T< Freitag 13. März IV08 158. Jahrgang Erstes Blatr !"kr. ^rnes «jiw ^nyrgmrg xm. » Ul et Stetzener Anzeiger FW««TN 'wflET r,-|d)emt täglich, außer W Ay W V «Metzener Anzeiger _ KF ____ . «... V Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.___ Wirkungen des handwerkergesehes. Hst ein. ße, 1. Stotf, ßnijj iStelle des vor gewerblichen ikler als ^rebitöercine, W Arzt 2-fcOE 3T3 > l höheren ausleuchten und die Versöhnung in den Hades Hindi untertragen ? Ties alles liegt handgreiflich in dem Stück und nach etwas anderem soll man nicht suchen.' |5piS' ar i Weste Aus Hebbels Tagebüchernund Briefen. Den 14. Dez. (1853.) teilte den 1. Akt der Rhodope geendigt. Braun von Braunthal (ein Polizeibeamter. D. Red.) machte mich auf tzerodots alte Fabel vom Gyges aufmerksam; ich las fte rasch und fand, daß allerdings eine Tragödie darin stecke, freilich wird die Motivierung der Königin schwer sehn. Den 14. Nov. (1854.) Heute habe ich das Trauerspiel: Gyges und fern Ring vollendet; ich sing es im Frühling an und brachte bis zur Abreise nach Marienvad 2i/2 Akte fertig, die anderen 2i/3 Akte sind im Herbst entstanden. -r Vorstand. Freitags- Sing^ auoh von Dpson5 >UlVER loß . , „ Brandplati. Kärz i, Tischdecken, , Angora- und iste Ware tt. scherTepplche, iken erstaunlich 07, rfräulein ju et» md Aus einem Briefe an Arnold Schlönbach in Mannheim vom 3. Juni 1856 (vgl- Fedr. Hebbels Briefe, Nachlese Br. II, Berlin 1900, B- Behrs Verlag): „Daß das Weib selbst für die Griechen eine Sache war, wissen Sie aus dem Homer; Helena ging von Hand zu Hand, und man schlägt sich tßm sie, nicht um lie zu züchtigen, sondern ton sie wie einen entflogenen Vogel wiederzubclommen.... Ist es nicht im höchsten Grade tragisch, daß zwei Männer, die sich lieben und e h r e n, au s Tod uir d Le ben srch b e t ä mp fe n müssen, wenn nicht untergehen soll, was sie iwü) mehr als sich selbst zu ehren und zu lieben Haden? Und muß das Weib, nächstem es diese beiden Männer des ihnen selbst unbewußten 1 innere« Adels entbunden hat, nicht ihrerseits in einem noch Gar vieles, was Hebbel dachte und wcrS damals unbeachtet oder unerfüllbar schien, ist heute zur Wahrheit und zur Wirklichkeit geworden. Erst in längster Zeit haben die Dramaturgen den Satz ausgestellt, daß die Idee, oder wie man sonst den Grundgedanken emes Stückes neunen mag, nicht das Primäre, sondern das Sekundäre beim Schaffen ist Der Dramatiker schreibt sern Stück nicht um einer Idee nicht um eines Gedankens willen, sondern der Gedanke quillt aus dem Stosse, ist das Blut im Fleische. Als Hebbel den „Gyges" schrieb, machte er diese merkwürdige Erfahrung. Ihn 'üzte nur die für die tragische Form geeignete Anekdote, ^nb nun, „da das ntuck fertig ist, steigt plötzlich zu meiner eigenen Ueberraschung, wie eine Insel aus deni Ozean, die ^>dee der dritte alu> die alles Bedingende und Bindende daraus hervor." In einem Briefe an Uechtritz macht er dieses Geständnis. atessen-Gescbifil liedenkoplj U vermieten. M opi- auf; wenn jeder der noch zum Wort gemeldeten siebzig Abgeordneten eine Viertelstunde zu reden gedächte, so würde man, ganz abgesehen von den Regierungsvertrclern, die vielleicht'auch hier und da etwas zu sagen gedächten, eine Arbeitszeit von 17'/, Stunden vor sich haben. Und die redelustigcn Herren hatten Verständnis für dieses Rechcnexenipel: sie redeten nichts 15 Muiuteu, sondern zumeist ganz erheblich länger, und wenn ne fertig waren, ließen sie nicht die anderen heran, sondern sprachen zum zweiten mid zum dritten Male. Man bin sich an zweien der zahlreichen Behörden des Reichsamtes fest und ging dann um halb sieben Uhr auseinander, um nach anderthalb Stunden zu einer Abendsitzung sich wieder zilsammcnzusinden — ein im Reichstag seit anderthalb Jahrzehnten nicht vorgekommener Fall. Bei dem Kapitel des Statistischen Amtes führte Herr Mugdan seine alte Fehde über die freie Arztwahl mit den Sozialdemokraten weiter, diesmal mit den Führern der Bergarbeiterbcivegmig Hue und Sachse; und beim Kapitel der Behörden für die Unteriuchung der Seeunfälle etablierte sich der Reichstag vier Stluiden lang als Schisfahrlsparlainent. Es waren alles Männer von der Wasserkante, die hierbei das Wort führten; die Hamburger, Dr. Heckscher und Dr. Semmler, uiid der Bremer, Hormann, traten mit großer Schärte und unter dem Beifall des Hauses und unterstützt auch durch dre Zustimmung der Regierung gegen die Verunglimpfung ein, der die deutsche Seeschiffahrt sich seit einer Reihe von Jahren durch die VeraU- gemeinerung einzelner bedaiiernswerter Vorkommnisse von Seilen der Sozialdemokrateii uiid des ihnen m diesem Kampfe verbündeten Hamburger Abgeordneten Raab preisgcgeben sieht. heddel un- fein „Gyges". Heule, wenige Tage oor Hebbels 95. Geburtstage (geb- U. März 1813), wird im Gießener Stadttheater die erste 'Aufführung von „Gyges und sein Ring" stattfinden. Da trag es angebracht sein, an dieser Stelle des Dichters treue Mid geliebte Gefährtin von ihm sprechen zu lassen. (Unter ifre Einzeichnung in sein Tagebuch schrieb Hebbel die schlich- l-kn, alten, ewig jungen Liebesworte: Hier steht der Name Lines Engels.) Es sind Grinitermtgen, die Christine Hebbel, die jetzt 91jährige Witwe des Dichters, bei ihrem 87. Geburtstag in Wien, wo sie lebt, einem Freundeskreis er- ^hlte. Noch immer klingt „Times" Stimme voll und metallisch vnd das Auge, „das wunderbare Auge", das, wie Hebbel llcivundernd erzählt, im Suchen eines vierblätterigen Klees unüberwindlich war (Hebbel meinte, daß dazu nicht die «ehkraft allein genüge, sondern „daß ment dazu einer ve- imberen Eigenschaft bedürfe"), ChristinÄis Auge blickt noch amner hell und scharf. Und alle Schwäche des Alters schüttelt |2ie QD/ alle Klagen verstummen, selbst die Sehnsucht nach tz^ller Sonne, heute dem einzigen Remedium für alle ihre Gebrechen, schweigt, wenn sie von ihrem Gatten spricht. „Hebbel sagte mir immer: hundert Jahre nach meinem ~obe werde ich erst anerkannt werden. Und nun kommt ^;e Nnerkenilung doch viel früher, um ein halbes Jahr- ctinöert früher, als er selbst dachte. Man gibt seine Dramen niujt nur, man macht sogar volle Häuser damit. Wie lange ’jufcte Hebbel warten, bis „Gyges und sein Ring" MM ersten Male gegeben worden ist. Im Winter 1854 wachte er die ersten Skizzen, im Frühling ging er an die arbeit und machte die erste Hälfte in Wien fertig. Dann Mgen wir nach Marienbad, und im Herbst wurde das Drama tollenbet. Am 14. November verzeichnete er dieses Er* Hjni£ in seinem Tagebuch. Aber erst am 25. l'lpril 1889 toirde das Stück int Burgtheater gespielt. So lange Hebbel einem Stücke arbeitete, sprach er wenig davon und war Er seinem Tagebuche gegenüber mitteilsam. Erst wenn vis Stuck fertig war, las 'er mir es vor. Ach, welch ein war das! Und welch ein unerhörter Genuß war es, *eben zu hören! Er sprach über alle Dinge der iS* bed Himmels, und ich bedauere nur, daß niemand ™'e Gespräche ausgezeichnet hat. Diese Auszeichnungen ,toü^i8eö GegenstÜll zum Lagebuche und »um Briefwechsel gewesen.^ Aus einem Briefe an S. Engländer vom Jahre 1863: „Die Welt kenne ich nicht, denn obgleich ich selbst einf Stück von ihr vorstelle, so ist das doch ein so verschwindend kleiner Teil, daß daraus fein Schluß auf ihr wahres Wesen abgeleitet werden kann. Den Menschen aber kenn^ich, denn ich bin selbst einer, und wenn ich auch nicht weiß, wie er ans der Welt entspringt, fp weiß ich doch sehr wohl, wie; er, einmal entsprungen, auf sie zurückwirkt. Die Gesetze der menschlichen Seele respektiere ich daher ängstlich, in Bezug auf altes Uebrige aber glaube ich, daß die Phantasie aus derselben Tiefe schöpft, aus der die Welt selbst, d. h. die bunte Kette von Erscheinungen, die jetzt existiert, die aber vielleicht einmal von einer anderen abgelöst wird, hervor^ gestiegen ist." „Der uralten Fabel mußte wenigstens in den Voraus» setzungen und in der Atmosphäre ihr Recht bleiben, undl doch konnte sie nur durch einen Hauch aus der modernew Welt beseelt werden." „Kandaules kann den Adel seiner Natur nicht besser beweisen als dadurch, daß er sich selbst, sowie sich Rhodope vor seinen Augen aus einer Sache in eine Person verwandelt, zum Opfer bringt, um den halb bewußten Frevel zu sühnen." „Das Hauptvergnügen des Dichters besteht für mich darin, einen Cyaralter bis zu seinem im Anfänge von mir selbst durchaus nicht zu berechnenden Höhepunkt zu führen, und von da aus die Welt zu überschauen." — Kleine K u n st ch r o n i k. Otto Blöcke r-Eckardt der in Frankfurt als erster das Residenzlheater (Orpheum) «tt Lust,pielbühne eingerichtet halte und ziemlich unglücklich ferne Direktion führte, ivill jetzt dort nachvorübergehenderThcalerdlrettiouS- führnng m Leipzig und a. O., in Frankfurt a. M. em , Freies Theater" nach dem Muster des Theaters „Lchall und Rauchs in Berlin im neu eingerichteten, 400 Personen iahenden Theatersaal des Kasinos eröffnen. — »Der Dummkopf", Ltidwig Fuldas Lustspiel, sand bei der ersten Ausführung tut Deutschen Schauspielhanse zu Hamburg eine sehr günstige Ausnahme. Ter amvesende Dichter wurde tviederholt geruien. — Professor Pütz er an der Technischen, Hochschule zu Darntsladt Hal in dem engeren Wettbewerb um die Ausführung der evang. Kirche in Recklinghausen den ersten Preis erhalten. hessisch; Zweite Kammer. Darmstadt, 12. März. Am RegierungStisch?: Staatsrninister E w alb, Finanznunister Guauth, Minister des Innern Braun, Geh. Staatsrat Krug von Nidda, Geh. Rat Frfrr. v. Siege le bett. Nach Eröffnung der Sitzung um 9 Vs Uhr wird dre Spezialderatung über den Etat ^OTtQCf Ct^te Ohne Debatte werden genehmigt: Kapitel Landstände und Kap. Ministerium, Ausgabe 87 918 Mk. Mswärttge und Bun- dcsberhäitnissc, Ausgabe 36 090 Mk. Kabinettsdtreckton 13 380 Mark, Oberrechnungskanmter 266 252 Mk., Vcrwaltungsgertchts- hos 7310 Mk. Bei dieser Position weist Abg. Dr. Schmitt aus den unwürdigen Zustand des Ver-- waltunasgerichtsgebäudes in Mainz hin uub ersucht, die Frage eines Neubaus in Erwägung zu nehmen. Beiiü Kap. R h e i n s ch i f s a hr t ersucht Abg. Dr. is ch m 111 um Auskunft, wie weit die Angelegenheit des Ausbaues des Koftheimer Hafens gediehen sei. __ Zur 8. Hauptabteilung M i n t st e r t u m (Kap. 23—8 /) maa>t Minister des Innern Dr. Braun längere Ausführungen: Dte Zahl der Beschwerden zu diesem Tttel habe im tiorigen Jahre 23 betragen, in diesem Jahre dürfte sie noch l*r sein. Wenn man die zur allgemeinen Lag. vo.liegenden Beschwerden nicht bloß durch die Parteibrille betrachtet, wewa man nicht verkennen können, daß unsere gegento.trtuje Wirt- schaftspvlitik auf gesunden Grundlagen beruhe. Auch vom Han-, bei und der Industrie ist bekannt, daß sie sich wieder m stabilen Verhältnissen bewegen, und die drohend gewesene Krisis nicht eingetreten ist. Eine Arbeitslosigkeit bestes eigentlich nur im Baugewerbe, doch würde aud) hier möglichst für Arbeitsgelegenheit Sorge getragen. Tie Landwirtschaft schließt dagegen nur teilweise befriedigend ab. Man wird frier auf einen wirisameren Seuchcnschutz bedacht sein müssen; auch die bessere Regelung der Arbeiterfrage in der Landwirtjchaft sei notioeiibig und werde fick) ermöglichen lassen, ioenn beim Abflauen der Juduchiü- tätigfeit ein Teil der Arbeiter wieder genötigt werden sollte, sich mehr der Lcmdwirtsckwft zuzuwenden. Ten Berhältmsieii im Weinbau werde d'e Regierung ihre besondere Aufmerkiai'.ikeit zuwenden, wie bisher. Hier sei zur Gesundung der, Verhältnisse des rheinhessisck-en Mittelstandes eine durchgreifende Jie- form au Grund und Boden erforderlich. Dem Mittelitand mutzte besonders auch dadurch geholfen iverden, daß der Zusammen^ Ä Rr. 62 'On^rt l-'-.w tt»Y le: •arein.i^ übergroßen Mehrheit von der Zwangsorganisation nichts wissen will. Denn von den 11311 Innungen mit ihren 488 700 Mitgliedern sind nur 3164 (28 Proz.) Zwangsinnungen, dagegen 8147 (72 Proz.) freie Innungen- Jene haben 218468 (44.7 Prvz.), diese aber 270 232 (53.3 Proz.) Mitglieder. Dabei sind bei den Zwangsinnunge-n die zahllosen .Handwerker mitgereckmet, die gezwungene Mitglieder, sonst aber Gegner oer Innung sind. So erklärt es sich auch, warum die Zahl der Zwangsinnungsmitglieder im Verhältnis zur Zahl der Zwangsinnungen selbst so groß ist (44.7 Proz. zu 28 Proz.). Das Verhältnis verschiebt sich noch mehr zu unguusten der Zwangsinnungen, wenn man der Zahl der frei organisierten Handwerker, die der Gewerbe- und anderen Handwerkervereine zuzählt. Die freien Innungen umfassen durchweg größere und leistungsfähigere Betriebe als die Zwangsirinungen, wenigstens an der Zahl der Gesellen und Lehrlinge gemessen. Aus die 270 232 Mitglieder der freien Innungen kommen 402 487 Gesellen und 171052 Lehrlinge, auf die 218 468 Mitglieder der Zwangsinnungen 289 082 Gesellen und 93 309 Lehrlinge. Besonders wertvoll wird die Statistik dadurch, daß sie darüber Aufschluß gibt, in welchem Umfange die Innungen bestrebt gewesen sind, die ihnen durch das Gesetz zugewiesenen Aufgaben zu erfüllen. Auffallend ist, daß so wenig Innungen (4/0 = 4.2 Proz.) ein Einigung s a m t bestellt haben, obwohl es zu den Pflichten der Innungen gehört, für ein gedeihliches Verhältnis zwischen Meistern und Gesellen zu sorgen und den Einigungsämtern sicher ein reiches Feld zur Betätigung offen stände. Auf dem Gebiete des gewerblichen Einigungswesens hätten die Innungen umsomehr leisten können und müssen, als sie in dem Gesellenausschuß schon eine geeignete Form der Organisation ihrer Gesellen haben. Auch die Zahl der Jnnungsschiedsgerichte zur Entscheidung von Streitigkeiten zwischen Meistern und Gesellen ist mit 432 (3.8 Proz.) sehr gering. Doch hat man hierbei zu beachten, daß manche Jrmungen nicht die Genehmigung für ihre Schiedsgerichte erhielten, weil die Behörden fürchteten, hierdurch den Gewerbegerichten Abbruch zu tun. Erfreulich sind auch die Erfolge auf dem Gebiete des Arbeitsnachweises. Einen solchen unterhielten 2374 = 21 Proz. aller Innungen; 305 davon sind paritätisch. Im ganzen haben 371237 Personen bei diesen Arbeitsnachweisen Arbeit gesucht, 204509 haben Arbeit betont men, das sind 55.1 Proz. Für düs große Jnieresse der Innungen an dem Herbergswesen spricht die Tatsache, daß 3869 Innungen hierfür einen besonderen Ausschuß haben. Ms nicht wirkungsvoll hat sich das Gesetz bezüglich der In nun g s kr an ke n ka s s en erwiesen, deren es nur 660 gibt. Die Genehmigung hierzu n^ußte den Innungen häufig versagt werden, um die Existenz der Ortstrantenkasse nicht zu gefährden. Wie sehr im übrigen das Bestreben der Innungen auf das Unter- stützungswesen gerichtet ist, geht daraus hervor, daß 1334 = 11.8 Proz. der Innungen Unterstützungskassen der verschiedensten Art errichtet haben. LLiMMüMSbild aus dem Reichstage. Berlin, 12. Marz. Morgen muß nach dem Kontingeutieruugsplau der Etat des Reichsauus des Juusrn erledigt sein. Als heule Herr Paasche den Präsidenten ablöjte, machte er nach der Rednerliste eine Rechnling Bezugspreis: monatlich 75 Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Alk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig, _ Verantwortlich |iit die Redaktion 112, 9 &V9 W für den politischen Teil: WW General-Anzeiger für Dverhchen WM |SRö«,<$^§nummer Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Yuch- und Stein&nidereL n. Lange. Redaktion, ExpedMon und Druckerei: zchnlstrahe 7. Ameiaenteäbb'ö^'B/ck bii vormittags 10 Uhr._ 1 ' , 5<> ii II. 19 - ;er. Im Jahre 1904 veranstaltete das ReichSamt des Innern bekanntlich statistische Erhebungen über die Wirkun- gM des Handwerkergesetzes. Das Ergebnis dieser Erhebungen liegt nun endlich vor und man ersieht daraus, daß bic Handwerkskammern sich durchaus bewährt haben. Das- elbe gilt auch von vielen Innungen; über die Wirksamkeit anderer läßt sich bei der kurzen Zeit ihres Be- uy OttlSl. li-hens noch kein endgültiges Urteil abgeben. Die erfreu» ll lösten Ergebnisse haben die Jn?mngen im allgemeinen auf , .. 7 bent Gebiete deS Erziehungs- und Bildilngswesens aufzu- n^ei en. 791 Innungen unterhielten zusammen 785 Fach- |kliuien, die fron 32 304 Lehrlingen und Gesellen besuckit utirben und an denen 736 Berufslehrer und 1221 Hand- 9ii em. mfer als Lehrer tätig waren. Für ihre Schulen wen- Cnde 10 Uhr, 1 Hen die Innungen 102 882 Ml. auf; sie unterstützten ' ~ . außerdem andere Schulen mit 43 495 Mk. 2375 (21 Proz.) ‘ "i ' (>:r Innungen haben Buchführungs- und sonstige Aus- lnldungskurse für Meister, Gesellen und Lehrlinge veran- ! haltet. Veranstaltungen zur Förderung der gemeinsamen _____.1 und wirtschaftlichen Interessen lErebit bete ine, Warenbezug, Benutzung von Maschinen, Ver- mertung von Abfällen und Versicherungen) der Mitglie- ter können nur 645 Innungen aufweisen, ein Beweis, . . . »aß die meisten Innungen gerade diese für sie so außer- ■laulig bei Herr. „gdentlich wichtige Ausgabe noch gar nicht erfaßt-haben, e 2. Ob die Junungeu auf die Dauer imstande sein wer- bau, das Handwerk wirtschaftlich mehr voran zu bringen und 1601'g ii)m den Wettbewerb mit dem Großbetrieb mehr zu erleichtern, als etwa freie wirtschaftliche Verbände wie die Ge- Vimmenaner, mbetiereinc, das steht Krotz dem nicht ungünstigen Ergebnis der Untersuchung nach wie vor dahin. An Ver- iiijcn, die Innung wieder aufzulosen, hat es weder den peien noch den Zwangsinnungen gefehlt; die letzteren uiareii allerdings mehr damit heimgesucht. Im ganzen unirbcn derartige Anträge bei 235 freien Innungen (2.9 Ikroj.) und bei 489 Zwangsinnungen (15.5 Proz.) gestellt. Ai 74 Innungen wurde der Antrag vor der Abstimmung ij-kber zurückgezogen, bei 382 ab gelehnt. Beachtenswerte Erfolge haben die H a n d we r!s k a m- itern auf dem Gebiete der Handwerksförde- riing erzielt. 52 Kammern unterstützten 293 Fach- und Fortbildungsschulen mit 28 279 Mk., 68 siammern unter- ullen Meifterlurse, 42 veranstalteten oder uni er stützten i^sstcllungen, 40 bewilligten Stipendien und 21 gewährten 'S ruiniert auf Lehrlingsarbeiten. 62 Kammern legten zusammen 2743 Eingaben und Anträge den Behörden vor »rd erledigten deren 3816 noch auf andere Weise. Tie Z a h l d e r I n n u n g e n i m D e u t s ch e n R e i ch e belief sich 1904 auf 11311 Innungen mit 488 700 Mitgliedern. Hiernach toMinen bei einer Bevölkerung von 53475 000 auf je 10 000 Einwohner 82.2 Jnnungshand- mter. Rechnet man die zu Gewerbevereinen gehörigen smdwerker mit — deren Zahlenverhältnisse tz'ind in einer blonderen vom Vorstand des Verbandes deutscher Ge- mbetiereine veranstalteten Untersuchung festgestellt und in Jahre 1906 veröffentlicht worden —, so weist Norddeutsch- lonb überhaupt 106 und Süddeutschland 76.4 organisierte himdwerker auf je 10 000 Einwohner auf. Das Ergebnis der Erhebung gibt denen recht, , die d ie Ansicht vertreten, daß daö deutsche Handwerk in seiner schlich und bie Bildung vvn Genossenschaften gefördert und erleichtert wird: auch die Besteuerung der kapitalistischen Grossbetriebe, der Warenhäuser und Konsumvereine dürfe dabei nicht außer Acht gelassen werden. Dabei werde es sich aber um die Frage handeln, ob man sich mehr dem preußischen oder dem sächsischen Beispiel anlehncn soll hinsichtlich der Art der Besteuerung. Ter Abg. Reinhart befinde sich im Irrtum, wenn er glaube, daß sich die „Gesellschaften mit unbeschrankter Haltung" in der Minderheit befänden. Im Gegenteil seien in Lessen von 852 Genossenschasten mit 140000 Mitgliedern //a Genossenschaften mit u n beschränkter und itr.r 77 mit beschränkter Laftung. Tie Frage sei, ob nach dem Reichsgesctz über die Erwerbs- und Wirtschastsgenossenschaften auch für die Rcgieruiig die Möglichkeit geboten sei, auf eine Uimvandlung der Genossenschaften hinzuwirlen. Ter Minister beschäftigt lich dann näher mit den Ausgaben der Landwirtschaftskammer und be- Niertt, daß die daran a.ngekiiüpfte Kritik zurzeit noch verfrüht sei. Ter Minister wendet sich dann eingehend zur Erörterung des hessischen Weinbaus^ Ter trotz der Steuer immer mehr zunehmende Konsum des Schaumwemes schädige d:e Wern- Produktion ganz erheblich, dazu kommen die riesigen Weinernten Frankreichs, die das deutsche Ernteerträgnis um das 25 bis 30facl>e übertreffen. Ter neue Reichsweingesetzentwurf enthalte eine Anzahl tiefeinschneidender Bestimmungen, zu welchen die Interessenten schon jetzt Stellung nehmen könnten. Be,anders über die räumliche uiid zeitliche Beschränkung der Zuckerung der Weine; die Regierung werde für beide Beltimmungen ein- treten. 3enter die Detlarationspflicht beim Verschnitt von Weißwein mit Rotwein; diese halte die Regierung zum Schutz des einheimischen Rotweinbaues ,ür ganz besonders notwendig. Weiter das Verbot des Verschnitts von Weißwein mit ausländischem Tessertwein, d. h. Süd- und Süßwein. Dieses Verbot wird die Regierung im Interesse des Weinbaues nach Möglichkeit unter- stützeii. Weiter eine lchärfere Kontrolle in der Herstellung und im Verkauf des Laustrunks. Tie Regierung hält eine solche Kontrolle für dringend notwendig, um dem vielfach) bestehenden Unfug bezüglich des Laustrunls zu steuern. Endlich noch eine einheitliche Kontrolle der gesetzlichen Vorschriften im Reich im Wege o?r Keller- • und Buchkontrolle. Hierzu nüifc ten, wie Redner ausführte, den Kvntrollbehörben geeignete Sachverständige zur Seite gestellt werden und der Bundesrat sollte das Recht eryalren, die Zahl dieser Sachverständigen für die einzelnen Wernbaubezirte festzusetzen. Ter Minister wendet sich dann zur Frage der Bekämpfung der Reblausrrankheiten. Die Annahme des Abg. Tr. Schmitt, daß, .die Reblausherde bei Kempten und Wöllstein 190o übersehen worden seien, treffe nur teilweise zu; es seien zur Bekämpfung der Reblaus von 1873—1906 bereits 608 000 Mk. verausgabt worden und man werde auch so lange aus dem eingeschlagenen Wege fortfahren, als die finanziellen Verhältnisse es gestatteten. Auch die Versuche zur Veroesserung der Reben mit den gegen die Reblaus immunen amerikanischen Reben erläutert der Minister. Tie Regierung werde alles aufbieten, um aus gesetzlichem Wege dem hessischen Weinbau den Schutz unD die Förderung zu gewähren, die ihm als einem unserer wichtigsten landwirtschaftlichen Erwerbszweige zukommen. Ter Minister beleuchtet darauf noch den Stand der Gewerbe. Inbetreff der vom Abg. Ulrich gerügten Streichung von Reisekosten für die Gewerbeinspettions- Beauftragten sei festzustellen, daß die hierfür genehmigten Beträge dem tatsächlichen Bedürfnis entsprechen. Tie jetzt bestehende Organisation der Gewerbeinsperwren habe sich zur Zufriedenheit bewährt. Bezüglich der Ausführung von Gewerbeaufträgen auf den Eisenbahnbelriebswertslätten empfiehlt Redner, abzuwarten, welche Stellung die Reichsregierung zu einer Aenderung des Art. 6 der Gewerbeordnung entnehmen werde. Weiter beipricht der Minister noch die Frage der Arbeiiskammern, der Heimarbeit und der Wohnnngsinspetiwn. Bei letzterer sei vor allem die swengste Turchsührung der getroffenen Bestimmungen notwendig, es müsse auch für eine gründliche Durci)- bildung der Inspektoren gesorgt werden. Die Heranziehung von Frauen zur Wohnungsinspettion sei nur zu befürworten. Man habe in Worms Frauen mit hinzugenommen und die bisherigen .Erfahrungen lassen das Beste erhoffen. Auch über die Bekämpfung der Lubertulosc äußert sich der Minister noch eingehend und konstatiert, daß die Erfolge damit bei Kindern geringer gewesen seien, als bei Erwachsenen. Die Regierung lverde auch der Frage der Fortbildungsichulen für Madelon näher treten. (Lebh. Beifall.) Nach kurzer Paufe plädierte Abg. Tr. Schmitt für eine Revision der Bestimmungen, betr. die Gebühren für Berücksichtigung der Feuerstätten. Abg. Orb bespricht zuerst das Kinderschutzgesetz und dessen Wirkung und kommt dann auf den Jahresbericht der Gc- werbeinspektion. Es müsse anerkannt werden, daß sich die Revisionen in aufsteigender Linie bewegen. Trotzdem aber genügten die Inspektionen, außer für den Bezirk Tarmstadt, nicht. Die Unfallverhütungsoorschristen müßten strenger überwacht werden, aus dem Papier hätten sie feinen Wert. Tie Tätigkeit der Arbeitergehilsen habe trotz ihres erst kurzen Bestandes schon gute Erfolge aufzuweisen. Vielfache Verstöße seien iwch im Bäckereibetrwb bez. der Vorschriften invetreff der Reinlichkeit und der Gehilfenbeschüstigung zu bezeichnen. Ter Konsum- Verein in Mainz bilde einen Musterbetrieb und könne erzieherisch aus andere wirken. Redner bespricht dann eingehend einen Vorfall in der Gemeinde Rödgen (Kreis Gießen). Ter dortige Bürgerm-eister sei gerichtlich als schwachsinnig bezeichnet worden. Trotzdem bleibe er im Amt und das zuständige Kreisamt habe sogar einem anderen Bürgermeister die Bestätigung versagt, weil er „sein Schöppchen" in einer Wirtschaft trinke, wo auch sozialdemokratische Versammlungen abgehalten werden. Äehnliche Tinge feien auch an anderen Orten des Kreises vorgc- kommen, wo Beigeordnete nicht bestätigt wurden usw. Redner behauptet, daß alle Schikanierereien nur erfolgten, weil die Bekresfenden cozialöemokraten seien und der Kreisamtmann mit zweierlei Maß messe. Tie Etatsberatung wird nun für kurze Zeit unterbrochen, um den dringlichen Antrag inbetreff Bad-Nauheim zu beraten. Abg. Ulrich gibt einen kürzen Bericht über die Frage der Erwerbung des zivhlensäurewerls in Bad Rauheim. Ta das Wert eine Gefahr für die Quellen Naul)eims bilde, so soll dasielbe für 30J 000 Mk. angekäust weroen. Toch könne die Regierung nur einen Höchsrzuschuß von 120000 Mk. als Staats- beitrag bewilligen, während die Restsumme von der Gemeinde Nauheim zu decken wäre. Die Stadtverwaltung hat nun ihren früheren ablehnenden Standpunkt aufgegeben uitd sich bereit erklärt, den Betrag von 150000 Mk. für den Erwerb des Kohlensäureweris unter der Bedingung beizusteuern, daß das Gelände in das Eigentum der Stadt übergeht. Ta aber der Staat keinesfalls meiw als 120 000 Mk. dajur bewilligen wird, so bleibt ito0) eine Tifferenz von 30 000 Mk. auszuglaichen, unb der Anschuß beantragt, unter diesen Umständen die Verhandlungen mit der Stadt über den Erwerb wieder aufzuneh- men, den Betrag von 120 000 Mk. jedoch nicht zu erhöhen. Finanzminisrcr G n a u t h iuljit aus, es sei erfreutich, daß die Stadioirwältung sich bereit erklärt ftabe, zur Erwerbung des Kohlciisauvewerrcs beizutragen. Tie Differenz von 30006 Mark könne aber unter keinen Umstünden von der Regierung getragen werden und er schlage deshalb vor, jetzt den Besitzern der Fabrik 270 000 Mk. als Kaussumme anzubieten. Werde dieses Gebot nicht angenommen, und darnach die l'Röglichkeil des Enoeröes gegeben, ]o werde Stadt und Regierung in Zukunst für den Fortbestand des Betriebes die Verantwortung tragen müssen. Abg. Tamm macht verschiedene Ausstellungen über die Kläranlagen bei Bad Nauheim und beklagt die Verunreinigung per Usa. Abg. Breidenbach drückt seine Befriedigung über den jetzigen Versuch zu einer Verständigung inbetr. des ^lohlensäure- jDeried aus und erhofft einen befriedigenden Abschluß. Abg. Hirsch el wendet sich gegen den Wg. Ioutz wegen einer unangenehmen Kritik über die Aeubaulcn in Bad Nauheim. Aer Airsschußantrag wird darauf einstimmig angenommen. Bei "Fortsetzung bet Etatsberatung des Ministeriums des Innern tritt , ... . m Ministerialrat Tr. Be st den schroffen Angriffen und Beschuldigungen des Abg. Orb über Herrn Kreisrat geb entgegen. Er müsse den Vorwurf der Ungerechtigkeit und Nichtobiektivi- tät so lange entschieden zurückweisen, als der Abgeordnete nicht den Beweis für seine Behauptungen erbracht hat. Bezüglich des Bürgermeisters von Rödgen 1 ei z. Z. eine Sache beim Ministerium anhängig, vor deren Entscheidung er darauf nicht cingehen Eönne. . Abg. Wolf bespricht die rheinhessische Weinbautrage, das Gesetz über den Kinderschutz und die Landwirtschaftskammer, deren Gegner wohl nur die Partei der Nichtgewählten sei. Tie Kammer werde jedenfalls den Segen bringen, daß sic erzieherisch wirken und zur Hebung des Bauernstaiides beitragen werde. Schluß der Sitzung 1/2 2 Uhr. Nächste Sitzung morgen früh 9 Uhr. Ans Stadt und Land. Gießen, 13. März 1908. Aus der Stadtverordneteu-Versammtung. Gestern gab es 1 Sitzung von 3 Stunden Dauer und einer reichhaltigen Ta- ,ubmtng, aber es war im wesentlichen nur Kleinkram, der unsere Stadtväter, die übrigens z. Tl. etwas auf sich warten ließen, beschäftigte. Dementsprechend ging es auch bei der Beratung ziemlich gemütlich zu. Es wurde manches gesagt, was bei einer wichtigeren Tagesordnung vielleicht ungesagt geblieben wäre, und es wurde auch außer von den offiziellen Rednern viel dazwischen geredet, was natürlich zum Verständnis der Beratung ungemein viel beitrug. Immerhin sind trotz der geringen Bedeutung der behandelten Gegenstände einige interessante Momente hervorzuheben. Lian erfuhr z. B., daß von der seitherigen Gepflogenheit, an die Versammlung gerichtete Eingaben sofort an die zuständigen Deputationen usw. zu geben, abgewichen werben soll. 9)lan hofft mit der Bekanntgabe der Eingaben an die Versammlung wohl eine raschere Erledigung zu erreichen. Das mag in einzelnen Fällen ja auch zutreffen, in anderen wird man aber das Gegenteil des beabsichtigten Zwecks erreichen. Zwischen den einzelnen Sitzungen sind längere Pausen und es konnte manche Eingabe gleich mit dem dazu gefaßten Deputationsvorschlag an das Plenum gelangen, während jetzt mindestens bis zur nächsten gewartet werden muß. Bei den emgegangenen Eingaben befand sich auch eine solche des Bürgeroercins, in der auseinandergesetzt wurde, daß vom Vorsitzenden und Schriftführer unterfchricbene Eingaben als solche des Vereins zu gelten haben. Eine dem Uneingeweihten unverständliche Mitteilung, und es war gut, daß SLadtv. Troß die nötige Erläuterung dazu gab. Vor einigen Monaten hatte nämlich der Oberbürgermeister an die Vorlesimg einer Eingabe des Bürgeroerems die Mitteilung geknüpft, daß es ihm zweifelhaft erscheine, ob das Schreiben eine Kundgebung des Vereins ober bloß des Vorstandes bedeute, da sie „Der Vorstand" und von 2 Herren unterschrieben gewesen sei. Diese Zweifel waren berechligt, denn der Verein hatte sich nicht mit der fraglichen Sache — es handelte sich um den Antrag Leun wegen anderer Gestaltung der Gießener Vahnhofsverhältnisse — beschäftigt, sondern der Vorstand. Deshalb erscheint es nicht ganz verständlich, daß irgend jemand an dieser Aenßerung Anstoß nahm, eine Kränkung irgend einer Person war nicht damit beabsichtigt (und auch nicht aus unserem damaligen Stadtverordneten-Sitzungsbericht, auf den Stadtv. Troß'bezug nahm, herausznlefen) und deshalb scheint uns diese kurze Mitteilung an dieser Stelle genügend zu sein, da auch wir mit am Stadtverordneten Dr. Biermer der Ansicht sind, daß es im Interesse des Ansehens des Kollegiums liegt, wenn derartige Ausstellungen unterbleiben. Die Stadtverordneten- Verfammlimg unb der Oberbürgermeister wollen doch, wie auch der Bürgerverein, nur das Wohl der Stadt und ihrer Bewohner fordern und wenn dabei Meinungsverschiedenheiten entstehen, soll man nicht gleich jedes Wort auf die Golbwage legen. Der günstige Rechnungsabschluß der drei städtischen Werke (Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk) wurde mit Befriedigung ausgenommen, ebenso die Mitteilung, daß der Voranschlag der Armenkasse für 1908, der mit 79 800 Mk. in Einnahme und Ausgabe abschließt, nur 800 Mk. Mehr- zuschuß aus der Stadtkasse vorsieht als seither. Der Senior der Versammlung, Stadtverordneter Petri, brachte in die sonst trockene Verhandlung etwas Waldesfrische. Er bedauerte die Abnahme des Wildes unb wünschte, daß mit dem Vertilgen der Eichhörnchen nicht zu stark ins Zeug gegangen werde, damit der Spaziergänger auch fernerhin sich an diesen munteren Tierchen erfreuen könne. Der Forstfachmann der Versammlung gab ihin hierüber beruhigende Versicherungen. Erfreulich ist die auch gestern wieder erkennbare Fürsorge, die unsere Stadt dec Schule und den Schülern entgegenbringt. Man beschloß einstimmig die Beschaffung von Schriften für den weiteren Lebensweg der Volksschüler, die ihnen bei der Schulentlassung eingehändigt werden sollen. Eine Anfrage des Stadtv. Habenicht wegen der Feuersicherheit unserer Schulen konnte dec Vorsitzende dahin bcant- warten, daß das große Brandunglück in Amerika ihm Veranlassung gegeben habe, hierüber Erhebungen 311 veranlassen. Auch die Beschuldigungen, die kürzlich ein pensionierter Beamter des Elektrizitätswerks gegen den Betriebsleiter des Werkes erhoben hatte, gelangten zur Erörterung. Es stellte sich durch den von letzterem erstatteten a»ntlichen Bericht heraus, daß die Beschuldigungen des Herrn Wille fast völlig zu Unrecht erhoben sind unb, soweit sie überhaupt Grund haben, nicht dem Betriebsleiter zur Last fallen. * ** Auö dem Bureau des Stadttheaters. Auf verfchiedene Anfragen fei ausdrücklich mitgeteilt, daß die Benefizvorslsllung für Herrn Cberregiffeur Bak 0 f am nächsten Mittwoch — es wird Beyerleins „Zapfenstreich" gegeben — um 8 Uhr beginnt — Das Kindermärchen am nächsten Sonntag nachmittag „Die verzauberten Frösche" ober „Marie, das Plappermäulchen" schließt wiederum mit dem äloioEobaHett, bus so großen Antlang gefunben hat. ** Verhaftet wurde gestern nachmittag ein junger Mann aus Garbenteich wegen Vornahme unsittlicher Handlungen aus öffentlicher Straße. ** Unfug. An einem Laden in der Walltorstraße wurde gestern abend eine Glasscheibe zertrümmert. Gegen den erkannten Täter wurde Strafantrag gestellt. Auch an einem Hause in der Schloßgasfe wurde eine Fensterscheibe ein geworfen. x Heuchelheim, 11. März. Wie dorauszusehen war, ist dura) das anhaltende Regenwetter die Lahn über ihre Ufer getreten. Das breite Lahnbecken von hier bis Atzbach ist in einen großen See verwandelt, dazu sind alle Gräben des Wiesengrundes mit Wasser gefüllt Unsere Landwirte sehen gerade in diesem Frühjahr diese Ueberschwemmung gern. Bekanntlich war das verflossene Jahr ein rechtes Mäusejahr, und trotz aller angejtrebten Mittel waren diese schädlichen Nager nicht zu vertilgen. Zu Sbunbeeten konnte man sie bisher noch auf Wiesen, Saat- unb Kleefeldern bemerken. Jetzt wirb aber burch die eingetretene Ueberschwemmung ihnen dec Garaus gemacht, zumal auch bas höher gelegene Erdreich bis zur Oberfläche mit Wasser getränkt ist. -g. Bad-Nauheim, 12. März. Unter dem Vorsitz des Schulrats Süß aus Friedberg fand heute hier eine Lehrerkonferenz des Bezirks Bad-Nauheim statt, zu der etwa 45 Lehrer und Lehrerinnen erschienen waren. Nach einleitendem Schülergesang eröffnete Schulrat Süß die Konferenz. Das Hauptthema bildete diesmal ein Vortrag des Lehrers H a m a n n aus Bad-Nauheim über „2 a s Pädagogische'im Fau st- Pröble m". Redner verstand es, durch seine gediegenen, etwa eine halbe Stunde dauernden Ausführungen die Zuhörer zu fesseln. An den Vortrag reihte sich eine recht interessante Diskussion. Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildete der Zeichenunterricht und zwar die Becichierstatttung über die seit der Einführung der Hölscher-Methode gemachten Erfahrungen. An die Konferenz schloß sich ein Essen im Restaurant Burk. Frankfurt a. M., 11. März. In der Stabtvecocd- netensitzung beantragten die Deniokcaten, das Bismarck- denkmal, wofür der Platz am Schauspielhaus bcstumnt ist, aus den H 0 h e nz0lle rnplatz 511 verlegen uub am Schau- spielhaus das Schillerdenkmal aufzustellen. Ober- bürgermeister Adickes erwiderte, die Arbeiten zur Ausstellung des Bismarckdenkmals hätten bereits begonnen; eine Verlegung des Schlllcrbenklnals sei nicht erforderlich. Der bemokcaiische Antrag wurde alsdann mit 24 gegen 22 Stimmen abgelehnt. Kleine TageSchrourk. In Münster i. Wests, sand em Duell zwischen einem Küraisicr-R ittmeifter unb einem Stube rite nchlatt, wobei letzterer einen nicht ungefährlichen Schutz in Die Seite erhielt. Ten Anlaß soll em Wortwechsel während des Kärnevals geboten haben. Ferner wurde in Freiburg L Bc. ein P ist ölen- Duell zwischen einem Artillerieoffizier unD einem Stu- Deuten ausgefochten, das jedoch unblutig, verlies. In I nst erb ur g hat ein Liebesdrama in Der Blumen- halle Des Kunst- unb HanDelsgärtners B. H. Loebel einen furchtbaren Abschluß gefunden. Tec Friseurgehilfe GarDe feboü Dir 18 fahrigen BlumLndinberin Marie Lange aus verschmähter Liebe eine Kugel ins iderz. Ter Täter schätz «ich hierauf in Den MmiD nnD war sofort tot. Tas Atädchsn soll zurzeit noch am Leben sein. Bei einer Sinuferci in Vilshofen (Bayern- wurde ein Schreiber ec sto chen. Drei Bauernburschen schwer unb mehrere andere leicht verletzt. In B o sto n wurden zwei junge Tarnen in einem sashionablen Mädchen-Pensionat erschossen ausgefunden. Wahrscheinlich haben sie in Verzweiflung über finanzielle Schwierigkeiten gemein- ,am Selbstmorb verübt. In Washington findet zurzeit eine Uncersnchung gegen die Eleetric Bval Gompany statt wegen Der öffentlich erhobenen Beschuldigung, Daß Die Gesellschaft Mitglieder Des Kongresses bestochen habe, um sie zu bewegen, für Den Ankauf von Ünterseeboten der Gonipany Durch die Regierung einzutretrn unD Die Gesetzgebung in diesem Sinne zu beeinflussen, bin Durch Den Kongreß ais Zeuge veriwmmenes Kongreßmitglieb machte Dazu folgenDe Auslage: Ja, beschnlDige b'.c Gesellfchaft, ganz unerhörte Gewinne in Höhe von einer Million Dollar Dadurch erzielt zu Haden, Daß Die G e s e tz g c D u n g Der Vereinigten Staaten .miu Derzeitige li n tc r i c e b 0 t c Der Electric Boat Com- paiii) besseren anDercr Gesellschaften vor zog. Aus Der chilen. Hafenstadt Janique wirb gemelbet: 2500 Arbeiter in Den Ritrallagern luiirDcn Durch Soldaten erschoss en, weil sie mit Gewalt höhere Löhne Durchseizen wollten. Märkte. Gießen, 12. März. Bieyinarkt. Bei Dem am lO.^unb 11. bS Mts. abgeljalteneu 2Jiarlie waren autgetrieben 1681 Tlüct Rmbvieh uub 27U Schweine. — Ter nächste Marit findet am 31. März unb 1. April stall, am leljicrcu Tage auch Pferde- und Kramermarkt. [] Marburg, 12. März. Auf bem heutigen Schweine- inart t zogen bie Preise iur Kleinware am Es tostelen 6 bis 8 Wochen alle Ferkel 28—35 Alk. und 3—4 Monate alle Lauser 60—70 Alk. pro Paar. Tie Zumhr belief sich auf 803 Stück. TeKefomseßw w-ursiaeruckte des Giessener Anzeigers, mitgeteik von der Bank für Handel und Industrie, Giessen. Frankiurier ßSörse, 13. März. 1.15 Ubr. 3^°/0 Reichsauleihe . . 91.70 3% do. . . 82.30 ÖJ*°/0 Konsols .... 91.75 3% do 82.30 ö%°/0 Hessen 91.50 0^% Oberhesseu . . . 92.00 4% Uesterr. Goldreute. . 9910 4l/6 ?6 Uesterr. bilberrente 99.90 4^o Ungar. Goldrente . . 94.20 4% Italien. Rente . . . — 3>\> Portugiesen Serie I 61.20 356 Portugiesen „ 111 61.30 4>i °/0 russ.Staatsaul. !90o 94 10 4>6 uy0 japau. Staatsanleihe 87.40 4% Uonv.Türken von 1903 95.00 Türkenlose 149.40 4% Griech. Monopol-Aul. . 49.30 4% äussere Argentinier . 85.60 ou/0 Mexikaner . . . 65.80 4>s7o Chinesen .... 96.05 Aktien: Bochum Guss 197.90 Buderus E. W 110.20 'lenden;: schwächer. Klektriz. Lahmeyer . . . 117.50 Elektriz. Schuckert . . . — Eschweiler Bergwerk . . 206.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 183.20 Hamburg-Amerik. PaketL 11L00 Harpeuer Bergwerk. . . 193.40 Laurabütte 209.50 tsordd. Lloyd .... 98.80 Obeiscblcs. Eiseu-Iudustrie 96.00 Berliner ilandelsges. . . 158.2a Darmstädter Bank . . . 123.611 Deutsche Bank .... 237.0b Deutsch-Asiat. Bank . . 136.90 Diskouto-Kominaudit. . . 175.10 Dresdner Bank . . . .137.00 Kreditaktieu 202.20 Baltimore- und Ohio- Liseulaun 81.40 Gottbardbahu — Lombard. Lisenbahn . . 26 60 Uesterr. Staatsmann . . . 143.30 l’riuee-Heuri-Eisenbahn . 118.50 137.30 145.80 123.70 Harpeuer Bergwerk Laarahüttej . . Lombarden E. B. Xordd. Lloyd . . l ürkenlose . . . Cauada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . , Tendenz: träge. BScrliiier ASörse, 13. Mälz. Aufangskurse. 193.60 209.80 26.70 98 70 149.80 Wissen Sie, ich bin auch keiner von den Dunin® X X X bie jede Anpreisung glauben; dafür aber bin ich .dankbar baß mir Sodener Mineral-Pastillen — nmürlidj die ernten von Fay — empfohlen worden unb. Das sind wahre Wunder dinge. Sind Sie heiser, husten Sie, sind Sie ueridnemu leiden Sie an Säurelnlbuiig im Magen: em paar Fcu)S eau Sodener jagen alle Beschwerden zum Kuckucc. Sie koimei mir's glauben, ich nehme Fays echte Sodener nun wM seön Jahre. Sie laufen dieselben in jeder Apotherr Drogerie unb Mineralwasserhandlung zu 85 Pfennig v» S ch achtel.________________________ ____- CUaufifciu-kurse --. - Rlieini*cne’4 ... ’= e-Mr. r, Maschinenbau,LIektrotsonnik, I 2Chn 1KUHl -'U-lomobilbau, Brückenbau^ Telesou 644 über: B“A Eintritt 40 Pfg. Anfang 4l/i Uhr. Der Vorstand. Diskussion findet statt. Es ladet freundl. em H. Otto. 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