Zweites Blatt Mr* 106 Mittwoch 6. Mai 1908 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. General-Anzeiger für Sberheffen Mit der Stelle ist Organistendicnst verbunden. Die „Siebener Zamilienblätter" werden dem „Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Krdsblatt für den Kreis Siehcn" zweiinal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Srit« fragen*4 erscheinen monatlich zweimal. 158. Jahrgang Rotationsdruck und Verlag der Brü HUchen UniversitatS - Buch» und Stemdruckerel. R. Lange, Ließen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion:^kt..sldru2lnzeigerGießen. Lehrerstelle an der Gcmeindeschule zu Harxheim. Erledigt ist die mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrerstellc an der Gemeindeschule zu Wahlheim. vom hessischen Landtag. ^te Zweite Kammer der Lanbstände tritt voraus- 110)111(0 am 21. M a i noch einmal zu einer etwa zwei- wochentuchen Plenarberatung zusammen, womit alsdann die ge- genwartlge 3 3. Legislaturperiode ihren Abschluß findet. Die Neuwahlen für die Erneuerung der Hülste der Abgeordneten soll diesmal frühzeitig im Herbst anberaurnt wer- den. Die früher in ben leitenden Kreisen gehegte Absicht, auch noch die vorn Sonderausschuß für die Revision der Verwal- tungsgescde zum Abschluß gebrachten Gesetzentwürfe über die Städte- und die Landgemeindeordnung zu erledigen, ist jetzt entgültig aufgegeben worden, nachdem sich herausgestellt hat, daß bei der Plenarberatung über diese beiden wichtigen Vorlagen recht erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden sein werden. Die Zweite Kammer wird sich daher in den kommenden Plenarsitzungen nur noch mit dem Gesetzentwurf über die Fürsorgekasse für die Landgemeindebeamten, der oberhessischen N«e b enb a h n v o r l a g e und einer Anzahl kleinerer Vorlagen und Vorstellungen zu beschäftigen haben. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer ist am Dienstag vormittag zur Erledigung einer umfangreichen Tagesordnung zusammengetreten, die 31 Punkte umfaßte. Der Ausschuß erledigte zunächst eine Reihe fertig gestellter Berichte, so die Anträge Adelung, Dr. Osann und Damm, lieber die uom Ausschuß einstimmig genehmigte Regierungsvorlage (eine vollspurige Nebenbahn Alsfeld—Nieder-Aula mit Abzweigung nach Schlitz, Staatsbeitrag 8118 000 Mk., Nebenbahn von Griedel nach Bad Nauheim und Nebenbahn Butzbach—Ebersgöns, Stactts- beiirag 30 Prozent der wirklichen Baukosten, sowie 100 000 Mk. für Geländeerwerb) hat Abg. Molthan den Ausschußbericht verfaßt, der heute genehmigt wurde. Abgelehnt wurden die Anträge Horn, betr. eine Nebenbahn Seligenstadt-Weißkirchen, Hauck betr. die Nebenbahn Groß-Zimmern—Groß-Umstadt, der Antrag Ullmann, betr. Bahnhof Vllbel und die Vorstellung von Ebersberg, betr. Bahnhof Schämen. Weiter wurde abgelehnt der Antrag Köhler, betr. die Reform-Bildungsanstalt in Lich, die Vorstellung der seminaristisch gebildeten Seminarlehrer und die Vorstellung des Rektors Balser betr. Gehaltserhöhung, lieber die beiden Vorstellungen einer Anzahl Oberlehrer und einer Anzahl Staatsbeamten inbetreff des Besoldungsdienstalters (Referent Abg. Dr. Gutsleisch) wurde die Beschlußfassung ausgesetzt, da sich ergab, daß die Erfüllung dieser Wünsche eine jährliche Mehrausgabe von 103 000 Mk. erfordern würde. Abg. Dr. Osann legte schließlich noch seinen Bericht, betr. die Fürsorgekasse für die Beamten der Landgemeinden und Kommunalverbände vor. Die Verlesung und Feststellung des 35 Druckseiten umfassenden Berichts soll am Mittwoch stattfinden. Ferner soll in dieser Sitzung auch eine gemeinsame Besprechung mit der Regierung über die Vorstellung der Steueraufseher in- betreff ihrer Gehaltserhöhung abgehalten werden. Aus Statt und Land. Gießen, 6. Mai 1908. Das Wesen und der Schutz der Ehre. In der am Montag in Mainz ab gehaltenen Hauptversammlung der Landesgruppe Hessen der Deutschen Anti-Duelliga, in der u. a. nach dem M. I. auch mitgeteilt wurde, daß für die Studierenden der Landesuniversität demnächst ein Ehrenschieds- amt eingerichtet werden solle, hielt Professor Dr. Mit ter - maier-Gießen einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über „Tas Wesen und den Schutz der Ehre". Tie Ehre bildet die Grundlage unseres gesellschaftlichen Lebens, lieber ihr Wesen befteijt vielfach eine eigentümliche Unklarheit. Wir Deutsche tragen in besonderem Matze eine Empfindlichkeit für unsere Ehre zur Schau im Gegensatz zum^Englünder, dein gleichwohl seine Ehre etwas Heiliges ist. Der Staatsrechtslehrer Binding hat mit Recht gesagt, daß diese allzugroße Empfindlichkeit ein Zeichen der Schwäche ist. Der Deutsche betont zu viel seine Standesehre, und doch har fein Stand gegenüber dem andern eine besondere Ehre. In dieser Hinsicht ist es eine recht dankenswerte Ausgabe der Liga, daß sie alle Stände des Volkes umfaßt. Die Ehre beruht auf dem inneren Wert des Menschen und ist nicht abhängig von dem Urteil des Nächsten. Sie ist Eigentum aller Menschen und begründet auf der Menschenwürde. Der innere Mert des Menschen beruht aber auf der Erfüllung seiner sozialen Pflichten: daher ist die Ehre eines einfachen Arbeiters oft höher iu bewerten, als die eines sozial Hochstehenden, an den man um so größere Anforderungen stellt, je höher seine soziale Stellung ist. Die Ehre beruht auch nichr auf den körperlichen oder geistigen Äirzügcn des Menschen, ebensowenig wie auf einzelne Leistlingen oder der Zugehörigkeit zu irgend einem Stand. Wenn wir die Ehrenhaftigkeit eines Mensck)en anzweifeln, so hat nicht der Angegriffene für sie Beweise zu liefern, sondern wir müssen das Gegenteil beweisen. Unsere Ehre kann uns der Verleumder nicht rauben; wir haben sie nur gegen uns selbst zu schützen. Diese Ueberzeugung schafft dem Menschen eine starke Position gegenüber den offenen und versteckten Angriffen auf seinen guten Namen. Tas äußere Ansehen kann allerdings durch Mißachtung, leiben; diese Erfahrung bildet aber zugleich für uns den Prüfstein für unsere innere Ehre. Unsere Strafrechtslehre leidet darunter, daß oft unbedeutende Anrempelungen als Beleidigungen aufgefatzt imd verfolgt werben. Durch eine gerichtliche Bestrafung eines Beleidigers kann unsere Ehre nicht hergestellt werden; schon ein Blick der Verachtung bei der Verkündigung des Urteils aus der Miene des Beleidigers kann uns aufs neue tief verletzen. Gegen die Angriffe auf unsere Ehre können wir uns zunächst durch Vorsicht im gesellschaftlichen Leben schützen. Bor allem sollen wir aber nicht zu empfindlich sein und namentlich im öffentlichen Leben nicht jeden gegen uns gerichteten Angriff zu tragisch nehmen. Ter Beleidiger wird oft durch Mite und Verachtung mehr gestraft, als durch eine gerichtliche Klage. Seien wir nicht zu nervös. Schenken wir auch verleumderischen Mitteilungen über unsere Nächsten nicht ein williges Ohr. Tie Ein'etzung von Ehrengerichten wirkt vorteilhaft, aber sie sollen allen ständen und Nicht nur einzelnen Berufsklassen dienen. Ter Schöffengerichte tonnen wir gleichwohl zur Ahndung der Beleidigungen nicht entehren. Gerade der einfache Mann aus dem Volte gibt als Schösse ment ein gutes und gesundes Urteil ab. Nicht ber äußere Glanz 0100)1 ben wahren Wert des Menschen aus: der sittliche innere Wert ist die Hauptsache. Ties mag uns trösten, wenn wir ost zu Lcb- zeiten keine Anerkennung bei unfern Mumensck-en Tmbcn. .-Vic Ehre manches Menschen gelangt in ben Augen seiner Mitmenschen oft erst nach seinem Tob zur Anerkennung. L.ü. Landesuniversität. Dem Dr. phil. Hans Freiherr von Liebig aus Dinkelsbühl, einem Enkel des großen Chemikers, wurde am 2. d. Mts. bic venia legenai bei der philosophischen Fakultät der Landesuniversitat für das Fach der Chemie erteilt. Seine Habilitationsschrift trägt den Titel „Studien in der Tritanreihe". * * Le hre rpersonalten. Ucbertragcn wurde beni Lehrer Phil. Balz zu Bubeiiheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weiterstadt; dein Lehrer H. Köhler zu Nierstein unter Zurücknahme des Dekrets für Weiterstadt eine • • Steuern mtspersonalien. S. K. H. der Großherzog haben den NegierungSasscssor Aug. Löffler aus Gleimenhain zum Steuerkontrolleur und den Finanzaspiranten Karl H o f nu3 Darmstadt znm Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Darmstadt ernannt. ’* Verpflichtung zum Besuch der Fortbildung^, schul e. Es ist nicht allgemein bekannt, daß zur Befreiung vom Besuch der obligatorischen Fortbildungsschule die Absolvierung der Obertertia eines Gymnasiums, Realgymnasiums, einer Ober-Realschule oder höherer Bürgerschule als Bedingung gesetzlich verlangt wird. Schüler, die also aus einer unteren Klasse austreten, sind zum Besuch der obligatorischen Fortbildungsschule verpflichtet. Achnlich verhält es sich mit Schülern, die erst mit der Konfirmation das Ziel der Quinta einer höheren Lehranstalt erreicht haben. Falls sie au8 der Anstalt austreten, müssen sie noch ein Jahr weiter die Volks- schule ober eine andere Lehranstalt besuchen. * * Gießener V o l k s b a d. Im April wurden 7680 Bäbcc verabreicht gegen 8041 uu Marz 1908 und 8613 im April 1907 ober im Durchschnitt täglich 256 Bäder gegen 259 im 'März 1908 und 287 int April 1907. Der Besuch im einzelnen Hai sich wie folgt verteilt: Schwimmbad: 3897 Männer, darunter 749 zu 10 Pfg., M 743 Frauen, „ 200 „ 10 „ Wannenbäder 1. Klasse 243 Männer, 107 Frauen, „ 2. „ 691 „ 506 , Dampf- u. Heißlustbäder, sowie Massage zuf. 166 Männer, 29 Frauen. Brausebäder 1. Klasse 838 Männer, 127 Frauen, „ 2. „ 1173 „ 170 Die Persouenwage wurde von 180 Personen benutzt und das Bad von 6 Personen besichtigt. ** Leistungsstationen für Hühner. Im vergangenen Herbste hat der LandmirtschaftSkammer-Ausschuß für Oberhessen in jedem Kreise eine Leistungszuchtstation für Hühner eingerichtet, um in diesen Hochzuchten den Landwirten und Geflügelzüchtern bequeme Bezugsquellen für Bruteier zu schaffen. Die dort gehaltenen Rassen sind rebhuhirsarbige Italiener, schwarze Minorka und weiße Wycmdottcs, die unter günstigen Verhältnissen gehalten und durch Gebrauch von Fallnestern auf erhöhte Legefähigkeit gezüchtet loerben. Um die Verbreitung guter Nutzhühner zu erleichtern, ist der Preis für das Brutei auf nur 12 Pfg. gesetzt worden, sodaß es jedermann für billiges Geld möglich ist, sich in den Besitz besten Zuchtmaterials zu setzen. Da Frühbruten anerkanntermaßen wesentliche Vorteile gegenüber Spätbruten besitzen und auf die Anwendung der ersteren besonders eingewirkt werden soll, hat der LandwirtschaftSkammer-AuSschuß die Bestimmung getroffen, daß der den Stationsinhabern gewährte Bruteierzuschuß vom 1. Juni ab, in Wegfall kommt, und diesen das Recht zusteht, von genanntem Tage ab, den Preis für das Ei auf 20 Pfg. zu erhöhen. Zur Ausnutzung der nur noch kurzen Zett gewährten Vergünstigung dürfte eS deshalb im Interesse der Geflügelzüchter gelegen fein, Be- stellungen von Bruteieru beim Landwirtschaftskammer-Ausschuß in Alsfeld ober bei den Stationsinhabern baldigst vor- zunehmen. Bemerkt sei noch, daß in der letzten Sitzung des Ausschusses die Vermehrung der bestehenden Geflügelzuchtstationen um 6 genehmigt worden ist, sodaß in jedem Kreise zwei Stationen unterhalten werden. ** Der ©banget Arbeiterverein hielt am letzten Sonntag im Saale der Herberge zur Heimat eine Vierteljahrs- Versammlung ab. Der Vorsitzende Oberbibliothekar Dr. Heuser erstattete Bericht über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Winterhalbjahr, lieber die geplante Gründung einer Jugend- abteiluug erfolgte eine längere Aussprache, worauf eine aus drei Personen bestehende Kommission mit den nötigen Vorarbeiten betraut wurde. Die Jugendabteilung soll den Zweck haben, dem Verein, dem es an jüngeren Kräften mangelt, Nachwuchs zu verschaffen, namentlich der im Verein bestehenden Gesangs- abteilung. Weiter aber soll die konfirmierte männliche Jugend, außer der Gelegenheit zur Benutzung unentgeltlichen Unterrichts, mit dein Zweck und den Zielen der Eoangel. Arbeitervereine, befonders auf sozialem Gebiete vertraut gemacht werden, um dann nach Vollendung des 17. Lebensjahres zur Mitarbeit befähigt zu sein. Weiter soll den jungen Leuten auch die nötige Unterhaltung, im Sommer durch Spaziergänge, im Winter durch Spiele, Unterhaltungsabende usw. geboten werden. Bet der Gründung der Jugendabteilung wird vor allem die konfirmierte Jugend der Mitglieder des ungefähr 360 Mitglieder starken Vereins zugezogen werden, doch werden auch andere junge Leute zuge- lajfen. Im weiteren Verlaus der Sitzung wurde die Beteiligung an den voraussichtlich im Juni staltsindenden kirchlichen Wahlen beschlossen. Tie Gesangsabteilung des Vereins wird nutzer der Mitwirkung bei der am Sonntag statlfindenden Wichernfeier in Steins Garten an dem im Juni vorgesehenen Verbandsfest des Mtttelrheinifchen Verbandes Evangel. Arbeitervereine in Zells- Heim teilnehmen und anschließend hieran einen Ausflug nach dem Niederwald usw. unternehmen. •* Der Festzug beim Frankfurter Deutfchen Turn- f e st. Eine Glanznummer unter den Veranstaltungen des Deutschen Turnfestes wird der am Sonntag, 19. ^uli, sich durch die «traßeu der Stadt bewegende farbenprächtige Fcstzug bilden. Dieser zerfällt m drei Hauptabteilungen. Ein historifcher Teil führt die Entwicklung der Leibesübungen vom Altertum bis zur Neuzeit m tutturgejchichllicheu Trachtciigruppeil vor; diese Gruppen erheischen Die Mitwirkung von über 500 kostümierten Personen und etwa 100 Pierdeil. Es folgt als zweiter Teil die g e s a m t e T u r u e r- schäft, in Kreise und Gaue geteilt. Tie Zugeinheit bildet der Gan. Jedem (Sau wird Ort und Zeit der Aufstellung und der Ainiiiarfchweg am Tage feines Eintreffens mit Aushändigung der Drucksachen befannt gegeben. Tie Turner sollen in Anbetracht der großen Teilnchmerzahl (übet 40,000) nach Beschluß der -rnitschen Tnrnerfcha't in Achterreihen marschieren. Jedem Gau sind die Zahnen und Banner vorauszinragen. Ten drillen -reil des Fesizuges bilden die Innungen, Vereine und sonstigen Korporationen der Stadl Frankfurt mit ihren Bannern, Emblemen nnb ihren charallermiichen Trachten. Einzelne der größeren Frankfurter Verbände iverden Prunkwagell stellen, die Mitsührung (nut Ausnahme Des Jahmvagens im ersten Teil) auf diesen dritten Teil beschrankt bleiben muß. Ein Sängcrchor, cüua dreißig Militärkapellen, mehrere Zivilkapellen und BataillonstambourkorpS werdenimFestzug Mitwirken, Deutscher Reichstag. 150. Sitzung am 6. Mai. ?lm Tische deS Bundesrats: v. Bethmann.Hollweg, v. Schön, D e r n b u r g, Dr. Sydow, Wermuth, T w e l e, Caspar. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 11 lUjri 20 Minuten. Er erbittet und erhält die Ermächtigung, dem Kronprinzen zu seinem morgigen Geburtstage die Glückwünsche des Reichstages darbringen zu dürfen. Dec Präsident teilt ferner mit, daß der Abg. Schwabach (nalL, Mcmel-Hehde- krug) sein Mandat niedergelegt hat. (Zuruf rechts: Na also!) Die Verner internationalen Abkommen zwischen dem Reiche und verschiedenen anderen Staaten bont 26. September 1906 über das Verbot der Nachtarbeit der gewerblichen Arbeiterinnen und über das Verbot der Verwendung von weißem (gelbem! Phosphor zur Anfertigung von Zündhölzern werden in zweiter Lesung ohne Debatte genehmigt, ebenso in; dritter Beratung der Gesetzentwurf über die Verlegung der' deutsch-schlveizerischen Grenze bei Leopoldshöhe. Das internationale Privatrecht. Es folgt die erste Beratung von drei am 17. Juli 1905 int Haag unterzeichneten Abkommen über das internationale Privatrecht und zwar über die Wirkungen der Ehe auf die Rechte und Pflichten der Ehegatten, auf ihre persönlichen Beziehungen und auf daß Vermögen der Ehegatten, ferner über die Entmündigung und über den Zivilprozeh. Staatssekretär des Auswärtigen v. Schön: Die drei Abkommen, welche dem Reichstage borlieaen, sind das Resultat der Privatrechtskonferenz, die im Jahre 1905 im Haag zusammengetreten ist. Die drei Abkommen bedeuten einen wesentlichen Fortschritt auf dem Gebiet deS internationalen Privatrechts. Sie bedeuten eine weitere erfreuliche Etappe auf dem Wege, welchen Deutschland in Gemeinschaft mit anderen Staaten seit einer Reihe von Jahren verfolgt, und der zur Erleichterung de8 internationalen Rechtsverkehrs führen soll, um die Schranken zwischen den Nationen, wenn cmck nicht zu beseitigen, so doch zu öffnen. Wie allgemein bekannt, iverden diese Abkommen, welchen di? meisten Staaten bcS europäischen Festlandes beigetreten sind, einen hoben Wert für die Sicherung deS internationalen Privatverkehrs haben. Durch sie werden Diele Erleichterungen geschaffen werden. Auch die Gebühren der Konsulate sind herabgesetzt worden. DaS Werk der internationalen Privatrechtskonferenz im Haag ist mit diesem Abkommen keineswegs erschöpft. Die Konferenz hat noch weitere Materien in Angriff genommen, vor allem die deS K o n k n r S r e ch t S und des Erbrechts. Bezüglich einer internationalen Regelung des Koniucsrechts haben sich Schwierigkeiten ergeben, die noch nicht gelöst werden konnten. WaS das Erbrecht anlangt, so ist bereits eine Verständigung erzielt worden, soweit eS sich um das materielle Erbrecht handelt. Es ist Aussicht, daß auch eine Verständigung nach der formalen Seite der Sache hin erreicht wird. Damit würden wir einen wesentlichen Schritt vorwärts kommen- ES ist ferner nicht ausgeschlossen, daß die Konferenz noch weitere Maßregeln trifft und sich auch um die Schaffung eines internationalen Wechselrechts bemüht. Die Losung dieser Malerie würde allerdings über die ursprünglichen Ausgaben der Konferenz hinausführen. Die vorhandenen^ Schwierigkeiten erscheinen aber nicht als unüberwindlich. Zunächst ist Aussicht vorhanden, daß auf dem Wege des Erbrechts eine Verständigung erreicht wird. Damit werden der internationalen Rechtssicherheit weitere Garantien gegeben. Diese NechtSgarantien sind umso hoher anzuschlagen, al? mit1 dem stets wechselnden Verkehr auch die Rechtsbeziehungen zwischen den Stationen sich stets umfangreicher gestalten- Es kann daher nur gewünscht werden, dah die Konferenz tm Haag, an deren Zustandekommen hervorragende Rechtsgelebrte ein großes Verdienst haben, weitere Erfolge zeitigen wird. Ich empfehle die Abkommen zur Annahme. (Beifall.) Abg. Giese (kons.) begrüßt die Abkommen als einen bedeutsamen Fortschritt in bee Festigung internationaler Beziehungen, und bedauert, daß nicht noch eine größere Anzahl von Staaten den Abkommen beigetreten sind. Hoffentlich treten die noch fernstehenden Staaten ben Ab- kommen° bei. Eine Kommissionsberatung der Abkommen sei nicht nötig. Abg. Kirsch (Zentr.) Bemängelt einige Ausdrucke in der deutschen Uebersetzung, die nicht dem französischen Urtext entsprechen. Abg. Dr. Junck (natl.): In ZwnfekSfällen muß eben auf den Urtext zurückgegangew werden. An den Abkommen haben wir nichts auszusetzen, müpew aber lebhaft bedauern, daß eine derartig wichtige Vorlage unS so spät zugegangen ist. Im Juli 1905 bat man im Haag die Ab^ kommen unterzeichnet und im April 1908 sind sie erst dem beuftcherr Reichstage zugegangen. Abg. Tove (frei]. Vgg.) begrüßt im Namen der linksliberalen Fraktionsgemeinschaft bitt' Abkommen und befürwortet ein internationales Wechselrecht. Abg. v. Dirksen (Neichsp.): Wir begrüßen die Vorlage von ganzem, Herzen und freuen' uns über die Aussichten, baß auch bas Wechselrecht international geregelt werden soll. Direktor Dr. v. FrantnnS gibt Unrichtigkeit in der deutschen Uebersetzung zu, aber es komiab Da ja auf den Urtext an. An der verspäteten Einbringung ist die nicht rechtzeitige Fertigstellung der Uebersetzung schuld.. Die Erörterung schließt. Die internationalen1 Abkommen werden in zweiter Beratung ge* nehmigt. Es folgt die zweite Beratung der P o st da in p s c r - S ub - ti c it t io ns-Vorlage. Tic Kommission beantragt unveränderte Annahme der geforderten halben Million. Ein Antrag von Liebermann-Lattmann-Vogt (Hall' will nur 230 000 Mk. bewilligen und die Verbindung von Neu-Giiynea nach Japan ausscheidcn lassen. Ein Antrag Albrcchl und Gen. ,Resolution- verlangt für die subventionierten Postdampfer Fessictzungcn über eine Bemannungs-Skala, ferner vertragliche Verpsiickpmig dcs Lloyd, für die Ausreise der Tampfer so viel weiße Schisssleute auzunmftcrn, als zu einer ausreichenden Besatzung erforderlich ist. Abg. Graf Kanitz Jons, halt die gwße Bersciiuldung des Reiches für eine schwere Kalamität. Er, Redner, stimme gegen die Vorlage. Tagegen werde er für den Antrag Äattmann stlni- men. — Abg. .vor mann (frs. Vp. empfiehlt unveränderte LAnnahme der Vorlage. — Abg. Noske (Soz. bekämpft die Vorlage. — Staatssekreiär Dornburg weist die Bcl-auptung' zurück, daß die Boülage nur dem Großkapital diene. Redner betont weiter, die Regierung wolle, daß^d.c deutsche Flagge den Haid und das Ansehen, dos sie auf dieser Inselwelt habe, nicht verliere wegen ein paar Hunderttausend Mark. Abg. Liebermann v. Sonnenberg (W. Bg.) befürwortet den von ihm und Latimann gestellten Antrag. Abg. Erzberg er (Zentrum- erklärt namens seiner Freunde, datz sie Den Eintrag der wirtschaftlichen .Bereinigung ablehnen würden. Staatssekretär v. Bethmamr-Hollweg: Der Staatssekretär des Neick'skolonialamts bat d i c Haltung der Negierung heute dargelegt, indem er in überzeugender Weise darauf hinwies, welchen großen Wert die verbündeten Negierungen auf die Annahme ihrer Vorlage legen. Wenn der Reichstag in Hinsicht namentlich auf die Finanzlage des Reichs bedauerlicherweise die Regierungsvorlage ablehnt, und den Antrag Lattniann als das geringere annimmt, so würde der Moment gegeben sein, zu dem Anträge Stellung zu nehmen. W i e diese Stellung sein wird, kann ich noch nicht sagen. (Hört, hört!) Unmittelbar nachdem der Antrag eii.- gebracht worden war, habe ich mich mit dem Llohd in Verbindung gesetzt, inn zu erfahren, welche Stellung er dazu einnimmt. Die Verhandlungen sind eingeleitet, haben aber noch zu keinem Entschluß geführt. Ich kann also noch nicht sagen, was geschehen wird, wenn der Reichstag den Antrag annimmt. Abg. Hormann '(frcis. Vp.) empfiehlt nochmals die unveränderte Regierungsvorlage. Abg. Erzkergcr (Zentr.): Der Llohd wird sich hüten, sich sofort über den Antrag Latt- tnemn zu erklären; er wird erst den Beschluß des Hauses abwarten. Abg. Noske (Soz.) erklärt persönlich, er baba mit seinen Eingangsworten selbstverständlich nicht die persönliche Ehrenhaftigkeit des Abg. Hormann bezweifeln wollen. Eswirdabgestimmt. Das Haus ist stark besetzt. Für die Regierungsvorlage stimmen die Freisinnigen, die Nationalliberalen, die Mehrheit der Konservativen und die Reformer. Tas ist die Minderheit. Die Regierungsvorlage ist gefallen. Der Antrag der wirtschaftlichen Vereinigung, Bewilligung von 230 000 Mark unter Aufgabe der Linie Neu-Guinea — Singapore, wird dann mit großer Mehrheit angenommen. Die Resolution der Sozialdemokraten über die Bemannung wird abgelehnt. Die Kolomalbahnen. Es folgt die zweite Lesung des Nachtragsetats über die kolonialen Bahnen. Berichterstatter ist Abg. Dr. S e m - ler (natl.). Die südwestafrikanische Stichbahn zur Kectmans- hooper Dahn ist vor Ostern in den Hauptetat eingearbeitet und terabschiedet worden. Zur Verhandlung stehen jetzt die Kameruner Südbahn, die ostafrikanische Zentralbahn, die Usambarabahn und die Togobahn Lome-Atakpame. Abg. Ledebour (Soz.) hält eine sehr lange Rede. Die Negierung arbeite ihre Projekte mit ungeheurer Leichtfertigleit aus. Sie ändere sie sofort, wenn ein ernstlicher Widerstand erhoben werde, oder wenn sie die Möglichkeit sähe, ein anderes Projekt durchzubringen. Das wär schon zu der Zeit, als der Zylinderhut deö Herrn Spahn das maßgebende Instrument für koloniale Angelegenheiten war. Jetzt ist es ebenso, und sehr bald wird auch der Spahnsche Zylinderhut wiederkommen. Als c5 sich um die Anlage einer Telegraphenlinie von Tabora aus handelte, brauchte Herr Spahn nur unter Berufung auf die weißen Väter eine andere Trace zu fordern, und sofort rief der geniale H errS y d ow, damalsUnterstdatssekretärderReichöpostverwaltung: Mer gewiß, gewiß I Damals dachte ich mir gleich, der ist ein tüchtiger Mann, der wird's noch weit bringen l (Heiterkeit.) Herr Sydow ist erschreckt über die vielen Milliarden Schulden, wir wollen ihn nicht noch mehr erschrecken durch die Bewilligung der vielen Bahnmillionen. Als Ledebour einmal eine Pause macht, ruftDr. Müller-Meiningen: Golt fei Dank! Mit diesem „Gott sei Dank" legen Sie die Verantwortlichkeit für alle diese Dinge vertrauensvoll in die Hände deS Fürsten Bülow und des Herrn Dernburg. Ich weiß, Sie wollen da? Wort nicht nehmen. Sie wollen durch Schweigen die Regierungsvorlage möglich st rasch zur Verabschiedung bringen. Im Namen meiner Partei lege ich hiermit Verwahrung ein gegen diese Art der Geschäftsführung, die in der letzten Zeit bei den Mehrheitsparteien eingerissen ist. (Hallo.) Ich erinnere Sie an das Vereinsgesetz. Durch diese Art der parlamentarischen Geschäftsführung würdigen Sie den Parlamentarismus herab. Präsident Graf Stolberg: Die Diskussion ist geschlossen. Es wird abgestimmt. Die Bahnforderungen werden ohne weitereSWort genehmigt. Dagegen stimmen nur Sozialdemokraten und Polen. Die Ostmarkenzulagen. Es folgt die zweite Beratung der Ostmarkenzulagen. Ein Antrag der freisinnigen F r a I t i o n s g e m e l n- schaft lvill den Unteroffizieren die Ostmarkenzulage nicht ge- >v ä h r e n und die entsprechende Forderung demgemäß um 210000 Mk. verringern. Abg. Dr. Pachnickc (frf. Vgg.) begründet den Antrag: In der ersten Lesung haben wir uns über grundsätzliche Fragen unterhalten. Jetzt können wir auf Einzelheiten eingehen, und wir müssen uns fragen, ob der Slolimcn des Gesetzes nicht etwas zu weit gefaßt ist. Wir beantragen, die Unteroffiziere aus dem Kreis der Empfänger zu streichen, denn im Reichstag hat bisher bei der Gewährung von Ostmartenzulagen wohl kaum jemand daran gedacht, auch die Unteroffiziere zu bedenken. Wir bewilligen die Zulagen zunächst auch nur für dieses Rechnungsjahr und behalten uns für die Zukunft völlig freie Hand vor. An den Schatzselretär richten wir die Anfrage, ob bei einer eventl. Wiederkehr der Zulagen dieselben Grundsätze maßgebend sein werden, die jetzt inbetracht kommen, ob dann diejenigen Beamten, die jetzt Zulage bekommen, auch wieder sicher darauf rechnen können. Generalleutnant Sixt von Armin: Der vorliegende Antrag ist mir überraschend und unerfreulich zugleich. Ich bin im Gegenteil der Ansicht, daß man vom ersten Moment an, als man an Ostmarkenzulagen dachte, auch die Unteroffiziere bedenken wollte. Schon bei der ersten Zulage im Jabre 1904 waren die Unteroffiziere inbegriffen, und zwar mit vollem Recht. Denn diese Zulage soll eine Anerkennung für die Personen sein, die eine längere Reihe von Jahren unter besonders schwierigen, zum Teil unerquicklichen Verhältnissen im Dienst des Reiches ihre Schuldigkeit getan haben. Das gilt für die Unteroffiziere so gut wie für die anderen Beamten. Es ist für die Heeresverwaltung sehr unangenehm, wenn in dieser Frage in ihrem Ressort zwischen Unteroffizieren und anderen Beamten ein Unterschied gemacht wird, da Alle ihren Dienst unter den gleichen Verhältnissen tun. Ich richte an das Haus die dringende Bitte, den Antrag abzulehnen. Schatzsekretär Dr. Sydow erwidert auf die Anfrage des Dr. Pachnicke: Ich kann erklären, daß die Verwaltung auch ferner nach den gleichen Grundsätzen verfahren wird, daß wir allen Beamten, die in dem einen Jahre die Zulage erhalten haben, sie auch im folgenden Jahre geben werden, wenn sie noch die hier im Dispositiv erwähnten notwendigen Voraiissetzungen erfüllen. (Hört! hört! im Zentrum.) Der Schahsckretär nimmt bann nach einer Zentra m s rede nochmals das Wort und erklärt unter dem Gelächter deS Zentrums, daß die Ostmarken- znlage keinen politischen Zweck verfolge. Ich habe nie bestritten und bezweifle nicht, daß sie i n P r e u ß e n einen politischen Zweck verfolgen, denn in Preußen liegen die Verhältnisse anders, vor allem, weil dort politische Beamte in Frage kommen. Politische Beamte hat doch das Reich gewiß nicht, die Postbeamten, die Jntendantursekretäre und schließlich auch die Unteroffiziere sind das dach nicht. Abg. Brcjski (Pole) bekämpft die Vorlage. Abg. Liebermann von Sonnenberg (wirtsch. Vgg.). Obgleich wir jederzeit bereit sind, mit dem größten Wohlwollen für die Unteroffiziere zu sorgen und ihre geringen Kompetenzen aufzubessern, heißen wir die Verquickung von Unteroffizieren und Beamten, wie sie die Ostmarkeuzulage bringt, nicht gut. Der Soloat in seinem Truppenteil kommt mit der Bevölkerung nicht in Verbindung. Der Beamte tut dagegen seinen Dienst mitten in der Bevölkerung und hat infolgedessen allerhand Schwierigkeiten zu überwinden. Der Unteroffizier in den Ostmarken bekommt dasselbe Gehalt, wie sein Kamerad anderswo. Er tut den gleichen Dienst, ich kann daher nicht einsehen, luaruni er nun besser gestellt werden soll. Ein alter guter Grundsatz ist der, daß der Soldat sich von der Politik fern halten soll. Bei der Vergebung dieser Zulagen liegt aber doch immerhin die Möglichkeit vor, daß an politische Motive gedacht wird. Wir werden daher dem Anträge Ablaß zustimmen. (Beifall.) Abg. Ledebour (Soz.): Wir stimmen für den Antrag, weil dadurch wenigstens ein Teil der Beamten vor dem Korruptionsbazillns beivahrt wird. Herr Pachnicke befindet sich in s ch ö n st e r Uebereinftim m u n g mit dem Staatssekretär. Die Herren Freisinnigen glauben trotz des Falles Schellenberg in Wiesbaden an b ie politische Harmlosigkeit des Staatssekretärs K r ä t k e und seiner Kollegen. Sie unterstützen deren Bc- schönigungsversuche für dieses Korruptionsverfahren. Das beweist, daß kein Funken von Liberalismus mehr in ihnen ist. Damit schließt die Diskussion. Es wird abgestimmt. Aus Antrag der Polen find sämtliche Abstimmungen namentlich. Zunächst werden die Zulagen für die Unteroffiziere mit 286 gegen 17 Stimmen bei 2 Enthaltungen abgelehnt. Dann werden die Zulagen für die Militäroeamten nach dem Anträge der Freisinnigen mit 167 gegen 137 Stimmen mit Blockmehrheit genehmigt. Tie dritte Abstimmung gilt den Postbeamten. Ihre Zulagen werden gleichfalls mit Blockmehrheit — einige Freisinnige stimmen diesmal dagegen — mit 156 gegen 148 Stimmen angenommen, bei einer Stimmenthaltung. Tie Haftung des Tierhalters. Abg. Nacken (Zentr.) beantragt jcht die Reihenfolge der Tagesordnung zu ändern und zunäck l über die Abänderung des § 63 H. G. B. zu verhandeln, über die Gehaltszahlung bei Handlungsgehilfen in Krankheitsfällen. Abg. v. Normnnn (kons.) widerspricht. Es ist kein Grund einzusehen, weshalb die Reihenfolge geändert werden soll. Mit Blockmehrheit wird der Antrag Nacken abgelehnt. Man tritt in die zweite Lesung des Gesetzentwurfs auf Abänderung des § 833 B. G. 23., betreff end d i e Haftung des Tierhalters. Abg. Frhr. v. Treuenfels (kons.)' beantragt im Namen der Kommission die Annahme. Abg. Gäbel (Nfpt.) beantragt, die Biene als Haustier anzusehen, sie sei kein wilder Wurm, wie der Staatssekretär behauptet habe. Abg. Varenborst (Np.) unterstützt den Antrag unter Hinweis auf die große Bedeutung der Bienenzucht für Hannover. Tas deutsche Volk sähe in der Biene keinen wilden Wurm, sonst würde es nicht das schöne Lied geben: „Mein Herz, das ist ein Bienenhaus, die Mädchen drinnen sind die Bienen!" (Heiterkeit.), Staatssekretär Dr. Niebcrbing: Ich muß -den Wünschen der Vorredner ein entschiedenes „Nein" entgegensetzen. Tie Negierung erkennt die volkswirtschaftliche Bedeutung der 23 i e n e n * zücht vollkommen an, sie wird alles tun, was zu ihrer Förderung geschehen kann. Durch den Antrag würde aber nur eine Unklarheit in die Rechtslage kommen, denn in anderen Gesetzen wird die Biene nicht als Haustier behandelt. Ich bitte Sie daher, den Antrag abzn lehnen. Nach dem Anträge soll der Bienenzüchter von der Haftung befreit sein, wenn er beweist, daß er die erforderliche Sorgfalt den Bienen gegenüber beobachtet har. Worin soll denn diese Sorgfalt bestehen? Was hat denn, der Bienenzüchter zu beweisen? Wir dürfen nicht zulassen, d a ß e i n e Unklarheit in die Gesetzgebung hineinkommt. (Beifall.) Abg. Steindl (Zentr.) erklärt sich gegen das Gesetz, obwohl er in der Kommission dafür gestimmt habe, weil es dem Tierhalter nur eine minimale Milderung bringe, die ihn nicht der Notwendigkeit enthebe, sich gegen Haftpflicht zu versichern. Abg. Stadthagen (Soz.) spricht gegen das Gesetz, das lediglich den Großgrundbesitzern Vorteile bringe. (Gelächter rechts.) Nach weiterer unwesentlicher Diskussion wurde der Antrag Gaebel abgelehnt und die Vorlage in der Kommissionsfassung angenommen. Tie Resolution der Kommission, die die Unfallversicherungsgesetzgebung auf das bisher nicht versicherungspflichtige Fahr- und Stallpersonal ausdehnen will, wird ebenfalls angenommen. Tie GehallSfordernngen der Handlungsgehilfen in Krankheitsfällen. Es folgt die zweite Lesung des Gesetzentwurfes, betreffend Aenderung des § 63 des Handels-Gesetzbuchs. Berichterstatter ist Abg. Schack (wirtsch. Vgg.). Die Regierungsvorlage. führt bindend die Verpflichtung zur Fortzahlung des Gehalts ein und zugleich, ebenfalls obligatorisch, die Anrechnung des Krankengeldes. Die Kommission hat unter dem Widerspruch der Regierung, gleichfalls obligatorisch, die Nichtanrechnung des Krankengeldes beschlossen. Staatssekretär Dr. Nieberding erklärt die Vorlage in der Komissionsfassung aus wirtschaftlichen und sittlichen Bedenken für unannehmbar. Wortmeldungen liegen nicht vor. Die Vorlage wird nahezu einstimmig angenommen. Mittwoch, 11 Uhr: Wahlprüfungen, Petitionen. Schluß 7% Uhr. MM Versucht Fora" SM die Hausfrau zu täuschen Ohr. Spies rSeustadiJt Telephon 597 2258 Cs handelt sich um ihren Kaffee! 2743] H ■Mi kennt ihren Aecht Hranck mit der Kaffeemühle zu genau, sie merkt, daß beabsichtigt wird, sie Richard Fertsch Seltersweg 83. 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Ja, es ist so, wie der Verfasser schreibt: „Wir haben es fast vergessen, welch reiche Quellen echten Volkstums int Verborgenen fitesten. Ein köstlicher, schier unerschöpflicher und ungeauältcr Humor steckt nml) in dem Odenwälder Volk, das von jeher eine Vorliebe für natürliche, heimatliche Volksdarstellungen zeigte. DaS „Bauerntheater" ist ihm feine fremde Erscheinung,- es bildete schon einen beliebten Anziehungspunkt in den fast gänzlich verschwundenen Spinnstuben .... Die „Bauernlieder" sinden sich noch in reicher