Die heutige Nummer umsaht 10 Seiten. Line Uanzlerlrifis. und die Fraae nicht ge- a VezagSpretS: monatlich 75viertel« an dieser Stelle darauf hingewiesen worden, wie Verhängnis ____, __|| 11.||| ■ mm ,Laute und Volkslied", so meint Koche mit Recht, ge- Horen zusammen, beide aber nicht eigentlich in den Konzertsaal. Wenn sie dahin gehen, so tun sie es nur, um sich weiteren Kreisen wieder in Erinnerung zu bringen. Wir haben verlernt, traute häusliche Feste wirklich zu feiern. Was ist aus unserer Hausmusik geworden? Einen der köstlichsten Schätze, dessen goldene Klänge einst laut wurden in den Weiheslunden des Abends, im Dunkel verschwiegener Wälder, auf lachenden Fluren, haben wir in Winkeln verstauben lassen. Und doch wäre gerade die ursprüngliche Kraft, die diese Dichtungen au8 warmem Volksherzen aufsprießen Ueß, berufen, auf den überreizten Menschen unserer Tage verjüngend und stählend einzuwirken? Ich konnte eö mir nicht versagen, diese vortrefflichen Worte auS dem Kothe'schen Textbuche hier anzufügen, denn sie geben unsere bisherige bedauerliche Lauigkeit gegen das Volkslied nur zu richtig wieder, aber sie zeigen uns auch, wie wir eS beffer machen muffen. Diese Gewißheit kann der Sänger des gestrigen Abends von Gießen sicherlich mitnehmen, daß er durch seinen Gesang und fein Lautenspiel und vor allem durch die Art seines Vor- träges hier viele neue Freunde deS deutschen Volks- liebes gewonnen hat. Auch die Laute, die doch bis zum 17. Jahrhundert das verbreitetste und beliebteste Instrument war, wird sich wieder neue Freunde gewonnen hoben. Für die Gesangsbegleitung im engen häuslichen Kreise ist sie sicherlich das beste Instrument. Sie ist nicht so aufdringlich wie die Mandoline und unendlich viel reicher als die Guitarre. Sic schmiegt sich dem Gesänge so weich, diskret und bescheiden an. | Koche beherrscht die Laute, auf der et sich selbst zu« KoUtrtzche Lagestzchau. Die Krisis im Orient. Eine recht eigenartige Haltung soll neuerdings Rußland einnehmen. Es soll auf Betreiben Stolypins beabsichtigen, einen kategorischen Protest gegen die Annexion Bosniens und der Herzegowina einzulegen. Mit dieser Meldung würde ge- wisserwaßen auch die Nachricht übereinstimmen, daß der serbische Kronprinz von seiner jüngsten Unterredung mit dem — Kleine Chronik aus Kunst und Wissen schaff Die „Götterdämmerung- brachte am zweiten Abend beri Auüü!)rung in der P a r i s e r G r o ß e n Oper eine Einahme voas 23 146 Francs. Ein so günstiges Kassenrejultat hat die Parisaü Oper noch niemals zu verzeichnen gehabt. Siebener Aonzertverein. L Deutsche Volkslieder und Balladen zur Laute gesungen von Robert Kothe. Es war eine Kunst längst vergangener Zeiten, die uns gestern erfreute und erfrischte und sich mit ihren teils innig- zarten, teils naiv-derben Weisen in die Herzen der Zuhörer hineinstahl, Diese einfachen Volksweisen, welchen wunder- samen Reichtum offenbaren sie unS. Man hat es ja bis vor nicht allzu langer Zeit in den weitesten Kreisen unseres Volkes gar nicht geahnt, welchen herrlichen Schatz man so lange hat vergessen und verstauben lassen. Wohl hat es hin und wieder einer unternommen, unsere Volkslieder zu sammeln und sie der Allgemeinheit zugänglich zu machen, unb manches Schöne ist auf diese Weise wieder Gemeingut unseres Volkes geworden, aber die wirkliche Liebe zum deutschen Volksliebe und das richtige Verständnis für seine Schönheit, die fehlte doch noch vielfach. Die Art, wie bas Volkslied bei uns noch bis vor kurzem gepflegt wurde, war nicht gerade dazu angetan, Liede unb Verständnis zu wecken. Es fehlte an guten Interpreten des Volksliedes, an Sängern, die eS nicht unter ihrer Würde hielten, die Schönheit des Volksliedes zum Leben zu erwecken. Ein solcher Interpret ist Robert Koche. Er öffnet einem erst die Augen und Öhren für den süßen Zauber, der in unseren Volksliedern lebt und webt. Man lernt durch ihn erst wieder glauben, an das allgemach schon etwas sagenhaft gewordene tiefe deutsche Gemüt. Erste Lesung der Beamten- und Lteueigesetze beendet. ^Sitzung des preußischen Abgeorbnelenhaujes vom 31. Oft) In 20 Minuten war über ben Einspruch des Abg. HoN- m a u n gegen die ihm am Vortage applizierten OcdnungSru'e be- reits enticlncben. Das war nur möglich, ivcil die Geschäftsordnung eine Diskussion über solche Einsprüche nicht zuläßt. Die zwanzig Limiten wurden in der Hauptsache durch eine Gescha'tsordnungs. bebaite über ben sozialdemokratischen Antrag ausgciullt, die Ab- siimmung ans Ende der Sitzung zu oerlegeu, damit der stenographische Bericht zugrunde gelegt werden konnte. Tie Mehrheit hielt sich auch ohne stenographischen Bericht mv genügend unter- richtet, und erkannte alle drei Ordnungsrufe als berechtigt an. Oder oll man lieber sagenlehnte es ab, den Präsidenten zu desavouieren ? Genug, der Einspruch wurde m allen seinen Denen abnelelmt, und daS Haus schickte nun acht Redner vor, um die Ste uervorlagen zu besprechen. Daneben nahm die „rage des Wahlrechts, aus deren Zusammenhang mit der eteuerre’orm Wbfl. Friedberg zuerst hiugewieftn hatte, einen nicht geringen Raum ein Rum ersten Male hörte man zu den Fmanzvorlagen Redner der Polen: v. Saß-Jaworski, der sretsinnigen Bolkspartet: Tr. Wiemer, der freisinnigen Bereinigung: Tr. Pachmcke, der Sozialdemokraten: Hirsch: zum zweiten Male Redner der Konservativen: v Arnun-Züsedom, der Freikonjervauven: Graf Moltke, und der Nationalliberalen: Tr. Röchling. Ter nationaUiberate Abgeordnete ,0Q die Berechnungen des Finanz,ninisters über die künftigen Ltaalsemnahmen in Zweifel und hielt es nicht für ausgefchlofien, baß man ohne neue dauernde Steuer auskommen könne. Nachdem die Debatte geschlossen luorben war, wurden bie hauptsächlich berührenden Vorlagen, einschließlich der Beamtenbesolbiing, der aus 28 Mitglieder verstärkten Budgetkommiision überwiesen, während die Vorlagen über Lehrer- und Geisilichen-Aufbesserung durch eine besondere Kommission von 21 Mitgliedern oorberateu werden soll. Ehe diese Kommissionen die erite Lesung bewältigt haben, wird das Plenum nicht wieder zusammentreten. Raten Nikolaus sehr befriedigt gewesen ist. x)>Wd.)en hat bet montenegrinische außerordentliche Gesandte Muischkowchch dem russischen Ministerium des Auswärtigen ein Verzeichnis der montenegrinischen Forderung übergeben. Danach ^wollen angeblich Serbien und Montenegro der erwarteten Balkan- konserenz folgende Anträge unterbreiten: Bosnien und die Herzegowina sollen entweder an die Herzegowina zurückfallen oder autonome Verwaltung beider Provinzen errichtet werden. Sollte überhaupt eine Lüsting dieser Povinzen von der Turke, erfolgen, so dürften sie ihrer Bevölkerung, Religion, Sprache unb Geschichte nach nur Serbien unb Montenegro äuge- fptochen werden. Das Mindestmaß der von Montenegro zu erwartenden Kompensationen wäre die Rückgabe der Herzegowina an Montenegro, da die Montenegriner dies Gebiet schon 1876 erobert hätten, die .Vereinigung der Grenzen von Serbien unb Montenegro' sowie die Rückgabe der von den Montenegrinern schon zur Zeit der napoleonischen Kriege eroberten Provinz Ragusa an Montenegro. Diese Provinz sei vom Zaren Alexander I. seinerzeit Oesterreich geschenkt worden. Sollten diese Kompensationen von der Konferenz nicht bewilligt werden, so werde Montenegro zu den Waffen greifen. parlamentarisches. Der Reichstag wirb am fonunenben Mittwoch, am Tag seines Wiederzusammentruts, sich mit Petitionen beschäftigen. Für den Donnerstag soll bas Automobilgesetz auf die Tagesordnung qeietu werben. ‘ Tann will man die Zett, bie dann noch bis zur ersten Lesung der Finanzgesehe bleibt, der Durchberatung des WemgesetzeS und der Zivilprozeßnovelle widmen, -tie eriie Leiung der Finanzgesetze dürfte frühestens am H. oder 12. November beginnen. .... . . m , T i e Gewerbeorb nungskommlfsion besvveichs- t a g e s hat eine Zentrumsresolution angenommen, wonach baldmöglichst ein Gesetzentwurf zur Regelung der Arbeitsoerhaltnisse der bei Musikaufsuhrungen, Schaustellungen, theatralischen Unternehmungen oder sonstigen Lustbarkeiten tätigen Personen vorgelegt werden möge. Aus der Zahl der Gewerbe, bie den Bestimmungeu des Titels 4 der Gewerbeordnung nicht unterstehen sollen, wurdi das Baugewerbe gestrichen. entziehen." nr,.,. . Daß der Kaiser Bedenken getragen hat, da» Abschieds- aesuch des Kanzlers anzunehmen, ist verständlich, denn schwierig genug ist ja die augenblickliche Sage in der auswärtigen Politik. Ein neuer Reichskanzler würde sich nicht leicht da hineinarbeiten können. Das Bedenkliche an der Sache bleibt aber für die deutsche Öffentlichkeit das Zugeständnis, daß die verantwortlichen Leiter unsrer auswärtigen Politik in einer wichtigen Angelegenheit nicht auf ihrem Posten gewesen sind. Cs ift sck>on vor emigen Wochen Großh. Kreisschulkommis s io n en zu richten und von diesen zu bescheiden sind. In der ReLel sollen die Gesuche nur dann genehmigt weroen: 1. wenn besonders dringende Umstände — sehr ungünstige Familien-, föer- mögens- und Eintommensverhältnisse der Eltern, Krankheit der Kinder u. a. — vorliegen, 2. die Kinder in den wesend« licheren Unterrichtsgegenjtänden — Religion, deutscüq Sprache, Lesen, Rechnen und Schreiben — genügende Kenntnisse erworben Haden, und 3. die Kinder im Jahrq der Entlassung das 14. Lebensjahr erreichen. Fälle, in denen Kinder erft in der Zeit vom 1. Januar dis 31. März des dermaßen: t, „teilt großer Teil der auslandtschen und mlanbischen Presse hat wegen des im „Daily Telegraph" veröffentlichten Artuels kritische Betrachtungen gegen die Person Seiner Majestät des Kaisers gerichtet, wobei von der Annahme ausgegangen wurde, der Kaiser hätte diese Publikation ohne Borwissen der für die Politik des Reick-es verantwortlichen Stelle veranlaßt. Diese Annahme ift unbegründet. Seine Majestät der Kaiser tyatte von einem englischen Privatmann mit der Bitte, die Veröffentlichung zu genehmigen, das Manuskript eines Artikels erhalten, in dem eine Reihe von (besprächen Seiner Majestät mit verschiedenen englischen Persönlichkeiten und zu verschiedenen Zeilen zu- sammengesaßt war. Jener Bitte lag der Wunsch zugrunde, die Aeußerungen Seiner Majestät einem möglichst großen Kreise englischer Leser bekannt zu geben und damit den guten Beziehungen zwischen England und Deutschland zu dienen. Der Kaiser ließ den Entwurf des Artikels an den Reichskanzler gelangen, der das Manuskript dem Auswärtigen Amt mit der Weisung überwies, dasselbe einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Nachdem in einem Bericht des Auswärtigen Amts Bedenken nicht erhoben worden waren, ist die Veröffentlichung erfolgt. Als der Reichskanzler durch die Publikatwn des „Daily Telegraph" von dem Inhalt des Artikels Kenntnis erhielt, erklärte er Seiner Majestät dem Kaiser: er hätte den Entwurf des Artikels nicht selbst gelesen; andernfalls wurde er Bedenken erhoben und die Veröffentlichung widerraten haben; er betrachte sich aber als für den Vorgang allem verantwortlich und decke die ihm unterstellten Ressorts und Beamten. Gleichzeitig unterbreitete der Reichskanzler Seiner Majestät dem Kaiser sein Mschiedsgesuch. Seine Majestät der Kaiser bat diesem Gesuch keine Folge gegeben, jedoch auf Antrag des Reichskanzlers genehmigt, daß dieser durch Veröffentlicyung des oben dargestellten Sachverhalts in die Sage versetzt werde, den ungerechten Angriffen auf Seine Majestät den Kaiser den Boden zu Diese ganze Angelegenheit ist so furchtbar beschämend für uns und zugleich auch so furchtbar ernst, daß der Reichstag, wenn er in den nächsten Taaen zusammentritt, mit allem nur möglichen Nachdrucke Remedur verlangen muß. Das deutsche Volk hat ein Recht, zu verlangen, daß ihm endlich die alte Sicherheit in seiner Auslanospolitik gegeben werde, wie man sie zu Bismarcks Zeiten tjatte. Ferienerholung haben freilich auch unsere leitenden Staatsmänner nötig, aber sie sollten dabei ooch auch des Wortes unseres alten Kaisers nicht ganz vergessen: „Ich habe keine Zeit müde zu sein." & voll es ist, wenn unsere leitenden Staatsmänner alle gleiaj- zeitig der Reichsl-auptstadt fern sind^ Auch in unserer heutigen Zeit des Telegraphen unD bed ^lephons ist die persönliche Anwesenheit nicht überflüssig. Das zeigte ich bei der Orientlrise, und das zeigt sich jetzt in noch deutlicherer Weise bei dieser leidigen Angelegenheit. Man legt fich un- nnlirürlid) die Frage vor, ob die llnstetigkeit und die Unsicherheit in unserer deutschen auswärtigen Politik nicht zum großen Teil daher lommt, daß an den leitenden Stellen der stäiidige Kvnnex fehlt. Zeigte sich das nicht schon beim Ausbruch des rusjisch-iapanischen Krieges, loo sich unsere auswärtige politische Leitung von den Ereignis en gänzlich überragen ließ. M»n hätte meinen sollen, daß man damals die nötigen Lehren aus die semBor fall gezogen hätte, aber, wie man sieht, dauert das alte System fort; und wenn es das Unglück will, haben wir auf solche Weise emes schönen Tages selbst Krieg, und unsere leitenden Staatsmänner erfahren diese Tatsache dann vielleicht erst aus den englischen Zeitungen. Was Hilst uns da unser |tarte§ tzeer, wenn unsere Diplomatie nicht Miabläjsig auf der Gesänge begleitet, meisterhaft. Als Sänger zeichnete er sich voc allem durch saubere Technik und bewundernswerte Ausdrucksfähigkeit im Vortrage aus. Jedes einzelne Wort ist hier voller Leben und Bewegung, voller Farbe und Glanz» Man hört es nicht nur, man sieht es geradezu unb fühlt eS; es wird zu einem lebendigen Kunstwerk; es bekommt etwas von einem Selbstzweck, es interessiert nicht nut als Trager des Gedankens, sondern schon allein für sich als sprachlicher unb musikalischer Wohllaut. Unb wie wunderbar gesteigert ist diese Wirkung erst noch im Zusammenhänge der Verse. Man denke mir an den Schluß beS Liebes „Feinsliebchen, du sollst mir nicht barfuß gehn*, wo eS heißt: „Was zog er aus seiner Tasche fein? Von lauter Gold ein Ringeleint Es ist hiernach eigentlich überflüssig zu sagen, daA Kothes Vortrag nichts von der sonst so gefürchteten Monotonie alter Volkslieder zeigte unb daher auch beim Zuhörer nicht die leiseste Spur von Ermüdung heroorrief. Selbst dis 15 Strophen bes Liedes von den zwei Königskinbern ließen bei den Zuhörern kein Nachlaßen der Aufmerksamkeit er/ kennen, und das ist wahrlich viel. Das Publikum dankte dem Sanger nach ben einzelnen Liedern mit stürmischem Applaus und war hocherfreut, daß er sich noch zu einer} Wiederholung und einer Zugabe bewegen ließ, -n. Deutsches Reich. Der Kaiser wird zwilchen dein 12. und 14. November in Manzell den Zeppelm'fchen Ballon besichtigen und wahrfchemlich an emem Au'ftiege teilnehmeu. „ , . DerStaaissekretär desAusw artigen, u. Schoen,» wurde während des Diners für die Urheberfchutzkouierenz von einem starten Unwohlsein beiallen, dessen Heilung drei bis vier Wochen beanjprucheu büvite. Herr v. Schoen klagte seit längerer Zelt übet allzu große Ueberlastu ig mit Dienstgeschauen. Rücktritt des preußrschenKuttusmrnisterS. Wie die „Nat.-Zg.t" erfährt, wird Kultusminister Holle von feinem Urlaub nicht mehr m fein Amt zuruckkehren. Hier und da ist in den letzten Tagen als voraussichtlicher Nachfolger Minnterial- direklor SchwartzkopN genannt worden. Das soll nicht zu« treffen. Vielmehr soll nach dem Nachfolger noch gefucht werden. Aus Stadt und Land. Gießen, 2. November 1908. Nun weiß man endlich, wie das Unglück geschehen ist und wie es gekommen ift, daß die Aeußerungen des Kaisers über seine Freunbsä>aftsben>eise gegen England andre Oes- eutlichkeit gelangt sind. Die offiziöse dkordd. Wlg. Ztg. nibt die Aufklärung hierüber, und sie klingt wie eme Ent- äiulbigung, eine Entschuldigung für das unentfchuldbare Erhalten des Reichskanzlers unb bes Ausw. Amts, daß sw den Artikel bes Kaisers nicht gelesen unb bie Frage nicht ge- nüaenb geprüft haben, ob bie Veröffentlichung bieses Artikels opportun war. Der Kaiser war auf Reisen, ber Reichskanzler weilte in ytorbemey, ber Staatssekretär bes Auswärtigen in Berchtesgaben unb währenb bie beutsche auswärtige Politik solck>ergesbalt Ferien hatte, geschah bas Unglaubliche. Der Kaiser verließ sich auf seinen Kanzler, ber Kanzler auf Ausioärtige Amt, uni) bieses baute wohl darauf, baß Kaiser unb Kanzler sich über bie .Veröffentlichung schon verslänbigt lMten. Der Reichskanzler hat nun freilich die Konjequenzen aus diesem Vorfall gezogen und scm Abschiedsgesuch eingereid)t, aber was ändert das an den üblen Wirkungen, die nun einmal durch die Veröffentlichung zutage getreten sind. Doch hören wir die offiziöse Mitteilung der Nordd. Allg. Ztg. über dieser Fall, sie lautet folgen- ** Vorzeitige Schulentlassung. Das Großh, Ministerium des Innern, Llbteilung für Schulangelegenheiten, hat bestimmt, daß fortan Gesuche um vorzeitige Entlassung von Schulkindern aus der Volksschule an die Nr. 258 Erstes Blatt 158. Jahrgang Montag 2. November 1908 Del eunttHt anjetMt XST © erlchem, täglich, außer ÄEW ” . . Y ▲ täl)rhd) Tlt. 2.20; öurcfr 3i (Dienstag und Freitag), «HL ®S SB W «W . FÄ fs M eß 5 x Zeitenpreis: lokal IbVt, äää v/l|VS■ * | Ferntprech • Anfchlüffer Wk® für ben oolittfchen Tech General-Anzeiger für Oberheffen WM notaftonsörn» und Verlag 6er vnihNchen Unl»,vuch- und Stetnörnderei B. Lange. Ve6°m°n. LrvedMon un6 Drudcrei: Schnlstratze 7. e,£ bl6 oormlltags 10 Uhr. ■_ ■■■!■!! mm Bibelstunde. Pfarrer B e ch t o l s h e i m c r. November Wetter 1908 gezeigt. ■— % 3Jä°/0 3% 3>»7o Berliner Handelsges. Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Deutsch-Asiat Bank Diskonto-Kommaudi t» Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio- Eisenbahn . . . Gottbardbahn . . . Lomuard. Eisenbahn Uesterr. Staatsbahn . - 140 80 . 49 60 . 86.30 . 190.75 . 192.30 . 22.40 . 84.50 . 140.60 . 94.20 . 84.60 . 92.40 Elektriz. Schuckert . . . Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paket!. Harpcner Bergwerk. . . o.o 3?6 . 165.70 . 126 30 . 237.70 . 137 00 . 177.30 . 145.75 . 11)9.20 22.50 147 40 Börse, 2 - . 174.10 . . 126 00 . . 237.50 . . 57.00 145.60 Bed. Himmel Bed. " „ Bed. lürkenluse..... 4 % G riech. Monopol-Anl. 4-ä äussere Argentinier j°/0 Mexikaner . . i>i7o Chinesen . . . Aktien: Bochum Guss . . . Buderus E. W. . . Tendenz: fest Berliner Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . . do. Konsols do. Hessen . . Oberbessen 6,8 3,7 0,7 Fabrikant: August JacobüDarmstadti aufgeb coii;cn, um diese mm Feldwebel zuruckzujuhren. Durch das Schöffengericht Ortenbcrg wurde der in Gelnhaar bedienstete Gärtner A. K. aus Merkenfritz wegen Bedrohung zu 25 Tagen Gefängnis verurteilt. Eine teilweise verbüßte Strafe von zwei Wochen wegen Körperverletzung wurde einbezogen und daraus eine Gesamtstrafe von 5 Wochen gebildet. Ter Angeklagte bestritt, eine ernstlich gememte Drohung ausgestoßen zu haben und focht das Urteil an. Tie Beweisaufnahme ergab jedoch, daß er einem Milchkutscher mehrere Ohrfeigen versetzt und ihm zugerufen hat, er schneide ihm ben „Krios" ab. Es wurde auch festgestellt, daß der Bedrohte sich in seinem Sicherheitsbewußtsein beeinträchtigt gefühlt hat, dcun er hat statt seines bisherigeii Weges mit seinem Milchwagen schlechte Feldwege benutzt; auch stand fest, daß der Angeklagte an einem Waldrande auf ihn gelauert hat. Unter diesen Umständen mußte das Urteil seine Bestätigung finden. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Die Furcht vor dem Arbeitshaus trieb den Schlößer H. St. von M eng s h ausen zur Berufungseinlegung gegen ein Schöffengerichtsurteil, daß ihn wegeli Bettelns zu G Wochen und wegen Ruhestörung zu 2 Wochen Haft verurteilt hatte, nach deren Verbüßung er in daS Arbeitshaus sollte. Wie aus seinem Sündenregister hervorgeht, hat er die Gewohnheit zu jkandalieren und die Leute zu beleidigen, wenn er beim Betteln abgewiesen wird. So hat er cs auch in Vilbel gemacht. Als er zu einer unpassenden Zeit eine Bäckersfrau um einen Teller Suppe bat und ihm nichts verabfolgt wurde, nannte er die Frau eine „Rotznase" und skandalierte, bis seine Festnahme erfolgte. Er ist jo häufig wegen Bettelns vorbestraft, daß alle Voraussetzungen zur Arbeitshausüberweljung vorliegen, weshalb das Urteil b e “ {tätigt wurde. Gießener Strafkammer. ) ( Gieß^cn, 30. Oktober. Wegen Diebsiahls im Rückfall wurde der H a u ? b u r s ch e P. O. aus Z a h l b a ch zu 6 Monaten Gefängnis abzüglich 1 Atonal Untersuchungshaft verurteilt. Er hat einem mit ihm in einem Friedberger Hotel bediensteten Mädchen einen Siegelring und einen kleinen Geldbetrag entwendet. Ein Wüstling. Auf Grund einer unter Ausschluß der Oefsentlichkeit geführten Verhandlung wurde der Taglöhner A. M. hier wegen Sittlichkeitsoerbrechens und Blutschande ju 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus veriirteilt. Nach bein Urteil hat das Gericht die Strenge des Gesetzes walten lassen, da er sich an der seiner Obhut anvertrauten kaum 11 Jahre alten Stieftochter zweimal unsittlich vergangen hat. Es wurde für jeden der Fälle 1 Jahr Zuchthaus in Ansatz gebracht und die Strafen onf l1/2 Jahre zurückgesührt. Aus schiefer Bahn befindeii sich die 15jährigen Taglöhner P. E. und O. G. hier. Die wegen Diebstahls vorbestraften Jungen sind im letzten Monat an der alten Klinik hier vorbeigekommen. E., der durch seine frühere Unterbringung als Patient in der Ohrenklinik die Lokalitäten kannte, machte den Vorschlag hineinzugehen. Da niemand anwesend war und der Schlüssel stak, durchsuchten sie den Operatious- raum und nahmen eine Elektrisiermaschine mit. Hierauf gelangten sie durch ein Fenster in den Küchenbau, wo sie zwei Elemente und einen kupfernen Kessel Mitnahmen, den G. seiner Mutter zum Geschenk machte. Wenn auch einerseits die früheren Strafen strafschärfend wirken mußten, so wurde doch strafmindernd die Tatsache berücksichtigt, daß die Angeklagten das Gestohlene, das übrigens keinen besonders großen Stiert hatte, mehr aus Lust zum Spielen als aus verbrecherischer Neigung sich angeeignet haben. Es erschienen deshalb Gefängnisstrafen von je drei Wochen für ait- Geborene: Herrn Otto Grumbach und Frau in Düsseldorf eine Tochter. Gestorbene: Herr Johannes Bücking in Alsfeld. — Herr Johann Adam Lutz in Elpenrod. — Herr Hermann Röder in Dorheim. — Frau Leopold Wallach, geb. Spier, in Alsfeld. — Frau Witwe M. Marr in Berlin. Mochttche Nachrichtens Evangelische Gemeinde. Montag, den 2. November, abends 8 Uhr, im Lukassaale: 58 40 59.95 97 35 91.15 90.90 4 russ.Staatsanl. 1905 4/a l/o japan. Staatsauleihe 1 % Couv. Türken vou 1903 95 I 96 1. 1. 2. TeEeioniscfoe Kursberichte Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie. Giessen. I 754.1 754,3 j 753,7 Uesterr Goldreute. 4l/6?6 Uesterr. Silberrente 4% Ungar Goldreuto . . im Freien tor Regen und Dunkelheit nichts mehr gesehen. Gr wisse mir noch, daß er mit seiner Mannschaft im Freien herum, getorkelt und über einen Graben gesprungen sei. Spät in der Nacht sei er aufgewacht, er habe auf einer Wiese gelegen, seine Leute habe er nicht mehr gesehen nni> seine Waffen hätten ihm gefehlt. Weil es noch regnete, habe er Unterkunft in einer in der Nahe liegenden Mühle gesucht und bis jwm Morgen auch gefunden. Major Micker stellt aus den Akten fest, daß die beiden Kameraden, die zur Patrouille gehört haben, ebenfalls auf jener Wiese im Regen übernachtet haben und das Seitengewehr, Koppel und Patronentasche ihres Führers bei der Kompagnie abgeliefert hoben, als sie allein zurückgekehrt waren. Das Gewehr des Marx hat man später auf einem Kartoffelacker zufällig gefunden, so idaß es wieder in Besitz der Kompagnie gekommen ist. Aus die Frage, wie er dazu gcfomm’cn sei, sich Nachts auf die nasse Wiese zum Schlafen hin zu legen, kann Marx keine Antwort geben. Oberleutnant Schwendy ist der Ansicht, der Angeklagte sei kur; nachher, als er die Wirtschaft verlassen hatte, so sinnlos betrunken gewesen, daß er strafrechtlich für das, was passierte, nicht verantwortlich ‘,3 -emadit werden könne, er lasse deshalb die Anklage aus § 137 des M. Str. G. wegen Beschädigung unb Preisgabe eines Tienstzegenstauves fallen. Dagegen müsse der Angeklagte aus § 147 des M. Str. G. bestraft werden, denn dieser habe als Befehlshaber eines Kommandos oder einer Ab- teilnug in schuldhafter Weise sich außer Staub gesetzt, den ihm o6Iiegenbcn Dienst zu versehen, er hat den ihm erteilten Befehl, nach einer halben Stunde seine Leute zur Wache zurückzuführen, nicht ^»usgeführt. Ter Fall liege um so schwerer, als es sich hier um inne Feldwache handelte, die sich im Ernstfälle, im Kriege, auf die ausgesonderten Leute unbedingt verlassen müsse. Marx mutzte sich des Vertrauens, das sein Vorgesetzter in ihn setzte, als er ihm die Führung der Patrouille anvertraute, würdig zeigen, er ist auch bereits wegen Ungehorsams auf dem Diszip. linarwege dreimal bestraft, deshalb -müsse im vorliegenden Fallt nicht auf mittleren, sondern auf strengen Arrest erkannt werden, den er auf d rei Wochen zu bemessen bitte. Das Urteil lautete demgemäß. — In einem weiteren Falle verurteilte das Standgericht den Ersatzreservisten Schlosser Fr. Karl Blomberg, z. Zt. in Siegen, wegen Kontrollentziehung in 1907/08 und wegen Nichtbefolgung eines Gestellungsbefehls zu 10 Tagen Mittelarrest, indem angenommen wurde, daß dies Könttvllvergehen fahrlässig begangen ist. — Ter Musketier Hermann Schmidt, gebürtig vus Dietesheim (Kr. Offenbach) von der 3. Kompagnie des 116. Infanterie-Regiments hatte sich gegen die schwere Anllage der Gehorsams Verweigerung, Achtungsverletzung, teilweise bei versammelter Mannschaft, zu verantworten. Tie Affäre hatte sich z. Zt., als unser Regiment im Manöver war, an der Wache der alten Kaserne abgespiett. Tie Verhandlung, die über 2 Stunden in Anspruch nahm, endete mit der F r e i s p r e ch - u n g des Mannes, weil der Gerichtshof im Gegensatz zu dem Anklagevertreter der Ueberzeugung war, daß Schmidt für die Straftaten nicht verantwortlich zu machen ist, weil er sinnlos betrunken war, als er sie beging. Al. - G l a d b a ch, 31. Oft. In dem großen Prozeß wegen des Schmuggels an der h 0 l l ä n d s ch e n Grenze wurden die vier Hauptangeklagten solidarisch zu 38 800 Mk. Schadenersatz für hinterzogene Zölle und zu fünf bis 10 Monaten Gefängnis, der fünfte Hauptangeklagte zu dreitägigem Gefängnis verurteilt. Acht Mitangeklagte wurden freigefprochen, sechs zu cm bis drei Monaten Gekängnis verurteilt. Tas Standgericht trat am Freitag vormittag in der alten Kaserne zusammen. Ter Gerichtshof wurde aus Major Nücker als Vorsitzender, Hauptmann Buhtz und Oberleutnant Boetzig^als Beisitzer gebildet. Tie Anklagen vertrat Oberleutnant Schwettdy. Ter erst kürzlich zur Ersatzreserve entlassene Bergmann Robert Marx I. hat als Musketier bei den 172ern in Straßburg gebient und das diesjährige Manöver mitgemacht, das sich an der schweizer Grenze aöspielte. An einemlRegentage — die Truppen waren vom frühen Morgen aus den Beinen gewesen — bezog die Kompagnie des Marx ^rachmittags gegen 5 Uhr Feldtvache. Ter Feldwebel beauftragte Marx, mit noch zwei Manu als Patrouille gegen einen Wald vorzugehen und fefarf die Schneisen nachzuselien, ob sich ein Feind zeige. Er sollte spätestens in einer guten Ijalben Stunde mit seinen Leuten sich zurückmelden. Wer aber erst am anderen Vormittag zu seiner Truppe zurückkam, war der Patrouillenführer Marx und zwar meldete er sich ohne Gewehr, Koppel, Patronentasche und Seiteu- bewehr. Der Mann sah aus nicht wie ein Vaterlandsverteidiger, sondern wie ein Stromer, der in einer Lehmgrube genächtigt hatte. Marx erzählte dem Standgericht, wie er unter strömendem Regen am Waldrand entlang gezogen sei, ohne vom Feinde eine Spur zu sehen. Ta.tn habe man in der Ferne ein Dorf gesehen und sei Garant losmarschiert. Ganz friedlich seien dann die drei Leute in das Wirtshaus des Torfes gegangen, wo sie bei Sckmaps und Wein eine Stunde rasteten. M. hat dort 4 Schnäpse und 1 Schoppen Wein getrunken. Tann sei er mit seiner Patrouille aber sckwer > auszuführen, als gedacht gewesen. Denn erstens hatten sie alle drei die Getränke gespurt und weiter habe man ‘ 6.3 5,7 । 4,7 den. Gestern nachmittag hatte sich ent größerer Kreis von Ausstellern und Beteiligten im Ehrensaal der Ausstellung eingefunden, darunter Staatsminister Ewald und die Minister Braun und Gnauth. Minister Braun gab darauf einen längeren Rückblick über den Verlauf der Ausstellung. Rund 600 Aussteller, sowie 200 Künstler und Architekten waren auf der Ausstellung vertreten und die Zahl der Besucher habe sich auf nahezu 235 000 belaufen. Ter Erfolg der Ausstellung sei groß und des Unternehmens würdig gewesen, auch oer materielle Gewinn sei hocherfreulich, so daß ein sehr ansehnlicher Ueberschuß verbleiben wird. Der Minister teilte zum Schluß mit, daß der Großherzog dem Leiter der Ausstellung Ober-Regierungsrat Tr. Wagner die Große goldene Medaille für Landwirtschaft und Gewerbe und den Professoren Scharvogel und Alwin Müller, sowie Landgerichtsrat Tr. Schwarz und Ingenieur Markwort das Ritterkreuz 1. Klasse verliehen wurde. Die Rede des Ministers schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Großherzog. Nach der Schlußfeierlichkeit fand ein zwangloses Essen im Ausstellungsrestauraut statt. — Der Groß- Herzog hat der Isidora Tunean, die ihre Tanzschule von Berlin nach Tarmstadt verlegt, ein ausgedehntes Grundstück auf der Marienhöhe, unweit der Ludwigshöhe für den Neubau einer Tanzschule zur Verfügung gestellt. Das Ter- raitt liegt in herrlicher Lage, durch bewaldete Hügel geschützt und bietet einen wundervollen Fernblick in die Oden- walhberge, die Bergstraße und die Nheinebene. Das Komttee, das sich für die Erweiterung der Schule einsetzen wird, ist vergangene Woche zusammengetreten und hat seine konstituierende Versammlung für Anfang November festgesetzt. w. Wetzlar, 1. Nov. In sämtlichen Landgemeinden sind nunmehr Wanderbibliotheken eingerichtet, die eifrig benutzt und meist von den Lehrern verwaltet werden. Sie wechseln jedes Jahr: es waren im letzten Jahre 49 970 Bücher im Umlauf. Tabei wurde die Bemerkung gemacht, daß Bücher wissenschaftlichen Inhalts (Kolonien, Marine) mit Vorliebe gelesen wurden. — Ferner wurden .Haushaltungskurse im Kochen, Waschen, Flicken, Krankenpflege und erste Hilfeleistung in 25 Gemeinden mit 495 Teilnehmerinnen in den letzten Jahren durchgeführt. 18 Gemeinden sind bereits mit Krankenpflegerinnen versehen und 16 haben bis jetzt Sanitätsschränke erhalten. In neuester Zeit hat man begonnen, für die schulentlassene Jugend S p i e l k u r s e einzurichten, die sich einer regen Teilnahme erfreuen. Frankfurter Börse, 2. November, 1.15 Uhr. Reichsanleihe “ ’ ~...... Verkaufsstellen durch dieses Plakat 6s-/uJ_ kenntlich. folgenden Jahres das 14. Lebensjahr vollenden, sind nur ganz ausnahmsweise zu berücksichtigen. Nicht zu genehmigen sind die Gesuche, wenn die Gefahr besteht, daß die Kinder in landwirtschaftlicher oder gewerblicher Arbeit übermäßig angestrengt und dadurch an ihrer Gesundheit geschädigt und in ihrer Entwicklung gehemmt werden könnten. Kinder, die, obgleich sie das sechste Lebensjahr vollendet, wegen Gebrechlichkeit, Krankheit oder Unreife nach Art. 20 des Volksschulgesetzes nicht rechtzeitig in die Schule ausgenommen, sondern durch den Schulvorstand noch eine Zeitlang vom Schulbesuch freigegeben worden waren, können trotzdem im allgemeinen mit ihren Altersgenossen — auch nach kürzerer als der achtjährigen Schulzeit — entlassen werden, sofern nicht Art. 21 des Votksschulgesetzes auf sie anzuwenden ist. Die Fortbildungsschulpfficht der Knaben wird durch die frühere ober spätere Entlassung aus der Schule nicht berührt, da Art. 23 des Volksschulgesetzes alle aus der Volksschule austretenden Knaben noch für drei Jahre zum Besuche der Fortbildungsschule verpflichtet. — Das Kinernatographen-Theater am Selters- weg bringt uns in dieser Woche wieder viele neue und sehr gute Sachen. Die Ansichten von Rom, sowie der Brand von Donaueschingen sind Naturaufnahmen und sehr interessant. Die Dramen: „Der alte Schäfer", sowie „Der Traum des Trinkers* und »Der eifersüchtige Bräutigam" sind sehr spannend und sinden allgemeine Bewunderung. An humoristischen Sachen werden die Zukunftsvolizei, sowie „Nehmen Sie, bitte, mal den Korb weg" gegeben. Und erst die durchgegangene Schwiegermutter bringt wahre Lachsalven hervor. Wer eine interesiante Stunde verleben will, in der Ernst und Scherz an ihm oorüberzieht, dem empfehlen wir einen Besuch des Kinematographen. § Lollar, 31. Okt. Ter Barbier H. P. hatte wieder «einmal, wie dies öfters bei ihm vorkam, am vergangenen Dienstag einen „Blauen" gefeiert und sich dabei gehörig betrunken. Als. er sich in seiner Trunkenheit anderen Gästen gegenüber zu viel erlaubte, sah man sich genötigt, ihn nach ieiner Wohnung zu verbringen. Man brachte ihn alsdann sogleich zu Bett. Sein Durst war jedoch so groß, daß er es im Bett nicht lange aushielt und sich eine im Zimmer befindliche Bierflasche herbeilangte. Da er diese nicht zu öffnen vermochte, setzte er sich vor den Tisch auf einen Stuhl, um den Hals der Flasche an der Tischkante entzwei zu schlagen. Hierbei schlug er sich jedoch, ohne die Tischtante zn treffen, derart in den Fuß, daß eine Wunde entstand und neben mehreren kleinen Adern auch die Hauptader vollständig durchschnitten wurde. Elli großer Blutverlust war die Folge. Trotzdem der rasch herbeigerufene Arzt die Wunde vernähte, trat heute nochmals eine derartige Blutung ein, so daß man sich genötigt sah, ihn sofort nach der I i n i t nach Gießen zu verbringen. An dem Aufkommen Les Patienten wird gezweifelt. ck. Alsfeld, 31. Okt. Gestern tagte hier im „Deutschen fönus" unter dem Vorsitz des Kreisrats H ö l zi. n g e r und im Beisein des Krcisschulinfpektors Eck und der Mitglieder der KTeis- ^hnlkommission Realschuldirektor Tr. Pit, und Dekan Saucr- tocin die Kreiskehre rkonferen-. D r Vorsitende bct.nte, wie der Wegfall der KreisschulkommifsionSprüsung seinem warmen Interesse für die Schule keinen Abtrag zu tun vermöge, wie viel imehr seine Freude über die Leistungen der Schule ihn stets veranlassen werde, sich von den einzelnen Verhältnissen auch fernerhin yt überzeugen. — Hierauf machte >ercisschulinspektor Eck Mitteillmgen über das Schulwesen des Kreises. Darnach bestehen zurzett im Kreise 75 Volksschulen, wovon 49 einklassig, 21 zweillassig, 2 dreiklassig, 2 vierklassig und eine neunllassig. Diese 114 Schulklassen besuchen 6203 Schüler (gegen 6246 im Vorjahr). Auf eine Lehrkraft entfallen durchschnittl'ich 54,4 Schüler (gegen 55,8 im Vorjahre). Unter dieser Schülerzahl befinden sich 3053 Knaben und 3150 Mädchen. Den verschiedenen Religionen gehören an: 5746 der evangelischen, 356 der katholischen und 101 der israelitischen. Die Zahl der Fortblldungsschüler •betrug 929 gegen 907 im Vorjahre, wovon 870 evangelisch, 51 katholisch''und 8 israelitisch. Von den im Kreise wirkenden 110 Lehrkräften sind 101 evang., 7 kath. und 2 israel. Bei der Mitteilung über die SchulhauSncubauten, denen die Schulbehörde ihre Fürsorge stets widmet, betonte der Berichterstatter, daß nunmehr auch eine größere Seßhaftigkeit statt der seitherigen Landflucht bei den Lehrern Platz greifen möge und damit eine Erstarkung des Heimatgefühls, das für Schule wie Lehrer nur von Segen sei. — Aus der Tagesordnung stand nun das Thema von aktuellem Juteresse „Der Lehrplan der Fortbildungsschule", der durch Einfügung der modernen Forderung von Landwirtschaft und Gewerbe eine neue Gestaltung benötigt. Als erster Referent führte Kreisschulinspektor Eck in einem einstündigen sehr lehrreichen und lichtvollen Vorträge die Bedeutung und Behandlung der landwirtschaftlichen Naturkunde aus. Es würde wett den Rahmen unseres Berichtes überspringen, wollten wir auch nur die klaren Hauptpunkte dieses zeitgemäßen Themas bringen, dem die Anwesenden mit großem JMeresse zuhörten. Hauptlehrer Rudolf führte hiernach aus, wie die gewerbliche Berufskunde in der Fortbildungsschule zu lehren sei und Herr Lehrer N e e b referierte über die Umgestaltung bezw. Neugestaltung des Lehrplanes der Fortbildungsschule. Ter Vorsitzende dankte den Referenten für ihre anregenden, aus dem praktischen Leben geschöpften Vorträge. Bei der gemeinsamen Mittagstafel toastete Kreisrat Hölzingcr auf S. K. H. den Großherzog, Kreisschul-- ulspettor Eck auf die Lehrerschaft des Kreises und Lehrer Maurer auf die Kreisschulkommission. △ Lauterbach, 31. Okt. Tas The ater des Rhein-Main-Verbands spielte gestern abend den „eingebildeten Kranken" vou 9)? öftere. Vor saft ansverkauftern Hause gingen die Gestalten des großen Franzosen über die Bretter. Wie dieser Alte (Herr Stumpf) mit seinem Geld und seiner Angst nm sein Leben, seiner Einbildung und Torheit, seiner Gereizthett und seiner Gutmütig- feit sich und sein Haus tyrannisiert, sich betrügt und selber betrogen wird und endlich zur Vernnnst kommt, das wurde ausgezeichnet gegeben. Aehnlich fein spielte das Tienft- mädchen (Fräulein Wenter) und wußte Ueberlegenheit, Spott und Humor mit liebenswürdiger froher Anmut zu ver- -binden. Als erst die beiden Diaforus, der Herr Doktor und sein Sohn (Herr Gürtler und Herr Nygrin) auftraten und all ihre Hohlheit, ihren Hochmut und ihre Gewinnsucht ‘offenbarten und doch die Uebertreibung in Grenzen hiellen, da wuchs' der Beifall und die Heiterkeit immer mehr. — Tie Regie hatte ein so geschlossenes, einheitliches Ganze herausgearbeitet, daß selbst Theaterroutiniers bewundernd der Handlung folgten und auch in den kleinen Rollen gehaltvolle Leistungen (des Herrn Seasa, Janson, der Damen Frau Gürtler, Fräulein Pagendors und Störckel) anerkennen mußten. — Die neue Lauterbacher Turnhalle, über deren 'Architektur schon manches den Kopf schüttelte und die sich gar nicht in das altertümliche, ehrwürdige Bild unseres Städtchens einfügen will, gab aber mit ihrem mächtigen Saal und der brillanten Beleuchtung einen eindrucksvollen Rahmen für die Vorstellung. — Tie Festftimmung lag über einem, und das paßte just zu dem lebendigen, geistvollen Stück des Dichters. R. B. Tarmstadt, I. Nov. Die hessische Landesausstellung s ür freie und angewandte Kuntz, die am 23. Mai d. I. auf der Mathlloenhll,' eröffnet wurde, ist Sonntag uachm. endgültig geschlossen war- MeBis6et>ergi, Zürich Direkte Bezugsquelle von Seidenstoffen jeder Art. Schon verzolltI — Verlausten Sie Muster! (D5/» und an folgenden Tagen Mei liir tati’s Oe Helle Meine Nebenlose Kundschaft stehende Preise soll an beweisen den nächsten meine Verkaufstagen grosse die Vorteile Leistungs- Einkaufs von Mk. an von an von geniessen Bitte meine Schaufenster zu beachten meines billigen aparte Faxens aus reinwoll. Tuch u. Chevron in fünf modernen Farben Setiacta schwarz, blau, braun, grün, in 6 chicen Faxens Ja. Qualität in neuen englischen Stoffen L 4 I r - •• W Hiermit wird zur Kenntnis gebracht. daß die unterzeichneten Friseure die Haarwäsche milPixa- von ln ihren Frisierkabinelten für Herren u.Damenemge führt haben. 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