Donnerstag, 12. November 1908 158. Jahrgang Nr. 267 Erscheint «gilt ettt entnahm« H Sonntag». werden. (Bravo! rechts.) Wer in einem Kriege die Zeche zu bezahlen hätte, brauche ich wohl hier nicht zu sagen. (Abg. Franck (Soz.) ruft: Selbstverständlich das deutsche Volk!) Bei dieser Auftastung von den Aufgaben um er et Flotte . . (Zurufe bei den Soz.: Die nicht maßgebend ist!) .... Sie scheinen ,a aar leine Ahnung zu haben, worum es sich hier handelt; S,e haben wohl bei der ganzen gestrigen Debatte mindestens geistig geschlafen! (Große Heiterkeit.) Di« „ettfienti KavtUtendläNer" werden dem gtlnjetger* etennal wöchentltch detgelegt. da» „Kretsblati ffii de» Kreti «testen" zweimal wöchenUrch. Der Landwirt" erscheint ewnatlid) einmal. JUtattoM&turf and vertag Mi vrvbuchen UnttxifUdi« . Biu> and Ct>tn6tudetrL 8t Buten. ÖUMftwn. LrvedMon and Drudeeeti Schul- fttaße 7 Lrvedttwn and vertag i 6L Sied al Narr e*9 1IX Let-Adr^ LnzetgerButz«. Deutscher Reichstag. 159. Sitzung, Mittwoch, 11. November. DaS HauS und sämtliche Tribünen sind voll besetzt. Am Tische des Bundesrats: v. Bethmann-Hollweg, Dernburg, Kraetle, v. Tirpitz, Shdow von Loe b eIL ebent Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr en. Die Besprechung der Kaiser.Jntcrpellationen. Abg. Freiherr v. Gamp (Np.): Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen Abg. Schrader (fteis. Vgg^: Ein jeder Redner, der sich des Ernstes der Situation voll bewußt ist, wird seine Rede danach einzurichten haben, nicht unnötiges aufzunehmen, aber auch bad No 1 we n b 1 g e n r ch t z u verschweigen. Er muß sich zweitens bewußt sein, daß in ben wichtigen Forberungen, die von allen Seiten ausgestellt werden, wir Einmütigkeit zeigen müssen. Diese Einmütigkeit ,t etwas, was wir aus bas Schärfste betonen müssen, ^arutn fallt cs mir nicht ein, mit bem Vorredner eine Polemik zu beginnen. (Zustimmung.) Psychologische Erörterungen anzustellen über den Entwicklungsgang des Monarchen, scheint mir an dieser Stelle nicht richtig. Ferner hat meines Erachtens der Vorredner einen Mann schwer angegriffen, der eS nicht verdient, den Reichskanzler Kaprun, indem er sagte, er sei ein Mann gewesen, der nicht den Mut flefabt hätte, seine Meinung zu vertreten. Er ist im Gegenteil em Mann gewesen, vor besten Mannesmut und Ausdauer wir alle Hochachtung empfinden müsten. (Beifall links.) Und nun gut Sache! Ich will mich nicht in lange Erörterungen emlasten, werde mich vielmehr beschränken auf den Gegenstand selbst. Jn erster Stell ist bemerkenswert das, was über die Behandlung der Veröffentlichung selbst gesagt ist, daß nämlich das wichtige Aktenstück durch sehr viele Hände gehen konnte. Das Aktenstück ist auf Umwegen durch fünf ober sechs verschiedene Personen hindurchgegangen. Nur einer hat es angesehen. DaS TTt der Geheimrat tm Slußwartigcn Amt, dem die Anfertigung des Berichtes übertragen ist. Er hat nun doch offenbar einen Bericht gemacht. Da muß man doch sagen, ein Rat, dem aufgetragen ist, einen Bericht über eine Sache zu machen, die vom Kaiser ausgeht, der wird auch einen Bericht er. stattet haben, und in diesem Bericht wird auch gestanden Haven, um was es sich bei dem Interview gehandelt hat. Vielleicht hat ein falsches Urteil in dem Bericht gestanden. Jedenfalls mußte es aber Veranlassung geben, für diejenigen, die den Bericht erhielten, sich zu überzeugen, waS der Artikel denn eigentlich enthalte, und ob es rötlich sei, ihn zu veröffentlichen. Ich kenne den Geheimrat nicht, jedenfalls ist es ober bart, wenn der einzige, der vielleicht falsch geurteilt, aber seine Pflicht erfüllt hat, beqenige ist, der ba- für büßen muß. Ein Grund für die unbegreiflichen Tinge ist vielleicht in der räumlichen Trennung zu finden, der räumlichen Trennung aller derer, die mit her sacke zu tun gehabt haben. Diese Trennung ist für unsere jetzige Politik etn fdtoer« Fehler. ES ist jetzt eine Regierung von vielen Stellen vorhanoen, die eigentlich zusammen sein müßten. Die Trennung erklärt, daß solche Angelegenheiten nicht so sorgfältig bearbeitet werden, wie es nötig ist. Wären die Herren näher bet einander gewesen, dann wäre die Sache anders gewesen. Wenn der Kaiser und der,Reichskanzler über die Sache hätte sprechen können, wurden etn paar Worte genügt haben, um solche Vorkommnisse zu verhüten. Aehn- lich wäre es gewesen, wenn der Reichskanzler und das Auswärtige Amt zusammen gewesen wären. Mit dieser Ari der Regierung darf nicht fortgefahren werden, am wenigsten dann, wenn es sich handelt um Zeiten, tote die gegenwärtigen, in denen die wichtigsten und schwierigsten Fragen täglich zu erörtern sind. Ob im Auswärtigen Amt nicht mit bet nötigen Sorgfalt gearbeitet wird — ich weiß es nicht. Aber dieses System darf nicht fortgeführt werden. Dann aber: Am 28. Oktober ist bre Veröffentlichung tm „Daily Telegraph" erschienen. Seit her ganzen Zeit mußte ber Kanzler informiert sein über das, waS ber Kaiser gesagt hat. Damals mußte er bas richtig stellen, waS er setzt richtig gestellt hat. (Sehr richtig!) Jene Erklärung in ber „Norb- brutschen Allgem. Ztg." war do die richtige Stelle, bas zu tun. (Sehr richtig!) Statt dessen erfuhr man, daß der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten einberufen sei. Wenn die Erregung so groß geworden 'ft, so ist eS zum großen Teil dadurch gekommen, daß die Dinge so lange unwidersprochen m der Welt berymliefen Von Tag zu Tag ist die Erregung gewachsen. Wir, als wir von diesen Dingen hörten, sind allerdings erschrocken gewesen. (Sehr wahr!) Aber so erschrocken nicht, wie diejenigen Leute, die der Politik fernstanden. UnS war es nur ein neues Glied e'ner alten Kette. (Sehr gut!) Ich muß auch sagen, daß die Darstellung, die ber Reichskanzler gegeben, in der Hauptsache bas boch nur bestätigt, was, vielleicht hie unb da zu scharf pointiert, tm „Daily Telegraph" ftanb. Es ist bas em Beweis, daß N'e-nanb sich mehr hüten soll vor freier Aussprache, als hochgestellte Personen. (Sehr richtig!) ES gibt Leute, die einen Stolz darin sehen, sich mit einer hochgestellten Person zu unterhalten unb dann sagen zu können: WaS sind wir für Kerle, daß uns gegenüber ber Kaiser solche Aeußerungen getan hat! kSehr wahr!) Noch einige Worte über die auswärtige Politik. — Ich will es nicht so machen wie mein Vorgänger. (Heiterkeit links.) Es ergibt sich aus biesen Vorgängen ganz klar, b a ß unsere Politik nicht einheitlich geführt wirb, daß zwei Elemente in ber Politik arbeiten, nicht mit, sonbern öfter gegen-manber. Und das ist ber Grunb, weshalb man im Ausland nicht das Vertrauen zu unserer Politik hat, das man , haben sollte. Tenn darin sind wir einig, daß unsere Politik im großen ganzen durchaus friedlich ist. Aber oft schon hat sie einen anderen Schein erweckt und der hat das Ausland auf9 äußerste erregt und erbittert. Soll e 8 nun habet blei, ben? Soll unsere Politik in dieser doppelten Weise weiter geführt werdm? Das -st unmöglich für einen großen Staat. (Sehr richtig!) Der Reichskanzler hat das eingesehen. Ich nehme an, ! daß der Reichskanzler in der Unterredung, die er mit bem Kaiser ; gehabt hat, den Kaiser barauf aufmerksam gemacht haben wirb, ' daß es so nicht weiter gehen kann. Aber wenn ich ben Reichskanzler recht verstanden habe, hat er keine andere Erklärung bekommen, ' als die, daß der Kaiser künftig in Auslassungen vorsichtig sein , wird. Aber eS muß eine möglichst einheitliche Politik erzielt werden, die in der Hand des Reichskanzlers ! liegt. Ich glaube, wir alle hätten es gern gesehen, wenn ber ' Kaiser nicht jetzt fern von Berlin weilte. (Lebh. Zustimmung.) So wichtig ist das Geschäft, den Luftballon des Grafen Zeppelin ' zu besichtigen, nicht. (Zustimmung.) In einer so schwierigen ' Zeit sollte ber Kaiser dem Reichskanzler in seiner schweren Siel- ■ lung zur Seite fiepen. Der Reichskanzler bedarf der Aussprache mit bem Kaiser unb zu biefer Aussprache ist jetzt bie beste Gelegenheit (Sehr richtig!), damit ber Eindruck unserer Verhandlungen ■ hier unmittelbar wirken kann. Ich hoffe, daß ber Reichskanzler ' dem Kaiser die Berichte über die Verhandlungen, wie sie hier : geführt worden sind, vorlegen wird. Selbstverständlich wünschen ; wir nicht, daß etwas gegen den Kaiser unternommen wird. Wir : denken nicht Daran, irgendwie die Autorität des Kaisers zu schädi- ; gen. Im Gegenteil. Unser lebhafter Wunsch ist, sie zu erhalten. 1 Aber in ber ganzen Zeit ber Regierung Kaiser Wilhelms I. gab I es kein boppeltes Regiment, ba gab es eine Regierung, bie des , Kaisers durch ben Reichskanzler, ber ebenso wie sein Kaiser fei- i nen Willen hatte, bei aber feine Pflicht erkannte. Es hat auch । manchen Kampf zwischen ihnen gegeben. Aber der Kampf ist aus- gefochten worben unb hat immer zu einer Verständigung und Ein- Präsident Gvaf Stolberg 1 bittet, den Redner nicht zu unterbrechen. , Abg. Frhr. v. Gamp: Bei dieser Auffassung von ben Zwecken und Aufgaben unserer Flotte ist es besonders bedauerlich, daß von allerhöchster Stelle unserer Flotte, wenn auch nur sekundär unb neben anbe. ren Ausgaben anbere Ziele gesteckt worben sinb.. Ich halte es nicht nur für möglich und wahrscheinlich, sonderns ■ für ganz sicher, daß China im Laufe ber Zeit aus seiner Lethargie erwachen unb sich Die Errungenschaften der modernen Kultur zu- nutze machen wird. In wachsendem Maße wirb China bie not- roenbigen wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben für bas chinesische Volk erfüllen, unb je mehr bieses selbstänbig wird unb an der Regier ung mitwirkt, umso weniger wird es Neigung haben, Konflikte mit dem Auslände zu suchen. (Abg. Franck (Soz.) ruft: Bei uns wäre es ebenso!) Auch wirtschaftlich hätte Deutschland von der Entwicklung Chinas große Vorteile zu erwarten. Ta- bei bleibt es gewiß möglich, baß in einzelnen Teilen bes Landes feindliche Kundgebungen gegen bie Ausländer sich bemerkbar machen. Sie würden sich bann aber gegen alle Fremden richten, und wir könnten uns möglichst zurückhalten und die Bekämpfung jener Tendenzen denjenigen Nationen überlassen, die daran das vornehmliche Interesse haben. Fürst Bismarck hat wiederholt den Grundsatz aufgestellt, daß die Deutschen im Auslände nicht den Anspruch erheben können, daß Deutschland sich ihretwegen in Kriege mit ihren Gaststaaten einlassen soll. Es gibt doch auch noch andere Wege, derartiges Unrecht zu sühnen als den Krieg. Durch schiedsgerichtlickres Verfahren werden sich derartige 93er. letzungen der deutschen Ehre regelmäßig ausgleichen lassen. Ich bedauere, daß Deutschland bisher nicht Verträge zur Austragung solcher Difser-nzen auf schiedsgerichtlichem Wege mit den anderen Staaten geschlossen bat; ich hoffe, daß wir in Zukunft auf ihren Abschluß bedacht sein werden. Auch solche Meinungsverschiedenheiten und Differenzen sollten möglichst nicht verschärft, sondern gemildert werden. Ich stehe da auf bem Stanbpunkt, ben Fürst Bismarck z. B. in seiner Rede vom 6. Februar 1888 ausdrücklich hervorgehoben hat: „Wir Deutschen werden keinen Krieg mit anderen Nationen führen, auch Frankreich nicht angreifen, weil es ruchlos wäre, um solcher Lappalien willen große nationale Kriege zu entfesseln, ober auch nur wahrscheinlich zu machen." Das'sind die Fälle, in denen ber Vernünftigere nadjgibt. Ich bitte untere Politiker, sich diesen Grundsatz stets vor Augen zu halten, unb wo unsere Diplomaten mit anderen Diplomaten um solche Fragen in Streit geraten, sich stets gegenwärtig zu halten, daß ber Streit sich nur darum hanbelt, wer von beiden Staaten ber Vernünftigere ist. (Beifall unb Heiterkeit.) Daß bie industrielle Entwicklung von China und Japan uns einmal schwere Sorgen bereiten wird, ist mir nicht zweifelhaft unb ich halte es in diesem Sinne durchaus für berechtigt, von einer gelben G - fahr zu sprechen. Wenn eine leistungsfähige Industrie sich dort entwickelt, dann werden die Produktionskosten wegen der minimalen Löhne dort so gering sein, daß sich für unsere Industrie und unsere Arbeiter in ber Tat ernste Besorgnisse voraussehen lasten. Diese wirtschaftlichen Probleme können uns heule aber noch nicht beschäftigen, benn zurzeit sinb unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu China unb Japan noch recht gering. Wir Hobe., also in absehbarer Zeit keine vitalen Interessen in China unb Japan zu berteibigen. Ich freue mich,aber, daß gerade m diesem Augenblicke eine Verminderung ber Gesandt, schaftswache in China eingetreten ist; ich bin,überzeugt, daß man das in China als 'inen freundlichen Akt auffassen wird; vielleicht kann man auf diesem Wege bald fortfahren. Jn 'großen nationalen Fragen müsten die Parteien einig zusammen stehen. Ein parlamentari'ches Regime würbe aber nickt bloß mit den mon- archiscken Anschauungen ber großen Mehrheit des Volkes unb mit der föderativ-n Grundlage des Deutschen Reiches, sondern auch mit den vitalen Interest en des Volkes im Wiberspruch stehen. Wir weisen also Den Gedanken eines parlamentarischen Regims mit Entschiebenheit zurück; anbererfeitS legen w>r aber besonberen Wert barauf, daß die verfassungsmäßigen Bestimmungen aufrecht erhalten werden, und daß auch bie Verantwortung des Reichskanzlers dem Parlament unb bem Lanbe gegenüber nicht vermindert wird Von manchen Seiten wird beqaulib.t, baß unser Ansehen im Auslände schwer gelitten habe, daß wir alles Vertrauen verloren hätten. Fürst Hatzfelbt bat bereits hervorgehoben, baß bie Besorgnisse wegen ber kaiserlichen fi’unbgebungen übertrieben sind. Es wirb bem Kaiser allerb-ngs sehr schmerzlich sein, daß diese Kundgebungen genau den entgegengesetzten Erfolg hatten, wie er wünschte; die offizielle Diplomatie hat aber keine Einbuße erfahren unb auch ber leitende Staatsmann genießt im Auslände überall Achtung unb Vertrauen und wir müsten wünschen, baß er auch der jetzigen schwierigen Lage Herr wird. Die Schwierigkeiten würden jedenfalls wachsen, wenn der Reichskanzler uns jetzt verließe. Möge unsere Politik wieder in die bewährten Bahnen des Fürsten Bismarck einlenken, indem wir den Empfindlichkeiten anderer Nationen Rechnung tragen und sie so behandeln, wie wir selbst behandelt zu werden wünschen. Deutschland ist ein Land des Friedens. Nachdem wir in schweren Kämpfen unsere nationale Einheit errungen haben, müssen wir danach streben, in Werken des Friedens mit den anderen Nationen zu wetteifern. Wir haben die Lösung sozialer Probleme unternommen unb zum Teil schon burchgeführt, worin viele Volker von uns gelernt haben. Ein englischer Minister hat gesagt, Englanb wäre nicht reich genug, um Deutschlanb auf diesem Wege zu folgen. Deutschland hat eS trotz seiner großen Ausgaben für Heer unb Flotte doch verstanden, erhebliche Opfer für die Aufbesserung ber Lage ber Arbeiter zu bringen. Mit bem Kaiser weiß bie ganze Nation sich einig in dem Streben, einen aggressiven Krieg gegen England zu vermeiden. Deutschland steht noch heute auf dem Stanbpunkt, ben Fürst Bis- marck 1888 unter voller Billigung ber ganzen Nation zum Ausdruck gebracht hat. Fürst Bismarck sagie damals, wenn Deutschland jemals einen Krieg wieder führen solle, so müste es ihn mit der vollen Wirkung seiner ganzen nationalen Kraft führen. Es müste ein wirklicher Volkskrieg sein, bann werde kein Feind cs wagen, es mit bem luror tcutonicus aufzunehmen. Durch Liebe und Wohlwollen ließen wir uns leicht, vielleicht allzu leicht, bestechen. Gegen bie Gewalt aber seien wir stark. Deshalb muß es für uns heißen: Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt. (Lebhafter Beifall rechts. Hurrarufe bei ben Soz.) Ich will bem Abg. Liebermann von Sonnenberg in feiner Kritik bet Verhältnisse, soweit sie sich auf sachliche Punkte ve- schränkte, nickt in allen Punkten entgegentreten, aber ich muß doch sagen, die Art und Weise, wie er seinen Standpunkt vertreten hat, toiri) jebenfalls nicht in weiten Kreisen ber fonfer- vativen Partei Zustimmung finden. (Oho! unb Zustimmung. — Abg. Liebermann v. Sonnenberg ruft1 Im Westen!) Ich glaube auch nicht im Westen, benn auch im Westen gibt eL eine große Anzahl patriotischer Leute, bie diese Art ber Kritik nicht billigen werben. (Unruhe, Zustimmung, Wiberspruch.) Ernste Sorge um bes Vaterlandes Wohl unb Trauer um diese Vorkommnisse erfüllt jedes patriotische Herz. Es ist geradezu ein tragisches Geschick, daß ein Kaiser, der so viel hervorragende Eigenschaften bat (Unruhe und Gelächter ber Soz.), bem bie Arbeiter so viel ver- danken (Unruhe, höhnisches Gelächter und Unterbrechungen der Soz. Glocke des Präsidenten), dem die Arbeiter ihren Dank so oft zum Ausdruck gebracht haben (Lärmende Unterbrechungen unb Hohngelächter ber Soz.; Zustimmung rechts.) Präsibent Graf Stolberg: Ich bitte um Ruhe! Sie können nachher antworten. (Lebhafte Zurufe bei ben Soz.: Schimpfworte haben sie ihm zu verdanken. Unruhe.) Abg. Freiherr von Gamp: ES ist ein tragisches Geschick, daß ein solcher Herrscher so ost m Widerspruch treten muß mit den Anschauungen der großen Maste der Bevölkerung, daß er aus allen Vorkommnissen bisher so wenig eine Lehre gezogen hat. Freiherr v. Zedlitz hat an einem anderen Orte auf einen Grund dafür hingewiesen, auf die Art ber Erziehung deS Kaisers. Ich mochte in einem anderen Grund die hauptsächlichste Ursache dieser Vorkommnisse finden, nämlich darin, daß ber Kaiser nach Abgang deS Fürsten BiSmarck nicht Männer zur Seite gehabt hat, die ben guten Willen unb die Kraft hatten, ihre bcrfaffungS- mäßige Pflicht und Aufgabe auch nach oben hin zu wahren. Graf Caprivi war ein Soldat. Er hat oft ausgesprochen, daß er als Soldat die Befehle des Kaisers zu befolgen habe. Daß ein solcher Reichskanzler einen maßgebenden Einfluß auf ben Kaiser nicht gewinnen konnte, war klar. Auch von bem alten ehrwürdigen, von mir sehr verehrten Fürsten von Hohenlohe wird niemand einen solchen Einfluß erwartet haben. Im Auswärtigen Amt sind viele Beamte, bie schuldiger sind als ber Kanzler. Es ist nur ein Akt ber Courtoisie, wenn er sie deckt. Freiherr v. Hert- ling sprach von einem Markstein in der parlamentarischen Ge- schichte. Ich wünschte, es wäre ein Wendepunkt im Leben des Kaisers. Worauf stützt benn der Kanzler seine lieber» jeugung, daß der Kaiser nun zurückhaltender sein wird? Der Kaiser ist falsch informiert. Die Zeitungsausschnitte klären ihn nicht auf. Er sollte sich mit den besten Männern der Nation in Fühlung setzen. (Sehr richtig! Abg. Ledebour ruft: Mit Ihnen vielleicht!) Sie von her äußersten Linken rechne ich natürlich nicht dazu! (Gelächter der Sozialdemokraten.) Bei Gesprächen mit Ausländern muß man besonders vorsichtig fein. Die Engländer sind gar nicht in ber Vage, die deutschen Interessen richtig zu beurteilen. Beim besten Willen nicht; ich mochte aber bezweifeln, ob sie immer ben besten Willen haben. Freundlicher Akte von England haben wir unß nur selten zu erfreuen gehabt. Im Feldzug von 1570/71 protestierte England sogar gegen die Beschießung von Paris durch unsere Truppen. Während des pol- nischen Aufstandes von 1863 verargten es uns die Engländer sehr, baß wir zu Rußlanb hielten, und erst kürzlich fand eine Glorifizierung ber russischen Revolutionäre im englischen Parlament statt. Die Englänber sinb eben ungehalten Darüber, daß das Land der Träumer und Denker auf industriellem Gebiete eine so machtvolle Entwicklung genommen hat. Die deutsche Flotte soll nur dazu ba sein, um unsere Küsten zu verteidigen, um den deutschen Handel zu schützen. 1870 brauchten wir nicht weniger als zwei bis drei Armeekorps, um unsere Küsten gegen feindliche Ueber- sälle zu schützen. (Abg. Ledebour: Zur Sache!) Herr Ledebour, Sie sind noch lange nicht unser Präsident! (Große Heiterkeit.) Wir müsten eben so stark dastehen, daß, wenn uns ein Krieg mit zwei Fronten aufgedrängt wird, wir Aussicht haben, diesen Krieg mit Erfolg durchzuführen. (Reichskanzler Fürst Bülow und von Kiderlen-Wäckter erscheinen im Saal.) Unsere Flotte kann habet aber nur sekundären Charakter haben, ba sie nie auch nur artnäbemb ber englischen Flotte gewachsen sein wird. Wir müsten nur immer in einem gewissen prozentualen Verhältnis zu England bleiben. Darum tragen wir keine Schuld, wenn durch die wesentliche Vergrößerung der englischen Flotte auch wir zu einer Ver- größerung gedrängt werben. Wohl aber müssen wir erwägen, ob eS nicht möglich ist, daß wir uns mit England über die Größe der Flotte verständigen, wenn England diesen unseren Stanbpunkt als berechtigt anerkennt, waS wir jn als selbstverständlich erwarten dürfen, denn er schließt jede aggressive Tendenz gegen England aus, unb konstatiert auSbrücklich, daß wir eine Flotte nur in dem Umfange haben wollen, wie dies zur Verteidigung unserer Grenzen notwendig ist. Es gibt im ganzen Deutschen Reiche keinen Menschen, ber einen Angriffskrieg gegen England predigte. (Lachen und Widerspruch bei ben Sozialdemokraten.) Und sollte es jemanden geben, so müßte er auf seinen Geisteszustand unter« sucht werden. (Stürmische Rufe: Sehr wahr! Sehr richtig! Bei den Sozialdemokraten Zurufe: Lasten Sie Ihre eigenen Parteifreunde untersuchen!) Ein Mann mit solchen Gedanken könnte höchstens in Ihren Reihen sitzen, denn bei uns ist niemand so dumm. (Hesterkeit und Beifall rechts.) Ob man von England und allen Engländern bie gleiche Friebensliebe aussagen kann, weiß ich nicht. England hat in der Tat eine Kriegs- Partei, die systematisch auf den Kampf gegen Deutschland bin- arbeitet. Welche Ziele sie sich gesetzt hat, weiß ich nicht. Nach unserer Ueberzeugung würde durch einen solchen Krieg zwischen England und Deutschland unenblicbeä Unglück entstehen unb ber Handel schwere Schädigungen erfahren. Wir haben bas felsenfeste Vertrauen zu unserem Landheer von 4 Millionen Soldaten und zu umeren Bundesstaaten, baß wir aus jedem Kriege siegreich hcrvorgehen 0 gen und diesen Willen durchsetzen, bann werden wir einen großen Sck> ritt vorwärts gemacht haben. Eine klare, einheitliche Politik haben wir gerade jetzt notig, wo Verwicklungen über Verwicklungen spielen. Die Marokko- und die Balkanfrage sind Dinge, die uns auf daS Lebhafteste beschäftigen. Ein einmütiger Reichstag, getragen von der Ueberzeugung des ganzen Volkes, ist eine Macht, der kein Kaiser, kein Kanzler widerstehen kann. (Lebh. Zustimmung.) Wir wollen kein parlamentarisches Regime (Hort! hörtl bei den Soz.), schon aus dem einfachen fflrunbe, weil es, solange bie Verfassung bes Deutschen Reiches besteht, nicht möglich ist. Mit bem Bundesrat sind keine beitlichkeit unserer Politik geführt, wie wir sie später nicht wie- oer erlebt haben. (Sehr richtig!) ES ist nicht unbillig, wenn wir fordern, daß diese Politik wieder geführt wird. Der Kaiser, der seinen großen Vorgänger so hoch verehrt, könnte hier auch seinem Beispiele folgen. Er würde den Dank der Nation ernten. (Au- stimmung.) Wir müssen den Reichskanzler auf daS eindringlich te Bitten, daß er dem Kaiser borftellt, daß es - nicht weiter gehen kann. Verhandlungen, wie wir sie Bier geführt haben, haben vielleicht noch niraends ftattgefunben. Es wird Staunen erwecken, daß wir sie geführt haben können, und nickt von einzelnen oppositionellen Parteien, sondern vom ganzen Reichstage. Man könnte im Auslande annehmen, unsere Stellung dem Auslande gegenüber konnte dadurch geschwächt werden. DaS ist möglich, wenn diese Verhandlungen verlaufen, ohne daß das gewünschte Resultat herauskommt. (Sehr richtig!) Wenn wir aber einen ft arten festen Willen zei. verantwortlichen Minister zu bereinigen. Wir haben aber als Parlament Mittel tn der Sand, um unsere Position durchzusetzen, wenn wir in wichtigen großen fragen einig sind. Isolieren läßt sich wohl ein kleiner Mann, aber ein Groß- staat wie Deutschland kann in jedem Augenblick seine Isolierung durchbrechen, wenn er von seinen Machtmitteln den richtigen Gebrauch macht. Er wird immer eine große Nolle in dem europäischen Konzert spielen, wenn der Konzertmeister nur richtig dirigiert. Wir wollen nicht andere Völker überfallen, aber wir brauchen uns auch nicht zu fürchten. Wir können uns selbst durch eine kluge Politik bie Sicherheit geben, daß wir die Rolle in der Welt svielen werden, die notwendig ist, um unserer aufstrebenden Bebölkerung Arbeit und Lebensmöglichkeit zuschaffen. Dazu haben wir nur das eine notwendig: dafür zu sorgen, daß unsere innere Politik, auch unsere Finanzpolitik so ist, daß wir im entsprechenden Augenblick auch nach außen ernst auftreten können, kurz, eine einheitliche und kraftvolle Politik nach innen wie nach außen zu treiben. Wenn Kaiser, Reichskanzler und Parlament in diesem Geiste zu- fammenarbeiten, kann es Deutschland nicht schwer fallen, den gebührenden Posten in der Welt einzunehmen. (Lebhafter Beifall bei den Freisinnigen und rechts.) Abg. v. Normann (kons.): Ich habe namens meiner politischen Freunde folgende Erklärung abzugeben: „Die Antwort, welche wir gestern von dem Herrn Reichskanzler gehört haben, scheintunsder Gesamtfi tu ation durchaus zu entsprechen. Wir glauben deshalb, uns des weiteren Eingehens auf den Sachverhalt enthalten zu dürfen, und nur bie Erwartung aussprechen z u sollen, daß der Reichskanzler seinen Worten auch die Ausführung geben wird, die das Wohl deS Vaterlandes erfordert. (Bravo rechts.) Abg. Zimmermann (Dt. Rfp.): Bei uns in Sachsen hat ein alter Mann erklärt, das Erdbeben im Vogtlande sei kein natürliches; es sei entstanden, weil Bismarck sich auf die letzten Ereignisse hin im Grabe umgedreht habe. Man möchte fast daran glauben. DieAntwortbesReichs- k a n z l e r s war unbefriedigend. Er hat sich wieder als ein glänzender Redner gezeigt, aber ein Kern fehlte seiner Rede. Ein Journalist klagte mir, daß es nicht möglich sei, einen Auszug aus der Rede des Kanzlers zu machen. Ich mußte ihm recht geben, denn die Rede ist wirklich nur eine Aneinan. derreihung von schönen Worten. Es war eine Abschwächung des Geschehenen, nicht an den Reichstag gerichtet, sondern nach Donaueschingen. Wie in Zukunft solche Dinge verhindert werden sollen, davon hörte man kein Wort. An den edlen Absichten des Kaisers zweifelt niemand. Aher es ist Tatsache, daß jede Aeußerung des Kaisers peinliche Wirkungen hervorruft. Man kann geradezu die Preisfrage aufwerfen, wo die Wirkung peinlicher fein wird, im In- oder Auslande. (Heiterkeit.) Warum sind immer gerade Engländer Vertraute des Kaisers. Man muß an eine Verengländerung her gesamten Lebensauffassung denken. Ter Kaiser hat die Fühlung mit dem Volke verloren. Bei Festlichkeiten sieht er nur bie hurrarufende Menge, und sonst nur die höfische Clique. Tie Hof- eunnchen haben den Kaiser zu dem Interview sogar beglückwünscht. (Heiterkeit.) .Dieser Bvzantinismus ist schuld an allem Unheil. Ueberall zeigt sich die Zurücksetzung des eigenen Volles gegenüber dem fremden. Wo ist dafür der Tank aus England? Tie jüngste Gegenwart beleuchtet die entstandene Kluft bengalisch. Das ganze Volk ist in starker Erregung, der Reichstag harrt der Erklärungen des Kanzlers, und der Kaiser feiert Feste. Tas ist wirklich eine Regierung im Umherziehen. War der Besuch in Oesterreich jetzt nötig? Waren wieder neue Aeußerungen in Wien über Casablanca notwendig? Wie leicht konnten da wieder neue Verwicklungen entstehen. (Beifall.) Die Frage, die uns am meisten bewegt, ist die, welche Goran, tien haben wir, welche Garantien gibt uns der Kanzler, daß es anders, baß der Kaiser zurückhaltender wird? Gestern hörten wir nichts von solchen Garantien. Unerläßlich ist daher eine Erweiterung der parlamentarischen Macht, durch Ministerverantwortlichkeit und durch Schaffung eines parlamentarischen Ausschusses für auswärtige Politik. Denn wir vor uns sehen eine irregeleitete impulsive Kraft, so müssen wir ihr unsere eigene Kraft, bie Kraft der gesamten Nation eni- gegensetzen. Eine große Summe von Vertrauen und Kredit, die uns Kaiser Wilhelm I. und Bismarck hinterlassen haben, ist verpraßt worden. Ueber dem Willen des Herrschers, des Kaisers steht des Reiches Wohl. Abg. Haußmann (Deutsche Volkspartei): Alle vorhergehenden Redner haben bereits zum Ausdruck gebracht, daß wir unö nicht bloß in einer Kanzlerkrise, sondern in einer Krisis des persönlichen Regiments befinden. Das deutsche Volk hat im letzten Jahre nicht viel Freudiges erlebt. Eine Reihe merkwürdiger, Mißstimmung hervorrufender Prozesse, ein Milliardendefizit, und jetzt diese Rede haben wir erleben müssen, deren unheilvolle Wirkungen jeder Politiker hätte voraus» sehen müssen, die aber noch viel schlimmer eingetreten . sind, als sie befürchtet wurden. Wir haben in diesem Sommer auch noch einen anderen Schmerz gehabt, aber wir haben ihn durch eine nationale Tat Überwunden. Das war als das neue Luftschiff beS Grafen Zeppelin zerstört wurde und Deutschland sich zusammenfand und etwas leistete, was uns alle erhoben hat. Damals wurde von Berlin auö vprgeschlagen, dem Grafen Zeppelin ein Kuratorium zu bestellen. (Lachen.) Das deutsche Volk aber erklärte, für den Grafen Zeppelin brauche eS kein Kuratorium. (Große Heiterkeit.) Allgemein wurde der im Schlosse gewachsene Gedanke zurückgewiesen. Der 10./11. November war uns bisher ein Gedenktag, weil er Deutschland große und freie Geister gc- schenkt hat. Auch jetzt wird er ein Gedenktag der deut- schen Geschichte bleiben. Denn waö wir alle mit» erlebt haben, ist etwas Außerordentliches, etwas Neues gewesen, und die Einmütigkeit der Auffassungen war das Große auch an den Erklärungen deS gestrigen Tages, die wir von allen Parteien gehört haben. (Sehr wahr!) Das erlaubt uns zu hoffen, daß der d e u t s ch e Reichstag nicht so ohnmächtig ist, wie manche geglaubt haben. Gestern konnte man sagen: D i e Szene wird zum Tribunal. Gestern hat sich der Reichstag zum Vertreter der großen Sorgen gemacht, die gegenwärtig durch die ganze Nation gehen. Das läßt uns hoffen, daß von nnn an manches nachgeholt werden wird, was wir versäumt haben, und daß wir an der Einmütigkeit festhalten werden. Gestern und heute ist im deutschen Reichstag niemand aufgetreten, der bie Handlungen des Deutschen Kaisers gebilligt hätte. (Sehr wahr!) Auch kein Konservativer, und ich danke es Ihnen, daß Sie sich nicht ausgeschlossen haben von dem gemeinsamen nationalen Empfinden. (Beifall bei den Freisinnigen und rechts.) Der Redner der nationalliberalen Partei hat das mit großem Ernste hervorgehoben; die Ausführungen des sozialdemokratischen Redners waren insofern zu begrüßen, als er ausdrücklich utopistische Forderungen zurückgewiesen hat, die ihm gewiß nahe lagen. Das Zentrum hat den Standpunkt vertreten lassen, daß abweichend von der Kundgebung seines leitenden Blattes, schärfer und deshalb glücklicher der konstitutionelle Gedanke in den Vordergrund gerückt zu werden verdiene. Die Stellung der Konservativen war so interessant, daß darüber noch mehr zu sagen fein wird. Aber auch aus den Kreisen des Bundesrats und der Einzelstaaten hat niemand die Handlungen deS Kaisers verteidigt, und wenn wir in daS Herz der Geheimräte hineinsehen könnten, würden wir sehen, daß sie mit außerordentlich viel von dem einverstanden gewesen sind, was hier ausgelvrochen worden ist, ja sogar dankbar dafür, daß es eine Instanz gibt, die das offen und frei aussprechen kann. Nicht nur der Bürger ist es, der fürchtet und betroffen ist, nicht nur die unteren Kreise und die Arbeiter, die an eine Anschauungsweise gewohnt sind, die sie leichter dazu führen kann, zu verurteilen. Alle Kreise bis in die Offizier- k a s i n o s hinein haben dieselbe Auffassung. Nicht einmal, den Offizieren würde in ihrer großen Besorgnis der Ausweg, daß ein höherer Militär an die Leitung der Geschäfte Beran treten würde, als glückliche Lösung erscheinen. (Hört, hört!) In der Beurteilung der Sage sind sich allo alle Kreise einig. Der Redner des Zentrums, der im vorigen Fahre zuerst von der Einkreisung?- Politik gesprochen hat, hat gestern das Wort von der deutschen Abstoßungspolitik geprägt, und ich fürchte, daß diese Vorstellung in sehr vielen Kreisen weitgehende Zustimmung finden wird. Das ist eben meiner Meinung nach das Hauptunglück, daß die bisher unberechtigte Einkreisungspolitik durch diese Kundgebungen einen Schein urkundlicher Rechtfertigung erhalten Bat. (Vielfache Zustimmung.) Es ist das Wort gesprochen worden: Schwarzseher dulde ich nicht. Der Mund, der dieses Wort gesprochen hat, hat Schwarzseher zu Millionen geschaffen. (Sehr wahr!) Darin liegt das tragische Moment, daß zwischen Wille und Handlung der Gegensatz so außerordentlich tief ist. Tas deutsche Volk ist durch seinen gutgläubigen Kaiser in eine schwere Gefahr geführt worden. Was konnte der Reichskanzler gestern zu des Kaisers Rechtfertigung innen? Er sprach wehmütig — es gebt bei gedämpfter Trommel Klang. (Große Heiterkeit.1 Aber niemand bat daß Gefühl der Schadenfreude, alle würdigen die außerordentlich schwierige Situation, in welcher der beredt? Staatsmann, der die Geschäfte des Reiches formell führt, sich befindet. (Sehr wahr! bei den Liberalen und Konservativen.) Wir hörten auch vieles, was nicht gesagt worden ist (Heiterkeit), vor allem bei der Beantwortung der Interpellationen. Der Reichskanzler ist gefragt worden, und er hat eine ganze Reihe von Fragen noch gor nicht beantwortet. Fast ist es so, als ob er auch die Interpellationen nicht gelesen hätte (Große Heiterkeit.) Der Reichskanzler bat zugegeben, daß die Veröffentlichungen im „Dail«' Telearanh" Schaden angerichtet haben, und er bat erklärt der Schaden könnte repariert werden. Aber doch nur, wenn die Quelle verstopft wird aus welcher dieser Schaden geflossen ist. (Sehr gut! linkst) Der Reichskanzler bezweifelte, daß alle Ein-etheiten des Kaiserinterviews richtig wiedergegeben sind. Mit solchen allgemeinen Redewendungen ist uns nickst gedient. Wir wollen Gewißheit haben, wir lechzen nach dem Wort, daß die Einzelheiten nickst richtig wiedergegeben sind; wir wären froh, wenn wir es auch sagen könnten. (Sehr wahr!) Und nun saat uns der einzige, der Auskunft gehen kann und der Auskunft gebm soll, nichts weiter als, er bezweifele ob alle Einzelheiten richtig wiedergegeben sind? (Sehr gut! links.) Das muß doch der deutsche Kaiser wissen, und der deutsche Kaiser muhte doch danach gefragt werden (Lebhaftes Sehr richtig! links.) Oder hat der deutsche Kaiser etwa das Interview auch nicht gelesen? (Heiterkeit und Sehr gut! links.) Der Re'chskanzler sagte, von einem Feldzuasplan könne feine Rede fein: es habe sich nur um akademische Aphorismen ohne jede praktische Bedeutung gehandelt. Man wird das in England gern hören, und es ist deshalb erfreulich, daß es gesagt worden ist. Aber dann müssen wir doch auch fronen: Durfte der Kaiser englische Dankbarkeit verlangen, wenn er keinen Feld- zuasplan eingefonbt hat. Ich muß unter diesen Umständen sagen, daß mir noch schmerzlicher ist. daß der Feldzugsplan nickst nach England gegangen sein soll. Bei den Mitteilungen über die Intervention sind nach dem Reichskanzler die Farben zu stark aufgetragen. Er bat aber nicht gesagt, wer die Farben zu stark aufgetragen bat. (Sehr gut! links) Dabei bat der Reichskanzler den Sah ausgesprochen, die sicherste Politik sei wohl diejenige, die keine Indiskretionen zu fürchten brauche Wenn er hätte bin» zufügen können, daß die deutsche Politik eine solche sei. wären wir sehr befriedigt gewesen. (Sehr richtig? links.) Denn es wäre darin auch eine Verneinung dessen enthalten gewesen, was neulich in den Blättern stand, nämlich daß auch nach Amerika hinüber Interviews gegangen seien, die derartig waren, daß die deutsche Regierung die ganze Auflage aufgefauft habe. (Hört? Hört! links.) Man müsse die näheren Umstände kennen, meinte gestern der Reichskanzler. Wir wären ihm ungeheuer dankbar gewesen, wenn er uns diese näheren Umstände mitgeteilt hätte. (Sehr gut! links.) Auch wir sind nicht voreingenommen gegen England, im Gegenteil, wir empfinden für all die tüchtigen Leistungen, die dieses Volk in so außerordentlichem Maße schon ge- leistet hat, die allergrößte Achtung, und das englische Volk besitzt Einrichtungen, um die wir c? nie mehr beneidet haben als in diesen Tagen. (Lebhafter Beifall links.) Wir haben einmal gehört, und nicht gern gehört, e? sei telegraphiert worden von dem Admiral des Atlantischen Ozeans an den Admiral des Stillen Ozeans. Jetzt hören wir auf einmal eine Wendung, als ob der Admiral des Atlantischen Ozeans auch der Admiral des Stillen Ozeans ist. (Heiterkeit und Sehr gut! links.) Die Stelle in der Rede des ReichÄanzlers, daß an der Lauterkeit der Absichten des Kaisers nicht zu zweifeln ist, unterschreiben wir. Aber die angewandten Mittel sind so bedenklich, daß wir im Interesse unseres gemeinsamen Vater, landes wünschen müssen, daß sie nicht mehr in Anwendung ge» bracht werden. (Sehr richtig! links.) Es waren durch und durch untaugliche Mittel. Damit werden keine wirk- ! -dien Sympathien errungen. Wir müssen feststellen, daß der , deutsche Kaiser kein Mehrer Deutschlands Sympathien gewesen | ist. .Der Reichskanzler, dessen Beredsamkeit wir schon so oft aufrichtig bewundert haben, hat Wendungen schon gebraucht, die im Ohr des Monarchen wie eine hohe Anerkennung klingen mußten. Er hat einmal gesagt, der deutsche Kaiser darf kein Schatten- ! raifer sein. Er hätte auch hinzufügen müssen, er darf auch kein Sonnenkönig sein. (Sehr richtig!) Der Reichskanzler hat gestern feine Ueberxeugung ausgesprochen, daß der Kaiser in leinen Privatgesprächen künftig Zurückhaltung üben werde. Hier moDten w.r aber nicht die Ueberzeugung des Reichskanzlers hören, denn sie beruht auf Vermutungen über einen psychologi- icfjen Prozeß, die uns schon häufig getäuscht haben. Wir wollten eine, Tatsache hören. (Sehr richtig!) Wir wollten hören, daß er mit seinem kaiserlichen Herrn gesprochen hat und von seinem kaiserlichen Herrn die Erklärung erhalten hat und nun mit der Erklärung vor uns Eintreten könnte: Ich unb der Kaiser sind einig, daß das so sein muß. (Lebhafte Zustimmung.) Von schweren Tagen hat der Reichskanzler ge- iprochen. Wir alauben es ihm. Wir haben sie selbst alle mit durchgemacht Waren esauch schwere Tage dem Kai- 1 er f (Große Bewegung: Sachen und Zurufe bei den Soz.: Gar nicht!) Es 'st außerordentlich schwer, nicht so bitter zu werden io bittere Worte zu gebrauchen, wie sie dem Ernste einer 101^0 Debatte nicht entsprechen. (Lebhaftes Sehr richtig! Aber darin find wir alle einig, und niemand wird widersprechen, daß es richtig gewesen wäre, in diesen Tagen am Mittelpunkt der Regierungsgeschäfte zu sein (Sebh; Zustimmung), und leinen Staatsmann zu ermächtigen, die Erklärungen abzugeben, die die deutsche Nation beruhigt hätten. (Sehr richtig!) ES handelt sich gar nicht darum, daß wir beruhigt werden. Wenn wir beruhigt werden, ist die b e u t f cb e ation noch lange nicht beruhigt. In einem offiziösen Telegramm steht daß der Monarch von Oesterreich den Wunsch ausgesprochen habe, Fürst Bülow möchte an der Spitze der Geschäfte bleiben, und daß darauf der Kaiser erwidert habe, er hoffe auch, daß es gelingen werde, die parlamentarischen Schwierigkeiten zu überwinden. (Gelächter links.) Daran? sehen wir, daß der Nächstbeteiliate das für eine parlamentarische Schwierigkeit ansiebt. (Heiterkeit.) Der Reichstag hat eine so außerordentliche Zurückhaltung bisher in der Besprechung der auswärtigen Angelegenheiten erwiesen (Zurufe bei den Soz.: Leider?), daß es wie eine große Versäumnis beute ausgesprochen werden kann wenn daraus schwere Wirkungen und Einschläferungen bervorgegangen sind. Um so mehr aber dürfen wir in Anspruch nehmen und sagen, weil der Reichstag, bisher beinahe nie sich in auswärtige Angelegenheiten gemischt hat, toeu er nicht dieNechte. die er hier hat, reklamiert hat sind bieSchwieng- feiten, die hier bestehen, auch ohne Schuld des ReichStaaS zustande gekommen. Ti- Verantwortung für diese Schwieriakeiten trifft nicht den Reichstag, sondern ausschließlich andere Faktoren (Sehr richtig?). Der Reichskanzler hat uns gestern leider kein Programm für bie Zukunft gegeben. Er hat nur einen Wunsch ausgesprochen und zugleich einen frommen Wunsch, von dem er selbst wohl nicht sicher ist daß er sich erfüllen werde. Wir wissen ja überhaupt nicht, ob der Reichskanzler nicht schon in diesen Tagen vielleicht fein Entlassungsgesuch erneuern wird. Keinesfalls ist er in der Sage, zu wissen, welche Stellung feine Nachfolger einnehmen werden. Er sagte, wenn sich seine Erwartungen nicht erfüllten, so könnte weder er, noch feine Nachfolger die Verantwortung übernehmen. Das ist ein bedeutungsvoller Satz und er wäre um so bedeutunasvoller wenn er nicht schon einmal gesprochen worden wäre. (Heiterkeit und Zustimmung.) Er wird eine besondere Wirkung nicht Hervorrufen. Von einem hat der Reichskanzler mit Bestimmtheit gesprochen, von dem Defekt in dem Ressort, er stehe dafür ein, daß er sich nicht wiederholen werde. Da? hoffen und erwarten wir; das ist eine unglückliche Sacke gewesen, wie auch etwa eine gutgebende Uhr einmal stehen bleiben kann, und wegen dieser Sache dürfen wir nicht das Recht haben, ernstlich in Erregung zu kommen, auch wenn die Wirkung sehr schlimm ist. Tas Bedeutsame ist aber, daß der Fall überhaupt symptomatisch gewesen ist (Sehr richtig!), daß wir alle, auch die Herren von der Rechten, den Eindruck haben, daß hier eine Häufung von D'ngen vorgekommen ist, und daß es ein schlimmer Zufall ist, der nicht eine Singularität auf deckt, sondern einen latenten und wir können beinahe sagen, immerwährenden Zustand. (Sehr richtig! links.) Es war nicht richtig, daß der Reichskanzler die Fragen der Interpellanten nicht klarer beantwortet hat. Die Interpellation, die wir gestellt haben, fragte, was der Reichskanzler zu tun gedenke, um Abhilfe zu schaffen und die ihm durch die Verfassung zugewiesene Verantwortung im vollen Maße zur Geltung zu bringen. Herr Bassermann hat gefragt: Uebermmmt bet Reichskanzler bie Verantwortung für bie bekannt gewordenen Tatsachen? Auf diese wichtigen Fragen ist keine Antwort erfolgt. Fürst Hatzfelot hat gefragt, ob der Reichskanzler für bie Zukunft ähnliche Vorgänge zu verhindern in der Sage sei. Auch darauf ist keine Antwort erfolgt. Herr v.Heyde. brandt hat zum Ausdruck gebracht, daß etwas geschehen müßte, daß eine Summe von Sorgen und Beunruhigungen sich seit langem angesammelt habe und er hat bie Frage aufgeworfen: Hat bei Kanzler ben nachgeorbneten Räten auch bie Frage vorgelegt, ob e? opportun sei, biese Schriftstücke zu veröffentlichen. Diese Fragen möchte ich erneut stellen. Und ich möchte auch bie Frage stellen, welche Frage von bem Deutschen Kaiser bei ber Uebermittlung bei Manuskripts gestellt wurde unb was ihm in betreff ber Nach- Prüfung ber Tatsachen und ber präjudiziellen Entscheidung geantwortet ist? Ich möchte hier dafür Zeugnis ablegen, daß mir gerade in diesen Tagen ein ganz Unbeteiligter gesagt hat, das Personal des Auswärtigen Amts sei wie Gold, unb wenn in biefen Tagen keinerlei Indiskretionen vorgekommen sind, wo soviel gelaufen und gegangen ist, so ist da? ein voller Beweis dafür, daß daS Personal des Auswärtigen Amtes funktioniert. Aber eine Politik. die in das goldene Buch von München geschrieben hat:, „regis voiuntas suprema lex!" statt: „pro ratione voluntas?" kann keine selbständigen Räte und Staatsmänner erzielen. (Lebhaftes Sehr richtig?) Bei solchen Maximen wird notwendigerweise ber Prozeß im Hirn der Betreffenden sich nicht zu einer tätigen Mitarbeit an den Geschäften selbst, sondern nur für eine Ausführung allerhöchster Meinungen entwickeln. Es ist eine schmerzliche Tatsache, daß auch bie Schule ber Staatsmänner in Deutschlanb nicht so reich besetzt ist, wie es ein Land mit 60 Millionen Bewohnern erwarten und wünschen könnte. (Sehr gut? links.) Auch die Totlachen, die hier vorgetragen sind, sprechen dafür, daß unsere Diplomatie über das Ziel hinausschießt. Wir können diese Beobachtung dahin ausdehnen, daß im letzten Jahre bie ganze europäische Diplomatie sich so gezeigt hat, baß wir nicht sagen können, die Diplomatie der anderen Länder sei im allgemeinen besser als die unserige. Der Reichskanzler hat eine dreifache Verantwortung übernommen. Er hat die Verantwortung für seine Untergebenen übernommen, für die eigene Ueberzeugung unb für sein Versehen, aber vor allem auch die selbstschuldnerische Bürgschaft und die Verantwortung für bie Handlungen bes Monarchen. Der Redner hat triefe Worte bem Reichs- kanzler zugewandt gesprochen unb wendet sich jetzt ganz dem Bunde^ratstisch zu. Jetzt erschallen von ber Linken unb aus der Mitte Rufe: Geradeaus!, bie ben Rebner veranlassen, sich wieder dem Hause zuzuwenden.) Wir werden uns jetzt der Frage zu- trenben müffln, ob die staatsrechtlichen Verantwortungsverhaltnisse so finb,_ daß sie nicht eine wahre Fiktion geworden sind, so daß die Verfassung dadurch illusorisch gemacht wird. Das eine möchte ich aber noch hinsichtlich der Verschuldungsfrage sagen: Schuld an den Zuständen ist auch bie Presse, bie in ben letzten Jahren in einem Ton ber Lokalanzeiger und bes Weihrauchs gearbeitet hat, mit Knipsapparaten. Telegrammen unb Besudelungen. Dann kommen wir bazu, daß auch bas deutsche Volk eine Verantwortung mitträgt. (Lebhafte Zustimmung!) lieber die englischen Verhältnisse und die englische Politik in diesem Augenblicke zu sprechen, würde mir nicht geeignet scheinen,_ da- gegen möchte ich meinen, daß, wenn ein Deutscher sich gegenwärtig zurückhalten muß in ber Kritik ber Engländer unb be§ Königs bon England, daß es nützlich ist zu lesen, baß es im Auslanbe Männer gibt, die auch dort sehr viele Fehler finden. Es ist der geistvollste aller lebenden Franzosen, ber em Urteil über den König von England abgegeben hat, das für uns Deutsche eine gewisse Genugtuung bilden muß, Anatole France, der in der letzten Nummer ber Zeitschrift ..März" Worte gesprochen hat, die in dem Munde eines Franzosen ganz belonders wertvoll sind. Von den Engländern und ihr Schuld will ich nicht sprechen, nur einen will ich ausnehmen, den „Freund", der das Interview mit der schmeichlerischen Begründung eingesandt hat, daß es der Annäherung der Völker dienen und Deutschland neue Sympathien erwerben werde. Ich weiß nicht, ob er so urteilslos ist ober ber, ber ihm diesen Plan eingegeben hat. Seine Treuherzigkeit aber ist von der Art des Fuchses, der, um einen Leckerbissen zu bekommen, den Rab.-n angeht er singe zu schön, und ihn dadurch verführt, sein Singorgan hören zu lassen. (Große Heiterkeit und lebh. Zustimmung.) Wir müssen organisatorische Äenderungen in Verwaltung unb Verfassung bekommen, um ber Wieberholung solcher Ereignisse vorzubeiigen Es müssen generelle Bestimmungen darüber getroffen werben, baß burdj ben Kaiser in Zeitungen unb Interviews überhaupt nicht Politik gemacht werben darf, weil er seine Person daburch zu sehr engagiert. (Beifall.) Im Bunbesrat muß ein Stempel angeschafft werden: „Vor Druck zu bewahren", wenn der Kaiser selbst politisch vor Deutschland ober das Auslanb treten will. (Heiterkeit.) Der B u n • besratsaus schuß für auswärtige Angelegenheiten darf nicht nur eine schlafende Behörde sein, die alle zwei Jahre einmal zusammeniritt vmD sich ehren Bericht bor> lesen läßt. Er mutz regelmäßig zusammenkommen und «ne wirkliche Kontrolle auSübcn; das ist ohne iede VersassungSande. rang möglich. Wir haben weiter eingesehen, daß M o n a r Jen. r e i s e n nicht sehr nützliche Instrumente zur Vol- kerannäherung sind. (Sehr wahr!) DaS gilt für Eng. land genau so wie für Deutschland. Bei der Zusammenkunft der auswärtigen Potentaten muß der Kaiser auch von dem Trager der auswärtigen Politik begleitet sein, und so wenig wir der. langen können, daß der Deutsche Kaiser sich bestimmte Personen zu seiner Privatunterhaltung wählt, so gewiß ist cs lern unrecht, wenn wir sagen, daß, wenn er vor einer Mehrheit von Ausländern spricht, ein Vertreter des Auswärtigen Amtes zugegen sein mug, schon damit der Wortlaut dessen, was er gesagt hat. nachträglich festgestellt werden kann. (Gr. Heiterkeit. Zurufe b. d. Soz.: Vor- her!) Tas ist schon deshalb notwendig, weil die Diskretion lockerer und loser wird, wenn zu mehreren gesprochen wird. Wir müßen weiter die Unterstützung auch der Konservativen finden, um einen organischen Zusammenhang zwischen Militär- kaoinett und Z i v i l k a b i n e t t und den Reims, b e h ö r d - n herbeiführen, wobei der Reichskanzler die obere Instanz sein muß. Ich habe cs den Konservativen hoch angerechnct. daß sie für den Chef des Zivilkavinetts die verlangte Besoldungs- Erhöhung abgelehnt haben, damit er nicht eine Stellung gleich der eines Ministers bekomme. Aus dieser Auffassung folgt als em. fache Konsequenz, was ich vorgeschlagcn habe. (Sehr wahr!) immer ein Chef in Berlin anwesend sein muß, haben die Ereig. nisie so lebhaft gepredigt, daß es nur hervorgehoben, nicht begründet werden muß. Da wir in der „Köln. Ztq." offiziös gelesen haben, daß der Reichskanzler so überlastet sei, weil er sich um die Einzelheiten der Rcichsfinanzrcform, in die Casablanca- und Marokko-Affäre und die ganze auswärtige Politik hmeinarbeiten müsse, ist uns eine außerordentliche Ueberhäufung des einzelnen Mannes entgegengetreten, die uns zweifeln läßt, ob er allein die Verantwortlichkeit in einem so komplizierten Staatswesen tragen kann. Daraus folgt die Forderung verantwortlicher R c i chsminister i en. (Sehr wahr!) Em Gesetz über die Ministerverantwortlichkeit hat bereits mein ^reund Wiemer lebhaft reklamiert, und wir selbst müssen uns m der Ge- schäftsordnung einen freieren Bewegungsraum schaffen, der uns von der Mitwirkung der Regierung unabhängiger macht. Die Leichtigkeit, mit der das englische Parlament ohne großen „Appo- rat Fragen von einzelnen über die auswärtigen Verhältnisse zu- läßt. sind gewiß ein Mittel zu größerer Vorsicht in ihrer Behänd- lang. (Vielfache Zustimmung.) Die Hauptsache aber ütjmfo wir zu echt konstitationeller Regierangsweise übergehen müßen anö ohne Verfassungsänderangen übergehen können. Mein ?^rcuno Schrader hat vorhin eine Wendang gebraucht, die er Mich selcht ge. beten hat, dahin zu interpretieren, daß er natürlich ein eifriger Freund parlamentarischer Einrichtungen ist, und sie fe eher se lieber durchgeführt sehen möchte; er hat nur auf gewisse Abweichungen von dem englischen Vorbild infolge unterer bundesstaatlichen Organisation aufmerksam gemacht. Zweierlei aber können wir iedenfalls erreichen: daß der Staatsmann die Reglerungsgeschafte, für die er verantwortlich ist, selbst führt und das Vertrauen der Mehrheit des Parlaments haben muß. (Lebh. Zustimmung.) Diese beiden Bedingungen kann jeder leitende Staatsmann selbst Herstellen, wenn er sic als Bedürfnis des dcutichen Achtes ansieht. (Sehr wahr I links.) Heute ist die V e r a n t wo rtlid). feit des Reichskanzlers bloß eine Fiktion, wenn er nicht selbst die Geschäfte führt. Es ist von außerordentlich wichtiger Bedeutung für die Stellung des Reichskanzlers, wenn er sich stützen kann auf die Mehrheit des Parlaments, und wenn er nicht von einem Mandanten abhängt. (Sehr wahr! links.) Dann kann er jener Stelle sagen: daß er für irgend eme Maßnahme die Verantwortung nicht übernehmen könne, weil ihm Die Mehrheit im Parlament fehlt. (Sehr richtig! links.) Dann ist auch fein Rückgrat gestärkt, und das Amt hat außerordentlich ge- Wonnen. Man komme mir nicht mit dem Einwand, wir hatten feine Mehrheitöparteien. Man verwechselt dabei Urlache und Wirkung. Wir haben keine Mehrheitsparte,en und bekommen feine Mehrheitsparteien, wenn wir uns nicht zum parla- mentarischen Prinzip durchringen. Wir sind aber im Uebergang zu diesem Prinzip begriffen. Bis vor acht Tagen waren diese Gedanken nichts weiter als akademische Aphorismen. (Heiterkeit und Sehr gut! links.) Es ist ein Erfolg dieser Debatte daß sie heute konkret geworden sind, daß die ganze Wählerschaft so fühlt. Dieser ganze große Schaden wäre nicht eingetreten, wenn wir ein wahrhaft konstitutionelles ?Jtin A.ch werde das Haus befragen. Nach meiner Meinung ist eS zulaisig, den Antrag morgen zu beraten, denn er ist drei Taae in den Händen der Mitglieder. (Widerspruch.) — Jawohl: gestern abend ist der erste Tag und morgen der dritte. (Heiterer Wider- spruch.) Abg. Götz von Olenhusen (Welfe? beantragt namentliche Abstimmung. Dieser Antrag findet aber nicht genügende Unterstützung Der Antrag Raab wird abgelehnt. Es verbleibt bei der Tagesordnung des Präsidenten: NechnungS. fachen und Petitionen. Schluß 6% Uhr. / keit die einzelnen Beamten arbeiten, wie vortrefflich unsere Bureaus organisiert sind — (Schallende Heiterkeit) — Sie würden unsere pflichttreuen Beamten ohne weiteres achten, die Pflichttreue, die zielbewußte Arbeit zahl, reicher Beamter des Auswärtigen Amtes anerkennen. Ich bitte Sie, nehmen Sie ihnen nicht die Schaffensfreu, digkeit. (Der Redner fetzt sich unter anhaltender Heiterkeit und Bewegung des Hauses. Nach einer Weile bittet der Prä- siüent, die Zwischenrufe zu unterlassen. Erneute Heiterkeit.) Abg. von Dirksen (Np.): Wir weisen die Behauptung mit Entrüstung zurück, als ob der Reichskanzler mit der Ehre des deutschen Volkes ein frivoles Spiel getrieben habe. (Beifall rechts.) Ein Mann, der zehn Jahre lang die Politik des Reiches in allen Ehren gehalten hat, verdient diesen Vorwurf nicht. (Lebhafter Beifall.) Herr Heine hat uns von der Geschichte des Hauses Hohenzollcrn gesprochen. Wahr, scheinlich hat er das Werk seines Genossen Maurenbrecher zur Grundlage seiner Anführungen gemacht. Wir lassen uns die Freude an den Hohenzollcrn nicht verderben. (Beifall.) Wir dulden es nicht. Saß, wie cs schon einmal geschehen ist, das Andenken der Königin Luise geschmäht wird, die wir wie eine Heilige verehren. (Beifall rechts, Gelächter bei den Soz.) Nun verlangt man eine nationale Tat. Eine solche waren die Wahlen von 1907, wodurch 50 Prozent Sozialdemokraten aus diesem Hause gewiesen wurden. (Lärm der Soz.) Reden Sie nicht von nationalenFragen. Sie haben ja den In t e r n a t i o- n a l i s m u s auf Ihre Fahnen geschrieben. (Gelächter der Soz.) Herr Heine ereiferte sich gegen das persönliche Regiment. Denken Sie doch gefälligst an das persönliche Regiment von Bebel und Singer. (Lebhafte Zustimmung rechts, Lärm der Soz.) Um den Byzantinismus, der mit diesen beiden Herren getrieben wird, be- neiden wir Sie nicht. (Großer Lärm der Soz.) Es ist ganz richtig: Ihr seid allzumal Sünder! (Lachen der Soz.) Ter Anregung, eine Adresse an den Kaiser zu schicken, stehen wir nicht sehr hofsnungsfrcudig gegenüber. Wir werden aber weiteres rn dieser Beziehung abwarten. Tie Ausführungen der Vertreter des Auswärtigen Amtes sind hier nicht sehr liebevoll ausgenommen worden. (Heiterkeit.) Sie werden mir vielleicht mehr glauben, weil ich fetzt nicht mehr dem Auswärtigen Amte angehöre, also unparteiisch bin. (Lachen der Soz.) Unterbrechen Sie mich nicht fortwährend! (Lärm der Soz.) Es ist Pflicht jedes Abgeordneten, keine Zwischenrufe zu macken. (Lachen d. Soz.) Im Auswär. Ugen Amt sind gewiß schwere Verstöße vorgekommen. Aber das An- schen unserer Vertreter im Auslande wird nicht erhöht, wenn man vorschlagt, Militaranwärter an ihreStelle zu setzen. (Beifall rechts) W'r verlangen jedenfalls, daß im Auswärtigen Amte Schrisr- stucke Leiner Majestät nicht ungelesen weitergegeben, sondern ge- le,en werden, damit der untere Beamte schon weiß, woran er ist Was soll nun geschehen? Einer Aeamtenvermchrung sind wir nicht entgegen^ dann muß sie aber ohne Verzug eintreten, und damit allein ist s nicht getan. Für den divlomatischen Dienst müsseii die geeigneten Elemente gewonnen werden, wo wir sie finden, nicht nur aus Adel und Großgrundbesitz. Auch die Urlanbserteilunqcn sind angemessen zu regeln. Ter Bundesratsausschuß für auswär- /Äc.?^Icaen$clten muß regelmäßiger, öfter einbcrufen werden. (Beifall.) Inzwischen ist der Reichskanzler wieder im Saal erschienen. Wg. v. Oldenburg (fonfji Sie wissen, ich habe Sie noch nie lange aufgehalten, heute gang gewiß nicht. Der Aba. Haußmann hat uns Konservative aufgefordert, mit ihm auf dem Boden einer Adresse an den Kaiser unb König zu treten. Das können wir aus demselben Grund« nicht tun, aus welchem wir nicht hier debattiert haben. Eine solche Adresse würbe eine Kritik der Handlungen f einer Majestät des Kaisers unb Königs enthalten, d i e wir dem Reichstage verfassungsmäßig nicht zu er kenn en. (Lachen links.) Aber, Herr Abg. Haußmann, wir unterscheiden uns doch noch in einer anderen Auffassung. Für Sie fft der Kaiser eine Einrichtung, für uns ist er eine Person, und- wir werden Seiner Majestät dem Kaiser und König dienen, solange wir leben ohne Furcht, aber bis zum letzten Atemzuge in bet alten Treue, die wir ihm noch nie versagt haben. (Beifall rechts; Lachen bei den Soz.) Abg. Lattmann (wirtsch- Dgg.)r Jte^en unS bei der Frage der Adresse auf den Boden der Geschäftsordnung des Reichstages. Danach hat der Reichstag das Recht, eine solche Adresse an den Kaiser einzureichcn. Wir glauben, daß der einheitliche Gedanke und der Wunsch des deut- schen Volkes dahin geht, eine einheitlich« Kundgebung auch in dieser Angelegenheit zu erreichen, und wenn wir das in einer r^orm tun können, die den monarchischen Gefühlen durchaus Rechnung trägt, so sollen wir das auch rückgratlos tun . . . (stürmische Heiterkeit, die minutenlang anhält) m. H., Si« haben zu früh gelacht, es hieß nicht rückgratlos, fonbern rück, haltlos. Und solche rückhaltlose Aeußerung des Volkes — ba-3 wollen wir hoffen — nimmt auch unser Kaiser in dieser schweren Zeit entgegen. (Na. na! bei ben Soz.) Präsident Graf Stolberg: km Redner mehr gemeldet; ich schließe die Besprechung. (Rufe bei den Soz.: Nanu und Fürst Bülow?) Abg. .Heine (Soz.): Ich muß feststellen, daß es unwahr ist, wenn der Abg. von n crJIar^ daß ich die Königin Luise angegriffen hätte. ^>ch stelle das ausdrücklich fest, damit nickt morgen in den konser« vatwen Zeitungen steht, der Abg. v. Dirksen hätte die Königin Lul,e gegen meine Angriffe verteidigt. Llbg. Dr. Wicmer (freff. Vp.) k Der Abg. Heine hat in seiner Rede behauptet, seine Partei 7.. e lahrzeyntelang allein gestanden in der Bekämpfung des per. sonlichen Regiments. Mit einer Anzahl Freunde habe ich durch j?.nc” r.nruf ö" erkennen gegeben, daß wir diese Behauptung für falsch halten. Meine Freunde haben das persönliche Regiment von Anfang an mit aller Entschiedenheit bekämpft. Wir haben kcinc^Vcranlassung, zu dulden, daß es dargestellt wird, als ob nut Die Sozialdemokratie in diesem Sinne gewirkt habe. Heine hat hinzugefugt er würde sich freuen, wenn wir in Zukunft mit den iLozialdcmokraten zu,ammengchen würden. Ich habe den Zivischen- ruf getan: eie brauchen wir nicht. Tas bedeutet: Sic brauchen wir nicht, um zu wissen, daß wir das persönliche Regiment zu be- kampfen und für ein konstitutionelles Leben zu kämpfen haben, ^ch wandte mich mit diesem Zwischenruf dagegen, daß eine Frage, wü-d7. %^X%%Xpartei‘’c’IitiidJcn aWnii6‘ 4. Ziehung 5. KL 219. Kgl. Preuss. Lotterie. 740 72 838 83 35118 24234 929 65 569 95 27 861 Ziehung vom 11. November 1908. vormittag*. Nor die Gewinne Über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. lO«me Gewtihr.) (Xncbdmrk verboten.) ... *J,0?°LE?S 605 942 1094 <04 633 711 24 896 2017 58 128 429 5« 3031 165 619 53 I3000J 717 935 4 057 120 ( 5001 7? lrOO) 552 53 93 ( 500J 657 067 (5001 5013 45 53 112 300 lbvovl 923 05 I 500J 91 |500] 6.585 88 794 710 853 7114 851 87 426 84 622 01 773 8007 51 59 112 719 ( 3000) 87 800 9078 590 697 ... .10'77 223 507 17 45 912 11014 17t 363 478 675 757 088 L 0001 12123 f25 ?3 6,0 715 83 853 63 15001 946 60 130el 4>0 39 544 (500) 65 780 14097 137 397 527 655 73 730 l'°°l 81 931 15138 329 91 [500] 433 906 [500] 16051 K 313 508 002 43 747 853 17096 321 421 95 ■Ia °,L.59R 803 970 77 18030 171 469 87 19001 111 [500] 229 »05 <23 90 501 [500] 785 802 911 [500] 44 52 «a oo aa 598 672 701 838 932 21246 (500) 83 575 633 830 2 2189 848 434 6j1 84 7 2 3116 208 71 505 905 * ' 13000] 825 578 25116 40 528 621 83 83 739 49 883 26076 292 433 41 587 759 881 913 49 27450 99 28006 198 253 390 513 36 11000] 88 641 713 [500] 29015 107 21 223 636 736 841 967 | 500l 30(86 571 639 732 90 936 31099 637 66 86 »0 174 463 619 319 33033 165 (500) 230 45 952 3 4117 374 522 [500] 25 697 (1000) 755 61 805 897 535 653 66 78 903 3 60«5 [500] 193 319 [500] *406 150001 85 624 86 771 82 871 37102 513 469 005 38198 202 875 559 883 3 921)5 383 650 [500] 738 809 40023 [8000] 194 816 55 78 415 40 763 860 84 904 25 412'1 27 39 455 685 4 2030 58 113 20 200 833 402 653 780 001 43050 174 326 39 661 [5001 70 733 992 [3000) 44153 207 40 49 803 916 45224 320 402 23 500 64 657 781 007 46032 119 217 73 597 634 45 47131 36 573 761 95 48267 91 [JCOO] 350 478 507 650 986 4 9 003 [500] 20 51 1'4 25 215 56 73 309 613 [1000] 763 89 |500] 853 63 73 UO217 (500] 852 (1000) 480 79 851 936 73 51102 351 437 COS 98 722 96 52057 83 90 105 206 550 (500) 729 1^00] 61 53180 435 528 617 81 761 67 96 955 54153 210 !a?°L9-.97 343 62 600 48 630 811 29 903 5 5 074 127 74 88 628 730 882 [1000] 011 5 6 003 821 [500] 461 807 917 67035 100 11 [10001 58 325 36 536 [1000] 606 985 58186 460 64 83 [500] 518 41 636 59129 512 32 98 631 70 [500] 77 921 (500) ,a ,000'S 70 369 418 657 61133 341 442 53 815 [3000] 1*0 <7 62003 45 87 294 313 479 593 756 828 73 63166 74 A 762 802 83 034 64028 (500J 120 250 90 557 [1000] ,»a ^3.65n3° 2C3 99 880 "8 631 [500] 850 933 Ab?33 4?9 84 83 ,03 9S- 91 67005 16 113 59 552 60 84 95 [10001 934 6 8126 763 6 9 001 95 [500] 35 4 87 408 10 8S8 96 962 Fmaa!7?133 l0, 70 216 23 88 558 739 850 957 ( 500] 71006 1500] 87 161 [5001 212 17 306 537 607 759 882 72011 (500) 110 228 357 412 76 572 601 [3000] 16 81 779 911 74 73069 743 21!89 492 811 9,3 »5 74381 506 29 91 957 /ov-7 117 496 o67 748 808 52 900 [500] 58 (1000) 76163 821 9o7?« Z7n°2 587 t500) 646 800 78052 125 432 72 615 83 772 826 79133 249 330 663 650 902 80069 263 ( 500] 312 411 558 61 622 834 70 977 81-93 ?3 87 308 9 25 610 47 810 85 82130 88 393 507 83730 86 614 973 84011 58 251 68 538 (500) 016 20 074 85034 242 "2^do7^°. 802 962 86133 219 450 610 55 93 957 [ 500] 82 q9_87*37 359 Ö02 57 818 951 88053 125 83 329 90 917 32 89°58 !6O 99 206 473 015 715 47 607 ... “n0oo 829 91230 lOOO) 302 43 [500] 504 37 97 739 63 417 557 603 13 lbOO] 724 937 9 3117 3‘ 007 89 " 816 [500] 82 9 4390 40- 73 543 712 l'w°] 976 950-4 128 [500] 688 90 876 9CW8 Ia00«0} 97"17 150 3,0 [•*•00] 613 654 798 932 ö° 94 605 733 854 9 9 211 831 <74 52- 787 915 lvUUvJ "3 lO21n?n°los 754 101140 503 793 872 VN 03 r°T.0S0 K5 1 03262 409 72 005 33 76 8-11 1041-1 49 96 709 62 1 0 623 ??^°[8O0'O? 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(Nachdruck verboten.) 39 -05 76 91 355 75 530 St [1000] 51 625 718 847 1074 323 [500] 410 45 92 509 691 2’15 55 60 541 796 927 95 [5000 ] 3036 111 283 455 531 1500] «23 015 47 73 4072 74 239 714 27 B.'Sl 400 35 [50001 550 617 [1000] 37 6024 en 22.8 [8000] 81 638 717 7267 624 792 8030 9161 266 85 331 411 10056 497 514 85 655 765 863 00 11016 183 84 [1000] 327 4 72 399 951 [3000] 12085 111 354 711 54 130.38 891 [5001 8.31 49 96 ?I2 14180 15000] 209 561 63 623 791 15083 413 65 816 [1000] 16097 159 496 663 762 63 [1000] 17053 154 301 4' 702 et 931 18539 773 902 19011 160 -43 [1000] 51 82 453 [1000] S03 40 20389 422 630 761 836 42 21132. 51 318 650 [10001 796 818 900 220.19 99 166 254 (10 0001 191 557 [3000] 743 85» 23020 42 157 70 478 8.3 607 33 85.3 24040 67 79 97 195 212 [1000] 461 520 24 671 710 811 25062 152 203 16 433 61 '5no| 510 93 668 710 8.33 973 97 26204 [500] 615 077 92 27000 (500) 120 -.31 .355 56 512 51 682 2 8 275 323 [5001 135 SO 92 507 [1000] 37 Ll000 | 632 902 2 9 299 881 427 74 [500] 539 616 44 775 802 50 85 3O041 44 89 20.3 69 517 873 939 31087 96 335 79 424 554 [500] 81 [8000] 832 963 32069 194 204 316 422 23 511 56 93 691 722 803 927 33030 123 217 408 51.3 610 49 766 34193 211 70 .11 65 [500] 653 |1000] 797 3 5009 81 312 50« 8-3 3 6002 156 214 559 61 [500] 66 656 63 728 60 [ 3000] 8(2 86 372.14 304 821 00 0.33 [1000] 3RO<1 131 332 53 457 69 88 39211 356 424 30 56 62 73 528 OS 642 53 57 76 902 57 [5001 40128 [5001 63 98 556 79 606 757 921 41819 707 970 42023 [10001 106 91 331 82 579 821 77 43021 375 751 44 273 628 ( 500 | 732 93» 45092 110 213 507 [ 3000] 851 47.369 556 700 69 807 4 8032 146 335 699 729 41 925 82 490U 58 117 482 630 849 043 50673 779 910 51030 534 771 [500] 051 fit 53132 4? 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