Dienstag 31. Dezemder 1907 Nr. 306 Erstes Blatt 157. Jahrgang monatlich 7b Vs.,oienel- jährlich M. 2.30 durch Äbdole- u. Awergstellen monatlich 65 151.. durch die Post DlL *L— meriel* jährt «uSichl. BesteUg. 3nlenjprei6: lokal Ift'ßt, ousioärtfl ZG Plennig, Ve ra n t m» et ltch Iüt den polhüdxp teil; L Anderson. 1. ^euille- tx>r. und ,iterniitct)leg* W*JuU«6onnm"fle. /MM Q P AfeAliAy j| ttlAi >A HSiölvhvIlvl 4ll]uUv lchluhl.d. Reduktion 113 SsSJä Gellekül-Mjeigtt für Obechessen «äü.*^ h vo!muS"w uh" Rotationsörud «nd Verlag -er vrühl'Ichtn Univ.-Voch- un- Steivdruckerei. S. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei- §chul?tr«tz» 7. !a“‘',a®„d?B Die yeutige Kummer umfaßt 12 Seiten. Zum Iaßrcswcchlel. E. A. Gießen, ben 31. Dez. 1907. Wieder ist ein Jahr dahin, ein inhaltschweres Stück Lebmvlchickfal für den einzelnen Menschen, ein kurzer, sehr kurzer Zeitabschnitt in der Geschichte eines Volkes und einer Kultur und beinahe ein Nichts im Hinblick auf die Ewigkeit. Mag man einem solchen Zeitabschnitte im philosophischen Sinne auch die absolute Realität und Wirklichkeit absprechen und mag man das Jahr selbst für ein künstliches Produkt und eine mehr oder weniger willkürliche Zeiteinteilung erklären, für uns behält der Jahreswechsel doch eine tiefere Bedeutung. Wen stimmt es nicht wehmütig und doch auch wieder froh zugleich, wenn die Silvesterglocken den Schluß des alten und den Anbruch des neuen Jahres verkünden? Was uns das alte Jahr an Freude unb Leid gebracht hat, wissen wir, und in dieser letzten Stunde des Jahres zieht dieses alles noch einmal an unserem geistigen Auge vorüber. Was uns das neue Jahr dringen wird, wissen wir nicht. Wird es uns Glück bringen oder Unglück? Wer vermag es uns zu sagen, ob dieses neue Jahr nicht das letzte unseres Lebens sein wird? Mit Mehmut begraben wir das alte Jahr unb mit tzosst nung begrüßen wir das neue, unb es ist eine schöne Sitte, daß man beim Jahreswechsel seinen Lieben, seinen Freunden unb seinen Bekannten Glück wünscht, also Erfüllung der schönsten unb besten Hoffnungen. Wenn man sich auch sagen muß, daß wahrscheinlich doch wohl nicht alle Hoffnungen unb Wünsche Erfüllung finden werden, ja vielleicht keine einzige, so hat man doch das tröstende Bewußtsein, nicht allein zu stehen in der Welt. Man sieht sich von mitfühlenden Menschen umgeben, von Menschen, die wie wir -selbst leben und streben, bangen und hoffen. Bei allem Widerstreit der Interessen, der geistigen sowohl wie der wirtschaftlichen, der politischen sowohl wie der sozialen und nationalen gibt es doch des Einigenden unb des Gemeinsamen so viel, daß das Gefühl der Zusammengehörigkeit in uns nie ganz getötet werden kann. Je besser wir dieses einigenbc erkennen und unser Wirken unb Schassen im Cebfzi daraus richten, um so besser werden wir bann auch uns selbst unb unseren Mitmenschen nützen. Nach Glück streben wir alle, aber daß ein Glück auf Kosten anderer kein wahres Glück sein kann, sagt uns alles edlere Empfinden in uns, sagt uns allein schon eine flüchtige Ueberlegung. Dieser Gedanke ist der heutigen Generation bereits längst in Fleisch und Blut übergegangen, und mag man unsere Sozialpolitik in gewissen Kreisen unseres Volkes jetzt auch noch jo sehr herabsetzen, sie ist doch eine nicht wegzuleugnende Betätiguüg jenes Gedankens der Zusammengehörigkeit und Gemeinsamkeit aller Bevölkerungs- jchichten. Tie bitteren Lehren, die wir einstmals, in der Zeit der politischen Zersplitterung unseres deutschen Volkes gezogen haben, sie Huben uns auch den neuen Weg unserer Starke gezeigt. Vieles haben wir auf diesem Wege schon erreicht, aber außerordentlich viel müssen wir noch erreichen. Aeußerlich ist das deutsche Reich zwar geeint und wohl keine Macht der Welt wird es jemals wieder aus- einanderreißen, aber im Innern ist doch noch viel Zerrissenheit und Uneinigkeit. Hier bleibt dem wahren Bater- landsfreunde noch viel zu £un übrig, denn es tut not, daß wir auch im Innern fest zusammenhalten, uns immer besser verstehen lernen und unter gegenseitiger Achtung her Meinungen und Ueberzeugungen einig bleiben in der Liebe zu unserem gemeinsamen Vaterlande. Als ein politisch starkes, nach außen und innen geeintes und gefestigtes .Volk sind wir aber erst in der Sage, auch für die übrige Menschheit zu wirken und neue Ewigkeitswerte zu schaffen. Wenn uns jetzt beim Beginn des neuen Jahres allerorten ein frohes Prosit Neujahr entgegengerufen wird, so dürfen wir es froh erwidern, denn jeder dieser Neujahrsgrüße erinnert uns daran, daß wir Menschen eines Ortes, eines Landes und vor allem einer Zeit sind, und daß diese Zeit das stärkste aller Bande, uns Menschen der Gegenwart allen anderen Zeiten gegenüber in Leid unb Freud zusammengeschmiedet hat zu gemeinsamer Arbeit. Damit sie uns gelinge und damit unser Leben uns nicht nutzlos dahinflietze, rufen wir uns zu: Ein glückliches neues Jahr! politische Tage»scha». Völlige Sonntagsruhe. Reichstagsabg. Köhler-Langsdorf schreibt uns: „Es gereicht auch mir zu ganz besonderer Freude, aus Ihrem Blatte (Nr. 303 vom Freitag d. 27. Dez. 1907, 1. Bl.) zu ersehen, daß auch Sie der völligen Sonntagsruhe im Handelsgewerbe Ihre Hilfe leihen. Denn die fortschreitende allgemeine Erkenntnis, daß die völlige Sonntagsruhe eine Vorbedingung sei — ich gebrauche die eigenen Worte Ihres Leitartikels — „zur Hebung der materiellen und sittlichen Wohlfahrt der Völker", bedeutet einen eminenten Fortschritt der Kultur. Wir sollen diesen Fortschritt fördern und pflegen mit allen unseren Kräften, unb nichts sollte uns abhalten, zu versuchen, den Widerstand derer zu überwinden, die aus Gründen des Egoismus und um ihres vermeintlichen eigenen Vorteils willen irgend eine Gegnerschaft gegen die völlige Sonntagsruhe überhaupt in die Erscheinung treten lassen. Besonders auch halte ich dafür, daß den Angestellten und Bediensteten des Gastwirtsgewerbes eine weiter- gehende Sonntagsruhe, als die sie jetzt besitzen (ja, die sie eigentlich nicht besitzen) gesetzlich zu gewährleisten sei. Ich halte es dazu für unbedingt erforderlich, daß der össentlicheVerkehrderPost, der Telegraphie und auchderEisenbahnenan den Sonn- und Feiertagen auf das allernotwendigste einzuschränken sei. Denn nicht ein Sauftag soll der Sonntag sein, nicht ein Anlaß dazu, um wie besessen auf der Eisenbahn und aus anderen Vehikeln mie toll im Lande herumzufuhrwerken, sondern ich meine, der Sonntag sei einzig und allein-) azu gemacht, auf daß „Mensch und Vieh ausruhen von all ihrer Arbeit" und neue Kräfte sammeln. Der jüdische Sabbat und der englisch eSonn tag, f i e feien unser Ideal! Niemand wird sagen können, daß Juden und Engländer durch ihre strenge Sonntagsruhe und -Heiligung ärmer geworden wären; im Gegenteil, beide sind die reichsten Völker der Erde und wahre Weltherrscher geworden. — „Trotzdem" oder „weil", wer entscheidet die Frage? Möchte uns das neue Jahr auf dem Gebiete der Er- ftrebung völliger Sonntagsruhe für alle Stände einen tüchtigen unb handgreiflichen Fortschritt erbringen! Das ist's u. a., was ich unjereut deutschen Volke ganz besonders noch wünschen möchte zum neuen Jahre!"- Zum Tode HinzpeterS. Bei den Hinterbliebenen des verewigten Geheimrates Hinzpeter sind Beileidstelegramme eingegangen vom Kaiser; der Kaiserin, dem Prinzen Heinrich unb der Großherzogin 2uise von Baden. Das Telegramm des Kaisers ist an den Schwiegersohn des Verblichenen, v. Dittfurth, gerichtet und lautet: Ihnen uno Ihrer lieben Frau spreche ich zu dem großen Verluste, die Sw mit mir erlitten haben, inniges, tiefgefühltes Mitleid aus. Was mir bei: Verstorbene gewesen ist, werde ich für alle Zeit in bau£6arer .Cclnncrung bewahren. Sind mir doch die Eindrücke, die ich in jungen Jahren von seiner starken und edlen Persönlichkeit empfangen habe, im späteren Leben für mich in mehr als einer Richtung bedeutungsvoll gewesen. Es ist mir heute eine wehmütige Freude, daß ich den Heimgegangenen vor wenigen Monaten noch einmal habe" begruben unb habet in gewohnter Weise manches Kluge unb Gute yabe vernehmen können. Möge sein Andenken gesegnet sein! 2aft 1877" eröffnen, die bereits am 11. Januar in den Sälen von Su'.t's Gerten ihr 31. S t i s t u n g s s e st in gewohnt glanzender Weise leiert. Waren die ltPjühc^en Vermistmtuugen Srrandfeste, so luerj.n wir diesmal dweck in bad feuchte Element hmeingesührt. Doch fie brauchen nicht zu erschrecken, schöne Leserin, es ist vvlltommen gei'ai,r_§, und nicht einmal ein nasses Füßchen werden Sie sich dabei holen; auch werden Sie finden, baß es „dort unten" ober gar nicht so sürchterllch ist, wie der tuudjenbe Knappe erzählt. Kühüövrn unb Uacknne lassen, uns einen Blick in ihr Walwerreich werfen, wo sich reizeiwe Nstchen und Nympl)en tummeln. „Im Rerche des Wassers"' so lautet Der Titel des Feft- spieli.s, der,aßt von der westfutcfchen Dichterin Johanna Baltz, welches zur Aufführung fonuuL Prächtige Dekorationen werden dem ganzen einen glanzvollen Rahmen geben und dazu bei* tragen, daß es wieder ein Z^est gibt, das sich feinen Vorgängern würdig zur Seite stellen kann. ** Lehrerpersonalien, lieber trag eit mürbe bem Lehrer Hch. Kurz zu Treis a. Lda. eine Leyrerstelle an der Gemeinoeschule zu Mainzlar. Bestätigt wurde der von dem Freiherrn v. Leonhardt zu Groß-Karben auf die 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu äckem-Karben präsentierte Lehrep Wilh. Söbler zu Groß-Karbem ** lieber die Anlage einer Automobil-» renn bahn im Taunus fand im Magistratssaale des Frankfurter Rathauses eine vom Regierungspräsidenten von Meister ein berufene Konferenz zwischen Vertretern des Bezirksverbandes der Stäbte Frankfurt unb Homburg sowie der Nachbarlreise, ferner der Delegierten des K. A. E. und des Vereins deutscher Motorfahrzeugs- tnbuftrieller statt. In der Sitzung wurden die Vorteile, die der Stadt Frankfurt und der Taunusgegenb dadurch zufallen würden, die technischen und finanziellen Gesichtspunkte gewürdigt und hervorgehoben. Definitive Abmachungen konnten nach Lage der Sache nicht getroffen werden. Jedenfalls besteht aber kein Zweifel, daß die Taunusprojekte durchaus geeignet sind, gegenüber denen für die Eifelgegend bestehenden in engere Wahl zu treten. Vom Berliner Kaiserlichen A.-C. waren anwesend Graf Sierstorpf und Geheimrat Dr. v. Friedländer. ** Bei der gegenwärtigen Witterung sollten Zugtiere niemals länger als unbedingt erforderlich und niemals unbedeckt im Freren stehen gela,sen werben. (Liehe poliz-ei- liche Bekanntmachung im heutigen Blatt.) ** Die Eigentümer der an den Straßen liegenden G r u n d st ü tt e sind verpflichtet, die F u ß st e i g e von Schnee und Eis zu reinigen und evtl, streuen zu lassen. = Großen-Bus eck, 30. Lez. Bei der am 29. l. M. abgehaltenen Generalversammlung des Turnvereins wurde einstimmig beschlossen, von einer diesjährigen Winter- sestllchkeit abzusehen und dafür im Juni ober Juli nächsten Jahres daL 9jährige Stiftungsfest, verbunden mit Fahnenweihe, zu feiern. 4- Watzenborn, 30. Dez. Neben dem bereits bestehenden Konsum-Verein wurde hier noch ein neuer Kon- sum-Verein m. b. H. gegründet. Bei der am Samstag abgehaltenen Versammlung wurden in den Vorstand bie Herren Balth. Happet IV., Vorsitzender, Georg Jung IV., Rechner, und Joh. Fett V., Kontrolleur, der Schreinermeister Balth. Burk, Lagerhalter; in den Auf- sicytsrat wurden die Herren Ludwig Jung, 5tarl Gilbert, 'Jakob Reitschmidt, Joh. Junker, Karl Weiß LL und Karl Burk, ferner ais Stellvertreter: die Herren Christoph Hav- pel und Karl Dietz gewählt. Bis jetzt yählt der Verein schon ca. 30 Mitglieder; es ist zu erwarten, daß er sich unter der erfahrenen Leitung recht gut entwickelt. ch Friedberg, 30. Dez. Im abßelaufeuen Jahre ist zur W eitere ntwicklungunsererStadt manches geschehen und außerdem sind mehrere neue Projekte ausgearbeitet worden. So hat die Stadtverwaltung beträcht- Itche Gelänbemassen an fast allen Stellen, die für die Stadt ein Interesse haben, erworben; es wurden Pläne zur Herstellung neuer Spaziergänge um die Stadt und am Burgberg hergestellt und genehmigt, das Rathaus umgebaut und ein neuer Rathaussaal eingerichtet, ferner das Gewerbe- gerecht, eine neue Friedhossordnung, städtische Straßen- reinigung usw. eingesührt. Endlich schloß sich auch die Stadt an das staatliche Gruppenwasserwerk Lauter an. Von besonders großem Einfluß auf die Fortentwicklung der Stadt wird aber die für 1908 bevorstehende Ausführung der folgenden Projekte sein: Volksbad, Waszer- und Ausjichtsturm, Turn- unb Festhalle und Kanalisation. chVomVogelsberg,30. Dez. Nachdem es mehrere Tage ununterbrochen hintereinander geschneit hat, liegt < Für Leb Im Ihr Der im Krieg und Frieden. Der Jahresbericht zeigte, daß die Ortsgruppe nicht müßig gewesen ist; u. a. wurde wieder ein Doppel-BügelkursuS abgehalten, ferner, wurde ein sehr bequemer Krankenfahrstuhl angeschafft. Die Wirksamkeit unserer Gemeindeschwester erfreut sich allgemeiner dankbarer Anerkennung und Mithilfe, besonders auch der hiesigen Sparkaffe sowie dec Gewerkschaften ,Gebr. Stumm" und .Gießener Braunsteinwerke". — Nach Erstattung des Jahresberichtes gab Pfarrer Vömel einen interessanten Ueberblick über das Leben und den Bildungsgang der blinden und taubstummen Helene Keller in Nordamerika. — Wir wünschen dem Verein weiteres ersprießliches und gesegnetes Wirken. (fc.) Oberursel, 30. 2-ez. In Paris starb im 45. Lebensjahre der Bekleidungskünstler Jaquin mit Hinter- lassung eines Vermögens von ca. 50 Millionen. Jaquin war ein geborener Oberurseler und hieß eigentlich Isidor Jacob. Als junger Bursch ist er mit dem Ranzel au: dem Rücken von hier fortgewandert. Damals besaß er nicht den geringsten Anfang auch nur von einer Million. wohl, du Erdenland, nun muß ich wandern, Sternenflug verweh ich lebenssatt, folgt mir einst und leise schließt mit Tränen Tod des LebenZbuches letztes Blatt. Neujahr. Das alte Jahr hebt leise seine Schwingen Zum letzten Flug ins Reich der Ewigkeit, So wandermüde von des Lebens Stürmen, So tiefgebeugt von allem Erdenleid. Karden. Berlin, 30. Dez. Die Verhandlung beginnt mit der Verlesung der Vernehmung Schwenningers und dessen Gattin. Schwenninger erklärte, er habe Moltke anfangs der 80 er Jahre beim Obertribunalrat Halberger kennen gelernt und ihn seitdem sehr selten gesehen. Er stehe mit ihm auf dem Höflichkeitsstandpunkt. Auch eine Verstimmung bestehe seinerseits nicht. Harden glaube er 1892 in Varzin kennen gelernt zu haben, wo er ihm von Bismarck Und viele schaut es mit verhärmten Zügen, Darin des Lebens Hand die Runen schrieb, Die wandermüde, stumpf und hart geworden, Für die das Glück ein holdes Märchen blieb. tn unseren Bergen der Schnee sehr hoch und bietet für den Wintersport günstige Gelegenheit. Und so treffen denn auch täglich zahlreiche Skiläufer ein, die cm den Berg- abhängen des Oberwaldes ihrem Sport huldigen, besonders ist dies am Hoherodskopf der Fall. Hier hat man auch eine Rodelbahn angelegt. Die Wirtschaft auf dem Klubhaus bleibt den ganzen Winter über geöffnet. R.B. Darmstadt, 30. Dez. Der Fürst zu Erbach-Schönberg, der während der Wintermonate mit Familie im alten Palais wohnt, ist schon seit Wochen nicht unbedenklich erkrankt. Bor vier Wochen erkrankte auch die Prinzessin Edda am Scharlach sieb er. Während in dem Zustand der Prinzessin nunmehr eine Wendung zum Besseren eingetreten ist, ist das Befinden des Fürsten besorgniserregend. -d Darmstadt, 30. Dez. Zu dem Mord in Babenhausen, wo der 28jährige Schuhmachermeister Heinrich Ohl 1L seine 20 Jahre alte Ehefrau in bestialischer Weise ermordete, wird noch gemeldet, daß der Mörder bei seiner Vernehmung alle Einzelheiten seiner Bluttat ruhig erörterte und sich dann ab führen ließ. Nach der Tat hat er sein einziges, etwa zwei Jahre altes Kind zu seiner Mutter gebracht. Man glaubt, daß er den Mord aus Eifersucht begangen hat. Offenbach, 30. Dez. Wie die „Off. Ztg." meldet, ist von der Stadt Ende voriger Woche gegen die Inhaber der Firma Jacob Wolff u. Co. Strafanzeige bei der Königl. Staatsanwaltschaft in Frankfurt a. M. erstattet worden. Einer weiteren Meldung aus Frankfurt Zufolge soll von der Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme der Korrespondenz und Handelsbücher der Firma, insoweit sie als Beweismittel in Frage kommen, angeordnet worden sein. Auch soll von der Frankfurter Handelskammer als zuständige Behörde gegen die Firma Wolff u. Co. ein ehrengerichtliches Verfahren eingeleitet worden sein. Der zur Führung der Voruntersuchung bestellte Kommissar war bereits in Offenbach, um die Akten der Bürgermeisterei einzusehem Man versichert, daß gegen Jacob Wolfs bereits wiederholt Anzeigen ' beim Ehrengericht erstattet worden sind, daß es diesem aber bis jetzt infolge seiner „geschäftlichen Gewandtheit"" stets gelungen ist, den Konsequenzen zu entgehen. Bemerkt sei, oaß der städtischerseits gegen die Firma Jacob Wolfs u. Co. gestellte Strafantrag auf Betrug, Unterschlagung, event. Untreue lautet; auch dürfte eine Verletzung des Börsengesetzes vorliegen. Eberbach gegenüber kommt außerdem noch der Tatbestand des Wuchers in Betracht. Er erinnere sich ferner her Aeußerung Bismarcks, daß ein kaiserlicher Adjutant, der sich offiziell gar nicht mit Politik : beschäftige, auf politische Entschlüsse mehr Einfluß haben könne ; als der Reichskanzler, schon weil er den Herrn öfter sehe' und sich dessen Stimmungen anpasse. Bezüglich der Kamarilla- , Politik habe Bismarck geäußert, wenn solche Sachen so dumm : gemacht würden, daß der regierende Herr die Llbsicht merkt ' oder daß sie von draußen haarscharf nachweisbar sind, so könnt! : sich die Kamarilla nirgends halten. Er, Zeuge, habe diese Aeuße, ' rringen Harden mitgeteilt. Er erinnere sich, daß in seiner Gegenwart und der von Frau von Elbe davon gesprochen wurde daß Moltke, solange er dem Hofe nahestand, Eulenburg über politische Vorgänge und Stimmungen berichtet habe. Er erinnere sich indessen nicht, daß er Zweifel in diese Aeuße- rungen gesetzt habe. Er glaube sich auch der Aeußerung Frau von Elbes zu entsinnen, sie sei von ihrem Gatten in ihr Zimmer eingeschlossen und von ihm entlassen worden. Er glaube sich auch zu entsinnen, daß Frau von Elbe sagte, das Schlimmste sei, daß niemand glauben werde, wie gewaltsam der Graf, den die Welt nur als einen sanften, sentimentalen öerrn kenne, gegen sie gewesen sei. Er könne nicht sagen, ob Iran von Elbe in diesem Zusammenhänge Moltke ironisch drn „Süßen Kuno" oder „Tütü" genannt habe. Diese Ausdrücte seien ihm seit langer Zeit bekannt und auf den Grafen Moltke angewendet worden. Ob Harden von Frau von Elbe außer ben Ehe-Akten Material zur Verfügung hatte und ob Frau von Elbe bei der Weitergabe dieses Materials Verwertung wünschte, wisse er nicht. Er vermute, daß sie durch Harden eine Beschleunigung des Eheprozesses wünschte. Wenn er Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Fran von Elbe gehabt hätte, würde er Harden, dessen schlechten Gesundheitszustand und Ueberbürdung mit Arbeit er kannte, nicht gebeten haben, Zeit an der Sache der Gräfin zu verwenden. Seiner Ueberzeugung nach habe Harden bei der Abfassung der inkriminierten Artikel sich weder von Haß, noch von unlauteren Motiven leiten lassen und auch Graf Moltke nicht als einen unehrenhaften Mann, sondern als das schädliche Werkzeug eines andern bezeichnen wollen und habe dabei als Politiker diese Erwähnung im Interesse des Reichs ■ für nötig gehalten. Er halte Harden für unfähig, sich von anderen als sachlichen Beweggründen leiten zu lassen. Harden )ei auch da. wo er manchem objektiv irrend zu sein scheine, von dem Wunsche erfüllt, nach bestem Wissen dem Vaterland zu dienen. Von dem Erscheinen der Artikel wußte er öorljer nichts. I Bei dem Letzten Besuch Hardens in Schwaneck habe er gesagt, ■ nxe kommen die Leute nach monatelangem Schweigen dazu, plötzlich in den Artikeln etwas zu suchen. Die Gerüchte über ben Grafen Moltke in silllicher Beziehung seien ihm insoferu ■ ZU Ohren gekommen, als er gelegentlich über ihn und seine ' Freunde den Ausdruck „Frontverwechslung" gehört habe. M dieser Ausdruck gefallen sei, könne er nicht sagen, liebet fren schwebenden Prozeß habe er mit Harden nicht korrespondiert Mit dessen Aeußerung, er gehe lieber ins Zuchthaus, als daß er sich mit dem Grafen Moltke versöhne, habe er wohl sagen moHen, es gebe für ihn keine Versöhnung, nachdem ihn Graf Molcke verklagt habe. /Vrau Schwenninger bekundete, sie sei eine Nichte des Grafen Moltke. Seit kr Trennung ihrer ersten Ehe mit Lenbach sei zwischen ihren Verwandten und ihr eine Entfremdung ein getreten. I Eine feindliche Stimmung gegen ihren Onkel habe sie nicht , Mit Frau v. Elbe sei'sie seit 1900 bekannt, als sie in Scheidung mit dem Grafen Moltke lag; sie habe ihr leid getan. Seit I ihrer neuen Ge habe der Verkehr mit Frau v. Elbe fast ganz aufgehört. Sie glaube, daß Frau v. Elbe mit Harden zur Be- . schleunigung ihres Eheprozesses bekannt zu werden wünschte.; Es Tonne sein, daß sie und ihr Mann Harden Einzelheiten.■ aus dem Eheleben der Gräsin Mollke erzählt habe. Bei der ersten Begegnung der Gräfin mit Harden war die Zeugin zugegen. ? iie Gräfin sprach über ihr Eheleben und erzählte im wesent-- lichen dasselbe, was sie vor dem Schöffengerichte aussagte und machte auf die Zeugin einen glaubwürdigen Eindruck. Aus ihrer .^uderzeit habe sie die Erinnerung, daß Kuno Moltke ein etwas ußlicher weibischer Mann war. Seine Freundschaft mit Graf Eulenburg sei ihr unsymphatisch ausgefallen, ohne daß sie an pett)erie Neigungen dachte. Tie Zeugin erklärt, daß Frau v. • zu Harden über Mißhandlungen durch ihren Gatten ge- prvchen und ihm alleinige Schuld an den ehelichen Zwistigkeiten, gegeben habe. Sie glaube auch, daß Fwau v. Elbe Harden Schil-\ bH'rcrS611 ■ Ehelebens mackste. Sie glaube nicht, daß Frau; ot r« publizistisches Einschreiten Hardens erwartet habe.« Od ste Harden außer den Scheidungsakten anderes Material ge- ß geben habe,- wisse sie nicht. Sie sei gleich ihrem Gatten über-S Harden lediglich politische Motive dazu hatte. Harden? habe ihnen gegenüber geäußert, er begreife nicht, wie man glauben könne, daß er den Grafen Moltke beleidigen wollte. Harden habe der Gräfin ebenso geglaubt, wie der Zeugin. Sie könne -b,a& Partien sich sehr ungern mit der Scheidungs- gejchichte besaßt hat. c - Anschluß an die Verlesung des Protokolls betonte Harden- die er der Gräfin leisten sollte, sollte darin bestehen, nthp/cs Ä Talkes Anwalt Sello in Verbindung setzte. bet Sello enilspinnt sich eine Kvntreverse ittnufceti den beiden, wobei Harden erwähnt, Sello habe ihm verantworten könne. Er halte sie deshalb noch nicht für hysterisch Ihre Darstellung sei llar, ruhig und gehalten gewesen wnk für eine in einen so schweren Prozeß verwickelte Frau soaar ungewöhnlich verständig und sicher abgegeben worden weit er sich erinnere, habe Frau von Elbe ihm gelegentlich sma- teilungen über das Eheleben gemacht. Sie habe erzählt ihr Gatte sie gekniffen habe. Sie könne auch gesagt haben daß er sie geschlagen habe. Sie habe ihm die Streitigkeiten mit ihrem Gatten stets in der Weise dargestellt, daß er daraus schließen mußte, ihr Gatte trage allein die Schuld. Er wiss- genau, daß die Gräfin sich ihm gegenüber über blaue Stellen beklagte, die von Mißhandlungen ihres Gatten herrühren fDrf ten. Betreffs der Verhältnisse des Grasen zum Fürsten Eulen bürg habe sie gesagt: Der Graf hat den Fürsten mehr wie mich. Im übrigen seien ihm Gerüchte über perverse qT schlechtliche Neigungen im Kreise des Fürsten.Eulenburg schon'n Lebzeiten Bismarcks zu Ohren gelommen. Der Name Moltö sei bei diesen Gerüchten nicht erwähnt worden. Tatsachen dieser Richtung wisse er nicht. Er hatte den Eindruck, Mollke ein süßlicher, weibischer Mann sei; ein Eindruck, seines Wissens in Schlesien und in der Bekanntschaft Cj Schwenningers Frau geteilt wurde. Er könne sich erinnern daß die Gräsin in seiner Gegenwart von den angeblichen Aeukp rungen ihres Gatten: „Frauen find Klosetts" und „er nX sie als Märchen haben", erzählt habe. Auch Kosenamen ih™ Gatten gegenüber Eulenburg habe sie ihm genannt. Die Tasche^ tuchasfäre habe er erst aus den Zeitungen erfahren. Den Wunsch, Harden kennen zu lernen, habe die Gräfin ihm unk feiner Frau gegenüber geäußert. Sie habe gesagt, vielleiLt könne ihr Harden einen Rat geben. Auf Grund dieses Wunsch^ hätten sie die Gräfin mit Harden bekannt gemacht, das Gespräch zwischen beiden habe er mit angehört. Er entsinne sich auch nicht, daß Harden und Frau von Elbe noch einmal in seiner Wohnung zusammen gesprochen hätten. Es fei möglich, daß er Harden Mitteilungen über das von Frau von Elbe ihm und feiner Frau Mitgeteilte gemacht habe. Es sei auch möglich, daß er Harden, der nach seiner Meinung an der Sach« keine Freude hatte, gebeten habe, sich Frau von Elbe's anzu- nehmen. In Gesprächen mit Harden habe er erwähnt, dak Moltke zwar nicht selbst Politik treibe; aber für Eulenburg als Beobachter sehr wichtig sei. Woher er dies wisse, könne er nicht mehr sagen.habe Harden auch Bismarcks Urteil über Eulenburg erzählt; chesonders, daß Bismarck das Wirken Eulenburgs, namentlich auf dem Gebiete der Personalien und in der Rolle des befreundeten und unverantwortlichen Ratgebers für unheilvoll gehalten habe; lviederholt auch von geschlechtlich abnormer Veranlagung Eulenburgs gesprochen habe die, verbunden mit einer Neigung ins Mystische, den Fürsten nicht zum Verttauten des regierenden Herren qualifiziere. Woher die Ansicht Msmarcks über die geschlechtliche Abnormität Eulen, burgs stamme, könne er nicht sagen. vorgestellt wurde. Aus der ersten Begegnung entwickelte sich ein noch heute bestehender, sehr freundschaftlicher Verkehr. <5cit drei bis vier Jahren duzte er sich mit Harden. Während seines Münchener Aufenthaltes sei Harden nur bei zwei Gelegenheiten bei ihm gewesen, zuletzt im Herbst, vor der schöffengerichtlichen Verhandlung. Schwenninger erllärte weiter, bei dieser Gelegenheit sei Harden zweimal in Schwaneck gewesen. Bei beiden Besuchen sei die Erbprinzessin von Meiningen zugegen gewesen. Harden sei bis 10 Uhr abends mit Schwenninger und der Erbprinzessin zusammen gewesen. Ob an diesem Abend über den Prozeß gesprochen worden sei, könne er nicht sagen. Bei dem zweiten Besuche Hardens am folgenden Tage sei zwischen Harden unb der Erbprinzessin über Hohenau gesprochen worden. Die Erbprinzessin habe ihr Bedauern und ihre Ungläubigkeit über dessen angebliche Verfehlungen geäußert und ungefähr hinzugefügt, daß solche Dinge wohl bis in die höchsten Kreise hinein vorkämen. Sell der Zeit, wo er in Schwaneck wohne, habe er mit Harden im Briefwechsel gestanden. Er glaube aber, daß über die inkriminierten Artikel hierin kaum etwas erhebliches vorkam. Ueber Sinn und Zweck der Artikel habe Harden ihm nichts erhebliches mitgeteilt. Er sei erstaunt gewesen, als im,Mai die Hetze gegen Harden begonnen habe, und er habe sich gefragt, wo Harden beleidigt haben sollte, als er den Artikel nochmals gelesen habe. Zur Freisprechung habe er ihn telegraphisch beglückwünscht. Auch aus Anlaß der letzten Erkrankung und des Weihnachtsfestes habe er ihm seine Wünsche geschickt. Frau v. Elbe habe er 1900 in Lichterfelde kennen gelernt, wohin sie auf Einladung von Schwenningers Frau gekommen sei. 1902 und 1903 sei sie öfter gekommen eingeladen und uneingeladen. Seitdem habe er sie wenig gesehen, glaube sie aber während seines Verkehrs ziemlich genau kennen gelernt zu haben. Die Gespräche seien allmählich sehr vertraulich geworden und hätten ärztliche Fragen, wie ehelickfe Zerwürfnisse, betroffen. Von Trionalvergiftung habe er nichts bemerkt, hätte sie aber beobachten müssen, falls ihre Wirkung noch vorhanden gewesen wäre. Bon einer schweren Erkrankung der Gräfin in den Jahren 1898 und 1899 habe er aus ihren Erzählungen Kenntnis erhalten. Seiner Ueberzeugung nach habe Frau von Elbe zu viel gebuttert. Als er sie kennen lernte, hielt er ihre Gesundheit für fest. Die Ursache der von ihr mitgetedten Erkrankung könne teilweise die eheliche Nichtbe- fnebtgung gewesen sein, nicht lediglich Trionalvergiftung. In diesem Sinne glaube er sich zu Harden geäußert zu haben. Im übrigen gebe er zu, daß seine Erfahrungen über Trionalvergif- hing gering seien. Ob Frau von Elbe, während sie bei ^^nninger verkehrte, über fieberische Erregungen, Nervenzustande il bergt klagte, könne er nicht sagen, doch könne er bestimmt sagen, daß sie von den Suchen, die sie während des Zusammenseins mit Moltke erlebt hat, erzählt hat Wahrend der Zett der Bekanntschaft mit Frau von Elbe habe n sie für eine ziemlich gesunde Frau gehalten. Er habe die Ueberzeugung und habe sie auch in häufigeren, 1900 bis 1906 entweder tm Beisein der Gräfin oder über sie geführten Ge- prachen ausgedrückt, daß ihm die Gräfin durchaus iwrmal er- cheine und nicht zu phantastischen Uebertreibungen geneigt sei, wenn er auch Harden gegenüber erklärt haben könne, daß sie in der Erregung einmal etwas mehr gesagt habe, als sie Da hallt es silberhell von allen Türmen: Glückauf, Neujahr, zu deinem Siegeslauf, Glückauf, 9leujahr! selbst aus den müden Augen Blitzt sonnenhell der Hoffnung Sternlein auf. Und Millionen jubeln ihm entgegen: Heil, neues Jahr, du bringst des Glücks genug Und taufend Wünsche und Gebete dringen Zum Himmel auf im dunkeln Wolkenflug. Ein neues Jahr, ein neues reiches Leben Schenk euch des enTgen Gottes Baterhand, Aus Kreuzesdornen werden Rosen sprießen, Sie blühn am Weg ms ew'ge Heimatland. Clara Schöbeß.*) *) Aus „Ein Leilchenkranz", Heimatlieder von Clara Schobeß, Verlag von R. Zacharias m Vtagdeburg. Wir kommen auf diese "eme niedliche Gedichtsammlung noch zurück. D. Red. Ma i nie r St ab ttfyeater gelangte „Hugdietrichs Brautfahrt , komische Marchen-Opcrette in 3 Akten von Ri- deamus, Mu,ik von Oskar Strauß zur Uraufführung. Nach vem JJc. x>. war ihr ein „vollendetes Begräbnis erster Güte zuteil. gVMtW franb. Die langweilige ^ebrt bei Originalität und besitzt weder tme Gedanken, noch einen flotten Zug. Selbst der Versuch, die derbe Handlung etwas 'zu mildern, hat die Bühnenwirksam kett oes Stückes nicht erhöht. Als ein Teil des Sonntag-Publikums rmch den Aktenichlüssen sowohl wie nach beendigter Vorstellung Beifall spenden wollte, remonstrierte die übrige Schar der Zuhörer durch heftige Opposition." irr ZI-® eL Ein künstliches Gesicht $ bas Meisterstück des ftanzösischen Chirurgen Dr. Delaire. Er hat es fertig gebracht, das Kinn, einen Teil des Unter» Utters und den ganzen Oberllefer, ein Stück der Zunge und die ganze Nafe bei einem Menschen künstlich zu ersetzen, dem diese Telle durch eme Pulverexplosion weggesprengt waren. Der Mann mit dem künstlichen Gesicht wurde der Pariser Akademie der Medizin vorgeftellt unb die „Restaurierungsarbeiten" waren so gut gelungen, daß das Gesicht auf drei Meter Abstand einen DoIIEommen natürlichen Eindruck machte. Ter geheilte Patient ist ^imftande zu kauen und spricht ohne jede Schwierigkeit; nur sich täglich der Mühe unterziehen, sein künstliches Gesicht „abzubauen , um es zu reinigen. Das künstliche Gesicht besteht aus vier Tellern Ein Silber stück ist dazu bestimmt, die Untergibne halten; etn zweiter Teil, der aus Gold und Kchlffchuk gearbeitet ist dient zur Befestigung der Oberzähne und wird durch Haken feftgehalten, die im Nasenraum befestigt sind gleichzeitig an der Rückseite ein Mechanismus aus Sr -r Verbindung mit dem Gesichtsteil herstellt. Der dritte UTtb >e Unterlippe und ist mit einem falfdjen Bart befleibet; zwei kleine Bolzen befestigen dieses Stuck an dem künstlichem Unterkiefer. Das letzte Stück schließ- N der Oberlippe unb der Nase ein; es angebracht^^ Gummi, an bem ein falscher Schnurrbart ibr ik s ^unfl unb Wissenschaft. Ein KoPer nikus-Denkmal soll zu Allen stein in Ost- Achtet werden zur Erinnerung daran, daß der welt- Vedes sog. Köpernikanischen Systems mehrere ^zahre fernes wechselvollen Lebens dort zugebracht hat. Glück zum neuen Jahre!" Lassen Sie ^fcpnßen, wie wir die vorigen geendet haben, mit ^chselsersiger Teilnahme an bem, was wir lieben und treiben kte. Gleichgesinnten nicht erfassen, was sott aus der Gefellschaft und der Geselligkett werden. Goethe an Schiller 1795. Selbst manchem Rechtskundigen bleibt es aani unbp- TCDie Mechch an Bosheit und Grobheit und Dummheit Anderer, ohne zu sterben, Vertragen kann Er weist ^ch d? Men ich gar nickst daran stirbt, sondern vielmehr starker unb gesünder davon wird. -- Dritz Fischer. Osfenvach, 30. Dez. In der Kunstgewerbe- schule am Mathildcnplatz entstand heute nachmittag ein Schadenfeuer. Passanten bemerkten um 2 Uhr, daß 'aus dem Dachstuhl im Mittelbau Flammen herausschlugen. Die Fr-eiwlllige Feuerwehr war rasch zur Stelle und bekämpfte das Feuer mit vier Rohrleitungen. Gegen 4y2 Uhr war der Brand, der vom Schornstein aus entstanden war Und wahrscheinlich schon Kivei dis drei Tage geglommen hat, gelöschtt Die Aufräumungsarbeiten dürften noch einige Stunden dauern; der Dachstuhl muß zum größten Teil abgebrochen werden. Ausgebrannt sind der im Dachstuhl liegende Zeichensaal und ein Nebenraum. Der Schaden wird aus 10000 bis 15 000 Mk. geschätzt. Der Betrieb der Schule, die am 3. Januar wieder beginnt, erleidet keine Störung. tu Mainz, 30. Dez. Dec 35jährige Fuhrmann Joses Andreas Klein aus Bretzenheim, der am Samstag abend in schnellem Tempo durch die Straßen nach dem Hose seines Arbeitgebers fuhr, wurde von dem 28jährigen verheirateten Schutzmann August Weber aufgefordert, in der sehr belebten Straße langsamer zu fahren. Klein sprang von seinem Wagen herab und mißhandelte den Schutzmann in so roher Weise, daß dieser tödliche Verletzungen erlitt. Klein wurde verhaftet. Rod he im a. d. Bieber, 29. Dez. Heute nachmittag um 2 Uhr sand unter guter Beteiligung trotz des tiefen Schnees in der hiesigen Kirche die Jahresversammlung der Ortsgruppe Biebertal des Vaterl. Frauenvereins statt. Im Anschluß an em Schriftwort gab Pfarrer Vömel einen Ueberblick über die notwendige, wichtige und segensreiche Tätigkeit des Vaterl. Frauenvereins schrieben, daß er mt feiner bona fideS nicht zweifle. Auf eine V'as größte Vertrauen hatte. . Ebenso erklärt er, daß an der Ueberzeugungstreue Hardens bei deut, was er sage, kaum §u zweifeln sei. Harden betont, er habe niemals eine Homosexualität Motkes behauptet, sondern nur eine erotisch betonte Freundschaft, und weist auf die Aeußerungen Bismarcks hin. Auf eine s2lnfrage des Oberstaatsanwalts, ob nach der Beweisaufnahme doch von erotischer Freundschaft die Rede sein tonne, erwiedert Moll „nein!" Sachverständiger Eulenburg schließt sich den beiden vorhergehenden Gutachten an, und gibt auch zu, daß Harden der Frau von Elbe glauben konnte. Er kenne Harden seit Jahren und würde ihm niemals unlautere Motive zutrauen. Moltke erklärt die Laschentuchaffäre. Als er das Tuch fand, ivvllte er kurz vor dem Zusammenbruch der Ehe einen gewissen Fühler ausstrecken, ob dies eine Brandfackel bilde ober harmlos hin- genommen werde. Sachverständiger Magnus Hirschfeld erklärt, sein Gutachten in der Schöffengerichtssitzung fei durch die neue Beweisaufnahme wesentlich erschüttert worden, nament* lich dadurch, daß Frau von Elbe ihre Aussagen abschwächte, und daß Ätoltke eingehende Erklärungen zu den Behauptungen der Zeugin abgegeben hat. Der Sachverständige gibt schließlich sein Gutachten dahin ab, daß aus den Grundlagen, wie sie die Verhandlung vor der Strafkammer ergab, sich ein Schluß auf homosexuelle Veranlagung des Grafen Moltke nicht mehr ziehen läßt. Auf eine Frage des Oberstaatsanwalts erwidert Hirschfeld, er trete vollständig von feinem Gutachten vor dem Schöffengericht zurück. Die Grundlage für sein damaliges Gutachten sei völlig beseitigt. Als letzter Sachverständiger wird bann Geh. Sanitätsrat Zwingenberg vernommen, der aussagt, er sei 37 Jahre in der Familie Moltke ärztlich tätig, Niemals seien ihm auch nur die aeringften Andeutungen auf Schwächen, wie sie dem Grafen Moltke vorgeworfen wurden, gemacht worden oder habe er selbst etwas derartiges bemerkt. Er müsse sich durchaus dem Gutachten der drei anderen Sachverständigen anschließen. Er erflärc also: Graf Moltke ist nicht homosexuell und war es nie. Der nochmals als Zeuge vernommene Dr. Liman sagt aus, mit dem von Bismarck gebrauchten Ausdruck „Kamarilla der Kynäden" sei ein geschlechtlicher Beigeschmack nach seiner Ansicht nicht verbunden gewesen. Auf eine Frage des Ober* laatsanwalts erllärt der Zeuge, Bismarck habe das Wort „Hintermänner" nicht im physischen Sinne gebraucht. Danach trat um i/44 Uhr eine kurze Pause ein. Als die Verhandlung nach ünf Minuten wieder ausgenommen wurde, erllärte der Vor- itzende, daß auf alle weiteren Beweisanträge verzichtet worden sei. Tie nächste Verhandlung findet morgen, Dienstag, um 10 Uhr takt. Es erfolgen die Plaidohers des Staatsanwalts und der Verteidiger. Am Donnerstag wird Harden Gelegenheit zu einem Schlußworte erhalten. * Berlin, 30. Dez. Einer der Sachverständigen aus bem ersten Harden-Prozeß, Herr Tr. Merzbach, der sein Gutachten über Frau von Elbe in einer Broschüre nieder- gelegt hat, erhielt von dem G a 11 e n der Dame einePistolen- f 0 r d e r u n g. Tas Ebrengericht, dem der Fall _ unterbreitet wurde, erkannte nach sechsstündiger Verhandlung einstimmig, daß Tr. Merzbach die Person der Frau von Elbe nur in wifienschaft- !icher Weise beleuchtet, daß ihm jedoch eine beleidigende Ab- ficht fern gelegen habe. Ta die Gegner sich beide mit dieser Erklärung zufrieden gaben, so kam auf dieser Grundlage ein Der leid) zustande. -sä. Darmstadt, 31. Dez. (Tel.) Ter Haupllebrer A11 .11 Alsielb, der doii der Gießener Straüammer vor einiger Zeil von der Anklage ’reigefproeben worben war, an seinem Tienst- mäbeben em SittlichkeitSvergeyen begangen zu haben, würbe heute Dom Tisziplinargerichlsyos zur Entlassung aus dem Amte jerurteilt. verinißchtr». *Zur Erm0rdung desMajors v.Schönebeck. Ter verhaftete Allenfteiner S^auptinaiin v. (Soeben füll Ultimen Verkehr mit Frau v. Schönebeck unterhalten yaben. Es bestand, wie man erzählt, ein außerordentlich .i.efes Freundschaftsverhältnis, ob es aber die erlaubten Grenzen ub-erschritt, ist nicht erwiesen. Jedenfalls hat man .ebtzall über Die Beziehungen uec beiden geuischelr. Auch or den Divisionskommandeur Scott», waren die Gerüchte ,eorungen, uno der "Negimentskommandeur deo Hauptmanns .aar angewiesen worden, diesen aus die Gefahr seiner Beziehungen aufmerksam zu machen. Es sei nicht zulässig, ?aß mW erheiratete Offiziere in dem Hause eines Kameraden verkehrten, wenn dieser nicht zu Hause sei. Das Verhältnis zwischen dem Ermordeten und dem verhafteten Hauptmann war gleichfalls sehr intim. Sch. lud G. oft jU sich und ging auch häufig mit ihm auf die Jagd. — Der Verhaftete leugnet alles. Er kam am Morgen jer Xat um 1/28 Ui;r vor dem Mord hause vorgefahren, um Schönebeck zur Jagd abzuholen. Als er von der Tal erfuhr, warf er einen Blick auf die Leiche, gebrauchte einen sehr kühlen Ausdruck und ging dann nach oben, um Die Majorin zu trösten und ihr zu versichern, er werde alles arrangieren. Die Majorin wurde darauf vom Hauptmann in die Ob Hut des Nittmeisters Grae^ gebracht. Daraus übersiedelte sie in ein Hotel. Auch sie bestreitet jede Kenntnis der Tat und jedes Einverständnis mit Go eben. — Es wird ununterbrochen Tag und Nacht an der 'Mordaffüre gearbeitet, man verfolgt eine neue Spur, die in einigen ä,agen wahrscheinlich ein neues Moment ergeben dürste. Go eben hat nach feiner letzten Vernehmung sein Abschiedsgesuch eingereicht, das bewilligt wer- oen wird. Zur Verhaftung des Hauptmanns soll übrigens ein Srtej geführt haben, den dieser an die Frau des Ermordeten geschrieben hatte, und der bei der Haussuchung aufgefunden wurde. Als auffällig wird bezeichnet, daß Der Verhaftete bald nach Auffinden des Körpers um einen Urlaub gebeten habe, der nicht bewilligt wurde. Der, Frau v. Schönebeck, die angeblich zu ihrer Vdutter reifen wollte, ist vom Kriegsgericht nahegelegt worden, die Stadi Lieber nicht zu verlassen. Sie befindet sich also noch in Allenstein. "-EinesSozialistenführersTochterimKlpster. In Frankreich hat sich die Nachricht verbreitet, daß die Tochter von Jean Jaures den Einschluß gefaßt habe, in_ ein Kloster zu gehen. Für Jauräs ist dies ein tiefer Schmerz. Seit drei Wochen weilt die Familie auf ihrem kleinen Landgute Bessoulet im südlichen Frankreich. Wie es hieß, wolle Jaures sich ausruhen. Aber man weiß, daß die ganze Familie sich dort versammelt hat, um in der Stille des ländlichen Aufenthaltes Rat zu halten und den Entschluß des Fräulein Jaures zu erwägen. Alle Versuche, auf Jaurss Tochter in anderem Sinne einzuwirten, toeinen jedoch vergeblich zu sein, der Entschluß von Jaures Tochter soll unumstößlich fein. Kleine Tagcschronik. Der von der Strafkammer zu Karlsruhe zu drei Jahren Gefängnis verurteilte Agent v. L i n d e n a u hat auf die Revision verzichtet. Infolgedessen hat auch der Verteidiger von einer solchen Abstand genommen. Der itmrtcnu „Slaatsanz." meldet, daß das Ministerium des Innern wegen der Ai a u l - und Klauenseuche m Stuttgart die Einfuhr und Durchfuhr von Rindvieh und Ziegen aus oer Schweiz nut sofortiger Wirkung verboten habe. Der Präsident des Landtages von Waldeck-Pyrmoirt Geh. Instizrat Tr. Waldeck ist in A r 0 l s e n infolge von Glatte gestürzt und hat einen komplizierten Armbruch erlitten. Der 53 Jahre alte Past 0 r Moritz Kern tu Ober-Ullersdorf hat am zweiteit Weihltachtsfeiertage feinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Pastor Kern, der feit 2ö Jahren in «einer Gemeinde amtiert hat, tvar seit dem Tode seuier Fran schwermütig geworden. MriginaL-Drahttnel-un-e». Berlitt, 31. Dezbr. Im Harderr-Prozeß beantragte ver StaatSattivalt 4 Monate Gefängnis. Berlin, 31. Dez. Ter Vorsitzende der 14=8. Abteilung des Amtsgerichts Berlin 'Mitte, Amtsrichter D r. Korn, der durch den ersten H a r d e n - P r 0 z e ß vor dein Schösfeiiaericht bekannt gewordeti ist, trat hiesigen Blättern zuiolge nach Versügimg des Landgerichtspräsidenten z ii r Z i v i l v e r w a 11 u n g über. Die Versetzung soll aus dessen Wutifch erfolgt feilt. Allenstein, 31. Dez. Hauptmann v. Gäben befindet sich nach wie vor 'in Untersuchungshaft. Seine Wohnung ist versiegelt worden. In der Bürgerschaft finden fortgesetzt Vernehmungen statt, die sich in erster Linie auf die Frage erftredeu, ob die Gattin des Majors zu anderen Männern in Beziehungen stand. Im Hause des Majors von Schönebeck fand im Beisein des ersten Staatsanwalts ein Lokaltermin statt. Allenstein, 31. Dez. Es ist erwiesen, daß der Mörder des Majors v. Schönebeck kein gewöhnlicher Verbrecher gewesen sein kann; auch steht es fest, daß zurzeit der Tat Licht im Zimmer der Frau v. Schönebeck gefehen worden ist. Amhentifch ist es ferner, daß Der ermordete Major zu schießen versucht und daß sein Revolver versagt hat. lieber den Inhalt des Briefes, der zur Verhaftung des Hauptmanns v. Goeben geführt hat, be* tehen -wer Versionen. Nach der einen hat Frau v. Schönesi,-ck in Goeben geschrieben und ihm ihre traurige Lage gt> childert, worauf Goeben ihr jede erforderliche Unterstützung zugesagt habe. Die andere Version besagt, daß v. Goeben Der Frau v. Sch. in den beschlagnahmten Briefen gewisse Berhaltungsmaßnahmen nahegelegt habe. Straßburg, 31. Dez. Großes Aussehen erregt die tn Hüningen erfolgte Verhaftung des Arztes T r. Rausch, der des Verbreche ns gegen das keimende Leben bezichtigt wird. Diese polizeiliche 'Maßnahme steht in Zusammenhang mit der in Basel erfolgten Verhaitung des Arztes Dr. Halif wegen derselben Straftat. Dr. Halsf hat sich m der Gefängniszelle erhängt. Amsterdam, 3L Dez. Der Führer der Cakvi- nisten, Dr. Heemsker, wurde von der Königin der Niederlande mit der Bildung des neuen Ministeriums beauftragll Paris, 31. Tez. Hier hielt Ingenieur Berjonneau einen Vortrag über den von ihm er,unvenen Apparat zur telegraphischen Uebertragung von Photographien und Holzschnitten. Im Anschluß an feinen Vortrag gab er eine Landschaft auf 30 Meter Entfernung in vorzüglicher Weise wieder. Oran, 31. Dez. Nach einem Telegramm aus Udschda haben alle Stämme der Beni Snafsen ihre Unterwerfung vollzogen und danllt begonnen, die ihnen auf- erlegien Strafen zu zahlen. 9Zur der Stamm der Beni Kaled hat sich bisher geweigert, sich zu unterwerfen. Gießener Wetterdienft. Voranssichtliche Svittcrnng für Hesse« am Mittwoch den 1. Januar 1908: Fortdauer der trockenen, mein trüben Frost- luiiuuung. Die nach- Ä p r 7 I £> 8’n l den 1. Januar -lebenden ÄUl Zu l v vou 12 Lhr mittag» bi» 12 Lhr nacht» on* tür di iahende Fälle sicher auzuli eilen. s Dr. efud| J. Klebe, Teufelölustgärtchen 11. in vorzüglicher (Miforci ^wbigsirage dieuuau) 4-3iul- Wohnungen zu vermieten. [549ö Näheres Schtffenberger-Weg 65. zum neuen Zähre! Familie Blum Lieber Str. 57. benor, Bleichplatz, per L April »u vernneien. ______fr» Hansel, Löberstr. 19. Unserer verehrten Äunbfcöaft, Freunden und Verwandten wünschen ein frohes nnü glölkliljcS oeiics M! Wilh. Rössing Harktplata 18. 8-Zimmer- Wohunnqen mit Zubehör &u Denn. 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