Donnerstag 4 April 1907 157. Jahrgang Zweites Blatt Nr. 78 Gießener Anzeiger Erscheint «glich mit Ausnahme M Sonntag«. General-Anzeiger für Vberheßen Di« »Gießener FamiiiendlStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da« „Kftliblalt für de« Krtts Sletzen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlid) einmal. Rotationsdruck und Vertag der Vrüblich« Unu>erfudl« - Buch- und Steindruckerei. DL Sange, Stehen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» stratze 7. ExpediNon und Vertag i ft« t>L Redaktion: l 1L. tcL-ütou tby«tger<8iefc|d?au. Eme Dlökoaterhohung der ReichSbank? EL Berlin, 3. April. Ob die Reichsbank demnächst zu einer Diskonterhöhung, auf 7 Proz., schreiten werde, ist nicht nur die Sorge der Börse, sondern auch der Industrie und deS Handels. Die Börse tü rasch ernüchtert worden, als sie sich dem Glauben hingab, nach den stürmischen Tagen herrsche wieder eitel Sonnenschein. So unerfreulich der legte ReichSbankauSweiß auSsieht, das Gute hat er gehabt, rechtzeitig Manchem die Illusion zu zerstören, daß durch Ankauf von Jndustriepapieren zu den gegenwärtigen „spottbilligen' Kursen in aller Kürze bei der sicheren Wiedererholung große Gewinne erzielt werden könnten. Es ist aber an eine andauernde Aufwärtsbewegung nicht zu denken, solange die Geldsorgen empfindlich drücken. Ob eS der Industrie nach wie vor glänzend geht, oder ob, wie Andere behaupten, die Aufträge nachlassen, kommt in zweiter Linie in Betracht. Die Hauptsache bleibt einstweilen, daß die Reichsbank die Tiskontschraube nicht noch mehr anzieht. Schließlich ist der Erfolg der Maßregel zweifelhast, unzweifelhaft dagegen, daß er nochmals Verheerungen in den Kursen der Dlvidendenpaplere ebenso wie der Renten herbei- führen würde. Die „Deutsche Volksw. Korr.' beziffert den VermögenSoerlust an den deutschen Staats- papieren infolge deS Kursrückganges auf einige hundert Millionen. Auch das wird hoffentlich von der Leitung der Reichsbank wohl erwogen werden, wie sehr eß das Vertrauen deS Publikums auf die Sicherheit solcher An- lagen erschüttern 4nüßte, wenn eine Wiederholung der Börsenpanik, in womöglich noch größerem Umfange einträte und mit ihr ein neuer, nach vielen Millionen zählender Verlust. Da« Reich kommt bald wieder in die Lage, einen beträchtlichen Anleihebedarf decken zu müffen. Schon un Hinblick darauf empfiehlt es sich, Krisen nach Möglichkeit zu Der- meiden. ES wird mit Ausbietung aller Geschicklichkeit wohl angehen, daß die ReichSdank mit dem gegenwärtigen Dis- kontsatz im April durchkommt. Vom Mai ab und im Lause deS Sommers verringern sich die Ansprüche erfahrungsgemäß wesentlich. Mit der Ausgabe von neuen Papieren könnten die Banken immer noch zurückhaltender sein. Daß biß zur Beseitigung der schweclien Geldsorgen nicht Emissionen aus- ländischer Werte veranstaltet werden, sollte selbstverständlich sein. ES ist in dieser Hinficht viel gesündigt worden, selbst bann noch, «US für heimische Zwecke da« Geld begann knapp zu werden. Rußland und die Friedenkkonferevz im Haag. Die Petersburger Telegraphen-Agentur meldet: Die diplomatischen Vertreter Rußlands im AuSlande sind ersucht worden, den Mächten eine Zirkularmitleilung über die zweite Friedenskonferenz zuzustellen. Die Mitteilung konstatiert, daß daß im vorigen Jahre ausgearbeitete russische Programm für die Arbeiten der Konferenz von allen Mächten angenommen worden ist, und gibt die Vorbehalte an, die bezüglich beß Programms von verschiedenen Riächten gemacht worden sind. Drei Regierungen, nämlich die der Vereinigten Staaten, Spaniens und Großbritanniens, schlagen vor, daß russische Programm durch die Frage der Abgrenzung der Rüstungen zu vervollständigen. Die amerikanische Regierung fügte dem noch die Frage der Art und Weise der Deckung der Staatsschulden hinzu. Einige Staaten behalten sich ferner daß Recht vor, der Konferenz Vorschläge über solche Fragen zu unterbreiten, die auf das russische Programm Bezug haben, in demselben aber nicht besonders aus- gesührt sind. Die englische und die japanische Regierung erklären, daß sie sich freie Hand darüber Vorbehalten, an einer Beratung über Punkte des russischen Programms, die ihrer Ansicht nach zu einem befriedigenden Ergebnis nicht führen können, sich nicht zu beteiligen. Deutschland und Oesterreich- Ungarn machen in der allgemeinsten Form denselben Vorbehalt mit dem Wunsche, sich jeder Diskussion zu enthalten, die nicht zu einem praktischen Ausweg führen könnte. Die russische Regierung erklärt, indem sie ihrerseits einen diesem letzteren ähnlichen Vorbehalt macht, daß sie ihr ursprüngliches Arbeitsprogramm der Konferenz aufrecht hält. Die Zirkularmitteilung kündigt schließlich an, daß der russische Vertreter im Haag beauftragt wurde, an die niederländische Regierung das Er- suchen zu richten, die Konferenz für den 15. Juni d. I. einberufen zu wollen. gTiujeuuiü# un ^)cru|i.e zugeyen iucux. MuiiDigui streuen ist von einer derartigen Absicht der Reichsregierung nichts bekannt: eß wird mindestens für gänzlich ausgeschlossen erachtet, daß der Reichstag sich schon in seiner nächsten Tagung mck der Angelegenheit befassen könnte. — Ein neuer Vorschlag Preußens über die Erhebung von Schiffahrtsabgaben wird der „N.-Z." aus Südöeutichland mitgeteilt, -i.-naci) hat die preußische Regierung den Regierungen von Bauern. Württemberg, Baden, Hessen uni) Ulfaip&t.,ringen b;n Vorschlag gemacht, für den Rhein, Main unb Neckar eine $inan|gemeiii|U)aft zu gründen, innerhalb deren der im Schiftahitsintercue aufgewandle Teck der ve.dki.riie für die Unteryudang und Den Ausoau Der genannten drei Wch.erstraßen durch schiftabitsavgaben aufgebraujt werben foiL Dreie Abgaben sollest in Der durchschnittlichen vöhe von u,04 P,g. für einen Tonnenkilometer mit Unterscheidung nach Güterk^f.en am Gut- oiKr Ausladeort auf Rechnung der Gemcin- schaft cr./oben werden. Für industrielle giohfwfse, beionders für 4,teinfolgen unb Erze, sollen die Abgaben etwa _aui 0,02 Pfg. jür einen Tonnenkilometer fe,ige,etzl imbeu. Der Taris soll durch »tautdüertrag icfigciegt meiOMi, «odau alio eine AeiiDerung nur mit Zustimuiung jedes d.r beteiligten Staaten möglich mare. Karlsruhe, 3. April. Die erite Hauptvei,auiuilung der 12. Tagung Da kirchlich-sozialen Konferenz wurde freute durch Herrn v. Oertzen-Be^in eröftnet. Der Borsitzende veruceiLte sich über die Bieie und Zivecke der Konferenz, deren juchneö ’jiCiu.Ut die ü)riiaia)e Arbeitervewegmig «ei. Die et|ieu- uuje Fort,mritte in Deut^stund geniucyt frabc. Pros. R. Seeberg- Berckn bvrouikte sich uoer die Auigabcn der Theologie in der sozialen Fr .ge. AuslanS. London, 3. April. Der Beniner Korrespondent des „Standard" bringt einen Alarm artikel über Deutschlands Fortschritt in Persieit. Er warnt die englsiche Rcgic- rung vor den deutschen Plänen, die britische Haiwelsuitereifen ernstlich bedrohen. Er erklärt, die Sjewcgung habe das Ziel, in Persien festen Fuß zu fassen. Tie Beihilfe der deutschen Regierung an die Kapitalisten erhene au» Der Tatsache, daß Die Ernennung des Deutschen Sternrich zum Äcatio- n a 1 b a u f D i r e! l o r üt Teheran direkt auf die töemüfrunacn Der Deutschen Lrientbank zurückgehe. Der „StanDarD" betrachtet Die Errichtung der Bank in Teheran als ernsten Eingriff in britische Rechte. Bezeichnend sei, daß die Operationen sich auf den Süden beschränken, wo der britische Einsluß vorherrsche, unb sorgfältig vom Norden sich fernhalte, um bei Rußland nicht anzustoßen. Das Blatt behauptet, der Plan vermehre die Spannung zwischen England und dem Deut scheu Reiche. Paris, 3. April. Der in Tanger an Bord des jrieuzers „Lalande" eingetrosfene Reisende Gentil erklärte einem Berichterstatter gegenüber, er halte die Besetzung von Udschda für unzureichend, um die Bevölkerung von Marakesch ein- zuschüchtem. Weitere energischere Maßnahmen würden sich in kurzer Zeit gewiß als notwendig erweisen. (Also Frankreich bereitet schon auf neue maroKan. Ueberraschungen unter Vorschiebung von unverantwortlichen Persönlichkeiten luftig vor! D. Red.) Moskau, 3. April. Der Priester Gregort Petrow, der als Mitglied der Kadetten-Partei in die Duma geiuäfrlt ist, aber von der Behörde die Erlaubnis zur Annahme des Mandats nicht erhielt, teilt mit, daß er im Besitz von Dokumenten sei, aus Denen hervorgeht, daß die Wallfahrten gläubiger Russen nach Jerusalem vom Verbände des russischen Volkes benutzt werden soll, um einen allgemeinen Kreuzzug gegen Juden unb Intelligenz im russischen Reiche zu verkünden. Ueber den Beginn der Metzeleien werden die einzelnen Organisationen des Verbandes durch den Abdruck des Kreuzes im Verbandsorgan Reßkoje Smamja, das auch bisher als Verstän- bigungsmittel benutzt wurde, verständigt werden. . Newyork, 3. April. Der Botschafter Charlemagne Tower erklärte in einem Interview, bezüglich der deutsch-amerikanischen Beziehungen habt er nie ein allgemeineres sre uüblicheres Wohlwollen Deutschlanbs Amerika gegenüber gekannt als jetzt. Er sei gerührt von dem ausgesprochenen Vertrauen Deutschlands zu der ökonomischen Zukunft und Entwickelung Amerikas und zu der Entschlossenheck Amerikas, aufrichtig zu handeln, wo immer die amerikanischen Interessen die auswärtigen Länder berührten. Der Kaiser, die Regierung und das deutsche Volk vertrauten der Regierung und dem Volke Amerikas. Die diplomatischen Beziehungen beider Länder seien deshalb frei von Verdächtigungen und einem Suchen nach verborgenen Motiven. Die lleberzeugung, daß Amerika immer einen hochsinnigen Standpunkt einnehme, sichere jedem ernsten amerikanischen Vorschläge die freundliche Erwägung des deutschen Kaisers unb der deutschen Regierung. Aus Stadt und Land. Gießen, den 4. April. •* Daß Unglück im Aufzug des Restaurant H e ß in Darmstadt, daß dem Dienstuiädchen Paula Althauß von hier das Leben kostete, wurde nur durch den Umstand herbeigeführt, daß in der Türe, die zu dem Fahrftuhl führt, Die feit einigen Tagen zerbrochene Fensterscheibe nicht ersetzt worden war. Rur hierdurch war eß der Verunglückten möglich, ihren Kopf durch die Oeffnung zu stecken, um den auf dem Fahri tu hl befindlichen 2 Perionen zuzurufen, daß sie mitfahren wolle. Daß Dach des Fahrstuhles, der schon Kleines Feuilleton. — Rosegger über feinen Orden. In der neuesten Folge feiner Tagebuchblätter, die Peter Rosegger im .Heimgarten" veröffentlicht, leien wir: Ta erfchien ein Bote aus dem Rathaufe und ersuchte um Empfangsbestätigung für einen großen Brief und em kleines Paket, die er feierlich vor mich auf den Tisch legte. Im Briefe wurde mir durch ein Sialthaltereidekret angezeigt, daß durch die Ministerien des Aeußern und des Innern an Die Statlhalterei eine Botschaft eingelangt sei, der deutsche Kaiser hätte mir den königlich-preußischen Kronenorden zweiter Klaffe verliehen. Jrn Paket war das Schächtelchen nut dem Ordern — Em heftiger Schreck. Wenn man auf so was fein Lebtag nie gedacht hat! Wald- bauernbubl Mit blauem Seitenband um den Hals zu tragen rin weißes Kreuz, inmitten d>e goldene Kömgskrone und Der Spruch: „Gott mit uns\a Gestiftet hat Den OrDen Wilhelm I. am Tage si iner Kömgskrönung, wie eine zweite Inschrift besagt. — Also ivieber eine Probe, ob Der WalDbauer auch eefruarbig ist. Mein Tank sei, daß ich sie nut Ehren bestehe . . . Was war nun zu tun ! Zeitungen berichteten, ich ginge nach Berlin; andere erzählten, ich hätte Dem Kaiser gleich einen Brief gefchrieben. Tas erstere verbot Die Kränk- lichtest, das letztere würde ich kaum an die große Glocke gehangen haben. Wieder andere Blätter spannen aus dieser Ordensverleihung polnische Gedanken. Nein, nichts von Politik! Die Sache hat für mich eine höhere Bedeutung. Ich ‘ige es laut, mir tut es wohl, oaß Wilhelm LL, in oesten Haupte Die Fragen der Welt pulsieren. Vorbick>cr unö bedauerten, an Dem vorn Bre.nieruiuun.er gerügten Methoden festhacken zu müssen. Sie behaupten. Den Premin> Minister dazu gebracht zu haoen, einzugestehen, oag sich die Tatigleck der Frauen bei den Ersatzwahlen für Die Regierung sehr unangenehm ,uhlbar gemacht baue. Die Daily News bezweifeln es, daß Der Premierminister ein derartiges Geständnis abgelegt Haven fällte. Wenn künftig ein Minister auf Reisen geht, wiro er ftch also auch bann Bovoies (Poti-isren- zum Schutz gegen einen Ueoersall mit» nehmen müssen. . . „ — „Wiesbadener Mat-Festspiel e". Wie fast alljährlich unb diesmal zusammentresfend mit der Eröffnung des neuen Kurhauses voraussichtlich 12. Mai) finden auf Befehl des Kaisers im Königlichen Theater zu Wiesbaden die „Wiesbadener Festspiele" statt. Das Programm der Festspiele ist folgendes: 12. Mai „Festspiel" von Joses Laufs, zur Einweihung des neuen Kurhauses. — 13. Mai „Armide", Oper von Gluck. — 14. Mai „Herodes und Mariamne" von Hebbel. — 15. Mai „Samson und Dallla" von Saint-Saöns. — 16. Mai „ßberon'' von Weber. — r Schweizerische Kun st verein richtete ein« Eingabe an die Bundesversammlung, in der gegen Den geplanten Bau einer Seilbahn von Der iellsplatte nach Der Axenstraße Einspruch erhoben wird, Da dadurch Die Tells- piatte entweiht würde. die königlichen Gedanken wohnen — daß dieser modern altrmstische Fürst auch Den JDealen eines Bolkspoeten feinen irennDlichen Grim znwtnkt. Tas Dankbare Volk ft reut Blumen. Ter König OrDen. Wer sich ziemlich sicher fühlt einerseits vor Der Neigung, der Alenge zu schmeicheln, andererseits vor der Gefahr, em höfischer Singer zu werden, der kann seine Auszeichnungen mit unbeiangenet Freude annehmen. — Ein Premiermini sie r in der Gewalt von Frauenrechtlerinnen. Als Sir Henry Campbell-Banner- man, der engl. Premierminister, am Karfreitag auf der Reise nach Cannes in dem Expreß-ugc den Spei.ewagen betrat und an einem Tische Platz nahm, in dessen Nähe zwei Damen saßen, stellten sich ihm diese als Ällß Annie Kenney und Miß Mary Gawthwrpe vor. Beide sind Vorfechterinnen des Frauenstimmrechtes. Sir Henry tonnte ihnen nicht entrinnen, und es biieb ihm nichts übrig, als feinen Versorgerinnen Rede zu stehen, die ihm offenbar ausgelauert hatten, um ihn einem Verhör zu unte^iehen. Er sprach sich anerkennend über Die erzieherische Tätigkeit des soztaien und pvtttckcheti Verbandes der Frauen aus, kritisierte aber die Methoden dieses Vereins. Er fagte, er könne ihnen keine Hoffnung machen, daß die Regierung twch in dieser Sefiion das Stimmrecht der Frauen als Gefetzantrag einbringen werde, und er frone, daß es ihm geringen werd.-, die Damen von weiteren Kundgebungen vor dem Parlament abzumahnen, weck derartige Auitrckie nicht geeignet seien, gute Erwlge zu zeitigen. Tie Samen beriefen sich aut htstviiiche In Bewegung war, hat ihr denn auch den Kopf abgerissen, ohne daß die auf dem Fahrstuhl Stehenden es hindern konnten. ES wird Aufgabe der Behörden fein, festzustellen, wen durch das Fehlen der Scheibe ein Verschulden trifft, zu deren Ergänzung bis zum Eintreten des Unglücks kein Auftrag gegeben worden. Voraussichtlich wird jetzt auf Anordnung der Polizei außer der Scheibe auch ein Gitter angebracht. Einen Auftrag nach unten zu fahren, hatte die Verunglückte wie unzweifelhaft feststeht nicht, überhaupt bestehen Meinungsverschiedenheiten über das Benützungsrecht des Fahrstuhles, der angeblich nicht besonders von der Baupolizei abgenommen ist. Es steht überhaupt in Frage ob zur Benützung des Fahrstuhles überhaupt eine polizeiliche Genehmigung notwendig war. Ein Selbstmord scheint ausgeschlossen, da daS Mädchen seiner ganzen Charakterveranlagung nach, hierzu keine Neigung gehabt haben dürfte, und die Gerüchte über die von ihr geäußerten Selbstmordgedanken von keiner Seite bestätigt wurden. Am Mittwoch nachmittag fand die Beisetzung auf dem Darmstädter Friedhof unter großer Beteiligung statt. ** Parlamentarisches aus Hessen. Der Gesetzgebungsausschuß der 2. K. mmer trat heute zusammen. Da oer Vorsrtzende Abg. v. Brentano am Erscheinen verhindert war, wurde nur die Vorstellung der Fleischerinnung, betr. die staatliche Schlachtviehoersicherung, behandelt, bie sich gegen diese Einrichtung wendet. Tie Beratungen hierüber wetden die nächste Woche fortgesetzt. — Auch ein Teil des Ausschusses für die V e r w a l t u n g s g e s e tz e hat seine Beratungen wieder begonnen. Der Finanzausschuß wird mit seinen Beratungen die nächste Woche beginnen. — Der neue Geselle. Am OstersamStag stellte ein hiesiger Bäckermeister einen zugereilten Gesellen ein, er unterließ aber, sich Papiere und Personalien geben zu lasten. Am zweiten Feiertage morgens verschwand der neue Geselle spurlos, nachdem er den Kletderschrank seines Nebengesellen geöffnet und sich daraus mir einem neuen Anzug und zwei Jägerhemden versehen hatte. — Verhaftet wurde gestern der Heizer Karl Bachmann aus Frankenthal (Pfalz), der wegen Nückfalldiebstahls von der Kgl. Staatsanwaltschaft Aschaffenburg steckbrieflich verfolgt wurde. Bachmann hatte sich hier unter dem Namen Wilhelm Fey längere Zeit aufgehalten; erst als er seine inzwischen angeschaffte Braut betrogen hatte, kam die Sache heraus und damit wurde seine Festnahme möglich. •• Die Musterung nahm gestern hier ihren Anfang. Die von auswärts hierhergekommenen zukünftigen Vaterlands- oerterdiger kamen zumeist auf geschmückten Wagen, von denen ein aus dem Lumdatal stammendes Gefährt viel Heiterkeit erregte. Es trug nämlich in kunstvoller Dekorationsmalerei ein Schild mit der Inschrift „Rekruden aus......' Hoffentlich misten die zukünftigen Soldaten aus dem betr. Ort später mit den Waffen besser umzugehen wie mit der Orthographie. -ck Ober-Ohmen, 4. April. (Tel.) Gestern abend orannten hier drei Hofreiten ab. Das Feuer brach in dem Holzschuppen der Frau Horst Witwe aus; eS sprang sofort auf die angrenzende Scheuer über und verbreitete sich von da aus rasch Über die angrenzenden Nachbargebäude. Nur mit vieler Mühe konnte das Vieh gerettet werden, dagegen wurde in dem einen Gebäude em Teil des Hausrats und die Kleider vernichtet. ES war ein Glück, daß die anfangs bewegte Luft bald stille wurde, sonst wären zahlreiche weitere Gebäude dem Brand zum Opfer gefallen. Die Feuerwehren hatten die ganze Nacht mit der Löschung des Brandes zu tun, so daß die Wehren von Ruppertenrod und Unter-Seibertenrod, die zur Hülfe herbeigeeilt waren, erst heute morgen wieder abrücken konnten. DaS Feuer wurde durch einen vierjährigen Knaben angezündet, der sich im Holzstall ein Feuerchen anzünden wollte. Die Abgebrannten sind versichert. ** Alsfeld, 4. April. Nachdem sich die Stadt Alsfeld zu weitgehenden finanziellen Opfern bereit erklärt hat, hat sich die Großh. Regierung bereit erklärt, die hiesige Realschule zu einer Oberrealschule auszubauen. Ter Ausbau soll in der Weise vor sich gehen, daß die Anstalt zunächst eine weitere Klasse (die Unter-Prima) einrichtet. Der Gemeinderat wird sich in seiner morgen stattfindenden Sitzung nut dieser Sache beschäftigen. Darmstadt, 8. April. Am Oster-Montag vormittag fand im Hauptgottesdienst der Martmskirche die Einführung des Pfarrassistenten Schlosser (em Sohn des StadtpfarrerS O. S ch l o s s e r in G i e ß e n) als Vereinsgeistlichen der Inneren Mission durch den Vorsitzenden des Hessischen Landesausschusses Professor Weimar statt. Oberkonsistorialpräsident Nebel, Prälat D. Walz und Oberkonsistorialrat D. Flöring wohnten der Feier bei. Der letztere richtete im Namen der obersten Kirchenbehörde herzliche Worte der Begrüßung an den neuen VeremSgeistlichen. sd. Darmstadt, 3. April. Der Eisenbahnminister Breite n b a ch kam heute vormittag hier an, machte bei S. K. H. dem Großherzog einen längeren Besuch und fuhr mittags 12 Uhr wieder nach Wiesbaden zurück. — Eine Anzahl von Regierungs- und Bauräten aus Berlin, Frankfurt und Mainz waren heute im Bahnhofshotel zu einer längeren Konferenz versammelt, in der eine Reihe von wichtigen Fragen, die den B a hn ho f s neubau betreffen, besprochen wurden. 0. M tti n i, 3. April. Gestern abend versuchten die in Offenbach, Frankfurt und Mannheim verjagten Anarchisten hier im Gewerkschaftshause eine Lersammlung abzuhalten, zu der man in der „Mz. Vztg." am Ostersamstag als zu einer öffentlichen Arbeiterversammluug eingeladen hatte. Als Redner sollten Dr. Friedberg mü> Drewes-Hamwver austreten. Friedverg wurde daran verhilidert, weil er in Mannheim verhaftet wurde, Drewes erschien nicht. Dafür versuchte der Anarchist Gettenbach als Redner aufzutreten, er wurde von der Polizei daran gehindert und das Kreisamt verbot die Abhaltung her Versammlung. Die Auflösung geschah in aller Ruhe. Die auswärtigen Anarchisten reisten ab. Die zirta 120 Anwesenden waren meist halbwüchsige Burschen. Wetzlar, 8. April. Durch einen nichtsnutzigen Bubenstreich ist gestern vormittag ein großer und sehr bedauerlicher Schaden angerichtet worden. Durch Unvorsichtigkeil oder Böswilligkeit wurde das dürre Gras an den vom Ber- schönerungsverem angelegten Anlagen am KalSrnunt in Brand gesetzt. Das Feuer verbreitete sich nut der größten Schnelligkeit iveiter und im Nu schlugen hohe Flammen aus dem Tannengehölz empor. Am schlimmsten ist dec Schaden, der an den jungen Bäumchen angerichtet ist. Die meisten von ihnen werden durch neue ersetzt werden müssen. Der angerichtete Schaden beträgt einige hundert Mark. (W.A.) 'Pom Kampf im Schneidergewcröe. Bis jetzt sind 16- bis 17000 organisierte Schneidergehilfen in Deutschland auSgesperrt. Bis Ende dieser Woche dürften aber alle Betriebe des Verbandes gesperrt sein. In Köln und in Kassel erhielten soeben die Arbeiter ihre Entlastung. Die Generalaussperrung der Schneider in Deutschland erstreckt sich nach den Feststellungen des Zentralvorstandes des Verbandes der Schneider und Schneidetinnen bisher auf folgende 35 Städte: Rostock, Potsdam, Gotha, Breslau, Erfurt, Kiel, Weimar, RavenSberg, Stettin, Leipzig, Halle, Bielefeld, Braunschweig, Frankfurt a. M., München, Hannover, Bremen, Stuttgart, Halberstadt, Gießen, Karlsruhe, Osnabrück, Rietz, Zwickau, Celle, Regensburg, Arnstadt, Wilhelms- höhe, Münster, Jena, Schwäbisch Gmünd, Dresden, Magde- vurg, Köln am Rhein, Lübeck._____________________________ Oer misch res. * Der Mörder von Könitz gefunden? In die bisher noch völlig im Dunkeln ruhende Mordaffäre von Könitz scheint jetzt Licht zu dringen. Heute genau vor einem Jahre, am 3. April 1906, wurde in Beiithen in Ober- schlesien die zerstückelte Leiche eines jungen Mannes gefunden. Der grantige Fund erinnerte in seinen Einzelheilen an den Konitzer Mord, dem der Gymnasiast Winter zum Opfer fiel. In einem Sack befand sich nur der Rumpf mit den Armen, in einem zweiten Sack der Kopf und die Beine, Ober- und Unterschenkel waren getrennt. Nach der Art der Zerstückelung mußte diese von einem Metzger ausgesührt worden sein. Der Umstand, daß der Fund an einem Wochenmarkttage gemacht wurde, an dem zahlreiche jüdische Heuhändler aus Galizien nach Beuthen kommen, die ihren Standort bei der Fundstelle haben, ließ, wie einst in Könitz, allerlei Ritual- mordgerüchte aufkommen. In dec Annahme, daß die Leiche von auswärts eingeschleppt worden sei, wurden die Ermittelungen nach dieser Richtung hin ausgedehnt, führten aber trotz eifrigen Bemühens der deutschen und österreichischen Behörden zu keinem Ergebnis. Mitte März wurde mit einem Male dec Schleier über das geheimnisvolle Dunkel gelüftet. Tatz Verbrechen war in der im Zentrum der Stadt Beuthen gelegenen Roß sch läch ter Liberkaschen Speisewirtschast verübt worden. Der bei Liberka beschäftigte Haushälter Kioltyka hatte, von Gewissensbissen gepeinigt, der Polizei Angaben gemacht, die die Identität des Toten feststellen ließen und zur Ermittelung des Mörders führte. Der Tote war der Arbeiter Josef Bronner aus Charley und fein Mörder der Brotgeber des Kioltyka, der Roßschlächter und Speifewirt Liberka. Dieser hatte den Bronner aus Rachsucht erschlagen und dann mit Kioltyka zusammen die Leiche in die Abortgrube geworfen. Nach Verlauf von 14 Tagen hatten beide die Leiche wieder herauSgeholt, zerstückelt und in zwei Säcken nach der Fundstelle geschafft. Liberka befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Die bisherigen Ermittelungen haben eine sensationelle Wendung genommen. Die Tat LiberkaS selbst und die Auffindung der Leichenteile ähneln in Beuthen wie Könitz einander so vollkommen, daß der Gedanke naheliegt, der Täter fei hier wie dort ein und dieselbe Person. Zu den Verdachtsmomenten kommt noch hinzu, daß Liberka zur Zeit des Mordes an Winter in Könitz bei einem Fleischermeister beschäftigt gewesen sein soll. Die Untersuchung nach dieser Richtung ist emgeleitet. — AuS Könitz wird bestätigt, daß Liberka zurzeit des Mordes an dem Gymnasiasten Winter dort bei dem Roßschlächter Schulz oder dessen Nachfolger beschäftigt gewesen ist. Er hatte damals auch mit einem Mädchen, aus einem Hause gegenüber verkehrt, das Dehnen hieß und jetzt in Berlin wohnt. Wegen einer auswärts über ihn verhängten Strafe wurde er seinerzeit auf dem Hofe eines jüdischen Schlächters verhaftet. Liberka trug bei der Verhaftung eine Perücke. Nachdem er feine Strafe abgefeffen, wandte er sich nach Bärwalde, wo er bei einem jüdischen Schlächter Hermann Grünthal gewohnt hatte. In Könitz halte er zur Zeit des Mordes gewohnt, ebenfalls bei einer jüdischen Familie namens Berger. Es wird vermutet, daß Liberka den jungen Winter aus Rache und Eifersucht ermordet hat. Kleine Tageschronik. Der Fall H n tz l e r hat zu einem förmlichen Zusammenbruch im Krcmken-Kmderspital zu München geführt. Nachdem die Prolektorin Prinzessin Leopold die Vorstandsschait, die Schwestern und Aerzte ihre Äemter gleich nach Bekanntwerden des Selbstmordes des Chefarztes Dr. Hutzler medergelegt haben, erfolgen nunmehr auch Masfen-Austritte der Mitglieder aus dem Verein, als ob dieser ein gewöhnlicher Verein und nicht lediglich zu humamiären Zwecken gegründet worden fei. — In dem Pojen'ichen Städtchen S ch w e r j e n z wurde unoermutet eine Revision der Stadlhanpl- kasse vorgenommen, wobei große Unierlchleüe feftgefteUt wurden. Daraufhin erschoß sich in einem dlebemaum des Rathauses der Stadtkämmerer Esill. Gegen weitere Beamte der Stadtverwaltung schwebt das Ermittelungsverfahren. Die Höhe der Unterschlagungen ist noch nicht fesigestellt. — In Neuebersbach (Bayern) wurde der B ürg erm e ister Leisner wegen Mordverdachtes, Sitllichkeilsverbrecheiis und verschiedener Verfehlungen im Amte verhauet. — Auf dem Wege zwischen Hagen (Wests.) und Hohemlunburg stieß ein Automobil nut einem Möbelwagen zusammen. Das Automobil wurde zerlrümniert; alle vier Insassen erlitten schwere, zwei davon tödliche Verletzungen. — In K r a f a u erschoß der Hörer der Recote Lansky von Tiefelthal nachts seine Mutter und bann sich selbst, angeblich aus Schmerz über den Tod seiner Schwester, welche sich vor einem Jahre vergiftete. ______________ Kandel. Reichsbank-Ausweis. Seit Bestehen der Reichsbank batte sie noch nte am 1. April einen Diskont von 6% aufzuwei'en. Auch war es seil ihrer Gründung noch nicht vorgekonnnen, daß sie nir die letzte Märzwoche für einen Umlauf von 400 229 000 Alk. (233 348 000 Alk.) Notensteuer zu entrichten hatte, während noch in der voihergegangenen Woche der iteuerireie 9loienbeftanb 145 Iss 000 Alk. betrug. Diese Ziffern allein illustrieren wie groß die Anspan- imng der Geld- und Kreditoerhälunsse immer noch ist. In der leiten Mäiz-Woche stellte sich die Vermehrung des Porteieuilles um 277,86 'Dull. Alk. fast genau so hoch wie im Vorjahr, für den ganzen März aber verzeichnet der Wechselbestand diesmal einen Zuwachs von 356,58 9)liU. Alk. gegen 288,72 Mill. Mk. im Vorjahre womit der Bestand jetzt um rund 190 Mill. Alk. über ferne uorjäl)- rige Höhe hinansgeht. Die Vermehrung der Lombardausleihungen um 129,40 Mill. Alk. entspricht annähernd der vorjährigen, der Lombardbestand selbst stellt sich gegen das Vorjahr um 13 AliU. Alk. höher. Auch die Beanspruchung der Dank durch die.Reichskasie war nut 89 35 Mill. Alk. fcyt genau so hoch wie iin Vorjahre, doch lieht der Effektenbestand jetzt um 4u Mitt. Alk. hinter dein seiner damaligen Hohe zurück. Dre Abnahme des AletaUbestandes war vorauszujehen; sie betrug 142,39 Mill. Alk. gegen 145,47 Mill. Alk. >m Vorjahre. Tie Tepositen zeigten einen Rückgang um 64 38 Mill Alt. gegen 48,82 Mill. Alk. im Vorjahre. Es t|l anzunehmen, daß mit dem heutigen Tag der Rückfluß in die Reichsbank einfetzen wirb da dieser in der Regel in den ersten 3 Aprilwochen einen starken Umfang annimmt. Im Vorjahre verfügte die Bank am 23. April wieder über eüie_ steuerfreie Notenreserve von 212,35 Mill. Mk. Ta der diesmalige Status wesentlich schivächer ist, so wird es voraussichtlich auch länger dauern, bis sie wieder aus der Notensteuer herauskommt. U e b e r t r e i b u n g e n. Bei Charakterisierung der gegenwärtigen Börsen- wie allgemeinen Geschäftslage lassen sich manche Blätter zu Uebertreibungen verleiten. S i hieß es gestern in einem Berliner Blatt, daß die Neichsbankkreise die Dlöglichkeit einer Diskonterhöhung ins Auge getobt haben. An leitender Stelle dec Reichsbank wird die Situation keineswegs so pessimistisch und besorgniserregend erachtet, ivenn auch der oben wiedergegebene Reichsbankausweis von Alärzende gemäß der überaus großen Rüstung der Geschäftswelt für den Onartalwechsel und besten enorme Ansprüche eine noch über die starke vorjährige Anspannung hinaus- gehende Inanspruchnahme der Bankmittel aufziiweisen hatte. Auch bei der Schilderung der deutschen Indiistrieverhältnisse sind Uebertreibungen in pessimistischem Sinne fortgesetzt an der Tagesordnung, obwohl noch fein einziges großes Unternehmen in der letzten Zeit Alitkeilungen in die Öffentlichkeit brachte, wonach zu ersehen ist, daß der Geschä'tsgang m ber letzten Zeit zurückgegangen ist. Tas Gegenteil mar der Fall. Tie Großbanken haben jüngst die Lage ber deutschen Konjunktur als burcbanS gefimb bezeichnet und im Jahresbericht der Frankfurter Handelskammer ist zu lesen, daß die Fabriken des Frank'urter Bezirks auch für das laufende Jahr mit Aufträgen überhäuft sind. Tic Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 3 Avril 1907. Höchste Schiachtviehpreise in F r a n f ’ u r t a. M. Fleifchpreise in Gießen Ochsen Kälber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 82—84 Mk. ' ,Kg.Schlachtgew.l00-104Pf. S - , 57-58 , XU Kg. 82-88 Psg. V, . 80-84 , V, , 70-80 , Getreidepreise in Mannheim Brotpreise in Gießen Werzen 100 Jtg. 00.' 0-00.00 Alk. Roggen 100 Kg. 00.00-00.00 Mk. Weißbrot 2 Kg. 54 P,g. Schwarzbrot 2 Kg. 50 Pfg, Märkte. ak. Groß-Felda, 3. April. Tas herrliche Frühlingswetter begünstigte den O st erm a r k t außerordentlich. Der Besuch von auswärts war so groß, wie man ihn noch nicht gesehen halte. Unzählbare Fuhrwerke brachten von Nah und Fern die Fremden. Der Antrieb von Schweinen war gut; auch der Verkauf ging flott von statten. Es wurden annehnibare Preise erzielt (60 Mark pro Paar). Der heutige Markt Hai wieder die Bedeutung unseres Marktfleckens deutlich bewiesenund den besten Nachweis für die Notwendigkeit eines Bahnbaus erbracht. te. Frankfurt a. M., 4. April. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen ber heutigen Viehmarkt- preise. Ztim Verkaufe stauben: 24 Ochsen, 00 ans Oesterreich 2 Bullen, 0 aus Oesterreich, 55 Kühe, Fersen, Stiere unb Rmder 0 aus Rumänien, 616 Kälber, 137 Schafe unb Hämmel, 8 Ziegen, 142 Ziegenlämmer, 56 Schaflämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 82—85 Mk., 2. Qualität 72—77 Mk., 3. Qualität 68—70 Mk.; Bullen 1. Qual. 72—74, 2. Qual. 67—69; Kühe 1. Qualität 73—75 Alk., 2. Qual. 69—71 Alk., 3. Qual. 60—62 Alk., 4. Qual. 00—00 Alk, 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. dual. 100—104 Psg., Lebendgewicht 60—62 Psg., 2. Qiialität 94—99 Psg., Lebendgewicht 55 - 68 Psg., Schlachtgew. 72—70sPsg.; Schafe: 1. Qual. 80—00 Psg., 2. CuaL 76—78 Psg. Geschaht: gut. Ueberstand unbedeutend. Arbeiterbewegung. Lich, 3. April. Tie Forderungen ber hiesigen organisierten Maurer, bie auf einen Stunbenlohn von 40 Pfennig, für Ueberftuuben 20% Zuschlag unb bet Nacht- ober Wasterarbeit auf ben doppelten Stunbenlohn lauten, wurden heute von den hiesigen Ateistern bewilligt. Offenbach, 3. April. Tie Lohnbewegung der hiesigen Bäcker gehülfen endete mit der Annahme eines auf die Dauer von drei Jahren abgeschlossenen Tarifvertrages. Es ist dann eine Verkürzung ber bisherigen Arbeitszeit, eine Erhöhung des Mindestlohnes um 2 M. in ber Woche unb eine Bezahlung der Ueberftuuben mit 40 Pf. enthalten. Bochum, 3. April. Heute wurden hier 400 Maler- und A n st r e i ch e r g e h i l f e n von den dem Arbeitgeberverbande angehörenden Ateistern aus gesperrt. Die Gesamtzahl ber ausge- Iperrten GehlUen un Ruhrrevier beträgt 300. Düsseldorf, 3. April. Alle Steinbildhauer wurden hier wegen Nichtanerkennung des neuen LohutarifeS auSge- sperrt. Dresden, 3. April. Zn der heute hier abgehaltenen außer- ordentlichen Generalversammlung des Arbeitgeberschutzvev- b a n d e S für bas beutsche Holzgewerbe wurde beschlossen, alle möglichen Mittel zur Anwendung zu bringen, um bie Aussperrung siegreich durchzuführen. Der Vorsitzende, Rahardt- Berlin, erklärte, bau die gesamte deutsche Arbeitgeberschaft den Lchutzverbanb für bas deutsche Holzgewerbe in jeder Beziehung u n t e r st ü tz en wolle. Tie Versammlung beschloß, den Vorstand zu ermächtigen, eine Anleihe in Höhe bis zu einer Million M a r £ auizunehmen nut der Maßgabe, ihm zunächst 300 OOu Alk. zur Verfügung zu stellen. (DriginabDraQtmelOungen« sd. Darmstadt, 4. April. Der in wetteren Kreisen te- kannte Musitkritiker unb Komponist August Ackermann ist heute vormittag plötzlich an den Folgen eines Schlaganfalles gestorben. Ackermann, ber ein Alter von 62 Jahren erreichte, war ein geborener Darmstädter. Er war früher Musik- bireftor in englisch-ostindischen Diensten. Berlin, 4. April. Zn ber russischen Zirkularnote über bie Haager Friedenskonferenz bemerkt bas „B. T": Man braucht keiner von ben großen Propheten und nicht einmal einer von den kleinen zu sein, um das Schicksal ber zweiten Haager Konferenz deutlich vorauszusehen. Weber bas Ab- rüstungsproblem noch die Neugestaltung des Heeres werden auf dieser Konferenz wesentlich gefördert werden. Die Konferenz wird im besten Falle einige ergänzende Bestimmungen über die Schieds- gemchte und das Recht, Angehöriger neutraler Staaten am Kriege teilnehmen zu lassen und über bie Legung von Seeminen formulieren. Die interessanteren Forderungen werden von der Tagesordnung verschwinden. Eine überraschende Wendung tonnte t.c Konferenz nur nehmen, wenn England plötzlich auf feine Eüv» Wendungen in den Seerechtsfragen verzichtete unb dafür von Deutschland unb Oesterreich Konzessionen in der Rüstungsfrage fordern sollte. Aber so sehr a:n gewissen Stellen der Wunsch bestehen nuag, den Abrüstungsvorschlag zur Sprache zu bringen unb so sehr man an and er en, Stellen über ein eneue Isolierung Deutschlands erfreut wäre: bie maritimen Interessen Englands sind zu groß, um für rein platonische Genugtuung geopfert zu werden. Rom, 4. April. Nach ber Begegnung in Rapallo sanbten Bülow unb Tittoni einen gemeinsam abge- faßten Bericht über das Ergebnis ber Besprechung an ben österreichischen Minister des Aeußern, Baron A e h r e n t h a l. Melilla (Marokko-, 3. 'up^l. Zwei Europäer, welche sich ohne genügende Eskorte außerhalb des Weichbildes der Stadt gewagt fct-en, sind von Anhängern des Prätendenten gefangen genommen worden. Der eine, Delöres, war früher mUitärildjet Berater des 'Prätendenten, mit dem er sich entzweite und auS des,en Lager er flüchtete. Der Prätendent setzte eine hohe Belohnung auf des,en jtopf aus, indem er ihn des Verrats beschuldigte. Angesichts div,es Umlandes hegt man über das Schicksal der beiden Gefangenen große Besorgnis. 5 e 5» L E T7S Oft -2 E LZ s L eEo^-S s g 9 «N .w ÖH « x»£ *5-ß e®. ZZZZL.E sZLL 2 2. ■jW O .; E s= » c y §-2, e SS -^» e § 2 CO® s c Z^N Oft »O © :a CO ft» ©s aggs m cd «02 -Z ZLZ N Z N M w GV3-to Amtlicher HcU Ausgaben Einnahmen jft & Gewinn-Vortrag vom Jahre 1905 . . M. 18,151,130.14 386,205.30 32 415 700.30 500,000.— 49 3,101,059 19,456,700,61 Passiva Aktiva -S 437,017,663 90 M. 10,500,000.— 3,661,331 25 V 18,535,000 Darlehens-Provisionen 2,704,453 10 10,206,703 84 B‘k 1,418,288 25 461,513,278 95 nung fl Zinsen aus: Hypotheken 5» E ^» Oft w 5/ Kommunal-Darlehen , Lombard-Tarleben, diskontierten Wechseln, Konto-Korrent und Slaatspapieren . Darlehcnsprootsionen . 2 & JS p 5,057.345 — 1,283,160 70 500,000 — 1,217,939 27 650,846 74 500,000 — eo "o z Gewinn-Vortrag Pfandbriefe 4%ige . . 3V,"/o'ge . . ;=»o o Jtl 20,000,000 -^»5 t?» E 5 *“ «ft» jQ 1,000,000.— 1,200,000.— 835,000.— 50,000.— 314,957.17 436,102.32 »Q «> O v ft» ft»- Bä ■--- E 6j .— ft» S c. » §>ä § na Z .zs L 2 rsF .2 S jö“ H« LG «ft E. Aktienkapital . . . Reservefonds gesetzlicher . . außerordentlicher Disagioreserve . Immobilien-Reserve Vortragsposten Pfandbrief-Agio aendes eingetragen: Der bisherige Inhaber der Firma Robert Hape, Tapetenhandlung en gros, ist verstorben. Tie Witwe Johanna geb. Kunze führt das Geschäft unter der bisherigen Firma für sich unb als gesetzliche Vertreterin ihrer minderjährigen Kinder fort. Gießen, den 30. März 1907. Grobherzogliches Amtsgericht. Hypotheken (sämtlich in das Deckungs register eingetragen Hypothekenzinsen (rückständig M. 112,357.72) . • ♦ Frankfurter Hypothekenbank 44. SkMt.jlchr, Abschluß per 31. StWber 1906. oi cn : 5 o do SO c _ p L--L Kommunal-Darlehen Preußische (sämtlich in das Deckungsregtster eingetragen) . . . - Außerpreußische. . Laufende Zinsen . Verloste Stücke ....... Konimunal-Odligationen, 3^o/oige . . Zinsen von Pfandbriefen und Kommunal- Obligationen: fällige Coupons und Zmsantcile pro 1906 dec Coupons per 1. April 1907 ...... Uncrhobene Dividende Kontokorrent: Kreditoren . . . . Depositen ........ Dividende für 1906 ..... Tanliömen und Gratifikationen . . . Ueberweisung an die Pensionsanstalt . . M. 1,573,587.50 , 694,763.28 „ 436,102.32 E L in heute ab mit M. 90.— --- 9 /0 zur Einlösung. hv’/« Die Direktion. ■° *° _E § W ft» E E •gAeSl ►ti"" o —3 E £ ft» X ü en "E e-o X» o.r: E p >-* 2 •- E j.g E 1 -o °$> — M. 9,749,488.97 , 363,659.95 93,554.92 2 r-. c L E • Betarultmachttug. In unser Handelsregister wurde heute bezüglich der Firma „Robert Hasse, vorm. E. Bloedner" zu Gießen fol- cd gv I 2> ."i -E ft» E ja pES g— ÜJ» «ft» ft» ä *» q» ft» •» '*» KL-D S-g g.® «S 20 5 L £ S2CQ DZ- «ft , G V72 «ft» C _ w«~ ~ o g__w E p v E=a -«■* "* —‘ o 43 415,094,900 43,900 4,184,600' Z-2^ ft» 5 OD E SS E Zinsen von: Pfandbriefen. . . M. 15,496,655.77 Kommunal-Obligation. „ 143,233.99 Verwaltungskosten Steuern und Stempel ..... ■g'e« 5 pe 2 C7«1 VD vd ft» = S 03* • " ft M EÄS CT _ ± « •-* E «ft» «ft »-* <55 E H E jd «ft» -S *S1»Q 05 K £ iE- E ft» p E g e ft» . ,-Cp :öNw° X/» Kg. 82—88 Plg. JA » 80-84 ^votprei|e in ®ie§et 5535- Zsrrr uc? der Üerfaui ging fe- «tle erneu (6o •|ten Nachweis für bieSlr . CXclegt. 0rig..Bencht U r heutigen Lieh mar, Alen, DO ans Cefiem Serien, Liiere und Nnilei e und Hammel, 8 siegel Lezahii wurde I 1» Qualität 82-85 1 1 it 68-70 M_; yuJ je 1. Qualität 73-75 id !Nü, 1 Qual. 00—00 i| 10—104 Ug^ llebenbgenii' Üebendgewlchl 55 - 68 M -uaL 80-00 Ug, 2. C£' unbedeutend. 19,456,700 61 IHV"’’»' ,r jn roeiteren : ' Mr«! ’2*lk**§ rrderunge» g ^unj L-- )erra^,e.?3 feine jjnen -ctpfieu ^urSP-^dS w Bekanntmachung. Alle noch rückständigen Rechnungen über die zur UnterhalUrng der ftüdlischen Strafen ufro. ausgeführten Arbeiten und Lieferungen im Rechnungsjahr 1906 fl. April 1!X)6 bis 31. Atarz 1607) und bei Dteidung der NichtberückuchUgungbls spätestens den l. Mard.J. in doppelter Ausfertigung und Atrenformat unter Beifügung der Bestellscheine an uns einzureichen. . Bei dieser Gelegenheit machen roir daraus aufurerrsam, -arbeiten und Lieserungeki für Rechnung des LiesbauamlS nuraus Grund der von uns ausgestclUen Beueüscheine bezw. vorgetegten Kontobücher zu bewrrkeii, aiiderninlls die Rechnungen nicht aneitaimt und kurzer Hand zurückgewiesen werden. Gießen, den 3. Avril 1907. Bs/< Städtisches Liefbauamr. Braubach.___________ Holzversteigerung. Die am 26. v. M. im Gemeinocwald Erda slattgehabte Holzvcrftcigeruug ist nickt genehmigt. Das Quantum nut 48 25 Lstm Eickcnstamnlbolz (schreiner-, Bau- und Grubenholz) koinim am Montag dem 8. d. 1VL, vormittags 16'/, Udr noch- mals zur Berste.gerung. Hohensotms, den 3. April 190/. Der Bürgermeister Huttel, 15,639,889 76 323,189 04 242,562 32 150,000 — Gießen, den 3. Mml.1907. Vetr • Die Ableistung des !o"ldiguugs- und Ver,upnngseldes. Vas Grohheoogliche Kreisami ©irOrn an dte Großh. Bürgermeistereien der Ämtogerichtsbertrlc Grüuberg, Homberg, Hungcu, Laubach und v"dda. Die Ableistung drs ^uwigungs- und B^chymigsewes der In Ihren Gemeinden neu aufgenommenen Lrtsburger, sowie der- ienigcn Grosch. Hess. Untertanen, welche sich,, ohne -Lrtsburgrr zu lverden, verheiratet haben, soll, wie nachstehend angegeben, ' 1 Lrts- und Staatsbürger aus deii in den Amtsgerichtsbezirken Grünberg und Homberg gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen, sowie der Gemeinde Ettingshausen Atittwoch, den 10. April 1907, vormittags 9Vs Uhr b aus den in den «mMetU» ’ bezirken Hungen, Laubach und Nidda gelegenen Gemeinden des Kreists Gießen mit Ausnahme der Gemeinde GUmgs- Samstag, den 13. April 1907, vormittags 91/* Uhr in dem Rathause zu Gründer g. . Wir beauftragen Sie hierduru), die betressenden Personen zu den Terminen vorzuladen und, lvie geschehen, unter Angabe der Nameii der Bvrgeladenen, sofort anzuzeigen, oder zu berichten, daß niemand vorzuladen war. . . . Halten sich derartige Personen auswärts aus, so wollen Sie deren Äufeiithaltsort angclMi. _________________ I. SB.: Welcker.____ 2 e p ^5 A ft» ft» "0 3 ft* C3i ft» □ 5 4>3 ft» J2> — CD «ft» r- r» teÄ.84? o t» ft» L----ZZ oj» Z *6" S» pc? g- «ft» aa-°£> o E ^»0-4 g £ «ft» a E gung. jen der hiesigen «rgam- nlohn von 40 Pfmgstüi i)l« oder Wafskl«deii a.' jen heute von den hiesig!' ohnbewegung bet hiesic , uiabme eines auf die Tt 1 rliver/rsges. &r. | ItbeM eine W-; od)e mb eine W-i hier 400 Maiu-nr ütbeuaeberoevban'.iiv (Lefamtzahl bet t 300. inbildhauer w m LohnlarifeS auäjt' . e hier abgehallenen E . i:beilgeber!chu?°"> ^-be wurde befchiosie»,- lringen, um die | Ter Vorsitzende, M-- itjdje ’^beitflebe*;- : imerbe m leöet 9 »O "^5 ft» C 25 P E »» -Q E E «ft» E Kaste, einschließlich Girogulhaben bei der Reichsbank und Frankfurter Bank . . Wertpapiere M. 5,000,000.--- 3% deutsche Staatspapiere M. 3,850,000. Eigene Pfandbriefe und Kominunal-Obliaation. , 1,207,345.— Lombard-Forderungen * Guthaben bet Bankhäusern TiSkonto-Wechsel . Kontokorrent: Debitoren . ... Immobilien: Bankgebäude M. 231,422,200.— 183,672,700.— ft» E EA11 E <5 _ Q E p e r i tr C = yßÖ CiÄ — ft» co _ o’.° 22 3,247,870 79 630 — 351,395 15 185,572 74 1,800,000 — 314,957 17 50,000 — 461,513,278 95 -Eux.'S eE> E.!2 .y-ft» . ©=-Ls = - ä ' °ie -g ‘'nen I °n 212? ->3 :" 1 Ct ÖU§ der vkterj,-. itslaq! SnÄ bet Äu ■,eüe^Qltni ?rQ,,e’ 8 ^ö'ibSnf2bllet». SÄ S.?~a 7"6 $t»i»rti|e *- ft» E «R tC S C E c ft» ft» c 7c, o c ft» t=D (5)1— ft> ft» ft» OJj . ■ ft» C -2 2-^ ft» s s- 5 - 5(^ w — eSe-ö ? o ft» Sw e " w ft» Jo D SW E E «s 379,144 25 18,953,035 74 124,520 62 Z ff 5S" CD 3 3 ? B 3 5 5 Sv • M GT p.» <» K: Uti B E S Ss 3 X P O 5© « o 3 c^)A' ÖU o p P 8ffli <2? Z PC? i$u vu U "3 BS r V cd «» V «3 ae»w © ar»"^1" <» SS S.3 3 3 ls 3 = ^ V s 3 3 » Z- 3 £ 3 ® *>» ,3 5" 53 rill 0 2,5’3' F ?- rt 5 <5* •! Ersatz- u. 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