Nr. 283 Erstes Blatt 158. Jahrgang Dienstag I. Dezember 1908 Der Eichener Anzeiger XX. A BezugSpret S: erscheint täglich, ander Tj monallich7ö Pf., viertel- Untdüct Land. WT ■ EL W W H BL W/ W W WSW QL MbMHL TOfe/ ÄL Zeilenpreis: lokal lö ßch wirtschaftlicheLeitfragen ■ B M Nr Nr £ti XF ra| 'r \r auSwürtS 20 Pfennig Fernfprech - Anscl'lnsse: R Jjf «CT Ay Verantwortlich füi öie Redaktion 112, __ iVfir • * •• für den politischen Teil, WS Geimal-Anzelger für Oberheffen WZZ Jül die Tages,nnn.ner E0föfl0n$fruä und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruuerei n. Lange. NedaMon, Expedition und Druckerei: Zchttlstrahe 7. AEiaenieii^'v Beck bis vornnllags lü ttyr. 0 M v" Die heutige Nummer umfafet 12 Seiten. Holsen zu haberr. —IL Das Abkommen zwischen Japan und Amerika. Europa wirb aufftordjen bei bev Nachricht, baß Japan und die Bereinigten Staaten ein Abkommen über den Stillen Ozcan geschlossen haben, in dem sie sich erstens ihren gegenseitigen äugen- blicktichen Besitzstanb an der Stufte der Pacific garantieren und im Folle von Verwicklungen gemeinsame Verhandlungen in Aussicht nehmen, zioeitcns aber sich verpslichten, die Integrität Chinas zu verteidigen und dort allen Nationen gleiche Vorteile für Handel und Industrie zu gewähren. Diese amtlich 'bestätigte Nachricht muß in hohem Grade überraschen, Menn man sich erinnert, wie gespannt die Beziehungen zwisckieu der Union und Japan aus Anlaß der japanischen Einwanderung in Kalifornien noch im vorigen Jahre waren. Als die amerikanische Flotte sich im Januar zu ihrer Fahrt in den Stillen Ozean rüstete, nachte man sich aus Kampf um die .Herrschaft im Pacific zwischen beiden Mächten gc- saßt, umsomehr als die Amerikaner mit allen Kräften an der Befestigung der Philippinen arbeiteten, um diese Inseln, auf die sich der erste Angriff der Japaner richten mußte, zu einer Flottcn- fbation ersten Ranges -u machen. Und nun? .Kein Krieg, sondern ein Abkommen, roic es ftiedenverheißender und großzügiger niclst gedacht werden kann. Natürlich bat sich diese Regelung in der Stille schon vor- bereitet. Unstreitig >raren die Beziehungen zivisclfcn Japan und Amerika, seitdem die amerikanische Flotte den Stillen Ozean erreicht halte, besser geworden. Möglich, baß Japan niemals erwartet hatte, dass die ammfanifdj-c Flotte in so ausehnlidfcr Stärke aus den Philippinen eintreffen würde, möglich auch, dass es, da seine Finanzen aufs ärgste daniederlagen und der Boykott Nlpanischer Waren und China ihin iwch immer größere pekuniäre Wunden schlug, seine Zett im Jahre 1908 noch nicht für gekommen hielt und deshalb den Fchbcgang mit der Union vertagte. So gab es in der Frage der japanischen Einwanderung nach, indem es die Auswanderung aus Japan auf dem Verwaltungswege beschränkte, so erhob es keinen Protest gegen die Befestigung der Philippinen, sondern empfing vielmehr den Kriegs- sekrctär und künftigen Präsidenten Taft in Tokio mit größter Freundlichkeit. Ja, als Admiral Sperry mit seiner Flotte auf direkte Einladung des Mikado mit einer Botschaft des Präsidenten Roosevelt Japan befudfte, bereitete man ihm einen begeisterten Empfang. Gleichzeitig wußte der Ncwyorker Korrespondent des „Standard" zu melden, daß Japan eine Konferenz der am Stillen Ozean beteiligten Mächte zur Erledigung gewisser Fragen wünsche, die später Schwierigteiten bereiten könnten, und vier Wochen später, am 19. 'Jtobembcr, wurde diese Meldung schon dahin berichtigt, daß Japan mit den Vereinigten Staaten Verhandlungen angeknüpft habe, znrecks Regelung ihrer beiher» fettigen Beziehungen im fernen Osten und zwecks Erklärung der Integrität des chinesischen Reiches. Daß diese Verhairdlungen so schnell zu dem jetzt vorliegenden Abkommen führen würden, hat wohl niemand gedacht. Es läßt fid) das vielleicht so erklären, daß Japan, das sich ja mit England und Frankreich im ofhfiatiidjcn Abkommen und mit Rußland im mandschurischen Abkommen über die Abgrenzung der gegenseitigen Interessensphären geeinigt und sich im Bunde mit diesen Mächten für die Integrität Chinas verbürgt hatte, hier einem von England c,us geäußerten Wunsch gefolgt ist, der die Angliederung dec Vereinigten Staaten an die ostasiatischen Ab- fonunendmaebte bezweckte, und daß es diesem Wunsche um so lieber folgte, als cs für lange Zeit hinaus mit der Sanierung feiner Finanzen und seinem inneren Ausbau viel zu viel zu tun hat, um an einen Kantpf mit der Union denken zu können. Aber auch in Washington scheint man, zumal man mit der Unterstützung Japans ldlurch England und Frankreich rechnen mußte, froh gewesen zu fein, einstweilen Frieden im Stillen Ozean zu behalten, und ist baljer gern auf die iapaniscl)en Vorschläge ciugcgangen. Ist man doch jetzt im ungestörten Besitz der Philippinen, kann die Schlachtflotte ruhig nad) Dause fahren lassen und braudjt vorläufig nickst an den Ban einer zweiten Fwtte zum Schutze der sximat zu denken. Es ust sehr wim möglich, daß das Abkommen zwpchen Japan Lehrerstelle an der Gemcindcschulc zu Nieder-Lieber s- bad). Eilte mit einem lall). Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule äu Hain Hausen. Mit der Stelle ist Organistenviensr ucrbunacn. Eine mit einer kath. Lehrerin zu besetzende Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Seligenstadt. Dem Kreisrat zu Offenbach und dem Gemeinderat zu Seligenstadt steht das Prasen- talionsrecht zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende dritte Lehrer,telle an der Gemeindeschule zu Gedern. Dem Fürsten zu Swlberg-Wernigerode-Gedern steht das Präsentationsrecht zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ein ar ts Haus en. Mit der Stelle ist Organisten- und Vorleserdienst verbunden. Dem Grasen zu Solms-Rödelheim steht das Präsentations- recht zu. * • Brandpersichern ngSkammer. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den (Seb. Oberfinanzrat i. P. Joh. Vittel zu Tannstadt auf sein Nachsuchen von der Sieben- stelle eines Mitgliedes und Rates bei der BrandoersicherungS- lammer enthoben. ♦ * In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Grobherzog u. a. Kurdirektor Freiherr von Starck von Bad-Nauheim. "'Auszeichnungen. S K. H. der Großherzog haben dem sDhtinl)abcr der Recdereifirnla Stinnes zu QJiül» heim a. d. Ruhr Leo Stinnes zu Auerbach a. d. B. den Charakter als Kommerzienrat erteilt und dem Kaiserlich deutschen Generalkonsul Geh. Lcgalionsrat Dr. Johannes m London das Kointurkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. "In den Ruhestand. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den Bureaiivorsteher bei dem Felcsteremig- ungskomniissär in Friedberg, Gg. Hotz, bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit auf sein Nachsuchen in den Riihesland versetzt. " Serbischer Paßzwang. Durch Verfügung des Serbischen Ministeriums des Innern vom 23. v. Mls. ist der Paßzivang für Reisende nach Serbien wieder eingeführt worden. " Eine Sitzung des Provinzial-Ausschusses findet am Samstag, 6. Dez. d. I., d o r in. 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Beschwerde des Rechtsanwalts Raab m Gießen gegen die Veranlagung deS Lony'schen Hauses in der Bahnhofstraße zur Kanalsteuer; 2. Rekurs des Johann Sann zu Burg-Ge- m u n d e n gegen einen Polizelbefehl Großherzoglichen KreiS- amts Alsfeld. < " Gießener Studenten in Prag. In der Sitzung deS „Ausschusses der Gießener Studentenschaft" am vorigen Samslag wurde beschlossen, drei Vertreter zu den Festlich- testen anläßlich der Grundsteinlegung zur neuen Universität nach Prag zu senden, die sich auch an den Demonstrationen der dortigen deutschen Stuöenten beteiligen sollen. Die drei Vertreter, cand. phil. Strate meyer (mathem. - uaturw. Zerein) als Vorsitzender des Ausschusses, cand. phil. Köhler (Burschenschaft Germania) und cand. phil. SU r n (Verein deutscher Studenten) fuhren heute nad)t nach Prag ab. * * H e i rna t s b e r e ch t i g u u g der Studenten. Das Buirdesamt für das Heimatwejen in Berlin veschästigte sich mit der Frage, wo ein Student den Orr seines gewöhnlichen Aufenthalts habe; das Bundesamt i|t der Ansicht, daß für einen Studenten, möge er seine .crien auch regelmäßig in der Heimat zubringea, der Ort, wo sich die Universität bejinbet, und nicht die Heimatgemeindc als Ort Les gewöhnlichen Aufenthalts im Sinne des Reichsgesetzes über den Unterstützungswohnsitz zu gelten habe. Von entscheidender Bedeutung sei in dieser Beziehung, daß der Student von vornherein die Absicht hatte, nach der fraglichen Universitätsstadt immer wieder zurückzukehren. Der Umstand, daß der Student nach derselben Universität immer wieder zurückkehre, reiche für die Annahme nicht ans, daß der Student während der Ferien in der Universitätsstadt seinen gewöhnlichen Ausenthalt habe beibehalten wollen. Wenn ein Student sich polizeilich in der Universitätsstadt nicht abmelde, so türme angenommen werden, daß er dorthin nach den Ferien zurückcelwen wolle. Innerhalb eines Ortsarmenverbandes werde durch ziveijäyrigen Aufenthalt der Unterstützungswohnsitz erworben; als ll.ntcrbrcchung des Aufenthalts werde eine freiwillige Euürnung nicht an* gesehen, wenn aus den Umständen erhelle, daß beabsichtigt fei, den Aufenthalt beizubehalten. ** Stadttheater. Es sei noch darauf hingewiesen, daß in der heutigen Vorstellung von Djömsons „Fa l l i f) e m e n 1", die von Oberregisseur Baiäs inszeniert ist, der größte Teil unserer ersten Kräfte beschäftigt ist. Wir nennen die Herren Bakof, Goll, Roden, Weingärtner, Pauly, Bold, Kohlmann u. a. m. und die Damen Höcker, Albrecht und Nöber. ♦♦ D i e Schlier feer kommen! Die Schlierseer haben soeben ein sünfzigabcndliches Gastspiel im Neuen Königlichen Opcrn- tt-cater zu Berlin beendet, das der Truppe große Erfolge brachte. Während des Monats Dezember gastieren die Baucrnspicler in Wiesbaden; am 3. und 4. Dezember findet daselbst der Andreas- martt statt. Direktor Steingötter hat daher, wie wir schon mit» teilten, die Truppe für diese beiden Abende für Gießen verpflichtet. Wir werden daher Gelegenl-ett haben, den allzeit luftigen Terofal in unserrn Stadtthcater begrüßen zu tonnen. Da man von den Schlierseern nur luftige Stücke erwartet, wird als erstes Gastspiel Donnerstag, 3. Dez. „In der Sornrner- > frisch ' n ' und Freitag, 4. Dez. „D e r Paragrapben- s ch i: ft e r" zur Ausführung gebracht. Beide Stücke, die in Gießen noch nicht gegeben wurden, sind von den beiden Münchner Humoristen Benno Rauchenegger und Sionrad Dreher versaßt. " Burger verein Gießen. Eine recht rege Tätigkeit entwickelt in diesem Jahre der Bürgerverein. Nachdem erst vor einigen Wochen das interessante Thema der elektrischen woh!tätigkeit5ko:,zert im Ztadttheater. Ein trauriger Anlaß, die furchtbare Grubenlalastrophe in Westfalen, war es, die unsere einheimischen Künstler bewogen hat, ihre Kunst in den Dienst der Wohltätigkeit zu stellen und an einem Konzert des Bauerschen Gesangvereins zum Besten der Hinterbliebenen der aus der Grube Radbod Verunglückten mitzuwirken. De-: Abend hat einen doppelten Erfolg gebracht, einen finanziellen und einen künstlerischen. Das Haus war sehr cpit besucht und die einzelnen Nummern des Programms fanden lebhaften Beifall. Was der Bauer sch e Gesangverein unter der Leitung des Herrn Otto Gör lad) darbot, das verdiente aber auch den Beifall eines anspruchsvollen Publikums, und den musikliebenden 5mi,en unserer Stadt kann es daher nid)t warm genug empsohlen werden, keine Gelegenheit zu versäumen, diesen wirklich vorzüglich geschulten Manner- d)or zu hören. Es ist nahezu das Vollendetste, was man auf diesem Gebiete überhaupt hören kann. Der Chor ist ja nicht übermäßig groß, aber er verfügt über ausgezeichnete Stimmen, die sich mit seltener Reinheit und ExaUheit dem Gesamtchore cinftigen. So hört man hier fast nie, daß eine einzelne Stimme sich etwa vvrdrängt; es ist ein harmonisches Ineinander stießen der Stimmen zu einem einzigen großen, schönen Atkvrd. Und wie fein und zart abgetönt und abgerundet ist der Vortrag und welches innige Empfiirüen strömt dieser Gesang aus. Dieser Dirigent^slößt Staunen und Bewunderring ein, wie sicher er feine Sänger bei aller ihrer individuellen Bersd)iedenheit zusammenzuhalten weiß, um aus diesen vielen Stimmen ein eigenartiges Musikinstrument zu schaffen, das seinen künstlerischen Jnteritionen volltvmmcn entspricht. Sd)ade, daß man diesen Gesangverein nicht noch häufiger in der Oessenl- lichkeit zu hören bekommt. Neben solchen musikalischen Genüssen, wie sie gestern der Bauersd)e Gesangverein bot, wird es den Solisten nicht leicht gemacht, sich ebenfalls Geltung zu verschufien. Die drei Solisten des gestrigen Abends, Frl. JdaStammler, Herr Z. Hahn und Herr W. Schattier, verstanden es indessen ausgezeichnet, oas Interesse der Zuhörer auxl) ihren Darbietungen zuzuwenden. Frl. Stammler sang Lieder von Schumann und Hugo Wolf. Neben ihrer glänzenden, fym- unb bei Union nicht so rasch zustande grüimmen wäre, wenn nickft bar Thronwechsel in China, bet ja alleMngH wider Erwarten ohne Unruhen verlauten ist, in Japan die Bcsüvchtung erweckt hätte, uhc europäisck>en Mächte könnten einmal wieder Gelegenheit zum Einschrettcn finden und- Japan der Früchte seiner stillen, aber energischen Politik in China berauben. Eine von Engtanb, F-rankceich, Rußland und den Bereinigten Staaten erklärte Integrität Chinas kommt ihm daher desto gelegener, je gedeckter unter ihr die japanischen Emissäre ihr Untcrwühtungs- iverk fortsetzen können. Vielleicht sind auch bie lebten Indiskretionen über Aeußerungcn Kaiser Wilhelms, mögen sie nun wahr oder erdickftet sein, in Tokio nicht ohne Wirkung geblieben, so daß England mit Japan ein leickZtes Spiel hatte, wenn cs ifan nahclcgtc, jcpt auf feinen 22affengang mit den Vereinigten Staaten zu verzichren und statt dejfcn ein Abkommen über den Stillen Ozcan mit ihnen zu schließen. Denn daS ist ja wieder das Zentren auch dieses Abkommens: TXnitsckiLaiid, das doch wegen seiner Pack)iung in Kiaulschau auch daran interessiert ist, hat man wieder üoergangen. Anscheinend hat auch in diesem Falle unsere Diplomatie nicht auf ber Höhe ihrer Ausgabe gcstianDen. Oder hatte vielleicht der Besuch des Gouverneurs von jtiautschau, Admiral Truppcl, in 'Tokio den Zweck, eine 2>crfUnbigung üoer Kiauifd^aii anzubahnen? Kann cs doch kaum zwcifclhast sein: wenn tue Vereinigten Staaten und Japan sick; jetzt für bic Integrität CbinaS eiugeseht haben, so zuhlt dabei Kiautschau als chiuefifck>cs Land, und wir werden es nad) Ablauf unserer Pachtzeit in 90 Jahren schön hcrausgebcn müssen, wollen wir nicht mit England, Rußland, Frankreich, Japan, den Vereinigten Staaten, sowie mit dem bann wohl gänzlich erwachten ober unter japanisci)cm Einfluß st.henden China, in Konflikt kommen. Ein so fern liegender Pächtbefitz läßt sich eben nicht verteidigen, er ist von vornherein ein verlorener Posten, und alles Geld, was wir fiu Kiautfck-au ausgcwcnbct und noch serncr aufiociüxn, kann als verloren gelten. Bismarck nannte die Pad>- tung Küautschau ans diesem Grunde einen schweren Mißgriff derb cutfdjen Politik, unb General v. b. Goltz bezeichnete sie kürzlich als Achillesferse Deutschlaubs. Das zeigt fid) wieder so recht aiigesichts des Avkommens Japans mit der Union. Mit ihm Haden nrir einen Bundesgenojscu, auf den wir im Kriegsfälle noch allenfalls zählen konnten, an den großen Ententen- komplex König Eduards verloren, mit ihm wird uns auch China, daS Moltke als den nalürlidjcn Bundesgeiiosscu Teutschlands im Kampfe geegn Rußlaiib bezcickjncte, eutfrenibet, da ihm jetzt seine Jrttcgrität von allen Seiten verbürgt ist. So schließt sich, nachdem aud) ansd-cinenb bie Türkei ein Bündnis mit England emgegangen ist, der Ring um Deutschland immer enger. Das einzige Gute an der neuesten politifajen Sensation ist, daß die roirtidjaftüdte Gleichberechtigung aller Vlächte in China jetzt auch von den Vereinigten Staaten und von Japan anerkannt roirb. Unb ivenr die „2iorbb. Allg." unb bie „Köln. Ztg." bieses Momcitt bei ihrer Besprechung des AoLammens in den Vordergrunb rücken, so ist bas von ihrem Standpunkce aus, der die dcutsd)« Diplomatie in jedem Falle decken will, sehe verständlich. Aus Siafct uud LauS. (Sieben, 1. Dezember 1908. " 93 o m Groß herzoglichen Hofe. An der gestrigen Frühstuckslafel im 9leuen Palais nahm teil der Staatssekrctäi int 2lusivärtigen Amt v. S ch ö n. " Der Zusammentritt deS 34. Landtages ist, wie der „Darmst. Zig." mitgeteilt wird, duich landesherrliches Edikt vorn 28 d. M. auf Mittwoch, 16. Dezember b. I., bestimmt worden. Tie feierliche Eiöffnung des Landtages wird am Donnerstag, 17. Dezember d. Js., ttattsinden. (DaS ist der schon von uns mitgcteilte Termin. Red.) ♦♦ Lehrerpersonalien. Uebertrageu würbe dem Schulamtsafpiranten Karl Hening aus Otterlheim (bayr. Psalz) bic Lehrerstellc an ber kath. Schule zu Ervack) i. O. — Erledigt sind: Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende pathischeu und sorgsam ausgebildeten Stimme fes.elt den Zuhörer hier vor allem der Vortrag. Frl. Stammler gehört zu den hochbegabten Sängerinnen, die frei über alle Register des musikalischen Ausdrucks verfügen. J)r gelingt das Heitere, Leichte und Graziöse ebenso mciirerhaft wie das Äd)wcrmütige uni) Traurige (Wotss El.entieo und Schumanns „Mit Myrten und Rosen"). Herr Schüttler verfügt als Violinist über eine ganz großartige Technik. Sein Lion ist glänzend und rein. Sein Spiel verriet gestern aber dock mehr den reflektierenden als den empsindenocn Musiter, er oegegnct fid) in dieser Beziehung ein wenig mit Mancau. Herr Hahn bewührle sich auch gestern wieder als ausgezeichneter und verständnisvoller Kiavierbegleiter bei den Liedern und dem D-moll-Konzert für Violine von Wie- niawski, ebenso in den Trios für Sopran, Violine und Klavier. Als Solist rief er durch seine immense Ted)nik Bewunderung hervor. Die Wiedergabe der Schumann- Lisztscken Frühlingsnacht zeichnete sich durck) die saubere Ausführung und tieses Empfinden aus. Sehr beachtensiverte Leistungen waren die Sololieber, bic ein Mitglieb bes Bauerschen l^sangvercins, Herr Laux, sang. Dieser Sänger verfügt über glänzende Stimmittel, die bei sorgsamem und unablässigem Studium sehr viel verspred)en; durch ein solches Studium würde bie Stimme jedenfalls auck noch viel voller werden. Es war alles in allem ein sehr genußreicher mii)ifalqd)€r Abend, und das Publikum hat alle Ursache gehabt, den Künstlern des gestrigen Abends, dem Bauerschen Gesangverein und seinem Dirigenten Tank zu zollen. Neben den ausübenden Künstlern sei an dieser Stelle aber auch noch derer gedacht, die in bescheidener Qpferwilligkeit das ihrige zum (gelingen dieses Konzerts beign.ragen haben, vor allem der Leitung des Stadtthcalers für die Hergabc der Räume, Herrn Rudolph, der den Flügel zur Verfügung gestellt hatte und Herrn Musikalienhändler Challicr für seine unermüdliche und von den Fernstelfenden nicht immer genügend beachtete und gewürdigte Ltitarbcih. Den schönten Dank für ihre Op,erwllligreit haben die Veransratter des gestrigen Konzerts jrcilia.) erst in dein Bewußtsein, den armen unjtucHidjen Notleidenden nach befren Kräften ge- «ahnen behandelt und (für nächste Zeit) Herr Professor Dr. Kampsmeyer aus Karlsruhe einen Vortrag über den Bebauungsplan als Gartenstadt zugesagt hat. ist der Vorstand bemüht gewesen, über das z. Zt. aktuelle Thema ^der Gesetzentwurf zur Sicherung der Bau fordern n gen" einen sachkundigen Redner zu gewinnen, lieber dieses Thema wird Amtsrichter Dr. Mahr aus Darmstadt, der auch schon dort im OrtSgewerbeverein einen gleichen Vortrag gehalten hat, am Mittwoch abend im Hotel Einhorn in einer allgemeinen Bürgeroersammlung sprechen. Dieser Gesetzentwurf kommt tu allernächster Zeit im Reichstage zur Verhandlung, und es durfte für jeden, insbesondere für die Bauhandwerker von großem Interesse sein, die Erläuterungen des Entwurfes durch einen Juristen zu hören. Durch die vorgesehene Diskussion ist auch Gelegenheit gegeben, Ansichten der Interessenten kund- zugeben. ** Der Männerturnverein feierte am vergangenen Samstag sein 23jähriges Bestehen durch ein in Steins Garten abgehaltenes Winterfest mit Ball. Tie Festfolge brachte im.ersten Teil säst nur turnerische Aufführungen, die durchweg selbst den verwöhntesten Ansprüchen Rechnung trugen. 16 Turnerinnen der Frauenabteilung führten einen Blumenreigen auf, der ob seiner hübschen exakten Ausführung ungeteilten Beifall fand. Darauf traten 33 der aktiven Turner zu zusammengesetzten Freiübungen an, wie solche in dieser Zusammenstellung im Gau Hessen noch nicht gezeigt worden sind. Auch sachverständige Zuschauer erkannten unumwunden an, daß die Vorführung in Form und Ausarbeitung eine Musterleistung war. Ein von Herrn Schmidt jr. zum Vortrag gebrachter Lylophonsolo erntete so reichen Beifall, daß sich der Vortragende zu einer Zugabe entschließen mußte. Alsdann zeigten 14 Turner der ersten Riege ihre Fertigkeit am Reck. Ihre Hebungen »raren fast durchweg Gipfelübungen und fanden den verdienten Beifall bei allen Anwesenden. Die Gesangsriege trug alsdann zwei hübsche Lieder vor, wobei leider die Bühne mit den Kulissen störend die Schallwirkung beeinträchtigten. Jin zwecken Teil führten 16 Turnerinnen einen Fahnen- und Guirlandenreigen auf, der ob seiner tadellosen Ausarbeitung und Durchführung lebhaften Beifall hervorrief. Dasselbe ist von den Stabpyramiden zu sagen, die von 24 Turnern ausgeführt wurden. Für die Lachmuskeln berechnet war das flott gespielte Theaterstüctcheu, „eine Kiste beim groben Gottfried!". Tie Zuschauer kargten nicht mit ihrem Beifall. Was den gesellschaftlichen Teil der Feier anlangt, sei hervorgehoben, daß sowohl der Gauausschuß als auch auswärtige Vereine durch Abordnungen vertreten waren, sowie daß zahlreiche Glückwunsch-Telegramme und -Schreiben eingelaufen waren. In ber Begrüßungsansprache wies der erste Sprecher, Mchtsanwalt K auf- mann, auf das gute kameradschaftliche Verhältnis hin, das zwischen dem Männer-Turnverein und den anderen Vereinen des Gaues besteht. Er brachte auf die deusche Turnerschaft und die erschienenen Gäste ein dreifaches Gut Heil aus, das lebhaften Anklang fand. Früh morgens kehrten die Unermüdlichen der gasllichen Stätte den Rücken, und selbst dann sollen die ganz Unermüdlichen noch nicht die heimatlichen Penaten ausgesucht haben. Am Sonntag nachmittag waren bei der Nachfeier auf der Liebigs- höhe viele sehr viele Männerturner mit ihren Damen vertreten. Waren am Abend vorher 117 Paare zur Polonaise angetreten, so tanzten jetzt nahezu 90, ein Zeichen, daß die Veranstaltung gefallen hatte. Musik- und Gesangsvorträge ernster und heiterer Art füllten die Pausen zwischen den Tänzen aus und sorgten, daß neben der Unterhaltung auch die nötige Stimmung vorhanden war. ** Der Evans. Arbeiterverein hielt mir Sonntag im Vereins lokal seinen dritten Vortragsabend ab. Stadtbaumeister Braubach sprach über T e u t s ch - Südwest- Afrika. Ist das Interesse für unsere Kolonien durch die im Reichstag geführten Kolonialdebatten, sowie durch die südwest- ,afrikanischen Kämpfe in den letzten Jahren in bedeutendem Maße gestiegen, so trug zu dem guten Besuch des Vortrags wesentlich der Umstand bei, daß der Referent des Abends das Vorgetragene selbst erlebt und dadurch! imstande war, den Anwesenden ein wirkliches Bild über die Verhältnisse in Südwestafrika zu geben. Er erläuterte zunächst kürz den Zweck der ausgesandten und von ihm geleiteten Expedition, um dann an Hand von Lichtbildern die Reiseerinnerungen und Eindrücke auf der Hiir- und Rückreise, wie auch während des Aufenthaltes in Südwestasrika in fesselnder Weise zu schildern. Besonders interessant waren die Beschreibungen über die Beschaffenheit des Geländes, durch das an unsere Truppen bei dem Aufstlmd der Hereros außerordentlich große Anforderungen gestellt wurden und wodurch cs möglich war, daß oft ein Dutzend verschanzter Hereros ganze Kompagnien unserer Soldaten zurückhalten konnte. Die weiteren Ausführungen über die Beschaffenheit des Bodens, sowie die auf den einzelnen Lichtbildern gezeigten herrlichen (hartenanlagen ließen erkennen, was in dieser Kolonie mit genügendem Wasser zu erreichen ist, und es ist zu hoffen, daß nach Ferttgstellnng der projektierten Talsperre, das für die Kolonie Geopferte gute Früchte bringt, damit die von dem Referenten scherzweise erwähnte Katze, bie auf die Frage ihrer Herrin „Wie ist es in Südwestakrisa?" prompt antwortete: „man" mit Lügen gestraft wird. Nach Schluß des Vortrags spendeten die Zuhörer reichen Beifall, während der Vorsitzende dem Referenten herzlichen Tank aussprach. Die angesetzte viertelstündige Pause wurde zur Veranstaltung einer Sammlung für die Angehörigen der auf Grube Radbod Verunglückten verwendet, die eine ansehnliche Summe ergab. Den Schluß des Abends bildete ein Gesangvorttag des Gemischten Chors des Vereins. ** Nachahmenswert. In der heutigen Quittung über die für Radbod bei nns eingegangenen Spenden finden wir aus unserer Nachbargemeinde Großen-Bus eck den Ertrag einer dort veranstalteten Sammlung mit 260 Mk. verzeichnet. Hiervon hat die Gemeindekasse 50 Mk. gegeben, während die Übrigen 210 Ml. durch eine Sammlung in der Gemeinde aufgebracht wurden, die von dem Ortspfarrer und dem Gemeindevorstand veranstaltet worden war. Die Gemeinde Großen-Buseck hat sich mit dieser hochherzigen 'Tat ein ehrenvolles Zeugnis ausgestellt und es ist nur zu wünschen, daß ihre Opferwilligkeit auch anderwärts Nacheiferung findet. ** Kleiner Befähigungsnachweis. Der Orts- gewerbcverein veranstaltet am Mitttvoch den 2. Dezember d. I. eine Besprechung über den tleinenBefähigungs- nachweis. Die beteiligten Personen machen wir deshalb auf die Wichtigkeit der in Betracht kommenden persönlichen Interessen besonders aufmerksam. ** Die Gewerbelegitimationskarten für 1909 müssen nach einer polizeiamtlichen Bekanntmachung in den nächsten Tagen genommen werden, worauf wir Interessenten aufmerksam machen. ♦♦ Wichtig für zur Entlass ung kommende Schüler, die ein Handwerk erlernen wollen. Nach den Bestimmungen über den sogen, kleinen Befähigungsnachweis dürfen für die Folge nur noch solche Handwerker Lehrlinge anleiten, die die Meisterprüfung nach § 133 G.-O. bestanden haben, während den älteren Nteiftern, die das fragt Recht bereits besaßen, die weitere Anleitungsbefugnis durch die Verwaltungsbehörden auf Antrag verliehen werden muß. Falls nun Lehrlinge bei einem Meister, der diese Berechtigung nicht besetzt, in die Lehre treten, so erwachsen den ersteren ganz erhebliche Nachteile, da ihnen die Lehrzeit nicht bei der Zulassung zur «Gesellenprüfung angerechnet werden kaum, sie also unächst keine Gesellenprüfung, später Ecine Meisterprüfung ablegen lönneu uno damit kein Recht erwerben können, ihrerseits später Mieder Lehrlinge anleiteu zu dürfen. 2>ic Handwerkskammer hat sich nun an Großh. Mrnisteriunr des Innern, Abteilung für Schulangelegcnhciten, mit der Bitte genxmbt, durch die Lehrer die zur Entlassung kommenden Schüler, welche ein Handwen erlernen wollen, darauf ausmerksam inadjeit zu lassen, daß die Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen nicht allen Handwertsmeistern znsteht und daß sich die künftigen Lehrlinge, bezw. deren Eltern vor Eingehung eines Lehrvcrhältnisses erst darüber vergewissern sollen, ob der in Aussicht genommene Lehrmeister auch tatsächlich die Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen besitzt. Dem Wunsche der Handwerkskammer hat die genannte Behörde durch entsprechende Weisung an die Großh. Kreisschul- tommissiouen Rechnung getragen. Jeder Handwerker, der künftig Lehrlinge anleiten will, muß sich im Besitze eures schriftlichen Ausweises hierüber befinden. Als solche gelten bei abgelegter Meisterprüfung die hierüber ausgestellten Meisterbriefe, in allen anderen Fällen die von der Berwal- tungsbehöroe ausgestellten Bescheinigungen, daß die Betreffenden zum Anleiten von Lehrlingen befugt sind. Hierbei wollen wir nicht versäumen, baraitf aufmerksam zu machen, daß in vielen Zweigen des Handwerks wieder wesentlich günstigere Aussichten für ein Fortkommen bestellen und das umsomehr, als auch jetzt die Lehrlingsverhältnisse usw. geregelt sind. — Verhüteter Unfall. Als ein Fuhrmann der Firma Gebr. Kahl heute mittag mit Einspannen beschäftigt mar, rissen die Pferde plötzlich aus und der Fuhrmann wurde eine Strecke Weges mit geschleift. Ein hinzu- kommender junger Mann brachte die Pferde zum Stehen. — ©t ein berg (Kr. Gießen), 30. Roo. 9(m Sonntag feierte der Gastwirt Konrad Schneider seine silberne Hochzeit. Ec steht seit 30 Jahren als Kutscher im Dienste des Oekononnerats Müller auf dem Neuhof. Am Sonntag abend brachte ihm der Gesangverein Eintracht, dem Schneider als Mitglied angehört, ein Ständchen dar. ft Hungen, 30. Nov. Der Gemeinderat der Stadt Hungen hat kürAich den Beschluß gesaßt, eine Straße im neuen Stadtteil Hartigftraße zu nennen. Man will damit bie Erinnerung an einen Mann wachrufen und erhalten, der als praktischer Forstmann, als Organisator in verschiedenen deutschen Landen, als forstlicher Lehrer und Schriftsteller wie als begeisterter Patriot sich einen ruhmreichen Namen erwarb. Dieser Mann war Georg Ludwig H a r t i g, der als Sohn eines Großh. Hess. Forstmeisters in Gladenbach am 2. September 1764 geboren wurde. Er lernte zunächst bei feinem Onkel im Harz vom Jahre 1779 an die Jägerei, dann aber bei seinem Vater in Gladenbach die Forstwirtschaft. Von Wifsensdrang getrieben, studierte er — für einen Jäger damals ein ungewöhnliches Ereignis — auf der Universität Gießen zwei Jahre lang. Er vervollkommnete dann feine Kenntnisse wieder in der Praxis bei seinem Vater, erhielt im Jahre 1785 den Akzeß beim Oberforstamte in Darmstadt, um in den Geschäftsgang bei der Forstdirektionsstelle ein geweiht zu werden. Hier lernte er seine künftige Frau, die Tochter b«i Heimchen Staatsministers Klipstem kennen. Ende des Jahres 1786 verließ er den Hess. Staatsdienst und trat als Forstmeister in Fürstlich Solmsischeu Diensten seine Stelle in Hunge n an, gleichzeitig seinen Hausstand gründend. Die Jahre in Hungen waren sehr glücklich. Hartig errichtete in Hungen die erste d e u t s ch e F o r st s ch u l e. Sie begann mit 2 Schülern, von denen einer sein jüngster Bruder war. Doch bald nahm bie Schule zu, sodaß Hartig in Hungen schon 20 Schüler um sich sah, die zugleich volle Pension in seinem Hause genossen. — Im Jahre 1797 ging er als Landforstmeister nach Dillenburg in Fürstlich Oranien- Nassauische Dienste. Hier entfaltete er eine segensreiche organi satorische Tätigkeit, während seine Schülerzahl bereits aus 50 Eleven anwuchs. Als aber 1806 Napoleon dem Prinzen von Oranien die Länder nahm und zum Großherzogtum Berg zog, verzichtete Hartig aus patriotischer Gesinnung nnf die ihm angetragene Stelle und nahm kurz darauf einen Ruf in kgl. Württem- bergische Dienste an. Im Herbst 1806 siedelte er also als Oberforstrat zur Forstdirektion nach Stuttgart über. Im Jahre 1811 endlich trat er als Oberl'andforstmeister und Staatsrat an die Spitze der kgl. Preußisckfen Fvrstvcrwaltnng. Hier lehrte er nebenbei erfolgreich an der Universität Berlin vor einem Auditorium von 200 Hörern. Er wurde zum Honorarprofessor und zum Doktor der Philosophie honoris causa ernannt. Seine organisatorische Tätigkeit wurde in den drei Staaten, die ihn an die Spitze der Forstverwaltnng beriefen, besonders aber in Preußen anerkannt und hat weit über seinen am 2. Februar 1837 erfolgten Tod hinaus gewirkt. Seine Lehren waren bahnbrechend und grunb- legcnb, sodaß sie großenteils heute noch Geltung haben. In einer großen Zahl selbständiger Werke sind sie niebergelegt. Denkmäler würben Hartig errichtet im Kranichsteiner Wilbvark bei Darmstadt, bei Gladenbach und bei Hohenheim in Württemberg. X Friedberg, 30. Nov. In Dewsbury in der Grafschaft 'Aork ist im Laufe dieses Bäouats cüt aus Friedberg stammender Hesse, der Aldermann Friedrich Wilhelm Reuß einstimmig zum Bürgermeister (Mai>or) gewählt worden. Einer seiner Vorfahren, Nitolaus Muß, war übrigens von 1616 bis 1692 Bürgermeister von Friedberg. Der jetzige Bürgermeister von Dewsbury ist 1839 in Friedberg geboren, und zwar in dem seit 1714 seiner Familie gehörigen Hause. In Frankfurt trat er, 15 Jahre alt, in ein Spezereiwarengeschäft als Lehrling eui und war später in der Garn- und Textilwarenbranche als Komnlis tätig. 1863 ging er erst nach Paris und etablierte sich im nächsten Jahre in Dewsbury, wo" er sich auch vor itnn 44 Jahren verheiratete. Er bat zwei Söhne und drei Töchter. Die ersteren sind Teilhaber seines Geschästes. In Friedberg weilt zurzeit ein Enkel von ihm in einer dortigen Erziehungsanstalt und wohnt bei einem Verwandten. Rodheim v. d. H., 30. Nov. Gestern abend kurz vor 9 Uhr entgleiste bei der Einfahrt in den hiesigen Bahnhof anscheinend durch vorschriftswidrige Bedienung des Stellwerks ein unbesetzter Personenwagen des von Hoin- bürg ankommenden Zuges. Die Betriebsstörung dauerte bis 1.30 Uhr nachts. Materialschaden entstand nicht. Der Verkehr wurde durch Umsteigen aufrecht erhalten. Mainz, 30. Nov. Hier ist ein zugereister Spanier an den echten Blattern erkrankt. Alle Vorsichts- maßregeln sind getroffen, um eine weitere Ausdehnung zu verhüten. R.-B. Viernheim, 1. Dez. (Tel.) Eine entsetzliche Tragödie trug sich gestern abend hier zu. Der Küfer und Wemhändler Renz ließ — anscheinend plötzlich geistesgestört geworden — einem Verwanden über 100 Hektoliter 'Bier auslaufen. Dann gab er auf einen Fabrikarbeiter Lang mehrere Schaffe aus einem Revolver ab und verletzte ihn schwer. Dann verletzte er sich selbst durch mehrere Schüsse und erhängte sich schließlich. st. FrankfnrZ a. M., 30. )lov. Die Vereinigten Landwirte von F-ranksurt a. M. und Umgegend bieüen heute hier eine Vo r stau dss itznng ab. Zunüchff wurde beschloßen, zu dem am o. um» 6. Dezember in Würzburg stattsindLndcn ersten V-erbanb-ütrnj b/r Sudwcstoeu tsck)en-Di ckchprobuzenteii-Berein igung ’vbrt relegierte xu entsenden und eine außeroidenllick)e Hauptver- lammlung der Vereinigten Landwirte am 11. Dezember In der ...pannonic" in _achienhausen abzuhalten. Nach einem Vortrag öcö Rcchtsaiavalts v. H et molt Friedberg libcr „Eingetragene '■bereute beauftragte inan zwei Vo ri Lands mit gl ieder, um bie Ein- tragung der „Vereinigten" beim hiesigen Amtsgericht zu bewirken. Hierauf wurde der seitherige Direktor der Lanbw. Hauptgenoffen- sä,ast in Friedberg, Hirschel, einstimmig zum Direkwr „Der Vereinigten Landwirte" gewählt, nachdem besonders der Vor- sitzende des „Okerhessischen Klubs der Landwirte in Nidda", Hosgutspäckter Güngerich-Engeltal und der Vorsitzende des „Klubs für Saubroirrc in Frankfurt a. M.", Tomänenpächter Wittmer- Dottenfelderbof sich für Hirschel erklärt und die gegen Hirschel von Friedberg aus unternommenen Maßnahmen mißbilligt hatten. h. Franksurt a. M., 1. Dez. Bei den am Diomag in 5 Bezirken vollzogenen 11 Stichwahlen zur Stadtverordneten- Versammlung wurden gewählt: 3 Mittclständler, 3 Freisinnige Demokraten und 5 Sozialbemokraten. Die Versammlung der Stadtverordneten wird sich in Zukunft wie folgt zusammensetzen: 17 Demokraten, 15 Sozialdemokraten, 12 Fortschrittler, 10 Na- tionalliberale, 7 Mittelständler, 1 Zentrum, 2 Wilde. Die Sozialdemokraten gewinnen 9 Sitze, bie Mittelstänbler 3. Tie .Demokraten verlieren 7, die Nationalliberalen 3, Fortschrittler und Zentrum je einen. — Einbrecher, die in bie Bureauräume ber deutsch-amerikanischen Petroleum-Gesellschaft am Hasen eindrangen, wurden bei ber Arbeit, als sie ben Kassenschrank an» bohrten, von einem Nachtwächter überrascht, ber 5 Revolverschüsse auf sie abgab. Tie Einbrecher flohen. Anscheinend wurde einer von ihnen verletzt. Tie Polizei hat mehrere Verhaftungen vorgenommen. <8erid?ts$aaL Darmstadt, 30. Nov. Rechtsanwalt Keil in Fürth i. Obw. würbe im ehrengerichtlichen Verfahren von der Anwaltskammer mit einem Verweis und 500 M. Geldstrafe bestraft. Den Hauptpunkt der Anklage bildete die gewohnhettsmäßige Teilung größerer Streitobjekte zur Begründung der amtsgerichtlichen Zu- jcändigkeit. Regensburg, 30. Nov. In dem Maxhütte-Prozeß gegen 64 Arbeiter, die wegen Landfriede nsbruches anläßlich des Streiks im Mai an geklagt waren, wurde heute nach« mittag das Urteil verkü idet. 46 Angeklagte würben zu Gesängnis- ftrafen von einer Woche bis zu drei '.Utonaten verurteilt, die übrigen 18 wurden freigefprochen. Das Strafmaß richtete sich in der Hauptsache nach den Stnträgcn des Staatsanwalts. Spenden für Radbod. Die Sammlung deS Gießener Anzeigers: Bisher quittiert: 1954.40 Alk., Gesangverein ri5tobfinii*, Vetzberg, 5.—, Klasse IVb der StabUnäbchenscyute 7.—, M. D. 2.—, Johann van gen Hassend 9.30, Dr. L. 20.—, N. N. 20.—, Sr. 10—, Bürgermeister Schwalb in Großen-Buseck: a) in ber Gemeinde ge$anune(t 210.—, b) aus ber Gemeinbekasse 50.—, Gesangverein „(Säcilin" in Lieh 18.35, Psarer Staubach aus bem Kirchspiel Groß-Eichen 36.27, Psarrer Stanback) aus bem Kirchspiel Kleie Eichen 12.35. Zusammen 2354.67 Mk. VerinS-Lvres. * Das große Grubenunglück in Amerika. Ter e i n z i g e, der bei dec Pittsburger Katastrophe geretteteBerg- mann ist infolge der furchtbaren Erlebnisse irrsinnig gern o r b e n. Unter ben Toten befinbet sich ber Vetter des millionenreichen Bergwerkspräsibenten Jones. Der staatliche Bergwerksinspektor Henry Louthitt hatte mit bem Minendirektor Alfreb Becson bie Mariannagriibe in Pensylvanien fünf Mi- nutenvorderKatastrophe besichtigt und alles in m u st er- haf ter Ordnung gefunden. Als sich Louthitt ungefähr 100 Schritt von bem Schacht entfernt hatte, erfolgte bie Explosion, und bie Flammen schossen haushoch aus bem Schacht, ben er eben erst gemächlich und beruhigt verlassen Ijpttc. * Die AusroetJung des „Hauptmanns von Küpen ick". Bor einiger Zeit wiesen wir, nach einer Meldung der „Welt am Montag", auf die befremdete Tatsache hin, baß trotz des schmähttchen Fiaskos ber polizeilichen Ausweisungspraxis, das ber Prozeß gegen ben 'Schuhmacher Voigt erwies, die Berliner Ausweisung gegen diesen selbst auch bei seiner Begnadigung und Entlassung aus bem Gefängnis nicht aufgehoben wordcic war. Tazn berichteten^wir, baß Herr Voigt nachträglich burd) seinen Rechtsbeistand Scl ritte zur 9Uif>ebung bieser Maßregel unternommen harte. Wie die „W. u. M. mitteilen kann, ist nunmehr endlich durch ben Polizeipräsidenten ber Ausweisungsbefehl wegen den Schuhmacher Wilhelm Voigt aufgehobenl worben. Ter „Hauptmann von Köpenick" hat biefen Schritt des Polizeipräsidenten mit einem Dankschreiben beantwortet. * We l tpv st-Statistik. Drei Dutzend Jahre sind es nun her, da beschloß der internationale statistische Kongreß zu St. Petersburg, baß über den Postverkehr, über bie Zahl ber gewhönlichcn Briefe und Pakete, ber Weripakete und der Postanweisungen statistische Angaben regelmäßig veröffentlicht werben sollten. Die Möglia kett einer Vergleichung mit Hilfe bieser statistischen ^Angaben war aber erst vorhanben, als burd) ben Berner Postkongreß eine Einheitlichkeit ber Grunbsätze bei ihrer Ausstellung erzielt worden Ivar, llnb die vom internationalen! Bureau 'des im Oktober 1874 begründeten äöeltpostoereins herausgegebene Statistik über die Organisativn des Postbienstes in den verschiedenen Ländern, über ben inneren und ben internationalen Postverkehr, über unbestellbare Sendungen und über bie finanziellen Ergebnisse ber Post bietet ein volkswirtschaftlich wie statistisch wertvolles Material. Danach teilt Postrat Johannes Bruns in seiner kleinen Schrift über „Das Postwesen, feine Entwicklung und seine Bebeutung" (Leidig, Teubner) bie folgenden Zahlen aus bem Jahre 190-1 mit. Alle zum Weltpostverein gehörigen Länder der Erde verfügen über 1>,_> Millionen Postbeamten, unter denen gegen 100 000 Postillione und Postfuhrunternehmer sind. In ber Zahl seiner Po st beamten steht Deutschland weit voran. Seinen 261 985 können bie Vereinigten Staaten nur 241820, Großbritannien nuu 192 454 gegenüber» stellen. Ter Aktualität halber wollen wir auch die Zahlen aus Europas Wetterwmkcl, ber Baitanhalbinsel, nennen. Tas ganze Postpersomtt ticr Türkei umfaßt 1829 Mann, Rumänien hat 6956, während fick Griecheiiland mit etwas weniger als bie Türkei, nämlicb mit 1488 behilft und Serbien gar nur 843 hat. Sehr erfreulid) ist es auch für uns, baß in den finanziellen Ergebnissen Teutschlanb, wenn auch nicht an erster Stelle, so doch recht tyod> steht. Dem lleberfluß von 933/ü Millionen Mark, ben die großbritannische Post aufznioeiscn hat, und den 622/s Millionen Rußlands folgen 613/5 Millionen in Deutschland. Nahe kommt diesen^Beträgen nur noch die französische Post. Die der Vereinigten Staaten von Amerika arbeitet sogar mit einem Fehlbeträge von 173/j, Millionen Mark, weil hier der Landbestelldienst und der Postbefördernngsdienst gewalttge Summen verschlingen. Am dichtesten ift bas Po st netz in ber Schweiz, hier kommt auf je 11,3 qkm eine Postanstalt, in Großbritannien auf 13,9, au^ A^Qkni. Dann folgt in ziemlich weitem Ab stände Belgien mit 24,1 qkm. _ Eine Vorstellung von ber Riefenausdehnung ber Vereinigten Staaten bekommen wir, wenn wir erfahren, daß fie mehr Postanstalten haben als Deutschland und England zusammen und doch erst auf je 129,3 qkm eine fommt. Insgesamt wurden im Jahre 1904 in den Vereinigten Staaten 9,Vs, in Deutschland gegen 7, in Großbritannien etwa 4’2, itt Frankreich, in Oesterreich P/5, in Rußland IV« Millionen Posticnbnngen befördert. In den meisten Ländern nehmen die eigcntiirfjcn Briefe von dieser Zal,l nicht die Hälfte in An- Ipruch.^ Der Postkarten- wie ber Drucksachenverkehr ist überall •n Aunchwunge begriffen. Teutschland steht an der Spitze un Palet-, Wertsendungs- uitb Postanweisungsverkehr. frung des Großfürsten Kyrill. Groß- surft Kyrlll -ü'laduniwwitfch ist, wie bereits kurz gemeldet wurde, ’exTtcxn ttntieren Range eines Kapitäns zweiten Ranges und - einc5 Flugeladjutanten des Kaisers wieder in ben kommen worden. Großfürst Kyrill, ein Cousin des Zaren ^ttvlaus IL, wurde bekanntlich wegen seiner ohne Zu- fnmmung ues Zaren geschlossenen Ehe mit der geschiedenen Grost- herwg.u '-Jiciitta von Hessen, einer Prinzessin von >ivburg-Gotha, aus dem '.Aarmebienit enrlassen und zum ständigen Ausent^ill im -lu^lan? angaouien. Tas war im Jahre 1905. Ein Jahr ’V",tlC. es dem Großfürsten ^kyrlll auf Fürbitte seines ^>alerö> ue» Großfürsten Wladünip, gestattcü iettweist ji^ zmq Besuche seiner Eltern in Petersburg aufhallcn zu dürfen. Nunmehr wurde dem Großfürsten Gcncralpardon gegeben und ihm sogar der Titel eines Flügcladjutanten verliehen. Meder real- liniert, wird Großfürst Kyrill nach Petersburg zurückkehrcn, um seinen Dienst in der Marine wieder aufzunehmen, und seine Gemahlin, ehemalige Schwägerin der 3ariit Alexandra, wird die ihr gebührende Stellung am Zarcnhofc einnehmen. * Das verhinderte Diner. Anläßlich der Aufführung der „Götterdämmerung" in der Großen Oper zu Paris wurde berichtet, daß die Direktion für die seit 6 Uhr nachmittags im Theater anwesenden Besucher nach dem ersten Akt eine längere Dincrpause eintreten ließ, die im Foyer selbst eifrig ausgenntzt wurde. Das „Diner du cr(puscule des dieur" erfreute sich rasch eines gewissen Rufes in Paris. Davon scheint auch der Maurerpolier Leon Bonnet gehört zu haben. Er erschien, wie man der „Bresl. Morgen-Ztg." aus Paris schreibt, bei einer der letzten Aufführungen des Wagner-Werkes an der Einlaßtüre zum Olymp, bewaffnet mit einem großen Brot, einer Riesenwurst und einer Flasche Wein. Der Türhüter wehrte ihm den Eintritt. „Ich will aber auch dinieren," sagte Herr Bonnet, „ich habe mir gleich mein Diner mitgebracht. Eures ist mir zu teuer." Der Schließer sagte ihm, er könne ja die Viktualien draußen lassen, in den Zuschauerraum mitnehmen dürfe er sie aber nicht. „Damit Ihr mir mein Tiner, während ich drin bin, auffrcßtl" erwiderte der schlaue Herr Bonnet. Der Schließer rief nun einen Wachmann herbei. Diesen titulierte Herr Bonnet sofort „Mörder". Darauf wurde er prompt verhaftet und konnte sein Diner auf der Polizeiwache einnehmen. Wegen Beamtcnbeleidigung stand er jetzt vor Gericht. Der Vorsitzende suchte ihm klar zu machen, daß man mit so opulenten Lebensmitteln den Zuschauerraum eines Opernhauses nicht betreten dürfe, und daß der Beamte daher in seinem Recht gewesen sei. „Dann pfeife ich auf oie ganze Götterdämmerung, wenn man nicht auf seine Art dinieren kann." „Sie dürfen aus die Götterdämmerung pfeifen," meinte der weise Richter, „aber Sie dürfen keinen Wachmann Mörder nennen." Herr Bonnet erhielt acht Tage Gefängnis für seinen mißglückten Versuch, auf dem Olymp Die Drnersitten des Foyers einzuführen. * Sieweißsichzu'helfen. Richter (zur Zeugin): „Wie alt sind Sie?" — „30 Jahre." — Richter: „Das ist unmöglich! Als sic vor einigen Jahren hier als Zeugin erschienen. haben Sie dasselbe Alter angegeben." — Zeugin (stolz): „Ganz recht, ich gehöre auch nicht zu denjenigen, die heute dies sagen und morgen das." kleine Tageschrontk. Im Krankenhause m Ham in ist von den aus R a d d o d Verunglückten wieder einer gestorben. Es ist dies der neunte nachträgliche Todesfall. Bei einem Einbrüche in die Ortskrankenkasse in H a m b o r n (Rheinprovinz) erbeuteten der Buchhalter Luhr und der Kommis Tost 3500 Mark. Tie Spitzbuben »vurdeii verhaltet, nachdem sie das Geld bis aus 600 Mark vergeudet hauen. In Hohensalza sind200Schulkinder an Scharlach und Diphtheritls erkrankt. Wegen Erniordung der Rentnerin Ernestine Locwe in Liegnih wurde das Ivjährige Dienstmädchen A l t m a n n v e r- hastet. Es gestand den Mord als Rache für Kündigung. Tas .Hamburger F r e in d e n b l a t t" hat ans Anlaß seines hundertjährigen G e s ch ä s t s j u b i l ä u m S und der Einweihung {eines Neubaues 50 uOO Mark für Unterstützungen gestiftet. Der eidgenössische Zollbeainte Ho st eitler inPrun» t r u t (Kanton Bern, wurde wegen Unterschlagung von 10 000 Frcs. verhaftet. Auf der Reede von T s ch i s u (China) st i e ß e n zwei japa- nische D a Ni p i e r zusammen, wobei angeblich 700 M e n» s ch e n u m g e k o m n> e n sirld. Handel und Vcrfcbr, Volkswirtschaft. — Berliner Hotel-Gesellschaft Kaiserhof. Es verlautet, daß das Jahrescrgebnis diesmal ungünstig ausfallen wird, da der Geschäftsgang unter dem Bau der Untergrundbahn gelitten hat. Die Regrcßansprüche gegen die Aufsichtsratsmitglieder aus der Zeit der Eberbachperiode werden mm klagbar. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 1. Dez. Öen- und Strohmarkt. Ungefähren waren 15 Wagen Heu und 5 Wagen Stroh. Bezahlt wurde für Heu Alk. 3.20—3.50, für Stroh Mk. 2.40 - 2.60. Mafchinenstroh fehlt. Tie Zufuhren waren ans den Kreisen Dieburg iuid Gelnhausen, soivie aus Nidda. Nachfrage schivach, Tendenz gedrückt. Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Heften am Mittwoch den 2. Dezember: Trüb und neblig. Trocken. Temperatur wie heute. Schwache veränderliche Winde. GriginaL-Drahtmeloungen. Rom, 1. Dez. Da der P a p st gestern nachnlittag fieberfrei war, konnte er auf eine halbe Stunde das Bett verlassen. PrQ- fessor Marchiafava machte ihnr von neuem Hoffrmng, daß er heute einige Stunden in seiner Bibliothek arbeiten könne. Der Arzt sprach sich über das Allgemeinbefinden des Papstes jehp befriedigend aus, mahnte ihn jedoch, vorsichtig zu sein. Paris, 1. Dez. Petit Parisien berichtet aus Konstantinopel. Gestern abend fanden vor der englischen Botschaft großeSympathie-KundgebungcnfürEngland statt im Hinblick auf die Haltung Englands in der Bvykottfrage gegenüber Oesterreichs und namentlich wegen der englisck>en Absicht, Kriegsschiffe nach den türkischen Häfen zu entsenden, falls Oesterreich seine Drohung ausführen sollte, Handelsschiffe durch Kriegsschiffe begleiten zu lassen. Die Kundgeber begaben sich auch vor die russische und französische Botsä-aft. Paris, 1. Dez. Nach einer Meldung des Echo bc Paris aus London, macht die liberale Partei augenblicklich eine ernste Krisis durch. In parlamentarischen Kreisen werde ernstlich mit der Eventualität einer Auflösung des Parlaments im Ntärz geregnet. Tas jetzige Budget geve Anlaß zu Bedenken und im Ministerium herrsche Uneinigkeit über den Bau von 6 Panzerschiffen, die notwendig seien, um mit dem deutschen Flottenbau gleichen Schritt zu halten. Auch verschiedene Sozialrcformen, die zur Zeit verwirklicht werden, lassen ein großes Defizit befürchten, das man aus ca. 2 0 Millionen Pfund sch-ätzt. Dieses Defizit mach, der liberalen Partei große Sorge, selbst wenn beabsichtigt wird, zur Wiederherstellung des Gleichgeivichts die Nachlaßsteuer zu erheben und eine Steuer für das unbebaute Grundeigentum einzufuhren. Paris, 1. Dez. AuS Gründen der Menschlich, leit luiU die französische Regierung dem Präsidenten Castro die Landung in Bordeaux gestatten, wenn er auch dem französischen Gesandten gegenüber mehrfach die Bestimmungen des Völkerrechts übertreten hat. London, 1. Dcz. Daily News berichtet aus Washington'. Präsident Roosevelt wurde gestern, als er von einem Spaziergange zurückkehrte, von einem Automobil angerannt und zu Boden geschleudert. Jrooscvelt erhob sich und sagte: „Es ist ein Wunder, daß ich nicht tot geblieben bin." Tanger, 1. Dez. Nach hierher gelangten Nachrichten aus Fez wird Muley Hafid eine Expedition gegen Rogi Bu Hamara ausschicken und nach dessen Niederwerfung über Rabat nach Marakesch ziehen. Rechtsschutzstelle erteilt unentgeltlich (D-/n Rat und Auskunft an (rauen und Miidchcu. Sprechstunden Mitwochs von 5-7 Uhr, Alicestraße 31, III. Kartoffeln Prima Speisekartoffeln (mnnnum bonuni) ganz vorziigl. im Kochen. Salatkartoffeln Gelbe Mäuschen, Paulsen Juli (6877 empfiehlt billig frei Haus I. Wcifcl, Sonnenstraße 6 Telephon 235. ==?=== Massage Dampf- und Heißluft-Bäder. Strontenpflene :: Nachtwachen L. Kralr u. Frau, 103617 Landgraf Phil.-Platz 8. Tel. 354 Körbe u. Stühle werden schnell u. bitt, geflacht. I. Giöcklc, vorm. Parthier, SelterSweg 81. (09679 11. Ziehung 5. KI. 219. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vorn SO. November 1908, vormittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern In Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verboten.) 8!'2 1115 40 311 624 2125 240 352 555 72 723 L1000] 90 [1000] 039 3347 683 4019 435 612 894 005 85 5031 50 314 579 618 55 880 6039 82 110 294 372 683 290 738 811 OH 7075 120 46 702 [3000] 886 8099 165 71 269 [500] 368 92 476 [500] 93 507 87 882 007 9062 252 460 519 85 771 [3000] 10088 144 47 [500] 292 [3000] 388 418 091 742 85 89 »91 95 11073 160 222 SO 827 70 12200 85 335 73 538 903 [500] 13 135 641 99 996 1 4011 179 90 298 [500] 430 621 806 80 [500] 917 [500] 15152 [1000 ] 219 [3000] 74 82 347 74 559 604 29 812 995 16031 514 70 655 89 07 [1000] 704 861 17151 520 [500] 25 72 - 622 40 44 95 783 95 18180 368 624 [500] 738 890 903 [500] 19189 361 566 933 20183 87 217 417 658 [500] 737 65 21277 93 611 85 781 808 86 2 2091 228 497 704 59 959 2 3056 159 531 612 [500] 737 88 2 4617 755 [500] 63 [500] 813 38 42 63 25018 107 67 87 286 351 417 [500]1 519 55 59 078 80 702 800 96 26165 97 270 [500] 317 31 491 683 27070 178 503 625 731 973 2 8007 276 365 751 842 68 81 29110 [1000] 507 610 05 713 [500] 65 813 [500] 73 3O004 19 454 53 [1000] 537 792 870 [3000] 87 911 81056 79 90 HO [500] 69 453 653 800 909 3 2106 95 219 582 844 967 33133 [3000] 246 431 590 741 823 35 49 64 70 904 34277 [3000] 382 423 563 779 800 33 3 5 128 81 242 331 454 555 683 930 3 6 079 164 69 587 376 038 3 7179 521 819 935 60 38234 [1000] 622 [1000] 91 851 [1000] 86 92 974 [1000] 39002 85 171 426 72 536 772 963 [500 ] 61 4O00S 853 65 41030 141 [500] 58 212 25 89 411 91 571 633 887 4 2023 54 70 312 464 89 4 3 251 73 473 [1000] 540 86 794 4 4 029 40 67 117 400 13 527 90 4 5 023 12.3 87 217 81 318 63 97 450 663 769 [500 ] 82 835 993 [500] 4 6019 62 119 259 396 619 [1000] 20 47128 403 69 03 710 11 48057 161 219 617 723 52 814 28 [1000] 35 96 492.32 480 717 [1000] 31 937 81 501’5 59 463 518 618 94 5 1 001 488 590 [500] 670 713 54 [1000] 832 47 52377 536 [500] 94 789 921 [3000] 53114 [1000 ] 200 22 [100U] 585 703 988 5 4005 [1000] 332 479 737 843 55223 566 710 [3000] 82 962 95 56146 631 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(Nachdruck verboten \ 835 <2° 81 l500] C01 70 96 [ 500] 0|/ 300 275, [1000j 521 863 [1000] 905 57 ?,°/5nA 10= d°°J 64 532 79 180001 733 4143 293 627 721 42 ®’57 83 233 212 503 61 83 05 747 801 933 6096 07 012 7«1 872 7310 597 [1000] 831 8095 *74 311 407 [500] 540 780 9225 372 720 ,1?021 67 614 71 11036 60 153 93 277 331 53 773 S° 12070 111 65 330 40 426 575 80 711 882 ,J° 415 810 97 14100 3 203 372 046 89 815 H 929 lol|3 218 65 413 22 [1000] 580 979 [1000] 160J3 174 <20 [1000] 49 932 17081 218 326 93 429 69 nn113 23** 100 [3000] 853 947 19024 33 456 600 20 780 ^0116 99 400 43 690 994 21010 28 140 251 331 517 690 4 115 43 32t 433 671 896 38352 79 445 590 004 39121 [500] 31 237 416 82 40137 337 562 813 41 41307 570 75 633 730 42 42100 373 91 439 71 955 80 4 3 203 319 4 4021 114 79 634 96 740 822 [3000] 925 45056 03 161 77 229 360 410 620 36 46217 M 503 853 47401 538 646 [ 3000] 43006 49 116 35S 75 637 794 879 973 49u37 132 67 561 91 [1000] 671 [3000] 82 760 79 [1000] 961 [3000] 50155 228 [1000] 427 96 51002 [500] 21 108 226 660 6 4 694 99 828 5 2119 207 307 [500] 598 659 89 829 53177 545 53 726 915 [500] 54 233 61 423 [1000] 897 55511 77 651 798 821 51 97 [ 500] 999 56221 397 680 930 61 76 57195 893 551 915 [3000] 98 5 8065 94 849 489 677 708 OCj 59 109 48 292 836 60117 [ 500] 250 97 374 [500] 492 697 757 53 [3000] 6 1 060 (1000) 196 267 353 425 [500] 561 629 33 42 753 62074 126 [ 500] 49 367 613 [3000] 23 728 832 6 3031 59 fll 270 91 361 65 405 [1000] 63 SO 959 7 9 6 4082 263 535 755 [500] 76 [1000] 952 6 5 211 335 468 565 766 819 86 [500] 6 6059 435 513 748 [500] 891 67204 21 73 334 572 619 21 752 898 68170 237 435 67 [500] 643 891 69 151 260 306 [500] 64 428 510 699 728 867 993 [1000] 70171 201 544 698 702 14 947 7 1 073 75 176 233 321 22 59 466 688 72008 119 266 855 99 467 617 66 750 868 73'191 513 971 SO 92 7 4021 450 618 23 770 75127 83 687 7 6091 212 [500] 61 441 557 77169 417 22 507 631 891 927 7 8074 102 311 422 63 692 9 7 7 9125 309 54 700 835 80102 856 519 73 697 [500] 753 907 23 8 1 048 [3000] 51 164 248 470 595 [500] 723 82102 42 [1000] 61 211 73 83-95 892 486 516 720 84226 63 95 649 85086 223 83 [3000] 342 [3000 ] 415 33 83 550 925 86239 97 342 86 543 96 752 847 53 8 7213 358 [500] 401 13 803 [5000] 45 8 8122 555 59 768 895 8 3088 158 412 652 91 900 90110 [1000] 215 41 [3000] 80 400 523 91909 195 229 339 536 54 701 92187 [1000] 606 949 67 93031 70 [500] 172 74 202 91 331 72 486 522 47 718 30 39 71 821 53 9 4117 21 323 500 19 22 668 91 (8000] 965 9 5072 266 304 528 40 67 73 774 815 993 9 6050 175 275 369 539 616 [1000] 79 762 901 33 97026 292 516 746,972 [500] 98143 225 80 368 85 544 [1000] 909 86 [3000] 99170 377 530 70 603 778 961 100106 61 317 55 [1000] 452 85 542 750 1 0 1 070 193 272 468 686 780 890 1 02128 501 631 750 896 931 36 103001 413 585 635 64 882 1 04067 126 SO 77 97 294 313 415 55 [1000 ] 636 59 705 19 835 [500] 105067 81 105 490 694 865 1 0 6058 69 124 41 59 304 589 780 (15 000] 852 107168 272 332 591 99 [500] 666 865 991 108277 [1000] 477 951 10 9068 91 97 573 802 110U46 99 132 290 310 419 547 646 715 823 [3000] 72 75 [3000] 934 111143 297 379 454 56 603 18 70 823 943 88 [ 3000 ] 91 112062 [1000] 599 843 967 1 13137 272 397 745 66 850 915 114205 [500] 429 014 1 15069 182 722 24 76 823 946 48 116026 27 [500] 74 623 710 14 55 117029 150 51 234 [1000] 327 597 658 118160 86 296 326 819 119013 14 [1000] 34 405 501 [SO 000] 87 613 751 120279 339 405 84 517 26 51 641 55 98 770 1 21184 (500] 589 621 63 [500] 76 764 863 964 75 1 22102 13900] 295 615 703 999 1 23119 420 69 511 39 80 635 95 [3000] 886 90 124215 379 [3000 ] 433 [1000] 79 536 [500] 924 125339 78 [1000] 410 48 [500] 610 12 805 92 [1000] 90.3 35 76 89 1 2 6274 301 569 752 1 27060 142 76 298 395 437 754 062 [500] 83 128115 [ 500] 33 77 327 93 520 765 7 6 823 57 901 129191 632 729 130107 224 353 655 73 755 1 3 1 506 851 13213! 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