zurückzuführen. Tie Antivort auf Rauchs Maßrägeln bildete ein Massenauszug der Agramer Studentenschaft an österreichische Hochschulen. Die Prinz heinrichHahrt. rv. Itzehoe, 12. Huni. Bei der Schnelligkeitsprüfung ’-in der Ebene bei Nien^ahn trafen hier der erste Wagen Nr. 2 (Stöwer) und weiterhin nacheinander die Wagen 3, 4, 5, 6, 7 und 18 ein. Wagen Nr. 1 ist verspätet eingetroffen, weil er unterwegs Aufenthalt hatte durch den Wagen 9, der gegen einen Baum fuhr. Hamburg, 12. Ium. Prinz und Prinzessin Heinrich hatten wenige Kilometer hinter dem Start in Kiel Aufstellung genommen, um der Borübersahrt der Kraftwagen zuzuschauen. Alsdann begaben sich die Herrschaften mit dem Prinzen Sigismund und dem Prinzen und der Prinzessin Battenberg an das Zvel der Strecke Schnelligkeitsprüfung bei Itzehoe. Bon den Fahrern schied Nr. 106 (May- Gera) schon bei Rendsburg au-V Auf der Weitersahrt brach Nr. 11 (Bölke-Gernrode) die Kurbel. An dem Stark der Schnelligkeitsprüfung trafen die ersten Wagen gegen 11 Uhr vormittags ein. Es fand zunächst ein stehender Start statt. Nach 500 Metern Anlauf erfolgte ein fliegender Start, an welchem die Abgangszciteu genommen wurden. Tie Strecke der Prüfung dehnt sich 9,5 Kilometer lang lineal- gerade aus; erst 300 Meter hinter dem Ziel erfolgt eine scharfe Kurve. Prinz Heinrich verweilte während der ganzen Zeit der Prüfung am Ziel, als am Nachmittag stundenlanger Gewitterregen niederging. Soweit sich aus den provisorisch festgestellten Zeiten ersehen läßt, deren Vergleichung durch telephonische Verbindung zwischen Start und Ziel ermöglicht wurde, haben Nr. 26 (Ladenburg-München), Nr. 27. (Tr. v. Bleichröder-Berlin )unb Nr. 81 (Landrat v. Marx-tzom- burg v. d. H.) die absolut besten Zeiten aufzuweisen, die die Strecke in wenig mehr als drei Minuten zurücklegten. Nr. 81 hat außerdem die beste relative Zeit, da er volle vier Minuten früher ans Ziel kam, als die für ihn angesetzte Mindestzeit verlangte. Bon bekannteren Fahrern haben z. B. Nr. 68 (Erler-Mcmnheim) 4 Min. 42 Sek. und Nr. 44 lPöge-Chemnitz) 4 Minuten 24 Sek. gebraucht. Sämtliche Adlerwagen haben über zwei Minuten weniger gebraucht, als die angesetzte Mindestzeit verlangte. Nr. 36 (Tahmen-Köln) hatte auf der Prüfungsstrecke eine längere Panne. Im ganzen sind 125 Wagen über die Strecke gegangen. Nr. 9 (Bugatti-Mülheim am Rhein) ist nach Zurücklegung der Strecke gegen einen Baum gerannt, wobei die Maschine durch Feuer völlig zerstört würbe. Ter Wagen mußte mit Pferdevorspann nach Hamburg gebracht werden. Eine leichte Ohnmacht des Fahrers hat den Unfall verursacht. Bis 6.18 Uhr sind in Hamburg 122 Wagen eingetroffen. Von sieben fehlenden war bekannt, daß vier größere „Pannen" hatten. — In der Umgebung von Itzehoe ist von einem Motorradfahrer ein Kind üb erfahren worden; dieser Unfall hat nicht auf der Prinz Heinrich-Strecke stattgefunden und steht mit ihr in keinem Zusammenhang. Nr. 56 (Herzog Ludwig von Bayern) hat die Strecke in 4 Minuten 46 Sek. zurückgelegt und damit die ihm angesetzte Mindestzeit von 2 Minuten 8 Sekunden überschritten. Darmstadt, 12. Juni. Ter Groß Herzog von Hessen ist bereit, eine H u l d igu n g s f a h r t der Automobilisten entge'genzuneymen. Er wird sämtliche Fahrer im neuen Palais als seine Gäste empfangen und bewirten. Vermachtes. • Die Tragödi e des Oberbürgermeisters. Die preußische Negierung hat den Oberbürgermeister Liebscher von Saatfeld in Thür, wegen Geisteskrankheit entmündigen lassen. Das Gericht stellte ihm einen Vormund und die Regierung suspendierte formell das kranke Stadtoberhaupt vom Dienst. Die ihm Nahestehenden hegten ob seines in sich gekehrten Wesens schon längere Zeit ernste Befürchtungen, und in Saalfeld zirkulierte seit Jahren das Gerücht, daß der Oberbürgermeister in jüngeren Jahren eine unglückliche Liebe hatte, die in dem gereiften Manne noch nachwirkte. Im Otlober vorigen Jahres machten sich plötz- lich Zeichen geistiger Störiing bei dem Stadtoberhaupt bemerkbar. Im gioocinber wurde er in die Nervenklinik des Professors Binswanger in Jena gebracht, wo die Aerzte bald feststellten, daß auf eine Genesung nicht mehr zu red)nen war. Mit der fortschreitenden Melancholie ging ein rascher Verfall der körperlichen Kräfte Hand in Hand, und der Tag ist wohl nicht niehr fern, wo der Unglückliche ausgelitten hat. Aus diesem Grunde hat die Stadt auch davon ab- 3649 iuni 1908 Heuchelheim, den e vielen Beweise herzlicher Teiliiahiiie schweren Verluste sagen innigsten Dank Die trauernden Hinterbliebenen Familie Hofmaml Familie Römer. LtMWr Arbkitsuchmis 8kp. Gartenstraffc 2, Zimmer 2. Es können eingestellt werden: 3. bei hiesigen Arbeitgebern: 1 Glaser, 1 Sattler und Pot,lerer, 2 Wagner, 1 Wagentacklerer, 1 Stallbursche, 1 Haushälterin, 2 yaunnäödjeit, 1 Kaufsrau, 3 Dienstmädchen, 2 jung. Kindermädchen, 1 jüngerer Schreiner, 1 Weißbinder, 1 schlosser, 1 Glaser, 1 Sp en gl er, 1 Hausdiener, 1 Hausbursche, 3 Fahrburschen, 1 berridjflU Kutscher und Gärtner, 12 Arbeiter, 1 Haushälterin, 4 ^aui freuen, 1 Laufmädchen, 1 Näherin, 2 Waschfrauen. Lehrlinge: 1 schreiner. ______________ ___ AMWr Wohnuugsnichmis Giesse«. Gartenstraffe 2, Zimmer 2. (Geschäftsstunden von 8—1 und von 3—6 Uhr.) ^Wo^nungen von *8 Zimmern, 1 Wohnung von 7 Zimmern, 3 Wohnungen von 6 Zimmern, 9 Wohnungen von a Zimmern, 10 Wohnungen von 4 Zimmern, 4 Wohnungen von 3 Zimmern, 2 Wohnungen von 3 Zimmern mit Laden, 1 Mahnung von Zimmern, 8 möbl. Zimmer, 1 nnmöbt. Zimmer, 1 Werkstatt. Zu mieten gesucht: 36 Wohnungen von 2—/ Zimmern.IB /? Bekanntmachung, Mohns« Vornahme von Kabelarbeiten ist das Kabel in der ausgeschaltet'und die StromUeserung un^rbrochen. was rott hiermit den anliegenden Komumenten zur Kenntnis bring . NLL'ELiEsEk Riefte,,.________ Tierschutz-Verein Gießen. Zu der Ti-nst°°. d-n 23. Juni, nbeub« SV,, Ubr im Sotcl Kaiscrdos stattfindenden „ t ordentlichen Generalversammlung werden alle Mitglieder hierdnrch^sreundl. eingeladen. T a g e S - O r d n u n g: 1. Jahresbericht. 2. Rechnungsablage. 4. Anträge, welche aber 8 Tage vorher beim Vorstände cüv gereicht werden müssen. ^nnnano. Gießen, den 9. Ium 1908. Betmmtmachung. Am 14., 15. und 16. Juni d. Js. ist die Straße von Nuttcrshausen nach Wißmar, am Eingang von Wißmar wegen Wasserleitungsarbeiten gesperrt. Wißmar, den 12. Juni 1908. Pansch, Vorsteher. v"/. D18/6 Herrgras-Versteigerrmgen der Fürstlich Solmsischen Rentei Lich. Heu gras - Versteigerung. Fürstlich Solmsische Oberförsterei Hohensolms. Donnerstag, den 18. Juni 1908, vormittags 9 Uhr Ge- meinde Oberlemp 30 Morgen. Auf „ans der Lamper". Rachmittags 4 Uhr Gemeinde Mudersbach 24 Morgen. Anfang „Teich Nr. 1". . ... . Freitag, den 19. Ium, vormittags 9 Ubr Gemeinde Erda 40 Morgen. Anfang „Krähwiese". . . Rachmittags 3 Ubr Gemeinde Hoben,olmö 58 Morgen Anfang „Bornwiese". Die Wiesen an der Lohmühle und im Blasbachergrund iverden mit versteigert. Samstag, den 20. oum, nachmittags 1 Uhr Gemeinde Fraukenbach 34 Morgen. Ansang „Langwiese". Das Hengras von den Fürstl. Wiesen re. wird versteigert: Tienstag, den 23. Juni l. Js., vormittags vracts 8 Uhr von den Wiesen in der Gemarkung Lich oberhalb der Stadl ,ui sannnen ea. 75 Morgen, wobei ausdrücklich bemerkt wird, dan die Abteilungen 1 ü nnd die Abteilungen 11—1/ — 26 Morgen der sogenannten Wvrthwiese nicht versteigert wereen. Zusammenkunft an der Saubrücke. 2Ut demselben Tage, nachmittags vrac,S 1 Ubr, von den Wiesen unterhalb der Stadt Lich zusammen 6 Morgen. 'Zusammentunst in dem Schloßgarten an der Eisenbahnbrucke. Mittwoch, den 24. Juni, vormittags Vracts 8 Uhr, von den Fürstlichen Wiesen in den Gemarkungen Mnhlsachsen, Ober-> und Ziieder-Bessingen im Ganzen 125 Morgen. Zusammentunsl m Aiühlsachsen. Lich, den 10. Ium 1908. Fürstlich Solmsische Rentei. Kreiling. Hengras-Bersteigerung. Das Heugras von den Domanialroiesen der Oberförsterei Wieseck und Gießen wird versteigert: . L ftn der Gemarkung Alten-Buseck Mtttwock, den 1«. Juni l. Js., vormittags 10 Ubr, in der Wirt,chatt des Herrn Otto Rabenau 2. An^er^Gemarkung Wieseck Donnerstag, den 18. Juni l. Js., vormittags 10 Uhr, in der srnheren Dorfeld fchen Wirtschaft 3. 8»^er Gemarkung Gießen an demselben Tage, nachmittags % Ubr, in der trüberen Leib scheu Wirtichaft im Philosophen wald bei Gießen. Gießen, den 2. Juni 1908. . Pis/e Großh. Obersörsterei Wieseck. Großh. Oberförsterei Giegen. Weigand. Köhler. Berlin C Ä tnrtvArA/ Frankfurta.M. Burg b. M. C. HnyilGK Telefon 3024 Spezialfabrik für Dampf- u. Wasserheizungen Vertreter: Chr. Zimmer, Giessen, Bahnhofstrasse 12 gesehen, die Pensionierung des Oberbürgermeisters zu be-' antragen. • Stiftungen. Tie Eisenbahnsignalbananstalt Rtax Jiiedel & Eo. Akt.-Ges. in Braunschweig hat der Stadtverwaltung 22,500 Mark überweisen lassen. Von dieser Summe sollen 10,500 Mark für Wohltätigkeitszroecke verwendet worden. — Der in Bromberg vor knrzem verstorbene Konnnerzlenrat Gamm hinterließ der Stadt 185 000 Mark für unbemittelte Bewohner Brombergs. — Tie kürzlich in Paris verstorbene Witwe Proviny hat dem dortigen Wohltätigkeits-Bureau ihr vrachtvolles Eigentum so- ivie 10 Millionen Francs testamentarisch vermacht, mit der Bedingung, ein VersorgungSheim für Greise und Greisinnen zu errichten. Kleine Tageschronit. Beim Forsthause des Kölner Stadtwaldes sand ein städtischer Anfseher Die verstümmelte Leiche eines Knaben. Tie Cbbiiftion ergab, daß Lustmord nicht vorliegt. Der kleine Hammer hatte in den Abendslnnden beim TenniSspiel 40 Psennig verdient. Die Polizei nimmt an, daß es irgend ein Strolch ans Geldbetrag abgesehen hatte und den Knaben inL Dickicht schleppte, wo er ihn ermordete. Major 3-rIjr. v. Gemmingen vom 1. Garde-Ulanen-Regi-. ment ft ü r 51 c beim Attacke-Reiten während der Gesechlsexerziticn in Döberitzso unglücklich mit dem Pferde, daß er Scl)ädel- und Schlüsselbeinbrüche erlitt. — Im Grünewald hat sich der 18'2- jährige Oberprimaner Gustav Stender aus Friedenau erschossen. Tas Motiv, das den jungen Mann zum Selbst? morde trieb, war die Angst vor Dem Abiturientenexamen. Er fürchtete, daß er infolge eines Konflikts, in den er mit feinem Tirekwr geraten war, im Abiturium durchfallen könne. „New Pork Herald" berichtet aus Shanghai: In der Nähe von Chang criolgie eine eigenartige Katastrophe. Es entstand plößlich ein mcilcnlanger Riß an einem Bergabhange, in dem mehrere hundert Wohnhäuser mit ihren In - sassen, Vieh und Niobiliar verschwanden. Die genaue Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt. Gießener Wettervienst. Voranösichtlichc Witterung für Hessen am Sonntag den 14. Juni: Wolkig. Vorübergehend geringer Regen, später Aufheiterung. Etwas kühler. Müller'schc Badeanstalt. W a s f e r io ä r in e der Lahn 15 °R. GL-ginai-Drahtmeldungen. Danzig, 13. Juni. Die gemeinfanie Sitzung des Gesamtvorstandes des Deutschen Flottenvereins, für die zwei Tage in Aussicht genommen waren, hat bereits gestern ihren Abschluß gefunden und einen friedlichen Verkauf genommen. Zu verdanken ist dies dem energischen Eintreten des west- preußischen Prooinzialverbandes, besonders der Tatkraft des Oberpräsidenten von Jagow. Brüssel, 13. Juni. Ter „Soir" verzeichnet das iit parlamentarischen Kreisen zirkulierende Gerücht, daß die Haltnng Englands in der Kongofrage plötzlich sehr energisch geworden sei, nachdem in Wiesbaden die Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und König Leopold stattgefunden hat. L c in b c r g, 13. Juni. Hier wurde wegen Zechprellerei der Benediktiner-Mönch Ernst Gyonet verhaftet. Dieser spricht geläufig acht Sprachen. Rom, 13. Juni. Unbekannte sprengten mittelst Dynamit die Mauer der in Bau befindlichen Kirche in der Nähe von Savona. atäee HAG (Coffemfrei) » ist ein durch besondere Behandlung veredeltes Produkt und unterscheidet sich vom gewöhnlichen Kaffee bester Qualität dadurch, daß er nicht „auf die Nerven geht", kein Herzklopfen, keine Schlaflosigkeit, kein Händezittern oder sonstige unangenehme Erscheinungen ver« Ursacht und auch sür Blutarme, Rekonvaleszenten und Kinder unschädlich ist. Geschmack und Aroma sind unverändert, so daß nicht einmal geübte Fachleute einen Unterschied finden können; bei den billigeren Sorten läßt sich sogar eine Verfeinerung konstatieren. Ein Versuch ist leicht gemacht, da alle größeren, aber «uch schon viele kleine Geschäfte den durch Hunderte von . Aerzlcn aufs wärmste empfohlenen Coffemsreien Kaffee- H AG der Kaffee- Handels - Aktien-Gcsellschast Bremen33 führen. Nur echt - in Originalpackung mit nebenstehender Schutzmarke „Rettungsring". Prüfen S,el (‘JZnd)t>riu£ uerlioleu.) ^engras-Bersteigerimg. Dienstag, den 16. Juni, nachmittags von 5 Ubr ab, soll an Ort und Stelle das Heugras von der fiskalischen Sorauroiese versteigert iverden. Treis a. Lda., den 11. Ium 1908. Bl I« Großherzogliche Oberförsterei Treis. Schneider. . rhflFFEE' L Hflö J Kreditverein Heuchelheim W.m.u.H. Bilanz am 31. Aktiva. 1. Kassenbestand 32745.82 2. Ausgeliehene Kapitalien 800078.16 3. Güterkaufgelder 233830.63 4. Mobilien 280.— 5. Fällige Zinsen 7558.50 1074493.11 Die Zahl der Mitglieder bctc In 1907 gingen zu Dezember 19 07. Passiva. ..K, 1. Kapitaleinlag. 1020922.65 2. Stammanteil der Genossen 14704,04 3. Im voraus erhob. Zinsen von Güter- katifgeldern 1284.60 4. Rcservefond 28754.84 5. Spezialreserve. 5444.10 6. Reingewinn 3382.88 1074493.11 g Ende 1906 319 5 324 In 1907 gingen ab Daher Stand Ende 1907 Heuchelheim, den 13. Juni 1908. Kreiling Gorr Direktor. Kontrolleur. 4 320 Volkmann Rechner. 3650 Braunkohlen-Presssteine der staatliche» Grube Lndwigsbossuung billigster und vorzüg- lichster Brand, gleichwertig jedem BrannLoblenbrtkett. ss /> Grotzh. Bcrgwerksdirektion Friedberg, Hess. 3n uevmirtcit 1269] Elegante 7-Zimmerwohng. per 1. Juli in der Blockstraße zu vermieten. Näheres bei A. Geißner, Seltersweg 22. Ludwigsplatz 10, parterre Wohnung, 7 Zimmer, zu vermieten._______________[1731 2422] Alicestrahe 11 Beletage 7 Zimmer per 1. Juli zu verm. Näh. Büro EmilHorst, Riegelpfad 6 Zimmer 6-Zimmer-Wohnung, Stephanstr. 25 vart., mit Bad u. 2 Mansardenz., Gasu. elektr. Licht, der Neuzeit entspr. einger., sowie 6-Zimmcr-Wohnunaen, Goethestr. 69, mit Bad, Gas und elektr. Licht, der Neuzeit entspr. einger. per 1. Okt. zu vermieten. 8583] Näh. Stephanstr. 25, pt. Ludwigstraße 52. [2214 Sch. 6-Ztmmer-Wohn. mit Zubeh. per sofort ob. später zu verm. Näh. bei Klippel LLaucht, 'Neuenweg 42. Süd-Anlage 23, I. 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