Nr. 7 158. Jahrgang Donnerstag, S, Januar 1908 Erscheint ISgNch mtt AuSnabme de- Sonntag«. Dte ..Stehener ZamUtendlStter- werden dem »Anzeigerotennal wöchentlich beigelegt, das „Krtitblatf für den Krell Gieren" zweimal vSchenUlch. Der ^hekfische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen Rotationsdruck und Rertag der Br üblichen UnwerfuäiS • Buch- und 6tetnönideteL fft Lange, V'etzen. Redaktion. ExvediNon and Druckerei: Schuld strotz« 7. Erpedillon und Oerlay i 5L Redaktion: 1l 2. Tet.-Abr^ AnzetgerGietzen, Deutscher Reichstag. 74. Sitzung, Mittwoch, 8. Januar. ? Am Tische des BundeSratS: Kommissare. Das Haus ist sehr schwach besetzt. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 20 Minuten mit der Mitteilung, daß die Regierung sich bereit er. Härt habe, die Interpellation Graf Kanitz über den hohenDank. d i ö ! o n t am 14. Januar zu beantworten. Mittelstandöfragen. An erster Stelle steht auf der Tagesordnung die Fortsetzung der Beratung des bereits in zwei Sitzungen besprochenen 'Antrages Graf v. Hompesch (Zentrum) betr. Erhaltung und Förderung des Handwerker st andes und des kaufmännischen M l 11 e l st a n d e L. Im Schlußwort begrüßte I r I (Zentrum) die Bereitwilligkeit des Hauses, dem Mittelstände zu helfen. ES sei ein gute8 Zeichen, daß man diesmal drei Tage für eine Materie verwende, die sonst tn wenigen Stunden abgetan wurde. Er gibt weiterhin seiner Entrüstung Ausdruck über die Agitation der Sozialdemokratie unter den Lehrlingen. Es sei geradezu erschütternd, wie sie sich bemühe, in die Herzen der Jugend Verwirrung zu tragen und aus ihnen Religion und Sitte mit Gewalt herauSzureißen. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Graf Hom. Pesch in allen seinen Teilen mit großen Mehrheiten angenommen. Die Freisinnigen stimmten gegen die Anstellung von Hatidelsinspektoren. Tie Privalbcamtenversichervng. Din Antrag Frhr. v. R i ch t h o f e n (kons.) ersucht die Verbündeten Regierungen, bie Vorarbeiten zu einem Gesetz, entrourf, betr. die Pensions - und Hinterbliebenen- Versicherung der Privatbeamten, so zu fördern, daß derselbe bei Beginn der nächsten Reichstagssession zur Vorlage gelangen kann. Abg. Frhr. v. Rlchthofen (kons.) begründet den Antrag. Er begrüßt, daß endlich daS Interesse für die soziale Lage der Privat, beamten erwacht sei. Erfreulicherweise bringe auch der neue Staatssekretär des Innern der Sache dasselbe Jnteresie entgegen wie Graf Posadowsky. Der Redner geht ausführlich auf die bekannte Entwickelung der Angelegenheit ein und erörtert den gegensätzlichen Standpunkt. der Meh.rh.eit der Privatbeamtenschaft zu dem des Werkmeisterverbandes, der nicht wie die ersteren eine Sonderversicherung, sondern den Ausbau der Jnvalidenver- sicherung erstrebt. In der Richtung der Sonderversicherung fordert Freiherr von Richthofen eine Beschleunigung der Arbeit. Während seiner Ausführungen ereignet sich ein peinlicher Vorfall. Im Eifer der Unterhaltung worein fremderHerr mit einem Abgeordneten durch die Portiere in den Saal getreten. Vizepräsident D r. Paasche weist ihn, den Redner unterbrechend, hinaus mit den Worten: Verlassen Sie den Saal, Sie haben hier nichts zu suchen! Abg. Dr. Strescmann (natl.) nimmt als Führer der von der Mehrheit vertretenen Richtung in gleichem Sinne Stellung wie der Abg. Freiherr von Richthofcn. Die Denkschrift der Regierung hat die Privatbeamten enhnufcht; sie scheint aber mit ihrer Verech. mmg von 15 Prozent Beiträgen doch zu pessimistisch zu sein. Wird der Beitrag für den niedrig bezahlten Privatbeamten unerschwinglich, nun, dann muß ein Ausgleich geschaffen werden. Der Redner wendet sich gegen die Gegner der Pensionsversicherung, gegen die hier und da noch geäufyrtc Auffassung, daß dem deutschen Volke die Energie abhanden komme; wenn der schlecht gestellte Teil dieses neuen Mittelstandes sich bereit findet, eine so große Last auf sich zu nehmen, so kommt darin ein gehöriges Stück Energie zum Ausdruck, das berechtigte Streben eines Standes, nicht herab- zusinken, sondern sich aus der Höhe zu halten. Dr. Slresemann führt gegen die Auffassung des Werkmeisterverbandes die bekannten Gründe an: Witwen« und Waisenversorgung — nicht bloß für die erwerbsunsävigen W'twen — Anerkennung der Berufsinvalidilät und Herabietzung der Altersgrenze auf das 65. Lebensjahr; foianqc man das nicht auch für die Arbeiter- Versicherung einführt, muß man die Sonderkasse verlangen. ES ist das nicht ein Berufsdünkel, der die Privatbeamten nicht mit den Arbeitern in einer Versicherung haben will: die Privatbeamten wollen nicht aus den Taschen der Allgemeinheit alimentiert werden, sie wollen ihre Beiträge selbst leistem Ihre Gegner sieben freilich auf dem Standpunkt : Laßt s i e betteln gehen! Wie hoch die Gehaltsgrenze >ür die Versicherung zu ziehen sei, ist ziemlich gleichgültig. Man darf «her keineswegs bei einem gewissen Gehalt sagen, nun ist es lür minier aus. Auch besser bezahlte Beamte sind vor Wechselfällen nicht sicher. Eine gesetzliche Siegelung ihrer Verhältnisse ist unumgänglich. Die Privatbeamten dürfen nicht vergeblich an die Tore der Gesetzgebung pochen. ES gibt keine bessere Politik, als die, die Schärfen der sozialen Entwickelung abzuschleifen. Bedauerlich ist, daß in den Kreisen der Privatbeamten eine Einigkeit noch nicht erzielt worden ist. Diese Uneinigkeit vermindert die Stoßkraft ihrer Forderungen. Abg. Linz (ft.): In der Privatbeamtenfrage befindet sich das Parlament in vollster Uebereinslimmung mit der VolkSmeinung, waS sonst nickt oft der Fall ist. Ich hoffe, daß die Forderungen der Privatbeamlen wcht vck c3lenci38xr2ec38zurückgestelll werden, sondern daß sie bald Erfüllung finden. Vorbedingung erscheint freilich, daß eine völlige Einigkeit unter den Privatbeamten erzielt wird, daß die Minderheit ihre Bedenken fallen läßt. Aber auch den Handwerkerstand sollte man nicht vergessen, auch ihm sollte man die Vorteile der Versicherung zuwenden. Abg. Sittart (Ztr.): Wir haben die begründete Hoffnung, daß die Minderheit der Pribalbeamten ihren nutzlosenWider- sprach gegen die Forderungen der Mehrheit aufgeben wird und daß eine völlige Einigung erzielt werden wird. Nur bann ist ein endgiltiger Erfolg möglich. Zn erwägen sei u. a., ob nicht für dea Beitrittszwang eine untere Gehaltsgrenze sestznsetzen sei. Abg. Dr. Mngdan (>rf. Vp): Wir werden dem Anträge unsere Zustimmung nicht ver'agen. Aber es werden noch viele Worte gewechselt werden müssen, ehe die Privatbeamten zu ihrem Recht lonnnSn. Schuld daran ist die Regierung, die es nicht für nötig hall, zu einer so wichtigen Verhandlung auch nur einen einzigen Vertreter zu senden. (Sehr richtig 1 links.) Aller Streit um Einzelheiten hat feinen Zweck. An der Regierung ist es, das einschlägige Mat-rial zu sammeln. Erst dann können wir Entscheidungen treffen. Warum sollen wir eine Sonderkasse gründen f Ueber ihre etwaigen Existenzmöglichleit liegen gar keine Erfahrungen vor. ES kann nur ein Ausbau der Invalidenversicherung in betracht kommen. Eine Invalidenversicherung der Frauen wird nur möglich sein, wenn sie dieselben Pflichten übernehmen. Ich bitte die Regierungen, doch einmal aus ihrer Verschlossenheit herauszutreten und oifiziell zu erklären, was sie eigentlich über die Prioatbeamlenversicherung denken. (Beifall links.) Schmidt (Berlin, Soz.) äußert sich gleichfalls für den Ausbau der Invalidenversicherung. Darauf vertagt sich das Haus. Donnerstag 1 Uhr: Unter» stützungswohnsttz, Vogelschutz, Maß- und Gewichtsordnung, Haftung der Tierhalter. Schluß 6 Uhr. Fichon tn Madlio. Der rührige sranzösischeMinisterdesAeuße- ren, Pichon, setzt alle Hebel in Bewegung, um eine möglichst glatte Durchführung der Ziele seiner Politik her- beizusühren und diesen Zwecken galt zweifellos seine Reise nach Madrid. Es ist zwar immer wieder betont worden, daß es sich lediglich um einen Höslichkeitsatt handle, aber zu einem solchen Zwecke braucht man doch wahrlich nicht mehrere Tage hinourch vielstündige Kon,erenzen. Herr Pichon hat dann selbst zugegeben, daß die Besprechungen m der Hauptsache sich um die Marokkofrage drehten, aber keineswegs' eine Aenderung der bisherigen Marokkopolitik im Auge gehabt hätten, vielmehr dazu dienen sollten, die beiderseitig bestehenden Abmachungen zwecks Durchführung der Akte von Algeciras zu „bestätigen". Das ist etwas sehr diplomatisch ausgedrückt, zumal es doch wohl einer besonderen Bestätigung des Algeciras- vertrages nicht bedarf, da dieser ja von beiden Mächten seinerzeit unterzeichnet worden ist. Es steht außer Frage, daß die,Ziele des Herrn Pichon, die er mit seiner Madrioer Reise verfolgte, beträchtlich weiter gehen, und die Beklemmungen, die die spanische Presse über diesen Besuch äußert, sind nur zu begreiflich. Immer wieder warnen die Madrider Blätter dringend die Regierung, sich nicht auf neue Abenteuer und kriegerische Unternehmungen in Marokko einzulassen, weil man der Ueberzeugung ist, daß die Unterstützung Frankreichs wenig Rcutzen für Spanien bringe und daß man höchstens den französischen Bläuen Vorspanndienste leisten würde. Die gegenteiligen Versicherungen der spanischen Regierung werden nicht geglaubt und man erwartet über kurz oder lang die Entsendung von beträchtlichen spanischen Verstärkungen nach Marokko. Zweisel- los verfolgt die französische Regierung in Marokko ehrgeizige Absichten, wenngleich sie so vorsichtig ist, unter keinen Umständen den Algecirasverlrag zu verletzen, und Pichon ist wohl nur nach Madrid gekommen, um sich wenigstens der Zustimmung Spaniens wegen dessen großer Interessen in Marokko zu versichern, falls es nicht gelingen sollte, Spanien ganz auf die Seite Frankreichs hinüber zu ziehen. Tie Einwilligung des Sultans von Marokko dürfte sich der französische Gesandte Regnault gelegentlich seines Aufenthaltes in Rabat bereits geholt yaben, und es ist wohl kein Zufall, daß Herr Regnault in Paris zur Berichterstattung eingetrosfen ist, kurz bevor Herr Pichon seine Reise nach Madrid antrat; jedenfalls wird der französische Minister des Aeußeren der spanischen Regierung einige Mitteilungen über das Resultat seiner Verhandlungen gemacht haben, um diese den französischen Wünschen gegenüber gefügiger zu machen. Des weiteren verlautet, der Maorcher Aufenthalt Pichons habe bezweckt, die bestehende Entente zwischen Frankreich, England und Spanien in die Form einer feste n Allianz umzugießen; nähere Angaben hierüber, sowie über das Resultat derartiger Bemühungen sind bisher noch nicht bekannt geworden. Aber selbst wenn ein derartiges Bündnis der Westmächte zustande kommen sollte, so könnte uns das in Deutschland ziemlich kalt lassen, nachdem die Spannung zwischen Deutschland und England vollständig behoben ist und die deutschen Beziehungen zu Frankreich sich gleichfalls gebessert haben: überdies laufen Entente oder Allianz im Grunde genommen für den Ertistfall Wohl auf dasselbe hinaus. Darum können wir auch der loeiteren Entwicklung der Dinge in Marokko mit Ruhe entgegensehen, selbst wenn Frankreich noch weitere militärische Aktionen unternehmen würde, denn man würde sich wohl hüten, hierbei die deutschen Interessen irgendwie zu verleugnen, und nur hieraus kann es uns ankommen. Paris, 8. Jan. (M B.) Der „Agence Havas" wird aus Madrid gemeldet: Auskünften aus spanischen Kreisen zufolge gab die Presse im allgemeinen nicht den wahren Charakter der Steife Pichons wieder. Dieser Besuch hat eine wichtige Bedeutung, ähnlich derjenigen, die den beabsichtigten Besuchen des Präsidenten Failieres und des Ministerpräsidenten Clemenceau beizumesten sein wird. Denn es ergibt sich von selbst, daß ein solch häufiger, direkter Vercehr zwischen den Regierungen und den Staatsoberhäuptern dazu beiträgst die freundschafttichen Beziehungen zwischen den Ländern mehr und mehr zu seftigen, welche in den intemaiionalen Fragen eine parallele Politik befolgen. Andererseits kam aber Pichon- nicht, um irgend einen bestimmten Punkt der französisch- spanischen Beziehungen inbezug aus Marokko zu regeln, noch viel weniger, um die Mitwirkung Spaniens für die Abenteuerlich leiten einer „Durchdringung" zu gewinnen. Frankreich und Spanien halten sich genau an den Vertrag von 1904 und an die Algecirasatte, durch welche die Souveränität des Sultans .-nd die Beachtung aller europäischen Interessen in Marokko unbestreitbar sestgestellt sei. Uebrigens würden letztere nicht verletzt werden können, ohne einen gerechtsertigten Einspruch der anderen Mächte hervorzurufen. Die spanische Regierung würde soweit wie notwendig gehen, wenn sie, was bisher nicht zu befürchten sei, in der Erfüllung ihrer Aufgabe auf Schwierigkeiten stoßen sollte. politifd^c Tas Eranntwelumonopol. Das RcichSschatzsekvelär Fchr. v. Stengel beharrt bei seinem Plane, das Reich mit einem Branntweinmonopol zu beglücken. Die hauptsächlichsten Gruudzüge, sowie der Wortlaut der wichtigsten Paragraphen des Entwurfes sind der „Franks. Zigst bekannt geworden; sie teilt darüber mit: Ter fDlonopolbetrieb des Reiches soll in der Weise vor sich gehen, daß das Weid) den Branniwem vom Brenuer kauft, ihn reinigt und ihn dann an den Destillateur, Händler ober Schankwirt wettergibt. Rur die ganz kleinen '-tireimeieten („Abfiubuugs- brennereien") bis zu 10 Hektoliter Jahreserzeugluig sollen aus bem Monopol ausgeschallet sein unb über ihre Ware hei verfügen können. Bet der Bemessung beS Branntiveiuankau'spreises, den bas Reick) beit landwirlschasilichen Brennern zahlt, soll ein Brauut- iveingrimbpreis zu Grunbe gelegt werben, und bieier Branntwein- griuibpreis soll so bock) sein, daß er bie durchschnittlichen Herstellungskosten deS Alkohols m gut geleiteten landwirtschaftlichen 5tnvto{felbveunereien mutieren Umfanges deckt, wobei davon aus- zugehen ist, daß bie Schlempe kostenfrei zur Verfügung beS Brenneteibcsitzers bleibt Der BrauntivemaukaufSpreis wirb nun nicht für jedes Quantum gezahlt, sondern nur für die Menge, bie sich innerhalb bes ,Breum.echts" jeder Brennerei halt, b. h. des Kontingents, bas jedem Betriebe nach bestimmten Grundsätzen zuerteilt iverden soll. Tie alte Art der Kontingentierung roub durch bie Breunrechte ersetzt. Für bas von einer Brennerei her- gestellte Superkontmgent wird ein erniedrigter Ankau'spreis, der „UeberbrandpretS" gezahlt. Für bie gewerblichen Brennereien kommt dann noch em dritter Preis hinzu. Alle diese Anlaufs- preise sind gestasselt und variieren bis zn 12 Alk. pro Hektoliter t. 21. m etwa 30 Abstufungen je nach Betriebsumfang, Brenurecht iind Betriebsart. Ebenso wie das bisherige jiantmgent wird and) die gesamte bisherige Branntwembesteuerung biird) das Monopol erledigt Die verschiedenen jetzt geltenden Bramitwemsteuern werden baburd) ersetzt, daß das Reid) den gereinigten Branntwein zn einem Preise weuerverkaufi, der ihm eine höhere Emnahme, als sie bie jetzigen Steuern ergaben, sichert; der Entwurf nennt diesen PreiS den Branntweinverkau spreis. Alle diese Preise sollen von dem Vertriebsamt, m dessen Hände die Venvaltimg des 'Monopols liegt, in gemeinschaftlicher Beschlnßfasjung nut einem Betrat enbgiltig festgesetzt iverden; je nach der 'Marktlage können dabei die Vorschriue» des Gesetzes und die einzelnen Brennrechle m bestimmtem Um'ang modifiziert werben. Ter Entwurf sieht feiner eine Reihe von Enlschäbigungen vor: an bie Lprinabriken, deren Angesiellte, soivie an die Angestellten bet Spimuszentrale. Tie Brennereien, bie bisher am Kontingent beteiligt waren, sollen als Ersatz für die weg'allende Liebesgabe zehn Fahre auf jeden Hektoliter ihres Alkohols 10 Maik gutgeschrieben erhalten. Den süddeutschen Brenneieten soll ein dauernder Preisautjchlag von b Mark garantiert werden. Vom Flotlenvereio. Es bestätigt sich, daß der Großh erzog Don Oldenburg jür den Fall, daß General Keim geschäftsführender Vorsitzender des Deutschen Flottenvereins bleibt,1 das Protektorat über den oldenbnrgischen Landesverband niederlegen wird, da er der Ansicht ist, daß die einigende Wirkung, die ein großer nationaler Verein ausüben soll, sonst verloren gehen müßte. Auch die Anschauung und die Stellungnahme des Prinzen Rupprecht von Bayern hat sich nach der dem General Keim gewährten Unterredung nach keiner Richtung geändert. — In der gestern abend stattgehabten Generalversammlung des Deutschen Flottenvereins Ortsgruppe Metz ist die von der Ortsgruppe Straßburg vorgeschlagene Resolution angenommen worden, in der dem ganzen Präsidium das vollste Vertrauen ausgesprochen wird und eine endgültige Regelung der Streitigkeiten durch den Kasseler Tag erhofft wird. * Zur Peusionsversicherung der Privatbeamten. Tie Zentral st elle für Volkswohlfahrt hat an eine größere Anzahl von Reichstagsmitgliedern eine eingehende Kritik der Gesetzesvorschläge des Hauptausschusses zur Versendung gebracht. Der Verfasser Dr. Dilloo macht hauptsächlich zwei Bedenken gegen die Leitsätze des Hauptausschusses geltend. Ter Staat, dessen Recht zur gesetzlichen Erzwingung einer solchen Verficht rung nur aus dem Interesse der Allgemeinheit an der Veri Hinderung allgemeiner Notlagen entspringt, darf die Privat^ beamten und ihre Arbeitgeber nicht zu Beiträgen zwingen, die über das Maß des Notwendigsten hinausgehen. Des^ halb darf der Versicherungszwang nicht auf die besferge- stellten Privatangestellten ausgedehnt, es darf nur der „notdürftige" Unterhalt versichert, und es dürfen Renten für erwerbsfähige Witwen nicht in die Zwangsversicherung einbegriffen werden. Ferner darf der Staat unter dem Gesetzeszwange nicht Ungerechtigkeiten verüben: ungerecht wäre es aber, wenn nach den Vorschlägen des Hauptaus-^ jchusses die höher besoldeten Privatbeamten zu prozentual höheren Beiträgen als die geringer besoldeten zwangst weise herangezogen würden, und wenn die leichteren Risikogruppen unter den Privatbeamten in der Durchschnitts- prümie einen Teil der durch die schwereren Risiken verursachten Versicherungslasten zu tragen gezwungen würden * Sozialreform für die Bnreanangestellten. Unter diesem Titel hat der Zentralverein der Bureauangestellten Deutschlands eine von ihm an Reich s tag und Bundesrat gerichtete Denkschrift über die Forderungen der Bureauangestellten an die sozialpolitische Gesetzgebung in Broschüren^orin erscheinen lassen. Die Denkschrift fordert die Ausdehnung der Gewerbeordnung und der Gewerbegerichte auf die Bureauangestellten aller Branchen, insbesondere auch die Beseitiguna der grenzenlosen Lehrlingszüd)terei. Zwei Drittel der Bureauangestellten sind Jugendliche. parlamentarisches ans Hessen. R. B. Darmstadt, 8. Jan. Der Finanz-Ausschuß der 2. Kammer setzte heute vormittag die Etatsberatungen fort. Zunächst referierte Abg. Brauer über Kap. 1, Reste aus früheren Jahren, wonach der nach Abschluß der Staatsrechnungen sich ergebende Rest auf 376 867 Mk. beläuft. Weiter berichtete der Referent über Kap. 2, Kameral- und Forstdomänen, das bei einer Gesamteinnahme von 5 945 472 Mark eine Ausgabe von 4 991505 Mark, also einen Ueb erseh aß von 953 966 Mark aufweist. Unter den darin enthaltenen Forderungen befinden sich 54 850 Mark für Neubauten usw. im Hofbauwesen, lvobei 5000 Mark für Dachdeckung am Großh. Hofstall, 8100 Mark für Renovierungen im Jagdschloß Wolfsgarten, 6250 Mk. für eine Wasserversorgungsanlage in Jagdschloß M v n ch b r u ch und 31050 Mark 'im Großh. Palais zu Mainz angefordert werden, lieber Kap. 12, direkte Steuern, Regalien, indirekte Auflagen und Einnahmen aus verschiedenen Quellen berichtete Abg. Reinhart. Die Veranschlagung der direkten Steuern konnte diesmal wieder um 612 000 Mark höher erfolgen und ihr Gesamtertrag stellt sich auf 14 298 000 Mark. Bei der allgemeinen Erörterung des Steuerkapitals wurden von den Ausschußmitgliedern verschiedene Anregungen gegeben, die bei der gemeinsamen Beratung mit der Regierung in Erwägung gezogen werden sollen, so die Bekanntmachung der Namen von solchen Steuerdefraudanten, die für ihr Vergehen bestraft worden sind, eine Vergütung für die Vditglieder der Steuer-Veranlagungskommissionen, eine Beschleunigung der Arbeiten der Landeskommission usw. Abg. Molthan beantragte bei dieser Gelegenheit u. a. auch eine Besserstellung der Schreibgehilfen. Die Verhandlung über dies Kapitel wird morgen fortgesetzt werden. Der (Petit io ns-) Ausschuß der 2. Kammer beschäftigte sich heute weiter mit den Vorschlägen auf eine bessere Entschädigung der Schachtelmacher und hatte dann eine sehr eingehende Debatte über die Vorstellung des Gemeindevorstandes von Seligenstadt, betr. die Beseitigung der Konfe s s ionsschulen zu Seligenstadt. Der Gemeindevorstand richtete an die Kammer das Ersuchen, die Aufhebung der evangelischen Konfessionsschule daselbst als eine ungesetzliche Maßnahme der Regierung SU erklären und letztere zu ersuchen, die unter Protest des Gemeindevorstandes aufgehobene Konfessionsschule wieder in's Leben zu rufen. Die Aufhebung der evang. Schule erfolgte, weil der Gustav Adolf-Verein die weitere Aufbringung der Mittel dafür verweigert hatte und infolge der über 50 angewachsenen Schülerzahl die Uebernahme der Schulkosten auf die politische Gemeinde verlangt werden kann. Zu der heutigen Beratung war vom Ausschuß auch der Zentrumsabgeordnete Hebel hinzugezogen worden. Ein endgültiger Beschluß über die Sache soll jedoch erst am Freitag in gemeinsamer Beratur.«, mit der Regierung gefaßt werden. Are Zerlegung der Fersonen-Kattcstcüe zu OaröenLeich. Die schon erwähnte Eingabe an die 2. hessische Ständekammer von Bewohnern Steinbachs gegen die Verlegung der Personenhaltestelle Garbenteich lautet in der Hauptsache: Die 175 unterzeichneten, zum größten Teil der werktätigen und arbeitenden Bevölkerung Steinbachs angehörigen Interessenten erlauben sich, Hoher Ständekammer die nachfolgende Bitte und Vorstellung zu unterbreiten: Seit einiger Zeit kursiert hier ein leider nunmehr auch von kundiger Seite als begründet bestätigtes Gerücht, das wir int Anfang kaum glauben zu dürfen vermeinten, das aber nunmehr, wie in unserem Nachbarorte Garbenteich, so insbes. auch hier in Steinbach, eine ganz außerordentliche und tiefgehende Entrüstung, ja Empörung, über die uns drohende Beeinträchtigung unserer Lebensinteressen hervorgerufen hat. Wir betonen ausdrücklich: unserer Lebensinteressen! Denn nicht etwa bloß der Gedanke veranlaßt uns zu dieser Vorstellung, daß dasselbe Steinbach — seit Jahrhunderten der größte Ort der Umgegend — über das 1871 die Bahn Gießen—Gelnhausen zu führen geplant war, und dem dieser Vorzug infolge von allerlei hier nicht näher zu erörternden Vorkommnissen wieder abspenstig gemacht worden ist, nunmehr „noch weiter abseits" von derselben Eisenbahn zu liegen kommen solle, für deren Erbauung es seinerzeit mehr als 40 000 Mark beigefteuert hat und noch immer jährliche Beiträge zahlt: foiiöent vielmehr, daß Steinb ach seiner Personen-Ha ltestelle einfach vollständig verlustig gehen soll! . Tenn darauf kommt schließlich die geplante Verlegung der Personen-Haltestelle an einen Ort, der ca. 20 bis 25 Minuten von den äußersten jenseitigen Häusern Garbenteichs entfernt liegt, hinaus: Sie bedeutet für unsere große und zahlreiche werktätige und in Gießen Arbeit und Lebensunterhalt suchende Bevölkerung den V e r- lust ihrer Eisenbahnstation und ihres Arbeitsverdienstes! Diese schwerwiegende Tatsache kann und darf nicht übersehen werden. Sie darf vor allem nicht von feiten derer, die jenen Plan ausgedacht haben weil dieser Plan nun einmal entworfen ist, abgeleugnet werden. Denn es handelt sich um vitale Interessen einer ganzen großen Bevölkerung. Tenn indem sich der jetzt bereits' gegen 3y2 Kilometer lange Weg von Steinbach bis Garbenteich-Bahn- hos um 2 bis 2V2 Kilometer verlängert, bringt seine Benutzung in Verbindung mit der um 2 Kilometer verlängerten und entsprechend öcrlcucrfcn Bahnfahrt und dem Ab- und Zugang von und nach dem Bahnhof zu Gießen keinerlei Vorteil mehr! Wir „gehen" eben so bequem oder vielmehr unbequem den 8 Kilometer langen Weg nach Gießen direkt. Mit anderen Worten: gerade die älteren und gediegeneren Handwerker werden dura) die Länge des Weges -von jeher Arbeitsbetätigung und jedem Broterwerb in Gießen ausgeschlossen fein. Eine neue Chaussee aber von 4 Kilometer Länge von Steinbach nach der geplanten Station für 40000 Mark zu erbauen und dadurch wieder um einiger Vorteile willen, die die Bahnverwaltung vielleicht von der Verlegung der Haltestelle für sich erwartet, denjenigen Zustand aufs neue „erkaufen" zu sollen, welchen wir jetzt schon besitzen: solches von uns zu verlangen, würde uns fast wie ein Hohn auf jegliches Gerechtigkeitsgefühl anmuten. Zudem ist Steinbach nach Lage seiner Finanzen hierzu gar nicht imstande; auch ist solcher Weg- bau schon deshalb ein Ding der Unmöglichkeit geworden, weil durch die Feldbereinigung zu Garöenteich der seitherige, auf den Generalstabskarten unrichtiger Weise noch verzeichnete Weg von Steinbach nach Grüningcn in der bereinigten Feldgemartüng iaffiert worden ist. Die dem- nach erforderlichen Landantaufe würben toieberitm der- artige Summen verschlingen, daß sie mit jenen Baukosten zusammen rem unerschwinglich sein würden. Es wirb uns freilich erwidert, Steinbach erhalte zufolge des neuen Projekts ferne eigene Auslade-Rampe, die wie für Garben- terch, Watzenborn-Sternberg, DorsGilt und Grüningen, von großem Vorteil auch für unser Dorf fein werbe. Dem ist entgegenzuhalten: Wie für die anderen genannten Dörfer, fo sind diejenigen Beduesnisse, welche in ganzen Waggou- Ladungen bezogen werden, auch für Steinbach fo geringfügig, daß sich nm ihrer willen, die Aufwendung der Hess. 1. Kammer. Der Fürst Jost Christian zu Stolberg-Noßla wird zur bis Vollendung seines 25. Lebensjahres, am 28. Dezember 1911, als Mitglied der 1. Hess. Kammer auch fernerhin durch seinen Oheim, Grafen Kuno zu Stolberg-Roßla vertreten. •• Vom hessischen Briefadel. Der kürzlich erschienene 2. Jahrgang des Gothaischen Taschenbuches der briefadeligen Häuser weist gegen 300 neue Familien auf, nachdem der erste Jahrgang an 500 gebracht hatte. Unter diesen befinden sich folgende, die im Großherzogtum Hessen verbreitet sind: Bauer von Bauern, Bechtold, Becker, Boehmer, Buderus, Chrismar, Colomb, Grolinan, Hahn, Hclniolt, Herfß Hessert, Joeden, Kayser, Ktipstbln, Krug von Nidda, Le Coq' Niackensen, Nathusius, Ochsenstein, Öetinger, Olberg und Schaumann. Unter „Briefadel" werden die Familien verstanden, die die Führung ihres AdelSprädikats einem Er- hebungs- oder Bestätigungsdlptom eines der Herrscher des alten deutschen Reiches oder eines Landesfürsten verdanken. Aus S.uoe uno Luno. Gießen, 9. Jan. 1908. Vad Nauheim und Bad Salzhausen im Staatsvoranschlag. Der Etat der Badeanstalten Bad Nauheim und Bad Salzhaiisen führt die Einnahmen und Ausgaben jenes Bades auf mit 1301000 M. und 1165187 Mk. und die des letzteren mit 21812 Mk. und 57 625 Mk. Bad-Nauheim ergibt gljo einen Ueberschuß von 135 813 Mk., Bad Salzhausen verlangt einen Zuschuß von 35 813 Mk.; der bei Vergleich beider Abschlüsse, also nach Deckung des Zuschusses für Bad Salzhausen aus dem Ueberschuß von Bad-Nauheim, verbleibende Restüberschuß von 100 000 Mk. fließt wie bisher der Staatskasse $ur Deckung allgemeiner Staatsbedürfnisse zu. Daneben konnte in dem Bad-Nauheimer Etat bei den stetig steigenden Einnahmen des Bades eine Ablieferung an den Erneuerungsfonds Bad-Nauheim von 240 527 Mk., 44 923 Mk. mehr als in 1907, vorgesehen werden. Letzterer Fonds, der die Verzinsung und später auch die Tilgung der sich demnächst auf etwa rund 9 800000 Mk. belaufenden Anleihen für die großen Bad- Nauheimer Bauten und die Gruppenwasserversorgung Bad- Nauheim zu gewährleisten hat, wird sich Ende des Etatsjahres 1907 auf rund 1 111300 Mk. stellen, wobei zu beachten ist, daß ein schon früher er f al teuer Erlös aus Verkauf von Salinen gelände im Betrage von runb 40000 Mark direkt zur 'Deckung von Neubaukosten verwendet wurde. Die Bauausgaben werden sich bis zum gleichen Zeitpunkt (Ende 1907; auf etwa 6 000 000 Mk. belaufen und es wird bann ein dem entsprechender Anleihebetrag zu ihrer Deckung ausgenommen )cin. Im Zusammenhang hiermit sei vorgreifend bemerkt, daß im Vermögensteil des neuen Hauptvoranschlags als 5. Baurate für die Neubauten zu Bad-Nauheim 629 700 Mk. angefordert werden. In diesem Betrage sind die durch besondere Regierungsvorlage angeforberten Mehrkosten des Konzertsaales auf der Terrasse mit 195 500 Marr einbegriffen; sodann sind, zum Teil in Abweichung von dem ursprünglichen Bauplan, zum Teil auch als Erweiterungs- und Ergänzungsanlagen von dem Betrieb schon übergebenen Neubauten usw., vorgesehen : der Rohbau und innere Ausbau der Badehäuser IX und X (Süd) mit 86^Zellen, der Ausbau des Äfermal- röhrenkanals von der Sprudelkammer nach Badehaus VIII und von Sprudel XIV nach Badehaus IX (Nord), die Beschaffung von Reservemaschinen für die Tamvfwasch- anstalt, die Erweiterung der Eisfabrik durch Ausstellung einer zweiten Eismaschine usw. Infolge der veränderten Lage des Geldmarktes soll die Verzinsung dieser, sowie der auf Grund früherer Verwilliguugeu nach Schluß des Rechnungsjahres 1907 aus den Anleiyemittelu der Haupt- staatskaste dem Erneuerungsfonds je nach Bedarf weiter zu überweisenden Beträge r.tii 4 Prozent, statt bisher Zi/-» Prozent, vom Tage der Ueberweisung an aus dem genannten Fonds erfolgen. hohen Kosten der Erbauung einer Rampe und der Verlegung des Bahnhofs nicht rechtfertigt. Watzenbom-Stetn- berg liegt fast näher nach Großen-Linden als nach der neu projektierten Auslade-Rampe; Dorf-Gill hat bereits seine Auslade-Rampe in dem nahen Hof-Gill bezw. Mu- fchenheim; das kleine, kaum 700 Einwohner zählende Gru- ningen müßte erst eine Chaussee in weitem Bogen durch ein tiefes Tal und über einen hohen Berg erbauen und bat bereits Rampe und Haltestelle zu Lang-Gons; und für Steinbach liegt die Sache so, daß die seither von uns benutzte 2luslade-Rampe zu Lich nach wie vor näher und bequemer zu erreichen sein wird, als die in der Nähe der Kreis-Wasenmeisterei im freien Felde projektierte neue Rampe. Die Wasenmeisterei aber kann ihre Steinkohlen so gut in Lich holen wie auf dem Umweg über Garbenteich von der projektierten Rampe. Indem demnach deren Erbauung nur den Ackerbesitzern von Garbenteich, die ihre dort gelegenen minderwertigen Liegenschaften zu teuren Preisen losschlagen können, und den Garbenteicher Maurermeistern und Bauunternehmern zu gute kommen, für den Eisenbahnsiskus jedoch vollständig unnötige Kosten verursachen würde; indem vielmehr die nur mit weiteren hohen Kosten mögliche Verlegung der Personen-Haltestelle in jene angenehme Nachbarschaft der Kreiswasenmeisterei — angenehm auch für die Bahnbeamten — auch noch das im Gefolge haben würde, daß die mehr als hundert Fahrgäste aus Steinbach, welche täglich die Eisenbahn benutzen, unbedingt hinwegsallen würden; indem aber solche Verlegung schließlich im Grunde eine Verletzung der Lebensinteressen unserer ganzen über 1000 Seelen zählenden Bevölkerung bedeutete: |o erlauben wir uns, der Ständetämmer die Bitte zu unterbreiten: sie wolle der geplanten Verlegung der Personen-Haltestelle Garbenteich ihre Genehmigung versage n. Soll und muß wirklich eine Auslade-Rampe erbaut werden, so kann fie bei gutem Willen sehr wohl auch in der Nähe der gegenwärtigen Personen-Haltestelle ihren Platz finden, um fo mehr, als letztere in den jüngst vergangenen Jahren durch so und so viele kostspielige Neu- und Anbauten er ft erweitert worden ist, und als eine Auslade-Rampe wohl kaum im Interesse der Kreis-Wasen- ineifterei in deren Nähe zu sein braucht, da bekanntlich Tierkadaver mit der Eisenbahn nicht befördert werden. Soll und muß sie indessen in dieser Gegend errichtet werben, so ist wenigstens zu erwarten, daß die Personen- Haltestelle dort, wo sie «ich zurzeit befindet, verbleibt und nicht, um etwa einen Bahnbeamten zu sparen, Kosten verausgabt werden, die für den Eisenbahnfiskus wie für sämtliche interessierte Gemeinden keinerlei Nutzen, im Gegenteil nur unermeßlichen Schaden bringen. ** Der Voranschla g des staatlichen Braun- kohlenberg Werks Ludwigsho f f nung enthält nach erfolgter Einstellung des Betriebs auf dem alten Werk jetzt nur noch die Einnahmen und die Ausgaben des neuen Werks mit Preßsteinfabrik bei Wölfersheim, er beziffert jene auf 237 976 Mk. 50 Pfg., diese — einschließlich einer Abführung an den Erneuerungs- und Geländeankaufsfonds von 39 040 Mk. — auf 197 068 Mk. und schließt sonach mit einem Ueberschuß von 40 908 Mk. 50 Pfg. ab. Das Anlagekapital des Werks von 929 200 Mk. verzurst sich danach zu 4,4 Prozent und bei Berücksichtigung auch einer 3i/2prozentigen Rente des zu 390 000 Mk. angenommenen Werts des Kohlenlagers zu 2,93 Prozent. ** Pfarrpersonalien. Ernannt wurden: Pfarrvikar Müller zu Lampertheim zum Pfarrassistenten in Heppenheim, Dek. Zwingenberg; Pfarrverwalter Mayer zu Altenschlirf zum Pfarrvikar in Münzenberg; Pfarrvikar Gö11ert zu Judenburg-Zeltweg zum Pfarrverwalter in Altenschlirf; Pfarrverwalter Siebener zu Groß-Gerau zum Pfarrverwalter in Büttelborn; Pfarramtskandidat Widmann zu Darmstadt zum Psarrassistenten' in Osthofen (mit dem Wohnsitz in Rhein-Türtheim) ; Pfarramtskandidat Winkelmann zu Darmstadt zum Pfarrassisten- ten für Griesheim und Arheilgen (mit dem Wohnsitz in Griesheim); Psarramtskandidat Reichert zu Nieder- Wiesen zum Verwalter der zweiten Pfarrstelle in Groß- Gerau; Pfarramtskandidat Kl i n g e l h ö f f e r zu Lich zum Pfarrvikar in Hühnlein; Pfarramtskandidat Döll zu Offenbach zum Pfarrassistenten in Mühlheim; Pfarramtskandidat Stadler zu Friedberg zum Pfarrverwalter in Fauerbach, Dekanat Friedberg; Pfarrassistent Wöriß- h off er zu Neuhausen-Worms zum Psarrassistenten in Dietzenbach; Pfarrverwalter Reichert zu Westhofen zum Pfarrverwalter in Ober-Lais; Pfarrverwalter Glock zu Wallenrod zum Psarrassistenten in Worms; Pfarrvikar Sic. Gaul zu Beedenkirchen zum Pfarrverwalter daselbst; Pfarramtskandidat Doering zu Breungeshain zum Pfarrverwalter in Wallenrod. Die Schlußprüfung im November 1907 haben bestanden: Wilh. Döll zu Offenbach a. M., Hch. Doering zu Breungeshain, Ludw. Klingelhöf- f e r zu Lich, Karl R e i ch e r t zu Nieder-Wiesen, Jos. Stadler von Handzell zu Friedberg, Wilh. Trautmann von Hangen-Weisheim zu Kettenheim, Rud. Widmann von Büdingen zu Darmstadt, Erich Winkelmann von Danzig zu Darmstadt. Zur Wiederbesetzung werden ausgeschrieben: die evang. Pfarrstelle zu Bauschheim; die evang. Pfarrstelle zu Jugenheim, Dekanat Mainz. •• Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kirtorf. ** In der Arbeiter-Kolonie Neu-Ulrich- stein befanden sich am Jahresschluß 104 Arbeits- bezw. Stellenlose, darunter 14 Hessen. Nicht weniger als 40 davon Waren Arbeiter, ferner 7 Schlosser, 7 Maurer, sechs Schreiner, je 3 Kaufleute, Knechte, Schuhmacher, Schneider, Schweizer und Zimmerleute, je 2 Landwirte, Anstreicher, Korbmacher, Klempner, Schreiber und Weißbinder, je ein Spengler, Bäcker, Gärtner, Dreher, Uhrmacher, Friseur, Hausdiener, Schornsteinfeger, Lehrer, Buchbinder, Vergolder, Brauer, Stellmacher und Steinbrecher. Der Zugang im Dezember betrug 26, der Abgang 14 Mann. Entlassen Würben auf eigenen Wunsch 6, in Arbeit gingen durch die Kolonie 2 und durch eigenes Bemühen einer, 2 wurden Wegen Kontraktbruchs und ebensoviel wegen Arbeitsscheu entlassen, ferner einer Wegen Krankheit. Seit Bestehen der Kolonie wurden 6255 Leute in sie aufgenommen. ** In Am erika verstorbene H e f f e n. Frau Katharina Trebert aus Romrod, 74 Jahre alt, zu Rochester, N.-Y. — Baufchreiner Krnr. Haas aus Bensheim, zu Akron, O. — Jakob Knapp aus Heppenheim, zu Akron, O. — Joh. Hockfpeier aus Gundersheim, 49 Jahre alt, zu Alta Vista, Iowa. 4- Klern-Li nden, 8. Jan. Die hiesige Heimatvereinigung veranstaltet nächsten Sanlstag abend 8l/i Uhr auf der „Burg" einen Volksunterhaltungsabend mit Theater, deklamatorischen Vorträgen und musikalischen Darbietungen des Zitherkränzchens. X Weickartshain, 8. Jan. Unsere Gemeinde, die dem Verband der evang. Pfarrei Merlau und innerhalb dieser beftt Kirchspiel Flensungen angehört, wird am 1. April eine selbständige Filialgemeiude werden. S. K. H. der Großherzog hat der Aenderung schon zn^estimmt und an der noch ausstehenden Genehmigung der Landessynode ist nicht zu zweifeln. -t-Friedberg, 8. Jan. Eine ungewöhnliche Verminderung der Zahl der Singvögel ist hier wahrzunehmen. Auf Futterstellen, die in früheren Wintern von Schwärmen der verschiedensten Vogelarten ausgesucht Waren, haben sich trotz der weitausgebreiteten Schneedecke nur Wenige Sänger eingefunden; wo früher 16 bis 20 Buchfinken und Amseln sich Futter holten, sind deren jetzt nur 2 bis 3 vorhanden. Die schlanken, lebhaft gefärbten Bergfinken fehlen gänzlich, ebenso die Drossel und die muntere rundliche Blaumeise. Die Haubenlerchen und die Goldammern, sonst in kleinen Trupps auf den Straßen anzutreffen (wo sie beim Aufsuchen des Futters nicht sehr wählerisch vorgehen), sind jetzt nur ganz vereinzelt sicht- bar. Auch im Wald, in dem um diese Zeit die kleinen beweglichen Bergmeisen die Nadelgehölze mit dem leise gepfiffenen wie? Wie? abzusuchen pflegten, ist es auffallend still und leer. Welche Ursache dem zu Grunde liegt, ist nicht bekannt. ** Aus dem Kreis Alsfeld, 7. Jan. Mit Genehmigung der Ersatzbehörden ist ein neuer Ausheb - u n 3 $ * u u d Musterungsbezirk Homberg mit folgenden Orten gebildet worden: Appenrod, Bernsfeld, Blei- denrod. Büß selb, Burg-Gemünden, Dannenrod, Deckenbach, Erbenhausen, Gleimenhain, Gontershausen, Haarhausen, Hö- Hamberg, Lehrbach, Maulbach, Nieder-Ofleiden, Ober- Oflerden und Schadenbach. Die übrigen Orte des Kreises bltnben bet dem Musterungs- und Aushebungsbezirk Alsfeldt < axn$' 7- Jan. Der seitherige Vorsitzende der Handelskammer, Herr Dr. Otto Ga stell, hat der Kammer mitgeteut, daß er infolge zu großer geschäftlicher Jnan- lpruchnahme und mit Rücksicht auf seine Gesundheit sich veranlaßt sehe, den Vorsitz nieder zulege n und mit beni 1. Januar aus der 5tammer auszuscheiden. Gleich- zetttg gab er seiner Anhänglichkeit an die Kammer dadurch Uusdrnck daß er in hochherziger Weise als Grundstock für die Errichtung etnes be,onderen Gebäudes für die Harrdelslehranstalt ein Kapital von 50 000 Marl iur Verfügung stellte. lld : Gemeinde, die und innerhalb mrd am 1. Mil L. K. der eslimmt und an T Landessynode wohnliche Ser* oögel ist hl» rüheren Wintern arren ausgesucht reiteten pp früher 16 bis M siud deren (fen, lebhaft 9e’ hieür»|iet"» ubenlelch« ® ■uttc« «E l‘«9L )en hpi "l Ä $ einer yrt, ^.|oS *4sg Lrr alter gi) n h uher * h Oeoß-tzera^ ramt5fünbüat * 'Pfarramts, Rassisten, Wohnsitz in J iu 'Lieder, tefu m Groß. ^iuLich zum 3at Döll zu n; Pfarramts- ^Verwalter in teilt Löriß. ^assistenten in Phasen zum ter Glock zu 5: Pfarrvikar kalter daselbst; rw zum Psarr« !9 im Novem- ffenbach a. M., lingelhöf. n, Jos. Stad- u t m a n n von dmann von lun von Tan- roeiben ausge- ichheim; die Mainz. . Lehrer zu be« e zu Kirtorf. 'ieu-Ulrich- Arbeüs- beziv. Miger als 40 i Maurer, sechs c)cr, Schneider, Ne, Anstreicher, ßbinder, je ein racher, Friseur, binder, Lergol- 2er Zugang inn. Entlassen ngen butd) die tet, 2 wurden n Arbeitsscheu Seit Bestehen mommen. essen. Frau ii e alt, zu Ro* aus Bensheim, heim, zu Mon, । Jahre alt, zu iesige Heimat« । abend 81/, Uhr ngsabend mit u'ilalischen Dar« jtit 6k* mbcrtAb-9[er »'Id-- ■’ 3»K ' :1}bC.= i. Gonterskirchen, 7. Jan. Eine hiesige Frau wollte auf dem Scheunengerüste Stroh holen. Sie glitt ab und fiel in die Tenne, wo sie bewußtlos liegen blieb. Es war ein Glück, daß zufällig ein Nachbarsmann in das Gehöfte kam, sonst hätte die Frau bei der damaligen strengen Kälte erfrieren können. Durch den Sturz hat die Frau eine Gehirnerschütterung erlitten. S e e h e i m, 8. Jan. Der hiesige Bürgerverein hatte die Oberpoftdirektion Darmstadt gebeten, den Namen „S e e - heim (Hesse n)" in „S e e h e i m (B e r g ft r a ß e)" z u ändern, weil ein großer Teil der hierher bestimmten Briefe infolge des unzweckmäßigen Zusatzes zum Ortsnamen einen höchst überflüssigen Umweg über Leeheim (Hessen) nimmt. Die Oberpoftdirektion genehmigte das Gesuch unter der Bedingung, daß der Bürgerverein die Kosten des neuen Stempels trüge. Aber noch viel weiser ist die Entscheidung des Reichspostamts, an das sich der Bürgerverein nunmehr wendete. Diese Behörde teilte dem Bürgerverein mit, daß die betreffende Zusatzbezeichnung abgeändert wird,----sobald die Erneuerung des Briefaufgabestempels erforderlich wird. Da ein solches metall- . nes Werkzeug eine ziemlich lange Lebensdauer hat, so können wir hoffen, daß die für uns bestimmten Briese im 21. Jahrhundert uns auf geradem Wege erreichen werden. UnZverjitiits-NaehrichreLT. — Für das Fach der praktischen Theologie habilitierte sich in der Marburgs r theologischen Fakultät der Sladtpiarrer a. D., Dekan Lic. theol. Rudoli G ünther mit einer Vorlesung über ,Tas deuljche Ehristenlled des 19. Jahrhunderts." — Zuin Nachfolger des mit Ende dieses Semesters in den Ruhestand tretenden ord. Professors der Botanik und Direktors des botanischen Instituts an der Unwersilät Straßburg i. Els. Dr. Hermann Graf zu S o l in s - L a u b a ch ist der etatsmäßige Professor an der landwirlschastlichen Akademie B o n n - Pippelsdorf Dr. Ludwig I o st ausersehen. VerrnStzchte». * Berlin, 7. Jan. Schon miebcr ist eine Blutt at zu verzeichnen. Auf dem Tempelhofer Felde wurde eine Frauensperson unter Umständen tot aufgefunden, die auf einen Lustmord schließen lassen. Es handelt sich um eine 40jährige Landstreicherin namens Glässer. Am Halse zeigten sich Würgspilren, während ihr in den Mund em Tuch gewaltsam hmemgestopst war. Jacket und Blouse war auf- zerissen. An der Brust zeigten sich Stichwunden, was auf »inen Sadisten als Täter schließen läßt. — Mit dem Tode ;ines Ehepaares endete eine Familientragödie, die sich heute im Osten der Stadt abgespielt hat. In der Voigt- slraße wurde die 40jährige, von ihrem SDlanne getrennt lebende Frau Pauline Frick von diesem erschossen. Nach Verübung der Tat tötete sich Frick selbst durch einen Schuß. — In der Angelegenheit der Ermordung der kleinen Miehlke sind heute wiederum drei Verhaftungen vorgenommen worden. Die verhafteten Personen ivurden den Zeugen gegenübergestellt. * 9? an en, 7. Jan. Die große Telef unken st ation in Nauen begann die diesjährigen Fernoersuehe nach Anbringung wichtiger Verbesserungen und erreichte ein ganz außerordentlich gutes Resultat. Telegramme Nauens wurden vor einigen Wochen von einer kleinen transportablen Militär- slation in Kornenburg bei Wien ausgenommen. Zu gleicher Zeit trat der Dampfer „Cap Blaroo" die Ausreise von Ham- ourg nach Biienos Aires an. Ec erhielt täglich telegraphische Nachrichten von Nauen. Tas letzte Telegramm rouibe m Santa-Cruz auf Teneriffa ausgenommen, nachdem der Dampfer acht Tagereisen von Hamburg entfernt war. Die Entfernung bis Teneriffa beträgt ungefähr 3 70 0 Kilometer, das heißt, eine größere Entfernung als die Marconi- slation bei Rekordversuchen über den Ozean erreichte. * S e L h e l d e n. Sieben Ueberlebende des norwegischen Segelschiffes „Germania" wurden bon, einem englischen Dampfer mitten im Atlantischen Ozean aufgesunden und nach Amerika gebracht. Tie sieben kamen mehr tot als lebendig an, doch' waren sie nut Unterbrechungen^ imstande, ihre furchtbare Geschichte zu erzählen. Tas Segelschiff „Germania" war bon einem harten Windstoß getrosten worden und sank fast plötzlich irährend eines heftigen Sturmes. Die Mannschaft halte gerade noch Zeil, die beiden Boote auszu- s^en. Das eine Boot verschwand sofort und wurde nicht mehr gesehen. Der Kapitän ging mit dem Schiff unter, ohne den Berjuch zu machen, sich zu retten. "Wien Z w e i m i l l i o n e n - S t a d t. In der statistischen Abteilung des Wiener Magistrats ivurde ausgerechnet, daß nach der bisherigen Bevölteriingszunahme Wien Ende Dezember 1 999 912 Einwohner hatte, daß also am 1. Januar 1908 die ziveile Million überschritten wurde. Damit rücke Wien an die sechste Stelle der Großstädte bezüglich der Em- ivohnerzahl. * 11 in eine Ohrfeige erm ordet. In einer Familie Piaoenzas spielte sich am Neujahrstage ein fürchter- liches Drama ab. Der siebzehnjährige Stuoeut Jtalo Re- mondini versetzte, wie von uort berichtet wird, seiner achtzehnjährigen Schwester Julia iu,olge eines Wortwechsels eine Oi,r,eige. Das Mädchen holte darauf aus dem Nebenzimmer einen Revolver ihres Vaters und zerschmettere' dem Bruder ourch einen wohlgezielten Schuß den Schädel. Kleine Tageschrouik. Bci einer Weihnachtsfeier für arme Kinder in der Billa des Bankiers Richard Ladenburg in M annheiin fing eine Gardine in der Nähe des brennenden Christbaumes Feuer, i>as rasch verbreitete. Der Hausherr und feine Frau erlitten Brandwunden im Gesicht und an den Armen und >nußten das öcinrici) LanzTlrantenhaus aufsuchen. Die Kinder blieben unverletzt Sechs immer find teilweise gänzlich vernichtet, darunter .-kunstwerte von numensem Wert. Die Berufsfeuerwehr rettete Jen oberen Stock. In SX önigs h ü tt e verb r a n n t c bic p-rau des Berg- irbeilers WefsoU) bei lebendigem Leibe, -sie war am Ofen einge- chlafen, MS i.n öiuucn u. - ce.ib Ofen ow Kleider nt Brand |Ci5tC— Mim 7. Januar besichiigle der König von Italien in Nom )as seit etwa 2 5 I a h r e n i m B a u v e ar mene De n k - ui a l feines Balers, dessen Bau alle paar Atonale aus Mangel Lii 'Jllatcual unleibrochen wird. So ist auch diesmal wieder cme Anzahl sonn am Denkmal bejchäitigler Slemmetzen arbeilslov. Die Leute begrüßten den Sionifl mit dein Nw : „»c a j e st a t >v l r »vollen Brot ". Polizei und Carabinieri umringten daraui die Steinmetzen, von öenen etwa 60 verhaltet wiirden. Da aber die verha'leten ertlärten, sie hätten den König nur au, ihre traurige Lage aufmerksam machen wollen, wurden sie wieder sreigelaijen. Kandel. ** Neue 4%ige Württembergische Staatsanleihe Die Bank für Handel u. Industrie (Darmstädter Bank) Hal mit anderen Minken gemeinsam die neue 4°/oige Württembergische Staats-Anleihe im Betrage von 30 Millionen Mark, von der gestern berichtet wurde, übernommen, und wird sie am 17. Januar zum Eourse von 100% zur Zeichnung auflegen. Die hiesige Niederlassung der Bank nimmt, wie wir hören, bereits jetzt Anmeldungen entgegen. Von der Reichsbank. Nach einer Meldung aus Berlin ist der Status der Bank für die erste Januarwoche noch nicht zu übersehen. In den, ersten Tagen erfolgten wie immer iwch große Ansprüche. Dann waren aber die Rückzahlungen bedeutend. Besonders auf Lombardkonw wurde stark -urück- gezahlt und zwar wird der zurückgezahlte Betrag auf etwa 2/3. aller Lombards geschätzt. Auch die Wechseleingänge sind bedeutend, da viel kurze Wechsel zum Diskont begeben waren. Die Frage einer Diskontermäßigung gilt noch nicht als spruchreif. Schon wegen der Höhe der Devisenkurse, so daß man voraussichtlich auch noch den Ausweis vom 15. Januar abwarten wird. — Deutsche Emmissionen im Jahre 1907. Die bekannte Emmisfionsstatistik des Deutschen Oekonomist ist wieder erschienen. Laut dieser ist der Rückgang der Emimissionstätig- feit, Der schon für das 1. Halbjahr 1907 zu konstatieren war, im 2. Halbjahr recht stark zum Ausdruck gelammen. Tie Gesamtsumme ber in 1907 in Deutschland emitierten in- und ausländischen Börsenpapiere beziffert sich auf nominal 1943 Mill Mk. mit einem Kurswert von 2136 Mill. Mk. gegen nominal 2353 Mill. Mk. und einem Kurswert von 2741 Mill. Mk. im Jahre 1906. Auf deutsche Papiere entfallen nominal 1800 Mill. Mk. mit einem Kurswert von 1983 Mill. Mk. (i. V. 2158 Mill. Mk. bezw. 2521 Mill. Mk.). Deutsche Staatsanleihen wurden emitiert im Kurswerte von 546 Mill. Mk. (i. V. 638 Mill. Mk.), Kom- munalanleihen 425 Mill. Mk. (347 Mill. Mk.), Pfandbriefe 250 Mill. Mk. (405), Jndustrie-Obligatwnen 173 Mill. Mk. (183), Bankaktien 152 Mill. Mk. (282), Industrie-Aktien 431 Mill. Mk. (654). Gotthardbahn. Zu den am 15. Januar d. Js. beginnenden Verhandlungen über die Höhe der Rückkaufsumme der Gotthardbahn erfährt ein Berner Korrespondent der F. Z., daß die Differenzen zwischen der Gesellschaft und dem Bundesrat über die Reinertragsrechnung gering sind, so daß diese Frage in 1 bis 2 Sitzungen erledigt werden dürfte. Bedeutend da- gegen sind die Differenzens über die sog. Minderwerte, die hauptsächlich die angeblich zu geringe Ausdehnung einiger Bahnhöfe, beispw. des Bahnhofs von Ehiasso, betreffen, lieber die Frage, wem der 13.5 Mill. Franks enthaltende Erneuerungsfonos zufällt, sowie über die Frage der Herstellung des zweiten Gleises Giubiaseo-Chiasso für 10 Mill. Fr. bestehen ebenfalls erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Berlin, 7. Jan. Tie Betriebseinnahmen der Shantung-Eisenbahn-Gesellschaft betrugen im Dezember 220 000 mexikanische Dollars gegen 210 000 mexckan. Dollars im gleichen Monat des Vorjahres, mithin ergibt sich ein Mehr von 10 000 mex. Dollars. Danach stellt sich die Gesamteinnahme von 1907 auf 2 345 966 mex. Dollars gegen 2133 783 mex. Dollars für 1906, was ein Mehr von 212183 mex. Tollars ober 9,94 Prozent gegen das Vorjahr bedeutet. — Amerikanische Ban knoten-Reform. Senator AldrichS Gesetzentwurf betreff, die Banknolenresorm wird in den nächsten Tagen emgebrachl werden. In ihm ist die Elearinghouse- Garantie wieder aufgegebeii worden. Im Bedarfsfälle sollen 250 Mill. Doll. Noten emittiert werden, wobei als Sicherheit Staats-, Genietnde- und Eisenbahn-Bonds dienen können. Tie Steuer dieser Stolen beträgt 6%. Eme nochmalige Aenderung dieses EiitlvurfS dürfte unwahrscheinlich fein. Daß damit wirklich etwas ivtrksames erreicht wird, wenn der Antrag zum Gesetz erhoben wird, ist sehr zu bezweifeln. — Kleine F i n a n z ch ro n i k. 5 Mill. Mk. 4°/o ige Offenbacher Stadtanleihe von 1907 sind nunmehr auf Antrag der Filiale der Bank für Handel uni) Industrie an der Frankfurter Börse zugelassen worden. — Aus Newyork kommt bie Meldung, daß vier große Tiamantenfirmen Fränkel u. Company, Gattie u. Concpany, Gattie, Ettinger, sowie Fränkel anb (Lons insolvent sind. Die Verbindlichkeiten betragen 4Vs Mill. Dollar. — Die Umschan, Wochenschrift für Wissenschaft und Technik sowie ihre Beziehungen zur Literatur und Kunst (Frankfurt a M., Bechholds Verlag; Preis vierteliährsich 3.80 Mk.) — Die Umschau ist als die beste populär-wissenschaftliche Wochenschrift anerkannt. Sie unterrichtet ihre Leser schnell und umfassend über alle Neuerfindungen und Entdeckungen in Wmen- schaft uni) Technik. Ihre Darstellungsweise ist allgernemver- ständlich und mit Hilfe von Illustrationen weiß fte die schwierigsten Fragen dem Verständnis zu erschließen. Instruktive Aussätze, von ersten Fachmännern verfaßt, fetzen die Leser in den Stand, unsere modernen Fortschritte in der Entwicklungsund Urgeschichte, Aslroiwmie, Botanik, Chemie, Elektrotechnik, Geographie und Geologie, Heerwesen, Hygiene, Land- und Forftwirt- schast, Lustschissahrt, Medizin, Physik, Psychologie, See- und Verkehrswesen, Völkerkunde, Zoologie nsw. mühelos zu verfolgen. So finden wir in der künstlerisch ausgestatteten ersten Nummer des neuen Jahrgangs eine Reihe wichtigster Fragen behandelt, aus deren Fülle wir nur die Abhandlung „Entwicklung und Renaissanee" von Geheimrat Prof. Dr. W. Ostwald und bie Aufsätze „Der Panamakanal" von Dr. Fr. Lampe, „Die Rolle des Kali int Pflanzenorganismus" (mit Farbentasel) von Dr. Vageler, „Das Radium in der Heilkunde" von Dr. Löwenthal herausgreifen. Für die folgenden Nummern werden u.a. angekündigt: „Der Ursprung der Juden" von Dr. Gg. Bufchan. — ,Die krebsartigen Erkrankungen und ihre Bekämpfung" von Prof Dr. V. Czerny, Wirkl. Geh.-Rat, Exzellenz. — „Christus" von Pros. Dr. Delitzsch. — „Weibliche Ingenieure" von Ingenieur Karl Drews. — „Tie elektrische Eisen- und Stahls tninnung von Ingenieur V. Engelhardt. — „Was hoffen und was fürchten wir von der sexuellen Aufklärung der Jugend" von Geh Med.-Nat, Prof. Dr. Eulenburg. — „Unsere schwarzen Brüder" von H. de Frötures. — „Die Natur ber Materie im Lichte ber Elektronentheorie" von Prof. Dr. Graetz. — „Genügt unsere Schulbildiing beit Ansorberungen des Lebens?" von Prof L. Gurlitt. — „Schreibmedien und Geisterschrift" von Dr. R. Henning. — „Tie hygienische Bedeutung des Wintersports" von Prof. Tr. Hueppe. — „Luftdünger" von Tr. Huudthausen. — „Nervosität und moderne Kultur" von Samtats- rat Tr. Laquer. — „Tie Frau in der Literatur der Gegenwart" von Dr Lory. — „Gemeinsame Erziehung" von Stadtschulrat Dr Längen. — „Ist das Nackte unsittlich?" von Bildhauer Harro Magnussen. — „Versuchsschulen und pädagogische Versuche der dieuzeir" von Pros. Tr. Rein. — „Ter gegenwärtige Stand der Esperantobewegung" von Reinhardt Schmidt. .':^/reform von Adele Schreiber, uni) viele andere brennende wissenschastlrche und technische Fragen. Hcrinilien-Nachrichten. Geboren: Herrn Julius Engel unb Frau Thekla, geb. Rothschild in Friedberg ein Sohn. — Herrn Prof. Schaum und Frau Ella, geb. Winter in Marburg ein Sohn. Verlobt: Frl. Emmy Rosenthal in Lanaenschwalbach mit Herrn Karl Haas in Atarburg. — Frl. Marie Mörschel nut Herrn Friedrich Steitz in Friedberg. — Frl. Hedwig Löb tn Hungen mit Venn Hermann Goldenberg in Storndori. . Gestorben: Herr Wilhelm Leo Vogt tn Reichelsheim t. d. W. — Herr Ludwig Unverzagt in Biedenkopf. — Frau Katharine Kiehm, geb. Bloch in Schütz. — Frau Liesbeth Ehrlich m Friedberg. — Frau Eüse Momberger in Frie' vg. — Frau Katharina Römer, geb. Schmidt in Kirchham. — V" Ferdinand Kuhlmann in Wetzls Märkte. n Limbura a. d.L.,8.5Zcm. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pro Malter. Roter Weizen (iiaff.) 17,95 Mk., weißer Weizen 00,00 Mk., Korn 14,93 Mk., Gerste 11,18 Mk., Haier 8.00 Mk., Erbsen 0,00 Mk. Kartoffeln 4,80 M?. UötzkutliLeziedttM der Todesfälle mLerSIM ü-ietze« 51. Woche. Vom 15.—21. Dezember 1907. (Einwohnerzahl: angenommen zu 30 000 (intl. 1600 Mann Militär.^ Sterbüchkeltszifser: 19,06 °/06, nach Abzug von 5 Ortsiremden: 10,40 °/oo. Kinder Anm.: Tie ut Silanmient gesetzletl Zifserrt geben an, wie viel ber Todesfälle in der belrefjenden Krankheit auf von auswärts nach Greßeti gebrachte Kranke komiiren. Es starben an: Zusammen: Erwachsene 1. im vom Lebensjahr: 2.—16. Jahr Typhus KD 1(1) — • — Tuberkulose 3(1) 3(1) —— — Krebs 1 1 — —— Wochenbettsieber Kl) KD — — Schlagfluß 1 1 — — 'JJlaiern 1 —— — 1 Verunglückung 2(2) 2(2) ** — unbekannten Ursachen 1 — — 1 Summa: 11 (o) 9(5) — 2 Meteorologische Veovt-chtu»igen der (Station Gießen. Januar 1908 Barometer auf 0° rebuziert Temperatur ber Lust Abfoliite Feuchtigkeit dlelatiue Feuchtigken Windrichtung Windstärke A«tter 8. 2" 728,1 3,8 5,2 87 S 4 Sonnenschein 8. 9“ 724,0 1,5 4,7 93 WSW 6 Regen 9. 736 726,0 1,0 4,7 96 w 2 Schneefall Höchst Temp cvatur am f.—8. Januar = 4 - 4,1 * C. Niedrigste 7.-8. — — - 1,1 ° c. des Giesseuei Anzeigers, mitgeteilt von der Bank tür Handel und Industrie, (>iessen. Franklurter Itörae, 9. Januar, 1 Jo Ubr. Reichsanleihe . . 93.bö 6% do. . . 82.35 d>6°/0 Konsols .... 94.0a 6% do 82.25 Hessen 93 00 3>j0/0 Oberhessen . . . 92.00 4 % Oesterr. Goldrente. 97 40 4l/6 % Oesterr. t>übetreute 98.40 4% Ungar. Goldrente . . 93 35 4% Italien. Bente . . . 103.45 3% Portugiesen Serie I 63.50 3% Portugiesen „ III 64.25 4>i°/0 russ.Siaatsanl. 1905 94 20 4>ju/0 japan. Staatsanleihe 88.50 Uonv.Türken von iyu3 94.40 Türkenlose 144.00 1% Griecb. Monopol-Anl. . 50.40 i% äussere Argentinier . 86.50 u% Mexikaner .... 62.50 4>s°/0 Chinesen .... 95.50 Aktien: Bochum Guss 196.20 Buderus E. W 113.— Tendenz: behauptet. Berliner Börse, 9. Canada E. B 155.20 Darmstädter Bank . . . —.— Deutscne Bank .... 231.00 Dortmunder-Union C. . . 58.10 Dresdner Bank . . . 139.60 Tendenz: schwächer. Elektnz. Lahmeyer . . . 124.25 Elektnz. Schuckert . . . 105.20 Eschweiler Bergwerk . . 209.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 188.00 Hamburg-Amerik. PaketL 117.90 Harpener Bergwerk. . . 200.25 Laurahütte 218.00 Bordd. Lloyd 106.30 Ubeischles. Eisen-Iudustrie 97.00 Berliner Haudelsges. . . 156.60 Darmstädter Bank . . . 127.00 Deutsche Bank .... 230.90 Deutsch-Asiat Bank . . 133.00 Diskonto-Kommandit . . 172.10 Dresdner Bank .... 140.00 Kreditaktien 200L0 Baltimore- und Ohio- / Eisenbahn 83.70 Gotthardbahn .... —.— Lomuard. Eisenbahn . . 2810 Oesterr. Staatsmann . . . 145L0 Frince-Henri-Eisenbahn . 121.71t Januar. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. . . 199.40 Laurahütte 217.70 i.umbarden E. B. ... —.— Nordd. Lloyd 105.90 i ürkenlose 144.60 Mellen bei Zossen. (Der gey^rnnisvolie FahrradbiebstahL> Ein Faljrrabbiebstahl, welcher einzig in seiner Art dastehen dürfte, hat nach nunrneyr Jahren die Bewohner bes Dorfes Ätellen bei Zossen wieoer in leohaste Erregung versetzt. Im Juli 1906 kaufte ber Dampfschneidemüylenvesitzer Wilhelm Pofselt in Speren- berg an ber Zossener dNckckärbahn von bem Fahrradhändler Arthur Heutig in Zossen ein Brennaoorrad Nr. 433196. Kürze Zeit daraus wurde es ü)m eines Abends gegen Vs 11 Uhr in dem Lokal „Zur Seeschente" gestohlen. Tas spurwse Verschwinden des Fahr-, rades war damals den Beteiligten geradezu ein Rätsel, zumal der Dieb in den belebten Straßen lucht gesehen wurde, also unmöglich auf dem Rade das Weite gesucht haben konnte. Es wurde daher die Vermutung laut, daß der DlCv, um der Entdeckung zu entgehen, das Fahrrad in den. Mellener See versenkt hatte, rccldje Annahme in diesen Tagen ihre Bestätigung fanb._ Die Fischer des Mellener Sees bemerkten bei einem großen Fischzuge in ihren Netzen einen schweren Gegenstand, welcher vor Schlamm, Muscheln und Schlingpflanzen nicht zu ernennen p)ar. Nach Vieler Mühe gelang es ihnen, den 13 Meter tief unter dem Wasserspiegel liegenden Gegenstand an die Oberfläche zu befördern. ^)?achbem der rätselhafte F-und von den Seegeloächfen befreit war, kam zur nicht!gerlügen Ueberrafchung ber Fischer ein noch gut erhaltenes Fahrrab zum Vorschein. Die Kunde dieses eigenartigen Fundes Derureitete sich rasch und gelangte auch zu Ohren bes Herrn Posselt, welckier sich sofort feines aus so eigenartige Weise verschwundenen Fahrrades erinnerte. Zu feiner Freude konnte er bei Besichtigung des Fundstückes dieses als sein geswhlenes Rad reflamieren. Die Konstruktion des Fahrrades hatte trotz der langen Lagerung im Wasser nicht im geringsten gelitten.. Auäntel und Schläuche, welche aus bestem Material bestanden, sowie die gegen Schmutz und Wasser 'vorzüglich abgedichteten Lager und Naben waren völlig intakt, so daß Herr Posselt nur die Reisen aufpumpte und hierauf nach Hause fuhr, als wäre nichts mit dem Rade geschehen. Dabei muß iwch in^Betracht gezogen werden, daß im vergangenen Winter, der ganze See ein halbes Jahr lang vollständig zugesroren war. Auch die ausgezeichnet vernickelten Teile des Fahrrades waren absolut unbeschädigt geblieben und nickst verrostet, sondern nur mit einer Schlammschicht überzogen, roeldjc mit Soda- und Seisenwasscr sehr schnell entfernt wurde, so daß der alte Metallglanz wieder zum Vorschein kam. Der Besitzer des Rades dürste alle Ur lache haben, mit seiner Maschine zufrieden zu fein, die auf so sonderbare Weise ihre ©olibität bewiesen hat. — (.Vorstehender Bericht stammt aus absolut sicherer Quelle, so daß an der Richtigkeit obiger Angaben keinerlei Zweifel bestehen. Die Red.) Die Vertretung der Brenna- bor-Rädcr am hiesigen Platze und Umgegend liegt in den Händen des Herrn Peter Kronen berg, Sud-Anlage 7. (a9/i Kgl.Preuss,Klasseniotterie Ziehung ber 1. Klasse 10. Januar. Lose sind zu haben bei 67 Fritz FBimm Kgl. Preußischer Lotterie-Einnehmer. Walltorstraße 63, --- Fernsprecher 337! 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