Samstag 4. Mai 1907 157 Jahrgang Zweites Blatt Nr. 104 Gießener Anzeiger Erscheint lS-llch mit Ausnahme bei Sonntag!. General-Anzeiger für Gberhefjen Die „«iehenn LamlIIenblSller" werden dem ,5lngetget* viermal wöchentlich beigelegt, dal ^Krtbblott für bei Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der ^elfische tonbolrt* erschemt monatlich etirmnl Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen UnwerftlälS - Buch» und Sretndruckerei. R. Lange, Ließen. Redaktion. Exvedition and Druckerei: Schul- strage 7. LrvediNon und Verlag > eij* &L Redaktion: 1IL. Tel-Adru AaeeigerGietzen, Aus dem Keichslag. R. Berlin, 3. Mai. Die Reichsbeamten in den Provinzen Posen und West- Preußen werden nun auch d"r Ostmarkenzulage teilhaftig werden, die die preußischen Beamten bereits seit Jahr und Tag beziehen. Der Reichstag genehmigte heute die entsprechende Rewlutwn zum Postetat mit lö8 gegen 149 Stimmen, mit einem von freisinniger Seite beantragten Zusaß, der die Umviderrus- lichkeü der „Prämie" festlegt. In der Hauptsache gehörte bu Hitzung der Beratung des Ko l o n i a l e ta t s. Es galt, das vielumstrittene Reformwerk m dieser Verwaltung zu krönen durch Bewillmung des selbständigen Reichsamts für dre Kolonnen und des Staatssekretariats für Dernburg. -per Vater und die Gattin des Kvlonialdirektors konnten nicht umhin, Zeuge de» für die Familie Derburg denkwürdigen Schauspiels zu sein. Sie blickten von der Diplomatenloge mit Wohlgefallen in den Saal, wo die Debatte ohne jeden dramatischen Aizent anhub mit einer streng sachlichen, auf sehr milden Ton gestimmten Oppositionsrebe des Zentrumsfübrers Dr. Spahn. Tie Partei der Mitte gibt das Spiel verloren; der Gegenstand erscheint ihr jetzt nicht einmal groß genug, um ihren „Staatsmann", den F-rhrn. v. Hcrtling, mit der rednerischen Derttetung zu beauftragen, obgleich dieser in der Budgetkommission namens der Partei das Wort geführt hatte. Ein Zufall fügte es, daß gerade heute, am Geburtstag des Fürsten Bülow, die Regierung den Erfolg in der Frage des kolonialen Staatssekretariats errang, für die sich der Kanzler von Anfang an persönlich ins Zeug gelegt hatte. Heute war er der Rotwendigkett überhoben, sein Wort in die Wagfchale zu legen Er hiett sich fern den parlamentarischen Gefilden. Dr. Spahn hat sich dermaßen mit den veränderten Verhältnissen ab- gefunden, daß er Dernburg für seine Afrikafahrt gute Ratschläge zu geben sich bewogen fühlte, in erster Linie im Interesse der Missionen. Die Wünsche der evangelischen Missionen brachte der Rheinländer Abg. Linz (Rp.) zur Kenntnis der Regierung. Daß die Stellung des Zentrums zur Kolonialpvlittk zahlreiche Berührungspunkte mit der der bürgerlichen Linken hat, erhellte aus dw Rede des Abg. Dr. Wiemer (Fr. Blksp.). Dre Liberalen widerstreben gleichfalls der Errichtung einer Kvlonial- armee und einem Eisenbahnbau im Großen, wenn sie auch andererseits das öoloniale Rcichsautt bewilligen, gerade um Dernburg Cllbogenfreihett zu schaffen für eine mehr kaufmännische Verwaltungsreform., um ihm dann aber auch die volle Vcranttvvrtung zu schieben zu können. Auf unbedingt ablehnendem Standpunkt auch dem neuen Kolo- malllirs gegenüber steht die Sozialdemokratie, für die Bebel mit viel Temperament und Phantasie sprach. Er sieht hinter dem Staatssekretär Dernburg schon den Kolcnial-Kriegs- m i ni ster auftauchen, den der Block später werde bewilligen müssen, in Konsequenz seiner jetzigen Bewilligung der Neuorganisation des Oberkommandos der Schuvtruppen. Die düsteren Prophezeiungen gipfelten in der Aufrollung eines afrikan. Kon- ftiktt zwischen Deutschland und England, der Bebel schon den dumpfen Tritt der Kolonialarmee hören läßt. Die anderen Parteien wollten aber nicht „das Gruseln lernen", sw nahmen Bebels Zukunftsgeschichten mehr von der heiteren Seite, sodaß dieser schließlich gekränkt ausrief: „Meine Herren, Sie smd eben in der Hurrastimmung!" Um nicht im Anstande Mißtrauen auflommen zu lassen, hielt es der Stellvertreter des Reichskanzlers, Graf Posadowsky, für geboten, Bebels Darstellungen als „eines Jules Verne würdige, phantastische Behauptungen" zu kennzeichnen, denen jede Grundlage fehle. , x Und der nächste Redner, Alm. Dr. Arnrng (nl.), em ehemaliger Militärarzt bei der Schutztruppe in Ostafrika, bestrebte sich, an der Hand seiner kolonialen Erfahrungen und Beobachtungen lichtere Farben in das Situationsgemälde zu bringen. Aus dem interessanten Vortrag war auch einiges über die Kolonialskandale zu entnehmen, so wie sie einem unparteiischen Be- ,urteil ei sich darstellen. . .. In einer „kurzen Erllärung", die sich zu einer halbstündigen Rede ausdehnte, begrüßte Abg. Frhr. v. Richthofen (kons.) die Morgendämmerung der kolonialen Neuzeit. Dernburg selbst wollte an diesem Tage natürlich nicht ^Zuschauer bleiben. Er suchte die wegen großspuriger Zukunfts- pläne geäußerten Bedenken zu zerstreuen und skizzierte nochmals sein Reformprogramm. Es fehlte nicht an scharfen Worten gegen Bebel. Viel Neues erfuhr man nicht; doch der stolze, selbstbewußte Ton ließ schon den mit seinen größeren Zielen gewachsenen Mann, den Staatssekretär, verspüren . . . Gegen Abend hin wurde es noch recht lebhaft. Freisinnige nnh Sozialdemokraten sagten sich Aufrichtigkeiten, und Dernburg warf sich mit seinem vollen Temperament zum Anwalt feiner Beamten auf. Frau Dernburg sah chr Warten in später Stunde belohnt. Sie konnte als Gattin eines Staatssekretärs das Haus verlassen. ___________ politiid)c Tagestzcha«. Kaiser und Kanzler. -tt- Berlin, 3. Mai. Wieder einmal wird unter Berufung auf ,gut informierte Kreise* behauptet, es bestünden zurzeit zwischen dem Kaiser und dem Fürsten Bülow gespannte Beziehungen. Die .KönigSb. Hartung'sche Ztg.* gibt eine Berliner Meldung wieder, die von den Maulwürfen spricht, die noch immer nicht go"z aufgehört hätten, gegen den Kanzler zu wühlen. Als ob die Riaulwurfsarbeit nicht nur gegen den an der Spitze stehenden Staatsmann, sondern gegen jeden, der m besonderem Maße das kaiserliche Vertrauen hat, überhaupl aufhören könnte! DaS ist doch aus den Denkwürdigkeiten Bismar^S und deS Fürsten Hohenlohe zur Genüge bekannt, wie viel Einflüsse, von der Jntrigue bis zur offenen Gegnerschaft, sich geltend machen im Kampfe um den „Platz an der Sonne*. Aber es ist keinerlei Grund vorhanden, die Beziehungen zwischen Kaiser und Kanzler gespannt oder auch nur getrübt zu nennen. Meinungsverschiedenheiten könnten gegenwärtig nur auf dem Gebiete der auswärtigen Politik von Belang sein, denn in der inneren Politik stehen keine Entscheidungen von besonderer Tragweite bevor, und Reichstag und Regierung kommen ganz gut miteinander aus. In der auSwärtigrn Politik aber ist eS zweifellos, daß die jüngsten Ausführungen des Fürsten Bülow im Reichstage in jeder Hinsicht der Meinung des Kaisers entsprechen,- sonst würde der Kaiser dem Fürsten nicht zu der Rede, die wegen ihrer Bedeutung noch immer im Auslande Erörterung findet, seine Anerkennung ausgesprochen haben. Verfehlt ist die Annahme, daß etwa die Verleihung deS Schwarzen Adler- ordenS an den Fürsten von Monaco dem Fürsten Bülow mißfallen hÄb«. Ordensverleihungen sind Sache des Kaisers, die Veryntwettlichkeit deS R-ichSkanzlerS hat damit nichts zu tun. Doch davon abgesehen, diese Auszeichnung wäre nicht einmal eine Berfti'nmung, geschweige berei einen Konflikt wert — heute, reo der Ernst bcr internationalen Lage von Tag zu Tag die Lösung ganz anderer Fragen gebieterisch erheischt! Darüber kann kein Zweifel bestehen, wis beruhigend auch die amtlichen Erklärungen lauten, daß der Weltfriede einer sehr kräftigen Belastungsprobe entgegengeht. In solcher kritischen Zeit ist kein Raum für nebensächliche Dinge, in solcher Zeit sind .gespannte Beziehungen* zwischen Kaiser und Kanzler durchaus unwahrscheinlich. Man sollte derartige Erzählungen — auch in gut informierten Kreisen gedeiht der Klatsch — nicht weiterverbreiten, schon um dem Auslande nicht Anlaß zu hämischen Zweifeln zu geben an der Einheitlichkeit der Gesinnungen, die in Deutschland lebendig sind.__________________________________ parlamentarische». Berlin, 3. Mai. Die Bu d g e t t o m m i ssion des Reichstages verhandelte heute kbcr die Erweiterung des Kaiser Wilhelms-Kanals. Die Baukosten sind auf 221 Millionen veranschlagt, wozu noch zwei Millionen für Zwecke der Landesverierdigung treten. Für das lausende Jahr wird eine erste Rate von 15 Millionen gefordert. Das Projekt der Vorlage und die erste Rate werden mit großer Mehrheit angenommen. Darauf ging die Kommission zur Weiterberatung der Steuervorlage über. Der Voranschlag der Salzsteuer wurde von 55074 Mark auf eine Million erhöht. Nach Genehmigung der Branntweinsteuer mit 171450 000 Mt. und der Schaumweinsteuer mit 5 436 000 Mk. vertagte sich die Kommission auf Diontag. — Dr. v. Burgsdorff hat im preuß. Herrenhause folgenden Antrag eingebracht: Das Herrenhaus wolle beschließen, die Staatsregierung zu ersuchen, ihren Einfluß im Bundesrat dahin geltend zu machen, daß die Fahrkartensteuer, welche den Verkehr besonders auf weite Strecken sehr belaste, möglichst bald wiederaufgehoben werde, zumal diese Steuer die preußischen Finanzen erheblich schädige und dem Reiche andere Steuerquellen zu Gebote stehen. (Volksztg.) Deutsches Ucich. Berlin, 3. Mai. Der Kaiser reiste heute abend um 11 Uhr nach Eisenach und Schlitz ab. — Die Kaiserin reiste hertte abend nach Homburg v. d. H. ab. — In militärischen Kreisen will man wissen, der Kronprinz werde bei der Frühjahrsparade des Gardekorps zum Major beföroert und gleichzeitig, oder bald nachher, zum Kommandeur eines der Garoekcwallerieregimenter ernannt werden. Der Kronprinz, der am nächsten Montag das 25. Lebensjahr vollendet, ist älter in der Hauptmanncyarge geworden als alle übrigen preußischen Thronfolger vor ihm. »— Ter Reichskanzler Fürst v. Bülow (geb. 1843) hat zu seinem heutigen Geburtstage eine große Zahl von Glückwünschen erhalten. Verschiedene Souveräne haben telegraphisch gratuliert. Der Kaiser verehrte dem Fürsten eine kostbare Vase. Heute abend sand im Reichskanzlerpalais ein Diner statt, welches der Kaiser durch seine Anwesenheit auszeichnele. Einladungen zu diesem Diner haben il a. erhalten: der^ Minister Frhr. v. Aehrenthal nebst der gesamten österr.-ung. Botschaft, die gesamten Präsidien der drei Berliner Parlamente, Staatssekretär von Tschirschky, die Unterstaatssekretäre v. Mühl, Hengstenberg und Professor v. Renvers. — Tie Anarchistenführer Otto Weidt und Werner Doya sind verhaftet worden. Beide waren die Hauptmi.arbciter an den hiesigen anarchistischen Blättern/ Der Grund der Verhaftungen ist noch nicht bekannt. — Ter Bundesrat genehmigte heute einen neuen Ergänzungsetat mit einer großen Reihe von Forderungen für Südwestafrika. — Die Reichstagsabgg. Faßbender (Ztr.), Kreth (kons.) und Weber (nl) brachten zum Etat der Reichsbank eine Resolution auf Erlaß eines Gesetzes betr. die lüege- lung des Scheckverkehrs ein. — An einem Fraktionsessen der Zentrums» Partei des Reichs- und Landtags nahm auch der frühere Reichstagspräsident Gras B a l l e st r e m als Ehrengast teil. In seiner Erwiderung auf den ihm gewidmeten Trinkspruch des Grafen Hompesch versickerte Gras Ballesttem, daß er bis zu seinem Lebensabend der Zentrumspartei angehören werde. Er sei immer erfüllt gewesen von dem Geiste, der die Zentrumsfraktion beseelte. Denn dieser Geist sei der Geist der Gerechtigkeit. — In dem dem Reichstag zugegangenen Gesetzentwurf betreffend den Versicherungsantrag, sind die Kommissionsbeschlüsse des vorigen Reichstags sämtlich berücksichtigt worden mit Ausnahme der vom Zentrum durchgesetzten Bestimmung- daß im Duell gefallene Personen den Anspruch auf die Versichermigssumme verlieren sollten. Die)e Bestimmung hat der Bundesrat gestrichen. Oldenburg, 3. Mal Oberlandesgerichtsrat Sur* läge, Mitglied des Landtages und des Reichstages (Ztr.), ist als R e i ch s g e r i ch t s r a t nach Leipzig berufen worden. Köln, 3. Mai. Die englische Kanalkommission trifft hier nach dem Besuche von Antwerpen in der Pfingstwoche ein, um auf einer Reise nach Deutschland die Kanatverbältnisse zu studieren. Der Kommission wird sich voraussichtlich der Minister Lloyd George anfchließen. Von Deutschland fährt die Kommission zu gleichem Zwecke nach Holland. Schleiden in der Eifel, 3. Mai. Bei her heutigen ReichstaAsersatzwahl im Wahlkreise Schleiden-Mal- medy-Montjoie wurden abgegeben für F e r v e r s iA e n t r.) 10 360 Stimmen, für Graf von Spec lZentr.) 4418 Stimmen, für Scheibler (nl) 543 Stimmen und für Hofrichter (Soz.) 102 Stimmen. Zersplittert waren 42 Stimmen. Fervers ist somit gewählt. Straßburg, 3. 9)Zai. Die Jnspektionsversammlung von St. Thomae har dem Präsidenten Dr. Curtius einstimmig ihr volles Verttauen ausgesprochen. Ausland. London, 3. Mal Aus Lahore (Indien) wird tele- graphiert: In Rawalpindi brach gestern ein Aufruhr aus. Tie indische Bevölkerung warf die Fenster der Häuser der Aer Kaiser unö Die Kunst. Vor einigen Tagen smd in Berlin die beiden regelmäßigen Kunstausstellungen in der bekannten einfachen Weise eröffnet worden. Es fällt bei uns nicht mehr auf, daß namentlich die Große Berliner Ku n staus ste l - lung in Abwesenheit des Kaisers eröffnet wird; trotzdem hat man vielfache Vermutungen an dieses Fernbleiben des Herrschers geknüpft und sie aus seiner Stellung zur Kunst int allgemeinen zu erklären gesucht. Es kursieren darüber die verschiedenartigsten Lesarten und es ist jedenfalls bekannt, daß der Kaiser eine besondere Vorliebe für ausländische Kämst zeigt, die er erst jüngst wieder bei Gelegenheit deS Gastspiels der Monte-Carlo-Over in Berlin bewiesen hat. In französischen Müttern wird viel davon gefabelt, daß der Kaiser bei dieser Gelegenheit sich ziemlich abfällig über die deutschen Komponisten geäußert habe, so zwar, daß chm die Kompositionen von Saint- Saens mehr Anregung zubrächten, als die deutschen Meisen. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, daß der Monarch eine besondere Vorliebe für das „Berliner Theater" bekundet, welches sich bisher der deutschen Literatur möglichst ferngehalten und dafür die englische Detektivkomödie in unser Theaterleben eingeführt hat, nicht ohne dadurch dem Theaterleben einen Stempel aufzudrücken, über dessen geschmackvolle Anordnung man streiten könnte. Vor einiger Zett erzähle man sich von dem eigenartigen Konflikt des Kaisers mir einem bekannten Berliner Bildhauer. Es handelte sich um einen Auftrag des Monarchen für eine öffentliche Denkmatsanlage, deren Sockel von sitzenden Adlern gekrönt sein sollte. Als der Kaiser das Atelier des Künstlers besuchte und sich die Entwürfe für die Anlage vorlegen ließ, bemerkte er, daß der Bildhauer die Adler in sttzenoer Stellung mir herunrer- bängenden Flügeln dargefteltt habe. Der Kaiser tadelte dies und verlangte, daß die Vögel mtt aus gebreiteten Flügeln abgebrlder würden, woraus der Künstler jedoch zuerst bescheiden, dann aber energisch protestierte, da die Stellung des Adlers mit herunterhängenden Flügeln hier die natürliche wäre und er keine andere wählen könne, wett er nicht gewöhnt sei. Unnatürliches abzubilden. Da der Kaiser jedock auf seiner Ansicht bestand, blieb dem Künstler nichts anderes übrig, als den Auftrag ziemlich bestimmt abzulehnen, und tatsächlich sind die Adler von einem anderen weniger skrupulösen Bildhauer sitzend mit ausgebretteten Flügeln dargestellt worden. Wie der Kaiser sich sonst in Kunstsachen stellt, ist vielleicht aus jener Anekdote bekannt, die semerzett kursierte, als Begas das Grabmal für Bismarck fertigstellte. Es war damals der Geheimrat Rasckdorf, der dem Kaiser die Vorzüge des Entwurfes pries und sich dabei zu der, vielleicht etwas unangebrachten, Aeußerung verftieg, der Künstler habe hier den Fürsten Bismarck in einer erhabenen Stellung, gleichsam als Hüter der Hohenzollern aufgefaßt. Aber der Kaiser entgegnete ihm ziemlich kurz: „Ach was, wir Hohenzollern brauchen keinen Hüter, wir hüten uns selb st." 0 Laubach, 2. Mal Das Rhein-Mainische Verbandstheater teilt jM nn ein südliches und nördliches Verbandsgebiet. In ihm veranstaltet der Volksbildungsverein zwischen Ostern und Pfingsten je 30 Vorstellungen von Mitgliedern des Hanauer Stadttheaters. Nachdem an zwei vorhergehenden Abenden von dem südlichen Verbandstheater in Butzbach gespielt worden war, gab es am gestrigen im hiesigen Saale des Solmser Hofs eine sehr gut besuchte Vorstellung, die die Lustspiele „Die Geschwister" von Goethe und „Der eingebildeteKrauke" von Moliere zur Darstellung brachte. Gespielt wurde flott und gewandt Die Tageseinnahme, 215 Ml, mag der Beweis dafür fein, daß die Bemühungen des hiesigen Derkehrsvereins, dem das Zustandekommen der Vorstellung zu verdanken ist, auf fruchtbaren Boden gefallen sind. • — „Heil dir, Rüdesheim!* Auf ein Preisausschreiben des Rüdesheimer Verkehrsvereins, in dem zur Emsen düng von Liedern am Rüdesheim und feinen Wein aufgeiordert wurde, find nahezu 1000 Gedichte eingegangen. Den ersten Preis, löO Flajchen echten Rüdesheinrer, erhielt Frau Emmy Rüden oon Sp illner in Dresden- Strehlen für ein Lied, dessen erste und letzte Strophe wie folgt lauten: ^Rhemgaus Perle! Dtr zum Preise Schwing' ich grüßend den Pokal! Drinnen lacht und glüht es leise Wie gefang’ner Sonnenstrahl. Wo er immer mir begegnet, Würzig, edel, goldenblank, Set er jubelnd mir gesegnet, Rüdesheim, dein GöttertrankI Aus dem Dämmerreich der Sage Taucht voll Majestät der Rhein! Stolz, mit breitem Wellenschläge Und smaragd'nem Funkelschein. Heil dir, Rüdesheim! So lange Man noch fingt und trinkt und kost, Gruße dich mit Jubclklange Aller Lande brausend „Prosf.* Alltäglicher Singsang, ohne die leiseste Spur eines nicht ganz abgeplatteten Gedankens! Wir gönnen der Dichterin die loO Flaschen, aber daß sie duichauS Klischees reimen mußte, dafür fehen wir keine Notwendigkeit ein. — Oskar Wilde, Tas Granatapselhaus. Vier Märchen. Deutsche ttebersetzung von F. P. Greve. Dritte Auflage. Mit vier Vollbildern, vier Initialen, zwei Vignetten und Einbandzeichnung von H. Bogeler. Leipzig, im Jnselverlag. Geheftet 6.— Mk. — Es ist so erfreulich, daß ein Werk von dieser stilisttschen Feinheit beretts bie. driiie deutsche Auflage erlebt. In diesen vier Erzählungen kleidet sich ein tiefer, rein menschlicher Sinn in eine zugleich naive und unerhört farbenprächtige, zwingend bttb- haft geworbene Form. Das Buch ist — künstlerisch betrachtet — eines ber fleckenlosesten Prosawerke bes engl. Dichters, weil es aus reiner Freuve am Gestalten entsprmig. Vogelers, bes Worpswebcr lyrisch empfinbsamen zarten Künstler-Zeichnungen sinb gleichfalls von reinster künstlerischer Wirkung. 'Europäer eht, öerttyiTltete und plünderte die Kirche, einen Bücherladen mit religiösen Schriften, sowie daS Postamt und brannte die Schuppen der Auwmobil-Gesellschaft nieder. Bewaffnete Polizei zerstreute den Pöbel und Husaren patrouillierten die ©tragen ab. — Ein Mann, welcher erklärte, ftanzösischer Nationalität zu sein, wurde gestern abend in Dover verhaftet, weil er zwei Soldaten mit einem Revolver bedroht hatte. Die Soldaten entwaffneetn ihn und hielten ihn solange fest, bis ein Pvlizeiagent herbeieilte. Bor dem Richter erklärte einer der Zeugen des Vorfalles, der Verhaftete habe die Absicht geäußert, das englische Königspaar bei seiner Rückreise nach London zu ermorden. Der Angeklagte erklärte aber, diese Wsicht nicht geäußert zu haben, und er sei betrunken gewesen. Mailand, 4. Mai. Der Corriere della Sera veröffentlicht eine lange Unterredung mit dem ehemaligen französischen Minister des Aeußern, Flourens. Der französische Staatsmann betonte, daß der Angelpunkt der internationalen Politik in der Nebenbuhlerschaft zwischen Deutschland und England zu suchen sei, dessen König seine Netze im Mittelmeer ausspanne, um eine mächtigeKoalition gegen das deutsche Reich zusammen zu bringen. Daher sei König M>uard keineswegs, wie Manche behaupten, ein Friedensbote zu nennen. Vielmehr sei es sein Ziel, den unausbleiblichen Kampf zwischen beiden Mächten hcrbeizuführen, um nach Vernichtung der deutschen Seemacht die Hegemonie Groß-Britanniens auf immer zu sichern. Im Interesse der europäischen Mächte sei es gelegen, daß Englands Einfluß nickst übermächtig werde, damit es nicht eines Tages bei der Teilung des otwmauischen Reiches den Löwenanteil einstecke. England solle Deutschland auf dem ftied- licheu Felde des kaufmännischen Wellbetverbes bekämpfen und Europa solle denKönignicht in politischen Bestrebungen unterstützen, die in verhängnisvoller Weise zu blutigen Schlachten füllen. Neue» p.us Rußland. In Dorpat wurden bei einer Haussuchung 19 Bomben, vier Gewehre, viele andere Waffen und verbotene Schriften aufgefunden und mehr als 30 Personen verhaftet. Während der Haussuchung wurde ein Polizeioffizier von einem Manne in Studentenuniform getötet und ein anderer Polizeibeamter verwundet; der Mörder entkam Unter den Verhafteten befinden sich Frauen und Studenten. In Moskau töteten 2 junge Männer, welche sich Einlaß in das Preobraschensky-Kloster verschafft hatten, vor dem Hochaltar den Prior durch Dolchstiche. Einer der Mörder konnte verhaftet werden, weigert sich aber, seinen Namen anzugeben. Der Duma-Abg. Subarow wurde vom Ober st Mar- zinow sowie zwei anderen Offtzieren wegen Aeußerungen in der Duma über die Armee zum Duell gefordert. Nachdem jedoch die revolutionäre Partei ihre Zustimmung zum Zweikampf versagt hatte, lehnte Subarow die Herausforderung ab. Aus Statt uut Laut. Gießen, 4. Mai. w Landwirtschaftskammer. Die 3. Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer, die am 7. Mai zu Darmstadt stattftndet, wird sich u. a. auch mit dem Voranschlag für 1907 beschäftigen, der auf 400000 M. festgesetzt ist. Ein ebenfalls zur Beratung kommender Antrag von Kammermitglied Hensel in Dortelweil bezweckt die Verlegung der Unterrichtszeit an der obligatorischen Fortbildungsschule von 5—7 Uhr nachmittags auf 7—9 Uhr abends, was im Jntereffe der kleinen Landwirte und Arbeiter liege. Auch eine Anfrage des Großh. Ministeriums des Innern über die Molkereischnle in Lauterbach kommt zur Verhandlung. • * Personalien. Dem Lehrer Hch. W e g e l zu ^Grüningen wurde die 6. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Schlitz übertragen. — Ernannt wurde der Fußgendarm i. P. Jak. Lamp zu Gießen zum Kreisamtsschreibgehülfen. • * Einen weiteren Preisabschlag haben die hiesigen Schweinemetzger für verschiedene Wurst- und Fleisch fort en eintreten lasten. • * Das Militärkonzert, das für morgen nachmittag tim Philosophenwald angekündigt war, fällt wegen der ungünstigen Witterung aus. Dagegen konzertiert die Regiments- nmsik um 5 Uhr im Neuen Saalbau. *• Anlagemusik findet morgen mittag 12 Uhr in der Süd-Anlage mit folgendem Programm statt: 1.Hochzeitsmarsch und Brautgesang auS „Romeo und Julie*, von Gounod; 2. Schatz-Walzer von Strauß; 3. Finale aus ^A'lda* von Verdi; 4. Der Torgauer Marsch von F. v. G. ** Die gestern gelandete Leiche wurde als die der Frau Dillof ans Franken berg erkannt. Die Frau hatte sich hier bei Verwandten aufgehalten unb- wegen eines Nervenleidens hiesige Aerzte konsultiert. Gestern früh hatte sie sich ungesehen entfernt und im Zustande großer krankhafter Erregung die Tat ausgeführt. ** Hassiabezirkstage. Der Bezirk Gießen hält seinen 1. diesjährigen Bezirkstag am 12. Mai, nachm. 3 Uhr, auf dem Felsenkeller hier ab. An demselben Tag tagt der Bezirk Hungen in Rod heim, der Bezirk Vogelsberg in Schotten, der Bezitt Homberg a. d. O. in Homberg, der Bezirk Büdingen in Bind fach sen und der Bezirk Ortenberg in Ober-Seemen. Der Bezirk Grünberg hält einen Bezirkstag am ü. Mai in Saasen ab und der Bezirk Vilbel an demselben Tag in Klein-Karben. ** Gebrauchsmusterschutz wurde erteilt Zahnarzt Th. F r u t i g hier auf eine Kombmationsmatrize, bestehend aus einer Platte mit einer Reihe von Vertiefungen, die in der Weite ab und in der Tiefe zunehmen, mit dem dazu gehörigen Satz Stempel zum Auspragen fugen- und faltenloser Metallhülsen aus einem Stück für künstliche Kronen. △ Grün berg, 3. Mai. Heute mittag fand die Beerdigung des so plötzlich durch Todessturz verstorbenen Spenglermeisters H. Kaiser statt. Dem Leichenzuge voraus ging der Musikoerein, der seinem langjährigen Mitglieds mit einem Trauermarsche das Geleite gab. Ihm folgten die freiwillige Feuerwehr, der Turnverein und der Kriegecoerein, alle mit ihren Fahnen, die ihrem früheren Mitgliede je einen Kranz am Grabe niedeclegten. Weiter legten Kränze nieder Bürgermeister Zimmer für den Stadtvorstand, Hch. Schmidt I für den VerkehrSoerein Grünberg, Ludwig Gehringer für den Aufsichtsrat des VorschußvereinS, Syndikus Engelbach von Darmstadt für die Handwerkskammer, Stadtverordneter Petri von Gießen für den Gewerbeoerein Gießen und den Bezirksoerband Gießen, der außerdem die letzten Grüße der Gewerbebank Gießen überbrachte. Der Verstorbene war nämlich auch stellv. Vorsitzender des Unter-Verbandes der Hess. Genossenschaften. Allgemein ist hier die Teilnahme für die Familie des so schrecklich Verunglückten, der auch in unserem Gemeindeleben eine empfindliche Lücke hinterläßt. sd. Darmstadt, 3. Mai. Das Großherzogspaar machte gestern eine Automobilfahrt nach Mainz zur Besichtigung des dortigen Palais, in dem zurzeit verschiedene Aenderungen getroffen werden. Die Herrschaften kehrten gegen 7 Übe zurück, um am Abend Gerh. Hauptmanns „Versunkene Glocke* im Hoftheater zu besuchen. Am Großherzoglichen Hofe ist heute abend Professor Stuck aus München cm» getroffen, um im alten Palais Wohnung zu nehmen. Der Großherzog hat vor einiger Zeit in München dem Maler einige Sitzungen bewilligt und nun soll auch die Großherzogin einige Sitzungen zu einer Aufnahme genehmigt haben. — Erhängt hat sich heute vormittag der gegen 40 Jahre alte verheiratete Weißbindermeister C. Reich. Der Mann ist durch ungünstige Umstände in der letzten Zeit in schlechte Verhältnisse gekommen. ___________________________ Verweigerung des Berficherungsanspruchs wegen unterlassener Anzeige bei Anschaffung eines Fuhrwerks Man schreibt uns aus Leipzig: Der Möbelhändler K. hatte sich in der O berr Heinisch en Versicherungsgesellschaft zu Mannheim im Jahre 1896 bis zum November 1901 für Unfälle versichert. Die Fragen, ob er ein eigenes Fuhrwerk habe und ob er selbst kutschiere, hatte er mit „nein" beantwortet. Ein halbes Jahr nach Eingehung des Versicherungsverttages schasste sich K. für seine Mobel- handlung eigenes Fuhrwerk an und behauptet die Versicherungsgesellschaft, daß er seitdem auch selbst kutschiert habe. K. will nur in einzelnen Fällen und immer in Begleitung des Kutschers mit dem Fuhrwerk gefahren sein. Obwohl der § 9 der allg. Versicherungsbeüingungen der Beklagten bei Aenderung der Verhältnisse oder bei Erhöhung der Gefahr für die Gesellschaft eine Anzeige des Versicherten verlangt, falls die Versicherung nicht ruhen soll, hat K. eine Anzeige über die Anschaffung des Fuhrwerks nicht erstattet. In Betracht kommt jedoch noch, daß K. bei derselben Versicherungsgesellschaft bald nach Anschaffung des eigenen Fuhrwerks Haftpflichtversicherung genommen hat. Hierbei hat er die Frage: „Sind Sie bereits für ihre eigene Person gegen Unfälle aller Art gedeckt?" dahin beantwortet: „Ja, bei der Oberrheinischen Versicherungsgesellschaft in Mannheim." K. erlitt am 28. Februar 1901 in einem Hausflur einen Armbruch, weil ihm ein Hund durch die Beine gelaufen war. Die Versicherungsgesellschaft lehnle jedoch eine Unterstützung nach dem Versicherungsverträge aus Grund des § 9 ihrer Bedingungen ab. Dieser Paragraph lautet wie folgt: „Wenn der Versicherte seinen Berus oder seine regelmäßige Beschäftigung ändert, oder in Verhältnisse eintritt, nach denen die im Versicherungsanträge gemachten Angaben nicht mehr mit der Wirtlichkeit überein- Itinunen und daraus eine erhöhte Gefahr für die Gesellschaft entsteht, so ist der Gesellschaft schriftliche Anzeige zu erstatten; die Verbindlichkeit der Oberrheinischen Versicherungsgesellschaft aus der Versicherung ruht eventuell mit dem 15. Tage nach dem Eintritt der Veränderung, tritt aber mit dem Zeitpunkt, an welchem die Gesellschast zur Fonsetzuna der Versicherung schriftlich ihre Zustimmung erteilt, und der Versicherte die wegen Gefahrenerhöhung etwa eingestellten Bedingungen erfüllt hat, für später eintretende Unfälle wieder in Kraft . . . ." Die Klage des K. auf Zahlung der Versicherungsunterstützung wurde vm Landgericht abgewiesen. Auf die Berufung des Klägers hat das Oberlandesgericht Köln unter Abänderung des landgerichtlichen Urteils die Klage dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. Dieses Urteil wurde von der beklagten Versicherung aber mit Erfolg vor dem "VH. Zivilsenat des Reichsgerichts angegriffen. Der erkennende Senat kam zur Aushebung des Vorderurteils und verwies die Sache zur weiteren Entscheidung an das Oberlandesgericht zurück. Börsenwochenbericht. Frankfurt a. M., 3. Mai. Mit der Erneuerung des Stahlwerksverbandes ist von der Eisenindustrie eine gewisse Unsicherheit gewichen, die, wenn man an dem Zustandekommen des Verbandes auch nie ernstlich zweifelte, doch immerhin auf ihr lastete. Verschiedene andere Verbände, die von dem Stahlwerksverband abhängig gemacht wurden, insbesondere auch das internationale Schienenkartell, sind nun gleichfalls gesichert, und damit gewinnt die gesamte Eisenindusttie wieder eine sichere Grundlage. Die Folgen sollen bereits in die Erscheinung treten, indem die Kauflust sich neu zu regen beginnt. Auch der englische Eisenmarkt liegt etwas fester, aus Amerika kommen gleichfalls zuversichtlichere Slluations- berichte und da auch die Kohlenindustrie noch floriert, so darf man wohl annehmen, daß wir uns noch länger eines guten Ganges der Industrie zu erfreuen haben. Dies sollte der Börse eigentlich einige Anregung geben, aber sie kann den toten Punkt nicht gut überwinden, well die Lage des Geldmarktes noch immer einen Hemmschuh bildet. Diese Woche hat der Zinsfuß wieder etwas angezogen, Privatdiskonto erhöhte sich auf 45/8 Proz. und die Reichslande ist mit 47 Mill. Mark in die Notensteuer geraten. Allem darauf mußte man vorbereitet sein, denn der Ultimo und die Emission der deutschen Schatzjcheine stellten Ansprüche^ an den Geldmarkr, die auf den Zinsfuß nicht ohne Einfluß bleiben konnten; die Anspannung des Status derReichs- bank ist überdies, dadurch initücranlaßt, daß das Reich die Mittel der Bank stark in Anspruch nahm. Nun, nachdem heute die erste Einzahlung auf die Schatzanweisungen geleistet wurde, kann das Reich Rüazahlungen an die Bant vornehmen. Immerhin wird die Reichsbank noch etwas zusehen müssen, bis sie und ihre Dis- kontorate weiter herabgehen kann. Amerika bleibt nach wie vor ein unsicherer Faktor und kann den internationalen Geldmarkt stören, wenn die verschiedenen Eisenbahngesellschasten an ihn appellieren wollen. Diese Woche hat sich nur die Atchison Topeka und Santa Fß-Bahn mit einer Emission von 26 MUlionen Dollars gemeldet, wobei sie den 5proz. Zinssuß wählte. Neben der Un- sicherhett des Geldmarktes waren es auch noch die Ausführungen des Fürsten Bülow im Reichstage über die politische Lage, die Hinausschiebung der Eiuoruiguug der Börsengesetz-Novelle bis zuui verbst unb die bisher resultattosen Verhandlungen des Kalisyndikats mit den Outsiders, die der Börse Reserve auserlegten. Der Verkehr blieb ruhig. Zproz. deutsche Fonds schwächten sich noch einen Bruchieil ab, die 4proz. Schatzanweisungen wurden etwa V2 Proz. über Emissionspreis umgesetzt. Von fremoen Fonds waren Russen etwas besser auf die Annahme des Rekrutenkonlingenks durch die Duma. Bankaktien kaum verändert, auch Transportwerte blieben auf ihrem vorwöchigen Niveau, nur Lloyd 2 Proz. besser. Das Kursniveau der Monra nwerte hat sich dagegen durchschnittlich um etwa 5 Proz. gehoben, Deutsch-Luxemburger und Phrnie stiegen sogar 10 Proz. Von anderen Jndustriepapieren sind Mannesmann 6 Proz., Karlsruher Maschinen 7 Proz., Wittener Stahlröhren 20 Proz., Waldhof und Seilüidustrie Wolff je 5 Proz. gediegen, Kunstseide gingen neuerdings etwa 50 Proz,. zurück, well der Abschluß und die Dividenden von nur 2d Proz. gegen vorjährige 3o Proz. enttäuschien. Seit etwa mehr als Wochen- ftisk sllid die Aktien nahezu 100 Proz. gefallen. Die wilden Lkursschwanrungen oer letzten Zeit, die teilweise mit den Trusk- verharidlungen tn Zusammenhang gcitanöen haben mögen, hatte sie sich weniger zugeknöpft verhalten und über das Jahresergeonis die Verwaltung vermeiden oder wenig,tens mildern können, wenn früher Mitteilungen an die Oeffentllchkeit gebracht hätte. Kandel. **Konkur sein Hessen, lieber das Vermögen des Bäckermeisters Johann Beny III. in Gimbsheim wurde am 22. April, vorm. 11.30 Uhr, das Konkursverfahren eröfhiet, da die Wormser Kunstmühle, Gebrüder Fellei in Worms, welcher eine Schuldscheinsforderung in Höhe von 5109 Mk. und 30 Pfg. nebst 5 Proz. Zinsen vovi 18. Marz an zustehl, den Antrag .auf Eröffnung deS Konkursverfahrens gestellt und der Gemeinschuldner feine Zahlungsunfähigkeit und Zahlungseinstellung ein- geräumt hat. Rechtsanwalt Dr. Winkler in Oppenheim wurde 8um Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 18. Juni bei dem Amtsgericht Oppenheim anzumelden. — lieber das Vermögen des I a k 0 b I 0 u a u x , Zimmermann in N i e d e r- Jngelheim, wurde am 22. April, nachm. 6 Uhr, das Kön- kursverfahren eröffnet, da der Gemeinschuldner zahlungsunfähig ist, insbesondere seine Zahlungen cinegeftellt hat und die Eröffnung des Konkursverfahrens beantragt hat. Rechtspraktikant Albrecht in Ober-Ingelheim wurde zum^ Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 25. Mai bei dem Amtsgericht Ober-Ingelheim anzumelden. — Heber den Nachlaß des am 17. Oft zu Darmstadt verstorbenen Fabrikanten Heinrich Hermann Orth wurde am 22. April, nachm. 61/2 Uhr das Konkursverfahren eröffnet, da die Ueberjchuldung des Nachlasses nachgewiesen ist. Nachlaßpfleger Heinrich Scharmann in Darmstadt wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 10. Mai bei dem Amtsgericht Darmstadt I anzumelden. — Hohe Tabakpreise. Zu den Gewerben, deren Verhältnisse durch hohe Rohstoffpreife von Grund auf verändert worden sind, gehört auch das der Verarbeiter von Tabak. Dieser hat eine Preissteigerung erfahren, wie sie von den wenigsten der Beteiligten erwartet worden ist, und diese hat den ganzen Gewerbezweig in eine sehr verwickelte Lage gebracht. In diesem Augenblick wenden sich im Hinblick auf die außerordentlich kleinen Vorräte und hohen Preise für alten kubanischen mll> Sumatra-Tabak die Augen der Händler und der Zigarrenhersteller den Berichten aus Küba über die Entwickelung der dor- tigen Ernte zu. Wie es scheint, so fdxreibt die „K. V.-Z.", löirb die kommende Ernte von Nemedios-Tabak kleiner, diejenige von Vuelta Abajo dagegen etwas großer sein, als im vorigen Jahr. An einen Rückgang der Preise für Havana-Tabak ist aber dabei flaum zu denken, eher noch an das Gegenteil. Die Pflanzer auf Kuba klagen über Regenmangel, ermatten aber doch ein hinsichtlich der Güte schönes Ergebnis. Dem entsprechend erhosft man auch wieder hohe Preise, zumal da. bisher die Höhe derselben den Verbrauch nicht beeinträchtigt hat. Die großen Verarbeiter, an ihrer Spitze die American Tobacco Company, Können ihren Betrieb nicht einschränken, sonderii dehnen ihn vielmehr aus, da es ihnen an Abnehmern nicht fehlt. Ueberdies müssen die Kubaner ja ckuch mit höheren Selbstkosten rechnen. Aus ihrer Insel herrscht ebenso Av- beiter mangel, wie überall auf der Wett, und die Einwanderung genügt noch nicht einmal dem Ausgleich der Auswanderung. Was nun die diesmalige Ernte von (Sumatra betrifft, so kann sie als gut bezeichnet werden; bis jetzt zeigt; aber die angebotene Wate überreife und mürbe Blätter, welche also schwer zu verarbeiten sind und die Verwendbartell des neuen Tabaks beeinträchtigen, dagegen belle, Farbe, welche besonders dem Geschmack der Auierikaner entspricht, von denen erwartet werden muß, daß sie wieder als ebenso starke Läusep auftreten werden, wie für die letzte Ernte, wenn sie auch auf den ersten in Holland stattgefundenen Einschreibungen mit ihren Käufen noch sehr zurückgehalten haben. Die deutschen Käufer haben einen großen Teil ihres Bedarfes an Sumatra-Tabak mit geringerer Ware gedeckt, müssen aber schließlich doch auch um die bessere mit den Amerikanern in Wettbewerb treten. Die bisher in Deutschland beliebte Hamburger Zigarre hat ein prim- liches, fettes Aussehen: ja die deutschen Zigarrenhersteller rufen diese Farbe sogar absichtlich dadurch hervor, daß sie die Rückseite des Blattes zur Deckung der Zigarre verwenden. Indessen geht der Geschmack der deutschen Raucher doch allmählich mehr dem der Amerikaner nach, welche verlangen, daß das Deckblatt der Zigarre glänzt. So ist also auch für Sumatra-Tabak vorerst wenig Aussicht auf Nachgeben der Preise vorhanden. Dermifdttee» ' Genickstarre. Wie das Offenb. Abendbl. meldet, ist im städtischen Krankenhause ein 11 jähriges Mädchen, das an Genickstarre erkrankt war, gestorben. — In W e n i g e n f e n a in Rückersdorf und in Reichenbach bei Saatfeld wurde je ein Fall von Genickstarre feftgefteüt — Jin Harburger Krankenhause siiid drei Kinder an Genickstarre gestorben. * Explosionen. Auf der Kaligrube HelungenII. am Kyffhäuser erfolgte im Schacht eine Pulverexplosion, bei, welcher fünf Personen durch das entstandene Pulvergas den Erstickungstod fanden. — In Kanton (China) explodierte ein Pulvermagazin. 21 Leichen wurden bis jetzt gefunden. 15 Gebäude wurden vollständig zerstört, über 100 ernstlich beschädigt. Ein etwa 200 Fuß langes Stück der Stadt- mauer wurde zerstört. Die Explosion ist anscheinend durch Unvorsichtigkeit eines diensthabenden Offiziers hervorgerufen worden, deiin man hat feine Leiche mit einer Tabakspfeife in der Hand gefunden. Nach neueren Meldungen beträgt die Zahl der Explosion Verletzten mehrere Hundert. * Die sizilischen Aerzte und das Duell. Fürs gewissenhafte Aerzte ist die Frage, ob sie sich in beruflicher Eigenschaft an Duellen beteiligen dürfen oder nicht, eine recht ernste Sache. ^Beteiligen sie sich, so bieten fie eine gewisse Garantie dafür, daß die Wirkungen der Zweikämpfe gemildert werden; lehnen sie aber ihre Beteiligung ab, so lassen fie vielleicht Leute, die ihr« Hllse nötig brauchen, in hilflosem Zustande liegen. Da in Sizilien" die Zahl der Ehrenhändel besonders groß ist, beschloß jüngst —. wie wir in der ,£)ra" lesen — die Aerztekammer der Provinz Palermo, sich an die Losung des schwierigen Problems zu machen. Es fanden zwei recht stürmische Sitzungen statt, schließlich aber trug nach einer heftigen Philippika des Professors Parla- vecchio die anttduellistische These den Sieg davon, und es wurde fast einstimmig ein Beschluß gefaßt, der also lautet: „Da die Anwesenheit des Arztes beim Duell in offenem Widerspruch steht mit dem Grundprinzip der Mission des Arztes, der Gebrechen, Wunden und Verletzungen nicht bloß kurieren, sondern vor allem verhüten soll; da ferner unter einem gewissen Gesichtspunkte die Anwesenheit des Arztes bei einem Duell sogar den Charakter der gesetzlich festgelegten Mitschuld tragen kann, weil in Abwesenheit des Arztes die Duellzeugen nicht die schwere Verantwortung übernehmen würden, einen Zweikampf zu gestatten, in welchem auch scheinbar leichte Verletzungen ohne sofortige ärztliche Hilfe die schlimmsten Folgen haben könnten: erklärt die Aerzte- tammer von Palermo die Mission des Arztes für unvereinbar mit der beruflichen Beteiligung am Duell und legt allen Aerzten die Pflicht auf, diese Beteiligung mit Entschiedenheit, ständig, unter allen Umständen und in nicht illusorischer Weise abzulehnen." Dieser Be.chluß soll jetzr dem in Rom residierenden Präsidium der italienischen Aerzteschaft vorgelegt werden, mit der Bitte, ihn edlen Aerzlekammern Italiens zu unterbreiten. "KleineTageschronlk. Ju Berlin wurde an der Börse am Freitag bekannt, daß der Börsenvertreter einer Bankffrma, Wegner, auf den Namen der Finna größere Engagements an der Börje einging, die sich als verlustbringend erwiesen. Außerdem fall sich Wegner der Firma gehörige Wertpapiere angeeignet haben, mit denen er flüchtig geworden ist. Der Schaden, den die Firma erleidet, fall etwa 50000 Mark betragen. — Ein gewaltiges Feuer kam im Hamburger Frechaieugebiet zum Ausbruch. Der große Schuppen der Lagerhausgeselljchaft von I. H. Bachmann, in dem 10 000 Ballen Baumwolle lagerten, wurde ein Raub bei Flammen. Auch große Transporte von Rohzucker wurden durch Wasser und Feuer vernichtet. ÜUit mehreren Löjchdampfern gelang es, die durch Flugfeuer gefährdeten großen Spritlager von Herwig zu retten. Ter Schaden wird auf vier Millionen Mark geschätzt. — Auf der Elbe m 'JJt a g b e b u r g wurde der Schiffer Markmann in der Kajüte fernes Kahnes in der letzten Nacht nach anscheinend heftigem Kampfe ermordet und beraubt. Der Mörder ist unbekannt. — Einer Lloydmeldung zufolge ist der Dampfer „Siloerlip* mit einer Ladung Benzin, von Singapore nach London beftimmr, im Biskayischen Meerbusen am 1. Mai in Brand geraten und von der Maimjchast verlassen worden. Fünf Mann von der Besatzung sind u m g e f 0 m m c ti, der Rest, darunter vier 'Mann mit schweren Brandwunden, ist aufgefischt und m Plymouth gelandet. — In Berlin wurde die 25 Jahre alte Schriftstellerin '21 n n a I ü r g e n § in ihrer Wohnung erschossen ausgefunden. Tie junge Dame hatte sich durch eine Kugel in den Mund getötet Von Gläubigern bedrängt, machte sie ihrem Leben em Ende. — In Aiailand hat^der lynjche Sänger Rossi, welcher bei der Katastrophe in San Franzisko die Stimme verloren hat, sich m einem 'Anfälle von Geislesilörung s e l b st d 1 e Zunge ab- geschnitten und wurde schiver verletzt nach dem Hospital gebracht — In P 0 p 0 l t (Italien) stieß em Personenzug mit Jacken, 2. ricktsoollztt gung amtlicher Iaht drei Ä Breslau,c Biewald gegei wegen seiner, von spruche stellt, die gerechlferiigl evtl Revision den Dresden Ztudenlend duells mit de Festung und drei Tagen Fest -Das L entscheiden, ob < Ein Acihnbedlei er in einer Seid Halle. Irr roui und zu 14 T Religwnsslörum l a sl e r u i! g sei, fri fei ÄF ein voN ÄA.1 testet f L--°-1" i^Zickcn M'^brackten & s1 mildernde Urnflc ton wegen viel c^ahre Gesa mit drei Lo Angeklagten^ esmufteabcrn Trier, 3.! eaargrube ,Altei sckiveroe übe daliniffe W mWon in Ar loren, zwei Berc Bromder Betr: Ksenbatz „Mr die p Huss Ausführung M Felde Vorgel Tie beteilig ]a)e Kehillderui Schonung bei _ Tie Ewßh. §ue-lborn, tzarö> 'öemngen und auch die FeW ließen, Al Werkes und bes ueüh Vorschrift bp WH Gießen, bei Gros 1 rUnWni *9, 20§ 0 Malier? 2 UN'fchn 5oo m j Oa- ,80 cbm x 3 “Men 600 H j tatfaS!b,t[i $tt Si. einem Lastzüge zusammen. 4 0 93 er so n en mürben n er letzt. In der span. Provinz Malaga tlN^Er^st^oß^veripurt^worderr. ~ (öicncner'eFraftammer. ist ein Streit ausgebrochen. Bei Werßenhöhe und Qlatfel fteüten loOU Flößer die Arbeit wegen 2obnftreüigfeiten em, sodaß die nach den Provinzen Braudenbnrg und Pommerii beftimmten Holztrasten nicht weikerbeiörderk werden können. Märkte. ndbl. meldet, ist im )en, das an ®enirf» enigenjena in Zaalseld wurde sr bürget Kraulen- t. •e tielnngenll toäerploficn, bei, t Puloergas den i) explodierte bist setzt gesunden, [tött, Än M SM derÄtadt- : anscheinend durch , hervorgerufen toor- Tabakspjiis! in der »eträgt die Zahl l« eil. das Duell. Mr in beruflicher Eigen- cht, eine recht ernste feine Garantie dafür, ;t werden; lehnen Ile M di- ch-° n. Da m SlMiar t, beschloß jimgsl - laouner der Provinz rcigen PvjlwsA tzungen statt, 1M jflüon, undes wurde lautet: em Widerlich IW rztes, der t sondern vor allem willen GesMPunde u--°-d«^ s** ^'aki Ul*®" LZS !töie'en*».flnet Haden, ^^dieWna aden, öen EM 9e® Ausbruch- A&S von j- vt Staub Ö« wurde em )hzucker wM° lflng Lo>chb°E'^tzerivlS ^tllla9lrf ge>ch^ äks tz-AU i *ö IL. v. — l 'N be ein 6‘lDe' Mi -AW «SS r-tzr ng dks sL °r :«Ax ^87» 'ben, deren 9L, «w»ra« ■SffÄ »I-ir-chl btr^7n Ulli tep.tor. kis. Dem eS Se' iuntQl da A beemtlächtlm emichränlen ■$t tbtno Ar. **» und btt Ein- Müh da L « ton oiunntia -erwendbarkeit des Jade, weiche bo mtcht, ton denen W starke Luser wnn sie auch aus Zungen mit ihren ; deutschen Säufer n Lnunatra-Dabak Mich doch auch ewerb treten. Die irre hat ein prim, crenhersttller rusen daß sie die ML» Nvendrn. Indessen ch allmählich mehr daß das Deckblatt umatra-Tabak tot» vorhanden. Arbeiterbewegung. Trier, 8. Mai. Aus die kürzlich von der Belegschaft der Saargrube „Altenwald" an den Handelsminister gerichtete Be- schweroe über Mißstände und schlechte Lohnver- l; a l t n i s s e stellt der Minister eine U n t e r s u ch u n o s k omni i s s i o n in Aussicht, die aus einem Oberbergrat, zwei Werldirek° loten, zwei Bergmeistern und drei Arbeitern bestehen soll. B r o m b e r g, 3. Mai. Unter den Holzslößern der Netze <ßcrid?t$iaal. Aachen, 2. Mai. Das Schwurgericht verurteilte den Gerichtsvollzieher Gutjahr-Gemund wegen Unterschlagung amtlicher Gelder in Höbe von 5000 Mark ju einem Jahr drei Monaten Gefängnis. (B. T.) B r e s l a u, 3. Mai. In dem Entschädigungsprozeß des Arbeiters B i e w a l d gegen die Stadtgeinelnde Breslau, in ivelchem Biewaid wegen seiner, von einem Schutzmaiiti ihm abgehackten Hand, Ansprüche stellt, die von dem Oberlandsgerichte für dem Grunde nach gerechtserugt erklärt worden waren, legte die Stadtgemeinde jetzt Revision beim Reichsgericht em. Dresden, 4. Mai. Die Strafkammer verurteilte den Studenten der Technischen Hochschiile, L ü ck e wegen Pistole n- duells nut dem Leut nantvonBoxdorf zu 3. Monaten F e sl n n g und den RarteUträger Kaufmann Kühne aus Leipzig zu drei Tagen Festung. . , . — Das Lemberger Strafgericht hatte darüber zu entscheiden, ob es gestattet sei, Christus einen Sozialisten zu nennen. Ein Bnhnbedlensleter war wegen Religionsstörung angellagt, weil er in einer Leichenrede für einen Genossen diesen Ansdrnck gebraucht hatte. Er wurde der Religions-Beleidigung schuldig gesprochen und zu 14 Tagen A r r e ft verurteilt. Bon der Anklage der Religionsstörung wurde er freigesprochen, weil es keine Gottes- l ü st e r u n g sei, E h r i st ti s e i n e n S o z i a l r sl e n z u n e n n e n. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter bicicr Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem ^uoünim gegenüber keinerlei Verantwortung.) In der gestrigen Nummer des „Gieß. Anz." regt ein Ungenannter die Prägung einer Münzezu r 2 r e i & u b e jahrseier unferer alrna mater an und bnnerkt dazu, daß eine Münze wohl eher ein Erinnerungszeichen vorste len wurde als eine „papierne Drucksache". Em freund der Wtssmschasten schem der ungenannte Herr nid)t zu sein, er wurde ,on,t s>)^erlich nicht die zum Jubiläum erscheinenden Feftfchriften nut einem fo gering sckM^gen Ausdruck belegen. Eine Denkmünze mag als ein gerechd» fertigtet und charakterlitisches Erinnerungszeichen für patriotische, H Gießen, d. wcau Gewerbsmäßiger Diebstahl und Hehlerei. Im verflossenen Winter wurden hier eine Rech-- von Diebstählen ausgeführt. Einem Bauunternehmer kamen drei Radsätze im Werte von 45 Mk. abhanden, cm Weitzbindermeister vermiß in feinem Neubau 8 Meter Bleir^ im von 35 Mk., ein Fabrikant bekam aus em em in der Nahe der Stadt befindlichen Garten einen Wasierbehaltor aus Zink im Wert von 35 Mk gestohlen, während andere stletbunQdftude und Wert- zcuge verschiedener Art gestohlen wurden. Nicht,wmig überrascht waren vier Hausbesitzer, als ihnen die kupfernen Waicy- kessel aus den Waschküchen verschwunden waren, nachdem man diese aus dem Mauerwerk herausgebrochen hatte. Tw Gegenstände waren zumteil mittels Einbruchs bezw. Einsteigens ent» nnrnbei worden. Als Täter wurden alsbald die Tag lohner -<£ S. und K'. W. von Wieseck in Haft genommen, die sich schon längere Zeit arbeitslos in hiesiger Stadt umbergetrieben hotten Sie gestanden ein, das Metall außer den Kupferkeswln in Stücken zerhackt bei Althändlern abgesetzt zu haben. Xie Steffel brachten sie zu dem Obst- und Althändler K Sch. hier, weshalb dieser wegen Hehlerei ebenfalls in Unter]uebung gezogen wurde. Wahrend die zwei Diebe im Wesentlichen em Geständnis ablegten, bestritt Sch., von dem unredlichen Erwerb Kenntnis gehabt zu haben. Doch eine Reihe von Umstanden, insbesondere daß man ihm die Kessel zur Nachtzett gebracht bat und daß er einen geringen Preis dafür zahlte, um sie spater zu einem roeit höheren Preise zu verkaufen, ,ließen.daraus schließen, daß er annehmen mußte, die -Lachen seien, nicht auf redlichem Weg erworben. S. wurde wegen sechs, emsachen und vier schweren Diebstählen zu einer Gesamtstrafe von junf Jahren Gefängnis und zu zehnjährigem Ehrverlust verurteilt. Bei ihm liegt Rückfalldiebstahl vor,, doch wurden ihm milbembe Umstände zugebilligt. Ter noch lugendliche W. bekam wegen vier schweren und vier leichten Diebstählen zw er Jahre Gefängnis und fünfjährigen Ehrverlust, wahrend der seither noch unbestrafte Sch. wegen einem Fall der Hehlerei mit drei Wochen Gefängnis durchkam. Bezüglich aller Angeklagten waren einige Fälle mehr unter Anklage gestellt, eäi mußte aber mangels Beweises Freispruch eintreten. markt war vom Wetter schlecht begünstigt. Trotzdem waren 1853 Schweine, meist Ferkel, und 26 Stuck Rindvieh aufgetrieben. Ter Handel in Schweinen war flau, doch hielten sich die Preise. Es kosteten Ferkel, ca 8 Wochen alte, 45—55 Mk., ca. 10 Wochen alte 55-60 Mk. das Paar. Tie Rindviehpreise waren wie either hoch. 2er Krämer marft war nut Standen gut bc etzt, hörte aber infolge das schlechten Wetters bald nach Mutag^uf.__ ADsjDft Kus dru 5Unßr5BBil6rttiifit;u der Sinöi Gie^v. Aufgebote. April 24. Wilhelm Metz, Kaufmann dahier, mit Elisabethe Schneider in Ober-Ofleiden. - 25. August Sieger, Hiilfswelcheu- sleller in Klem-Linden, mit Elisabethe Wallewels öabjer. — 28. Ludwig Müller, Taglöhner dahier, mit Elisabethe Bolz m Alten-Buseck. — 29. Wilhelm Werner, -Lchreiner, nut Barbara Kuiuqimde, gen. Tom Herold, beide dahier. - Heinrich Stock Sansiätssergeant dahier, nut Paulme Wild m Lüdenscheid. - Karl Kurt Spannann. Photograph ui Stegen, .^t Klara Anton.e eenfert, geb. Ültuller, dahier. — Mai 1. Adolf Motst, Bietzger, mit Henriette Schwarz, beide dahier. — 2. Konrad Stoi, Strecken' nrbciter, mit Margarete Kolm, beide dahier. — Karl Aiwrae, Buchhalter, mit Etuabeihe 'Mahr, beide dah.er. — 3. Karl Horst, Forstqehülfe in Hilden, mit Luise Lentz dahier. — Georg Korbei, Kaufmann in Kassel, mit Elisabeth Bolbeth dahier. Eheschließungen. April 27. Christian Amend, Tiensiknecht, nut Margarete Wagner, beide dahier. — Wilhelm Ruhl, Metzger, nut Pauline Friederike Rembold, beide dahier. — Philipp Schwan, Schuhmacher, mit Atari e Bühler, geb Gobel, beide dahier. - jjlai 1. Friedrich Wilhelm Sloll, Mützenmacher m Bstbel, nut Anna Arnold dahier. Geborene. . . April 20. Dem Großh. Steueraufseher Georg Ludwig Heinrich Beck eine Tochter, Emmy Elisabeth Marte. — 22. Dem Rohrleger Kaspar Lenz eine Tochter. — Dem Großh. Amtsrichter Friedrich Schititzspahn eine Tochter, Marie Luise. - 23. D^nMetzgermetster Emil Ktmvel ein Sohn. - 24. Dem Friseur Georg Wahl em Lohn. — Dem Kutscher Johannes Widmann ein colm, Wilhelm. — 25. Dem Schlosser Franz Jung ein Sohn, Franz C-Hrtstian. — 27. Tem Schlosser Franz Otto ein Sohn, Emil tfranj. —-8. xem Hülisbremser Johannes Weitzel eine Tochter, Margarete Ehristiane. — Tem Fabrikarbeiter Karl Heßler eine Tochter, Elsa. — ^tem Hülisbremser Adam Kaiser eine Tochter, Marte. — -9. ~ein Schlosser Gerhard Schepers eine rochier, Jlmalte 2herefe. 30. Dem Kaufmann Franz Wilhelm Bette eme Tochter, Märta Theresia Elisabeth. - Tem Großh. Landgenchtsdirektor Wilhelm Bücking ein Sohn, Karl Adolf. Gestorbene. April 26. Heinrich Pabst, 25 Jahre alt, Gerichts,chretber- aspirant, Vahichofstraße 39. — 27. Karl Theodor Krailmg, 78 Iahte alt, Rentner, Süd-Anlage 22. - 28. Konrad Marx, a , Runmermetfter, Grünberger etraue 2. — 29. Elisabethe Letschet, geb. Seibert, 66 Jahre alt, Rtegelpfad 35. — 30. £ma Rreuter, geb. Rühl, 57 Jahre alt, Neuenweg 9. — Lma Gunther, geb. Moser, 42 Jahre alt, Walltorstraße 7o. — Mat 1. iZnednch Seibel, 55 Jahre alt, Kaufmann, Ludwigstrasze 31. Bekanntmachung. Los 1 Los 2 Los 3 behäliers von 200 cbm Inhalt, umfassend die Herstellung von 1800 m Gußrohrleittung, 500 m Anschlußleitiingen und eines Hochbehälters von 80 cbm Inhalt und umfassend die Herstellung von 1400 m Gußrohrleitung, 500 m Anschlußleitungen und eines Hochbehälters von 100 cbm Inhalt. Vergebung m Wchrleitullgsarbeilen. Die Arbeiten und Lieferungen für die Herstellung der Hochbehälter und der Ortsnetze für die Gemeinde Lollar, Staufenberg und Rtaiiizlar sollen im Wege schrift- Amttlcher Herl. Kckanntmalymtg. Betr.: Eisenbahnbau Lich-Grünberg. Für die projektierte Nebenbahn Grünberg-Lich werden behufs Ausführung der speziellen Vorarbeiten zurzeit Absteckungen im Felde vorgenommen. t . Tie beteiligten Feldbesitzer werden hierdurch ausgeforderi, jede Behinderung dieser Arbeiten zu unterlassen und auf Schonung der Absteckungen bedacht zu sein. Die Großh. Bürgermeistereien der Gemeinden Grünberg, Queckborn, Harbach, Ettingshausen, Münster, Ober- und Unter» Bessingen und Lich wollen solches ortsüblich bekannt geben, auch die Feldschützen mit entsprechender Weisung versehen. Gießen, den 27. April 1907. Grotzyerzogltu^s Kr^isamt Gießen. I. B.: Dr. Merck. Angebote sind bis zum 22. d. Mts., vormittags 10 Uhr auf dem Bureau des Unterzeichneten abzugeben, wo dann die Eröffnung derselben in Gegenwart der erschienenen Bieter stattsindet. Tie Pläne und Bedingungen können auf dem Bureau de§ Unterzeichneten eingesehen werden und Angebotsformulare dort gegen Erstattung der Herstellungskosten entgegen genommen werden. Gießen, am 4. Mai 1907. Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen gez. Diehm, Baurat. [B4/6 lichen Angebots vergeben werden und zwar umfassend die Herstellung von rd. 6000 m Gußrohr- leitung, 1500 m Anschlußleitungen und eines Hoch- Der Entwurf des Voranschlags der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1907, vom 1. Avril 1907 bis Ende Marz 1908, .sowie die Voranschläge des StadtcrwciterungSfonds, des Elektrizitätswerkes und des Gas- und Wancrwcrkcö mr dteielbe Zeit liegen nach Borfchrift des Artikel 83 der Städte-^rdmmg vom 6.—14.2)ittt auf dem Lürgermeisterei-Bureau — Rimmer "to — während der gewöhnlichen Geschäftsitunden zur Emficht der Beteiligten offen. Gießen, den 4. Mai 1907. . Großberzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Die Rooustraße. Eine Strage heißt nach Roon, Kennt ihr diese Straße schon? Links sind Steine, rechts sind keine, Ader brecht euch nicht die Beinei Bleibt von dieser Straße weg l Sonst verschwindet ihr un Dreck! Tie Laterne, ach wie gerne Würde sie euch leuchten ferne! Eine einzige — liebe Zeit — Strahlet in der Dunkelheit. militärische Gcdentfeiem gelten, zur llnwerfuatsfeter halte ich über eine „papierne Drucksache" sicherlich für angebrachter. Soviel mir bisher bekannt geworden ist, bestehen die „pavternen ä-^uck- fachen" zur Treihundertiahrfeier der llnwersität aus nachsteyenden drei literarischen Festgaben: _ . 1. einer umfangreichen wissenschaftlichen Festschrift der llnt- versität (Verlag von A. Töpelmann), _ 2. einer Festschrift des historischen Vereins, „die Universitäten Gießen und Mainz" (in Kommission bei Emil Roth), 3. einer Monographie der Universitätsstadt Gießen in cwrur eines illustrierten Wegweisers (Verlag von Emil Roth). Wenn die Universität sowie der historische Verein einer wiffen- schaftlichen Ehrenpflicht Rechnung tragen, um den akademisch gebildeten Festgästen eine Illerarische Erinnerungsgabe zu einer jo wichtigen Gedenkfeier zu bieten, so muß es geradezu als abiurd bezeichnet werden, solche Geistesleistungen „papierne Drucksachen" zu nennen. Es mag ja richtig fein, daß solche literarischen Festgaben nicht für jedermanns Geständnis geschaffen werden, sie hüben aber für eine Universitätsfeier ein charakteristischeres Wahrzeichen, als eine Denkmünze, die nach kurzer Zeit in irgend einem Raritätenkasten ihr unberühmtes Dasein fristet. Aber auch die dritte Feftfchrift erhebt sich sicherlich weit über die Bezeichnung einer „papiernen Drucksache", weil sie nach alledem, was man bisher aus den Anzeigen ersehen konnte und was besonders die verschiedenen angeführten i'iitarbcücr zu versprechen scheinen, nicht allein texllich, sondern auch künstlerisch eine sehr interessante Festgabe zu werden verflicht. eine Denkmünze der Stadt und der Universität, was nützt fie dem Besitzer, der damit fein Anrecht hat, sie zu tragen? Was kann aber ein reicphalliger, gut abgefatzter Weg- rocifer dura) unsere Universitätsstadt der Smdt und der Universllät für Nutzen bringen, zumal wenn er seinen Weg weit hinaus über bie Grenzen unseres Laubes nimmt unb der Universität Gießen einen Namen zu machen Hilst. Solche „papierne Drucksachen" sind jebensatls nützlicher unb bauernber als bie vorgeschlagenen Münzen aus Bronze unb Erz. Für solche „papiernen Druck- achen" sollte auch berjenige, bet Büchern kein Verständnis ent* legensubringen vermag, ün Interesse feiner Vaterstadt nur dankbar sein. Gießener Wetterdienst. Doransstchtliche Witterung für Hesten am Sonntag den 5. Mai: Bleist trüb. Regenfälle. Temperatur wie heute. Starke ivcltlciie Wuibe. Original-Drahtmeldungeu. Paris, 4. Mai. Die antii'emllische .Livre Parole" ber> öfsentsicht einen Artikel ihres Leckers Drumont über die jungst: Rede des Fürsten Bülow. Drumont erklärt bann, datz die Rede sehr weise unb gemäßigt erschein:. Es sei eine f)ieoe, weiche bem Lande zur Ehre gereiche unb einen hohen Begriff gebe von dem Ernst seines intelkftueiUn Leiters unb» der mvrasiichen Haltung eines' Volkes. . r r Brügge, 4. Mai. Ein Attentatsversuch ivurbc gegen d-n Aög Gilles be Pelichh verübt. Vor bessen Hausey wurde eine mit Nitro-Glheerin unb Pulver gefällte Blechbüchse gesunden. Es gelang jedoch, bie brennende Lunte zu lvfchew und eine Explosion zu verhüten. Frau Lina Günther Wwe. geh. Möser sagen herzlichen Dank Die trauernden Hinterbliebenen. Nestle’SKmehT für Säuglinge, Reconvalescenten, Magenkranke.- Danksagung. Für die vielen Beweise der Anteilnahme bei dem Ableben unserer lieben Mutter, Schwester, Schwiegertochter, Schwägerin und Tante Giessen, den 4. Mai 1907. Zu mieten gesucht: 38 Wohnungen von 1—7 Zimmern. Ltüdtischer WeiAnWis ßitgen. Garteuttraße 2, Zimmer 2. KM 2°S«-n»I°r, 2 Schmiede, 1 Wagenlackierer, 1 Seiler, 1 Tapezier, 2 Holz dreh er, »Schreiner, 1 Putzfrau, 1 Flickfrau, 2 Waschfrauen, 2 Schneider, 2 SchubEcheril Friftur7 24 Installateure, 1 Kanalarbeiter, 2 Hmidlanger. 1 Komptoirarbeller. für halbe Tage, 1 Bureaugehilfe, mehrere jugendliche Fabrllarbeiter, o jüngere Hau»- unö Fahrburschen, 4 Xüuiirraueu, 2 Laumiädchen, 1 jüngerer unverheirateter Diener, 1 Kutscher (rur Arzt), a Dienstmädchen. Lehrlinge: 2 Schlosser, 1 -iechamker, 2 Backer, 1 Schneider, 1 Friseur, 1 Installateur, 1 Schreiber. i"Buchbuider,*'l Näherin ober Flickerin, 1 Kutscher, 1 Buchdrucker, 1 Installateur, 1 Lagerarbeiter oder Packer, 1. Dienstmädchen obe?Kindermädchen, 2 Arbeiter Pari» v- «t Lcuia: Gold. 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