,es^n HW' ^bcitcta » •m öOtk 'N Eirunde'?- e«i Sittai Bn- NMg^^ '«nnie'oSx-111** lofc. '«ÄSS -N bis sum2(i \ B--4, :rei Gießen. tzt gejuchi ^ ^h° ec -^MöbcGi^^ towoU,; Sfe l Jl^enitmntiiochKundZ WW ^jsJienstai aurkc.U'^ fnTischlc-l LV-- *‘S 3. H. V. ttw*. 6,0 WmckM Nr. 163 Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion:e^l1^ Tel.-Adru AnzeigerGießen. Zweites Blatt 158. Jahrgang Montag 13. Juli 1908 E-ich-KU täglich mft Au-nahm- beS S-nnt-,^ fS" * '^fe1W AAA A A aa ^olattonSbrud anb Betlag bet Drüfrl'scheu _ „TT“, u , v gyßglj lüls T H UniversitätS-Buch. und Steindruckerei. ®' Samtlienblälter“ roetben bem U WH I DM g / Ü I 4» O I 3 «• Sange. Dietzen. .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das U. r&r H W H M ä §1 S ® ljLI£ fl, „Krclsblatt für den Kreis Eichen" zweimal v v VT"TÄf V T V V wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- w x fragen" erscheinen monatlich zweimal. ©|Ut (00^^11 polmfcbc Tagesschau. Zur Reichsfinanjreform. Wie man von zuverlässiger Seite zur Reichsfirmnz- resorm gehört haben will, sollen die Dividende- und Umsatzsteuern für Banken endgültig eliminiert sein, da man sich von diesen Steuern nichts verspricht; dagegen soll man dem alten Gedanken einer Reich sw ehrst euer praktischere Form zu geben versuchen und zwar in einer eigenartigen Verbindung mit der geplanten Erbschaftssteuer. Von der Erbschaft eines Erblassers, der nicht seiner Militärpflicht genügt hat, soll eine höhere als die regelmäßige Erbschaftssteuer erhoben werden. Man begründet es damit, daß der betreffende Erblasser seine militärisch freie Zeit zum Verdienen habe benutzen können; je nach dem Vermögen des Verstorbenen soll bie Steuer in Klassen abgestuft sein. Im b a y r. Landtag erklärte Finanzminister v. Pfaff, über die Vorlage betr. Reform dec Reichssteuern könne er noch nichts sagen, da die Pläne der Regierung absolut vertraulich sind. Die Mitteilungen über eine Elektrizitätssteuer seien also falsch gewesen. Ter vertrauliche Eharatter der Verhandlungen schließe derartige Mitteilungen vollkommen ans. Jedenfalls dürsten die besonderen Interessen Bayerns bei dieser Reichsfinanzreform mit Nachdruck wahrgenommen werden. Eine Finanzreform könne nur erreicht werden unter Schonung der vitalsten Interessen der Bundes st aaten. Ministerpräsident v. Po- dewils teilte mit, daß er über die auswärtige Politik vom Reichskanzler eingehendst informiert sei; die Politik zum Reiche sei klar und einfach. • Vom Flottenvereiu. In den letzten Tagen fanden eifrige Verhandlungen der süddeutschen Ortsgruppen des Flottenvereins statt, die sich mit der Neuorganisation des Vereins beschäscigten. Diese Neuorganisation ist offenbar, nachdem die Kcimsche Richtung unterlegen ist, darauf gerichtet, den bayerischen Landesverband allmählich zu isolieren. Ter bayerische Landesverband hält fest an den Beschlüssen von Tanzig und mit ihm der w ü r t t e m b e r g i s ch e Landesverband und fast der ganze deutsche Süden. Tie süddeutschen Ortsgruppen wurden aufgcfordert, sich auf die Isolierung des Südens vorzubereiten, um eventuell rasch Stellung nehmen zu können. Daraufhin yabcn nun aüci) neun hessische und fünf n a s s a u i s a) e Ortsgruppen sich gegen die bayerische Richtung im Präsidium und für einen Austritt aus dem Gesamtverbande ausgesprochen. Tagegen stimmte der elsaß-lothringische Landesverband der auf der Danziger Tagung gefaßten Resolution einstimmig zu, im Vertrauen auf das neue Präsidium im Verein zu verbleiben. An den Groß-Admiral v. Köster wurde ein Glückwunsch-Telegramm gerichtet. Dem früheren Protektor, Fürsten Hermann Hohenlohe, wurde telegraphisch das Ehrenpräsidium und dem in Schweden weilenden Statthalter, Grafen Wedel, das Protektorat angetragen. Ebenso haben die thüringischen Verbände beschlossen, an den Flottenverein fest zu halten und ruhig abzuwartcn, wie sich die Gestaltung unter dem neuen Präsidium vollziehen wird. Fürst Otto zu S a l m - H o r st m a r gibt in einem Briese an die Redaktion eines Breslauer Blattes in Bezug auf einen Artikel, in welchem von einer dem Fürsten ergebenen Presse die Rede ist^ folgende Erklärung ab: „Ich erkläre erstens, daß ich über die in Rede stehende Angelegenheit weder mit einem Journalisten in Verkehr getreten bin, noch auf indirektem Wege Mitteilung an die Presse habe gelangen lassen, zweitens, daß überhaupt keine von mir inspirierte Presse vorhanden ist, drittens, daß ich von dem Inhalt meines Ablehnungsschreibens keinem Menschen außer dem Präsidium des deutschen Flottenvereins, an welches mein schreiben adressiert war, Kenntnis gegeben habe. Alle dieser Erklärung entgegenstehende Behauptungen sind drei erfunden und unwahr;." und Flotte. — Ein deutsches Offiziers-Genesungsheim. Man schreibt uns: In dem reizenden Falkeilst ein im Taunus und Bad Homburg geht das deutsche Offiziers-Genesungsheim seiner Vollendung entgegen. Das Heim verdankt seine Entstehung einer Anregung des Kaisers, der nicht nur den Bauplatz erworben hat, sondern auch die gesamten, mehrere Millronen Mark betragenden Baukosten trägt. Die Pläne zu dem Heim stammen von dem Militärbauinspektor Weiß aus Berlin, der auf Wunsch des Kaisers eine Studienreise in England gemacht hat, um dortige Gartenvillen kennen zu lernen. So entstehen in Falkenstein eine Anzahl Häuser in englischem Gartenbaustil. Ein ausgedehntes Hauptgebäude enthält das Sanatorium, sowie Speise-, Lese-, Musik-, Billardzimmer usw., während vier Villen als Wohnhäuser für die Offiziere dienen. In zwei Villen finden je 12, in den beiden andern je 14 Offiziere Unterkunft, im ganzen können also gleichzeitig 52 Personen Aufenthalt nehmen. Tie Villen haben eine gemeinschaftliche Diele, für jeden Offizier ist Wohn- und Schlafzimmer vorgesehen. Tie untere Einrichtung, um die sich auf Wunsch des Kaisers speziell der Generaloberarzt der preußischen Armee, Exzellenz Scherning aus Berlin, bemüht, wird sehr komfortabel. Die Wohnhäuser sind durch Tunnels mit dem Sanatorium verbunden, so daß die Kranken nicht durch den Garten zu geben brauchen. Ein eigenes Elektrizitätswerk sorgt für elektrische Beleuchtung, Dampfheizung ist ebenfalls vorgesehen. Separat steht ein kleines Beamtenhaus. Tie Einweihung des Heims, der ersten derartigen Anstalt im Deutschen Reich, wird im Beisein des Kaisers stattfinden. — Um dem Duell in der rumänischen Armee ein Ende zu machen, ist durch eine kgl. Verfügung ein Ehrenrat für die Offiziere des aktiven Tienststandes und der Reserve und für die Offiziere zur Disposition eingesetzt worden. Sitzung -er Stadtverordneten. Gießen, 10. Juli. Schluß. Schaffung eines allgemeinen Bebauungsplans. Stadtv. Winn führt aus, die Forderung, einen großen städtischen Bebauungsplan zu schaffen, sei sehr berechtigt. Wer die seitherigen Verhältnisse nur einigermaßen kennen geleint habe, könne sich dieser Forderung nicht verschließen, um so mehr es allgemein anerkannt sei, daß für die Entwickelung der Städte große Bebauungspläne geschaffen werden müßten. Tie für uns bis jetzt aufgestellten Pläne genügten nur teilweise den Anforderungen und manche Aenderung dürfte noch vorgenommen werden. Es seien zu kleine Bauquartiere vorgesehen und infolgedessen zu viel Straßen vorhanden. Es fehle stets an dem für verschiedene Zwecke erforderlichen Gelände. Man könnte wohl zu unserm Stadtbauamt das Vertrauen haben, daß es die für die neuen Stadtteile erforderlichen Pläne gut durcharbeitet und ihm auch die endgültige Fertigstellung übertragen. "Niemand werde aber wohl bestreiten wollen, daß duvck) einen Wettbewerb neue Anregungen, neue Gesichtspunkte und Gedanken gegeben würden, die dem Stadtbauamte sowohl, wie auch der Stadt selbst von großem Nutzen sein mürben. In den Schriften der Zentralstelle für Arbeiterwohl- sal)riseinrichtungen in Berlin werde ausdrücklich darauf hingewiesen, daß ein sorgfältiges Durcharbeiten d.s Bebauungsplanes das vornehmste Erfordernis für die gedeihliche Entwickelung jeder Stadt ist. Diese Aufgabe erfordert nicht nur ein gründliches Studium aller Verhältnisse und einen erfahrenen wie künstlich feinfühlenden Bearbeiter: sie müsse auch durchdacht sein von Gesichtspunkten, die ein Einzelner nicht oder nur selten ganz zu beherrschen vermöge. Er bitte deshalb, dem Antrag zuzustimmen. Stadtv. Tr. Biermer ist grundiützlich der Anschauung, daß man die Grundstückspekulation nicht entbehren könne und die Erfahrung lehre, daß es bei Spekulationen weniger gefährlich sei, wenn eine Spekulaniengruppe der anderen gegenüberstehe. Tie-Geschichte der Börse zeige dies als eine wirtschaftliche Tatsache. Er erkenne an, daß gewichtige Bedenken gegen die frühzeitige Offenlegung des Bebauungsplans bcständ.n, aber den in dem Antrag enthaltenen Gedanken, daß ein erfahrener Experte uns bet der Schaffung eines großzügigen Bebauungsplanes unterstützen solle, halte er für sehr gesund. Teshalb meine er, daß sich die Bandeputation noch einmal mit dem Antrag befassen solle. Wenn man zu enge Gebiete für das Bebauen sreigebe, bekomme man einige wenige große Spekulanten. Die Bekanntgabe der Bebauungspläne wer-e allerdings die Grundstückspreise verteuern, aber es sei gleichgültig, ob die Preise jetzt oder später stiegen, die Wirkung für das Banen sei dieselbe. Auch sei zu tragen, ob denn die Bebauungspläne wirklich geheim gehalten würden. Wenn man diese Frage verneine, so sei i5 besser, wenn die Pläne öffentlich bclannrgcgcbcn würden, statt aus Hintertreppen. Ter Vorsitzende bemerkt, allen Spekulanten stehe die Stadt gegenüber, die das Bestreben verfolge, überall die Preise auf einer angemessenen Höhe zu halten. Wenn gesagt werde, die Bebauungspläne blieben nicht geheim, so müsse er verlangen, daß Namen genannt würden. Ec frohe, daß dies nick^eschehen könne. . Stadtv. Ql r ü tt r 1V a l jlimmt Sor 3vuilb[Ät}Iirfp’n S)f n) «i ung des Stadtv. Tr. Biermer über Spekulationen zu. Man solle auch auf dem Gebret der Geländespekulation die Mäste frei sich entwickeln lassen, daduvck- sei noch am efreften die Gewähr gegeben, daß ein natürlicher Ausgleich ftattfinbe. Deshalb sei die .Geheimniskrämerei bei den Bauplänen ein Liebel, denn nur so lange man nichts genaues wisse sei eine ungesunde Spekulation zu befürchten. Tie Stadt muise bei der Erschließung von baureifem Land dem Bedürfnis nachgehen unb sich nicht zu Straßeneröffnungen erst drängen lassen: Er l-alte es auch sür möglich, gewisse Straßen sür bestimmte Zwecke auszuichließen und damit besondere Fabrik-, Wohn- usw.-Straßen zu schasien. Tie Grenzen zwischen den verschied-enen Zwecken dürfe man aber nicht zu streng ziehen. Tem Grundgedanken der Antragsteller könne er nur beipflichten. Seither sei man vielfach kleinlich und langsam mit den Bebauungsplänen vorgegangen, während man anderwärts, z. B. in Offenbach, viel großzügiger handle. Die große Ringstraße könne im Zusammenhang mit der Feldbereinigung vorgesehen werden. Wenn der Geländewert steige, werde auch die Stadt durck) die Wertzuwachs steuer Vorteil haben. Ter Vorsitzende weist auf die Schwierigkeiten hin, Gelände für Straßen, bereit genaue Lage man noch nicht wisse, lange vorl-er zu erwerben. Tas Gelände für die große Ringstraße besitze die Stadt bis auf wenige Parzellen -etzt fchon. Stadtv. Löb er bemerkt, daß man früher über die Spekulanten nicht immer so günstig geurteilt habe, wie cd heute geschehen fei Er betont weiter, daß Stadr und Feldbereinigung Hand in Hanb gehen müßten und die Schaffung einer lex Adickcs auch für uns dringend notwendig sei. Er bestreite nicht, daß die Feldbereinigung jetzt mache was fie wolle, aber die Stadt hätte früher an sie herantreten müssen, im jetzigen Stadium der Arbeiten sei es zu spät. Daß die Preise bei der Bekanntgabe der Pläne fliegen, stimme nicht. Man solle nur genug Baugelände zum Bebauen sreigeben, dadurch z. B., daß man mit Oer Stephans- mark nicht gleichzeitig die Schwarzlach eröffnet habe, sei die Stadt direkt geschädigt worden. 9Jlan solle sich größere Ausgaben stellen und nichc nach und nach die Saa-e machen wollen. Tie Schaffung größerer Bauquartiere sei dringend notwendig. Stadtv. Dr. Gutfleisch führt aus, bie bis jetzt geführte Debatte lasse erkennen, daß es sich um eine der wichtigsten Aufgaben handle, die der. Stadt bis jetzt gestellt worden seien. Er sei ebenfalls nicht ter Meinung, daß Die Sache mir einer einfachen Ablehnung des Antrags Winn getan sei. Mau bedarfe der schöpferischen Hilfe eines Spezialisten, um euvas ersprießliches zu erzielen. Daß der betr. Sachverständige von außerhalb sein werde, werde ein Vorteil fein, denn der mit diesen Verhältnissen Verwachsene verliere bei Beurteilung der Sack-e zu leichr den freien Blick. Neben dem Gesich.Spunkt, das Stadtvild sck-ön zu gestalten, müßten auch gesundheitliche und soziale Erwägungen mit in Betracht gezogen werden. Auch bet der Feldbereinigung könne manches beobachtet werden, was der Stadt vorleilhast sei. Es sei zu erwarten, daß im nächsten Winter die allgemeine Bauordnung den Ständen zur Beratung zugehen werde. Man solle deshalb jetzt schon die Wünsche, Die man städtischerseits bet dieser Revision berücksichtigt haben wollte, der maßgebenden Stelle in Darmstadt unterbreiten, damit sie nach Möglichkeit schon bei der Ausaroeitung der Vortage Berücksicküigung finden konnten. Tas sei um so nötiger, als die Ausarbeitung einer solchen Vorlage am grünen Tisch ohne Fühlungnahme mit den Erfordernissen der Praxis nicht das richtige fei. Man habe alle Veranlassung, alle mild er _baulid>eii Entwickelung Der Stadt zusammenhängenden Fragen (Stadtbebauungsplan, Hess. Baiwrdniing, lex Adickes usw.) nicht aus dein Auge zu verlieren, und er meine, es sei richtig, hierzu die Mitwirkung eines fähigen Mannes in Anspruch zu nehmen. Für den Oberbürgermeister sei es nickst möglich, neben feiner sonstigen Tätigkeit auch noch diese Arbeit zu leisten. Man solle deshalb den heute zur Beratung stehenden Antrag nicht ablehnen, sondern in einer der nächsten Sitzungen nochmals zur Beratung stellen. Der Vorsitzende teilt mit, daß die Städtebürgermeister 'bezüglich der Revision der allgemeinen Bauordnung schon ihre Wünsche geäußert hätten. Er sei aber für die ^Anregung des Stadtv. Dr. Gutsleisch dankbar und werde die Sackü nochmals in Anregung bringen. Mit der Vertagung der Angelegenheit auf die nächste Sitzung sei er einverstanden, da 'ich freute zahlreiche neue Gesichtspunkte ergeben hätten. Stadtv. Tr. Biermer beantragt, die ganze Angelegenheit einer Sonderkommission zu überweisen, womit Stadtv. Tr. Gutfleisch einverstanden ist. Stadtv. W i n n bittet, die Sache nicht zu vertagen, ivenn man fie noch mit der Feldbereinigung erledigen wolle. Ter Vorsitzende spricht sich für den Antrag Gutfleisch- Viermer aus, zumal für die Feldbereinigung die Sache keinen Wert frabc. Stadtv. Krumm ist ebenfalls für die Bildung einer Sonderkommission, unt> (betont, daß er nach wie vor die Bodenspekulatton für schädlich für die Allgemeinl-eit halte. Stadtv. Wallenfels frat Nichts gegen die Schaffung eineS großzügigen Bebauungsplanes, glaubt aber, daß mit seiner Bekanntgabe sofort eine wilde Spekulation einsetzen n>erd.. Angesichts der anderen der Stadt bevorstehenden großen Aufgaben solle man aber recht vorsichtig sein mit Sachen, die die Stadt viel Geld kosten würden. Der Antrag aut Bildung einer Sonderkommission wird einstimmig gutgeheißen, iijre Wahl soll in der nächsten, am 1b. Juli stattfindenden Sitzung erfolgen. Ans StaOt nnd Land. Gießen, 13. Juli 1908. • • Hoftrauer. Wegen des Ablebens der Herzogin Johann yilbrecfrt zu Mecklenburg ist am Großh. Hofe eine Hoftrauer vom 10. bis zum 17. Juli angeordnet worben. * • Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiro. Feuerwehren wurde verliehen durch Entschließung S. K. H. des ^roßherzogs dem Otto Robert zu Grün berg. ** Landespferdezuchtverein. Am Donnerstag, 9. Juli, fand auf dem Familicnbegrcibnis zu Heidelberg bu Beisetzung des am 7. Juli in Darmstadt verstorbenen Rittmeisters z. D. E. N a e g e l 6, Ritter des eisernen Kreuzes und mehrerer Orden, statt. Ter Verstorbene war lange Jahre Sekretär des Landes-Pferdezuchtvereins im Groß- Herzogtum Hessen; er hat das Interesse des Vereins stets eifi'igft vertreten und gefördert. Als Vertreter des Vorstandes gab Rittmeister a. T. Fenner den Gefühlen der Anerkennung und Dankbarkeit am Grabe warmen Ausdruck. ** Die Autostraße im Taunus. Der Frankfurter Magistrat teilte der Stadtverordnetenversammlung mit, daß zum Bau und Betrieb einer AutomobifiBerlehre- und Uebiingsstraße im Taunus eine Gesellschaft m. b. H. gegründet werden soll und beantragt, daß sich die Stadt an dem Unternehmen mit 750 000 Mark Anteilscheinen beteilige und die Bürgschaft für die von der Gesellschaft auszugebende Obligationsschuld von 1750 000 Mark übernehme unter der Bedingung, daß die Automobilindustrie und der jtunimunuiueruQiiü Wttsöaoen eoenfatts je 7ouDuj Mart, der Kaiserliche Automobilklub 250 000 Mark und die Kreise Obertaunus und Usingen ebenfalls 250 000 Mark Anteil scheine übernehmen und der Stadt Frankfurt von der Gesellschaft ein Zuschuß von 130 000 Mark zur Verbesserung der Straßenverbindung Frankfurt—Oberursel gewährt wird. * * Familienforschung und V e r e r b u n g sie h r o. Uniocrsitätsprofessor Dr. Sommer beabsichtigt vom 3. bis 6. August für Aerzte, Lehrer, Geistliche und Juristen einen Kursus über Familienforschung unb Vererbungslehre abzuhatten. Es soll babei bie angeborene Anlage unb ihre Ae- beutung der Psychologie, der Medizin im Allgemeinen unb der Psychiatrie im Besonderen, ferner die Pädagogik mit Berücksichtigung des angeborenen Schwachsinnes, sowie der Kriminalpsychologie dargestellt werden. ** Der Hessische Hauptvercin der Gustav' Adolf-Stiftung gebeult seine 64. Jahresversammlung am 14. unb 15. Juti in Guntersblum abzuhalten. " Für Besucher des Deutschen Turnfestes. Das vom 18. bis 23. Juli d. I. in Frankfurt a. M. statt- findende 11. Deutsche Turnfest läßt aller Voraussicht nach einen außergewöhnlich starken Personenzusluß dorthin erwarten. Ten Besuchern desselben kann daher zur Ver-^ incibung von Erschwerungen unb Stockungen an den Schaltern der Frankfurter Bahnhöfe in ihrem eigenen Interesse nur dringend anempfohlen werden, sich möglichst bei der Hinfahrt mit der Fahrkarte zur Rückfahrt (Doppelkarte) zu versehen. Es ist dies durchaus unbedenklich, ba bie Gültigkeit der Doppelkarten allgemein 4 Tage beträgt und auch d'.e Zeltdauer der Fahrtunterbrechung — je einmal auf der Hin- und Rückfahrt — innerhalb der Geltungsdauer der Fahrkarte keiner Beschränkung mehr unterliegt. *• Kolossen m. Das Gastspiel des Adolf Plate aus Frankfurt a. M. währt bis zum 15. Juli. An diesem Tage ist eine Benesiz-VorstelliiNg für ihn vorgesehen. — Reiskirchen, 11. Juli. Eine ehrenvolle 'AuS- zeichnimg wurde dem hiesigen Weichensteller Hch. Hahn zuteil. Er hatte am 3. 9(ug. v. I. einen Knaben vom Tode^ des Ileberfahrenwerdens gerettet, wofür ihm jetzt von Sr. Kgl. Hoh. dem Großherzog die Rettungsmedaille verliehen ivurde. X Büdingen, 12. Juli. Die 23 in unserem Kreis bestehenden Pfennigsparkassen hatten Ende 1907 ziisammen 2216 Einleger mit einem Mitgliederguthaben von 264 665,25 Mark. Die größte Pfennigsparkasse besitzt Echzell mit 492 Einlegern und 54 601,56 Alk. Guthaben. □ Bleichenbach, 11. Juli. In der Gastwirtschaft „Zum Chausseehaus" war seit drei Wochen eine Frau aus Kassel zu Besuch, ihre angegriffene Gesundheit wieder zu erlangen. In einem plötzlichen Anfalle stürzte sich die junge Frau, bie unter dein Vorgeben, sich oben zur'Ruhe legen zu wollen, aus dem Fenster bes oberen Stockwerks in ben Hof aus einer Höhe von sechs Metern, bie Frau war bewußtlos und hatte an der Seite und Achsel Munben vom Sturz bavongerragen. Ob innere Verletzungen vorliegen, konnte der yerbeigerufene Arzt noch nicht feststellen. Allem Anschein nach wiro der Sturz nicht ohne schlimme Folgen verlaufen. O Laubach, 10. Juli. Der Fremdenbesuch ift) stärker als in früheren Jahren. In unseren beiden ersten/ Hotels sind 25 Kurfrembe untergebramr Eine Ferienkolonie mit 30 Kindern kommt am nächsten Montag. — Tas Haus des Wachtmeisters Alt früher T. Ritter- wurde für 8600 Mark an Sparkasserechner Loy verkauft. P. Schlitz, 12. Juli. Ter Minister des Innern Braun trifft morgen hier ein, um den von Krcisrat v. Bechtold vergeblich angeslrebten E i n i g u n g S v e r s u ch zwischen Gras v. Görtz und dec Stadt in der bekannten Jagdfehde nochmals 31t wiederholen. Tie Stadt hat inzwischen die Jagdoecpachtung auf TonnerStag den 16. d. M. öffentlich ausgeschrieben. Voraussichtlich wird auch Minister Braun sich vergeblich bemühen. R. Kölzenhain,!). Juli. Ein hiesiger Landwirt hatte einen Wagen voll Brennholz mit zwei Pferden aus dem Eberwald geholt und wollte dasselbe in einer gelegenen hofreite abladen, dabei geriet das Gespann durch Unvorsichtigkeit in eine Grube mit Kalk. Beide Pferde stürzten auseinander in die Grube, wo das eine Pferd sofort Der endet ist. Ter Landwirt ist am ganzen Körper schwer verletzt worden. (6.) Dillenburg, 9. Juli. Seit etwa 10 Jahren tauchten Projekte auf, den südlichen Teil des Kreises Biedcn köpf, zwischen Till und Lahn, dem wirtschaftlichen Verkehr zu erschließen. Es steht nunmehr zu erwarten, daß die Bahn durch das Scheldetal, bic schon von hier bis Lberfcheld dem Verkehr dient, auch über Lirfeld. Elsenhausen, Breitenbach nach Wallau in alter Kürze in Angriff genommen wird. Diese Strecke vom Tilltal nach der oberen Lahn, ist von außerordentlicher Wichtigkeit. Tie Hüitenwcrkc und Hochöfen im Scheldelal werden dadurch mit ihren Gruben verbunden, große Eisensteinlager, die noch brach liegen, werden aufgeschlossen. Dazu lönnen viele Grubenbetriebe im Gansbachtal, bei Niederhörlen und anderen Erten, die wegen Betriebs- und Transportschwierrgkeiten Jahre still standen, wieder ausgenommen werden, auch die vielen Grünsteinbrüche im Perftal und sonstige industrielle Werke werden aus der Schcldebahn ihren Vorteil ziehen. Große Schwierigkeiten bietet die hohe Wasserscheide zwischen Oberscheld- Lixfeld, die der Schelderivald krönt. An der Linie Lber- schelb-Wallau sind über 20 Gemeinden interessiert. X Hanau, 10. Juli. Bei der Vergebung der Erd-, Maurer- und Asphaltarbeiten für die Mannschaftsgebäude der Eisenbahnregimentskaserne liefen wiederum recht weit auseinandergehende Angebote ein. Die höchstfordernde Firma (Hellmuth Krüger, Frankfurt am Main) verlangt 344 02-1 Mark, die mindestfordernde Firma (Jäger u. Rumpf, Hanau) 233139 Mark, also eine Preisdifferenz von 111000 Mark. 24. Deutscher landwirtschaftlicher Genossenschastrtag. Nachdruck verboten. S. u. H. Mainz, 10. Juli. II. In der heutigen 2. Hauptversammlung referierte Landrat v. Eiscnhard Rothe über das Thema: „Turch welche Maßnahmen genossenschaftlicher Art kann beni A r b c i te r m a n g c l auf de m Lande entgegengearbeitet tocrtxm?" Nach Ansicht des Referenten hätte der Staat die Aufgabe, für die Seßhaftmachung der Arbeiter hinzuwirkcn. Der Arbeiter habe, so meinte der p o atme rschc Landrat, keinen Anspruch auf eine eigene Scholle, denn er sei für eine derartige Bonifikation zurzeit noch nicht reif! (? T. Red.- Tie Genossenschaften haben daher die Pflicht, dafür zu Ky.fi luni O/Mfc.iitnr Sa- in IvirS. ihm fnßf t damit er an die Dck^olle gefesselt werden kann. Das Pacht- und MietvcrhältniS sei wenig tauglich, weil der Bau von Arbciter- lvohnungen nid>l zu ftabiten Verhältnissen führe. Das Erbbaurecht sichere den Genossenschaften schon bessere Garantien für die Landwirtschaft, der ja die Möglichkeit bleibe, die Arbeiter selbst auszusuchen. Auch t'iirrfj die Rentcngiiter seien gute Bedingungen zu erzielen. Schließlich ergeht sich der Redner in Erwägnngen, ob eS angängig ist,ben A r b e i l e r n E r l c i ch t e r it n g e n zu geben, weil sie spätcr in die Stadt übergeben und dort der Sozialdemokratie in die Arme getrieben werden. Mit der Snchsen- gängerei sei auch wenig getan, weit die Arbeiter im Sominer keinen Nutzen von ihrer Wohnung hatten. Es empfehle sich daher. Wo hn u n g s g e n 0 s sc n scha s t c n zu gründen, aber nur da, wo kleinere Mittel versagen. Jedenfalls sei die Errichtung einer Zentralstelle cmpsehlenswert. Sp.'kulalionserwägungen seien von der Bewegung fern zn halten. Ohne Staatshilfe gehe es nicht. Ta diese aber noch in weiter Ferne, müsse der Reichs- verband die Angelegenheit in die Hand nehmen. Ter pom. mcrsche Landrat schloß mit der Forderung, den Kamps gegen die Städte aufzunehmen, die eine Industrialisierung der Arbeiter herbeiführen. Deutschland könne, so meinte er, kein einseitiger Industriestaat sein. Der Berichterstatter empfahl die Annahme folgender Resolution: „Ter Deutsch.- Landwirtschaftliche Genossenschaststag erachtet cs für dringend erwünscht, daß der Rcichsvcrband der überaus wichtigen Frage der Seßhaftmachung der ländlichen Arbeiter auf genosfenfcl-aftlichem Wege fortgesetzt seine Aufmerksamkeit zuwendet." In der Tiskussion lvandte sich mit Recht Tr. Wegner-Posen gegen bic meisten der vom Referenten vorgetragenen Argumente. Die A r b e i t c r s 0 l l t e n n i ch t n 0 ch m c I' r g e k n c b c 11 ,v c r - bett. Wenn die Arbeitgeber gleid :.'itig Arbeitgeber und Vermieter feien, so verliere der Arbeiter bei Differenzen Heim und Brot. Ein weiterer Rcbttcr verlangt sehr richtig, daß aus dem besitzlosen Proletarier k l e i n c B a u c r n b e f i tz c r werben und empsahl bic Errichtung einer P a r z e l l i e r u n g s b a n k, da die Genossenschaften nicht in Wettbewerb treten könnten mit gewerbsmäßigen Güterltänbt rn. Weiter seien bessere Schul- Verhältnisse und überhaupt die Hebung des Arbeiter- stanbeS anzustreben. — Naci dem noch verschiedene Redner ihre übiveidjcnbc Stellung 511 den Ausführungen des Rescrenlcit bar- getait hatten, würbe die vorgcsckKagcne Resolution angenommen. Hierauf referierte VcrbanbSdircktor Oekononuerat Dr. Rabe (Halle a. S. über bas Thema: „Welche Lehren können wir aus ber Gestaltung des Geldmarktes im obgclaufencn Jahre für bic GeicltäftStätigkeit unfercr gcno'senschafllichen >V rebitOrganisation m ber Zukunft zielen?" Ter Referent führte aus: Nicht nur int Kriege und in exotischen Staaten müssen hohe Zinsen gc zahlt iverdcn, auch wir haben im Voriahre mit einem Bantblskont bis 9 Prozent rechnen müssen. Der hohe Geldstand lvirkt hemmenb auf viele landwirtschaftliche Unternehmungen. Trotz des auf ihnen lastenden Druckes tonnten aber die löblichen DarlehnSkaffen ben Gelbbcdarf ber Genoffen ohne Erhöhung des Zinsfußes bcfric- bigen. Alles in allem gerechnet, haben dadurch bi' Kassen über 4U Mtllroncn an Zinsen erspart. In ben lausenden von Kassen ist eine summe von Arbcil investiert, an welche die Arbeit ber Großbanken nickst beranreid^n kann. Tic ttnache für den erhöhten Gelbbedttrs im Jahre 1907 lag, ivaS die Landwirtschaft angeht, in ber Notwendigkeit, wcgc-t bes ArbeilermangelS Maschinen an-uschaftcn, in den teuren Futtermitteln und in ben vielen Neubauten, bic große Mittel erforderten Als Kuriosum mag er- lvähnt ivcrden, boü im letzten Jahre wohlhabende Genossen be- icädultd'c Summen von ben Kassen abhoben und sie an Bankiers aiberwiqcn, was ibiien einen Nutzen von 2 Prozent erbrachte. 2n Zukunft seien derartig,' uniidKi Kantonisten von ben Mafien fern-uhalten. Auch die kleinste Kasse müsse ihr. Selbständig, [feit behaupten und nur im Notfall auf bic Verbandskasse stützen. Die Tatsadw. baü die grotzen Banken an ben kleinst n Plätzen Filialen enidneten, fei für Die landtvirtsd.ifttichen Kais.n ein '.'In laß fid) enget aneinander zu schließen. — In bei Diskussion würbe dem Referenten zugestimmt. Ter wichste Punkt ber Tagcsorbnung betraf die Frage: Ist eine Mitwirkung ber ländlichen Genvifen'd asten bei d A obl- ,fahr tspl l ege möglich und wunfd-enswert, und m lueid^cn Formen wll sich diese betätigen? — Berbanbsdtrcktor Ho trat Back Tresbcn legte einen Antrag vor, in dem erklärt wirb, daß eine solche Mitwirkung nicht nur möglich, ionbern auch ictzr wünschenswert sei, mmal es im Interesse ber ländlichen Genoyen- schaften liegen müsse, von dem Segen d s Genc"'cnicha»lswetms wwobl in wirifchaftlid^r als auch in sittlicher Hinnckt utt Bevölkerung zu überzeugen. Tas Feld der Betätigung wlckx?r Wohl» salnspftcge sei groß. Es kämen neben anderen (rinriditungcn gesundheitlicher Art auch eine Reihe gemeinnütziger Vcram^l- tungen auf Vcrrdelung von Geist, Sinn und Gemüt ticlcnb in Betracht. - - Diesen Sätzen stimmte bic Versammlung zu. Darauf sprach Generalsekretär Tr. GrabciniDarm- stab t, über das Tb'ma: , Wie kann durch bic Ausgestaltung ö e 5 genossenschaftlichen Unterricht swesens zur weiteren inneren Vervollkommnung der ländlichen Genast cm ckrnfts- organisation beigetragen werden?" Ter Referent legte seinen Ausführungen folgende Leitsätze zu Grunde: 1. Eine wettergehende Berücksichtigung des ländlichen Genossenschaftswesens tm Lehrplan der landwirtschastlichen Mittelschulen sowie der lanbmirticnartlidxn .Hock schulen, Universitäten und sonstiger >2od)fd)ulen nt überaus erwünscht. 2. Tie Einrichtung von besonderen Ltubienkurien bezw. Seminaren für angehende Verbands- und Genossenfchatts- beamte an landwirffchastlichen und sonstigen Hochschulen ftt mangels eines ausreid^ndcn Bedürfnisses zur Zeit zum mmbqtcn verfrüht. 3. Tic allgemeine Einrichtung und Vervollkommnung ber Jnformationskurfe der Berbänbe für bic Vermal tungs- und Kontrollorgane ber örtlichen Genossenschaften ist drtngcnb geboten. 4. Der weitere, immer mehr den Bedürfnissen der Praxis und den gemad.ien Erfalrungen angepaßte Ausbau der bisher Lurd?aud bewährten deutsd-en landwirtschaftlichen Genofscnschafts- schule ist ständig durchzuführen. 5. Hierbei ist namentlich Wert tu legen auf bic Anhaltung von kürzeren S pc z ia l kursen für die gefdaftsführenden Ergän? der einzelnen Zweige des ländlichen Genosfenfd.afiswesens. Tiefe Leitsätze wurden angenommen. — Damit war die Tagesordnung erschöpft. Generalanwalt Gchcimcrat Haas hielt die Schlußrede. Um 5 Uhr fanb in der Stabthallc ein Festmahl statt, dem auch S. K.H. bet Großherzog beiwohnte.___________________________ llnivcrjitätssUacbriditCH. )( Von der Akademie zu Frankfurt a. M. Tas neue Vorlesungsverzeichnis für das am 27. Oktober beginnende Wintersemester führt im Ganzen 121 Vorlesungen und Uebungen auf. Tavon entfallen 27 auf Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgcographi', 12 auf Rechtswissenschaften, 7 auf Versicherungswisscnschaft, Mathematik und Statistik, 16 auf Handelswissenschaften, 43 auf Philosophie, Geschichte, neuere Sprachen und 16 auf Technik und andere Hilfswissenschaften. Tie Zahl der Dozenten ist auf 42 angewachsen. In Halle erklärten wegen Unstimmigkeiten mit dem Rektor, welcher bei einem Streit über die Anerkennung katholischer V e r b i n b u n g e n zu Gunsten der Icljtercn eingegriffen hatte, in einem gemeinsamen Schriftstück fast sämtliche Verbindungen dem Senat, an dem Rektorats wechsel nicht teilzu- n e h m e n. — Sie Auflösung ber Berliner freien Studentenschaft durch den akademischen Senat bildete den Gegenstand einer Versammlung. Ter Student Kalmon von der Wissenschastlichen Vereinigung führte aus, daß er beauftragt sei, den Gemaßregelten die Sympathien seiner Korporation zil übermitteln. Cb forporiert oder nicht, sei gleichgültig, wenn es gelte, die studentischen Rechte unb Freiheiten zu verteidigen. Es würbe eine Resolution angenommen, in der gegen das Vorgehen der Universitätsbehörde gegenüber der Berliner freien Studentenschaft Protest erhoben mürbe. — Wie das „Prager Tagebl/ meldet, ist der antiklerikale Professor W a h r m u n b vollständig k a l t g e st e l l t. Er wird zioar im Wintersemester seine Vorlesungen in Prag beginnen, bald aber in Pension gehen. Airehe und Schule. Zum Rücktritt des Geh. Rats Professor Dr. Leuchtenberger von der Leitung des königl. Wilhelms- Gymnasiums in Berlin wird im Kultusministerium erklärt, der ausgezeichnete Schulmann sei durchaus freiwillig aus dem Ainke geschieden. Er habe in seinem Pensionierungsgcsuch mitgetctlt, daß seine Kräfte der ihm auferlegten Arbeit nicht mehr gewachsen seien. Demgegenüber bleibt man, dem B. T. zufolge, in Kreisen, die zu dem Wilhelms-Ghmnasium in Beziehung stehen, bei der Behauptung, daß der Austritt des Geheimrats Professor Tr. Leuchtenbergcr keineswegs nur auf Gesundheitsrücksichten zurückzuführen sei. Vor allem bleibt ausfällig, daß einige Tage nach Leuchtcnbergcrs Amtsniederlegung auch die G Y m n.-P r 0 fesf 0 ren TDr. Matthiae und Steinberg ihre Pensionierungsgefuche zum 1. £ fr ober eingereicht haben! Die thüringischen Staat sregicrungen haben nach jahrelangen Verhandlungen die Zulassung der Abitur i e n t e n v 0 n R e a l g y m n a s i e n und £berrealschulcn zum j u r i st i s ch e n Studium und zu den juristischen Staatsprüfungen im Prinzip beschlossen. Ter bayr. Landtagsabg. Cberlehrer Schubert, der langjährige Leiter des bayerischen Lehrervereins, will „aus Gesundheitsrücksichten" vom Präsidium dieses Vereins zurücktreten. Schubert hat etwa 20 Jahre an der Spitze des Lehrervereins gestanden und im Kampfe für die Interessen der Volksschule und der Lehrer stets eine führende Rolle gespielt. — Selbstbetätigung 11 it t> Schaffensfreude in Erziehung und Unterricht. Mit besonderer Berücksichtigung des ersten Schuljahres. Bon Professor M. Wetekanip, Tirektor des Werner Siemens-Realgymnasiums zu Schöneberg-Berlin. Mit 13 Tafeln. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. — Ter Unterrichtsbetrieb unserer Schulen steht immer noch zu sehr unter der Einwirkung des für die Lateinschule des Mittelalters maßgebenden Zieles, den Schülern das Wissen der Zeit in möglichst umfangreichem Maße zu übermitteln. Aber immer mehr bricht sich die Erkenntnis Bahn, daß dieses Ziel auch nur annähernd nicht mehr erreicht werden kanii und daß darum an seine Stelle ein neues treten muß, nämlich den Schüler durch Selbsttäligkeil zu selbständigeni Arbeiten heranzubilden und ihn soweit zu fördern, daß er imstande ist, auf dem einen oder anderen Gebiete die heute ja reichlich vorhandenen Hilfsmittel zu eigener Weiterarbeit zu benutzen. Soll aber dieses Ziel erreicht iverden, so muß von Anfang an, sozusagen mit dem ersten Schultage beginnend, das Kind, soweit und soviel es irgend möglich ist, zur Selbsttätigkeit angehalten werden. Ter Bericht über die Pflege eines solchen „Werk- unterrichts", der am Werner Siemens-Realgymnasium in Schöneberg durcli 3 Vorschuljahre angestellt lvorden ist bildet den Hauptinhalt der Schrift. Es wird sdilagend gezeigt, tote ganz anders ein solcher Unterricht wirklich bildend wirkt, der im ersten Schuljahre dem Lesen und schreiben das Formen und Zeichnen als dem Kinde weit natürlichere Tätigkeiten vorausgehen läßt. Ein Ausblick aus die höheren Stufen läßt die Beveutung des Grundsätze», auch hier die Hebung der Handfertigkeit neben der rein geinlgen Beschäftigung hergcyen zu las,en. erkennen. Tie mit lehrreichen, das Unterricytsverfahrkn und den Unterrichtsbetrieb veranfchaulicheiwen Abbildungen verfchene --chiist darf als aliregende Förderung dieser so wichtraen O'rage empfohlen werden. • Nach dem Verzeichnis der Haupt und Zweigvereine zählt der Evangelische Bund 2413 Vereine; das sind 250 Vereine mehr als im Vorjahr. Ter Gemeinderat zu R 0 in beschloß mit -V7 gegen drei Stimmen die Abschaffung des religiösen Unter- richtsin den Sch ulen.________________________ — Kleine K u n st chr 0 ni k. Enrico Earuso wird in diesem Jahre in Europa nur eine vierwöchcntliche ®aftfp:e(ruynee unternehmen, unb zwar lediglich durch Deutschland. Ter Künstler wird sein Gastspiel am 1. Oktober im Wiesbadener Hoftheater beginnen und von dori nach Berlin und später nach Mannheim gehen. — Richard F e 111 u g e r hgt ein Trama, betitelt ,Tie Pfarrerin", vollendet, bas vom Hofiheaier in Tar 111 stabt angenommen wurde' — Zwischen Humperdinck und Direktor Tippel von der Metropoluan-Cper ist cm Vertrag vereinbart worden, wonach die Melropolitan-Cper das Recht ber Uraufführung von Humperdincks dreiattiger Cper ,K 0 n i g s k i u b e r" erwirbt. — Für ein Bertholb 91 u c r b a ch-Tenkmel sind nun die nötigen Mittel beisammen. An ber Spitze der Beitragenden stehen König Wilhelm II. von Württemberg und der verstorbene Großberzog von Baden. Bildhauer Profesior H. Bolz m Karlsruhe wird eine überlebensgroße Erzbüfte schaffen. TaS Denkmal, Denen Aufstellung im Mai 1909 erfolgen soll, wird sich erheben ui den Kuriaalanlagen in Cannstatt. — Ter Brüsseler Gelehrte, Elektroteckiiiker (S a r b 0 n e 11 e hat fein System der drahtlichen Hebert rag uug von Zeich - n 1111 gen, Photographier n unb Handschriften deiait vervollkommnet, daß feine Einfühning in die Praxis bevorsteht. Tic Ufbcrtragung eines Bildes oder einer Echri'tsiäche von ie 20 Quadratzentuneler erfolgt ui einer Minute. TaS Verfahren ist, wie er versichert, wenig kompliziert unb arbeitet sehr zuverlässig. Liandel. — Reue R e i ch S b a u k st e 11 e. Am 27. Juli bS. IS. wird in Saarlouis eine von der ReichSbmikstelle in Metz abhängige RelchSbgnknebenstelle mit Kasseneiinichtimg unb beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. — Angebote auf bic neue Wormser Anleihe. Auf bic Wormser neue 4proz Stablanlcibe sinb von fünf Konsorten folgende Eiferten gbgegeben worden : Von der DlSkoutogescllfchgst, fnbbeutfchen TiSkontogesellfchaft, etrauü u. Eoiup., bei Bcibischen Bank, Ephraim Picyer u. Solm unb Warburg, Hamburg 96.91; von ber beul sehen Bonk, rheinischen Kreditbank, deutschen Vereins- baut unb südbentschen Bank 96.81); von ber Nationalbank für Teutfchlanb unb Telbrück Leo 96.78; von ber Kommerz- unb Tiskontobank Hamtover, A. Spicgelderg, Hannover, unb Hch. NarjeS 96.76; von der Bank für Handel und Industrie, Veit L. Homburger und der Pialzifchen Bank 96.56. Spielplan öes Srohh. Kurtljeaters Bab Nauheim. Montag: ,Alt-Heidelberg.- Dienstag: „Hufarensieber." Mittwoch in Marburg: ,E i n W a l z e r t r a u m." Cyevctte in 3 Akten von Eskar Strauß. Donnerstag in Gießen: Einmaliges Gastspiel von Söhne. Hanako und ihrer japanischen Gesellfcha't: ..£ t a k e", Drgma in 1 Aki von Loi Fit, und »Im 2 e c b a u 5*, Schgufpiel in 1 Akt von Loi Ju. Freitag in Nauheim: Gastspiel von Mine. Hanako. SamStag in Nauheim: ,Em Walzer- träum/ Spielplan ber vereinigten Zrankfurter Stabttheater. Opernhaus. Vom Freitag, 3. Juli, bis inkl. 1. August bleibt ba8 Opernhaus geschlossen. Zchauspielhaur. Dienstag den 14. Juli, abends 7 Uhr: .Kriemhilds Rache/ Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Für Politik in Vertretung verantwortlich: P. Witt ko. Juli 1908 "Barometer aui 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeil Windrichtung Windstärke Wetter 12. 2” 740,4 29,3 14.8 49 Q 6 Sonnenschein 12. 9" 7.38,4 19,1 14,4 87 w 9 Klar. Himmel 13. 7” 741,0 18,7 14,2 88 8 4 Sonnenschein Höchst Temp eratur am 1 l. bi« 12. Jul 4 29,7 • C. Niedrigste • , 11 - , 2. „ — 4- 15,6' C. Telefonische des Giessener Anzeigers, mitge und ludnsti Frankfurter Bär 3>$e/e Reichsanleihe . . 91.90 3% do. . . 82.80 3 >4°/, Konsols .... 92.00 3% do 82.80 3j$®/o Hessen 90.50 3>j°/e Oberhesseu . . . 90.00 Uesterr Goldreute. . 99 00 4‘/6 9o Oesterr. Silberreute 99.00 4% Ungar Goldrente . . 93.50 4 % Italien. Reute . . . 104.30 3?6 Portugiesen Serie I 62.50 3-6 Portugiesen „ III 6310 4>6e/e rnss.Staatsaul. 1905 95 90 4 >6 0 japau. Staatsanleihe 89.75 4-6 Uonv.TUrkeu von 1903 95.50 Türkenlose 149.00 456 Griech. Monopol-Anl. . dl.00 456 äussere Argentinier . 86.20 3°/e Mexikaner . . . 65.80 4 >17» Chinesen .... 97.10 Aktien: Bochum Guss 213.75 Buderus E. W 108.50 Tendenz: ziemlich fest. Berliner Börse, Cauada E B 159.30 Darmstädter Bank . . . 222.00 Deutsche Bank .... 229.50 Dortmunder-Union C. . . — Dresdner Bank . . . 136.oordd. Lloyd .... 91.90 Übeischles. Eisen-Industrie 98.00 Berliner Uaudelsges. . . 159.00 Darmstädter Bank . . . 122.30 Deutsche Bank .... 230.00 Deutsch-Asiat Bank . . 134.30 Ditikouto-Kommaudit . . 170.90 Dresdner Bank .... 136.15 Kreditaktien 191.25 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn 88.00 Gotthard bahu —.— Lombard. Eisenbahn . . 22 60 uesterr. StaaUbobu . . . 150.40 Prince-Heuri-Eiienbahu . 121.00 3. Juli. Anfangskuree. Uarpener Bergwerk, . . 198.30 Laurahütte 204.40 Lombarden E. B. ... 22 70 Nvrdd. Lloyd — I iirkenlose 148JO Wcmi bet ber beigen Witterung selbst verdünnte Kubmilch von ^auglttigen und Kindern nicht vertragen wirb, so benutze man als :'.tifatz zur Milch das altbewährte Rente fche Kindcrmehl, welche» auch ,chon mit Wasser gekocht eine voUtommcnc, leicht verdauliche Nahrung ergibt. 'Bvobcöoic und illuür. Broschüre loncnirei durch Restle s Kinbermebl Gesellschaft Berlin, 8. 42. Em Ausflug nach dem schönen Weilburg bieiet i^clcgenbeit. wcXnlc Gcwcrbr-'Kttsftclluttg^,.7^/^L Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Ausstattung. stilrein und preiswert die ßrühl’eche Universität« • Druckerei, Schulstr. 7