158. Jahrgang Drittes Blatt Nr. 56 fvgNch mit Ausnahme des Sonntags. en gros ' Höhe des I VMV Geh. Baurat SX'. ,Es-r in ss 5-* 3 49 ZZSS. Cs) !5 vv ra % L.-r *3'^'1 ! 3 W -S ffg, er-3 S. i$o"S?cr< ®3*öb» c<> ro"3 ZS s.2 @c 'S S. 2 X o>=« = 5 ö 3S Ter-. 5 A 5.« H K" re s co Ö o’ ! = 300 &A U2.- ’rauben p sr~ nz Uhr eSto^ g „ iS 2" xo'X » “ GCq — 2.3 S-5 e n n q Uu rt z-t Das hatte erst einige Heiterkeit und dann eine geräumige Rede des nationalliberalen Pfarrers H a ck e n b e r g zur Folge, der Herrn Breitenbach namens der vereinigten Natlcher Preußens und der Welt die Leviten laß. Indes Herr Hackenberg hatte es darauf angelegt, Herrn Breitenbach die Wahrheit des Satzes zu beweisen, den er dem Ministermort von den Raucher-Egoisten entgegenstellte, des Satzes, daß die Raucher ein gemütlicher Menschenschlag seien. Ungemütlich setzte er unter immer neiier zustimmender Heiterkeit des Hauses auseinander, wann, wo, warum, ivieso und weshalb den Rauchern auf der Bahn größere Rücksicht gebühre, als mein Hyien jetzt zubillige. Es dürfe, so schloß der passionierte Raucher und Theolog, nie und nimmer dahin kommen, daß die Anschauung sich einbürgere: Ist der preußische Berkehrsminister Nichtraucher, so gehts den Rauchern, ist er Raucher, so gehts den Nichtrauchern schlecht. Vielmehr müsse es heißen: Ist der Minister Raucher, so gehts nicht nur den Rauchern, sondern auch den Nichtrauchern gut, und umgekehrt. Herr Breitenbach Hörle sich die Mahnung lächelnd an; hoffentlich handelt er danach. Denn was Herr Hackenberg fordert, bedeutet noch lange keine Beeinträchtigung der gewiß durchaus begründeten Rechtsansprüche der Nichtraucher. Ein Vertagungsantrag machte der allgemeinen Aussprache ein Ende, und unter stürmischer Heiterkeit des Hauses überreichte der Zentrumsabg. Heisig, der nicht mehr zu Wort gekommen war, Herrn Breitenbach mit wehmütiger Geberde eine schriftliche Fixierung der Wünsche und Beschwerden, die er hatte vorbringen wollen. Dann machte man Schluß; am Freitag beginnt die Spezialdebatte. aftttfietiei §aintltenblätter" werden dem ean»etoer* viermal wöchentlich beigelegt, das ^iretsMoti für den Krets Stehen" zweimal VScherulich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit* fmei" erscheinen monatlich zweimal. Freitag 6. März 1908 Rotationsdruck und Verlag der Brüh loschen Unwersiläts - Buch- und Steindruckeret. 9L Lange, Gießen. 2 2. ■S o* Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: Tel.-Adr^ AnzeigerGreßen. Kostenaufwand von 415 030 M. bczw. J 33 000 M., hi.r n waren die Kosten für Geländeankans noch nicht einbegriffen. J.;.i von der Stadt Vad-Nauheim ausgcarbcitete Projekte erfordern 3 0 000 M. und 285 000 M. Tas erste Projekt wollte die Kläranlage an der jetzigen Stelle belassen und sah eine den Ansprüchen ge- nügendc Erweiterung und Verbesserung des mechanischen Klä- rungsverfahrcn vor. Die so gereinigten Wässer sollten mittels Hebcrleitung über den Bergrücken der Frankfurter S>traß? befördert werden und in der wasserreicheren Welter bei Schwalheim zum Einfluß gelangen. Sollte sich später Herausstellen, daß die so «gereinigten Wässer auch in der Wetter noch Unzuträglichkeitech verursachten, so sollte noch eine biologische Reinigung erfolgen, womit dem Wasset alle schädlichen Bestandteile genommen würden. Boim 2. städtischen Projekt wird beabsichtigt, die biologische Klärung gleich mit durchzuführen und dann das einwandfreie Wasser and) weiterhin der Ufa cinzuführen. Tie Anlage nach dem 2. städtischen Projekt, zu dem sich die Stadtverordneten in zwei darüber stattgefundenen Beratungen sympathisch geäußert haben, soll 500 Meter unterhalb der jetzigenj Klärbeckenanlage erfolgen. Es soll noch untersucht werden, ob der Grundwasserspiegel an dieser Stelle günstiger als an der jetzt bestehenden Anlage ist. Was die Klärbeckenanlage selbst an betrifft, so soll sie aus zwei mechanischen Klärbassins bestehen, zu dem die Abwässer durch einen Sand fang, der dem Wasser die mitgeführten festen Bestandteile sowie großen und schweren Stoffe entnimmt, geleitet werden. Diese beiden Klärbecken erhalten eine Länge von 40 Meter und to erben mit einer Betondecke überdacht. Nachdem das Wasser die mechanische Klärung durchgemacht hat, gelangt cs in die Oxydationsfilter, wo es nach Durchdringen einer Einlageschicht tropfenweise zum Abfluß gelangt. Tie fiskalischen Projekte hatten anstelle dieser Tropfkörper sogenannte Füllkörper vorgesehen, in denen dem mechanisch geklärten Wasser durch eine Kokseinlage die noch enthaltenen Stoffe entnommen werden. Tas der Stadtverordnetenversammlung vorgelegte Saclwerständigen-Ur- teil hält das Tropfkörpersystem dem Füllkörpersystem überlegen.« Die gesamte Känalisationsanlage der Stadt Bad-Nauheim soll nach bem Trennsystem durchgeführt werden; indem Kanäle für die Regenwässer erforderlich sind, welche in die die Stadt durchfließende Ufa münden, und Kanäle, für die Schmutzwässer, die zur Kläranlage führen. Bisher besteht diese Kanalcrennung im allgemeinen noch nicht, Bad-Nauheim steht deshalb außer vor der Ausgabe für eine Kläranlage noch vor der Ausgabe für eine durchgehende Kanalisation fast der gesamten Stadt. Tie Stadt Bad-Nauheim hat jetzt das Projekt 2 zur bach- gesetzlichen Genehmigung eingereicht. Hiermit haben schon Stimmen eingesetzt, die sich gegen die Ausführung der beabsichtigten Kläranlage wenden. Man glaubt nickst, daß mit den zwei Klärverfahren eine ausreichende Reinigung der Schmutzwässer bewirkt werden könne. Tie Stadtverordnetenversammlung der Stadt Fried- ss öx» — [S>ro"(Vl CT - Ö § Ö 9 o Q er m: felsinen btzd. SOPsg. LtM. 12.50 , , 14.DU , , 12.00 sioen i> ioo Bsg. tto ib 120 Psg. inen 2% 2? er folS4 ' : 1 Z " er er» 5 0:2 S IX osstraße 27 »■9 « R. 59cm 2-53)00 •05» CL — o"cr ög:S. H yo :r WritzkA> en4 und § t 'S-Neu! eiem Eintrjn, LH»»»».®1 «ZLZ-H 5.00 5S'ro' «u Er Stimmungsbild aus dem preuh. Abgeordnetenhaus. Berlin, 5. Marz. Frhr. v. R h e i n b a b e n ist mit feinem Fähnlein von Rom- ansiaren von der parlamentarischen Wahlstatt, auf der um den preußischen Eisenbahnetat gekämpft wird, nach dem Verlauf des ersten Gesechtslages abgerückt, und Herr B r e i t e n b a ch hatte am Tonnerstaa den Strauß gegen das Abgeordnetenhaus allein zu bestehen. Man hat ihm nicht zu hart zugesetzt; der Minister erfreut sich beträchtlicher Beliebtheit und die Elatsdebatte richtete sich auch am zweiten Tage weniger gegen ihn als gegen den fern vom Schuß weilenden Finanzminister, dem man die Hauptmängel des Etats in die Schuhe schiebt. Wieder ging es in der Hauptsache um die Frage, ob man nur einen bestimmten Betrag der Bahnüberschüsse zur Bestreitung der allgemeinen Staatsausgaben hergeben solle oder nicht, um eine ftnanzpolitische Frage also, keine Verkehrsfrage. Auch die Forderung der Aufhebung der Vorzugstarife für die Seehäfen geht mehr den Finanzminister und die übrige Staatsregierung an als den Eisenbahnchef, der hier doch nur a ussührt, was seine Herrn Kollegen für ratsam halten. Von der Eisenbahn selbst forderte man eigentlich nur technische Verbesserungen des Verkehrs: Be- 'eitigung des Wagenmangels, Erweiterung der Betriebsmittelgemeinschaft, eine Eisenbahngemeinschaft mit Oldenburg und last aot least mehr Licht, mehr Luft und mehr Rücksichtnahme auf die Herren Raucher auf der Eisenbahn. Stach süddeutschem Vorbild verlangten ein paar Redner die elektrische Beleuchtung ber Abteile und die Freigabe der Speisewagen zum Rauchen wenigstens für bestimmte Stunden. Der Minister ließ sich in seiner Erwiderung das unbedachte Wort entschlüpfen: „Die Raucher sind Egoisten'. MUS jesellschafl ’ den 7. Matt' is 8‘/i Mr WM des Tnrnvelco jrbanlcge)- [tag abenb Ha»r .»lokal. A -rxr Lorltau^ Wßi m 6. Mar; Ä« ealer Gatte Ä Jen 7»^ cnds #89* Ws WS«1* "" ’■,,, w., "WapPeI1, Sud Nauheims Nlörbeckcn- unö Uaualisatious-Prsjekt. (Originalbericht des Gieß. Anz.) Seit ungefähr 15 Jahren besitzt die Stabt Bad-Nauheim eine Kläranlage. Sie wurde kurz nach Einführung der Wasserleitung mit ziemlich erheblichen Kosten auf der Pferdferweide (unterhalb der Gredierbauten) errichtet und bewirkt die Störung ber Schmutz- Wässer durch das einfache mechanische Klärungssystem. Tie so gereinigten Wässer werden durch einen alten Salinenkanal, bet zugleich bie Wässer des Bades führte, kurz vor Friedberg dem Usaflüßchen zugeführt. ' Ta Die Ufa in den Sommermonaten fast gar kein Wasser führt, mackste sich bald bemerkbar- daß das mechanische Klärverfahren' in diesem Falle vollständig unzureichend ist. Eine Badeanstalt, die sich in einer kleinen Vertiefung des Usabeltes befand, mußte wegen dieser Verunreinigung des Wassers den Betrieb einstellen. Weiter unterhalb — an der großen Eisenbahnbrücke — machten sich die Abwässer, wozu noch solche von Friedberg hinzugekommen waren, im Sommer sehr weit bermrkbar. Während der letzten Jahre wurde wegen dieses unhaltbaren Zustandes energisch Klage geführt; ein dortiger Anlieger beschritt auch den gerichtliche« Weg und trug in mehreren Instanzen gegen die Städte Bad-Nau- Heim und Friedberg ein obsiegendes Urteil davon. Tarum nahm sich vor ungefähr Jahresfrist ber Fiskus der Sache an und arbeitete ein Kanalisationsprojekt aus, daß die Abwässer der Städte Bad-Nauheim und Friedberg gemeinsam zu einer Kläranlage nahe des Torfes Fauerbach leiten sollte. Die Anlage sah mechanische und biologische Klärung vov und beabsichtigte die Einführung des gereinigten Wassers in die nabe Wetter. In der Stadt Bad-Nauheim wav Geneigtheit zur Ausführung des staatlichen Projekts vorhanden; aber infolge ber damit verbundenen hohen Kosten lehnten die Stadtverordneten ein Zusammengehen mit der Stadt Friedberg ab und ließen em Projekt zur alleinigen Klärung der Abwässer Bad-Nauheims ausarbeiten. Tie beiden fiskalischen Projekte, die eine Klärung bei Fauerbach vornehmen wollten, erforderten von jeder der beiden Städte einen ä 2.—>° » £•" Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheßen berg hat in ihrer jüngsten Sitzung den Bürgermeister beauftragt, gegen das Bad Nauheimer Kläranlageprojekt Protest beim Kreisamt zu erheben. Tie der Stadt Bad Nauheim zur Seite stehenden Sachverständigen, u. a. Baurat O. Taaks aus Hannover, haben erklärt, daß durch die Oxydationsanlage eine vollständige Reinigung der Abwässer vorgenommen lverde. Es wurden Fälle angeführt, wo in dem so geklärten Wasser Forellenzuchi. gc- trieben wird. Ebenso werde es in Preußen genehmigt, daß die durch Oxydationsoerfahren gereinigten Abwässer in trockene Gräben geleitet werden können. Im übrigen hat Die Start Bad Nauheim bereits im Ansckstuß an der bestehenden mechanischen. Klärung Versuche mit einem Oxidationsfilter vorgenommen, die vorzügliche Ergebnisse gezeitigt haben sollen. Andererseits wurde vom Geh. Baurat Dr. .Eser in einer SladtverordnetensitzunL » " ifnDC U&r- *** ** rt K r» 5- <~i —t ogs ”&s jsr® 'Z-Z ZE- -L *JU'2.= 2 Stimmungsbild aus dem Reichstage. .. Berlin, 5. März. Eine sehr aufmerksam angehörle Rede des Grafen ranitz über Kartelle und Trusts und insonderheit das 'Hohlensyndikat stand im Mittelpunkt der heutigen Verhandlung. Der einseitige Standpunkt des konservativen Redners ist bekannt, und was er heute zum Vortrag brachte, ivar weder in seiner Richtung neu, noch konnte sein mit . gewohntem Fleiße aus Kurszetteln und Generalversamm- iANgsberichteu, aus nationalliberalen Reden aus dem preutz. 'Abgeordnetenhause und sozialdemokratischen aus dem Reichstage zuiammen-gelragenes Be'weismaterial das Wissen der Abgeordneten und der Regierung erheblich bereichern. Die Forderung eines Kartellgesetzes und Reichskartellamtes bat diesmal daS Zentrum in einer Resolution des Abg. Spahn präsentiert, die vor dem Grafen Kanitz von dem Mg. Dr. Mayer, einem jugendlichen Rechtsanwalt aus dem bayerischen Schwaben, in gleichem Sinne begründet wurde. Ein Antrag auf Einholung gutachtlicher Aeuße- rungen der Handwerks- und Gewerbekammern rn der Frage der Mindestpreise gab dem nationalliberalen Abg. Fuhrmann Gelegenheit, die Mittelstand- und Sozialpolitik seiner 'Kartei zu betonen und dabei die Grenzlinien^ aufzuzeigen, die zwischen politischem und Manchesterliberalismus bestehen. Jin übrigen gab es einen „Restertag". Reformpartei und Polen hielten die Beratung mit langen Reden auf, und Mm Schluß nahm, wie schon früher mehrfach, der Reichs- parteiteT v. Dir ksen das Wort „in eigener Sache" gegen die Sozialdemokratie. M o 'S'“ -t <ä> «—.iS äs 3S"S§-ä-gag isalat to .8- ca s 3 >So 3 CO 3 5 2 E. ti s1 cu 3 p . er— y, cr^ ö »7», fl&tgft mjrtgetci.lt, daß die Badedirektion die Ufa durch den großen Smmnelleich bei Bad Nauheim leiten wolle, und damit beabsichtige, die Ufa auch in den trockenen Sommermonaten mit et- \ was Wasser zu versehen. — Tie staatliche Genehmigung .und damit auch eine Ausführung des städtischen Ktäranlageprojekts erscheint darum als gewiß._________ ___________ Regelung der GehaltrverWLnM der mittleren ReichzposLbeamLen. Von allen Fragen, die zurzeit das große Heer der Be- mnten, insbesondere die mittleren Postbeamten, beschäftigen, ist unstreitig die Gehaltsfragc die, die das weitaus grösste Interesse beansprucht. Und dies mit Recht, denn fie ist dre Lebensfrage, mit ihr steigt oder fällt das in vielen Äeamten- familien heute nur noch künstlich festgehaltene Niveau ihrer Lebenshaltung. Wenn sich alle anderen Bevölkernngsklassen aus dem großen wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre ihre Vorteile gesichert, bzw. ihre Einkommensverhältnisse verbessert haben, so gebührt fraglos auch dem Verkehrsbeamten, der sein gutes Teil zur Erreichung dieses Aufschwunges beigetragen hat, eine einigermaßen den herrschenden ^.eue- rungsverhältnissen entsprechende Gehaltserhöhung. Mit der im vorigen Jahre bewilligten einmaligen Teuerungszulage von 150 Mark ist das dringende Bedürfnis auch von maßgebendster Stelle anerkannt worden, jedoch hat dieses Aus- Hilfsmittel den fortschreitenden Rückgang in den Lebensgewohnheiten dieser Beamtengruppe nicht aufzuhalten vermocht. Die mannigfachen Auslassungen in den Fachzeitungen, die verschiedentlich veröffentlichten Haushalts- rechnungen aus Postbeamtenfamilien gewähren mit erschreckender Deutlichkeit einen leider oft nur zu traurigen Einblick und beweisen, wie dringend hier. eine Besserung der Verhältnisse notwendig ist, soll nicht ein mit dem Mittelstand eng verwachsener Volksteil — und nicht der schlechteste — dem Proletariat anheimgegeben werden. Gerade der Umstand, daß die mittlere Postbeamtenlaufbahn ihrer: Zuzug allein aus der Bevölkerungsschicht erhält, die erfahrungsgemäß das größte Kontingent der bürgerlichen Parteien stellt, und mit ihr durch gesellschaftliche und verwandtschaftliche Bande stets verbunden bleibt, sollte Grund genug sein, die geeigneten Mittel zur Erhaltung und Kcäs- ttgung dieser für unser Staatsleben so wichtigen Gruppe pi schaffen. . Jedoch avgesehen von dem politischen Interesse wird auch das wirtschaftliche Ingresse zahlreicher anderer Kreise von dem dauernd ungünstigen Stande der Bram^enbesochung in bedenklicher Weise gefährdet. Ter Beamte hat stets und mit Recht als ein guter, sicherer Mieter und flotter Käufer gegolten; ob ihm diese Eigenschaften heute noch im allgemeinen beizulegen sind, dürfte füglich zu bezweifeln sein. Dre Not des Lebens fordert gebieterisch die alleräußerste Einschränkung in der Befriedigung des Wohnungs- und des Kaufbedürsnisses, ja es wird bei letzterem nur zu häufig von der weitgehendsten Inanspruchnahme des Kredits Gebrauch gemacht zum Schaden sowohl des Verkäufers wie des Käufers. Die große Zahl der Handwerker, der Handel- nnd Gewerbetreibenden, si» alle haben wohl mit gemischten Gefühlen die im Verlaufe der Jahre eingetretene Veränderung im Bestände ihres Kundenkreises und in deren Zahlungsfähigkeit wahrgenvmmen. Es kann und wird dem Geschäftsmanne nicht gleichgültig sein, wenn die Kaufkraft eines Teiles des Publikums in bedenklichem Maße zurückgeht, wenn seine Erzeugnisse oder Waren immer weniger Abnehmer finden, wenn seine Angebote unbeachter im Winde verhallen und er infolge dessen den zum Fortbestand seines Geschäfts iwtwendigen Gewinn nicht mehr erzielen kann. 'Aber auch in der Betätigung geistigen und gesellschaftlichen Lebens ist in Beamtenkreifen ein merklicher Rückgang unverkennbar. Der Familienvater opfert, der Not gehorchend nicht dem eigenen Triebe, seine sonst zur Befriedigung des Wissensdurstes oder zur Förderung der Allgemeinbildung verwandten Mußestunden seiner Familie; der ganze Verkehr beschränkt sich auf die vier Wände des eigenen Heims. Und doch erfordert gerade die heutige Zeit von dem Manne mehr, als nur die Fähigkeit, einen guten Hausvater spielen zu können, er muß jicl) im öffentlichen Leben betätigen. Die Postbeamten hegen das Vertrauen, daß ihnen baldigst geholfen wird und daß ihre Wünsche auf eine durch- areifende Besserung ihrer ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse in absehbarer Zeit in Erfüllung gehen werden. Mögen ihre Hoffnungen nicht zu herb enttäuscht werden, damit auch ihnen sich das Leben wieder von einer schöneren Seite zeigt, als es in den letzten sieben mageren Jahren der Fall war. ___________________ *Dasb laue Band des Ozeansl Dasjenige Schiff, welches auf der Strecke Kanal—Newyork oder Newyork— Kanal die größte Durchschnittsgeschwiudigkeit erzielt, gill als Inhaber des „blauen Bandes des Ozeans". An dem Wettkampfe haben sich bis heute nur englische, deutsche und französische Schiffe beteiligt, während die amerikanischen sonderbarerweise gar nicht den Versuch gemacht haben, einen Schnelligkeitsrelord aufzustellen. Bis 1892 waren englische Schiffe die schnellsten, mit einer Höchst-Durchschnittsgeschwin- digkeik von 20,35 sm auf der Ausreise und einer solchen von 20,03 sm auf der Heimreise. 1892 schlug der auf der Vulkan- Werft gebaute Dampfer „Fürst Bismarck" der Hamburg- Amerika-Linie die beste Heimreise der Engländer mit einer Geschwindigkeit von 20,14 sm. Ende 1893—1897 war dann das englische Schiff ,,-Lueania" der Cunard-Linie das schnellste mit 22,01 sm. Im Herbst 1897 eroberte der wiederum von der Vulkan-Werft erbaute Dampfer „Kaiser Wilhelm der Große" des Norddeutschen Lloyd das blaue Band mit einer Geschwindigkeit von 22,29 sm und im Jahre 1901 brachte er es auf 23,0 sm. Volle zehn Jahre war dann das „blaue Band" in Händen deutscher Dampfe r. Der Rekord des „Kaiser Wilhelm des Großen" wurde von drei Dampfern, die ebenfalls auf der Vulkan-Werft erbaut waren, gebrochen. Es waren die Dampfer „Kronprinz Wilhelm" (N.-D.-L.) mit 23,47 sm, „Deutschland" (H. A. L.) mit 23,51 sm und „Kaiser Wilhelm II" (N.-D. L.) mit 23,58 sm. Im Sommer 1907 ist es England wiederum gelungen, das Ziel zu erreichen. Die beiden Dampfer der Cunard-Linie „Lusitania" und „Maureania" haben mi 24,002 sm (Lusiania-Ausrttteise) und mit 23,9 sm (Mauretania-Rückreise) das „blaue Band" für England zurückerobert. ______________________ HAereorolvgisme Veovachnsußen der Station Gießen. März 1908 "Barometer am 0° reduziert 1? 0-1 fr#a 0 0 0 ” S-ö Relative fieuchtigkeil Windrichtung Windstärke Wetter 5. 2“ 747,9 5,0 4,7 72 WNW 4 Sonnenschein 5. 92: 749,9 1.9 5,0 95 W 2 Bed. Humnel 6. 725 146,7 1,1 4,9 90 WSW 2 U lf Höck ste Tel lperatl. r am 5.—6 März = 4- 5,3 ° C. Niedrigste ■ u 5.-6. a — 1,1 v c. MrchUche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag den 8. März 1908, Invokavit: Gottesdienst. In der StaüMrchc. Vormittags 9V2 Uhr: Professor D. Drews. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Abends 6 Uhr: Siehe Iohanneskirche. Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthänsgemeinds. Dienstag den 10. März, nachmittags 4 Uhr, im Matthäus- saal: Frauenmissionsverein. Nächslkünftigen Sonntag, den 15. März, findet im Abendgottesdienst Beichte und heil. Abendmahl für Matthäus- und Markus- gemeinde gemeinsam statt. Anmeldung dazu vorher bei'bem Pfarrer seder Gemeinde erbeten. In der Iohanneskirche. Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer B e ch l o l s h e i m e r. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtotsheimer. Abends 6 Uhr: Pfarrer A u s f e l d. Abends 71/, Uhr im Konfirmandensaale: Vereinigung der fon- firmierten männlichen Jugend der Iohannesgemeinde. Mittwoch den 11. März, abends 6 Uhr: 2. Passions-Andacht. Pfarrer A u s f e l d. Nächstkünftigen Sonntag, den 15. März: Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und Iohannesgemeinde im Vormittags- gouesdienst. Anmeldungen vorher bei dein Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Uathollsche Gems'mde. Gottesdienst. Samstag den 7. März: Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 8. März 1908, 1. F a st en - S o n n 1 a g. Vormittags von 67. Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. u um 7 Uhr: Die erste heil. Messe. „ um 8 Uhr: Die zweite heilige Blesse. „ um 9% Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 5 st Uhr: Christenlehre; darauf Passions-Andacht. Mittwoch abend um 6 Uhr ist Fastenandachr. Myatt. lleberficht der CodessöLe in der Stadt Gießen. Monat Januar 1908. (Einwohnerzahl: angenommen 511 30 400 linkt. 1600 Mann Militär.) Strrblichkeitsziffer: 22,l%0, nach Abzug von 19 Ortsfremden: 18,0 n/oo. Kinder Anm.:'Tie m Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle m der betreffenden Krankheit auf von auSivärtB nach Greßen gebrachte Kraicke kommen. Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vorn Masern 2 1. Lebensjahr: — 1 2.-15. Jahr 1 Diphtherie 3d) 7 (2) —— 1 2(1) Tuberkulose 4(1) 1 2(1) Lungeneiltzündung 13 (1) 5(1) 3 5 Herzkrankheiten 5(1) 5(1) — — Gehrrnschlag 5(1) 4 Kl) — Magendarmkatarrh 1 — 1 — Blmddarm-Ent- zündling Kl) — —- 1(1) anderen Unterleibs- krankheiten 2(2) 2(2) — —— Nierenentzündung 1 1 — — bösartigen Neubildungen 6(4) 6(4) — — Verunglückung 3(2) 2(2) —— 1 anderen Krankheiten 7 (4) 4(2) 2(1) 1(1) Summe 56 (19) 33 (13- 10 (2) 13 (4)