Nr. 30 Zweites Matt 158. Jahrgang Mittwoche 5. Februar 1908 Erscheint täglich mti CuSna^mt befl ^omitagL Die ^Stetzener Samihenbiatter" werden dem ytinjetger* viermal VÜckentltch beigelegt, das „Kretsblatl füi den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der ^hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gderheffen Rstottongbrucf tmb Verlag de, Br «blichen Uniserftiäto • Buch» unfc Stetnb ruderet. Ä. Bange. Dietzen. Redaktion. Expedition anfc Drudereti Schul- ftraBe 7. Erpedrtion anfc Verlag es?ö 6L Redaktion: «-SH I12. teL-äihu LtnjeigerGietzen» Deutscher Reichstag. 9-4. Sitzung, Dienstag, den 4. Februar. Nm Tische des Vundesratcs: S i x t v. A r m i n , v. V a 11 e t des Barres, v. Lochow, Linde, v. Gebsattel, von Salza, v. Dorre r. Präsident Gras Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 16 Minuten. Der Militäretvt. Zweiter Tag. Zu den gestern mitgeteiltcn neun Resolutionen, die beim Ge. haltstttel des Ltriegsministers zur Beratung stehen, sind inzwischen noch «roci weitere Resolutionen eingegangen; eine Resolution Groc- bcr (Zentr.), betreffend Erhöhung der Bezüge der Gemeinen -gleichzeitig mit der Verbesserung der dienstlichen Bezüge der Cfft. ziere, Unteroffiziere und Militärbeamten", außerdem eine Rcsolu. tion Ablaß, betreffend Reform des gesamten Militärstrafrechts, des Beschwerderechts und deS ehrengerichtlichen Verfahrens. Abg. Dr. Mugdan (freis. Vp.): Ich will natürlich hier keine Wirtschaftsdebatte eröffnen. Fcst- stellen muß ich aber doch, daß mit der einen Hand, mit der Lebensmittelverteuerung, genommen wird, was mit der anderen Hand, der Erhöhung der Bezüge, gegeben wird. Fürst Bülow sprach, als er den liberalen Wünschen etwas entgegenkommen zu wollen erklärte, auch von Ersparnissen. Nun läßt sich ja bei Kolonien, Marine, Militär schwer sparen. Gewisse Ausgaben werden da immer blei, den. Umsomehr müssen wir nach kleinen Mitteln, um zu sparen, suchen. Und da meinen wir, -s ließe sich wohl etwas sparen an der Kavallerie. Tie Kavallerie-Frage sollte doch nicht so von oben herab wie gestern von der Militärverwaltung behandelt werden. Die historischen Rückblicke auf die Milizfrage, die uns gestern der Abg. Bebel gab, werden wohl niemanden überzeugt haben, zumal sie zumeist falsch waren (Sehr richtig!), weil sie zu weit in die Ver. gangenheit zurückgriffen. Auch das Beispiel der Schwei,zer.Miliz ist unzutreffend, denn die Schweizer Armee hat ganz andere Zwecke; sie soll nur die Neutralität der Schweiz wahren. Unsere Armee dagegen soll, entsteht einmal Krieg, das Unglück vom eigenen Lande abhalten, den Krieg in das Land des Gegners tragen. (Sehr richtig!) Hrer Bebel sagte unserer Armee nach, sie solle eventuell auch gegen unsere Arbeiter Verwendung finden. Nun, Herr Bebel, gerade in der Schweiz findet die Miliz tatsächlich auch auS Anlaß von Arbeiterkämpfen Verwendung! Cb, wie Sie verlangen, bei uns einjährige Dienstzeit eingeführt werden kann, ist Wohl jetzt noch fraglich. Nichtig aber ist, daß der Zug der Zeit, auch nach Ansicht meiner Freunde, auf Verringerung der Dienst, zeit geht. In dem Institut der Einjährig-Freiwilligen, dessen ?lb- schaffung ja schon früher wiederholentlich in Anträgen verlangt worden ist, liegt, darin hat Herr Bebel allerdings recht, sicherlich eine Benachteiligung der unbemittelten Klasien. Immerhin ist zu bedenken, ein gewisser, bescheidener Ausgleich liegt in der nachfolgenden öfteren Heranziehung der Reserveoffiziere zu Uebunaen. Bedauerlich ist die Herausbildung einer Offizierkaste, befremdlich die Zurückweisung von jüdischen Einjährigen, die sich zum Reserveoffizier qualifizieren, ebenso das Vorkommnis, daß ein Berg- werksdirektor nicht mit einem Knavpschaflsi'ekretär zusammen am Offiziertisch sitzen wollte. Eine solche Scheidung de? Volks in zwei Teile sollte unterbleiben. Es sollte bei der Beförderung nur auf die Tückttiakeit gesehen werden. An diesem Grundsätze, der schon vor hundert Jahren in der Armee galt und das Vaterland wiedererretten geholfen hat, sollte auch heute noch festgehalten werden. (Beifall.) Abg. v. Licbert (Rp.): Eine Milliarde für Heer und Marine, das ist gewiß eine erschreckend hohe Summe, für uns ein memento! Jeder Volksvertreter muß sich da fragen: können wir da nicht etwas sparen? Bei der Flotte ist er nickt möglich, also bei der Armee. Tn extenso soll sie nickr vergrößert werden, aber sie muß auf der Höhe bleiben. Wir haben uns gewiß redlicke Mühe gegeben, aber es sst sehr, sehr schwer, einen Baustein herauszuneh- men, und an dem Fundament dürfen wir nicht rütteln. Zwei schmcrzliche Abstriche, gerade bei den Offiziergehältern, sind gemacht worden; Sie sehen, wir auf der Rechten sind zu Opfern bereit. Ter Erhöhung der Mannsckaftslöhne stehen wir shmpatbisch gegenüber, nur wünscken wir nicht gerade einen Nachtragsetat. Die freie Heimatreise wünscken auch wir. Die Frage der zweijährigen Dienstzeit für Kavallerie und Artillerie ist durch die gestrigen glänzenden Ausführungen des bäuerischen Militärbevoll. mäcktigten vollständig erledigt. Wir wollen eS damit genug sein laßen, wir wollen dock hier das Hobe Haus nicht zu einer Kriegsschule machen. (Sehr wahr! rechts.) Auch die Frage der Kavallerieattacken gehört nickt vor dieses Forum. Der Redner spricht wie die gestrigen Redner für kleine Garnisonen; di? Heeresverwaltung hat da viel zu viel den militärischen, diel zu wenig den wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkt berücksichtigt. Man bat sich auch da schwer an den Ostmarkcn der- sündigt. (Sehr wahr!) Aus der langen Rede DebelS habe ich leider feine neuen Gesichtspunkte entnehmen können. D'e Sacke liegt dock ein ganz klein wenig ander?, als sie sick in seinem kriegShistoriscken Erkurs darstellt. Als er von Cromwell sprach, wie der vom einfachen Pächter zum Feldmarschall avancierte, hatte ick so das Gefühl, als ob Herr Bebel selber sich noch einmal aufs Roß schwingen, den Pallasch ziehen und an der Spitze seiner JronsideS gegen uns losreiten wollte. Wir preußisch-deutscke Ropalisten .fürckten aber seinen Ansturm nicht, wir werden ihm begegnen mit unserem ölten Feldgesckrei: Mit Gott für König und Vaterland! (Beifall rechts.) Tie Milizfrage wollen wir vertagen bis zu dem hoffent- lich noch fernen Zeitpunkt, wo unsere Nachkommen einmal Experimente mit dem Zukunftsstaat machen. Daß Ihre Preße in die Kasernen nicht zugelaßen wird, darf Sie nickt wundern, Herr Bebel. Eine Partei, die beim Nackrus des Präsidenten für den ermordeten Träger einer befreundeten Dimastie den Saal verläßt, hat sick losgelöst von den Gefühlen, die unser Volk beseelen. (Lebh. Beifall.) v. Liebert bespricht Gehaltsverhältniße: Oberbüchsenmacker, Verwaltungsschreiber usw. 4lbg. Liebermann v. Sonnenberg (wirtsch. Vgg.): Weise Sparsamkeit, aber nicht sinnlose Abstriche; technisch müßen wir uns auf der Höhe halten. Den Abstrichen der Kom- mission stimmen wir zu. nur beim Aggregiertenfonds wünschen wir Wiederherstellung der Regierungsforderung. Dem kleinen Rest von Veteranen, die wir noch au5 der großen Zeit haben, sollte man wirklich nicht das bißchen entziehen, was ihnen zu- kommt; eS sind da für den Reichstag beschämende Tatsachen zu unserer Kenntnis gekommen. (Zustimmung.) Mit der Forderung, inaktive Offiziere nicht in ihrer politischen Ueberzeugung zu beschränken, sind wir durchaus einverstanden. Als im letzt u Wahlkampf ein General gegen Wassermann kandidierte, schrieb die „Natwnal-Zeitung", er ebne durch diese Kandidatur dem sozial, demokratischen Umsturz die Wege, und dieser Artikel tour De an das Generalkommando geschickt. Hoffentlich kommt das nickt wieder vor. v. Liebermann bespricht nunmehr sämtliche Resolutionen der Reihe nach in demselben Sinne wie gestern die Abgg. v. Byern und Graf Oriola. Zu einer Abänderung der Bestimmungen über den Ausschluß der Oeffentlickkeit oder des Verfahrens brbei sehen wir keine Ver- anlaßung. Eine Reform beS Militär! rafrecht? wünschen auch wtr, aber nickt vor der Reform des gemeinen Strafrechts. Die Rede deS Abg. Häusler war ungewöhnHh geschickt; es waren die Erfahrungen des alten Soldaten mi. advokatorischer Hilfsarbeit. Daß fein Vorschlag durchführbar ist, daran habe ick gar keinen Zweifel (Gröber: v-ört! Hort!) — ja. .er. "str bann, wenn Sie ein entsprechendes Unter- o f f i z i e r p e r s o n a l dafür einstellen mit gesickerten Zukunfts- aussickten. Wollen Sie einen solcken Antrag durchführen, dann — tue Geld in Deinen Beutel! Ich verkehre mit den Landwirten feit vielen Jahren, habe aber von einer Mißstimmung über da§ dritte Dienstjahr nichts gemerkt. Unsere Landbevölkerung tragt Patriotisch die Lasten für die allgemeine Wehrpflicht, sie ist stolz darauf, in Ehren gedient zu haben. Aber ick fürchte, wenn solche Yin trage sich öfter wiederholen, diese Behauptungen von der Un- zumebenbeit, bann wird sie tatsächlich entstehen. Der sozial- demokratische Antrag auf Einführung der einjährigen r: 1 e n ft z e i t ist vom ganzen Hause einmütig verworfen worden, ist N'ckts als ein Agitationsantrag. Ich sage, wir wollen den Einiabrig-Freiwilligen-Dienst abfehaffen und alle zweijährig dienen laßen, dann werden wir untere Einjährigen zu besseren Reierveofsizieren heranziehen; die Sozialdemokraten sagen umgekehrt: weil wir die Einsährig-Freiwilligen haben, geht eS bei der ganzen Armee — ein Trugschluß. Mit seiner Milizrede bat Bebel das Gegenteil von dem bewiesen was er beweisen wollte Wir können dock nickt nur deshalb lange Kriege führen, um da- durch brauchbare Truppen heranzubilden. Eine militärische I u g e n d a u § b i I d u n g wäre nur zu wünschen, aber Herr Bebel wurde daran wenig Freude haben; eine Ausbildung die tucktige Beamte heranzieht, die Gott tm Herzen und Treue zum König hat, nicht Schutzleute nach portugiesischem Muster. Abg. Schrader (freis. Vgg.): Was gesagt werden konnte, ist gesagt. Die technische AuS- b'Idung stellt immer größere Anforderungen; dadurch wachsen die Kosten immer mehr. Es scheint ja so zu kommen, daß wir weiter pumpen müßen; bis jetzt habe ich noch feinen annehmbaren Vor- fchlaq rur die Beseitigung des Defizits gehört. ES wäre jetzt ernste Aufgabe für unsere Militärverwaltung, nachzudenken, ob nicht, wie der Reichskanzler angekündigt bat. Ersparnisse gemacht tnerben muffen, und zwar große Ersparnisse. Schrader bespricht den Fall Gaedke. Ich nenne ihn mit Absicht Oberst roeil ein rechtskräftiges Erkenntnis noch nicht vorliegt; es steht ja jetzt das sechste Erkenntu-s in Aussicht. In feinem Briefe „ r ?en Konflikt zwischen Treueid und vaterländischen Inter- effen ist etwas Boses nicht zu finden. Er hat bann eine Vor- rc&e zu ben Kriegserinnerunaen be? Generals b. Kretschmar geschrieben ; sie find von ber Tochter des Generals, einer Sozialdemokratin, herausaegeben, eher etwas sozialdemokratisches steht 'n der Vorrede nicht. Das sind die Gründe für das Vorgehen gegen Gaebke. Er hat dann kurzen Prozeß gemacht und auf lerne Un form verzichtet, das war sein Recht; aber dem Ehrengericht sollte er unterstellt bleiben! Ehrengerichtsv^r- Ordnungen nur durch Armeebefehle zu erlaffen, ba§ halte ich für bedenklich. Auch in Offizierskreisen wird da? n!** geradezu freudig angesehen; das Militärkahinett genießt nickt das Vertrauen, das es dazu haben müßte. Da? gebt nicht bloft die Offiziere an, sondern auch die bürgerlichen Kreise. Den Ehrengerichten unterstehen auck die Offiziere des Beurlauhten- stand-'s- dm weite Vcrbreituna des Duells in unseren bürgerlichen Irenen ist darauf zurückzufuhren. Der Fall Gaedke zeigt uns daß lo manches in unserem militärischen Wesen den Anforderungen des Verfassungsstaates nicht entspricht. Das alte Mauerwerk aug den Zeiten des absoluten Staates muß abgetragen werden baS M-litcirkabinett. Es. ist möglich, daß die Entscheidung geaen öen voerften ©orbfe ausfällt, aber wir haben ihm in jedem Falle dan.bar zu sein. Er hat als Ehrenmann ernst seine Ehre ver- teidigt, aber er Hat uns Mänoel in unserem Militärwesen anfge- fleigt, die beseitiat werden müßen, ein Nebeneinander von einem unverantwortlichen und einem verantwortlichen Fall, der die Handlungen des unverantwortlichen Teils zumeist mit zu vertreten Hat. (Beifall links.) Preußischer Generalleutnant Sixt v. Armin: Dem Abg. Dr. Mugdan muß ich recht geben, daß ick als Per» trekr be5 Kriegsministers nickt in der Lage bin, ben Minister in affen /raffen geniigenb zu vertreten. ES liegt auf der Hand, daß ich über alle möglichen und unmöglichen Fragen, die hier vielleicht auf. geworfen werden können, nicht orientiert sein kann, in Fragen, bereu Vertretung ber Minister sich zweifellos selber Vorbehalten Haben tviirbc. Es kommt Hinzu — bas werden Sie begreifen — daß ich in der Zeit der Vertretung mir eine gewisse Reserve auf, erlegen muß. (Sehr richtig! rechts.) Ich kann nicht den Minister unb bie Heeresverwaltung für die Zukunft festnageln. Ich bitte das berücksichtigen zu wollen, unb ich habe die Zuversicht, daß, wenn in einzelnen Fällen meine Vertretung eine unzulängliche sein sollte, das Haus das nicht die Sache wird entgelten lassen. Abg. Schra, der ist auf unser Ehrengerichtsverhältnis, auf die Zustande, die in der Armee herrschen, eingegangen. Bis auf den heutigen Tag sind die Verordnungen über die Ehrengerichte ber Kommanbogewalt Vorbehalten gewesen. Ick) kann mich auf biefen Punkt darum nicht mehr einlaßen. (Bravo! rechts.) Was speziell ben Fall Gaedke anbetrifft, so hat der Abg. Schrader zwar gesagt, die Sache schwebe ja noch, aber es schadet nichts, deshalb können wir ihn doch erörtern. Ich bin anderer Ansicht. Ick meine, daß gerade bei der Bedeutung dieses hohe., Hauses die Erörterung von Fragen, die in schwebende Prozesse eingreifen, vermieden werden soll. (Sehr richtig 1 recht».) Ta der Abg. Schrader auf den Fall Gaedke aber näher eingegangen ist, will ich ihm, soweit ich darüber orientiert bin, unb soweit ick mir ein Urteil darüber habe bilden können, folgen. Gewiß kann ein Offizier in einen sckweren Gewißenskonflikt kommen, wie der Abg. Sckrader sagte. Das ist das Schwerste, was dem Offizier im Leben passieren kann. Tic Stellung aber, bie der Herr Gaebke in dem Konflikt, in ben er geraten mar, eingenommen hat, ist für einen deutschen Offizier unmöglich (Sehr richtig! rechts) unb bas deutsche Offizierkorps leidet Offiziere, die in solchen Fragen die Stellung des Herrn Gaedke einnehmen, nicht unter sich. (Beifall rechts.) Es ist gesagt worden, wie kann man Gaebke bem Ehrengericht unterstellen, weil er die Uniform noch trägt; er hat ja ge. sagt: ich verzichte auf die Uniform! Gewiß kann er, wenn er auf sein Ehrenkleid keinen Wort legt, es oblegen. Dann muß er es aber tun, ehe er Schritte unternimmt, die ihn in Konflikt bringen mit Pflichten, die mit bau Rock Dcrbunbcn iinb Biel wichtiger als biese Erörterungen sinb aber anbere Punkte, auf bie ber Abg. Schraber eingegangen ist. Er tat so, als sei bas Militärkabinett eine antibiluvia« Iische Er s ch e i n u n g. Ich möchte mit ein paar Worten auf die Entstehung dieses Instituts eingehen. Es hat früher im reußiscken Kriegsministerium ein Kabinett für Personalangelegenheiten bestanden. Das war in ber Zeit, in ber auch ber preußische Kriegsminister lebiglich dem absoluten König verantwortlich war. Diese Institution hat mannigfache Wandlungen erfahren. Immer hat ber Chef biefer Abteilung eine exzeptionelle Stellung eingenommen, bie eklatant baburch in bie Erscheinung trat, daß er über Angelegenheiten seines Reßorts jederzeit unmittelbar persönlich Vortrag bem Könige halten konnte. Gewiß 'st woh! anzunehmen baß der Abteilungschef sich über wichtige Punkte mit dem KriegLminister verständigt haben wird. Immerhin liegt auf ber Hanb, baß baS Verhältnis ein unklares war unb eS mußte noch unklarer werben, nachdem durch bie Verfassung Die Stellung preußischen Kriegsministers eine anbere geworden war. Unklare Verhältnisse führen immer zu Schwierigkeiten unb Störungen Das ist hier eingetreten. König Wilhelm I. hat bas mit feinem Scharfblick für solche Verhältnisse erkannt unb bat durch einen Erlaß vom Jahre 18G1 bie Angelegenheit geregelt Er hat daraus hin-icwiesen, welche mannigfachen Störungen De3 Di-mstes. welche Mißgriffe welche Mißverstöndüisse durch diefeß unklare Verhältnis eingetreten feien und er hat deshalb anqe- orbnet baß ein für allemal in Ai Gelegenheiten ber Kommando- Gewalt der Chef des Militärkabinetts die Befehle von .seiner Majestät allein empfängt unb sie auch o h ne Gegenzeickniing b e 9 Ministers erpebiert. Dieser Erlaß beruht auf durchaus ocf-'tzmäßiaer Grundlage und besteht b'? heute zu Reckt. Auch sind hier und da Me'nunaSv-'rschieben- beiten über bie Kompetenzen beS MilitärkohinettS aiifoetaiicht. Ueherhaupt scheinen bie Ansichten barüber im oräßeren Publikum auf durchaiiS falscher Grundlage zu beruhen. König Wilhelm T. hat bann nochmals Geleaenheit genommen, durch eine K/?hinettsord-'r klar auszusvrechlm, wie die ^acke eigent» lich zu verstehen sei. Er hat gefönt- Ach hraucke für dieieniaen militärischen Angeloaenheiten. die nickt zum Ressort des KricgS- ministers gehören, eine Bureauorganisation, eine Dienststelle, die meine Befehle und Anorbnunaen in dem Sinne, wie ick es haben will, bearbeitet und Der Armee übermittelt. Die Stelle ist da? Militärkahinett. Das Militärkahinett ist aber keinesweaS eine Behörde mit iraenb welchen Befugnissen nach außen. Also mit einem Wort: dos Militärkahinett ist die Kanzlei des König? in Kommandoanaeleaenheiten. Der Chef des Militärkahinett? ist auch felhstverständlich lediglich dem König verantwortlich, denn er Hat ja lediglich dessen Befehle nuSzuführen und der Armee zu übermitteln. Der Chef des Mili- tärkabinetts ist ledialich das Craan deS KöniciS auf dem Gebiete der dem König allein und unumschränkt zustehenden Kommanbogewalt (Sehr ricHia! rechts.) Wenn der sslba. Sckrader ar.beutet, daß das verfassunnsmaßig werben muß, baß der Kriegsminister die Verantwortung für alles was auf militarifckem Gebitte geschieht, übernehmen soll, so betritt er damit einen sehr bedenklicken und nefährlichen Weg. Der Zustand, in bem wir uns befinden, ist einer der festesten Grundpfeiler unseres Heeres und damit unferes Staates. ^Beifall reckts.) Wir sollten Gott danken, daß unfer Heer ein ^iffe und ein Befehl beherrscht, und daß es ausaeschlosseii ist, daß ha? deutsche Heer politischen Schwankungen unb voli- k'fcksn Parteien unterworfen ist. (Bravo! rechts.) Wenn wir auf andere Länder blicken, werden wir Gott danken, daß wir diese Grundvf-'iker noch haben. Ick kann nur vor einem Weg warnen, der dahin führen soll, diese Pfeiler zu unteroraben. Der So^iab- s mnh-atie würden damit gewiß gute Dienste geleistet werden. lGeläcbter bei den Soz.) Sie hat das Gefühl, daß baS H^er doch refff der festeste Damm geaen ihre Agitation ist. Ich olmibe auch nickt, daß da? hohe Haus Lust bähen wird, diesen Weg zu be* schreiten. Ilesierzeugt aber bin ich davon, daß der König von ^reußen sick die Neckte und Pslickten der Kommanbogewalt, bie in rc’ncr Hand Hearn, solange es ein vreußi'cke? Heer und preußische Könige g-'hen wird nicht au? der Hand nehmen lassen wird. (Lebhafter Beifall reckts.) Und der vreußiscke Kriegsmini- ster, der die Hand dazu bietet, an diesen Pfeilern zu rüt fein, müßte erst noch geboren werden. (Lebhafter Beifall reckts.) Der Redner kommt dann in- tffne b-r Bemerkunaen des Aba. Mugdan auf die Bedeutung der Kavallerie zu sprechen. Ach verrate kein Mobil- u>ackiinasaebeimnis. wenn ich ausspreche, daß beute bei der Mohil- mackima der Aufmarsch der aroßen Heere sick in einer ganz kolossalen Geschwindigkeit geaen früher vollzieht. ES ist von der größten Bedeutung, daß gerade im ersten Moment de? Krieaes den Gegnern der Einblick in liniere Maßnahmen verschleiert und uns seihst die Aufkläruna über die o-’anerifchen Maßn/ihmon ermöglichst wird, denn das bildet bie Grunblaoe für bie Entschlicckuna ber Führung, unb bie ersten Eutsckließunaen ber Führung sind oft bahnbrechend für ben ganzen Verlauf deS Feldzuges. Es wird gesagt, große Kavallerieaffacken gibt eS nicht. Gewiß, gegen intakte Infanterie reifet keine Kavallerie. Aber bei dem gesteigerten Feuer der Waffen wird es in einem künftigen Kriege zahlreiche Momente in (Schlachten geben, in denen eine geschickt geführte Kavallerie mit Erfolg eingreifen kann. (Sehr richtig! rechts.) In ben Manövern muß eben gelernt werben, im Gelänbe zu reiten unb die große Masse zu attackieren. Nach der Schlacht, wo die Infanterie nicht mehr die enffcheibenbe Waffe ist, kann auch ber Erfolg nur mit ber Kavalle - rie ausgenutzt werden, wenn nach einer siegreichen (Schlacht der Feind abzieht. Auf die von Dr. Mugdan anaeregte Umgestaltung deS Verfahrens für die Befugnis zum Einjährig- Frei w^i l l i g e n b i e n ft e erklärt ber Redner, daß auf Grund eines früheren Antrages des Abg. Müffer-Sagan Verhandlungen mit bem Reichskanzler und dem preußischen Kultusminister gepflogen seien und gibt zu, daß die PrüfunaSbestimmungen nicht klar seien. Eine einheitliche Fassung dieser Bestimmuna fei gewiß wünschenswert. Junge Leute, die nickst die wissenschaftliche Befähigung haben, aber auf anderen Gebieten Tüchtiges leisten, sollen mehr als bisher bei der Gewährung ber Befugnis zum Ein- jahrig-Freiwilligendienste berücksichtigt werben. Also die Erörterungen über eine moderne Gestaltung dieses Verfahren? schweben. Aber eine gesetzliche Regelung ist nach den ffattgefunbenen Erwägungen nicht in Aussicht zu st"llen. Auf die Beschwerden über bie Zurücksetzung Einjähriger jiibischen Glaubens ertoibert ber Reb- ner: wenn das geschieht, so ist eS selbstverständlich im höchsten Krade zu mißbilligen. Die Wahl ber Reserveoffiziere liegt in Der ßanb des Offizierkorps selbst. Diesem muß es in den einzelnen Fällen überlassen bleiben, die Momente pflichtgemäß und gewissen, haft zu erwägen, die ausschlaggebend sind, ob der Betreffende auch Relerveofizier werden soll oder nicht. Daß Subalternbeamte eo ipso von ber Ernennung zum Reserveoffizier auszuschließen sinb, bavon ist nickt bie Rebe. Schmerzlich hat mich bie De- merhxng des Abg. Mugdcm von der Abgrenzung der Offizierskaste berührt. Ich habe im Westen, Osten, Norden und Süden gestanden und habe von einer kastenmäßigen Abschlietzung meines Standes nirgends etwas gemerkt. (Lachen bei den Soz.) Mit der allgemein wachsenden Bildung und vor allen Dingen mit der wachsenden Bedeutung der Technik für das Heer mehren sich auch die Berührungspunkte zwischen Heer und Zivil. Zum Schluß erklärt der Redner, dem Wunsche, Militär in kleine Garnisonen zu legen, Rechnung zu tragen. (Beifall.) Abg. Erzberger (Zentr.): Die Rede Schraders war ja sehr interessant, aber was er über die Abgrenzung der Befugnisie der Äommandogcwalr sagte, war nicht alles zutreffend, und wollen wir die Rechte des Reichstags geachtet wissen, müssen wir die RechtederÄrone achten. (Beifall rechts.) Schrader wünscht eine Abänderung der verfassrmgs. rechtlichen Bestimmungen, aber den Weg hat er uns nicht gezeigt. Verwunderlich ist es, daß die Militärverwaltung die alte Forderung der freien Heimatfahrt noch immer rricht bewilligt hat; die 1% oder 2 Millionen dafür müssen doch aufzubringcn sein. Erz. berger spricht besonders zu der Zentrumsresolution, die die Er. hohung der Bezüge der Gemeinen gleichzeilig mit der Aufbesserung der Offiziere, Unteroffiziere und Militärbeamten fordert; das werde ein wirksamer Vorspann für die Erhöhung des Mannschafrs- foldes sein. Dann geht Erzberger auf die in der Budgerkommission schon eingehend behandelten Fälle politischer Parteinahme von Ve- zrrkskommandeuren und Kriegervereinsvorständen in Fulda und an der Saar über. Der Kriegsminister hat in der Kommission bereits erklärt, daß die betreffenden Bezirkskommandeure ihre Befugnisie überschritten hätten. Den aus dem Landeskriegerverband im Zu. fammenhang mit den letzten Wahlen ausgeschiedcncn Kriegervereinen an der Saar und Mosel ist nicht nur das Fahnenband entzogen, sondern auch durch Erlaß des preußischen Ministers des Innern und des Kriegsministers untersagt worden, die Fahne zu sichren; lediglich aus politischen und teilweise aus konfessionellen Beweggründen! Welche Empörung und Entrüstung hat das unter den alten verdienten Veteranen Hervorrufen müsienl Ist denn ein solcher überschüssiger Fonds an Vertrauen urid monarchischem Gefühl vorhanden, daß man in dieser Weise zu wirtschaften beliebt? Gerade das Jnteresie der Heeresverwaltung muß dazu führen, daß Ruhe und Ordnung in den Krie- gerverernen herrscht. Soll unser Heer auf dieselbe Bahn kommen, auf der mit rapiden Schritten das französische Heer vorwärts schreitet? Abg. Erzberger bespricht dann die Resolutionen und fordert eine größere Sorgfalt bei der Einstellung der Rekruten und empfiehlt Verbesierungen im militärischen Sanitätswesen. Wg. Eickhofs (freis. Vp.): • Der Vertreter des Kriegsministerlums hätte dem Wg. Schrader anders geantwortet, wenn er sine ira et Studio gesprochen hätte. Der Redner begründet die Stellung seiner Parteifreunde zu den Resolutionen. Den in den Erme-Resolutionen ausgesprochenen Wünschen werden wir Widerstand nicht entgegensetzen. Auch wir wisien, daß die Löhnung der Mannschaften unzureichend ist; aber auch wir lehnen es ab, die Aufbcsierung schon in einem Nachtragsetat zu fordern, wie es die Sozialdemokraten, oder Zug um Zug mit der Aufbesierung der Offiziere, Unteroffiziere und Militärbeamten, wie es das Zentrum beantragt. Tie Militär- beamtcn und Unteroffiziere bedürfen dringend der Aufbesierung, dringender als die Mannschaften, die doch nur zwei oder drei Jahre zu dienen haben und nicht verheiratet sind. Die Verguickung der beiden Forderungen könnte die uns fest für dieses Jahr zugesagte Erhöhung der Bezüge der Unteroffiziere und Militärbeamten in Frage stellen. Im nächsten Jahre, wo die Finanzlage geklärt sein wird, sollen darm die Mannschaften aufgebessert werden. Der Antrag auf allgemeine Einführung des einjährigen Dienstes ist uns ja sehr sympathisch; wenn es möglich Ware, würden wir für diese Forderung stimmen, aber auch uns scheint aus militärtechnischen Gründen die Zeit dafür noch nicht gekommen. Vielleicht aber entschließt man sich in späterer Zeit dazu, einen Teil der Fußtruppen anderthalb Jahre dienen zu lassen lieber das Milizsystem denken wir doch nicht ganz so, wie es von einigen Rednern ausgeführt fft. Die Herren mögen die Scharnhorstsche Denkschrift von 1806 Nachlesen. Wer die Verhältnisse sind heute doch anders als damals. In Zeiten der Not können Milizheere gute Dienste tun; wir wollen aber hoffen, daß sie nie mehr kom. men. Anders stehen wir zur Frage der zweijährigen Dienstzeit bei den reitenden Truppen; diese Frage wird auch von militärischen Sachverständigen verschieden beurteilt. Wir glauben, daß die Einführung in absehbarer Zeit möglich fein wird, trotz der entgegengesetzten Anschauungen der Heeresverwaltung und der ungünstigen Erfahrungen, die in Frankreich gemacht sein sollen. Zunächst aber halten wir mit unserem Urteil zurück, wir warten die Denkschrift ab. Abg. Eickhoff bespricht sodann ausführlich die Resolution seiner Fraktion über die freie Heimatsurlaubsreise. Dieser Antrag hat eine lange parlamentarische Geschichte, ist ein Musterbeilpie! dafür, wie lange der Reichstag auf Erfüllung seiner Forderungen warten muß — schon seit 18891 Die Erfüllung dieser Forderung wird die Siebe zur Heimat stärken. Abg. Noske (Soz): Herr v. Siebert hat unter großem Beifall eines Teils de-s Hauses sich scharf darüber geäußert, daß die sozialdemokratisch" Fraktion über dieErmordung des Königs von Por lngal nicht milgeti auerl hat. Die Auffassung der Sozialdemo.raue über Attentate wird Ihnen bekannt sein. Wir verurteilen jede Art von Mord, jede Art von Gewalttat. Das können Sie auf der rechten Seite nicht von sich sagen. Sie haben wiederholt den Standpunkt vertreten, daß unter Umständen auf das Volk geschossen werden mutz; dann müßten Sie auch auf der anderen Seite einem unterdrückten und geknechteten Volk dieses Liecht geben. Unser herzliches Mitgefühl drücken wir dem portugiesischen Volke aus. Mich wundert nur, daß Herr v. Siebert versucht hat, auch für diese Tat die Sozialdemokratie verantwortlich zu machen. Noske spricht über die kostspieligen Besichtigungen und den Militärboykott. Daß es ohne Boylott geht, davon ist die württembergifche Heeresverlvallung überzeugt. Wie schon in der Kommission, zollt Noske der Militärverwaltung die Anerkennung, daß sie nach Kräften bestrebt sei, Soldatenmißhandlungen entgegenzutreten. Die Zahl der bestraften Fälle hat auch erheblich abgenommen, aber es kommen noch grauenvolle Fälle vor, und nicht alle lverden bekannt, weil die Soldaten es nicht Wagen, sich zu beschweren. NoSke wiederholt seine Ausführungen aus der Kommission über die Marschleistungen beim Kaisermanäver und fordert dann die Reform des Beschwerderechts und des MilitärstrafrechtS. Kein Gesetz hat einen derartigen Klassencharakter wie das Militärstrafgesetzbuch. Es ist ja gar nicht wahr, daß wir ein VolkSheer haben; wir haben ein Heer, das aus zwei Klassen besteht. lLachen rechts.) Für die Soldaten sind die Strafen unmenschlich hart, für Offiziere zum Teil zu milde. Studeiiarrest für die Offiziere mit aller Behaglichkeit des eigenen Haushalts, zum Teil wegen schwerer Verfehlungen gegen Offiziere, auf der anderen Seite die furchtbarsten Strafen gegen die Mannschaften. Bloße Resolutionen nützen da nichts. Auch inbezug auf den Ausschluß der Oeffentlichkeit hat der Reichstag einfach die Pflicht, unsere Resolution anzunehmen, wenn er sich nicht selber desavouieren will. Die Zustände sind da geradezu skandalös. Noske spricht über den blauen Brief und die Anschwellung des Pensionsetats. In Allenslein mußte Oberst v. Gröben den Abschied nehmen, weil Dinge in seinem Regiment vorgekommen sind. Da liegt doch die Gefahr nabe, daß die Regimentskommandeure dann Verfehlungen ihrer Offiziere zu vertulcheo. suchen. Der Redner spricht »weiter zu den anderen Resolutionen seiner Fraktion. Der bayerische General v. Gebsattel hat nut seiner Rede für das dritte Dienstjahr die wuchtigste Anklagerede gegen unier Schulwesen gehalten Der Ersatz für die Kavallerie kommt zum größten Teil vom Lande, wo die Schule gradezu skandalös ist lLachen rechts) — besonders bei Ihnen, Herr Krelh, in Stallupönen! (Heiterkeit.) Die Zeit des Schulmeisters von Sadowa ist bei uns längst vorüber. Wie kann man Bebel so mißverstehen! Wo har er verlangt, daß die Leute von der Straße weg in die Miliz gesteckt werden sollen? Er hat stets verlangt, daß dein eine Jugendlvehr vorangehen soll, das plaiimäßige Hinarbeiten daraus, daß die Leute, wenn sie zum Dienst eiubezogen werden, schon ein hohes Maß von Truppenexerzieren mitbringen, das sie jetzt mühsam in den Kasernen lernen müssen. Nicht ein Volksheer haben wir, sondern ein verjmikertes Offizierkorps und bewaffnete Untertanen. Kein Gemeiner kann Offizier werden, und das Bürgertum läßt sich das ruhig gefallen, läßt sich ruhig au die Wand quetschen; früher hat es wenigstens gequietscht, jetzt auch nicht mehr. (Heiterkeit.) Wie zahm sind jetzt die Freisinnigen — ich bedauere, daß sie nicht im Hause sind. (Heiterkeit.) (Die freisinnige Fraktionsgemeinschaft hat seit sechs Uhr eine Sitzung.) Dieses Bürgertum überläßt es den Sozialdemokraten, die Gräber der Märzgesallenen zu schmücken unb hat auch nichts mehr dagegen, den Soldaten scharfe Patronen gegen die Arbeiter in die Hand zu geben. Sächsischer Oberst Frhr. v. Salza: Der Vorredner hat sich u. a. darüber beschwert, daß bei den Kriegsgerichten der vierzehnten Division nicht rechtzeitig bekannt gemacht ist, wann Verhandlungen stattfinden. Tas Militärstras- gesetzbuch enthält keine Verpflichtung dazu. (Gelächter links.) Welterberatuug: Mittwoch 1 Uhr. Schluß 6; Uhr. £arlatnentarijd?es aus Hesse»-. R. V. Darmstadt, 4. Fevr. Der Finanz-Aus- stchuß der 2. Kammer begann heute vormittag die gemeinschaftliche Etatsberatung mit der Regierung, für die Staatsminister Ewald, Minister des Innern Braun, Finanzminister Gnauth, Geh. Staatsrat Krug von Nidda unb Ministerialrat Lorbacher erschienen waren. Die Beratung begann mit Kap. 1: Reste aus früheren Jahren und erstreckte sich über die folgenden Kapitel bis 12. Bei der Besprechung über Kap. 3: Weinbaudomänen wurde die Regierung über die geringe Rentabilität der Oppenheimer Domänenweinberge interpelliert, die bei einer Einnahme von 151500 Mark (gegen 171500 i I. 1907) eine Ausgabe von. 143 360 Mart erfordere. Die Regierung erklärte dies durch den Umstand, daß zurzeit noch einige Weinberge brach lägen. Eine eingehende Erörterung entspann sich dann bei Kap. 8: Bad-Nauheim und Bad Salzhausen. Die Regierung besteht darauf, daß sich auch die Stadt Nauheim mit einem Betrag von 80 000 Mark an dem für 300 000 Mark zu erwerbenden Ko h len säure - werk beteiligen sott. Da die jetzigen Besitzer an den Verkaufsvertrag nur bis zum 81. März d. I. gebunden sind, so ist eine baldige Entscheidung dringend notwendig. Der Ausschuß schließt sich der Anschauung der Regierung in diesem Punkte an und wird event. die weiteren Äewilli- gungen resp. die Weiterführung der Bauarbeiten cmssetzen, wenn sich die Stadt nicht zu dem geforderten unb durchaus angemessenen Zuschuß bereit erklärt. Beim Etat für Bad Salzhausen fragte Abg. Reinhart nach dem Stand der Bohrarbeiten daselbst. Finanzmimfter Gnauth erwiderte, es bestehe die Möglichteit, daß die Bohrungen von Erfolg sein werden. Man sei bis jetzt 400 Meter in die Liefe gegangen, man werde aber bis zu 600 Metern weiter bohren. Zu Kap. 10: Staatseisenbahnen, wurde von der Regierung in Aussicht gestellt, daß die .Einnahmen die angesetzte Summe von 15 Mllionen nicht erreichen werden. Zu einer längeren Debatte kam es sodann über die Frage des Gemüseversandts. Weiter wurde vom Abg. Dr. Osann angeregt, eine Darstellung über die zehnjährige Entwickelung der preuhisch-hessischen Eisenbahn- gemeinschast auszuarbeiten, die auch Aufschluß über die fortschreitende Tätigkeit der Eisenbahndirektion Mainz geben soll. Finanzminister Gnauth stellte eine solche Darstellung für nächste Zeit in Aussicht. Bei Kap. 12: direkte Steuern usw. kam die geringe Besoldung der Schreib gehilfen zur Sprache und weiter das Verbot der Uebernahme von Privatarbeiten außerhalb der Bureaustunden. Abg. Reinhart wies daraus hin, daß wir in unserm Hessenland bald eine Million Mark für Schreibgehilfen auszugeben haben. Die Frage der Verminderung der Schreibarbeiten bei einer Besserstellung der Schreibgehilfen sollte von der Regierung in ernste Erwägung gezogen werden. In der Nachmittagssitzung fanden mehr allgemeine Besprechungen über Finanz frag en statt. Zunächst wurden bei Fortsetzung der Beratung über Kap. 12 Steuerfragen besprochen. Man führte Klage darüber, daß die LandeLkommissionen bei Steuerreklamationen häufig sehr lange auf Antwort warten ließen. Ferner wurden die langen Hundesteuerdebatten im Kammer Plenum bedauert und eine entsprechende Abänderung des Hundesteuergesetzes in Anregung gebracht. Auch die Frage, ob die Namen der Steuerdefraudanten nicht veröffentlicht werden sollten, wurde lebhaft ventiliert. Weiter wurde noch das Kapitel „Gymnasien" näher besprochen und sodann die Frage aufgeworfen, ob sich nicht eine Erhöhung der Gehälter für die außerordentlichen Professoren ermöglichen ließe. Die Fortsetzung der Etatsberatung erfolgt morgen vormittag. Der vierte (Petitions-) Ausschuß war heute vormittag versammelt, um eine Anzahl Ausschußberichte über die früher beratenen Gegenstände fertigzustellen. Sie betrafen den Antrag Kühler über einen Staatsbetrag für die historische Kommission, wofür schon im neuen Etat 2000 Mark eingestellt sind; die Anträge Uebel und Ulrich, betr. Mobiliarversicherung, den Antrag Ulrich auf Errichtung einer Strafkammer in Offenbach, (der Antrag wird für vorläufig erledigt erklärt). Die Vorstellung Schrick- Friedberg, betr. Steuerbescheide, die Vorstellung der Gemeinde Seligenstadt, betr. die Konfessionsschule, (der Ausschuß schließt sich der Stellungnahme der Regierung an). Die Vorstellung auf Gewährung eines Staatszuschusses für das Lrinkerasyl Burgberg-Bieber, die weitere Vorstellung der Schachtelmacher auf Gewährung v.on Unterstützungen usw. Wir haben über die Beschlüsse zu allen Punkten gelegentlich der früheren Beratung berichtet. Ferner verhandelte der Ausschuß noch über eine Vorstellung der Mitglieder der Großh. Hofkapelle um Aufbesserung ihrer Gehälter. Die Beschlußfassung darüber wurde bis zur morgigen Sitzung verschoben. _______ Ans KLcr-t itnO Gießen, 5. Februar 1908. DerNachdruck rrusererOrigirralnachrichtcu ist nur mit deutlicher Quellenangabe — Greß. Auz. — gestattet. ** Titelverleihung. S. K. H. der Großherzog haben dem Oberlehrer am Ludwig Georgs-Gymnasium zu Darmstadt Dr. Hrch. Schnell den Charakter als Professor erteilt. **FolgendeGrundbücher wurden in Oberhefsen im Laufe des Jahres 1907 fertiggestellt und sind nach den gesetzlichen Bestimmungen als angelegt zu betrachten: Altenhain am 20. Juiri, Altenstädter Martwald am 10. März, Appenrod am 15. Juni, Beiertheim am 10. Februar, Beltershain am 20. Nov., Bermutshain am 20. Febr., Bernsburg am 1. März, Betzenrod am 1. März, Bind- sachsen am 15. April, Brauerschwend am 15. Oktober, Dauernheim am 1. Juni, Dauernheimer Hof am 10. Dezember, Dom - Assenheim am 12. Dezember, Echzell am 10. Dezember, Echzeller Markwald (teilw.) am 2. Jan., Eckarts Haus en am 15. Jan., Elpenrod am 10. Jan., Engelthal am 10. März, Erbstädter Domanialwald am 10. März, Glauberg am 16. Apr., Grebenhain am 10. Jan., Großen- Linden am 10. Nov., Hainbach am 1. Jan. 1908, Harheim am 13. Mai, Heimertshausen am 20. Apr., Köddingen am 15. Apr., Lich am 15. März, Liederbach am 25. Jan., Marienborn am 15. Jan., Münzenberg am 15. Jan., Ober- Seemen am 15. Juli, Ohmes am 7. Juli, Otterbach am 1. Jan. 1908, Salz am 20. Mai, Seibelsdorf am 23. Sept., Sichenhausen am 1. Juni, Stornfels am 30. Sept., Steinberg b. Ortenberg am 1. Dez., Mackenrode am 15. Dez., Wohnfeld am 1. Dez.; ferner für mehrere bisher von der Grundbuchanlegung ausgeschlossene Gemarkungsteile von Fauerbach b. Nidda, Ober-Schmitten und Schwarz. ? Wleseck, 3. Febr. Ter Nordbezirk des Gaues IX des Deutschen Radfahrer-Bundes hat sein Bezirks- «L>om morsest dem Radfahrer-Verein Wicseck 19 0 0 übertragen. Es wird am 11., 12. und 13. Juli 1908 gefeiert. Ter seitgebcnde Verein hat sich schon recht fleißig mit den Vorarbeiten^ befaßt. Gilt cs doch ein Nadfahrerfcft zu feiern, das der große Ort Wicseck in seinen Mauern bis jetzt noch nicht zu verzeichnen hatte. Neben Korso-, Reigen- und Kunstsahren soll auch eine große Wanderfahrt ftattiinben, die viele auswärtige Fahrer nach deut Festort bringen wird. Auch wird eine Abteilung siir Nichtbundesvereine eingerichtet. Es ist somit zu erwarten, daß das Radfahrersest einen großen Umfang annehmen wird. Ji Annerod, 3. F-ebr. Nach längerer Ruhe ist unser Gesangverein Teutonia mitten im Winter zu neuem Leben er.vadj/t. Mit übergroßem Eifer wurde in letzter Zeit eine Agitation zur Werbung neuer Mitali.der bemerkbar. Allabendlich find die neuen Schulräume, wo der Verein seine Prodc- ftuiib. n unter der Leitung seines rührigen Dirigenten Lehrer Euler abhält, hell erleuchtet. Dank des fleißigen Besuches konnte der Verein sch,.! am verfloss.uen Sonntag gentlid) einer Hochzeitsfeier fei; erste Feuerprobe abiegen, . .iy auch recht gut gelang. An Ibend sanden sich die Mitglieder voll- zähsig zu einem1 gcfcl n Zusammen sein bei Gastwirt Engel- hart ein. Gesangs- ui onusche Vorträge wechselten ab. x Watzenborn, 4. Febr. Eine sehr große Zuhörerschar, die unsere ziemlich geräumige Kirche bis in diel äußersten Enden erfüllte, lauschte im Abendgottesdienst am vorigen Sonntag aufmerksam und andächtig den höchst interessanten und vielfach ergreifenden Schilderungen aus der Seemanns Mission, die uns Pfarrer Möller von Rendel i d. W. gab, der selbst jahrelang als Seemannspastor in London tätig war. Er konnte deshalb aus eigener Anschauung und Erfahrung reden, wodurch der frische, lebendige und dabei allgemein verständlich gehaltene Vortrag des verehrten Redners höchst wirksam unterstützt wurde. So entfaltete sich vor den Augen der andächtigen Versammlung ein klares Bild von dem entsagungsvollen und doch an Gefahren und Versuchungen so reichen Leben des Seemanns, das ganz anders aussah, als es sich die farbenfreudige Illusion einer optimistisch veranlagten Jugend vielfach ausmalt. Um so mehr, so führte der Redner aus, haben wir die Verpflichtung, uns unserer „fahrenden Brüder" da draußen anzunehmen. Sie gehören zu unserer „Familie", und in einer Familie muß die Liebe walten. Eine ansehnliche Kollekte für die See- mairnsmission — 20 Mark — bewies am Schluß, wie dankbar die Gemeinde die Daicknetungen des Herrn Pfarrers Möller entgegennahm. Gern wird derselbe bereit sein, auch anderen Gemeinden mit seinen Gaben zu dienen. k. Garbenteich, 3. Febr. Ter Gesang-Verein Liederblüte feierte vergangenen Sonntag sein lOjähriges Stiftungsfest in dem Lokale des Gastwirts Peter BÄer. Tas Fest fiel durch theatralische Aufführungen und Lieder-Vor- träge des Vereins unter Leitung des bewahrten Dirigenten Curts von Gießen zur größten Zmriedenheit aus. Tie Zwischenpausen wurden von entern Teil der Kapelle des Infanterie- Regiments mit Konzert-Stücken ausgefullt, die mit größter Aufmerksamkeit und Dank aufgenommen wurden, sodann hielten die Vorstände des Gesang-Vereins Frohsinn und des Radsahrer- Vereins Ansprachen. Der Vorsitzende des Gesangvereins Frohsinn sprach seine Freude über die brüderliche Einigkeit und Freurchchast aus, die zwischen beiden Gesangvereinen herrsche. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß der deutsche Gesang in beiden Vereinen weiter fortblühen und gedeihen möge, wie seither, und brachte zum Schluffe ein Hoch auf den Gesang-Verein Liederblüte und dessen Dirigenten Curls aus. Von einem Freunde des Vereins Liederblüte wurde ein Lied gestiftet. ff- Lauterbach, 3. Febr. Das von dem. Kirch en gelang verein unter der Leitung des Rektors Foermes gestern zum Besten der Kleinkinder-Bewahranstalt im Saalbau „Zum Johannesberg" veranstaltete Konzert war sehr gut besucht. Das Programm mar sorgfältig und abwechslungsreich zusammen- gesiellt. Fran Konzertsängerin E. Wolf aus Darmstadt wußte den richtigen Ton zu treffen und erntete reichen Beifall. Herr Schsttzel aus Gießen erwies sich als Meister auf dem Waldhorn. Auf stürmischen Beifall mußte er sich zum Vortrag einer Einlage verstehen. Die beiden von Herrn N ö l l e r vorgetragenen Solls (Oboe) legten auch diesmal Zeugnis seines musikalischen Talents ab. Vom Chor selbst sei gesagt, daß seine Lieder von dem Publikum mit Begeisterung aufgenommen wurden, namentlich bei „Miryams Siegesgesang" konnte man erstaunt stin über die präzisen Einsätze, den streng eingehaltenen Rhythmus unb den (euren Vortrag. Nicht unerwähnt sollen d:e Leistlingen des Dirigenten Rektor Förmes feint, jber auch diesmal mit Energie alles daran fetzte, unserer Stadt einen derartigen Genuß zu bieten. Die Solisten wurden von ihm vorzüglich begleitet, ebenso „Miryams SiegeSgesang" von Lehrer N i n n e r. X Nidda, 3. Febr. Gesterrr abend hielt der Radfahrerverein Nidda in Krafts Saalbau sein Winterfest ab, welches in allen Teilen die zahlreichen Anwesenden besrredigte. Der Glanzpunkt des Merrds bildete daS von Herrn Drem-er geleitete Glühlichtreigenfahren. Die Musik hatte die Kapelle des 61. Artillerieregiments gestellt. Es schloß sich eme Verlosung und ein Ball an. -r Freien st ein au, 3. Febr. Vergangenen Freitag stürzte der 58 Jahre alte Landwirt Johannes Karl I. von hier von dem Gerüst seiner Scheune ab. Gegen 5 Uhr tvurde er bewußtlos von seinem Sohne in der Tenne auf» gefunden. Der sofort herbeigeholte Arzt stellte Bluterguß aus dem Gehirn fest. Schon gegen 6i/2 Uhr erlag der Aermfte feinen Verletzungen. sd. Groß-Gerau, 3. Febr. Außerordentlich große Holzstämme werden z. Z. auf dem hiesigen Bahnhof ver- laden. cic sind aus Kiefernholz, haben eine n ft freie schnur- gero.de^änge von 20 Metern und an dem schmalen Ende noch erneu -turaiimeifer von 30 Zentimeter. Sie sind für die Kaü» bauten in Togo bestinrmt und von der Ooersörsterei Groß- Gerau nach Anfrage bet den, zueisten deutschen OberlorAekeiW rt, datz bei den dlzcilig bekannt is Mllilärsiras» ter links.) ■51» ’MQt nicht -'N &ffr u,t Z^.rr rite »***! ibba toenn 0 öa geradc-u unö die S ? v. Grabe,. m5,otnmen ^^loinman, Ä ö- ’u4en- •'len feinet 1 ein« Rede e -gen unier ,c uJinmt -um « f>QlÖ8 S ineraOupönenj uns längst , et Der: ' gesiecht n° iMidivebr ■ öaö bie &me, As Mab oor! m den Kasernen Werkes L^ier, 1 °nn Ofe lUaysichrubjg geguielichi, jetzt d'e Freisinnigen lb- lHeilcrkeit.) . >echs Uhr ' ?en Sozial, nuirfcn und hat teilen gegen bu ügottesdienst am chtig den höchst chÜdernngen aus Harrer Möller hrelang als See- c konnte deshalb reden, rooburd) mein verslandli« rs höchst wirksam r den Augen der ld von dem cnl- ind Kechchungeü ■j ünbett aussok opümWch." mehr, so ftrr luiq, uns unjtK icijmen. Sie Siner Familie nnij ette für die Lec- Lchluß, wie dank- s Herrn Planet e bereit sein, ack n dienen. na-LereinLie- edr I0jahng6 övirt5 Ns* iC]l imb Acder-M Tmz» TieMldui- ü Mt It. uKb des SÄ« 1 Son einem FreuM stet. temsjitlw'' -Ä beiuA 1 L Mim"' sernes gefö£iebö ■t, boB EJJ ne i®»“ J rti* fr="« ,5" W bi uner^ tzer M tc5 icll^taj)t einen wn »» n '?4 io«!* >ZgesaN8 i> hU OiE* xKi- (t, US I , weites Ä ^L- °»r fit10, geschlagen worden. Tic einzelnen Stämme haben ca. toter yeftmeter Inhalt. Sie werden in Hamburg zur Verladung auf das Schiss kommen. * Ne n - Ulrichstein, 3. Febr. Der strenge Winter macht sich naturgemäß auch in der zunehmenden Insassen- zahl der A r bc i te r f o l o n i c bemerkbar. Während die Frequenz am 1. Januar 104 Arbeitslose betrug, stieg sie bis zum Ende des Monats auf 114. Es befanden sich 15 Hessen und 22 Hessen-Nassauer unter den Kolonisten. Den 29 9(b» gängcn standen 39 Neuaufnahmen gegenüber. Von den abgehenden Kolonisten verließen 21 auf eigenen Wunsch die Anstatt, 5 wurden kontraktbrüchig, einer kehrte in seine Familie zurück und zwei bekamen durch Vermittelung der Kolonie Arbeit. Mainz, 2. Febr. Der Tur naus schuß des Mittelrheintreis es tagte heute hier. Der Feldbergfest-Turntagi soll am 22. Acürz in Bockencheirn stattsindcn. Für das Prvbe- wetturnen am 28. Juni wird der Sitciö in vier Bezirke geteilt: 1. Frantsurt mit dem Gaue Hessen, Alain, ^Rain-Rhein, Fr«itfurt, Offenbach-Hanau, Main-Taunus, Unter-Taunus, t>lin- zig, Odenwald, Main-Spessart, Feldberg: 2. Mainz mit Rheinhessen, Süd-Nassau, Unter-Nahe, Mittel-Lamrus, Wiesbaden, Aar; 3. Koblenz mit Rhein-Mosel, Lahn-Dill, Unter-Mosel; 4. Saarbrücken mit Nahe-Jdarlcll, Saar-Blies, Mittelmosel-Saar, Blies, Saar. Ter Mittelrheintreis turnt voraussichtlich am Fejtsonn- wg nad)mittag von 6 Uhr ab, das Emzelwetturnen stnd-et Dienstag morgen statt. Die Kreisvorturnerstunde in Aschaffenburg ist am 15. Atärz. K asiel, i>. uCur. Hochbetagt starb nach längerem schweren Leiden das Mttglred des rrenßiichen Herrenhauses Wtrrll Geh. Rat Dr. Hans von der MalSdurg, Vizemarichall der att- heistschen Ritterschaft. Ter Verstorbene war längere Jahre Vorsitzender des Komntunallandtägc s für den :üegierungsbezirl Kassel uni) der kurl-e)stsa>m Gesamtsynode, auch roirtte er lange tm Vorstand der lomervativeu Partei in Hessen und Waldeck. h. Mannheim, 3. Febr. Heute früh ist der Kommerzienrat Stadtrat Fritz H i r s chhorn , Seniorchef der bekannten Tabaksabril Julius Hirschhorn, im 63. Lebensjahre gestorben. — Auf dem Grabe seiner hier beerdigten Mutter erschoß sich am Samstag der 18jährige Kaufmannslehrlmg Wilhelm Mayer aus Franksurt a. M. Der Vater des Un Mcllicyen war ebenfalls hierher gereist, um das Grab ferner Frau zu besuchen. Gr fand auf dem Grabe die Leiche fernes Sohnes vor. ,r . . ** Kleiire Mitteilungen aus Hellen und den Nachbarn aa leit. Am r. ce G e, a m t, r e q u c n z der KgL bayerischen F o r st l. H o ch 1 ch n le zu Aschaffenburg beträgt in diesem SemesUr 49. Davon >ind 31 Aspiranten des Staatsforst- vcrwaltungsd.enstes (fänitlid) aus Bayern) und 18 übrige studierende (Hospitanten), darunter 9 Bayern. — Für das erledigte Ordinariat für Nationalöloiwmie in Tüb in g e n i. W. ist Tirektor der Kölner Handelshochschule Dr. Christian Eckert, ein geb. Mainzer, in Aussicht genommen. und Industrie. Giessen. Frankfurter Börse, 5. Februar, 1.15 Uhr. 106 90 207 00 186.80 118.40 202.00 218.50 107.10 98 50 160.70 Kuuft ufitO WijjcHjdjajL — Aus Ber 1 iii wird vom 1. Jebr. gemeldet: Bei Eröffnung der Ausstellung der von der deutschen Industrie für die neue Medizin sch ule in Schanghai gestifteten medizinischen Instrumente, Apparate und Präparate waren im Kaiserin Friedrichhaufe unter den Gaften der chinesische Gesandte, Ätintster v. tudt, lNinisterialoirek- tor Dr. Förster und der Präsident des Reichsgesuudheitsamts Dr. Bumm. General Frhr. v. d. Goltz erklärte die Ausstellung für eröffnet mit einem Hoch auf den Kaiser, der uns deii ersten Hinweis auf den Weg nach deni Osten gegeben habe. Professor Kntner streifte in einem kurzen Vortrag die ärztliche Wissenschaft Alt-Ehinas, dessen Lehrer mir jetzt werden. Er schilderte die von Dr. Taulun geleitete Medizinschule in Schanghai und schloß mit einem Dank an die Spender, deren Opferwilligkeit die neue Medizinschule zu einer der besten und uwdernften machen werde, da auch von den Universitäten und Buchhandlungen Deutschlands eine Bibliothek der besten Lehrbücher gestiftet worden sei. Tetteiomscfa© aCursäjeD’sci-te des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank Hir Handel doch im Interesse der einheimischen Schweinebesitzer und ( Schweinezüchter eine Aenderimg der bestehenden Borschrif- i ten zur 9lbwehr und Unterdrückung von Schweineseuchen i angesichts der bestehenden dauernden Seuchengcfahr nicht \ angängig; nach den gemachten Erfahrungen habe sich ' eine fünftägige Quarantäne für kleinere Schweinetransporte ■ als unzureichend erwiesen. Die Herabsetzung der Quaran- : tänezeit von 12 auf 5 Tage für größere Transporte ( (von mehr als 50 Schweinen) konnte lediglich aus dem ' Grunde erfolgen, weil Verfenchungen in solchen frühzei- < tiger entdeckt zu werden Pflegen. Eine etwaige Aen- berung in den Vorschriften könnte bei der bestehenden ■ dauernden Seuchengefahr nur in dem Wegfall dieser Erleichterung für größere Schweinetransporte bestehen. b) In einem Bericht an das Großh. Ministerium des Innern, Abteilung silr Landwirtftt-aft, Handel und Ge- weroe, hat sich bie Handelslammer nach Anhörung der ' beteiligten Streife für cm gesetzliches Verbot des Gewerbe- 1 betrübes im Umher ziehen mit Gemüse- und Blumcnsamen, welches jetzt nach § 56, Absatz 10 der Reichsgewerbeordnung gestattet ist, ausgesprochen. c) Im Jnttreste der oberiMb|Ci;m Holzindustrie hat die Handelsiammer den Kgl. Vreuß., Minister der öffentlichen Aroetten gebeten, für oie Anschaffung von Oc- bezw. Ocm- Wagcn in genügender Menge besorgt zu fein, damtt solche den Holzinleregenien im_ VA>ar,smlle zum Versand von Brenii-, Pf lasier hol) und Sägemehi auch nach anderen Gegenden Deutschlands als nach dem Ruhrgebiet zur Verfügung gestellt werden können. d) Erne von den veiuofinern Steinbachs an die Hatidels- Eirmmer gerichtete Eingabe, in welcher mit aller Ent- schcedenherl gegen, die oc^/,ichttgte ^rr^gung der ^ersonen- Haltestelle zu Garoeittecch Einspruch erhoben wird, wurde der Kgl. Eisenbahndrrektion Fransiurt in befürwortendem Sinne übersandt. e) Die Handerslauimer hat an einer am 13. Dezember v. Is. in Frankfurt a. M. staltgchabten Besprechung von Verttetern ver.chcedener HandeiLoerttetungen teilgenommen, in welcher Vorschläge zur Beseitigung der im letzten Sommer vorgekommenen Zugvenpatungeii gemacht wurden. Es wurden als geeignete Maßnahmen eine Teilung der überlasteten Zuge, der Ausbau geeigneter Nebenbahnen durch Herstellung zweiter Gleise, bie Anstellung einer größeren Anzahl von Beamten, die Einstellung enter hinreichenden Anzahl geeigneter Lokomotiven, die Sjcrbcifül)cung einer besseren Verständigung b.r einzelnen iMalionen untereinander bezeichnet. Tiefe vorgeschlagenen i'Naßnahmen sind eisenbalM- feitig als zweamaßig ancriannt worden und werden, soweit sie nicht bisher schon zur Anwendung gelangt sind, angestrebt werden. f) Au, eine entsprechende Anfrage hat das Kaiserl. Postamt I der Handelsianimer mugcleilt, daß für die Ausdehnung deS F.r.liprcchd.enstes bis k'Aittemacht und seine Wahr- neljmung durch einen besonderen Beamten von den Interessenten eine Mindesteilinahme von 050 Mark zu gewährleisten sei und daß an Gebühren für Gespräche zur Nachtzeit im Ortsverkehr 20 Pfg., im Fernverkehr dieselben Sätze wie am Tage zu entrichien seien. Tie Angelegenheit soll weiter verfolgt werden. 3. Revision des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes. Tas Reichsgefetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes hat den in den Kreisen des Detailhandels gelegten Erwartungen nicht in allen Teilen entfprochen, insbesondere hat es gegenüber ben Auswüchsen im Ausverlausswesen in i>:n meisten Fallen versagt. Mit Genugtuung wird deshalb der vom Reichsamt des Innern audgearbeitctc Gesetzentwurf, welcher die Abänderung des WettbewerbSgesetzes bezweckt, von der Kaufmannschaft und den Geweroetrewenoen uegrum. ~cr u-mijuri lajrugt solgende ^Neuerungen vor: Haftung des Geschäftsherrn für unrichtige Angaben seitens der Angestellten; EmsUl-rung einer Generaliiausel, wodurch Unlauterketten erfaßt toerden sollen, deren Veriolgung auf Grund d.s bestehenden Gesetzes nicht möglich war; Verschärfung der Strafbestimmungen bei wissentlich unrichtiger Angave über „geschäftliche Verhältnisse"; genaue Begrenzung der Bezeichnung „.yjDnturöauäücciüUie"; Angabe oes Graiw-es für Ausverkäuse bei der öffentlichen Ankündigung; Recht der höheren Verwaltungsbehörde, für bestimmte Arten von Ausverkäufen die Anzeige- Pflicht über den Grund des Ausverkauses, ben Zeitpunkt seines Beginnes und Einreichung eines Verzeichnisfes der auszuver- taufenben Warcti anzuordnen; Verbot des Warennachschubs bei AuSvcrtäusen; Anwendung d.eser Vorschriften auf alle sonstigen Ankündigungen, welche den Verkauf von Waren wegen Beendigung dos GesckchstSoe.r.ebes, Ausgabe einer einzelnen Warengattung oder Räumung emto bestimmten Warenvorrats aus bem vorhandenen Stande betreffen; ^traibeftimmungen gegen 3uroiberl)anblungen ber Vorschriften; Befugnis des Bundesrates, über Zahl, Maß, Gewicht, Befchafsenheit, Zeit oder Art der Erzeugung oder Herkunft bestimmter Waren genaue Vorschpi,ten zu erlassen; Erweiterung der Vorschriften über die feg. Anschwärzungen und über Die mißbräuchliche Benutzung fremder Geschästsdeziehungen. — Tie Kammer erkennt den Enllvurf als eine geeignete Grundlage zur Bchcoung der vorhandenen Äiißstände an, nur wünscht sie, daß Abs. 2 des § 9 eine klarere Fassung erhält, _ welche zu Zweiieln und Deutungeil keinen Anrag gubt Gs soll im Gesetz ausdrücklich feftgelegt werden, für welche Arten von Ausverläufen die Anzeigepstiust angeordnet werden kann und bei weicher Stelle die Anzeige zu erfolgen hat; die Kärntner ist dabei der Ansicht, daß dies unter leinen Umstanden die Volizeibehörde sein dürfe. Ferner loünscht d.e Handelsicrmmer eine iblilberung der bei Verfehlungen gegen daS Gesetz vorgesehenen Geld- und Ge- 4^2°Jo russ.8taatsanl. 190.» 4>2 u, 0 japau. ötaatsauleihe 4 •;<> Couv. Türken von 1UU3 Tiirkeuluse...... 4>6 Griech. Monopol-Anl. . 4% äussere Argentinier . d°/0 Mexikaner . . . . 4>äu/0 Chinesen . . . . Aktien: 4"o Uesterr. Goldrente. 4l/&.uo Uesterr. Süberreule 4?0 Ungar. Goldrente . . 4lo Italien. Bente . . . Marburg, 4. Febr. Die „M ar b urg er Verschandelung s s r a g c;' beschäfligle heule wieder mehrere Stunden die Strafkammer, ^ci Marburger.Archttekt Daudet hat bekannt- litt) den Herausgeber und Versa,ser des sog. „Marburger itiricfeS Dortmunder-Union C. an Herrn Tobias Knozz", den Referendar Emanuel Bend a, * u”nk' deshalb wegen Belei^gung bertiaßt, well dieser in der erwähnten Schrift bezüglich des neuen Kurhvtels auf dem ^Frauenberg' von einem „Tamofen Architekten, der schamlos eine eünbe gegen den heiligen Geist der Natur beging" usw. spricht. Tas Schöffengericht hat bereits auf 50 Mr. Geldstrafe gegen Benda erkannt. In der heutigen Berufungsinstmiz berief sich der Verteidiger des Beklagten aus ben Umstand, daß der städtische Bebauungsplan jetzt abgeänbert werben solle, es handle sich nur um eine Kritik. Tas Gericht war der Meinung, daß Kritik loohl erlaubt sei, aber Beleidigungen auszuschalten seien. Es blieb deshalb bei dem ersten Erkenntnis. Hamburg, 4. Febr. In der Klage des Hafenbetriebsver- eins gegen den H a sc n ar b e i terv e r b an d fällte die Zivilkammer 'Irr. 3 des hiesigen Landgerichts ein Urteil,, nach welchem dem beklagten V-roanbe bei vierwöcpiger Haststrase bezw. einer Geldstrafe von 1500 Mir! in jedem Falle der Zuwiderhandlung unter.agt wird, den Zuzug von Hafenarbeitern nach Hanchurg zu stören, oder die vom Kläger angenommenen Montraftarbciter als Streikbrecher zu bezeichnen. >V. Stiittgart, 4. Febr. (Priv.°Tel.) Tas -Lchwuigericht öenmeilte heule die Ällisioiislnspekleursehefraii Klara $Jleninanii ivegen Beschimpfung der tatholljchen Kirche durch Verbreitung von Flugbläuern zu einem Monat Ge'Lngnis. Heilbronn, 4. Febr. Ter vor Jahren vorn Schwurgericht ui Heubronn wegen Notzucht zu drei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverluil oemrieilte miljere Rechtsanwalt AL ohr, der diese Straie bereits üerbügt bat, wurde un Wiederaufnahme v e r i a h r e n von dem Heilbronner Schwurgericht frei- gesproche n. Die Losten berder Beriahren wurden auf die Ltaais- tafle übcniommeii. OevmjjdpJeg; * Tie £alentprux/e oty scunig§. Von König Caplos, der letzt aid Op,er eines lurchtoaren Verbrechens in ,einer Hauptstadt ernwroet worden ist, wird eine hübsche Heine Anekdote erzählt. Der König zeigte aud) lür die Musik eine be- geiiierie Lieoo. Er lelbft ipiette das Cello, und sein Ehrgeiz war Itets, aud) als Cellist etwas zu lernen, was üuer den Durch«chnitt litt) cryöuc. Vergeblich suchte er nach einer oiicnen und ftrengen MTctit; am Hose beiam er natürlich nur schmeichelhafte Urteile, zu Horen und Don Eanos, der leine Leute tannte, war mit diesen Lobeser^bungen weder emverstanden noa; zufrieden. Um endlich em unparllttickxes Urteil über sein Virtuosentum zu erhalten, ließ er ernen oerüymttn Cellisteii, der auf seiner Tournee auch Lftsabon vevührie, zu )ich ins Schloß rufen. Naa^em er dem Spiele des üünstllrs mit uiiveryohwiier Bewunderung geiauicht hatte, äußerle er schllerlich wie bciiuuiig: „Ach Horen Sie, Sie könnten mir einen großen Gefallen erwesten: eine der Ehrendamen der Königin Ipielt Cello, und sie möchte so gern Ihre Meinung über ihr epicl Obren. Aber sie ist schrecklich schuaueni und fic wird gern>6 nur spielen, wenn Sie sich dabei hinter einem Vorhang verborgen halten kann. 5lönnten Sie nickst morgen die kleine Prüfung übtr.icomen." Ter Cellist war gern bereit, und am näckstten Tage criajum er tojeder im Schlöffe, .statt oes Königs empfing ihn die M'önighi Amatta; der König fei leider durch einen Minister rat zurückgehalten und könne nickst erscheinen. Die Prüfung begann. Hinter einem Vorhang cricnicu d.c Klänge des Cello; es war eme sJJieloi>ie aus dem Trouvadour, die geipielt wurde. Der stünftter mar ein ich!echter Hofmeuin und Verstellung nicht seine Sache. Schon nach dm ersten Noten verriet seine Phy- fwgnonne, daß er von dem roccaw aus Eifersucht seine Geliebte, d.e Kellnerin Picciono. Aus 22 Gouvernements des europäischen und vorwiegend aus Zentralrußlaiid traien Nachrichten über Hungersnot ein. Es lelstt an Wintergenreide negen des trockenen Herbstes. Falls keine Sommersaat (geliefert wird, ist Gefahr torhandeit, daß im tommenden Sommer eist großer Teil der Felder brach liegt. Februar 1908 Barometer tiui 0° reduziert Lemperatnr der Lust Absollite Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 4. 2“ 748,9 — 1,3 3,8 92 SSW 2 Bed. Himmel 4. 92i 750,5 — 1,5 3,8 92 s 4 M M 5. 7,s 759,1 — 1,3 3,8 90 NNE 2 • ■ Höchst ’ Teuii eratuc am 3 -4. yebruai 0,6 ' C. 9lledrigste „ 3 -4. U — — - 6,6 v <. 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