Nr. 84 Erstes Blatt 158. Jahrgang Mittwoch 8. April 1S08 ?*'"WSE MM G 9 mÄÄ- £E?sK7lvllvllvl UllivlUvI' ss WZZ General-Anzeiger für Oberheffen MW innatsme von Anzeigen v ° • V » u. Land" und „Genclfts- m vEmag?iouh^ Rotationsdruck und Verlag der Yrüvl'schen Unlv.-Vuch- und Steindnlckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuifiratze 7. Die heutige Nummer umfaht 14 Seiten. politische Cag-rsscha-L. Die Freifinnigen und der K 7 in Preußen. Die beiden freisinnigen Fraktionen des preuß. Abgeordnetenhauses brachten folgenden Antrag ein: 1aS Haus der Abgeordneten wolle beschließen, die königliche Staatsregicrung zu ersuchen, für den Fall, daß das Reichs- „ereinSg esetz in der vom Reichstag in zweiter Lesung brschlosienen Fassung zustande kommt, auf Grund der darin kiithattenen Ermächtigung schleunigst durch Vorlegung kmeS Landesgesetzes oder im Wege allgemeiner Anweisung an die Nachgeordneten Behörden dafür Sorge ju tragen, daß die fremdsprachigen Teile der Arbeiterschaft ,richt durch Anwendung dec Bestimmungen des § 7 in der Verfolgung gesetzlich zulässiger Bestrebungen auf dem Gebiete der Lohn- und Arbeitsbedingungen, sowie sonstiger Berufsangelegenheiten gehindert werden. ♦ Die Lage in Portugal. In Lissabon ist eS gestern und vorgestern doch noch 511 bedeutenden Straßen unruhen bei den Wahlen gc- loinmen. Da der Widerstand namentlich im Alcantaraviertcl noch fortdauert, gab die Polizei Feuer. Eine Person rourbc getötet, mehrere verwundet, über hundert Verhaftungen wurden norgenommen. Auch an der San Doiningo-Kirche und beim Hoccio-Platz feuerte die Polizei, wodurch mehrere Dienscheu getötet und zahlreiche verwundet wurden, darunter auch Unschuldige. Die Redaktionen der monarchistischen Zeitungen lourden neuerdings angegriffen. Die Läden mußten abends upi 9 Uhr geschlossen werden. Die Agitation hält noch an. rin Stimmungsbild aus dem Reichstage. Berlin, 7. April. In einer einzigen, nicht übermäßig langen Sitzung loiirbe die zweite Lesung des Börsen ge setz es zu nde geführt und morgen will der Reichstag es gar im rlrschluß au die dritte Lesung des Bereinsge- jetzes endgültig verabschied-'" um in bi: durch die harte Arbeit der letzten Wochen wohl verdienten Hörten zugehen. Nur eine einzige namentliche Abstimmung gab es toi der ganzen Beratung und ihr Ergebnis war eine Zwei- rittel-Mehrheit. Freilich ist das nicht das Stimmenver- hältnis, das sich morgen am Schluß der dritten Beratung lei der Gesamtabstimmung Herausstellen wird. Denn da cs sich bei der heutigen Stimmenprobe um eine Mild e- der Vorschriften für die Produkten- ; birfe handelte, so gesellte sich zu der Mehrheit auch die Sozialdemokratie, die nach ihren bisherigen Ankündigungen das Börsengesetz ablehnen will, wie sie es schon in Der Immission getan hat. Aber die Besorgnis, daß das Schick- i«l des Gesetzes an wenigen Stimmen hängen werde, hat ich jedenfalls nicht bewahrheitet, und vielleicht dürften auch die Herren von der äußersten Linken sich in letzter Minute noch besinnen, ob sie ihre Stimmen gegen die auch i® wohlverstandenen Interesse der Arbeiterschaft liegende Urform des geltenden Börsengesetzes abgeben sollen, da die Entwicklung der Dinge das Schicksal des Blocks «S der Entscheidung dieser wirtschaftlichen Frage nun end- Kltig ausgeschaltet hat. Nur am Schlüsse der heutigen Verhandlung spielte die ^.odfrage noch eine Rolle. Propheten rechts, Propheten lnks, das Bloükind in der Mitten, hatten gemeinsam mit den freisinnigen 'Sachverständigen des Bank- und Börsen- ^sens, den Abgeordneten Kämpf, Mommsen und Dove, puie dem ihren Standpunkt völlig teilenden verdienstvollen .. Berichterstatter über das Gesetz, dem nationalliberalen Tmkdirektor Weber, Herr Schultz von der Reichspartei und Wortführer der Konservativen der stellvertretende Vor- si--en.de des Bundes der Landwirte Dr. Rösicke in verstün- diizen und wirksamen Ausführungen das Kompromiß vertraten. Er tat das in so kräftiger Weise, daß Herr Kämpf tu feinem Bedauern sogar feststellen mußte, der Äbg. Rösicke t"cbe ihm seine Rede für die Abschaffung des Terminregisters dem Munde genommen. Und da betrat der Abgeordnete Herold die Tribüne und gab dem Schmerz des Zentrums die traurige Rolle, die es in der Gemeinschaft mit der ^Hialdemokratie im Gegenblock zu spielen verurteilt ist, erbitterten und ergreifenden Ausdruck. Vergebens erinnerte ja den Bündlersührer an die alte agrarische Waffenbrüder- H“ft; er erhielt die trockene Antwort, daß man zurzeit ' dem Zentrum eine positive Politik auch im Interesse der Landwirtschaft nicht treiben könne; und als der alte ^wteigenosse des Dr. Spahn gar ein Klagelied anstimmte 1 politische Konstellationen, nach denen die Rechte ihr Erhalten einrichte, da mußte er unter dem Hohngelächter Hauses sich bezeugen lassen, ein wie guter Lehrmeister ”C5 Zentrum darin gewesen sei. Im übrigen wurde über die Neuregelung der Börsenverhältnisse fast durchweg fachlich und erfreulich kurz ge- Iprochen. Nur in einem Punkte erfuhren die Kompromiß- ^rschläge der Kommission eine Aenderung. Die von keiner ^ue bestrittene Auffassung, daß beim Börsenterminhandel vec Kleingewerbetreibende nichts zu suchen hat, fand durch 0,6 Annahme eines Antrags der wirtschaftlichen Vereini- png einen zutreffenderen Ausdruck. Zur größeren Sicheret kündigte auf Wunsch der preußische Hcmdelsminister ^wrucc noch die Absicht der verbündeten Regierungen an, e°vgc zu tragen, daß in Zukunft nur Vollkaufleute 161 öa$ Handelsregister eingetragen werden sollen. Die nationaöiberak Bismarüseier in Eiünberg. Sonntag den 5. April .sielt der überaus starke „nationale Verein" in Grünberg eine glänzend verlaufene Bismarckfeier in der festlich geschmückten Turnhalle des Grünberger Turnvereins, der diese in liebenswürdiger Weise hierzu zur Verfügung gestellt hatte, ab. Nachdem der Grünberger Musikverein und der von Herrn Lehrer Sauber trefflich geleitete Männergesangverein Grünberg durch die schönen Weisen eines Bbusilstückes bezw. eines Männerchores „Herrlich auferftanden" von Abt, und Fräulein Zöckler durch den ausgezeichneten Vortrag eines schönen Prologs die an sich schon freubige Stimmung noch zu heben verstände?! hatten, begrüßte der Vorsitzende des Vereins, Herr Amtsrichter Gläser, in trefflichen Worten die äußerst stattliche Versammlung von Damen und Herren Grünbergs und der Umgebung, insbesondere den Festredner, Herrn Oberlehrer Altendors- Gießen, Herrn Kommerzienrat Heyligenstaedt und einige Vorstandsmitglieder des nativnallib. Vereins zu Gießen. Er dankte herzlich allen, die sich bereit gefunden, an der F-eier mitzuwirken. In trefflichen Worten wies er auf die kernige Gestalt unseres ersten großen Kanzlers hin, feierte Kaiser Wilhelm als den Hort des Friedens und unfern Großherzog Ernst Ludwig als den Liebling seines Volkes, den Beschützer der Kunst, den Förderer des Gewerbes und schloß mit einem von der Versammlung mit Begeisterung aufgenommenen Hoch auf beide Fürsten. Die markigen Worte des Redners faiuen den lebhaftesten Beifall der Anwesenden. Einem allgemeinen Gesang: „Deutschland, Deutschland über alles" folgte die mit ebenso großer Wärme vorgetragene als glänzend angelegte und ansgearbeilete Festrede des Herrn Oberlehrers Mendorf. Die Leier des Gießener Anzeigers kennen ihren Inhalt schon aus dem Bericht über die Bismarckfeier in Lollar. Die lebhafte Spannung, die man auf den Gesichtern der Zuhörer während der nahezu einstündigen Rede lesen konnte, und der brausende Beifall, den der Redner am Schluffe fand, zeigten oen tiefen Eindruck, den die lebensvolle Schilderung der unvergleichlichen Persönlichkeit Bismarcks und ihres Wirkens auf alle gemacht hatte. Hübsche Weisen der Grünberger Kapelle, fein vorgetragene Chöre des Männer- gesangvereins und die von Herrn Apotheker Schäfer, der nicht nur mit einer reizenden Tenorstimme begabt ist, sondern auch mit feinem Kunstverständnis und tiefem Gefühl zu fingen versteht, horgetrna-'ner herrlichen Sie.er und geiiteini'arn* patriotische Gelange wechselten nun mititnanbcr ab und erhielten das Publikum in begeisterter Stimmung. Auch die bengatische Beleuchtung der Lismarckbüfte machte sich recht nett Im Namen des Herrn Kommerzienrats Hey- ligenstaedt und des Gießener nationalliberalen Vereins sprach noch Herr Rechtsanwalt Kaufmann den wärmsten Dank für die Einladung und die gebotenen Genüsse aus. Er beglückwünschte den jungen Grünberger Verein zu seinem Aufblühen und zu denc Erfolge des Abends und legte in beredten Worten dar, warum gerade die nationalliberale Partei mit Fug und Recht den Fürsten Bismarck, des neuen Reiches Schmied, feiert und feiern darf. Waren es doch die Führer der nationalliberalen Partei — v. Bennigsen, Miquel u. a. —, die in dem einstigen Nationalverein und im Reichstag des Norddeutschen Bundes den Boden für die so lange von vielen nicht erkannten Einigungsbestre- buugeu Bismarcks in Nord und Süd unseres Vaterlandes bereiten halfen, die 1870 bei der Neichsgründung Bismarck nachhaltig unterstützten und mit deren Hilfe Bismarck im Reichstage in den 70er Jahren den weiteren Ausbau des jungen Reiches begann und fortführte. Er zeigte in kurzen Worten den durch das Mflauen der nationalen Strömung und das Hervordringen nnrtschaftlicher Fragen hervorge- rufenen zeitweiligen Rückgang der Partei, legte aber auch dar, wie das Wiederlebendigwerden des nationalen Sinnes der Partei immer und besonders im Jahre 1907 einen gewaltigen Stimmenzuwachs brachte. Nachdrücklich betonte er, wie das auch schon Herr Amtsrichter Glaser in seiner Begrüßungsansprache getan hatte, daß bei der nationallib. Partei das Vaterland stets über die Partei gestellt werde und es ihr in erster Linie immer um eine Stärkung und Belebung des nationalen Empfindens, der Vaterlandsliebe, zu tun sei. In diesem Sinne wirke auch der junge nationale Verein, dem er ein Wachsen, Blühen und Gedeihen wünschte. Diese Ansprache fand den lebhaften Beifall der Versammelten. Leider war es Schreiber dieser Zeilen nicht möglich, bis zur vollständigen Erledigung des reichen Programms zu bleiben. Getviß ist wohl der Rest der F-eier in gleich gehobener Stimmung verlausen, und cs unterliegt wohl keinem Zweifel, daß das schöne, würdig verlaufene Fest noch lange in der Erinnerung der Teilnehmer forlleben wird. Aus Stadt und Land. Gießen, 8. April 1908. ** Lehrerpersonalien. Ernannt wurden der Lehrcr an dein Realgymnasium zu Darmstadt Karl Ost zum Lehrer an der Oberrealschule zu Darmstadt unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrec und der Lehrer an der Oberrealschule zu Darmstadt Johann Petec Luley zum Lehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer. •• Erledigte Finanzaspiranten stelle. Bei der Landes-Hnpothekenbauk findet ein längerer Finanz- afpirant mit gutem Examen, der längere Zeit im Kassen- unO Rechnungswesen beschäftigt gewesen i|t, für die Dauer von voraussichtlich etwa zwei Jahren Verwendung. Meldungen sind bei dem Staalskommissar der Bank emzureichen. — Landes-Lehrerverein. Die Berlinische LebenSversicherungS-Gesellschaft hat nach den Bestimmungen des mit dem Landes-Lehrerocrein und der Ludwig, und Alicc-Stiftung abgeschloffenen Vertrages der letzteren für daS Jahr 1907 einen Beitrag von 1449,36 Mk. überwiesen, wovon dec Sterbekaffe der Stiftung 1000 Mk. und dem Lehrerwaisenstift (jetzt Unterstützlingskasse) 449,36 Mk. zufallen. Der gesamte Betrag setzt sich aus 2 % Prämien- rabatt der bestehenden (638) Lehrerversichcrungen und aus 2 %0 Abschluß-Provision der im abgelaufenen Jahre der Gesellschaft durch Lehrer ziigeführten Versicherungen au§ anderen Berufskreisen zusammen. Der Zugang im Jahre 1907 stellt sich auf 21 Versichecungen von Lehrern mit einem Versicherungskapital von 93 000 Mk. und 11 Versicherungen von Richtlehrern mit einem Betrage von 62 000 Mk. Während hiernach die Lehrerversichecungen gegenüber den vorher- gegangenen Jahren einen Zuwachs von ca. 30 000 Mk. erfahren haben, ist die Versicherungssuinme der Nichtlehrer im Vergleiche zu allen früheren Jahren erheblich zurückgegangen. "Die Direktion dcS Stadtth eaters teiltunS auf Anfrage folgendes mit: Fest wiedereugagiert sind die Herren Bakoh Reimer-Schlegel, Goll, Weingärtuer, Rode», v. d. Becke, Geißler und die Damen Achkerberg, Saulermanu, Lutter, Blayiarth, Oldrni und Gilzinger. - Fcl. Albrecht, die in „Zwillingsschwestern" auitrat, und Fräulein Höcker von Blainz, die einmal als „Minna von Barnhelm" gaslierte imd am Sonntag noch einmal als Elisabeth in „Maria Stuart" auftreten wird, sind dem hiesigen Publikum ja ebenfalls schon bekannt. Tiefe beiden letztgenannten Tarnen sind ebenfalls fest engagiert. Tie anderen Fachmikglieder, die als Ersatz ausfcheidend kommen, sind sämtlich bereits sür beit Sommer nach Nauheim verpflichtet, so daß für den nächsten Winter erfreuliche küustlerifche Vorarbeit geleistet werden kann. ** Handfertigkeitsuuterricbt. Am Sonntag sand der hiesige Hnndfertigkeitsunterricht durch die gewohnte Ausstellung der Schülerarbeiteu feinen Abschluß. Der eifrige Besuch von Eltern und ehemaligen Schülern, sowie sonstigen Freunden der Sache legte Zeugnis ab von der Wertschätzung, die. dieser moderne Unterrichtszweig sich wahrend seines Bestehens (1891; zu erwerben gewußt hat. Dieser Erfolg ist um fo höher anzufchlagen, als Die Erkenntnis von der erziehlichen Bedeutung manueller Fertigkeiten sich nur ganz langsam durchzusetzen vermochte und erst in neuerer Zeit unter der Devise „Kunsterziehung" weitere Kreise erfaßt hat. Es ist erfreulich, konstatieren zu können, daß unsere Stadt neben Darmstadt Die erste hessische Stadt war, die diesem eigenartigen Zweige ersetzlicher Tä^gkAl. i.'-rch Errichtung einer-Schü>er:ver!statt einen geeigneten Wirkungskreis bot. Die vier Kurse, die während des Winters von zwei in Leipzig ausgebildeten Lehrern abgehalten werden, ftehcu unter staut sicher Verwaltung. Sie beschäftigen sich mit Papparbeiten und Holzfchnitzen und toeroen von Schülern der Volksschule sowohl, als auch von denen höherer Lehranstalten besucht. Die Ausstellung bot reichlich Gelegenheit, sich von dem Eifer, mit dem gearbeitet worden war, überzeugen zu können. Eine Fülle hübscher Gebranchsgegenstände zeigte, wie Die Freude am Erfolg jeden Einzelnen angefeuert hatte, in edlem Wetteifer fein Bestes zu bieten. Auch der kleinste Gegenstand verriet liebevolle Hingabe an die gestellte Aufgabe und peinlichste Genauigkeit in der Ausführung. Ter Ausdruck stolzer Schaffensfreude erfüllte die Gesichter der Knaben, die befriedigt das Werk eines arbeitsreichen Winters ihren Angehörigen zeigen konnten. Das sichere Auftreten der Jungen, die irepenbe Auskunft, die sie über die gefertigten Gegenstände erteilten, illustrierte trefflich den belannten Wahlspruch der Schülerwerkstätten: Bilde das Auge, übe die Hand, fest wird der Wille, scharf der Verstand. " Besichtigungsreise nach der Ostmark. Die nächste Besichtigungsreise Hess.-nass. Landwirte nach den: ^lnsicdlungsgebiet in Posen ivird Dienstag, 12. Mai, von Kassel aus angetreten. Die Reiseteilnetznier haben nur die Kosten der Eisenbahnfahrt zu tragen. Die Beherbergung und Verpflegung im Ansiedlungsgebiet geschieht auf Kosten der König!. Ansiedlungskominission. Landleute, die sich an der Reise beteiligen wollen, muffen sich bis spätestens 5. Mai bei dem Vertrauensmann der König!. Ansiedlungskommission, Herrn W. Schaumburg, Kassel, Friedenstraße 11, melden. " Schulfahrt zur Wasserkante. Der Hessische Landesausschuß des deutschen FlottenVereins wird während dec Pfingstserien eine Schulfahrt nach Hamburg und Kiel veranstalten. Die Abfahrt von Frankfurt wird am 10. Juni vormittags, die Rückkehr am 14. abends erfolgen. Die Gesamtkosten der Fahrt, an dec sich nur Lehrer und Schüler dec höheren Lehranstalten beteiligen können, werden sich für den Teilnehmer ausschließlich Getränke auf mehr als 50 Mark stellen, den Betrag von 55 Mark aber keinenfalls übersteigen. Die Anmeldungen zur Fahrt haben bei den Direktionen der höheren Lehranstalten zu erfolgen und zwar spätestens bis Ende April. *• Für Bad Nauhei m. Der Schreibgehilfe bei der Badedirektion Bad Nauheim Hch. Karl Huth 311 Bad Nauheim wurde zum Vureaubeamten deS Kurdirektors in Bad Nauheim und die SDlath. Adolph aus Langd zur Wäschebeschließerin bei der Badeanstalt Bad Jtauheim ernannt. X Reiskirchen, 7. April. Am Sonntag fand im Gundruln'schen Saale dahier ein außerordentlicher Sängertag des Volks-SüngerbiindeS Chattia statt. Einziger Punkt dec Tagesordnung tone Wahl eines neuen Vorsitzenden, da der seitherige Vorsitzende, Lehrer Bürst lei n-Reiskirchen, uns demnächst verläßt, um eine andere Stelle anzutceten. Für ihn wurde Lehrer Römer in Hattenrod, der seitherige Rechner des Bundes, einstimmig gewählt. Die dadurch nötig gewordene Wahl eines Rechners fiel einstimmig auf Lehrer- Wolf - Bersrod. Der Gesangverein Reiskirchen erfreute die zahlreichen auswärtigen Sänger durch einige flotte Chöre. Ganz besonders gefiel nach einem auf den Scheidenden aus- y» . 103 80 3>'6 Portugiesen 111 83.10 Kenmer iiörse, 8 151.30 234.70 139.80 Möbel-Fabrik Larmstadt Öl iy0 Ucsterr. Goldrente. 4* /6 üo Ucsterr. 811 betreute Elektnz. Schlickert . Elchweiler Bergwerk 61.20 61.60 94 95 87.45 95.»0 119.76 . 105.00 . 2O8.0Ü . 191.50 Kßli ttrJ 24 50 146.0' 214.50 112.50 . 161.50 . 127.36 . 234.7t . 138.40 . 166.50 . 139 90 . 200.40 in di w Cauada E. B. . . . Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Durtuiunder-Union C. . Dresdner Bank . . . Tendenz; sehr fest. tt sä?' Jjih» Li-tl« l^efür fihnil .-irröod ANereoroLvtzlju;e eouutyrniigen der Station Gießen. Werkstätten für Handwerkskunst Georg Ehrhardt L Lohns Berliner llundelsges. Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Deutsch-Asiat. Bank Diskuntu-Bumwaiiuit. . Dresdner Bank . . . Kreuitaktien . . . . Baltimore- und Ohio- EisenLahn . . . . Gotthard bahn . . . . Lomuard. Eisenbahn . 82.10 91.40 82.00 90.80 91.90 98 20 99.50 93.55 Feldbergstraße 36 (hinter dem. HauptbahnhoD Etablissement für gediegene vornehme Wohnungseinrichtungen - Besichtigung der -—~ --•”? »«» Ausstellung fertiger Mus ter räume und der mustergültigen Fabrlkatlonsanlage erbeten. gebrachten Hoch der Silcher'sche Chor: „O, wie herbe ist daß Scheiden/ Um Herrn Bürstlein für seine Mühe und die treffliche Leitung deZ Bundes auch äußerlich Anerkennung zu zollen und ihn auch weiter den: Bunde zu erhalten, wurde er einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Herr Bürst le in dankte und versicherte, daß ihm damit eine große Freude bereitet worden sei; er wolle auch fernerhin, soweit es angcht, seine Kräfte dem Bunde widmen. Wir hätten, meinte er, in dem Bunde etwas Neues geschaffen, mdeni wir den überwuchernden Wettstreiten fernblieben, aber doch eine Wertung des Gesanges der einzelnen Vereine im Bunde ein- gesührt hätten, so manche Klippe der Wettstreite vermeidend. AuS diesem Fünkchen könne noch eine Flamme werden. Sein Hoch galt dem Volks-Sängerbund Chattia, dessen herzliche Wünsche den Scheidenden in sein neues Heim begleiten. x. Bad-Nau heim, 6. April. Eine ehrende Aufforderung erging in diesen Tagen von dec hiesigen Kurverwaltung an den Männergesangverein Frohsinn, in der kommenden Saison zwei Konzerte auf der Kurhaus- terrasse zu übernehmen. Der Verein, der in den letzten Jahren auf vielen Gesangswettstreiten mit den ersten Preisen abgeschnitten hat und über die stattliche Sängerzahl von 50 Mann verfügt, ist gern diesem Ersuchen nachgekommen. Wie wir auS den Verhandlungen entnehmen, die Kurdirektor Baron von Stark mit dem Dirigenten des Vereins, Lehrer Bechtols- heimer, gepflogen hat, findet das erste Auftreten schon am 3. Ostertag int großen Konzertsaale des Kurhauses statt. Zum zweiten Riale singt der Verein dann Ende Juni auf der Terrasse. 8 Sichenhausen, 7. April. Bürgermeister Appel, welcher eine lange Reihe von Jahren unserer Gemeinde in treuer Pflichterfüllung vorstand, hat aus Alters- und Gesundheitsrücksichten fein Amt freiwillig niedergelegt, so daß in nicht allzu ferner Zeit eine Neuwahl bevorsteht. — Der hiesige Ortsbürger Johs. Haas X., ein Kriegsveteran aus den Feldzügen 1866 und 1870/71, wurde heute zu Grabe getragen. 215 00 .Xordd. Lloyd . ... 97.50 Ob erseh les. Eisen-Jud iistrie 99.50 tagsjournalstten erzählt eine englische Zeitschrift von einem ähnlichen Kampfe zwischen Parlament und Presse, der sich ., ?. Neu-Süd-Wales abspielte. Die Abgeordneten machten den Berichterstattern der Zeitungen von Eidner; in sehr scharfe Form den Vorwurf, daß sie die Reden der Volksvcrtreü- durch allzu freie Behandlung verstümmelten. Der Konflüs ' verschärfte sich und die Journalisten kämen auf einen anw« • sauten Emfall, um dem Parlamentsredner eine kleine Lektic i zu erteilen. Sie unterdrückten nicht etwa die Berichte, ncir im Gegenteil, sie gaben die Sieben fortan wörtlich, mit .' allen rednerischen Entgleisungen, mit Stottern und Satz-, Ungeheuern. „Die Herren der Preßgalecie — die Reporte:- * — sie sollten doch nicht — die Reporter sollen nicht urteil^ l — sie sind es nicht, die urteilen können, was wichtig ist I ganz abgesehen von dem, was nicht ausgelassen werden darf jj — aber — das Mitglied allein kann beurteilen, ivas wichtig \ ist. Wie ich — wie meine Reden — wie die Berichte j meine, was berichtet wird, was ich sage — kein Mensch — I niemand kann aus diesen Berichten sehen — was es ist —. was ich meine. So — eS überrascht mich — es hat mich, I überrascht — gewisse Dinge — gewisse Dinge von Wichtig^ — werden oft ausgelassen — fortgelassen." In diesem Stil- I wurde Sisbe für Silbe genau alles wieder gegeben. Die ganz- ' Stadt Sidney amüsierte sieh königlich über die rednerischem Entgleisungen der Abgeordneten und bald war Friede. . 197.90 . 21L50 . 24.5h . 97.80 . 150.60 Sill» »HieiM Wich fr lis lab Gießener Strafkammer. )( Gießen, 7. April. Zechschwindel. Im Spätsommer *i siuyrcs kam der Handlungsgehilfe P. Sch. aus Elberfeld,. ber seither für eine Solinger Stahlwarensabru. »1s bLiicnDer tätig war, ivie bei feinen früheren Reisen in ein hiesiges Hotel, nm zu logieren. Am ersten Lage beglich er seine Schuld, blieb aber später mit der Zahlung riio ständig und ließ, trotzdem er stellenlos war, den iJoecfeimei .n dem Glauben, er fei noch bei der Firma tätig und nörgle bet ihm unter dem Vorwande, er erwarte frünbiiaj Geld von ।einem Bun zipal, 10 Atari, nm dann unter Hinterlassung einer Zeche von etwa 20 Mari heimlich zu v.i schwinden. Las Schiöj n'iigerichl verurteilte ihn wegen Betrugs zu einer Gesiirtgnisstrcpe von einem Monat, utbem es Die Gemeingefäyrlichteii iiraieriunucrenb in Betracht zog und nur pon einer ftrengen Straie 'cenerniig erwartete. Der Angeklagte erhob Berufung unter Hinweis baraui, daß er wegen ähnlicher Betrügereien unter Annahme einer fortgesetzten Handlung, in Eiberseld zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt worden sei; die hier verübte Tat sei nur ein Aachlän,er der im ätzestsälischen vermuten Betrügereien und sei in der dort erllmnten Sttmse einbegriffen. Auf Grund dieser Atten ft.liie das Berufungsgericht Die lmrichligteit btCjer Angaben fest. GS liegen dort 21 Ginzelsälie vor, für oic Strafen von 1 s.!)ionat bis ju 2 Wochen angesetzi wurden. Die unter em,prechender cheduttion eine Gesamtstrafe von 8 'J.itonaten ergaben. Las Scho i seng erichls- urteil wurde für richtig besnnDen, doch mußte, da Die Voraussetzungen zur Bildung einer Gesamtstrafe üjruegen, auf eine folche erkannt werden und die Strafe ebenfalls reduziert werden. Lie Berufung des Angeklagten wurde deshalb mit Der Maßgaue verworfen, oaß unter Einbeziehung Der in Elberfeld erkannten Strafe auf eine Gesamtstrafe von 8 Monaten und 1 Woche zu erkennen fei. Freigesprochen. Unter Aufbietung eines r.estgen Zeugenapparates wurde die Angelegenheit gegen . Den Lehrer A. S. aus Hohen-Sülzen, welcher zuletzt in Wettsaafen tätig war, verhandelt. Wie bereits bekannt, ift von zwei nunmehr verheirateten Frauen bezichtigt worben, oa)j er sich an ihnen in den Zähren 1901 und 1902, ju einer Feit, als sie noch schulpflichtig waren, fortgesetzt in unfittlicher Wein vergangen habe. Er ist damals nun), als ihm der Ehemann einer Der Frauenspersonen mit Anzeige drohte, nach der Schweiz geflüchtet, kam aoer nach kurzem Aufenthalt wieder zurück und ftellte sich seiner vorgesetzten Behörde, Die ihn dann Der Staatsanwaltschaft überlieferte. ES erfolgte auct) seine Verhaftung, doch wurde er nach Stellung einer größeren Kaution mieDer auf freien Fuß gejeet. Die uiiul AitsfchiUtz der Seffent- lichkeit geführte Verhanolung ließ den Angeklagten der ihm zur Saft gelegten Staublungen im hohen Grade verdächtig erfafeinen. (Sine Der Äauptveiastttilgszeuginnen hielt ihre früheren Angaben unter Eid aufrecht; ihre Aussagen sanden aver dura) Die nötigen Jeugen keine llntcrffutuiug ; sie wurde im Gegenteil einer Reihe divetter Unwahrheiten überführt, während Die andere, ihre in der Voruntersuchung und bei der Kteisschultommisiion protokollarisch niedergelegten, sehr belastenden Angaben unter merkwürdigen llmflänDen als nnwayr .uruunoi'm. .uuujny war nun noch seine Flucht und das bei seiner verantwortlichen Vernehmung am hiefigett Amtsgericht abgelegte teilweise Geständnis, Das aber nicht so detailliert war, daß Darauf eine Verurteilung hätte ge- grünDet werden löniten, zumal sich Der Angeklagte von Anfang her in hochgradiger Anfressung bcfunDen hat, in welcher er sich auch auf die Flucht begao. Unter diesen llmflanden gelangte das Erricht zum Freispruch, wenn es auch den Eindruct hatte und für feftgefteht hielt. Daß fiel), Der Angetlagte seinen Schülerinnen gegenüber in recht unziemlicher und unangemejfener A>ei,e benommen hat. Die Anklage hatte Staatsanwalt Dr. Brill vertreten, wahreuD Die Vericwigung durch die Rechtsanwälte Justiz- rat Katz und Lr. Fung geführt wurde. Karn stell nnb Stempelsteuer. In Der am 27. vorigen Monats v -handelten Sache gegen den Karussellbesitzer I. sir. Sch zu A t ede r - Wö l lstaDt wegen Zuwtb-.rhanblung gegen das UrlNnbenstempelgeiev laut oie Strafkammer zur Verwerfung der staalsanwaltttchen Berusung. Ler Angeklagte hatte trotz früherer Beftrasung sein Kam, seit in seiner Hofreite in Belriev gesetzt, ohne die erforderliche Genehmigung zu haben. Er hatte sich zwar an die Bürgermeisterei um Erlaubnis gewandt und, als ihm solche versagt wurde, bei Dem Kreisamt Den Stempel entrichten wollen, es wurde ihm aber d-e Mitteilung, der Stempel müsse auf Dem Erlaubnisschein verwendet werden. Das Kreisamt hielt, gcfriipt auf die frühere Verurteilung, eine Zuwiderhandlung gegen das Urtiindeiijtempelgesetz für vorliegend und ließ Dem Angeklagten einen Sirafbe^.ueid uoer Den vierfachen Betrag des hinterzogenen Stempels vw.- 3 Matt und Aachent- richtung Diesis zugehen, wogegen er gerichtliche Entscheidung an- trug^ Las Schöffengericht beharrte trotz gegenteiliger Entscheidung der Strafkammer auf seinem ^tembpuntr, daf; weder Urfunbenftem# belgejel, noch die Gewerheordnung platz greife. Lie Ltaatsa.iwatt- )CQa)t focht d/ts Urwil^auf Lruitsch des Kreisamts an, unter Be- cufung ber früheren L t ra s ka m mc r e u t sch eidung. Diese weicht aber von dem vorliegenden Latbestand insosern ab, ab» fcfifteljt, Daß Der Angetlagie versudft hat, Die Erlaubnis zu erwirken und den stempel zu enirichten, in »halb von Verletzung der Si^ ipflicht Nicht Die Rede sein kann. Niiii j5*ni 1(1 Uih hSu Hille M, ist] mill . 150.90 . 49.10 . 85.70 . 07.20 . 94.95 Hande!. *• Konkurse in Hesse n. lieber das Vermögen des Gasl- ivirts und Drechslers Valentin Fischer und Dessen Ehefmi Kunigunde, geb. Gieß, tu Unter-Schwarz wurde am 28. Mäw Das Konkursverfahren eröffnet. GemeinDerechner Otterbein im Schlitz ivuiDe zuin Konkursverwalter ernannt. KonkursiorDerungea. sind bis zum 10. Mai bei dem Amtsgericht Schlitz anziinielDen. — Heber den Nachlaß des am 27. Jan. uevfiorbenen Schimedemeisteid Fried r. Schümm von 'Marienborn luurbe am 30. Aiarz bas; Konkursveriahren eröffnet. Geschäftsmann Wendelin Nehm v-_ Aialiiz ivurde zum Konkursverivatter ernannt. Konkurssorberungeiu sind bis zum 20. April bei Dem Amtsgericht Mainz aiijumelbenJ — Heber das Vermögen des 'l’iöbclfabrifanlen Franz Kerz in. M alnz wurde am 31. März das Konkursverfahren eröffnet.. Rechtsanwalt 'JJl'e i n ij inger in Atauiz ivurde zum Konkurs- Verwalter ernannt. Konkursforberii igen sind bis zum 30. Aprill rei Dem Amtsgericht Aiainz anzumelden. — Lieber das Vermögen: Des Kaufmanns G. Hermann Schmidt zu Altenschlirf iuuiöl am 31. Atärz Das Konkursver'ahren eröffnet, da Der Gemem»- fchuldner uuolge Zahlungsunfähigkeit feine Zahlungen eingcftellt: hat. Sparkafferechiier Reiidam W c i tz zu Herbstein tumde zum Konkursverwalter ernannt. K'onkursforderungeN sind bis zum 18. April bei dem Amtsgericht Herbstem anzumelden. — lieber öai Vermögen des Friedrich Georg si- e t ft, Gememde-Emnehmer von. ^1110 berg, ivurde am 31. Aiarz dasKontursvei'ahren eröffnet. Kaufmann Joseph Stert in Lltecka'--Steinach ivurde zunt Konturs- Verwalter ernannt. Konkursiorderm'.gen sind bis zum 25.April bei dem Amtsgericht Hirschhorn anzumeiden. April. Anfansfskurse. Ilarpener Bergwerk. . Laurahittto . . . . i.oinbardeu E. B. . . .Xordd. Lloyd . . . . 1 ürkenlose..... ‘0"e£e*iDnBSCuie 0^M8esijericiate des Giessenoi Anzeigers, niitgeteik von der Bank (Ur Handel und Industrie, Liessen. Die hessische Zortbil-ungsschule. lieber 30 Jahre lang versuchte man in Hessen, die Fortbildungsschule als Abendschule zeitgemäß umzugestalten, aber man sah sich schließlich doch genötigt, zu Dem Mittel zu greifen, das der Führer auf Dem Gebiete des deutschen Fort- bildungswesens, Vache-Lcipzig, und andere Männer der Praxis als die erste Bedingung einer zeitgemäßen Reform forderten: die Verlegung der Uuterrich.szeil auf den ag. Diese Aendcrung hatte zur Folge, daß man seitdem mit der Disziplin viel weniger zu tun hat und daß vor allem Die Schüler durch Die körperliche Arbeit noch nicht zu sehr abgespannt sind. Es ist ja auch sonst nicht Brauch, Unterricht abends abzuhalten. Die Kurse für Buchführung, Die landwirtschaftlichen Vorträge wollen unsere Landwirte am Tag und nicht nachts besuchen. Und das mit Recht. Man unterhält sich abends noch beim Glase Bier, aber zum geistigen Arbeiten haben Erwachsene nicht die nötige Frische. Ter erwachsenen Jugend geht es nach 1.0- bis 12 - stündiger, angestrengter Arbeit mindestens ebenso. Ter Staat und die Gemeinden bringen Dpser für diese Sache, bann muß auch etwas Richtiges geleistet werden. Ter Unterricht hat nur Dann Erfolg, wenn Die Schuler frisch, unterrichtsfähig sind. Man verlange von ihnen nichts, ivas man selbst als Mann bei allem Ernste nicht zu leisten imstande ist. In anderen Staaten ist man auf das hessische Fortbil- dungsschuiwesen auf nur t) am geworden. Die österreichische Re- gieruiig läßt dieses Jahr eine Anzahl Lehrer an dem landwirt- fchaftlicheil Kurs unter der Leitung von Professor Gisevius in Gießen teilnehmen. O b e r h e s s i s che Gemeinden zahlen hienür ganz ansehnliche Berräge und lassen seit Jahren ihre Lehrer an diesem Fortbildungskurs sich beteiligen. In Preußen arbeitet man in den letzten Jahren sepr energisch an der Einrichtung der ländlichen Fortbildungsschulen. Die Regierung kommt den Wünschen ber politischen Parteien. entgegen. Gras Häseler, der frühere Führer des 16. Armeekorps, .tritt immer wieder im preußischen .HerrenHause für die nationale Erziehung der envachsenen Jugend und Den Ausbau Der Fortbildungsschulen ein. Wir tonnen stolz Darauf sein: Was Preußen an- stvebt, das haben wir .dessen längn in Ordnung. Tie Bedeutung dieser Schulen wird ja auch von tüchtigen Landwirieii anerkannt. Sie wissen nur zu gut, daß Die große Mehrzahl Der mittleren und kleinen Bauersleute nichit Die Mittel besitze, nm ihre eöijne 1—2 Jahre nach Den gewiß recht legensreich ivirten» den LmiDwirtschaftSschulen zu schicten. Das Billigste und Ein- fachste, das sJiatürha)fte ist für viele ber Besuch Dec Fvrtbil- bungsichuie im ^eunatborie. Hier lege man Die besiernde Hand an. „Vorwärts mit unlerer Zeit, und nicht rückwärts!" muß auch, hier Die Loiting sein. Wer Die Leprpline unserer land winschaitlichen uub gewerblichen ForivildungSschulen rennt, muß jugeben, daß in Den letzten acht Jahren ijier gründlich reformiert wurde. ES wäre unverzeihlich, störend einzugreifen und etwas durch- zuführ.n, was gegen Die Erfahrung loscht, Die man in Deulsch- lanb überall machte. Es handelt ,ich jetzt um die Unterrichtszeit. Abg. Köhler- Langsdorf, der die Verhäicnifse dcs Bau,rnstandes aus eigener Erfahrung rennt, fprach fiel) in oer Hcisifchen LanD^irtsu-as.Siammcc ganz entschieden Dafür aus, daß Dieser Untenrchr am Tage erteilt’ wird. Auch Lelo- nomierat Watter von reengfelo, einer unserer strebsamsten Landwirte, warnte eindringlich vor einer Verlegung der linier, ichts- zeit. Es bieun ja mich jeder Gemeinoe kverianen, d.n Unten richt zwischen 12 und / Uhr aoenDS so zu legen, wie es für Die örtlichen Berhäirnisie passt. An vieren Orten wird Die Schule wöchentlich nur zweimal von 1—i Uhr gehalten nnb man ist mit Die)er Einrichtung allgemein zufrieden. Trotzdem wünschen nun Die Bürgermeister des Kreises Büdingen in einer Eingabe an Die Zweite Kammer Die Verlegung des Unterrichts auf Die Zeit von 7 b i s 9 Uhr abends. Die Frage rammt in nächster Zeit zur Verhandlung. Man darf er.unitei;, dasi Die he stoche Regierung an Der seitherigen Einrichtung, die jich bcsttns bewährte, f eft h ä I tv und Daf; _ un,er Fortvildungswesen, das sich anDeic Scaaten zmn Muster nehmen, mal Durch rückschrittliche Maßnahmen, Die von al:en Pädagogen nnb vü.idjilDungy।rciinbeti längst verfvor- fen wurden, verdorben wird. Die Verrrelerversammlnng des Hessischen Landeslehrurvereins gab letzte Pfingsten durch ihren eininmmig geiagtcn Beschluß ein Zeichen dafür, wie Die Deusiche Lehrerchfatt über diese si-rage denkt. Wir haben in Hessen eine livcrale, sortschrttclich gesinnte Regierung. Was Minister Braun darüber inrzlich ausführte, fand in Hejien lebl/ajicn Widerhall. Tie Liberalen Haven das Verdienst, oie he st st che Fortvildungsichule geschaffen . zu Haven, ihre Ausgabe ist es, sie zeitgemäß weiter auszubauen, so daß sie für den Bürger-, Den Bauern- und Arbeirerstand für immer Bedeutung behälr. Dermftfötes» * Auch ein Sieg von Pa i ''«entSberichterstat tern. Anknüpfend an den jüngst aeten Streit der Reichs^ Neichsgerichtsbrief. Nachdruck verboten. J. 8. Leipzig, April 1908. Vom Umfange der Achssichtspflichl in der Schule. Am 23. April 1904 wurde der fetzt als Kläger in Betracht kommende Schüler August Haberslock aus Franks u r t a. M. wäyrelch einer Schulstunde in einer Frankfurter Aiittelschulc Da- durch verletzt, daß ihm eine von seinem damals im 13. Lebens- iahte flehenden Atirichüler AI. gegen die Wand des Klassenzimmers geichleuderie Stahlfeder ins Ange drang. In Der Llunde des Unfalles war das Klassenzimmer von einem Lehrer nicht bewach! worden, da der betteffenbe Klassenlehrer krank war. Ter Rekior hatte einem Oberlehrer Dr. E. Die Aussicht für die Stunde mit übertragen. Dieser war zu Begum der Stimde m der Klasse gewesen und Hane Den Schülern Arbeiten aingegeben und die Schüler selbst unter Die Aussicht des Klassenersten gestellt. Ter Verletzte macht febocl) geltend, daß den Alnschüler 2JL, die Sladtgememüc Frank- furt a. ü’L, den damaligen Rektor der Schule und Den betreffenden Oberlehrer Dr. E. em Verschulden an feinem Unfall treffe, und klagte deshalb gegen die Genannten auf Schadloshaltung für Die ihm durch deu Unfall erwachsenen Schädigungen. Landgericht nnb OberlanDesgertcht Frankfurt erkannten auf gänzliche Abweisung der Klage. Bezüglich des beklagten Schulers hatten die flttchter angenommen, daß er Die zur Erkennt- ms der Verantwortttchkeit eriordertiche Einsicht nicht besessen habe, Da er nicht seinem Alter gemäß cntiuidelt, sondern zurückgeblieben war. Ajas Die Aufsichtspflicht des Dr. E. anlangt, so wird angenommen, baß er sie ordnungsmäßig ansgeübt habe. Seme ptutstchispsltcht Hütte sich nicht weiter erstrecken können, als sein Amt es verlangt habe, wie cs ihm also feine Borgefetzteu vorgeschrieben hätten. Da er aber die Aufsicht m der anderen Klasse nur nebenbei führen sollte, und er teme Klasse zu imterrichten Hane, habe er die Aufsicht über die andere Klaffe nicht anders ausüben tonnen, als wie eS tatsächlich gescheheii sei. Dabei fei es unerheblich, ob er em- ober mehrerem al in die Klasse gekommen sei. Setbsl em einmaliges Erscheinen müsse als genügend angeseheil werden, aber auch durch häufigeres Erscheinen würde nicht verhütet worden sein, daß die Schüler Unfug trieben, solange er nicht bei ihnen, sondern m seiner Klasse war. Die gegen öen Rektor gerichtete Klage wurde aus ähnlichen Gründen abge- wiesen. Tas Oberlandesgencht Frantturt führt dazu aus, daß Die Schule nicht dazu berufen fei, die Schüler auf Schritt und Tritt zu übenvacheu und daß der Schaden ebenso entstanden märe, wenn der Rektor eine Beaufsichtigung im weiteren Umfange ungeordnet hätte. Die Ktageansprüche gegen die Stadigemembe Frankfurt a.M. sind deshalb unbegründet, weil einmal em Beriragsverhättms, wie die Eltern des Klägers meinen, zwischen dem Schüler und Der öiabtgemembe nicht oorliege, sondern höchstens zwischen der Stadt- gememöe und den das Schulgeld zahlenden Eltern. Ader auch aus den fchon erwähnten Gründen muffe die Klage ebenfalls hier ab- gewiesen werden, Denn weder Rektor noch Lehrer treffe ein Verschulden. Gegen baS Urteil des Oberlandesgerichts hatte der Kläger Reviston beim Reichsgericht eingelegt. Der VI. Zivilsenat erkannte jedoch auf Zurückweisung der Revision, indem er die Ausiührungen des Vorbernchters als durchaus zutreffend bezeichnet Uesterr. SlaaUDuJin . . - I'nnce-Jdenn-Eiseubahn . 131.00 torlipg gieper Herrsnyarderoiie nach Mass. Erstklassige Verarbeitung-. Tadelloser Sitz. Grosses Stofflager. a11/» J. Pfeffer, Marktplatz. 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Die ländliche Fortbildungsschule, 1907, No. 8: Der Verfasser leitet die Kurse zur Ausbildung von ländlichen F-ortb.-Schullehrern an der Umversität Grellen. Das Hauptgewicht liegt dabei naturgeinätz darauf, die ytattntunbc rn der Üortb.-Sckiule der Landwirischaft dienstbar zu machen, „Der in dem Kursus behandelte Stoff, wurde in dem vorllHgendeir Leitfaden zusammengefafft, um die in Gietzen gesammetten Erfahrungen auch wetteren Streifen zugänglich zu machen . . . . Der dem Forrb.-Schullehrer dargcbotene Ston. gehr naturge- mäh über den Stoffumscurg hinaus, den die einzelne Schule ihren Schülern darbielel. Aufgabe der einzelnen tzortb.-^chule blerbt es, den lokalen Verhältnrffen nach dre Stvffauswahl lm einzelnen zu treffen." Inhalt: Der Boden lLesrandtetle, Gnl- flehung, Eigenschaften, Arten, ^chlchlen uud Feldarbclts, der Dünger (Haupt- u. Beidünger», Landwirlichartl. 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