Nr. 305 ItitD zurückgestellt, weil man Die ge- russischen Gesetzen nicht strafbar ist, unb die Verbreitung legt die Anklage nur 13 Deputierten zur Last. Tie Anklage ist so konstruiert, als ob die 169 Exdeputierten eine Geheimverbindung zum Umsturz der bestehenden Staatsordnung gegründet hätten. Ist auch die Begründung der Anklage wenig stichhaltig, so hat doch die Staatsanwaltschaft nur wenig Schuld daran; sie mußte mit der an sie gestellten unbedingten Forderung rechnen, die Mitglieder der ersten Duma unter allen Umständen gerichtlich zu versolgen und sie, wenigstens provisorisch, in den Anklagezustand zu versetzen, was bis zur gerichtlichen Entscheidung mit dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verknüpft ist. Und dies gelang. Tie Staatsanwaltschaft hatte es nicht nötig, sich allzusehr um die streng juristische Seite zu kümmern. Ist doch der ganze Prozeß eigentlich ein politisch e r R a ch e a k t der Bureaukratie für die unangenehmen Stunden, die ihr die erste Duma bereitet hat. In solchen Fällen sind die sämtlichen Behörden gewöhnt und bereit, ganz rücksichtslos vorzugehen. In solchen Fällen sind alle Mittel, die zum Ziele führen können, gut genug. Wer sind nun die „Feinde der Gesellschaft", die Verbrecher, die schier das Vaterland ins Verderben stürzten, wenn nicht die Rettung seitens der Bureaukratie. gekommen wäre. Es sind eben dieselben Männer, die noch in Zeilen der dunkelsten Reaktion ihre Stimme für die Notwendigkeit einer konstitutionellen Versassung erhoben. Wäre man damals ihrem Rate gefolgt, so wären uns nachher die Schande und die schweren Erschütterungen erspart geblieben, zu denen da§ alte Regime uns schließlich gebracht hat. Nicht der künftige Richterspruch, wie letzterer auch aussallen mag, betrübt jetzt ihre Seelen, sondern die Tatsache, daß sie sich auf der Anklagebank befinden — während die furchtbarsten und abscheulichsten Erscheitiungen der Kontrerevolution amnestiert worden sind. Tas zeigt, wie viel wir von normalen Lebensbeding- ungen, von wirklicher Beruhigung, zu deren Erreichung ftch die jetzigen Angeklagten so sehr bemüht haben, entfernt (inb. Vor dieser Tatsache verliert in den Augen Dreier Männer ihr persönliches Schicksal jede Bedeutung. Tie Geschichte und das Volk werden anders über sie urteilen als die herrschende Bureaukratie. Im allgemeinen ist im Reichstage in dem abgelaufenen Jahre nicht allzuviel geleistet worden: in bim ersten Abschnitte der Sess.on erledigte man nur das Budget, wichtigere Vortagen wurden z ” T 7 - -- Reaierung'Zparteien erst an ein Zusammenarbeiten wähnen mußte. $>ic erste Kuma uui der Anklagebank. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Zur selben Zeit, in der die neuen Herren vom Tau- rischen Palais, die neuen Tumaabgeordneten, in die Ferien aehen, versannneln sich in Petersburg, dem zwingenden Rufe des Staatsanwalts der yieftgen Gerichtskammer folgend, die ehemaligen Deputierten der ersten Reichsduma, Die „besten Männer Rußlands", wie der Kaiser sie in der Thronrede nannte, um ihre Verurteilung wegen des Wi- borger Ausrufes anzuhören und dann in die entsprechenden Gesängnifte zu wandern. Tamals, als der bekannte Aufruf verfaßt und verbreitet wurde, versandte die offiziöse Telegraphenagentur eine Mitteilung vom 19. Juli (August) 1906, in der sie urbi et orbi kund tat, daß „die Staatsanwaltschaft zum Schluß kam, daß die Abfassung des Aufruses an sich keine Veranlassung zur gerichtlichen Verfolgung der Unterzeichner des Aufrufes sei, angeklagt konnten nur die Verbreiter — seien es ehemalige Dumamitglieder oder nicht — werden." Seitdem haben sich aber die politischen Verhältnisse und dementsprechend die Ansichten der Justizbehörde so gründlich geändert, daß nunmehr 169 Mitglieder der ersten Reichsduma, von denen nur vereinzelte auch im Verdachte der Verbreitung stehen, aus der Anklagebank Platz nehmen müssen. Es sind eben jene Auserwählten, die vor 11/2 Jahren mit heißen Glückwünschen, mit frohen Hoffnungen und festem Glauben vom Volke in die Duma entfanbt wurden. Wir sehen unter den Angeklagten den ersten Dumapräsidenten Professor Murorn- zew, die beiden Vizepräsidenten, den Fürsten Peter Dolgo- ruti und den Professor Gradeskul, den Obersekretär Fürst Dimitri Schachowskoi und seine drei Gehilfen. Kurzum, wir finden nun im Sitzungssaal der Gerichtskammer aus der Anklagebank am heutigen 12./35. Dezember die Anzahl, die für die Beschlußfähigkeit der Duma nötig wäre, mit Präsidium und Sekretariat vollzählig vor. Muromzew könnte als Präsident die Sitzung eröffnen, wenn es nicht im Gerichtssaal wäre. Die Geschichte kennt in Hülle und Fülle Beispiele, )aß Deputierte, deren Reden gestern das Land mit größtem Interesse und mit gespanntester Aufmerksamkeit und meistens auch mit voller Sympathie, sogar mit Enthusiasmus, lauschte, heute wegen ihrer Ueberzeugung aufs Schas- ott oder ins Gefängnis oder auf die Galeeren gebracht werden. Auch kennt sie Fälle, wo eine Volksvertretung, die noch gestern als wahre Aeußerung des Volkswillens galt, heute durch eine andere Macht ersetzt wird, die nun bestrebt ist, möglichst schnell all das zu vernichten, was die erstere zum allgemeinen Wohl geschaffen hat. Zum ersten Male sehen wir aber, daß nicht einzelne Deputierte, sondern ein Parlament in seiner beschluß- ühigen Mehrheit auf die gemeine Verbrecherbank gesetzt wird, und dazu noch für eine Handlung, die eine natürliche Folge feiner Tätigkeit ist, mit Der die übergroße Mehrheit der Wählermassen einverstanden war. Nun kommt also die erste Reichsduma und mit ihr eine ganze Periode russischer Geschichte mit ihren leidenschaftlichen Be- trebungen, mit ihrem stolzen Kampf um Rußlands Erneuerung und mit ihren unbestreitbaren historischen Irrtümern vor Gericht. — Ist die Petersburger Gerichtskammer ür die Volksvertretung zuständig? Sollte das Urteil nicht dem Volke und der Geschichte überlassen bleiben? Der Staatsanwalt, der die Anklageschrift verfaßte, und die Gerichtskammer, die sie bestätigte, antworteten mit kühner Entschiedenheit — ja, die gewöhnliche Gerichtskammer ist ür diesen ganz ungewöhnlichen Prozeß zuständig. Ob liefe Antwort von der Geschichte kassiert werden mird, das wird der Gang der künftigen Ereignisse zeigen. — Verlassen wir jedoch den geschichtlichen Boden und wen- )en wir uns dem juristischen zu. Ta fragt es sich, hat der Staatsanwalt, wenigstens vom strengjuristische tand- mnkte aus, recht? Die Frage muß verneint werden, da die Abfassung des Tokuments aniichnachden Gesetzentwurfes verlangt ja niemand. Man weiß zwar, daß die vom Freisinn geforderte Nebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen als vollständig ausgeschlossen gelten kann, immerhin aber ließe sich doch ein Modus finden, der den jetzigen rein kratischen Charakter des preußischen Wahlrechts beseitigt und es den modernen Forderungen anpaßt. Von dem Ausfall der Antwort des Fürsten Bülow auf die im Januar anstehende freisinnige Wahlrechtsinterpellation wird für die weitere Entwicklung unserer inneren Verhältnisse auch im Reiche viel, wenn nicht alles, abhängen. So können wir in Deutschland in Bezug auf unsere inneren Verhältnisse nicht sorglos in das neue Jahr hinübergehen, denn wer weiß, was es in seinem dunklen Schoße für uns birgt. Auch der Rückblick aus das Jahr 190 7 kann alles in allem genommen nicht sehr erfreulicher genannt werden, ein wirklicher Fortschritt a u f politischem wie wirtschaftlichem Gebiete ist nicht zu verzeichnen. Gewiß sind manche gute Ansätze vorhanden, aber die weitere Entwicklung läßt sich absolut nicht voraussehen. Dazu kommt die schwere wirtschast- liche Depression, die schon jetzt auf allen Schichten der Nation lastet und voraussichtlich noch gar lange an» dauern wird; ja sie wird vielleicht noch ärger tuerben. Blatt 157* Jahrgang Montag 30* Dezember 1907 Ve-ng-vretA, Dem Siebener Anzeiger monatlichM., Mertel- werden tm Wechsel mit M A Ak jAk Ak A JK ▲ WM öS A A A Ak A A AA jährlich Mk 2.20 durch GlEim Ammer Oietzea. Fernlvrech-An» M UM UU auemärte 2Ü |dilub I. b. 'Jiebatnon 112 ' ®Jr Verantwortlich General-Anzeiger für Oberhessen WEM tut die laqeSnummet o_4 n x . . w v ’ • f I u. Land' imfr „Gerichts- m oormtnofli io Uhr. Kotaflontftn«! an» Verlag »er Srühl schen Untv.'vuch. an» Steinftrutferd. B. Cange. RrdoMon, Expedition na» vrnckerei! rchniftrest. r. Dieser Winter soll nun die Probe aus das Exempel bringen, und wer will das Resultat schon heute Voraussagen, nachdem sich schon einmal ohne zwingenden Grund die Situation innerhalb des Blocks zuzuspitzen drohte; über Vereinsgesetz uno Vörsennovelle, die in Gemeinschaft mit der Reform des Majestätsbeleidigungs- Paragraphen Konzessionen gegenüber der Linken bedeuten, wird es trotz mancher Gegensätze, namentlich über den Sprachen Paragraph en des Vereinsgesetzes, voraussichtlich £u einer Einigung kommen. Die Hauptsache aber soll erst noch kommen, so gern auch der Reichskanzler eine derartige Belastungsprobe noch weiter hinausgeschoben hätte. Die immer mißlicher gewordenen Fina n z- Verhältnisse d e s R e i ch e s schreien dringend nach einer Reform, indessen will man das Loch im Reichssäckel ruicberum mit neuen indirekten Steuern zustopsen, weil die ReichLregierung und auch die Rechte von direkten Reichssteuern unter keinen Umständen etwas wissen wollen. Ter Freisinn wiederum ist energisch gegen jade indirekte Steuer und so ist es sehr wohl möglich, daß es hierüber zu einem Beuche kommt. Ist doch die Linke in hohem Maße unzufrieden mit den Zuständen ir^Preußen, wo trotz der Blockpolitik im Reiche kaum eine Aenderung ein getreten ist. Es läßt sich nicht leugnen, daß der eine oder Der andere im Ministerkolleginnr Den Fürsten Bülow nicht so unterstützt, wie es wohl sein sollte, und der Ritt des Finanz- ministers von Rhein baben gegen den Abgeord- n e t e n Bassermann hat berechtigtes Aussehen erregt. In der Polensrage haben die Freisütnigen zwar hinsichtlich oes Entcignungsrechtes eine Kabinettsfrage nicht gestellt, aber ui Bezug aus die Wahlrechtsresorm wird man jici) nicht abspeisen lassen. Auch in dieser Hinsicht hätte Fürst Bülow gern eine weitere Hinausschiebung feiner Antwort gewünscht, aber einmal muß er doch Rede und Antwort stehen, es läßt sich ja nicht leugnen, daß die Losutig einer so tief einschneidenDen Frage sich nicht aus dem Aermet schütteln läßt, aber über die au,zustellenben Grundprinzipien dürste man sich do chschon jetzt einigermaßen Aar sein, und die sofortige Vorlegung eines vollständigen Deutsches Reich. Berlin, 28. Dez. Dw „Norbd. Alla. Ztg." schrDM Es tauchen immer wieber, namentlich in auslänbißHen Blättern, Angaben auf, die für den Beginn des Frühjahrs eine Reise des Kaisers nach dem Mittelmeer unb einen Besuch auf Korfu bestimmt in Aussicht stellen. Wir moaften diesem müßigen Gerede gegenügt betonen, daß über Auslandsreisen Sv. Majestät im kommenden Jahre noch kein Entschluß gefaßt ist. — Der Kaiser sandte zur Erinnerung an den My- Besuch dem Lordmayor von London zu Weihnachten j^in Bild in Garde du Corps-Uniform mit Unterfchrift. Die Lady Mayovesse erhielt die in Windsor aufgenommene Photographie des Kaiserpaares mit Unterschrift. — Tas Kaisermanöver von 1908 wird, wie die „Mil.-Pol. Korr." meldet, an den Tagen vom 7. bis 9. September zwischen Saarburg und Die uze in dem Gelände nördlich der Eijenbahnzollstation Avricourt, nur etwa 25 Kilometer von der französischen Grenze, abgehalten werden. — Wie eine Londoner Zeitschrift, die mit dem briti- chen Hofe aute Fühlung unterhält, jetzt mitteilt, bestätigt es sich, daß König Cduaro von England und Die Königin Alexandra, seine Gemahlin, den Besuch Kaiser Wilhelms und der Kaiserin Augusta Viktoria im kommenden Jahre 1908 in Berlin erwidern werden. — Durch eine Kaiserliche Äabinettsordre vom 24. Dez. wurde dem L a n d w i r t s ch a f t s m i n i st e r v. Arnim bisher Oberleutnant zur t^ee a. D., der Charakter als Kor- .vettenkapitän verliehen. — Der Kaiser von Ct)ina hat für Deutschland eine neue S t u d i e n k o m m i s s i o n ernannt, die bereits in den^nächsten Wwcheu in Berlin eintreften wird. An ihrer Spitze steht der Vizepräsident des Verkehrsministe- nums Iü-Sche-'Fie. Die M^s.ion wird fast den Charakter einer ständigen Einrichtung erhallen, da der Aufenthalt Ms zunächst auf zwei Jahre berechnet ist. — Durch R u n d e r l a ß in Den einzelnen Ressorts der ireu gi scheu Regierung sind die Beamten erneut darauf hin gewiesen worden, bei dem bevorstehen- den Gehaltstermin ihre Bezüge soweit irgend^ möglich in Rcichsbantnoten unD Reichstassenscheinen in Emp. ang zu nehmen. Die Kassen sind angewiesen, nur in.den iJallcii, wo ausdrücklich Hartgeld gefordert wird, tn solchem zu zahlen. Da eme bereits früher vom Finanz- mintster ergangene derartige Anregung den gewünschten Erfolg Nicht gehabt hat, ist sie nimmehr erneut in Erinnerung gebracht worden. Bochum, 28. Dez. Heute sand die außerordentliche Generalversammlung des Knapp s ch a f t s- äu der auch Vertreter des Ministeriums und des ^berbergamtes erschienen waren. Die Versammlung, welche sich mit der Statutenfrage belaste verlief nad) mehrstündiger Verhandlung wiederum ergebnislos Nunmehr toub wa5 Zwangsstatut in Kraft treten. Iie veutige Dummer umfaßt 10 Seiten. Jahres ückbltL. L Deutschland. - der Wanderer gern auf die hinter ihm liegende Strecke Weges zuruckfchaut, so ijt es and) von Interesse, am ©nbe es Jahres auf all die wichtigen politischen Ereignisse, ine sich in seinem Laufe abgespielt haben, zurück- zuschauen; mag auch ein Fahr im Laufe der Zeiten nur eine unendlich kurze Spanne barftcllcn, so trägt sich doch manches ju, das wert ist, für die Nachwelt erhalten zu bleiben, aus dem man aber auch gar manches für die Zukunft lernen kann, und was darum festgehalten zu wer- den verdient. Gerade für uns in Deutschland bedeutet baS scheidende Jahr eine wichtige Stufe unserer weiteren staatlichen Entwicklung, haben sich doch speziell auf inner- politischem Gebiete inand^rlei Ereignisse abgespielt, die es der Dicgierung nahelegtcn, wenigstens teilweise ihre bisherige Richtung zu andern. Der Februar brachte infolge der im Dezember stattgehabten Reichstagsauslösung die Neuwahlen und mit ihnen ein Parlament, das ein recht verändertes Bild aufwies; gegen Zentrum und Sozialdemokratie hatte die Wahlparole gelautet, das Zentrum niederzuschmettern gelang dem Fürsten Bülow jedoch nicht um so großer war aber der V e r l u st d e r So z ia l d e m o - kratie,' so daß infolge des Eintretens der freisinnigen Parteien in den sogenannten Block die Regierung über eine beträchtliche Majorität verfügen konnte. Im Grunde genommen ist es ja em Unding, konservativ-liberale Politil zugleich zu machen, aber auch der Gegner wird dem Fürsten Bülow zugeben müssen, daß er mit Der „konservativ-liberalen Paarung" doch manches erreicht hat. Freilich handelt es sich bei alledem nur um eine Augenblickstaktik, das Gefüge des Blocks ist gar leicht, unb zu Beginn bieses Dezembers hat bekauntlia) nicht viel baran gefehlt, baß ber Block in bie Brüche ging. Weiter bedingte Der Uebertritt der lintsliberalen Konzessionen, und dies wiederum barg die Gefahr in sich, es mit der Rechten zu verderben. Unter solchen Umständen ließ sich natürlich treuer links noch rechts eine vollständige Zufriedenheit erzielen, aber die Parteiführer sind gleichwohl bemüht, durch beiderseitiges N a chg e b c n unbeschadet her sonstigen Parteiprinzipien den Fürsten Bülow in biefer Politik zu unterstützen, die ihren Parteien nur Vorteile bringen kann. Unter Dem Zeichen Der Blockpolitik staub auch die Demission bes preuß. Kultusministers v. S t u b t, dessen Regime bis in die Reihen der Rechten hinein keine Gegenliebe fand; bedauerlich war mir, daß auch ein so hervorragender Staatsmann wie Graf Po^fadomsky gevpsert wurde, wemi- gleich man diesen Schritt dem Reichskanzler nachsehen konnte, weil Wohl der Staatssekretär deS Innern bei Der Blockpolitik nicht so recht von Herzen mitmachen mochte, und weil er gerade beim Zentrum stets Unterstützung für feine sozialpolitischen Projekte' gesunden hatte. An feine Stelle i|t Herr v. Bethmann - Hollweg getreten und wenn er auch erst wenige Monate in diesem neuen Amte ist, so kann man doch mit der Anerkennung nicht zurückhalten. daß er nach Kräften bemüht ist/ein' würdiger Nachfolger seines verdienten Vorgängers zu werden. Ausland. Rom, 28. Dez. Ter „Tribuna" zufolge stellte der Kriegsnrinister, General Big an o, dem Ministerpräsidenten GioliLti seinPorteseuillezurVerfügung mit der Begründung, daß es seiner Ueberzeugung nach besser ohne Wertangabe, 6441 Pakete mit Wertangabe, 8190 Briefe und Kästchen mit Wertangabe. Es wurden aufgegeben: 6 290/600 (5 210 500) Briefe, Postkarten usw., 283 749 (287 314) Pakete ohne Wertangabe, 3496 Pakete mit Wertangabe, 9245 Briefe und Kästchen mit Wertangabe. Für Empfänger im Ort-und Landbestellbezirk sind 50 240 (48 225) sei, wenn an der Spitze der Heeresverwaltung statt eines Generals ein bürgerlicher Politiker stehe. Der König hat das Entlassungsgesuch unter Verleihung des Großkreuzes des St. Mauritius- und Lazarus-Ordens genehnrigt. Zum Nachfolger Viganos wurde der Senator Ingenieur Severino Casana ernannt. Haag, 28. Dez. Mehrere hiesige Blätter geben der Ansicht Ausdruck, daß rrunmehr ein Koalitions-Ministerium, bestehend aus Ultra-Protestanten mit) Katholiken, zustande kommen werde. Heemskerk ist noch nid) t definitiv mit der Neubildung beauftragt. Die mit einer Berufung Heemskerks verbundene Auflös ungderKam- m er wird bereits lebhaft von den Blättern besprochen. Das liberale Blatt „Nieuve Rotterdamer Courant" glaubt, daß eine solche Auslösung nicht notwendig sei. Sofia, 29. Dez. Die Hochzeit des Fürsten vonBulgarien mit der Prinzessin Eleonore Reuß findet am 28. Februar in Emstbrunn statt. London, 28. Dez. Der „Morning Leader" hat ein drahtloses Telegramm aus Tanger erhalten, demzufolge der Gegensultan Muley Hafid in zwei Schlachten schwer geschlagen worden sei. Der Führer der Truppen des Sultans Abdul Asis brachte den rebellischen K'abylen zwei furchtbare Niederlagen bei. Aduley Hafid verlor 200 seiner Anhänger und zog sich auf Marakesch zurück. Seine Gefolgschaft ist völlig demoralisiert. Oran, 29. Dez. Tie Militärbehörden haben das Ansuchen des Prinzen Jaime Bourbon, als Vertreter der russischen Regierung an den militärischen Operationen gegen den Stamm der Beni Snassen teilzunehmen, abgelehnt. «■—— 1 ■ 1 . ----——"—J —r. Aus S.cror uuo Ratto» Gießen, 30. Dez. 1907. Gedenket der hungernden Vßge?! Ernte der wichtigsten Feldfrüchte in Hessen 1907. Hektar: Ertrag: Tonnen Vom Tonnen Hektar: Winterweizen . 28 593 70 857 2,48 (Reich 1,87) Sommerweizen. 708 1 546 2,18 ( „ 2,48) Winterroggen . 71 594 156 097 2,18 ( , 1,62) Sommerroggen. 556 1023 1,84 ( „ 1,25) Sommergerste . 53 868 130 426 2,42 ( , 2,06) Hafer.... 53 792 122 047 2,27 ( , 2,09) Kartoffeln . . 66 716 1 013 349 15,19 ( , 13,81) Klee (Heu) . . 25 037 153 690 6,14 ( „ 4,62) Luzerne (Heu) . 10 295 72 951 7,09 ( 5,98) Wiesen (Heu) und Bewässerungs- wiesen ... 38 453 215 254 5,60 ( , 5,09) Andere Wiesen . 56 034 246 572 4,40 ( 4,08) Von der geernteten Kartoffelmenge waren 34 101 Tonnen = 3,4% erkrankt; im Reich betrug der Erkrankungsprozent-- satz 6,4% am höchsten war er, abgesehen von dem Hamburger Gebiet, in Ostpreußen mit 12,2%. * ** Po st--undTelegraphenve rieh rin Gießen 19 06. Der Post- und Telegraphenverkehr in Gießen hat sich im Jahre 1906, laut soeben veröffentlichter Statistik der Reichs-Post- und Telegraphen-Berwaltung für das Kalenderjahr 1906, nicht unerheblich gegenüber dem Jahre 1905 gesteigert. Tie Summe der ein gezahlten Postanweisungen betrug 11991102 Mk. gegen 11094 207 Mark im Jahre 1905. Tie auf Postanweisungen aus- gezahlte Summe belief sich mit 16 899 467 Mk. (15 840 690 Mark). An Portis und Telegraphengebühren wurden 598 874 Mk. (573 390 Mk.) vereinnahmt. Für Empfänger im Orts- und Landbestellbezirk sind eingegangen: 4 453300 (4 317100) Briefe, Postkarten, Drucksachen, Geschäftspapiere und Warenproben, 288 694 (289615) Pakete Postnachnahmesendungen und 6161 (5645) Postauftragsbriefe eingegangen. Von der Zeitungsstelle wurden 702 091 (669 979) Zeitungsnummern abgcsetzt. Telegramme sind 55 355 Stück aufgegeben und 53 537 Stück eingegangen. Von der Femsprechanstalt wurden 1103 221 (1005 279) Gespräche vermittelt. ** Der Technische Verein Gießen hat in diesen Tagen dem Deutschen Techniker-Verband das 2 5 00 Oste Mitglied zugeführt. Das durch diesen Umstand bekannt gewordene Mitglied ist ein technischer Beamter der Firma £>. Schaffst«edt. ---- Wieseck, 29. Dez. Bei der diesjährigen Treibjagd in hiesiger Gemarkung wurden 230 Hasen und 62 Rehe (einschließlich Böcke) erlegt. Die Jagd, die von den Offizieren des Kaiser Wilhelm-Regiments für 1240 Mk. jährlich gepachtet war, läuft mit diesem Jahr zu Ende und wird ausgangs Januar aus weitere 6 Jahre verpachtet. t Klein-Linden, 29. Tez. Ter Kriegerverein hielt heute int Saale der „Tenrschen Eiche" eine Versammlung ab, in der Hauptmann Waldecken, Mitglied "des Hassia-Präsidiums, einen Vertrag hielt über „D.e Bestrebungen, Zweck und Ziel der Kriegervereine, der Hessische Kamerad und die Sterbekasse". Die Versammlung war zahlreich besucht, und dem Vortragenden wurde lebhafter Beifall gespendet. Er führte auS, in den Kriegcrvereinen soll nicht nur Kameradschaft geübt werden, sondern sie gelten in erster Linie der Pflege von Liebe und Treue zu Fürst und Vaterland, Kaiser und Reich. Die Feier von patriotischen Gedenktagen, wie-Kaisers und Großherzogs Geburtstag und Abende im Sinne der Vollsoildungsbestrebmrgen sind hierzu sehr geeignet. Der ,-Hessische Kamerad" und die »eue Sterbekasse sind Mittel und Wege, um dem Ziele, das sich der Hassia-Verbaud gesetzt hat, näher zu kommen. Der „Hessische Kamerad" tritt in erweiterter Form vom 1. Januar ab in Kraft, desgleichen die Sterbekasse, zu der jetzt bereits fast 5000 Versich eruugsauträge vorliegen. Meyer-G.cßen, Ehrenvorsitzender des Bezirks Gießen, stimmte diesen Ausführungen zu und betonte besonders, daß alles das, was d!as Präsidium wohlweislich erwogen habe, nur auf das Wohl des einzelnen Kameraden bedacht sei. Der Vorsitzende, Lehrer Keil, dankte den beiden Rednern und sprach die Zusicherung aus, daß der Verein allezeit an den Bestrebungen der Hassia festhalten werde. Besonders bedauert er, daß der verdienstvolle Kamerad Meyer-Gießen mit Rücksicht auf sein Alter seine Mitgliedschaft im Präsidium der Hassia niedergelegt hat; doch hofft er auch fernerhin auf seine bewährte Mitwirkung. Sein Hoch galt dem Hassia-Beroand, dem Präsidium und den beiden Gästen. Veteran Steg er feierte den Kaiser und Großherzog als Friedensfürst und brachte ein Hurra auf beide aus. Darnach wurde das Lieh: „Deutschland über alles" gesungen. Darauf beschloß der Verein den Geburtstag des Kaisers am 1. Februar bei deklamatorischen und theatralischen Vorführungen, Konzert und einem anschließendell Tanz in der „Deutschen Eiche" zu feiern. Tas Tlnerbieten des Herrn Meyer-Gießen, im Laufe des Winters einen Vortrag über den Feldzug in Böhmen 1866 halten zu wollen, sand freudigste Annahme. Ter Vorsitzende teilte dann mit, daß demnächst der gemeinsame Besuch einer passenden Volksvorftellung i m Gießener Stadttheater von verschiedener Seite gewünscht und geplant sei. Eine Anzahl Kameraden meldeten sich hierzu, sodaß eine gute Beteiligung zu erwarten ist. Mit Tank an die Vortragenden und die zahlreich erschienenen Mitglieder schloß der Vorsitzende gegen 7 Uhr die anregend verlaufene Versammlung. R. B. Babenhausen, 20. Dez. Eine blutige Familientragödie spielte sich heute nachmittag hier ab. Der dort wohnende Schuhmachermeister Heinrich Ohl II. glaubte Grund zur Eifersucht auf seine 20 jährige Frau zu haben und zwar wegen eines bis zum 20. ds. Mts. bei ihm beschäftigten Gesellen. Er soll einen Briefwechsel zwischen diesem und seiner Frau entdeckt haben und argwohnte besonders, daß seine Frau dem inzwischen nach Darmstadt verzogenen Gesellen einen Besuch abgestattet habe. Ohl, ein fleißiger und ordentlicher, aber leicht erregbarer Mann im Alter von 29 Jahren, machte nun heute nachmittag seiner Frau aus dieser Veranlassung Vorhaltungen; es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den beiden Eheleuten und Ohl geriet dabei in eine solche Erregung, daß er ein Küchenmesser ergriff und seiner Frau zwei so schwere Stiche in den Hals versetzte, daß sie kurze Zeit darauf starb. Als Ohl sah, was er an gerichtet, stellte er sich sofort der Polizei, die ihn in Haft nahm. Die Getötete ftamnit aus Pirmasens in der Pfalz und hinterläßt ein erst einige Jahre altes Kind. Der Mörder ist aus Sand i. O. gebürtig. Auf die, Nachricht von der Bluttat hat sich Oberstaatsanwalt v. Hassert sofort zur näheren Untersuchung hierher begeben. O Edingen, 28. Dez. Mit dem 1. Januar 1908 wird auch unser Haltepunkt für den Personen- und Gepäckverkehr eröffnet. Die Gemeinde leistet zu dieser Anlage den netten Betrag von 12 500 Mk. Sehr zu statten kommt die neue Haltv- stelle neben den vielen Arbeitern, die auf den Werken Sinn, lar usw. in Beschäftigung stehen, vor allem den Touristen, die den benachbarten Greifenstein zu besuchen gedenken. △ Dutenhofen, 28. Dez. Durch seinen General, bevollmächtigten Herrn Direktor Paseoe zu Gießen, hat der frühere Bergwerksbesitzer Herr Fe r nie auch in diesem Jahre unserer Gemeinde durch Ueberweisung einer namhaften Summe für die Kleinkin» erschule und für die Armen eine große Weihnachtssreude ^e eitet. Tiefe Fürsorge wird um so dankbarer anerkannt, ; i die beiden Herren durch ihren Rücktritt von dem Gieße"."r Braunsteinbergwerk in keinem Verhältnis mehr zu unserer Gemeinde stehen, die besonders in früherer Zeit viele Arbeitskräfte für dieses Werk stellte. [] Marburg, 28. Dez. Im Fürstenhaus fand heute unter dem Vorsitze des Landrats v. Negelein eine Kreis, tagssitzung statt. Aus den Verhandlungen ist folgendes bemerkenswert: Der beantragten Bewilligung eines Bei. trags zu den Kosten der Fürsorge für entlassene Strafgefangene stand man ablehnend gegenüber weil hier allgemein zu dem Kasseler Verein gezahlt würde und außerdem in vorkommenden Fällen die Heimats. behörden helfen müßten. — Im Anschluß an die erledigte Tagesordnung besprach man die verkehrshemmenden Ta. rifbestimmun gen der Kleinbahnen. Wer z. H Güter in die nahe Hornberger und Alsfelder Gegend, sowie umgekehrt von dort nach hier sende, müsse mit ansehen, daß diese nicht im Uebergangsverkehr über die nächste Station Kirchhain, sondern mit über 100 Kilometer Umweg über Gießen und Grünberg befördert würden. Bei der Fortführung der Kreisbahn in hessen-darmstädtisches Gebiet trete derselbe Fall ein, wie jetzt bei der Ohmtalbahn. Alle waren darin einig, daß diese unglücklichen Tarisvei> hältnijse beseitigt werden müßten. Weiter gelangte eine Eingabe eines neuen, vorläufig aus den Spitzen der städti- scheu Behörden zusammengesetzten Eisenbahnkomitees zur Verlesung. Es wird gewünscht, die zu erbauende Wohratal b a h n, die die bahnarme Gegend zwischen der Frankenberger und Main-Weserbahn erschließen soll, aus mannig- fachen Verkehrsgründen von Rauschenberg aus nicht nach Kirchhain, sondern durch die ortschaftenreiche Schönstadter Gegend nach Kölbe bezw. Marburg zu führen. Man bewilligte einen Beitrag zu den Vorarbeiten zur Ausführung des Projekts und wählte in die Kommission die Kreistagsmitglieder Fabrikant Schäfer-Marburg, Forstmeister Wolfs- Wetter und Bürgermeister Feußner-Kölbe. s. Braunfels, 28. Dez. Hotelier Muscheuheim in Newyork, Ehrenmitglied unseres Turnvereins, hat dem Vor- stände den hochherzigen Vorschlag gemacht, auf seine Kosten eine Lesehalle mit Zentralheizung an die Turnhalle anzu. bauen. / ---- - - ------- --- —"-1----!—'■ ' „ dann tn Berlin Philologie und Philosophie. Nach feiner Promotion im Jahre 1850 unterrichtete er eine Zeitlang an dem Gymnasium feiner Vaterstadt, ward aber bald Hauslehrer in vornehmen Familien und erwarb sich den Ruf eines ausgezeichneten Pädagogen. Im Jahre 1866 wurde er vom damaligen Kronprinzen, der ihn im Hause des Grafen Görtz-Schlitz kennen gelernt hatte, zum Erzieher des Prinzen Wilhelm ernannt und blieb in dieser Stellung bis sein Zögling 1877 auf dem Gymnasium in Kässel das Abiturienten^Examen ablegte. Aber auch als der Prinz großjährig geworden war, blieb er in steter Verbindung mit feinem Erzieher, der ihm im Laufe der Zeit ein Freund geworden war. In dem Verhältnis änderte sich nichts, als Wilhelm II. den ThÄn bestieg; nachdem er die Regierung übernommen hatte, ernannte e. Hinzpeter zum, Geh. Ober-Regierungsrat und wiederholt hörte 'er in wichtigen Angelegenheiten seinen Rat. So ließ er sich von ihm 1889 während des großen Ausstandes über die Verhältnisse der Bergarbeiter in Rheinland und Westfalen Bericht erstatten und 1890 ernannte er ihn zum Mitglied des Staatsrats. Hervorragenden Anteil u-ahm Hinzpeter an der vom Kaiser betriebenen Schulreform; er wurde 1890 in die Schulkonferenz berufen und war Vorsitzender des Siebener-Ausschusses, der 1891 die neuen Lehrpläne ausarbeitete. Bis zu fernem Tode genoß er das Vertrauen und die Freundschaft des Kaisers, der nie in der Nähe von Bielefeld weilte, ohne den ehemaligen Erzieher zu sehen — erst im August dieses Jahres hat er chm wieder einen Besuch abgestattet und bei ihm das FrüHstück eingenommen — und ihm alle erdenkliche Ehre erwies. Er hat ihn 1903 zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt uno 1904 auf Lebenszeit in das preußische Herrenhaus berufen. Als Schriftsteller hat er zwei wichtige Beiträge zur Chainkteristii des Kaisers und feiner Eltern geliefert. „Zum 23. Januar 1883. Eine Unterhaltung am häuslichen Herd für den Tag der silbernen Hochzeit des tronprinzlichen Paares" und „Kaiser Wilhelm II. Eine Skizze nach der Natur gezeichnet." In beiden Schriften hält Hinzpeter seine eigene Person durchaus im Hintergründe, aber man weiß, welchen Einfluß er auf die geistige Entwickelung des Kaisers ausgeübt hat. * .— Zum Nachfolger des Professors Dr. Volbach in der musikalischen Leitung der Liedertafel zu Mainz wurde Kapellmeister Prohaska aus Wien gewählt. Prohaska begleitete früher Herrn und Frau Tr. Felix von Kraus auf Konzert- frumöen. Er ist 1869 als Sohn des Landgerichtsrats Dr. Karl Prohaska in Mödlung bei Wien geboren. Er nahm theoretischen Musilunterricht bei Franz Streun, Professor am Konservatorium in Wien. 1888/89 hörte er auf der Universität Wien mufif^ wissenschaftliche und philosophische Vorlesungen und ging 1890 nach Beran, wo er den Klavierunterricht Engen d'Alberrs genoß. 1894 wurde er Lehrer für Klavier am Konservatorium in Srraschurg un Elsaß, 1900 Kapeli-rleister der Philharmonie .in Warschau. Aufgechhrt wurden von seinen Werken bis jetzt: Orchester-Variationen über ein Thema von I. I. Rousseau, Symphonisches Derspiel zu Anzengrubers Volts stück „Das vierte Gebot", Solo- Kantate für Bariton und. Orchester, ein Klavier-Quartett, ein Streichquartett, eine Vivlinsouate, Frauenchöre, Lieder und Duette. — Die Einnahmen der B ü h n e n st e r n c. Aus Pans wird bekannt, daß Fran Brsval und Herr Telmas von der Großen Oper em Geyalt von je 84 000 Franks aus dem iranzos. Staalshanshalt bezwyen, und daß Herr eenramberg 72 000 Franks erhält. In Berlin gibt es keinen direkt aus Staats- nnlteln bezahlten Bühnenkünstler. In den königlichen Theatern tütrb der gesamte Betrieb aus der Privatschalnlle des Kaisers unterhalten. Trotzdem sind die Gehälter einiger Berliner „Sterne" eingeweihlen Kreisen nicht unbekannt. Sie reichen aber an die Summen, die die ersten Größen an den Pariser Theatern beziehen, nicht heran. Das bestbezahlie Bühnenmitglied in Berlin, Kammersänger Ernst Kraus, der Heldemenor des königlichen Opernhauses, bezieht eine Gage von ungeiähr 46 000 Mark. Freilich ist 5lraus für die ihm gezahlte Summe nur für sechs Monate an das Opernhaus verpflichtet und kann während des anderen Halbjahres durch ^vastspiele noch gar ^nanches Sümmchen hinzuerwerben. Tie höchste Gage von allen Schauspielern bezieht Adalbert Aiat- k o iv s 11), der Held des Berliner kgl. Schauspielhauses. Sem Fayresgehalt betragt 40 000 Mark. Doch ist dieser Künstler viel ans Gaitspielreisen tätig, so daß seine geianne Jahreseinnahme sich auf ungefähr 70—80000 Mark belaufen dürfte. Emmy Destiiin bezog bei ihrem Engagement am Berliner Opernhaus 28 000Blark. Doch dürste diese Summe sich inzwischen auf 36 000 Mark erhöht haben. Unter den privaten Theatern Berlins zahlen die höchsten Summen an ihre darstellerischen Biilglieder nicht die der ernsten, bohen Kiinsl geweihten, sondern die Stätten des heiteren Genusses. Tas Aletropolthecuer schießt hier öen Bogel ab. Thielschers überwältigende Komik wird mit 40 000 Mark bewertet, wahrend der fentere Hilinor Gtalnpietros dem Künstler „nur" 36 000 '■Wart ernt ragt. Fritzi Massary hat mit 30 000 Mark gleichfalls ein recht auskömmliches Gehalt. Dieselbe Summe wie sie bezieht A ii t o i n e l t e D e l l' E r a, die erste Tänzerin der Hofoper, für ihre graziöse Fußspitzenkunst. Noch ein wenig höher honoriert wird im Berliner Lessing-Theater Else Lehmann, deren Gage 33 000 'Diart beträgt. Ihr nächster Kollege und treffliche Gegenspieler Albert B a s s e r m a n n bezieht dagegen nur 24 000 Mark. Direktor Schmieden im Neneii Theater muß feinen Star Rudolf (£ h r i ft i a ns mit 28 000 Mark dotieren. Stoch höher bemertet ist bie Kraft Harry Waldens un Neuen Schauspielhaus, denn der muntere Darsteller bezieht dort 33 000 Mark. Das Deutsche Theater zahlt an Friedrich Kayßler 20 000, an Rudolf Schildkraut 18 000, an den jungen Alexander Ni o i s s i dagegen nur etwas mehr als 6000 Di art jährlich. Hermann Nissen, der erste Darsteller des Berliner Hebbel-Theaters, bezieht 20 0U0 'Mark Gage, und an den Lchiller-Theatern erhält der jugendliche Heldendarsteller inid Liebhaber Georg P ä s ch k e auch schon 10 000 Mark. — Die neue Rundschau (Berlin, S. Fischer-, Verlag) zergl in ihrem Januarheft erweiterte Form. Ter Glanzpunkt des Heftes ist der Beginn des Tagebuchs, das Gerhart Hauptmann auf seiner Griechischen Reise geführt hat, eine für die Beurteilung des Dichters sehr wichtige, breite und farbige Aussprache mit der Landschaft (Konu, Oll-'mpia) Wir sinden ferner den Beginn des ersten großen Romans, den Arthur Schnitzler unter dem Titel „Der Weg ins N.r eie" soeben beendet hat; ein sprühendes Bild des heutigen Mrener Lebens nut all seinen gesellschaftlichen Problemen. Die Mwüichriststellerin La Mara veröffentlicht einen Essai über bic Unsterbliche Geliebte Beethovens, die sie in Therese Brunsvik sieht, zeichnet ihr Charakterbild und bringt eine große Anzahl unveröffentlichter Dokumente und Briefe zur Zeitgeschichte. Ernst Heilborn schreibt über „Bienen, Ameisen und Menschen", ein tiefempfundener Vergleich naturwissenschaftlicher Beobachtung und menschlicher Theorie, das Bekenntnis eines Dichters über Izeben und schaffen. Theodor Barth schreibt eine poli-- t liege Chronik. Ein anonymer Artikel „Politische Aengste eines unpolitischen Mannes" eröffnet das Heft, das Programm eines Willens zu tiefer Einkehr und mannhafter Selbstbesinnung. Glofsen über allerlei Zeitereignisse, Bücher usw. sind der Schluß. K leine Ch r o n i k aus Kunst und Wissenschaft. Ter ^Reichsanz." veröffentlicht die Verleihung des Charakters als Geh. Oberrnedlzinalrat mit dem Range der Rate zweiter Klasse an öen Geh. Medizinal rat Professor Ehrlich m Frankfurt. - \\ l *?.a L y ' ^enov an der Pariser Großen Oper, hat gegen ein ~ U, ei,?en Prozeß angestrengt auf Zahlung von 100 000 Franks Entschädigung , weil der T h e a t e r f r i 11 f e r dwses Blattes erklärt hatte, daß Alvarez falsch finge, und bay er sich sehr wundere, daß dieser mieöer engagiert worden sei. — ^er König von Slam wird em B u ch über seine jüngste Dveife m Europa unter dem Titel „B riefe an meine Tochter" veröffentlichen. — Willy Bur m c st e r, dem bekannten Geiger, wurde vom Großherzog von Hessen der Orden Philipps des Großmütigen erster Klasse verliehen. sind. Es mftbnt immerhin Fälle Vorkommen, bafi solche Referenzen entweder die Kreditfähigkeit zu Beurteilender in günstigem Lichte schildern, um~ selbst nicht zu Schaden zu kommen, tidcr aber, Nir, ne, aus toorge andere Lieferanten möchten ins Geschäft icnnnen, in schwarzen Warben zu malen versucht sind. Es ist somit iiar, b-au die Urteile von Referenzen im Vergleich zu den Auskünften gutgeleiteler berufsmätziger ?s u s k n n f t e i e n nicht immer auf unbedingte Zuverlässigkeit Anspruch erheben können^ rommt es doch sogar vor, das; sich Geschäftsleute dazu hergeben, gegen Bezahlung als Referenzen zn dienen, oft noch dazu für 'PCijoiicn, die ihnen kaum dem Xiamen nach bekannt find' Lat allo die Re^erenzauskunit für den, der sich ihrer bedient, schon einen verhaltii.smastig geringen Wert, so besteht nach jüngst ergangenen hochstmitanzlichen Entscheidungen unter Umständen geradezu eine (^ei'taljr für denjenigen, der sie erteilt. Die neuesten Urteile gehen in ihrer Begründung nuelyrfad) so weit, datz man eigentlich jede Auslunslserleilung nn Private wegen der Möglichkeit, hastpflichtig gemacht zu werden, ablehnen sollte Tie Mehrzahl der Reserenzeir jud>t sich zwar vor Rcgretz-An- sprächen zu schützen: es geschieht dies in der Weise, daß die Aus- tünfte mit den Zusätzen „ohne Verbindlichüdt" oder „ohne Obligo" ver>ehen werden. Solche Zusätze schützen aber nicht bedingungslos gegen .^astpilicht, da sie keine vertragliche Vereinbarung mit dem Austuultsempsänger darsteilen. Hieraus ergibt sich, daß der um AuSkunst ersuchte Kaufmann vor Abgabe der Auskunft ein Ablommen zu treffen hätte, welches die Haftung ausschließt soweit dies gesetzlich überhaupt möglich ist — ein Vertragsverhaltnis bezüglich der Entbindung von der Haftbarkeit, wie es die Aus- kunfteieu mit ihr n Kunden tätigen, wenn der als Referenz auftretende Kani mann im wrttesten einne gegen die Haltung aus seiner Auskunst geschützt sein soll. Um dies an einem Beispiel zu erläutern, wollen wir auf die Entscheidungsgründe eines Urteils des Landgerichts Torgau eingehen, das einen Kaufmann wegen Erteilung enter unzutreffenden Neserenzauslünft zum Schadenermtz verurteilt hatte. Es heißt darin, daß der Aus- lau, tserteiler bct Abgabe seines unzutres,enden llrteits die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns verletzt habe, weil er sich nicht hinreichend über die Verhältnisse oes Beurteilten unter- rid-tet habe. Ferner besagt das Urteil, datz die Firma, weld)e die Referenzausrunft erteilt hatte, von der in der Stadt bekannten mißlichen Vermögenslage des zu Beurteilenden gepört haben müsse. Ter Beklagte haste also der Firma, die auf gründ seims Berichtes Kredit gegcoen^ habe, für den erlittenen Schaden als Bürge, ohne daß es einer Vorausklage gegen den ursprünglichen Schuldner bedurfte. Hieraus ergibt sich, daß es nicht genagt, wenn der eine Reserenzaustuutt erteilende Kaufmann die tzrciahrungen mitteilt, die er per,önlich im geschäftlichen Verkehr mit dem zu Beurteilenden gemacht hat. Er mutz vielmehr, wenn eiwa durch Käedit- gabe aus Grund der AuStnntt Schaden erwach,en ist, den diach- we,s dafür erbringen können, daß er sich über die Verhältnisse des Beurteilten ausreichend unterrichtet hat, wenn e£ vermeiden will, datz er für den verloren gegangenen Betrag hastbar gemacht wird. Wie mancher Lieferant, wie manche Bank, die als Referenz au,gegeben sind, begnügen sich mit der Wiedergabe ihrer eigenen Beobachtungen über den zu Beurteilenden. Zeder Kausmaiin hat wohl schon eine Reserenzanskun,t etwa folgenden Zni-alts erteilt, //-öd) kreditiere dem in Rede Stehenden gerne; seinen Verpflichtungen bei mir kommt er nach." Selbst wenn diese Angaben aus der eigenen Erfahrung zutteffen, tritt in solchen Fallen eine Haltbarkeit ein, wenn die Referenz etwa ihr bekannte Tatsachen verschwiegen hat, weiche gegen die Kreditfähigkeit des Beurteilten sprechen, ja, die Haftbarkeii ist sogar schon vorhanden, wenn es dem Aus tuns tserteiler nach Lage der Verhältnisse möglich gewesen wäre, sich, durch Erkundigungen ein zutreffendes Bild über die Verpültnifse des Beurteilten zu fchasfen oder wenn er, wie oben aus- gefützrt, über die mißliche Lage des zu Beurteilenden hätte unter- rictztet sein müssen. Vorsichtige Kausieute dürsten daher gut tun, die Erteilung von Referenzaustünften grundsützlid) abzulehnen oder sich vor Erteilung der Auskunst die Entbindung von jeder Haftoarteit von dem Ansragenden ausdrüdlid) beftdtigen zu lassen oder aber sich — eoensal.s vor Erteilung der Auskunft — am Platze andenveitig, vielleicht bei einer als zuverlässig bekannten Auskunftei zu erkundigen. Im letzteren Zalie mutz es and) rötlich erscheinen, die Belege (erhaltene Austunftausfer- tigungen, Briese ufw.) zn rejewieren, damit im Bedarfsfälle der Nachweis erbracht werden kann, daß die Referenzauskunft nicht nur auf gründ eigener Wahrnehmungen gegeben wurde, sondern daß Erkundigungen bei anderen Stellen ebenfalls stattgefunden haben. Ein preußischer Major von einem Hauptmann erschossen. In der oftpr. Regierungshauptstadl Al len stein wurde der Major von Schönebeck vom Trag.-Regiment Nr. 10 mit einer Schußwunde in der Stirn in seinem Schlafzimmer tot anfgesun- bcn. Major von Schönebeck wollte am Morgen des zweiten Weih- nachtsseiertages zur Jagd fahren. Als ihn sein Bursche morgens ^vecken wollte, fand er den Major Halo angetleidet tot aus der Schwelle seines Schlaszimmers mit einer Schußwunde in ter Stirn liegend: neben ihm lag sein Revolver. Dieser war aber voll geladen, in der Trommel sehlte feine einzige Patrone. Der tödliche Schuß ist unzweifelhaft aus einer kleineren Waffe abgefeuert_worden, und zwar aus der allernächsten Nähe, denn die EinschußsteUe war vom Pulver brandig versärbt. Im Nebenzimmer war ein Fenster geöffnet; von hier aus führten Spuren durch den frischen Schnee. Anscheinend ist also der Täter, nachdem er den Schuß abgegeben hatte, durch das Fenster entflohen. Im Hanse hat niemand etwas von dein Schutz gehört; das wird verständlich, wenn man die Verhältnisse in Betracht zieht.. Das von Major von Schönebeck und seiner Familie bewohnte Haus steht völlig frei; ein Schuß, und dazu nod) aus einer so kleinen Waffe, verhallt leicht. Das Haus besteht nur aus einem Erdgeschoß und einem Stockwerk. Während der Erschossene zur ebenen Erde schlief, waren die Räume der Familie und der Dienerschaft im ersten Stock. So tarn es, daß auch im Hause niemand den Schutz gehört hat uitb die Tat erst am Morgen entdeckt wurde. Am 28. Dezember wurde in seiner Wohnung der .H'aupt- mann v o n Go eben vom Masurischen Feldai tillerieregiment .Nr. 73 verhaftet unter dem Verdachte, den M ort) begangen zu haben. Er wurde in das Arresthaus der 37. Divif ion gebraan: irgend ein Geständnis hat er bis letzt nicht abgelegt. Der Hauptmann bestreitet angeblich nicht, in der Mord- nad)t im Haufe des erschossenen Majors gewesen zu sein, lieber den Zweck seines Aufenthaltes in der Villa des Majors gibt er aber keine Auskunft. Einige nähere Aufklärung wurde von der Vernehmung eines Allensieiner Bürgers erwartei, der geäußert haben sollte, daß er in der Mordnacht zwischen 12 und 1 tthr im Hanse v. Schönebecks Licht gesehen habe. Vor den Richtern hielt der Vernommene seine Auslage aber nicht aufrecht. Hauptmann v. Goeben steht in dem Rufe eines vorzüglichen Mensurenschkägers und Pisiolenschützen. Die Staatsanwaltschaft und das Kriegsgericht der dortigen Division sind unablämg bemüht, Klarheit zu schaffen. Ob die Verhaftung des Hauptmanns wird aufrecht erhalten werden können, ift nacy neueren Meldungen zweifelhaft, da, wie verlautet, positive Verdachtsmomente nicht vorliegen. Es heißt, daß die Verhaftung hauptsächlich erfolgt sei, um eine völlige Klärung der angeblich sehr verwickelten Famikienverhältnifse hcr- beizuführen. Daß auf jeden Fall mit der Annahme gerechnet wird, daß nur eine Milttärperson als Täter in Frage kommen kann, wird dadurch bestätigt, daß, unterstützt von der Staats- anwallfchaft, das Kriegsgericht die Untersuchung führt, das aud) für dringend erwünscht erklärt Hal, daß ihm alle zur Aufklärung dcs Tatbestandes dienenden Angaben unverzügtid) Ergehen. Auch sind auf Bitte des Kriegsministers vom Berliner Polizeipräsidium zwei Kriminalkommissare nad) Allensteiu entsandt und dem die Untersuchung führenden Kriegsgericht zur Verfügung gestellt worden. Es ist weiterhin bemerkenswert, datz Lie Familienmitglieder nicht zusammengeblieben sind, sondern sich getrennt haben. Major von Schönebeck wurde am Sonntag nachmittag aus dem katholischen Friedhof beigesetzt, nachdem eine Trauerfeier in der Kapelle des Garnisonlazaretts stattgefunden hatte. Dermifdytw. * Eisenbahnunfälle. Aus Falkenberg wird vom 28. Dez. amtlich gemeldet: Gestern abend fuhr der Schnellzug Nr. 104 einem Güterzuge in die Flanke. Vom Zuge 104 entgleiste die Zuglokomotive; vom Güterzuge wurden die letzten vier Wagen erfaßt und umgeworfen. Im Schnellzug befand sich der Groß Herzog von Sachsen- Weimar. Es wurde ermittelt, daß im Salonwagen nur einige Flaschen zerbrochen worden sind. Von den übrigen Reisenden sind einige verletzt, sie setzten aber sämtlich ihre "Reise fort. — In Leipzig überfuhr ein Personenzug, der von zwei Lokomotiven gezogen wurde, beim Einlaufen in den Bahnhof einen Prellbock, so daß die F ü h r u n g s l o k o - uiotive die Stirnwand des Bahnhofsgebäudes durchbrach und in das Zimmer eines Wa g e n m e i st e rs ein- drang. Personen wurden nicht verletzt. Die Lokomotive, die die Säulenwände zertrümmerte, ist stark beschädigt. * Dorf und Stadt. In dem Vierteljahrheft zur Statistik des Deutschen Reichs 1907 IV werden als Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 Nachweise über die. Bevölkerung des Reichs nad) Größenklassen der Gemeinden und über die Bevölkerungsdichte veröfsentkicht. Hiernach wohnten, von den 60 641 2'<8 Einwohnern des Deutschen Reichs 25822481 oder 42,58 vom Hundert in 72 811 Gemeinden mit weniger als 2000 unb 34 818 797 ober 57,42 vorn Hundert in 3580 Gemeinden mit 2000 und mehr Einwohnern. Beide Gruppen von Gemeinden sind in je vier Größenklassen eingeteilt. Zur ersten Gruppe gehören 15 449 Gemeinden mit weniger als 100 Einwohnern unb einer Bevölkerung von 850 231 Seelen; 40 845 Gemeinden mit 100 bis 500 Einwohnern und einer Bevölkerung von 10 307 747 Seelen, 11 679 Gemeinden mit 500 bis 1000 Einwohnern und einer Bevölkerung von 8 073 843 Seelen, endlich 4838 Gemeinden mit 1000 bis 2000 Einwohnern und einer Bevölkerung von 6 590 660 Seelen. Zur zweiten Gruppe gehören 2386 Gemeinden mit 2000 bis 5000 Einwohnern unb einer Bevölkerung von 7 158 685 Seelen, 945 Gemeinden mit 5000 bis 20 000 Einwohnern (Kleinstädte) und einer Bevölkerung von 8 334 478 Seelen, 208 Gemeinden von 20 000 bis 100 000 Einwohnern (Mittelstädte) und einer Bevölkerung von 7 816 630 Seelen. Endlid) 41 Gemeinden mit mehr als 100 000 Einwohnern (Großstädte) und einer Bevölkerung von 11509 004 Seelen. Unter Zugrundelegung der für das Reich ermittelten Fläche von 540,777,52 Quadratkilometer und der Bevölkerung von 60,641,278 Einwohnern kommen auf einen Quadratkilometer im Durchschnitt 112,14 Einwohner; vor 10 Jahren kamen aus dieselbe Fläche nur 96,70 Einwohner. Abgesehen von Berlin unb den Hansestaaten Hamburg und Bremen weisen unter den größeren Verwaltungsbezirken die beträchtlichsten Dichten auf Regierungsbezirk Düsseldorf mit 546,10 Einwohnern auf 1 Quadratkilometer, Kreishauptmannschaft Chemnitz mit 410,98 Einwohnern, der Hansestaat Lübeck mit 355,57, die Kreishauptmannschaften Leipzig, Zwickau und Dresden mit 321,37, 314,06 und 296,16, die Regierungsbezirke Köln mit 287,09 und Arnsberg mit 274,46, endlich Rheinhessen mit 268,86 und der Neckarkreis mit 243,71 Einwohnern auf 1 Quadratkilometer. Tie am geringsten bevölkerten Gebiete sind die Großherzogtümer Mccklenbnrg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin sowie die Regierungsbezirke Köslin, Allenstein und Lüneburg, die alle im Durchschnitt weniger als 50 Einwohner auf einen Quadratkilometer enthalten. * Eine Panik im The ater. Im Stadttheater zu Döbeln gab es am 1. Weihnachtsseiertag bei ber Aufführung der Komödie „Der Dieb" von Bernstein eine Aufregung. Im zweiten Akt, nad) ber pikanten Auskleideszene, rief plötzlich die Souffleuse nach Wasser, da sich unter ber Bühne Rauch hiuzog. Der Vorhang ging nieder, mehrere Feuerwehrleute eilten hinzu unb die Souffleuse rettete sich auf die Bühne. Währendbessen hatte aud) schon ein Zuschauer einen Hydranten auf dem Gang hinter den Logen geöffnet unb badurch sich und den Gang durchnäßt. Ein Teil des Publikums flüchtete in Aufregung aus dem Zu- ]'d)auerraum. Es stellte sich aber glücklicherweise heraus, baß nid)t Rauch, sondern Wasserdamps, der dem Ablaßrohr eines Heizrohrs unter der Bühne entströmte, die Souffleuse geängstigt hatte. Das Publikum beruhigte sich alsbald Mieder, so daß die Vorstellung zu Ende geführt werden konnte. * Thüringisches. Man schreibt ber „Köln. Ztg." aus Greiz: Augenblicklich geht man mit dem Plane um, den wei- marischen Anteil an der Stadt Kranichfeld gegen die meiningischen Enklaven Lichtenhain, Vierzehnheiligen unb allenfalls aud) Miloa auszutauschen. Durch die mitten burch bie weimarisch-meinin- gische Stadt Kranichfeld im Zickzack laufende Lanbesgrenze sind nämlid) die merkwürdigsten Zustande geschaffen. In ein unb berselben Straße ist ein Teil der Häuser weimarisch, ein anderer meiningifd), balb läuft bie Grenze burch die Sd)lafstube eines Hauses, balb burch den Viehstall. Für die Gäste des „Rats- letters" sind bie verwickelten Grenzverhältnisse besvnbers vorteilhaft. Da die Grenze mitten durch das große Gastzimmer läuft, machen sie sid) bei ber Verschcebenheit der Feier ab end stunde n bieses zunutze, um aus einem „Lanb" in das anbere überzusiedeln und so die Polizeistunde zu umgehen. Außer der Stadt Kranichfelb gibt es übrigens nod) eine ganze Anzahl Ortschaften, dce verschiedenen Staaten angehören, uni) bei denen bie Verhältnisse ähnlich liegen. * Gin „armes Mäbchen , aber sehr h ü b s ch", bittet um eine Weihnachtsgabc. Tas originelle Schreiben, in dem dies geschieht, ist an eine Stettiner Firma gelangt, bie es ber „Ostsee-Ztg." zur Verfügung stellt. Es lautet unter Weglassung der Namen wörtlich wie folgt: „Geehrter Herr . . . Da es jetzt, zu Weihnachten geht und id) soviel Hefe verkaufen mutz. So möd)te id) Sie bitten um ein kleines Weihnachtsgeschenk. Ich bin Verkäuferin bei Herrn Bäckermeister . ... ich verkaufe schon 5 Jahre ihre geehrte Hefe und habe nod) niemals was zu Weihnachten bekommen vom Herrn . . . Bitte seien Sie auch so gut zu mir und schenken sie mich was zu Weihnachteu ich bin ein armes Mädchen aber sehr hübsch. Die herzlichsten Grüße verbleibe id) Ihre Lina .... Jin voraus sage ich Ihnen mein lieber Herr .... mein^aller herzlichsten Dank für das große Weihnachtsgeschenk/' — So ber Brief, bem am Schluß ber Sicherheit halber nod) einmal die ganz genaue Adresse angefügt ist. ^amUieit»Had?rid?teie. Verlobt: Frl. Minna öhmtcimami nut Herrn Ludwig Kanibeitz in Hungen. — Frl. Gretel Ernst mit Herrn Heinz Knoch in Atarburg. — Frl. Minna Wagrier in Atarburg mit Herrn Hans Hohnhorst in Berlin. — Frl. Tilly Maus in Marburg mit Herrn Franz Renß in Benshausen. — Frl. Toni Winkler mit Herrn Georg Schädta in Marburg. — Frl. Henny Geidt in Marburg mit Herrn Hugo Drews m Köln a. Rh. — Frl. Lotlchen Holl in Stadecken mit Herrn Heinrich Nahrgang in Ruppertenrod. — Frl. Sophie Hinket mit Herrn Karl Reinhardt in Schlitz. — Frl. Drna Vetter in Engelstadt mit Herrn Heinrich Falk in Butzbach. — Frl. Elpe Müller m Alsfeld mit Herrn Konrad Wiegand in Barmen. — Frl. Riathilde Lang mit Herrn Wilhelm Kops in Griedel. — Frl. Berta Weiß mit Herrn Hermann Hahn in Altenburg. — Frl. iZifa Schlitt in Atsseld mit Herrn August Korell in Frankfurt a. M. — Frl. Elise Schwalm mit Herrn Konrad Hedderich in Elbenrod. — «Zrl. Plane Enders mit Heinrich Richtberg in Romrod. — Frl. Wilhelmuw Molw in Wetzlar mit Herrn Wilhelm Veit in Nauborn. — Frl. Elisabeth Glaub mit Herrn Hermann Sieten in Reichelsheim. — Frl. Frieda Kraft mit Herrn August Kester m Wetzlar. Geboren: Herrn W. Henkel und Frau Emilie, geb. Möglich in Elberfeld ein Töchterchen. — Herrn Pfarrer Ntöller unb Frau Martha, geb. Hübner in Rendel em Töchterchen. Gestorben: Frau Ottilie Werner, geb. Stein, in Bad- Nauheim. — Frau Etisabeihe Daubert in Alfeld. — Marie Seeling in Alsfeld. — Frau Pfarrer Marie Olberter in Büdingen. — Herr Mühlenbesitzer Karl Bainnann in Wirgfolms. — Uran Kunigunde Fillmar Wive., geb. Seelig, in Friedberg. — /rau Katharine Ritz, geb. Ferch in Pfordt. — Herr Schuhmachernici'ier Ruppert Lalifs in Marburg. Kird>üd>e NachrichteHH, lü’Vanßdiidje Gemeinde. Dienstag den 31. Dezember, Silvester: In der Stadtkirche. Abends 6 Uhr: Pfarrer S di w a b e. In der Joha»tueoiirche. Abends 7'/« Uhr: P'arrer A u s f e 1 d. Mittwoch den 1. Januar, Neujahr: Kollekte für die Armen. In der Staditirche. Vormittags 91/, Uyr: Pfarrer Schlaffer. Abends 5 Uhr: Piarrer Schwabe. In der Johanneskirchc. Vormittags 91/, Uhr: Piarrafsistent Becker. Abends 5 Uhr: Siehe Stadlklrcbe. ZlathoLl)che Genicrndc. Dienstag den 31. Dezember: Nachmittags um 5 Uhr und abends um b Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Nachmittags um 5% Uhr: Silvester-predigt, daraus Andacht mit Segen und Te De-m Mittwoch den 1. Januar, Beschneidung des Herrn. Vormittags von 6Uyr an: Gelegenheit zur heil. Beichte. , um 7 Uhr. Tie er|te heil. "Meße, vor unö m derselben Austeilung der heil. Mommuiuon. „ um 8 Uhr: Tie zweiie heilige "Messe Mdilärgotlesdieiift mit Predigt. „ um 91 $ Uhr. Hochamt mit Previgl. Nachmittags um 5 /, Uhr: Feitandacht nut Segen. MeternOt0jzrjcUe öetib:ut)iitngen der Station Gießen. Tezember Wette: 1907 2 <2 Z-ß Höchste Temperattlr am 29.—30. Dezember — — 3,1 * C. Niedrigste „ „ 29.—30. „ — — 5,5 6 C. 29. 2,& 743,7 -5,3 3,0 98 ENE 4 Schneefall 29. 924 745,8 — 5,2 2,6 85 E 4 30. 747,8 — 4,8 2,7 86 E - Bed. Himmel Teiefomsche Kursberichte des Giessend Anzeigers, mitge und Indiibti Frankfurter ßörsie. Beichsanleihe . . 93.30 do. . . 82.9'J 3>$°/0 Konsois .... 93.75 do 82.90 ö>^0/0 Hessen 92 20 3>$0/0 Oberhessen . . . 92.00 Ob Uesterr. Goldrente. . 97 30 4l/6 % Uesterr. bilberreute 98.80 Lu gar. Goldreute . . 93 45 4% Italien. Bente . . . —.— 3-6 Portugiesen Serie I 63.20 3% Portugiesen „ III 64.-50 4>6 °/0 russ.Staatsaul. 19Ua 93 2ö 4)4"/o japau. Staatsanleihe 89.00 4-6 Uonv. Türken von 19u3 94.05 Türkenlose 143 40 4-6 Gnech. Monopol-Anl. . 49.70 4-6 äussere Argentinier . 84.75 3°/0 kleiiaaner .... 61.8u 4>so/o Chinesen .... 93.00 Aktien: Bochum Guss 191.50 Buderus E. W 115.00 Tendenz: still. Berliner Börse, 30. Cauada E. B 151.20 Darmstadter Bank . . . —.— Deutsche Bank .... 228.70 Dortmunder-Union C. . . — Dresdner Bank . . . 138.9b Tendenz: ruhig. teilt von der Bank für Handel le. Giessen. 30. Dezember. 1.16 Uhr. Elektnz. Lahmeyer . . . 120.00 Elektnz. Sehuckert . . . 100.00 Esch weder Bergwerk . . 205.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 193.70 Hamburg-Amenk. PaketL 115.80 Harpeuer Bergwerk . . 195.50 Laurah ütte 217.00 bordd. Lloyd .... 104.00 Ubeischles. Eisen-Industrie 97.75 Berliner ilaudeisges. . . 154.80 Darmstädter Bank . . . 126.45 Deutsche Bank .... 228,o0 Deutsch-Asiat. Bank . . 133.00 Dibkonto-KomiuanoiL . , 171.30 Dresdner Bank .... 138.90 Kreditaktieu 200.80 Baltimore- und Ohio- Eiseulahn 83.20 Gotthard bahn —.— Lomuaru. Eisenbahn . . 28 10 Uesterr. Staalsouhn . . . 144.90 Pnnee-ilenn-Eisenbahn . 118.00 tezember. Anfangsknrse. Harpener Bergwerk. . . 194.76 naurahütte 216.80 Lombarden E. B. ... 28.10 bordd. Lloyd 103.90 1 urkgnlose 143.70 LE -;-*v Gramm BIOSON feiten nur 30 Pf., enthalten 35 Gramm Eiweiß und sind gleich 6 Eiern! Vwraus kann em Jeder erfeyen, daß man bei Biosow das neben dem wertvollen Eiweu;, auch noch Lecithin (Phosobor» nrb Eisen mr eine öcmnbe Bluttnldung cntljält, fein Geld nicht inmonKiui-3- 9wt, lonoei'u Nährwerte daun emiaufcht, die es zum derzeit bllliaiirr- aller 3lähr- und Krafttgungsniittet machen. Proseßor von pkoordens Versuche baden sefigepellt, daß sewst sehr groi;e Quanri- ** }rttcn Vwwn-120Gramm pro Tag —gut vertragen und K w gut wie oas Eiweiß des Fleischec vom Körper aus acnuijt werden. Uleraus ergibt itch der große ^cayrwert <51 V und die Bllllgreit des Viofons, wodurch es alle anderen ähnlichen Präparate tucii übertrifft, wie aus der jedem Badet PeiugendeiiVerglelchsiaoelle deuttick) ersichtlich in. Cs5 hLute mit Vorliebe von den Aerzten w u—-• als pttittnldendes,appetliaiiregeiides,^cal)r-bi.rafligunas u"d Startungsmittel bei blutaruien, jungen Mädchen ■S rQ und ö-rauen m unb nach schweren, fieberljaiten stranf- 5 zetten, Operationen, Blutverlusten, sowie für Nervöse, s S blU-Nvaiutte, schwächliche uiw. ufw. verordne!. Ma>l lieb als Beweis dafür bic zahlreichen Berichte von .«=» .Jcrtiiuern der Wifienichaft unö von Laien vom Vwjon wert Benöheini roiienivs kommen und ersehe daran-, Ä welche eruauuliche Lebenskraft dem Vloson innewobiü ü 5=5 Bwwn schmeckt gut, m fertig zum Gebrauch, wird wie k JSocao getrunicit und iji anerkannt die beste Unter- tzö» Uutzilng der GrnählUilg für Kinder in der Emwlckluna. 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Xenen Büue. J. Häuser, Eikn^iiMg, Neustadt 56. Telephon 76. Wlitliche Züsitüllllg. Dte Konkursmasse des Ludwig Sommer in Klein- Linden, vertreten durch den Verwalter, Rechtsanwalt Dr. Stahl in Gießen klagt gegen die Karl Hagele Witwe, früher in Gießen zuletzt m Frankfurt a. M. auf Grund ver-I käuflicher Lieferung von Waren nut dem Anträge auf vorläufig vollstreckbare tostenfällige Verurteilung dec Beklagten zur! Handlung de§ Rechtsstreits vor das Grobherzogliche Amtsgericht in Gießen auf den 13. Februar 1908, vormittags 9 Uhr Zimmer Rr 18. Zum Zwecke der öffentlichen Zustellung wird dieser Auszug der Klage bekannt। gemacht. Gießen, den 27. Dez. 1907. Dosch GerichtSschretber des Großherz. Amtsgerichts. b60/,. Scheuer öffentlich meistbietend zum bruch versteigern. billigst. Für Glühwein: la. itaL Rotwein, Ungsteiner (Weisswein) pro Flasche 65 Pfg. Südweine, 7866 Champagner. Louis Lind Welnhdlg. Kirchenpl. 10. Bezaubernd schön rouo jedes Gesicht, wenn Samstag, den 4. 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