158. Jahrgang Nr. ISO Donnerstag 4. Jnni 1908 Erstes Blatt MM AI***aX säe KAMI Al? Alf Ar 11 m zAf ii MW zää ssgWlVßVllVl ^llljviyus «LS General-Anzeiger für Gberheffea WMZ Annahme von Anzeigen V ' 8 fr u. Land- und ^Gerichts- «r bie tcflesmimmee Rotnflotisbtu» und Verlag öet SrühCschen Unlv.-Vuch. «nd Sietndrnckerel. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnittratze 7. wr d°n ins vormittags 10 Uhr. c ‘ 1 u Aiireigenteil: 'H. Beck. Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. Vie preußischen Landtagrrvahlen. Nach den bis jetzt vorliegenden Ergebnissen der gestrigen lUrwählerwablen in Preußen werden sich voraussichtlich auch im neuen Landtage die Stärkeverhältnisse zwischen rechts und links nicht wesentlich verschieben. Tie Konservativen und das Zentrum werden nach wie vor die Majorität haben. Mer chatte bei dem jetzigen preußischen Wahlrecht denn auch etwas anderes erwarten können. Neu und bemerkenswert ist es immer» hin, daß dicsesrnal auch die Sozialdemokraten in den preußischen Landtag einziehen werden. Nach den bis heute früh bekannt- oenn'rdenen Wahlresultaten waren gewählt: 80 Konservative, 4G Freikonservative, 37 Nationalliberale, 18 freisinnige Bolkspartei, 6 freisinnige Vereinigung, 68 Zentrum, 4 Polen, 3 Sozialdemokraten (nach anderen Meldungen sogar 8 Soz.tz 2 Seinen und 1 Fraktionsloser. An den Stichwahlen sind beteiligt 2 Konservative, 2 Frcikonscrvative, 10 Nationalliberale, 2 freisinnige Vollspartei, 2 freisinnige Vereinigung, 8 Zentrum und 4 Sozialdemokraten. In Berlin 2 und 3 sind nach genauerer Feststellung die Sozialdenwkratcn unterlegen. Gewählt sind Sozialdemokraten in Linden, Berlin-Gesundbrunnen und Berlin-Wedding, in die Stichwahl kommen sie in Kiel-Stadt, Frankfurt-Land und Altona. 1 In Marburg ist die Wahl des konservativen Landrals von Negelein gesichert. In W e tz l a r wurden 101 konservative, 70 nationalliberale, 36 frei'innige und 7 sozialdemokral.sche Mahlmänner gewählt, so daß es hier zur Stichwahl zwischen den Konservativen und den Nationallioeralen kommt. In W i c s- baden-Stadt und Untertaunuskreis ist die Wahl des natl. Bartling gesichert. In Biedenkopf die Wiederwahl des kons. Landrats v. Deimburg. In Neuwied gewinnt das Zentrum dank der Wahlhülfe der Konservativen (evangelischer Pfarrer Leckenroth) das Mandat. In Huenfeld-Gusseld (Kassel) i|t das Zentrum gewählt, ebenso -»in Ct. Goar und Ahrweiler. In Eschwege-Schmalkalden (Kassett ist der Jreikonservative gewählt. In Kreuznach-Simmern-Zell ist die Wahl der Nationallibcralcn gesichert, in Limburg a. d. Lahn die des Zentrums. Nach den uns im einzelnen vorliegenden Meldungen ist die Wahl der Konservativen und Freikonservativen in folgenden Wahlkreisen gesichert: Merseburg 8, Lüneburg 4, Gumbinnen 5, 4, 2, 3, Königsberg 7, 2, Allenstein 1, 4, 3, Schleswig 16, 6, 13, 19, Aurich 3, 2, Stralsund 2, Marienwerder 6, Brom berg 4, Hildesheim 7, Hannover 3, Liegnitz 9, Köslin 1, Osnabrück 2, Franksurt >Obctt 1. Tie Wahl des Zentrums ist ferner gesichert in folgenden Wahlkreisen: Allenstein 2, Osnabrück 5, Düsseldorf 12, 6,7, Aachen 3,2, Münden 3, 4, Köln 3, 1, Oppeln 4, 10, Koblenz 5, Sie Wahl der National- liberalen ist ferner gesichert in beh Wahlkreisen: Hannover 2, 4, Lüneburg 6, Hildesheim 6, Magdeburg 4, Köln 5, Schleswig 12. Sic Wahl der F re i i i n n i g e n Bolkspartei ist gesichert in: Erfurt 1, Posen 3. Ser bisher im Besitz des Zentrums gewesene Wahlkreis Oppeln 2 fällt an die Polen. In Breslau 6 ist die Wahl des Lwmpromißkandidaten des Zentrums und der Konservativen gesichert. „ . , Nicht ohne Interesse wird es sein, zu hören, daß der Neichs- ka n z l e r Fürst Bü low dieses Mal in der 2. Klasse des 40. Berliner Wahlbezirks hat w ä h l en dürfen, während andere Exzellenzen, bi.- Staatsminister v. Bethmann- Hoilweg und St. Beseler, der Staatssekretär Nieberding, der Chef des Zivilkabinetts v. Lueanns und der Gewandkämmerer v. Perpoucher mit 189 anderen Wählern ihre Stimme in der d r i t t e n Klasse abgeben. Ilm VjII Uhr begab sich der Reichskanzler zu Wagen in das Wahllokal „Zur Hütte", Taubenstraße 7. Als er eintrat, erhoben sich die Herren des Wahlvorstandes von ihren Platzen. Mit lauter Stimme nannte der Reichskanzler die beiden konservativen Wahlmänner Greibig und Hübscher. Nach einer verbindlichen Verbeugung zu den Herren am Wahltisch verließ Fürst von Bülow alsdann das Wahllokal. Als Kuriosum sei nach der „Frkf. Ztg." noch erwähnt, daß im 147. Berliner Urwahlbezirk in der 1. Abteilung keine Wahl zustande gekommen ist, weil der einzige Wähler (Bachstein, der mehr als 90 000 Mk. Steuern entrichtet hat und zwei Wahlmänner wählen konnte) inzwilcken verstorben ist. Deutsches Reich. Der deutsche Botschafter in Rom. Gegenüber der Meldung eines römischen Blattes wird der „Post" an zuständiger Stelle mitgeteilt, daß von einem bevorst.'henden Rücktritt des Grasen Monts amtlich nicht das mindeste bekannt ist. Weder in Italien noch in Seutschland habe man den Wunsch, den ggeenwärtigen deutschen Botschafter in Rom aus seinem Posten gegen seinen Willen zu verdrängen. In der Strafsache gegen den Fürsten Eulen - burg sind bisher ungefähr 200 Zmgen vernommen worden, die sich auf verschiedene Städte verteilen. Vernehmungen haben stattgcsunden in Berlin, Potsdam, Liebenberg, München, Starnberg, Wien, Paris, Oldenburg usw. Sämtliche Zeugen .sind schon in der Voruntersuchung vereidigt worden. Wie verlautet, soll die Vor'.'.ntersuchiung in diesen Tagen abgeschlossen werden. Sie Akten gehen dann an b-c Königliche Staatsanwaltschaft, bie die Anklage erhebt und die Sache noch in der nächsten Schwnrgerichtsperiode, die in der letzten Juniwoche beginnt, zur Verhandlung bringen zu können hofft. Sie Anklage wird vertreten von dem Oberstaatsanwalt St. Jsenbicl und dem Staatsanwalt Rasch. Sas englische Königspaar trifft auf der Reise nach Reval am nächsten Sonntag früh 4 Uhr in Brunsbüttel ein und passiert nachmittags Holtenau. Tie Königsjacht fährt alsbald nach Reval weiter. Sie von 5tagen kommenden Begleitkreuzer treffen am Sonntag in Kiel ein. Ser elsässische L a n d e s a u s s ch u ß hat die Vorlage über bie Erhöhung der Beamtengehälter in allen drei Lesungen angenommen. Es sind 1 200 000 Mk. ausgeworfen, die sämtlichen Beamten-Kategorien mit Ausnahme der höchsten Beamten des Landes zugute kommen. Ausland. Im englischen Unterlaufe teilte der Generalpost- uwister mit, daß die Vereinigten Staaten der Einführung des Pennyportos mit Großbritannien 5 um 1. Oktober 1908 zugestimmt hätten. Thorne (Arbeiterpartei) fragte, ob Edward Grey dem König anraten wolle, daß der Besuch Rußlands keinen amtlichen Charakter tragen möge. Grev erwiderte: er könne den König nicht in diesem Sinne beraten. Als Thoime darauf fragte, ob dies so zu verstehen sei, daß die Regierung dem brutalen Morden in Rusz- land zustimme, griff der Sprecher ein und bemerkte, diese Sprache fei einem lu>eui.l:t'n Starre gegenüber nicht angemessen. „ . Ein Unfall des Präsidenten Roosevelt. Auf einem Spazierritt in Begleitung seiner Gemahlin im Roel Creek- tal stürzte der Präsident Roosevelt gestern mit seinem bäumenden Pferde einen etwa 10 Fuß hohen Abhang hinunter in einen Bach, den er vorher durchritten hatte. Ser Präsident stand gleich nach dem Sturz wieder auf, ohne verletzt zu sein. Eine neue Verfolgung des Oeltrufts. Sie „New Dort Times" meldet, die Bundesregierung nimmt eine neue Verfolgung des Oeltrusts vor. Sie entdeckte über 3000 Gesetzesverletzungen, wofür bie höchste Strafe 68 Millionen beträgt. 25us Stadt und Land. G i e b c n, 4. Juni 1908. ** Eine Ordensauszeichnung, die von Leuten, die dazu Zeit haben, in unserer Residenz viel besprochen wird, wurde gestern dem erst 27 Jahre alten Konzertmeister Gustav Havemann zuteil, nämlich das Ritterkreuz 1. Klasse des Philippsordcns. Herr Havemann war Leiter des kürzlich in Darmstadt gehaltenen Kammermusikfestes und ist Dirigent der Ausstellungskapelle. Da der genannte Orden sonst nur an höhere Militärs und Beamte verliehen zu werden pflegt, erregt die jetzige Verleihung an einen verhältnismäßig jungen Künstler großes Aufsehen. ** Leh r e rpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Adolf Dunkenberaer aus Frankfurt a. M. die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heidelbach. Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu Löwenstein- Wertheim-Rosenberg auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Klingen präsentierte Schulamtsaspirant Gilbert Ott aus Birklar; der von dem Grasen zu Erbach- Erbach an die fünfte Lehrerstelle an der evang. Schule zu Erback) i. O. präsentierte Lehrer Karl Kitz zu Reichels- beim (Kr. Erbach). In den Ruhestand wurde versetzt der Lehrer an der Volksschule zu Offenbach Joh. Hofmann auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, und ihm aus diesem Anlaß das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit der ftronc verliehen. Entlassen wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Nieder-Weisel Jul. Hartmannshenn auf sein Nachsuchen. Erledigt sind: Eine Lehrerstelle an der kath. Schule zu Bensheim. Eine mit einer evang. Lehrerin zu besetzende Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu E b e r st a d t (Kr. Darmstadt). ** Sie erste diesjährige Schlußprüfung der Kandidaten der evangelischen Theologie, die in den AmtSräumen des Großh. Oberkonsistorinms abgehalten wurde, ist zu Ende gegangen. Es beteiligten sich daran 13 Examinanden, von denen vier aus Starkenburg und neun aus Oberhessen sind. ** Historischer Verein f ü r^d a s Großherzog- t u m H e s f e n. Als Ziel des zweiten Sommerausflugs hatte der Verein n. d. „Darmst. Ztg." die Ronneburg bei Büdingen gewählt. Die Teilnehmer der am Sonntag, 31. Mai, ausgeführten Burgenfahrt hatten die Wahl nicht zu bereuen. Von Hanau, dessen Sehenswürdigkeiten, vor allem dessen historisches Museum, von neuem seine An- ziehungsiraft auch auf die bewährten, die die lehrreich an- geordneten reichhaltigen Sammlungen des Geschichtsvereins noch in frischer Erinnerung hatten, ging es weiter nach Hüttengesäß mit der Kleinbahn. Allerdings war der Aufstieg, so kurz und unbeschwerlich er auch an sich ist, diesmal unter den Strahlen der glühend brennenden Sonne ein Verdienst, das nur durch reichliche geistige und körperliche Genüsse ausgewogen tuerben konnte! Und beide waren oben in ausgezeichneter Weise vertreten. Es müß anerkannt werden, wie schnell und gründlich der Burgwart Link von Alt-Wiedermus die hungrigen und dürstenden Gäste im traulichen Turmstübchen zu laben verstand, ehe diese sich zur Wanderung durch die Ruine anschickten. Zwei Kenner der Burg dienten ihnen bei dieser als zuverlässige Berater. Lehrer Schleucher von Langenselbold durch den seiner Feder entstammenden Führer, in dem, namentlich in der wesentlich verbesserten 2. Auflage der Wissensdurstige alle hauptsächlichen Fragen beantwortet findet, soweit sie überhaupt eine Lösung erfahren haben und konnten. Aus reicher Kenntnis, echter Liebe zur Sache schöpfte das Vereinsmitglied Heuscher von Hanau, der seine geschichtlichen und örtlichen Erklärungen allen in dankenswerter Bereitwilligkeit mündlich abgab und dadurch in den Teilnehmern an der Burgenwanderung eine anschauliche, festhaftende Vorstellung von dem ehemaligen Wehrbau erstehen ließ. Die Ronneburg hat ja freilich keine große, reiche Geschichte. Von bedeutenderen Ereignissen, ernsteren Belagerungen und Zerstörungen Aus dem Reiche der Töne. Das verflossene KvNLertjahr 1907/08 hat für Deutschland eine außergewöhnlich größere Anzahl von Ehrenabenden, Gedächtnis- und Erinnerungsfeiern zu verzeichnen, als das ,vnst der Fall ist Hat doch gerade bie zweit' Hälfte des Jahres 1907 bie einen Teil dieses Konzertjahres bildet, harte Verteilte dem Mu,tt- leben gebracht und der Februar des Jal-res 1908 bie 25. Wiederkehr des Todestages eines der größten Meister der Töne. — Foieph Jeachiin 15. August 1907, Edvard Gneg 4. September 1907, Ignatz Brüll 10. September 190? und Richard Wagner 13. Februar 1883—1908. Alle diese Ereignine Voten den Kvnzerr-Ge,elischalten, Kunstler- gruppen und sonstigen Vereinigungen Gelegenheit, zu Ehren dieser Meister musikalische Feiern zu veranstalten. Bei Joseph Joachim, der als erster nboeruren wurde, waren bie Kvnzertgeber, wie deren Programme verraten, in gewisser Verlegenheit. Joachims Bedeutung lag vornehmlich in seiner ausübenden Künstler, chast, gegen bie der Komponist znrucktrat. So findet man denn auch in den Kotizertprogrammen der Gedeitt- feiern, neben einer kleinen Auswahl der Kompositionen Joachims, die Werke von L. v. Beethoven und Johannes Brahms, die der Verstorbene mit Vorliebe gewählt hatte. Dazu dann häufig die Tragische Ouvertüre von Brahms, die Trauermärsche von Beethoven und Richard Wagner. Immerhin erreichen die zu Gehör gebrachten Kompositionen von Joachim die Zahl 69 (1 Lied, 20 Orchesterwerte, 27 Soli mit Orchester, 21 Kammermujikwerke.. Bei Edvard Grieg dagegen konnte aus dem Vollen geschöpft werden- 431 Werke, bie sich aus 11 Chorwerken, 178 Liedern, 180 Orchefterwerken, 19 Soli mit Orchester, 28 Kammermusikwerken und 15 für Klavier zusammensetzen, sind zu verzeichnen. Als Drittem müßte ich nun von Ignatz Brüll berichten, aber ich bin dazu außerstande, weil dessen von niemand gedacht wurde, weil ihn alle, die sich im Kvnzertsaal und in der Oper 1 einer Merke so oft erfreut hatten, den verstorbenen Meister mit der letzten Scholle Erde vollständig vergessen zu haben scheinen. Aber auch bei Rick-ard Wagner will ich nicht die Zahlen allein geben, bie die Gedächtnisfeiern erbrachten, sondern fiXcf) das Gesamte, was 225 Konzertgeber innerhalb April 1907—l‘Ju8, auf ihre Programme setzten: 18 Chorwerke, 202 einstimmige Gesänge, 511 Orchesterwerte, 2 Soli mit Orchester, 1 Stummer» musikwerk, 2 Orgelwerke (zumteil natürliche Bearbeitungen- in Summa 736 Werke. Und nun zum Schluß, Mm 70 jährigen Geburtstag Max Bruchs, 16. Januar. Auch dieses liebenswürdigen Meisters und seines Geburtstages hat man m Worten und Tönen gedacht; die Worte habe ich nicht gezählt, auch nicht die Töne im einzelnen, aber als geschlossene Werke waren es 32 Chorwerke, 12 Lieder, 17 Orchesterwerke, 40 Soli mit Orchester, 14 Stammermujifroerle, 2 Orgelwerke und 1 Klavierstück; summa iummanim 118 Werke, ... . Gießert. / - - Ernst C ha Ute? sen. Gietzener Aorrzertverein. । Meisterwerke weltlicher Vokalmusik ( des 16. bis 18. Jahrhunderts. Etwas reichlich spät hat die Gießener Konzertsaison ’ ihr Ende erreicht, aber der verhältnismäßig gute Besuch ‘ des gestrigen, letzten Konzerts des Gießener Konzertvereins ; hat doch gezeigt, daß das Interesse des Gießener Publikums . an diesen Veranstaltungen bis zum Schluß rege geblieben ist. Damir ist denn natürlich auch der auffallend späte Termin , dieses letzten Konzerts vollauf gerechtfertigt. Von den verschiedenen Solistenkonzerten, die uns diese , Saison des Konzertvereins gebracht hat, abgesehen, war das gestrige Konzert eines der besten und interessantesten. Man hatte Gelegenheit, Meisterwerke ans der Blütezeit der Vokalmusik im 16. und 18. Jahrhundert zu Horen, dieser zwei in der Musikgeschichte so bedeutsamen Epochen. Uno wie viel Schönheit steckt in diesen alten, vergesfenen Meistern, wie Hans Leo Hasler und Eccard, die sich bet aller Begeisterung für die damals herrschende schule der Italiener doch ihre spezifisch deutsche Eigenart zu bewahren gewußt haben. Welche Innigkeit und Gefuhlstiese spricht doch aus den einfachen Volksweisen, deren Komponisten uns dem Namen nach nicht mehr bekannt sind. Und dann die höchsten Offenbarungen des musikalischen Ausdrucks dieser Zeit, und vielleicht aller Zeiten, durch >-oh. Seb. Bach. Welcher wunderbare Reichtum der Gedanken int Kleinsten wie im Größten, und dieser Humor. Ist das wirklich der Schöpfer der Matthäuspassion? Man wundert sich nur, neben diesem Großen einen Joh. Fr. Reichardt und Johann Abraham Peter Schultz zu hören, und doch sind auch diese Komponisten nicht uninteressant. Retchardts Musik hat ja selbst Goethe vortrefflich gesunden, wenn er auch die Instrumentierung bei ihm schwach nennt. Interessant war es ferner, den Liederkompcmisten Haydn zu hören; man hört ihn sonst selten genug. Sehr retzvoll klangen auch die Kompositionen von John Bennet, Dämel Friederici und Giovanni Giacomo Gastoldt, und sie wurden zudem ausgezeichnet vom Akademischen Gesangverein gesungen: sicher, fein abgetönt und oerstanditiSvo.l. Alv eine der besten Leistungen des Akademischen Gesangveretno (Über empfand ich Haslers „Mehr Lust uni). Är^M', bte Lieb J mir geit". Hier kamen die zartesten Nuancen zu schönster k Geltung. . , Was die Leistungen der Solisten betrifft, so ist cs ja in Gießen für den Kritiker nicht ganz unbedenklich, die Wahrheit zu sagen. Er muß sich s mitunter gefallen lassen, von — berufenem- Seite berichtigt zu werden. Wenn er i B. einmal feststellt, daß eine Sängerin beim Singen ein gar zu unfreundliches Gesicht gemacht hat, dann muß er sich belehren lassen, daß das ein Vorzug sei gegenüber dem stereotypen, gefrorenen Lächeln anderer Sängerinnen. Was es freilich in Wirklichkeit mit dem sogen, gefrorenen Lächeln, ober sagen wir lieber dem freundlichen Gesicht, beim Singen für eine gesangstechnische Bewandtnis hat, das lernt jeder Schüler bei seinem Gesangslehrer allerdings schon bei seinem ersten Unterricht kennen. Eine bloße mimische Hebung tft dieses Lächeln keineswegs. Das hat offenbar auch die Sängerin des gestrigen Abends, Fr. Anna .K a e m p f e r t aus Frankfurt a.M., gewußt, und weil sie mit belebtem Gesichtsausdruck fang, darum war auch die Wirtung ihres Gesangs so ungemein sympathisch, und darum vermochte sie es auch, ihre Zuhörerschaft mit fortzureißen. Dasselbe kamt auch, freilich mit gewissen Abstufungen, von Herrn Hans Vaterhaus gesagt werden. Er erinnerte mich in seinem Vortrage entfernt an Wüllner, fo aus dem Innern heraus belebt erschien dieser Vortrag. Die Stimme selbst war, namentlich in den tieferen Lagen, von großem Wohlklang und prächtiger Fülle. Nun könnte man nur entgegenhalten, daß eine Stimme, wie die des Herrn Anton Kohmann, auch unabhängig vom äußeren Gefichtsausdruck bie denkbar besten Wirkungen erzielen kann. Gewiß, Herr Kohmann hat eine prachtvolle Tenorstimme, von sympathischem Klang, von einer seltenen Weichheit und natürlichen Ausdrucks- fähiakeit. Diese außergewöhnlichen Vorzüge, die nut exakter Schulung und großer musikalischer Sicherheit gepaart sind, ließen in der Tat den oben erwähnten Mangel, wenn man in diesem Falle überhaupt davon sprechen dürfte, vergessen. Aber ich bezweifle es nicht, daß auch Herr Kohmann die Wirkung seines Vortrags noch, um vieles steigern konnte, wenn er ihn dramatisch noch mehr zu beleben vermöchte. Herr Prof. Trautmann erwies sich auch gestern wieder als ein umsichtiger Dirigent und verständnisvoller Begleiter am Klavier. Ihm warb unter lebhaftem Applaus ein prächtiger Lorbeerttanz überr^idjt —n. verlautet bei ihr nichts. Die Episode von dem tapferen hessischen Wachtmeister, der als treuer Soldat fiel, ein Opfer schwedischer Untreue, ist jedoch nicht unwichtig und die Bestrebungen Zinzendorss galten friedlichen Bekehrungs- Versuchen und blieben ohne nachhaltige Wirkung. Trotzdem kommt auch ein anspruchsvollerer Geschichts- und Buraen- freund auf der Ronneburg wohl auf seine Rechnung. Zum Studium dec Wehranlagen, der Steigerung der Befestigung in der Burg, interessanter baulicher Einzelheiten ist auch dort Material genug. Hoffentlich wird nichts versäumt, dem weit vorgeschrittenen Verfall der Burg nach Straften zu wehren. Sie verdient es — von allen romantischen und landschaftlichen Reizen abgesehen — in hohem Maße. " Stadttheater. Operetten - Gastspiele. Da bereits zahlreiche Anfragen bei Direktor Steingoetter in Bad Nauheim einliefen wegen Operettcn-Aufführungen im Sommer, so sei vorläufig mitgeteilt, daß allerdings eine Serie solcher Gastspiele geplant ist. Die erste Aufführung wird am 15. oder 16. Juni stattfinden (Näheres wird noch bekannt gegeben) und wird LehärS „Lustige Witwe" bringen. Für die ersten Parthien find engagiert: Frl. Franziska Großkopf von Frankfurt a. M. (die letztes Jahr die Titelrolle in der „Lustigen Witwe" hier so erfotgreich sang), Frl. Gabriele Klerwin vom Stadttheater in Halle, der Königs. Kammersänger Bruno Hildebrandt vom Stadttheater in Dortmund, Herr Georg Bauer vom Stadttheater ui Erfurt u. a. m. + Grüningen, 1. Juni. Der Landbriefträger Mart. Euler hier feierte gestern fein 25jähriges Dienst- jubiläum. Der M ä n n e r g e f a n g ö c r c i n nahm Anteil an dem frohen Feste seines Mitgliedes und brachte ihm ein Ständchen. Rach dieser Ovation versammelte sich der Verein mit dem Jubilar im Lokal des Gastwirts Bender, woselbst die Nachfeier in angeregter Weise verlief. ,W. Bad-Nauheim, 3. Juni. Der hier zur Kur weilende Kommandant der Truppen von Seeland, Generalleutnant Kühnel-Kopenhagen, welcher einen Schlaganfall erlitten hatte, ist heute nachmittag gestorben. -m Friedberg, 4. Juni. (Tel.) Gestern fand eine Stadtverordnetensitzung statt, der auch Regie- rungs- und Baurat Dreschet von der Frankfurter Eisenbahndirektion beiwohnte und die sich mit der B a h n Hofsangelegenheit beschäftigte. Das vorgelegte Projekt ist auf 6 800 000 Mark veranschlagt, wovon die Stadt 40 000 Mk. tragen soll. Außerdem soll sie die unentgeltliche Beleuchtung sämtlicher Zufuhrstraßen zum Bahnhos übernehmen. Auf Anregung des Bürgermeisters Baurat Stahl wurde dem Projekt zugestimmt und die aitgeforberlcn Mittel bewilligt. — Ein interessanter Altert u m sfuud wurde hier gemacht. Gastwirt Adam Leister fand auf seinem Grundstück einige römische Figuren, Ampheren und Singeln. h. Schlitz, 3. Juni. Ter Graf von Schlitz hat sich bereit erklärt, die Jagd wieder zu pachten und zwar für die jährliche Summe von 800 Mk. auf die Tauer von 12 Jahren. Die Regelung der Grenze gedenke er in dieser Zeit vorzunehmen. Dieses Anerbieten ist, iuic man erfährt, vom Gemeinderat einstimmig abgelehnt worden. Der Gemeinderat soll sich darüber schlüssig gemacht haben, die Jagd am l.Juli öffentlich zu verpachten und zwar auf sechs Jahre, wie überall üblich, einerlei, ob die Grenzregulierung erfolgt ist ober nicht. n. Marburg, 4. Juni. (Tel.) Ein wollenbruch- artiger Regen, der mit heftigem Hagelschlag verbunden war, richtete gestern abend in den Gemarkungen Eölbe, Bracht, Willersdorf, Bürgeln und Rosenthal erheblichen Schaden an. W. Wiesbaden, 3. Juni. Heute mittag tötete s i ch int Wartesaale des hiesigen Haupibahnhoses der Arzt D r. Baas aus Bechtheim durch einen Schuß in die Schläfe. Tas Motiv der Tat ist unbekannt. h. Frankfurt a. M., 3. Juni. Die Frau des Werkmeisters Jänke, die vor Kurzem hier ihre drei Kinder mit Gas vergiftet hat, wurde aus dem Hcilig- geisthospital ins Untersuch ungSgcfängnis gebracht. Die Frau weiß vorläufig noch nicht, daß ihre Kinder tot sind. Vermischtes. * Furchtbare Unwetter entluden sich vorgestern nachmittag und abends in der Nicdcr-Lößnitz bei Dresden und noch weiter hinunter bis Meißen und Riesa. Bereits nachmittags in der fünften Stunde ging bei EoSivig ein Wolkenbruch nieder, in der neunten Stunde wiederholte sich daS Unwetter in noch stärkerem Maße. Ganze Ortschaften >o u r d e n übcr- schwemmt. In Storbib bei Meißen steht das Grundstück „Pa radiesgarten" vollständig unter Wasser. Eine Fran Hümer wird vermißt; sie soll von einer einstürzenden Mauer erschlagen worden sein. Am Eingänge des Eisenbahntunnels hinter Priestewitz stürzten derartige Wassermengen von den Bcrgabhängcn herab, daß der Bahnbetrieb von abends 9 Uhr bis gestern früh eingestellt werden mußte, da das W affe r z n d e n St u p c c f c n st c r n hineinlics. Bon den Lößnitzer Weinbergen, wo soeben die Erdbeercrnte begonnen hat, ist fast alles Erdreich lveggeschwcmmt worden. Der Schaden ist sehr bedeutend. — Durch die starken Gewitter, die in der Provinz Hannover niedergegangen sind, wurden vier Menschen erschlagen und 16 Gehöfte und Gebäude cingeaschcrt. — Auch aus allen Teilen Thüringens lausen Meldungen über schwere, durch Gewitter verursachte Schäden ein. In Teutleben bei Gotha wurden drei Scheunen und mehrere Stallungen, in Sonneborn ein Bauerngchoft durch Blitzschlag eingeäschert. In Eckardtsleben rissen die Fluten der Weißbach mehrere Scheunen und das Spritzenhaus ein und schwemmten den größten Teil mit der Spritze fort. Biel Vieh ist hier umgckommen; eine Frau ist ertrunken. Der Blitz traf die elektrische Anlage des Herzoglich-Melningenschen Schieserbruchcs auf dem Feldbcrg, so daß der elektrische Betrieb voläufig eingestellt werden muß. In Lichstedt wurden die sämtlichen Wirtschaftsgebäude eines Gutsbesitzers eingeäschert. Ein schweres Gewitter richtete in den Weinbergen der Obermosel großen Schaden an. Der Weinbauer Ebnen berechnet seinen Schaden auf 150000 Mk. In der Neumark wurden in der vergangenen Nacht sechs Personen durch Blitzschlag getötet. * Bund es kegeln. Für das am 20.—25. Juni unter dem Protektorat des Königs von Sachsen auf dem Festplatz der Dresdener Bogenschützengilde stattfindende 13. Deutsche Bundeskegeln haben dec Rat und die Stadtverordneten der Stadt Dresden 1000 Mark zum Ankauf eines Ehrenpreises bewilligt. Infolge dieser hohen Zuweisung hat der Verband Dresdener Kegelklubs seinen Ehrenpreis auch erhöht und iit der Hofpianofortefabrik E. Kaps iit Dresden ein Piano angekauft. Die ca. 1200—1300 kostbaren Preise werden in dem mit zur Aufstellung kommenden Carola- Tanzsalon der Vogelwiese ausgestellt. Das Fest wird eröffnet mit einem Empfangskommers am 20. Juni. Am folgenden Sonntag vormittag findet eine Bannerauffahrt statt, bei welcher die ca. 40 Banner des Bundes und der Lokalverbände in ca. 60 reichgeschmückten Vier- und Zweispännern nach dem Festplatz gebracht werden. Nach Ankunft wird das Bundeskegeln durch den Bundesvorsitzenden eröffnet. Alltäglich finden auf dem Festplatz mehrere große Konzerte, darunter am Dienstag abend ein großes Monstre- konzert, statt. Für Mittwoch ist eine Illumination des Festplatzes vorgesehen und am Donnerstag abend wird der Schlußkommers mit Verkündung der ersten Sieger in der Festhalle abgehalten; außerdem findet täglich Tanz statt. Außer am Sonntag wird täglich von früh 8 Uhr bis abends 12 Uhr gekegelt. • * Eis enbahntheater. In Paris hat sich eine Theatcrgesellschaft zu dem Zwecke gebildet, dem Reisepublikum ans längeren Eisenbaynfahrten Unterhaltung durch theatralische Vorstellungen zu bieten, so daß z. B. Reisende, die den Nachtzug von Paris nach der Riviera benutzen, einen Platz im Theaterwagen erstehen und einer Vorstellung beiwohnen können. An dem einen Ende dieser etwa 60 Zuschauer fassenden Wagen befindet sich eine kleine Bühne. Tas Orchester soll sich auf ein Pianino, ein Piston und eine Flöte beschränken. Man gedenkt vornehmlich kleine Lustspiele und dergleichen zur Ausführung zu bringen, um es auch unterwegs einsteigcnden Passagieren zu ermöglichen, etwas Ganzes und nicht nur Fragmente zu genießen. — In Spanien hat man übrigens schon vor längerer Zeit sogen. „M u s i f lu a g c n" eingeführt, woselbst den Reisenden Unterhaltung durch Geigenkünstler oder Sänger geboten wird. Die Idee wird sich vielleicht für Kabarettkünstler, deren Darbietungen keinen szenischen Aufwand erfordern, ersprießlich erweisen. Kleine Tagcschronik. Die ll n t e v j d) l c H e auf der kaiserlichen Werst in Kiel. Ter Untersuchungsrichter besehlagnahiute einen erheblichen Teil des Vermögens des wegen der Unlerschleife auf der kaiserlichen Werft vcrhauelcii MagazrndircklorS Heinrich. Heinrich wird vor das Zivilgericht gestellt, iucd er nicht, wie der Anfseber FarSbuUer Muilärbeamter, sondern Zivilbeamter im Militär- dicnst ist. Uebersall im Eisenbahnwagen. Zwischen Paris und Straßburg wurde gestern nacht ein Herr Atterbach von zwei Männern in einem "Abteil zweiter Klasse mit Tolck)en bedroht. Emer der Attentäter entkam, als Atlerbach die "Alarmglocke zog. Ter anbcic, der Zöjahrige Paul Banzenhoser au-3 Pont St. Vincent fonnte verpaßet werden. Rauferei. In R o ß b r u n u bei Würzburg kam es bei einem R a d s a h r e r s e st zu einer- Rauferei, an der sich die ganze, 438 Einwohner zählende Gemeinde aufs eifrigste beteiligte, sodaß schließlich Feueralarm gcblafcn werden mußte, um Ordnung 511 schaffen. ES gab eine Menge Verwundeter.. Ter ganze Vorgang hat den Charakter des Landsriedensbruches angenommen und wird schlimme Folgen für die beteiligten haben. Feue r in der St i r ch c. In der Kirche von San Travaso, Provinz Venedig brack) während der Messe Feuer auf dem Haupt- allar aus und verbreitete sich rasck). Tas Feuer zerstörte ein wertvolles Gemälde von Lazzarini, darstellend das "Martyrium zweier Heiligen. Ter D i a m a u t s a b r i k a n t L e m 0 i n hat durch Vermittlung seines Anwaltes beim Generalprokurator eine neue Frist zur Herstellung der künstlichen Diamanten beantragt. Ter Prokurator hat jedoch jede Verlängerung abgeschlagen und erklärt, wenn bis zum 9. d. MlS. Lemom nicht den Beweis für die künstliche Tia- mantcnfabrifalion erbracht habe, sein Prozeß fortgesetzt werden würde. B e u I c n p c st. Wie den Blättern auS Havana gemeldet wird, verfügte der Gouverneur Mageou die Schließung aller kubanischen Häfen mit "Ausnahme von Lazeret und Atariei, für die Wareneinuhr aus Venezuela wegen der dort herrschenden Beulenpest. NrnverMäts-Nnehrichteu. — Die Zweite sächsische Kammer bewilligte als Beitrag für denFonds zum 5 0 0; ä h r i g e n I u b i I ä u m d e r 11 n i v e r s i t ä t Leipzig IcO 000 Mark. — Eine Universität ohne Studenten. Dem Be- richt über die Warschauer Universität im Jahre 1907 sind folgende interessante Zahlen zu entnehmen. Ordentliche Professoren gab es an der Universität im Berichtsjahre 36, außerordentliche und Privatdozenten 23. Außerdem gab es noch an allen Fakultäten 20 unbesetzte Lehrstühle. Tem gegenüber zählte die Universität am 1. Januar 1907 14 Studierende und einen Zuhörer. Ta die Universität im Lause des ganzen Berichtsjahres geschlossen war und eine Neuaufnahme von Studenten nicht ftattgefunbeu hat, andererseits aber auch die früheren 14 Studierenden aus ihr ausgetreten sind, so zählte sie zum 1. Januar 1908 keinen einzigen Studenten. Trotzdem waren zur Unterhaltung dieser ehrivürdigen Alma mater im Berichtsjahre 388 816 Rubel (gegen 800 000 Mark) nötig. Sport. — 23. Mainzer Regatta. Die Melduiigen zu der Samstag, 13., und Sonntag, 14. Juni slattsindenden Regatta de§ Mainzer Ruder-Vereins sind geradezu glänzend ausgefallen. Don 32 Vereinen ivuröeü zu 20 Nennen 114 Boote mit 450 Ruderern gemeldet. Es ist dies ein bedeutendes Mehr gegen das Vorjahr, ivo nur 26 Vereine mit 82 Booten vertreten waren. Turch diese zahlreichen ötclbungcn sind in sämtlichen Rennen sehr große Felder, die auck) nicht durch da? Ausbleiben von Mannschaften verringert werden dürften, weil die Mainzer Regatta das erste diesjährige Wassersportfest ist und daher alle Mannschaften die Gelegenheit sich nicht entgehen lassen werden, ihre Kräfte mit denen der Gegner zu messen. — Die Gießener N u d e r - G e s e l l s ch a s t hat zu vier Nennen gemeldet, zum Rhein-Vierer, zweiten Einer, Junior-Einer und Kaiser-Vierer. Sandel. * • Der Neichsbankdiskont wurde auf 4% Prozent herabgesetzt. Märkte^ le. Frankfurt a. M., 4.Juni. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß Anz."). "Amtl. Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 18 Ochsen, 4 aus Oesterreich, 1 Bullen, 0 aus Oesterreich, 0 aus Tänemark, 79 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Tänemark, 1412 Kälber, 10 Schafe und Hammel, 00 Schafe aus Oesterreich, 00 Ziegen, 1264 Schweine. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht: Ochseii 1. Qualität 80—83 Mk. 2. Qual 73—77 Alk., 3. Qual. 58—65Alk.; Bullen 1.Qual. 68 bi« 66 Alk., 2. Qual. 58-60 Alk.; Kühe 1. Qual. 74—76 Mk., 2.Qual. 64—66 "Ulf., 3. Qual. 44-46 Mk, 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—00Alk. Kälber: 1. Qual.98—100 Psg., Lebendgewicht58 —60 Pf 2. Qual. 84—90 Pia., Lebendgewicht 48—53 'Psg., Schlacht- gewicht 70—75 Psg. Schafe: 1. Qual. 82—00, 2. Qual. 74—76 Psg., 3. Qual. 00—00 Psg.; Schweine 1. Qual. 63—64 Psg., Lebdgeiv. 49,5—50,0 Pfg., 2. Qu. 62—00,0 Psg., Lebeudgew. 49—09,0 Psg 3. Qual. 52—56 Pfg. Lebeudgew. 00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gut, kein Ueberstand. Geschäft in Kleinvieh gut, fein Ueberstcmd. 8 Kirchhain, 3. Juni. Auf dem heutigen Vi eh markt standen 450 Kühe und Rinder zum Verkauf. Der Handel ging bei hohen Preisen flott. — Der "Austrieb auf dem S ch w e i n e m a r k t belief sich auf rund 400 Ferkel und Läufer. Erstere kosteten per Paar je nach Größe 40—60 Alk., während für Läufer 80—100 Mk. bezahlt wurden. Die Nachfrage blieb schwach. Limb u r g a. d. Lahn, 3. Juni. Fruch tmarft. Durchschnittspreis pro Malter. Roter Weizen (nassauifcher) 18,00 Mk. weißer Weizen 00,00 Mk., Korn 15,00 Alk., Gerste 11,40 Mk., Hafer 7.50—0.00 Alk. nach Qual., Erbsen 0,00 Alk., Kartoffeln 5,50 Mk. 1 Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Freitag, den 5. Juni: Fortdauer der heiteren warmen Witterung. Vereinzelt Gewitter. Südliche Winde. Miitter'sche Badeanstalt. W a f s e r w ä r m e 17 °R GrLgZnal-Drahtmeldrrngen. R. B. Darmstadt, 4. Juni. In der heutigen Sitzung der 2. Kammer wurde der Initiativantrag des Abg. Reh wegen der Abänderung der Landgcmeindeor.dnung angenommen. Sodann wurden 17 000 Mk. für den Umbau der Räume der 1. Kammer bewilligt. Eine längere Debatte entstand hierauf über die Regierungsvorlage, betr. Abänderung des W 0 h n u n g s f ü r f 0 r g e g e f e tz e s für Minderbemittelte, die dahin geht, daß den gemeinnützigen Bau- vcreinen Darlehen aus der Landeshypothekenbank ohne Vermittelung der Gemeinden gegeben werden können. Sodann beantwortete Minister Braun die Anfrage des Abg. Bähr wegen der Versetzung des Oberlehrers Dr. Werner von Gießen nach Worms. Die Antwort, die sehr kurz- gehalten, deckt sich in ihrem ersten Teil inhaltlich mit der vor einiger Zeit in der „Darmst. Ztg." erschienenen Regierungserklärung und besagt weiter, daß die Regierung es ab lehn en müsse, über die dienstlichen Gründe, die zur Versetzung Dr. Werners führten, in der Kammer Auskunft zu geben. Abg. Bähr oeantragte Verschiebung der Besprechung bis morgen, das Haus oeschloß aber, insbesondere auch auf den Wunsch von Abg. Dr. Guts leis ch die sofortige Besprechung. Zuuäch stbegründete Abg. Dr. Bähr in längeren, einen sehr unsicheren Eindruck machenden Ausführungen die in der Anfrage aufgestellten Behauptungen. Berlin, 4. Juni. Bis 8 Uhr waren bekannt folgende W a hlresnltate: 111 Konservative, 52 Frcikonservative, 90 Zentrum, 52 Nationalliberale, 7 freisinnige Vereinigung, 20 freisinnige Volkspartei, 5 Polen, 2 Dänen, 6 Sozialdemokraten. Paris, 4. Juni. Die französische Regierung wird eine außerordentliche Mission anläßlich der 300 Jahr- feier nach Quedeck entsenden. Auch wird ein französisches Geschwader bei dieser Gelegenheit Canada anlaiifen. Paris, 4. Juni. Der „Eclair" meldet ans Rio de Janeiro: Der brasilianische Dampfer „Constant", nach Amerika unterwegs, hat auf einer einsam liegenden Insel 20 überlebende Schiffbrüchige des russischen Kriegsschiffes „Siny" getroffen. Die Leute befanden sich schon seit längerer Zeit auf der Insel und haben sich augenscheinlich aus der Seeschlacht von Tschuschima dorthin gerettet. Namur, 4. Juni. Der Dachdecker Deville erschlug in einem Anfall von Eifersucht zwei Logirgäste, mit denen er zusammemvohnte. Beide waren sofort tot. Es waren Vater und Sohn namens Josef und Emil Martin, aus Dambach in Deutschland gebürtig. Auch die Inhaberin de§ Logirhauses wurde von dem Täter durch einen Beilhieb tätlich verwundet. Der Mörder flüchtete, jedoch gelang es, ihn festzunehmen. London, 4. Juni. Der Khedive von Egypten wird nm 20. Juni hier eintreffen und 8 Tage verweilen. London, 3. Juni. Heute sand im großen Criterion- Restaurant ein Fest banket zu Ehren des Kölner Männergesangvereins statt, der hiervor einigen Tagen eingetroffen ist. * Handschuhe | Ein grosser Posten 40 cm lange Maibhandschuhe, durch- QE Kg brochener Arm, mit Valencicuue-Spitze........vv, äO, vö Pfg- Ein grosser Posten 40 cm lange, Seide imitiert, durchbrochen, 17E mit seidener Spitze............... fi 1) Pfg- Hervorragend billig! Nur soweit Vorrat! A. Salomon & Cie. I Arbeitsvergebung. Die zur Herstellung einer Waschküche int himeren Neben gebäude der städt. Hosreite Bahnhofstraße 20 nötigen Erd' und Maurer- sowie Wcißbinderarbcitcn sollen Mittwoch, den 10. Juni d. JH., vorm. ioy4 Uhr öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen zur Einsicht bei uns offen, Angebote auf vorgeschrtebencni Formular, das dm selbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin an uns einzureichen. Zuschlagssrlst 14 Tage. bs/c Gießen, den 2. Juni 1908. .Städtisches Hochbauamt. 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