Erstes Blatt Mittwoch S. Dezember 1908 158. Jahrgang bi wmmagTTö'ut)“ und Verlag der vrühl'lchen Nn!v.°Vuch. und Stclnöntuerei B. Lange, «edattlon, Lrpeditron und Druckerei: Zchulstrahe 7. Auze.senie^ H.^Beck! Nr. 290 Ter Otetzener Anzeiger erichcml tägltd), außer Sonntags. - Beilagen: d ter mal wöchentlich LletzenerZamilienblätter, {roeunal rvöcbciitl.Kuis* latt für den «reis Giehei, ITtenslagundFrennn); zweimal inonatl Land» wirllchastlichr Seilfrage» Fernlprech • Anschlüße: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 61 •Urefle tüx Deoelchenr «nzetger Gießen. vnnoljme »on Anzeige» VezugSpretS: monatlich 75Pf., viertel« jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch dte Post Mk. 2.— viertel« tährl. ausichl. Bcslellg. ZetlenpretS: lokal IbM» auswärts 20 Pienntg, Peranlworlltch für den politischen Teil, für .FeutNelon" und .Bennischles^: Ernst Anderson; für .Stadt u. Land" lind.Gerichts- Giesjener Anzeiger General-Rnzeiger für Gberheffen Die heutige Nummer umfa&t 12 Seiten. Der Reichstag und die auswärtige Politik. Gießen, den 9. Dezember. Fragen der auswärtigen Politik kommen im deutschen Reichstage verhältniSinäßtg selten zur Besprechung; gewöhnlich sind eS nur die Etatsberatungen, die Veranlassung geben, unser Verhältnis zum AuSlande zu erörtern. So mar es auch dieses Mal. Die Behandlung der auswärtigen Politik war aber wiederum sehr summarisch und keineswegs erschöpfend. Bassermann, der Führer der Nationalliberalen, hat unsere auswärtige Politik sehr genau verfolgt, und ei brachte in seiner Rede manchen treffenden Gedanken; er sktzzterte in großen Zügen alle wichtigen Vorgänge auf diesettt Gebiete, aber gerade die Vielseitigkeit seiner Ausführungen stand einer eingehenden Behandlung der einzelnen wichtigen Fragen entgegen. Und der Reichskanzler war infolge dessen gezivungen, in derselben Weise die auswärtigen Fragen ziemlich summarisch zu behandeln, ohne einzelne Fragen von besonderer Wichtigkeit erschöpfend zu behandeln. Die Ausführungen BülowS haben nur zum Teil einen sehr guten Eindruck gemacht. ES war eigentlich mehr die Rede eines geschickten Diplomaten als die eines wirtlichen Staatsmannes, die er am Montag gehalten hat. Ec sagte, was über die allgemeinen Richtlinien der deutschen austvärtigen Politik zu jagen war und verschwieg klüglich, waS auszusprechen im Augenblick mindestens verfrüht erschien. Besonders sympathisch berührte haß, waS Bülow über die Vorgänge in der Türkei sagte, und es beruhigte einigermaßen, als er erklärte, daß die deutsche Reichsregierung sich von diesen Vorgängen nicht wieder habe überraschen lassen, sondern daß sie mit Absicht eine Zurückhaltung beobachtet habe. Das Deutsche Reich hat aus die Vorhand verzichtet, und das ist begreiflich und lobenswert. So wie wir augenblicklich in der Welt dastehcn, von Neldern und Hassern umgeben, hätte sich da wohl auch kaum eine andere Haltung empfohlen, zumal ja deutsche Juteressen durch diese Vorgänge direkt nicht m Mitleidenschaft gezogen werden. Das Deutsche Reich fühlt sich stark genug — und das war ein schönes und stolzes Wort des Reichskanzlers — auf eine kleinliche und unfruchtbare Prestige - Politik zu verzichten. Es widerslredl der deutschen Politik, Hans Dampf in allen Gassen zu mimen. Vor nicht allzu langer Zeit war es bet uns leider anders. ,(S5 ist", so sagt das .Skdmer Tageblatt", „eine goldene Lehre, daß wir uns nicht in die inneren Verhältnisse fremder Länder einzumischen und den Schulmeister zu spielen haben. Aber leider hat es allzu langer Zeit bedurft, um zu dieser vernünftigen Erkenntnis zu kommen." Diese weise Politik der Zurückhaltung ist aber doch noch etwas anderes als die Cunclator-Politik, die wir bei den Umwälzungen in der Türkei an den Tag gelegt haben. Sie ging so weit, daß die deutschen Schiffe im Bosporus die einzigen waren, die am Tage dec Uinwälzung in der Türkei nicht geflaggt hatten, und das hat die Türkei in ihrem Freudeitrausche ja mächtig verschnupft. Wir spüren eS noch heute. Die Boykott- bewegung gegen Frankreich wird ja auch auf Deutschland übertragen, und dieser Tage sind sogar deutsche Postjücke mit Postsendungen deS deutschen Kaisers rwn den Tücken kurzerhand inS 2)leer geworfen. Die Zurückhaltung war gut, aber sie ging vielleicht doch ein wenig zu weit, und daS hat man auch in Oesterreich unangenehm empfunden. Es beruhigt ja, daß die deutsche Diplomatie, wie Bülow erklärt, sich dieses Mal von den Ereignissen nicht hat überraschen lassen, und daß diese Zurückhaltung also gewollt war, aber es erregt doch auch wieder Bedenken, daß die deutsche Reichs- politik offenbar noch nicht das richtige Augenmaß dafür hat, was im gegebenen Moment zu tun ist. Eme Politik des zaudernden Hin- und HelfchwankenS ist noch kein Symptom der Stärke und des SelbstbewußtseinS. Am wenigsten befriedigt vielleicht das, waS Bülow über die Dreibundpolitik gesagt hat. Hier hätte man eine klare und nicht mißzuocrstehende Aeußerung erwarten dürfen. Die Stimmung Italiens ist doch deutlich genug wahrzunehmen. Italien will nicht mehr mitmachen, daran ändert auch die Erklärung deS Bülow befreundeten Giolitti nichts. Morgen ist in Italien vielleicht schon em anderer, unterem Reiche- kanzler weniger befreundeter SDlann am Ruder, und dann wird die Erklärung des Leiters der italienischen Politik vermutlich ganz anders lauten. BülowS Aeußerungen über den Dreibund war em BeruhigungSmittelchen, [bas feine Wirkung nicht auSüben wird. Befriedigt hat auch die Erklärung BülowS über die Casablanca-Affäre eigentlich nicht, es sah alles gar zu sehr nach Veclcgenheilsausrcden aus. Auch über das japanisch- amerikanische Abkommen hätte man gern etwas näheres erfahren. Sehr geschickt ist Fürst Bülow dagegen auf die heikle Prager "Affäre eingegangen. Hier zeigte er sich wiederum als Diplomat int wirklichen Sinne des Wortes. Die Rede war im großen und ganzen sehr schön, aber wirkliche Beruhigung in dec gegenwärtig doch sehr aufgeregten Lage hat sie nicht geschaffen, dafür war diese Rede zu diplomatisch abgefaßt. Bezeichnend für unseren Parlamentarismus und seinen Tiefstand ist die Antivort, die dem Reichskanzler aus dem Munde der weiteren Redner des Reichstages zuteil wurde. Von der Rede des Frhrn. v. Gamp gar nicht zu reden, war auch die Rede des redegewandten Lattmann sehr schwach. Vielleicht bringen aber doch noch die nächsten Tage eine staatsmännische Rede, deren man sich freuen kann. Die Hoffnung ist allerdings nicht sehr groß. E. A. * Die ausländische Presse über die Rede Bulows. Bon ifl^TcitiniGAit ZAliiugc'.i fdjretbt die „N. Fr. Pr." (lib.): „Sm saufen Verlaufe der orientalischen frrije ist von maßgebender Stelle noch keine so bestimmte und klare Austaisung ihres wcchrscheitittchen Ausganges ausgesprochen. Fürst b. Bülow ,agi: „Ter triebe wird nicht gestört werden." Die,e Meinung wird so eüifaaj, so klar und so zwingend begründet, daß sich ilj-r Lut logisch geschulter Kopf leicht enigiiljeit kamt. Die Kleinen können nicht, und die Großen wollen nicht. Tas ist so schlagend, oaß alle Rebelbilder der Situation verschwimmen und Gruseln und Sdneden aufhören müssen." Die Rede sei eine der^besten des Kanzlers, und mau fühle, daß hier der leitende Staatsmann einer ebenso wirklichen als redlichen Friedens inacot ge« spwchen hat, der Minister einer Macht, die dort, wo sie ihr Wort vervfandet hat, ihre Zusicl-enmg an Treue halt. Das Blatt schließt, die Rede sei eine starke Beruhigung für alle Freunde des Friedens und werde in Oesterreich' Ungarn mit dankbarer Sympathie ausgenommen werden und mit ihrer ganzen überzcugcnoen Kraft wirken. Das „Neue Wiener Tagblatt" (bemofr.) bemerkt: „Mas uns in Oesterreiü>-Ungarn vor ackern au^ Der Rede entgegenschallt, ist die Bekundung der unzivcideutigsten Vertragstreue und des and? wahrend des neuesten Standes der eurv- baiiu.Lii -Dinge erprobten Festhalte ns an oem Leitstern des Drei- vundcS." „Die Seit" (sozpvl.) schreibt in ihrem „Der wankende Kanzler" überschriebenen Artikel: Der gv, t■eit Neugier, mit der man den Worten des Fürsten v. Bülow lauschte, ist eine arge Enttäuschung gefolgt. Alle Welt spüre uie geheimnisvolle, führende Hand der englischen Diplomaten. Aber gerade in dieser Hinsicht hat sicl) Bülow gründlich) ausgeschwiegen. Was er zitierte, war nebensächlich, und von der Hauptsache, von der tiefen, neuerdings noch tiefer gewordenen Kluft zwischen Deutschland und England sprach Bülow kein Wort. Wie sich die Entente zum Dreibund stellt, wie Italiens Politik dadurch beeinflußt wird, wie die Ausfichte nber Balkankonsereicz stehen und aus loelchc Gegnerschaften die r.-ffi.'chcn Progrrunmvorichläge stoßen, darüber findet sich in dec Rede v. Bülows Ec in Wort. Das Blatt sucht Den Grund dieser auffallend schwachen K'ancherrede in Dem Gerücht von dem baldigen Rücktritt des Reichskanzlers Fürsten von Bülow. Don italienischen Zeitungen schreibt der „Po Polo Romano": Die Rede des Reichskanzlers sei eine gute Tat, weil sie der öffentlichen Meinung Europas, die augcnblictlich von einer Str, mung Der Ungewißheit beherrscht werde, Erleichterung verschaffe. „Giocna le d'Jtalia" schreibt, die Rede des Reichskanzlers Fürsten Bülow beurteile die T.ckigkeit jeder einzelnen Macht mit großem Wohlwollen. Besonders liebenswürdig habe sich Fürst Bülow Italien gegenüber gezeigt, wofür ihm die Italiener aufrichtig dankbar seien. — Die „Tribun a" sagt, die Rade sri sehr beruhigend, weil Fürst Bülow versicherte, daß er alle Demi Hungen zur Aufrechterhaltung des Friedens unterstützen werde. Das Wort werde oah:r sichcirich nicht Den Diplomaten! genommen, um den Heeren gegeben zu werden. Bon englischen Zeitungen schreiben die Times (unio- nistisch): „Int großen und ganzen ist ihr Inhalt zufriedenstellend, uns wenn sie den Anfang der an Stelle der Kaiserpvlrtik ge- tretenen Kanzler Politik bedeutet, so kann man von dieser Gutes erwarten." Daily Grap hie (gern. Lons.) spöttelt: „Fürst Buiow leidet an unverwüsckia>eui Optimismus. Wer aus seine Rede als auf die einzige Informationsquelle üoer die europäische Situation angewiesen .v^re, könnte sich von dem Ernst der schwö- oenben Krisis nie und nimmer ein richtiges Bild machen. Dep Reichskanzler ist wirklich der „niuniere ^eijensiedec" der deutschen Politik." Don französischen Blättern hebt der „Temps" oie Klarheit uni> den beruhigenden Ton der Kanzlerrede hervor und meint, seiest wenn man die Zuversicht des Fürsten Bülow nicht teile, müsse man sich freuen, daß er derselben Ausdruck gegeben. Dies gestatte die jedenfalls wertvolle Hoffnung, daß man im Hinblick auf künslche Schwierigkeiten auf den guten Willen Deutschlands rechnen könne. Das „Journal des Tobaks" erklärt: Fürst von Bülow habe als ein Staatsmann gesprochen, welchem es am Herzen liege, die Interessen und das Ansehen seines Landes zu verteidigen, seine Treue gegen die LundeSgenossen zu befunbat und die Empflndlichkeit der anderen Staaten zu schonen. (Siebener SLadttheatcr. Die Pfarrerin. Schauspiel in 3 Auszügen von Richard Fellinger. Bei dem derzeitigen Tiefsiand der deutschen Bühnendichtung ist ein Weik wie Richard Fellingers „Pfarrerin" doppelt angenehm und erfreulich, denn im ganzen genommen ist c5 daS gelungene Werk eines vornehm denkenden Dichters, dec ein ernstes, großes Wollen hat und auch ein starkes Können... Vielleicht hat er auch eine Zukunft, denn er ist erst 36 Jahre alt und hat im Jahre 1905 mit einigen immerhin beachtenswerten Dramen einige Anerkennung gefunden. Roch ist .Die Pfarrerin" ferne Meisterarbeit, aber es steckt ein gutes Teil von meisterlicher Kraft darin, wenn sich auch der Einfliiß Ibsens nicht immer verkennen läßt. Das ist aber schließlich fein Fehler, denn Stufen braucht man, wenn man in die Höhe will und noch keine ausgewachsenen Flügel hat. Und schon dieses Wollen verdient volle Anerkennung. Die Vorgeschichte ist nach dem Muster des nordischen Grüblers sehr geschickt in die beiden ersten Akte hinemgeflochten, und lückenlos wird das seitherige Leben der beiden Eheleute klargelegt, denn auS der verschiedenen Erziehung entwickelt sich letzten Endes der tragische Knoten des Stückes, den der Verfasser zwar klug geschürzt hat, aber doch nicht ebenso klug aufzulöfen verstand. Ec durchhaut ihn einfach, indem ec ein schon abgebrauchtes Mittel gebraucht und den Pfarrer bei einer Ueberschwemmung zum Helden macht, was der jungen, groß angelegten aber kleinlich u.nur für die Gesellschaft erzogenen Frau dermaßen Achtung emflößt, daß sie sich der höheren Einsicht ihres Helden willig beugt und sich feinem Willen fügt. Und ein Held und em Mann ist der Pfarrer. Jung und unerfahren ist er, dec Bauernsohn, in die Großstadt gekommen, wo er rasch zum Liebling aller frommen Damen und zum siegreichen Salonlöwen geworden ist und freudig überläßt er sich dem wohligen Bewußtsein, dec erkorene Lieb- lmgsheld der vornehmen Damen zu fein, die ihn unausgesetzt umschwärmen. Selbst die 2)tulter feiner jungen und schönen Frau, die sich in den lauten, schillernden Vergnügungen der Gesellschaft am behaglichsten fühlt, ist ihm nicht nur von ganzem Herzen zugetan, sondern sogar regelrecht ui ihn uer» liebt. Schön ist es, sich so umschwärmt zu wissen, und das gute, ehrliche Männerherz droht bedenklich, sich und seinen Beruf in dem schönluerischen Strudel des gesellschaftlichen gebens zu vergessen. Aber noch rechtzeitig besinnt sich oer junge Pfarrer auf sich selbst, und mit dem festen Entschluß, aus dieser einfältig-behaglichen Welt des sogenannten Lebens zu entfliehen, läßt er sich weit hinaus aufs Land versetzen, in ein tleineS, armseliges Dörfchen, baS zwei Stunden von der nächsten Bahnstation entfernt ist. Hier ist ihm wohl, hier fühlt er sich heimisch, hier ist ihm noch ein weites Feld für seine geistlichen Pflichten offen, denen er sich mit Lust und Eifer widmet. Aber der Weg zum reinen Glück der inneren Zufriedenheit ist mühsam und beschwerlich — und weit auch, sehr weit. Viele bleiben am Wege liegen und wenige kommen zu ihrem Ziele, keiner ohne all die Mühsalen und Beschwerden der weiten Wanderung in tiefster Seele miterlebt zu haben. Wie sich in Auerbachs Novelle .Die Frau Profcfforin", die gegen den Willen deS Dichters von der Birch-Pfeiffer unter dem Titel .Dorf und Stadt" für die Bühne bearbeitet wurde, in der großen Stadt nicht heimisch fühlen kann, so geht eS der Pfarrerin auf dem stillen Lande, wo die Tage mit fast unheimlicher Ruhe und in unerträglichem Gleichmaß dahin fließen. Der Zwiespalt zwischen den Gatten ist eingetreten und hier setzt tue Hand- lung ein. Die Pfarrerin, die der großen, schweren Prüfung der Frau entgegensieht ist tief unglücklich und sehnt sich leiden- schastlich nach den wechselnden Vergnügen und dem angenehmen Lärm der Großstadt, deren Lockungen in dem eitlen Vetter Bruno verkörpert sind, in den Eltern der Pfarrerin und in dem Konsistorialrat. Sie alle suchen den Pfarrer ziir Rückkehr nach der Hauptstadt zu bewegen, aber er bleibt stark und nach leidenschaftlichen, stürmischen Auseinandersetzungen ist die Scheidung so gut wie ausgesprochen. Da aber — und das ist der wunde Punkt deS Schauspiels — tritt der nahe Fluß über die Ufer und bei der Ueberschwemmung vollbringt der Pfarrer fast Wunder der Tapfer- keit und des Mutes — und die Pfarrerin ist versöhnt und beglückt, denn wo sie bewundern muß, muß sie sichf beugen. Wohl versucht Fellinger, ein Berliner Rechtsgelehrter, den rafchcn Umschwung in den Anschauungen der jungen Frau eingehend zu begründen, aber es ist ihm nicht gelungen, rein ans den seelischen Zwiespältigkeiten heraus eine Löiung zu finden. Der Heldenmut des Pfarrers muß ihm helfen, und daher tonunt es, daß der Schluß nicht jo befriedigt wie die beiden ersten Auszüge, die voll dcamatifchen Lebens und tiefer Stimmung sind. Auch die Sprache, die, von einigen allgemeinen Redensarten abgesehen, flott und schlagfertig ist, wird gegen den Schluß hin matt und papieren, die Personen sprechen mehrmals aneinander vorbei anstatt miteinander, und doch versteht es der Versaffer, angenehm über die an sich etwas durstige Handlung hinwcgzuglciten und eine erfreuliche Fülle seelischer Züge aufzudecken und vernunftgemäß durchzuführen. Die Charakterisierung ist gut. in den Nebenpersonen manchmal allerdings nicht ganz durchgeführt, sondern nur in den Umrissen gegeben und etwas verschwimmend. Etwas überhöht, aber sonst gut beobachtet und auch gut gegeben ist der Konsistorialrat und die Mutter. Die Annenhauslerm, der Vater der Pfarrerin und mit Einschränkungen auch der Vetter sind sogar ausgezeichnet. Die feine Satire, die der Versaffer klüglich gemäßigt hat, gibt dem ganzen einen frischen, lebendigen Zug. Die Aktschlüsse sind geschickt erdacht und packend, und so kommen wir zu dem endlichen Schluß, daß die wenigen schwachen Stellen des Werkes zwar nicht ausgeglichen, aber doch verdeckt werden durch das Gute und Erfreuende, an dem es so reich ist. Die hiesige von Direktor Steingötter geleitete Aufführung, die zweite, die das in Darmstadt aus der Tause gehobene Schauspiel erlebte, hatte alles getan, um einen guten Eindruck zu erzielen, und so war denn auch em sehr starker Erfolg zu verzeichnen. Die Titelheldin wurde von Anm Röber sehr gut dargestellt. Mit seltenem Glück bemühte sie sich, den Hang zum Vergnügen nur als Ergebnis ihrer unbesonnenen Erziehung darzustellen und die verwöhnte, aber groß angelegte Frauenseele in ihrer tiefen Liebe und ihrer ganzen frischen Herbe in Erscheinung zu bringen. Erich Weingärtner gab den Pfarrer mit einer schlichten, packenden Wärme, ausgezeichnet in Sprache und GesichtsauSdruck, aber häufig sehr leblos im Spiel. Es ist bedauerlich, daß ein so guter Sprecher nichts mit seinen Händen anzufangen weiß und oeshalb sehr leicht leblos und ohne tieferen Anteil an den Vorgängen auf der Bühne erscheint. Im übrigen war seine Tarnellung nachhaliig vertieft und wohl ausgerundet. Rud. Goll spielte den Vetter mit der liebenswürdigen Leichttg- leit des parkettgewohnten Weltmannes und hielt sich von den naheliegenden Ucbertreibungcn glücklicherweise frei. Max Hroncri sand sich nut dem Vater zwar, annehmbar, aber doch nicht so gut ab wie wir cs sonst von ihm gewöhnt .i hörte, t unbestrittenen Erfolg verhalfen. Karl Neurath. t schließt. Die Regierung dürste darnach wohl ganz auf einet Regelung dieser Materie verzichten. Sehr iiotwendig er- di eint eine Abün d erung der Bauordnung nach den Anträgen Tr. Glässing-Müller, deren Berechtigung auch die Regierung anerkannte. Bielleicht versteht sich auch die Re- gierung dazu, die so lange erstrebte Revision des Enteig- nungsgesetzes, das besonders bezüglich der Kosten des Verfahrens einer Abänderung bedarf, vor die Kammer zu bringen. t _ So wird die neue Kammer in den kommenden Monaten manche harte Nuß zu knacken haben und wir wollen hoffen, daß jederzeit eine verständige Mehrheit nur solche Be- chlüsse fassen wird, die dem Wohle des Landes dienen? ** Tageskalender für Mittwoch, 9. Dez.: Stadt- Heater. „Tie Piccolomini". Anfang 7 Uhr. G e m e r n d e i r a u e n v e r e i n. 2. Vortrag von Kirchenrat werven iöinicn. Dem Jagdgesetzentwurf, der in vielfacher Hin- sicht eine Berbefserung gegenüber dem bestellenden Gesetz oarstellt, hatte der 33. Landtag eilte Form gegeben, welche, lvie die längste Thronrede sagte, eine Vcr^cuwigung aus- Etat ein, daß es dem Finanzminister nur bei stärkster Inanspruchnahme des Ausgleichsfonds und Anwendung größter Sparsamkeit möglich werden wird,^das Gleichgewicht zwischen Soll und Haben im neuen Staatshaushalt D. Schlosser: Aus der Praxis der Armenpslege. Abeiids 8 Uhr im Konfirmaudeuhaus der Johannesgemeinde. ** Eine Sitzung des Provinzial-Au Sschusses indet am Samstag 12. d. Mts., vormittags */, 9 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Die Bürgermcisterwahl zu Aulendieb ach. 2. Beigeordnetcnwahl zu Rödgen (Kreis Friedberg). 3. Beschwerde de§ Heinrich Stock zu Rödgen (Kr. Friedberg) gegen den Polizcidiener Fink daselbst. ** Mitteldeutscher Sängerverband. Am Sams- ag mittag traten im Hotel Schäl; die Vorstände der einzelnen Ausschüsse mit dcm gcschäftsführenden Ausschuß zu einer Beratung zusammen, in der die Ziele des Verbandes, sein weiteres Vorgehen und insbesondere die Tätigkeit der einzelnen Ausschüsse eine eingehende Erörterung sanden. Ueber amtliche Gegenstände wurde ein allseitiges Einverständnis erzielt. Es soll nuh im einzelnen eifrig weiter gearbeitet werden und etwa im Februar eine weitere Besprechung stattfinden. Sehr wünschenswert wäre es, wenn die Vereine und Verbände des Verbandsgebiets, die sich dem Verband bisher noch nicht angeschlossen haben, ihren Beitritt recht bald erklären wollten; denn der Erfolg der Tätigkeit des Verbandes beruht wesentlich darauf, daß möglichst alle Vereine an der Erreichung des Zieles eifrig mitwirken: der Hebung und Förderung des deutschen Volksliedes. Die „Richtlinien" des Verbandes werden denmächst in der „Allgemeinen Sänger- und Dirigeutenzeilung" (Musik- und Sängerzeitung für Mitteldeutschland) erscheinen; außerdem können sie unentgeltlich von dem Verbandsschriftführec — Lehrer Valentin Müller- Gießen — bezogen werden. ** Stadterweiterung und Garten st ad t. Es wird uns geschrieben: Die industrielle Entwicklung des 19. Jahrhunderts brachte eine Uebcroölke.rung der Städte mit sich, die das moderne Wohnungselend mit all seinen wirtschafllichen, hygienischen und kulturellen Folgeerscheinungen zeitigte. Zu den Bestrebungen, die eine gründ sä bliche Besserung anstreben, gehört die Gartcnstadtbewegung. Unter Gartenstadt versteht man nicht jede beliebige Stadt, in der neben den Mietskasernen noch ein Paar Gärten erhalten wurden. Tas Wort bezeichnet eine planmäßige gestaltete Siedelung auf wohlfeilem Gelände, das dauernd ;inr Oocreigentum der Gemeinschaft erhalten wird, der Art, daß jede Bodenspekulation ausgeschlossen ist. In diesen Siedelungen wird also eine weitgehende Regelung der Wohnungsund Lodenpreise stattsinden. Ter Wertzuwachs, der der Gemeinschaft zu Gute kommt, soll genteinnichigen Zwecken dienern — Die deutsche Gesellschaft strebt danach, daß auch bei der Erweiterung der bestehenden Städte diese Gedanken verwirklicht werden. Tie Bewegung bat in England bereits zur Gründung einer Gartenstadt für 30 000 Einwohner geführt und auch in Deutschland sind die ersten Siedelnngen bei Karlsruhe, Chemniy, Magdeburg, Nürnberg in Vorbereitung. Tic GarunsttiOt Hellerau bei TreZLen ist im Bau begriffen. Ter Generalsekretär der deutschen Gartenstiad.gesellschaft, .Hans Kampffmeyer, der seit Jahren in der Bewegung tätig ist und durch wiederholte Sliidienveisenl die englischen Gartenstädte genau tennew gelernt hat, wird morgen über das für Gießen sehr zeitgemäße Thema: „Stadterweiterung und Gartenstadt" fprechen. •• Das Wohltätig keits-Konzcrt de§ Bauer- schcn Gesangocreines hat bei einer Bruttoeinnahme von 'JJtL 740,65 einen Reinertrag von Mk. 600,90 ergeben. Bei dem immerhin geringen Eintrittsgeld wurde das schöne Ergebnis dadurch erzielt, daß die Behörden durch ihre gütige Empfehlungen das Unternehmen förderten und sich alle Mit- wirkenden in großherzigster Weise daran beteiligten. In erster Linie die geschätzten Solisten, die auf jede Vergütung verzichten, dann die Mitglieder des Banerschen Gesangvereines selbst, die ohne Ausnahmen die Eintrittskarten käuflich entnahmen. Die Theaterbaukommission und Herr Direktor Stcingoetter stellten das Theater bedingungslos zur Verfügung und übernahmen außerdem noch die Beleuchtungs- und Heizungskosten. Das Bühnenpersonal und die Kassiererin lehnten jede Entschädigung ab und Herr Ernst Ehallier stand dem Unternehmen wie stets, mit Rat und Tat zur Seite. Ihnen allen sei gedankt, sie haben sich um eine gute Sache, jeder nach seiner Llraft, verdient gemacht. Ein Jubiläum. Gestern waren 25 Jahre verflossen, daß Prinzessin Ludwig von D a t t e n b e r g da» Präsidium des Alicen Frauen Vereins für Krankenpflege im Großhcrzogtum. Hessen übernommen hat. Man hatte auf ySt Z. Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Das war ein Gegensah, dieser Sonntag un Opernl)ause und der Sonntag vorher! Damals jene schaurige Gespenster- und KirchhoiSoper „Le. Habanera", die unser milöcrgcfinnted Publikum zwar nicht so grob ablehme, wie einige Tage später die Besucher des Berliner Röntg- lichen Opernhauses es taten, die aber trotzdem schon nach zwei Ausführunaeit in den Orlus fiel, — und diesmal die harmlos-- fröhliche Stimmung, in der man der Uraufführung einer neuen Operette „Prima Ballerina" beiwohnte. Es war durchaus Mainwasser, was bet diesem Ereignis zur Taufe verwendet wurde, beim Text, Musik (und, wie man sich zuflüstert, Instrumentierung) rühren von Mitbürgern her: Mar R e t in a n n, der eine Tex,- veriasser, ist Mitglied des Schauspielhauses und als jugendlicher Komiker sehr beliebt, Dr. Otto Schwartz, der andere Textdichter und zugleich Komponist der Operette lebt gleichfalls tu Frankmrt unb wär schon einmal Bühnenkompaguon Rernuums, und stapell- meistec Neumann, dem die Fama die Mithilfe bei der Jn- firinneutierung zuschreibt, ist Rnpclhnetftec des Opernhauses. Also ists fein Wunder, daß die Taufe sehr vergnügt und festlich verlief. Aber die anspruchslose, liebenswürdige unb sehr geschickt gemachte Operette, ui deren Mittelpunkt die „Prima Ballerina" Friedrichs deS Großen, die heißblütige Barberma stehl, wird auch an anderen rrteii wo den Verfassern nicht das landSmannscha'tliche Wohlwollen zur Seite steht, ganz wohl mit Erfolg die Probe bestehen tonnen. Originalität der Erfindung zelchnei zivar weder das Buch noch die Musik aus. Aber die Berjafjer haben bemafje jede Rolle jo freigebig bedacht, ihre Liedchen und Couplets prägen sich mit ihrer gefälligen Melodie so leicht ein und das Gau-e ist so liebenswürdig - flott gemacht, das; man gern zuhort, gern imllacht und gern tu den Beifall emstimytl, ohne lang „miet) vlaui unb n itnb „woher der Fahrt 2" zu trügen. Uebxigeiu> -vinoe auch in.t fröhlichster Laune gespielt — vor allein von rpchranun und Wirt und Frl. Doninger. Deutsches Reich. Dem Finanzm in t sie r Fr brn. v. Rh'e i n ba ben ist bie Domherrstelle am Tomstist in Merseburg verliehen worden, bie durch den Tod des Ministerialdirektors a. T. Tt. Althoff frei- ftcwvrden war. Gegen die Wein st euer bat sich eine in L-ews-heun abgehaltene Pwtestversammlung ausgesprochen. Es sprachen die Laick>tags-Abgeordneten Josef Sibel und Franz Buhl. Am -Lchlutz hrurbe folgetche Resolution aitgeiwimnen: Zirka 500 hier versammelte Winzer, Weingutsbesihcr und Angehörige des Wein- chandels protestieren einmütig gegen die geplante Versteuerung sder Flaschenweine, welche unbedingt für den hiesigen Oualitäts- •bau den Ruin bleuten würde. . Für das Schiedsgericht in der Eaiablanca- Frage hat die deutsche Regierung den Wirkt. Geheimen Legativns- rat und Justiziar im Auswärtigen Amte Tr. Kriege und den italienischen Staatsrat Fusinato zu Schiedsrichtern gewählt. Die von der Rutschen und französischen Regierung gewählten Schiedsrichter werden gemäß Artikel 2 des Schiedsvertrages vvm 24. November 1908 nunmehr einen Obmann zu wählen haben. DienächsteGeneralversammtungderdcutschen Katholiken ist auf den 29. August 1909 nach Breslau eni- berufen worden. ~ „ .. Zur Boykottbewegunginder Türket. In Berlin ist an Stellen, die davon unterrtchret sein müßten, mchts davon bekannt, daß unter den deutschen Waren, die die Hafenarbeiter in Jaffa ins Wasser geworfen haben, sich das Geschenk des d e u t s ch e n K a i s e r s an das deutsche Krankenhaus in Jeruialcm befunden habe. Insbesondere ist von einer Schadensersatzforderung seitens der deutschen Regierung nichts bekannt. Ausland. Die französischeKammer hat sich gestern mit 303 gegen 201 Stimmen für die Beibehaltung der Todesstrafe ausgesprochen. Die Regierung war bekannllich dafür. Aus Lissabon. Der König ist an Influenza erkrankt und muß das Bett Men. — Hier wurde ein italienischer Anarchist verhaftet, unter dem Verdacht, ein Attentat auf den König geplant zu haben. ~ t . ZTs. Englandfeindliche Bewegung in Indien. Tie Meldungen aus Indien lassen deutlich erkennen, daß die Gärung täglich und stündlich zunimmt. Nachrichten über die Ausdehnung der anti-englischen Bewegung kommen ununterbrochen aus allen Teilen des Landes. Die Behörden find nicht imstande, die Bewegung einzudämmen. Im Laufe der letzten Tage wurden gegen -100 Versammlungen der Eingeborenen in den verschiedensten Städten abgehalten, um die Lage zu besprechen und die eingeborene 'Bevölkerung gegen das englische Regime aufzustacheln. Italiens Rüstungen gegen Oesterreich. Dem Neapler „Pungolo" zufolge umfaßt die bevorstehende italienische Militärvorlage außer der vollständigen Umwandlung der Feldartillerie die Anlage von Befestigungswerkcn längs der ö st e r r e i ch i s ch c n Grenze, die Einrichtung von Garni- fonen an den Hauptalpenpässen, die Vermehrung der Kavallerie, die Ausbildung eines neuen Gebirgsartlllericregrments und feiner Geniesabteilungen, die Anlage verschanzter Lager bei der Lagune von Venedig, in Mttelitalien und bei Castrogiovanni (Sizilien?, Beschaffung von guter Munition, bessere Bewafftiung der Landwehr usw. Auch eine entsprechende Marinevorlage soll eingebracht werden. sah der Leistungsfähigkeit aufgebauten Einkommen- und Kapitalrentensteuer als Grundlagen für die Besteuerung die Grund- und Gewerbesteuer an und läßt damit neben dem Grundsatz der persönlichen Leistungsfähigkeit auch den von Leistung und Gegenleistung zur Geltung kommen. Für die Grundsteuer sind int wesentlichen noch, heute die Grundsätze vom Jahre 1824 über die Vollendung des Jmmobilien- katasters maßgebend, und auch die Gewerbesteuer wird nach dem Gesetz vom Jahre 1884 veranlagt, das in seinen wesentlichen Bestimmungen auf die Gesetze von 1872 und 1860 zurückgeht; die Kapitalrenten steuer beruht auf den Gesetzen der Jahre 1884 und 1895. Der dem 32. Landtag vorgelegte Eiitwurf, der nach langen Verhandlungen unter mehrfachen Abänderungen die Zweite Kammer glücklich passiert hatte, fand nicht die Billigung der Ersten Kammer. Der 33. Landtag sah überhaupt keinen Gnnciudeumlagenent- wurf. Der nun vorzulegende Entwurf wird ja bei der Schwierigteit der ganzen Materie eine glatte Erledigung in "beibeii Kammern kaum erwarten lassen. Der nahe bevorstehende Ablauf der Giltigkeit des derzeitigen Provisoriums sowohl, wie der 1910 bevorstehende Wegfall des Oktrois der Städte verlangen aber dringend die baldige Regelung des Ans Stadt ititö Land. Gießen, 9. Dezember 1908. Der Besuch unserer Landesunivcrfität hat, wie schon mitgeteilt wurde, gegen das vorjährige Wintersemester abermals zugenommen. Er beträgt im ganzen 1196 Studierende (gegen 1150 hn Wintersemester 1907/08 und 1218 im Sommer- semester 1908', darunter 23 Studentinnen. "Außerdem wurden 9 Hospitantinnen ausgenommen. Mit den weiter noch Vorlesungen besuchenden 69 Hörern und 84 Hörerinnen beträgt somit die Gesamtbesucherzahl unserer Universität 1358. Aus Hessen waren 782 Studenten chavon in der theologischen Fakultät 61, in der juristischen 137, in der medizinischen 126 und in der philosophischen 458), aus anderen deutschen Staaten 334, nämlich 234 aus Preußen, 34 Bayern, 13 Baden, je 11 Sachsen und Oldenburg, 8 Hamburg, je 6 Württemberg und Elsaß-Lothringen, 3 Braunschweig, je 2 Sachsen-Weimar und Schwarzburg-Sondershausen, je einer aus Sachseu-Kdburg-Gotha, Anhalt, Waldeck und Lippe- Detmold, 80 aus außerdcutschen Staaten, darunter 61 aus Rußland, 6 Japan, je 3 Oesterreich-Ungarn und Grobßritannien, zwei Bulgarien nnd je einer aus Frankreich, Schweden, Serbien, Schweiz und Amerika. Der theologischen Fakultät gehörten 70, der juristischen 163, der medizinischen 342 und der philosophischen 621 Studierende an. Von den Studierenden der medizinischen Fakultät studierten Medizin 214 (85 Hessen), Tierheilkunde 115 (31) und Zahnheilkunde 13 (10), von denen der philosophischen Fakultät Philosophie 29 (12), Pädagogik 6 (3', Mathematik 99 (79), Naturwissenschaften 87 (78), Chemie 56 (13), Pharmazie 33 (12), Forstwissenschaft 16 (16), Landwirtschaft 44 (28), Gesclstchte 19 (12), klassische Philologie 64 (53) und neuere Philologie 168 (152). Es kubierten mit Reifezeugnis vom Gymnasium 730 (davon neu immatrikuliert 151), vom Realgymnasium 236 (24), von der Ober- Realschule 126 (32), mit Zeugnissen für das Fach 71 (19) und mit sonstigen Zeugnissen 33 (4). Die Ausgaben des 3$. Landtags. Dem neuen Landtag, der sich am 16. Dezember zur Einleitung der 34. Legislaturperiode konstituieren wird, steht eine große und schwere Arbeitszeit bevor. Er hat sich ja seit Einführung der einjährigen Staatsbudgets natürlich in erster Linie mit der Beratung und Feststellung des §au5-- Paltsetats zu beschäftigen. Aber im 5)inblick auf die vielen Dringenden, der Erledigmtg harrenden anderweitigen parla- ' anentarifchen Aufgaben wird die Zweite Kammer die Etats- Beratung doch so beschleuniben müssen, daß bis zu den lOsterferren auch ttoch ein tüchtiges Stück positiver aesetz- geberischer Arbeit geleistet iverden kann. Tas wird bei allseitigenr gutem Willen auch diesmal unrsv eher möglich sein, als der neue Staatsvorairschlag, wie uns versichert wird, keinerlei Ueberraschungcn enthält. Er wird sich strenge an die notwendigett Bedürfnisse unseres Staats- und Wirtschaftslebens halten und alle Neuanforderungen und Mehrausgaben znrückstellen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich leider in dem , zur Rüste gehenden Jahre nicht so annehmbar gestaltet, wie man noch bei der Etatsberatung im Frühjahr hoffen 311 können glaubte. Zwar wird sich auch diesmal das direkte Steuererträgnis in Hessen nm mehrere Hunderttausend Marl gegen das Vorjahr höher stellen, aber dagegen hat die Erhöhung des Immobiltenstempels auch nicht entfernt das von ihr erwartete materielle Ergebnis gezeitigt. Vor allem aber wirkt der enorme Rückgang in Ertr ägnissen der preuß.- ,hessischen Eisenbahngemeinschaft so ungünstig auf den neuen sind. Die Mutter gab Grete Höcker sehr gut wieder, be- sonders die Auftritte mit dem Pfarrer, wo ihre Liebe leidenschaftlich durchglüht ist. Die kleine Rolle der ArmenhäuSlcrin hätte Ada Pauly etwas weniger karikiert und etwas mehr innerlich spielen dürfen. Eine ausgezeichnete Leistung war der Konsistorialrat Hermann Bakofs, der in Spiel und MaSke gleich vortrefllich und tn dem Auftritt nach dem Essen 'geradezu unübertrefflich war. Auch die Leitung, die das Werk verdiensllicherweise gleich nach der Darmstädter Uraufführung hcrausgcbracht hat, hat sich rühmlich hervorgetan und dem Stück zu einem starken, hes si sch en Gemein demnla gew es en s. Eine weitere sehr lvichtige nird schwierige Aufgabe besteht in der Reform der Verlvaliungsgesetze. Tie Vorlage der sechs verschiedwwn Gesetzentwürfe hat schon wiederholt den früheren Lmidtagen vorgelegen, der Umfang der zu einem Gesetzgebungswerk vertoppelten Entwürfe ist aber so groß, daß sie unser Landtag nicht auf einmal bewältigen kann. Vielleicht zieht der Dtinister des^Jnnewr aus dieser Tatsache die Konsequenz unb setzt den Ständen nur einen Teil der Gesetzentwürfe vor, vierkeicht zunächst die schon im Ausschuß durcyberaten gewesenen Enrwürse über die Städte- und Landordnung, die dann sorgfältig beraten und verabschiedet loerden iöimen. An der Verzögerung größerer Gesetzentwürfe ist grüßtentcils neben den eürjüh- rigen Budgets auch unsere l a n d st ä u d i s ch e G e s ch ä f t s - ordnung schuld, deren Resormbedürftigkeit schon lange auerlannt ist, deren Abänderung jedoch die Regierung von der Verabschiedung des Wahlgesetzes abhängig macht. Von jedem neuen Landtag wird ein „Geschäftsordnungsausschuß" gewählt, ohne daß ein solcher bisher in Funktion getreten wäre. Tie Tätraleit des Landtags wird besonders dadurch lahmgelegt, daß er sich viel zu viel mit kleinen, nichts sagenden Trugen befassen muß. Man sollte nach dem Vorgang des ReichsragS die Bestimmung treffen, daß Ein^ gaben und Vorstellungen, beren Unbegründetheit oder Erfolglosigkeit von vornherein zu ersehen ist, kurzer Hwid erledigt und „zur Beratung Ln Plenum ungeeignet erklärt herzustellen. Von einer Steuererhöhung man sch . n hier und da mit besorgter Miene rnun wird im kommenden Jahr bestimmt keine Rede fein. Es erscheint dagegen die Möglichkeit nicht ausgeschloften, daß das neue Budget, wie in den Jahren 1905;0ä 0.z, mit einem Fehlbetrag abgeschlossen wird, wenn man nicht den Ausgleichfonds in außerordentlich starkem Maße dafür mit heranziehen will. . . Tie größte und bedeutendste Aufgabe, deren Lotung der neuen Kammer zu fällt, ist ohne Frage die Einführung ) e s d i r c I te u Landtags Wahlrechts, die nun sc^on eit einer Reihe von Jahren die ganze- parlamentarische Tätigkeit im Hessenland beherrscht. Turch die chm vergangenen Frühjahr zwischen den Gesetzaebungsausschüssen beider Ständelammern erfolgte vorläusige Punktierung über die Verfassungsänderung ist nach der Erklärung des Staatsministers in der Zweiten Kammer die geeignete Grundlage ür eine entgültige Verständigung gefunden worden. Eine neue WahlrechtsVorlage ist auch sicherem Vernehmen nach in der Hauptsache bereits im Staatsmini- terhim fertiggestellt und da sieh ja die Gesetzgebungsauschüsse der ftchheren Landtage schon jahrelang mit der Vorberatung der hauptsächlichsten Bestimmungen der Vorlage aufs gründlichste beschäftigt haben, so könnte nach unserem Dafürhalten sehr wohl schon im nächsten Sommer mit der Plenarberatung begonnen werden. Wohlbemerkt „begonnen", beim die Wahlrechtsberatung in der Zweiten Kammer wird noch so viel Schwierigkeiten zu über.vindeii haben, z. B. in der Fraae der Vermehrung der städtischen Mandate, der Wahltreiseinteilung rc., daß Monate darüber hingehen werden. Es sei bei dieser Gelegenheit gleich darauf hingewiesen, daß die Wahlkreiseinteilung, wie sie in dem vorigen Gesetzentwurf von der Regierung in Vorschlag gebracht wurde (nämlich unter Zugrundelegung der AmtsgerichtSbezirkL), wohl kaum jemals zum Gesetz erhoben werden dürfte. Ueber diesen Teil der Wahlrechtsvorlage wird jedenfalls wohl zunächst einmal eine prinzipielle Verständigung zwischen den verschiedenen Parteien herbeigesührt werden müssen. In der Zweiten Kammer war 1907 durch den Ausschuß eine Wahlkreiseinteilung unter Aufteilung der privilegierten Städte angefertigt worden, die aber namentlich in Rheinhessen einen Srurm der Entrüstung hervorrief, und die auch von der Ersten Kammer nicht akzeptiert wurde. Gegen die Vermehruikg der städt. Mandate haben sich bisher die Bauernbündler gesträubt, die in der Schlußsitzung des verflossenen Landtags für den Antrag Glüssing sich erklärten. Man darf erwarten, daß die Anhänger dieser Partei ihr Zustimmmigsvotum nicht von dieser Frage abhängig machen werden, wenigstens der größte Teil nicht. Auch der bäuerliche Vertreter in der Kammer muß sich bewußt sein, daß er nicht ein Jnteressen- uertreter, sondern der gewählte Abgeordnete des ganzen Volkes ist, also auch den Interessen der Städte gerecht werden muß. Die ganze Entwickelung von Industrie und Handel und den besonders durch die Eisenbahnen sich ergebenden gesteigerten Verkehr hat den Städten längst eine erhöhte Bedeutimg gegen früher gegeben, die namentlich in ihrer außerordentlich gesteigerten Steuerkrast zum ^Ausdruck kommt. Tie Berechtigung des Verlangens der Städte au eine stärkere Vertretung im Parlament sollten daher auch die Vertreter der ländlichen Bezirke anerkennen und einer so bescheidenen Erhöhung der städtischen Mandate, wie sie die Regierimgsvorlage vorschlägt, nicht länger widersprechen. Als eine der ersten Vorlagen wird dem neuen Landtag wohl der Entwurf zu einem Gemeindeumlagengesetz zugeben. Das bereits zweimal verlängerte Provisorium des Gesetzes vom Jahre 1901, das die vor der staatlichen (Steuerreform des Jahres 1899 maßgebende Besteuerung bezüglich der Gemeinden aufrecht erhielt, verliert mit dem 31. März 1909 seine Geltungsdauer. Tas zurzeit geltende Gemeindesteuerrecht nimmt neben der auf dem Grund- Lcve«v»ri!chc 1 Tischflasche nur 20 Pfg. jede gesal ene Speise überrasctend, DcHc den Charakter zu vcränderu. Sie ist so biuig und ausgiebig, daß sich jede Hausfrau ihrer bedienen kann. ■ .0 M M am und unerwartet unser chwestercheu Heute früh verschied v innigstgeliebtes Töchterchen Gott dem Allmächtigen hat es gesallen, unsere liebe Mutter, Großmutter und Urgroßmutter Frau Anna Böhme geb. Fauster Montag nachmittag 6 Uhr sanlt entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen: R chard Böhme, Limburg Eberhard Fenster und Fran Todes-Anseige. Verwandten und Bekannten die traurige Nachricht, dass meine innigstgeliebte Frau, unsere Tochter Giessen (Bruchstr 12), den 9. Dezember 1908. Die Beerdigung findet Donnerstag den 10. d. Mts., nachmittags 2 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. U100c9 Mariechen im zarten Alter von 10 Monaten. DieS zeigt tiesbetrübt an 010016) Familie Blum Gießen, Gr. Steinweg 7, den 9. Dezember 1908. nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden zu sich in die Ewigkeit zu rufen. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Wiucctcr Familie Strout, Solingen. Gießen, Brandgasie 5, den 8. Dezember 1808. Die Beerdigung findet Freitag, nachm. 3 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofs aus itati. (010010 O. w M H w - ä O El - '«<* ■ ! Empfcblc mich iu aller Art [00820 Entwurf Marktplatz 21 Telefon 46 gegenüber der Engelapochete. 7012 Lollar, den S. Dezember 1808. (010004 40 ein allerfeinste Delikateß-PVare sind erngetrofscu bei (0803 Oeoi-g AsllLLleiL andern jungen Mann, mit dem er anscheinend besreuirdet war, cingefticgeit war und der andere in Trier eilig den Zug und Bahnhof verließ. Nach dem Schußkanal und dem sonstigen Befund zu urteilen, wurde der Mord kurz vor Trier durch einen Schuß von hinten ausgeführt. Die Persönlichkeiten des Täters und des Ermordeten sind noch nicht ermittelt. Rom, 9. Dez. Der Neapeler Matino veröffentlicht einen Artikel über die italienisch-österreichischen Beziehungen, der viel vermerkt wird. Es wird darin auf die Notwendigkeit für die italienische Regierung hingewiejen, ein Defensiv- und Offensiv-Bündnis mit der Türkei abzuschließeu. Petersburg, 9. De^. General Kuropatkin hat gestern sein ganzes sechsbändiges Werk dem Kriegsministcr übergeben und bem Zaren eingehändigt. Bisher waren nur 5 Bände erschienen, die im Generalstabe als geheim verwahrt werden. Trotzdem sind von den ersten drei Bänden zirka 100 Exemplare an verschiedene Würdenträger verteilt wordeu. N e w h o r k, 9. Dez. Die BotschaftdesPräsideitten Roosevelt, die er dem Kongreß der Vereinigten Staaten, der tun Montag wieder zusammengetreten ist, wie alljährlich zugehen ließ und in der er nocr einmal, ehe er auö seinem Amte scheidet, zu den wichtigsten gesetzgeberischen Fragen Stellung nimmt, wird allgemein als eine außerordentliche Leistung und vor allem als Friedensgewähr aufgesaßt. Ihre Verlesung unirbc mit größter Spannuirg verfolgt und die Reihen der Zuhörer lichteten sich nicht bis zu Ende. Die Börse blieb von der Botschaft des Präsidenten unbeeinflußt. Staufenberg, den 8. Dezember 1908. Grotzh. Bürgermeisterei Staufenberg: Stephan. 9. Dez.: Stadl- Uhr. >rlrag von Kirchenral -ipstege. Abends 8 Uhr >e. LUcinc TageschronU. In G r ü n ha in i ch e n bei Ehemnitz stürzte gestern Nachmittag eine InterimSb rücke ein. Zwölf Personen sind verunglückt, eine ist tot, acht sind leicht und drei schwer verletzt. Aus Zeche,,KarlFriedrich" bei Bl ankenstein wurden durch die zu früh erfolgte Explosion eineß Sprengschusses zwei Arbeiter t ö t l i ch verletzt. Im Wartezimmer eines Arztes in Elbing hatte sich kürzlich em junges Mädchen vergiftet Nun hat sich der 9lrjt, als er verhaftet werden sollte, erschossen. Ein entsetzliches Unheil ereignete sich in Bresl au bei der Darstellung von Weihnachtsarbeiten. Zwei Brüder beschäftigten sich mit dem Ban einer kleinen Dampfmaschine, durch die sie an Wcinachten den Ehrislbaum drehen wollten. Als Dampfkessel bemujtcn sie eine starke Wetßblech-Bnchse. Als sie die Maschine nut Spiritus anheizten, expl odierte der 51 e s s e l. Ter jüngste Bruder wurde auf der S t e 11 e geötetet, fein Bruder schwer verletzt. Ein angelegter Brand in Odessa hat mehrere Gebäude der U n i v e r s i t ä t z e r st ö r t, darunter einen Teil der Bibliothek, wobei wertvolle Bücherverni ch t e t wurden. OriginaL-Drahtmelönngen. Trier, 9. Dez. In einem Abteil 2. Klasse des um 6 Ubr Min. hier cintresscnden Personenzuges von Koblenz wurde ALrchlrche Nachrichten. LvangeiisHe Gemeinde. Donnerstag den 10. Dezember, abends 8 Uhr, im Matthäus- saal: Bibel stunde. (Buch Hiob, das Lied vom Menschheitsleid.) Pfarrer D. Schlosser. Universitäts-Nachrichten. [] Marburg, 8. Dez. Am nächsten Freitag habilitiert sich in der medizinischen Fakultät der hiesigen Umrersiiät Tr. Georg Schöne mit emer Antrittsvorlesung über »Ehirurgie und Im- rnunitätSlehre". Sport. — EinPokal für Drachenflieger wurde dem srau» zösischen Aero-Klub von Gordon-Bennet überwiesen. Die drei ersten Preise werden außerdem mit je 25 000 Franks angelegt. Ter Pokal ist zum ersten Mal in Paris auSznfliegen. Feier verzichtet. Die Jubilarin empfing nur vaS Zentralkomitee Alice Fraueiwereins, um seine Wünsche entgegen zu nehmen. ** Welte-Mignon. In unser an technischen Wundern überreichen Zeit wird sich btc einzelne Erstickung nickt leicht über den beschränkten Kreis der Fachleute Geltung und Interesse verschaffen können. Es muß schon etwas außerordentliches sein, wenn das große Publikum etwas davon erfährt, eine Erfindung wie die drahtlose Telegraphie, des Motorluftschiffs und dcrgl. mehr. Tie vielseitige Anwendbarkeit der Mechanik, der Chemie, der Elektrizität erscheint dem modernen Menschen etwas so selbst- verstindlichi's, daß er die einzelne neue Erfindung auf diesem Gebiete, die ihm doch das Leben erleichtern und verschönern hilft, kaum noch sonderlich beachtet. Es ist daher kaum verwunderlich, daß bisher auch eine Erfindung noch viel zu wenig beachtet toorb.-n ist. die auf musikaliich-üstb-t'soe.n Gebiete liegt, das Reprvduktionsklilvier. Wer an dieser Erfindung nicht gerade nr[ uos vorüber geht, kann sich doch nicht leickr eines mißtrauischen BorurteilS verwehren. Ein RlUwoduktionsklavier, also eine Musikmaschine, vielleicht eine Art Drehorgel oder bestensfalls Phonograph, so denkt der Musikfreund, und ein Grausen überläuft ihn. Und dock ist das moderne Neproduktionsklavicr etwas ganz anderes, es ist eine technische Errungenschaft, die auch den feinsinnigsten Musikfreund begeistern muß, sobald er ihre Bekanntschaft gemacht hat. Man hat auch schon hier in Gießen Ge- legenhcit rebab^, die wunde- roll präzisen Produktionen der Pho- nola und der Pionolo zu hören, aber sie alle werden weit in den Schratten gestellt durch das elektrisch betriebene Repwdukl ons- flanier Melte-Migtwu, das seit einiger Zeit auch hier in Gießen bei Herrn Rudolph (Seltersweg 91) zu sehen und zu Horen ist. Man ist iiberrafdit, wenn man von diesem wunderbaren Apparate etwa eine Liszt'sche Rhapsodie in der Art gespielt hört, wie sie ein Poderewski spielt. Die Klangfarbe ist schön, eine icdo 9iiiance natürlich und fein wiedergegeRn. Wer das Instrument nicht selbst vor Augen hat, vermutet, den Künstler selbst zu Höven. Es ist daher lein Wunder, datz die hervorragendsten Pianisten der Ckgcinra-f, die für dos Welte-Mignon-Piano gespielt haben und dere.t Spiel für alle Zeiten durch eine unscheinbare Pavier- volle anfgenommen ist, sich enthusiastisch für diese Erfindung ausfprechen. Man klagt heutigen Tages, und nicht mit Unrecht, über den Mangel wirklich guter Hausmusik. Hier ist ein Dlpparat, der uns die Freude, gute, ja die beste und edelste Musik im eigenen Hause zu hören, verschaffen kann. Man hört hier die berühmtesten Konipositionen der Klaviermusik von den besten Meistern gespielt. Dian kann die eigentümliche Art ihrer Wiedergabe genau studieren, und was das bedeuten will, kann jeder Musiklchrer, jeder Musikschüler selbst ermessen. Felix Weingartner sagt vom Reproduktions-Piano Mignon der Fabrik pneumatischer Musikwerke M. Welte u. Söhne in Freiburg L Dr.: „Tie Technik hat sich vollständig in den Dienst des Geistes gestellt und alle Bedenken, die man gegen einen Klavier-Apparat hegen könnte, müssen vor dem hier Geleisteten schweigen. Was große Klaviermeister unserer Tage leisten, kann nun nicht mehr untergeben und spätere Generationen tuerben die Früchte dieser genialen Erfindung genießen." •• Billiger Kalbsbraten steht, wenn nicht alles täuscht, für Weihnachten in Aussicht. Die ftälberpreife auf allen Aiehmärkten sind in den letzten Wochen erheblich herunter gegangen. Wetzlarer Metzger bieten int dortigen Kreisblatt Kalbfleisch daS Pfund zu 50 und 55 Pfennigen an. Es steht zu hoffen, daß unsere hiesigen Metzger mit dem Abschlag auf Kalbfleisch in den nächsten Tagen auch herauSkomtnen und bannt den Konsumenten eine Weihnachtsfreude bereiten. *• Brieftau benklub Gießen. Die vom Brteftaubenklub Gießen am 5. und 6. Dezember veranstaltete 21 u s ft e 11 it n g ferner MUuärbrieftauben hatte einen regen Besuch anszuwetfen. Ausgestellt mären über 150 Tauben in vtcr Klassen, baruntcv vtcl schönes Platerial, so baß der Preisrichter Philivv Rhunibler aus Franliurt a. 'DL eine nicht leichte Aufgabe zu erfüllen hatte. Trotz- dem hatte er zur allgemeinen Be'riedigimg feines Amtes gewaltet und die Prämiierung ist aufs Beste nuogcfaUcn. Anschließend die P r ä m i i e r n n g s l i st e. E r st e Klasse (alte Täuber): W. Scharmann mit (2) 1., 12. Pr.; H. Henkel mit (5) 2. Pr.; H. Leun mit (6) 3., 5., 8., 10. Pr.; K. Neuling mit (3) 4., 11. Pr.; A. Geisse jun. mit (5) 6. Pr.; St. Bolsiing mit (2) 7., 13. Pr. und G. Hambach mit (3) 9. Pr. Zweite Klasse (alte Weibchen): A. Geisse jun. mit (8) 1., 9, 13., 16. Pr.; G. Hambach mit (4) 2., 3. Pr.; H. Leun mit (5) 4. Pr.; H. Henkel mit (7) 5. Pr.; W. Scharmann mit (8) 6., 8, 10. Pr.; K. Böhling mit (3) 7. Pr.; LI. Neuling mit (2) ii_, 15. Pr.; F. Nosenbaum mit >1) 12. Pr. und S. Altensen mit (5) 14. Pr. Dritte Klasse (junge Täuber mit 08 Ring»: W. Scharmann L, 3. Pr.; Leun mit (1) 2. Pr.; H. Henkel mit (4 t. Pr.; G. Hambach mit (3) 5., 7., 8. Pr., K. Böhling mit (1) Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme während der Stranluett und bei dem Hinscheiden unserer unvergeßlichen Fkliu Aenrietie schsser, geb. Weber insbesondere Herrn Pfarrer Gugmann für die trostreiche Grabrede, den Schwestern für die aufopfernde Pflege, sowie für die zahlreichen Bimnenspenden sagen wtr auf diesem Wege unseren tiefgefühlten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Märkte. fc. Frankfurt a. M, 9. Dez. Schweinemarkt. (Org.- Tel. des Gieß. Anz.) Zum Berkause standen 1332 Schweine. Bezahlt wurden: für Schweine 1. Dual. 70—71 Pig^ Lebendgewicht 55,0 bis 55,5 Psg.; 2. Qualität 68—19 Psg., Lebendgewicht 54,5—00,0 Pfg., 3. Dual. 63—65Pig. Geschäft gut, Ucberftanb unbedeutend. FoN-^resng von 3 Mark. au. Michael Wolz, Zeichnern.Maler Lindenplatz 5, lll._______ 1 b,t 2 Wer 1908 "'bcrfität «'ÄW Ste; Ä '0Dlit df- jWtotüt 6t i?^ n der philosophisch^ Dämlich 28 '5 ^.und Olbenbü? £ln9en, 3 und Äpp- »61 aus grobferitannien, Serbien, Schvei iurifti- Vh'lofophischen 621 NMzmtslhen Fakultät iiÄ-l15 uni) lwsoMcn Fakultät E 99 (?9, Natur- Pharmazie 33 (12), Gg-Hichtr 19(12), ?logrc 168 (152). Es (39 (davon neu imma- (24), von der Ober- Fach 71 (19) nnd mit Bekanntmachung. Der Voranschlag d )ie /9richtlmien' des Allgemeinen Sanger« 1 Sängerzcitung sar können sie un*“' ehrer Valentin Muller« tTten1ti>LlAa8 icklung des Id. /? , Städte nn M JJ W WM Regelung öc* ^^nttMicht wer- ÄSS, deutsch-." Sludienm^ vied-r^. yelernt^^Miicr^ A des Lau^' n»ltw b".s Ml güt1? t*» 7^°°°* -den linö ^ In eriier «b,le,l'£ G. Pr.; K. Reusch mit (3) 9.Pr. und A. Geisse fnn. mit (3) 10. Pr. Vierte Klasse (junge Weibchen mit 08 Ring): K. Neuling mit 8) 1., 10. Pr.; G. Hambach mit (2) 2. Pr.; A. Geiste jun. mit (1) 3. Pr.; H. Leun mit (4) 4., 7„ 12. Pr.; W. Eckarmann (5) 5., 6., 8. Pr.; H. Henkel mit (4) 9. Pr. und H. Deibel mit (3) 1L Pr. Außerdem erhielt W. Scharmann für beste Gesamtleistung in allen Klassen mit 114 Punkten den 1. Ehrenpreis, gestiftet von Wein- Händler Schwan und Apotheker Schmieder: den 2. Ehrenpreis mit 86 Punkten für zweitbeste Leistung, gestiftet von H. Heinz, erhielt G. Hambach und den 3. Ehrenpreis mit 62 Punkten, gestiftet von Eattlermeister Kilbinger, erhielt H. Leun. □ Friedberg, 8. Dez. Ein f chwerer RohheitL- akt wurde an dem Zimmermann Kühn von Ober-Wöllstadt verübt. Er wurde bei Ilbenstadt von vier Männern überfallen und durch Messerstiche in Kopf und Brust lebensgefährlich verletzt. d. Schw icke r t§yauseN (ß. Nidda), 7. Des. Auf einen Volksunter haktungsabend, der aus allen Bevölkcrungs- kreisen des Ortes stark besucht war, sprach Lehrer tz. Wagner in Bad-Nauheim über „Peter Atovr's Fahrt nach Südwcst". So betitelt sich die letzte große Arbeit, die der liolsteinische Dichter und Pfarrer Gustav Z-venssen zu Weihnachten 1906 dem deutschen Volke und der deutschen Jugend auf den Büchertisch legte. Ter Redner hatte es gcfdyicft verstanden, die Anwesenden in seinem fesselndem Vortrage, der mit dem Gesamtinhalt und mit einigen herrlichen Stellen des Buches iwch besonders bekannt machte, für Den schlichten Fcldzngsbericht zu begeistern. Mancher wird sich wohl das Wert jetzt selbst anlegen. Tas wäre für den Redner der reichste Lohn. „Peter Moor's Fahrt" wird sich gerade als Mcihnach-tsgefchenk für jung und alt gut eignen. Zu beziehen ist das Buch durch alle Buchliandlungen; es tostet 3 Mark. R.B. Darmstadt, 8. Dez. Un>er Leitung deS Rcaierungs- rates v. Stark, als Vertreter des Hessischen Luftflotten-- Vereins hat sich hier eine Ortsgruppe Darmstadt gebildet. Zum ersten Boyitzenden nntrbc Oberstleutnant a. D. Lei- decker, als zioeiter Vorsitzender Generalarzt a. D Lindemann, als erster Schristwart 9Najor Fink, als zweiter Schriftwart Veterinar- rat Tr. Garth, und als .stasfenwart Stadw. Stemmer ernannt. Bensheim, 7. Dez. Ein junger Arbeiter, der heute nach Mitternacht in attgctninEcncnr Zustand nach Hause kam und Skandal anfing, zog in der Wut das Messer und verletzte zuerst seine eigene Mutter durch einen lebensgefährlichen Stich und stach dann einen der Mutter zu Hilfe tommenden Bruder ebenfalls mit dem Messer. Der Tater wurde verhaftet. w. Frankfurt a. M., 8. Dez. Neber die Ausgestaltung der nunmehr auf 130 Klassen angewachsenen obligatorischen Fortbildungsschule entspann sich in der heutigen Stadtverordnetensitzung eine lange Debatte. Zur Entlastung deS Rektors Tr. Neuschsifer beantragte der Magistrat schon im vorigen Jahre die Anstellung eines weiteren sstcttvrs. Damals wurde die Vorlage abgelehnt, und auch heute wurde sie lebhaft bekämpft, weil ein Teil der Versamnklung eine Dezentralisation der Verwaltung wünschte. Sckstießlich wurde die Vorlage in namentlicher Abstimmung mit 33 gegen 16 Stimmen angenommen. — Nach einer Zusammenstellung D-cr bei den Brauereien von Frankfurt und Umgebung für die We i hna ck t S kas f cn cingegangcnen Gelder sind in diesem Jahre gegen daS Vorjahr über 400000 M k. weniger gespart worden. Dieser Wickgang in der Spartätigkeit darf sick)erlich zat einem großen Teil auf den schlechteren Geschäftsgang, auf die Teuerung in allen Lebens verhaltuissew und auf die zunehmende Arbeitslosigkeit zurückgeführt werden. WWer MbeiismiiijWelS 6küen.' blartcuitvoftc 2, Zimmer 2. Es können eingcfrcllt werden: o. bei bi ei inen Arbeitgebern: 1 Nabmenglaser, 1 jüngerer Wagner, 1 Wagenlackierer, 8Dienst- uiädchen. b. bei auswärtigen Arbeitgebern: 1 jüngerer Wagner, 1 landm. Dienstmädchen. Es lumcn Arbeit: B®/,, 1 Eisengießer, 1 Glaser, 2 Schneider, 1 Buchbinder, 2 Spengler, 3 Kellner, 2 Lwrewer, 1 Gartner, 4 Maurer, 5 Baufchtoiser, 1 Lackierer, 3 Zvcißbinber, 1 ^nuallüteux, 2 Sturer, 2 Potuerer und ▼ ohne Kopf per Pfd. 32 Psg. im Ausschnitt 36 Pfg. t frische Bratfische | PW Psd. 20 Pfg. ± Rotzungen Flusshechte ♦ X 50 Psg. 75 Pfg. ▼ 'S» Stück 5 Pig. »•/„ <5> * Sauerkraut * per Psd. 10 Pfg. t Gebrüder Berdun NöSkM ^ausuhr zum Selbstkostenpreis abzugeben. 010U131 Lelterswea 19. empfehle ich meine 7010 „PMmx11* ® Rundschiff-Nähmaschinen und ^iuMelhdjc gebrauchtes iiitkULU'rlL gesucht. tschnjil. Angebote unter U10U01 an die (Äeschästsst. d. Gieß. Anz. Die am 1. Januar 1909 fälligen Kupons unserer Pfandbriefe u.Kommunal-Obligationen werden bereits vean 15. Ii>e- zomber er. ab an unserer Kasso in Berlin u. an den bekannten Zahlstellen ein^elöst. 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