'-.'1 ■ 5-LZ-^ 2 2- * e* i 5 Donnerstag 1« Oktober 1908 Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. Der akademische Nachwuchs. le! Zur Eröffnung der zweiten Spielzeit im neuen Stadttheater. berechtigt. Menn in obiger Ausführung öfter von Liebhabern, Naiven, Charakterrollen und ähnlichem die Rede war. so sei bemerkt, daß diese Fachbezeichnungen heute mehr zur leichteren Information des Publikums dienen als daß sie noch praktischen Mert besäßen. Wohl an den meisten künstlerisch geleiteten Theatern werden jetzt die Rollen nicht mehr nach der veralteten Fachbezeicynung, sondern nach der Individualität der Künstler besetzt. Soviel über das neue Personal. Zur Crvssnung einer Spielzeit werden gern Werke gewählt, die einmal durch größeres Personenverzeichnis möglichst viele Mitglieder einzusühren gestatten und dann durch wechselnde Bühnenbilder der Regie Ausgaben stellen. So hatten wir in den letzten Jahren als Eröistmngsvorstellun- ,,Talisman", „Kaufmami Don~ Venedig", „Wintermärchen", und dieses Jahr wird Schillers „Iungsrau von Orleans folgen. c §>ie , Hungfr.au von Orleans" war wohl das Glanz- politifctye Tagesseharr. Freiwillige Mitglieder in Krankenkaffen. Zweifel bestehen noch mancherorts über das Recht zwangs- versicherter Kassenmitglieder, die Versicherung freiwillig fortzu- setzen, falls das Jahreseinkommen 2000 Mark übersteigt. Wieder- holl ist gerichtlich festqestellt, daß die Mitgliedschaft forlbesteht, falls davon innerhalb 8 Tagen dem Kassenvorstande m irgend einer Form Mitteilung gemacht ist und die Zahlung der Bellragc puntt- lich erfolgt. Tie Bestimmung der Satzungen, daß der freiwillige Beitritt zu den Kassen bei einem Einkommen von wehr als 2000 Mark ausgeschlossen ist, findet also hier keine Anwendung. sätzen vor. Darauf sprach Prof. Dr. v. Mettsiein-Wien über: Die Nachwuchsfrage unter dem Gesichtspunkte der Be- dürfnisfe des naturwissenschaftlichen Unterrichts. Der Vortragende betonte einleitend, daß nicht die Fürsorge für die materielle Stellung des akademischen Nachwuchses den Ausgangspunkt für ferne Darlegungen bilde, sondern dre Erörterung einiger dringenden Bedürfnisse des naturwrssen- schaftlichen Unterrichts. Zur Abhilfe der besprochenen Uebel- stände schlägt der Vortragende vor: die Interessen der naturwissenschaftlichen Forschung und Lehre verlangen, daß rn höherem Maße als bisher der wissenschaftlichen Spezralr- sierung Rechnung getragen werde durch Errichtung von Parallellehrstühlen in jenen Fällen, in welchen Disziplinen in inhaltlich und methodisch verschiedene Zweige sich teilten, durch Errichtung von Extraordinariaten und Erteilung honorierter Lehrausträge zur Vertretung wichtiger Spezialfächer. Die stetig zunehmende Zahl der Hörerkategorien verlangt in gleicher Weise die Errichtung von Extraordmarraten und Honorierung von Dozenten mit bestimmten, den Bedürfnissen bestimmter Hörerlreise angepaßten Lehrauftrage. Zur Entlastung der Vorstände größerer Universitätsinstitute sowie zur Er^ichterung einer entsprechenden wissenschaftlichen und pädagogischen Ausbildung erscheint die Ausgestaltung der Univeriitätsbeamtenstellungen von großer Wich- hindern. , , .rri . ... . .. Was die Darstellung der Jungfrau betrifft, ,v ist feit dem Vorgang der Meininger eine Wandlung im Bühnenbrauch eingetreten. Clara Ziegler und ihre Nachfolgerümen uchten durch hohe Figur und kraftvolles Organ das Heldenhafte zur sichtbaren Anschauung zu bringen. Neuerdings! wird der "Nachdruck meist auf die Charakterisierung der Johanna als „zarte Magd" und „zarte Jungfrau" gelegt und die Rolle mit einer jugendlich mädchenhaften Darstellerin besetzt, eine Auffassung, für die sich bekanntlich Schiller selbst entschieden hat. . Unsere Bühne dürfte in Jo Hoven (emer Schulerm von Fräulein Gündel, der bekannten früheren Frankfurter Schauspielerin) eine geeignete Repräsentantin der Johanna in obigem Sinne besitzen. Schlanke, jugendliche Erscheinung und weiches sympathisches Organ, das aber durchaus nicht der Kraft und Ätodulationssähigteit ermangelt, bieten ihr alle Voraussetzungen zu einer gewinnenden Verkörperung der Schillerschen Titelheldin. Es möge zum Schluß eine Bemerkung Platz finden, die Adolf Meds, der bekannte Dresdener Hosschaufpieler, in einem Artikel von „Bühne und Welt" über die Inszenierung der Jungftau von Orleans macht: „Man mag den Wert der Schillerschen „Jungftau" gering oder hoch einschätzen, jedenfalls übt das Drama noch immer aus das Publikum seins bezwingende Macht, die noch weit stärker wäre, wenn die Inszenierung stets darauf ausginge, überall die Poesie aus dem Werk herauszuholen, statt im Hinblick auf den „pomphaften Krönungszug" die Dichtung als Spettakelstück zu behandeln. Hermann Steingoetter. Nr. 231 Der Gietzeuer Anzeiger «scheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerZantilievblätter; zweimal roöchentl.Ureir- blatt sUr den Ureir Stehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. taub» wirtschaftliche Seitfragen Fernsprech - Anschlüffe: für die Redaktion 112. Verlag u. Expedition 51 Adresse sür Depeschenr Anzeiger «leben. tigkeit. An diese beiden Vorträge knüpfte sich eine lebhafte Aussprache. Pros. Eulenburg-Leipzig erklärte, der radikalste Vorschlag sei zweifellos der der zeitlichen Beschränkung der venia legendi. Die tüchtigen Kollegen hätten gewiß nichts dagegen einzuwenden, wenn die untüchtigen ausgemerzt würden. Wer es sei schon jetzt vielfach an den Universitäten, vor allem in Leipzig, Sitte, daß das Extraordinariat verliehen würde im .Hinblick auf bestimmte für die Fakultät berechnete Werke. Jede Beschränkung wurde die Zahl derer, die das „große Werk" fertigstellen, nur ber- arößern. Viel praktischer wäre es, wenn die Fakultäten das Recht zur Verleihung be-:; Titels des extraordinären Professors hätten. Viele kämen heute nur zur Universität, um von der Regierung nach einiger Zeit den Titel Professor sich verleihen zu lassen, und um dann ein besseres Geschäft ?u machen. Leider werde auch innerhalb Trojas Mauern gesündigt. Die Zahl derer, denen es gut ergehe, sei viel zu qroß, und da würde mancher leicht schlapp und arbeite wissenschaftlich nicht mehr genug. Die Verleihung von Unterstützungen, vielleicht schon an den Schulen sei doch auch bedenklich. Mit Stipendien aufgepäppelte Gelehrte seien auch nicht die wünschenswertesten Elemente. Tüchtige Leute freilich solle man tatkräftig unterstützen. ^'an f m a nn-* Breslau: Wir stimmen alle darin überein, daß die akademische Laufbahn frei bleiben muß. Die Auslese kann nur durm das Leben selbst ersolgen. . Sehr empfehlenswert ist die zeitliche Beschränlnng der venia legendi; sonst kann es passieren wie in Breslau, daß ein Privatdozent rn den Listen steht, der jetzt schon 25 Jähre lang als Regierungsrat in Berlin wohnt. (Heiterkeit.) - Hartmann-Wien: - - - ■ “ " : nur möglich bei idealen Das Stadttheater in Scholz die erste Lustspiel-Possensoubrette, die ihren guten Ruf als fesche Darstellerin in L'Arronges „Kompagnon , als „Madame Sans Gene" und als „Crevette" in Feydeaus übermütiger „Dame von Maxim" bewähren kann. Lebhaftes Interesse wird sich auf den Regisseur und ersten Charakterkomiler Max Schonert konzentrieren, der unter der Direktion Schröder eine Reihe von Jahren an den Stadttheatern zu Thorn und Aachen mit größtem Ei> folge tätig war und in diesen Städten als Lieblmg des Publikums galt. , r . „ In Rolf Ziegler vom Leipziger- Schauspielhause durfte eine vielversprechende Kraft siir einen Teil der Charakterrollen gewonnen sein; Erscheinung und Befähigung qualifizieren ihn auch für das dem Charakterspieler oft gefährliche Parkett des Salons. In den Herreii Paul Kohlmann (jugendlich-komische Rollen), Edgar Pauly und Willibald Völcker (die beiden letztgenannten für bedeutende Chargen- sind verständige Schau- psieler und gute Sprecher verpflichtet worden. _ Von dem übrigen neuengagierten Personale sei noch Karl Volck ein Schüler des Herrn Auerbach vom Frankfurter Schauspielhause erwähnt, der vorläufig sür zweite Liebhaber und Chargen verpflichtet, durch ausgesprochenes Talent und gute Sprachtechnik zu großen Hoffnungen Ausweisung eines französischen Journalisten. Einiges Aussehen erregte es kürzlich, als ein französischer Journalist namens Kübler aus dem Elsaß ausgewiesen worden war. Der Grund der Ausweisung des Journalisten Kübler aus Elsatz- Lothrinqen wird jetzt bekannt. Wie schon gemeldet, hat Kübler, der aus dem Elsaß stammt, aber für Frankreich optiert hat und dann wieder nach Elsaß-Lothringen zurückkehrte, die Aufforderung erhalten, die Reichslande zu verlassen. Wie letzt der .Voss. Zlg. au- Straßburg gemeldet wird, hat Kübler im Reichslande neulich der französischen Regierung Hilfe geleistet, Spione zu entlarven. Voriges Jahr kam ein französischer Spion namens Verton nach ' Straßburg und stieg im Hotel Terminus ab, wo er mit dem deutschen Unterhändler verhandelte. Die beiden Mannersprachen tnt Hotelzimmer so laut, daß ein Pariser Advokat ihre Unterhaltung belauichen konnte; er überwachte die Abreise des Berton, deffest Signalement er nach Varis gab, so daß dieser bei seiner Ankunft dort verhaftet wurde. Das Pariser Schwurgericht verurteilte den Mann später zu lebenslänglicher Deportation, und zu seiner Ueber- sührung dienten vor allem die Feststellungen, die der Journalist Kübler, der in Straßburg als Optant die GastsreundschaÜ der deutschen Regierung genoß, im Auftrage seiner Pariser Blatter machte, die dem dortigen Untersuchsrichter eingehandigt wurden. Man mag so niedrig über die Spioiiage denken, rote man will, aber niemand wird es der deutschen Regierung zumuten, daß sie jemaiid im Lande wohnen läßt, noch dazu einen Ausländer, der kein Recht auf den Aufenthalt auf deutschem Boden hat, der einer fremden Macht m die Hände arbeitet. Kübler plant, sich letzt in Kehl iu Baden niederzulassen. Ob er dazu die Erlaubnis erhalten wird, erscheint noch fraglich. Daß unser städtisches Kunstinstitut sich bereits einen festen Platz im Sperren der Gießener Einwohnerschaft erworben hat, zeigt das große Interesse, das der zweiten Spielzeit im neuen Hause entgegengebracht wird. Dies Interesse äußert sich auch in mannigfachen Anfragen, die die künstlerischen und persönlichen Eigenschafteii der neuen Mitglieder betreffen. Ein Paar ailsklärende ferner hingen in dieser Hinsicht dürften daher am Platze sein. Es ist das Bestreben der Bühnenleikung, einen Stamm seßhafter erster Kräfte hier festzuhalten und etwa notwendige Ergänzungeii des Personals durch Probegastspiele einzusühren oder durch Sommerengagement in Bad-Nau- Heim dem Ensemble anzugliedern. Bewährte Kräfte sind es, die uns vom letzten Jahre her erhalten geblieben sind. Wir nennen neben Hermann Sa toi, dem verdienten Oberregisseur unserer Bühne nur Künstlernamen wie Rudolf Goll, Erich Weingärtner, Clemens Roden, SMene Achterberg, Torte Maifarth, Marie Lautermami. Auch die Damen Grete Höcker und Claire Albrecht, die sich im Frühjahr durch Gastspiele (Elisabeth in Maria Stuart und Giuditta in „Hwilligsschwester") aufs vorteilhafteste eingeführt haben, dürfen wir bereits als Bekannte ansprechen. . Von den neuen Kräften nennen wir — um fest Dem schönen Geschlecht den Vortritt zu lassen — Anny Rober, vordem an den Hoftheatern zu Altenburg und Hannover, die hier einen Teil der munteren Rollen und jugendlichen Salondamen, außerdem die jugendlichen weiblichen Charakterrollen darstellen wird. Tie Künstlerin hat bei ihren Gastspielen in Bad-Nauheim in diesem Sommer geradezu Aufsehen erregt durch ihre Leistungen in den heterogensten Aufgaben. Sie wird auch hier bald Gelegenheit finden, sich als „Eva" in Paul Lindaus „Erfolg" und als „Othella Lustig" in des Dänen Med satirischer Komödie „2x2 = 5" ans verschiedenstem Gebiete zu betätigen. In Ada Pauly vom Zwickauer Stadttheater hat unsere Bühne eine routinierte feinkomische Kraft für die bürgerlichen Mütter gewonnen, die sich gleich Jo Hoven, der Vertreterin der sogenannten sentimentalen Nollen und jugendlichen Heroinen bereits am Kurtheater in Bad-Nau heim ^geführt hat. tung ist denn auch das Regiebnch des Meininger Hostheatersi zugrunde gelegt worden. Wo die Regie davon ab ging, befindet sie sich im Einklang mit der neueren Kritik. So ist namentlich der Krönungszug, der, an und Ar sich ganz nebensächlich für die Handlung, an vielen Buhnen zum opernhaften Hauptstück der Aufführung gemacht wird, aus das hauptsächlichste zusammengedrängt worden, ^m übrigen ist dahin gezielt worden, den poetischen Gehalt des Werks in den Vordergrund zu stellen und durch angebrachte ©trutje owie durch schnelle Verwandlungen, zum Teil bei offener Szene, eine übermäßige Dauer der Vorstellung zu ver- Verhältnissen. Tie medizinischen Fakultäten sind an der großen Zahl der Habilitationen selbst schuld. Nicht weniger als 38 Privatdozenten in Wien seien weder wissenschaftlich noch akademisch tätig. Sie habilitieren sich aus wirtschaftlichem Interesse und aus Eitelkeit. Mitschuldig seien die Mitglieder der Fakultäten. — Alfred Weber-Heidelberg erklärt, eine ganze Menge von Lehrkräften werde aus bestimmten Rassenvorurteilen nicht in die Stellung gebracht, die ihnen gebühre. (Lebh. Zustimmung.) *£>o sehr der Redner mit den sachlichen Ausführungen ötzraepelins einverstanden sei, so müsse er die Beschränkung der venia legendi unter den heutigen Umständen doch bekämpfen. — Ernst Mayer-Würzburg spricht sich gegen die Zulassung auf Zeit aus. Eine Hauptgefahr sei in dem Titel: Extraordinarius ohne Gehalt zu finden, der jetzt immer häufiger verliehen werde. Das ist, erklärt der Redner, eine Art--(Zuruf: Schwindel!), ganz recht, organisierter Schwindel. Es werden Leute aus bloßer Gnade zu Professoren ernannt. . n .± Die Versammlung nahm schließlich die in den Leitsätzen niedergelegten Anregungen zur Kenntnis und beschloß, diese einer der nächsten Tagungen zur ausführlichen: Beratung zu überweiseii. Hierauf wurde der 2. Deutsche Hochschulleyrertag geschlossen. Heber diese aktuelle Frage wurde gestern auf dem 2. deutschen Hochschullehrertage in Jena sehr eingehend referiert. Von besonderem Interesse waren die Ausführungen des Prof. Kraepelin-München über die Habi- litationsbedingungen. Kraepelin wünscht für die akademische Laufbahn eine sorgfältigere Auslese. Wir kommen nicht aus, so sagte er, mit der durchschnittlichen Befähigung. Neben der Forschungsfähigkeit ist großes Ge- toidit auf die Lehrfähigkeit zu legen. Wenn es auch richtig ist, daß der tüchtige Forscher meist ein guter Lehrer sein wird, so gibt es doch hervorragende Forscher, die sehr wenig geneigt sind, das Lehramt auszuüben und umgekehrt. Es müsse Platz für solche Leute geschaffen werden, die noch eme große Forscheraufgabe vor sich haben, die Bürde des Lehramtes aber nicht auf sich zu nehmen in der Lage sind. Es wäre wünschenswert, wenn an einzelnen Universitäten Leute mit hervorragender Forscherbegabung ohne Lehramt tätig fein könnten. Anderseits bestehe auch ein Bedürfnis an tüchtigen Ährem. Daher gäbe es die Einpauker, die ohne jede Kontrolle unterrichten und daher eine Art Neben- Universität bilden. Die Auslese müsse möglichst früh erfolgen. Sie biete heute manche Schwierigkeiten wegen der hohen zum Universitätslehramt erforderlichen Mittel. Jn- solaedessen finde heute neben der wissenschaftlichen Auslese uch noch eine wirtschaftliche Auslese statt. Der Zugang zur Mssenschaft müsse aber unabhängig gemacht werden vom Reichtum. Unzweifelhaft müsse alles unterstützt werden, was geeignet ist, die wissenschaftliche Auslese zu erleichtern. Härten würden immer bestehen. Man muffe sie aber möglichst zu lindem suchen, einmal dadurch, daß man die Lage der tüchtigen und brauchbaren Elemente nach Möglichkeit verbessere und die ungeeigneten Elemente in einer möglichst schmerzlosen Mise au§mer§e. Redner fordert eine großherzige Förderung aller starken wissenschaftlichen Persönlichkeiten, die eine Lücke ansfnllen können. Bei der Habilitation müßten hohe Anforderungen gestellt werden, namentlich müßten originale Leute und selbständige Persönlichkeiten jn die akademische Laufbahn hineinkommen. Es sei aber immerhin schwierig, da eine richtige Prognose zu stellen. Es werde immer Vorkommen, daß Blender Vorwärtsrücken und daß andere, die entwickelungsfähiger sind, zurückstehen. Die zweite Frage sei die Ausmerzung der Untauglichen. Der Redner sieht da nur ein Mittel: Eine Beschränkung der venia legeiidi auf sechs bis acht Jahre. Auch der Offizier müsse, wenn er den an ihn gestellten Anforderungen nicht genüge, den Zylinder aufsetzen. Wir find, so rief der Redner aus, auch eine geistige Armee und müssen die Dozenten ohne inneren Beruf ausscheiden. Die akademische Laufbahn braucht eine Auslese, wobei leider auch viele Opfer fallen müssen. Redner erhebt dann die Forderung einer Bewährungsfrist. Die letzte Auslese erfolge dann beim Ordinariat. Es sei unzweifelhaft, daß bei der Berufung von Ordinarien manches mitspiele, was man als unberufenen Einfluß bezeichnen dürfe. Jrn großen und ganzen täten die Fakultäten bei der Auslese ihre Schuldigkeit, schon ihrer Selbsterhaltung wegen, da solche Fakultäten andernfalls sehr bald ihr Aiisehen untergraben würden. Einzelne Berufungen, die durch die Ministerien erfolgt seien, wären nicht sehr glücklich. (Erneute h'terien eriolat seien, wären nicht lehr glualim. (yrneure rar in jovuui bhafte Zustimmung.) Gewiß machteii auch die Fakultäten>Die gliche Besairaniung wäre _------ -----. in Frankfurt a LT sendet uns in Lore I stück der berühmten „Meininger", und der hiesigen Einnch^ in tfraiui ull u. *j. u । ) ««»A4-f.it a hM.eininaer »ortbeater^ Mißgriffe. Die großen Universitäten kauften sich immer alte berühmte Namen und hätten schließlich eine Sammlung von Ruinen. (Große Heiterkeit.) Die jüngeren Universitäten nähmen die aufstrebenden Kräfte und sähen dann zu ihrem Schreck häufig, daß nicht alle Blütenträume reiften. (Lebhafter Beifall.) Der Redner legte bann zum Schluß im Sinne seiner Ausführungen eine,Anzahl von Leit- Erstes Blatt 158. Jahrgang _____ Ä Bezugspreis: Wr monatlich 75 Pf., viertel- Giehener ÄnzelgerW VWF e M ee -. < < für den politischen Teil, General-Anzeiger für Oberheffen • für äe Tagesnummer Rofafiottsötitd und Verlag der VrLhl'schen Univ.-Vuch- und Stcinbrodctct R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstraße AnzeigenteilH. Beck, .bis vormittags 10 Uhr. ---------- Hs ’A LE- 5 n Aus Stadt und Land. Gießen, 1. Oktober 1908. Ein militärisches Jubiläum. Heute, mn 1. Okt., feiert in Nidda der Kgl. Oberst a. D. Weimer den Tag, an dem er vor 40 Jahren in unser hiesiges Regiment eintrat. Oberst Weimer ist wohl eine der bekanntesten Persönlichkeiten in der ganzen Armee, denn seine jahrelange Tätigkeit als Inspizient der Waffen bei r>en Truppen hat ihn mit sämtlichen Truppenteilen der Armee in Berührung gebracht. Sein jugendfrisches, von isonnigem Humor beherrschtes Wesen hat ihm einen weiten Freundeskreis erworben. Ganz besonders innig und treu Haber: sich aber die Beziehungen zu feinem alten Regiment erhalten; kein militärisches Fest von Bedeutung geht vorüber, ohne daß er nicht die Gelegenheit ergreift, seine ehemaligen Kameraden aufzusuchen, verkörpert er doch ein gutes Stück Regimentsgeschichte und sein Name ist eng verknüpft mit den ruhmreichen Kcunpfen bei Viouville, Gravelotte, Noisfeville, Orleans und Briare. Unsere Wünsche für den heutigen Tag gehen dahin, daß dem in Krieg und Frieden hochbewährten Offizier ein recht froher, ungetrübter Lebensabend beschieden jein möge. Diesem Wunsche hat unser Regiment in einem längeren herzlichen Telegramm an den Jubilar Ausdruck gegeben. — August Weimer wurde am 5. Oktober 1849 in Nidda geboren. Am 1. Oktober 1868 trat er als Einjährig-Freiwilliger in das damalige 2. Infanterie-Regiment ^Groyherzog) ein, nachdem er feine Schulbildung aus dem Gymnasium in Büdingen erhalten und sich kurze Zeit dem Studium der Rechte auf der Universität Gießen gewidmet hatte. Er wurde 1869 zum Portepeefähnrich befördert, und rückte als solcher mit dem Regiment in den Feldzug. Er nahm ehrenvollen Anteil an den Schlachten bei Bionville und Mars la Tour, bei Gravelotte und St. Privat. Während der Einschließung von Metz, wurde er am 25. August 1870 zum Setondeleutnant befördert. Als solcher nahm er teil an den Schlachten bei Noisse- ville und Orleans sowie in den Ianuartagen des Jahres 1871 an den Kämpfen um Briare und am 14. Januar am .Gefecht bei Briare. In diesen letzten Kämpfen zeichnete er sich besonders aus und es wurde ihm für das Gefecht bei Briare am 12. Juni 1871 das eiserne Kreuz 2. Klasie verliehen; er war in diesem Gefecht durch einen Schuß in den rechten Oberschenkel verwundet worden. Er avan- zierte im Regiment bis zum überzähligen Major, zu welcher Charge er am 2 s. Januar 1895, nachdem er also dem Regiment fast 27 Jahre angehört hatte, befördert wurde. Als Bataillonvtommanoeur gehörte er dem Füsilier-Regiment Graf Roon 'Jir. 33 an und wurde dann Inspizient der Waffen bei den Truppen, in welcher Stellung er zum Oberst befördert wurde. Am 19. Ottober 1905 wurde er in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt unter Erteilung der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Infanterie-Regiments Kaiser Wil- heln: Nr. 116 und unter Verleihung des Roten Adlerordens 3. Klasse nm der Schleife. — In einem reizenden Landhause in seinem S^eimatsörte Nidda lebt Ober«: Weimer im wohlverdienten '«Ruhestand; er widmet seine nngeschwächte Kraft dem Gemeindewohl und entfaltet eine besonders segensreiche Tätigkeit im Kriegervereinswesen. ** Die Staatsschuld des Gr o ß herz o g t u m s. Nach der im letzten Regierungsblatt veröffentlichten Bekanntmachung betrug die gesamte Staatsschuld des Groß- herzogtums nach dem Abschluß des Jahres 1905 381315 698 Mk. 10 Psg. Davon waren unverzinslich 66 369 . Mark 48 Psg., verzinslich zu 3 Prozent 243184837 Mk. 19 Psg., zu 3i/2 Proz. 114 849 220 Mk., zu 4 Proz. 23 215 271 Mark 43 Psg. Der Staatsschuld standen an staatlichen Aktivkapitalien 16 853 000 Mk. 37 Psg. gegenüber, so daß ein Mehrbestand an Passiven von 364 528 397 Mk. 98 Psg. Lu verzeichnen war. " Lehrerpersonalien. Uebertvagen würden den Lehrern Karl Eisenhauer zu Mörfelden und Joh. Müller zu Kirtorf Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Griesheim; der Schulverwalterin Sophie Möll zu Griesheim eine .Lehrerinslelle an der Gemeindeschule dortselbst; dem Lehrer Hch. Hassinger zu Partenheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wörrstadt, und dem Lehrer Phil. Jost zu Armsheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kostheim; ferner dem Schulamtsaspiranten Hch. Hebelt zu Fleschenbach die Lehrerstelle an der Gememdeschule daselbst. — In den Ruhestand versetzt wurde der Oberlehrer an der Gemeindeschule zu Höchst (Kr. Erbach) Wilh. Wolf auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner mehr als 50jährigen '.reuen Dienste und unter Verleihung des Titels „Rektor". ** Der Steu?raufseheraspirant Militäranwärter Friedr. Knö ß aus Utphe wurde zum Steueraufseher ernannt. "Gelände-Enteignungen für Bahnzwecke. Der Eisenbahndirektion Frankfurt wurde das Recht eingeräumt, das zur Erweiterung des Bahnhofs Bad- Nauheim in den Gemarkungen Bad-Nauheim und Schwalheim erforderliche Gelände, so weit nötig, im Wege der Enteignung zu erwerben. Weiter wurde die Frankfurter Lokal- bahn-Aktlengesellschast ermächtigt, das zur Erbauung einer Nebenbahn von Heddernheim nach Homburg v. d. H. erforderliche Gelände in den Gemarkungen Obereschbach und Niedereschbach nötigenfalls durch Enteignung zu eriverben. Die Fristen zur Antragsstellung wurden auf ein Jahr, bezw. 6 Monate festgesetzt. "Die Zahl der Personenpostverbindungen im Großherzogtum Hessen ist, n. d. „Darmst. Ztg.", infolge des immer dichter iverdenden Eisenbahnnetzes minmehr auf 111 gesunken. Die Mehrzahl (64) entfällt auf Oberhessen, während Rheinhessen nur noch 13 aufroeift. Wohl die ausgedehntesten Verbindungen (bis zu Entfernungen von 27 Kilometer) hat die Stadt Alsfeld. ** Pflug schleisenverbot. Nachdem vor etwa zwei Jahren das Großh. KreiSanlt Schotten den Gebrauch der Pslugschleisen auf den Kreisstraßen verboten hat, ist nun auch das Kreisamt Büdingen dieser Maßnahme gefolgt. " Quentin - Mahlaus grauer Taschensahrplan für Winter 1908/9 ist im Berlage von Mahlan u. Waldschmidt, Frankfurt a. 2!., Gr. Gallusstr. 3, in der bekannten reichhaltigen und gebiegeucu Ausstattung erschienen. ** In Amerika verstorbene Hessen. Frau Apollonia Naumann, geb. Scherrer, aus Gimbsheim, 79 Jahre alt, zu Syraense, N. 9). — Karl Bingenheimer aus Oppenheim, 74 Jahre alt, zu Le Mars, Ja. — Karl Schneider aus Dillenburg, 72 Jahre alt, zu Eudora, Kan. ---H v l z h e i m, 3<-. Sip.. <. i .; n - > ' Mm, der feit einem Jahre an hiesig- > Schule wie - , wird Ruhigster Schlaf auf neuesten, absolut geräuschlosen [bI0/e patent - Matratzen von Westphal 8c Reinhold, Berlin. Beuchte Stempel! — l'eberall erhältlich lletallbettstcllen in jeder Preislage. am 1. Oktober als Einjährig-Freiwilliger beim Infanterie- Regiment 97r. 116 eintreten. Trotz seiner nur kurzen Wirksamkeit am hiesigen Platze hak sich xvrr Gorr die Liebe und Achtung der Gemeinde in hohem Maße erworben, so daß fein Weggang allgemein bedauert wird. Besonders hat er sich auch um die Gründung und das rasche und kräftige Emporblühen des der deutschen Turnerschast angehörenden Turnvereins verdient gemacht, dessen Turnwart er war. Ter Turnverein ließ es sich darum auch nicht nehmen, seinem Förderer am Samstag abend in der Gastwirtschaft Sames eine Abschiedsfeier zu veranstalten. Hierbei feierte der Vereinsvorsitzende den Scheidenden und seine Verdienste um den Turnverein und sprach die Hoffnung aus, daß Herr Gorr später wieder zu uns zurücktehren löcrbc. In schönster, gemütlichster Weise verlies die Feier. § Vom oberen Vogelsberg, 29. Sept. Die Erntearbeiten, die sich infolge des Regenwetters sehr in die Länge zogen, sind nun ziemlich beendigt und mit dem Einheimfen der Herbstfrüchte konnte begonnen werden. Die Korn- und Weizenernte hat durch die Nässe sehr gelitten, fast alle Aehren sind durchweg gewachsen; der Körner- ertrag ist von geringer Qualität. Bessere Erträge lieferten die spätgesäten Gersten- und Haferfelder. Die Knollen der Kartoffeln sind meist angefault und dürfte dieser llmstand nicht ohne Einwirkung auf die Preislage bleiben. 5 Homburg v. d. H., 28. Sept. Zu einer interessanten Tagung vereinigten sich der geschäfts- führende und T u r n a u s s ch u ß des Mittelrhein- kreis es mit den Gauturnwarten am Samstag und Sonntag hier. Der Auswahl der Hebungen nach physiologischen Grundsätzen, einer in der Neuzeit viel behandelten Frage, von der jedoch gesagt werden muß, daß sie die verständnisvollen Turnlehrer vor mehr denn 30 Jahren schon durch zweckentsprechende Hebungen in die Wirklichkeit um gesetzt haben, galt ein Vortrag von Turninspektor Poller-Mal- ftatt. Eine Gruppe solcher Hebungen, die zur Erzielung einer schönen Haltung dienen, und der ein Vortrag über den Bau des menschlichen Körpers vorausging, wurde mit den Gauturnwarten eingeübt. — Den praktischen Teil bestritten weiter Musterriegen der beiden Turnvereine in Homburg, sowie die Frauenabteilung des Turnvereins, letztere mit Stab- und Keulenübungen, die wiederum bewiesen, wie nützlich das Frauenturnen ist, sodann noch Ordnungsübungen — Reihungen an Ort, im Marsch und Lauf — Gruppen an Ringen (Meller) und Reck: Hangkehre und Durchfchwung in drei Schwierigkeitsstufen (Frey). Den Beschluß machte eine Gruppe Keulenübungen, die volkstümliche Hebung des Ringens (Gräser) und ein Spiel. Einladung zum Bezug de§ Gießener Anzeigers für dar letzte Vierteljahr M8. Die langen Winterabende stehen vor der Tür, und mit ihnen mehrt sich naturgemäß das Lesebedürfnis. Von besonderem Interesse wird es da wohl für jedermann fein, über die neuesten Ereignisse in der Nähe und in der weiten Ferne rasch und zuverlässig unterrichtet zu werden. In der Politik unserer engeren hessischen Heimat und des Reiches stehen für diesen Herbst wichtige Entscheidungen bevor. In Hessen sind es die Landtagswahlen, im Reiche die Finanzreform, die unserem politischen und öffentlichen Leben auf lange hinaus ihr Gepräge geben werden. Vom Ausfall der hessischen Landtagswahlen, über die der Gießener Anzeiger ausführlich berichten wird, hängt es vor allem ab, wie sich unser hessisches Wahlrecht in Zukunft gestalten wird. Auch über die auswärtige Politik wird der Leser des Gießener Anzeigers in ausreichendem Maße unterrichtet werden. Wie bisher, so wird der Leser auch in Zukunft von allen irgendwie bemerkenswerten Vorgängen in Stadt und Land, insbesondere aus Oberhessen, ausführliche und zuverlässige Kenntnis erhalten. Ebenso ist auch für das Hnterhaltungsbedürfnis unserer Leser bestens gesorgt. Ein großer Stab von Mitarbeitern aus allen Gesellschaftsklassen gibt dem Gießener Anzeiger die Möglichkeit, über alles Wissenswerte schnell und erschöpfend zu berichten und — so weit es möglich ist — allen Interessen Rechnung zu tragen. Bestellungen auf den „Gießener Anzeiger" werden ent- gegengcnoninien: in Gießen pon der Geschäftsstelle, Schulstraße 7, von den Austrägerinnen und den Filialstellen; auswärts von den Postämtern, Briefträgern und Zweigstelleninhabern. Sandwirtfcbaft * O b st b a u m d c z u g durch d i c L a n d w i r t s ch a f l s - f a m m c r. Den Angehörigen der Landwirtschaftskammer bietet sich Gelegenheit, diesen Herbst gesunde sortenechte Obstbäume zu mäßigem Preis zu beziehen. Die Bäume werden in nur als solid bekannten Baumschulen durch besonders beauftragte Fachleute einzeln ausgesucht und zum Selbstkostenpreis den Abnehmern berechnet. Außerdem gewähren die Kammerausschüsse der einzelnen Provinzen noch einen Nachlaß von diesem Einkaufswert bis zu 20 Prozent. Bestellungen aus Bäume müssen jedoch spätestens bis zum 7. Oktober bei der Geschäftsstelle des Landwirtschasts- kanrmerausschusses der betreffenden Provinz erfolgt sein. Unrverjitäts-Nachrickten. Marburg. Ernannt wurde Privatdozent Dr. phil. Hans Köppe zum außerord. Professor der Staatswissenschasten an der hiesigen Universität als Nachfolger von Prof. H. Sieveking. — Bon der Akademie zu Frankfurt a. M. Die neu gegründeten ordentl. Lehrstühle für Experimentalphysik resp. Elekrotechnik und andere Gebiete der angewandten Physik sind durch Berusung der Dozenten am Physikalischen Verein, Prof. Tr. Wachsmuth und Pros. Dr. Döguisne besetzt worden. — Der Privatdozent an Der Akademie, Dr. phil. et jur Rich. P a s s o w erhielt einen Ruf als Professor Der Privat- und Volkswirtschaftslehre an die Techn. Hochschule in Aachen. Er wird dem Rufe Folge leisten und zu Beginn des Wintersemesters seine Lehrtätigkeit in Aachen beginnen. M ü n ch e n. Der Direktionsrat im Kgl. bayr. Staatsmini- ftcriuni sür Verkehrsangelegenheiten, Karl Hager (ein geborener M q i n ö c r), wurde zum ordentl. Professor für Jngenienrwissen- schäften an Der Bauingenieurabteilung Der hiesigen Techn. Hochschule beruf tu. Airehe rind Schule. ** Die Hessische Missionskonferenz gedenkt ihre Jahresversammlung Mittwoch. 7. Okt. in Darmstadt zu halten. Das erste Referat wird der Berliner Missionsinspektor Sup. D. Merensky über „Tie Bedeutung der en. Mission für die kulturelle Hebung der Eingeborenen Afrikas" erstatten. Heber „Tie Eheverhältnisse in Indien und die moderne Frauenbewegung" wird Missionar Ruhland-Traisa reden. Tie mit dem Jahresfest verbundene allgemeine Miifionsversammlung wird abends 8 Ufyr gehalten werden. Pfarrer Lic. D. Diehl hat sich bereit erklärt. Die Eröffnungsansprache zu halten. Er wird reden über „Die Darmstädter Missionskreise Der ersten. Hälfte des 18. Jahrhunderts". Auch D. Merensky und Ruhland haben ^Ansprachen zugesagt. Tie Geistlichen des Landes sind gebeten, Sonntag, 4. Okt. von der Kanzel auf Den Tarmstädter Mifsionstag aufmerksam zu machen und zu zahlreicher Teilnahme einzuladen. vermißtes. * In die Erde versunken. Die schon seit zwei Jahren wahrnehmbaren Erdsenkmigen in Aknaßlatina (Hn- garit) haben sich, wie die „Allg. Fl. Ztg." erfährt, wiederholt. Der Aklaßlatinaer Einwohner Samuel Weiß hatte an diesem Tage auf der Wiese nächst dem Salzbade Pavel seine Kuh geweidet. Auf einmal verschwand das Tier vor seinen Augen; es wurde von einer plötzlich sich öffnenden Erdspalte verschlungen. Weiß konnte sich noch rechtzeitig retten. Die frische Erdsenkung ist 15 Meter lang und 8 Meter breit. Auch auf den Wiesen längs der Landstraße kamen kleinere Erdsenkungen vor. * Elefant und Röntgenstrahlen. In Cincinnati verschlang ein Elefant mit feinem Futter einen Diamantring, der in dasselbe hineingefallen war. Drei Operateure mit X-Strahlen und vier Wärter waren den ganzen Tag damit beschäftigt, das Innere des Dickhäuters nach der Mahlzeit zu photographieren, und es gelang, genau die Stelle zu markieren, woselbst sich der Ring in den Eingeweiden festgesetzt hatte. Der Elefant wurde betäubt, der Operateur machte den Einschnitt und es gelang auch wirklich, den Ring wieder ans Tageslicht zu bringen. Der Elefant hat sich von der Prozedur wieder erholt. * Einen verzweifelten Kampf mit einem Tintenfisch hat nach Berichten amerikanischer Blätter ein Taucher im Hafen von San Francisco zu bestehen gehabt. Ein Taucher, der in Den Jnnenraum eines untergegangenen Schiffes gestiegen war, stieß Dort auf einen ungeheueren Tintenfisch, Der einen seiner fünf Zoll Dielen Fühler um Das Bein Des Tauchers unterhalb DeS Knies schlang; gleich Darauf wickelte sich ein zweiter Arm Des Meerungeheuers um feine Hüfte. Der Taucher hackte entsetzt mit seinem Messer auf Die Fühler unD signalisierte heftig zum Auszug. Zwei weitere Arme streckten sich aus Der Dunkelheit hervor, von Denen einer Den Taucher um Den Hals griff. Da Die Leute an Der Oberfläche ihn zugleich hochzogen, Drohte Der Fühler Den Helm, abzureißen, und der Taucher mußte zum Einhalten signalisieren. Der Mann hatte nun nur noch feine linke Hand frei, mit Der er wie ein Wahnsinniger kämpfte; er hackte auf Die Fühler ein, bis Das Untier halb tot war; es zog Den Taucher mit einer letzten Kraftanstrengung nach feinem Mund, doch der Mann stieß ihm sein Messer wiederholt in Den Kopf, bis Der Polyp verendete. Der Taucher wurde halb ohnmächtig an die Oberfläche gebracht. Der Polyp wurde dann emporgehoben und öffentlich zur Schau gestellt. Rändel. Frankfurter G a s g e s e l 1 s ch a f t, F r ankfurt a. M. Bei einem Reingewinn von 418 974 Mk. (450 028 Mk.) werden wieder 10 Prozent Dividende verteilt. Der Rohgewinn bat 1 389 703 gegen 1 378 002 Mk. int Vorjahre betragen. Essen (Ruhr, 20. Sept. Während noch in jüngster Zeit Meldungen über Den für Die Firma Krupp angeblich fchlechten Stand des Prozesses Ehrhardt-Krupp in Der Presse im Umlauf waren, wird jetzt mitgeteilt, daß in Wirklichkeit schon die beiden ersten Instanzen Die Klage Ehrhardt gegen Krupp wegen Verletzung Des EhrharDtschen Patentes Nr. 95 336 abgewiesen hatten unD Daß heute Das Reichsgericht die Entscheidungen der Vor- instanzen bestätigt hat. Teie^onische {Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteik von der Bank für Handel und Industrie. Giessen. l'iriiiiktiirter Börse» 1. Oktober. 1.15 Lhr. 3>2% Beiehsanleihe . . 92.10 3% do. . . 84.10 3^°/o Konsois .... 92.30 356 do 84.10 3>$u/0 Hessen 90.75 3>3°/o Oberliessen . . . 90.10 4>0 Uesterr Goldrente. . 9820 4l/6 56 Oesterr. Silberrente 99.00 4y0 Ungar Goldrente . . 93 40 4%' Italien. Heute . . . —.— 356 Portugiesen Serie I . 60.60 3% Portugiesen „ III — 4>6°/0 russ.Staatsaul. lUOo 96.80 4>6% japan. Staatsanleihe 99.20 4% Couv. Türken von 1903 93.90 Türkeulose 143.80 456 Griech. Monopol-Aul. . 51.80 456 äussere Argentinier . 85.00 3u/0 Mexikaner . . . —.— 4 ya v/0 Chinesen .... 97.75 Aktien: Bochum Guss 226.80 Buderus E. W —.— Tendenz: fest. Elektriz. Lahineyer . . . 123.70 Elektriz. Schlickert . . . 123.10 Eschweiler Bergwerk . . —.— Gelsenkirchen Bergwerk . 192.80 Hamburg-Amerik. Paket!. 107.60 Harpener Bergwerk. . . 206.75 Laurahütte 212.00 Eordd. Lloyd . ... 86.00 Obeischles. Eisen-Industrie 100.25 Berliner Handelsges. . . 169.50 Darmstädter Bank . . . 128.80 Deutsche Bank .... 242.60 Deutsch-Asiat Bank . . 139.50 Diskouto-Kommandit . . 180.90 Dresdner Bank .... 149.50 Kreditaktien 203.50 Baltimore- und Ohio- Eisenbahn 98.90 Gotthardbahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 23.90 Uesterr. Staatsbahu . . . 149 80 Priuce-Heuri-Eiseubahu . 127.00 Berliner Börse, 1. Oktober. Aulaugskurse. Cauada E. B 176.401 Harpener Bergwerk. . . —.— Darmstädter Bank . . . 129.001 Laurahütte 212.10 Deutsche Bank .... 242.60 > Lombarden E. B. ... 23.00 Dortmunder-Union C. . . —I Nordd. Lloyd 87.30 Dresdner Bank . . . 149.701 lückenlose ..... 143.70 Tendenz: ruhig. 4 Paar Schuhe für I Pfennig zu wunderbar lackartigem Glanz zu bringen, dabei drei Minuten Arbeit und eine Woche Haltbarkeit des Glanzes, ohne neuauftragen zu müssen--ist das nicht das Ideal für eine sparsame Hausfrau? — Benutzen Sie Erdal, wir garantiren Ihnen dabei diesen Erfolg. Hber ausdrücklich Erdal verlangen! General-Vertreter: Fritz Julimann, Bahnhofstraße 59. ■K „kN ^sEM Freund u. Helfer Der Erfolg | Pension in eigenem Haufe mit großem Garten. Besondere Klassen zur Vorbereitung für das Einjährige in Tageskursen mit Vollunterricht und Ueberwachung der Schularbeiten. Außerd. Abendkurse. Auch Schüler aus Bürgerschulen ohne sprach!. Vorkennmiffe können das Einjährige erlangen. An einem Kursus zu schnell. Vorbereitung auf das Aäiturium durch erprobte Fachlehr. u. Nation. Lehrkräfte können noch einige Herren und Damen teilnehmen. Pfarrer Gbcrt, gualif. Oberlehrer Willst Du kochen, braten, backen, Mutter zu der Tochter spricht, Dann vergiss vor allen Dingen gutes Fett und Eier nicht! Doch nimm nicht die teure Butter, merke Dir’s mein lieber Schatz, Viel als Hausfrau kannst Du sparen, nimmst Du „SWohra“ als Ersatz! Kannst Du Dir das feinste bieten, kauf die neue „Siegerin“ dann, Beide Margarine-Marken schmecken sicher Deinem Mann! übernommen habe. Ich bitte, das Herrn Ludwig Uhl bis dahin geschenkte Vertrauen auch gütigst auf mich übertragen zu wollen. Ich werde stets bestrebt sein, allen an mich gestellten Anforderungen gerecht zu werden. K 111/08. [Bn/e Donnerstag, den 15. Cf L1908, nachmittags 3 Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht die vor deni 9tamcn des Iac. Schneller und Ehefrau geb. Deich- Hardt stehenden Grundstücke der Gemarkung Gießen 2/38,2 --- 330 qm Grabgarten IM Gartield . t 2/38X5 = 259 qm Hofreite daiclbst öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 23. Sevtbr. 1908. Gr. Ortsgericht Glessen. _____________G ros.______ K 41/08 B*/8 Donnerstag, d. 15. Ckt. 1908, nachmittags 3 Uhr, werden aus hiesigem Ortsgericht die. vor dem Warnen der August Helfenbein Ehefrau geb. Rhode stehenden Grundstücke der Gemarkung Gießen: . . 2/164,4 = 507 qm Horreite links der Ehaussec 21/15,2 = 262 qm Grabgarren rechts des Wiesecker Wegs 21/15,5 = 2496 qm Hofreite das. 21/15P = 1053 qm Grabgarten daselbst . . öffentlich meistbietend versteigert. Giessen, den 23. Seprelnber 1908. Gr. QrtSgericht Gießen. _________Gros.________ K 114/08. B‘/io Donnerstag, den 22 Cktobcr 190s, nachmittags 3 Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht die zur Konkursmasse des Richard Ferstch in Giessen gehörigen Grundstücke der Gemarkung Gießen: 3/67, '/<» 710 qm Hofreite am Gänsacker 3/67,6/io = 646 qm Grabgarten daselbst 3/75, 'ho = 216 qm Grabgarten daselbst öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, beit 30. September 1908. Gr. Ortsgericht Gießen. Gros. Geschäfts - Uebergabe. Meiner hochgeehrten Kundschaft teile ich hierdurch ganz ergebenst mit, dass ich mit dem heutigen Tage mein unter der Firma Philipp Uhl betriebenes Photographisches Atelier Frankfurterstr. 5 an Herrn Paul Reinicke aus Hannover übergeben habe. Indem ich für das mir m so hohem Masse geschenkte Vertrauen herzlich danke, bitte ich dasselbe auch auf meinen Nachfolger übertragen zu wollen. Ludwig Uhl. [mit der Schutzmarke: I HundtLKafzeJ Sekretariat. TO J .Jttmann Plockstr. 14-16 ßlgggßfl Plockstr. 14-16 Bequemste Teilzahlung! Kleinste Anzahlung! Kunden, sodass dies alleine ein Beweis für Leistungsfähigkeit, Koulanz und Reellität ist. Langjährige Garantie. Mit über I 500000 Verkauf auch gegen Bar! Billigste Bezugsquelle für Wirte! lüMasehinenstriekereiü! Im Stricken sowie Austritten von Strümpsen empfehle ich mich angelegentlichst. Strickgarne (beste Qualitäten) habe stets vorrätig. Preise billigst. Ernestine Hopfner Roonstraße 32, II, Geräucherte Aale ganze und im Anschnitt, Geräuch. 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