Nr. 83 Drittes Blatt 158. Jahrgang Dienstag, 7. April 1908 MAtM täglich mit UnSntifcmt M «onntag». Dte „fteßenct Zamtttendlätter" werden dem Anzeiger^ otermoi wöchentlich beigelegt, daS JtreUblati fflt den Kreit Liehen" zweimal vöchentluch Der ^hesstiche Landwirt' erscheint monatlich einmal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen NstattonS druck and Berkay dm Vrüblichen UntoerfYtdn • ®ud> anfc ®t*tnbrudcteL R. Bangt, Dietzen. Redaktion Expedition and Druckerei r Schul» strotz« 1 Expedition and Verlag > esgS 6L RedaktionUS. Lel.»Adr. AmeigerDietzen, Deutscher Reichstag. 141. Sitzung, Montag, 6. April. Am Tische des Bundesrats: Unterstaatssekretär Wermuth mb einige Vertreter süddeutscher Staaten. Das Haus ist sehr stark besetzt. Präsident Graf Stolberg Äöfmet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten. Das Bereinsgesetz. (Vierter Tag.) § 8 regelt die polizeiliche Ueberwachung. Die Sozialdemokraten beantragen die Streichung der Bestimmung, wo- uch den Beauftragten der Polizeibehörde ein angemessener Platz mgeräumt werden mutz. Dieser Antrag wird abgelehnt, des- xleichen ein Zentrumsantrag, der die Gewerkschaftsversammlungen von der polizeilichen Ueberwachung befreien will. § 8 wird in der Kommissionsfassung angenommen, ebenso nach Ab- !>emiiht sein müssen, dies freiheitliche Gesetz in einem falschen Lichte hinzustellen. Ich freue mich 'schon auf den Tag, wo ich ins Königreich Sachsen gehe, >vo die Bestimmungen ein bis zwei Jahre erprobt sind; da werden Ihre Anhänger die Köpfe schütteln und sich wundern, daß sie dagegen gewesen sind. Freilich legt diese Beschränkung dem deutschen Volke nun auch die Pflicht auf, auf allen geistigen und sittlichen Gebieten Fürsorge. zu tragen für ' die Jugend. Auch hierin sollte die Partei der verständigen Leute tätig fein. (Sehr gut!) Hier bei diesem Paragraphen ist es mir Bedürfnis, eine treue Blockhand zu reichen nach der Rechten und ihr zu danken für ihre Bescheidung, und eine Blockhand nach der freisinnigen Seite mit dein Dank für den politischen W i r k l i ch k e i t s s r n n. Dieser Paragragh wird sicher zum Wohl des Vaterlandes und unserer geliebten deutschen Jugend sein. ^Lebhafter Beifall.) Während dieser Rede betreten Reichskanzler Fürst Bülow und Staatssekretär v. V e t h m a n n - H o l l w e g den Saal. Abg. Brejski (Pole): Im letzten Augenblick ist dieser Paragraph in der Kommission eingebrachr und angenommen worden, eine schwere Geburt, eine Mißgeburt! Der Redner polemisiert gegen den christlich- sozialen Abg. Behrens, der, obgleich Vorsitzender einer Arbeiter» Organisation, im Block für § 7 und 10 a stimmt. Abg. Dr. Mugdan (fxs. 23p.): Wir sind nicht gern auf das Kompromiß eingegangen, aber wir haben in der Kommission ausdrücklich an den Staatssekretär die Frage gerichtet, ob der Paragraph die gewerkschaftliche Betätigung von Personen unter 18 Jahren nicht verhindert. Freilich müssen Vorkehrungen getroffen werden, daß der Paragraph loyal ausgeführt luirb. Meine politischen Freunde in ihrer über» großen Mehrzahl werden dafür stimmen, denn wir halten es nicht für angängig, Ivie es mein Freund Payer ja schon ausgeführt hat, von einem solchen Kompromiß einen einzelnen Paragraphen herauszunehmen Ich werde sehr häufig, wenn ich Versammlungen leite, von sozialdemokratischen jugendlichen B ü r s ch ch e n belästigt. (Gelächter der Soz.) Sprengkolonnen sind das freilich nicht, weil ich ich die Burschen immer gleich hinauswerfen lasse. Wir stimmen für das Gesetz, weil wir der Heber» zeugnng sind, daß es im Sinne des Liberalismus einen Fortschritt bedeutet. (Großes Gelächter beim Gegenblock.) In einem Jahre wird sich zeigen, daß alles das, was die Herren vom Zentrum und von der Sozialdemokratie hier gesagt haben, nur Hcbcrtreibungen sind. (Gelachter beim Gegenblock.- Nichts wird mehr die Stellung des Liberalismus stärken als der Umstand, daß wir dann daraus Hinweisen können, daß dieses freiheitliche Gesetz unter unserer Mithilfe zustande gekommen ist. (Beifall beim Block. Hohngelächter beim Gegenblock. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird eingebracht. (Stürmischer Widerspruch beim Gegenblock.) Als der Präsident als Mitunterzeichner den Abg. M ü l l e r - Meiningen nennt, erhebt sich ein Hohngelächler im Zentrum und bei den Soz. Der Antrag auf Schluß der Debatte wird mit 199 gegen 157 Stimmen bei 4 Enthaltungen (Haußmann, Potthoff, Dohrn, Neumann-Hofer) angenommen. Abg. Dr. Frank (Soz.): Ich wollte die Angriffe gegen die sozialdemokratische Jugend. Organisation zurückweisen. Ich stelle fest, daß ich nur noch der einzige Redner Ivar, der auf der Liste stand. Trotzdem ließ man mich nicht zu Worte kommen. (Stürmisches Hört! Hört! beim Gegenblock.) Die namentliche Abstimmung über den Antrag Trim- born ergibt dessen Ablehnung mit 199 gegen 162 Stimmen bei einer Enthaltung. Es wird bann über § 10a namentlich ab. gestimmt. Das Ergebnis ist seine A n n a h m e mit 200 gegen 161 Stimmen und einer Stimmenthaltung. Die §§ 11 und 11a enthalten Stra fbestimmungen. Ein Antrag der Sozialdemokraten will sie ganz st r e i ch e n, ein Antrag der Polen sie a b s ch w ä ch e n. Ein weiterer Antrag der Sozialdemokraten will die Polizeibeamten strafbar machen, die mittelbar — durch Bedrohung von Gastwirten mit allerlei Nachteilen (betr. Schankerlaubnis, Polizeistunde, Lustbarkeiten usw.) das Vereins- unb Versammlungsrecht beeinträchtigen. Abg. Snchse (Soz.l fordert insbesondere auch die Straflosigkeit ki:rzer Nachrufe bei Leichenbegängnissen. Die Blockmehrheit beschließt hier eine Be- stimmung, die die Strafbefugnis noch erhöht! Könnten die bo treffenben Toten das erleben, sie würden sich nicht nur im Grabe umdrehen, sondern aufstehen und rufen: man muß sich schämen, Deutscher zu sein! Abg. Dr. BerverS (Ztr.) spricht die Hofftrung aus, daß die Strafbestimmungen möglichst selten zur Anwendung kommen werden. Abg. Kirsch (Ztr.): Ich hoffe es ja auch, ick glaube es aber leider nicht. Der Redner kritisiert die laxe Fassung der Strafbestimmungen; man operiere da mit Begriffen, die juristisch schwer zu fassen seien. Abg. Brejski (Pole): Die Strafbestimmungen sind geradezu barbarisch. Für einen Zwischenruf kann man nach der preußischen Praxis mit 300 Mark bestraft werden! Vor der Ablehnung sämtlicher Abänderungsanträge werden die §§ 11 und 11 a in der Kommiffionsfassung angenommen. § 12 bestimmt, daß die Vorschriften des Gesetzes keine An» Wendung finden auf die durch das Gesetz ober die zuständigen Behörden angeordneten Versammlimgeii. Der Paragraph gelangt iinverändert zur Annahme. Ebenso nach kurzer Diskussion der Rest des lLesctzes. Am Schluß verhöhnt der Abg. Dr. Dziembowski das Haus. Dienstag 12 Uhr Börfengesetz. Schluß ^9 Uhr. :^'c S" Cb Co K »so • 5 C£> P CD Co CO «> Co — r» 2 CD O CO er p o CO « Co ©ft -*- er ■Z; O: >50 2. co co Z. 2■ Wtnhti! «u 5© ** *t /C* HjnSifi ihultni m T man öd, mehr Mommei M-Platz eilet uni chidige. tim neue riührg ei' o Ö e-' o O ■* err> ° co" P-o Ho o —. c ers^r n 3 r4- $= CO er O D S b- »>, s xr er ft Cti -! W pdfl * |lB" o 3:$» co 2 =: o CO. ä 3 co Co (y ■ts ft o 5 rö rgj- er « o-SC a r» ÖrT 2 c c — O O: ©"T >$»' - er O 3 o er er £ er" 2 ■p'Ä P o: ^3 o a»; JX — CD § un Z ZO;- JE*© «b § P Co >50 er er 62* • ~ Co ZV 2 2 ." «£» es e 2 to <-*. -— CL rt» =5)2 ** er —i ft n> «=?■= cö'QM 2= L ä~ -E ?CDCD P 2- o CD ■aS.?-« 3-ä P- — es —--CO 2I- 'KZ2. 3 CD D -• SA Ä t=> s 2* D. o per ft -r> e ft " PCD SÄ DÖO S © L. 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