Nr. 2(!« Mittwoch, 11. November 1908 158. Jahrgang •dcfcfbd tigllch mti Hulwabme btf Cormtao*. Di« .tießentt Somtltenblätier* werben bem eSntriQff• otermai ®dd»enihd) betgeleql ba# „Krrisblan ffli de» Kret» Ltetzen" zweimal B&fccnxiufc. Lei _t)-ltt>L« Canööirt“ erscheint atonal lut ctnmaL Gießener Anzeiger General-Rnzeiger für Oberhesjen RotaHonibrud tmb H#itag bch sagen muß. wir müßen Verwahrung dagegen einlegen, daß unsere Flotte dazu bestimmt ist, Weltpolitik im Stillen Ozran zu treiben. (Sehr wahr N Daran hat niemand gedacht, als wir dies Flottengei'etz machten. (Sehr wahr!) Unsere Flotte hat in der Hauptsache einen defensiven Charakter. Sie ist bestimmt zur Verteidigung unserer Küsten. Auch dos muh feierlich im Reichstag erklärt werden. Ich möchte hinzufügen, dap solche Aeußerungen bi» Bewilligung weiterer Flotte-igesehe selbstverständlich nicht erleichtern. (Lebhafte Zustimmung.) Auf der anderen Seite unterschreiben wir den Satz. d-m Fürst Bulow am 14. November 1906 ausgesprochen hat: ..Wir haben es nicht nötig, jemandem nachzulaufen, anderen entgegenkommender zu lein, als diese uns gegenüber sind, das wäre nicht windig. nicht einmal opportun." (Sehr richtig!) Nun die Veröffentlichungen! Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Schwerpunkt nicht in den Veröffentlichungen selbst liegt, sondern in den Satu-dben, die sie enthalten. lSehr wahr!) Auch wenn diese Gespräche nicht befanm waren, in England liefen sie von Mund zu Mund und wieviele andere Gespräche mögen in den Archiven fremder Nationen liegen. (Stürmische Heiterkeit.) Der Schwerpunkt liegt allo in den Gesprächen selbst. Ich wende mich mit zwei Dorten zur Rechtsfrage. _ Diese ist in zweifelsfreier Weise gelöst -mrch Artikel 17 der Verfassung. Danach unterliegen persönliche Aeußerungen des Monarchen nicht der Gegenzeich. nung. Immerhin ist wohl selbstverständlich, daß. je höher ein Mensch steht, desto größere Vorsicht bei feinen Aeußerungen nötig ist, und daß für einen Monarchen die größte Zurückhaltung in Deutsckiland notwendig ist namentlich angesichts der feststehenden Tatsache, daß es eine Reihe von auswärtigen Machten gibt, dis ini8 nicht wohlgesinnt ist. Dagegen bedürfen Verfügungen deS Monarchen nach der Verfassung der Gegenzeichnung. Das wurde sich bezieh.n auf die Anordnung der «urfteüung eine« Kriegs- planes, zweitens auf die Mitteilung der französisch-russiswen Intervention an England. Hier wirft sich die Frage auf, ob diese Handlungen des Monarchen gegcngezeichnet sind. Bei der Veröffentlichung beginnt d i e Komödie der Jrrnngen, die un? den Spott des Auslandes eingetragen hat. (Sehr wahr!) Ich erachte eine authentische Darlegung für not- wendig, denn die Veröffentlichung der „Nordd. Allgemeinen Ztg." sind kein Staatsait, sie sind offenbar auch nicht lückenlos, und ihre Richtigkeit ist in den Einzelheiten bestritten worden. Wir wißen heute, daß der Reichskanzler das Manuskript nicht gelesen hat. ausschließlich in den Händen der Verantwortlichen Beamten liegt. Arbeitslast gerecht zu werden. DaS erklärt die Vorgänge, ändert aber nichts an der Beurteilung der Sachlage. Vor dem Lande ! müssen wir uns daran halte«, daß der Reichskanzler der verant- ! wörtliche Staatsmann ist und Vorsorge dafür treffen, daß er die Verantwortung überall boll tragen kann, nicht durch Erklärungen gen sind, dem ernsten Wunsche Ausdruck verleihen, daß der K'ab Das ist die einmütige Meinung der nationalliberalen Partei wir haben die düstersten Prophezeihungen gehört. Ich glaube, diplomatischen Vertreter haben sich durch die Ereignisse überraschen dern mit der Regieru.ig auch die Umgebung des Monarchen wech. | der Heilungsprozeß jetzt e.ngeleitet wird. Wir wünschen,' dag diplomatischen Vertreter haben sich durch die Ereignisse überraschen 1 Ärthf don einem kon,ervativcn dieser heutige Tag zu einer einmütigen Kundgebung des Reichs. Ia^e"- . . ., . , ...... ... . . .v. Politiker, dem ö-rbrn. ^Zedlitz im ,.^.ag . Er ipudit von „einer taacs werden möchte, zu einer Kundgebung, daß nur einer die Wie nur scheint, auch bei den lungnen Balkanwirren, nicht treibhausarugen Entwicklung autokratischer Triebe mit der G i f t° G?schäfw verantwortlich leiten kann, der Reichskanzler lSehr <*um Vorteil der deutjckcn Politik, die dadurch in eine schwierige 5 1 pAaIl* °J1 \5> 43an U §.mru Vi S!an be31 richtig!) Möge das aus allen Sieben herausklmgen. Wenn diesen I Lage geraten ist. (Lebhafte Zustimmung.) Die Mängel rühren hauptet, daß Scheu vor Widerspruch gegen die kaiserliche Meinung unseren Vorstellungen Rechnung getragen wird, dann wird dieser unitreitig daher, baß bei der Auswahl unserer Diplomaten wenc- nft iebe freie mann!iche Aeunerung AuaidbeänaL Los niui< vcr- ___n»r nur hi* hnrinnfirFi* s;« .^»nNnaa. oft jede freie männliche Aeugerung zinuctdrängt. Das muß Der» Der ver- war Die Seiner Maiesiät dem Kaiser. Ich schließe mit dem Wnn'che, daß dies das letzte Mal sein möge, daß wir uns mit solchen Vor. stellunaen an Seine Majestät den Kaiser wenden müssen. (Großer Beifall.) vorübcrgehen, und ich bin beauftragt worden, die Beschlußfassung des Zentralvorstandes hier mitzuteilen. Er hat folgende einmütige Erklärung beschlossen: ordneten aber erwarten wir, daß sie jeder die verfassungsmäßig " ' ?n Einwirkung auf (Sehr wahr!) Was nun den Reichstag anlangt, so iss die vielleicht ungewollte Folge solcher Vorfälle eine gewisse Machterweiterung des .... „ - Reichstages. Ungewollt, aber durch die Gewalt der Tatsachen her- i Mitteln zur Abb nie zu suchen, beigeführtl Er muß infolge solcher Vorfälle einen "s nL hnn 1p1 auf die auswärtige Politik gewinnen, seine Kontrolle muß verstärkt werden, vor allem durch eine fortlaufende Information. Zur Verger auf die persönliche Tüchtiakeit, als auf die soziale Stellung, die Herkunft .unb das Repräsentationsvermögen gesehen wird. Unserer Diplomatie tut eine gründliche Blut« auffrischung not Ter Gedanke muß beseirigt werden, daß Wandel eintritt, so erleben wir ein zweites Olmütz. Wir wünschen Zusicherungen, daß wir der Sorge für die Zukunft enthoben fein können Das würde zur Beruhigung im Lande beitragen. Ich möchte noch ein weiteres erörtern. Dos bezieht sich auf die Information der aller Höch st en Stelle. Mancher?), so ist das jedenfalls in .... Volkes nicht begründet. (Sehr wahr!) Wenn wir auf den Siege> archen. Keine persönlichen Stimmungen durch Jmvulse, keine . Wir haben in dieser recht schwierigen Zeit in den verantwort. ,------Ultu |l4lvc„ f t H WVUII1|; UIUfi ---------- lrchen Stellungen Manner norwendig mit feticr Meinung und festem > wir uns mit Ehrfurcht aber auch mit Nachdruck wenden, bei diese Stellen mit einer besonderen Exklusivität besetzt werden nicht ausbleiben. Du» gui jul um ^r.ieuiutmiiieu, ful ulu Patriotischsten, es gilt auch für den Höchstslehendsteu, für den Mon- 1 ’ Ich habe den Standpunti meiner Partei dargelegt. Zentralvorstand der uationalliberalen Partei hat sich am gcmgenen Sonntag versammelt; die Zusammenberufung nicht zu diesem Zwecke, sondern bereits früher erfolgt. Sitzung war aus allen Teilen des Landes beschickt, und es Ware« tvohl hundert Personen hier anwesend. Wir konnten an dieser die Gemüter des deutschen Volkes bewegenden Angelegenheit nicht des persönliche« Regiments hingewiese«, wie «ur möglich war. Die Gefahr dieser Regiererei ist aber noch niemals so augenscheinlich geworden wie setzt. (Sehr richtig!) Eine offene Aussprache kann am ehesten noch zur Besserung fuhren. Sm will mit der Frage beginnen: Wer trägt d i e Sckul d und wer ist verantwortlich» Der Reichskanzler hat in der ..Norbbeuticken Allgemeinen Zeitung" erklärt, er betrachte sich allein als verantwortlich und decke die Ressorts und die Beamten. Er hat fein Entlassungsgesuch eingereicht Tas ist formell, aber sachlich nicht genügend. Die erste Frage ist: Warum bat der Reichskanzler nicht verhüten könne«, daß uns dieser Vorgang, den der Vorredner als eine Komödie bezeichnet hat, erspart blieb. Der Reick»» tangier ist nicht frei von Schuld. Gewisse Fehler können im Ge. schäftsbetnebe Vorkommen. Der Reichskanzler hat viel zu tun, aber er mußte doch unbedingt Vorsorge treuen, daß Veröffentlichungen. die sich mit Aeußerunge« des Kaisers beschäftigen, von ihm selbst gelesen werden. (Sehr wahr!) Er mußte zum min- auftut. Wir sind vollerfüllt von der Liebe zu dem Monarchen und von der Ueberzeugmig, daß alles, was er tut, geleitet ist von dem Wunsche, dem Vaterlande zu nützen. Aber weil wir nicht wünschen, daß Mißstimmungen auftrete« zwischen der Nation und,dem Kaiser, müssen wir wünschen, daß die Verwaltung des Reiche" RaTft et e9 gelesen hätte, hatte er die Veröffentlichung inhibiert tzch wende mich zu dem Serrn Reichskanzler. Dir sind weit davon entfernt, die vollen Verdienste des Herrn Reichskanzlers nicbt anzuerkennen, die er feit 1897 in der auswärtigen Politik und seit 1900 auch in de« Geschäften des Reiches überhaupt, als Reichskanzler gehabt bat. Schwere Aufgaben sind ihm gestellt worden (Sehr richtig! rechts), und er hat schwere 2luf gaben ge« lö st. (Sehr wahr!) Er ist berufen worden, in einer schwierigen Zeit die Geschäfte de? auswärtige« Amtes und auch als Reichs- kanzler zu führen, in einer schwierige« Zeit, in der sich eine Neu- gruvpierung der Mächte in dem europäische« Konzert vollzog. Seine Stellung war erschwert dadurch, daß er,, wie das wool notorisch ist, da und dort persönlichen, nicht zu beseitigenden Einflüsse« weiche« mußte. Diese volle Anerkennung der bisherigen Tätigkeit des Herrn Reichskanzlers darf uns nickt hindern, die Art der Behandlung, dieses Manuskript für verfehlt und der Wichtigkeit der Sache nicht entsprechend zu erachten, (-sehr wahr!) Entweder mußte der Herr Reichskanzler das Manuskmvt sekbss lesen; konnte er das nicht, bann mußte unbedingt dafür sorge getragen werden, daß eine absolut zuverlässige Persönlichkeit es las und ihm genau Bericht erstattete. Die Fehler, die in dieser Richtung gemacht worden sind, sind vspchologisch nicht ganz erklärlich. Bei der imvulssven Natur des Kaisers, von der fa sehr oft gesprochen wird Bei der Möglichkeit, daß aus Stimmungen des Moments heraus Aeußerunge« erfolgen, erachte ich eine genaue Prüfung von Schriftstücken, die sich mit der Person oder mit Aeuße- nmgen Sr. Majestät befassen, selbstverständlich als ^absolut^^notwendig — wenn Schaden vermieden werden soll. (Sehr richtig! und Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Auf diese Schwierigkeiten bat der Reichskanzler Fürst Bülow schon früher einmal hingewiesen. Er bat ausgeführt: „Es ist nötig, mit der Individual'.- tat des Monarchen zu rechnen. Wie unter uns, so gibt es auch unter den Fürsten schwächere und Härtere Individualitäten. Je starker und ausgeprägter die Individualität eines Monarchen ist. Umso eher wird er geneigt sein, teilzunehmen an der Politik und einzugreisen in den Gang des Staatsbetriebes. Daß dadurch einem verantwortlichen Minister seine Ausgabe nicht immer erleichtert wird, darin hat der Abg. Richter vollkommen recht." Hier sind die Schwierigkeiten für die Stellung des Reichskanzlers aufge- treten. Die Behandlung der Ang-legenheit war erschwert durch — sagen wir — eine reichliche Urlaubs Politik. Die Politik muß erschwert werden, wenn die maßgebenden Faktoren in aller Welt zerstreut sind. (Sehr richtig!) Ich halte es nament. lich für unrichtig, daß in einer derartigen Wuse das Auswärtige Amt von den berantivortlichen Faktoren entblößt wird. Ich sollte meinen, daß diese Zustände der gleichzeitigen Beurlaubung unter allen Umständen geändert werden müßten. (Lebhafte Zustimmung.) Im übrigen erkennen wir an, daß d"r Reichskanzler in diesen Tagen vollauf in Anspruch genommen sein mag durch die Orientwirren. Das waren schwere Ausgaben, und wir erkennen auch an, daß eL dem Reichskanzler wohl gelungen iss, in dem Augenblick, in dem er zurückkehrte, den Hebel herumzuwerfen und die deutsche Politik in die Bahnen zu steuern, die wir für die richtigen erachten. Wir erkennen auch an, daß angesichts der eigenartigen Personalverhälinisse irn Auswärtigen Amt die Hauptlast in schweren Zeiten auf dem Reichskanzler ruht. Das alles kann uns aber nicht hindern, das Eine zu fordern, daß bei tatsächlicher Behinderung des Reichskanzlers für ein absolut zuverlässiges Personal im Auswärtigen Amt gesorgt werde« muß. (Sehr Tausende von Meinungsäußerungen aus dem Lande. Diese Kritik kann erfolgen in einer ruhigen, festen und mutigen Beurteilung der heutigen Lage und getragen von dem Selbstbewußtsein unserer Krast und von dem festen Willen, soweit es an uns liegt, zu bessern. Wir wollen nicht, daß zwischen Kaiser und Nation sich eine Kluft des Landes. Wir legen Wert darauf, als Partei diese Erklä- Abg. Dr. SPicmcr (frei,. Vp.): Der Vorredner hat die Wirkung der Veröffentlichungen zutreffend geschildert. Für die U e b e r r a s ck « n g u« d Bestürzung. die im ganzen deutsche« Volke durch die VerL-fwut» lickungen hervorgeru'cn ist, ist nichts so bezeichnend, als die ^at- sache, daß man in tveiten Kreisen an die Richtigkeit der Mitteilungen nicht hat glai'ben woll-rn. lSehr richtig!) Sie erlognen so unaeh"uerUch, daß man sich lange gescheut bat. ier iari.cl.nug der Presse Glauben zu schenken. Tiefgehende Erbiiwrung, «De. Rückgrat, die auch auf die Gefahr her Ungnade !jin frei fijrc Meinung ausdiücken. (Sehr wahr!) Tas zweite ist die Reorganisation des Auswärtigen Amtes. Heute morgen noch habe ich wieder einen Hinweis darauf bekommen, toictiiel bcger organisiert in Frankreich das Auswärtige Amt ist. Mir ist mitgeteilt worden, daß es eine besondere Abt"ilung für Nachrichten mit 6 Beamten, eine besondere Abteilung für Politik und $anoel mit 2o Beamten hat. Wir haben eine politische Abteilung mit 6, eine Handelsabteilung mit 12 Beamten. Dort 29, hier IS, ba§ mutz unter Umständen zur Ueberlasrung unserer Beamten i.uhren und eine schädliche Wirkung haben. Aber die Hauptfachs ist doch ue richtige Auswahl der Persönlichkeiten. ^>ck kann nur wiederholen, daß die Tüchtigsten und Intelligentesten gefunden Wir haben aus Anlaß der Kritik der deutschen Stimmung über England den Eindruck, daß die Information eine zutreffende nicht wahr. Es ist in diesen Tagen auf offizielle Informationsquellen hingewiesen worden. Eine dieser Zeitungen hat in diesen Tagen gesagt: Der Eindruck der kaiserlichen Ae.ißerungen ist ein ganz vorzüglicher, die Worte des Kaisers werden in allen maß- gebenden politischen Kreisen mit Freuden begrüßt, sie werden zu einer erheblichen Umwandlung der Stimmung zu Gunsten dcS Kaisers beitragen. (Allgem. Gelächter.) Die zweite Art der Information ist die durch die Umgcuung. Die llmgeuung euies Mon- archen ist ein wichtiger Faktor, so wichtig, daß in manchen Ländern mit der Regierung auch die Umpeoung des Monaru,en wech- unterstellten Beamten die Hauptschuld trägt. Denn der Reichskanzler hat ja die Deckung übernommen. Aber auch ich muß doch die Frage aufwerfen, wie es kommt, daß sich so viel ungeeignete Elemente im Dienst unseres Auswärtigen Amtes befunden haben. Herr San ermann bat, um dieser Erscheinung abzuhelfen, vorgeschlagen, auch Ofsiziere auS der Armee oder dem Generalstab in das Auswärtige Amt zu kommandieren und die Erwartung ausgesprochen, daß sie ihrer Aufgabe besser gewachsen fern würden wie die Zivilisten. Ich muß mir erlauben, gegen diese Auffassung Einspruch zu erheben. (Lebhafte Zustimmung links.) DaS ist nicht der richtige Weg, Besserung zu schaffen! (Sehr wahr!) Alle Achtung vor der Bildung und Einsicht unserer Offiziere, besonders im Generalstab, aber naturgemäß würden sie auch in ihrem neuen Dienst das Gefühl der Subordination gegenüber dem obersten Kriegsherrn haben. Wir würden dann noch mehr eine Politik des Stramm stehens bekommen, als heute schon. (Heiterkeit und Sehr gut!) Auch die Vertretung des Deutschen Reiche- in den anderen Staaten ist mangelhaft und keineswegs überall den Aufgaben gewachsen, die an sie heran treten. Manche unterer geschlossene Front bilde«. (Lebhafter Beifall.) Und ich glaube auch, das Ausland wird dem seit 1870 mächtig gewachsenen deutschen Nationalgefühl nicht zu nahe treten. W i r fühlen uns stark genug, diese offene Aussprache im Reichstage führe« zu können und den Finger auf die Wundezu legen. (Lebhafte Zustimmung.) Wir wollen hoffen und wünschen, daß U|i Jtve ““*‘‘"7 .'""v vch. i schwarze Tag, an dem wir Kenntnis erhielten von dem Inhalt derblich wirken, weil dadurch der Kaiser eine durchaus falsche uns jeder Gefahr gewachsen (Lebhafter Beifall), aber wir müssen den bringenden Wunsch aussprechen, daß nicht durch Fehler die an sich ernste Lage gefährdet wird. (Lebhafte Zustimmung.) Wenn das Ausland der Meinung fein sollte, daß für Deutschland eine Zeit des Wirrwarr» und des Verfalls gekommen sei, eine Zeit, in der wir Uebergriffe und Verletzungen unserer nationalen Würde dulden, so würde das ein Irrtum sein (Lebhafte Zustimmung.) Gegen Angriffe des Auslandes werden wir alle eine ..Tie Veröffentlichungen der ausländische« Presse bestätige« die schwere« Bedenke«, die unsere Abgeordneten schon_ früher gegen die dienstliche« und persönlichen Zustände im Ressort des auswärtigen Amtes geäußert haben — Aber nicht diese Unzulänglichkeiten sind es, welche gegenwärtig die tiefgehende Erregung unseres Volkes hervorgerufen haben, sonder« die Tatsachen, die durch jene Verösfentlichungeii bekannt geworden sind. Die persönlichen Eingriffe tu die auswärtige Politik, wie sie aus den mitgeteilten Gesprächen und Maßnahmen Seiner Majestät des Kaisers hervorgerufen werden, erscheinen weder der Wohlfahrt des Reich s zuträglich, noch im Einklang mit seinen verfassungS-- mäßigcn Grundlagen. Deshalb müssen wir, obwohl durchdrungen von der Ueberzcugung, daß auch diese Aeußeruugen unseres Kaisers der tiefen Sorge um das Wohl seines Volkes emsprun- nur wiederholen, daß die Tüchtigsten unv ^nteuigcnrejicn gcjunutui Oer Prepe oiauocn f.u imcnu-n. werden müssen für das Amt und die Botschaften, und daß gänzlich sturzung und Zorn erfüllt da? ganze deutsche Volk. ™ Volkes nicht begründet. (Sehr wahr!) Wenn wir auf den Sieges- ^^ußerungen/die bereits in Satz geacben sind, nicht doch zug der deutschen Industrie blicken, wenn ivir fehen, welch glanzende । ß(,jann| Jcpefccn werden? Der bürgt dafür, daß nicht andere Entwickelung der deutsche Handel genommen hat, wenn wir erkcn- «leußerunaen demnächst die Oeffentlich'eit beschäftigen? Wahrlich n^n, wie es der deutschen Landwirtschaft gelungen ist, durch Imel- > traurig, aber es ist wahr: lfute wird schon jeder Tag vom ligenz und durch Einsetzung ihres besten Könnens mis schwieriger ^olke als Gewinn betrachtet, an dem .5 sich nicht mit solchen Zeit herauszukommen (Lachen bei den Soz.), so müfie« wir sage«, sßeröffcntlicfiunoen zu beschäftigen braucht. (Sehr wahr!) Wer daß in Deutschland zweifellos eine Reihe der besten Elemente vor- - - - • - ~ ' --Ci —=- Händen ist. Mittelmäßigkeit darf im harten Kampfe der Konkurrenz auch im Staatsleben keinen Platz haben. Eine Fülle von Talent und Intelligenz steckt im deutschen Beamtentum, in den Ein- zcl'taaten und im Reiche und brauchte nur berufen zu werden. stärkung der Rechte des Parlaments sind eine Reihe bon_ Maßnahmen vorgefchlagen worden, wie die Schaffung eines Ministerver- antwortlichkeitsgesetzes, die Einführung von Reichsministerien oder euch, daß man dem Reichstage bei der Ernennung des Reichskanzlers ein gewisses Slimmrecht einräumen sollte. Alle diese Vorschläge mögen ja an sich etwas für sich haben. Tas wesentliche dieser Angelegenheit treffen sie aber nicht, weil, tuen« die Beauftragten des Ressorts so gearbeitet hätten, wie der Reichskanzler sie anwies, die Veröffentlichung hätte gehindert werden müssen. Tie Geschäftsordnung verbietet eZ, daß eine Interpellation mit Anträgen und Beschlüssen verbunden wird. Es ist der Gedanke einer Adresse aufgetaucht und ich kann sagen, daß wir uns von einer gemeinsamen Aktion der bürgerlichen Parteien in dieser Richtung eine Wirkung versprachen und bereit waren und sind, hierin mitzu- gehe«. Ich meine aber andererseits, daß die heutige und wohl auch |V.. ... . noch die morgige Verhandlung an sich ihre starke Wirkung nicht ver- besten, nachdem das Manuskript durch der Hände lange Kette wie. fehlen wird. (Lachen bei der Soz.) Es ist der Wunsch meiner *- ' ------------ • r:^ Freunde, daß der Kaiser über diese Verhandlungen eine genaue Information erhält. (Lebhafte Zustimmung.) Im Reichstage muß das Wort zu einer offenen Aussprache und freimütigen Kritik ergriffen werde«, auch wenn diese Kritik nicht gefällt. Tas fordern richtia!) . . . ... Wir hab'« mit Staune« gelesen, daß vier Personen dwies Manuskript gelesen und nicht beanstandet haben. (Hört! hört!) Das ist unglaublich, denn man kann ja ohne weiteres aussprechen, Laß ein gewöhnlicher Kanzleibeamter die internationale Tragweite dieses Manvskr'pts zu beurteilen in der Lage war. (Lebh. Zu- ffimmung u. Hcit'rkeit) Man kann auch nicht von schlechter Schrift sprechen. Dafür gibt es ja Schreibmaschinen, um solche Schriftstücke in eine lesbare Form zu bringen. Es hat also offenbar an den richtige« P?iso«e« in diesem Falle gefehlt. Tie Persönlichkeiten, die ber Reimskanzler beauftragt hatte, waren offenbar nicht die richtigen, wobei ich offen lasse, ob man Unfähigkeit. Pflichtverletzung oder I vielleicht Scheu vor der Kritik von AeußerungSn des Kaisers in den Vordergrund stellt. (Zustimmung u. Heiterkeit.) Hier hat sich ein System der Mittelmäßigkeit gezeigt, und ich hoffe, daß darin künftig eine Besserung -Antritt. Darüber habe ich nicht den geringsten Zweifel, daß. wenn diese Prüfung tüchtigen Offizieren im deutschen Generalstabe ober im brutschen Admiralstabe übertragen worden wäre, derartige Ding.- nickt passiert wären. (Sehr ricktig! rechts u. b. d. Natl.; Ack-Rufe u. Widerspr. b. d. Soz.) Ich habe im vollsten Umfange die Verdienste des Reichskanzlers um die Führung ber Geschäfte bes Reiches in schwierigen Zeiten anerkannt. Namens meiner politischen Freunbe habe ich auszusprechen. baß wir eine Amtsniederlegung des Fürsten Bülow nicht wünschen. Wir wünschen sie nickt angesichts der schweren Aufgaben ber inneren unb äußeren Politik Es ist für jeden Deutscke« klar, daß die Fragen, die mit einem Schlage im Orient aufgerollt sind, einer geschickten unb energische« Hand bedürfen, wenn sie günstig für"Deutschland gelöst werden sollen. Ich m-irie auch, daß c5 dem Reichskanzler gelingen möchte, die Marokkofrage, deren Erledigung bas beutscke Volk wirklich dringend wünscht (Zust. (inf§\ in eiuer^ Weise selbst, verständlich, die ber Ehre des deutschen Volkes Genüge leistet, zu einem guten Ende zu führen. Was die innere Politik anlangt, fo bedarf es nur des Hinweises auf die große unb wichtige Frage Ser Finanzreform Die Regelung der Finanzen des Reiches ist ucul LLll|luu WU11|U)U «USU1UU VUD eine bringende und notwendige Nu« fragt man im Lande. Was i« seiner politischen Betätigung sich die dem konstitutionellen soll nun gcfchehen? Und da kann nur das Eine gesagt toerben: I £crrfd)er obliegenbe Zurückhaltung auferlegt. Von unseren Ab. Wir wünschen, soweit irgend möglich, 11 ch e r e G a r an t i e« ^^dneten aber erwarten wir, daß sie jeder Vv - " "ri gegen b a 3 0? i n g r e i f e n deS p er sv n l ich e n e g i ° ^stellten Ratgeber ausschaltenden persönliche« «...uumuny uu, ment S. Nach den Erfahrungen, die wir in dieser Sache, zu unfcre äußere oder innere Politik nachdrücklich und rückhaltlos sammln in der Lage waren, sovten wir meinen, bab das perion- j ^tgegentrete«. (Lebhafter anhaltender Beifall.) Liehe Regiment auszuschalten ist. Wer aus momentanen Um- «-• «« • - - — ständen hervoigehenbc« Eingebungen in die auswärtige Politik' .taBrrnt. M mufc Enttäuschung kam. Ben. Zch darf »ieberßolen, datz di° Kritik, bi. in ? ? b h8 s» 'ch Oft ausgeibrorficn worden, daß es schmerzlich unb erfüllt uns mit Trauer. Alle Ueberrreibungen hnhinweisen wir ab. Es sind die stärksten Worte gebraucht worben, v>e|anute tnacnoau oayi« gefennzeicynet. Da« er jagte: xbenn kein . <_-------- . <»• . , püßen. (2fM)dfle Zustimmung Tinf8.) Die Assar« $ttf rst auch »on unS lebhaft bedauert worden, weil sie unsere guten Bcziebungen tu den Vereinigten Staaten, auf die wir großen Wert legen, au trüben drohte. Ter Zwischenfall ist ja inzwischen zu unserer Freude beigelegt worden, aber drüben hat man in der Erörterung das Wort gesprochen: »Unsere Vertreter im AuSlande sollen nicht Scheckbücher, sondern Manner fein." (Allgemeine lebhafte 31N stimmung.) Ter Gedanke vaßt für uns. Nicht wirtschokilich mb sozial hockstehende, oder reiche Leute, brauchen wir zu Tiplo» ^naten, sondern Männer, deren Veiähigung jeder Ausgabe im vollen Umfange gewachsen ist. (Sehr richtig! links.) Dem Kaiser ist ein Gesandter beigegeben, um ihm während seiner Reisen über die ruSwärtigen Angelegenheiten Vortrag zu halten und die Verbin« düng mit dem Reichskanzler aufrecht zu erhalten. Ter Gedanke der Einrichtung ist ja ganz put. aber — ich weiß nicht, ob eS an der Perfon liegt — in diesem Faste hat sie vollständig versagt. Wir sind weiter der Meinung, daß eine gedeihliche Führung der (ffe« schäfte durch die häufige gleichzeitige Abwesenheit der leitenden Per. sonen von Berlin sehr erschwert wird. Wahrscheinlich wäre die Veröifentlichung verhindert worden, trenn in jener Feit der Staats- sekretär oder der UnterftaatSiekretär hier gewesen wäre. Aber von den leit'-nben Periönlichkeiten war die eine im Norden in No- minten, die andere in Norderneti, die dritte in Berchtesgaden. W-e sost daS erit werden, trenn künftig auch daS Luftschiff in den Tienst der Regierung im Umherziehen gestellt wird. (Große Heiterkeit.) Aiinoft hat der Botschafter eines befreundeten Staates den Kaiser stundenlang in Romiuten suchen müssen. Wenn erst die Luftschiff» reifen baut kommen, wird er ihm wobl bis zum Norbvol nach- fahren mästen. (Heiterkeit und Beifast.) Wir gönnen dem Reichskanzler gern eine ausgiebige Erholung, aber er muß d e Zäael fest in der Hand behalten und einen Vertreter haben, der wichtige Entscheidungen in seinem Geiste treten kann. Durch Telegramme und Kuriere kann der mündliche Meinungsaustausch nicht ersetzt und eine peinliche Ueberraschung nickst vermied-n werden. Für aste diese Nnztiträalichkeiten im ttteschäftsbetrikbe ist der Reick>skanzler verantwortlich. Er bat auch die Macht, Besserung zu schassen, und wir verlangen mit unserer Interpellation einen Wandel, der der Wiederkehr solcher Vorkommnisse gründlich vor- beugt. (Lebhafter Beifast.) Ten schwersten Mißstand sehen wir ober in dem fortgesetzten Hervor treten des persönlichen Regiments. (All- gemeine Zustimmung.) Ter konstitutioneste Grundsatz, d"N Träger der Krone nickt in die parlamentarische Erörterung zu ziehen, ist gewiß gut und von unS jahrelang befolgt worden, aber heute ist eS unmöglich, ihn anzuwenden. (Sohr wahr! links.) Bei diefer Sachlage bat die BolkSvertretuna die Pflicht. auch ihrerseits dazu Stellung au nehmen. (Sehr ricktial links.) Wir sind berufen, mit aster Ent''' iodenheit das zu faaen, was uns nickt gefästt und dadurch dafür zu soraen daß Deutschlands Interesten und AnscKim in der Welt nickt Sckaden l"idet. (Bei» säst links.) Ter Vorstand der konservativen Vartei bat eine Er- Häruna veröffentlicht. Tas ist sein gtites Reckst. Wenn aber die „.Qreuiaf'i." >oat. b:e (?rTTnrnr*n aob^ nickt von Parlamentariern mfS. » Hnn den ermzhsten Führern einer monarchisch ae. fi nuten Vol'^Partoi. so l'eat unserer Anstckst nach in diefer Be. merlung eine H^rahleKung des Parlamentarismus. (Lebhafte Zustimmung l'pks.) Auch wir Mosten nickt, daß diele Sacken zur Ma-^stsra-re amjschen Thron und Parlament werden. Aber mir westen, daß das vcm deutfcken Vatke gewählte Parlament ein- mütm und "stt Nackdruck sein" Stimme ergeht. Wir erinnern bei dieser Gefeaenheit daran, daß das d--ntfck- Kaisertum und der Deutsche Reickstag an ein unh dem''efben Dane aeboren sind (Sehr r^ckstia! links.l Auck mir haben keine Freude daran, daß persönliche Kund"ehunaen des Mouarckeu in hi" Erörterung gezogen und' ziim Geaenstand einer abfälligen Krstik gemacht werben. "a?nn aber schwere II u » u t r ä a l f ck k e i t e n entstan. den stnd. Menn e? sich um Deutschlands Stestiing und seine Zu- funrt handelt, dann müsten aste Rücksichten sckw"igen, die der Sacke im We^e steben. (Sehr wahr! links) Vor zwei Jahren hat der ReickSkanaler gesagt, daß ein gewissenhafter, feiner moralischen Verantwortung sich bewußter Reickskanaler nickt im Amte bleiben dürfte w"nn er nickst Dinge au ve-hindern vermag, die nach seinem vflicktaemäüen Ermesten dem Reicke wirklichen ttnb daiiernden Sckaden zusüaen können. (Hört!Hört! links.) Er bat gesaat, daß er Redewendunaen wie ..persönlickes Reai. ment". „Absolutismus" sich nur durch die bei unS herrschende Neiaung zu llebertreibunpen erklären konnte. Ich möchte den Reichskanzler fragen, ob er auch heute nock sagen wist, daß eS sich bei den Klagen, die mit seltener Einmütigkeit jetzt erhoben werden, um Nebertreibungen handelt? (Sehr gut! linfö.) Ick meine, es kann gar feine Rede davon fein: es find ernste Tat. sacken, Zustände, die uns aste mit tiefer BesoraniS erfüHen müsten. (Zustimmung links.) Was das deutsche Volk beute be- wept. im tiefsten Sinn erregt, ist die klare Erkenntnis, daß das persönliche Reaiment bei uns in einem Umfang vorhanden ist. und in einer Art geübt wird, wie es weder dem monarchischen nock dem StaatSintereste entlprickt. (Lebhafte Zustimmung links.) Impulsive Aeußerungen eines Monarch i. scken Subjektivismus find nirgends weniger angebracht als auf dem Gebiet der answärt'gen Politik. Deutschland hat Neider und Gegner genug, die alles verfolgen, und jede unüber, leote Handlung und Aeußerung in ihrem Sinn gegen uns aus» lenen. WaS im vorliegenden Fall am meisten beunruhigt hat ist der augenfällige Mangel an Klarheit über die politische Tragweite der Aeußerungen. (Sehr wahr! links.) Eugen Rickter bat 1903 gesagt: „Unsereins greift sick nach der Stirn und fragt sich, wie ist es möglich, daß fo etwas publiziert werd"n kann?" Dieses Wort trifft beute noch in aller Sckärfe zu. Man fragt stck aber nicht bloß, wie es möglich war, daß so etwas publiziert werden konnte, sondern auch, daß eS überbaupt gesagt werpen konnte. (Lebhafte Zustimmung links.) Von dem Geheimrat im AuSwärtiaen Amt wird verlangt, daß er ein Urteil abaeben sollte über die Traaweite des Artikels, um den e3 sick hier bandelt. Mit vollem Reckt. Der Reickskanzler hat fein Abfck edSgefuck einyereicht, weil er die Veröffentlichung nickt für ratsam gehalten hat. Muß man do nickt Verlar gen, daß die Stelle, hie solche Aeußwungen in die OeffenUickkeit schickt, sich auck klar fein muß über die not- wendigen Wirkungen. (Sehr gut! links) Das Bestreben de? Deutschen Kaif-rS, die Beziehungen zu England freundschaftlich flu gestalten, billigen wir burcfiauS. Für meine politischen Freunde kann ich mit aller Entschiedenheit er'lären, daß wir gute und freundschaftliche Beziehungen zum britischen Volk und Land von Herzen wünschen. (Lebst. Beifall links.) Wir haben es begrüßt. daß me Besserung der Beziehungen in letzter Zeit offensichtlich hervorpetretcn ist Wir haben den lebhaften Vimsck, es möchte hüben und drüben die Erkenntnis sieaen. daß beide Nationen ein lebhaftes Interesse an der Aufrechterhaltung guter Beziehungen ans politischen, geistigen und wirtschaftlichen Gründen staben. (Lebst. Beifall links.) ES ist nickt richtig, wenn der Kaiser sagt, in feinem Lande feien diese Gefühle in der Minors- tat. In den breiten Schichten bcS deutschen Volkes ist eine England freundliche Stimmung vorhanden. Der Kaiser ist eben nicht richtig informiert. ES gibt gewiß alldeutsche und einige chauvinistische Kreise, die anb.r-3 denken. Aber diese Kreise hoben keinen Einfluß. Es ist gefährlich, wenn nach dem Auslande solche Aeußerungen geschickt werden, die dort über die Stimmung des deutschen Volkes ein falsches Bild Hervorrufen können. Durch solcke Aeußerungen wird das Gegenteil von dem erreicht, was man erreichen null. (Sehr richtig? links.) Es ist ja überhaupt das Charakteristische bei diesem Fall, daß die guten Absichten in die gegenteilige Wirlung umschlagen. Wenn es in den Aeußerungen des Kaiser? heißt, daß er einen Feldzugsplan nach England geschickt hat, so können wir uns mit dieser Handlung in keiner Weise einverstanden erklären. Ick will ganz absehen von der Frage, ob eine derartige Handlung nicht unsere Neutralität verletzt; aber wir haben nicht die Ausgabe und nicht das Reckt, für irgend eine Nation einen Kriegkplan auszuarbeiten und unsere Finger in Angelegenheiten zu stecken, die uns nichts angchen. (Lrbh. Venall links.) WaS war denn der Erfolg? Der (Bebtmfe Bai fn England Verstimmung hervorgemfen, baß der Sieg über die Buren eigentlich d"m Deutschen Kaiser und dem deutschen Generalstab zu danken maren._ Weiter heißt eS in den Aeiißerungen. daß der Kaiser die Vorschläge Rußlands und Frankreichs. England zu demütigen. England mitgeteilt habe. Die K'untniS btefi8 Liebesdienstes bat die englische Politik nickt abgehalten, eine Entente cordiale mit Rußland und Frank- reich zu finden und leine ..splendid Isolation“ aufzugeben. Wir sind mehr und mehr in eine Ifol erung hirieinaeraten, nur daß wir sie nicht all glänzend bezeichnen könn"n. Der Reickskanzler hat selbst früher h:er in bezug auf die auswärtige Politik gesagt: „Korrekt, ober nickt überschwänglich höflich, nickt klein ober gar sich m-atoerferh/ Das ist außerord^ntlick antreffrnb. Wir hoben keine Veranlassung, irgenb einer Mackt nackzulaufen, ihr Freund. fckaf'Sdienste anzubieten, die sie nickt schätzt unh nickt au erwidern bereit ist. Die Folg n der l'tzren Voraänge haben fick fckon in bedauerlich^ W?jfe gezeigt. Eine Verstimmung ist in den Stag, fen b"rvorgerufen worden, die jene Handlunien als feindfeliae Akte gegen sie auffasien mußten. Die Verstimmung zeigt sick bereits in w'rifckaitlicken Maßnahmen gegen Deutfckland. (Hört? hört?) In Holland haben mir fckan Revanche-Maßregeln. Ein Fackblatt schreibt darüber, daß «ererb»* in b"r jetzigen Feit, wo die deutsche Industrie mit ihrem Absatz im AuSlande wegen der Zoll- Politik ohnehin au kämpfen bat, die letzten Voraänae aiißerordent- lick schwer empfunden werden. Treu und Glauben geaen die b'utfcke Pol-tik sind nach diesem Fackblatt 'm AuSlande erschüttert. Es ckt nrrr fein Zweifel, daß das Vertrauen zur Wahr, beit und Zuverlässigkeit der deutschen Valstik durch berortine Mitteilungen erschüttert werden muß. (Sehr ritztig! links.) Auck wir sind über die Aiiffgsiunaen deS Kaisers Über brn Ausbau der deutschen Flotte im hohen Grade erstaunt. Wenn meine politischen Freunde tn der letzten Ze>t miwewirst tmbm. um die deutsche Flotte technisch aus die erforderliche Höh.' zu bringen, so haben wir auck nickt entfernt daran gehackt, daß unsere beutfdhen Sckiffe im Cften im Kampfe gegen Ehina ober Japan verwendet werden können. (Sehr richtig! links ) Diese Wirkung bedauere ich außerordentlich. Ich habe mich gefreut, daß die Besserung der Beziehungen zu Japan ein. g treten ist, und ich würde es für nickt unklug krackten, wenn man dieser jungen aufstrebenden Mackt die Stellung zuteil werden ließe, die ihr zukommt. Ick bedauere daher, daß man dort ohne sachlichen ßlrunb Mißstimmung und Erbitterung erzeugt hat. die den bemühen Interessen nickt förderlich fein kann. Wir haben in unterer Interpellation zum Ausdruck gebracht, daß wir Abhilfe nur erwarten von der Herstellung einer wahrhaft konstitutionellen Slgatsverfallung. (Sehr richtig! links.) Vir sind der Meinung, daß die heutig«* Verfassung in sehr vielen Punkten nur Schein einer Konstisiition ist und nicht den Anforderungen entspricht, die ein modernes Staatswesen fordern muß. (Sehr wahr! links.) Meine Freunde haben einen Antrag auf volle Durchführung der Minister- "erau'wortlickkeit einaebrackt, und wir hoffen, bei der Beratung diefeS Antrages demnächst noch Gelegenheit zu haben, die Notwendigkeit einer solchen vollen Ministerverantwortlickkeit eingehend darzulegen. Vir wollen aber schon jetzt keinen Zweifel darüber lallen, daß diese wirkliche, ernsthaft durchgeführte Minister» verantwortlich keitder Angelpunkt des konstitu- tionellen Lebens ist. (Sehr richtig! links.) Ter Träaer der Krone ist dem Lande nickt veranlwortlick. sondern allein die Staatsmänner. Daraus ergibt sick ohne weiteres, daß wirkliche Staatsmänner on der Spitze des Staates stehen muffen, die ihre Anschau'!u'>en über die Entwickelung der S'aatSaesckäfte auch znrn AusdrucF bringen können. Vir erneuern die Forderung, daß unsere Ratgeber nicht biegsame unb schmiegsame Häslinge sein sollen, die hinterher die Verantwortung übernehmen, auch wenn sie vorher nicht gefragt sind, Biireaukraten und Eiviladjutan'en, die sick nickt erarbeiten können. Es sollen wirkliche Staatsmänner fein, die sick ihrer Verantwortlichkeit auch dem Lande gegenüber bewußt sind. (Lebhafter Beifall.) Auf der anb-ren Seite muß auch der Träger der Krone sich bewußt fein, daß er Zurückhaltung üben muß. Tie komplizierte Staatsmaschinerie ver^räat keine ungeschickten Eingriffe. (Sehr richtig! links.) Es gibt keinen Monarchen und Staatsmann, der diese Maschine in allen Teilen richtig einstellen kann. Napoleon T. hat einmal gesagt: „Ich brauche mehr Köpfe unb weniger Zungen." Tas gilt auch heute noch. Vir können kei- neu Subjektivismus gebrauchen. Nickt impulsive Wallungen sollen die Politik beherrschen, sondern da? richtige Erkennen dellen, was not tut und Erfolg verspricht. Die Frage der Verfassungsänderung muß mit allem Ernst aufgerollt werden. (Sehr richtig! links.) Darüber wollen wir unS nicht täuschen: das monarchische Empfinden ist leider im deutschen Volke im Rückgänge begriffen. (Sehr richtig! links.) Herr von Kardorff bat vor Jahren schon über die Abnahme des monar- ckiscken Gefühls geklagt. Seit jener Zeit hat es nicht an Vor- cängen gefehlt, die weite Kreise veranlaßt haben, über Vorzüge und Nachteile monarchischer Staatseinricktunaen nackzudenken. (Sehr richtig! links.) Ich bedauere als Anhänger der monarchischen Staatsverfassung dies aussprecken zu müllen. Ich trete aber auch zugleich der im Auslande verbreiteten Auffassung entgegen, als ob der Dragee der Krone der ausschlaggebende Faktor in Deutschland sei. Tie firart des Lande? liegt an anderer Stelle: in der geistigen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, in der Wehrhaftigkeit und Einmütigkeit seiner Bürger. (Lebhafte Zustimmung unb Beifall links.) Ich bedauere, daß c5 nicht möglich gewesen ist, der einmütigen Anfickt des deutschen Volkes in einer einmütigen Kundgebung Ausdruck zu geben. In ITebereinftimmung mit den Kollegen und mit den Parteigenossen im Lande kann ich meine Ausführungen dahin aufammenfassen: Der Wiederkehr dieser vom ganzen deutschen Volke schwer empfundenen Mißgriffe kann wirksam und bau» einb nur vorgebeugt werden durch die Herstellung eines wahrhaft konstitutionellen Verfasiungswesens und durch die Kräftigung der Reckte der Volksvertretung. Vir krackten insbesondere den Erlaß eines Ministerverantwortlichkeitsgesetzes und die Unterstellung von Zivil« und Militärkabinett unter verantwortliche Regierungsbehor. den für geboten. (Lebhafter Beifall.) Tas deutsche Volk, dem die Aufgabe zufällt, mit Gut und Blut für die Folgen der Regierungs- Politik einzutreten, erwartet in voller Einmütigkeit, daß das Prä- fibium des deutschen Bundes, das verfaffiingsmäßig dem König von Preußen zufteht, in allen politischen Fragen diejenige Zurückhaltung beobachtet, die das Arni unb das Reichsintereße erfordert. (Lebhafter Bekfall.) Abg. Singer (Soz.): Der Abg. Ballermann hat davon gesprochen, baß diese Vorgänge maßloses Erstaunen unb tiefes B dauern hervorgerufen haben. Er hat aber vergeßen, hinzuzufügen, daß sie auch einen berechtigten Sturm der Entrüstung hervorgerufen haben unb ein Gefühl der Beschämung aufkommen ließen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Tas Ausland hat uns mit Hohn und Spott überschüttet, die Stellung, die das Deutsche Reich sich in bet Velt erworben hat, ist infolge dieser Vorgänge noch um einige Grade tiefer gesunken als durch die bisherige Politik. Verwun- bcrliaj sind diese Vorgänge übrigens nicht; wenn in Deutschland die verantwortlichen Minister für Handlanger erklärt werden, dann braucht man sich über solche Tinge nickt zu wundern. Venn wir in Deutschland Zustände hätten, in denen Lächerlichkeit unb Unfähigkeit sich nickt breit machen bürfen, bann würden wir heute einen anderen Mann an jenem Platze sehen. (Unruhe.) Tie M a j o r i t ä t b i e se S Reichstages ist mitschuldig an diesen Vorgängen (Widerspruch), denn sie hat die Verherrlichung des persönlichen Regiments nicht hintangehalten. Wenn man mit Ernst daran gehen will, diese Zustände zu ändern, bann muß man sich über ihre Ur- fachen klar werden. Es handelt sich nicht darum, den Finger au) die Wunde zu legen, sondern mit fcharfem Mester die Wunde auS- zuschneiden, damit die Gesundung erfolgen kann. Nur infolge der Entsagung, die der Reichstag sich in der auswärtigen Politik bisher auferlegt hat, indem er sie als ein noli mc tangere behandelt, sind solche Dinge möglich geworden. In den Ländern,' in denen die Parlamente Selbstachtung unb Würde prästieren, sind solche Zustände unmöglich. (Unruhe. Zuruf recht?: Gehen Sie doch hin!) Von wem hat der Kaiser denn Kenntnis von der angeblichen englandfeindlicken Stimmung der mittleren und unteren Klassen? Daß der Kaiser sich in der Minderheit befindet, mutz ich ohne weiteres zugeben, denn die breiteren Masten deS Volke- gehören nicht zu denen, die in höfischem Byzantinismus unb in Speichelleckerei ben Kaiser umgeben. Seine Worte unb Hand, kungcn gegenüber ben unteren Schichten, worunter er bie deutsche Arbeiterschaft versteht, verdien"n es wahrlich nicht, daß man den Kaiser als ben Vertreter der Majorität hinstellen kann. Daß bet Kaiser sick in der Minberheit befindet, hat er eben seinen Aeuße- rungen und Handlungen gegenüber der Majorität, der Arbeiterschaft, zu verdanken. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es läßt sich aber nicht leugnen, daß bie Behauptung, bie mittleren unb unteren Schichten seien englanbfeinblick, ben tatfächlichen vor* hältnisten geradezu ins Gesicht geschlagen hat. (sehr richtig!) Man muß erstaunt fragen: Ist denn ber Kaiser von allen Vorgängen in den letzten Jahren absolut ununterrichtet? Hat er denn gar nichts von allen Bemühungen von hüben unb drüben vernommen, um jedes hetzerische Kriegs^elüst zu beseitigen? Weiß et nichts von all den Deputationen und Kongresten, die zu diesem Zwecke itattfanden? Und das gilt nicht nur von ben oberen, daS gilt auch von ben Arbeiterklassen. Gerabe bie Arbeiter haben eS auf bas Entschiedenste betont, daß keine Rede davon fetn könne, daß England und Deutschland stck feindlich gegenüberstehen Auf dem Internationalen Kongreß zu Stuttgart ist daS in feierlichster Farm zum Ausdruck gekommen. ES ist ja fl er a b e f o , a l 3 ob ber Kaiser in ben Wolken schwebt. (Heiterkeit.) Wie kann er angenehm solcher Tatfachen von einer englanbfemb- liehen Stimmung im Volke sprechen? Ick halte eß für notwenbP. auch von unterer Seite eneranch. ften Protest geaen bie Aeußerunaen einzulegen. _ D>efe Aeiiße- runpen wiber^precken ben tatsächlichen Verhältnissen. Der D"utfcke Kaiser war nicht hier daS berufene Munbstück beS beut. Volkes (Sehr richtig! bei ben Soz.) AIS wohlerzogener Enkel hat ber Kaiser 'einer Großmutter wirkliche Hilße leisten wollen (Heiterkeit) unb hat ihr einen KriogSplan entworfen. Ist dann b"m Kaifer in feiner Stellnna nicht einen Augenblick zum Bowußtfe n gekommen, welcke Schäden er damit für Je,n. fhm fn aeliebteö deutsches Volk herbei führen könnte? ES ist da kein Wunder, wenn die fremden Regierungen sich mit TcintrauCn ncn brr b-ut^en fernhaften, wenn in dem europäischen Konzert der dentfcken Reaienina fo oft bie Notenblätter horenfhalKn wer- ben. Es handelt sich frrr nicht um einmalige G? n tg Teilungen, es ist das S h ft e tn d e S p e r » 5 n 11 ch e n R e g t - n e n t §. Vir haben es hier mit einem Glied in der Kette bei Aeußerunaen zu tun. bie aus dem Größenbewußtsein deS Monarchen rnt'tmmnrn finb. Durch biefe Aeußerunaen ist DeiMch. lnnb stänb'g in Schwierigkeiten aekommen, unb daraus erwacmen uns die ewigen Riistunaen. (Sehr richtig! bei ben Soz.) Der ‘Pniitif des persönlichen Regiments macken sick alle Mitglieder der Reaiernng von oben bis unten schuldig weil sie n'cfit den Mut haben, bagearn offen anfzutreten. (Lebhafte Zustimmung bet den SoaJ Es ,st die Politik, die heute dem deutschen Volke uner- fc>minas''cke Gelbopfer aiiferleot. uud es morgen in schwere Krieae stürzen kann. (Sehr richtig! bei den Soz.) Die Aeuße« rnnaan des Kaiser? erinnern mich an die Veröffentlichung des Tagebi'ckes Kaiser Friedrich TTT. durch Prof. Geffken vor zwan. zig Jahren. In einem Immediatberickt wurde die Einleitung bpa Hockv"rratsvarfahrens gegen Prof. Geffken gefordert. Der König fall ber erste Diener bes Staates fein — so heißt e8 ja wohl. Ich alauhe mit Reckt sagen zu dürfen, wenn einem Staats- diener etwas Aehnlickes passiert wäre, das Reicksaerickt Ware tn Funktion getreten. (Lebhafter Beifall bei ben Soz. unb Zuruf des- Abg. Ledebour: Ins Zuchthaus käme er!) Ick kann nut wün'cken, daß in maßgebenben Kreisen enblick einmal bas Lickt bar über aufaeht, baß. wenn biefe Praxis weiter geführt wirb, da? beittfche Volk in ben Abarund gerät. In ber Ver- öffertTichuna ber „Norbdeiitfcken Allgemeinen" befinben sich be» benff'cfe Lücken. Es wirb allseitig zugeaehen, baß es sich um verschiedene Gespräche mit verschiedenen Herren zu berfch'cbenen Zeiten hanbelt. Vielleicht gibt brr Reichskanzler Aufklärung darüber, wie denn nun der eine Mann, der das Manuskript bet» offeutlickt hat. zur Kenntnis der übrigen Gespräche gekommen ist. (Sehr gut!; bei b"n Soz.) Ich weiß nicht, ob ber Herr frrne Informationen an offizieller Stelle geholt hat. Ich w"iß nickt, ob die Herren eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung zur Veräußerung kaiserlicher Aeußerungen gebildet haben (Heiterkeit), unb als erste Einlage biefe Aeußerungen emgebracht haben. (Groß^ Heiterkeit.) Vielleicht nennt uns auch bet Reickskanzler den Mann, der das Manuskript veröffentlicht hat. Vielleicht wäre auch eine Feststellung möglich, ob der betreffende Herr noch Kenntnis von anderen Interviews hat. In Amerika ist ja noch glücklich ein Interview nicht veröffentlicht worden. ?lbcr nach einiger Zeit werden wir auch zur Kenntnis dieses Interviews kommen. Unb was sonst in ber Welt umherfchmirrt. kann kein Mensch wißen bei ber Fruchtbarkeit, mit ber Reben unb Aeuße- rungen und Briefe von jener Stelle in die Welt gesetzt werben. Bei ben bekannt gegebenen Unterhaltungen zeigt sich eben bie Neigung, allerhand phantastische Ideen äu vertreten. Mit dieser Politik des Augenblicks, ber schwankenden Ge. fühle, sind die früheren Erklärungen des Reichskanzlers nicht in Einklang zu bringen. Es handelt sich nicht darum, daß der Reichskanzler nicht die Veröffentlichung verhindert hat, sondern daß er feine Schritte getan hat. um solche Aeußerungen zu verhindern. Das Anerbieten seiner Demission war ein Entschluß, der korrekt war. Aber, wo er die fraglichen Aeußerungen nicht billigt und sie sogar für schädlich hält, mußte er, wenn seine Demission nicht angenommen wurde, ohne die Annahme dieser Demission seinen Posten verlaßen. (Sehr richtig! bei den Soz., Gelächter rechts.) Jetzt hinzutreten und die Verantwortung für diese Politik zu übernehmen, ist eine Politik, für die im Volke fein Verständnis vorhanden ist. Die Sacke wird zur Som ob le, wenn berselbe Mann, der diese Aeußerungen ebenfalls ^mißbilligt hat, nun hier vor aller Welt die Verantwortmig übernehmen will. Der Kanzler übergibt des Manusfript dem Auswärtigen Amt. Das ist bezeichnens für die Position des Reichskanzlers einerjeits und für die Wertschätzung, die der Reichskanzler einem kaiserlichen Bericht beilegt (Heiterkeit). aus der anderen Seite. Wußte denn der Reichskanzler nicht, daß das Auswärtige Amt verwaist war? Wenn ja!, hat oer Reichskanzler diese Situation nur als die gewohnheitsmäßige aufgefaßt? Unsere Negierung und der Kaiser befinden sich ja dauernd auf Reisen. Es ist eine Regierung im Umherziehen. Da kommt nun ein verunglückter preußischer armer Geheimrat, der muß das Manuskript lesen, und der arme Mann ist jetzt derjenige, dem Deutschland die Blamage verdankt. (Heiterkeit.) Wenn solche Vorgänge in einem große« Handelöhause vorgekommen wären, der Prokurist würde, auch wenn ihn der Chef bäte, zu bleiben, die Verantwortung nicht übernehmen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Für unS handelt es sich nicht darum, daß der Reichskanzler die Verantwortung für die Veröffentlichung, sondern für die Aeußerungen übernimmt. Die ganze Aktion des Reichskanzlers war eine verfehlte. Er hat nur das Drama in eine Posse verwandelt. Ein Helles Gelächter ist in der ganzen Welt entstanden, und Deutschland ist unter diesem Gelächter mit Spott und Hohn überschüttet. DaL dankt das deutsche Volk dem Reichskanzler. Wie soll man solchen Vorgängen begegnen? Aus dieser Politik deS Leichtsinns, der Briefe und Telegramme muh man herauskommen. DaS müßen wir verlangen gegenüber dem Kanzler und gegenüber dem Kaiser. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hier ist auch der Augenblick, wo wir uns von den bürgerlichen Parteien aller Schattierungen trennen. Wir müßen bedauern, daß die bürgerlichen Parteien nicht die Konsequenzen ziehen. Was Dr. Wiemer wollte, war brauchbar, aber Herr 18a'।ermann hatte eö schon vorher abgelehnt. Herr Baßermann darf eS uns nicht übelnebmen, wenn ich der Empfindung Ausdruck gebe, dah seine ganzen Forderungen bestellte Arbeit für den ReichSianzler gewesen sind. (Wider> spruch bei den Nationalliberalen.) WaS er forderte, war nichts weiter, als die Erhaltung des gegenwärtigen Zustandes mit einigen Abschwächungen. Wremers Ausführungen enthalten einen guten Kernpunkt. Wenn die Herren sich aber nicht entschließen, die Konsequenzen zu ziehen, dann kann, der Reichskanzler dem Wechsel, den Herr Wiemer gezogen hat, gern und frohen Mutes entgegen» schein Er wird ihm noch lange und viel prolongiert werden. (Heiterkeit.) Für die Freisinnigen heißt es: hic rhodus, hic saltal Jetzt beweisen Sie Ihre parlamentarische Macht! Die. bisherigen Blockfrüchte sind nicht derartig, daß das deutsche Volk diesen Wechsel akzeptieren wird. Wir wollen uns aber nicht zum Narren machen lasten. Wir wollen Taten und nicht Worte sehen! Wir wollen eine Verfassungsänderung, welche der Volksvertretung die Entscheidung über Krieg und Frieden gibt. In Len Zeitungen war zu lesen, die Verhältnisse wären nach der Veröffentlichung so außerordentlich gespannt gewesen, daß wir unmittelbar vor dem Kriege gestanden hätten. Daß solcher Lumpereien wegen die Situation sich derart zuspitzen konnte,, verdanken wir auch der erlauchten Politik des Reichskanzlers» die vom Reichskanzler geleitet und von einer unverantwortlichen Stelle inauguriert wird. In Marokko haben wir uns ebenso wenig mit Ruhm bedeckt, wie sekt in unserer Orientpolitik. Die Entscheidung über Krieg und Frieden muß in die Hand der Volksvertretung gelegt werden. (Sehr richtig! bei -en Soz. Lachen rechts.) Ferner ist nottvendig der Erlaß eines Reichskanzler - Verantwortlichkeitsgesetzes. Unsere dahin gerichtete Resolution ist seinerzeit abgcl'bnt worden. (Zu- rufe der Freisinnigen. Wir haben setzt ein Gesetz beantragt!) Das wird dasselbe Schicksal haben. Glauben Sie denn, daß Ihr Einfluß im Block schon so groß ist? (Heiterkeit links.) Und wenn schon, der Bundesrat wird es doch nicht annehmen. Wir muffen aber noch einen Schritt weiter gehen. Das deutsche Volk muß durchdrungen fein von der Ueberzeugung, das; es neben dem Bundesrat berufen ist, sein Geschick zu Icihn und darum muß es selber zu richten haben über einen Reichskanzler, der seine Ver. äntwortlichkeit gegenüber dem Volke vergißt, und der Reichstag muß ein.Mitwirkungsrecht bei der Ernennung des Reichskanzlers haben. Das Ernennungsrecht des Kaisers bietet kerne genügende Garantie für die Sicherheit und Wohlfahrt des Volkes. Sein einseitiges Vertrauen, von dem wir ja toiffen, wie plötzlich es wechseln kann, genügt uns nicht. Wir wissen ja auch gar nicht, welche Forderungen er eigentlich an das Mindestmaß von Kenntnissen und Fähigkeiten der Minister stellt. Vor allem muffen wir unsere Geschäftsordnung ändern. Wir müssen die Möglichkeit haben, an solche Interpellationen auch Anträge zu knüpfen (Lebhafte Zustimmung lmks und zum Teil auch im Zentrum.) Der Reichstag mutz ferner in jedem Augenblick in der Lage fein, aktuelle Fragen vor fein Forum zu ziehen. Ist eS nicht unerhört, daß wir bei emer Frage, die so intensive Erregung hervoroerusen hat. so lange warten müssen, bis es dem Reichskanzler gefallt, darauf zu antworten? Das ist der Stellung des deutschen Reichstages unwürdig. «eeV richtig! links.) Das ist keine Parteifrage, sondern eine Ebrenfraae, die den ganzen Reichstag angeht. (Beifall bei den Soz.) Die Volksvertretung muß ein Recht haben, zu verlangen, daß der Reichskanzler da ist und antwortet, wenn e3 ihr gefäll'. Wenn der Reichstag nicht für Wandel in dieser Beziehung sorgt, so trifft ihn selbst die Schuld. Das Machtmittel des Reichstages, der Wieder! br solcher Zustände zu steuern, ist die Geldvcrweigeruug. (Sehr richtig! bei den Soz.) Es ist charakteristisch, daß in diesem Augenblicke dem deutschen Volke 500 Millionen an neuen Steuern auferlegt werden sollen. Der Reichstag sollte an die Behandlung der Finanzreform ruckst eher ßerontreten, als bis ibm gesetzliche Garantien gegeben sind. Sonst haben Sie wieder einmal pro nihilo geredet. Das persönliche Regiment muß unterbunden werden. Ter Reichstag kämpft aber hier nicht allein jür die Besserung der Verhältnisse, er kämpft auch für sich selbst, für das Vertrauen, das er im Volke haben muß. Möge er sich feiner Stellung bewußt sein, die ihm genen» über dem Kanzler und dem Kaiser gebührt; an unserer Mitwirkung, sie zu festigen, soll es nicht fehlen. (Lebh. Bestall bei den Soz.) Abg. Dr. Hepbevrandt (kons.): In den Ausführungen des Vorredners habe ich nur noch die Konsequenz vermißt,, daß er in unsere Verfassung den Satz ausgenommen wissen tvill: In Deutschland ist die Monarchie abzuschaffen. Wenii cs in Stunden der Gefahr fraglich erscheint, was wir zu tun haben, bann werden wir bei den Sozialdemokraten anfragen. (Heiterer Beifall rechts.) Ich werde mich bei der Begründung unserer Interpellation auf wenige Worte beschränken. Mit unserer Interpellation wollten wir zum Ausdruck bringen, daß etwas geschehen muß, wenn die Erregung, die die'Vorgänge auch in den Kreisen meiner politischen Freunde hervorgerufen haben, und die groß und nachhaltig ist (Sehr richtig! rechts), zu beseitigen. Es handelt sich hier nicht um die letzte Erscheinung. Man mutz es ganz offen aussprechen, daß es sich hier um eine Summe von Sorge, von Bedenken und — man kann wohl auch offen sagen — von Beunruhigung handelt, die sich seit langem aufgesammelt hat, auch in den Kreisen, an deren Treue zu Kaiser und.Reich bisher noch niemals gezweifelt worden ist (Sehr richtig! rechts.) und die diese Treue zu Kaiser und Reich in Stunden bewiesen haben, die sehr viel ernster waren als die jetzigen. Eine sehr ernste Erregung geht durch unser ganzes deutsches Volk. Aber man darf in dieser Erregung kein Moment der Schwäche erblicken, sondern ich finde darin etwas Bedeutsames und Ernstes, ein Moment von großer Bedeutung, daß das deutsche Volk in schweren Augenblicken, in großen Gefahren nach einer Einheit und nach einer Verständigung drängt, mit allen denjni- gen Elementen, von denen es glaubt, daß sie die Ehre der deutschen Nation vertreten. (Beifall rechts.) Und daher mögen es sich diejenigen gesagt fein lassen, die außerhalb dieses Hauses auf einen Moment warten, wo unser deutsches V"lk nicht mehr einig ist, daß das deutsche Volk in der Stunde der Gefahren stets einig sein in t r b. Wir haben jetzt hier einen Beweis dafür, daß die Deutschen sich zusammenfinden, wenn es sich um schwere Dinge handelt. Ich glaube, mnn wurde dem Vaterlande feinen guten Dienst erweisen, wenn man die ganze Angelegenheit beschönigen wollte. Die Behandlung des Manuskripts war nicht die richtige. Der Reichskanzler wird das auf bas tiefste bedauern. Solche Sachen können einmal verkommen, I aber nicht wieder. Ich habe auch die Ueberzeugung, daß es nicht wieder vorkommen wird. (Gelächter bei den Soz.) Es kommt viel auf die Fragestellung bei der Behandlung des Manuskripts an.! $ai der Reichskanzler seinen nachgeordneien Räten auch die Frage borgelegt, ob es opportun sein wurde, diese Schriftstücke zu ver. öffentlichen - Dann allerdings muß man sagen, wenn sich da ein Rat gefunden hat, der das bejaht hat. so geht das über das, was man für Pflicht und Aufgabe eines Rats in solcher verantwortlichen Stellung hält. Hal der Reichs'anzler sich lediglich auf die grage beimrantt, ob das, was in diesen Schriftstücken enthalten ist, tatsächlich richtig ist, dann würde man allerdings sagen muffen, ?aß die Fragestellung und Auskunftserteilung nicht ganz beionders glücklich war. (Gelächter links.) Man mag die Sache üretjen unö menben, wie man will, das muß anerkannt werden, I fitet -Hang e l i m Betriebe obgewaltet haben. Aber ba§ ift nidjt das wichtigste, sondern die Frage der Der- aniroortung für die Vorgänge, die hinter diesen Veröffentlichungen liegen. (Sehr richtig! rechts.) Dir stehen auf dem verfassungs-' mäßigen eranbpunftc, daß für die Regierungsakte des Kaisers der Kai,er mast veramwortlich ist, sondern daßalleinderReichs- k a n z l e r d i e L e r a n t w o r t u n g t r ä g r. Der Reichskanz- ler hat früher gerade zu der Frage, wie weit seine Verantwortuno am Gegenstände biejer Arr reicht, sich klar und unzweideutig ausgesprochen, und meine politi,cht S lid leu fia; - bie (Se gro un' nic toi m A h- A U kc ei b: k< V lc r le h Io. Fr h>t in be: r>r nr toi la Ai bei Un fa fou Seb daß gegi kein Frei mit ftim; zu c tit w «r Hal M of nis na an kcn N: Sr 8to tay Ian Mg. Dr. P-üsche kcanrrayi ti« Yespreckung der Jnterpellatioven. Die Besprechung wird einstimmig bcschlost.n. } - / Abg. Frhr. v. Heriliug ^Zr:.), •nr ®er*aftlorbnuM: Ich halte <5 für unmoalt^, fc*?f in die Zc» fprcd'iir-g Dct Jnrerpt ist da. daß entschlossene PJiänner in die Kluft springen. (Sehr wahr!) Wenn jetzt künstlicki noch ein bekanntes Kabarett herangezogen ist, dann versagt geradezu die Kritik. Da muß man tief unglücklich werden. In den Schlußsätzen Bassermanns lag eine Art Vertrauensvotum. Unbeschadet der sonstigen Verdienste des Fürsten Bülow können wir un5 in diesem Augenblicke einem solchen Vertrauensvotum nicht anschließen. Wie sich die Verhältnisse entwickelt hüben, ist es ziemlich gleich, wer an der Spitze des Reichs steht. Im Innern liegen die Verhältnisie anders. Ta haben wir Gottseidank ein Viermillioncn-Heer. Wir wollen, glauoe ich, in ber Zukunft uns bescheiben, mit unseren Einmischungen in bie auswärtigen Angelegenheiten auf das allergeringste Maß. 23 rr sollen b a 5 Festefeiern aufgeben, bas Klingklanggloria beiseite lasten, und in stiller Friedensarbeit unsere Finanzen in Ordnung bringen. Wir wollen das Pulver trocken halten, unb wenn dann das Ausland glauben sollte, wir seien durch die innere Krisis geschwächt, dann wird, was ihm an Begeisterung fehlt, deutscher Zorn ersetzen. (Beifall.) Ein Antrag auf Vertagung wird angenommen. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. (Fortsetzung ber Besprechung ber Interpellationen.) Schluß nach 6 Uhr. Politische Tagessclian. Polizeiliche Ausweisungen. , Der Streich des .Hauptmanns von Röpenid' bat s. Zt bekanntlich eine sehr scharfe Kritik der polizeilichen Ausweisungen hervorgerufen und die Meinung ging allgemein dahin, daß hier Wandel geschaffen werden müsse. Dian war bisher auch der Ansicht, daß eine mildere, zeitgemäßere Praxis Platz gegriffen hätte; ob es wirklich der Fall ist, erscheint fraglich, wenn folgende Mitteilung der .Welt am Montags nuf Wahrheit beruht. Das genannte Blatt macht die. überraschende Tatsache bekannt, .das; dec Ausweisungsbefehl der Berliner Polizei gegen den Schuhmacher Voigt selbst heute noch zu Recht besteht. ES märe ein ganz unhaltbarer Znstanb, wenn eS von nichts iveiterein als von einer Art Toleranz der Polizei abhängig wäre, ob und wann das Damoklesschwert eines Ailsiveisluigsbefehls auf jemand hcrabsaust. Und es miifj verlangt werden, nicht nur daß in diesem Falle der von der gesamten Bevölkerung verdammte Ausweisungsbefehl ausgehoben wird, sondern daß auch endlich gesetzliche Garantien geschaffen werden, die der im Poigt-Prozeß an den Pranger gestellten bisherigen Praxis endgiltig den Garaus machen." Ans Stadt nnd Land. Gießen, 11. November 1908. Reform des lündl. Bauwefeits. In beherzigenswerten Worten äu|jcri sich der Kreis- rmsschuß des Kreises Schlüchtern über die Reform des Bauwesens. Er betont in. dem soeben herausgcgebenen Verwaltungsbericht, daß namentlich in den Städten des Kreises sich das Streben nach besseren und gesunderen Wohnungen zeigt, dagegen in den meisten Dörfern von einer Besserung der Wohnungsverhältnisse noch nicht allzuviel zu bemerken sei. Die große Indolenz der ländlichen Bevölkerung allen Forderungen der Hygiene gegenüber und das auffallend geringe Streben nach verständiger Aufbesserung der Lebenshaltung in weiten Kreisen der Landbevölkerung bewirke, daß ein großer Teil der Landbewohner noch genau fv schlecht wohne, wie die Vorfahren vor 50 und 100 Jahren gewohnt haben, und daß in jedem Dorfe noch zahlreiche Wohnhäuser anzutref,en seien, die im Grunde genommen für Wohnzwecke als untauglich betrachtet werden können. Ganz besonders zeichneten sich in dieser Hinsicht eine Anzahl der sogenannten Armen- oder Gemeindehäuser aus, die vielfach alles zu wünschen übrig ließen. Immerhin fei in einigen Dörfern der Beginn einer Besserung festzustellen. Weiter teilt der Kreisausschuß noch mit: Die vom Kreisausschüß im vorigen Jahre angeschastten Baupläne des hessischen Ernst-Ludwigs-Vereins zur Errichtung billiger Wohnungen sind mehrmals benutzt worden. Neuerdings sind auch einige Stadt- und Landgememdeverwal- tungen und die Baugenossenschaft in Steinau bemüht im Verein mit der Kreisverwaltung eine heimische Bauweise im besten Sinne des Wortes zu fördern. In dem neugegründeten Heimatbunde für den Kr.is Schlüchtern erwächst ihnen ein äußerst wertvoller Helfer. Derer, welche die große Bedeutung eines praktischen und gleichzeitig freundlichen Heims für das menschliche Wohlbefinden und die Erweckung und Vertiefung heimatlicher Emp.indungen erkannt haben, sind aber immer noch viel zu wenige. Intensive Arbeit ist auch mit dieiem Gebiete notwendig, weil die meisten Bauunternehmer und berufsmäßig mit der Anfertigung von Bauentwürsen beschäftigten Persönlichkeiten es immer noch verschmähen, die ihnen vom Kreisausschuß und einigen Stadtverwaltungen kostenlos zur Ein icht uno Abzeichnung überlassenen Pläne zu benutzen oder selbständig ebenso gute Entwürfe zu fertigen. Es gewinnt den Anschein, als wären viele von ihnen nicht fähig, andere als Die schablonenmäßig immer wieder gelieferten Rohziegel- kästen zu zeichnen. Tie Ausnahmen unter ihnen verdienen um so größere Anerkennung. Erfolgreicher schon sind die Bemühungen, die alten, freundlichen Fachwerköauten bei notwendig werdenden Reparaturen von dem Putz und der Tünche zu befreien, mit der diese Läufer etwa seit zwei Jahrzehnten mehr und mehr verklebt wurden, um einen „massiven" Eindruck zu erwecken. * — Konsulatswesen. Der Amtsbezirk des mexikanischen Konsulats in Frankfurt a. 9)L, dem im Ge- biet des Großherzogtums bisher nur Oberheffen zugewiesen war, ist auf Starkenburg und der Amtsbezirk des mexikanischen Konsulats in Mainz auf ganz Rheinhessen ausgedehnt worden. ""Das Hessische Wander ^Tuberkulose-Muse um war in Duisburg a. Rh., woselbst es räumlich mit der dortigen Gartenbauausstellung in Verbindung stand, von rund 33 000 Personen besucht. Nunmehr befindet es sich in Limburg a. d. Lahn, und auch dort ist der Besuch ausgezeichnet. Tas Mnsemn hat immer noch die alte Auziehuugslrast, denn gegenwärtig bemühen sich noch die Städte Kassel, Stuttgart, Augsburg und Münster i.' W darum. Es hat auch in Hannover und in der Nheinprovmz "Nachahmung gefunden. Die Gesamtbesucherzahl beträgt bis jetzt rund 200000, eine Zahl, die die gehegten Erwartungen ganz bedeutend übersteigt und mit der nicht im entferntesten gerechnet wurde. Allgemein ist man der Ansicht geworden, daß das Museum das belle Mittel ist, weitere Kreise der Bevölkerung über die Gefahren, die von der Tuberkrilose drohen, aufzuklären, und sie über die Mittel zu belehren, die zu ihrer Bekämpfung dienen. Den Acrztcn, die die erläuternden Vorträge an Hand der ausgestellten Gegenstände übernommen haben bezw. übernehmen, gebührt der Dank und die Anerkennung, hierzu in hervorragender Weise beige» tragen zu haben. — Lollar, 10. Noo. Die FeldbereinigungS- arbeiten in unserer Gemarkling schreiten rüstig vorwärts. So wurden gestern wieder für ca. 15 000 Mk. Arbeiten und Lieferung"n im SubmissionSwege vergeben. Es waren 32 Angebote abgegeben worden. Tie Slrbcitcn wurden dem Bauunternehmer Gg. Ruhl von hier übertragen. -- Langgöns, 8. Nov. Heute fand bei Gastwirt Hirsch eine öffentliche Versammlung statt zwecks Gründung eines Kaninchenzuchtvereins. Bürgermeister Rompf- Langgöns eröffnete die Versammlung und hieß die fremden Gäste willkommen. Darauf sprach Herr Pau necke-Klein- Linden über Zweck und Ziele der Kaninchenzucht-Vereme. Zum Verein meldeten sich 18 Mitglieder. Wilh. Schmidt wurde als Vorsitzender, Wilh. Wenzel als Schriftführer, und Georg Schäfer als Kassierer gewählt. Der Verein entschloß sich ans Anregung des Herrn 2. Weinandt-Klein- Linden dem Mitteldeutschen Kaninchen- und GeftÜH August ls. Js. beleidigte der Kaisenbo^e y. ©jj. m u. .lheim einen Hilfsschaffner der Biebertalbahn, indem er ihn einen Schasskopf nannte. Der Angeklagte stellte bic,en Ausdruck in Abrede. Da er durch die Zeugen überführt wurde, erkannte das Gericht auf eine Geldstrafe von 20 Mk. eventuell 4. Tage Gefängnis. — Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben. Der Viehhändler S. F. in Ehringshausen bcfclstistigtc am 1. September 1908, morgens 6V2 Uhr, schulpflichtige Stadtschüler von Gießen mit Viehtreiben, indem er ihnen Auitrag erteilte, drei Rinder von dem Vichstalle bei Cost nach dem Vieb- ntarfte zu treiben. Das Urteil lautete auf 5 Mark Geldstrafe eventuell 1 Tag Gefängnis. — Der Viehhändler S. S. in Gam- bach und der Handelsmann I. L. von Leihgestern beschäftigten ebenfalls Stadtschülcr von hier mit Viehtrechen, indem sie sie am 1. September lf. Js. morgens 7>/•> Uhr bezw. 81/3 Uhr beauftragten, Kälber von der Stadt nach dem Viehmarkte bezw. von dem Vichmarkte nach der Stadt zu treiben. Jedem der Angeklagten wurde eine Geldstrafe von 5 Mark eventuell 1 Tag Ge fä ngn is auserlcgt. — Körperverletzung Am 28. Scp- tember ds. Js. gewahrte der Fuhrmann I- R. h.er seine auf' dem Felde arbeitende, von ihm getrennt lebende Ehefrau. Nach vorausgegangenem Wortwechsel stieß er der Frau mit der Hacke berart wider den Leib, daß sie ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen mußte. Trotzdem die Verletzte Strafantrag gestellt batte, Dcrmeigerte sie heute die Aussage. DaS Gericht erkannte mit Rückst ast aus die zerrütteten ehelichen Verhältnisse nur aus eine Geldstrafe von 15 M k., ev. drei Tage Gefängnis. s. Al a r b u r g , 9. Nov. Das Schwurgericht beschäftigte' ich mit einer Anklage gegen den Tiensiknecht Friedrich E a |i e n aus Bufchbcck tu Ostpreußen, wolmha'i in vstavonvach und jetzt verheiratet tu Langendort im Kreise Kirchham, und den Arbeiter Jakob 3)1 0 0 3 aus Laisa bei Battenberg, zuletzt wotmhaii in Haspe m Weuiaten. Der letztere war von einem Mädchen aus (einem Heimatort wegen Allmentenzah l um g oerfloqt worden und bei öcm Prozeß soll er ben Gailen, der einmal einige Wachen in Vaiia gewejen, bestimmt haben, zu seinen Gunsten eine Aussage zu beschwören, infolgedessen das Mädchen nut 'einer Klage abgcivicien werden muß. Weiler soll Moog bei einem andern Burschen namens Seipel dasselbe Manöver ueriucht haben. Die Ge- chivoreiien ivrechen ihn nur des letzteren Vergehens ichuldig, wo- raiif er zu 1 st, Jahren Z11 chthanS und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt wurde. Casten erzielte Freisprechung. ■Kinder- Hervorragend bewährte V mehl Nahrung. 8 Die Kinder gedeihen £[/_ .___ vorzüglich dabei '•Kranken- u. leiden nicht an kost. Verdauungsstörung gewürzt werden, so billig und ausgiebig ist können über 100 Portionen Bürgcrvcreitt Gictzen. Mittwoch, 11. November 1908, abends 8 Uhr pünktlich -3^ im Saale von Steins Garten Allgemeine Bürgerversammlung Vortrag des Herrn Diplomingenieurs Trcrich aus Berlin: „Elektr. Straßen-, Voll- und Schnell-Bahnen" mit Vorführung von v7/n ---—= LäeMbMern. ===== Wir laben zu biefcm Vortrage unsere 2)htgliebcr, bie gesamte Bürgerschaft Gießen?, die Bewohner bec Umgcgenb mit ihren Damen zu recht zahlreichem Besuch freundlichst ein. . Ter Vorstand. Gute Köchinnen kaufen stets: 8 3 gefehlt. Tn lichung sich. C den Fc die Bu Milleili bracht Völker i allein d in verscl Zn einer der kais daß das ftiedlich Volke iv bekannt können, wie der mung d aber Bb die jchte haften § 3m beui etms hi< ianster; Mgen. solche und Be' M Laiser auch in die für hone i geläusck Fir lerne j; Schadet wieder Mrgsch weiteret friedigt bedürfet sie uns ■ . Auct vie nho , Die fc hie Gießk nur an i panQd) id. sechs Mo mehr idic y ünm fe Sertn MfcAbet Asgefül wer Wte es &!? ot‘ig gtoi DeSt surter 9 W» di- jnikrer $ derbares r r neue fein. w fc Sc ^nche suh ®b em Renbcl fc« „ni weiten cJ dl- Cv Iw ÄIS 1