Nr. S79 157. Jahrgang Mittwoch, 27. November 1907 Erscheint tSgNch mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener FamiNenblätter" werden dem „Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „KrtUbkitt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der ..hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheßen Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UnwersttälS - Buch- und 6tetnbrudereL 9L Lange. Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- stratze ?. Expedition und Verlag: 61. Redaktiom^-^ 112. TeU-Adru AnzetgerGießen» Nachdruck sämtlicher Parlamentsberichte ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 58. Sitzung, Dienstag, 26. November. Am Tische des Bundesrats: Delbrück, v. Velsen. Das Haus ist schwach besetzt. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr (5 Minuten. Nach Annahme eines schleunigen Antrags der Sozialdemokra- en auf Einstellung eines beim Amtsgericht Mannheim gegen >en Abg. Lehmann (Wiesbaden) schwebenden Privat- Aageverfahrcns für die Dauer der Tagung schreitet man jut Verhandlung der Kohlcnpreis-Jntcrpcllationen )er Sozialdemokraten und der Konservativen. Preußischer Handelsminister Delbrück erklärt sich zur sofor- igen Antwort bereit. Molkenbnhr (Soz.): Hätte Herr Held nicht das Pech gehabt, ils Vertreter des Kohlensyndikats von diesem abgeschüttelt zu oerden, so würde er dieselbe Rede über die Kohlen halten können, oie gestern Dr. Roesicke über Brot und Fleisch, Wort für Wort. Der Redner geht auf die behördliche Lohnstatistik ein und erklärt ie für wertlos, weil sie die Ueberstunden nicht ersichtlich mache. Von )en 66 gewerklichen Berufsgenossenschaften betrage bei 27 der durchschnittliche Tage lohn weniger als 3 Mark. Wundern Sie sich >a über ungenügende Leistungen der Arbeiter? Sie degenerien sie al Der Redner bekämpft in langen Ausführungen die Syndikats- lolitik und fordert schließlich die Expropriation des Kohlenkartells md — auch die des ebenso schlimmen preußischen Bergfiskus durch Reich, ferner Beseitigung der Eisenbahnexporttarife, Einfüh- rnng des Maximalarbeitstages, Ausbau des Kanalnetzes usw. Graf Kanitz^(kons.): Die hohen Kohlen- und Koksprcise lasten rls ungeheuere Schädigung auf unserer Industrie; und die jetzige rückläufige Bewegung ist nicht nur den Vorgängen auf dem Geldmarkt zuzuschreiben, sondern auch auf die Kohlenteuerung zurück- .uführen. Aber ebenso lastet es auf oer Landwirtschaft und ihren l?ebenbetrieben. (Sehr wahr! rechts.) Die Ziegeleien können richt Kohlen heranschaffcn, sie müssen ihren Betrieb einstellen, kurz, cs ist eine allgemeine Kalamität. 20 Zechen haben fast % >er gesamten unter dem Syndikat stehenden Förderungsmenge und erteilen Dividenden von 11 Proz., zum Teil sehr viel höhere. Ich abe schon 1900 eine Abschaffung der Kohlenexporttarife gefordert; nfolge einer Resolution des Reichstags wurde der preußische Lan- oseisenbahnrat mit der Prüfung beauftragt und kam zu einem negativen Resultat. Jedenfalls treffen die damaligen Gründe nicht u für die ablehnende Stellungnahme, 'die jetzt wieder, Ivie ich öre, der Ausschuß des Landeseisenbahnrats mit 3 gegen 1 Stimme ingcnommen hat. Damals war eine rückläufige Konjunktur, aber etzt hat der preußische Fiskus für drei volle Jahre zu erhöhten breisen abgeschlossen. Ich habe auch einen Ausfuhrzoll auf Kohlen gefordert. Ich weiß, daß das im Bundesrat vielfach günstig auf- ;enommen wurde. Aber die Sache scheiterte lediglich an dem Widerspruch des Reichsamts des Innern; das heißt, man befürch- ete eine mißliebige Aufnahme im Ausland. Jetzt werden mehr rls 10 Millionen Tonnen mehr aus- als eingeführt. Wir be- 'ämpfen nicht die Syndikate, sondern ihre Ausschreitungen. Die Früchte sehen wir in Amerika. Möge die Regierung bei uns rechtzeitig von ihren Machtmitteln Gebrauch machen. (Beifall rechts.) Preutz. Handelsmiuistcr Dr. Delbrück: Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Kohlenpreise augenblicklich hoch sind. Sie haben zwar noch nicht die Höhe der Preise in der Hochkonjunk- :ur der 70er Jahre erreicht, aber reichlich die Höhe der Preise in )er Hochkonjunktur von 1900. Sie haben aber noch nicht — das nutz zur Beurteilung der ganzen Situation berücksichtigt werden — die Preise des Auslandes speziell Englands erreicht. Die eng- ische Kohle ist heute in denjenigen Gebieten, wo sie mit der einheimischen Kohle konkurriert und wo sie billiger zu sein pflegt als siese, teurer als die einheimische. Das ist z. B. in Berlin der Fall. Es liegt auf der Hand, daß derartig hohe Kohlenpreise von vnten Kreisen der Bevölkerung, von der Industrie, von der Land- virtschaft unangenehm empfunden werden, aber am allerschwer- ten von den kleinen Konsumenten des Hausbrands. Selbstver- tändlich hat der Reichskanzler erwogen, ob und in welcher Weise hem Uebel dieser hohen Kohlenpreise begegnet werden könnte. ?s ist aber leichter, diese Frage aufzuwerfen, als sie in positiver Seife zu lösen. Wenn man wissen will, wie man den hohen lohlenpreisen entgegentreten soll, muß man sich doch etwas genauer die gesamte Lage des Marktes und die Faktoren ansehen, üe diese Kohlenpreise bilden, denn allein die Profitwut des Kapi- als und der Geiz des preußischen Fiskus sind es doch nicht, die liefe hohen Preise Hervorrufen. Auch die Preise der Kohlen sind n erster Linie von den Produktionskosten abhängig, und in zweier Linie von den Verhältnissen des Marktes, von Angebot und Nachfrage. Und diesen beiden gesetzmäßig wirkenden Faktoren onnen sich auch diejenigen Produzenten und Händler nicht entliehen, die durch Syndizierung eine gewisse Monopolstellung ge- üonnen haben und dadurch in die Lage gekommen sind, für die Ge- nete, die sie beherrschen, die Produktion eventuell zu beschränken md die Preise in gewisse Höhe hinaufzurücken. Wie .steht es lun mit den Produktionsunkosten? Als feststehend kann ich wohl iinstellen, daß die Produktionskosten im Laufe der letzten Jahr- lehnte im dauernden Steigen begriffen sind, und daß in diesen leigenden Produktionskosten das Steigen der Betriebslöhne ein ehr erheblicher Bestandteil ist. In normalen Zeiten produzieren wir in Deutschland nehr Kohlen, als wir im Inland konsumieren können; infolgedessen st in normalen Zeiten und in Zeiten niedriger Konjunktur unsere ^ohlenproduktion auf den Export von Kohlen ins Ausland ange- ntefen. Diese Notwendigkeit hat es bedingt, daß mit dem Aus- ande zum Teil langfristige Verträge wegen Kohlenlieferungen zu elativ niedrigen Preisen abgeschlossen worden sind, die zum Teil wch heute laufen. Das ist mit ein Grund, weshalb w i r zurzeit Sohlen in das Ausland liefern zu niedrigeren Sätzen als im Inland e. Das ist aber ein Zu stand, > e r tm Verschwinden begriffen ist. Soweit ich m- ormiert bin, ist die oberschlesische Kohlenkonvention schon daran, inen Zustand zu schaffen, wonach die Auslandspreise dieselben preise sind wie die Inlandspreise. Unsere Kohlenproduktion ist seit dem Jahre 1900 bis 1906 )on 109 Millionen To. auf 137 Millionen To. gestiegen. Trotzdem st allerdings die Produktion der Nachfrage nicht vollständig ge- olgt, und wir dürfen uns darüber nicht täuschen, daß ton augenblicklich und vorübergehend an einem gewissen Still st and der Produktion angelangt sind. Es ist uns im Laufe der letzten Zähre 1906 und 1907 im großen und ganzen nicht gelungen, die werktägliche Produktion erheblich zu erhöhen, obwohl wir die Zahl der Arbeiter nicht unerheblich vermehrt haben. Die Leistung der Arbeiter und der Schichten ist heruntergegangen, es fehlen zweifellos Arbeitskräfte, um die vorhandene Kohlenmenge so zu förbern, wie es erwünscht wäre. Aber auch andere Momente hindern uns, zur Zeit unsere Produktion zu steigern. Das sind einmal die unabwendbaren Folgen der Hochkonjunktur, die in einer Erschöpfung der Betriebe vielfach zum Ausdruck kommen, die Vorrichtungsarbeiten haben nicht in dem Umfange besorgt werden können, wie es in normalen Zeiten der Fall gewesen wäre. Das darf natürlich nur vorübergehend sein. Wir sind auch nicht in dem Maße wie England in der Lage, die Produktion zu steigern, weil die Beschaffenheit unserer Flöze es uns nicht ermöglicht, in dem Umfange Menschenkraft durch Maschinenarbeiten zu ersehen. Wir sind also nichtinderLage, Maßnahmen zu treffen, die den augenblicklichen Kohlenmangel beschränken und damit eine Reduktion der Preise herbeiführen könnten, .... cs sich um eine Steigerung des Betriebes handelt. Aber auch was die Kohle selbst betrifft, so kann man bei uns kaum von einer Ausfuhr sprechen, sondern nur von einer Verschiebung des Absatzes. In Deutscbland werden außer unserer eigenen Steinkohle und eigenen Braunkohle englische Kohlen gebraucht, die in gewisse Gebiete hereinkommen und dort mit unseren eigenen Kohlen erfolgreich konkurrieren. Dafür geht ein Teil unserer Kohlenproduktion von Südosten nach Oesterreich, im Westen nach Belgien, im Süden in, Heinen, Mengen nach Italien. Belgien gibt dagegen wieder einen Teil seines Kohlen- vorrats an Elsaß-Lothringen ab, Oesterreich exportiert, seine Braunkohlen nach der Lausitz. Wenn man zu einer richtigen Bilanz kommen will, so ergibt sich, daß der Ausfuhr eine Einfuhr von Braunkohlen gegenüber steht, die im Jahre 1906 etwa 8,4 Millionen Tonnen betrug. Der tatsächliche Ausfuhrüberschuß für Deutschland belief sich 1903 auf 2,6 Millionen Tonnen, 1906 nur noch auf 2,2 Millionen Tonnen. Der Ausfuhrüberschuß ist also heute ganz gering. Die Einführung eines Kohlenausfuhrzolles kann ich nicht empfehlen. Die Frage, ob cs möglich ist, das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage durch tarifarische Maßnahmen etwas besser zu gestalten, kann jetzt noch nicht beantwortet werden. Der preußische Landeseisenbahnrat wird sich demnächst mit der Frage beschäftigen. Ich will nicht darauf eingehen, in welchem Umfange das Kohlensyndikat Bei der Festsetzung der Preise tatsächlich verständige Grenzen gezogen hat. Die Probe auf das Exempel wird erst gemacht werden, wenn wir wissen, ob das Syndikat seine Preise nach der weiteren Konjunktur einrichten wird. Ich muß es mir versagen, hier Rechenschaft abzugeben über Maßnahmen der Kgl. preußischen Bergverwaltung. Auskunft und Rechenschaft darüber kann ich nur im preußischen Landtage geben. Es ist unrichtig, wenn Herr Molkenbuhr behauptet, daß der preußische Fiskus bei der Verwaltung seiner Bergwerke, lediglich von fiskalischen Gesichtspunkten des Gewinnes geleitet würde. Es ist unrichtig, wenn er behauptet hat, daß der Fiskus in der Ausbeutung und Ausplünderung seiner Arbeiter schlimmer sei als irgend ein anderer Arbeitgeber. Gegen diese Behauptung muß icß mit aller Energie Verwahrung einlegen. (Beifall rechts.) Wir sind in der preußischen Verwaltung ernstlich bemüht, berechtigte Forderungen unserer Arbeiter zu erfüllen. Wir sind auch weit davon entfernt, die Staatsbürger in ihrer staatsbürgerlichen Frei, Beit zu beschränken. (Beifall rechts und bei den Nationalliberalen, Gelächter im Zentrum und bei den Sozialdemokraten, Zuruf: Hüger!) Ich kann nur von der Zeit sprechen, in der ich die Verwaltung geleitet habe. (Lachen im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Ich habe für meine Person gegen diese Grundsätze nicht verstoßen. Ich muß mich ^rgegen verwahren, daß behauptet wird, daß die Reichsregierung geneigt wäre, die Bestrebungen irgend einer Klasse der Bevölkerung, die auf die Ausbeutung einer anderen Klasse gerichtet sind, zu unter ützcn. Das tun wir nicht, und ein solches Bestreben ist tatsächlich nicht vorhanden. (Lebhafter Beifall rechts.) Auf Antrag des Abg. Singer (Soz.) wird die Besprechung der Interpellation beschlossen. Abg. Giesberts (Zentx.): Das Kohlensyndikat und das Stahlwerkskartell treiben mit ihrer Macht Mißbrauch zum Schaden der Arbeiter. Sie ziehen immer höhere Verdienste, ohne daran zu denken, die Lage der 'u&eüer zu verbessern. Wenn die Preispolitik der Syndikate darauf abzielen würde, technische Vervollkommnungen zu treffen und die Löhne zu erhöhen, so würden sie moralisch verständlich erscheinen. Die Oberscharrmacher im Ruhrgebiet denken freilich anders. Sie haben völlig abgewirtschaftet. Der Redner bringt die Beschwerden der im Steigerverband organisierten Steiger zum Vortrag, u. a. wegen der unerträglichen Kontrolle von oben. Abg. Kämpf (fr. Vp.): Ich kann dem Grafen Kanitz beistimmen: 20 Millionen To. Kohlen nach dem Auslande billiger befördert, würde auch die Leutenot bei uns erheblich mildern. Aber im Gegensatz zum Grafen Kanitz verwerfen wir einen Ausfuhrzoll. An einen solchen Ausfuhrzoll in einem Artikel knüpft sich gar zu leicht ein solcher in einem anderen Artikel, und vor allem verwerfen wir ihn wegen des schlechten Beispiels für das Ausland. Ich würde es sehr bedauern, wenn der preußische Landeseisenbahnrat wieder zu dem Beschluß kommen sollte, die Ausfuhrtarife aufrecht zu erhalten; die preußische Staafsregierung sollte sich auch durch einen solchen Beschluß nicht abhalten lassen, diese Vergünstigungen abzuschaffen. Im Falle der Not ist auch die Herabsetzung der Einfuhrtarife angebracht. Man gehe auf den fiskalischen Werken den Privatwerkcn bei der Einflußnahme auf die Preisgestaltung mit gutem Beispiel voran. Gutes Zureden scheint nicht erheblichen Erfolg zu haben; der einzig wirksame Weg wäre, wenn die Staatsregierung auf den fiskalischen Gruben die Kohle zu billigeren Preisen abgeben würde als das Syndikat. Wenn auch durch die Fracht eine Verteuerung eintritt, so würde in einem kleineren Kreise die Kohle doch billiger werden. Mit geeigneten Verträgen zwischen fiskalischen Gruben und Händlern könnte dafür gesorgt werden, daß diese nicht den Gewinn dabei in die Tasche stecken. Die Syndikate können einen großen Segen ausüben durch Regelung der Produktion; können sie aber nicht Maß halten in ihrer Preispolitik, to-nn sind sie 'ztn berechtigter Faktor des öffentlichen Lebens. Dr. Stresemann (natl.): *?ie ein roter Faden zieht sich durch die Verhandlungen von gestern und heute der Gedanke, daß wir am Ende der Hochkonjunktur stehen. Damit steht unsere Stellungnahme zur Interpellation in engstem Zusammenhänge. Bei sinkender Konjunktur müssen sich die hohen Kohlenpreise für die Industrie noch viel drückender geltend machen. Unsere Fertigindustrie ist viel zu vielgestaltig, viel zu sehr auf einzelne Spezialitäten eingearbeitet, als daß sie sich syndizieren könnte. Die Anziehungskraft der großen Zahlen führt zu einer irrtümlichen Identifizierung der rheinisch-westfälischen Großindustrie mit der deiüschen Industrie, zu der falschen Annahme, als ob ihr Standpunkt in der Frage der Preispolitik, in der Frage der Tarifpolitik usw. der Standpunkt der gesamten deutschen Industrie sei. (Sehr gutl links.) Die Erklärung zur Frage der Kartelle war das einzig Positive in der Rede des Ministers. Herr Molkenbuhr hat sich sehr freundlich zu den Kartellen geäußert, Herr Kirdorf wird seine helle Freude haben. Wenn meine politischen Freunde auch der Meinung sind, daß die Regulierung der Produktion unter Umständen zur Verbilligung führen kann, namentlich auf dem Gebiet der Bewegung der Güter und der Erzeugung, Vorteile, die der Großbetrieb überhaupt vor dem kleinen Betrieb hat, so sind wir doch andererseits der Meinung, daß nameutlich bann, wenn ein Monopol sich geltend macht auf dem Gebiet der nicht vermehrbaren Güter, das ist der Grund und Boden in Deutschland, daß dann eine derartige monopolistische Körperschaft nicht mehr das Recht hat, lediglich auZ privatkapitalistischen Rücksichten ihre Preispolitik zu treiben, sondern sich den Interessen der Allgemeinheit und des Staates unter^uordncn hat. (Hört, hort!) Das ist die einstimmige Ansicht meiner politischen Freunde. (Hört, hört!) Gewiß haben wir auf dem Gebiete der KohleupreiSbilduug mit internationalen Verhältnissen zn tun, und wenn ich dem Haadels- rninister auch zugebe, daß im Auslande _ noch vielleicht größere Schwankungen stattgefunden haben, so muß die Bezugnahme hierauf doch hinter das allgemeine Interesse zuriicktreten. Der HandelS- minister sagt, die Beurteilung der Preispolitik des Kohlensyndikats wird davon abhangen, wie es sich verhalten wird, wenn wirklich die sinkende Konkurrenz sich eingestellt hat. . Aber der preußische Fiskus hat doch einen Vertrag auf drei Jahre zu noch höheren Preisen jetzt abgc'chlossen, also ist er doch nicht der Anncht, daß die sinkende Konjunktur auch bei den Polen sinkende Preise bringen wird. (Sehr gut!) Bei der Interpellation §lanitz im Abgcordnetenhause hat der Handelsminister gejagt: Hoher Bankdiskont und hohe Kohlenpreise sind der Regulator der Konjunktur und wirken einer unangemessenen Höhertrcibung der Konjunktur entgegen; das sieht so. zwischen den Zeilen aus, als ob er eine hochgehende Konjunktur für ein Unglück hält; als volkswirtschaftliches Erziehungsmittel möchte ich die Erhöhung des Bankdiskonts doch ablehnen. Wir beziehen im Königreich Sachsen ganz außerordentliche Quantitäten böhmischer Braunkohle und ebenso auch aus Schlesien. Graf Kanitz würde sich, wenn er dafür sorgen wollte, daß der Rumpfkanal toeiter bis zur Elbe geführt wird, den Dank der sächsischen Industrie erwerben, die heute den Bedarf nicht decken kann. Wir empfinden es allerdings sehr bitter, daß wir für die Fracht der Kohlen in Deutschland mehr zu bezahlen haben als diejenigen, die aus dem Ausland Bestellungen bei uns machen. In den weitesten Kreisen des Volkes bedauert man, daß die Regierung, trotzdem die Lage schon lange brennend ist, sich nicht gerührt hat. Bei einem etwaigen Kartellgejetz sollte der Minister sein Augenmerk auch insbesondere auf fo'genbe Gesichtspunkte lenken. Der Verband der sübbeutichen Industriellen hat vor kurzem erst ein Rundschreiben an seine Mitglieder erlassen, um festzustellen, daß das Syndikat in fast allen Fällen verlangt hat, daß die Abnehnrer ihren Bedarf nur bei i h m decken. Wenn man nicht in der Lage ist, den inländischen Bedarf zu decken, dann ist ein solches Verlangen eine Anmaßung. Aehnlich verfährt das Syndikat auch in bezug auf die Rücktrittsbedingungen. Der Redner schließt mit der Bitte, insbesondere durch tarifarische Maßregeln recht bald der Kohlennot entgegenzutreten. (Lebhafter Beifall auf allen Seiten des Hauses.) Der Redner spricht im übrigen in ähnlichem Sinne wie Giesberts gegen das Syndikat, verlangt Aufhebung der Ausfuhrtarife, Verstaatlichung des Bergbaus und Beiwohnung eines Vertreters der Staatsregierung bei allen Beratungen der Syndikate. Abg. Behrends (Lr.-soz.): Diese Rede des Vorredners muß erstaunen nach der Rede, die sein Fraktionsgenosie Hirsch am 2. Mai d. I. bei der Beratung der Interpellation Kanitz im preußischen Abgcordnetenhause gehalten hat. (Hue ruft: Das war im Abgeordnetenhaus I) Abg. Dr. Höffe! iRp.): Es sind nicht normal» Zustände, wenn wir an Kohlenmangel leiden und tätlich zahllos Kohlenzüge nach der Schweiz abgehen. Durch die Syndikate sind große Auswüchse entstanden, die beseitigt werden müssen. Ausnahmetarife haben heut keine Berechtigung mehr. Daß eine Kohlennot besteht, wird niemand bestreiten. In dem jetzigen gesetzlichen Zustand liegt eine unhaltbare Härte. Abg. Gothein (freif. 93g.): Ich warte immer noch darauf, daß Herr Spahn uns aus seinem geheimnisvollen Schreibtisch den K a r t e 11 g e s e tz e n t w u r f hervorbringt, den er uns vor 6 Jahren versprochen hat. Es besteht weniger eine Kohlennot, als vielmehr ein Kohlenmangel, der durch eine Kohlenangst hervorgerufen worden ist, weil die Zeitungen beunruhigende Nachrichten brachten. Die Ausfuhrtarife müssen abgeschafft und billigere Einfuhrtarife — nach Art der Nohstofflarife — eingeführt werden. Je mehr die Konkurrenz eingeschränkt wird, desto gefährlicher ist die Ausfuhr. Sie kann schließlich zu dem Zwecke erfolgen, eine Kohlenknappheit im Jnlande herbei- zuführen. Das Kohlenkontor hat die Konkurrenz tatsächlich ausgeschlossen, sodaß es die Prei'e einfach diktieren kann. Man kennt die Preise ja garnicht einmal. (Sehr wahr I) Unzweifelhaft sind die Selbstkosten sehr gestiegen. Die Löhne sind gestiegen (Lachen der Soz.), aber nicht in dem Maße, den die Verteuerung der Lebensrnittel notwendig macht. Der Gewinn des Kohlen- produzenten geht jedenfalls über den regulären Gewinn weit hinaus. Auch ohne Syndikat würden wir bei der Kohlenlnappheit hohe Preise haben; worauf cs aber hier ankommt, ist, daß die Preise auf längere Zeit festgelegt werden. Die Regierung erinnert mich an die Geschichte von der erfahrenen Dienstfrau: sie brauchte kein Thermometer; sie wartete einfach ab: wurde das Kind im Bade blau, bann war das Wasser zu falt, würbe es rot, so war es zu heiß. So wartete auch die Regierung, ob die Konsumenten^ blau oder ro' werden. (Heiterkeit.) Im wirtschaftlichen Rückschlag fins wir. schon mitten brin, er droht nicht erst; und wie wir ihn überstehen, das hängt sehr viel davon ab, ob die Industrie ihre Rohstoffe, insbesondere ihre Kohle billig beziehen kann. Der Bergfiskus hat für Konkurrenz zu sorgen, um ein normales Preisniveau herbeizuführen. (Beifall.) Ein Vertagungsbcschluß bricht die Aussprache ab. Der Präsident stellt fest, daß der erste Schwerinstag erst nach der Etatsberatung stattfinden soll. Singer (Soz.) verlangt, daß die Schwerinstage dann aber eingehalten werden. Mittwoch 1 Uhr: Müller st iftung, Versicherungsvertrag, Sicherung der Bauforderungen, Wechselprotest. Schluß 6% Uhr. Chr. M. Wieland: Vol Wil Wetter S cv 744 873 768 841 190056 197 2 80 67015 B43 524 37 285 '07 900 [10001 242343 454 ' 709 721 981 86 7 670 [3000] 729 80 4 4 4 571 317 185 153 414 809 955 845 SSE w SSE 371 263 235 i i L 847 577 607 211 545 416 279 616 650 Pr 1 T 339 451 629 700 575 877 Regen Bed. Himm Bed. Himnil Taschenausgabe.' Walter Tiemann. 247 95 386 240 355 SG3 -Arche und Schule in Meiningen. Wenn die Staatenvielheit für das deutsche Volk Vorteil bringt, so ist dieser sicherlich auch darin zu suchen, daß in einen: Staate mit Bezug auf Verwaltung und Gesetzgebung Versuche gemacht werden können, die in anderen Staaten Höchste Temperatur Niedrigste „ 1. Bd.: Hörnchen. 2. Bd.: Traum- (17. Ziehung 5. Kl. 217. Kgl. Preuss. Lotterie. ✓ Ziehung vom 26. November 1907, vormittags. Nur die Gewinne Über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verboten.) / 88 [500] 227 26 588 777 96 1015 147 97 470 812 2118 [3000] 93 216 320 [500] 449 64 [3000] 548 820 37 b004 141 44 322 623 43 875 972 [500] 4030 159 [8000] 204 440 517 654 [500] 84 [500] 5204 353 5S2 742 802 [1000] 56 983 6039 174 391 525 714 [5001 23 907 7189 231 [500] 395 505 65 841 79 8 543 741 892 9399 431 776 828 908 Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 4- 9,2 • C. 4- 3,5 6 C. au3 irgend welchen Gründen vorerst nicht möglich sind. Was in Preußen von einem Teile der Liberalen erstrebt wird - ,r' ~ 772 840 910 50 1 4 6068 154 311 717 19 913 [3000’ 14703J 94 269 467 96 582 621 87 826 [1000] 91 1488K 149o50 618 80 728 879 951 79 150167 303 416 528 763 92 1 5113’ 215 41 RR *?< <35 =S8 152217 <1 797 819 95 [6001 153^8 [6» 8f plVnnn!370 495 539 81 795 812 951 [500] 15400- 9-R «ÄL264 618 933 t3000] 15 5057 136 [10OT] 9: 2o8 3S6 [1000] 506 600 715 92 854 61 15 6013 92 IM 49t M S r3" T.157“5 15001 414 S08 827 15815 £ 32 98 876 86 92 859 902 1 5 9 432 613 [500] 1t Kurt Laßw itz I Nie und Ninrmer. Ein Tiermärchen aus der oberen Kreide « ^LUUUl_ kristalle. Neue Märchen. 3. u. 4. Tsd. Leipzig, B. Elischer Nach- LSniversitats-riachrschtesr. ar ~ E in nationaler akademischer Tag in Leipzig. Aus ^erpzig wird uns geschrieben: Ter Deutsche Reichs- u rg erv erein, der sich hier am )8. Oktober konstituierte, ueu- .....A e i n e j e n t r aIe Pflegstätte für reichs - ' - und G e m e i n d e i n t e r - Albrecht Krüger: Theoretisch-praktische Gesangsschule ^°na9ei§qi»atonalbum- ®b- 47-) Köln a. Rh., P. I. Tonger' LCiy J- JJC L. 10432 694 902 [500] 60 [1000] 11098 333 95 742 12140 225 322 4 03 83 517 49 [1000] 94 605 44 733 45 852 Bll 61 13000 302 86 403 572 690 783 [500] 928 14131 lsrooo] 241 714 818 15046 261 653 708 832 33 39 [1000] 80 [1000] 85 959 1 6118 226 803 8 400 570 758 [1000] 17187 205 22 338 518 863 917 1 8040 173 94 336 85 [ 3000 ] 483 620 630 [3000] 889 97 [1000] 19079 271 423 947 ... 20203 51 439 553 814 21113 32 3 9 269 92 339 506 i2 838 82 702 919 2 2041 310 15 613 [3000] 79 760 79 942 98 2 3 044 83 354 96 [3000] 469 [500] 691 2 4064 134 87 R47 ftr1oi!292R5,)27 326 llvoo] 27 424 56 63 [500] 647 [500] 713 916 2 6122 230 36 71 [1000] 443 551 727 831 ®'7 127 83 [3000] 2S8 350 431 82 [1000] 535 47 5S f41 ?8°35 -34 Sol 456 727 805 29042 92 189 257 611 8o3 — 09 623 88 864 73 [500] 985 184156 24- 434 [100°] 65 82 805 59 963 185375 425 714 186072 18«u/hnn5!? ?oS 187252 67 395 757 E500] 806 31 935 18814- [iOOO] 98 274 669 733 1 89104 6 8 395 726 190152 [500] 60 373 489 574 723 949 [500] 191173 *94 ^000) 833 1 92108 295 98 307 964 88 1 93.341 [500] 98 473 5i9 830 84 1 94184 213 314 425 540 [500] 85 613 21 924 53 1 9 5007 [3000] 311 437 580 644 81 717 987 [3000] -1» 234 64 331 54 441 [500] 976 1 97186 263 349 830 [500] 61 912 38 1 98143 342 650 1 9 9288 [500] 456 Der staunte Pädagoge Professor Rein in Jena begrüßt die Neuordnung der Schule in Meiningen mit großer Genugtuung und dem Wunsche, daß die deutschen Staaten in einen Wettbewerb hineingerissen werden möchten, der zu immer höheren Entwicklungsstufen hindrüngt. Alle Freunde dieser Neuordnung haben nun ein sehr lebhaftes Interesse daran, daß sie gute Erziehungsfrüchte trage. 896 21 IM L=XVVZ ™/lvuuJ 401 L0U°J 77 545 625 89 \ - r ® ixflao ®a ft : Häusliche Schmtzkunst. Eine Anleitung zur [clbstandigen Herstellung allerlei Schnitzwerks. 3. Ausl Stuttgart, Union Deutsche Verlagsgesellschaft. 4qn7tÜ^rfSy,i?Ii0^eiL lür die Jugend. Nr. 435 O • rc -S’ Schultz: Der Bernftemtaucher. Der Wildfischer. aS?^lui^en baltischen Küste. Preis 75 Pfg., geb. 1.20 W. Nr. 442-443. Adalbcrt Stifter ' ^e1:g5 SoOT) 9 50? -TO°21 ’TnnR f001 425 666 922 216182 204 , 811°“i«l,8«2£J05 223127 m ! 81° -1 [500] 909 2 2 4243 740 (5001 00°. 83 850 981 2270^ ?? 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Er^ lung. (Wiesbadener Volksbücher Nr. 97.) Wiesbaden - bildungsv. Geschäftsstelle Buchhandlung Heinrich Staadt, baden.), Preis 50 Pfg. W i n ter in b e r S chweiz. Herausgeg. vom Publizität dien]t ter Schweizeruchen Bundesbahnen in Bern. Kr up kes Konversations-Lexikon der Börsen 1907—lür Kapitalisten. 5. Au ^^07 Berlin W. Io, Verlag Krupkes Konversationslerstl ■. Scheren-Arbeiten für die Jugend. Herausm i von C. Hostmann 1. Troika. 2. Geschütz mit Bespannung. 3 A tiagerie. Ravensburg, Otto Maier. Preis jeder Serie 50 P t Geschichte der Abderiten. sn. Eingeleitet von Dr. Franz Deibel, i[[. r Leipzig, Insel-Verlag. Preis 4 Mk. ^chattenfiguren zum Ausschneiden für Schattem'hi Herausgeg. von Otto Robert. 2. Serie v. P. Widmayer. ~ 1.20 Mk. 3. Serie von P. F. Messerschmidt. Preis Ravensburg, Otto Maier. 230128 255 406 506 621 913 22 23115« (rao! 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