Zweites Blatt Nr. 128 157. Jahrgang Dienstag 4. Jnni 1907 Erscheint ISgllch mit Ausnahme des Sonntags, Die ..Siebener Zamitienblötter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krdsblott für den Kreis Hießen" zweimal wöchentlich. Der „heffifche Landwirt" erscheint monatlich einmal. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Cberheften Notationsdruck und Verlag der Br üblichen UnwersitütS - Buch- und Sttindruckeret. 9L Laag«, Lietzen. Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expeditton und Verlag > 6L Redaktion: 112. TeU-Adr^ An^eigerEletzen. Fie eugüjchen Journalisten in München. Münch en, 3. Juni. Heute vormittag besuchten die englischen Journalisten gruppenweise die Sehenswürdigkeiten Münchens und statteten auch dem Hofbräuhause einen Besuch ab. Heute mittag hatten die „Münch. 92. 92achr." die englischen Gäste, die gesamte Münchener Journalisten- und Schristsrellerwelt zur Besichtigung ihrer, vor zwei Jahren erbauten und wegen ihrer praktischen Anlage und künstlerischen Ausgestaltung schon oft gewürdigten Geschäftsräume und zu einem glänzenden Frühstück geladen, wobei sich unter den Erschienenen etwa 200 an der Zahl, die fröhlichste Stimmung kundgab. Ter Verleger der „M. N. 92.", Thomas Knorr, brachte ein $od) aus die englischen Journalisten und das befreundete und große engliscye Volk aus. Dickiitson vom Reuterbureau dankte in deutscher Sprache in launiger Weise für den glänzenden Empfang in München und brachte ein Hoch auf die Münchener Presse aus. Bei gutem Wetter umernahmen heute nachmittag die englischen Journalisten einen Ausflug nach dem Chiemsee. Nach der Besichtigung des Königsschlosses auf der Herreninsel erfolgte die Weiterfahrt nach der Fraueninsel. Auf der Fraueninsel veranstalteten Einheimische ein ländliches Fest mit Volksbelustigungen, Schuhplatteln, Jodeln, Wettrudern und anderen Vergnügungen, sodaß alle Anwesenden und nicht zuletzt die englischen Gäste in die fröhlichste Stimmung gerieten. Vor dem Verlassen der Insel hielt der Chefredakteur der „M. 92. 92." Dr. Trefz in englischer Sprache eine Abschiedsrede. Steeb erwiderte mit einer kurzen Rede, die mit einem herzlichen Gruße und „auf Wiedersehen" schloß. Nach München zurückgetehrr blieben die englischen Gäste mit den hiesigen Herren noch eine Stunde im Fürstensalon des Hauptbat-nhofes vereint. In kurzen aber überaus herzlichen Abschiedsansprachen, wozu gegen zwanzig Redner deutscherseits und eriglifcherseits das Wort ergriffen, fand die hier Wirte unb Gäste beseelende Freundschaftsstimmung ikochmals lebhaftesten Ausdruck. Vor der Abfahrt des Zuges fanden sich auch der Verkehrsminister v. Frauendorfer und der österreichische Eisenbahnminister Derschatta ein. Gegen 11 Uhr erfolgte die Abreise der englischen Journalisten nach Frankfurt a. M. Der Abschied gestaltete sich zu einer von herzlicher Wärme erfüllten Kundgebung. Auf dem Bahnsteig sangen die Gäste und die Einheimischen gemeinsam: „Deutschland, Deutschland über alles"", „Heil dir im Siegerkranz" und „God jave the fing". Unter den stürmischen Hochrufen der Münchener verließ der Zug die Halle. • Das Präsidium des Komitees der engl. Journalisten hat vor der Wreise von Berlin an den Herzog zu Trachen- berg ein Schreiben gerichtet, das in Uebersetzung lautet: Berlin, 31. Mai. Euerer Durchlaucht bitten wir vor unserer Abreise von Berlin, uns zu gestatten. Ihnen selbst und durch Sie den Mitgliedern des Einpfangskomitees unseren aufrichtigsten und tiefgefühlten Tank aussprechen zu dürfen für die uns während unseres hiesigen Aufenthaltes und überhaupt während der ganzen bisherigen Reife erwiesene Liebenswürdigkeit und Gastlichkeit. Tie für unser Wohlergehen und unseren Komfort von den Mitgliedern Ihres Komitees von Anfang bis zu Ende bewiesene Rücksicht hätte gar nicht größer sein können. Unsere Fahrten sind uns durch die unermüdliche Liebenswürdigkeit und Aufmerksamkeit der Herren, welche die Güte hatten, uns zu begleiten und in Berlin sich unser anzunehmen sehr bequem gemacht worden. Ter Aufenthalt in Ihrer Hauptstadt war für uns eine Quelle l'Länbigen Interesses und Entzückens. Wir werden noch lange an der Erinnerung zehren an das von Ihrem Komitee veranstaltete großartige Bankett am Abend unserer Ankunft und an die herzlichen Worte der Begrüßung und des Entgegenkommens bei dieser besonderen Gelegenheit. Ebensorvenig können wir unseren Empfang durch den Lverbürgermeister und den Magistrat von Berlin in dem prachtvollem Rathausfaale vergessen, sowie die vornehme Gastlichkeit, die wir seitens der Handelskammer und im Meichs- tage erfahren haben, und die wirklich großartige Vorstellung, die uns heute Abend im Opern hause geboten wurde. Wir möchten ferner ehrerbietigst zum Ausdruck bringen unser Gefühls für die außerordentliche Ehrung, die uns der Kaiser hpt zuteil werden lassen, als er uns „in seinem Lande und in feinem Hause" willkommen hieß, wenn wir hier die eigenen gnädigen Worte Sr. Majeüäl, die er heute zu. uns in Potsdam sprach, zitieren dürfen. Zum Schluß möchten wir der Hoffnung und Zuversicht Ausdruck geben, daß dieser für uns selbst so denkwürdige Besuch in Deutschland Frucht tragen möge zur Förderung gegenseitiger Freund schaftundZuneigung zwischen unseren beiden Ländern. Ihre gehorsamen Tiener Frederik W. Wilson, Präsident. Frärik W. D i k i n so n, Ehrensekretär. Deutsches Reich. Berlin, 3. Juni. Ter Kaiser hörte heute den Vorttag des Chefs des Zivilkabinetts und at schließend den gememschaft- lichen Vortrag des Ministerpräsidenten und der Minister der Finanzen und für Landwirtschaft. Nach einer amtlichen Mitteilung hat der Kaiser auf den in Ausficht genommenen Besuch des Borussenfestes inBonn verzichtet. — Dem Landgrafen Chlodwig zuHessen-Philipps- tal wurde vom Kaiser das Grvßkreuz des Roten Adlerordens verliehen. — Staatssekretär Graf v. P o s a d o w s k y, L>enior des Naumburger Domkapitels, ist infolge Präsentation des Kapitels an Stelle Boetlichers ins Herrenhaus berufen worden. — Das Herrenhaus verwies heute den Gesetzentwurf wegen Abänderung des B e r g g e s e tz e s an die Kommission zurück, lieber eine Petition um Gleichlegung der Ferien der Volksschulen mit denen der höheren Schulen ging man zur Tagesordnung über. Eine Petitum um Gleichstellung des Gehalts der Lehrer in den Vororten mit dem der Lehrer in den zugehörigen Haupwrten wird der Regierung als Material überwiesen, ebenso Petitionen um Erhöhung der Volksschullehrerbesoldung. — ^cm /Berncljmen nach beabsichtigen die freisinnigen Frak- tonen des Abgeordnerenhauics, ihren Anttag zur Wählt echts- reform^noch in dieser Woche zur Besprechung zu bringen. — Frn Reichsiuftizamt trat heute die Konferenz von Vev- itetern der größeren Justizverwaltungen zusammen, um die Vor> schläge zu beraten, die vom Reichsjustizamt für die Organi- latian der trafge richte und für die des Strafprozesses vorgelegt worde:-. sind. Auf Grund dieser Beratungen ale ReichstuinzVerwaltung, nachdem sie die Zustimmung der beteiligten preußiichen Reports gefunden har, die für den Bundes- rat beimnmte Vorlage fcstzustellen haben. — In einem Streite mit der „Freis. Ztg." erklärte der „Vorwärts", daß ihm unter Umständen ein Konservativer lieber sei als ein Freisinniger. — Heute traf hier bei Bekannten deS russischen Studenten Leibow, der bei den neulichen Massenverhaftungen russischer Studenten mit festgenommen war, eine Postkarte mit dem Poststempel Wilna ein, in der er mitteilt, daß er von der preußischen Polizei bereits am Tonnerstag bezw. Freitag voriger Woche an die russische Grenze transportiert, dort der russischen Polizei übergeben und nunmelw auf dem Transport zum Petersburger Polizei-Departement sei. (Vorwärts.) Straßburg i. E., 4. Juni. Im Falle Curtius l)aben die vom Statthalter mit der Aufhebung bedrohten K o n s i st o r i e n Beschwerde beim Reichskanzler eingelegt. Die Blätter melden, daß der Statthalter den Präsidenten Curtius abermals briep lich ersucht I/abc, seine Demission einzurcichcn. (Frs. Ztg.) Mannheim, 3. Juni. Heute fand die Schlußstcinlcgung und Einweihung des Mannheimer Jndustrie- hafcns statt. Anwesend waren das großherzogliche und ecb- großherzoglichc Paar, der Ministerpräsident und die Mehrzahl der 9Nitglieder des Ministeriums. Der Oberbürgermeister Dr. Ltto Beck hielt die Festansprache. München, 3. Juni. Tie „Allg. Ztg." schreibt in ihrem heutigen Abendblatt: Erzbischof T r. Albert, von dem Bamberger Vertreter der „Allg. Ztg." befragt, ob er dem mit großer Majorität gewählten lib. Pfarrer Gra ndinger in Nordhalben die Ermächtigung zur Ausübung seines Mandats erteilen werde, erklärte, daß er den in seinen beiden Briefen an den Pfarrer Grandinger zu erkennen gegebenen Standpunkt voll und ganz aufrecht erhalten werde und aulrecht erhalten müsse, und daß er nur unter den darin nicdcrgclegten Bedingungen dem Pfarrer Grandinger die Ausübung seines Mandats zugestehcn werde, d. h., Pfarrer Grandinger müsse für entsprcä)ende seelsorgerische Vertretung bemüht sein und dürfe sich keiner be stimmten Partei an schließen. Er müsse, wie er in seinem Programm versprochen hat, als Heimarskandidal in den Landtag cintreten. Deshalb könne er seiner persönlichen Ueberzeugung Ausdruck verleihen, wann und wie er wolle; doch dürfe er, Grandinger, sich auS den ihm bekannten Gründen einer bestimmten Fraktion nicht an schließen. — Grandinger hat nun beim Erzbischof Albert brieflich um einen Stellvertreter während der Dauer der Landtags-Session und um die oberhirtlichc Erlaubnis ersucht, der liberalen Partei als Hospitant beitreten zu dürfen. politische Tagesschau. Die Praxis der russischen Bauernbank. Man schreibt uns aus Petersburg: Stolypin hat die Tätigkeit der Baucrnbank außerordentlich gelobt. Er will sie auch fernerhin unterstützen. Es wird daher interessant sein, einige sonderbare Tatsachen aus der Praxis der Bauernbank beim Landankauf hier rnitzuteilcn. Nur wenige Beispiele von vielen, die beweisen, daß die bisher beliebte merkwürdige Abschätzungsmethode keinen zufälligen Charakter trägt, sondern daß darin System liegt, das System, den großen Grundbesitz auf Kosten des Staatssäckels zu fördern. In Wilna evoarb vor etwa acht Jahren im Bezirk Disna die Frau des Generaladjutanten Hesse ein Gut für 100 000 Rub. Im Jahre 1904 teilte Frau Hesse ein wertvolles Grundstück, das ein Jahreseinkommen von 2000 Rub. bringt, für sich ab, und verkaufte ihren übrigen Grundbesitz der Bauernbank. Tie Taxatoren der Bank schätzten das angebotene Gut bereits mit 120—149 000 Rub. cm. Tamit nicht zufrieden, schickte die Verkäuferin die Einschätzungsakten nach Petersburg. Infolge gewisser Einwirkungen stieg in den Petersburger Kanzleien die Einschätzungsfrimmc schon auf 200—220 000 Rub. Aber dieOrts- bauern, die früher mit der Bank wegen Ankauf des Gutes verhandelten, wollten den neuen Preis nicht zahlen. Tie Bank ließ ihnen 65 000 Rub. nach, die Bauern hielten aber noch immer den Preis für zu hoch. Tie Preisermäßigung um 65 000 Rub. erklärten die Bankbeamten als ein befänderers Geschenk seitens der Regierung an die Bauern. Das sind die Vergünstigungen, von denen Herr Stolypin als von einer „Staatshilfe zum Bodenerwerb" sprach! Glänzende Beispiele liefert auch die Bankfiliale in Woronesch. Tort haben die lokalen LandabjchätzungsLrmniissionen auf Grund genauer Untersuchungen Abschätzungsnormen für Landgüter int ganzen Gouvernement ausgearbeitet und den Bodenwen für eine Reihe von Jahren festgesetzt. Und nun zeigt sich, daß 1906 die Bankabschätznngen die festgesetzten Normen um 17—69 Rub. für die Tesjatinc übersteigen. In manchen Bezirken bezahlte die Bank sogar einen um 55—87 Prozent höheren Preis als in den letzten Jahren. Statt des normalen Preises von 83 Rub. für die Tesjattne bezahlte die Bank dem General Tschertkow für sein Gut (von 12 000 Desjatinen) 114 Rub. pro Desjatine. Im ganzen bezahlte die Woronescher Bauernbanrsiliale im Jahre 1906 8 377 000 Rub., während die Abschätzung des erworbenen Landes seitens der Kommission bloß 5 713000 Rub. ausmachte, d. h. die Bank bezahlte 2 664000 Rub. mehr als der wirkliche Wert betrug. Ende November 1906 kaufte die Bauernbank das riesige Rittergut des Grafen Liven. Ter Besitzer verlangte 3 700 200 Rubel. Tie Bank bot 200 Rub. (!) weniger. Herr Liven war natürlich auch mit einem solchen Preis einverstanden. Er gewahrte die Ermäßigung, da es sich doch um „Staatsinteressen" handelte! Ter Adelsmarschall von Susdal (Gouv. Wladimir), Ragosin, verpachtete sein Gut für 1500 Rub. jährlich an die Ortsbauern. Letztere wollten das Gut kaufen, der Besitzer verlangte 80000 Rubel. Tie Bauern lehnten diesen Preis ab. Herr Ragosin wandte sich an die Bauernbank. Diese bestimmte einen Preis von 111000 Rub., .obwohl die normale Abschätzung nicht mehr als 74 000 Rub. ausmachte. Tie Preise, die die Bäuembank zahlt, haben eine wahre Agiotage hervorgerufen. Sumpfboden, der 3—4 Rub. pro Tes- jatine kostet, wird der Bank zu 40 Rub. für die Tesjatine an* geboten. Und entspricht irgendwelche Filiale der Bauernbank den Wünschen der Herren Gutsbesitzer nicht, so werden die be- tresfenden Bankverwalter in Petersburg denunziert. Tie Ange- schuldigten werden bestraft, und die adligen Verkäufer bekommen den gewünschten Preis. Unter solchen Umitändcn ist es nicht zu verwundern, daß der „Bodenfvnds" der Bank von Tag zu Tag steigt, ohne daß Aussicht besteht, ihn mit Erfolg den Bauern zu üüergeben. In vielen Orten lehnen es die Bauern wegen der hohen Preise entschieden ab, die ihnen von der Bank angebotenen Ländereien zu kaufen. So sorgt die Regierung für die notleidenden Bauern, indem sie die Großgrundbesitzer mit Prämien bedenkt. Neues aus Rußland. Die Reichsduma lehuie am Montag einen Gesetzentwurf des Justizministeriums betreffend die Verschärfung der Strafen ab, die auf die Verherrlichung von Verbrechen gefetzt sind, unh nahm den Anttag des Unterrichtsministers an, der dahin geht, die Verfolgungen wegen Des geheimen Unterrichts in Polen ein- zustellcn. Im Saure der Teoaite bei letzterem Anträge griffen mehrere polnifche Redner in heftigen Worten den Unterricyts- minijter an, der noch ihrer Auftcht nur bestrebt fei, mit Hülfe der Rcgicrungsfchulen die Polen zu runijrieien Das Haus besprach dann einen Antrag des Ministers des Innern auf Nichtzulassung derjenigen Personen zum Heere, die unter polizeilicher Aufsicht Heben ober seilens der Verwaltung DorbeugungSmaßregcln unterstellt sind. Tie mit der Prüfung der Vorlage beauftragte! Kommission sprach sich gegen die Annahme derselben aus, da sie sich nicht in HecreSangelegenheiten auf den Standpunkt des Ermessens der Polizei stellen könne. Ter Gehulse deS Ministers des Innern betonte die Notwendigkeit von Maßnahmen gegen Revolutionäre, die sich in das Heer einjubruigen bemühten. Mehrere Redner legten die Unzulänglichkeit und Ungerechtigkeit von Maßnahmen nach der Art der vom Minister des Innern eingcbraditeii Gesetzesvorlage dar. Tie Duma verwarf darauf den ministeriellen Entwurf mit großer Mehrheit. Odessaer Mitglieder des VerümideS des russischen Volkes begannen, unter deut Hause des Veroaiidsvorsitzendcu Kvnowmvnr eine Mine zu graben in der Absicht, sie mit Dynamit und Waffen zu füllen, um dann nach rechtzeitiger Entdeckung die Juden einer Verschwörung gegen das Leben Kvnownitzins beschuldigen zu Ion neu. Ti.' PtAvolation mißlang jedoch dank der Unvorsichtigkeit eines Verbandsrnitgliedes. ^luuiuauvanann wird eine strenge Unlerfuchung des Vorgänge-? oorgenommen. Ausland. Christiania, 3. pun.. ;au|cr Wilhelm trifft in den ersten Julitagen in ÄvpLrvik, einer Lotscn-Station bet St. Avanger ein, um von dort aus die Nordl'andrcise zu beginnen. Kopenhag en, 4. Juni. Der deutsche Kaiserbe such in Dänemart, der für die ersten Tage des Juli vorgesehen ist, wird aus Schloß Fredensborg in Nordseeland ftattfinden. Paris, 3. Juni. Unbekannte griffen gestern abend in Le Bourget aus der Straße eine Gruppe junger Leute, die zu einem katholischen Jünglingsverein gehören, und bei der auch der Vorsteher des Vereins, Wbö Firmerie sich befand, mit Revolverschüssen an. Mehrere Personen, darunter Firmerie, rvurden verwundet; ein Verwundeter ist nachts seinen Verletzungen erlegen. Untersuchung ist eingeleitet. —. Die Deputierienlammer nahm heute den Gesetz-Entwurf zur Sicherung der geheimen Stimmabgabe und der Redlichkeit der Wahlaperationen an. M a d r i d, 3. Juni. Heute begannen die Verhandlungen des Prozesses wegen 9Nordversuchs gegen den König und die Königin am Hochzeitstage vorigen Jahres. Angeklagt sind 7 Personen, darunter die Anarchisten Ferrer und Nackens. In verschiedenen Straßen waren heute anarchistische Maueranschläge angebracht, in denen Freisprechung der Angeklagten gefordert und für den Fall ihrer Verurteilung mit Gewalttaten gedroht wird. — Bei dem Verhöre sagt Ferrer aus, er habe nicht gewußt, daß Morales zur Zeit der Reise des Königs Alfons nach Paris Bomben dorthin gesandt habe. Von der Explosion der Bombe am 31. Mai habe er mit Ueberrascbung Kenntnis erhalten. Er sei durch diesen Vorfall verhindert worden, seine Absicht, nach Paris zu gehen, auszuführen. Ferrer bestreitet, daß er Morales Geld vorgefchossen habe, damit dieser während der Hochzeitsseierlichkeiten nach 9Nadrid kommen tönne, sowie, daß er ihn 92ackens empfohlen habe. Nom, 3. Juni. Der Papst empfing gestern ein sehr herzliches Glückwunschtelegramm von Kaiser Wilhelm zu seinem Geburtstage. Der Papst ant- .wortete mit Ausdrücken herzlichen Dankes. Wien, 3. Juni. Die „92. Fr. Pr." meldet, es sei nun* mehr zweifellos, daß eine einheitlichedeutschePar- tei im Parlamente nicht gebildet werde. Es würden sich einzelne deutsche Klubs bilden, so die deutsche Fortschrittspartei, die deutsche Volkspartei, die Deutsch-Agrarier und die deutsch-radikale Partei. Für das Zusammengehen in nationalen Fragen werde eine Organisation geschaffen, ähnlich dem deutschen Vollzugsausschuß im früheren Abgeordnetenhaus, welche auch die Fortschrittspartei und die Wiener frei)innigen Abgeordneten ausnehmen würde. — Tie freien Alldeutschen hielten gestern hier unter dem Vorsitz Karl Hermaiin Wolfss einen Parteitag ab und beschwsfen, den 'Namen der Partei in deutschradikale umzuwandeln und sich unter dieser Bezeichnung dem allgemeinen deutschen Parteiverbande einzureihen, aber ihre Selbständigkeit dabei zu wahren. Tas Kompromiß, das bei den Wahlen mit den Christlich-Sozialen abgeschlossen und zur Unterstützung der christlich-sozialen Kandidaten nötigte, wurde von mehreren Mitgliedern des Par- leiverbandcs gerügt. Washington. 3. Juni. Ein Runderlaß des Staatsdepartements gibt den amerikaiiischen Konsularoertretern in allen Ländern bekannt, daß die mit Deutschland vereinbarten abgeänderten Zollabfertigungs-Vorschriften am 1. Juli in Kraft traten. Tie Aenderungen werden nicht allein bei Der Einfuhr aus Teutschland, sondern gleichmäßig bei der Einfuhr aus allen Ländern an* gewanot. Dadurch dürste hinsichtlich der Stellung Frankreichs in der Tarifsrage eine Lösung geschlissen werden. — Tie Regierung hat die Mitteilung über den neuen Tarifv ertrag mit Deutschland zu dem Zwecke ausgegeben, die extremen Schutzzöllner über die Wirkung des neuen Abkommens zu beruhigen. In dieser amtlichen Mitteilung wird ausgesührt, daß Amerifaviel mehr Vorteile von dem neuen Vertrage genießt alSTeutschland. Amerikas Gewinn wird in Zissern auf etwa 7 Millionen Dollar berechnet, während der Gewinn Deutschlands sich aus 200000 Dollar beschränken soll. Konstantinopel, 3. Juni. Jnsolgc energischer Beschwerde des persischen Gesandten, daß türkische Kurden die persischen Rebellen unterstützen, trifft die Psorte Vorkehrungen, um einen Uebertrüt bewaffneter türkischer Untertanen nach Persien zu verhindern. ' ■ — ..... - ■ — ■ . » Aus Stadt und Land. Gießen, 4. Juni. •* Plötzliche Erkrankung. Wie wir erfahren, ist gestern nachmittag dec Sladtv. Kirch während der Vorbereitungen zum Ostafrika-Basar, denen er sich mit außerordentlicher Hingabe widmete, plötzlich auf der Liebigshöhe von einem schweren Unwohlsein befallen worden, das bebauet- ^kicherweise noch nicht gewichen ist. Wir wollen hoffen, daß (unter um die städtischen Interessen hochverdienter Mitbürger bald wiederhcrgestellt sein wird. * * Personalnachrichten. Tas Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren tvurde verliehen dem Johann Joseph Brand zu Bod-dLuiheim. — Uebertragen wurde dem Schulamtsaspir-auten Karl .Kreutz aus Dauernheim, im Kreise Büdingen, die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Glaub erg. * * Erledigt sind die Forstwartstellen der Forstwartci Walldorf, Oberförsterei Mörfelden, und der Forstwartei Seidenbuch, Oberförsterei Lindenfels. • • Regimentsbesichtigung durch den komm. General Exz. v. Eichhorn wird Ende nächster Woche hier stattfinden. * * Soldateumißhaudlung. Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, ließ der Regiments-Kommandeur gestern mittag den Feldwebel Steinmetz und den Sergeanten Ochsenhirt der 6. Komp, unter dem Verdacht der Mißhandlung von Untergebenen verhaften und beantragte gleichzeitig die Einleitung der k r i e g s g c r i cb t- lichen Untersuchung. Wenn auch in der Kürze der Zeit die Vorgänge noch nickt völlig geklärt werden konnten, so steht doch soviel fest, daß am Freitag, den 31. Mai, abends von 6.15—7.15 Uhr eine Abteilung- von etwa zehn Mann der 6. Komp, nachexerzieren sollte und zwar unter Sergeant Ochsenhirt und der Oberaufsicht des Feldwebels Steinmetz. Obwohl beide Unteroffiziere jede Sü)uld einer Ueberanstrengung der Mannschaften auf das Bestimmteste bestreiten, ein Teil der Leute selbst behauptet, es sei nur sehr stramm exerziert worden, so steht doch bereits einwandfrei fest, daß sofort nach dem Exerzieren fünf Mann unter Erscheinungen erkrankten, die nach Ansicht der Aerzte auf eine unerlaubte Ueberanstrengung der Leute zurückzuführen sind und keinesfalls ebensowenig in der allerdings außerordentlich schwülen Gewitterluft des Abends des 31. Mai noch in dem Juligepäck eine genügende Erklärung finden. Tie Anlegung dieses Gepäckes zu befehlen, war der Kompagnie-Führer nach der Tis- ziplinarstrafordnung an und für sich völlig befugt. Er konnte sogar, wenn er wollte, die feldmarschmäßige Beschwerung anordnen. Es ist aber auch nicht anzunehmen, daß bei einem einstündigen normalen Exerzieren unter dieser Beschwerung die die Mannschaften sonst auf Märschen und Uebungen stundenlang tragen, solche Erkrankungen entstehen. Diese können in einer zu schnellen und unvernünftigen Steigerung der Uebungen ihre Erklä- j'rmr-g finden, die die eingeleitete kriegsgerichtliche Untersuchung möglichst schnell herbeiführen wird. Das einzig Erfreuliche an dem betrübenden Vorkommnis ist, daß drei heute bereits völlig gesund sind und die Genesung der beiden anderen unmittelbar bevorsteht. ♦ * Wied er ein Unfall auf der Auto renn st recke. jS)em »Franks. Generalanz." wird ans Graevenwiesbach gemeldet: Ain Sonntag morgen stießen aus der Rennstrecke zwischen hier und Einhaus der Rennwagen 3c der Firma Oppel und ein Wagen der Adlerwerke zusammen. Beide Wagen wurden stark beschädigt, Personen wurden nicht verletzt. ** Eine Künstlerin in Filigran arbeit, Fräulein Josepha Theben, welche unlängst dem Kaiser einige ihrer Er- , -euguisse für die Kaiserin persönlich zu überreichen Gelegenheit hatte und bei dieser Gelegenheit aus kaiserlichen! Munde die Versicherung erhielt: „Meine Frau wird sich über diese schönen Arbeiten sicherlich sehr freuen", wird hier auf kurze Zeit in ihrer Wohnung, Landgraf Philipp-Platz 6, I, Unterricht in der Herstellung von Filigranarbeiten erteilen. Die anmutige Kunst ist leicht zu erlernen und für die Herstellung der verschiedenartigsten Schmuck- und Putzgegenstände sehr verwendbar. Eine besonders schöne Wirkung wird mit der Herstellung von Blüten in farbigen, glatten und gewundenen Fäden erzielt. Proben , ihrer Leistungen hat Fräulein Theben in dem Erker des Reiß'sche». i Schuhgeschäfts, Mäusburg 12, ausgestellt. "* In unserem gestrigen Bericht über die Gau- turnsahrt des Gaues Gießen muß es heißen: 5. Preis mit '29 Punkten Ehr. Schmidt vom Turnoereiit Gießen (nicht Alsfeld). wg. Großen-Linden, 3. Juni. Der hiesige Gesangverein »Germania" nahm am Sonntag am Gesangs- Wettstreit in Siegen teil. Unter sehr starker Konkurrenz errang er den 2. Preis. Der Verein unter Leitung des -Dirigenten Harnisch aus Steinberg wurde schon verschiedene Male preisgekrönt. - t. Lang-Göns, 3. Juni. Herr Anton Velde beabsichtigt von feinem soeben neu errichteten zweistöckig-massiven Wohnhausanbau die Vorderwand wieder a b z u b r e ch e n und neu aufzuführen. Der Anbau steht etwa 50Ztm. hinter den Nachbargebäudcn zurück, was tatsächlich einen wenig schönen Eindruck macht. Bad-Nauheim, 3. Juni. In nächster Zeit wird Universitäts-Profcffor Dr. Voit, der neue Leiter der medizinischen Klinik in Gießen, mit seinen Assistenzärzten und Herren seines Kollegs unserer Badestadt einen Besuch ab- statten. Neben den Bädern interessiert cs die Herren besonders, die Einrichtung des Konitzky-Stiftes, welches seinerzeit Frau Konitzky aus Bremen erbauen ließ, kennen zu lernen. Für einige Zeit später steht der Besuch dec medizinischen Fakultät Marburg in Aussicht. (k-) Friedberg, 3. Juni. Tie Verwaltungsbehörde unseres Kreises ist fortgesetzt bestrebt, für die Orte bessere Verkehrs- und Verbindungswege zu saiaffen. So wurden in den letzten fünf Jahren für Straßcnneubauten nahezu 300 000 Mark aufgewendet, es wurden neun neue Straßen erbaut und vier umgebaut. Gegenwärtig ist die Straße Heldenbergen —Groß-Karben mit Abzweigung nach Kaichen im Bau Legriffen, die einen Kostenauswand von 124 000 Mark erfordert. Für Verbesserung der Fußsteige an den Kreisstraßen wurden in den letzten fünf Jahren 27 000 Mark verausgabt. Einige weitere Kreisstraßen sind für die nächsten Jahre projektiert. Die Kreisverwaltung hat die Kreisumlagen für 1907 von 235 000 Mk. auf 245 000 Mark erhöht. au Ulrichstein, 1. Juni. Zu dem am 15., 16. u. 17. Juni hier stattfindenden Bundesfeste des Vogels- berger Sängerbundes, verbunden mit Fahnenweihe unb 10 jährigem Stiftungsfeste des Männergesangvereins Ulrichstein sind die Vorbereitungen in vollem Gange. Auf die an die Bundesvereine, sowie an die benachbarten Gesaug- und Kriegervereine ergangene Einladung haben etwa 30 Vereine ihr Erscheinen zugesagt. Ein stattlicher Festzug wird sich am Hauptfesttage, dem 16. Juni, durch die Straßen unseres Landstädtchens nach dem geräumigen Festplatze bewegen. Voran schreitet die Schuljugend, eskortiert von Mitgliedern des hiesigen Radfahreroereins. Dann folgen die Festdamen mit der neuen Fahne und hierauf die Ehrengäste und der Bundes- refp. Vereinsvorstand. An diese reihen sich die erschienenen Vereine. In dem Festzuge werden drei Musikkapellen marschieren. Vorgetragen werden nach Ankunft auf dem Festplatze und der Weihe dec neuen Fahne durch den Octsgeistlichen Pfarrer Hartmann, außer Einzel- chören zwei Massenchöre: „Das deutsche Lied/ von Kalliwoda und „Berglied", von Kücken. An den Massenchören beteiligen sich die etiva 200 Sänger der Bundesvereme des Vogelsberger Sängerbundes. Dirigiert werden diese von dem Bundesdirigenten K. Appel. Für den Abend des Haupt- Festtages ist großes Feuerwerk mit darauffolgender bengalischen Beleuchtung des Schloßberges und seines im vorigen Jahre erbauten Turmes vorgesehen. Wenn das Wetter günstig ist, so wird die Zahl der Festteilnehmer voraussichtlich sehr groß werden. Der Verein hat daher als Festplatz eine große trockene Wiese ausgewählt. Mit der Umzäunung soll demnächst begonnen werden. Die Festhallen stellt die Freiherrl. Riedeselsche Bierbrauerei in Lauterbach. Die Festwirtschaft ist an den Vereinswirte, Karl Behrmann vergeben. v. Alsfeld, 3. Juni. Für unsere Stadt bildet die in nächster Woche bevorstehende Inbetriebnahme des neuen Schwimmbades, das einer Anzahl hiesiger Bürger seine Entstehung verdankt, ein höchst begrüßenswertes Ereignis, da wir bisher eine derartige Anstalt völlig entbehrten. Die Arbeiten wurden Anfang März begonnen. Das Bassin hat eine Länge von 26 Meter und eine Breite von 14 Meter und ist für Schwimmer und Nichtschwimmer eingerichtet. Eine gedeckte Halle mit acht Kabinen vervollständigt das Ganze. — Das hessische Wander-Tuberkulose-Museum gelang hier vom 22. Juni bis eiuschl. 7. Juli in der Turnhalle zur Aufstellung. B. (Webern, 3. Juni. Gestern tagte hier die 26. Hauptversammlung des Vogelsberger H ö he n k lu b s. 16 Zweigvereine hatten Delegierte zur Vertretung von 920 Mitglieder entsandt. Die Beratungen fanden im „Bergwirtshaus" unter Leitung des Vorsitzenden Forstmeister Dieffenbach- Schotlen statt. Nach v em Geschäftsbericht bestehen zurzeit 20 Zweigvereine mit über 1000 Mitglieder. Die neugegründete Sektion „Hoherodskops" mit dem Sitz in Breungesheim wurde einstimmig ^ausgenommen. Annahme fand der vom Zweig- Derer n „Tauf ft e i n" i n Gießen eiugebrachte Antrag, bas Klubhaus al u f dem 5) o h e r o bskopf unter einem Kosten- anfwanb von ea. 6000 Mk. nach den von der Firma W i n n u. C o. zu Gießen entworfenen Plänen auszubauen. Dasselbe genügte, nachdem im vorigen Jahr die Zahl der Uebernachtungen auf 403 gegen 199 im Jahre 1905 gestiegen war, nicht mehr allen Anforderungen. Die Pläne sehen namentlich neue Schlafräume, Wasserleitungs- und Telegraphenanlagen vor. Die erhöhte Frequenz, 3068 Einträge im Fremdenbuch bezeugen diese, ist namentlich durch die zahlreichen SkiläuferausGießenim vorigen Winter zurückzuführen. Für ein ausscheidendes Vor - tands Mitglied des Gesamtvereins wurde Zahnarzt Jäger vom Zweigverein Taufstein in Gießen neugewählt. Die Sektion Taufstein ist die zweitstärkste des Verbands und zählt zurzeit 117 Mitglieder. Anfangs Juli findet die feierliche Grundsteinlegung zu dem im Bau begriffenen Bismarckturm auf dem Taufstein statt, dessen Einweihung im September vollzogen werden soll. Die Versammlung beschloß, dem im vorigen Jahr ansge- treiencn Zweigverein Herchenhein die zu einem Aussichtsturm auf der Herchenhein^r Höhe bewilligten 800 Mk. nicht zur Verfügung zu stellen. Als Ort für die nächstjährige Hauptversammlung wurde Nidda bestimmt. Darmstadt, 3. Juni. S. K. H. der Groß her zog empfing den Bildhauer Jobst, die Professoren Oswald von Laubach und Schier holz von Gießen, den Amtsrichter Tr. Minnich von Pfeddersheim und den Maler Hör st. (sd.) Darmstadt, 3. Juni. Tie Besichtigung der Großh. Hess. 25. Kao.-Brigade durch den kommandierenden General fand heute auf dem Truppen-Uebungsplatz statt. Auch S. K. H. der Großherzog wohnte mit Gefolge der Uebung bei. Am Nachmittag sand Festmahl im Osftzier- kasino des Regiments statt. Offenbach a. M., 3. Juni. Die Meldung, der Metallarbeiterverbandskasse sei zur Durchführung der Offenbacher Streikbewegung von unbekannter Seite eine Million Mark gespendet worden, ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß es sich lediglich um Zuwendungen deutscher und englischer Arbeiterorganisationen handelt. Eine persönliche Einzelzuwendung in Höhe von einer Million Mark ist nicht erfolgt. Mainz, 3. Juni. Tas Großhcrzogspaar fährt morgen in einem Regierungsboot nach Koblenz; die Rückfahrt erfolgt im Automobil. fc. Eltville, 3. Juni. Auf der Domäne Eberbach (Kloster) wurde dieser Tage ein Stück (1200 Liter) Steinberger T rockenbeer-Auslese zu dem enormen Preise von 69 640 Mark verkauft. Das dürfte wohl der höchste Preis fein, der jemals für Wein angelegt wurde. Ein Liter von diesem kostbaren Tropfen kommt danach auf 58,04 Mk. Ein StengelglaS voll kostet ungefähr 8 Mk. sj Marburg, 3. Juni. Aus der Lahn wurde die Leiche eines 17jährigen Mädchens gelandet, das wegen eines ihm untersagten Liebesverhältnisses zu Hause weggelaufeu war. — Universitäts-Kassenrendant Rechnungsrat Beckmann beging heute fein 50jähriges Dienstjubiläum. Ihm wurde der Kronenorden 3. Klasse überreicht. — Im sog. Universitäts- dorf Caldern brannten gestern die Oekonomiegebäude der Pfeiffer'schen Mühle nieder. Sechs Schweine erlitten Brandwunden und mußten abgestochen werden. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbar st aaten. In Mainzlar will eine rheinische Firma eine Cha motte st einfabrik erbauen unb hat ein über zehn Morgen großes Stück Gelände angefanff. Die Fabrik wird Gleisanschluß an die Strecke Grünberg—Londorf—Lollar erhalten und soll ca. 200 Arbeitern Beschäftigung bieten. — In Lauterbach erlitten durch den Einsturz eines Gerüstes an einem Neubau zwei Maurer erhebliche Verletzungen. — Nach einer Mahlzeit erkrankten 35 Zöglinge des Rettungshauses Weilhof in Franken. Ein 14jähriger Knabe starb. Man vermutet Al e t a l l v e r g i f t u n g. — Bei Lotzen (Ostpr.) ist bei einer Bootsfahrt auf dem Löwentinsee infolge großen Sturmes ein Boot gekentert. Die Lehrerin Schmeichler und der Sekundaner F e l ch n e r sind ertrunken. — In Worbis (Eichsfeld) brach am Sonntag infolge einer Gasexplosion ein Großfeuer aus. Die Niederlage der Waffenfabrik Weinrich mit großen Vorräten ist abgebrannt. Ter Schaden ist bedeutend. — In Waizen (Ungarn) flüchtete ein Hutmacher, der im Streite seinen eigenen Sohn erschlagen hatte, in ein Haus und verteidigte sich einen ganzen Tag lang durch Reoolverschüsse gegen die Polizei unb die zu Hülfe gerufene Feuerwehr und Gendarmerie, die durch das Fenster schoß, ohne ihn zu treffen. Erst als ihm die Kugeln ausgingen und die Zinuuereinrichlung in Brand geriet, ergab sich der Mörder freiwillig. Die laudwirtschaftl. Haushaltungöschule in Lindhcim. (Original-Beriast des Gießener Anzeigers.) Am Freitag sand die Schlußfeier des 1. Kursus für 1907 int Anitjültsgebäude zu Lindheim statt. Vom AÜnisterium war Landesokonomierat Müller, vom Provinzialverem Der Präsident Oekonomierat Sch lenke, von der Landwirtschaslskammer bet zweite Vorsitzende Gutspächter Baeh< unb der Sekretär Tr. Müller anwesend. Der Vorsitzende des Kuratoriums Kreisrat Voeck'mann leitete die Feier. Von jetzt ab ist die Schule von der Landwirtschastskammer endgültig übernommen. Die landwirtschaftliche Haushaltungsschule wurde im Jahre 1888 von dem landwirtschaftlichen Verein für die Provinz Ober- Hessen ins Leben gerufen in der Anschauung, daß nicht allein die jungen Landwirte, sondern auch die Töchter der Landwirte eine immer bessere Ausbildung erhalten müßten. Freiherr Adolph von N o r d e ck zur Rabenau in Friedelhausen gab die erste Anregung zur Gründung dieser ersten .Haushaltungsschule in Ober- Hessen. In der Begründung jejter Anschauungen hob er das alte Sprichwort hervor: Tie unwirtschaftliche Hausfrau eines Landwirts vermöge mehr in der Schürze hinauszutragen, als der Landwirt mit vier Pferden hereinschafsen könne. Tas solle heißen: eine unwirtschaftliche Landwirtsfrau könne im Haushalt mehr zu Grunde richten, als in der Wirtschaft erworben werde. Ter im Jahre 1888 eröffneten Haushaltungsschule standen unsere oberhessischen Bauern anfangs mißtrauisch gegenüber. Tie Schule wurde mehr von außerhalb besucht, als aus Oberhessen. Tas sogen. Ausland, Hessen-Nassau re. schickte seine Töchter vorzugsweise. Schon seit mehreren Jahren i|t das anders geworden. Heute sind es vorzugsweise Landwirte der Provinz, die ihre Töchter in die Schule schicken, 25 junge Mädchen verließen am Freitag die Anstalt um zum 2. Kursus zum Teil wiederzukehren. Mit Recht hob der Vorsitzende des Kuratoriums Kreisrat Boeckmann in fefner Ansprache hervor, baß das Aufblühen ber1 Schule in erster Linie zu banken sei dec Vorsteherin der Schule' und ihrer Assistentin. Aber auch die Mitglieder des Kuratoriums, insbesondere auch Frau Oekonomierat Wester nacher in Lindheim, haben in all den vergangenen Jahren unter oft recht mißlichen Verhältnissen mutig und hingebend das Ihre getan, um die Schule in den guten Ruf zu bringen, in dem sie jetzt steht. Vertrauensvoll schicken die Frauen der Landwirte ihre Töchter jetzt nach Lindheim in dec Gewißheit, daß ihre Kinder dort in ausgezeichneter Weise gefördert und erzogen werden. Es ist gar nicht zu wümchen, daß die Laushaltungsschule noch zahlreicher als bisher besucht werde. Dadurch würde die Ausbildung der einzelnen Schülerin leicht leiden. Nur die Bestbegabten würden gesördert werden. Die Lehrerinnen würden außer Stande sein, sich mit jeder einzelnen Schülerin besonders abzugeben, auf ihre Eigenart besondere Rücksicht zu nehmen. Heute bauert der Kursus nur fünf Monate, er sollte aber acht bis zehn Monate dauern. Eine solche Anforderung durste der Provinzialverein im Jahre 1888 noch nicht machen. Heute, wo ber gute Ruf ber Anstatt fest begrünbet, bas Vertrauen ber Saiibtoirte gewonnen ist, ließe sich bas burchführen. Haben sich verständige Eltern doch schon oft dahin geäußert, daß die fünfmonatliche Schulung' in so mancherlei Aickeiten des Haushaltes zu kurz sei. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, baß bie jungen Mädchen schon mit 15 bis 16 Jahren die Schule besuchen. Wie leicht verliert sich nach dem Verlassen der Schule schon nach fünf Monaten ber günstige Einfluß, der doch für bas ganze Leben vorhalten soll. Bei etwas leicht angelegten Naturen ist bas mit Sicherheit zu erwarten, wenn nicht wenigstens auch der zlveite Kursus besucht wird, was aber in der Mehrzahl der Fälle leider nicht vorkommt. Die Vertreter der Landwirtschastskammer äußerten sich dahin, baß auch diese in der Folge die Haushaltungsschule in ihre Obhut nehmen würde gleich bem landwirtschaftlichen Pro- viuzialoerein. An dem guten Willen, diese vorzügliche Einrichtung auch in der Folge hochzuhalten, kann nicht gezweifelt werden. Wir wünschen der Landwirtschaftskammer, daß es ihr gelingt im besonderen Interesse der landwirtschaftlichen Be- völkerung der Provinz Oberhessen._____________________________ Vermischte*. * Schneefall in der Schweiz. Die kalte Witte- rungi der letzten Tage hat in manchen Gegenden der Schweiz noch einmal den Winter zurückgeführt. So schneit es seit Sonntagnacht wieder kräftig in den höheren Lagen der Schweiz. Tie Bergstationen auf dem Gotthard, Rigi, Pilatus und Säntis meldeten gestern bei starkem Schneefall tiefe Temperaturen. * Die Entwicklung der jüdischen Vermögen in Frankfurt a. M. Alexander Dietz.gab jüngst ein Stamm- buch ber Frankfurter Juden heraus. In diesem Werke wird auch die Geschichte der „größeren Judenoernrögen" behandelt. Ein allgemeines Interesse entfesseln in diesem Werke die Untersuchungen über bie Entwicklung ber jüdischen Vermögen in Frankfurt c.«. M. Die Tabellen des Tr. Dietz basieren im wesentlichen auf den Steuerlisien. Nach einem Referate Dr. Hammerans über daS Dietzsche Buch in der „Frkft. Ztg." zahlten vonl360—1391 eine Anzahl Juden als höchsten Steuerbetrag 50 bis 60 Gulden, ein sehr hoher Betrag. Gegen djas Jahr 1800 wurde das jüdische Gesamtvermögen, ohne das Vermögen dec Gemeinde und der Stiftungen, auf mindestens 6 Millionen Gulden geschätzt; davon besaßen zwölf Familien nahezu die Hälfte: bie Speyer (604 OOu Gulden), Reiß-Ellissen (fast 300 000, Haas (Kann, Stern), Schuster (Getz, Amschel), Goldschmidt, May, Oppenheimer, Wertheimber, Flörsheim, Rindskops, die Roll)- schild (109 375), Sichel. Im Jahre 1799 wurde gelegentlich der Zahlung der französischen Kriegskontribution das wahre Vermögen der Juden festgestellt und es ergab! sich, daß von 753 Steuerzahlern 111 einen Besitz von 10OOU Gulden unb mehr aufzuweisen hatten, was einen enormen Prozenfsatz der wohlhabenden Leute in der Judengasse ausmacht, wenn man den damaligen Wert des Geldes in Betracht zieht. 44 besaßen je über 30000 Gulden. * Kein Weib geküßt. In Genua starb, wie von dort berichtet wird, dieser Tage ber älteste Mann der Stadt, Jean Brun, im Alter von 102 Jahren. Der Tod ereilte ihn beim Frühstück, während er in aller Ruhe sein Pfeifchen rauchte und seine Morgenzeitung las. Gelegentlich seines 100. Geburtstages hatte Brun seinen Freunden und Bekannten ein Frühstück gegeben und währenddessen folgende kleine Rede gehalten: „Ich werde heute 100 Jahre alt. Während meines ganzen Lebens habe ich niemals einen Arzt konsultiert, noch irgendeine Medizin eingenommen. Ich habe stets geraucht und Alkohol geitoffen, soviel mir schmeckte. Dafür habe ich aber auch mit Ausnahme meiner Mutter nie ein Weib geküßt." * Kleine Tagesmrvnik. Auf der Strecke Metz-Saarbrücken wurde auf der Schanzeubergbrücke ein Bahnarbeiter, welcher das Geleise überschritt, von einem Schnellzuge getötet, ebenso ein Rottenführer, ber den Mann zurückziehen wollte. — In Essen gab em Italiener in einer Wirtschaft auf den Vertreter des Wirtes, Eduard Schott, mehrere Revoloerschüsse ab, weil dieser thrn die Verabfolgung von Getränken verweigerte. Schott starb auf dem Wege nach dem Krankenhaus. — Die 26 jährige Gattin des Triester Advokaten Vondrich wurde in der Nähe von Eg gen berg von einem Automobil überfahren und getötet. — In Sers erbau (Schles.) erschoß der 25 Jahre alte Zimmerer Scholz die 22 jährige Frau Auguste Nitschke und entfloh. Arbeiterbewegung. a Lauterbach, 3. Juni. Die hiesigen Maurer legten heute bie Arbeit nieder. Dem Streik haben sich bis jetzt die christl.-sozial. Arbeiter nicht angeschlossen. Alzey, 3. Juni. Hier streiken so ziemlich sämtliche Berufsstände. Etwa 80 in der Götzschen Schuhfabrik beschäftigte organisierte Arbeiter haben die Arbeit niedergelegt. — Die meisten der bei den Arbeiten am Neubau ber Irrenanstalt beschäftigten Erdarbeiter haben höhere Lohnforderungen gestellt unb gleich- alls die Arbeit eingestellt. Dabei streiken die Maurer, welche chon vor einiger Zeit in den Ausstand getreten sind, ruhig weiter. Zwei Baufirmen haben die Forderungen genehmigt und bei ihnen find eine Anzahl Leute in Arbeit getreten, die anderen sind meist abgereift unb arbeiten auswärts. Frankfurt a. M., 3. Juni. In einer von etwa 5000 Personen besuchten Wetallarbeiteryerfammlung sprach °chter <£ ten. >-,v «mbtüjp, 'fn jfrÄ 4n9tn ff lJ pfe ■^toflen nc. als bi- mA ^zLotz ^i"ä bk R ??^- verliehen 5 ^zulehrr^ ^,lflß WZ lern«/ ^uuuiz, nÄ»« rK'Lr -Lk"'".L «»•*ÄM wurde die M leiden. Nur £. Ehrerinnen würden MKnn L ^ Oiuckslcht zu nehmen Änflrdcrung buriic nrcht machen, heute 'et, das Äcrlrauen der .durchsuhrcn. haben w' geäußert, daß di-. 1 Arbeiten des Haus. '' MIM man bedenkt, tv wahren die Schuft mVerlaisen derLchuK Emflutz, der doch für lwas leicht angelegten ■rwarten, wenn nicht cht wird, was aber in irfommL mr äußerten sich Äaushaltungsschule in mdwirtschasilichen Probiese vorzügliche bin. kann nicht gezweisel, stskammer, baß es ijr andwirtschastlichen L> j. Die kalte SBitti- ’gcuben bet Lchwe^ irt. So /djneit d en höhere» Sogen m Gotthard, ßigi, ei starkem Schnee. schen PermvLen ab Mtzst. ein Storni- n diesem Arrke roirb wtrmogiii" behandelt. nesem M bie Untei- üdischen Vermögen in Dr. Tietz basieren ie h einem Sejeiaie Ä -er „W Bto.'W ; höchsten eteuerbetr trag. Gegen ferä -o- ii. ohne das W mindestens 6 Million Milien nahezu. ^Glllsienjia^.30oK. chel), Golbl.chmld M Rinbskops, d.e ) wurde gelegentlich^- lUtion das wahre vc ijch daß von uiW1'--’ (tounb mehr *■ £^“‘*£ w mm »ÄÄ besaßen je ueer MV iua M *S’> Ä« Gis-r Ks-r -.-»-LS sch"»°°L-!-r -.n verwe^^ 26ji^ ttNg' ;«v>- •“MS? w<ö M§ >9/1 S Muutt - ^,er. if«n(bliltb,ift ihnen ett^SJiflt und (jjb gench>"' ande^ gestern der Geschäftsführer Dismonn über bte Aussperrung. Leit Lamstag feiern etwa 6000 Mann. An Unterstützungen wurden am Samslag rund 30 000 Mark ausgezahlt. — Tie Verhandlungen der Siebenerkonimission in Offenbach scheinen ihrem Abschlüsse nahe zu sein. Sie wurden auf Wunsch der Arbeiter, die sich mit ihren aul-ständigen Wollenen ins Benehmen setzen wollen, am Sonnabend abgebrochen und sollen Tienstaa früh fortgesetzt werden. Schwenningen 3. Juni. Eine Versammlung der in der Uhrenindustrie beschäftigten Arbeiter beschloß, die Erklärung der Fabrikanten nicht zu akzeptieren. Tadurch ist die Aussperrung Don 10 500 Arbeitern in 70 Betrieben des Schwarzwaldes sehr wahrscheinlich geworden. Kandel. Deutsche Reichsbank. Ter Ausweis fuv die letzte Maiwoche bnrf als.verhältnismäßig günstig bezeichnet iverden. An Barmitteln wurden der Bank 31 666 Mill. Mk. (L v. 4i 160 Mill. Mk.) cntzogcii. Tie Wechsel nahmen um 58 633 'Mill. Mk. (69 351), die -.'oubardanleihen nm 17 760 Mill. Alk. (14 605) zu. Tie Effekten zeigte» eine Abnahme von 29 132 Mill. Alk. (32950). Ter Molen- umlauf weist eine Zunahme von 67 915 Mill. Alk. (51620) auf. Am Monaisjchluß besah die Neichsbank noch eine steuerfreie Violen- reserve von 103,07 Mill. Alk. gegen 206 027 Alill. Mk. zur gleichen Vorjahrszeit. A n p a s s li n g. Ob wir im Laufe dS. MtS. eine Zinsfuß- Herabsetzung sehen oder nicht, das ist die Frage, die an der Börse nach wie vor tut Vordergrund des Interesses stehl. Früher ivaren es Bank- oder Monianakilen, die diese Stellung enmahmen. Beide sind ;etzl sehr zurüctgetreten gegenüber dem einen, genannt Geldmarkt. Fortgesetzt wird nach Mitteln und Wegen gesucht, diesen zu erleichtern. Tie meisten Vorschläge höreir sich jedoch m der Theorie recht schön an, m der Praxis sind sie aber nicht, oder nur außeroidentlich schwer durchzusübren. Jetzt stehl die Popularisierung des Scheckverkehrs auf der Tagesordnnng — ob er wirklich populär werden ivird, ist eine noch oste ne Frage; gerade in Fachkreisen hegt man über diesen Punkt Zweifel. AtancherseilS wird behauplek, maii habe sich an das teure Geld geivöhnt. Tas ist doch allenfalls nur eine Gewöhnung, die ungefähr derjenigen an das schlechte Zetter entspricht — man kann es eben nicht ändern. Aber eine gewtsfe Anpassung scheint cmgeireieii zu sein, seil die derilsche Baiik ihre berühmte Sparmahnung loc-gesahen hat. Es >vird jeden Tag iveiler an der Börse neu zugelaßen und weiter emuliert und gute Unternehmungen wie gute Mrcbilbebuiilige erhalten immer noch ttiedlt, wenn auch unter schwereren Bedingungen wie früher, — daS ist eben die Aiipassung. Univeriitäts»Uad?rid?t€tu — Mit der Vertretung des Profefsors Tr. L). Küttner in Marburg in der Leitung der chirurgischen Stiini! wurde für das laufende Sommersemester Professor Lr. Willy Anschütz, Privatdozent und Oberarzt an der Breslauer chirurgischen Klinik, betraut. — In Schreiberhau in Sch les. starb 68jährig der Professor der Philosophie an der Breslauer Universität Geheimrat Jacob Freudenthal, der Biograph Spinozas. — Mach dem soeben erschienenen Verzeichnis der Professoren und der Studierenden an der Technischen Hochschule zu Darmstadt für das Sominersemester sind jetzt 1777 Studierende etc. eingeschrieben, gegen 1840 im Sommer vorigen Jahres und zwar: 1243 Deutsche und 534 Ausländer. Darunter Hessen: 346, Preußen: 622, Bayern: 102, Badenser: 39, Els.-Lothr.: 28, Sachsen: 27, Hamburger: 19, Württemb.: 11, Oldenburg: 6, Anhalt, Braunschweig, Bremen, Sechsen-Weimar und Schwarzb.- Sonderst), je 5, -Lachs.-Eoburg-Gotha: 4, Meckl.-Schwerin und Sachf.-Meiningen je 3, Lippe-Detmold, Schaumburg-Lippe und Waldeck je 2, Reuß j. L. und Schwarzb.-Rudolstadt je L Ausländer: Russen 410, Oesterreicher 57, Engländer und Schweizer je 13, Norweger 11, Spanier 5, Griechen und Rumänen je 4, Italiener und Luxemburger je 3, Frankreich, Nord-Amerika und tihile je 2, Bulgaren, Dänen, Niederländer, Argentinier und Mexikaner je .1 — Zum Nachfolger des in den Ruhestand tretenden Gynäkologen Unioerjltätsprofessors Tr. Chrobak in Wien ist Professor 'N o st h o r n in L> e i d e l b e r o ui Aussicht genommen. Gerichtsjaat. Berlin, 4. Juni. Wegen Wahlfälschung hatte sich am Montag der Tüncher Wilhelm Fichmer aus Rixdorf vor der 1. Strafkammer des Landgerichts III zu verantworten. Ter Angeklagte hatte bei der letzten ReichSlagswahl in Niederbarnim zweimal s e i n e S t i m m e abgegeben. Tas Urteil lautete auf vier Wochen Gefängnis. Gießener Wetterdienst. Voran-sichtlichc Witterung für Hessen am Mittwoch den 5. Juni: Meist trüb, geringer Regen. Temperatur wie heute, westliche Winde. Müller'fchc Badeanstalt. Wasierwärme am 4. Juni: 140 K Briefkasten der Be-aktion. (Anonyme Eiuscnduugcn bleiben unberücksichtigt.) Prof. L. Ter Artikel ist unS zugegangen und wird nächstens in den .Fam.-Bl." erfehernen. — Besten Tank! Griginal-Drahttneldungen. Frankfurt a. M., 4. Juni. Die englischen Journalisten sind heute früh von München mittelst Sonderzuges hier eingetroffen. Kopenhagen, 4. Juni. Ein Aufsehen erregendes Eifersuchtsdrama ereignete sich in Aalborg. Der Schauspieler Nathansohn erschoß seine Frau und beging dann Selbstmord. Die Frau war ebenfalls eine Schauspielerin von großem Ruf. Marseille, 4. Juni. Infolge Entlassung der Schiffs-Offiziere durch die Schiffahrtsgesellschaften hat sich die Lage noch verschlimmert. In der Arbeitsbörse fand eine Versammlung statt, welche von über tausend Scelenten besucht war. Es wurde eine Resolution angenommen, in welcher der Deputierte Cyprille getadelt wird, daß er einen Gesetzentwurf etngebracht habe, den er in der Kammer zu vertreten jetzt nicht mehr den Mut besitze. Die Seeleute erklärten sich mit den Offizieren solidarisch. Sie würden nicht dulden, daß einer derselbeii ein Opfer des Aiisstandes würde. Wien, 4. Juni. Ter nun Nachfolger Mahlers als Direktor der Wiener Oper berufene Felix M ott 1 hat die ihm für den Fall seines Verbleibens in Ai ü uchen gemachten glänzenden Anerbieiungen, die Verleihung des persönlichen Adels iuid bedeuteitde Erhöhimg feiner Bezüge abgelehnt. Mit Rücksicht auf die Aiüncheiier Festspiele trat er (ein Amt in Wien nicht schon am 1. Ium an, sondern bleibt bis zum 1. Oktober in München. Petersburg, 4. Juni. Nachdem die Duma den Gesetzentwurf, betreffend Maßnahmen gegen die Revolutionäre, abgelehnt hat, hat die Negierung beschlossen, die Duma aufziilösen. (Die Nachricht bedarf wohl noch der Bestätigung. D. Red.) Odessa, 4. Juni. In einem Prioathause in Komitet explodierte eine Bombe, wobei zwei Männer getötet, eine Frau und zwei Mädchen verletzt wurden. Stadtverordneter Kirch f. Kurz vor Schluß der Redaktion ging uns die erschütternde Klinde zu, daß der Stadtverordnete Kirch, von dessen plötzlicher schwerer Erkrankung wir heute im lokalen Teile berichten, heute mittag kurz nach 12 Uhr verstorben ist. Dieser ganz unvorsehbare entsetzliche plötzliche Tod eines der geachtetsten Bürger Gießens, eines um nahezu alle städtischen Angelegenheiten seit langen Jahren hochverdienten Mannes wird allgemeine tiefe Trauer und herzliches Mitleid mit den Hinterbliebenen Hervorrufen. Des Verstorbenen überaus vielseitige Wirksamkeit zum Besten der meisten gemeinnützigen Bestrebungen kann in der kurzen Spanne Zeit, die uns zur Niederschrift dieses Artikels vor Fertigstellung unseres Blattes übrig bleibt, nicht im entferntesten gewürdigt werden. Die Stadt Gießen hat durch sein plötzliches Hinscheiden jedenfalls einen überaus schweren, man muß wohl sagen unersetzlichen Verlust erlitten. Seit einer Reihe von Jahren ist in Gießen kaum irgend etwas Bedeutendes in der Stadtverwaltung, ja in der Stadt überhaupt geschehen, ohne daß Kirchs Einfluß und seine Mitwirkung sich heroorrageud dabei geltend gemacht haben. Kirch verdankte die Erfolge seines arbeitsreichen LebenS seiner ausgezeichneten Befähigung, den hervorragenden Eigenschaften seines Geistes wie seines Herzens. Nach tüchtiger kaufm. Ausbildung in Frankfurt a. M., seiner Heimatstadt, übernahm er hier vor einer Reihe von Jahren die BahnhosS- restauration, die bald unter seiner Leitung einen so ausgezeichneten Ruf gewann, daß hier z. B. Fürstlichkeiten mit besonderer Vorliebe auf ihrer Durchreise speisten. Nach und nach gewann er daS Vertrauen seiner Mitbürger in so hohem Maße, daß er immer wieder zum Mitglied deS Stadt- verordneten -Kollegin in S gewählt wurde, und als solches hat er sich die größten Verdienste erworben. Als Redner von ungewöhnlicher formeller Gewandtheit und großer Geschicklichkeit selbst in schwierigen Situationen hat er im Stadt- verordncten-Kollegium und deffen verschiedenen Kommissionen sowie städt. Deputationen, in Vereinen ?c. re. stets hervorragend sich bewährt. Dazu kam die Klarheit seines Blickes, seine große Umsichtigkeit und Wcltgcwandtheit, die man nirgends in der Stadt zu entbehren vermochte. Kirch war Vorsitzender deS Rationallib. Vereins und hat unter Hintansetzung seiner Gesundheit während der letzten winterlichen Wahlkampagne Ausgezeichnetes, Unvergeßliches zum Besten seiner Partei wie der liberalen Bestrebungen überhaupt geleistet. Er war Mitglied des Vorstandes des Theater Vereins und nicht zmn wenigsten ihm verdankt Gießen sein neues Stadtthcate r. Er war Vorsitzender der Loge, des Eisverems, der Pferdemarktkommiffion rc. rc., wo er allenthalben Bedeutendes ^leistete, Ehrenvorsitzender deS RudervereinS und Mitglied des Ausschusses deS Deutschen RuderverbandcS, lange Zeit auch Vorsitzender der Ortsgruppe des Deutschen Vereins zur Rettung Schiffbrüchiger. In den letzten Monaten und Wochen gehörte seine Tätigkeit den Vorbereitungen für die U n i v e rs itätS fei er wie für den Oslafrikabazar. Ter möglichst glanzvollen Veranstaltung des letzteren hat er seine letzten Lebenstage ausschließlich! getvidmet. Gestern hatte er sich wieder nach der Liebigshöhe begeben, um die photographische Aufnahme der am Bazar mitwirkenden Damen zu leiten. Dabeiwurde er plötzlich von cmem Unwohlsein befallen. Es stellte sich ein Blutsiurz ein und er mußte sich entschließen, sich dort zu Bette zu begeben, von dem er nicht wieder sich erheben sollte. Dr. med. Geyer leistete die erste Hilfe. Es wurde bann der ihm eng befreundete Dr. Jayet herbeigerufen. Bald erschien auch Prof. Dr. Voit, der neue Direktor der med. Klinik. Es wurde daS Platzen einer Ader am Herzen festgestellt. Die alsbald eintretende Herzschwäche wuchs von Stunde zu Stunde und heute Mittag ist der Tod eingetreten .... Noch seine letzten Gedanken gehörten dem Bazar und wiederholt bat cr die um ihn versammelten Herren, um einetwiüen den Baz a r nicht ausfalle n zu lassen. Man mußte ihm, wenn auch schweren Herzens, diese Zusicherung geben, aber man hat sich entschlossen, ihn auf die nächste Woche also auf Sonntag, Montag und Dienstag zu verschieben. Um den im Alter von erst 55 Jahren so jäh aus dem Leben Gerissenen trauern eine Witwe und vier Kinder, zwei erwachsene Töchter und zwei kleinere Söhne. Kirch war em durchaus lauterer Charakter, von edler patriotischer Gesinnung erfüllt. Sein ganzes Wesen war dahin gerichtet, seine außerordentlichen Gaben der Allgemeinheit zu teil iverden zu lassen, immer hat er dahin gestrebt, feinen Mitbürgern zu nützen und Gutes zu tun, oft unter voller Nichtachtung seines persönlichen Wohlergehens. Nun ist er nicht mehr unter uns; an uns aber ist es, in Trauer und Wehmut und in unauslöschlicher Dankbarkeit seiner zu gedenken. Stets wird man ihn in Gießen in dankbarem und ehrenden Andenken behalten. Todes-Anzeige. Gestern morgen verschied nach kurzem, schweren Leiden unsere inntgiraeliebte Mutter und Schwester Frau Margarethe Körber Ww. im Alter von 49 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Rödgen, den 4. Juni 1907. Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag um 2 Uhr statt. _____ 3725 ßtii’anteuta Giessen. Generalversammlung Montag, den 10. Juni, abends 8y2 Uhr im Postkeller. Tages-Ordnung: 1. Geschäfts- und Kaffenbericht. 2. Bericht beS Revisions-Ausschusses. 3. Statutenänderung. B*/e Der Vorstand. Zellner- u-Lohnkellnerverein Giessen Das Bureau befindet sich von heute ab 35^* Kaplansgasse 10 (Württemberger Hof). Alle Anfragen und Bestellungen sind nach dorten zu richten. 3739 Ter Vorstand. Viel Geld ist zu verdienen wer sich an einer erstklassigen Erdölarube in Galizien betethrtt. Tcutlches Unternehmen la. Diesbezügliche Aus' fünft erteilt ein gewissenhafter Fachmann, der bereits auch Beteiligungen erster Banken nachweisen kann. i)hn schnell entschlonene Reflektanten können berücksichtigt werden. Gefl. Onerteu mit Angabe der Besuchszeit erbeten unter E. E. 2040 an Rudolf Monc, Annoncen-Expedition, Berlin SW. ssVe Gewerbebank zu Giessen e. G. m. u. H. In der ansserordentlichen Generalversammlung unserer Bank vom 14. Mai cr. wurde der Beschluss gefasst, den Betrag des Geschäftsanteiles von Mk. 500.— auf Mk. 1000.— zu erhöhen. Wie bisher wird die entfallende Dividende auch auf die Geschäftsguthaben von mindestens Mk. 500.— in bar ausgezahlt und bleibt es dem freien Ermessen der Mitglieder überlassen, das Geschäftsguthaben über den Betrag von Mk. 500.— hinaus bis zum festgesetzten Betrag des Geschäftsanteiles von Mk. 1000.— zu ergänzen. Indem wir diesen Beschluss zur allgemeinen Kenntnis unserer Mitglieder bringen, bemerken wir noch, dass Volleinzahlangen der Geschäftsanteile, die noch vor dem 1. Juli cr. an unserer Kasse geleistet werden, ausnahmsweise schon an der diesjährigen Dividende und zwar vom 1. Juli cr. ab teilnelunen* Giessen, 21. Mai 1907. Der Vorstand der Gewerbebank zu Giessen. Loos. Walther. Moese r. Dw/< Feinste Speise- u. Salatkartofieln 8 per Zentner 4 Mark, empfiehlt I. Hantel, Neuen Bäue 7. Pr. Ochsenfleisch (kein Stierfleisch) ä Pfd. 80 Psg. Roastbeef u. Lenden ä Pfd. 82 Pfg., empfiehlt [03974 JuliuS Rosenbaum, Televh. 319. Hochglanz! 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