Nr. 105 Der Sletzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SichenerZamilienblätter; zweimal wöchentl.Areis- vlattsSrden Ureis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- wtrlschaftitche Settfragen Fernsprech • Anschlüsse: hu die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse tür Depeschen: Anzeiger Gießen. Lnnahme von Anzeigen tüt die TageSnummer dir vormittags 10 Uhr. Erstes Blatt 158. Jahrgang Dienstag 5. Mai 1908 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Rotationsdruck und Verlag der vriihl'scheir Univ.-Buch- und Steindruckeret. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchuistrahe 7. Bezugspreis: monatlich 75M., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Alk.2.— viert el- lährl. ausjchl. Bestellg. Zeilenpreis: lokcElbPf^ auswärts 20 Pfennig. Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; s. Feuilleton und „Vermischtes" P. Wittko; sür ,©tabt u. Land" und „Gerichtssaal": E. £cb; für den Anzeigenteil: H. Beck, Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. Krieg mit Afghanistan. Der neueste Aufstand an der indischen Grenze scheint nur das Vorspiel zu einem ernsten Kvnslikte zwischen England und Afghanistan zu sein. Tie Lage wird als sehr ernst geschildert. Man befurchtet einen offenen Krieg mit Afgha- n ist an. Ter Times wird aus Simla gemeldet, daß seit dem Angriff auf Landikotal tatsächlich schon ein inoffizieller Krieg mit Afghanistan geführt wird. Eine afghanische Bande, bestehend aus 15 bis 20000 Mann, die Freitagnacht die Grenze verlassen hatte, versuchte am Samstag ein Blockhaus und eine Karawanenstation am Michusslusse- zu überrumpeln. Ter Angriff währte die ganze Nacht bis zum Morgen. General Wilcox griff gestern früh die Afghanen auf den Hügeln westlich von Lauditotal an, wobei er nuc auf geringen Widerstand stieß, da der feindliche Führer gleich zu Beginn des Gefechtes entflohen war. Tie Afghanen wurden sämtlich über die Grenze geworfen. Auf englischer Seite wurden ein Offizier und zwei Gemeine verwundet. Von verschiedenen indischen Maharadschas werden der Regierung Truppen angeboten. Von offiziöser englischer Seite wird die Lage freilich einstweilen noch als leineswegs bedrohlich hingestellt, aber wenn man dem gegenüber die Privatmeldungen aus Indien in Betracht zieht, daun kann man in der Tat an den Kriegsabsichten des Emirs von Afghanistan kaum noch zweifeln. Um die Haltung des Emirs zu verstehen, muß man sich vergegenwärtigen, daß der jetzige russisch-englische Vertrag ihm als eine Bedrohung erscheinen muß. So lange Rußland und England in Afghanistan Rivalen waren, könnte dieses Land sich verhältnismäßig sicher fühlen. Ter neue Vertrag aber stellt Afghanistan unter die Bevormundung Englands, und das ist es wohl, was dem jungen tatkräftigen Emir die Lage unerträglich macht. Stimmungsbild üüs" öem Neichstage? Berlin, 4. Mai. Kehraus! Die Gesctzgcbuiigsmaschiue arbeitet mit Dampf, beim man ivill nach Hause. Drei wichtige Gesetze erledigte man in der siebenstündigen Sitzung in zweiter Lesung, und ihre endgültige Verabschiedung erwlgt schon morgen oder übermorgen. Jm'tetzteu Teile der Sitzung mutzle Herr Sydoiv als ochildhalter der Regierung recht unwirsche Worte hinnehmen wegen ihrer Haltung bei den B e s o l d u n g s w ü n s ch e n d e r B e a m t e n s ch a s r, deren Hinaus- jchieben auch die Teuerungszulagen als solche zu einem Stückiverk macht. Von einem testimonium paupertatis der Regierung sprach der Freisinnige vr. Eickhoff und er meinte es im wörtlichen und im übertragenen Sinne, und der Stationalliberale B e cl-He>delberg richtete an fte die ernste Mahnung, wenigstens im Herbst nicht zu versagen mit) der bösen Stimmung in den Kreisen der Beamten Rechnung zu tragen, die Verbillerung nicht chronisch iverden zu lassen. Dieselbe Melodie variierten Konservative, Zentrum und Sozialdemofratcu, aber man in ;m schließlich Die 23 Millionen für die Beamten, weil dem Nein des Herrn Sydoiv ein Mehr nicht abzuringerl ivar. Derselbe Herr Sydow dürfte zu Beginn der Sitzung recht sreui-dliche Worte des Tankes, der Befriedigung und der Anerkennung entgegennehmen, und das gleichfalls bei einer Vorlage, bei der es sich um Beihrlsen für die Beamten handelt. Freiilch nur für die Beamten in den O ft m arte n. Hier hatte kaum noch jemand darauf gerechnet, daß die Resolution des Reichstags, die zu einer Aktion des Blockes gervorden ivar, noch in diesem Jahre den Reichsbeamten an der östlichen Grenze zu der Zulage verhelfen wurde, die ihre preußischeu Kollegen schon seit Jahren beziehen. Aber Herrn Sydoiv ist es doch noch gelungen, seinen einzel- staatlichen Kollegeii die hierzu erforderliche Million abzuknöpsen, und daran, das; die verlangte Unividerruslichkeit nur sür die Dauer eines Rechnungsjahres zugestanden ivird, nahm von den Blockparteien keine Anstoß; man überließ es dem Zentrum, dem Ingrimm über seine Kaltstellung auch bei dieser Gelegenheit Ausdruck äii geben, und der Sprecher der lmksliberalen Fraktionsgemeiuschaft Dr. Pachnicke begnügte sich damit, noch einmal in kurzen Worten die Gründe zu markieren, die die Freisinnigen zur Leivilligung Der Zulage sichren mußten. Das dritte Gesetz, das zwischen den beiden Beamtenvorlagen erledigt wurde, ist die neue Ai aß- u n d G e w i ch t s o r d n u n g. Drei Jahre hat der Enttvurf den Reichstag beschäftigt, so gründlich und eingehend, daß maii bei dieser recht schwierigen Materie von einer KonunissionSberatung doch abseheii zu können glaubte. Und es ging auch so. Etiva ein Dutzend Anträge wurde in der heutigen zweiten Lesung gestellt, aber sie alle fielen unter den Tisch und die Vertreter der Gemeinden mit Eichämtern, die nunmehr v e r st a a t l i ch t w e r d e ir s o l l e n , w a r e n s ch l i e ß l i ch zufrieden mit der Zusage möglichster Schonung der kommli n a l e n F i n a n z e n u n d Gewohnheiten durch die Regierting. In der Frage der Eichmtg der Förderwagen im Bergwerksbetriebe Hatteil die Sozialdemokraten Anträge gestellt, deren Undnrchsühr- barfeit der Vertreter der Pretißischeil Vergverwaltung überzetigend nachwies. Deut-ches Ncöeh. — Zwischen Preußen und Bayern haben auf Grund neuerlicher beiberfeitiger Vorschläge in Weimar Konferenzen wegen einer deutschen Güterwagengemcinscyaft stattgefunden. Sie bezogen sich, wie die „M. N. N." melden, in unverbindlicher Meise zunächst auf den Teilungsschlüssel und die rechnerischen Grundlagen. Die Verhandlungen weco.'n fortgesetzt und versprechen, zu einem guten Endergebnis zu führen. — Dem Staatssekretär T r. R i c b c r b i n g, der seit dem Jahre 1893 bas Reichsjustizamt verwaltet, sind aus Anlaß seines 70. Geburtstages zahlreich briefliche und telegraphische Glückwünsche zugegangen. In erster Linie gedachte der Reichskanzler Für st v o n B ü l r> w von Vencbig aus seines langjährigen Mitarbeiters in der Reichsregierung. Den persönlichen Beglückwünschungen, die ihm in nicht minder reicher Zahl zug.'dachc waren, hatte sich der Staatssekretär durch eine kurze Erholungsreise entzogen. — Tie sozialliberale Vereinigung für Rheinland-Westfalen hat in Essen ein Vertrauensvotum für Dr. Barth beschlossen, bleibt jedoch in der freisinnigen Vereinigung, um den durch den Austritt von Barth und Genofsen geschwächten Partei',lüget nicht noch mehr zu schwächen. — Der Schiedsspruch für das deutsche Baugewerbe wurde in Berlin auch von allen Arbeitnehmerorganisationen angenommen; dadurch ist der Friede im deutschen Baugewerbe bis 1910 gesichert. — P r o f. Schnitzer in M ünche n. Wie Jetzt feststeht, wird Professor Schnitzer nicht wieder auf seinen Münchener Lehrstuhl zurückkehren. — Abtretung der W a l f i s ch b a i an Deutschland. Einer Meldung eines Kapstadter deutschen Blattes zufolge sollten zwischen den zuständigen deutschen, englischen und Kapinstanzen Verhandlungen über bte Zukunft der Walfischb ai, d. h. über ijrc eventuelle Abtretung an Deutschland gegen Zugeständnisse in ber Frage der Bagdadbahn eingeleitet worden seien. An dieser Meldung ist, wie die „Tagt. R." von zuverlässiger südafrikanischer Seite erfährt, etwas Wahres. Man werde nicht sehlgehen, wenn man dem bevorstehenden Besuch des Kvlonialstaatssekretärs in Kapstadt auch vom Gesichtsvunkte der Frage der Walfischbai aus besondere Bedeutung bei mißt. Ausland. Der Herzog v o n E u m b cr l a n d hat bekannt gegeben, daß er un nächsten Monat, wenn Die Satzkammergnlbeivohner Dem Kaiser Franz Joses gelegentlich seiner Fahrt ztun Somuteransentyalt in Ischl ihre Huldigung zum Jubiläum Darbringen, mit feiner Familie und seinem gesamten Hofstaat ebenfalls erscheinen uni) Dem Monarchen aus dem Wiener Bahnhof bulingen wolle. Der Fü h r e r d e r I u n q t s ch e ch e n H os r a t D r. H e r o l d ist letzte Nacht int Alter von 58 Jahreit in Prag gestorben. Der Reichskanzler F ü r st B ü l o iv ist mit Der Fürstin, begleitet von dem GejaitDten von Flotoiv von VeneDig abgereift E t n e n g l t j ch e r H e l; a p o st e l. General Baden-Poivell, einer der wenigen englischen Offiziere, Die sich im Burenkrieg aus- zeichneten, hielt gestern in Newcastle ornTyue eine Rede an die dortigen Offiziere unb Unteroffiziere ber neuen territorialen Armee, in welcher er ausführte, daß die G e f a h r e in e r D e u t s ch e n Invasion Englands v o r l i e g e. Deutschland sei der natürliche Feind Englands. In Hamburg lägen genug Schiffe, um 120 000 Alaun m dreißig Stunden an Bord zu nehmen. Die deutsche Flotte sei genügend kräftig, um die Meerenge von Dover zu blockieren. Diese Gefahr zwinge England, die neue territoriale s2lrmee anszubilden, um im Ernstfälle gerüstet zu sein. Eine Gemeinde, die nicht wählen will. In der Gemeinde Riols im Departement Hstantt konnte feine Wahl statt- finben, da fein Kandidat aufgestellt und auch fein W a h l- b u r e a n vorhanden war. Diese Ortschaft ist bereits seit einem Jahr ohne Bürgermeister und Gemeinberal und will auch weiterhin in diesem Verhältnis bleiben. R e p li b l i k a n i s ch e E i n f a ch h e i t. Ter Senat der Vereinigten Staaten hat den Einkauf von eigenen Gebäuden für Die amerikanischen Botschaften im Auslande abgelehnt, cr verlangt, daß man auch fernerhin bei der republikanischen Einfachheit verbleibe. Die Lage in Persien. Tie „Times" meldet ans Teheran: Tie Situation in Persien ist ernst, die Provinz Aserbeidschan hat sich für unabhängig erklärt. Tie Streitigkeiten zwischen Peru und .Columbien wegen des strittigen Geländes am Rio Porlonayo dauern fort. Nach den letzten amtlichcit Nachrichten ans Hanaos hatte dort eine wirkliche Schlacht stattgesimden, bei der 50 Menschen gefallen sind. Das 5» jähr. DienWbsläum bes Geh. Regierungsrats Schönfeld zu Schotten. (Originalartikel des „Gieß. fMnj.") (Schluß.) Wenn ich nun weiter über den Sonntag, den Hauptfesttag, berichte, so muß ich mich sehr kurz sassen, der Bericht würde andernfalls eine ganze Zeitungsnummer ausfüllen. Um 10 Uhr begannen die Gratulationen, als erste Abordnung überbrachte der Stadtvorstand feine herzlichsten Wünsche, Andere Gratulanten folgten, die Herrsckwften des Licker ind Lau- bacher Hauses fuhren vor. Unablässig füllte sich das Kreisamtsgebäude, wahrend draußen die Kapelle der 61 er konzertierte. Tie Bürgermeister des Kreises Schotten überreichten durch eine Abordnung ihr Gruppenbild, ber Kreis Schotten ließ einen goldenen Becher überreichen; vom Bczirkskriegcr- v er band wurde eine künstlerisch andgearbeitetc Adresse mit Ernennung zum Ehrenmitglied überreicht; während Der Landwirtschaftliche Bezirksverein Schotten ebenfalls eine Ehrenurkunde mit Ernennung zum Ehrenmitglied überbrachte, ließ der Pro- vinzial-Ausschuß ebenfalls ein Gruvpenbild durch Provinzial bireiior Geheimerat Dr. Breidert übersenden. Tic israelitische Reiigionsgemeinbe Schotten sanbte ein hübsches Blumen-Arrangement, während Kreisrat von Bechtold in Lauterbach eine Photographie seines Großvaters, des früheren Staatsministers von Bechtold überreichte, bei dem Geh. Regierungsrat Schönfeld seinerzeit seinen Akzeß gemacht hat. Neben den vielfachen Gratulationen wurden noch andere Zeichen der Liebe unb Hoch- schätznng überreicht. Wir wollen hier noch erwähnen, daß am Samstag abend eine Anzahl Gießener Herren zu Ehren dcs Geheimen Regierungsrats Schönfeld auf dein » o h e r obs - köpf ein Freudenfeuer abbrannten. Das e j't esse n int Hotel zur Post bereinigte etiva 100 Teilnehmer, wobei ver- schicbene Reden gehalten wurden und nanicnrltd? bieieniae de- Provinziutdir^ttoc.' Geheimerat Dr. Breidert hervorgehoben zu werden verdient. Nach dem Festessen schritt der Jubilar mit seiner Umgebung die Front der inzwischen zur Aufstellung gekommenen etwa 1100 Kriegervereinsmitglieder ab, worauf sich der Festzug zur Turnhalle bewegte. Kaum vermochte die Halle unb ber überbuchte Garten bic Fest'.eilnehmer zu fassen. Einer Begrüßungsansprache folgte solgenbe Festrede von Professor Dr. Biermcr -Gießen: Die heutige Feier, bic frohe Teilnehmer von nah unb fern hier zusammengeführt hat, trägt ein ganz eigenartiges Gepräge. Sie verrät trotz ber großen Zahl der Festgenossen in allen ihren Programmounkten einen gewissen intimen, ja familiären Zug. Und in der Tat sind die heute von allen Seiten so herzlich bci gebrachten Glückwünsche bem väterlichen Ober Haupte eines btnhenben Kreises, bem erprobten Meister einer erfolgreichen Beamtenschulc, dem allverehrten Mittelpunkte einer stattlichen Gemein-be von anhänglichen Freunben unb aufrichtigen Verehrern geroibmet. Unser Herr Jubilar stellt in seiner langjährigen, reich gesegneten Wirksamkeit eine besonbers glückliche Vereinigung einer älteren, mehr patriarchalischen Periode, mit ber bes ntobern unb rasch pulsierenben, großzügigen Staats- lcbenS unserer Zeit bar. Viele Patrioten, die in der Volksseele zu lesen gelernt haben, sehnen sieb gelegentlich nach jener Zeit zurück, wo man die Interessen aller Art und die Eigenart eines kleineren Gemeinwesens, des Teilverbandes des ösfent- lichen Organismus, in dem obersten Beamten dieses Bezirks verkörpert wußte, so daß der Kreis- ober Lanbrat mit ben Kreiseingesessenen eng verwachsen war unb mit ihnen bauernd als ihr berufener Sachwalter verbunden blieb. Durch diese Prokfiüerfantmhing des Deutschen Goethe-Bundes. Aus Berlin, 3. Mai, wird uns geschrieben: Unter zahlreicher Beteiligung von Schriststellern, Künstlern, Politikern unb auch Damen trat heute der Deutsche Goethe- bund zusammen, um gegen die Angriffe auf die Freiheit der Wissenschaft und K u n ft zu protestiere n. Sämtliche 14 Goethebünde des deutschen Reiches waren vertteten. Die Versammlung wurde von Ludivig Fulda geleitet. Er begrüßte die Erschienenen. Die Freiheit, der sich jetzt Kunst und Wissenschaft erfreue, gleicht nur der Freiheit des entlassenen Sträi- kings, der unter Polizeiaufsicht steht, und der jeden Augenblick ioieber ins Loch gesteckt werben kann. Wir leben aber in «inent Zeitalter des Autos, nicht in dem des Anto-dafe. Wir vollen zurück nach dem Fridericianischen Zeitalter-, als noch jeder Mch seiner Fasson selig werden konnte. (Lebh. anhaltender Beifall.) Reichslagsabg. Prof. Stengel (Greifswald), besprach die ßage der Universitäten. Der Staat besolde die Be- tinten und er glaubte daher auch das Recht beanspruchen zu dürfen, daß sie sich nach seinen Wünschen richten. Tie volge seien Konflikte mit freiheitlich denkenden Männern. Ter Sfonn, beer am schlimmsten in biefer Bezichuirg gesündigt hat, Gtubt, ist nicht mehr im Amte. Hoffentlich wird nun em anderer ^eist im prcuß. Kultusrninisteriuni herrschen. Tie Selbständig- >nt der Universitäten darf nicht angegriffen werden. Sic ist aber licht nur voni Staate bedroht, sondern auch von ber Kirche, vreimülige Männer wie Ehrhardi (Straßburgj. Ermann (Münster) xrd Schnitzer (Ntüncheni mußteii schließlich nachgeben, nwil der vtaat und die Oesfcntlichkcit sie nicht stützte. 5)ier muß Wandel öejchaffen iverden. , , Mit lebhaftem Beifall begrüßt, sprach dann Reichstagsabg Naumann über das Schul w e s e n: Ter Goet^-Bund teill die Stimme der Bildung sein. Wir brauchen diese Lrgaiü fetioncu, weil die Gebildeten sich um die öffentlichen Dinge nicht kümmern. Da kommt einmal em Augenbltck, daß ber Gebildete anfwacht und sagt : Was tut Ihr ba? Das geschieht, wenn der Theaterdichter nicht mehr dichten barr, wie « will. Tie Gebildeten befümmem sich nur um das, was sic Vwsönlich angeht. Was liegt ihnen daran, wie in Preußen re- S'.ert wird. So kommt eine Politik zustande, für bic ein milder anb persönlich nicht einmal abstoßender Ausdruck Herr Studt tjy, Er Ivar nur eine mildernde Auflage der prerchischen Volksvertretung. Ta verlarrgt man vom Kultusminister ein freiheitliches Regiment. Es gibt Gebildete, für die fängt der Mensch erst oberhalb des Oberlehrers an. Was da unten ist, das ist Volksbildung, sür die da unten wird eine besondere Bildung besorgt. Und wenn dann die Voltsschule vertäust wirb, bann sagen die Gebildeten: Was kann ich d.'iin dafür? Das prcuß. Volks- schulimt.rt-aliimgsgesetz ist nun in Kraft getreten. Turcy dieses Gesetz sind böse Gewohnheiten gesetzlich feftgetegt. Tic Schule ist konsessionalisiert voorden. Es gibt leine Individualität inehr. Alles ist konfessionell, und oben drüber singen die Cherubim. Tie Gesinnung ivird so leicht gcivechselt, wie es die 9)ia je (täten mit der Uniform hin. Tic Religion muß bem Volke erhalten bleiben, wer an nichts glaubt, unb wer nicht einmal für etwas leiben kann, mit bem ist nichts anzufangen. Wie steht cs mit ber Bilbung des Volkes? Ein Student kostet 700 Mark pro Jahr, ein Gymnasiast 200, ein Volks- schü 1 cr in Preußen 47 Mk., im Reiche 51 Mk. Was kann für durchschnittlich 1 Mk. pro Woche an Bildung geleistet ivcrben? Wir werden nur vorwärts kommen, wenn die Gebildeten sich ans sich selbst besinnen. Stürmischer Beifall. Prof. Muther (Breslau bespricht die Beschlagnahme einer Nachbildung einer Gruppe von Begas, Die auch die Venus zeigt. Man dürfe der Staatsanwaltschaft nicht ohne weiteres Zelotismus und Ignoranz vorwerfen, denn das Bild befand fich mitten in einer Serie „Berlin bciNachll'. Auch der Patriotismus bat nichts mit ber Kunst zu tun. Die Bilder von Mitgliedern des angestammten Herrfcherhanscs gehören nicht in die Museen. Die Nationalgalerie ist fein patriotischer Biloerspeiche:, keine Ruhmeshallc. Ob ein Künstler einem noch so l)ohen Dilettanten mißfällt, ist ganz belanglos. Wir müssen unsere Kinder an- lernen, daß sie die schöne Nacktheit in ber Kunst mit unbefangenen Augen ansehen. Tarauf nahm Otto Ernst (Hamburg) das Wort: Holle, der neue preuh. Kultusminister, hat mit einem Kampfe gegen die Gescllf ch ast für Volksbildung begonnen, nach- dem bic Liegnitzer Regierung ihm dabei den Steigbügel gehalten hatte. Holle hat erklärt, die Liegnitzer Regierung habe sich tadellos benommen. Die preuß. Regierung hat sich mit der Tadellosigkeit ein Armutszeugnis ausgestellt. Jeder Mensch muß sie bejammern. Holle will nur diejenigen Leute vor schlechten Büchern schützen, die nur Halbbildung haben. Es ist dieselbe Geschichte rote mit dem Mttestttsterungs.-Paragraphen. der nur ein Paragravh zur rauchlosen Ketzerverbrennung ist. Was ist denn .Halbbildung? Ich glaube ein Zehntelgebildcter zu sein, und ich suche mein ganzes Leben lang schon einen ganz gebildeten Menschen. Ist Herr v. Pvdbielski ein solcher, Herr Studt? Unb wo soll das Volk sich Bilbung herholen, wenn Holle die Bollsbibliothcten schließt und ben Schlüssel in bic Tasche steckt? Ganz abfchließen kann er bic Bildung doch nicht mebr, ba hätte er bic Mühe nicht scheuen dürfen und hätte 500 Jahre früher auf stehen müssen. (Heitcrkeft.- Warum nimmt man nicht Hackel und Harnack ins preußische Ministerium? Enlfveber würden die anderen Herren etwas von ihnen lernen, oder sie selbst würden im Regierungshimmel gereinigt werden. (Lebh. Beisall.) Tr. Conrad (München , der über den Klerikalismus sprechen sollte, war durch .ücankheit verhindert und sandte ein Begrüßungstelegramm. Schriftsteller Wilhelm Bölsche (Frie- drichshagen) sprach über die Fesselung des Geistes und die Vor- lxrrfchast der Polizei in Preußen. Geh. Justizrat Prof. v. Liszt iCl-arlottcnburg behandette Die Rückständigkeit auf dem Gebiete der Strafrechtspflege. Darauf wurde von Fulda die Versammlung geschlossen * — Kleine K u n fr chronik. Herzog Georg von Meiningen genehmigte ben H o f t h e a k e r b a up l a n bes Hosbaumelsters Behlert-Meiningen und beauftragte diesen mit dem sofortigen Wieder- aufbait. Das Gebäude wird un korinrhischen Stil gehalten sein und zwei Range l)abcn. — Die in 21 e n ß verstorbene Witwe Dr. Clemens Sels, geb. Hofsstadk, v e rin ad) te 4)ev Stadt Neuß 259,000 Mk. für den Ban eines Museums, außerdem sehr wertvolle Kunst- s a in mlunge n. DaS Waisenhaus in Neuß erhält 20,000 Aiark, ber Valerländische Frauen-Verein 20,000 Alk., der Wöchnerinnen- vercin 20,000 Alk., das Gymnasium und tue Oberrealschule 20,000 Mk als Etipenbiensliflung, bte Väter vom Heiligen Geist-unb die Abtei Knechlfteben ebenfalls 20,000 Alk. — Die,'New-York Staatszeitung" meldet, die Unterhandlungen eines Unternehmens wegen einer Amerikatour Sigf rieb Wagners mit bem berliner p h r l har in o n i scheu Orchester seien dein Abschluß nahe, rzrau Cosima Wagner ivird wohl ihren Sohn begleiten. — Dem Maler Otto Heinrich Engel in Berlin ist vom preußischeu KilUusminisler der Prosessortilel verliehen worden. Engel wurde geb. 1866 zu Erbach i. Odenwald. — Die Berliner Liedertafel gab am Montag in Konstantinopel ein Konzert. Verschmelzung örtlicher und persönlicher Beziehungen wurde eine feste Tradition geschaffen, die die politischen und gou- vememcntalcn Strömungen und Wandlungen des Tages überwand und überdauerte und so ein gewisses berechtigtes konservatives Element im besten Sinne des Wortes, ohne das ein gesunder und haltbarer Fortschritt im Staatslcben kaum denkbar ist, lebenskräftig erhielt. Wer erinnert sich nicht icner anheimelnden politischen Zustände, wo ein Königlich PreuMicher Landrat, wie v. Meyer-Arnswalde, die Interessen seines Streif es inner- und außerhalb des Parlaments selbst seinem Chef, dem allmächtigen' Ministerpräsidenten gegenüber, rückhaltslos unb freimütig, ohne nach rechts oder links, nach oben oder unten zu schielen, vertreten durfte und die reichen Erfahrungen, die er in enger Fühlung zu den Kreisinsassen gesammelt hatte, den zentralistischen Bestrebungen und einer allzugroßen ministeriellen Bevormundungstaktik, die vom grünen Tische diktiert wurde, gegenüberstellte, gleichzeitig aber alle etwa auskommenden Gegensätze durch schlagfertigen Humor und untrügliche Menschenkenntnis, sowie durch die überlegene Weisheit des geschulten Praktikers zu mildern und auszugleichen verstand? Ein hessischer Meyer-Arnswaldc ist unser verehrter Schon- seld-Schotten geworden. Er nimmt in dem kleineren Hessenland dieselbe charakteristische Stellung ein, wie sein berühmter altpreußischer Kollege, der, obgleich schon seit Jahrzehnten abberufen, noch heute bei politischen Feinschmeckern unvergessen ist. Ein volles' Vierteljahrhundert wirkt Herr Geheimrat Karl Theobald Schönfeld als Kreisrat in Oberhessen, das ihm, dem Sohn des lebenslustigen und frohgemuten Rhein- landes, eine zweite liebe Heimat geworden ist.. Von seinen fünfzig Dienstjahren kommen über dreißig, also ein ganzes Menschenalter, auf die Provinz, die sich heute anschickt, dem jugendfrischen Greise in Dankbarkeit und Verehrung ihre Huldigungen darzubringen. Unser Schönfeld, der in Oberhessen wie kaum ein anderer bodenwüchsig geworden ist, dafür aber auch getragen wird von der Liebe von Tausenden, hat nie den landläufigen Ehrgeiz des Beamtens der zielbewußt aufwärts strebt, an den Tag gelegt, und man muß auch unserer Staatsregierung aufrichtigen Dank dafür zollen, daß sie das Oberhaupt des hiesigen Kreises trotz seiner hervorragenden Veitwaltungstalente in dem Wirkungskreis, für den er nun einmal wie geschaffen war, belassen hat. Das' Mnisterium wußte freilich sicher, daß es damit auch dem eigenen Interesse diente, denn es verfügte über einen „ehrlichen Maller" zwischen den Interessen des Ganzen und eines Teils desselben. Unsere Regierung konnte nie im Zweifel darüber sein, daß der Schottener Kreisrat auch dem Staatswillen mitt kräftiger, niemals aber mit bureaukratischer, Hand, also gerade so, wie man es von alters- her gewöhnt w:ar> Geltung verschaffte und dem gesunden Ausgleich der Regierungspolitik mit einer freieren Selbstverwaltung — stets auf vernünftiger Grundlage und nach bewährten Grundsätzen — sich, untei^uordnen verstand. Auf diese Weise gelang unserm Jubilar ein Doppeltes: dr blieb ein treuer und geschickt arbeitender Diener seines Souveräns und eine zuverlässige Stütze der maßgebenden Zen- tralinstanzen. Auf der anderen Seite machte er, da er selbst sich einer Popularität sondersgleichen erfreute, auch die Maß- nahmen und Reformen des von ihm vertretenen Staats populärer und annehmbarer. Solche seltenen Männer braucht besonders unsere heutige Zeit, wo alles im Fluß ist und täglich neue staatlich^ Aufgaben erwachsen ober wenigstens zu erwachsen scheinen. In dem entlegenen Städtchen Schotten aber,, auf den Höhen des Vogelsbergs, erwuchs unter Schönfelds pädagogischer Leitung eine angesehene Ausbildungsstätte zukünftiger und zünftiger Verwaltungsbeamter, und seine vielen Schüler erinnern sich gewiß mit Freuden dessen, was sie ihrem Lehrer und väterlichen Berater zu danken haben. „Wir alle" — so heißt ein gesticheltes Adinisterwort — „sind Meister Schönfelds Lehrlinge und Gesellen gewesen." Es kann nicht meine Aufgabe sein, alle Verdienste, die sich Herr Geheimrat Schönfeld um Stadt und Land erworben lmr, die aber glücklicherweise handgreiflich zu Tage liegen, aufzuzahlen und zu würdigen. Sie sind ja allgemein bekannt und erstrecken sich auf alle erdenklichen (Gebiete des verwaltungsrechtlichen Regiments. Rur das eine will ich hervorheben, daß der Kreisrat vorn SckDtten besonders nach finanztechnischen Grundsätzen, wie sie kaum besser sein könnten, jahrzehntelang sorgsam geschaltet und gewaltet hat und gar manche bedürftige Gemeinde auf eine solide finanzielle Basis emporgehoben hat. Rur leise andeuten will ich dabei die weitere Tatsache, daß der edle Philanthrop jederzeit mit eigenen Mitteln tatkräftig mit- hals und auch sonst, ohne daß die eine Hand wußte, was die andere tat, mancherlei Rot im Stillen gelindert hat. „Edel sei der Mann, hilfreich und gut!" war seine Devise, und sie befruchtete das schöne Feld seiner stillen Tätigkeit. — Es gibt keinen Politiker und Patrkoten von Namen, der die enorme vaterländische Bedeutung der Krieger- und Veteranen- »ereilte verkennen wird. In jener Zeit, wo die deutschen Armeen ihre glorreichen Siege erfochten, bedurfte es einer Belebung unseres Sinnes für das stolze Volk in Waffen nicht. Aber nachdem wir Deutschen länger als ein Menschenalter im Frieden gelebt, ja der Kulturwelt den Frieden diktiert haben, gleichzeitig aber gefährliche. Mächte, an der Wühlarbeit sind, tun unser Heer mit sozialistischem, llafsenverhetzendem Gift zu durchtränken und den Sinn für militärische Autorität und Disziplin zu untergraben, ist die Bedeutung der Kriegervereine ganz außerordentlich gewachsen. Sie sind geradezu eine nationale Macht geworden. Das hat niemand rechtzeitiger erkannt als Geheimrat Schönfeld. Auch nach dieser Richtung hin ist der Schottener Kreisrat, als tatkräftiger und zielbewußter Förderer des Kriegervereinswesents seines Wezsirks, das Muster eines modern gerichteten Verwaltungsbeamten geworden. Auch sonst hat er es verstanden, den Reichsgedanken in allen Bevölkerungsschichten zugkräftig zu erhalten. Ein Blick in die heutige Festversammlung lehrt uns, welche ungewöhnliche Verehrung unser Jubilar gerade in den Kreisen _ber reichstreuen Veteranen genießt, und ich bin Ihrer aller Zustimmung gewiß, wenn ich im Hinblick auf die hier versammelten ehemaligen Krieger und Soldaten Herrn Geheimrat Schönfeld für seine treue Anhänglichkeit und Liebe einen ganz besonderen Dank votiere. Diesen Dank hat der Gefeierte wirtlich ehrlich und reichlich verdient. — Aus dem deutschen evangelischen Pfarrhaus sind viele hervorragende Männer und Geisler hervorgegangeu. Auch unser Jubilar stammt daher und hat von. dorther die zu Herzen gehende hinreißende Redegabe, den humanen Sinn, seine selbstlose Nächstenliebe und eine Weltanschauung, ans der immer neue und reiche Ströme menschenfreundlicher Gesinnung flössen, mit- gebrachl und deswegen dürfen wir nicht unterlassen, heute auch des elterlichen Pfarrhauses in Wöllstein, des väterlichen Blumen- und Literaturfreundes und der liebevollen Mutter in Wehmut und Treue zu gedenken. Ihr treuer, pietätvoller Sohn, den wir heute feiern, hat! swar anscheinend keine Zeit gehabt,, sich nach dem Vorbilde des Vaterliauses ein eigenes trautes Familienheim zu schaffen. Seine einzige Lebensgefährtin,blieb der Kreis, seine nächsten Angehörigen waren die Kreisinsassen und als Lebensnerv adelte sein auch ohne Hausfrau gastfreundliches Heim der unversiegbare goldene Humor des Rheinländers, dem hier inmitten des ernsten Cl;attenstammes eine gemütvolle und liebenswürdige Zweigniederlassung bereitet war. Der funkelnde Sorgenbrecher seiner schönen Heimat vereinigte dort immer neue Freunde zu löblichem, feuchtfröhlichem Tun, gab dem gastlichen Hause einen urdeutschen Charakter, verlieh ihm einen besonders anmutigen und behaglichen Zauber, machte es zu einer Schutzhülle, wo jeder willkommene Unterkunft fand, der kein Spielverderber und ein echter Kerl war. So stellt sich uns Karl Theobald Schönfeld als Mensch dar. Er ist ein Lebenstünstler sondersgleichen geworden, und wenn wir uns heute dem- einmütigen Gefühle des ehrerbietigsten Dankes hingeben und dem Gefeierten ein weiteres gesegnetes Wirken, volle Gesundheit und die bisherige unverwüstliche Arbeitsfreuide auch für die Zukunst wünschen, _ so können wir das nicht besser tun als in dem jubelnden Rufe: Herr Geheimrat Schönfeld, „unser Schönfeld", der Kreisrat, wie er fein soll, der Zweiitndsiebziger mit dem Jünglings- herzen im Busen, er lebe hoch und nochmals hoch und zum drittenmal hoch!!! ,v , „ Tief empfundener Dank des Jubilars folgte danach, weiterhin sprach Bürgermeister Viehl-Rainrod: Eine seltene Feier hat uns heute festlich vereiiligt. Ich hege den Wunsch, daß es mir gelingen möge, aus meinem kurzen Sprüchlein, das ich im Namen des Kreisausschusses und des Kreistages zu sagen habe, alles Steifleine zu entfernen. Ich bin ein schlichter Mann, der das ihm übertragene Amt schlecht uitd recht verwaltet, aber auf das, was man in der großen Welt das Offizielle zu nennen pflegt, verstehe ich mich nicht. Ich' chofse aber, daß dies hier und auch heute nicht nötig ist. Wir Vogelsberger Männer sind zusammen gekommen, um unserem Kreisrat als Kreisvater Glückwunsch und Dank darzubringen, und Wir wissen, daß er lein Freund der geschraubten und gedrechselten Worte, sondern ein Mann der Tat ist. Wir wissen noch mehr, nämlich, daß er froh sein wird, die Geschichte bald überstanden zu haben. Aber das hilft nun einmal nichts, hochverehrter H. Geheimrat,! nachdem Sie über 20 Jahre für Ihre Vogelsberger gesorgt und gewirkt haben, müssen Sie es sich gefallen lassen, daß wir einmal gründlich und ordentlich danken hintereinander weg, dann gehts desto leichter, schneller und schmerzloser. S. Exzellenz, der Herr Minister Braun, hat vor' zwei Jahren eben hier in diesem Saale in scherzhafter Mißbllligung ausgeführt, daß unser Kreisrat es vortrefflich verstanden habe, die Staatskuh im Interesse seiner Vogelsberger Gemeinden zu melken. Ein größeres und schöneres Lob, eine bessere Würdigung der Verdienste eines Verwaltungsbeamten kann es gar nicht geben. Damit es nicht so aussieht, als wenn wir gar zu viel Milch bekämen, haben wir dankbaren Männer einen Schönfeldbrunnen gestiftet, der nur reines klares Wasser gibt. Man möge jetzt einmal landauf, landab fahren, so weit die Farben rot-weiß wehen: unsere Bannmeile kann sich mit Ehren sehen lassen. Kreisstraßen, Brücken, Wasserleitungen, Schulhäuser sind entstanden und im Kreiskassetopf sinh doch noch ein paar Spargroschen geblieben. Das hat inner Kreisrat zu schaffen verstanden, ohne uns armen Gemeinden das letzte Fell abzuziehen. Und nun gehe man hin und nenne im kleinsten Dörfchen den Namen Schönfeld. Da leuchten die Augen, da freuen sich die Herzen, und da sprich,h dankbar und in ehrlicher Hochachtung jeder Mund: Das ist ein wackerer, tüchtiger Mann.^ Ich glaube nicht, verehrte Festgenossen, daß irgendwo in unserem Lande Kreiseingesessene mit solcher Herzlichkeit, mit solch persönlichem Vertrauen an ihrem Kreisrat hängen, wie wir an dem unseren. Bürger und Bauern — von den alten Kriegern gar nicht zu reden — sind stolz auf den Mann, der in uneigennütziger, unermüdlicher Arbeit nur für ihr Wohl besorgt bleibt auf den Mann, der immer zu sprechen ist, und dem das Wort „Hochmut" ein unbekannter Begriff blieb. Wir sind hocherfreut, hier eine so große Zahl früherer Mitarbeiter und (verzeihen Sie, meine Herren, wenn ich den Ausdruck gebrauche) früherer Schüler unseres Herrn Geheimrats um ihn versammelt zu sehen. Tas beweist. Wie viel Liebe und Anhänglichkeit er gesäet hat. Und nun haben wir an diesem festlichen Tage, an diesem Markstein eines treuen gesegneten Wirkens einen herzlichen Wunsch: Möge es durch Gottes Gnade unserem Herrn Geheimrat vergönnt sein, noch lange bet uns zu bleiben, noch lange für uns zu sorgen und zu schaffen, als das Muster eines kerndeutschen wetterfesten Mannes, der feine Pflicht tut und noch mehr als seine Pflicht. Das ist der Wunsch von Kreisausschuß! und Kreistag, das ist der Wunsch jedes redlichen Vogelsbergers. Diesen unseren Wünschen und unserem Dank geben wir Ausdruck, indem wir nach echter alter Soldatenart rufen: Unser lieber hochverehrter Kreisrat Herr Geheimrat Schönfeld jetzt und immerdar Hurra! Hurra! Hurra! Schotten hat miü dieser Feier ein Fest erlebt, wie wohl noch nie zuvor, und lange noch werden diese Tage in Erinnerung der Bewohner des Vogelsberges bleiben. Aus Stadt und Land. Gießen, 5. Mai 1908. "Der Tasch enfahrplan des Gießener Anzeigers liegt der heutigen Landauflage bei. ** Der Bericht über die Stadtverordneten- Sitzung erscheint erst morgen. "* Aus dem Militär Wochenblatt. v. Baumbach, Rittm. und Eskadr.-Chef im Thüring. Ulan.-Regt. Nr. 6, zum Adjutanten des Generalkommandos des 18. Armeekorps ernannt. ** Otzernvorstellung im Stadttheater. Nach Mozart und Rossini, nach Beethoven und Ander wird in der fünften vom Theaterverein veranstalteten Opernaufführung am nächsten Freitag wiederum ein deutscher Komponist zu Wort kommen: Albert Lortzing, der Klassiker der deutschen Volksoper, mit seinem „Waffenschmied von Worms", und im Gegensatz zu den vorangegangenen Opern, deren ^Handlung in Spanien oder Italien sich abspielte, erwächst diesmal die Handlung im deutschen Bürgerleben des Mittelalters. Der nun 62 Jahre alte „Waffenschmied" gehört zum eisernen Bestand eines jeden Opernreper- toirs, er ist populär im besten Sinne des Wortes, und viele seiner schönen, heiteren Melodien mit ihrer leichten Faßbarkeit sind Gemeingut des Volkes geworden. In dieser Vorstellung werden sich zwei, §uch in Gießen rasch beliebt gewordene Mitglieder der Darmstadter Oper von uns verabschieden: Frl. Roediger, die reizende Marzelline und Zerline au5 Fidelio und Fra Diavolo, welche nach Bremen geht, und Herr Dr. Kuhn, dar an das Münchener Hosthealer übersiedelt. ** Mi t dem Schn tz der Singvögel beschäftigt sich eine in der heutigen 9htmmer enthaltene Bekanntmachung des Großh. Polizeiamts, worauf besonders hingewiesen sei. ** Genosse ns ch a.f t sverband. Die Verhandlungen des Verbandes der Erwerbs- und WirtschastSge- n o s s e n s ch a f t e u der Provinzen O b e r h e s s e n und Starkenburg fanden am Samstag und Sonntag in Darmstadt unter dem Vorsitz des Verbandsdirektors Stein- Darmstadt statt. Von der Stadt waren Bürgermeister Dr. Gläffing und Baurat Jäger erschienen. Ferner waren anwesend Verbandsanwalt Dr. Erüger-Eharlottenburg, Landesökonomierat Müller im Auftrag der hessischen Regierung, die Direktoren Justizrat Alberti-Wiesbaden und Huber-Frankfurt, sowie der Vorsitzende der Zentralstelle für die Gewerbe Regierungsrat Noack. Es waren im Ganzen 140 Abgeordnete anwesend. Am ersten Tage wurde nach Bericht der Rechnungsprüfungstörnmission dem Verbandsdirektor Entlastung erteilt. Eine Abänderung des § 19 der Satzung betr. Erhöhung der .Gebühren des Revisors wurde gutge- heißcn. Der Voranschlag pro 1908/09 wurde genehmigt. Es folgte _bann der Bericht des VerbandSrevisors Direktor Habicht- Darmstadt über die in den Jahren 1907 und 1908 vorgenommenen Revisionen. Zum Schluß hielt der Verbandsanwalt Dr. Erüger- Eharlottenburg einen Vortrag über die Sicherung der Bau- f o r b e r u n g c n, wobei er eingehend die Vorteile unb Nachteile des vorliegenden Gesetzentwurfs berührte und Verbesserungsvorschläge machte. Am 2. Tage berichtete Vcrbandsdirellor Stein über die Tätigkeit unb Entwicklung bes Verbanbes im Jahre 1907/08, wobei er sehr erfreuliches Vorwärtsschreiten feststellen konnte. Heber die Lianibät der K r e b i t g e n o f f c n i d) a f t e n sprach der Bankbirektor T h o r w a r t - Frankfurt a. M., der bie Beschlüsse des Baden-Badener Verbandstages hierbei zur Kenntnis brachte. Vankbirektor Malz- Frankfurt besprach das aktuelle Thema: Scheck- und Heberweisungsverkehr, wobei er die außerordentlichen Vorteile eingehend erörterte. Als Abgeordnete zum Alig. Deutschen Genossenschaststag wurden die Vertreter von Kl.-Gerau, Lampertheim, Lorsch unb Seligenstadt ausgelost. Hierauf wurden VerbaudMrektor Stein-Darmstadt, so- I wie sein Stellvertreter Weitzel-Darmstadt, ebenso als Verbands- vevisor Direktor Habicht-Darmstadt und fein Stellvertreter Seibert - Wiesbaden wiedergewählt. Endlich wurde als Ort des nächsten Verbandstages Eberstadt bestimmt. ** Das Diakonisscnmutterhaus Elisabethen- stift in Darmstabt begeht in diesem Jahre das Jubiläum seines fünfzigjährigen Bestehens. Ströme des Segens find in dieser Zeit durch den Dienst seiner Schwestern an den Kranken und leidenden Gliedern unserer Familien von diesem Hause in unser Land gegangen. Davon weiß auch unsere Stadt, in der die Schwestern schon seit vierzig Jahren wirken, zu erzählen. Das HauS darf eS darum auch von uns erwarten, daß der Dank dafür an fetneih Jubiläum zum Ausdruck kommt. Die Gelegenheit ist gegeben durch die dringende Bitte des Hauses, ihm zur Errichtiing eines dringend nötigen Jsolierhauses, verbunden mit einem Heim für unheil, bare Kranke, behilflich zu sein. Das wäre in der Tat ein rechtes Jubiläumsgeschenk. Die Pfarrer der vier Gemeinden und der Klinikspfarrer Adolph sind gerne bereit, Gaben dafür entgegenzunehmen. Lauda ch, 4. Mai. Am Donnerstag besichtigte Geh. Rat Prof. Heß aus Gießen die hiesige forstliche Versuchsstation, mit deren Anlegung Forstassessor Leo seit mehreren Wochen beschäftigt ist. — Am Samstag besuchten unter Führung des Geh. Oberforstrats Walther aus Darmstadt die Mitglieder des Großh. Hess. Forstwirt- ichastsrats und verschiedene Forstreferendare, etwa 20 Herren, die hiesige Stadt. Von der Bahn fuhren sie in zwei Sommerwagen nach den nächstliegenden Waldungen, wo der hiesige Forstmeister Andre bie weitere Leitung übernahm. Nach einem Mittagessen im „Solmser Hof verließen die Herren um 5.06 Uhr wieder unsere Stadt. R. B. Darm stadt, 4. Mai. Die Beisetzung deg Generals, Exz. Wilhelm Rau sand heute nachmittag unter starker Beteiligung statt. Der Trauerfeier wohnten n. a. Staatsminister Ewald mit Gemahlin, Bürgermeister Dr. Glässing und Beigeordneter Kahlert, sowie ehemalige Kameraden des Verstorbenen vom 49. und 116. Infanterie- Regiment bei. Namens der Letzteren legte Oberst v. Müller am Sarkopharg einen prachtvollen Lorbeerkranz nieder. Die Gedächtnisrede hielt der Dlvisionspfarrer Fick en sch er, der besonders darauf hinwics, daß der Verstorbene sein Leben den militärischen Dienst dem Vaterland gewidmet hat; als 16 jähriger machte er den badischen Feldzug mit, als 60 jähriger war er Festungskommandant von Neu-Breisach. Am offenen Grabe legte Prof. Dr. Staudinger namens der Groß- Loge zur Eintracht nach einer warmherzigen Gedächtnisrede und Widmung der 3 symbolischen, freimaurischen Rosen, einen prachtvollen Lorbecrkranz nieder; ihm folgten mit Reden und Kranzspenden die Meister vom Stuhl der verschiedenen hessischen Bundeslogen Darmstadt, Offenbach, Gießen (durch Herrn Wilh. Triblis), Worms, des Kriegervereins Darmstadt ii. a. m. GerichtssaaL. Berlin, 4. Mai. Tie Straskammer des Landgerichts I uer* urteilte den früheren Geheiinsetretär im Auswärtigen Amt, Oskar Pvplan wegen versuchter Nötigung, begangen gegen den Staatssekretär des Auswärtigen Alntes, v. S ch ö n, zu einem Monat Gefängnis. Wahrend ber Verhandlung und der Urteilsbegründung wurde im Interesse der staatlichen Sicherheit die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Universitäts-Nachrichten. Aus Anlaß bes goldenen Toktorjubiläums des befanden Forschers aui dem Gebiet der Chemie, Geheimrat Prof, von Baeyei in München, sandten Glückwunschadressen: die Preußische Akadein« der Wissenschaften, bie philosophische Fakultät der Berliner Universität bie technische Hochschule Berlin und Kultusminister Dr. Holle. £? sichert. — Schriftl. Angebote unt. 03729 an den Gietzener Anzeiger. fflirtfdhnft iüng. Wirtsleuten pachten gesucht. Schriftliche Angebote unt. 03730 an ben Gietzener Anzeiger. ZWcr 03764] Für ein rentabl. Fabrik- untern, wird ein 51avitalist ge>. Schriftl. Angebote unter 08761 an den Gietzener Anz. erbeten. Hypotheken. Lermittle 1947 LiB-Hypetittta für Geldgeber ohne Kosten. la Bankverbindungen. I. Kssenthnl, tineiljtpr. 63 Telephon 491. Immobilien. EMMriM! J>tr Stricken sowie AnstriLen von Strümpfen empfehle idj inid) angelegentltchst. Strickgarne (teste Qualitäten) habe stets vorrätig. Preise billigst. "VD Ernestine Hopfner Roonstraßc 32, II 03802] Der Unterzeichnete erklärt, d. er mit b. Familie Belten, welche gestern e. Warnung im Gieß. An», veröffentlichte, nichts zu tun hat. Heinrich Belten II., Gerber. Ütdrtrptt ein Kinder-Umhang. AkUvrkN Abzugeben 03788)Hillebrandstr. t III.. Brief liegt Hauptpost! I087*1 Donnerstag, 7. Mai 1908, abenbs 9 Uhr, Vereinsabend im Cafs Ebel. [v»/s Sonntag den 10. Mai Asezirlislag verbunden mit Wettschreiben in Schotten. Abfalirt 818 vormittags. Um recht zahlreiche Beteiliguns wird gebeten. Der Borstaud. Neues Stadttheater. Freitag, den 8. Mai: Gesamtgastspiel des.Hoftheaters und der Hofmusik a,rs Darmstadt. Der Waffenschmied polnische Oper in 3 Akten von £ o r ij i n g. Antang pünktlich 7 Uhr. Ende 10 Uhr. Karten int Preise von Mk. 7.50 bis Mk. 2.50 und Textbücher zu 20 Pfg. in Ernst Challiers Musikalienhundlung am Neuenweg. tffch ftt f ,W „Kreit aW' I« Vor M'den, vttsiche^ würden, sachvecslä sorgnis ii «rsichcrii sajsen. t mungen ; im Inoa! 8titer5grci fonen, di< (ba§ ist wrtben, r durchaus deamten l Lorschristt Recht zm datz der bei Begn Sollte jed dn Prioa die natioi hack arb ES ganzendei beginnen nügenb ke daran, in vkstlichen sie darauf nicht gcsp im Kreise der vor I on einen Rittergut? finden, d N sich, der Parz^ nahmen ■ Provinzer (nthalt dei ^ichhändlt Weck in i Jahr: 1901 1902 1903 1904 1905 1906 1907 Welch, 7 trockc auch •Wt Ä fftoiun, ■NWv uni); 11,11 ben Sangen 1 CNN ft £ni beb LUllbtt b,