% 156 Erstes Blatt 158. Jahrgang Montag 6. Juli 1908 vt«vener Anzeiger if Ä BezugSpretS: nl*la9l\$'{Iau6et Ägk 'fi V monatlich75M., viertel- Mitniononor -inrolgor äs ^Lr l-V 11VIIV #- V> I »IV IHV > asTÄ tiÄ Kf , w, -**7 ÄSÄ ä General-Anzeiger für Oberheffen ?a§ Annahme von Anzeigen v 1 • ff »u Land* und „Gerichts- L Do?mut,agTionuK RotafionsÖHKt und Verlag der vrühsschen Unlv.-Vuch- und Steindruckeret. R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. AnMgenteU'^ Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. politische Tagesschau. Die neue Krise im Flottenvereia. Nach bet Danziger Tagung war allgemein die Ansicht verbreitet, baß im beut]eben Flottenverein ber Friede hergestellt sei. Zu bieser Annahme hatte ber Verlaus ber Generalversammlung berechtigt, obwohl man noch nicht wußte, ob ber Fürst z u Salm-Horstmar die Wieberwahl als Präsident annehmcn iverbe. Der Uttst war in Danzig nicht anwesend und ließ auch nwchenlang nichts darüber verlauten, wie er sich zu dem Beschlüsse der Generalversammlung stelle. Erst in diesen Tagen ließ er erklären, daß er die Annahme des Präsidiums von gewissen Bedingungen abhängig madye und bald darauf erfuhr man seinen endgültigen Verzicht. Darauf war man nicht vorbereitet, im Gegenteil, man glaubte und hoffte, daß cs zu einer Verständigung kommen werbe. Es heißt, von oben her sei man nichtauf bieWuns che des Fürsten cingcgangen. Eine gewisse Gruppe habe dem K aiser die Meinung beigebracht, als ob die Wiederwahl des Fürsten nur ein Akt ber Dankbarkeit und eine bloße Ehrenbezeugung gewesen sei. Ms ber Fürst in voriger Woche in Kiel beim Maiier zum Frühstück auf der „Hohen- zollern" war, wurden auch die FlottenvcreinSangelegenheitcn besprochen. Lieber den Jnl>alt dieses Gespräches ist nichts bekannt geworden, aber an dem "Resultat der Ablehnung des Fürsten kann man ersehen, daß er das nicht erreicht hat, was er von dieser Untcrcebung erhoffte. Unter ariderem dürfte die Haltung des Bayerischen Landesverbandes des Flottenvereins, dessen Ansäwunngcn über die Ziele und Mfgaben des Vereins lid) mit den auf ber Danziger Tagung bekundeten Auffassungen reicht durchweg decken, für die Entschließung des Fürsten Salm niitbeftininicnb gewesen sein. Es imrb ihn auch verstimmt haben, daß Prinz "Rupprecht vorläufig noch auf Wieberannahme des "Protektorats verzichtet hat. Was nun weiter werden wirb, steht einstMilen dahin. Wie erinnerlich, hatte die Danziger Versammlung für den Fall, daß Fürst Salm ablehnen sollte, den Großadmiral von Köster zum Präsidenten gewählt. An diesen wirb nunmehr die Äuf- Ktberung ergehen, sich .über die Wahl zu äußern. Bisher ist nicht bekannt geworden, wie er über die Frage denkt, er hat lediglich int Anschluß an die Danziger Versammlung telegraphisch dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß Fürst Salm die Wiederwahl annchmen werde. Selbst roenn Admiral von Köster jetzt an die Spitze des Deutschen Flottenvereins treten wird, ist die Krise noch nicht beendet, dadreiweitereVorstaudsmitglieder sich schon in Danzig mit dem Fürsten Salm solidarisch erklärt hatten. Es werdet: also aller Wahrscheinlichkeit nach, diese drei Herren von ihrem Amt zurücktreten, falls Köster an die Spitze des Vereins treten sollte. Es ist also nicht abzusehen, wie sich die Zukmrst des Flottenveveins gestalten wird. In der Presse machen sich bereits die beiden Strömungen derart bemerkbar, daß voraussichtlich sehr bald die alten Zänkereien zwischen Nord und Süd von neuem losbrechen Werdern Wieder sind es die Anhänger des Generals Keim, die übers Ziel schießen und die Bayern mehr als nötige an- greisen. Eines dieser Blätter, das auch in dem früheren etreit den Ton angab, meint, die Bayern hätten zwar gesiegt, aber man könne bezweifeln, ob sie sich dieses Sieges zu freuen haben werden. Was Oberpräsident von Jagow in Danzig betont habe, daß der Flottenverein für d i e Regierung wie für das Volk die Bedeutung verloren habe, wenn er nichts weiter werde, als eine Zusammenwürflung von Menschen, die als Appendix des Jieichsmarmeamts erscheinen, das sei jetzt ein- getrossen. Pr.tfiocnt sei ein Großadmiral, geschästssührender Vor- litzender ein Konlreadmiral; der vor ein paar Tagen noch Ab- leilungschef im Reichsmarineamt war, Geschäftsführer werde wahr- scheinlicy ent Mar ine stabszahl m cister, dessen 9iame schon in Danzig genannt worben ist. Damit feien die drei einflußreichsten Posten mit Marineleuten besetzt. Zunächst wird man abwarten müssen, rb dies ciiuretcn wird, da man nicht weiß, wie Admiral Don Köster über die auf ihr: gefallene Wahl denkt. Lehnt er ab, daun wirb jedenfalls die Krisis aufs neue verlängert. Der Charak- tcr deö ehemaligen Oberstkoiumaudicrenden unserer Marine läßt darauf schließen, daß Großadmiral von Köster als Präsident des Flottenvcreius dem Reichsmarincamt gegenüber die Unabhängigkeit besitzen wird. ♦ Die kommende Welternte. Für Deritschland unb andere Länder, insbesondere arich für die Vereinigten Staaten von Amerika, lauten die Erntebcrichte recht günstig. Das ist um so freudiger zu begrüßen, als eine gute Ernte den wirksamsten Anstoß zur Besserung der allgemeinen geschäftlichen Lage liefern konnte. Wird das Ergebnis der Wellernte sehr umiangreich, so ivird unter dem wohltuenden Einfluß weichender Preise der Konsum sich heben, und nach Lein nationalökonomischen Lehrsätze, daß die Nahrung des in» dustrieilen Arbeiters mit zu den Erzeugungskoslen der Industrie gehört, darf inan 311 dem Resultat gelangen, daß der Produktionsprozeß eine Verbilligung erfahrt. Hoffentlich bestätigt die weitere Ent- uicklinig die arigenblicklichen günstigen Erwartungen. • Die Frauenrechtlerinnen Italiens. Man muß deren zivei Kategorien unterscheiden. Die erste umlaßt die Fraueil unb Mädchen, welche mit Dolch, Revolver unb <&ift bie minber ritterlichen Angriffe auf ihre Personen parieren unb mit denselben Radikalmitteln über verratene Liebe quittieren. Wenn man liest, daß eine Frau, die einem ihr mit Liebesanträgen aiachsleUenden Alaune im kritischen Moment ein Messer in den Unterleib gestoßen, daranfhin von hundert anderen Frauen aus ^er Straße mit sympathischen Ovationen begrüßt worden ist, so erfennt man, daß es sich hier um Aeußerung eines typischen weid» kichen Rechtsbewußtseins handelt. Bis beute wagt es anch fein Gericht in Italien, ivegen eines Verbrechens ans geschlechtlicher «Ehre eine Angeklagte z»i verurteilen. Tie Gerichte sanktionieren rilso ein primitives utiö populäres, aber gesetzwidriges Verhalten ler Frauen und bestärken sie bamit natürlich in biesem Verhalten. Unter b c n Frauen Italiens, bie eine intellektuelle Bilbung unb eine engere Beziehung zu den leitenben Faktoren des mobernen Lebens haben unb teilweise selbst erhebliche Berufe mehr und tumber öffentlichen Charakters versehen, ist das Rechtsbewußtsem wesentlich anders. Diese zweite Kategorie der italienischen Frauen hat eine gciviffe systematische Opposition gegen den Mann und bis hohem Grade ihr Vorbild in den deutschen unb angelsächsischen jwauenrechlleimnen. Sie forbert für bie Frau die gleichen politischen Rechte ivic für den Alaun und hält Kongresse ab. Ein solcher Kongreß, der erste nationale italienische Frauenkongreß, hat kürzlich in Rom getagt. Frauen der höchsten Aristokratie begegneten sich hier nut Lehrerinnen unb Hcuwlimgsgehilsinnen, und Die regierende Königin sowie die Königin-Miitker, ivic die Prin I zessin Laetitia nahmen offen Stellung zu seinen Gimsten. Insonderheit aber lag ihnen daran, wissen zu lassen, daß sie aui Mütterlichkeit und alle natürlichen und traditionellen Vorzüge und Aufgaben der Frau nach wie vor das größte Gewicht legen und eigentlich nur eine Revision der Rechtsverhältnisse der Fran im allgemeinen, sowie bei der Wahrnehmung gewisser Posten begehren. In dieser Hinsicht muß man selbstverständlich durchaus auf ihrer Seite stehen, beim bie italienische Gesetzgebung kennt z. B. keine Ehescheidung und läßt der F r a u keinerlei Verfügungsrecht, selbst über ihr eigenes eingebrachtes, ererbtes oder erworbenes Vermögen und über die Kinder. Die zahllosen Mißstände, die sich aus dieser Untevorbnung der Frau unter den Mann ergeben, haben eine sehr ernste materielle und moralische Wichtigkeit. Wenn es der Organisation der Frauen, die sich ja des mächtigsten Protektorats crireut, gelingt, in dieser Beziehung Wandel 311 schaffen, so ist das recht verdienstlich. Ta sich der Justizminisler veranlaßt gesehen hat, einen Gesetzentwurf betreffend das Recht zur Feststellung der i(legitimen Väwrschast auszuarbeiten, so ist an den guten Chancen der italienischen Frauenrechtlerinnen auch im übrigen kaum zu zweifeln. Bansai. In demfelben Verlag, der vor zwei Jahren den viel — vielleicht : zu viel — gelesenen „Seestern 1906" aus den Markt roart, der Tielrichschen Verlagsbuchhandlung in Leipzig, ist eine neue kriegerische Utopie erschienen. Die betitelt sich nach dem Kriegs- geschrel der Japaner „Bansai" und schildert packend mid anschaulich, mit großer stilistischer Gewandtheit und starker Phantasie, wie die Spannung zwischen den Vereinigten Staaien und Japan, die in den letzten Jahren sich angefnminelt bat, zur Entladung kommt; wie die Japsen, niederträchtig und tückisch, über die Amenlaner herlallen; zuerst, ohne vorherige Kriegsanjage, einen Teil ihrer Flotte vernichten; bann aus ben mit klugem Vorbebacht übers stille Meer entlaubten Einwanberern ihnen un eigenen Laube eine Invasions- und Okkupationsarmee erstehen lassen und wie die bereinigten Staaten all das fürchterliche Ungemach völlig unvorbereitet auf sich zukommen sehen, nur dadurch gerettet werden, daß die anderen großen Koloniallande englischer Progenitur sich der Gemeinsamkeit ihrer Interessen bewußt werden, Kaiiada und Australien von Eng- land endgülug sich losreißen und der Union zu Hille eilen. Silit dem ersten ainerifan. Sieg und der Aussicht auf eine Reihe weiterer schließt das Buch. Zugleich auch mit dem (für manche Leute immer tröstlichen) Ausblick, daß Albion, das ansängllch in aller Heimlichkeit mit den Japanern im Bunde war, solche Ruchlosigkeit heimgc- zahtt wird. Das Laster erbricht sich, die Tugend darf sich zu Tische setzen..... Tas Buch hat mit Literatur nichts zu tun, aber es hat feine politischen Seiten. Parabellurn nennt sich der anonyme Verfasser und will vermutlid) so andeulen, daß er einer von den guten Freunden ist, bie eine minutiöse Vorbcreüunq auf ben Krieg für bie beste Form, deu Frieden zu bewahren, halten. Gegen den Rat ist an sich nicht das geringste einzuwenden; nur wird nicht ganz klar, wem er erteilt werden soll. Allem den Amerikanern? Oder nach Analogie der befarmten allegorischen Zeichnung den „Böllern Europas"? Oder will Parabellurn uns nur wieder einmal bie Briten im Bilbe zeigen, unbjft bas Pseubonym in Wahrheit einfkategorischer Imperativ, bei allem, was wir tun unb treiben, ber Vettern jenseits des Kanals tticht zu vergessen? Unsere Zeit ist ernst. Diesem Ernst kontmt man durch Schlüssel» roniane und Utopien nicht nahe. Tie regen nur hüben unb brüden Unbesonnenn auf unb hier unb ba reizen sie selbst bie Verständigen. Wer ba wünscht, baß unser Volk mit kaltblütiger Ruhe (einen Weg burch bie neue Welt der wahren unb falschen Alliancen und Ententen geht, wird von solcher Redseligkeit sich keinen Gewinn versprechen. Tas Wort: Bilde Künstler, rede nicht! gilt auch für andere Lebensgebiete als die der Aesthetik. Evangelische Landessynode. R.B. Darmstadt, 4. Juli- In bet um 91/4 Uhr eröffneten Sitzung werden zunächst ohne bemerkenswette Debatte die Vorlage b.s Oberkonsistoriums, bett, die Erbauung eines Synodalgebäudes (Bewilligung der Nachttagsforderung von 44 800 Mk., um welche die Bau- fummc überschritten wurde), ferner die Vorlage, bett, die Abtrennung bet Filialgemeinde Friesenheim von der Pfarrei- Dalheim und Zuteilung derselben zur Pfarrei Undenheim. Nach der Vorlage, bett. Aenderunginden Kirch engemeinde- verhaltnifsen, stimmt die Synode ber Errichtung einer 5. Pfarrftelle an ber Stabtgemeinde Darmstadt und einer 2. Pfarrstelle an ber Jo Han nesg e meinbe Darmstadt unter Aufhebung der bestehenden Afsistentenstelle zu; ferner die Errichtung einer Filialgemeinbe Gadernheim mit Reidelbach unb Kolmbach und einet Filialgemeinde Gau-Algesheim, sowie einer Filialgemeinbe Weickartshain, auch erklärte sich die Syirode mit der Zuteilung von Enzheim zu Lindheim unb van Heegheim zu Glauberg einverstanben, ivährenb die provisorisch erfolgte Bildung einet Filialgemeinbe zu Schlierbach gestrichen wird. Zur Beratung gelangt dann bie Interpellation bes Synodalen Jost, bete, bie ärztliche Untersuchung pensionierter Geistlicher. Der Interpellant fragt, ob die Kirchenbehörde bereit ist, der Landesfynode einen Gesetzentwurf darüber vorzulegen, daß für die Zukunft entweder durch bie Kreisgesundheitsärzte oder durch einen oder einige besonders zu beftimmenbe Aerzte, die bis zur Wiederherstellung ihrer Gefuchheit pensionierten Geistlichen ctlva alljährlich auf ihren Gesundheitszustand untersucht werden. — Syn. Jvft begründet seinen Antrag. Da derselbe aber nicht die genügende Unterstützung findet, kann keine Besprechung der Sache crfglgcn. Eine Interpellation des Syn. D. Schlosser sragt, in welchem Maße von dem in dem Gesetz vom 17. Nov. 1888, bett, die Besetzung der Pfarrstellen, den Kircheuvorstanden verliehenen Rechte, die $crfoncnfrage betreffend Anträge zu stellen, Gebrauch gemacht worden sei, ferner: Hat sich bie Ausübung bieses Rechtes nach bem Urteil bes Oberkonsistoriums beloährt unb hat es zur Förderung des kirchlickMi Lebens gebient, ober haben sich Mißstände dabei herausgestellt und welche? Haben die Bestimmungen des Gesetzes ausgeveicht usw. Das Obetkonsistotium hat darauf erwidert: Unter Berücksichtigung bet Präfentationsstelten, bie hier nicht in Bettacht kommen, finb feit Erlaß des fraglichen Gesetzes 458 Pfarrstellen zur Besetzung gekommen unb in 248 Fällen von ben Kivchen- votständen bestimmte, bie Petsonensrage betreffende Anttoge gestellt worden. In weitaus ber Mehrzahl ber Fälle richtete sich ber bestimmte Antrag bes Kirchenvorstckndes auf einen bereits in bet Gemeinde amtiaenben Pfarrverwalter, bejlv. 2. Pfarrer. Die Frage bezüglich ber Ausübung bieses Rechtes unb ber etwa hettoryciretenen Mißstände läßt sich von verschißenen Seiten ber ins Auge fassen. Vom Standpunkt d.r berechtigten Interessen der Geistlichen, die sich um Stellen bewerben, sind mancherlei p.'.'Mande nicht zu ..erkennen gewesen. Es ist der Mangel eines jedem nicht aus freie Pfarrwahl mir Wahlprebigt usw. hinaus- gehenden Gesetzes, baß es die Möglichkeil, in legitimer Weise sich bekannt zu machen, für die Beweroer vermindert oder beseitigt. Die Folgen des fraglichen Gesetzes vom Stanbpuuft des firdp licken Lebens zu beurteilen, fei außerordentlich schwierig. Die Bestimmungen des Gesetzes hätten, abgesehen von einigen nähet bezeichneten Mckingeln im allgemeinen auSgerücht, llnzuttäglicl>- feiten zu begegnen und, auch wo ein als ungeeignet erscheinender Antrag eines Kirchenvorstandes vorlag, die Interessen der Gemeinde unb der Landeskirche wahrzuuehmeu. Wenn auch vom Lberkonsistotium nicht verkannt werde, daß dem Gesetz nickst unerhebliche Mängel anhasten, so habe cs doch seitlxr Bedenken getragen, au eine Aenderung heranzutreten, zumal VorsckMge, die eine wesentliche Vetbessemng herbeiftihren könnten, bisher nicht gemacht worden seien. An diese Interpellation und die Antwort des Oberkonsistoriums knüpft sick) eine länget.' Debatte, die sich namentlich um die Besetzung einzelner Pfarrstellen in Darmstadt dreht. Als Redner beteiligen fich daran bie Syiwdalen Stamm, Jost, Dingel- dey, Schaub, Keil, Widmann, Präs. Stamm, Prälat D. Flöting, Syn. Gr0sch, Hainer, Eik, Pfaff, Becker, Kolb, Vogt, Lucius, Loos, Bernbeck unb Wahl. Tas Gesuch der Frau Pfarrer L a m p a s Witwe zu Gießen, der Frau Pfarrer Seipel zu Dillenburg, ber Frau Pfarrer Te- waag zu Asel bei Vöhl und b:r Frau Pfarrer Dietrich zu Darmstadt, bie Erhöhung ihres Witweugehaltes betteffcnd, wirb dem Ausschußautttig entsprechend, abgelehnt. Zur Beratung kommt daun ber Ekrtivurf eines Kirchen-Gesetzes, bett. E r g ä n 3 u n g des § 32 ber Geschäftsordnung der evangelischen LaudeSiynvde. Derselbe soll den Zusatz erhalten : Für den Fall ber Verhinderung ber ordentlichen Mitglieder wird für jeden den in § 1 bezeichneten Ausschüsse eine von ber Synode jeweils zu bestinimende Zahl von Stellverttctern gewählt, welche in der durch die Stimmenzahl gegebenen Reihenfolge ciw- zulreten haben. — Der Antrag wird mit einer vom Ausschuß votgeschtagenen unweseittlickien Aenderung angerwmmcn. Eine weitere Vorlage des Oberkonsistoriums, bclt. die Aew> berung ber Weise der Abendmahlsfeier in der evang. Gemeinde zu Mainz lautet dahin: Hohe Synade wolle bem von ber Kirchenvertretung in Mainz genehmigten Beschluß des borstigen Kirchenvorstandes: „Beim Abendmahl soll bas Brot nicht mehr in der bisherigen Gestalt von zerteilten Kuck-en, sondern in' ninbeit Schecken ge-, backen, zur Verwendung kommen" — ihre Zustimmung erteilen. Die Synode stimmt bieser Vorlage zu und der Präsident sckstießt darauf bie Sitzung um 1 Uhr. Slächste Sitzung: Montag früh 9 Uhr. Heev nnd Flotte. — Der Kaiser verlieh den st)larine-Jng enieuren; das Recht zum Tragen der Offiziersschärpe. Kolonialpoft, In ber französischen Kuimue^..m...:ision für auswärtige unb koloniale Angelegenheiten stößt die Annayme ber französisch-deutschen Konvention über Abgrenzung Kameruns und des Kongo auf einige Schwierigkeiten, da die französischen Jnteresfenten Reklamationen eingereichk haben. Der Minister für die Kolonien hat aus sachlichen, der Minister des Aeußern aus politischen Gründen die Annahme befürwortet, doch hat die Kommlssion zunächslf drei Deputierte mit einer Prüfung der erwähnten Reklamationen beauftragt. Unser erster Kolonialkrieg in Deutsch -Siid^ westafrika, der uns einem verschlagenen, des Landes kundigen Gegner im aufreibenden Guerillakriege unter dem heißen, erbarmungslosen Himmel Afrikas gegenüberstellte, hat uns auch in neue Kampfmittel dieser Naturvölker Einblicke gegeben. So legten die Hottentotten 511 ihrem Schutze gegen die Angriffe unserer Reiter auf ganzen Hügelketten riesige Grasbrände an, um sie zu weiten Umwegen zu zwingen und so Zeit zu gewinnen. Im ganzen wandelt sich das Bild des Krieges unter Kulturvölkern hier mehr zu einem Nahkampfe, der die heroischsten und rührendsten Taten zeitigt. Diese werden in dem von: Deutschen Verlagshausc Bong & Co. (Berlin W. 57) verlegten unb vom Generalleutnant z. D. Friedr. Freiherr 0. Dincklage-Campe verfaßten Werke „Deutsche Reiter in Südwest, Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Südwestafrika" zusammengefaßt. Die mit Porträts unb Illustrationen ausgestatteten Blätter geben bie Selbsterlebnisse von Offizieren und Mannschaften aus unmittelbarer Anschauung und frischer Erinnerung wieder und machen den Leser fast zum Augenzeugen der wechselvollen Ereignisse. Aus Saigon wird gemeldet: Infolge des Attentats vom 27. Juni — es handelt sich um einen Vergiftungs- versuch gegen 20 0 französische Kolonialsoldaten — ist die Erregung unter der europäischen Bevölkerung aufs höchste gestiegen. Mehrere Offiziersfrauen sind in die. Zitadelle geflüchtet. In einem Hotel fand ein Meeting statt, wobei die Versammlungsteilnehmer eine Kundgebung beschlossen. Sie zogen vor das Generalgouvernement, zerstörten das Gitter und drangen in die Wohnung des Gouverneurs ein. Sie forderten diesen persönlich auf, die schuldigen Eingeborenen auf der Stelle hinrichten zu lassen. Der Gouverneur versprach, zu der schnellsten Jurisdiktion zu greifen. Er werde übrigens bas Gesetz nicht verletzen unb das evtl. Urteil ausführen. Hiermit beruhigten sich die Kundgeber und verließen ben Palast. Siebener verkehrsoerlMmjse. Von Rechtsanwalt Raab, Gießen. Die Umgestaltung bet Gießener Eisenbahnanlagcn, bie Verwirklichung bes Labnkanalprojekts unb bet Bau ber elektrischen! Straßenbahn sind die wichttgsten Punkte auf bem Pwgrarnm. „Gießener Verkehrswesen". Bei ben: von Jalw zu Jahr stärker iverbenben Verkehr, bet; Notwendigkeit, auch bie obethessischei: Linien bvppelgtcisig auS- zubauei:, bem AuSdchiiiingsbcdurfnis der Stadt ivttd die Be-I freiung bet Frankfurter Straße, des Stephansmarkviertels von bau Verkehrshindernis der ober hessischen Linien eine immer bring» Licherc Forderung. Im erster Linie hat meines Erachtens die preußisch - Hess. Eisenbahngcmeinschan das größte Interesse daran, den Haupt- Fnotenpunkt Gießen, der auch strategisch von größter Wichtigkeit ist, lebenssähig und cnu icklunqsmöanch zu erhalten und die Aen- derung der jetzigen Zustände ist nicht der einseitige unb ausschließliche Wunsch der Stabt Gießen. Leiber ist das Reich im Vcrk.hrsivcscn noch vielfach vom Partikularismus in der gesunden Weiterentwickelung gehemmt. Man Hal iwch nicht überall erkannt, daß Grenzw'ähle den Verkehr nicht hindern dürfen, daß, wenn irgend etwas internationale Bedeutung hat, das Verkehrswesen sie hat. Tabei muß bei aller Betonung berechtigter lokaler Wünsche die Vcrkehrspolitik über kleinliche Bezirlsintcrcsfcnvcrtrctung hinaus weitsichtig und großzügig sich nur von den allgemeinen Interessen bes großen Verkehrs leiten lassen. Tic Aenderung der Gießener Eisenbahnanlagen könnte radikal durch eine Verichiebung über die Lahn erfolgen, ein Riesenprojekt, das vielen sympathisch ist, aber zurücktreten muß, so lange man unter Belassung der Hauptanlagcn mit geringeren Mitteln, aber unter Vermeidung von Flickarbeit eine gründliche Besserung der jetzigen Verhälttussc erreichen kann. Als ein Hauptmittcl hierzu und zugleich als dringendste Aufgabe ist die Umlegung der beiden o b er he ssi s che n Linien zu nennen. Prinzipiell ist hierbei zu fordern: Frei- laiscn der Hauptstrecke Äassel—Frankfurt von lveiterer Belastung, also eigne Gleise, ferner: Vermeidung des gefährlichcit Einschnitts (schlüpfriger Ton, in der Lindener Mark, mit der Umlegung sofort Tovpclgeleise, Frcilassen des Geländes zwischen Wieseck und Gießen und zwischen Klein-Linden und Gießen als Baugelände. Tic natürlichst: Einführung der Fuldaer Strecke scheint die von Norden ber, der Gcjnhäu,er, die von Süden her zu fein, erstere von Großcn-Buseck an Trohe vorbei, hinter Wieseck her, zwischen Iol-annes- und Wellcrsburg unter der Staatsstraße durchstoßend und hinter dem Friedhof am Rodtberg am Nordende des Einschnitts auf den Hauptbahndamm einmündend. Als Vorteil bietet diese Umlegung: gemeinsamen Bahnhof für Allen-Bnseck, Trohe und Rödgen, Bahnhof für Wieseck, Verwirklichung der Hallcstcllc von Gießen-Noro Schwarzlach, später nördlich bis zum Schnittpunkt als Güter und Rangicrbahuhof Gießcn-Nord vorgeschoben, Ersparung von Wörtern, Straßcnübcr- gängen, Vermeidung des Militörschießplatzes: als Nachteil darf nicht verschwiegen werden: kostspielige Verbreiterung des Nord- dammes, Belastung ber Main - Weser - Seite des Bahnhofs. Einschaltcn möchte ich, daß im Interesse des Turchgangsverkehrs von West- nach Mitteldeutschland der doppelgeleisige Ausbau für Gießen bis Alsfeld und von da die neue Strecke Nieder-Aula bis Hersfcld (Bebra \> vorzuseben wäre. Ein Blick aus eine gute Eisenbahnkartc wird mir Recht geben. Tie Strecke Alsfeld bis Fulda bat nur als „PendKstreckc" Berechtigung und kommt dann mit einfachem Geleise aus. Schwieriger als die Nordeinsührnng gestaltet sich die Umlegung der Gelnhöuser Linie. Sic ist nur auszuführcn als große Umgehungsbahn mit Vermeidung des Waldes und der Haupt- strecke Gießen - F-ranksurt a. M. Folgende Lösung scheint mir die natürliche und der künftigen Entwickelung entsprechend zu sein: Neben der Koblenz Kölner Strecte bis Stellwerk XIII. (wo die neue Straße des sog. Bcrnhardthöuser-Viertcls entst.ht), bann um Klein-Linden herum, zwisck-en dem Haasschcn Kalkwerk und dein Wald durch den hohen Tamm der Hauptstrecke mit Richtung aus Leihgestern durckfgcstoßcn, mit möglichst nahem Anschluß von Leihgestern und Watzenborn-Steinberg auf die ncu- projekiicrte Haltestelle Garbenteich zu. Ter Nachteil des großen Bogens, ber sich übrigens bei allen Umführungsbahnen bei Vcrkchrszentren findet, wird ausgeglichen burd) den Anschluß von 5 bis 6001) Einwohnern (Klein-Linden, Leihgestern, Watzenborn-Steinberg , durch die Möglichkeit, die K'leebachtalbahn an Klein-Linden mit 5 Kilometer Ersparnis an zu hängen, ebenso das Projekt Grüningcn nsw. an Watzenborn-Steinberg leichter anzuschließen, und durch die namhaften Zuschüsse, die diese t'Kmeiitden sich r leisten würden zur rascheren Verwirklichung dieser Bahnverlegung. Tic Strecke von Garventeich bis zum Heyligcnstaebtschcn An- fchlußgeleise müßte als Stichbahn (Fabrik-, Industrie- und Waldbahn ohne Wär.er nsw.) bestehen bleiben. Hält man die Schwierigkeiten der Alsfeld—Fuldaer-Nord' 'Umführung für zu groß und anderfeits den Nachteil größerer Bogcnfül ruiig nicht für so schwcnvicgend, darin läge eS nahe, die Fuldaer Linie zusammen mit der Gelnhäuser Linie bis etlva Hausen südlich, mic vorhin beschrieben, auf gemeinsamem Dopf^l- gelcise herumzusühren und die Fuldaer Strecke etwa bei Hausen llbzuzweiche» und über Steinbach, Albach und Zwischen Opp. nrod u. B trrkl-ardsfeld. it bis etwa mitten zwischen Reiskirchen und Großcn- Buseck wieder in das alte Geleise cinzusührcn. AlS Nachieilc mürben sich ergeben, daß der Bahnhof Gießen Nord daun sehr fraglich würde und für Großcn-Bufeck eine Stichbahn für Güterverkehr bleiben müßte. Als Ergänzung wäre eine elektrische Bahn Gießen—Wieseck— Alten Buseck (Trohe) bis Großeu Buseck zu denken. Ms Vor- teile der Toppelsübumsültrung kämen in Betracht: Tic Main- Weser Seile des Bahnhofs Gießen bleibt entlastet, die Einteilung des Bahnhofs könnte bleiben, ba alles andere auf der obcrhcss. Seite sich abspielt, wo nur die Geleise Köln—Koblenz mit Gelnhausen, Fulda vertauscht zu werben brauchten. Man könnte auch hier die Kleebachtalbahn auf dem fünften Geleise einlausen lassen (also auf dem mittleren zwischen beit beiden anderen Paaren». Die kostspielige Veroreiterung des "Norbdammes mürbe vermied 'n, bis Haujeu über (öaibcitteich ein Doppelgelcisc gespart (etwa iA biS Wetzlar die Kölner und Koblenzer Steeden gemeinsam sind, und durch beit Anschluß der großen Orte Steuibach, Albach, Oppenrod und Burkhardssclden würde ein Teil des Projektes Gießen Van bad) verwirklicht (ber Rest des Projekts hat seit Grün- berg Lich starke Einbuße erlitten . Tie technischen Schwierigkeiten sind gering und die finanzielle Unterstützung der interessierten Gemciitdeit iväre gesid-ert, Gießen mürbe mit feinen "Aachbar- vrtsd,-asten im Süben in regen Verkeil, kommen und im Norden würde die elektrische Bahn das Gegenstück sein, der Lahnkanal mit Endhafen würde erhöhte Bedeutung erhalten bei direktem Anschluß an die Haupt und Umstchrungslinien. Ter Schwerpunkt des ganzen Güterverkehrs (zu Wasjer und zu Land» würde sich »ad) Klein Linden verschieben. Tie Kostensrage ist schwierig. In erster Linie ist eS Aufgabe des Staates, die Opfer zu bringen. Tic Stadt Gießen müßte für das sreiwerdcnde Baiigcländ. den Gegenwert zusteuern, aud) für die ideellen Vorteile einen Beitrag leisten die im Wert erhöhten Aulicgensgrundstückc ivürben später in F-orm derW.rl- auwad.sstcuer der Stab, einen Ersatz bringeni, die beteiligten Gemeinden müßten außer freier Gcländest'cllung ihr Interesse burd) namhafte llntcrftucnugeu zur Verwirklichung biejer Projekte beweisen. — Ter Lahnkanal ist allen Anzeichen nach voraussichtlich mit der Ausführung des Moselkanals zu erwarten. Ten beteiligten Regierungen liegen Projekte vor. Für Gießen ist der Endpunkt beö Kanals mit Hafenanlagcn von besonderem Wert. Als natürlidjcr Hasen kommt das Terrain in Betracht, bei dem daS Niveau der Bahnanlagen und der Wasserspiegel die geringste Tiiürcnj zeigi, also die Gegend des sog. „Heßler". Weil die Interessen von Klcin-Linben mit denen Gießens identisch sind, muß Klein Linden cingcmcinbct werden. Tann werden erst die zum Teil herüber- nnd binübcrfallmbcn Ländereien, die an fid) ziemlich wertlos sind, int Inter.«se ein s wirklichen End- hasenS voll ausgenutzt werden. Tic Verlegung bes Giuerbahn- IwfS nach Klein Lindener Feld, desgleichen d.r Betriebswerkst.ittcn, des Gasicrks mii Anschluß von Alein-Linden und eventuell Leuchell-eim uird die natürlidic Folge sein. Das Gelände der Margareleul,ütlc muß für die Erweiterung der Bahnanlagen frei bleiben, deshalb bar. dorthin daS Gaswerk nicht verlegt iverden Klein-Linden als Klein Gießen 3üb ist bic mit Bestimmt, heil vorauSzusagendc, natürlid;c Etttwickclung. Erwähnt sei nebenbei, daß man viel energischer den Bau einer norntalspurigen B o b n i n s K l e e b a ch t a l biS Brand- vderndorf betreiben sollte, ebenso den AuSdau der Biedert alb ahn zur Vollbahn mit Durchführung bis Bischoffen (an der Strecke Herborn—Nieder-Walgern) und mit Einführung in den Gießener Bahnhof (entweder mit, Steigung von der Lobnbrücke aus, am Bahndamm allmählich hinaufsübrmd, oder von Heuchelheim südlich abbiegend und über Klein-Lrnben in den Gießener Bahnhof einlaufend. Auch für das Projekt Mucke — Ulrichstein, sowie für die Durchführung der Rabenauzüge bis in den Gießener Bahnhof müßte man mehr Interesse zeigen. Ueber- haupt ist, wenn irgend möglich, anzustreben, daß auch die Nebenbahnen in den Gießener Bahnhof einmünden. In der Stabt selbst bilbet bie von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene elektrische Straßenbahn für die lokalen V.rkckrsbebürsnisse bie nötige Ergänzung. Die elektrische Bahn mit 2 Linien wirb erst nach Anschluß bcc Vororte Wieseck unb Klein Linden, also für letzteres erst nach ber Umlegung ber oberh-efsischen Linien ihren Zweck erfüllen. Die von Tr. E Reuning angeregte Einschiebung bes Bogens: Bank sür Handel unb Industrie und Theatcr-Rück'cite, Iohannesstraße (Bezirks- fparkassc, Schwesternstist, Gymnasium, Mitteldeutsche Er.bitbank, Iol-anneskirche, Goethestrase bis Universität, Ludwigstraße (Lber- Realschule und Realgymnasium) bis Ludwigsplatz in die Linie Bahnhof'—Licher. Straue (statt des teeren Stückes am Theater vorbei, Gartenstraße bis Ludwigsplatz halte ich für eine sehr glückliche Idee und eine Versöhnung mit der Svrnrnerschen Linienführung. Ter Umweg macht bei 20 Kilometer Fahrtgeschwindigkeit etwa 2 Minuten aus, bic Verbindung der Universität mit den Kliniken wäre — allerdings auf dem Umwege über den Marktplatz mit Umsteigen in die Selters.veg- später: Klein-Lindener Fortsetzung Linie dann nad) Umlegung ber oberhessischen Linien, oder vorher bei einer PenbKstreckc Bahnübergang—Klein-Linden gegeben. — Als Prinzip für den Betrieb selbst muß reichliche Fahr- gclcgcnh.it, DcrkchrSerleichlcrung und Betrübs insachheit gefor- bert merben. Man glaubt, ohne bei'onbcrc Schassncr auskommen zu könnei:: Zahlung erfolgt an den Wagen!enker ohne Ausweis. Es toärc vielleicht praktisch, für Passagiere, bic urnfteigen wollen, im Wagen einen Automat anzubr ngen, in bem sie UmfHgefarten lösen, bic bann dem Wagenlenker hc5 zweiten Wagens (wie bic 10 Pfg. bet übrigen Passagiere, einfach ausgehäubigt, bczw. von diesem in eine verschlossene Kassette zu den Barocträgen getan merben. Tics unb die Selbstkontrolle des Publikums wird die Anstellung besonderer Schaffner überflüssig machen. — Man soll in Gießen einen allgemeinen, großen unb großzügigen, wenn ick) so sagen bar". „Verkehrs"- Bauplan schaffen, bei beut bie Einzelheiten fo angesetzt werben, baß sie — wenn aud) nad) und nach ausgesührt — sich in bas Ganze im Sinn einer gesunden Weiterentwickelung einstigen. — , vom Grasen Zeppelin. In der Ersten württemb. Kammer wurde am Samstag m einem feictlichen Akte eine Ehrung des Grafen Zeppelin beschlossen. Nach Neben des Präsidenten Grafen NeichSberg und des Ministerpräsidenten Dr. Weizsäcker würbe e in ft i in m i g beschlossen, folgendes Telegramm an den Grafen abzusenden: Eurer Exzellenz beehre ich mich im Auftrage der Ersten Kammer die aufrichtigsten und herzlichsten Glückwünsche -u dem großartigen Erfolge ausziisprcchcn, den Eure Exzellenz durch Ihre unermüdliche und bewimbernsiDÜvbigc Tätigkeit errungen haben. Ihnen ist cs zn verdanken, daß das Problem der Lenkbarkeit ber Luftschiffe g e 13 ft ist, was Ihnen selbst, wie dem ganzen deutschen Reiche und besonders bem fchwcibilchen Lande zur großen Ehre gereicht. Graf Reichsberg. Außerdem wurde der Präsident beauftragt, dem Grafen Zeppelin am 8. Juli zu seinem 70. Geburtstage die Glückwünsche des HauseS darzubringcn. Auf das Glückivunsch-Tclegramm deS Kaisers an den Grafen, worin eS heißt, daß er dem genialen Erfinder nach wie vor die Stange halte, hat dieser wie folgt geantwortet: Euer Alajcslät danke ich aücnmtcrtäniflft ans tiefbewegtem Herzen Uir den allergnädigsten Gruß. Tat'‘Dextranen Ew. Majestät wird den Vorteil für Deutschland zu Tage fördern, der indem, ivas ich schaffen burite, liegt. Gras Zeppelin. In der württemb. Abgeordnetenkammer teilte Präsident v. Payer mit, daß ein Telegramm des Grafen Zeppelin ein- gelaufen sei des Inhalts: Tie Anerkennung der Zweiten Kammer erfüllt mich mit ganz besonderem Stolz und Tank. Ter in Friebrichshaven weilende Vertreter des preuß. Kriegsministert ums habe eine bcvorstch.tlb." bedeuten de Erweiterung des bisherigen Ln ftschi f f er- korps der denlschen Armee angekündigt. Der Lnlenburg-Prozetz. Hd. Berlin, 4. Juli. VI. Im Euleuburg-Prozeß wurde Justizrat B c r n st e i n heute vernommen. Er bekundet, der Mitchhandler Riedel sei aus freiem Antrieb mehrfach zu ihm gekommen. Er habe Riedel eindringlich ermahnt, iheng bei dec Wahrheit zu bleiben und ihm nur das zu sagen, was er genau wisse, und ja nichts ihm Erzähltes mit selbst Erlebtem zu vciivcchjeln. Riedel habe ihn zunächst nöl'ragt, ob er strafrechtlich verfolgt werden könne. Er habe Riedel bebentet, daß alles, was er mit bem Fürsten unternommen habe, verjährt fei. Riedel habe ihm dann ausführlich mitßctcilt, was er nut dem Fürsten unternommen habe. Ter Fürst habe ihm nach und nach 1 ;>00 Mk. gegeben. Er, Riedel, sei damals in München Soldat gewesen und habe ivährend dieser Zeit viel Geld gebraucht. Ter Verteidiger, Justizrat Wronker, fragt Bernstein, ob er Artikel für die „Älüuch. N. Nachi." geschrieben habe. Ter Zeuge verweigert hierüber die A n t w o r t. Ter Vorsitzende bemerkt, daß der Gericknshof eventuell werde beraten müssen, ob er das Zeugntszwangsversahren gegen B e r n st c i u amvenöcn müsse. Justizrat Wronkcr zog schlteßlick) feinen An- trag mit dem Bemerken zurück, daß er aus kollegialen Gründen auf die Beantwortung verzichte. Der jetzige Bergmann, frühere Cbcrmatrofc Tro ft als Zeuge auigcrii'en, bekundet: Ei war 1898 Stewart auf der faifeil. v)art)t .Hohenzollern" unb Hal mit dem Kaiser und dem Fürsten Euleii- lurg eine ^lordlandsreife imtgenmdit. Bei dieser (Gelegenheit soll der Aiigeklagte dem Zeugen u u j i 111 i ch e Aut r ä g e gemocht haben. Fürst Eulenburg beteuert, daß er den Zeugen überhaupt nicht kenne. Es muffe eine Personen-Verwechs- lung vorliegen. Tro ft hält Demgegenüber an feinen Aus- jagen fest. Alsdann wird der Sozius des Justizrats Tr. yeruftein, Rechts- amvalt Dr. Prager verhört. Er bestätigt im Wesentlichen bic Bekundungen Bernsteins bezüglich ber Erzählung des Riedel. Tie Verhandlung wurde gegen 3'/. Uhr auf Montag vertagt. Ta-3 Befinden bcs Fürsten Eulenburg l>at sich bisher nidjt gcbejscrt. Es k urbe bcslxtlb davon Abstand genommen, die »?ins- laLri ui dem Kranken-Automobil am gestrigen Sonntag zu unternehmen. Tic Beweisaufnahme ist soweit vorgcsdutttten, daß heute wahrfdieinlich die Haupxbclastungszcugeu Ernst unb Riedel vernommen werben können. Tie „Norrdd. Allg. Ztg." schreibt offiziös: In der Presse ist kürzlich die Behauptung alifgeta»,cht, der S p i v i 11 s m u s des Fürsten E u l e n b u r g habe höchst schädlich auf die Umgebung des Kaisers gewirkt. Se. Majestät seist habe epirinftifd)en Sitzungen beigewohnt unb lange Zeit in seiner Uhr cm Stück Zeug getragen, das angeblich bei einer Geislererscheinung zurückgeblieben iväre. Wir find ermächtigt, diese Angaben als' glatt erfunden Alt bezeichnen. 0 Arbeiterbewegung, Budapest, 4. Juli Zwischen b?r a -5 und den streikenden Gasarbeitern find U* gepflogen worden, bic rciultatlos verlaufen sind, obr kenden auf die 5vrDeran;, daß die entlaßenen 27 _ eingestellt würden, verzichte;.n. Tic Gasgescllfcbaft lieh, nur 600 ber Sirctfenbcn roieber annchmen z bie übrigen Stellen bereits anderweitig besetzt seiet- Paris, 5. Juli. Heute vormittag sand hier Vauxhall eine von 8000 Erdarbeitern besucht. Jung statt. Tie anwesenden Vertreter der Svndika! arbciicr und Elektriker erklärten 'ich bereit. Den Ge; stand anzuorbnen, falls bic Unternehmer bie Erdart sperren sollten. Goeteborg, 4. Juli. In Lvsekil kam es zu StTciftunbgcbungcn. Ungt :r 600 Mann ha., in ber vergangenen Nack, eine drohende Haltung angei Der Zuzug ?:i den Sd en ist versperrt. Tic Poliezi: wurden von den Bergen herab ununterbrachen mit Steil warfen. Heu.e riih kam das Kanonenboot „Shaeggalb" an um» landete einen Lffizier und acht Mann. Ter Sifijtrr ferberte bie Menge roieber bojt zum Auseinander gehen auf. Als bie Auf forbmmq mü Gelachter bcaiitinortti würbe, feuerten bie Soldaten blinde Sd üife, woraus sich bic Demonstranten in die Berge soll r - m Holzvfropfen einer Platz Patrone gelrvssen und verwundet worden sein. Tas Kanonen boot feuerte ebenfalls,-doch waren bic Schüsse nur aus bic Über fläche bcs Wassers gerichtet. " Konkurse in Hessen, lieber daS Vermögen des Fuhrmamis unb Laiidwiris Kinton Qaiierl in Ockenheim wurde am 17. Juni daS KankiirSveria ren gehilfe Wendel Funk in Bingen wurde zmu Koiilur---vcifi?allcr cv naunt. Koiiklirsfordcrungeu find bis zum 9. Juli bei dem Amtsgericht Bingen anzumelden. — lieber das Vermögen dcS Buchbinders Philipp G c v b r ach t in Wörrstadt wurde am 22. Inui das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsprakukant Landau tu Wörrstadt ivurbc jutn Konkursverwalter ernannt. KonkuiSfordcruugcu sind bis zum 8. Juli bei Dem Amtsgericht Wömtadt anzuineideu. — lieber das Bermögei, des Bäckermeisters Adam I c d c l in ©au Dem beim wurde am 24. Juni das Koiikursvcrfahrcii er* öffnet. Kaufmami Julius Bauer in BciiSheim wurde zuiii Kou- kilisvcrwalter ernannt. KonkurSfoiderniigcu sind bis zum 11. Juli bei dem Amtsgericht Bensheim anzumelden. — lieber das Vermögen des BäckeittneifterS Ludwig Balser m Friedberg ist am 1. Juli das KouknrSversahrcu eröffnet. Rcchlsamvalt Keller in Friedberg wurde zum Konkiirsveiwaltcr ernannt. Konkurs- fprbcnmnen sind bis zum 27. Juli bei dem Amtsgericht Friedberg anjumclöcn. Lingefanor. Für Form und Inhalt eilet ... . i .. Rubrik liebe üben Artikel i:bcrn. :::! die Redaktion dem Pnb'.ikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Lollar, 3. Ilili. In letzter Zeit ist cs mehrfach vorgekommeii, daß unsere W a s s e vl c i tu n g plötzlich versagt. Tadiuch entftebt natürlich icdcsmal große Bcrwiirmig, uunat bei der jetzigen Hitze anbauernD Wasser gebrau Ist wirb. Es vt uns nicht bcfnunl, ob das Wasser abqcücllt wird oder ob keins vorhandcn. Ist ersteres der Fall, dann »väre cs doch Psiidit des Waffcrmeislers, dies bei Bürgermeisterei auzuzcigen, damit c5 den Einwohnern bekannt gegeben würde. Eine Reinigung des Reservoirs müßte aud) wohl in einer Zeit hattfinben, wo man kein Wasser benötigt, entweder vor sechs Uhr morgens ober nach acht Uhr abends. Für Politik in Vertretung verantwortlich: P. Witt ko. Meteorologische Beod tchtniigeu der Station (dienen. Juli 1908 ~Saronictci aui 0° reduziert Temperatur der Lust Absolute Fcuchtigkc.i Relative FcuchNgkcii cs j i , Windstärke Wetter 6. • 2” 747.3 20,2 10.2 57 w 4 Bew. Himmel 5. ! 9» 747,9 16,6 10,6 r. Schäfer, Sonnensrr.3 5-Zimmcr LLobuung zu verm. 4153) Gr. Steinwcg 24, ^käl). vart. Kaiser-Allee 35, ist eine 5-Zimmer-Wohnung mit allem Zubehör per 1. 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