Samstag 1, Februar 1908 Erstes Blatt 158. Jahrgang Bezng<»vrc»Sr monatlich 7öP<., viertel- jährlich yJlt. 2.20; durch Abhole- u. ZweigsteUen monatlich to Pi.; durch die Post Ms.2.—viertel- tährl. au-schl. Beslellg, Zcilenpret«: lokal lk> Pf, auSivürn 20 Pfennig Verantwort lich fih Oen ooltttfchen Teil: (5. Anderton; f. Feuilleton imb »Veriiiiichleo* P. Wittkv; für .Stadt u.Vnnb" unb „(jücndito- faal" li. Heb. für den Anzeigenteil: H. Beck. Nr. 27 De» Siebener flnytatr ertcheinl täglich, außer Sonurag». - Beilagen: viermal wöchentlich KtchenerFamlliendlätteri Iwe'nta! wöchenil.Nretr» lall für &enKrtt$<5k(}tti (Dtenfltuy unb tVi'etinfl); zweimal monotl Land' »irNchasiltche Lettfragen Phrruipitd) - Anfchlüsier ff., bte RedakNon 112, . General-Anzeiger für Oberhesfen #on anzetge» w ’ । E* ftu Notalfsnrdruck Md Verlag der yrühl'fchen Unrv.-Vuch- und rteindnlckeret. H. Lange. Redaktion. Expedition und vrnckeret: 5chn!strahe 7. BW ootnsuiu^» 1 u Hl)v* MKMI »■■PH ■wrniTi—■.!—> i mi __________j^iiiiMgnimmwswgy.- Die heurige Nummer umsaht 16 Seiten. —........ >. — ............... VceibMddcbatte in Oesterreich. L Der Ausschuß der österrvickstscheu Delegativn des NeicssSrateS für auswärtige Angelegeul-eiten sichte gestern die Beratung Budgets des Aeusscrn fort. Abg. KramovSs befaßte sich hierbei nuit dem Dr e. b u n de und beljniTic bei feiner alten Grund auffassung, daß das Bündnis mit Teutschtmid nut für Deutsch land, n^cht ober für Oesterreich uubeding-t notwendig sei. Teulich Innb brauche Oeslcw-äch, um iveuigsbens eine Deckung für feine Ltzellpolitik zu haben. Er müsse darauf bcfücfjm, hifj in dem Büubiuso.vlrage mit Deutschland die gcsichrlick-e Fassung deS Artikels 2 abgeick-asst nn-rbe und daß Oesterreick^ilngaru eine klare Fassung des easuS foebeti aus jeder (^cwl-v befreit werde, für dii AKuvolitik Deutschlands ein-ustcheu. Was das Bert-üllnis zu Italien betreffe, begrüßte cs Dcr Redner, daß brr üVunider dc-. Acusscrn den direkten Weg nach Nom gefunden habe. Er glaube, dass bei einer vollständig friediick>en Politik und bei einer Poli' tit deö status qioo ein Berti aucnsvechältnis zwisch:n Italien und Oesterreich bestehen könne. Italien und Oesterreich nuüstten aber dabei trach.en, möglichst stark zu fein, da mir mächtige Staaten als Bundesgenossen geschützt seien. Der Redner ging zum ^Sckchist ans die p r e u st i s che P o l e n po l i t i k ein. Durch d..ö jeg ge Bovgehen Prcustens werde die Existenz d.-s Bund nisses mehr bedroht als durch alle Gegnerfck>asten, ivelche bisher gegen den Dreibund bestanden haben. Die Bündnispolitik, welche gerade die Majorität des Parlaments am härtesten li ef je, fei aus die Dauer unhaltbar. — Delegierter Pjttou i gab zu, dast es schwer luäre, an die Stelle des Dreibundes ein neues und den Freden ebenso verbürgendes Sn stein zu setzen; er könne aber mit der Vorherrscl-ast Deutschlands im Dreibünde fick) nicht .unverstanden erklären, weil Oeslerreick^Ungarn durch eine impulsive Weltpolitik Deutschlands in eine gcfäl-rnck-e Lage geraten könnte. — Delegierter Urban betonte gegenüber dem Sprul-er des PolenAubs, d.eser habe die Dendenz Deutschlands, seine überseeische Machifphäre zn erweitern, mit einer Ex- paniiou des oeutschnationalen Gedanlens vetiveihselt. ES fei verfehlt, als Endziel der Enteignnngsvvrlage die vollständige Ausrottung des Polentums zu bezeichnen. Die Polensrage sei im Grunde nichts anderes als ein Kampf des nationalen Ein- Hecks,.aales gegen die polnischen Grundbesitzer. Bezüglich der völkevreck-tlichen Seite der $iage fei Dein Zw-eiscl, dast |ü zum Bereick-e ber inneren Politik gehöre. Delegierter Gras Lateur besprach die sogenannte Enteign u n g s v v rl a g e in Preußen und erklärte im Namen der Tele^.crten, die der Rechten des Hervcnhauics angehören, dast iic »war txrs Prinzip der Nicweinmischung in die inneren Angelegenheiten eines svemben Staates achteten, dabei aber dennoch Anstand nahmen, das lebhaite Bedauern auszusprecheu, wenn m irgend einem Lande die Gesetzgebung eine Richtung etnschlägt, o.e itste Freiheit und die Sicherheit beZ Privateigen-- tum-S unzutasten geeignet wiive. Unsere Ausfassung, sagt der Neuner, wiberftreited. einer Derartigen Nichlung auf das cnl- schiebenste und lvir können uns auch durch bic in solck>en Fallen beliebte Anrufung ber höheren Staatsraison von dieser Austassung nicht gewinnen lassen. SettLtzches Lreieh«. Berlin, 31. Jan. Aus Deutsch-Südwest- afriia wird amtlich gemeldet: Am 19. d. M. fand bei Nanib am Westrand der Kalahari ein Uebcrfall statt. Ein Reiter wurde leicht verwundet. EL handelt sich, wie bei dem Heber fall am 5. Dezember letzten Jahres zwischen Arakeab und KewiFekolk, anscheinend auch diesmal um Leute Simon Köppers, gegen den man in nächster Zeit gemeinsam mit der Kappolizel vorgehen wird. — In den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken, A.--G., sind gestern tausend Arbeiter ausgesperrt worden. Sechzehn Abteilungen sind dadurch Vollrommen stillgelegt worden. Taufend Arbeiter werden vorläufig weiter beschäftigt. Verhandlungen, die gestern noch spät abends zur Beilegung der Streitigkeiten geführt wurden, sind resültatlos verlaufen. Gelingt es nicht, heute abend die Differenzen zwischen der Generaldirektion und dem Arbeiterausschuss beizulegen, so werden auch die andern lausend Arbeiter entlassen. Köln, 31. Jan. Die „Köln. Ztg." meldet an5 Berlin: Die preussische Einrichtung der Ausstellung von In- landsausweispapieren und Arbeiterlegiti- mationsiarten wird auch von den beiden Mecklenburg, sowie von Oldenburg, Bückeburg und Lippe-- Detmold eingeführt. ES darf angenommen werden, dass die schwebenden Berhandlungen mit den übrigen norddeutschen Bundesstaaten zur gleichen Einigung führen. Halle a. d. S., 31. Jan. Nach einer Entschliessung des Ministers soll den Bergleuten fiskalischer Bergwerke, die 35 Jahre alt und fünf Jahre in fiskalischen Betrieben sind, in Zukunft jährlich eine Woche Urlaub bei Zahlung des vollen Schichtlohnes gewährt werden. Au-lanS. Paris, 31, Jan. Die Kammer stimmte heute einer neuen a l g e r i s ch e n A n l e i h e von 170 Millionen Francs zu, die znm Ausbau der Eisenbahnen, Strassen und Häfen in ber nordafrikanischen Monte dienen soll. London, 31. Jan. Der „Standard" meldet an5 Kalkutta, dass nnttr ten Eingeborenen an der Grenze bei Pcshawar eine b e s o r g n i S e r r e g e n d e G a- cung ausgebrochen fei. In letzter Zeit wurden drei tleberfälle m nächster Nähe von Pcsi-awar ausgeführt. Die Ajr.diS überfielen Dörfer und plünderten, wobei ihnen wertvolle Beuie m die Hände siel. Bisher gelang es iveber, der UcbcUäter habhaft zu. weroen, noch die Umgebung zu beruhigen. Petersburg, 30. Jan. Die Rede des F-reiherrn von Aehrenthal bildet andauernd das HonpUhrnna der Blätter. Die österreichische Ba l la n p o l i t i k wird scharf a n a e g r i f s e n , weil angeblich EifenbahnPläne hinter den Kulissen des Mürzsteger Vertrages arrangiert feien. Die Presse lässt nach einer von der „Petersburger ^elegrapl-en-Agentur" an die Agenturen auj den Ball an verbreiteten Depesche keinen Zweiiel darüber, dass ihre Urteile mit den Ansichten leitender Kreise überein* stimmen. Tanger, 31. Jan. Den letzten Meldungeii auö Marrakesch zustuge hat Muley Hafid die Einwohner von Ntarrakesch inlt einer Steuer von 200ODO Piaster be legt. Er hat ferner die Inden gezwungen, den dritten Teil deS Wertes der von ihnen erbauten Häuser zu ent* richten. Ausserdem haben die Juden in Znknnit eine Grundsteuer zu zahlen. Kapstadt, 31. Jan. Der Premierminister I a - meson ist von seinem Posten zurück getreten. Melbourne, 31. Jan. Der Landesverteidigung S m i n i st e r legte dem DundeSsenat den Entwurf eines LandeSvcrteidigungSgesctzeS vor, das jeden männlichen Einwohner von 12 bis 18 Jahren m Hebung alS Kadett unb vom 18. bis znm 26. Jahre zur Hebung in der MUonalgarde verpflichtet; doch tollen uic obliga io rischen Hebungen zurückgestellt werden, bis cün genügenoe Zahl von Jnfirukienreu vorhanden ist, die znm Offiziersoienst geeignet sind. Die Lsjizierc ohne Patent sollen aus den gemeineu Soldaten rcl'riuiett werden. Plan chätzt, dass in acht Jahren 211000 Mann für den Kriegs* fall ausgebildet und bewaffnet sein werden. ans Qefinu N. B. Darmstadt, 31. Jan. Der Fiuunzaus - schuss der zweiten Kammer hat gestern und heute unter Vorsitz seines Präsidenten Abg. Reinhart seine EtatS- beratnngcn eifrig fortgesetzt. In der gestrigen Sitzung kam der Etat des I u st i z m i n i st e r i u m S zur Beratung, über den Abg. Dr. Gut fleisch referierte. Die heutige Beratung erfolgte gemeinsam mit Vertretern der Negierung, für die die Minister Gnauth und Brann, die Ministerialräte Dr. Best und Dr. Hs Inger, sowie für kurze Zeit auch Gehcimerat • - seühul. h erschienen waren. Der Ausschuss beschäsligle sich zuerst mit den dem Abg. Dr. Osann zum Bericht überwiesenen Kapiteln: Ministerium deS Innern, Zentralvcrwaltung (23—29), die ohne Aenderung außenomnicn wurden; auch die Kap. 76—87 desselben Referenten (Bergbau, Verkehr, 5)andel und Gewerbe) wurden genehmigt, ebenso Kap. 124, 9—13 (welche die Forderungen für die Landesbaugcwcrkschule, daS Kur- fürstliche Schloss zu Mainz, die Zentralstelle für die Gewerbe und Landesstalislik enthalten) sowie Kap. 1.28 (Kunst- st-rassenwesen) fanden Erledigung. Ohne Regierungsvertreter wurden dann noch die dem Abg. M o l t h a n znge- wieseucn Kapitel 98—113 (Etat deS Finanzministeriums) erledigt. Die Gesamtforderung beträgt hierfür 2 491 142 Marl. Tie Weiterberatung des Etats erfolgt am nächsten DienStag. Aus Darmstadt wird uns unterm 31. Januar geschrieben: Der dritte (Beschwerde- und WahlPrüfungS-) Ausschuss der zweiten Kummer beschäftigte sich heute in einer längeren Beratung mit der Angelegenhvit Müller-Piung- stadt gegen Nechtsanwalt unb Notar N ömheld in Giessen. Der Privatier Müller beschuldigt Herrn Nömheld, in einer für ihn ungünstig verlausenen Prozesssache im Jahre 1903 trotz sofort beglichener Kostenrechnung unnötigerweise Voll* ftreckungst'osien verursacht;,u haben, lvaS sich auch in zwei anderen Prozcsssachim in ähnlicher Weise luicbcdjolt habe. Müller führte in einer Vorstellung an die zweite Kammer Beschwerde und daS Jusiizministeruim schrieb auf Ersuchen um Aensserung zur Sache an den l'üisschusspräsidcnten u. a.: Beschwerdeführer will das Weib bereits am 14. Juli 1903 eingezahlt haben, während Rechtsanwalt R. behauptet, die Einzahlung fei erst am 18. Juli erfolgt. „Welche von beiden Angaben richtig ist, lässt sich hier nicht entscheiden." Unb weiter: „Wenn das richtig steht —• waS sich hier ebenfalls nicht beurteilen lässt — bann liegt auch hier kein G r u n d z u r B e j ch werde vor." Durch diese beiden Wendungen fühlte sich Herr Nömheld beschwert, denn seine dienstliche Erklärung müsse schwerer iuieacr. „als die durch nichts begründete Anschuldigung eines Querulanten." Es sei ihm unbegreiflich und unverständliu), wie das Mini- sterinm seiner dienstlichen Erklänmg in aller Oessentlich- Lcit ein solches Mißttauensvotnm cntgegenbringen könne. Schwer verietzLnd für ihn und für den gesamten Anwalt- stand fei, bass das Ministerium, anstatt sich nm weitere An,klamng und um Vorlage der Belege an ihn zu wenden, den Auftrag gab, sichinnler Umgehung feiner Person an sein Bankhaus zu wenden und bei der Post Erhebungen anzu- stellen usw. Der Petent ocantragl daher, die Kammer wolle seine Beschwerde als bcgrünoet anerkennen und ihn wegen der ihm widerfahrenen Kränkung in Schutz nehmen. — Diese Beschwerde bildete nun in Verbindung mit der darauf erfolgten Regierungsantwort den Haupt- ßegciiftanb ber Erörterung. Der Ausschuss nahm die vom Minister näher erläuterte Neylerungserklärung entgegen und stellte sich aus den Standpunkt der Regierung, dass sie mit il/rem Bescheid an den Ausschuss korrekt gehandelt habe und die Hnterstellnng des Petenten als unbegründet zurückzuweisen sei. Lin endgültiger Beschluß in der Sache wurde jedoch bis zur nächsten Sitzung vertagt und Abg. Pennrich mit der Abladung des ch.tS betraut. Die Errichtung von E i n h e i t ö s ch u l e n , Mädchen- Fortbildungsschulen und gemeinsame Erziehung beider Geschlechter fordert eine an die zweite Kammer gerichtete Eingabe deS Wormser Vereins sür Zranenslinimrecht. Die Vorstellung der P f a u d m e i st e r bc3 Grossherzog- tnmS enthält die Bitte, dass den Psaiidmeistern ein jährliches Gebühren-Nclto-Einkommen von 1200 Mk. staatlich garantiert unb daS penfionSsähige Dlensteinkommen der Pfanbmcisler auf 3000 Mk. festgesetzt, sowie ihnen nach znrückgclegtem 12. Tienstjahr 200 Mk. penfionSsähige Zulage zugebilligt werbe. Die Gemeinbe D i s ch o s S h e i in ersucht um die Errichtung eines A m t S g c r i ch t S in der sogen. Maiuspitze unb will eS nach BischosSl-eirn gelegt haben. Ans StaOt ictsO fianb. Gienen, 1. Februar 1908. Studentische Nntcrrichtsrurse für Arbeiter. Am schwarzen Brett ber Uniuerfiläi lesen wir folgende Aufsorderilng: An die Studierenden der Universität Giegen-: Im kommenden Soinmersemester foll i>cr Versuch gemacht werben, auch au unserer Universität studeutische U n l e r r i ch t s l u r s c für Arbeiter einznrichten, wie sie seit Jahren in verschlebenen anderen Städten mit wachsendein Erfolg abgessalten werden. Ich erbitte dazu die tätige Mitarbeit von Studierenden aller Fakultäten. DaS Unternehmen hat sich das Ziel gesetzt, durch nnentgeltliche Lriciluitß von Unterricht — zn- ilächst von Elementarunterricht in den Fächern Deutsch, Rechnen, (Geographie, Geschichte, Tier- uno Pilanzcnkunde, — dem tief empsundeücn Bebürfiiis nuferer Arbeiterschaft nach den Grundlagen der Vilvuna entgegenztikommen. Neben dem praktischen Nn^cn für die Arbeiter »valtcl der Gedanke vor, ans eine Miloerung deS in unserer Zeit so stark ausgeprägten GegensadeS zwischen den verschiedenen Volksschichten hlnzuwirken. Die UnterrichtSlUrse sollen das Gefühl der sozialen Verpflichtung bei denjenigen erwecken und stärken, die dazu bcruicii sind, die geistigen Führer und Lehrer der Nation zu werden. Den Mitarbeitern kann — entsprecl-end dem ganzen Charalter des Unlcrneljinend — kc in Entgelt für den Unterricht geboten werben. Auch wirb die Trockenheit bc3 elementaren Unterrichtsstvijes manches persönliche Ovfcr crsorvern. Ick hoffe aber, oah die Erweiterung deS fozialen unb Psycholog «scheu Gejtchts- kreifes unb das Bewussiic.n iner nntzbringenden Wirksamkeit die Mitarbeiter reichlich enlsihädtgen wird. Besonoero pädagogische Kenntnisse und Fähigkeiten werden nicht vorausgesetzt. Ich bitte diejenigen Kommililonen, die Interesse an sozialer Arbeit haben, und im toniincnbcn Semester regelmässig einmal jede Woche abends von 8 bis 10 Uhr durch Erteilung von Unliwricht oder durch Bcaus- sichtigung ber Hebungen das Unter nehmen unlerstültcn wollen, sich bis zum 7. Februar bei mir zu melden. Giessen, Januar 1908. Privatbvzeut Dr. Bogt. Die Auisorderung zur Mitarbeilerschasi uulerslützen die Herren: Prof. Dr. Leist, Rektor. — Geh. Hof rat Pros. aj-c. Behaghel, Exrekwr. — Pros. Dr. Drews. — Geh. Justizrat Prof. Dr. Schmidt. — Pros. Dr. SenterL Pros. Dr. Kört e. Anmeldungen nehme ich enlgegen DoiuierStags von 3 biS 6 Uhr in ber UniveriitulLbivliotb.k (E'cdciesck/oss, crite Tür rechts) unb an beit anderen Wvcl-eMagen (äusser MilUvvchS) zwischen 2 und %3 Uhr in nu’iner Wohiiung, Weserslraße 3. Mir erfahren dazu noch folgend.S: Die Organisation der Kurse erfolgt, der Platzfrage wegen und auS anderen Gründen, so trühzeitig, damit foiurt mit dein Beginn deS Sominericniesler- bic Kurse ihren Anfang nehmen können. ES sollen znintchst cini Ocr.djtei werben: zwei Kurse für Deutsch (Unterstufe; Rechi,chrei- bung, Obcrstnsc: Satzlehn, Hebungen inu Briefschrciben und Lesen einzelner Stücke), zwei Viurse für ßiMbncit (Hnlerstusc: Die vier GrnndrechnungSorlen; Oberslnfe: Bruck--, ZinS- und (öesellfchasts- rochuung), ein KnrS für Lufiiiibe ('.O uljchlanb) und ein KnrS für Naturkunde (Pslanzcnkunbe). C\r Hm erricht wirb so gerne üu< vcrsländlcki) erteilt, dich jedermann imstande ist, zu folgen, be- fonbiTJ K nnlnisfe weiden iiid)t vorauSuefetzt. Jede Behandlung voliliich.r und religöscr Fragen ist auSgeschlosstm. —• Arbeiter und ilnlerbcamle, die tcilncbmcii tvollen, werden gebeten, sich an der Bück-eranSgabe der Lesehalle (am SellerStor- am Sonntag, 2. Fcbr., 10 12 Hhc oder Dienstag, 4. ftebr., 6—y39 Uhr einzufinden. • • Tageskalender für Sonntag, 2. Februar: ©tabt») thcater: ÜiachmiltagS 81/, Uhr »Die Dricntrcije', abends 71/, Uhr »LnmpaeivagabundnS*. Konzertverein: VlbcnbS 5^ Uhr in der neuen Aula: Liederabend von Dr. Ludwig Wlillner. Anlagemufit um 11 ‘/, Uhr in der Süd-Anlage. Konzert unferer Regimenlsiuusik um 41/, Uhr im' Neuen ©nalbau. Kolosseum: Programmwechsel. Kaifcrpanorama: Programmwechsel: Nordlandreise deS deutfchen Kaisers. • • D. K. H. ber Dross Herzog begab sich heute vor») mittag von Darm stadt nach Frankfurt a. 'DL, um im Auftrag deö Verbandes der ftunflfreunbe in den Ländern f am Rhein eine Ausstellung Schweizer Künstler zu er-> öffnen. * * Zum Tode deS Fürsten Gustav zu Erbach-i Schönberg. Im „Kleinen Saale" des Alten Palais ru Darmstadt zwischen Blumen und ausgefchtchteten Kränzen ist die Lcichc deS Fürsten, bekleidet mit der Uniform des Grusshcwzoglich Hessischen Leibgarde-NegimentS Nr. llö, aufgebahrt. DaS bleiche Antlitz etlvaS nach rechts gewendet, die Hände übereinander gelegt, liegt er in jeinenv Barge. Mit Maiblumen ist der Tode bestreut, Helm und Säbel sowie auf zwei Kissen die zwanzig Orden, darunter an rotem Bande das Großkreuz des Hessischen Ludewigs- ordens, liegen zu seinen Füßen. .Heute um 3 Uhr findet im „Kleinen Saal" die Trauerfeier statt, an der S. K. H. der Großherzog und eine große Zahl Fürstlichkeiten oder deren Vertreter sowie die Spitzen der Militär- und Zivil- behördcn teilnehmen, worauf die Leiche nach dem Bahnhof mit militärischen Ehren, zu denen das Infanterieregiment Nr. 115 kommandiert ist, zur letzten Fahrt nach der Heimat, nach Schönberg, überführt wird. Der Leichenkondukt trifft 53/2 Uhr auf dem Bahnhof Bensheim ein. Bon hier erfolgt in der Stille die Ueberführung nach der Kirche in Schönberg, woselbst die Leiche aufgebahrt und am 3. Februar 11 Uhr vormittags auf dem herrschaftlichen Friedhof neben der Kirche beigesetzt wird. Zahlreiche Kondolenztelegramme, so von Kaiser Wilhelm, vom Kaiser von Rußland, von der Königin der Mcderlande, der verwitweten Königin der Niederlande, von den Königen von England, Spanien und Griechenland, von sämtlichen deutschen Bundesfürstcn und Standesherren usw. sind eingelaufen. Kränze und Blumen ohne Zahl sind dem Verstorbenen, der sich im Leben stets als ein ritterlicher, dabei schlicht und einfacher Mann von großer Herzensgüte und seltener Treue bewiesen, als letzter Gruß gesandt worden, nicht allein von Hochstehenden, sondern auch vom schlichten Bauer der Bergstraße und des Odenwalds. — Senior des Gesamthauses Erbach ist nunmehr Graf Georg Albrecht zu Erbach-Erbach. ** Landwirtschaftskammer. Der Generalsekretär der Landwirtschaftskammer, Oekonomierat Dr. Müller-Darmstadt, ist durch einstimmigen Beschluß der Hauptversammlung derbadischenLandwirtschafts- k a m m er vom 29. Januar zum geschäftsführenden Direktor dieser Körperschaft mit dem Wohnsitz in Karlsruhe berufen worden. — Preisrückgang. Unsere Schweinemetzger haben in dankenswerter Weise beschlossen, entsprechend den gesunkenen Einkaufspreisen einen Preisabschlag für Schiveinefleisch ein- treten zu lassen. Vom morgigen Sonntag ab kosten fette Stücke, die seither 70 Pfg. kosteten, nur noch 66 Psg. das Pfund, während der Preis für magere Stücke von 84 auf BO Pfg. herabgesetzt wurde. Ein weiterer Preisabschlag würde nach einer Mitteilung der Metzgerinnung eintreten können, wenn von den Konsumenten fette Stücke so oft begehrt würden wie magere. **GießenerJndustrie. Laut Verfügung des Kgl. Preußischen Ministers für Landwirtschaft und Domänen ist sämtlichen Preußischen Oberförstereien aufgegeben worden, den Forstmeister Dr. Web ersehen (Konradsdors) Waldgrubber zur schnellsten Anschaffung zu bringen. Der Minister nimmt Veranlassung, auf die hohe Vollendung und die Vorteile dieser Bodenbearbeitungs-Maschine hinzuweisen und erwartet baldige Arbeitsberichte. Die Maschinenbauanstalt H. Hansel in Gießen baut diese patentamtlich mehrfach geschützte Maschine. ** Die öffentliche Versteigerung von sechs Bauplätzen — vier nach der Gartenstraße und zwei nach der Bergstraße zu gelegen — vom Sterns Garten hatte das Resultat, daß für einen Bauplatz nach der Garten- straße zu für den Quadratmeter 15 Mk. vom Bauunternehmer H. W. Rinn und für die beiden Bauplätze nach der Bergstraße von Architekt Becker für den Quadratmeter 12 Mk. geboten wurden. Die .Gebote für das restliche Gelände waren nicht hoher. •* Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Otto Leinweber zu Froschhausen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Klein-Steinheim. In den Ruhestand versetzt wurde die Lehrerin an der Volksschule zu Mainz Margarete Nies auf ihr Nachsuchen, unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste. Erledigt ist eine Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Lampertheim. ALernes LenßUeton. -7- Im Neubau der Landes-Baugewerkschule D a r m st a d t soll im Hofe ein steinerner Brunnen errichtet werden. Derselbe ist als einfacher Zier- unb Trinkbrunnen gedacht, dessen Kosten sich in mäßigen Grenzen bewegen sollen. Das Material ist freigestellt. Das Hausteinmaterial der Landes-Bau- gewertschule ist roter Sandstein. Es ist beabsichtigt, den Brunnen alsbald zur Ausführung zu bringen und während der Landes- Ausstellung im Arbeiterdorf aufzustellen. Einer der preisgekrönten Entwürfe wird zur Ausführung gewählt. Der Preisträger soll mit der Lieferung dex Detailzeichnungen oder Modelle beauftragt Iverden. Es sind zu liefern: 1. Grundriß; 2. die nötigen Ansichten und Schnitte; 3. eine Perspektive oder ein Modell, sämllich int Maßstab 1:10. Als Preise kommen zur Verteilung: die Gesamtsumme von 300 Mk., wobei für den 1. Preis 150 Mk., für den 2. Preis 100 Mk. und für den 3. Preis 50 Mk. vorgesehen sind. Nötigenfalls behält sich das Preisgericht eine andere Verteilung der Preise vor. Das Preisgericht besteht aus den Herren: Regierungsrat Noack, Direktor Wienkoop, Prof. Riegel, sämtlich aus Darmstadt, Direktor Kübel-Mcainz und Direktor Eberhardt-Offenbach. Die Entwürfe sind bis zum 24. Febr., vormittags 11 Uhr, bei der Großh. Zentralstelle für die Gewerbe, von welcher auch die erforderlichen Unterlagen (Lageplan und Bild) bezogen werden können, cinzuliefern. Mit der Post ein- gesandte Entwürfe müssen mindestens den Stempel vom 23. Febc. tragen. Zugelassen zum Wettbewerb sind alle in Hessen zur Zeit des Äusschreibens wohnhafte Architekten und Bildhauer. Die gelieferten Modelle und Entwürfe werden nach erfolgter Beurteilung im Gewerbe-Musemn in Darmstadt öffentlich ausgestellt. — Künstlerische Reichsmünzen. Professor Maximilian D a s i 0 hat bei dem Preisausschreiben, das der Dürer- Bund zur Erlangung neuer Reichsmünzen ausgeschrieben, den höchsten Preis im Werte von 1500 Mk. erhalten. Auch der zweile Preis (500 Mll) ist auf einen Münchener, auf Friedrich Lommel, entfallen. Der Kunstwart, das Organ des Dürer- Bundes, schreibt zu diesem Ergebnis: „Hinsichtlich der Münzen darf das Ergebnis des Preisausschreibens als überaus erfreulich bezeichnet werden. Vor allen die Münzen von Dasio, aber auch mehrere der ausgezeichneten anderen sind so sch.n, daß es nicht zu kect wäre, ein oeruh.ntes Wort jetzt umzuwandeln: „Wenn Sie Wollen, so h.bcn Sie nun eine Reichs-Münz'Kun st." Cn. schlöße sich das Reich auch nur, die Münzen, tue ihm der Dürer-Bund letzt anbieten kann, ausführen zu lassen, so hätten wir uns fürderhin vor keinem Volke der Welt mehr wegen der Häßlichkeit unseres Geldes zu schämen." — EinRealschülerals Erfinder eines Photophonographen. Der Kaiserl. Akademie der Wissen- schaften in Wien hat ein dortiger Realschüler die Beschreibung eines p do top honv graphisch en Apparates emgesandt, der von der Akademie angenommen und veröffentlicht worden ist. Im wesentlichen enthält die Beschreibung folgendes^ Das von einer Lichtquelle ausgehende Strcrhlenoüutel * * Kunstverern. Die seit 14 Tagen ausgestellte Kollektion des Dr. H. I. Wagner-Dtünchen-Rom sowie die übrigen seit dieser Zeit ausgestellten Bilder bleiben nur noch acht Tage, einschließlich zweier Sonntage, ausgestellt. Die Ausstellung ist täglich mit Ausnahme des Samstags von 11—1 Uhr, Mittwochs auch nachmittags von 3—5 und Sonntags von 11—3 ununterbrochen geöffnet. • • Bei günstiger Witterun g wird morgen vormittag IP/a Uhr Anlagemusik in der Süd-Anlage abgehalten. Der Spielplan lautet: 1. Ouvertüre zu „Flotte Bursche" von Suppe. 2. Martin-Walzer von Zeller. 3. Potpourri aus der »Afrikareise" von Suppe. 4. Radetzky-Marsch, Armeemarsch 145, von Strauß (Vater). * * Königl. Preußische Klassenlotteric. Die Erneuerungslose zur 2. Klasse der Klassenlotterie sind unter Vorlegung der bezüglichen Lose 1. Klasse bis zum 3. Febr. bei Verlust des Anrechts einzulösen. Die Ziehung der 2. Klasse dieser Lotterie nirnmt am 7. Februar chren Anfang. O Grüningen, 31. Jan. Der A. Jsyeimsche Gesangverein feiert am 9. Februar sein 45jähriges Stiftungsfest in der Wirtschaft des Gastwirts Fay, bestehend aus Gesangsvorträgen, komischen Vorträgen des Komikers Th. Schäfer aus Gießen und Tanz. X Burkhardsfelden, 31. Jan. Am Sonntag feierte der hiesige Kriegerverein im geschmückten Saal der Frau Hojftnann Wwe. Kaisers Geburtstag. Lehrer Görg brachte nach längerer, weihevoller Rede, in der er insbesondere der Veteranen gedachte, ein Hoch auf S. M. den Kaiser aus, das begeistert ausgenommen wurde. Dann sang die Versammlung unter Begleitung der Musikkapelle „Heil dir im Siegerkranz". Der Vorsitzende überreichte den Veteranen und unserem Bürgermeister Hoffmann, die dem Verein 25—31 Jahre angehören, Ehrenurkunden als Ehrenmitglieder. Bürgermeister Hoffmann dankte im Namen der Ausgezeichneten und brachte ein Hoch auf unseren geliebten Großherzog aus, das ebenfalls mit Begeisterung ausgenommen wurde. Hierauf dankte der Vorsitzende dem Lehrer Görg für seine weihevolle Rede und brachte ein Hoch auf die Veteranen aus. Hieran schloß sich ein Tanz an. = Dors-Güll, 31. Jan. Die kürzlich vorgenommene Neuverpachtung unserer Gerneindejagd hatte für die Gemeindeiasje ein sehr güirstiges Ergebnis, da der jährliche Pachterlös von 150 auf 275 Mk. stieg. Der seitherige Pächter, Landwirt Hch. Ben »er V., blleb Höchstbietender. S. Londorf, 31. Jan. Bei der heute vorgenommenen Jagdverpachtung blieb Dr. Wagner von hier Letztbietender mit 450 Mk. Seither betrug der Pachtpreis 255 Mk., also auch hier eine ganz ansehnliche Steigerung. -f-BadSalzhausen,31. Jan. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: Im Anschluß an die kürzlich veröffentlichte Nachricht in Ihrem geschätzten Blatte, daß die von verschiedenen Blättern gebrachte Notiz, es sei in Bad Salzhausen ein heißer Sprudel erbohrt, unrichtig wäre, drängt sich dem Schreiber dieser Zeilen und Kenner der Verhältnisse die Frage auf, ob der hessische Staat nicht klüger getan hätte, statt die enorm hohen Summen in jahrelange und bis jetzt aussichtslose Bohrungen zu stecken, den vor etwa fünf Jahpen, erbohrten, sehr stark auf« treib enden Sprudel und eine recht ergiebige Soolquelle, beide nahe Bei Ortenberg belegen, zu erwerben und nach Salzhausen zu leiten. Sowohl der Sprudel als auch die Soolquelle sind nach den Gutachten hervorragender Chemiker und Aerzte sehr heilkräftig. Nach der Stadt Eisenach hat man eine weniger starke Quelle mit bestem Erfolg auf eine weitere Entfernung geleitet, als diejenige von Ortenberg nach Salzhausen ist. — Es dürfte zu erwägen sein, ob der hessische Staat nicht jetzt noch dazu übergehen sollte, statt ins Ungemessene weiter zu bohren, der angeregten Heilwchserzuleitung von Ortenberg nach Salzhausen näherzutretcn. -r. Büdingen, 31. Jan. Wie bereits bekannt, findet in den ersten Tagen des Monats Juli hier ein nativ« 11|||||—■TI——■ l'IT IIIIU.......IM wird mittels einer Sammellinse konvergent gemacht. Die Vereinigungsstelle der Strahlen ist teilweise durch ein Plättchen abgeblendet, das mit einer Schallmembrane in Verbindung steht. Das Strahlenbündel wird in dieser Art entsprechend den Schallwellen mehr oder weniger abgeblendet und gelangt, entweder unmittelbar oder nach dem Durchgang durch Linsen auf einen sich senkrecht zur Lnrsen- achse bewegenden Film. Um das Gespräch zu reproduzieren, wird der Film entwickelt und hierauf durch den Sammelpunkt eines Strahlenbündels durchbewegt. Das Strahlenbündel gelangt entweder unmittelbar oder nach dem Durchgang durch Linsen zu einer Seelenzelle, die in den Stromkreis eingeschallet ist, der ein Telephon enthält. Vom Standpunkte der wissenschaftlichen Theorie ist gegen diese Darlegungen nichts einzulvenden; es wird sich aber fragen, wie die praktische Ausführung sich dazu verhält. — In völlig neuer Gestalt erscheint mit Beginn ihres 32. Jahrganges die bekannte, in ihren letzten Jahrgängen fast in jeder Hinsicht hinter den anderen größeren deutschen Revuen, zu bereu besten sie einst gehört hatte, idcü zurückgebliebene Zeitschrift „Nord und Süd" (Schottlaenters Schlesische Verlagsanstalt). Nicht nun die äußere Gewandung ist jetzt den Anforderungen des modernen Künstgeschmacks angepaßt; auch der Inhalt ift aufs Reichhaltigste weiter ausgebaut und weist Au- to reim amen ersten und anerkannten Rufes aus. So steht sie denn mit einem Schlage wieder mitten unter den führenden deutschen Monatsschriften als eine der anziehendsten und gediegensten da. Eine würdige Einführung des Januarheftes bildet der Roman: „Tie reines Herzens sind" von Felix Hollaen- ber. Einen größeren Raum des Heftes nimmt die von der Zeitschrift über „Tic ku lt urelleni Werte d es T heaters" veranstaltete Umfrage ein. Die Veröffentlichung der Antworten wird durch einen Aufsatz Ern st von Wolzogens: „Theatralische Probleme" eingeleitet, der die Theaterfrage von objektivem Standpunkte aus mannigfach beleuchtet und den Einfluß der Dichter wie des Publikums, weiterhin auch der Kritik, auf das Theater dar legi. Es folgen dann zunächst die interessanten Bemerkungen, die unser leider so früh verstorbene H 0 l z a m> e r, die Hamcs von Gumppenberg, SaluS, Servaes zu der Frage cinsairdten, und von dem längeren „Versuch über das Theater" von Thomas Mann wird in dieser Nummer der erste Abschnitt veröffentlicht. — Gerhart Hauptmann hat jetzt durch sein letzthin ausgeführtes Stück wieder die Aufmerksamkeit aus sich gelenkt; es ist daher von Wert, zu lesen, was der Berliner Universitäts-Professor Rich. M. Meyer über „Gerhart Hauptmanns literarische Entivickelung" zu sagen hat. Er erkennt eine große Linie seiner Enävickelung, — keine gerade Linie, sondern eine verschlungene Kurve, deren Gang aber doch aufioärts führt zu immer höheren Absichten. — Aktualität können zwei weitere Beiträge für sich beanfpruchen: „Englands Weltmacht und Die Motorsuftfchiffahrt" von Regiernngsrat Rudolf Martin, mü> „Dia ersten Dolen 1::.: ' naler Gbsangswettstreit, veranstaltet vorn Gesangverein i ed er kranz" statt. Die Vorarbeiten sind zurzeit flott im Gang. In den Einzelausschussen wird eine rege Tätigkeit entfaltet Von besonderem Erfolge begleitet war das vom Verein gestellte Ersuchen um Zeichnung von Ehrenpreisen. Zahlreiche Preise stehen nunmehr dem Verein zur Versügung. Besondere Erwähnung verdient der von Sr. K. H. dem Großherzog gegiftete Ehrenpreis, auch dürfte in kürzester Frist die Bewilligung eines Kaiserpreises erfolgen. Als Festplatz ist die sogen. „Bruchwiese" gewählt, ein zwischen zwei Straßenzügen in der Nähe des Bahnhofs gelegener Platz, von dem man eine wundervolle Aussicht auf unser herrliches, von hohen Bergen umrahmtes Städtchen genießt. Der Wettstreit scheint sowohl in nächster Nähe wie in weiter Ferne großen Anllang gefunden zu haben, dies beweisen die zahlreich eingegangenen Anmeldungen. w. Ober-Breidenbach, 31. Jan. Unsere Gemeindejagd, die seither an die Großh. Hosjagdver- w a 11 u n g zu einem Jahrespachtpreis von 300 Mk. verpachtet war, blieb auch bei der Neuv erstach tun g in deren Besitz, jedoch beträgt der Pachtpreis jetzt 350 Mk. -st Fr is ch b 0 rn, 31. Jan. Gestern weilte der Untersuchungsrichter hier und stellte in Sachen Roth wegen Blutschande und Lachmann wegen Sittlichkeitsverbrechens Erhebungen an. Die Vernehmung erstreckte sich auf zehn Personen. Wie verlautet, sollen durch den Zwiespalt zwischen Roth und Lachmann, die früher gute Freunde waren, noch verschiedene, bis jetzt unaufgedeckte Delikte bekannt geworden sein. XLauterbach,31. Jan: Zum Vorsteher der hiesigen israel. Neligionsgemeinde wurde wiederum Kaufmann Sigmund Strauß einstimmig gewählt. W. Bingen, 3L Jan. Auf Bahnhof Gaualgesheim fuhr gestern abend um 8 Uhr der Güterzug Nr. 6885 von Münster am Stein bei der Einfahrt von Gleis 3 nach Gleis 1 über das Merkzeichen der Weiche 15 stehenden Güterwagen in die Flanke. Menschen sind nicht verletzt. Die Lokomotive und acht Wagen ent« gleisten. Vier Wagen wurden stark beschädigt. Das Hauptgleis ist nicht gesperrt. Die gesperrten Ueberholungsgleise sind bis heute abend wieder fahrbar. O Krofdorf, 31. Jan. Die Zeit der Brennholzversteigerungen ist wieder hcrbeigekommen. Die erzielten Preise smd bei den ersten Versteigerungen normal zu nennen. Es kostete beispielsweise am vorigen Mittwoch der Raummeter Scheitholz bei bequemer Abfahrt durchschnittlich nur 0 Mt., Prügelholz 8 Mk. und Reiser 1 Mk. Die Holzmassen, welche alljährlich in dem weiten Kisdorfer Forst geschlagen werben, üben von Jahr zu Jahr eine größere Anziehungskraft aus, denn nicht allein die Bewohner der benachbarten Gemeinden, sondern auch die vom Biebertal und selbst auch von der Lahn (Heuchelheim, Kleinlinden, Dutenhofen usw.) decken hier vorzugsweise ihren Bedarf. Bei der Gemeinde-Holzversteigerung am Montag wurde durchschnittlich das Hartholz um 1 Mk. teurer bezahlt. Diese Preissteigerung hat in den günstigeren Zahlungsbedingungen chren Grund. Während die Holzgelder für den Fiskus bereits bei der Abfahrt entrichtet werden müssen, sind solche an die Gemeindelasse erst zum 1. November jeden Jahres fällig, von welcher Begünstigung der Heine Mann mit Vorliebe Gebrauch macht. !! Atzbach, 31. Jan. Wie verlautet, wird hier mit Beginn des neuen Schuljahres die dritteLehrer stelle errichtet. Wir haben schon seit Jahren eine starke drei- 'klassige Schule mit nur zwei Lehrkräften. Die Gemeindevertretung ist mit der gewünschten Neuerung vollständig einverstanden. 0 Marburg, 3L Jan. Die bekannte Eingabe der Marburger Studentenschaft gegen den Stadtbcbau- ungsp lan und die sonstigen Angriffe gegen die sogen. Verschandelung Marburgs haben Erfolg gehabt. In der heutigen S.aotverorönecens.tzung machte Oberbürgermeister Troja die Mitteilung, daß man beabsichtige, die Bauordnung im Sinne der Antragsteller (Landhauscharakter) zu ändern, die vorhandenen Baufluchtlinien zu revidieren und preußischer Herrschaft" von Universitäts-Professor Dr. Phi- lippson. Mit einem einleitenden Kapitel beginnt Ricarda Huch eine Arbeft, die ttyr Gelegenheit gibt, ihre glänzenden schrift- Ittllerischen Eigenschaften zu entfallen: „Nierkwürdige Menschen unb Schicksale aus dem Zeitalter bes Risorgimento". Zu ter Umfrage über bas durch die bevorstehende Strafrechtsreform immer aktueller werbende Thema ter „Vorstrafen" ergreift der Heidelberger Universitäts-Profcssor Geheimrat Dr. von Lilienthal das Wort. — Meter „Ftaubert und die Kritik" schreibt Heinrich Mann; Hermann Hesse bringt eine Novelle „Aventiure", — Gustav Falke eine kraftvolle, ergreifende Ballade „Die Mordeiche". — Literarische Berichte über neu erschienene Roman- und Nvvellcnbüchcr schreiben Aram und ter Berliner Universitäts-Professor Dr. Geiger; es folgt ein „Dramatischer Monatsbericht" von Philipp Stein. — Außer all diesem reichen und mannigfaltigen Inhalt bietet aber das Heft noch viel mehr: nämlich Ku ustbeilagen in den vollendetsten Repro- dullionsverfahren und Musi kbeigaben. Zwei Reproduktionen Rembrandtscher Gemälde in modernem Vierfarbendruck gehören zu einem Aufsatze des holländischen Künstlers Joses Israels über Rembrandt; das Bildnis Gerhart Hauptmanns und den drei übrigen Kunstbeilagen — nach Bildern von Whistler, Leistikow und Israels — smd im Text Bettachtungen von Felix Pvppenberg, Dr. Paul Ktaemer, Gisela Freiin von Berger und Hermann Bang gewidmet. — T-ie musikalischen Beigaben bestehen aus drei Liedern von Humperdinck, Weingartner und Mahler. ---KleineChronik aus Kunst und Wissenschaft. ,E i n S ch e i d u n g s f a 11" von Paul Bourgck, ein dreiaktiges Tendenzstück, wurde im Pariser Vaudeville-Theater von jenem Teile des Publikums, der des Autors grundsätzliche Ablehnung der Ehescheldling billigt, beifällig aufgenommen. Tas Stück erregt auch außerhalb der Theaterkreife Jnleresse, besonders da Bourget sich üeranlaßt sah, in einem Interview die vom Jnstizminister Briand verteidigte freie Liebe als Symptom der sittlichen Verwilderung unserer Zeit zu kennzeichnen. — „Der D u m m k 0 p f", fiubrotg Fuld a's neues Lustspiel, wird demnächst am Neuen Schauspiel- Hause in Berlin in Szene gehen. Das Werk bat seine Uraufführung nn 9loDcmber v. Js. am Hofburgthealer m Wien und gleichzeitig im Frankfurter Schauspielhause erlebt. — Aus Graz wird dem „B. B.-E." geschrieben: Em selten gegebenes Schauspiel Shakespeares, „Cy m b elin", erschien an unserer Bühne in einer neuen Bearbeitung durch Dr. Ingo Kraus. Der Text vermeidet Langen, zieht die Handlung straffer zusammen und gibt schöne poetische Lichter. Bon den Darstellern ist Herr Lippert (etwa unser früherer vorttefflicher Charakter-Komiker? D. Red.) zu nennen. — Tie Stadt St. Gallen stehl vor der Frage eines Theater- Neubaues. Die Finanzierung des Unternehmens ist zum gröstten -teile schon erfolgt. Die noch fehlenden 80 000 Ircs. sollen durch eine Theater-Lotterie aufgebracht werden. — Der Plan für die nächste Expedition von Amundson wird auf der 9. internationalen geographischen Konferenz ui Genf unter dem Titel „Geplante Expedition zur Erforschung des nordischen Polar- < 1 uitneaeben werden. her- Vik- von an- au des ber die zu Säcke wa-ren nämlich jedesmal, bald nach ihrer Ankunft, rätselhafte Weise verschwunden. Jetzt hat man endlich Rätsels Lösung gefunden: die Neger, die im Kongostaat von Postvcrivaltung als Briefträger beschäftigt werden, haben Säcke stibitzt, um sie ihren Frauen oder ihren Bräuten schenken. Tie Weiber schnitten den Sackboden weg, zogen die Säcke über den Kops, befestigten sic an den Hüften mittels Undver5itäis»Kad?rid)teti In München ist am 31. Januar der Pjyschologe Geheimrat Professor Kart von Bert g e st o r b e n. — Vorlesungen übet Journalistik. Professor Tr. Adolf K o ch an der Universität H e i d e l b e r g hat für das Sommer- semesler 19U8 angekündlgt: „Geschichte, Wesen und Bedeutung der öffentliche Meiuuitg, der Presse und des Journalismus in Deutschland" ^zweistündig), „Praktische Hebungen zur Elniührung ui die Journatlslik" (zweistündig). Ferner wird er lesen „Geschichte unb Stntit der politischen Parteien in Deutschland" teinslündig) und „Geschichte der Vereinigten Staaten voii Amerika bis zur Gegen- ivart" (einstülidig). Neue Bücher. (Besprechung erfolgt mach Eine Verpflichtung zur Besprechung und zur Aufbewahrung unverlangt eingefandler Bücher wird nicht übernommen.) Alexa nderBurger : Bibliographie der schönen Literatur Hessens. 1. Teil, enthaltend die im Großherzoglum Hessen geborenen belletriwü'ck^u. 'ticoer-^ngelheim, Selbst- verlag des Herausgebers. Preis 1.60 Mk. Kiesewetter - Ravhrer: M leine» Fremdwörterbuch zur Erklärung und Verdeutschung der in der heutigen deutschen Sprache gebrauchten fremden Wörter, Redensarten, Vornamen und Abkürzungen. Auf Grund der 8. Ausl, von Dr. L. Kiesewetters „Taschenfrembwörterbuch", bearbeitet von Dr. phil. E. Rayhrer. Berlin u. Älogau, Karl Flemming. Walter B en n d o r s : Jugendvereme. Ein Beitrag zur Arbeit an unserer schulentlassenen männlichen Jugend. Osterwieck, A. W. Zickfeldt. Preis 60 Pfg. Sagitta : Gehör! Nur einen Augenblick. Treptow, Bernhard Zack. Pr. 10 Pfg. Dr. E. Mensch: Königin Lmse von Preußen. Em Lebens- und Zeitbild. Berlin, Äerin. Seeniann Nachf. Preis 1 Mk. Dr. Heinrich Schröder : Ein Wort in zwölfter Stunde für die Gleichstellung der Philologen und Juristen gegen die „Taktil" der Herren Mertens, Lortzing Mellmann, Kannengießer, Werner u. Genossen. Kiel, Robert Eordes Preis 1.20 Mk. Dr. Heinrich Schröder : Zur Gleichstellung der höheren Beamten in Preußen, insbes. der Philologen und Juristen. 3. Ausl. Kiel, Robert Cordes. Preis 1 Mk. A. G o m o l l : Die kapitalistische Mausefalle. Katechismus für Privatläpitalisten. Leipzig. A. Owen u. Co., Preis 3 Mk. Professor D r. Rudolf F i tz n e r : Deutsches Kolomal- Handbuch. 7. Ausg. Berlin, Herm. Pantel. Preis 3 Mk. R n d o l f S t o l l e : Der Harz im Winter. Praktischer Ratgeber für Winterfrische und Wintersport im Harz. Bad Harzburg, ,Rud. .Stolle. Preis 50 Pfg. Schließhakens, kurz: machten sich daraus einen Rock. Und deshalb sieht man jetzt im Kvngostaat so viele Negerinnen, deren Röcke hinten die merkwürdige Aufschrift „Brüssel—Zentrum" tragen. * Kartenspiel und Rechenkunst., In einer Hirtenschule ^üddeutschlands, so berichtet b.c „Nassauische Schutztg.", kommt der S ch u l r a t zur Prüfung. Der Verlauf ist keineswegs befriedigend, und besonders die Kenntnisse im Rechnen sind überaus mangelhaft. Nicht die einfachsten Additionen im ersten Zehner können die Hirtenbuben. Ter Lehrer soll Rechenschaft ablegen. Erbittert erklärt er, daß die überaus mangelhaften Kenntnisse auf den schlechten Schulbesuch unb die JnteresselosigkKt der Hirtenbuben für die Schule zurückzufühven seien. Dumme Streiche und „Seck)sundsechzig"-Spielen seien iljre Hauptbeschäftigung. Ter Herr Schulrat läßt ein Pack Spielkarten holen, hält einzelne Karten vor und fragt den Sepple: „Was ist das?" — „Eck Neuner!" — „Und das?" — „Kriz Aß!" — „Und das?" — „Schufte Dam'!" — „Und das?" — „Schufte Kinrg!" — Entrüstet über diese Kenntnisse des Kartenspiels gegenüber denen im Rechnen gibt der Schulrat dem, Sepple eine Ohrfeige und fragt ihn: „Weißt du amch, warum du jetzt eins kriegt hast?" — Sepple: „Weit i vergesse hab', zwanzig z' melde!" fein Ortsstatut gegen die Verunstaltung der Straßen und Plätze zu erlassen. Diese Mitteilung dürfte in weitesten Kreisen Interesse erwecken. I'O. Frankfurt a. M., 31. Januar. Ein raffinierter Schwindler wurde heute dingest gemacht. Der 24jährige Kaufmann Joseph Heinz aus Monsberg hatte sich Briefbogen mit dem Anidrnck der Firma Krupp in Essen unb einer Maschinenbauanstatt Wetter an der Ruhr Herstellen lassen und Brieie mit der Unterschrift der Direktoren der beiden Fabriken zurechtgemacht, wonach die Werke mit ihm über den Kani eines ihm gehörigen Bergwerks unterhandelten. Die Firma Krupp bot ihm 350 000 Mk., er aber schätzte den Wert seines Bergwerks auf mindestens eine Million. Heinz brachte sogar eine beglaubigte Hypothek von 250 000 Mark auf seine Grube vor, worauf ihm ein hiesiges Bankinstitut einen Kredit von 200 000 Mk. einräumte. Abgehoben hat er erst 200 Mk. Das die Sache Schwindel war, kam dadurch an den Tag, daß die Buchdruckerei, welche die Briefbogen „airi Probe" für bie Firma Krupp angefertigt hatte, diese ersuchte, nunmehr definitiv Bestellnngen für ihre „Zweigniederlassung in Frankfurt a. M." zu machen. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. Zum Bau einer staatlichen Nebenbahn von Albshausen nach Grävenwiesbach hat der Kreisausschuß des Kreises Usingen dem Kreistage vorgeschlagen, daß der 5kretskommunalvcrbanb den Grund und Boden unentgeltlich überweisen oder die Kosten bar erstatten, im anderen Falle gemeinschaftlich mit dem Verbände des Kreises Wetzlar eine Summe von 730 000 Mk. leisten möge. Ter Staat würde einen Zu- sckMß von 75 000 Mk. gewähren, wenn die beiden ersten Bedingungen vorgezogen werden. — In Frankfurt a. M. wurde an der Kvmrnandobrücke des Hauptbahnhofes der Stredcnarbeitd Heinrich Wer uer ans Egelsbach überfahren und getötet. — Der frühere Besitzer eines großen Konfektionshauses m Ludwigshafen, Emanuel Löwenstein, der ftch zuletzt mit Spekulationen befaßte, ist seit einigen Tagen flüchteg. Ein dortiges größeres Bankinstitut verliert 100 000 Att., ein Mannheimer Haus 80 000 Mk. Der Flüchtige, der Frau und Kinder zurückläßt, hat sich nach Amerika gewandt. GerLchSrjsaL. sd. Darmstadt, 30. Jun. Wegen Achtungsverletzung und Beharrens im Ungehorsam hatte der Musketier Heinrich Schüler von der 11. Komp. Inf.-Reg. 116 s. Zt. vor dem Standgericht 15 Tage strengen Arrest erhalten. Er gab sich aber damit nickst zusrieden, so daß die Angelegenheit vor das Kriegsgericht kam, wobei er schlecht abschnitt. Er war s. Zt. Über Urlaub geblieben und verweigerte dem Wachhabenden beim Passieren des Käsernentores die Angabe seines Namens. Als dieser durch einen anderen Mann festgestellt war, lourde er zu- rüllgerusen. gehorchte aber trotz wiederholten Befehls unter Gebrumm dieser Aufforderung nicht. Seine Strafe wird daher auf drei Wochen Gefängnis erhöht. R. B. Darmstadt, 31. Jan. Das Kriegsgericht verhandelte heute in einer Anklage wegen Soldatenmiß- handlung unb Körperverletzung gegen den Gefreiten August Sch mau ß und d u Dragoner Berkel, beide von der vierten Schwadron des Leib-Trag.-Regts. Nr. 24. Die beiden hatten im Oktober vor. Js. die Rekruten Wilhelm II. und Kvtka im Stall mißhandelt, zu Boden geworfen, mit den Stiefeln getreten und auch mit einem Stock ober Riemen geschlagen. Da die verursachten Verletzungen jedoch nur leichter Natur waren und sich die beiden Angeklagten bis vor kurzem sehr gut geführt haben, wurden ihnen mildernde Umstände ^(gebilligt, tdcrkel erhielt wegen Körperverletzung, teilweise mit gefährlichem Werkzeug und gemeinschaftlich begangen, 14 Tage Gefängnis, Schmaust wurden zu seiner am 16. ds. Mts. wegen Mißhandlung eines Trompeters im Quartier zu Hainhauien erhaltenen Gefangnisstrase von zwei Monaten noch 10 Tage hinzugesügt. F.C. Erba ch i. O., 31. Jan. Am 25. Januar i|t dem Grafen Georg Albrecht zu Erbach-Erbach das Urteil des Au5- trä ga lgerichts, das den Sohn des Grafen, den (Srbgrafen Erasmus von der Suceession in die Stamm- und Familiengüter des Gräflichen Hanfes Erbach-Erbach der bekannten Mißheirat wegen ausschließt, zugestellt worden. Graf Georg Albrecht wird gegen das Urteil Einspruch beim Oberlandesgericht in Darmstadt tinlegen. , M annheim, 30. Jan. Ein böses Nachspiel hatte, wie die „N. B. Landesztg." mitteilt, bre Kaiserfeier für mehrere Angehörige der 9. Kompagnie des Grenadierregiments Mannheim. Tie Mannschaft dieser Kompagnie hatte die Kaiserseier im Saale der Kaiserhütte begangen. Der Urlaub erstreckte sich bis zum „Wecken", und uni 10 Uhr vormittags am Dienstag hatten die Mannschaften anzutreten, was auch geschah. Ein Vizeseldwebel der 9. Kompagnie hatte den Auftrag, mit einer Abteilung seiner Mannschaft zu einer ZielübuNg auszurücken. Unter .seinem Befehl standen neun Einjährig-Freiwillige, ein Unteroffrzier, vier Gefreite unb ein oder zwei Gemeine. Der Zug verließ die Kaiser Wilhelmstäserne, um sich tfu| den Exerzierplatz hinter der Kaserne zu begeben. Er nahm seinen Weg durch die mit Wohnhäusern und Wirschaften bebaute Straße. Bei der dritten Wirt- sthast gab der Vizesttduvebel plötzlich das Kommmrdo „Halt" und befahl den Mannschaften, in das Nebenzimmer der Gastwirtschaft einzutreten. Tie Leute sträubten sich anfänglich, diesem Befehl nachzukommen. Nachdem der Vizefeldwebel aber mit Nachdruck auf seine Autorität aufmerksam gemacht hatte, betrat die Mannschast das Wirtschaftslokal. Diesen Vorgang beobachtete ein Leutnant der 9. Kompagnie unb erstattete Meldung. Der Oberst des Regiments verhängte folgende ©trafen: Es erhielten die neun Einjährig-Freiwilligen je 14 Tage Mittelarreft undEnt- ziehung der Qualifikation zu Reserveofiizieren, der Unteroffizier drei Wock)en Mittelarrest, die vier Gefreiten je 14 Tage Mittelarrest und Abnahme der Knöpfe. Der Vizeseldwebel wurde in Untersuchungshast genommen. [] Marburg, 31. Jan. Die Strafka m m e r verurteilte heute zwei junge Malergehstien aus Wetter, die dort am 8. September v. I. nach einer durchschwärmlen Nacht den von Frankenberg kommenden F r ü h z u g mit Steinen bewarfen, die Telegraphen- unb Telephonleitungen beschädigten und in der Stadt noch allerhand Unfug verübten, zu je einem Jahre Gefängnis. , . . Kiel, 31. Jan. Tas Marinekriegsgerlcht verurlellle bie Heizer Wisniewski unb Jensen vom Kreuzer „York" wegen militärischen Aufruhrs zu 5'/,„ bezw. 5 Jahren und 1 Monat Zuchthaus unb Entfernung aus der Marine. Peleka ist eine kleine Stadt der Insel, 1 Vs Stunde Wegs von der Stadt Korfu entfernt. Es ist ein Fleck von außerordentlicher Schönheit, seit Jahrhunderten wegen seines Marnwrreichtums und seiner herrlichen Aussicht berühmt. Der Ort ist von einem Felsen gekrönt, von dem au§ man weit Wer das Eiland hin den herrlichsten Blick genießt. Königin Alexandra hat feit langem den sehnlichen Wunsch, eine Residenz auf Korfu zu besitzen, und sie hat sich eine Zeitlang mit dem Gedanken getragen, das Achilleion zu faulen, das dann der deutsche Kaiser erworben hat. An diesem herrlichen Sitz sind jetzt eifrig Arbeiter tätig, nm beit Palast für den Aufenthalt des Kaisers im März herzurichten. Die Angaben über bie Renovierung rühren dem Monarchen selbst her. Es ist eine elektrische Leitung gelegt, neue Baderäume sind geschaffen worden und 15 Gemächer sind mit Empiremöbeln ausgestattet und in allein gerichtet, um den Kaiser, die Kaiserin und die Prinzessin toria Luise aufzunehmen. Das kaiserliche Gefolge tvird in einem neuerbauten Nebenhause in *20 Räumen untergebracht und ebenso erhält die Dienerschaft in einem besonderen Hause Unterkunst. Trinkwasser wird durch einen artesischen Brunnen gewonnen, der im Park angebracht ist. An der Seeküste sind Badekajüten für bie kaiserliche Familie angebracht und die alten Ställe sind umgebaut und zu Garagen für Automobile umgeskaltet worden. * London ist nicht nur die größte, sondern wahrscheinlich auch die teuerste Stadt der Welt. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Untersuchung, die auf Veranlassung des Handelsministcrs Llohd-tzKvrge die ihm unterstellte Verwaltung Dorgenommen hat. Dabei ergibt sich- daß allerdings in etwa 10 Städten, so z. B. in Dover, Portsmouth, Sheemeß, Southampton usw. die durchschnittlichen Aufwendungen für den Lebensunterhalt einer Familie noch etwas höher sind als in Sonboit. Zieht man aber a-rch die Ausivendungen für bie Wohnung zum Vergleich heran, so zeigt sich, daß in Loiüwn das Leben, Wohnung und Lebensunterhalt zusanunengenornmen, teuerer ist, als in ergenb einer anderen Stadt des Vereinigten Königreichs. Unter der somit in London in doppelter Hinsicht herrschenden Teuerung muß aber die Bevölkerung, soweit sie von der Hand in den Mund lebt, uw so mehr leiden, als in London keineswegs bie höchsten Löhne gezahlt werden. In verschiedenen Jndustrie- bezirken, beispielsweise in der eigentlichen Heimat der Baum- wollenindustrce, verdienen die Arbeiter nicht unwesenttich mehr, als der Durchschnittsbettag des Verdienstes des Londoner Arbeiters beträgt. Noch weit ungünstiger wird für London das Bild, wenn man nur die Wohnungsmiete in Vergleich stellt. In keiner englischen Stadt werden auch nur annähernd die Mietsbeträge erreicht, die in London gezahlt werden müssen. In Schottland ist ocr Abstand so groß, daß die Denkschrift des Handelsamts hier den Vergleich mit London überhaupt aufgibt. Am geringsten sind endlich die Preise der Wohnungen in Irland. Gleichzettig mit oieser Veröffentlichung stellt das englische Handrlsamt eine neue Denkschrift in Aussicht, die die gleichartigen Verhältnisse in Deutschland behandeln soll. Da auch auf Grund eines nur flüchtigen Vergleichs kaum ein Zweifel obwalten kann, daß in London die Teuerung, besonders hinsichtlich des Wohnens, größer ist als in irgend einer anderen großen Großstadt, die ähnliche Bc- völkcrungs-, Wohn- und Erwerbsverhältnisse aufzuweisen hat wie in Lolwon, dürste man aus Grund der Untersuchung des Handelsamts zu dem Schlüsse berechtigt sein, daß London auch nach Maßgabe des Aufwands für Wohnung und Lebensunterhalt an der Spitze der Großstädte marschiert. * Das Gesetz gegen die Mitgiftjäger, das den bösen Europäern, die amerikanische Millionenbräute heimführen, die Frertoe versalzen soll, ist im Repräsentantenhaus in Washington am letzten Tienstag zum erstenmal Gegenstand der Debatte gewesen. Der Abgeordnete M. Gavin nahm sich mit Leidenschaft der vsache an, und feine Philippika gegen die titel- süchtigen Banieemädchen ließ an Offcnhett unb. Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Mit zornigen Worten geißelte er „den Ankauf von mißratenen und befleckten Exemplaren europäischer Aristokratte gegen ein paar Millionen amerikanischer Dollar, die beit Lämmern der Wallstreet abgeiwmmen seien", unb dann richtete sich sein Zorn gegen die gewissenlosen Amerikanerinnen, die nicht zufrieden sind, ehe sie es „zu einer Grä fin S p ag- hetti oder einer Comtessa Macearoni" gebracht haben. Und stürmischer Beifall lohnte seinen Eifer. * Die neuesteMode im Kongo staat. Seit längerer Zeit schon fragte sich die Postverwaltung in Brüssel, was wohl aus den ledernen Säcken werden mochte, in welchen sie bac Brief post nach dem Kongostaat zu expedieren pflegt. Diese * 2088973 Einwohner zählte nach beit soeben veröffentlichten Feststellungen des städtischen Staltsttschen Amtes die Stadt Berlin am Schlüsse des Jahres 1907. Die Militärbevölternng ist hierin nicht emgeschlosfen. Seit 1876 hat sich die Bevölkerung Berlins verdoppelt.^ Die vorausgegangene Verdoppelungsperiode betrug 15 Jahre (1860—1876). Vorher waren es 26 Jahre (1834—1860), früher noch 61 Jahre (1773—1834). * EinPalast d erKö n i g i n A le x anbr a aus Korfu. Wie wir bereits kurz meldeten, hat die englische Kontgtn Alexandra ein großes Besitztum aus der Insel Kvrfu, genannt Peleka, erworben unb will sich dort einen Palast bauen lassen. Kolonial-Handels-Adreßbuch. 12. Jahrg. Berlin, Kolonial-wirtschaftliches Komitee. Preis 2.50 Mk. Dr. Emil Seckel: Heinrich Dernburg. Gedächtnisrede. Halle a. d. S., Buchhandlung des Waisenhauses. Preis 60 Pf. Dr. Viktor Petersen: Magister F. Ch. Laut Hards Leben und Schicksale. Von ihnc selbst geschrieben. Deutsche und französische Kultur- und <=>ittcn6ilber aus dein 18. Jahr- hundert. Einleitung von Paill Holzhausen. 2 Bände. Stuttgart, Robert Lutz. Ans Natur- und Geisteswelt. Sammlung toi)leit* chaftlich - gemeinverständlicher Darstellungen. Nr. 184, Fr. Tobler: Kolostialbotanik. Nr. 190, S. Müller: Technische Hochschulen in Nordamerika. Pre-is j. B. gdy. 1 Mk., geb. 1.25 M k. Heinrich Beytien: Die Entwickelung des gemeinnützigen Rabattsparvercinsivesens und seine Einwirkung auf die wirtschaftliche Lage des Detailhandels. Bremen, Verband der Rabatt- Sparvereine Deutschlanos. Preis 50 Pfg. . . Die Veteranenfürsorge int deutschen Reich unb un Großherzogtum Hessen. Amtliche Handausgabe. Bearbeitet von Ministerialsekretär Müller. Darmstadt, Staatsverlag. Preis 60 Psg. Das hessische Wertzuwachssteuergesetz. Amtliche Handausgabe, erläutert von Miniiterialrat W. Best. Darmstadt, Staatsverlag. Preis 80 Pfg. , „ , A. Wernekinck: Setzmaschinen? Hande weg! Halbevftadt, Otto Huhn. . .. L. Dosch: Die Orgel der Neuzeit. Mit beionderer Berücksichtigung der Seraphon- und Labialzungenregister. Leipzig,- Beruh. Friedr. Voigt. c ,, Dr. Wilhelm Fritsch: Die Finanzen der -stabt Worms. Ein Beitrag zur S-täbteentroidTung. Worms, Buchdruckerei Kranzbühler. Preis 3 Mk. handel. Deutsche Landwirtschaft gegen das Kali* * S h n d i t a L Es heißt, daß ein größerer landwirtschaftlicher Interessentenkreis einen geschlossenen u. abgebohrten Felder- komplex in der Kali-Industrie zum Zwecke des Ausbaues eines Kaliwerks zu erwerben beabsichtigt. Damit scheint die deutsche Landwirtschaft einen Schritt zur Emanzipation vom Kalisyndikat zu tun. Vielleicht geschieht dieser Uebergang zur Eigenproduktion int Hinblick auf das bei Erneuerung des Syndikates in Aussicht genommene Fallenlassen der Notstandsvergütung uitd auf eine event. Preiserhöhung. Das Kalisyndikat würde dadurch in eine Lage kommen, der gegenüber die bisherigen Außenseiterkämpse als geringfügig erscheinen. ________ Märkte. Gieße», 1. Fcbr. Marktbericht. Aus heutigem Sßocben- maxtte kostete: Butter pr. Pfd. 0.90—1.00 Mk., Hühnereier 1 St. 9—10 Vsg., Käse pr. St. 6—8 Pf., Käiematte 2 St. 5—6 Psg., Erbsen p. Pid. 18—24 Psg., Linien p. Pfd. 25—40 Pfg., Tanben pr. Pr. 0,80-1,00 Mk., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 All., Gänse vr. Psd. 60—70, Enten pr. Stück 1,80 bis 2,20 Mk., Ochsensieisch vr. Psd. 82—88 Psg., Knh- nnd "Rindfleisch pr. Pfund 80—82 Psg., Schweinefleisch pr. Psmid 70—84 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfd. 88 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 70—80 Psg., Hammelfleisch pr. Pfd. 61—84 Psg. Kartosfelii pr. 100 Kg. 5.50—6.00 Mk., Zwiebeln pr. ^tr. 5,00—6,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Weißkraut per Stück 0-00 Pfg., per Zentner Mk. 0.00-0.00. — Aepfel per Ztr. 10—25 Mk., Birnen per Ztr. 10—25 Alk. Nüsse 100 Stück 40—00 Pfg., per Ztr. 0—00 Mk. Marktzeit von 8—2 Uhr. Meteorologische Beovachtnnge» der Station Gießen» Höchste Tertiperatur am 30.—31. Januar — -s- 2,6 * C. Niedrigste „ „ 30.—31. „ = + 0.4 0 C. Januar Februar 1908 Barometer aut 0° reduziert Temperatur der Lust Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Aetter 31. 2" 742,1 2,3 4,6 84 WSW 4 Bed. Himmel 31. 9“ 737,5 2,2 4,7 87 WNW 6 Lchtr.^chnee'all 1. 7’5 735,9 0,2 4,5 96 W 2 Bed. Himmel Gießener Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung für Hessen am Sonntag bett 2 Februar 1908: Aufheiterung. Meist trocken. Leichter Frost, gsöidliche Winde. Aschaffenburg, 1. Febr. Gestern abend nach 9 Uhr wurde der 34jährige Herbergsvater Peter Gunzel von dem Handwerksburschen Ludwig Hetzer aus Kammer (Bezirksamt Traunstein) mit einem feststehenden Taschenmesser er- st o ch e n. London, 1. Febr. Die Eigentümer der nord- westlichen Werften Englands haben ihre Etablissements auf unbestimmte Zeit geschlossen. Sie beschäf-- ttgen durchschnittlich 35—45 000 Personen. Die Arbeiter erklären, daß nichts die Lohnverkürzungen rechtfertige, die die Werften ihnen ausgedrungen hätten. Bourges, 1. Febr. Zwei Offiziere des hiesigen' 95. Infanterie-Regiments wurden wegen Homosexualität auf 3 Jahre in Jnaktwilät versetzt. Paris, 1. Febr. Das „Echo de Paris" berichtet aus- London: Der Gesundheitszustand Sir Eamp- bell-Bannermans zwingt diesen, seinen Rücktritt zu nehmen. Seine eventuelle Nachfolgerschaft bildet zurzeit den Gegenstand lebhafter Erörterungen. Als wahrscheinlicher Nachfolger wird Kriegsminister H a l d a n e bezeichnet. Dieser würde dem Kabinett einen radikalen Anstrich geben und eventuell Neuwahlen ausschreiben lassen. Anderseits wird auch Ashquit und der Minister des Aus" wärtigen Sir Eduard Grey als mutmaßlicher Nachfolger für Bannerman genannt. Newyork, 1. Febr. Der Gouverneur des Staates Newyork, Hughes, der ebenfalls Kandidat für die Präsidentschaft ist, billigte in einer gestrigen Versammlung vollständig das Vorgehen des Präsidenten Roosevelt gegen die Trusts und erklärte, es genüge nicht, die Mitglieder der Vorstände der Trusts mit Geldstrafe zu belegen, da diese doch von den Trusts bezahlt würden, sondeni man müsse ihnen Gefängnisstrafen auferlegen. tn der Entwicklung oder beim Lernen zurück» Sw'wjtvwwjtiwjv bietbenbc Kinder, sowie blutarme, llch matt- fühlende und nervöse überarbeitete, leicht erregbare und frühzeitig erschöpfe Erwachjcnc gebrauchen als Llraftigungsmittel mit großem - Erfolg Dr. Hommel's Hacmatogeu. D4A Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte i werden rasch gehoben, das Geiauil'Ncrverfvstcm gestärkt. Man verlange jedoch ausdrücklich das echte Dr. HommcllS i HSLMKtLaklUnd laÜL jiÄLmk der vielen Nachahmungen amxebWL 3n uvumrctrn Frankfurtcrftraffe 6 ist die Bet • Etage 8 Zimmer mit Zubehör p. 1. 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