Freitag 5. Juni 1908 188. Jahrgang Erstes Blatt Wt. 131 mittag P/a Uhr statt. eröffnet. In der gestrigen Sitzung des Bundesrates wurde die Vorlage betreffend die Gerichtsbarkeit der deutschen Konsuln in Egypten den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Der Beschluß des Reichstages vorn 30. April er. zu den Petitionen des Bundes deutscher Verkehrsvereine in Leipzig rc. um Aufhebung bezw. Acnderung der Stempelabgabe auf Er- laubniskarten für Kraftfahrzeuge wurde dem Reichskanzler überwiesen. Mit Bezug auf den Ausschußbericht über die Nmdruckoorlage vom 13. Mai er. betreffend Festsetzung des Gesamtkontingents der Brennereien für die Kontingentsperiode 1908-13 wurde dem Vorschläge der Ausschüsse entsprechend beschlossen. Der außerordentliche mecklenburgische Landtag faßte den Beschluß der prinzipiellen Stellungnahme zur Regierungsvorlage und zwar durch Abgabe von Standes- ecklärungen. Die Landschaft erklärte, auf der allgemeinen Grundlage des RegierungSentmurfeS weiter verhandeln zu wollen. Dieser Beschluß erfolgte mit 39 gegen 7 Stimmen bei zwei Stimm - Enthaltungen von Rostock und Wismar. Die Ritterschaft entschied sich mit 291 gegen 65 Stimmen zu Gunsten eines Vorschlages der 16 Koin- missionsmitgliedec für das Festhalten an der landständischen Basis und erbittet von der Regierung eine entsprechende neue Vorlage. Man hofft, daß die Antwort dec Regierung morgen eingehen wird. Die nächste Sitzung findet morgen ArrslanH. Die Wiener Universität ist gestern früh 8 Uhr geschlossen worden. König Eduard trifft in Ischl zum Besuch des Kaisers Franz Josef am 15. August ein und reist abends nach Marienbad weiter. Die brasilianische Negierung hat den König, Manuel von Portugal eingeladen, den Besuch nach Brasilien abzustatten, den der verstorbene König Carlos abstatten wollte. Die Königin-Mutter wünscht, daß König Manuel zuerst England besuche, und dürfte dieser Besuch im Herbst erfolgen. Deutsches Reich. Zur bevorstehenden Aenderung der Fahrkartensteuer erfährt der ,Bayr. Courier" aus angeblich bester Quelle, daß die Staffelung der Steuer fortfallsn soll, und daß man jede Karte unter 2 Mk. steuerfrei lassen will, sowie daß man für alle teueren Fahrkarten einen festen Stempel einzuführen plane. Ob dieser für alle Klaffen gleich sein soll, fei noch nicht entschieden. Mit anderen Worten, die Reisenden der ersten und zweiten Klasse rvolle man entlasten und die der vierten Klasse heranziehen. Das sei eine Kon'k'ucsstatistik. Die .Berliner Correspondenz" meldet: Rach der vorläufigen Mitteilung des Kaiserlichen Statistischen Amts zur Konkursstatistik gelangen im ersten Vierteljahr 1908 im Deutschen Reich 3189 neue Konkurse zur Zählung gegen 2516 im ersten Vierteljahr des Vorjahres. Es wurden 554 Anträge auf Konkurseröffnung wegen Massemangels abgcwiesen und 2635 Konkursverfahren PoUtrsche Tagesschau. Zur Euleuburg-Afsäre wird jetzt bekannt, daß unter den von Maximilian Harden vorgeschlagenen Zeugen sich auch der ehemalige Kammerherr Graf Edgar Wedel befand, der über gewisse, von ihm veranstaltete Teeabende aussagen sollte. Als Gras Wedel vom Landgerichtsrat Dr. Schmidt die Vorladung zur Vernehmung erhielt, entschuldigte er sich mit Krankheit und ist seitdem von Berlin, wie es heißt nach Italien, abgereist. Landgerichtsrat Tr. Schmidt nahm gestern nachmittag beim Fürsten wiederum Vernehmungen und Gegenüberstellungen vor, die in letzter Zeit nur unterbrochen durch Schwächeansälle des Kranken rn kleineren Abständen einander folgen. Diese rege Tätigkeit bestätigt, daß die Voruntersuchung ihrem Ende nahe ist. Der Fürst befindet ich in leidlichem Zustande, der nur dftrch die Schwächeanfälle eine Verschlimmerung erfährt. Protest gegen die Reise des Königs Eduard nach Rußland. Im englischen Unterhause beantragte O'Grady (Arbeiterpartei) Lei der Beratung des Ewts des Auswärtigen Amts einen Ab- trich als Protest gegen den offiziellen Besuch >es Königs beim Kaiser von Rußland. Er leugnete entschieden jede Absicht, dem König zu nahe zu treten, und erkannte warm die Verdienste des Königs um den Frieden an, er wider- prach aber diesem Besuch, der einen staatlichen oder repräsen- atioen Charakter habe, und griff heftig das russische Regrerungs- ystem an. Mac Neill (Rationalist) behauptete, es sei ein Veras ungssbruch, wenn der König zu einem solchen Besuch ohne Kabinettsmini st er ins Ausland gehe. Den diplomatischen Charakter des Besuches beweise die Tatsache, daß Unterstaatssekretär Hardiuge den König begleite. Die Anwesenheit Fishers und Frenchs zeige den Zusammenhang des Besucbs mit Flotte und Armee. Kettle (Nationalist) erklärte, die irische Partei werde den Antrag O'Gradv unterstützen. In den Augen Europas bedeute der Besuch, daß England den Kredit Rußlands wiederherstelle. Nach einigen stürmischen Szenen wurde der Antrag O'Grady auf Abstrich am Etat des Auswärtigen Amtes mit 225 gegen 59 Stimmen abgelehnt. Schweden und Frankreich. „Stockholms Dagblad" schreibt heute zu dem Artikel des , Temps" über die Rede des Königs von Schweden in Berlin u a.: Es würde uns tief verletzen und schmerzen, wenn mir vernehmen müßten, daß der „Temps" wirklich den Gefühlen der französischen Nation Ausdruck gibt und sich mcht in einer vielleicht aus anderen Gründen beeinflußten Stimmung ausgelassen hat. Das schwedische Volk erwartet mit Freude und Sympathie den vom Präsidenten Falliöres angekündigten Besuch in Stockholm; es glaubt darin mehr den Ausdruck für die Gefühle der französischen Nation zu sehen, als in der hochmütigen Gleichgültigkeit, wie sie neulich der „Temps" proklamierte: „für alles, was man in Stockholm tut und sagt". Schweden wünscht ebenso gute und herzliche Beziehungen zu den Unterzeichnern des Nordsee- und des Oslseabkommens zu bewahren und eine gegenteilige Auffassung kann man nicht gut aus der Rede des Königs von .Schweden heraushören. Anarchie in Persien. Aus Dschulfa wird gemeldet, daß Kurden-Horden Urmia belagern und die benachbarten Dörfer verwüstet haben. Die Steppe steht weithin in Flammen. Es herrscht riesige Panik. Aus Angst vor Mißhandlungen und Ver- aewaltigungen ertränkten sich über 50 Frauen und Kinder im Dorfe Folchab. Alle Basare in Urmia sind geschlossen, die Einwohner fliehen. Die Macht der Generalgouverneurs in Täbris versagte gänzlich. Es herrscht volle Anarchie. Selbst der Schah fühlt sich in seiner Residenz nicht mehr sicher. Wie eben bekannt wird, ist er gestern früh mit dem Kronvrinzen, Sultan Ahmed Mirza, entflohen, begleitet von Leuten seines ehemaligen Ratgebers Emir Badur Dscheng. Trotz eifriger Nachforschungen war der Aufenthalt des Schahs bisher nicht zu ermitteln. Angeblich ist die Flucht des Schahs ins Ausland geplant. Freiwillige Soldaten der politischen Klubs sammeln sich. Ernste Unruhen werden erwartet. Die Basare sind geschlossen. Mandat gesichert in folgenden Wahlkreisen: Schleswig 18, | Stettin 1, Magdeburg 5, 7, 3, Köslin 4, Hannover-Land, Lüneburg-Fallingbostel-Soltau, Danzig 1, Stralsund 1, Minden 1, Merseburg 5, Bromberg 2, Breslau-Land, Frankfurt- Oder 5. Für das Zentrum ist das Mandat gesichert in folgenden Wahlkreisen: Düsseldorf 9, Arnsberg 7, Wiesbaden 3. Für die Nationalliberalen in folgenden Wahlkreisen: Liegnitz 3, Hannover-Diepholz, Hildesheim, Lüne- burg-Dvnnenberg, Danzig 4, Merseburg 5, Wiesbaden 4, Trier 5, Marienwerder 4, Gumbinnen 1, Kassel 5. Für die Freisinnige V o l k s p a r t e i ist die Wahl gesichert in Bromberg 2. In Kassel-Land, Witzenhausen finden Stichwahlen zwi- chen den Nationalliberalen und den Konservativen statt. In Berlin 12 Stichwahl zwischen Freisinnigen und Sozialdemokraten. In Hildesheim 4 ist die Wiederwahl des fraktionslosen Abg. Koelle sicher. In Magdeburg 6 findet wahrscheinlich Stichwahl zwischen Konservativen und Nationalliberalen statt. Gesichert ist das Mandat den Sozialdemokraten in 'Berlin 5, 6 und 7, den Polen in Danzig 3, Marienwerder 3. Die Beisetzung Solas im Pantheon. Gestern sand in Paris die Beist: ungsseierlichkcit für Zola im Pantheon statt. Im Innern des Pancheon hatten Präsident Falliöres und die offiziellen Persönlichkeiten Platz genommen. Ter Sarg mir der reiche Zolas war aus einem großen Katafalk aufgebahrc. Tie Feier wurde eingeleitet durch den Vortrag der Marseillaise und mehrerer anderer Musikstücke. Dann hielt Unterrichtsminister D o n m e r g u e im Namen der Regierung eine Rede, in der er aussührt;, das Parlament habe dem Gedächtnis des großen Bürgers eine Huldigung darbringen wollen, der nicht gezögert habe, in einer tragischen, fchmerzlick-en Stunde seine Ruhe, Behagen und Freiheit zu opfern, um eine Pflicht zu erfüllen, die ihm von seinem nach Gerechtigkeit und Wahrheit verlangenden Gewissen diktiert wurde, der sich so viele Burger entzögen. Zola habe den ersten Platz unter den ersten Verteidigern der Gerechtigkeit eingenommen. Er l)abe laut die Wahrheit aus- gcrusen, die er ganz kannte, und habe auf Irrtümer, Lügen und Ungerechtigkeiten aufmerksam gemacht, ohne jemals zu vcr- zweifeln. Zola lernte Haß und Verleumdung kennen bei den Verirrungen und der Wut der Masse, und die Bitternisse des Exils und der Flucht. Zola starb, ehe der Gerechtigkeit voll Genüge geschehen war. Er sah nur die ersten Strahlen der siegreichen Morgenröte durchschimmern. Tie Ehre und die Tankbarkeit, die Zola von der Nation erwiesen würden, seien frei von jedem Gedanken an Revanche und Herausforderung, obgleich diejenigen noch immer zornig grollen, die auf der Seite der Lüge und Ungerechtigkeit ständen. Diese könne die Nation nur bemitleiden. In Schlachten werde bie Volksseele gestärkt. . Doumergue sprach schließlich die Ueberzeugung aus, datz bie Zukunft die Zola erwiesene Huldigung gutheißen und sich ihr anschließen werde. /Rach der Rede Toumergues begaben sich Falliöres und die offiziellen Persönlichkeiten auf den Vorplatz des Pantheons, wo die Truppen an ihnen vorbeimarschierten. In diesem Augenblick hörte mau ein Geräusch, das aus dem Innern des Pantheons kam. Mehrere Minister stürzten in das Innere zurück. Kurz darauf sah man den Major Drcyfus verwundet heraustreten, dann seinen Angreifer, der von der Menge initzl-andclt wurde. "Als nach der Beisetzungsfeierlichkeit Tür Zola im Pantheon der Major Treyfus an der Seite der Madame Zola das Pantheon verließ, wurde nämlich von einem beim Ausgange stehenden Manne ein Revolverschuß auf Treyfus abgefeuert. Treyfus wurde leicht ander Hand verwundet. Ter Attentäter wurde verhaftet: er heißt Gregory, ist 55 Jahre alt, und Redakteur des militärischen Fachblattes „La France Militaire", sowie des royalistischen „Gaulois". Gregory wurde von mehreren umstehenden Journalisten festgenommen und vom Publikum ziemlich mißhandelt. Polizcipräfett Lepine und SicherheiiSdirektor Hennion sührten den Attentäter auf das Polizeikommissarcat. _ Un-- ter dem Publikum entstand eine große Panik: mehrere Personen stürzten im Gedränge zu Boden. Zuerst war das Gerücht verbreitet, daß auf den Präsidenten Fallieres gesckwssen worden sei. Tie Polizeiosfiziere beruhigten jedoch das Publikum und erklärten, ein, Geisteskranker habe auf Treyfus zwei blinde Schüsse abgefeuert. Gregory hat in der Tat zwei Schüsse abgegeben. Gleich der erste traf Treyfus am Handgelenk und wahrscheinlich auch unterhalb des Ellbogengelenkcs. Bei dem zweiten Schutz sielen dem Attentäter mehrere neben ihm Stehende in die Arme, so daß die Kugel abgelenkr wurde. Tas Gerücht, daß auch Frau Zola leicht verletzt worden sei, bestätigt sich nicht. Treyfus wurde nach der nayeti Polizeistation des fünften Bezirks gebracht, wo ihm Professor Pozzi, der der Beisetzungsseier belgewoynt hatte, einen Verband an* legte. Poli-eiprchett Lepine und ein staatsanwaltschastlich«? Die preußischen Wahlen. Das Ergebnis der preußischen Waylmannerwahlen ist, soweit es sich zur Stunde übersehen läßt, nicht übermäßig erfreulich. Was dabei zunächst am unerfreulichsten in die Augen " sticht, ist die sichtliche Schwächung des Liberalismus. Die Hoffnungen, die in der Beziehung auf die Wahlen gesetzt wurden, haben sich leider nicht erfüllt, und es ist nur ein geringer Trost, daß gleichzeitig auch das Dreiklafsenwahlrecht ad absurdum geführt wurde. Das hatten die konservativen Barden noch bis in die letzten Tage mit vollen Backen als eine Art Arkanum gegen das Eindringen der Sozialdemokraten gepriesen. Nun ziehen ihrer gleich sieben in die preußische Landstube ein, Hechte im Karpfenteich, und die beschauliche Ruhe, die selbstzufriedene Behaglichkeit, die den Konservativen als höchster Ruhm der Preuhenkammer galten, sind für immer dahin. Wir stehen zu diesen Dingen natürlich anders. Wir sind immer der Ueberzeugung gewesen, daß eine Partei, in der Millionen unserer Volksgenossen — ob zu Recht oder Unrecht, ist hier nicht weiter zu erörtern — ihre Vertretung sehen, nicht einfach auf mechanischem Wege vom Parlament ausgeschlossen werden durste. Immerhin wird zu fragen sein, wie es denn kam, daß gerade die Sozialdemokratie diese leidenschaftliche Wucht im Wahlkampf aufbrachte. Daß das Dreiklassenwahlrecht von ihr schlechthin überrannt wurde und trotz des ihr so wenig günstigen Wahlsystems die Sozialdemokratie aus den ersten Handstreich die Hälfte aller Berliner Sitze erraua. Hier und da wird als Ursache auf die terroristischen Allüren der Sozialdemokratie hingcwiesen, die, unterstützt von der „Wohltat der öffentlichen Wahl", alle von ihr irgendwie Abhängigen durch die Androhung des Boykotts zu den Urnen getrieben habe. Das wird gewiß vielfach zutreffen und als ein weiteres sehr nachdrückliches Argument für die Notwendigkeit einer Wahlreform aus der Basis der geheimen Stimmabgabe wohl zu verwenden sein. Aber eine ausreichende Erklärung für das Anschwellen der Sozialdemokratie bietet es noch nicht. Die wird unseres Erachtens weit eher in dem mangelnden Entgegenkommen der Regierung in der Wahlrechts- frage zu suchen sein. Die Berliner Juniwahlen — das wird man nachgerade offen aussprechen dürfen — sind die Antwort auf die Erklärung des preußischen Ministerpräsidenten vom 10. I a n ua r gewesen. Ganz so dilatorisch lasse?, sich Dinge, die bis in die höchsten Gesellfchaftsschichten von allen Einsichtigen empfunden werden, nicht mehr behandeln. An "irgend einer Stelle suchen starre Volksströmungen, wenn man sie vornehm zu igrnoricren sucht, sich schon noch ihr Ventil. Aber der gleichzeitige Erfolg der Konservativen, die von ihrem bisherigen Besitz nichts, oder so gut wie nichts einbüßten? Der steht aus einem anderen Blatt; aber auch dies Blatt gehört nicht gerade in das Haben der Regierung. Fast allerorten haben Zentrum und Konservative zusammen und einander in die Hände gearbeitet. Daß im Reichstag eine so ganz anders geartete Parteikombination zur Grundlage der Politik gemacht worden war; daß man ihr alles zu verdanken hatte, was an Erfolgen in dieser sonst nicht übermäßig produktiven Zeit erzielt worden war, scheinen die Konservativen überhaupt vergessen zu haben. Herr v. Oldenburg witzelte über die „Blockwurstelei", und andere taten es ihm nach; trotzdem aber sah es so aus, als ob an vielen Stellen der amtliche Apparat sich von der alten Gewöhnung nicht losreißen mochte und.sich auch jetzt wieder in den Dienst der konservativen Agitation stellte. Diesem „Zug der Zeit" entsprach es wohl auch, daß Herr Oktav io. v. Zedlitz und Neurir ch plötzlich sein zentrumssrommes Herz entdeckte und in Reichenbach als klerikaler Kompromißlandidat austauchte. Es wird von starkem Interesse sein, zu erfahren, welcher Art denn die Garantien waren, die Herr v. Zedlitz den Zentrumswählern von Reichenbach gab. Das sind so die ersten allgemeinen Eindrücke, die die ersten, noch nicht allenthalben zuverlässigen Nachrichten in uns weckten. Andere werden folgen und banif wird uocy das eine oder andere nachzutragen sein. Aber das wesentlichste bleib t: das nene Haus wird m ch t viel anders ausschauen als das alte; wieder wird die Rechte in ihm überwiegen; wieder wird es so stehen, daß jede grundsätzliche Reform des Wahlrechts von der „großen Mehrheit dieses Hauses nicht gewünscht wird. Ob das auch der Wunsch der Regierung ist? Ob sie damit gerechnet hat, als sie die Wahlen zur denkbar ungünstigsten Zeit, zu Anfang des Hochsommers, ansetzte, wo das politische Interesse erschlafft und ansehnliche Bruchteile gerade der Besitzenden und Gebildeten bereits auf Reisen sind? Wir wissen es nicht. Nur das wissen wir, daß das bisherige preußische Wahlrecht am Mittwoch endgültig Bankrott gemacht hat. Wenn es nicht einmal dazu ausreichte, die Sozialdemokratenvon den <,oren des preußischen Abgeordnetenhauses zu scheuchen , ja wozu ist es bann überhaupt noch nütze? . Es liegen nunmehr aus sämtlichen 443 ^aylkreisen die Resultate über die Wahlen der Urwähler vor. 43l Wahlkreisen tonnen hiernach als gewählt gelten: 14/ Konservative (bisher 143), 60 Freikonjervative (bisher 62) 104 Zentrum (96), 65 Nationalliberale (76-, 0 Frelsinnige Vereinigung (9), 23 Freisinnige Volkspartei (24), Io Polen (13), 2 Dänen (2) und 7 Sozialdemokraten (0). Juli Wahlkreisen finden Stichwahlen statt. In die Stichwahl kommen die Konservativen dreimal, die Freitonservativen, Zentrum, Freisinnige Volkspartei je zweimal, die 9Zationallibera£en neunmal, die Freisinnige Bereinigung einmal und die no- zialdemotraten dreimal. , In Hanau ist das Endresultat: 134 Nationalliberale, 26 Freisinnige, 83 Bd. d. Ldw., 56 Soz. Bei -6 Wahl- unu vic ww> _ ”än$ürn b£ K°ZcwatLn"u^Fr°ik°ns«r°°ti°en ist d°sIR-s°-m, d.° ba5 Zentrum nicht mitmachm werde. Der Eietzener Snzelaer «g«™ ä verrrgspretsr erscheint täglich, außer MI ™ monatlich75Pf.,viertel- Sonntags« - Beilagen: X a. a ▲ ja a ▲ jährlich Mk. 2.20; durch Äfigi 4 A** A*t Av 11 ♦At A Av sä aHivlUuBs Vtrtschastttche Setlfragea B M V Sä Wr yy W Xjgr gn! auswärt-r 20 Pfennig. Fernwrech-Anschlüße: N M Verantwortlich füt oie Redaktion GS, I Wk 9 äo« -r sür den politischen Teil: ME Eeneral-Mzetger str Oderhessen MW CT“ynümm™ Hotctlonstrud und Verlag der vrühl'ichen Univ.-Vuch- und Steindruckerel. R. Lange. RedaMon, Skpedltisn und Druckerei! Schulfiratzc r. H°B°L ttl vormittags 10 Uhr. __'___________~___ Funktionär verhörten den Attentäter. Gregory fall erklärt haben, er habe die Armee für den ihr angetanen Schimpf rächen wollen. Tas Attentat Gregorys hat bei seinen Bekannten lebhaftes Er- ftaunen hervorgerufen, da Gregory, der sich als militärischer Fach- ^schriftfteller eines gern inen Ansehens erfreute, als besonnener, ruhiger Mann aalt. Als die Menge von dem Attentat erfuhr, Krachte sie Hochrufe auf Zola und die Republik und Schmährufe gegen die Nationalisten aus. Zu dem gegen den Major Treyfus peniblen M ordanschlag werden von anderer Seite noch folgende Einzelheiten berichtet: Gregory, der unter dem Namen »Gregoire seit langen Jahren für den „Gau- lois" und für die „France Mililaire" schreibt und Vorsitzender des Kerems der militärischen Presse ist, wohnte der Feier im Pantheon auf Her Journalistentribüne bei. Als Treyfus sich anschickte, mit seiner Familie und Frau Zola das Pantheon zu verlassen, eilte Gregory ihm nach und feuerte einen Revolverschutz hinter Trey- fus ab. Treyfus wandte sich um und erhob instinktiv seinen rechten Arm wie zum Schutze; nur biejem Um stände hatte es Treyfus zu danken, daß er keine schwere Verletzung davontrug; denn Gregory feuerte noch aus unmittelbarer Nähe einen zweiten Schuß ab, der dem Major Treyfus tief in den rechten Vorderarm eindrang. Mathieu Treyfus, der Bruder d.s Majors, packte Gregory am Halse. Ter Attentäter erwiderte ruhig: „Der Revolver ist nicht geladen. Ich schoß blind. Es ist mir bloß um eine Demonstration zu tun." Mathieu Treyfus ließ Gregory los und suchte den Attentäter gegen die erbitterte Menge zu schützen. Gregory ist ein ehemaliger Mittelschulprosessor. Er wohnte wiederholt als Berichterstatter auch den deutschen Herbstmanövern bei. In nationalistischen Kreisen gibt man sich der Hoffnung hin, daß der Schwurgerichtsprozeß gegen Gregory, ivelcher zweifellos wegen Mordversuchs angetfagt wird, Gelegenheit zu einer Art Gegenrevision des vom Kassationshof verkündeten Freispruchs des Majors Treyfus geben werde. — Infolge von Schmährufen gegen Zola und die Negierung wurden nach "der Feier im Pantheon aus dem Boulevard Saint Michel etwa hundert Leute verhaftet. Nach weiteren Mitteilungen gab der Schriftsteller Gregory in dem Augenblick, als Präsident Fallieres das Pantheon verließ, um die Truppen vorbeimarschieren zu lassen, zwei Nevolverschüsse aus nächster Nähe auf Treyfus ab. Während der erste Schuß den Major am Vorderarm verletzte, wurde der zweite durch seinen Bruder Mathieu abgewendet. Major Treyfus wurde nach der Mairie des 5. Arrondissements geführt, wo Senator Doktor Pozzi die Wunde untersuchte und seststellre, daß kein Knochen getroffen ist und ernstere Folgen nicht zu befürchten find. Ter Präsident der Republik, der von dem Attentat erst später erfuhr, nahm auf dem Paradeplatz das Tesifae der Truppen ab. Vom diplomatischen Korps wohnten unter anderen der amerikanische Botschafter und der deutsche Botschaftsrat Frhr. von der Lancken bei. Ans Stadt nrrd Land. Gießen, 5. Juni 1908. * * Vom G r o ß h. Hofe. Ter Fü r st von Solms- Lich war nebst Gemahlin gestern am Darmstädter Hofe zu 'Besuch. Am Nachmittag wurde in Gemeinschaft mit dem Großherzoglichen Paare die Landesausstellung besucht. * * In Audienz empfangen wurde am Mittwoch von S. K. H. dem Großherzog Geh. Justizrat Dr. Gutfleisch aus Gießen. * * Z u den hessischen L a n d t a g s lv a h l e n. In dem Bezirk Butzbach sind bis jetzt folgende Kandidaten nominiert: Lekonom Friedrich Fenchel-Griedel (Bund der Landwirte), Amtsrichter Mahr-Darmstadt (deutsch-sozial), Oekonom Fenchel-Lber-Hörgern und der seitherige Vertreter des Bezirks, Altbürgermeister Joutz-Butzbach (Hessischer Bauernbund). Für Fenchel-Griedel tritt das Zentrum ein. — Im Bezirk Lorsch kandidieren Oberlehrer Werner- Worms (deutsch-sozial) und der seitherige Vertreter Altbürgermeister Seelinger-Lampertheim (nationalliberal); letzterer wird vom Zentrum unterstützt werden. — Wahlbezirk Gründ erg. Zu der Notiz in Nr. 126 vom 30. Mai d. I., bctr. Landtagswahl im Bezirk Grünberg, sei mitgeteilt, daß Herr Emmel von der Kandidatur dest- nitio noch nicht z u r ü ck g e t r c t e n ist und ein Beschluß vom Bund der Landwirte, die Kandidatur Moll zu unterstützen, nicht gefaßt worden ist. * * Gütervcrladestelle Schiffenberg. In der Mitteilung der Eisenbahnivünsche des Abg. Leun für den Kreis Gießen war infolge eines technischen Hörfehlers von einer Güterverladestelle Staufenberg die Rede. Es muß statt dessen „Güterverladestelle Schiffen berg" heißen. ♦ * Post - Personalnachrichten. Verliehen: Das Preußische Allgemeine Ehrenzeichen dem Oberbrieftrüger Schneider in Grebenhain aus Anlaß des Scheidens aus dem Dienste. Etats mäßig an gestellt: Telegraphengehilfin Theodore Lenninger in Gießen. Angenommen als Telegraphengehilfinnen : Marie Andreas, Frieda R a ß m a n n und Emilie Schwaab in Gießen und Hedwig Theis in Friedberg. Entlassen: Postgehilfe Stricker in Gedern. * * Der K o l o s s e u m s s a a l bietet in diesen heißen Tagen tatsächlich einen angenehm luftigen Aufenthalt. Freunde des Spezialitätentheaters brauchen deshalb den Besuch keineswegs auf kühlere Abende zu verlegen. Sie kommen auch eben durchaus auf ihre Rechnung. • • Kunstverein. Die gegenwärtige Ausstellung bleibt nur noch über die Feiertage geöffnet. Born 9. d. M. ab ist sie wegen vollständigen Wechsels der Gemälde vier Tage geschlossen. Tie nächste Ausstellung, die sehr reichhaltig und interessant zu werden verspricht, wird außer einer Serie Originalzeichnungen hervorragender Mitarbeiter des Simplizissimus eine Kollektion von C. Earrodi-Rom und eine Kollektion von einem sehr beliebten Frankfurter Künstler, F. Mohr, aufzu- meisen haben. • ’ D er Gießener Mieter-Verein hielt in dieser Woche seine Hauptversammlung im Schipka-Paß ab. Der vom Vorsitzenden Bräutigam erstattete Jahresbericht kon- statirte mit Befriedigung, daß die Tätigkeit des Vereins betreffs der Kanalabgabe mit Erfolg gekrönt war. und daß das Eintreten der Mitglieder des Vereins bei der Stadt- Verordnetenwahl den Erfolg hatte, daß einer der Kandidaten deö Mieter - Vereins, der nicht auf der Vorschlagsliste der vereinigten Bürgerparteien stand, gewählt worden ist. Andere Kandidaten des Mieter-Vereins haben es zu ansehnlichen Minoritäten gebracht. Die Kosten der Stadtverord- uetenwahl haben allerdings die Kasse des Vereins stark in Angriff genommen, sodaß der Verein im abgelaufenen Jahre nach der Stadtoerordnetenwahl nichts mehr unternehmen konnte. Der Bestand der Mitglieder im neuen Jahre beträgt 180 gegen 220 im Vorjahre. Von den verlorenen 40 Mitgliedern sind 25 von hier nach außerhalb gezogen. Es soll versucht werden, durch Werbung den Stand der Mitglieder wieder auf die alte Höhe zu bringen. Die Versammlung ,beschloß, den seitherigen Vorstand wieder mit der Führung der Geschäfte zu betrauen, und es ihm zu überlassen, die Aemter unter sich zu verteilen. In der Debatte erkannte man an, daß das Vorhandensein einer Mieter - Vereinigung, selbst wenn diese an Mitgliedern noch so schwach ist, schon gegenüber dem Bestehen eines HausbesitzeroeremS eine Notswendigkeit sei. Es könnten Fälle eintreten, in denen Wirksamkeit unumgänglich erforderlich werde. " Kostenlose öffentliche Stellenvermittlung. Eine far Arbeitgeber und Arbeitnehmer segensreiche Einrichtung sind die durch den Mitteldeutschen Arbeitsnachweis in fast allen Stadt- und Landkreisen der Regierungsbezirke Kassel uiid Wiesbaden, des Großherzogtums Hessen, des Fürstentums Maldeck sowie angrenzender Gebietsteile eingerichteten öffentlichen Arbeitsnachweise. Die Verinittlungstätigkeit erstreckt sich auf gewerbliche und nicht gewerbliche Arbeiterinnen, männliches wie weibliches landwirtschaftliches Personal, insonderheit auch Dienstmädchen. Die Vermittlung selbst geschieht für Arbeitgeber wieAr- beitnehmer vollständig kostenfrei. Sollte es nicht möglich sein, den Bedarf an Arbeitskräften oder offenen Stellen am Orte selbst z»i decken, so ist jeder Arbeitsliachweis zufolge seiner Zugehörigkeit zu oben genanntem Verbände auf Grund telephoilischer Rundfrage bei den übrigen Arbeitsvermittlungsstellen oder durch Vakanzenlistenaustausch jederzeit in den Stand gesetzt, das jeweils gewünschte Arbettspersonal git beschaffen oder geeignete offene Stellen nach- zmveisen, ohne daß auch hieraus bis auf weitere« Kosten erwachsen. In dem Falle, daß Arbeiter beziv. Arbeiterimien von auswärts herbeigeholt werden tnüssen oder umgekehrt, daß Arbeiter iiach auswärts vermittelt worden sind, steht beiden Teilen eine besondere Fahrpreisermäßigung zum Kilometersatze von 1,5 Pfennig auf sämtlichen Staatsbahnen zu, vorausgesetzt, daß die Entfernung mehr wie 25 Kilometer beträgt. Anmeldungen von Stellengesuchen wie offenen Stellen werden mündlich oder schriftlich von jedem Bürgermeisteramt oder Magistrat entgegengenommen. Diese Stellen sind, auch wie die Landrats- und Kreisämter, jederzeit gerne bereit, .nähere Auskunft zu erteilen. In ZwcifelSsällen wende man sich direkt an den Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband mit dem Sitz in Frankfurt a. Ak. * * Vom Guttemplerorden. Wie vielleicht wenig bekannt ist, arbeitet in Gießen und überhaupt in unserer Gegend eine Loge des „Neutralen Guttemplerordens", die „Lahnburg". Der neue Zweig der großen Guttcmplerbewegung, der „Neutrale Guttemplerorden", macht mit seiner polnischen und konsessiouellen Neutralität wirklich Ernst. Er hat ein Ritual angenommen, das feinen Logeuarbeilen den Charakter des Religiösen und 'Mystischen nimmt uiid von dem nur zu bedauern ist, daß es nicht öffentlich bekannt ist. Tenn durch die Schönheit und Tiefe der angewandten Worte würde es ivohl manchen geiuinnen, der sich jetzt an den Begriff Loge stößt. Diese Vereinigung hat nicht nur den Kamps gegen den Alkoholismus auf ihre Fahne geschrieben, sondern auch eine Herz und Gemüt erhebende Geselligkeit, in der je nach den Personen der Mitglieder und des Leiters (hier Dr. Liebe, Waldhoi Elgershausen) mancherlei Gutes aus Literatur und Dichtung, aus Musik und darstellender Kunst ausgewählt lvird, um diesen Zweck zu erreichen. Große Logen halten aiich offene Äbende, um Andere an diesen über den gelvöhnlichen Kneipensreuden ftebenben Genüssen teilnehmen zu lassen. Die noch heute Loge erläßt deshalb zur Geiviiiinmg neuer Mitglieder im Inseratenteile eine Aufforderung, auf die wir hierdurch aufmerksam machen. * * Befitzw echsel. Tas Louis Lony'sche Anwesen in der Bahnhofstraße ging für 92 000 Mk. in den Vesitz des Kaufmanns Grünewald, Inhaber der Firma Gebr. Berdux, über. * * Gießener V o l k s b a d. Im Mai wurden 1 2 448 Bäder verabreicht gegen 7680 im April 1908 und 11745 im Mai 1907 oder im Durchschnitt pro Tag 402 Bäder gegen 256 im April 1908 und 397 im Mai 1907. Ter Besuch im einzelnen ha^sich wie folgt verteilt: Schwimmbad: 5415 Männer, darunter 1263 zu 10 Pfg., „ 1446 Frauen, „ 281 „ 10 „ Wannenbäder I. Kl.: 356 Männer, 141 Frauen, „ IL „ 854 „ 583 Brausebäder I. „ 1106 „ 187 „ „ H. „ 1896 „ 274 „ Dampf- und Heißluftbäder sowie Massage zusammen 151 Manner, 39 Frauen. Die Personenwage wurde von 320 Personen benutzt, das Bad von 6 Personen besichtigt. * * Vorsicht vor Taschendieben beim Baden. Gestern machte schon wieder ein junger Mann die schlimme Erfahrung, daß, nachdem er gebadet hmie, sein Portemonnaie samt Inhalt verichwunden war. Ter Dieb konnte nicht ermittelt werden. Wir richten daher an alle Badeanstaltsbesucher die Mahnung, sämtliche Werttachen bei dem. Bademeister oder Besitzer in Gewahrsam ztl geben. X Taubringen, 4. Juni. Arn zweiten Psingst-Feier- tag feiert der hiesige Turnverein sein 1 3. Stiftung»- f e ft verbunden mit Preis- und Schauturnen. Ter Verein wurde am 5. Juli 1895 mit 14 Mitgliedern gegründet und steht jetzt mit 105 Mann in voller Blüte. Tie Musik wird ausgeführt von der Regiments-Kapelle des 116. Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm unter Mitwirkung des Trommler- und Pfeiferkorps des Turnvereins, ausgebildet vom früheren Tambour Emil Schäfer. Nachmittags findet ein Festzug durch den Ort statt. Um 6 Uhr abends ist Preisverteilung, von 8 Uhr ab Fackelreigen und Pyramidenausstellung mit Femrwerk. — Winnerod, 4. Juni. In der Pfarrhofreike zu Winnerod ist am 2. Juni d. I. ein Kalb weiblichen Geschlechts zur Welt gekommen, das am Tage feiner Geburt hundertzw eiundzwanzig Pfund gewogen hat. Butzbach, 4. Juni. Die Frau des in der Kasernenstraße wohnenden Färbers Karl Streng muß sich entweder beim Feuer- anzünden des Petroleums bedient haben, oder mit dem Petroleum dem Feuer zu nahe gekommen sein. Plötzlich erfolgte unter gewaltigem Schlag eine Explosion und im standen die Kleider der Bedauernswerten in Hellen Flammen. In der Ver- zweislung eilte die Fran auf die Straße. Die Nachbarsleute wurden sofort aufmerksam und mit Tüchern, Säcken usw. konnte man die Flammen bald ersticken. Der ganze Körper der Frau, besonders Brust, Rücken, Gesicht und Hände, sind verbrannt, so daß die sofortige Ueberbringung in das Hospital nach Nieder-Weisel erfolgen mußte. W. Bad Nauheim, 4. Juni. Ter Photograph Johannes Pörtzgen, gebürtig ans Haarfein in Holland, hat sich hier verschiedener Betrügereien und Unterschlagung von Knndengeldern schuldig gemacht. Die Unterschlagungen belaufen sich auf insgesamt 72 Mk. Nachdem er noch eine silberne Remontoiruhr im Werte von 45 Mk. sich angeeignet hatte, ergriff er die Flucht. Seitdem hat man jegliche Spur von ihm verloren. Die Polizeiorgane recherchieren eifrigst nach dem Betrüger und Dieb. Er wird als ein feingekleideter Herr bezeichnet. sc. Aus der Wetterau und Taunus, 4. Juni. Die Aussichten auf eine gute Obsternte sind infolge der Unwetter in hiesiger Gegend stark reduziert. Die Kirschenbäume, die reich geblüht und guten Fruchtansatz zeigten, haben durch den Hagel schwer gelitten, ebenso die Birn- und Aepselbäume. Auch sie hatten reichen Fruchtansatz, der teilweise durch die Hagelschläge vernichtet wurde und jetzt werden besonders die Aepsel- bäume noch durch die Raupen schwer heimgesucht, die Blätter und Fruchtansätze total zerfressen. R.-B. Bürstadt, 4. Juni. Die 11jährige Tochter des hiesigen Einwohners Philipp Schümm goß gestern abend gegen 8 Uhr, um das Feuer im Herde besser anzuschüren, Petroleum hinein. Die Folge davon war eine Explosion, bei der die Flammen auch das Kind ergriffen und dasselbe derartige schwere Brandwunden davontrug, daß es heute früh daran verstorben ist. X. Q f f e n b a ch a. M., 4. Juni. In der heutigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde der zum unbesoldeten Beigeordneten der Stadt Offenbach ge- lvählte seitherige Stadtverordnete Jakob Porti) durch den Bürgermeister Dr. Tulio in sein Amt eingeführt und in Pflicht genommen. — Die Rechnung der Stadtkasse für 1906 wurde entgegengenommen nnö genehmigt. Die Gemeindesteuer hat in dem genannten Rechnungsjahre einen gegenüber dem Voranschläge erfreulich höheren Betrag (54 000ML mehr) ergeben, auch die Armenlasten verringerten sich, beides also die besten Belege für den günstigen Stand der wirtschaftlichen Verhältnisse Offenbachs int Jahre 1906. Sodann genehmigte die Stadtverordnetenversammlung den Erlaß eines Ortsstatutes über die Besteuerung des Wertzuwachses der in der Stadt Offenbach gelegenen Grundstücke. Das Ortsstatut wurde in der vom Ausschüsse entworfenen (seinerzeit mitgeteilten) Fassung mit geringen redaktionellen Aenderungen angenommen. Die neue Steuerverordnung soll schon vom 1. Juli d. I. ab eingeführt werden. — Ein mit dem Fürsten zu Jsenburg-Birstein über die Ablösung des ihm für eine Anzahl L e h r e r st e 11 e n Offenbachs zustehenden P p ä s e n t a ti o n s re ch t s abzuschließender Vertrag wurde genehmigt. [] Marburg, 4. Juni. Wie dem soeben fertiggestellten Studentenverzeichnis zu entnehmen ist, stellt sich die Zahl der Studenten, die diesmal unsere Universität besuchen, auf 1924, gegen 1598 im letzten Winter und 1855 im Sommer 1907. Rechnet man noch 91 Hörer (darunter 38 Damen) hinzu, so steigt die Gesamtziffer auf 2015. Dem Studium nach infamen sich 155 der Theologie, 468 der Jurisprudenz, 288 der Medizin und 1001 der Philosophie. ES stammen 1542 ans Preußen (darunter 642 aus Hessen- Nassau), aus den übrigen deutschen Ländern 302 (aus Hessen- Darmstadt 38), aus Großbritannien 6, ans Norwegen 2, ans Oesterreich-Ungarn 20, aus Rußland 18, ans Spanien 1, aus der Schweiz 16, aus Amerika 10 und aus Asien 7. Zur Werner-Anfrage Wird uns von geschätzter Seite geschrieben: Der Abgeordnete Bähr, der in der gestrigen Kammersitzung mit seiner Interpellation über den Fall Dr. Werner ein so glänzendes Fiasko erlebt hat, steht bekanntlich auf dem Standpunkt, daß das Parlament Beamtenversetzungen zu kontrollieren habe und kein Beamter aus politischen Gründen versetzt werden dürfe. Offenbar billigt er diesen parlamentarischen Schutz nur Antisemiten zu, denn in der Sitzung der Zweiten Kammer vom 17. März ds. Js. hat er angekündigt, daß er demnächst den Antrag stellen werde, dem ordentlichen Professor der Nationalökonomie an der Landesuniversität, Professor Dr. Bier m er, das im Budget vorgesehene Gehalt zu streichen, sofern nicht neben der von Biermer seit acht Jahren bekleideten Professur eine agrarische Strafprofessur errichtet werde. Der Abgeordnete Bähr nimmt es mit der Wahrheit augenscheinlich nicht sehr genau. Zur Begründung seines Antrags, der vom Ministertisch mit feiner Silbe einer Antwort gewürdigt worden ist, weist Bähr darauf hin, daß die Zweite Kammer „im vorigen Jahre oder vor zwei Jahre n" den „c i n ft i m m i g c n" Beschluß gefaßt habe, die Strafprofessur zu fordern. Ein gewissenhafter Abgeordneter hätte sich jedenfalls der Mühe unterzogen, den Tatbestand vorher genau festzustellen. Der Beschluß der Zweiten Kammer, der auf die Interpellation Köhler-Langsdorf erfolgte, stammt vom 27. Februar 1903, ist also fünf Jahre alt, und selbstverständlich war er fein einstimmiger. Gegen ihn haben geschlossen die Freisinnigen, die Sozialdemokraten und ein Teil der Nationalliberalen gestimmt. Herr Bähr, der nicht will, daß ein rasseantisemitischer Agitator von Gießen nach Worms versetzt wird, verlangt für das Parlament das Recht, die nationalökonomische Wissenschaft an der Landesuniversität so zu beherrschen, daß sie im Einklang steht mit den Forderungen feiner politischen Partei. Eventuell droht er mit Streichung des Gehalts für Professor Dr. Biermer, also mit einem brutalen Eingriff in wohlerworbene Rechte. Professor Dr. Biermer fann die Angelegenheit natürlich ganz gleichgültig sein, dem: er würde sofort eine Zivilklage gegen den hessischen Fiskus auf Weiterzahlung des Gehalls und Weiterbezug feiner Gebühren anstrengen. .Der Abgeordnete Bähr ist auch aus Sparsamkeitsrücksichten gegen die Versetzung des Oberlehrers Dr. Wer- ner, muß sich aoer vom Ministerinch sagen lassen, daß seine Interpellation den Staat mindestens 1000 Mark gekostet hat. Tie Strafprofessur würde den Staat jährlich über 5000 Mark kosten. Die ganze Beweisführung Bährs gipfelt in der Sentenz: „Ja, Bauer, das ist ganz was anderes!" Berlin, 4. Juni. Ein So l d a t e nm ißha ndl u ng s- prozeß von dem Umfange, wie er feit dem, 5 Jahre zurückliegenden Fall Breitenbach die deutschen Militärgerichte nicht mehr beschäftigt hat, begann heute morgen vor dem Kriegsgericht der 1. Garde-Tivision. Aus der Anklagebank haben acht Angellagie Platz genommen. Ter Haupt-Uebeltäter ist bet Unteroffizier Walter Thamm von der 1. reitenden Batterie des 1. Garde-Feld- artillerie-Regiments. Tie Anklage wirft dem Unteroffizier Thamm 600 Fälle von Mißhandlung und vorfchristswidriger Behandlung von Untergebenen vor. Außerdem fall er in vielen Fällen Untergebene zu strafbaren Handlungm veranlaßt haben. Ter Selbstmord des Kanonier Knobbe ist auf die Mißhandlung des Thamm zurückzuführen. Ten übrigen Angeklagten werden Mißhaifalungen Untergebener bis zu 40 Fällen, schwere gemeinschaftliche Körperverletzungen, Bedrohung von Untergebenen, Unterlassung der nötigen Aussicht usw. vorgeworfen. Ten Antrag des Vertreters d.r Anklage auf Ausschluß der Öffentlichkeit lehnte das, Gericht ab. Thamm gab im großen und ganzen zu, die Leute mißhandelt zu haben, entschuldigt sich aber mit großer Aufgeregtheit. Tas Urteil lautete: Ter Angeklagte Unteroffizier Thamm ist der fortgesetzten Mißhandlung von Untergebenen, der fortgesetzten vorschriftswidrigen Behandlung und der fortgesetzten Mißbrauchs der Tienstgewalt an Untergebenen, der Verleitung Untergebener zu strafbaren Handlungen usw. schuldig und wird zu einem Jahre drei M o n a t e n Gefängnis und Degradation verurteilt. Tie übrigen 7 Angeklagten wurden zu kleineren Gefängnisstrafen bezw. Arrest verurteilt. Bei ber_ Strafzumessung ist das Gericht von der Erwägung ausgegangen, daß einem einzelnen der Angeklagten die Schuld an dem Selbstmord des Kanoniers Kuobbe nicht beizumessen ist. Tas Gericht ist vielmehr der Ansicht, daß Knobbe in der Hauptsache durch die allgemeine Mißhandlung und durch unerhörte Behandlung in den Tod getrieben worden ist. Es war ferner zu berücksichtigen, daß die Handlungen der beiden Hauptangeklagten und der alten Leute systematisch betrieben wurde und daß gegen derartige Auswüchse beim Militär mit aller Strenge vorgegangen werden muß. Sport. — Fußball. Ter Artikel in No. 129 des „Dießener Anzeigers" unter Sport ist folgendermaßen ru berichtigen. Ein Wettspiel fand überhaupt nicht statt zwischen einer Laubacher Mann- schäft und der vom Realgymnasilim Gießen. Es handelt sich um ein Uebungsspiel, in dem die Gießener Mannschaft gegen 6 Leute der Laubacher Wetlspielmannschaft spielte. WeShalb dabei die Gießener Spieler die Torzahl nicht „beliebig erhöhten", ist nicht recht verständlich. Dann war auch Laubach durchaus nicht ein- Kleine Tageschronir. Erdbeben. Die Apparate der Hauptstation für Erdbebenforschung in Hamburg verzeichneten gestern nachmittag ein mutet- starkes Fernbeben in etwa 5800 Kilometer Entfernung. Der beginn der Aufzeichnungen war 5 Uhr 5 Minuten 0 Sekunden; die Dauer 17, Stunden. _ , Pest in Südamerika. Nach einer Meldung atts Kuba wurde dort tuegen des Ausbruches der Pest in Südamerika die Quarantäne für alle Schiffe angeordnet. T i e Entfchädigungsquote für die Hinterbliebenen der E i f e n b a h n - K a t a st r o p h e x n Con11ch und die Gelder, die für Verwundete und Verstümmelte ausgegeben iverben müssen, betragen zusammen 3 Millionen Franks. Es soll den Kandidaten des höheren Lehramts Hochschulen tudicn an Technischen erlaubt werden, einen Teil ihrer in Tanger wurde vom Obcrstallmeister Mulcy Zeitung ec werde die heiligen HafidS in dessen Auftrag geschrieben, «raw« ■ Adam Reinig Giessen, St. Felix, Halle a. d. Saale, den 5- Juni 3522 3519 Danksagung Die Eisschrankfaiirik 81 240 3515 Heuchelheim, den 4. Juni 1908. 447 6« 925 [500] 43 237219 381 691 705 57 904 2 5 2 208 44 373 413 638 786 940 2 5 3584 Slitai 3508 '/- ÖL ^bcrrti 180 Madeira 2,— Malaga 2.50 3437 526 Carl RlüHer, Plockstr. 12 [2362] Jll 30 815 SSI 286068 207 31? ß!4 287010 bQ7 S 60 71. 33 966 [3000] 2 5 9265 95 433 544 660 738 37 260 642 722 23 2 6 1 019 826 6 6 559 601 33 80 802 [3000] 506 716 977 2 6 3033 457 923 664 601 613 84 83 81 96 997 314 66 662 08 68239 336 43 976 99 [500] 231064 46 980 [500] 232057 213 407 [ 3000] 78 552 962 2 3 5129 299 800 620 548 40 84 Gräber von Mekincs besuchen und morgen nach Fez aufbrcchen, wo er am nächsten Freitag einzutreffen gedenkt. 759 753 8?1 156 834 94 375 53063 686 91 400 317 465 653 -,85 —,95 1,10 U5 amos —,85 Auslese 1,— Portwein 1,50 230042 142 66 [500] 176 296 [ 500] 337 72 690 726 978 88 617 856 234217 698 236148 [500] 723 907 186217 316 17 20 60 646 82 878 [1000] 82 187230 454 786 820 925 1 88069 126 216 358 72 487 689 705 [ 500 ] 42 856 [3000] 926 189185 339 63 413 66 531 842 902 [500] 100213 535 607 741 97 824 1 9 1 019 [3000] 132 88 847 623 1 9 2017 73 78 197 530 746 82 1 93181 74 631 863 6 4037 98 126 269 336 638 806 32 6 5453 704 825 920 69 66334 499 836 67366 491 665 740 495 564 [1000] 683 748 826 42 45 954 6 9020 26 210 693 808 930 54 62 70691 [1000] 740 80 821 911 71159 371 534 85 98 614 73052 585 682 783 836 56 964 194416 846 91 933 54 195055 96 123 25 294 97 344 410 633 80 770 925 29 49 196078 92 159 [3000] 281 519 687 1 97139 245 443 62 84 807 [5001 42 1 9 8015 146 447 63 6 7 590 745 804 9 24 956 199219 377 439 [500] 607 751 78 801 2OO046 100 35 271 578 821 922 20 1 214 52 337 456 71 646 202041 421 203102 [1000] 875 204007 [1000] 167 281 512 20 86 861 938 2 0 5131 575 783 959 2 0 6221 25 57 71 376 655 869 2 07132 501 649 72 924 2 0 8027 125 [500] 27 292 596 820 958 70 209012 170 426 2 1 0226 863 405 80 690 702 802 44 211040 42 224 321 458 595 686 703 835 4 7 2 1 2059 191 325 527 [500] 507 10 27 66 850 903 238004 21 220 519 37 76 864 912 23 9058 128 403 631 802 2 40108 41 62 66 217 93 [500] 231 469 655 718 57 161035 736 92 164126 300 467 f. Ateinhässtt, 17 Neuen Baue 17 27 Seltersweg 27 Für die wohltuende herzliche Teilnahme bei dem schweren Verluste meiner lieben Frau, unserer teueren Mutter, spreche ich zugleich auch im Namen unserer ganzen Familie meinen innigsten Dank aus. 96 353 [500] 459 99 575 687 885 144’09 94 354 [500] 530 616 945 145027 328 437 516 931 [500] 37 146110 89 [3000] 753 1 47 043 [500] 405 530 617 39 746 843 148112 216 326 67 461 624 [500] 35 62 714 943 1 49012 90 142 205 11 353 4£0 781 836 953 265094 275 [3000] 807 21 57 72 989 266159 [3000] 268 644 [500] 765 874 267162 91 852 268066 225 547 751 269006 82 [500] 100 817 [1000] 532 56 688 867 27 0369 465 594 859 942 [500] 271116 871 488 531 94 702 10 2 7 2223 337 [1000] 83 494 [3000] 569 774 971 273150 61 261 482 545 52 65 610 787 2 7 4114 88 89 684 801 955 2 7 5054 87 399 404 664 866 933 2 7 6087 50 152 367 544 93 601 [1000] 704 943 2 7 7275 81 885 93 441 52 505 36 64 638 68 750 [1090] 82 278090 116 646 65 739 900 [1000] 279186 771 2 8 0014 24 254 77 499 281166 356 68 446 563 975 96 2 8 2135 386 [500] 511 655 62 749 800 58 2 83179 417 708 [1000] 40 998 2 8 4086 223 539 841 [1000] 951 285091 235 [1000] 302 90 519 [8000] 987 46115 [500] 796 958 47007 81 121 499 553 790 • 77 [500] 134 54 851 [500] 81 985 4 9 062 64 [5000] 369 [3000] 412 575 694 859 935 50153 254 55 393 561 740 [1000] 83 928 51193 901 157020 233 313 419 543 46 51 823 904 18 83 [3000] 519 80 83 863 942 1 59106 452 955 160145 437 73 510 [500] 833 [500] 93 511 622 75 1 6 2 023 137 318 522 642 [3000] 163153 231 492 749 83 93 828 39 [500] 994 24. Ziehung 5. Kl. 218. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 4. Juni 1008. vormittags. Nur die Gewinne Uber 2 fO Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verboten.) 221 76 302 99 423 545 [500] 780 833 1006 129 62 91 417 [500] 75 510 20 [500] 600 827 2093 432 615 63 833 960 3036 187 204 482 577 713 37 802 4177 214 30 313 405 42 872 73 5064 77 183 220 64 371 5-10 57 6063 77 169 76 272 [1000] 546 86 568 685 838 930 7041 271 595 754 58 59 8001 72 123 311 87 583 766 834 55 9 045 301 652 9 3 910 2 3 82 94 10626 31 725 76 11129 257 349 86 413 76 530 55 677 709 12013 26 [3000] 222 61 433 660 1 3203 2 2 419 [500] 37 653 63 828 913 14137 217 319 63 434 69 696 729 15064 Ewigkeit zu nehmen. Bieber, den 4. Juni 1908. Mängel nicht geleistet. Queckborn, 4. Juni 1908. Großherzogliche Bürgermeisterei. Schmidt. 254 385 464 694 [500] 813 [3000] 915 64 6O062 [500] 124 92 374 [500] 676 61023 354 428 525 64 679 741 886 935 62110 91 386 803 952 6 3297 429 550 Müller'sche Badeanstalt Wasserwärme 17° R Hochschulen zu machen. — Ter in Untersuchungshaft befindliche Rechtsanwalt Link wird einer Irrenanstalt zur Beobachtung seines Geisteszustandes überwiesen. Köln, 5. Juni. Dem Korrespondenten der „Kölnischen der nächsten Zeit noch erhöhen wird, ferner t]i zu ^warten, daß die Aenderungen sür den Semesterwechsel über den normalen Umfang nicht hinausgehen und sich auch bei einem Diskont von 41/1°/0 in den vorjährigen Grenzen bewegen werden. Im Vorjahr betrug der Diskoni nm diese Zeit 5'/,°/«. Daß auch 41/,% immer noch ein recht hoher Zmssuß sind, braucht nicht weiter gesagt zu werden. Im Jahre 1906 betrug der Zinssnß vom 25. Mai bis 18. Sept, ebensalls 4,/1°/0; es war das zur Zeit des größten industriellen Aufschwungs, während wir jetzt eine Periode recht starken Rückgangs haben. Berlin, 4. Juni. Tie Detriebsroheinnahmen der Schanin n g - E i s e u b a h n betrugen im Mai 1908 219 000 mexikanische Dollars im Vorjahre und vom 1. Januar bis 31. Mai d. I. 1 051 000 mexikanische Dollars gegen 1083 867 mexikanische Dollars im Vorjahr. _____________________ Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hesse» am Samstag, den 6. Juni: Fortdauer der meist heiteren, ivarmen Witterung. Ver- einzelt Gewitter. Südliche Winde. Orrgiiral-Orahtmeldurrgen. sd. Darinstadt, 5. Juni. Landtagsabg. Brauer hat gestern seinen Austritt aus der Fraktion des Bauernbundes erklärt. RB. Darmstadt, 5. Juni. In der hiesigen Hochschule fand gestern und heute eine D c l e gi e rt e n t o u f eren z statt, zu der sämtliche deutschen Technischen Hochschulen Vertreter entsandt hatten. Es handelte sich um die Ausbildung von Lehramtskandidaten für M a t h c - matik und Natu rwissenschaften an den Technischen 261 68 328 39 795 830 225002 99 116 18 93 557 74 305 628 71 823 77 168'37 887 912 160878 677 833 88 17 0315 41 482 591 747 852 994 1 7 1 004 20 61 263 521 37 621 71 844 [500] 935 1 72031 452 560 87 704 947 55 63 173004 49 185 867 411 51 585 98 070 [1000] 83 795 844 174087 105 433 54 545 57 [500] 76 65 1 65 717 830 [500] 175293 [10 000] 341 421 60 652 816 71 176471 522 [1000] 735 802 960 1 77133 [3000] 57 63 313 [30001 481 [500] 94 932 1 78134 37 207 8 [500] 354 48 4 635 [1000j 179132 78 401 501 25 791 809 38 99 18O031 49 192 [500] 249 877 451 544 894 181218 49 [1000] 88 420 639 717 50 75 832 [1000] 947 182306 070 73 99 853 183327 97 465 779 847 58 918 184072 228 885 528 688 926 88 90 1 8 5066 67 181 454 563 609 415 74 559 684 722 [1000] 859 944 60 81 16517 24 [10001 17152 386 503 6 731 18038 7 4 75 98 [3000] 685 13000] 915 1 9005 801 453 506 721 906 80 665 [1000] 810 2 44129 375 56 t 617 2 4 5178 223 [500] 27 06 87 403 99 658 2 4 6065 819 34 [500] 48 544 [500] 24 7080 212 324 454 70 765 900 2 4 8300 ■ [1000] 63 73 249533 883 973 78 25O000 251 87 654 764 905 251000 418 67 584 852 995 606 Ludwig Schlierbach Gastwirt. Die Beerdigung findet Samstag den 6. Juni, nachmittags 2 Ühr statt. [500] 77 709 7 3 977 7 2 345 560 670 828 3 7 903 27 198 8 68 433 595 672 [500] 939 74137 72 221 80 341 487 688 745 79 894 [1000] 979 75104 11 260 822 460 537 748 76213 61 [1000] 333 766 [500] 91 807 97 922 61 77278 [500] 322 46 72 [1000] 701 40 863 78176 558 79 778 993 7 9015 [3000] 20129 63 215 24 313 683 746 850 919 49 21161 85 93 206 423 643 69 76 22036 269 355 516 [3000] 693 988 23263 24 069 101 4 28 97 317 657 892 2 5 001 235 662 719 859 26084 [3000] 707 30 840 62 2 7 266 577 629 755 941 42 28189 210 74 341 500 9 [500] 795 [3000] 805 2 9306 36 638 749 87 [1000] 805 [500] 30144 869 406 13 795 903 31034 150 [1000] 723 [500] 43 56 959 3 2 213 307 658 712 33139 54 262 [1000] 315 50 410 512 932 [500] 3 4027 78 [1000] 360 472 659 763 861 [500] 912 [3000] 84 35221 589 617 711 36 824 903 8» [1000] 3 6054 240 418 26 634 757 963 371-15 279 579 84 930 [8000] 38035 200 [500] 13 541 800 12 3 9026 439 658 972 40036 137 213 99 746 4 1 062 183 94 346 64 95 567 648 98 706 22 867 4 2 027 237 493 535 663 65 759 923 41 43002 191 97 275 [3000] 514 [1000] 805 2 4 32 4 4010 134 604 772 77 922 [1000] 213301 612 708 823 85 214079 115 61 609 731 939 215339 78 528 57 974 216250 84 703 47 217030 279 409 508 60 90 [1000] 712 52 2 1 8671 797 [500] 843 219153 417 90 712 973 2 2 0 001 191 228 989 2 21187 254 427 504 40 80 45 574 297 453 494 733 233007 620 76 Wegen vorgerückter Saison gebe jetzt auf Kinder- u. Sportwagen 793 871 912 864 445 623 45 822 260007 West M ArtMwche Revolver, Pistolen nnd Patronen, Browning- Pistolen Cal. 7,65 ii. 6,35, Treysepistolen, Degenstöcke etc. empfiehlt Ad. Kernig Waffenhandlung, 3187 30 Seltersweg 30. Eigene Reparaturwerkstätte. Verkauf eines Bullen. Donnerstag, den 11. Juni, vormittags 11 Uhr, soll ein zur Abschaffung bestimmter schwerer Vogelsberger Gemeindebulle durch Submission auf der hiesigen Bürgermeisterei verkauft werden. Angebote haben auf pro Zentner Lebendgewicht zu erfolgen und wird eine Währschaft für 262059 221 ------------- ------ ------ 89 505 91 600 19 34 91 742 2 6 4061 78 164 210 [500] 202 812 [3000] 485 4 5185 263 351 54 608 734 854 83 88 48062 34 [500] 49 713 54 851 67 222024 [3000] 115 383 699 767 2 2 3 005 106 SOI [500] 87 655 831 46 90 2 24162 345 [1000] 450 68 734 1 6 5038 181 98 246 92 69 70 786 166128 663 762 937 82 167077 100 233 77 [3000] 786 876 226143 585 614 715 823 953 227621 [500] 707 9 [100Q] 228016 IJS 40 218 [500] 851 61 661 81 836 62 229343 ' [500] 831 24 1 025 193 388 567 612 49 957 66 2 4 2012 83 853 [1000 ] 574 697 728 2 43110 [1000] 14 215 — 22 661 87 963 - , 150028 217 469 93 526 69 777 807 10 1 51166 445 63 592 662 847 956 1 5 2057 301 [500] 644 99 897 153001 65 266 802 [1000] 154131 592 717 59 155044 100 200 311 29 37 4 5 74 506 2 3 33 5 4 665 97 1 56180 [ 500] 295 394 526 677 --- - -------------158135 254100 [1000] 07 230 841 47 505 721 98 848 58 2 5 5 703 [10 000] 89 801 901 256079 112 [1000] 216 811 504 681 257019 134 242 326 690 903 65 258188 hat den Vertrieb ihrer rühmlichst bekannt. Fabrikate dem Kaufmann 13521 Mh. OüM, Giessen, liMMlj 20, übertragen. — Es werden daselbst Eiöschriinke für Private, Metzgereien, Wirtschaften :c. vorrätig gehalten und sofort franko überall hin versandt. Jagd-Verpachtung. Die dec hiesigen Gemeinde zustehcnde Feld- und Waldjagd soll Freitag, den 12. Juni, nachmittags 3 Uhr im Amtszimmer des Unterzeichneten auf 6 Jahre öffentlich verpachtet werden. 3509 Lohra (Kreis Marburg), den 4. Juni 1908. Bahnstation. Der Jagdoorsteher: Rau, Bürgermeister. 145 278 441 612 727 809 960 80 80013 50 63 472 752 855 914 86 81190 301 933 43 82143 405 37 546 763 873 941 83023 [500] 210 52 425 635 761 75 84102 359 461 67 74 761 8 5365 610 8 6204 349 407 23 626 735 993 8 7025 256 342 494 503 [500] 75 [1000] 669 959 88036 88 406 874 [500] 89125 505 [3000] 656 721 47 811 [500] 31 94 910 . 9 0034 240 864 636 9 1 059 218 575 603 734 821 92136 282 70 73 86 [3000] 420 529 656 902 [500] 93101 [500] 52 455 52 1 637 64 80 872 7 9 84 9 4 206 9 2 305 434 566 621 719 866 83 955 95169 71 594 [500] 712 824 96141 66 204 22 [3000] 370 460 73 75 91 920 97048 55 61 194 415 587 97 643 876 [1000] 98136 351 479 543 88 763 811 20 9 9 003 139 415 [5001 674 703 849 74 100117 80 312 77 637 1 0 1 033 844 987 1 02 075 177 392 [3000] 686 655 88 752 877 954 103018 79 176 202 49 368 [1000] 425 589 803 40 85 1 0 4337 9 7 459 714 [3000] 47 875 78 912 [1000] 105132 352 425 [500] 801 1O6100 39 [1000] 859 65 424 515 615 772 [3000] 107149 290 426 23 84 730 57 62 [500] 902 24 [10 000] 86 108001 150 70 204 831 [1000] 591 710 92 109016 79 167 90 861 462 524 625 776 816 917 54 110072 234 53« 689 733 111310 613 19 823 29 [500] 36 53 69 71 112125 245 899 531 731 96 875 113374 [500] 99 460 96 678 [500] 625 [500j 51 79 789 978 114067 635 763 876 964 115077 170 408 764 116009 24 31 603 F.96 117054 [3000] 128 341 445 560 80 677 795 807 1 18toO 256 821 609 28 46 731 853 72 937 49 89 119153 266 363 617 870 12C002 178 278 [500] 329 [500] 470 86 926 37 1 2 1 622 76 728 44 902 [1000] 96 1 22197 415 597 1 2 3 355 500 73 792 [1000] 905 19 1 24011 52 101 93 406 742 1 2 50M 232 [500] 54 655 879 1 26059 73 169 99 676 [3000] 705 55 127021 145 313 690 761 65 880 921 128535 67 677 129095 [3000] 481 602 641 711 975 130810 456 [3000] 131017 214 363 594 [500] 629 85 756 837 76 93 132184 322 515 [500] 732 44 133399 417 23 518 927 [3000] 13 4 455 702 1 35138 76 99 302 22 447 654 840 136010 78 120 85 390 [500 ] 623 [500] 85 [1000] 732 973 137171 [500 ] 465 608 55 821 13 8071 126 286 417 60 [3000] 529 623 732 847 950 57 130031 45 277 340 98 526 (3000) 687 883 52316 418 38 54 723 922 45 218 332 [1000] 493 501 13 741 971 54199 270 79 341 652 [3000 ] 929 [500] 52 82 55126 234 [500] 385 575 674 792 901 56137 246 529 71 [500] 57153 439 578 86 640 4 1 5 8028 281 [500] 325 65 751 88 903 59161 99 [lOOO] 770 140036 97 173 95 298 453 67 844 1 4 1085 120 262 81 696 611 823 962 1 42000 .375 532 32 774 838 57_83 143Q57 Selramstmachung. Betr.: Gesuch des Professors Dr. H. Koeppe von Gießen um Genehmigung zur Errichtung eines Säuglingsheims. Die nachstehend abgedruckte Bekanntmachung des Gr. Kreisamts Gießen bringen wir hiermit unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis, daß die betr. Akten auf unserem Sekretariat 14 Tage lang von heute an zur Einsicht vsfen liegen. G i e. ß e n, den 4. Juni 1908. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Reinhart. Bekanntmachung. Betr.: Wie oben. Herr Professor Dr. H. Koeppe zu Gießen beabsichtigt in Gießen, Wetzsteinstraße 43, ein Säuglingsheim zu errichten. Pläne und Beschreibung liegen 14 Tage lang vom Erscheinen dieses in der „Darmstädter Zeitung" bezw. im Kreisblart für den Kreis Gießen an gerechnet auf dem Bureau des Gr. Polizeiamts Gießen zur Einsicht der Interessenten offen. Etivaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bei Mei- dung des Ausschlusses bei Großh. Polizeiamt Gießen vorzubringen. Gießen, den 29. Mai 1908. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. B.: Welcher. Für die vielen Beweise herzlicher reilnahuie bet dem Hinscheiden unseres unvergeßlichen Töchterchen, Schwester- chen und Enkelchen, sowie iur die lroiteichen Worte des Herrn Pfarrer Glück sagen innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Ludwig Lenz und Familie. Heber den Verlauf der Angelegenheit des Barons von Reihen st ein mit dem Staatsanwalt Dr. Bleicher wird noch gemeldet: Die Forderung des Freiherrn v. Reihenstein erfolgte erst, nachdem der Staatsanwalt es aus briefliche Aufforderung abgelehnt hatte, von seinen Aeußerungen über die Zeugenaussagen der Baronin v. Reitzenstein eine deren Gatten befriedigende Erklärung abzugeben. Dr. Bleicher hat übrigens inzwischen die briefliche Erklärung abgegeben, daß er nicht bie Absicht gehabt habe, die Frau Baronin zu beleidigen. E i n G e w i t t e r mit st a r k e in S t u r in hat in London und Umgebung enormen Schaden angerichret. Im Biljhi-Park allein wurden 400 Bäume entwurzelt. Auch auf der Derby-Rennbahn in Eprot wurden durch das Unwetter große Verheermigen angerichtet. BeiJvre scheiterte ein Boot, moriii sich 11 Ar° beiter befanden, sechs von ihnen sind ertrunken. Handel. — Disko ntermäßigling der Deutschen Reichs» bank. Die seit 6 Wochen ersehnte Herabsetzung des Reichsbankdiskonts um */» % ist nun, man kann sagen, unerwartet plötzlich rur Tatsache geworden. Nach dem letzten Neichsbankausiveis war anzuuehmen, daß eine Heruulersetzung des Diskonts jedenfalls em- treten würde, aber doch nicht vor Bekanntwerden des nächsten Ausweises. Wenn trotzdem die Reichsbankleitung zu einer Heabjetzung sich entschlossen hat, so ist der Grund hierfür in dem Umstand zu sehen, da die Aussichten für eine weitere Kräftigung des Statms ziemlich günstig sind. Es sind ansehnliche Goldbeträge aus dem Auslande nach Deutschland gelangt und wohl zum erheblicheren Teil der Reichsbank zugeflossen. Schon jetzt geht der Metallbestaiid der Bank um 52 Millionen Mark über seine vorjährige Höhe hinaus unb es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß sich dieses plus in Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat c5 gefallen, unsere liebe Tochter Maris Schlierbach nach langem, schwerem Leiden heute morgen um 9 Uhr im Alter von 22 Jahren zu sich in die ^»Schöne Zuckt- und Legehühner sow.Nnsse- geslügel,Bedarfsartikel Enten, Gänserc. liefert gut und billig [b7/$ Geflügelh. Becker, Weidenau-Sieg 57 Preisliste mit Abbildung gratis. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Juni 1908 Barometer auf 0° reduziert Temperatur der 9»ist Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit c s. 1 Windstärke Wetter 4. 4. 5. 2” 9’6 736 Höchs Riedr 747,7 746,3 743,3 e Tem gfte 27,0 21,5 18,3 Dcratnr 14,5 14.8 13,8 am „ 3 55 78 88 . bis WSW NNE NNW 4. Jun 4. „ 4 2 2 — 4 = - Bew. Himmel • ii Sonnenschein 28 3 0 C. - 14^0 " C. 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Cassel» belegene Ohäuscr-'Mühle, bestehend auS einem Zuppinger Wagerrad, welches 4 Mahlgänge mit Sichtmaschinen und Chlinder nebst einem Schrotstuyl amreibt, einem unterschläch- tiflem Wasserrad, welches eine gut eingerichtete Oelmühle, ein Voll- gatter und eine Kreissäge, sowie eine Obstmühle antreibt, soll mit vier grvircn Obitpreffen verkauft werden. Mil der Stühle soll bad um dieselbe liegende Grundvermögen bestehend aus etwa 17 Hektar bestem Weizenbodcn und Wiesen gleichfalls verkauft werden. Die Gebäude, sowie das Inventar sind in gutem Zustande. Schweinsberg ist Station der Ohmtalbahn, die Mühle liegt etwa 20 Minuten von derselben entfernt. Cs ist erster Terniin zum freiwilligen Verkauf auf Dienstag, den 16. Juni d. Js., nachmittags 5 Ubr, und zweiter und letzter Termin auf Donnerstag, den 18. Juni d. IS., nachmittags 5 Hör, an Ort und Stelle anberaumt. Marburg, den 2. Juni 1908. Ds/s Ter Konkursverwalter. gez. Auth, Rechtsanwalt. Ludwig Kröll Plockstratze. a” /• W | Kochen Sie aut Gas? - | Wollen Sie an der | Gasrechnung sparen? 3 so fordern Sie von der g unten angegebenen Firma B Original'Verraufsltste über | die zweckmäßigste Neuheit A der Saison 1908 d. Unioersal- Ä Germania - Gasherde, auü ä Hohl leisten mit Isolierschicht. 9 Grösfte Leistungsfähigkeit u. D sparsamster Gasverbrauch. B Kochen, wärmen, braten, £1 backen und erhitzen von A Bügeleisen mit demselben " Brenner. [2584 Preise in emaiüierter Ausführung schon von Mk 11- an. Universal - Germania- Gasherde bei Markt- T Qiwc* Wetterstr. 0. Jm- gasse. Schtihhatis. IWF i©\ w sowie andere garnierte Genres. neuesten Farben. Giessen Seitersweg hervorragende Neuheiten in weiss, schwarz und